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Die
Kiircliengeschichte
von
Spanien.
Ton
Pins Bonifacius Garns
O. 8. B.
Dritter Band.
Vom Ende des eilften JabrhandertB bis znr Gegenwart.
Krste AUhellniis.
Jahr 1085—1492.
Beg^nsburg.
Druck und Verlag von Georg Joseph Manz.
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1876.
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Inhalts-Verzeiehniss.
Eilftes Buch.
]>«r Primat von Toledo (J. 1085-1248). 8. 1-235.
Erstes Kapitel.
Die Hentellinig des Erzbiathams and der neuen Primatie von Toledo, S. 2—39.
Zweites Kapitel.
INe Beielie Castilien and Leon im zwölften Jahrhnndert, S. 40—63.
Drittes Kapitel.
Dm KSnigreieh Portogal (1095-1245), S. 64-80.
Viertes Kapitel.
Didaen Gelmirez und die EJrche des beulen Jacobns, S. 81—110.
Fünftes Kapitel.
Der Eixbisehof Don Bodrigo Ximenes von Toledo nnd seine Zeit. — Schlacht von
las NavBB de Tolosa (1212), S. 111-154.
Sechstes Kapitel»
Ferdintad III., der Heilig. Die Eroberong von Gordova (1236) and Sevilla (1248).
— JfiasioBen in Maroeeo (1249—1421), S. 15&-177.
Siebentes Kapitel.
Die J2elelie Aragonten , Catalonien und Navarra. Von der Eroberung Toledo's bis
aa der Eroberung von Valencia (1085—1248), S. 178—235.
IV Inhalto-Veneicbiifli.
Zwölftes Buch.
BU letzten ^9hxhmnAntm dar rrmmäbmam6kUt (ß. U48— MM).
Erstes EapiteL
Daa Reich Angonien, von der Eroberung Valencü'fl bis u seiner Verbindong mit
der Krone ¥on Cattilien (1248 — 1479), S. 236—260. Die Anfbebong der
Tempdberren, S. 260-^16.
Zweites Kapitel.
Das kflnigretch Portogal (124&— 1500), S. 317—351.
Drittes Kapitel.
Das Reich Caatilien , von der Eroberang von Sevilla bis zn der Erobemng von
Granada (1218—1492), S. 352-446.
Exeurs I.
Stand der BevOlkemng Spaniens in den verschiedenen Zeitaltem, S. 447— 47(X
Excurs II.
Die (bis jezt weniger bekannten) römischen Straasen in Spanien, S. 471—482.
Eillles Buch.
Der Primat von Toledo.
(Von Toledo nach Sevilla 1085—1248.)
Der Besiz der alten Hauptstadt des Westgothenreiches, welches
dk gsnze Halbinsel der Pyrenäen nnd einen Theil des südlichen Frank-
rad», die Narbonnensische Provinz, nm&sst hatte, war den Christen
10 Spamen, die sich mit hohem Selbstgefühle Nachkommen der alten
Gothcn nannten , eine sichere Bürgschaft, dass wieder ganz Spanien
als christliches Reich werde hergestellt werden. In allen Jahrhunder- j^^^
ten liatte der Norden von Spanien das geistige Uebergewicht über den Norden
SödeiL Die geistige nnd die körperliche Kraft des südlichen Spaniens ^^^^^
kcmnte nie den Norden unterwerfen und sich dienstbar machen, oder von
wenigstens fingere Zeit die Herrschaft über ihn behaupten. Von Toledo ^^ ^
ins, dem Centralpunkte Spaniens, ist im siebenten Jahrhundert die
gisze Halbinsel beherrscht worden, und wurde vom Jahre 1085 an
iDehrere Jahrhunderte lang der grossere Theil der Halbinsel beherrscht
Vom Jahre 1085 an wurde Toledo wieder, nicht die kirchliche Haupt-
stadt der ganzen Halbinsel, aber doch ein kirchlicher Mittelpunkt, der
seinen Einflnss , seine geistige Macht in dem Grade ausdehnte und
geltend machte, in welchem das Reich Castilien die übrigen christ-
lichen Keiche der Halbinsel an Ausdehnung und an Macht überragte.
Wie die Reiche Aragonien nnd Portugal hinter dem Reiche Castilien
zorocktraten, so traten die Metropoliten von Tarragona (und Saragossa),
Compostella, Braga (und Lissabon) und Sevilla hinter dem Metropoliten
▼Ott Toledo zurück, der die Primatie über ganz Spanien anstrebte, aber
nur die über Castilien erreichte.
Com, «paii. Kircbe. Hl. 1.
Erstes Kapitel
Die Herstellang des Erzbisthums und der neoen Primatle
von Toledo.
§• 1-
Nach den Tagen des grossen Erzbischofs WiStremlr (um 839— 850)
sinkt die Kirche von Toledo in das Dunkel von mehr als zwei Jahr-
hunderten zurück. Noch sind die Bischöfe Bonitus (859 bis c. 892)
und Joannes (c. 892 — 926?) geschichtlich beglaubigt. Diess war viel-
leicht jener gefeierte Bischof Obaidallah ben Cäsim, der unter dem
Ende Chalifcn Alhacam IL blühte (956)^). Bestimmtes ist nicht zu ermitteln.
des •!- jjjj Jahre 1058 wurde Paschalis zu Leon als Erzbischof für Toledo ece-
bis. weihty der auch im Jahre 1067 genannt wird. Daraus konnte man
ihnma? folgern, dass die Bischöfe in Toledo selbst aufgehört hatten, oder von
dort auswandern mussten. In der mozarabischen Messe werden noch
einige Bischöfe commemorirt, welche sonst aus der Geschichte nicht
bekannt sind, und von denen der eine oder andere zwischen 956 und
1058 gelebt haben könnte. Ihre Thaten und Schicksale aber liegen im
Dunkeln.
Kaum waren die Christen in Toledo wieder eingezogen, als sie
auch daran dachten, das ganz oder fast erloschene Erzbisthum wieder
herzustellen. Wie Toledo die Hauptstadt des nun Alt- und Neucasti-
lien, mit Leon, Asturien und Galicien, umfassenden Königreiches von
Castilien (und Leon) wurde, so sollte Toledo auch wieder Metropole
des ganzen Reiches werden. — Noch im Sommer des Jahres 1085
hatte Alfons VI. die wichtige Stadt Talavera bei Toledo, ferner Gua-
dalaxara^ Madrid^) und Maqueda erobert.
') So meint Fr. X. Simonet.
^) Magerit bei dem Chronisten Pelajo, bei dem Gnadalaxara Gaadalfajara
Die Einwohner von Toledo. 3
Nach der Erobernng Toledo's bestand die Bevölkerung der Stadt ranf
ans fuhf Hauptclassen. Die Mozaraber waren der Grundstock der p*'"f°
Berölkerang, sicher der ehrenwertheste Theil derselben, die in den wohner
fast vier Jahrhunderten der Unterdrückung ihrem alten Glauben treu J^'^^
geblieben waren. Sie erhielten mit Recht von Alfons VI. viele Vorrechte
TOT den übrigen Einwohnern, u. a. auch das Recht, den alten gothischen
Bitos beibehalten zu dürfen. Was aber am Anfange eine Auszeichnung und
ein Vorrang war, das fnhrte im Laufe der Zeit zur Vereinsamung und zur
Stignation des geistigen Lebens. Die zweite Glasse waren die Gasti-
lianer, welche sowohl in der Stadt als im Gebiete von Toledo sich
siederliessen, welche die eigentlichen Dienstmannen des Königs waren,
mid ans den verschiedenen Provinzen des Reiches Gastilien-Leon ein-
wanderten. Die dritte Glasse waren die Franken; es waren die Vas-
eoQcn (Basken) und andere Ausländer, die in dem Heere des Königs
dieoten, und nach dem Ende des Feldzuges sich in Toledo ansiedel-
ten. Man mnss beachten , dass seit den ältesten Zeiten der Geltiberier
die Bewohner von Frankreich einen natürlichen Zug hatten, nach Spa-
nien aosznwandem« Der König stattete die Franken aus den Gütern
der besiegten oder geflohenen Mauren mit Leben aus. Durch ihre
Tapferkeit und Riihrigkeit erlangten sie grossen Einfluss. Nebstdem
wohnten die zahl* und einflussreichen Juden in der Stadt, und die
besiegten Manren, welche nicht fliehen konnten oder wollten. Ihre
Zahl masate stets abnehmen, da die Gewalt sie nicht mehr schüzte.
Am Ende des Jahres 1086 tagte eine Reichsversammlung in To-
ledo, nm einen neuen Erzbischof und zugleich einen Primas für Toledo
zu wählen« Bernhard, Abt im Kloster von Sahagun, ein Gluniacenser
und gebomer Franke, wurde erwählt. Wir vermuthen*), dass es der-
selbe war, auf welchen als einen „Fremden'' Gregor VII. schon im
Jahre 1081 hingedeutet hatte. Zu beachten ist auch der Einfluss der
Königin Constantia, der sich schon bei der Durchführung der römi-
schen Liturgie geltend gemacht hatte.').
Ckrcmoon Püagii ap, Flarez, L 14, p. 488. — Chron. Lasüan., ibid.
p* 418 (segunda edtc) ; Äera 1123 Octavo Calend. Junii Rex Donntis Alf ort-
Mu eepü Cmtatem Tdetum, postea Talaviram, cunctaque Castella, quae sunt
ta Carpdania (Nea-Castilien) Prümnda Carthaginis subjacentia Regiae IJrbi
Töläi, quae «s< (weltliche?) Metropolis. — Schaefer, 2, 375. — Ofroerer, Gre
f/Ty VIL, t. 4, p. 485. — /Stolberg 'Brischar, Gesch. der Religion Jean Christi,
1 46, p. 265.
9 Mit Ofroerer, 4, 484.
*) Flarez in seinem Werke: Memorias de las Reynas Ctxtholicas zählt die
1*
4 EOftes Buch. Entes Kapitel.
Schon im Jahre 1086 warde der Abt Bernhard von Sahagun als
Erzbischof von Toledo erwählt Am 15. October 1088 verlieh Uit)an U.
demselben das Pallium und den Primat über ganz Spanien. Der Papst
sagt, es sei allen bekannt, welche Würde und Anctorität die Kirche
von Toledo in den alten Zeiten gehabt, in Spanien (wie in Grallien), and
welchen Gewinn darans dieses in kirchlichen Angelegenheiten gezogen
habe; aber ,,weil die Sünde des Volkes es verschuldet^ '), wurde diese
Stadt von den Saracenen erobert, die Freiheit der christlichen Religion
wurde vernichtet, so dass beinahe 370 Jahre lang keine Würde eines
christlichen Oberpriesters daselbst in Kraft bestanden habe^. — Nun
habe aber der Konig Udefons (Alfons) die Stadt wieder erobert Nach
„dem Willen und nach der einmüthigen Uebereinstimmnng der in
jener Provinz wohnenden Volker, Bischöfe und Fürsten, sowie des
trefflichen Königs Ifdefons, gefiel es der Ausen^^Udung der göttlichen
Majestät, dass du, theuerster Bruder Bemhardus, zum ersten Ober-
hirten (priiestdem) jener Stadt nach so langer Zeit erwählt wurdest
Wir aber, entsprechend der Erbarmung der himmlischen Gnade, ver-
weigern es dir nicht, der du troz der grossen Zwischenrilume von Land
und Meer, die Anctorität der römischen Kirche bittend angerufen hast,
die alte Würde der Kirche von Toledo wieder herzustellen^. Vielmehr
freut er sich und dankt Gott, der dem christlichen Volke einen solchen
Sieg verliehen hat, dass er, nach dem anererbten Wohlwollen der
römischen Kirche, gemäss der der Kirche von Toledo geziemenden
Hochachtung, und entsprechend den Bitten des Königs Alfons dem
Erzbischofe das Pallium übergeben, die Fülle nämlich aller bischöf-
lichen Würde, und denselben, wie es auch die Bischöfe Toledo's von
Alters her bekanntlich gewesen, in allen Reichen Spaniens durch die
Sanction | des von ihm ertheilten Privilegiums als Primas einsezen
könne')« Als ihren Primas mögen ihn idle Bischöfe Spaniens aner-
Ctemahlinen des Königs Alfons VI. also anf : 1) Ines (Agnes), Tochter Gnido's, des
Herzogs von Aquitanien; 2J Constantia (aach Berengaria) 1080—1091), Tochter
des Herzogs Robert von Bargand; 3) Bertha, eine Toscanerin (1093); 4) Isabella
c, 1097; 5) Beatrix 1108, welche nach dem Tode des Königs in ihre Heimath zurfick-
kehrte. Als des Königs „amigas'* erscheinen: Gimena Nnnnez nnd Zayda (aach
Isabella), die getaufte Tochter des Königs Abenabeth von Sevilla. — Florez, L c. i,
p. 163-^230. Nebstdem tauchen noch einige andere Namen anf. — Chronican
Pdagii (Adefansua 71, nr, 14). — Äguirre-Catalani, 6, 1. — Mariana, 1 9, 27.
') sed peccato popvli promerente,
*) üb per anno8 trecerUos pene aeptuaginta nvUa illic viguerü Christiani
pontificii dignitas,
') Pallium tibi, ex apcstolortm Petri et PavU benedidione contradlmiis»
plenihtdinem sdlicet omnis sacerdotalis dignitatia , teque^ seeundum guod ejus-
dem urbia arUiquitus constat extitisae pantificea, in totia Hiapaniarum regnia
Primatie von Toledo, 1088. 5
kennen, jedoch unbeschadet der Auetoritat der romischen Kirche , und
den Vonrechten der einzehien Metropoliten. Er bestätigt ihn und seine
bnonisch erwählten Nachfolger in Kraft dieses Privilegiums in der
Regiemng der Kirche von Toledo.
§. 2.
An demselben Tage wünscht Urban U. dem Konige Glück zu
der Einnahme von Toledo, und empfiehlt ihm den Primas Bemard,
dcD er mit dem Pallium geschmückt habe. Der Brief zeigt, dass Ber*
natd in Rom war'). Er beschwert sidi aber, dass der König den
Bischof (Diego Pelaez) des heiligen Jacobus gefangen genommen, u^d
zugleich ihn seiner -Würde entsezt habe. Durch den Erzbischof von
Toledo möge er ihn in seiner Würde wiederherstellen lassen. Der
Üixiiiui Richard hatte zu der Absezung die Hand nicht bieten
5olleo, da ja schon Victor Ol. ihn seiner Legation in Spanien be-
nobt habe. Er möge den Bischof nach Rom senden, damit der Papst
den lezten Entscheid treffe. — Am gleichen Tage berichtet der Papst
dem Erzbischofe von Tarraco und den übrigen Erzbischöfen in Spanien,
d3£s hk den Bemardus als ihren Primas zu verehren haben. Die-
jenigen von ihnen, welche zur Zeit unter keinem Metropoliten stehen,
soUen den Bemardus als solchen anerkennen. Dem Abte Hugo von
ÜQgny schreibt der Papst dasselbe, da auch dieser sich für Bemar-
dus bei ihm verwendet hatte.*).
§. 3.
Welchen E!rfolg hatte die Herstellung der Primatie von Toledo?
Uihn II. sagt nicht; dass die frühere Primatie der Kirche von Toledo
voo den Pisten verliehen worden sei. — Im Jahre 1086 mochte man
n Toledo dieser Ansicht sein. — Aber er will, dass die Primatie den-
prmatm privüegii notfyri sanctione staiuifnus. Primatem te universi praesu-
^Hi»p<miarwn resptciant, etadte, si quid inter eos quaestione dignum exor-
^füerU, refereni, talva tarnen Ramanae Ecdesiae aiuctoritate et metropoli-
'«Morm privüegiis singulorum, Toldanam ergo ecdesiam jure perpetuo tibi
'lo*?«, n divina pfaestiterit graiia^ succeasoribus canonids tenore huius pri-
"^ toußrmamue, — Yepes^ Coronica general, 6, 485 b. — Aguirre-Cata-
^5,L^ Manai, t 10, 522.
') Bemardum eftudem urbis praesulem tuia exhortationibus invitati digne
^ rtterenter exeq^müa, et ei paUium coniradentee, privHegium quoque Tote-
^Auc oiUtigiiae fnqjeetoHa indulsimua, Ipsum enim in totis Hispaniarum regnis
P^9aUm statuitnue, et quidquid Toletana Eccleeia antiquitus noedtur ha-
^MiK, mmc quoque ex apoetolicaelsedis liberalitate in poaterum habere ceneuitnus.
*) Die 4 Briefe bei Crepes, 6, 485b), MabiUan et RuinaH, Oeuvres poet-
kuM, S, 344-350. - Äguirre-Caialani, 5, 13-^15. - Mann, 10, 522;
20, «W, 698. - Migne, P. L, L 151, p. 288-291.
6 Eilftes Buch. Erstes KapiteL
Derfru- Selben Umfang, die gleiche Aasdehnung, wie im Jahre 681, habe. Dem
bere u. j^]|^^ ^^^ ^j^ Macht zuT Seite ficestanden, und er war Primas von
der neue , , "
Primat, gauz Spanien und einem Theil yon Gallien.' Dem Bemardus stand
das Recht, aber nicht die Macht zur Seite. Die Bischöfe in Gata-
lonien, Aragon, Navarra, sowie in Südfrankreich erkannten ihn nicht
als ihren Primas an, weil ihre Bisthümer nicht in dem Reiche Alfons' VI.
lagen. Sobald ein kleines Reich Portugal entstand, wollte auch dieses
kirchlich nicht unter Toledo stehen. Die Bischöfe, welche im Jahre 1088
. noch unter den Arabern standen, hätten den neuen Primas nicht an-
erkennen können, wenn sie auch gewollt hätten. Die Primatie ging
nixr so weit, als sich die politische Macht des Reiches Gastilien-Leon
erstreckte.
Aber auch hier erlitt der neue Primat noch unter Papst ürban ü.
eine bedeutende Einschränkung und Begrenzung. Am 5. December 1095
schreibt der Papst dem Bischöfe Dalmatius von Compostella, dass das
Buthom Bisthum, welches vordem in Iria gewesen, seinen beständigen Siz an
f^°^' dem Orte haben solle, welcher Compostella heisse, und wo die Kirche
stehe, von der man glaube, dass sie den Leib des heiligen Jaco-
bus bewahre*).
Aus besonderer Verehrung des Papstes gewährt er dem Bischöfe,
dass er sowohl als seine Nachfolger keinem Metropoliten, ausser dem
Ezem- römischen (Papste) unterworfen sein sollen; alle seine Nachfolger sollen
^'^j^^'als die besonderen Suffi*aganbischöfe des römischen Stuhles durch die
thams Hand des römischen Papstes geweiht werden. Wenn in Zukunft ein
^^ Erzbischof oder Bischof, ein Kaiser, König, Fürst, Herzog u. s. w.,
ein Richter, irgend eine kirchliche oder weltliche Person, diesem De-
crete entgegentreten sollte, so werde sie zwei- bis dreimal gewarnt,
und wenn sie nicht Genugthuung leistet, so sei sie ihrer Ehre und
Würde beraubt, dem göttlichen Gerichte sei sie verfallen, und von
dem Genüsse des Leibes und Blutes des Herrn ausgeschlossen. Mit
dreifachem Amen schliesst das Breve^. Die Exemtion des Bisthums
Compostella von der neuen Primatie wurde aber mit viel stärkeren
Scbuzwaffen und Cautelen gesichert, als die Errichtung der neuen
Primatie. Wer war aber der Bischof Dalmacius, dem der Papst so
Bischof Grosses gewährte? Der erwähnte Bischof Didacus Pelaez {Didacus
DidMui Pelagii) (1070 — 1088), aus vornehmem Geschlechte, hatte unter Anderm
' den Bau einer neuen und prächtigeren Kathedrale begonnen, und die
Zahl der Kanoniker von Santiago auf 24 erhöhet. Seine Feinde aber
') Ecdesiam continet, in qua B, Jacobi corpus requiescere creditur.
•) Historia Compostdlana, ap. Florez, t, 20, Ldb, 1, cp. 5. — Historia
y descripcion arqueologica de la Basüica Compostelana , por Jos. Mar. Zepe-
domo y Camero (Archidiakon in Compostella), Lugo 1870, p. 244.
CoBcil von HasilloSy c. 1088. 7
brachten ihn bei Konig Alfons VI. in Verdacht, dass er das Reich
Galicien dem Könige der Spanier entreissen und es dem Konige der
£D<rlinder and Nonnannen ausliefern wolle. Ob diess weit verbreitete
Gerächt begründet war, lässt schon der Verfasser der ,,Geschichte
ron Compostella^ unentschieden'). — Der Konig liess ihn (im Jahre 1088)
gefangen nehmen.
Auf Verlangen des Königs traten die Bischöfe seines Reiches in
der Kirche der heiligen Maria zu Fusellos zu einem Concil unter dem •
Vorsize des päpstlichen Legaten und Cardinais Richard zusammen, concii
Alfons VL wohnte der Versammlung an, die wahrscheinlich im Jahre 1088 ^°
gehalten wurde*). Die Synode sollte den Bischof absezen und ihm
einen Nachfolger geben. Didacus wurde vor die Synode gefuhrt, ge-
bort, auf Andringen des Königs abgesezt. Aus Furcht vor dem Kö-
nige, und in der Hoffnung, dem Gefangnisse zu entfliehen, erklärte
^ich Didacus für unwürdig des Bisthums, und übergab dem Cardinal
meinen Ring und Hirtenstab. Petrus, bisher Abt von Gardena, wurde
ihm zum Nachfolger gegeben. Der Papst verwarf diese Absez-
ong, unter Anderm aus dem Grunde, weil schon Papst Victor UI.
dem Cardinal Richard die Legation in Spanien entzogen hatte. Petrus
Tenraltete die Kirche in den Jahren 1088 — 1090, während Didacus
aars Nene in das Gefängniss geschickt wurde.
§. 4.
Hosillos (oder Fuselli) liegt bei Palentia. Acten der Synode
fehlen. Sie ist nur bekannt aus der „Geschichte von Compostella^. —
Uao handelte dort auch über die Feststellung der Grenzen der beiden
Bisthümer Osma und Burgos. Der Erzbischof Bernard sezte den
Petms zum ersten Bischof des seit 1088 wiederhergestellten Bisthums
Osma ein, 1101. — Bemard, der inzwischen die neue Diöcese ver-
waltete, vertheidigte deren Rechte und Ansprüche gegenüber dem Bi-
schöfe Gomez von Burgos. — Zu Husillos besprach man auch die
Reform der Sitten des Klerus, da einige Priester öffentlich sich ver-
heiratheten; doch gelangte man zu keinen entscheidenden Beschlüssen.
Für den Konig handelte es sich vorzugsweise nur um die Absezung
des B]8cho& Didacus von Compostella.
*) quod eireumquaque mUgatum vJtrwm verum fuerü, an tum, non est
modo nosirae nuUeriae, Histot. Compost., l. 2, 2 (l. c. p, 264).
*) G^gen 8andoval^ der diese Synode in das Jahr 1135 verlegt, stimmt Ägii-
irre daffir, dass aie 1104 gehalten worden, weil ea in der erwähnten Geschichte.
heum, daas Alfons VL den Bischof Didacus schon vor 15 Jahren gefangen gesezt
(^aÜo 15 anmoTum permangit in vinculü). Allein die 15 Jahre können sich aof
die ipitare Zeit seiner Gefangenschaft nach der Synode von Husillos beziehen.
8 Eilftes Bach. Erstes EapiteL
§.6.
In derselben Angelegenheit wurde, wahrscheinlich im Jahre 1090,
das Concil von Leon gehalten. Denn gerade za der Zeit, in der die
Versammlang stattfand, starb zn Leon der Konig Don Garcia, Sohn
Ferdinand's L, am 22. März der Aera 1128, wie seine Grabschrift,
Gonou und die Chronik sagt, welche den Namen von Gompostella hat*). —
J^^ Alfons VI. hatte ihn auf den Kath seiner Schwester ürraca(?) gefangen
0. 1090. gesezt im Jahre 1073, und im Gefangnisse starb er 17 Jahre später^).
„Zu seinem Begrabniss kamen fast alle Bischöfe und Aebte Spaniens in
Leon zusammen, und mit königlichen Ehren begruben sie ihn.^
* Ob die Synode zu Leon aus Anlass dieses Begräbnisses gehalten
wurde, oder ob der Tod des Garcias gerade zur Zeit der Synode er-
folgte^ ist nicht deutlich. — Den Yorsiz auf dem Concil führte der
Cardinal Baynerius, später Papst Paschalis IL Anwesend war der
Primas von Toledo, und die Bischöfe und Aebte. Welche und vne
viele, wissen wir nicht, da auch von diesem Concil die Acten fehlen.
Petrus war damals Bischof von Leon. — Auf dieser Synode wurde
Vieles festgesezt, „was sich auf die kirchlichen Officien bezieht^. —
So Roderich Ximenes; und, vne zu näherer Erläuterung fugt Lucas
von Tuy hinzu: Die Bischöfe „beschlossen, dass die kirchlichen Offi-
cien in Spanien nach der Regel des heiligen Isidor begangen werden
sollten^. Eher haben sie beschlossen, diese Regel ganz abzuschaffen,
wofür ja der Legat, der Primas von Toledo und der Konig selbst
thätig waren. In Leon, Galicien und Asturien wurde die römische
Liturgie vnrklich eingeführt^.
Unter der Regel Isidor's dürfte demnach sein Brief an Bischof
Leudefred, und sein Buch „über die kirchlichen Officien^ zu verstehen
sein, worin er sagt, dass der' Anfang der kirchlichen Officien von Rom
ausgegangen sei.
^^^ Ein wichtiger Beschluss war, dass hinfort an die Stelle der gotM-
gaUische sehen die gallische Schrift treten sollte^). Der Erzbischof Roderich
sebrift g*|^^ diesem Verbote einen weitem Umfang; alle Schriflsteller sollten,
') Esp. aagr., t. 20, p. 610; t. 23, p. 328 (mit Varianten).
*) Nach einem andern Berichte liess Alfons VI. seinen Bmder anf die Nach-
richt von seiner Erkrankung frei, derselbe starb aber anf der Reise nach Leon;
sein Leichnam wurde nach Leon gebracht, und in der Kirche San Isidro begraben.
— Eoderic. Tolet., 6, 29.
') Escälona, Historia de Sdhagun, Mad. 1782, p. 477.
*) StatuerurU, tU Scriptares de cetera GraUicam litteram scriberent, et
praetermitterent Toletanam in offidis ecciesiasticis, vt nuUa esset divisio inter
ministros ecdesiae Dei, Lucas Tud. — Rodericus Toht.: Staiuerunt etiam,
ut de caetero omnes scriptores amissa littera TaMana^ quam ChdJUas episoapus
adifwenü, OaUicis litteris vterentur.
Exemtion von Santiago, 1095. 9
anhebend die Toletanische Schrift, welche der Bischof Ulfilas (Gul-
fiks) erfunden hatte, sich hinfort der gallischen Schrift bedienen.
Diess wäre also der Sieg des romischen über das germanische Schrift-
wesen. — Boderich Ximenes lebte an 130 Jahre nach der Zeit dieser
Ereignisse. Er macht kein Hehl aus seinem Widerwillen gegen die
AbsduffoDg der Litnrgie von Toledo; wir finden aber nicht, welche
Ansicht er über die eben erwähnte Aendernng im Schriftwesen hatte.
Die Dorclifnhnuig dieser Aendernng trat aber nicht zugleich überall
eio. In Galicien erhielt sich die gothische Schrift bis znr Mitte des
2v51fien Jahrhunderts. In gewissen Gegenden trat eine gemischte
Sdireibweise ein.
Petras von Cardena, der der Synode zu Hasillos als erwählter Bischof
TonCompostella angewohnt, wurde zu Leon abgesezt Der Legat Richard
wmde anTs Neae als abgesezt erklärt. Dem Petrus Vimara, einem Buthum
Laiai, wurde die Verwaltung des Bisthums übertragen; er regte aber®*"^^
wegen Grausamkeit, Habsucht, Gewaltthätigkeit und Verschleuderung
der Eirchengüter in kurzer Zeit einen allgemeinen Sturm gegen sich
aof, nnd wurde darum abgesezt. — Ihm folgte Arias Diaz, Majorinus
(Riditer) der Provinz, von denselben oder noch schlimmem Eigen-
schaften als Vimara. 'Der Klerus des Bisthums war beraubt des Noth-
wen<Ug6n zum Lebensunterhalt Doch starb er bald. Nun berief Don
Bamon, Graf von Galicien, die Bischöfe von Orense, Mondonnedo,
Toy und Lugo, welche mit den Aeltesten des Domcapitels den Kano-
nikus Didacüs Gelmirez mit der Verwaltung der Dioeese betrauten, DidAca«
welchem Auftrage derselbe im Laufe des Jahres 1093 mit vielem Bei- ^^'
Ule nachkam, indem er namentlich die Disciplin wieder herstellte.
Doch wurde er erst später Bischof von Gompostella. Alfons VI. Über-
trag rielmehr im Jahre 1094 das Bisthum dem Mönche Dalmatius von
Chgny, welcher Wahl Klerus und Volk Beifall gaben« Er erwirkte
(hrdi die erwähnte Bulle vom 5. December 1095 die Uebertragung
des Bisthums von Iria nach Gompostella, und was noch viel mehr ist,
die Unabhängigkeit von der Primatie Toledo's. Dalmatius starb aber
schon am 13. December 1095* Und jezt wurde Didacus Gelmirez
wieder Administrator, dann Bischof, dann erster Erzbischof von Gom-
postella. Seiner Thatkraft und Thätigkeit insbesondere ist die Be-
grenzung i^d Beschränkung der neuen Primatie von Toledo zuzuschrei-
ben. Seine Persönlichkeit überragte bei Weitem die beiden Primaten
Bemard nnd Baymund von Toledo* Nach der Eroberung Toledo's
»düen Santiago in Schatten gestellt und zurückgedrängt zu sein. Sein
Veidienst ist es, dass es den Einfluss bewahrte, den es sich vor der
Erobenmg Toledo's erworben hatte*).
0 Higbrna Campottellana, L 1, qf. 3. - Boderic. TcHdan., 6, 29. —
10 Eilfles Buch. Erstes Kapitel.
§. 6.
Alfons VI. hatte wegep der Zerstörung der Stadt Auca (Oca)
BUihom diis Bisthum voü da nach Burgos versezt, vielmehr Oca mit dem schon
oMmt! fxistehenden Bisthum Burgos vereinigt (1075). Am 14. März 1095
bestätigte Urban II. das Bisthum Burgos, sezte die Grenzen desselben
gegenüber dem Bisthum Osma nach den Verhandlungen der Synode
von Fuselli darüber fest, und bestätigt auf die Bitte des Bischofs
Gomez II. die Besizungen von Burgos *). Demselben Bischöfe Gomez
gelang schon im nächsten Jahre die Exemtion seines Bisthums von
dem Primas Bernard von Toledo, und dieselben Privilegien zu erlan-
gen, welche der Bischof Dalmatius für Santiago erlangt hatte. Durch
Breve vom 15. Juli 1096 erklärt Urban II., dass der Erzbischof Ber-
nard von Toledo auf der Synode von Nismes, welche der Papst im
Juli 1096 selbst hielt, Klage gegen den Bischof Gomez von Burgos
gestellt, weil er ihm nicht als seinem Metropoliten gehorchen wolJe,
während Gomez behauptete, das/ das Bisthum Burgos eher zu der
Kirchenprovinz vonTarraco gehöre; denn auchAuca (Oca) sei früher unter
Tarraco gestanden*). Konig Alfons VI. habe aber dagegen protestirt,
dass Burgos den provisorischen) Erzbischof von Tarraco als seinen
Metropoliten anerkenne, weil Burgos innerhalb der Grenzen seines
Kelches liege, Tarraco aber unter den Grafen von Catalonicn stehe.
Darum solle in Zukunft der Bischof von Burgos nur durch die Hand
des Papstes regiert und geweiht werden"), wenn nicht der Erzbischof
den authentischen Beweis fuhren könne, dass diese Weihe ihm zustehe-
Inzwischen sei er exemt von den Erzbischöfen von Toledo wie von
Tarraco. Gomez von Burgos klagte, dass Bernhard einen Theil der
Diöcese von Burgos an sich gerissen^ worüber sogleich ein Ausgleich
getroffen wurde*).
Chronicon Lucae TudensiSf ap. Schott, Hispania ülustraJta^ t. 4, i^iil' —
Florez Bisco, t. 36, p. 348^351 (Concilio c. en Leon, 1090). - Aguirre-Cata-
lani, 5, 29. — Mansi, 20, 735^738. — Tejada y Eamiro, 3, 222-224.
*) Florez, Esp.sagr., 26, 463. — Juan Loperraez Corvaton, descripcion MsU)-
rica del Obispado de Osma, Madr. 1788, 3, 551. — Migne, Patrol. lat^
t. 151, p. 407.
*) Florez, t. 4, 106; t. 26, p. 30. lUe v&ro ad TarraconensSt polius
metropolim suam ecelesiam pertinere protestabaiur ; quam quidem nos Burgen-
sem urbem Aucae decreveramita haberi vicariam, quae ut dicitur, antiquäus
Tarraconensi fuerat metropolitano jure suJbjecta.
*) Nostrae et fraJtrwm, qui nobiscum aderant discretioni visum est ad Ec-
clesiarum illarum sedandam seditionem, ut ßurgensis demceps episcopus manu
tantum Romani pontificis regeretur.
') Florez, Bsp. sagr., t 26, p. 464—466. (Migne, P. l, t 151, p. 471.) -
Loperraez Corvahn, Obisp. de Osma, 3, 552.
Paachalis IL bestätigt den Primat 11
So hatte denn Papst Urban II., der Hersteller des neuen Pri-
mates, demselben engere Grenzen gezogen. Es fehlte viel, sehr viel
dinD, dass alle Bisthnmer Spaniens denselben anerkannten. Beruhard
vaodte sich sofort um Bestätigung seines Primats bittend an Papst
PascialisII. Am 6. März 1101 erliess der Papst einDecret, worin er dem
Wortlaote nach das Decret Urban's II. vom Jahre 1088 bestätigt und den PaMbA-
BcnJard zum Primas „in allen spanischen Reichen^ macht. Das Pal- f^^^^]
licm dürfe er tragen an 17 Festen, an allen Aposteltagen, und an den
Festen der Märtyrer, deren Reliquien in seiner Kirche nihen, an den
Festen des heiligen Martinus und Ildefons, am Feste des heiligen Isi-
dor md Leander, und an andern Tagen. Von einem Feste Julian's
TOD Toledo ist hier keine Rede. — Die Eärchen, welche allmälig aus
da Binden der Mauren errettet würden, sollen ihn als ihr geistiges
flaopt loei^ennen. ^^Die Diocesen jener Städte, welche bei dem Einfalle
derSwacenen ihre eigenen Metropoliten verloren haben, unterwerfen
wir enrer Grewalt in dem Sinne, dass sie, soweit sie ohne Metropoliten
lind, each als ihren Metropoliten anerkennen sollen.^ Sollte aber eine
eiogegaogene Metropole wieder hergestellt werden, so solle sie in ihren
Jten Besizatand eintreten. (Darunter kann man nur Emerita und Se-
villa Teretehes.) Dass dieses geschehe, dafür m5ge Bernhard Sorge
tngeo. Der Schloss des Decrets ist wortlich in der Form der dem
Bischöfe von Gompostella im December 1095 verliehenen Exemtion
Tcr£u8t
§. 6.
Aber derselbe Papst sorgte dafür, wie Urban II., dass die Pri-
mae wieder beschränkt, dass der neue Primas und seine Nachfolger
^en die Versachung geschüzt wurden, die Wege des „Primas^
ioliaaus von Toledo zu wandeln. Schon im Jahre 1 100, wie es scheint,
verlieh Paschalis dem Erzbischof Gerardus von Braga das „Pallium
and das Privilegium'^ *).
Der Papst ladet im Jahre 1101 die ehrwürdigen Brüder und Mit-
bisdiöfe B. von Toledo, 6« von Bracara und D. von Gompostella ein,
der aDgemeyien Synode mit ihren SuiBfraganen anzuwohnen, welche er
am Anfimge der nächsten Fasten in Rom zu halten gedenke '). Die
0 Die Bolle ist nicht vorhanden ; aber in dem Leben des heiligen Gerardns
^om es, dass der Papst ihm das Pallium und Privilegium verlieh. — Vita Gerald,
»ä, Bemaldo, ed. Baluze. MitceUan,, 3, 179—206. (Cap. 6; BaluzeMansi,
1, 1^ _ iSß^j _ Portugaliae Monumenta histor. / , p. 63^ 59. Femer
iKieoi^ es Papst Calixtas II.
*) Ans: Histaria ComposteUana, FUrret, 20, 89; Migne, t.^163, p. 80.
(tpiMae et prwüegia PasehaUa IL)
12 Eilfites Buch. Erstes Kapitel.
erwähnten drei Bischöfe stehen hier als gleich berechtigte neben eiaander*
In der Fasten 1102 fand wirklich eine Synode zu Rom statt. — Schon
am 31. October 1104 erhielt auch Didacus yon Santiago die Auszeich-
nung, das Pallium zu tragen^). Seine Erhebung zum Erzbischofe liess
nicht mehr sehr lange auf sich warten, doch erfreute sich Bemard von
Toledo in dieser Zeit der Auszeichnung, Legat des romischen Stahles
zu sein.
Bistham Dass Ovicdo jemals ein Erzbisthum gewesen, ist nicht wohl zu
oviedo. bezeigen, (jie Aechtheit der hiefur yorgebrachten Zeugnisse ist noch
nicht bewiesen. Um so wahrscheinlicher ist es, dass das Bisthum seit
seiner Griindung (c. 802) keinem andern Metropoliten unterworfen 'war.
Die Bischöfe und Priester von Oviedo wünschten um so weniger dem
Primas von Toledo unterstellt zu werden, als bereits die Bischöfe von
(Braga) Gompostella und Burgos sich auf sich selbst und unmittelbar
unter den romischen Papst gestellt hatten. Demnach wandten sie sich
bittend nach Rom um Befreiung yon jedem andern Metropolitanyerbande,
und erlangten am 30. September 1105, was sie verlangten. Pelagius
war damals Bischof dieses Sizes. Der Papst sagt, dass Oviedo seit
alten Zeiten dieses Vorrecht gehabt habe'). Diese Exemtion solle so
fest bleiben, dass von keiner Seite derselben Eintrag geschehen dürfe.
Alle Nachfolger in diesem Bisthume sollen durch die Hand des romi-
schen Papstes ihre Weihe erhalten, da sie ja die Suffraganen desselben
seien. Die Strafbestimmungen gegen die Widerstrebenden entsprechen
den in den Bullen for Gompostella (1095) und für Toledo (UOl) ent-
haltenen^. In einem Briefe des Papstes an Bernhard von Toledo (vom
Mai 1106) tadelt er denselben, dass er, als sein Legat oder Vicarius
in Spanien, ihm nur einen kurzen Bericht erstattet habe über einen
Grenzstreit zwischen den Bisthümem Santiago und Mindonium, aber
ihm gar Nichts über die Lage der Kirche und über ein von ihm
(c. 1106 zu Leon) gehaltenes Concil berichtet babe^).
') FUyrez, 20, 48.
*) ut Ubertatisjui antiquorum jam temporum diutumüate possessum eidem
Oveienst ecdesiae conaervamus. Ipsa quippe cum inter caeteras Hispaniae civi-
tates dara locuplexque poUuerü, ntdli unquam leffüur subjacuisse metrapoli.
») Florez-Risco, t. 38, 340, — Migne, t 163, p. 168.
*) de quibus satis nos mirari noveria, guia et te videre, et statum terrae
vestrae libenter veUemus agnoscere. Ap. Florez, t 20^ p. 79, — Migne, Patr,
lat, t. 163, p. 193. — Die Sammlung der Briefe des zwölften Jahrhandeits ist bei
Migne nach den Angaben der Regesta Pantificum Jaffas angelegt, und ist danim
viel reichhaltiger, als die in der Conciüensammlung von Manai enthalten^ Die
Sammlang hei Migne erscheint hier als ein Fortschritt der historischen Wissenschaft;
denn es ist jBchwer, Einsicht von all* den Werken zu nehmen, ans welchen JaffS
seine Begesten entnommen hat
Syoode von Leon. Streit zwischen Mindoninm und Santiago. 13
§. 7.
Vor dem Mai des Jahres 1106 hat also eine vonBemard geleitete synode
SjDode in Spanien stattgefunden , deren Acten nicht vorhanden sind. ^'^''">
Ueber sie berichtet die Geschichte von Compostella*), dass der „Grz-
Mschof von Toledo und der Legat «der heiligen römischen Kirche^
(Benard.) zu Leon ein Concil gehalten, dass Bischof Didacns von
Saad^ demselben anwohnte, und vor dem Konige und dem Concil
Klage fahrte, weil Gondisalvus, Bischof von Mindunium, dem Befehle
des Papstes, der am 25. October 1105 an ihn ergangen war*), Troz
bkte, und sich weigere, die Archipresbyterate Bisancos, Trasancos und
Sdkgia der Kirche von Santiago als ihr Eigenthnm zurückzustellen,
leber die Streitfrage selbst war lange verhandelt, und der Bischof
Gaidas ü. von Bargos durch ein Schreiben des Papstes vom October
1101') angefordert worden, sich als Schiedsrichter nach Astorga zu
b^ben nnd fünf altere Personen des Bisthums Mindonium eidlich zu
TerDehmen, ob die Kirche von Mindonium diese Archipresbyterate
40 Jahre lang ohne Widerspruch in ihrem Besiz gehabt habe. Das
Gotachten des Garcias war zu Gunsten von Santiago ausgefallen. Der
Primas Bemard ernannte zu Leon eine Commission von Bischofen,
weiche beide Parteien verhörten, und einhellig beschlossen, diese Be-
zirke sollen vorläufig dem Bischöfe von Orense übergeben werden, bis
l{om einen endgiltigen Entscheid treffe. Der Papst befahl aufs Neue
im Bemard (in seinem Briefe vom Mai 1106), die streitenden Par-
^ ZQ vernehmen, da sich keine Kleriker von Mindonium in Rom
tingdanden hatten. Didacus beschwert sich, dass er bei Bemard sein
luAht nicht gefunden^), nnd die Streitfrage eine Zeit lang habe ruhen
'asso. Inzwischen habe sich der Klerus jener Archipresbyterate selbst
roQ dem rechtmässigen Besizstande der Kirche von Santiago durch
genaaere Studien überzeugt. Sie seien zu Didacus gekommen, haben
ihren Irrthum bekannt, und haben sich ihm unterworfen.
0 Üb. i, S4, 35.
») Florez, 20, p. 78. — Jaffi, nr. 4507. — Miffne, 163, p. 170 (nr. 160
^ Kiefe PaKdialia' IL). — Fhrez-Biseo, t 35 (Synoden von Leon), p. 361—352,
«ad danaeh wOrUieh bei Tefada y Rcmiro, 3, p. 231.
*) Fhrez, 20, 77. — JqffS, nr. 4461. - Migne, t. 163, p. 114, 128;
L no, p, 929 (Abdruck der Higtäna Compost. ans Florez).
*) Doch thellt die Histor. Camp, einen Brief des Bernardus an Bischof Gnn-
*^>tthii (Tom Jahre 1103) mit, worin er ihm befiehlt, das Unrecht gegen Santiago
in iibn (Florez, 20, p. 75).
tina ▼.
Bnga.
16 Eilftea Bach. Erstes Kapitel.
das Bisthum Astorga verkleinert. Der Papst sieht darin eine Verwir-
rung des Königreichs, und einen Beweis der Alters- und Willens-
schwäche des Bemard. Er entzieht ihm darum das Amt eines Legaten
über die Provinz Bracara'). Gleichzeitig befiehlt der Papst dem Bi-
schof Gundisalvus von Coimbra, dass er zu dem Gehorsame gegen die
Kirche von Bracara zurückkehre.
Wahrlich, das Loos des neuen Primas von Toledo war nicht
Mmnri- auf- das LicbUche gefallen. Am 18. April 1114 war Mauritius vom
Papste suspendirt worden, u. a. wegen Gewaltthätigkelten gegen die
Kirche von Leon, und schon im Jahre 1118 spielte er sich als G^gen-
papst „Gregor VIII.^ gegen Papst Gelasius 11. auf. Das Intermezzo
des Jahres 1115 erklärt sich vielleicht dadurch, dass er bei personlicher
Klagefuhrung in Rom gegen Bernard mit seinen Klagen dort Recht
gefunden« Baluzius^ der sein Leben geschrieben, Tertheidigt den
Mauritius.
§. 11.
Schon im Jahre 1115 stand Bernhard in hohem Alter, und hatte
an 30 Jahre regiert. Er lebte aber noch gegen zehn Jahre. Au ihn
schrieb Papst Gelasius IL über die Excommunication desselben Mau-
ritius, und forderte ihn auf, für die Wahl eines neuen Bischofs in
Braga zu sorgen — 25. März 1118*). — Am 7. November 1118 ge-
währte Gelasius II. in kurzen Worten dem Bemard von Toledo eine
Bestätigung „seines Primats über ganz Spanien^, wie es die beiden
vorhergehenden Päpste gethan hatten, „unter Vorbehalt der Auctorität
der römischen Earche und der Privilegien der einzelnen Metropoliten ').''
e^iix. Am 2. Februar 1119 wurde Calixtus II. Papst. Schon hatte er
^"- am 26. Februar 1120 Santiago feierlich zum Erzbisthum erhoben,
gj^jon demselben u. a. die Bischöfe von Goimbra und Salamanca unterstellt,
und ihn als Legaten der heiligen römischen Elirche bestellt Aber erst
als die Königin Urraca den Erzbischof Didacus, des Papstes „Legaten
in gewissen Gegenden^, gefangen hielt, schreibt der Papst am 7. Oc-
tober 1121 an „den Erzbischof von Toledo, den Legaten des römischen
Stuhles, er solle der Königin Urraca befehlen, den Didacus unverzug«
lieh freizulassen; nach 40 Tagen vergeblichen Wartens solle er sie cx-
communiciren, und das Land mit dem Interdict belegen.
') Branäano, Monarchia Lusitana, 3, 39. — Bahae-ManH, Misedta-
nea, 1, 139. — marez-Risco, t 41, p. 295. — Jaff^, nr. 4787. — Migne, 1 163,
(nr. 442), p. 391.
*) Balwsii MiscM., 1, 144.
*) Muratari, rerum ItcUiearum acriptor,^ 3, P. 1, p. 411. — Migne,
t 163, 603.
CilixtiiB IL und Spanien. Primas Bcraard. Bisthnm Segovia. 17
Erst ans 3. November 1(21 schreibt er an den „Primas Bernard, Oaiix-
nnd überträgt ihm den Primat über ganz Spanien in der Weise seiner ^ ^'*
Vor^oger, auf Bitten Bernard's und des Königs Alfons VII. Das and
alte Bisthnm Complutum soUe mit Toledo vereinigt werden. Neu ist,®*"*"^**
dass neben Palentia auch die exemten Bisthümer Oviedo und Leon Toie4o.
Toledo als ihrer Metropole untcrthan sein sollen. Nur Compostella
soll die ihm im Jahre 1120 verliehene auszeichnende Stellung beibe-
faalteiu Durch einen andern Brief vom 3. November wird Bernard
zom Vicarius oder Legaten des romischen Stuhles in ganz Spanien er-
wählt, mit Ausnahme der Metropolen von Emerita (d. i. Santiago)
und Bracara*). Den Bischofen von Leon und Oviedo schreibt er,
Urban IL habe Mitleid mit der Armuth der Kirche von Toledo ge-
habt nnd ihr die Bisthümer Leon und Oviedo unterstellt. Sie mögen
danm dem Primaten Bernard in Ehrfurcht gehorchen. Ein Schreiben
an alle Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte, Pröpste, an alle Kleriker und
laien in Spanien sezt sie von der dem Bernard übertragenen römi-
schen Legation in Spanien in Kenntniss, und fordert sie namentlich
zur Theilnahme an den etwa von ihm zu berufenden Synoden auf.
Am 9. April 1123 bestätigte Calixtus II. die Wiederherstellung desBistham
Bisthoms Segovia, nach einer Unterbrechung von etwa drei Jahrhun- ^•«*'^**»
derteo. Petrus von Agino (Agen).war seit c. 1110 erster Bischof.
Die Bitte om Bestätigung hatte „sein Neffe" Alfons VIL gestellt*)«
§. 12.
Nach gewöhnlicher Annahme starb der Erzbischof Bernard in
den Jahren 1124 — 1126 (vielleicht schon im Jahre 11 23)'). Bemard
war ein Gloniacenser aus Gallien, und hatte sich als Abt von Saha-
gno Verdienste erworben. Dieses Kloster erlangte in ganz Spanien
das grosste Ansehen, so dass man es das spanische Clugny heis-
sen kann.
0 Calixtoa II. sagt: wir geben Dir alle Kirchon mit ihren Einkünften and
BeHsongeD, wie sie Dir uuer Herr and Tater fibergeben hat: scUvo tarnen in
ommibufjure el üomUnlo Romanae Ecdesiaej necnon censa annls el slngalls per-
aatvcado. — Mansi, 21, 215—216. — Aguirre-Catälani, 5, 43 — 46. — Migne
f. 163, 1222^1224 (nr. 157- 160 der Briefe Calixtas II.). Calixtns war der Sohn
des Grafen Wilheloi von Bnrgand, Brader des Grafen Raymnnd, Vaters Alfons' VIL
*) Diego de Colmenares, historia de la ciudad de Segovia, ibid. 1637,
p. 110. iJaffi, nr. 5139.) — Migne, 1. 163, p. 1290 (nr. 228 der Briefe CalixCs IL).
*) Das Jahr des Todes ist bis jezt nicht ermittelt. Komnald Escalona
in seiner Historia del real Monasterio de Sahagun. Madrid 1782, fol. p. 107,
beg&figt aicfa, zn sagen, dass er vor dem 3. Mai 112G gestorben sei, weil er nn
diesem Tage sehen einen Nachfolger hatte.
•puk JOrebe. III. 1. 2
von
Tolodo.
18 Eilftes Bach. Erstes Kapitel.
Bornard Rodcrich XiiDencs, ein Jahrhundert nach Bernard Erzbischof von
Toledo, nennt denselben einen klugen und frommen Mann. Er stammte
aus Agen, widmete sich eine Zeit lang dem Kriegerstandc; aber Kränk-
lichkeit zwang ihn, diesem zu entsagen; er trat in das Kloster des
heiligen Aurentius zu Aux, dann berief ihn der heilige Hugo von
Clugny zu sich, bei dem er längere Zeit weilte. Als der König Al-
fons VI. das Kloster des heiligen Facundus und Primitivus (Sahagun)
erweitem wollte, wandte er sich bittend an Hugo von Clugny, dass
er ihm einen Abt desselben sende ^). Hugo sandte den Bernard, wel-
chen er wegen des Verdienstes seiner Heiligkeit liebte, mit andern Mönchen
nach Spanien. Als Abt war Bemard liebevoll und beliebt bei Allen.
„Nach kurzer Zwischenzeit" (1080—1086) wurde er Erzbischof und
Primas. In Abwesenheit des Königs und auf Antreiben der Königin
bemächtigte er sich mit Hilfe christlicher Soldaten der grossen Mez-
quita (Moschee) der Mauren und gestaltete sie in eine christliche Kirche
um. Diess war freilich gegen den geschlossenen Vertrag. Nach drei
Tagen erschien der König und drohte, den Bemard sowohl als die
Königin mit dem Feuertode zu bestrafen'). Solche Strafe war auch
den Arabern zu stark. Sie eilten dem Könige bis Magam entgegen,
und baten um Schonung, indem sie besorgten, dass nach des Königs
Tode die Bache sie treffen werde. Sie entbanden ihn also yon der
Pflicht, den geschworaen Eid halten zu müssen. Da wandelte sich
des Königs Zorn in Freude, weil er ohne Bruch seines Eides die
Mezquita behalten konnte.
§. 13.
Als Papst Urban U. zur Befreiung Jerusalems die Christenheit
aufrief, wurde auch Bernard von Toledo von der allgemeinen Begei-
sterung ergriffen, nahm das Kreuz und verliess Toledo. Kaum war
er drei Tagereisen entfernt, so erhoben sich die von ihm eingesezten
Kleriker gegen ihn, sezten ihm einen Nachfolger, und vertrieben die
Hausgenossen des Bemard, welche demselben nacheilten. Bemard
kehrte zurück, vertrieb den Eindringling mit seinem Anhange, und
berief einige Mönche aus Sahagun. Als er vrieder sich entfernte, und
in Kom angekommen war, sandte ihn Papst Urban H. nach Spanien
zurück. Er reiste über Gallien und suchte fromme und gelehrte Männer,
*) et sicui in Chüliis istud (Cluniacense) numasterium praecelUbat, ita
et istud (8. Facundi) omnibtis monasteriis ^ttsdem ordinis in Hispaniis prae-
sideret. De rebus Hisp.y VI, 24.
*) proponens Bemardum electum et Reginam Constantiam incendio
concremare.
Bernard*8 Gehilfen. 19
>owie talentvolle Jünglinge auf, die er vermochte, ihn nach Spanien Bem-
zü begleiten. "'5'
^ Qebü«
Ans dem Kloster Moisiac begleitete ihn der selige Giraldus, erstfen aus
Cantor in Toledo, dann Erzbischof von Braga. Von Bourges begleitete ^*"^«"
ihn der „heilige Petrus" '), den er zuerst zum Archidiakon von Toledo,
nacUier als Bischof von Osma einsezte. Von Agen brachte er den
Benardns, der Cantor der Kirche von Toledo wurde. Er wurde später
Biscbof von Siguenza, und starb als erwählter Erzbischof von Santiago.
Ans derselben St^dt war Petrus, der seine Erziehung zu Toledo erhielt,
bieraaf Archidiakon dieser Kirche war, zulezt Bischof von Segovia
wurde (f c. 1149). Ein anderer Petrus aus Gallien wurde Bischof von
P^tia. Rainiandus von Salvitate, nach dem heiligen Petrus Bischof
ton Osma, folgte unmittelbar dem Bemard auf dem Stuhle von To-
ledo mch« Hieronymus, aus der Gegend von Perigueux, wurde Bischof
TOD Valencia, welches vorübergehend Cid Campeador^) den Mauren
entrissen hatte. Eben daher führte er den Bemard, den er nach dem
Tode des Hieronymus zum Bischöfe von Zamora machte, und dieser
war der erste (neuere) Bischof von Zamora^).
§. 14.
Der heilige Petrus, erster Bischof von Osma, stammte aus dem Der hei-
(jebiete von Berry, und trat aus dem Kriescsdienste unter die Mönche "*® ^®'
TOD Oogny ein. Er war ein Verwandter Bernard's , eine Zeit lang im osm«.
Kloster Sahagnn, und wurde Archidiakon zu Toledo — um 1096.
Etwi vier Jahre später wurde er Bischof von Osma. Er erbaute die
Kithedrale. Er stand (im Jahre 1109) dem Könige Alfons VI. auf
don Sterbebette bei. Er geleitete dessen Leiche gen Sahagun. Aber
in Palentia überfiel ihn selbst die todtliche Krankheit, und er starb
0 RodericuB nennt den Giraldus „beatus", den Petras „sandus".
*) Ich gehe an diesem in „Wahrheit und Dichtung* so gefeierten Helden vor-
über, weil er das Gebiet der Kirehengeschichte kaum berührt. Sehr eingehend ban-
det über flm Reinh, Dozy in seinen: Recherches sur Vhistoire et la litUrature
'ie VEspagne pendant le moyen age, 2 idit, Leyd. 1860, t. 2, „Le Cid d'aprls
^ Rovoeoiix documenU^, p. 1^253, Er sagt von ihm, König Philipp. II. habe in
Rom mn seine Canonisation (vergebens) nachgesncht; der Cid sei aber mehr Musel-
Baan ib Katholik gewesen, der selbst in seinem Grabe ein arabisches Gewand ge-
tngea; die Spanier abet haben ihn vergöttert als Vorkämpfer der Freiheit. (S. da-
gegen Baderic. Ximen. 6, 28.) Hieronymus heisst auch Viscins de Perigord, und
^urde nach dem Verluste Valencia*s am das Jahr 1102—1120 Bischof von Sala-
*) Also Boderich, 6, 26, was aber mit andern Berichten nicht stimmt.
2*
ÜO Eilftes ßnch. Erstes Kapitel.
am 2. August 1109. — Sein Leib wurde später feierlich in Osma
erhoben ').
§. 15.
Der Todestag des Bernard von Toledo war der 2. April (1126?).
Er soll seine Kirche 44 Jahre regiert haben (von 1086 — 1126
sind es nur 40 Jahre)'). Die harten Urtheile, welche einige
Schrülsteller über ihn fallen^), scheinen mir der genügenden Beweise
zu entbehren. Unter den äusserst schwierigen Verhältnissen, unter
welchen er regierte^ scheint er mir* das Mögliche geleistet zu haben*
Unmöglich aber war es, gegen Didacus von Santiago, gegen den Erz-
bischof von Bracara in Portugal, und gegen den Erzbischof von Tar-
raco in Catalonien (Aragon) aufzukommen. Vielleicht lag es aber auch
in den Planen der Vorsehung, dass Bemard die ihm hier entgegen-
tretenden Hindemisse nicht überwinden konnte, und dass unter ihm
wie unter seinen Nachfolgern „der Primat von Toledo so zu sagen ein
Primat „in partibus infiddium^ blieb. Wer möchte ihm aber daraus
einen Vorwurf machen, dass er sich aller erlaubten Mittel bediente,
um seinen Primat durchzusezen^)? Die Durchsezung dieses Primates
war ihm die vrichtigste Aufgabe. Aber die Erzbischöfe von Narbonne
und Tarragona wollten ihn höchstens als römischen Legaten anerkennen.
§. 16.
tui. Raimundus, seit 1109 Bischof von Osma, erscheint seit dem 2. Mai
mundy. 1126 als Erzbischof von Toledo. Wir finden nicht, dass unter den drei
auf Calixtus IL folgenden Päpsten Honorius II. , Innocenz II. und Coe-
lestin II. in den Jahren 1124 — 1144 eine neue Bestätigung oder Einschär-
fung des Primates von Toledo ergangen sei. — Papst Cölestin II. bestellt
am 26. Februar 1144 den Erzbischof Raimund zum Schiedsrichter in
einer Streitsache zwischen den Bisthümem Astorga und Orense, er-
wähnt aber des Primates nicht« Der Cardinaldiakon G. war um diese
0 S. Leben op, Tamayo. — 2. Aug. Ex legendario Asturicensi ; auch in
Acta 8ctor.: 2. Aug. 1, p, 189—192'-194, — c/. Vida, per Josef Lopez de
Quiros y Lossada, — Loperräez, DescripcUm del oibispado de Osma.
*) 8. über ihn besonders Eomuald EscaUma, L c, p. 76^108. — MabiUon
Annaks 0. 3, JB., Hb. 66, nr, 2-3; 67, nr. 54. — lib. 75, öS.
') besonders St Baloze, in seiner Apologie des Manritins v. Braga, und melir
noch Masdeu in: Historia criHca. t 16, p. 266, der behauptet, dass die Clnnia-
censer die Klöster in Spanien verdorben haben.
*) Stolberg-Brischar , E.-0., Bd. 47, p. 57. — Der Verfasser behandelt in
diesem Bande die Zeit von 1109—1250 mit grosser AosflUurlichkeit und Genauigkeit
IVipst Eugen III. nnd der Primat von' Toledo. 21
Zeit Legat des Faptes in Spanien^). Dagegen wurden unter den vier
folgendenPipstenLuciusIL (1144— 1145), Eugenius III. (1145—1153),
Anistasios IV. und Hadrian IV. (1154 — 1159) die gewaltigsten Anstren-
irnogen gemacht, dem Primate von Toledo die Anerkennung von ganz
Spanien, mit Aosnahme der ohnedem losgetrennten Narbonnensischen
Prurinz, zu verschaffen. Gegen die Widerstrebenden schritt man zu
Citationen räch Rom and Suspension von ihrem Amte.
Am 13. Mai 1144 erklärt Lucius IL, dass er die Ehre der edlen
cod berühmten Kirche von Toledo, der eigenen und besonderen (spedtdis)
Tochter der romischen Kirche, erhalten, nnd den Bitten des liaymun-
«ias, den er mit aufrichtiger Liebe in Christus umfange, entgegen
kommen wolle. Darum erhält er die Ehre des Primats in allen König-
nrk-hen Spaniens. Sonst ist das Decret fast wörtlich dem früheren
cmer Calixtus II. edassenen entnommen. Allen Bischöfen Spaniens
niinibt er, dass er dem Aaimnnd, welcher nach Rom gekommen sei,
<jic früheren Vorrechte seiner Kirche bestätigt habe; sie mögen ihm
•als ihren Primaten ohne alle Widerrede den kanonischen Gehorsam
und die schuldige Ehrfurcht leisten^ ^). — Eine Drohung gegen die
L'agehorsamen oder eine weitere Vcrclausulirung ist nicht beigefugt.
Eogen ni. wurde am 18. Februar 1145 geweiht. Schon am 9. Mai
dieses Jahres schrieb er dem Erzbischof Johannes Peculiaf is von Braga,
Lacios IL habe ihm mündlich befohlen, dem Erzbischof von Toledo
als seinem Primaten den schuldigen Gehorsam zu leisten, oder seine
etwiige privUegirte Stellung durch klare Documente dem Papste nach-
zuweisen. Er sei weder gekommen, noch habe er sich vertheidigt
^enn er nun drei Monate nach Empfang dieses päpstlichen Befehls
m Kmem Ungehorsam verharre, so verfalle er der Strafe der Suspen-
^m^ _ Am 27. April 1148 schrieb er u. a. an den König (Kaiser)
Mhos VII. von Spanien, dass er dem „Herzogt von Portugal keine zu
>(Jfieo Coucessionen gemacht Der Erzbischof von Braga sei, weil er
( Jod seine Suffragane) dem Primas von Toledo nicht gehorchen wolle,
i<?m Urthcilsspruche der Suspension verfallen*). — Der Kaiser Al-
foQs V^IL iurchtete eine Anerkennung des Königs von Portugal, den
^er Papst nur einen „Herzogt nennt, den aber Papst Alexander III.
'Joch ab König anerkennt, während Papst Eugen IIL zur Beruhigung des
') Mansi, i 21, 594. - Migne, L 179, p. 81 L — Aguirre, 5, 69.
') Ägturre-Caialani, 5, p. 59-60. - Mansi, 21, p. 609-610. (Jaffi,
V. «067-6Ä.J — Migne, t. 179, p. 871-873 (nr. 36S7 der Briefe Ludos II.).
') Agmrre, 5, 64. - Mansi, 21, 671. - Migne, 1. 180, p. 1036 (nr. 22
•*« Briefe EngeD*8 VI.).
*) «ttipeiuumt« tenttuT sententia innodatus. — Aguirre, 5, 64. — Mansiy
2/. 672. - Migne, 180, p. 1345 (nr. 296).
22 Eilftes Baefa. Erstes
Königs aaf das VerfaältDiss des Erzbischofs von Braga za dem Primas
von Toledo hinweist, der doch diesen Primat anzuerkennen sich weigert«
Denn am 29. December 1 149 beschwert sich der Papst in seinem
Briefe an den Erzbischof von Braga, dass er selbst dem Papste den
Gehorsam verweigere, der ihn erst kürzlich bei seiner Anwesenheit in
Rom mit strengen Worten aufgefordert, dem Primas von Toledo zu
huldigen. Er solle noch vor dem Palmsonntage des Jahres 1150 de-
müthig sich unterwerfen, sonst würde er wiederholt von seinem bischöf*
liehen Amte suspendirt werden.
* Denn auch Alfons VIL hatte durch einen speciellen Botschafler
aufs Neue Klage vor dem Papste gestellt, wegen der Ausnahmsstel-
Inng Santiago's, sowie gegen die Erzbischöfe von Braga und Tarraco.
Der Papst weist den „Kaiser'' darauf hin , dass auf sein Ansuchen
dem Erzbischof von Santiago gestattet worden sei, ein Kreuz vor sich
hertragen zu lassen, und dass er den Erzbischof von Toledo in seinem
Streite mit dem von Bracara nicht im Stiche gelassen habe. Denn
ganz Spanien wisse, dass er diesen Erzbischof sehr lange von seinem
Amte suspendirt habe. Lezthin habe er ihn, da der Papst in der
Lombardei weilte, um Hinwegnahme der Strafe gebeten. Der Papst
habe ihn in Gegenwart der Cardinäle das feierliche Versprechen ab-
legen lassen, Innerhalb einer ihm gesezten Zeit dem Primas von Toledo
als seinem Obern zu huldigen, und bis er dieses thue, bleibe er sus-
pendirt. Der Erzbischof von Toledo habe aber darin gefehlt, dass er
über diese Streitfrage nicht mehr nach Rom Bericht erstattet habe.
Da er selbst geschwiegen, und sich um die Erhaltung oder Erhöhung
seiner Würde nicht bekümmert zu haben scheine, so könne mau dem
Papste nicht zumuthen, „wegen seiner Gleichgiltigkeit ihm die Dienste
eines Helfers oder Boten zu leisten^ '). Dennoch habe der Papst mit
Uücksicht aaf die Verdienste des Grossvaters Alfons VII., und wegeu
des guten Willens, den Lezterer wiederholt dem Papste gezeigt, dem
Bischof von Braga aufs Neue mit Suspension gedroht.
§. 17.
Also Raimund von Toledo hatte es dem „Kaiser^ Alfons VII.
überlassen, für Anerkennung seines Primats zu soi^en. Die Frage war
scliou längst, sie war von Anfang an eine politische, eine Machtfragc.
Die Unterwerfung des Metropoliten von Braga unter den Primas von
') 8i ipse circa Iionorem et dignüatem eccksiae sibi commiss/Me neglige^ut
et muias sollicüus tnlere diaposuit, no8, qui in sedis apostoiicat specmtOy dispo-
nente Domino, judicxH locum, licet indigni, tenemta, proptcr rjus imdol^Uiavi
pracconvs vel cuTHortH ejfici non deöemtut.
N
Baymnnd von Toledo und Papst Eagen IIL 23
Toledo sciiien die Unterwerfung des sich lostrennenden Portugals unter poim-
die Krone von Castilien-Leon in sich zu schliessen, und umgekehrt. ^^^
Der Papst hat an sich nicht das mindeste Interesse, für die Ausbrei- dos ph-
tQjng des Frimat8 von Toledo zu sorgen; wenn er es thut, thut er es "***•
aof besonderer Gnade, und der Primas muss ihn darum bitten '). In-
zwischen schien wieder eine günstigere Wendung für die Anerkennung
des Primats einzutreten ; Raimund von Toledo konnte an den Papst
liericbten, dass Johannes von Braga ihn als seinen Primas persönlich
Jefflothig anerkannt habe. Der Papt ermahnt den Raymund (6. Mai
! 151), er möge den Johannes als seinen Bruder und Mitbischof mit
i'ritderlicher Liebe empfangen (Raymund habe denselben vorher erbit-
lert*), und seine Rechte nicht beeinträchtigen. Denn Johannes habe
Wi ihm sich beschwert, dass Raymund/ einen Bischof für Zamora ge*
»tiht habe, das doch in dem Gebiete von Braga liege^), troz der ein-
ireJegten Appellation an den römischen Stuhl. Raymund solle am
oii'hsten Osterfeste entweder persönlich oder durch Bevollmächtigte
in liom Bede stehen, und er solle den Johannes nicht mehr so hart
anlassen, wie es geschehen sei.
Wenn aber die Anerkennung des Primats durch Braga eine nach-
haltige nnd dauernde sein sollte, so musste auch der Erzbischof von
Tärraco and selbst der von Santiago zu dieser Anerkennung ermahnt Toiedo
ind vermocht werden. Diess zu Stande zu bringen, war eine gewal- r^,^^
lige Arbeit, selbst für die Päpste jener Zeit. Sie versuchten es, aber
-'* gelang nicht. Am 13. Mai 1151 schrieb Eugen IIL an den Erz-
lix-hof Bemard Torts von Tarraco, „den Legaten des römischen
Stahles** in Aragon-Catalonien, welcher damals 11 Suffragane hatte,
'U< liaimuud von Toledo von Bemard die Anerkennung seines Pri-
Liais ?erlange. Er behaupte standhält, sich stüzend auf viele'Beweise,
•ii?? die früheren Erzbischöfe von Tarraco in ähnlicher Weise den
i-ubischöfen von Toledo sich unterworfen hätten*). Weil aber Bernard
Meh nicht zur Anerkennung herbeigelassen habe, so seien Boten des
I>ischo6 von Toledo vor dem Papste erschienen, sich beschwerend
••^tr das dem Primas zugefugte Unrecht, und mit grossem Ungestüm von
•) Aguirre'Catalaniy 6, 65 - 66. — Mansi, 21, 673 — 674. — Mignc,
' t^f, p. 1405-1406 (nr. 370-371 der gesammelten Briefe Eagen's III.).
*) Utet ipsum, prout cuxepimus, exasperaveris.
') Diess mochte im Jahre 1150 der Fall sein; nach der völligen Lostrennung
PiTtiigalfl stand Zamora unter Santiago.
') Die Beweisfiihmng möchte schwer sein. Diese Unterwerfung kann sich
(•ur auf die Zeit von 653, näher 681 bis 711 beziehen. Damals war aber der Primat
ToWo'b kein von Rom übertragener, sondern ein Staats-, ein spanischer Kegie-
f^BiTjprinuit. Wir gebrauchen das Wort in ähnlicher Weise, wie wir den Ausdruck:
M 0{»ni8€he Staatsinquisition*' gebrauchen.
24 Eilftes Buch. Erstes Kapitel.
dem Papste Hilfe und Gerechtigkeit verlangend'). Eugen habe den
Bernard, wie er sich wohl erinnern werde, kürzlich zu Rheims (wo
Eugen III. vom März 1148 bis zum 18. April 1148 weilte) zur Rechen-
schaft gezogen, und ihn nach Maassgabe des in seiner Kirche früher
Geschehenen, zur Unterwerfung unter die Kirche von Toledo ermahnt.
Bernard habe ausweichend geantwortet, er sei erst seit Kurzem (1146)
Erzbischof, und habe die Streitfrage noch nicht „studiren^ können;
er wolle zu Hause sich dann schlüssig machen. Weil aber Raymnnd
Klage zu fuhren nicht aufhöre, und der Papst, ihm Recht zu schaffen,
sich nicht weigern dürfe und nicht wolle, so solle sich Bemard ent-
weder dem Primas unterwerfen, oder bis zum Osterfeste (30. März
11Ö2) persönlich oder durch Stellvertreter seine Sache in Rom fuhren
und sein ürtheil empfangen^).
§. 18.
Mozara- Raymuud von Toledo führte auch Klage gegen die Mozaraber in
Totedo, dass sie ihm den Gehorsam verweigern, Kirchen (kirchliche
Aemter) aus den Händen der Laien annehmen, bei der Feier der hei-
ligen Messe und andern kirchlichen OfQcien, in der Tonsur und Klei-
dung der Geistlichen ihren alten Gewohnheiten folgen (was thun zu
dürfen ihnen im Jahre 1085 feierlich versprochen worden war). Dar-
über ertheilt Engen lU. (in einetn nicht bekannten Jahre seiner Regie-
rung) den Fehlenden einen gelinden Verweis ?). Diess ist ein indirectes
Lebenszeichen, das von den Mozaraberu in Toledo ausgeht. Da die
Zahl der Lateiner oder Römer in der Stadt immer mehr zunahm,
musste die Zahl der Mozaraber stets abnehmen.
§. 19.
Engen Vergebens wartetete Eugen IH. auf eine günstige Antwort aas
m. nnd Tarraco. Bernard hatte sich dem Primas von Toledo weder von Feme,
der Pri- ^^ ^ ^
mAtTonnoch personlich unterworfen; er war auch an Ostern 1152 in Rom
Toledo, ^j^jjj^ erschienen. Nun befiehlt ihm der Papst (9. Februar 1153), dass
er entweder dem Ildefons (lies Joannes), der seit 1151 dem Raymund
von Toledo nachgefolgt war, gehorche, oder am nächsten Osterfeste
ber in
Toledo
') justitiam super hoc sibi fieri a nobis cum magna instarUia postulavit
») Aguirre, 6, 67. — Mann, 21, 676S77. — Migne, U ISO, p. 1472,
1476 (nr. 447 und 450 der Briefe Eugen'a liL).
') Aguirre, Conc. 6, 68, — Mansi, 21, 677. — Migne, 180 (nr. 537),
p. 1659.
JobumeB von Toledo (1151—1166) und Papst Eugen IIL 25
— am 19. April 1153 — seine Boten nach Rom sende'). „Denn die ^
Kirche von Toledo steht von ihrer Klage nicht ab, und wir können
und dürfen uns ihren gerechten Klagen nicht entziehen.^ Wenn Ber- ^ .
Dird nicht gehorche, werde der Papst zu Wciterm vorschreiten.
Vier Tage später, am 13, Febr. 1153, bestätigt Eugen III. auPs
Nette den Primat (des Joannes) von Toledo. Er thut es in einer von
der seiner Vorgänger nicht sehr verschiedenen Form und Fassung.
Er entspricht gerne den Bitten des Joannes. Er bestätigt ihn nach
dem Vorgange der Päpste Honorius IL (?) und Lucius II. in dem
Primate über alle Königreiche der spanischen Lande'). Neu ist fol-
gende Bestimm nng: ^Die bischöflichen Size, nämlich Osma^ Segovia,
Sagnutom^, Palentia, sollen unter Toledo als ihrer Metropole stchcn^^
«eldies demnach nnr vier Suffi-agane hatte ^ zu denen später Cuen^a
and Placentia kamen.
Gleichzeitig erhielten die Bischöfe von Spanien die Anweisung, Joanne«
ihrem Primas Ildefons (Joannes), der in seinem Anliegep nach Rom ^^'^
gekommen, den schuldigen Gehorsam zu erweisen^). undEa-
Die lezten uns bekanntet Briefe dieses Papstes sind Versuche, 8««» ui.
den Primat Toledo^s auch im Königreiche Aragonien zur Anerkennung
ZQ bringen. Er stellt dem Bemard von Tarraco vor, dass, wie wir
lesen, selbst die Engel den Erzengeln gehorsam seien. Er habe sich
aber weder dem Joannes unterworfen, noch zu der Verantwortung in
liom eingestellt. Wenn er nun nicht nachgebe, so solle er bis zum
nächsten ersten Fastensonntage sich in Kom einfinden. Wenu nicht,
so sei ihm der Gebrauch des Palliums verboten. Am gleichen Tage
sezt er den Joannes von Toledo hievon in Kenntniss, und fugt bei:
•ODserm ehrwürdigen Bruder Ildefons (Joannes) von Bracara befehlen
vir mundlich in Gegenwart deiner Gesandten, dass er dir und deinen
Nachfolgern als seinen Primaten schuldigen Gehorsam und Ehrerbie-
tung erweise**).
Engen IIL starb eilf Tage später, am 9. Juli 1153. — Ana-
«»tasins IV. regierte nach ihm vom 12. Juli 1153 bis 3. December 1154.
Wo möglich mit noch grosserer Energie wirkte er für die Anerkennung
des Primats von Toledo durch das ganze katholische Spanien.
Am 8. April richtet er an den Erzbischof von Braga eine sehr
') Aguirre, 5, 67. — Mansi, 21, 675. — Migne, t 180, p. 1584.
*) per universa Hispaniarum regna primatua obtineas digniiatem.
"} wahrscheinlich Segontia, das schon im Jahre 1124 wieder einen Bischof
batte. Saipiat, heute Mnrviedro, war nie Bistbam.
•) Aguirre, 6, 63, 67. ^ Mansi , 21 , 670, 675. - Migtie , t. 180,
p. 1584-'15S7 (nr. 569-^72).
*) Ägmrre, 5, 66. — Mansi, 21, 674-676. — Migne, t. 180, p. 1605-^
IG06 (fir. 588—589).
26 Eilftes Bncfa. Erstes Kapitel.
Papit scharfe Mahnung. Wer hartnäckig sei und ungehorsam, der verdiene,
•tu"iv. Ä'^sg^schlossen zu werden aus den Reihen des Priesterthums. Joannes
und der (PecuHaris) sei wegen seines Ungehorsams und seines „starren Na-
™*'' ckens** (cervicositate) zweimal suspendirt worden. Aber der Erzbischof
von Toledo klage aufs Neue, dass er, der dem Primas Kaymund ge-
huldigt, sich dem Primas Joannes nicht unterwerfe. Joannes möge
innerhalb 30 dreissig Tage nach Empfang dieses Briefes sich seinem
Primas vorstellen, sonst sei er von seinem Bisthume suspendirt.
Aber auch der Erzbischof von Santiago sollte sich unterwerfen.
Der Papst schreibt (8. April) an seinen Legaten, den Cardinal Hya-
cinth, er habe dem Bischof (Pelagius) von Compostella befohlen, ent-
weder dem Primas zu gehorchen, oder sich vor dem Legaten zu recht-
fertigen. Der Legat solle nun beide streitende Parteien citiren, ver-
hören, und dann nach Kecht und Billigkeit entscheiden*).
§. 20.
Papst Hadrian IV. (1154—1159 verweist am 19. Januar 1156
uadrian dcm Erzbischof von Braga seinen Ungehorsam, ja seinen hochmüthigcn
jj5/j,,.Troz gegen den Primas. Wenn er nicht nachgebe, falle er der Sus-
1159. pcnsion anheim, welche der Cardinal Hyacinth schon gegen ihn aus-
gesprochen habe. Diese Suspension solle dann „die Kraft der be-
ständigen Dauer haben*^. Dann werden auch alle seine Suffragane von
der Pflicht des Gehorsams gegen ihn entbunden werden.
Der Primas Joannes hatte sich wegen dringender Anliegen seiner
Kirche bei dem Papste eingefunden und gebeten, dass er die von
seinen Vorgängern Paschalis IL, Calixtus IL, Honorius IL und
Eugen IIL ausgestellten Privilegien erneuere'*). Weil Johannes von
Toledo ^eine unerschütterliche Säule und ein Firmament der Kirche"
sei, so gewähre der Papst gerne sein Gesuch. „Wie deine Kirche von
Alters her in allen spanischen Landen den Primat hatte ^), so sollest
du ihn in demselben Umfange besizen*). Zwar habe der Bischof Pe-
lagius von Santiago von seinem Vorgänger, dem Papste Anastasius IV.,
') Aguirre, 5, 69. - Mansi, 20, 683-684; 21, 782. - Migne, 1 188,
p. 1053 (nr. 61-^62 der Briefe Anastasius IV.).
') Es scheint, da$s es heissen müsse: Von Urban II , Pascbalis H., Caliztiis If.,
Lucius II , Eugen III. und Anastasius IV.
") et sicut ecdesia tua ex antiquo Iiabuit in tota Uispaniarura regiorie
primatum, sie tu, et ecdesia Toletana, — ewndein primatum debecLs super omnibus
in pefrpeiuum obtinere.
*) also ancli in der NarbonncnsischcD Provinz, von deren Unferwcrfung unter
den neuen Primat noch nie die Kede war.
Hadrian IV. nnd der Primat von Toledo. 27
die Exemtion von dem Primate von Toledo erhalten; aber in Zakunfl
müs8e diese Exemtion aufhören, nm so mehr, als diese Concession
dem Anastasins abgelockt worden sei, da er weder alle, noch auch
den gesundem Theil seiner Bruder (der Cardinäle) zu Käthe gezogen ').
^Wir beschliessen also, dass der Erzbischof von Compostella ebenso,
wie die übrigen BischOfe Spaniens, dir, als ihrem Primaten, und dei-
nirn Nachfolgern Gehorsam und Unterwerfung gemäss des Rechtes
deioes Primates leisten; dass aber diese Würde dir und deinen Nach-
f<il:;ern stets nnd unantastbar bleibe für alle Zeiten. Wer diesen un-
smi Besohl 088 angreift, der wisse, dass er dem Zorne (indignatiotiem)
ii^s allmächtigen Gottes, nnd seiner seligen Apostel Petrus und Paulus
auheimfallen werde^'. Durch ein besonderes Decret vom 16. Februar
lldG wird das alte Bisthum Complutum, d. i. Alcala mit Toledo ver-
einigt, und Toledo nach den Bestimmungen der früheren Päpste
Urban's IL, Paschalis' U., Calixtus' U., Eugen's III. in seinem Primate
bestätigt, „in dessen Besiz zu alten Zeiten die Bischöfe von Toledo
bekannüich sich befanden^; gegeben zu Benevent am 16. Februar 1156,
^dnrch die Hand des Cardinais Roland^ (des spätem Papstes Alex-
ander III).
Um dem Primate sogleich einen thatsächlichen Ausdruck zu ver-
schaffen, erhält der Primas zwei Tage später, am 18. Februar, den
Auftrag, eine Untersuchung gegen den Bischof von Pamplöna einzu-
It^iten, wegen sitüicher Defecte desselben, da er sogar des Mordes
angeklagt war; er solle das Resultat der Untersuchung, die schon
anter Engen III. schwebte, nach Rom berichten. Im Falle der Bischof
vor dem Primas zu erscheinen sich weigere, solle er ihn von der Ver-
waltung des Bisthums im Geistlichen und Weltlichen suspcndiren.
Panipluna stand sonst unter dem Erzbischofe von Tarraco^)*
Fast ein Jahrhundert lang mühten sich die Päpste ab, dem Primas
ran Toledo die ersehnte Machtfulle über ganz Spanien zu verschaffen.
K>ie wälzten den Stein des Sisyphus die Hoho des Berges hinan.
§. 21.
Der grosse Papst Alexander III. schlug einen andern Weg ein.
Er uberliess es dem Primas von Toledo, sicli selbst Anerkennung zu
erwerben. Er erkannte aber die Selbstständigkeit des Königreichs
0 praesertim cum ülud (Privilegium) Anastcutii, neqiie de ayinmuni, neque
dt umiaris partis Jratrum cofufilio fuisset elicitum.
') Dieas ist die correctere Fassung.
^)Aguirre, ö, 70-^74, — Mansi, 21, 816-818. — Migne, L i88,
28 Eilftes Buch. Erstes Kapitel
Portagal an, und damit die Auflösung jeder Verbindung zwischen
Braga und Toledo. Am 26. Juli 1163 aber verbot er dem Primas
von Toledo, sieh nach dem Tode des Erzbischofs von Tarraco weder
durch Weihen von Kirchen noch bei Wahlen zu vacanten Kirchen ein-
zumischen, noch irgendwelche Rechte des Primats auszuüben, bis die
Streitfrage zwischen Tarraco und Toledo vor ihm, dem Papst, zor
Entscheidung käme. Sollte dieser Wink nicht etwa deutlich genng
sein, so ging der Papst sogleich einen Schritt weiter, und befahl den
Kanonikern von Pamplona, vor Ablauf von zwei Monaten einen Bischof
zu wählen, und den Gewählten dem erst noch zu wählenden Erzbischofe
von Tarraco (zur Weihe) zu präsentiren. Drei Tage vorher war die
Exemtion des Bisthums Burgos bestätigt worden*).
Die Primatialfrage war damit erledigt. Alexander III. erkannte,
dass die kirchliche Frage zugleich eine politische sei, dass es sich
nicht bloss um drei oder vier Erzbisthümcr, sondern um drei oder vier
von einander getrennte Königreiche handle, die auch in kirchlichen
Dingen nicht unter Einen Hut zu bringen seien. — Im Jahre 1085,
bei der Wiedereroberung Toledo's, konnte man hoffen, dass Toledo
wieder die Hauptstadt des ganzen Spaniens der Westgothen, wenig-
stens bis zu den Pyrenäen sein werde. Diese Hoffnung konnte man
im Jahre 1163 nicht mehr hegen. So blieb denn Toledo der blosse
Ehrentitel.
Dennoch waren die Bischöfe von Toledo vom Jahre 1085 an die
angesehensten, die ersten Kirchenförsten in ganz Spanien und Portugal.
Braga und Tarraco, selbst Santiago erbleichten vor Toledo. Toledo
ragte hervor durch seine Vergangenheit^ durch seine centrale Lage in
ganz Spanien, später durch seinen herrlichen Dom, dem die drei Erz-
bisthümer nichts Aehnliches an die Seite stellen konnten, durch seine
grossen weltlichen Besizungen, durch den Umfang seines Kirchen-
sprengels, durch den Purpur, mit dem so viele Erzbischöfe von Toledo
geschmückt waren, durch die Menge wahrhaft grosser Kirchenfursten,
die seinen Primatialstuhl vierten. Das Bisthum Toledo war und blieb
die oberste Sprosse auf der Leiter der kirclilichen Hierai*chie Spaniens.
Zur Zeit des Primas Raymund (1126—1151) fanden mehrere
Concilicn statt. Zu Palcntia wurde ein Nationalconcil zur Fastenzeit
des Jahres 1129 gehalten, welchem auch der Erzbischof Didacus von
«) FloTez, 26, 473, — Marca Ilisp., p. 1338. - Agwrre, 5, 82. — Mansij
21, 1060-- 1061.
Concil Ton Palentia, 1129. 29
SuAai^ \>eii;uwolineii sich berabliess. Darob war grosses Erstaunen coneii
QBter den Bischöfen, die alle schon versammelt waren, aber die Siznn- ^**" ^'
gen nodi mcht eröffnet hatten. Als sie borten, dass er nahe, warteten
sie anf ihn nnd empfingen ihn mit allen Ehren. Der König (Alfons VII.) Didnoa^
eihe ihm mit seinem ganzen Hofe entgegen. Der Primas von Toledo, ^^°^'°^'
mit allen Prälaten, Aebten und Klerikern, empfing ihn in feierlicher
Prooession. Als er in seiner Wohnung war, besuchte ihn der König,
md lyubergab die Leitung des Concils seinen Händen^. Die Bischöfe
kaoien am ihm, nnd nnterbreiteten ihm Das, was zu verhandeln war.
Alle baten ihn, dass er doch des andern Tages die Hochmesse feiere
imd predige nnd die Beschlüsse publicire, nnd so geschah es.
Die „Beschlüsse der Bischöfe'' lauten. In der Kirche Gottes und
an den Armen Christi geschieht viel Uebles; „das Reich unsers Kai-
sers, des Herrn Alfons, Sohnes des Grafen Raymund, und der Herrin
KoD^in Urraea wird von bösen Menschen zerrissen und verkleinert,
and verscfaicdentlich corrumpirt: „Desswegen habe ich, Raymund, Erz-
bisdiof ¥00 Toledo und Primas, und Legat des heiligen römischen
StoUes, sogleich mit den Bischöfen, deren Namen (nicht) unten stehen,
in Ckgenwart und mit Zustimmung unsers Kaisers Alfons einen festen
Bond unter uns geschlossen^, und sie versprechen sich, mit aller Kraft
für die Sicheriieit des Reiches ihres Kaisers einzustehen.
1. Indem sie für den Stand der heiligen, römischen Kirche, und ^^
für das Wohl des ganzen Reiches zu Palentia dieses Concil halten, ^^
sezen sie u. a. dieses fest, dass Niemand einen notorischen Verrather, ^^^^
dnen Baober, Wegelagerer, Meineidigen und Ezcommunicirten bei
adi habe oder zurückhalte. 2« Niemand darf eine Kirche innerhalb
M Schritte erblich besizen; die Gaben der Excommunicirten und ihr
Zebent werde nicht angenonmien. 3. Die Landesherren sollen das unter
üaen stehende Volk ohne gerechtes Gericht nicht plündern. 4. Kirchen
sollen den Laien nicht lehnsweise oder in Pacht gegeben werden.
6. Kirchen, Erbgüter und Familien, welche einst Bisthümem oder
Klöstern gehorten, sollen, wo immer sie liegen mögen, ihnen zurück-
g^eben werden« 7. Vagirende Mönche sollen in ihre Erlöster zurück-
gebracht werden; Bischöfe sollen sie ohne Einwilligung ihrer Aebte
nidit zorfickbehalten« 8. Keiner soUe die von einem Andern Excom-
municirten aufiiehmen. 9. Ehebrecher und Blutschänder sollen durch-
aus aosgescblossen werden. 10. Kleriker sollen keine Kirchen aus den
Händen von Laien annehmen; die Vicarien der Bischöfe sollen dazu nicht
unwilligen« 11. Die Bischöfe sollen die Entzweiten nach ihrer Schuldig-
keit zur Versöhnung antreiben. 12. Wenn Jemand Kleriker, Mönche,
Wanderer, Kaoflente, Auslander, die zu den heiligen Orten wallfahrten '),
*) mmeta limma peUnies, yiellelcht 8. Jacobi litnina petenies.
30 Eilfces Bach. Erstes Kapitel.
nnd Frauen angreift, so werde er in ein Kloster oder in die Verban-
nung verwiesen. 13. Fährgeld solle Niemand nehmen, ausser da, wo
es zu den Zeiten Alfons (VI.) üblich war: ebenso solle Niemand Rind-
vieh rauben, piUnden oder stehlen; im Fneden sollen diese Thierc
stehen in unserm ganzen Reiche. 14) Dem Konige sollen Alle ohne
Trug und Hinterlist dienen. Wer dagegen handelt, werde excouimiini-
cirt. 15) Kirchlichen Personen soll Niemand einen Feldzug, das Tra-
gen der Waflfen, oder Etwas, was den Kirchengesezen zuwider ist,
znmuthen. 16) Laien sollen das Drittel (ieriiag) der Kirchenein-
künfte oder andere Oblationen in keiner Weise besizen, sondern Alles
Eigenthum der Kirchen solle unter der Disposition der Bischöfe stehen.
Die Falschmünzer werden excommunicirt, und der Konig solle ihnen
die Augen ausstechen lassen^).
Am Schlüsse des Concils benüzte Didacus, der nicht nmsonst
die weite Reise gemacht haben wollte, die günstige Gelegenheit, und
liess sich von dem Konige ein Diplom ausstellen, in welchem die
üebertragung der Metropole Emerita auf Santiago bestätigt und be-
kräiligt wird*). — Damach wollte Didacus heimreisen, aber der König
bat ihn nicht wenig, er möge ihn bis Carrion begleiten. Gern ging
Didacus mit, und wurde dort von Klerus und Volk mit einer grossen
und prachtvollen Procession empfangen, dann kehrte er mit Freude
and Fröhlichkeit in sein Haus zurück und am Palmsonntag zog er
mit seinen Reisegefährten frohlockend und in allen Ehren in seiner
Bischofstadt ein.
§. 23.
Aus der gleichen Quelle wissen wir, dass im Jahre 1130 zu
Carrion im Bisthum Leon eine Synode gehalten wurde. Papst Hono-
rius sandte den Cardinal Humbert als seinen Legaten nach Spanien,
um dort ein Concil zu h^ten. Humbert kam auch nach Compostella,
wo ihn Didacus mit Wohlwollen und Aufmerksamkeit empfing, und
ihn ehrenvoll behandelte. Er weilte acht Tage. Von dort begab er
sich nach Portugal, dann nach Carrion, wo auch der König war. Beide
luden dringend den Didacus ein, »weil sie ohne Zweifel wussten, doss
ohne seine Anwesenheit das Concil ohne alle Bedeutung sein werde^.
Troz seiner Krankheit begab sich der Erzbischof mit den Optimaten
') et a Rege effossionem oculorum patiantur.
') Historia ComposteUanay 3, cp. J. — Mansi^ 21, 386. — Tejada, 3,
267^269, — Tejada hat, ich weiss nicht, absichtlich oder znföllig, unter den ^De-
creta^ die Stelle ausgelassen: Concuhinae Clericorum manifestae ^iciantur.
\
Concil von Carrion, 1130. 31
seines Klerus, den Cardinälen (von Santiago) und den Arckidiakonen, concfi
und vielen andern angesehenen Personen freudig auf den Weg. Als ^^!^
er im Geleite einer grossen Menge des Klerus sich Leon naliete, eilte nso. '
der Konig mit den Consuln, mit den Potestaten und einem grossen
Cort^e von Soldaten (Kittern) ihm entgegen. Auch der Bischof von
Leon und seine Kleriker machten sich bereit, und empfingen ihn mit
einer herrlichen und pompösen Procession. Und so weiter im Dithy-
nunbentone. In Carrion selbst wurde er von den Bischöfen, von den
Klerikern und Mönchen in grosser Procession empfangen. Tags darauf Didacni
traten der König, der Erzbischof, der Cardinal, und der Erzbischof ^"®*'*»*
Ton Tarraco (also ohne den Primas?) in ein verborgenes Haus*), wo
sie unter sich verhandelten, was man auf dem Concile ausmachen
wolle. Das Concil wurde am 4. Februar 1130 im Kloster des heiligen
ZoÜQS eröffiiet. Es wurden daselbst drei Bischöfe abgesezt: von Leon Drei
(Didacus), von Oviedo (Pelagius), und (Munius) von Salamanca. Leon fbgMwt
QDd Oviedo waren exemt; Salamanca stand unter Santiago; nebst diesen
der Abt von Samos. Dem Didacus wurde zum Nachfolger gegeben
Ärias, Cardinal und Kanonikus an der Kirche des heiligen Jacobus,
„auf den Rath und mit Zustimmung^ seines Erzbischofes, in dessen
Hand und Gewalt das ganze Concil mit Genehmigung des Königs und
des Legaten lag. — Bischof von Salamanca wurde Alfons Perez,
gleichüdls Kanonikus von Santiago, eingesezt auf Betreiben des Dida-
cus *). Unsere Quelle begnügt sich mit der Behauptung, dass obige
drei Bischöfe „mit Recht und mit Grund^ abgesezt worden. Weitere
Verhandlungen des Concils sind nicht bekannt. — Einige glauben, die
Frage von der Giltigkeit der Ehe des Königs mit Dona Berenguela
sei Gnmd der Absezung gewesen. — Dorado gibt als Grund ihrer
Absezung ihre Anhänglichkeit an den König von Aragon an"). — Aber
Don Diego von Leon that sich gerade durch seine Anhänglichkeit an
die Königin Urraca und ihren Sohn Alfons VII. hervor. Wir glauben
(mit Riseo und Tejada), dass Didacus Gelmirez die Absezung dieser
Bischöfe verlangte und erlangte, weil sie ihm missliebig waren. Denn
den Munins von Salamanca hatte der Primas Bemard von Toledo
*) quamdam aeoretam domum ingressi sunt.
*) eodem OomposteUano cum Rege et Romano Cardinali machlnante.
Rtx autem et Cardinalis Romanua tantam honorificentiam Compostellano ex-
hämenait^ quod totum Concilium in manu et potestcUe ejus posuerunt (kommt
wörtlich ebenso einige Zeilen früher vor), et quidquid veUet disponere et sancire,
taneiret et confirmaret, et quod vellet rationabütter cassare et irritum facere,
omnino faceret. Diess erinnert an den Biographen des Erzbiscfaofs Dnnstan von
Cuteibiiiy, dass in ganz England Niemand ohne seinen Willen eine Hand oder
eiaen Fnas bewegte.
*) Dorado, Compendio historico de Salamanca, 1777 ^ p. 113,
32 Eilftes Bacb. Erstes Kapitel.
geweiht Das Bisthum Leon aber konnte er durch den neuen von
Santiago gesandten Bischof in ein Suffraganverfaältniss zu Santiago zu
bringen hoffen; ebenso Oviedo. Von Raymund von Toledo ist hier gar
keine Rede; auch nicht von dem Cardinal Humberi. Den Konig aber
hatte Didacus dadurch für sich und seine Plane gewonnen ^ dass er
seinen Einfluss bei den übrigen Bischofen für die Aufrechthaltung der
Ehe des Königs mit der ihm verwandten Dona Berenguela aufbieten
zu wollen versprach^).
Mit welchem Rechte aber eine Zusammenkunft von Bischofen, als
deren einziges Ergebniss die in ihren Motiven nicht bekannt gegebene
Abseznng von drei Bischöfen erscheint, ein Concil genannt werde, das
eben steht in Frage.
§. 24
Zu Leon fand wieder unter dem Vorsize des Cardinais und Le-
gaten Guido im Jahre 1134 ein Concil statt. Der Cardinal war vor-
her nach Santiago gekommen. Der Kanonikus Bernald von Santiago
war durch den König gefangen und seiner Güter beraubt worden. Der
Cardinal verlangte vom König dessen Freilassung. Nun hielt der Car-
dinal eine Synode; es wurde dort beschlossen, Didacus habe dem Bcr-
naldus Alles zurückzuerstatten, was er in der Gefangenschaft verloren,
und ihn in seine Würde wieder einzusezen. Es trat eine völlige Aussöh-
nung zwischen dem Erzbischof und Bemaldus ein, obgleich der König
das Geld des Bemaldus, das er an sich gezogen, nicht zurückgab. Diess
ist die einzige Notiz von der Synode des Jahres 1134^).
§. 25.
Unter demselben Legaten Guido trat am 2. October 1136 eine
Synode zu Burgos zusammen. Aus einer Schenkungsurkunde^) des
'} Et quia se guam vxorem non legitime, tdpote propinquam suam ha-
bere sciebat. Dominum Archiepiscopvm obnixitts deprecatus est, ut si ipsius rei
mentio in concilio fieret, se, et per se, et per suos amicos adjuvaret, et manu-
teneret; ComposteUanus autem^ audita ^us posttUatione, et prece, sie fore pol-
lidtus est. Eist. Comp. 8, 14. — Florez-Bisco, t. 36 (Leon), p. 180-183,
und wörtlich so T^ada, 3, 260. Bisco and T^ada sagen nur, dass die Ab-
sesang der Bischöfe von Didacus darcfageführt worden seL
•) Eistoria Comp., 3, 39. — Florez-Risco , t 35, p. 354. — T^ada,
lU, 261.
'} Eigene Urkunde der Bestätigung der Schenkangen Urraca's und Alfons VII.
— Florez, t 16, Apendice 26.
Didaens in Lebensgefahr, 1136. . 33
^Kttsen« (seit 1135) Alfons VII. vom 2. October 1136 geht hervor,
diss damals eine Synode stattfand. Nach dem Kaiser und den beiden
loÜGoitineD Sancia und Elvira unterzeichnet die Urkunde der Cardinal
Guido, nach diesem „Didacus, Erzbischof von Compostella^ , die Bi-
sehöfe Petma von Leon, Petrus von Palentia, Petrus von Segovia,
Berengar von Salamanca, sechs Grafen u. A.
Gegen Didacas hatte sich eine starke Partei in Santiago erhoben,
der Anfuhrer derselben, Wilhelm Siginnez, überfiel den kranken und
dtetk Erzbischof am 12. August 1136, da er zu Bette lag. Didacus
loh zum Altare des heiligen Jacobus in die Earche. Seine Feinde
rertblgten ihn mit Steinen. Didacus wurde unter das Ciborium des
Mtares gebnhcbt, und dort wie belagert — Wie durch das Dazwischen-
treten des heiligen Jacobus entfloh er eben noch dem Tode, ^dessen
Kirche er vom Anfange seines Lebens liebte, und in jeder Weise
schmäckte*'. Das Volk strömte inzwischen zur Hilfe herbei. Die Ver-
ib%er verliessen die Elirche.
Da eilte Didacus nach Burgos, damit der Kaiser ihn räche, dernidaciu
Lesat aber nnd alle Bischöfe die Verbrecher excommuniciren. Diess'° ^üf'
^ gOVj vIC-
geschah. Die Uebelthäter sollten erst am Ende ihres Lebens wieder tober
anfjgenommen werden. Obiger Wilhelm hatte sich aber mit einem ^^^'
Tfaeil seines Anhangs auf der Synode eingefunden. Am zweiten Tage
des Omcils wurde die Excommunication wiederholt und die Sizung
ges<Jilo6sen. — Der Kaiser benüzte die Gelegenheit, sich mit vierhun-
dert Mark von Didacus abfinden zu lassen, dessen Gegner ihm drei-
tausend Mark versprochen hatten, wenn er ihn fallen lasse ^). Am
folgenden Tage ging er mit seinen Kanonikern in die lezte Sizung des
Coadls, während „die Verrather^ nachfolgten. Bischöfe, Kleriker und
Volk riefen: Sehet da die Wölfe, die dem Lamme folgen; sehet die
Pharisäer, die Christum kreuzigen; sehet die Excommunicirten, die
gegok ihren Vater Geschenke versprechen. Darunter waren auch Ka-
noniker von Santiago'). Da sie aber zu dem Kaiser und dem Car-
dinal ihre Zuflucht nahmen, so schloss Didacus mit ihnen Frieden,
wenn sie von allen Angriffen gegen ihn abstehen würden; sonst würden
sie ihrer Stellen beraubt werden. — Von dem Cardinal wird dann
weiter erahlt, er habe den Didacus dringend um ein Stipendium ge«
*) quadringentas marcas argenti promisit Post haec jam securua et cum
Imp^rcAoTt padficatus^ et wium cor et anima facttts, ad hospüivm iuum (in
Bwrgo$) est profecttis,
') Die Hisiar. Oompost» sagt: Kaiser nnd Cardinal seien mit ihnen einver-
itasdoi gewesen (ad imperatorem et Cardinalem^ cvm quibtu nefandam pro-
düwttem tradaverant, finüo Concilio velodter cucurrerunt^ ut pro eis apud
Arddepiseopum irUercederent, et pacem cum eo firmarent).
Btm, tptm. Ktnbm, ül. i. 3
34 Eilftes Buch. Erstes Kapitel.
beten, damit er ehrbar and* ohne Noth nach Rom zurückkehren könnte:
Didacns habe ihn aber ans seinem Eigenen mit dreihundert Goldstücken
(aureis) beschenkt »Nachdem aber diess so geschehen , und die Feinde
niedergeworfen waren, als die welche ihren Stachel erhoben haben,
zermalmt waren, kehrte der Erzbischof mit Zierde und Ehre, nieder-
tretend seine Feinde, sowie mit Pomp und grossartiger Glorie glücklich
zu seinem „Size^ zurück^.
Wir erfahren noch von einer dritten Thätigkeit, einem weiteren
Lebenszeichen der Synode. Der Bischof von Saragossa, Garcia Guerra,
war (1136) gestorben; die Kanoniker erschienen nun mit ihrem Neu-
gewählten vor dem Cardinal, damit er den Erwählten bestätige, und
mit den übrigen Bischöfen den Didacns Gelmirez bitte, ihm die
Bischofsweihe zu ertheilen, die doch von Rechtswegen dem Erzbischoi
von Tarraco zukam« ^»Der Erzbischof (Didacus) aber, bewogen durch
die Bitten des Cardinais und Kaisers, gab der Fürsprache der Bischöfe
williges Gehör, und consecrirte den 'Erwählten auf dem Concil mit
Ehre und Ehrfurcht an dem Size von Burgos mit grösster Feierlich-
keit, in Anwesenheit der Bischöfe, einer Anzahl Kleriker, Mächtiger
und Optimaten ').^
§. 26.
Der Cardinal Guido hielt — auf Verlangen Alfons VII. — im
Jahre 1137 ein Concil zu Valladolid. Sein Andenken ist nur erhalten
durch ein Privilegium einer Schenkung, welches Alfons VII. dem
Kloster Valparaiso (Vallis Paradisi) ausstellte. Die Urkunde schliesst
mit den Worten: „Die Charte der Schenkung wurde ausgestellt zu
Zamora am 4. October, zu der Zeit, als Guido, Cardinal der romi-
schen Kirche, ein Concil in Valladolid (VaUeoleti) feierte, und zur Unter-
redung des Königs von Portugal mit dem Kaiser kam^^).
') HisUrria Comptmtell,, l. 3, ep. 46-^49-, t. 28, p. 438-440. (Con-
cilio de Burgos anno de 1136. (Fhrez weiss gleichfalls über den Zweck imd die Ver-
handlnngen der Synode Nichts zu sagen.) — Mansi^ 21, 603^604, — Aguirre-
Catalani, 5, 54. — T^ada^ 3, 264^266. (Abdruck ans Florez und der Htstaria
Compostellana.)
*) Yepes, t 7, p. 284^288. (Fundadon del M, de VcUparayso por AI-
fonso VIL); apendiee, nr. 21. — CatdUxni, 5, 64. — Ty'ada, 3, 267. — Ftud.
SandovcUf Cronica dd Emperador Alanso VIL Madr, 1600, p. 163.
Baymnnd und Engen I. 35
§.27.
Raymnnd berief im Jahre 1138 ein Concil nach Toledo, zum
Zwecke der Theilong der Renten (Einkünfte) zwischen dem Erzbischofe
and den Kanonikern, und zur Feier der Grundsteinlegung der Kathe-
dnle. Untersdirieben sind die Bischöfe Petrus von Segovia, Bemard
JOD Sigaenza, Beitran von Osma, Bemard von Zamora, Berengar von
Sabnumca, Innicns von Avila. Es wurde festgesezt, dass 24 grossere
and sediB kleinere Kanoniker den Dienst der E^irche verrichten,
welche die Hälfte der Erträgnisse von Brod und Wein des Drittels des
Zebenten von Toledo und seines Bezirkes, und den dritten Theil der
Soto der Kirche erhalten sollten. — Es hat wahrscheinlich keine
eigentliche Synode stattgefunden, sondern unsrer Urkunde der Verthei-
hiQg der Renten haben allmälig die obigen Bischöfe beigestimmt, von
denen drei unter dem Erzbisthum von Santiago standen ^).
§. 28.
Im Jahre 1148 fimd eine Versammlung der Cortes zu Palencia,
in Gegrawart Alfons' Yll., * statt. Dort wurde den Bischöfen die Ein-
hdoDg Eugen's III. zum Concil von Kheims (1148) mitgetheilt. Aus
dem schon erwähnten Briefe an Alfons VU. vom 27. April 1148 er-
sehen wir, dass wirklich spanische Bischöfe in Rheima waren. Er
duikt dem Könige für die Beschickung des Concils, und befreit auf
dessen Bitten die nicht Erschienenen von der angekündigten Sus-
pension*).
§. 29.
Der Primas Kaymund wohnte dem Concil in Rheims an. Als
Rapunnd (berichtet u. a. Lorenzana in seinem ^^Kataloge der Bischöfe
▼on Toledo*]) nach Kieims reiste, verweilte er einige Zeit in Paris, und
))egab sich auch in das Kloster S. Denys. Als er die Kirche, die
(niber und die Inschriften untersuchte, stiess er auf den heiligen
I^b semes Vor^oigers Eugenius, welcher den Spaniern damals un-
bekannt war^. Als er nach seiner Rückkehr dem König Alfons davon
') T^ada, 3, 267.
") Mann, 21, 711-712. - Catalani, ö, 62. - T^ada, 3, 272^273.
0 CaialoguB Praesidtan EcekHae Toletanae Hispaniarum Primatis
Patrum ToUtanorum operOf i. 3y p. 345.
0 ütupaitM tune ignUum.
3*
36 Eilftes Buch. Erstes Kapitel.
erzählte, so verlangte dieser nach 'en Reliquien; Ludwig VIL habe
ihm einen Arm (nach einer andern Angabe einen Finger) gesandt;
Carl IX. von Frankreich aber dem Könige Philipp II. von Spanien
auf dessen Bitten den ganzen Leib des Heiligen. Zum Beweise dafür,
dass Eugen I. wirklich von Dionysius als erster Bischof nach Toledo
gesandt worden, fuhrt Lorenzana Griinde an, die ihm beweisend
scheinen. Seit sieben Jahrhunderten (d.i. etwa von 1150 bis c. 1790,
was eher sechs Jahrhunderten gleichkommt), glaube die Kirche von
Toledo aufs Festeste an die Wahrheit der Thatsache. Es handelt sich
aber nicht um den festen Glauben, und um sieben Jahrhunderte, son-
dern um die Thatsache einer wirklichen Tradition. Diese kann nn-
moglich erst eilf Jahrhunderte später als das Ereigniss anfangen, welches
überliefert wird. Es ist „eine fromme Meinung** der Toletaner, aber
keine Tradition, von der man wenigstens Spuren in der alten Liturgie
von Toledo finden müsste. Die Kirche von Toledo feierte aber, ausser
der heiligen Leocadia, keinen eigenen Heiligen aus der ersten Zeit —
Auf das Martyrologium des Baronius kann man sich nicht berufen,
denn Baronius wüsste nichts von einem Eugenius, wenn nicht die
Spanier nach dem Jahre 1150 von demselben berichtet hätten.
Wer die Existenz des EugeniuB I. von Toledo beweisen will,
muss zuerst beweisen, dass Dionysius, der Areopagite, erster Bischof
von Paris war, und noch vieles Andere. Die ganze Legende von
einem aus Paris gekommenen Eugenius ist sehr plump angelegt. Bay-
mund wünschte die Kirche Spaniens mit den Banden der Pietät an
Frankreich anzuknüpfen, und er nahm zu Erdichtungen seine Zuflucht
— Eugen soll wieder nach Paris zurückgekehrt, und in der Nähe
davon, in der Stadt Diolum, um oder vor 96 als Märtyrer gestorben
sein. — Im Jahre 1821 ersphien nach einer genauen Revision durch
den Cardinal Bourbon eine Ausgabe des „Proprium^ der Heiligen,
welche zu Toledo verehrt werden'). In diesem heisst es ebenso, wie
bei Lorenzana, dass dieser Eugenius den Spaniern in der damaligen
Zeit unbekannt war („tunc temparis incognitum^). War er ihnen unbe-
kannt im Jahre 1150, so war er ihnen in der ganzen Reihe der vor-
hergehenden Jahrhunderte unbekannt, er steht und fällt mit der Glaub-
würdigkeit des aus Gallien eingewanderten Raymundus.
Die Erfinder der falschen Chroniken im sechzehnten Jahrhundert
haben die Legende dieses Eugenius in ihrer Weise weiter ausgeschmückt.
Die Einen lassen Jacobus , den Patron Spaniens, nach Toledo, in diese
Centralstadt Spaniens, jedenfalls die Hauptstadt der Provinz Car-
*) cf. Proprium Sanctorum, quorum ojficia in Hispaniarum tegnis ex
eoncessione apostolica recitantur, Ratisbonae, 1863,
CoDcil Ton Salamanca, 1154. 37
petsnien, kommen« Andere lehren, dass der Apostel Petras in Toledo
ersdiien, am die Christen za besuchen, die Jacobus daselbst zurück*
gelassen, und er habe in dieser Central- und Principal-Stadt den Pri-
nuatial-Stahl angerichtet, welchen er mit einem seiner Begleiter besezt
habe, Namens Engenins, einem gebornen B5mer, dem Sprossen einer
aosgezeichneten Familie, dem Sohne des Marcus Marcellus und der
Claudia Xantipa, welche bei dem Dichter Martial citirt werden. —
Wenigstens sei auf den Befehl des Petrus S. Satumin gekommen, und
habe in Toledo den heiligen Eugenius als ersten Bischof zurückgelassen.
Natürlich musste Toledo auch schon im ersten Jahrhundert Erzbisthum
and Frimatialsiz für ganz Spanien sein.
Raymond hat durch die Erfindung eines Eugenius I« der Kirche
von Toledo keinen Dienst geleistet '). Ueber seine sonstige Wirksam-
keit ühlen die Nachrichten. Er starb im Jahre 1150 oder 1151^.
§. 30.
Nachfolger Johannes, vorher Bischof von Segovia, nennt
Lioreozana einen Mann von grossem Geiste, von alter Treue, ausge-
stattet mit allen Gaben eines vollendeten Oberhirten.
Im Jahre 1154 berief der „Kaiser^ ein Concil nach Salamanca, ccneii
am die Grenzstreitigkeiten zwischen den Bisthümem Oviedo und Lugo ^- ®^*'
za heben. Am 14. Januar wurde ein Vertrag abgeschlossen, welchen um/
der Kaiser, sein Sohn Sancho, Johannes von Toledo, die Bischöfe
Vmcenz von Segovia, Lmicus von Avila, Navarron von Salamanca,
Joannes von Osma, Petrus von Siguenza, Victor von Bnrgos nnter-
aöchneten. Aus dem Reiche Leon unterzeichneten den Vertrag Fer-
diBuid, der Sohn Alfons VII., der erwählte Bischof Pelagius von San-
tiago, Martin von Orense, Pelagius von Tay, Johann von Lugo, Pe-
lina von Mondonnedo, Petrus von Astorga, Johann von Leon, Bai-
mond von Palentia, Stephan von Zamora^.
0 In den Lectionen 8. Festes zum 16. Nov. wird über die Art und Weise
der Aoffindimg geschwiegen, cf. Propr, Sdor. in Bispan, regnis etc. Ratia-
bonae, JS63, Festa Novembria, p. XLV,
') Nach Lorenzana; nach Sisto Eam. Parro (Toledo en la mano), «/• 1857 ^
p. 823f starb er im November 1151, nach Loperraez (Obispado de Osma) starb er
am 19. Aag. 1150 (ef. t IlL des Werkes, p. 96^102).
*) In einem der beiden Über den Vertrag erhaltenen Docnmente heisst es:
pmaite Joanne prbaale Toktano, Pdagio electo Jacobensi (d. i. 8. Jacobi) etc.
— Ib euer andern Urkunde heisst Johannes Erzbisohof von Toledo, and „Primas
TOD gMDz SjMinien''. Florez, L 38, nr. 34 apend,, p, 351. — t 41, nr. X, ap,^
pJ12. - Affuirre, V, 68. — Tejada, III. 273,
38 Entes Bach. Erstes Kapitel.
In der That waren fast alle Bischöfe von Castilien-Leon in Sa-
lamanca (am 2. und 14. Januar 1164) yersammelt, aber dieser Ver-
gleich ist die einzige Urkunde ihrer dortigen Anwesenheit
§. 31.
Der Cardinal Hyacinth hatte auf den 25. Januar 1155 ein all-
concii gemeines Concil nach Valladolid berufen, wo Alfons VII. weilte, und
^doud* ^^ zugleich Cortes statt&nden. Das Concil sollte gegen verschiedene
1156.' Missbrauche Abhilfe leisten. Die Beschlüsse sind nicht bekannt. Wir
kennen es nur aus einigen Urkunden. Am 4. Februar 1155 gab Al-
fons VII. dem Orte Sahagun einen freien ,,Markt^ drei Wochen von
Pfingsten an'). Anwesend war, neben den obgenannten Bischofen, Ro-
dericuB von Nagera. In diesem Concil, im Monat Februar, wurde der
Bischof Pelagius von Mondonedo abgesetzt. In die zu Grünsten des
£[lo8ters Sahagun ausgestellte Urkunde hat sich die Notiz gleichsam
verirrt, da sie streng genommen dahin nicht gebort. „Damals hielt
Jacintus der Legat ein Concil, mit dem Kaiser, mit den (zwei) Erzbi-
schofen, mit 12 Bischofen, und damals wurde abge^ezt der Bischof
von Mindonium^^). Von einer Begründung dieser Absezung erfahren
wir nichts, und nichts Anderes von der ganzen Synode.
Der Primas Johannes wohnte auch der Synode bei, welche Papst
Alexander III. im Mai 1163 zu Tours hielt.
johaa- Johannes stand dem „Kaiser^ Alfons VII. in seinen lezten Stun-
^^ ^' den bei (1 157). Er begleitete den Eonig Ludwig VIL von Frankreich,
als dieser eine Wallfahrt nach Santiago machte, unterstüzte den Abt
Raymund und den Bruder Didacus Velasquez bei der Vertheidigung
von Calatrava, deren Folge die Stiftung des gleichnamigen Bitterordens
war. Er gründete in der alten Basilica der heiligen Leocadia zu To-
ledo, die er im Jahre 1162 wieder herstellte, eine Genossenschaft re-
gulärer Kanoniker des heiligen Augustin. Johannes starb am 29. Sep-
tember 1166.
Pfltrui Sein Nachfolger Petrus Cerebrun oder Celebrunus war früher
^^' ArcAidiakon von Toledo, war Lehrer des spätem Königs Alfons VIII.,
und machte sich verdient durch glückliche Erledigung vieler wichtiger
ihm gewordenen Aufträge. Er wurde Bischof von Siguenza — um
1154, und um (oder vor) 1170 Primas von Toledo. Er gab das Archi-
diakonat von Toledo dem heiligen Julian, nachmals Bischof von Cuenca.
Er starb am 12. Mai 1180.
') Feriam pro S. F<icundo conttitutatn in fßsto Pentecostes^ et durei
per tres hebdomadas,
*) EscaUmat Hiatoria de Sahagun^ p, 638 (apendiee 111), Eaeritura 10.
X
PrimateD von Toledo (1088—1206). 39
Petrus von Gardona regierte kurz. £!r hatte ein Buch über die Petnu
Feier des Osterfestes geschrieben. Nach Einigen war er der erste ^^^"'
Cardinal von Toledo. Er starb am 26. Jnni 1182. — Den Primas Gonzalez oonza-
Perez nennen alte Schriftsteller einen grossen Mann von hervorragen- ^^ ^^'
rez.
der Tugend* Sein Todestag ist der 30. Augnst 1193. '
Von Martin H. Lopez de Pisaerga sagt sein Nachfolger Boderi- Marun
cos Ximenes, dass sein Leben die Ehre seines Geschlechtes, sein Eifer ^p®'-
das Diadem seiner Kirche, seine Hände die Zuflucht der Armen, seine
Weisheit der Friede Vieler, „und seine Waffen der Eifer gegen .die
listerangen waren. ^ — Alfbns VIU. sandte ihn als Heerfiihrer gegen
die Mauren in Andalusien, und als Sieger kehrte er zurück; er war
ucb bä diesem Konige in der Schlacht von Alarcos (1195). Zum
Enbiflchof erwählt im Jahre 1194 starb er den 28. August 1208. Er
6oU, seit 1. Juli 1206, der erste Grosskanzler von Castilien gewesen
Sern, welchen Titel seine Nachfolger beibehielten.
Zweites Kapitel.
Die Kelche CastUIeo ond Leon Im iwölflen Jahrhandeit
§. 1.
AI. Eonig Alfons VI. lebte nach der Eroberung Toledo's noch 24 Jahre.
foiu VI. 2q seinem Lobe sagt sein Zeitgenosse Pelagins, dass er der Vater
und Vertheidiger aller Kirchen Spaniens war. „Diess that er darum,
weil er in Allem katholisch war. So furchtbar war er Allen, die Uebles
thatcn, dass sie nie vor seinem Angesichte zu erscheinen wagten, dass
alle Machtigen, Edle und Nicht- Adelige, Reiche und Arme, die in
seinem Lande lebten. Keiner gegen den Andern einen Streit zu erbe-
ben, oder etwas Ungerechtes zu vollbringen wagten. Solcher Friede
herrschte in den Tagen seiner Regierung, dass ein (einziges) Weib,
das Gold oder SUber in ihrer Hand trug, im ganzen Lande, in dem
bewohnten wie unbewohnten, auf den Bergen wie in der Ebene, ganz
sicher und ungefährdet blieb. Kaufleute und Fremde fürchteten nichts;
denn Keiner hätte es gewagt, ihnen auch nur einen Heller (pbolum)
zu nehmen. Er stellte überall Brücken her von Lucronium an (Lo-
grono) bis „zum heiligen Jacobus.*'
Er war zulezt ein Jahr und sieben Monate krank. Er lebte
79 Jahre, er regierte 4378 J^hf^* ^^ Toledo starb er am 30. Juni
1109, unter dem Weheklagen aller Einwohner, die sagten: „Wanim
verlassest du, Hirte, die Schaafe? Die dir anvertraute Heerde und
dein Reich werden eine Beute aller Saracenen und böswilliger Menschen
sein^. Am 12. August wurde er in der Kirche des heiligen Facnndus
und Primitivus begraben, wo friiher seine Gemahlin Constantia begra-
ben wurde*).
') EsccUona, L c. lib. 2, 5 (12). 5, 1 (8, 9). — 8,3 (2). - Historia de
loa Reyes de Castüla, D. Fernando el Magno, D, Sancho, D. Alonso VI. etc.,
Königin Urraca. . 41
Der Chroiiist Sampiro hatte seine Chronik der Könige von Leon
bis tarn Jahre 984 gefuhrt; Pelagius von Oviedo sezte dieselbe fort
bb zum Tode des Königs Alfons VL *).
§. 2.
Dona Urraca, Tochter des Königs Alfons VI. und der Königin Königin
Offlstantia, Wittwe des Grafen Uaymund von Bargund und Mutter des j^^^'
duiuJs drei Jahre alten Alfons VII., trat die Regierung über Castilien und
Leon Dach dem Tode ihres Vaters an. Die Schriftsteller sind einstimmig
dtfüber, dass die Zeit ihrer Regierung eine für die Erhebung und den
Fortschritt Spaniens verlorne war. Zu ihrem Lobe wissen sie nur zu
sag«, dass sie nicht grausam war. Sie schloss wider ihren Willen
eiDe zweite Ehe mit dem Könige Alfons I. von Aragonien, welche
Ursidie vieler Streitigkeiten und Kriege, und nach vier Jahren durch
Papst Paschalis II. (1113) wegen zu naher Verwandtschaft als ungiltig
^Uirt wurde ^. Neue Streitigkeiten brachen Zwischen Urraca und
ihren Anhängern, sowie zwischen den Anhängern ihres Sohnes Alfons
Bajmandez ans, die durch eine Versammlung der Parteien zu Sahagnn
im Jihre 1116 ansgeglichen wurden. Die Herrschaft in Leon, Astu-
ri^ ond Galizien sollte zwischen Beiden getheUt werden, Urraca sollte
ilieb in Altcastilien, Alonso in seinem eigenen Namen in Neucastilien
und Toledo herrschen. Der Friede wurde auf die Dauer von drei
Jatren beschworen. — Bei einem Aufstande gegen Urraca zu Santiago
im Jahre 1120 entrann sie und Didacus Gelmirez kaum dem Tode; der
Bnder des Bischofs wurde ermordet. — Urraca zerfiel später, wie mit
iktm Sohne, ao mit Didacus. Sie liess ihn gefangen nehmen^ musste
ünaber nach acht Tagen wieder freilassen; doch behielt sie die ihm
entriiifienen CasteUe zurück. Es kam zu neuen Conflicten. — Papst
C«Lit n. drohte im Falle der Weigerung mit Auschliessung und Inter-
dict — October 1121*). — Urraca wollte durch weibische Schmeiche-
laei ond leere Versprechen den Didacus hinhalten. In dem Streite
wir anch der Konig gegen seine Mutter. Der römische Legat Deus-
pw PrHd. Sandoval, Pampl 1615, fol. (itenm 1634). — R. Dozy, Histoire
^ Mwdman's d^Espagne, Leyd. 1861, t. IV, p. 167, 162 sq., 189 sq.;
m^258,
*) Die literatnr Aber Pelagina, K.-6. II, 2, p. 410.
*) Histor. Composteü., ap. Fhrez, XX, p. 115—118, p. 138. — Raderic.
TMums, VII, c 2. — Lucas Tud., chron. mundi, ap. Schott. Hispan. iUustr.,
' IV. p. 101.
*) Histor. Compost XX, 341—346 (in 5 Briefen, erlassen am 7. Oct. 1121);
Mtj Ttg. Pont, itr. 5062^5066.
42 EilftesBoeh. Zweite K^iteL
dedit bewiriLte aof der Vereammlnng zn Valladolid eine Yenohnung
xwischen Urraca ond ihrem Sohne.
ürraca starb am 8. März 1126 zu Saldanha bei Carrion').
Alfons VII. hatte schon zo Lebzeiten seiner Matter glfickliche
Feldzfige gegen die Mauren unternommen. Im Jahre 1110 hatte ihn
Didacus Gelmirez als Konig Ton Ghüizien gekrönt Der Adel von
Leon rief ihn als seinen König aus. Er nahm im Jahre 11 17 Toledo
ein, welches einige Jahre im Besize der Aragonier gewesen. Nach
dem Tode seiner Mutter wurde er im Jahre 1126 von Didacus Gel-
mirez zu Leon als Konig gekrönt. Er wandte sich jezt besonders gegen
die Mauren im Süden von Spanien*).
§. 3.
Dl« AI- Als die einzelnen maurischen Fürsten nach der Eroberung Tole-
noimTi. ^^9g ^^j. XTebermacht allein sich nicht gewachsen fühlten, wandten sie
sich um Hilfe an die Herrscher der machtigen Almoraviden in Afrika,
J^^ welche hier seit c. 1042 sich erhoben hatten. Im Jahre 1086 landete
Spanien
1086. ihr fast SOjähriger Herrscher Jusuf in Algesiras. Er zog, im Geleite
der Emire Andalusiens, über Sevilla gegen Badajoz'). Bei Salaca
scfaiMht am Guadiana wurde Alfons VI. auf das Haupt geschlagen — 23. Octo-
s«uL ^^^ ^^^- ^^^ ^^^ ^^ Beitem entkam der Konig. 24,000 abge-
schnittene Christenkopfe wurden zu einem Minaret angebaut. lusnf
nannte sich „Herrscher der Glaubigen''. i)erselbe kehrte aber sogleich
wieder nach Afrika zurück^ und die gefurchteten Folgen der Nieder-
lage traten nicht ein. Als Jusuf wiederkehrte, wagte er Alfons YI.
nicht mehr anzugreifen. Er gerieth spater selbst in Krieg mit den
Emiren von Südspanien. Der Emir Moatemed von Sevilla starb als
Gefangener in Afrika. Die Almoraviden unterwarfen sich den ganzen
Süden und Südosten Spaniens bis Valencia, welches im Jahre 1102
den Christen vrieder entrissen wurde. Jusuf starb im December 1106
zu Marokko, im Alter von 101 (Monds-) Jahren^).
den
*) HsaptqneDe, wenn anch parteiische , fiber ihre Regiemng ist die Hütoria
CompoBUUana, vom Jahre 1109—1126, p. 96^-432. — Chron. ComposL, und,,
p. 611 („reffnavit autem tyranniee et muUdfrüer X. et aeptem annosj et vUam in-
felicem finimt^). — Eoderic Toletanus, VH i, 4. — Prud, Sandoval in s. oben
angeführtem Werke. — Florez, las Reynaa CathoUeas, /, p. 231^271 (hit alle
Nachrichten über sie gesammelt , nnd dieselben im apologetischen Interesse ver-
werthet).
*} Asehbach, Geschichte Spaniens nnd Portngals zur Zeit der Hensohaft
der Almoraviden nnd Almohaden, 1838^1837.
*) Bödme. VI, 32.
*) Conde, Geschichte der Herrschaft der Manren in Spanien, nach arabischen
Die AlmohadeiL Alfons VII. . 43
Sein Sohn Ali zahlte erst 23 Jahre. Er war „schwach und nn-
üiadg, nnd wnsste die Grenzen seines Reiches nicht za schüzen^ ^).
ybmwhe Schriftsteller nrtheüen ganz anders üher seine Regierung.
Er nahm Christen in seine Leibwache auf, und vertraute ihnen auch
niedere Aemter an. Sein Bruder Aba Jahjah Temim bedrängte die
Festung üdes bei Cuenca. In der Schlacht bei Ucles (30. Mai 1108)
fiel der eilQährige Sancho, Sohn Alfons' VI.; an 20,000 Christen, dar-
unter 7 Grafen, fielen mit ihm. Aber auch diese Niederlage blieb
obe weitere Folgen«
§.4.
Ueber die Almoraviden siegten die mächtigern Almohaden. nie ai-
Grander ihrer Herrschaft waren Abdalla (Ben Tumert) und Abdolmumin. ^^^^^
Um Anhänger naimten sich Almohaden, d. i. Einheitsbekenner oder Spanien
die Vereinigten. Die Almoraviden wurden mehrfach geschlagen, ihre "^
Hauptstadt Marocco belagert. Doch hier wurden die Almohaden mit
einem Verlust von 40,000 Mann besiegt — 1125. Nach drei Jahren
TOen sie wieder siegreich. Seit 1134 wurde „Emir Almumemin^ mäch-
tiger. Das Reich der Almoraviden wurde nach einem Kampfe von
30 Jahren gestürzt, in Afrika und in Spanien. In ihren Kämpfen
vaodtea sich die Araber um Hil& an die Spanier. Alfons VII. nahm
UD 17. October 1 147 vorübergehend Almeria ein. Aber die Almohaden
eroberten 1148 Cordova, im folgenden Jahre sämmtliche Städte Anda-
tuKDs. Diese entrissen auch Almeria im Jahre 1157 wieder den
^^i^nsten, sowie sie Granada den Almoraviden entrissen, deren Herr-
i<^ hiemit ein Elnde nahm.
^' and Denksehliften. Uebersetzt von K. KntBchmann, Carlsnihe 1824, 3. Bd.,
Qf «deheii sich Aschbaeh n. A stOsen, während ihm Dozy Mangel an KenntniBS
da Anbiielien nnd Mangel der elementarsten sonstigen Kenntnisse bei einem gros-
Kl ücliafliine an Phantasie vorwirft, der Tansende von Angaben rein erfanden,
'■■Mr vorgebend, ein treuer Uebersezer ans arabischen Quellen zu sein. Damach
*tt Cosde ein Nachfolger des Bamon Hignera nnd seiner Nachtreter — im 19. Jahr-
hundert. Sem Werk erschien 1820. — Ihm folgten besonders Aschbach , Schfifer,
^ Ftmosen Bosseenw Saint-Hilaire, Bomey, neulich noch Gfirörer in seinem
»Gregor TO.« n. A. (Bomey (Histoire d^Espagne, Par. 1839-1847, 7 Bde.)
''CBBt Um «einen Meister**, die (erste) Auetoritat in der arabischen Geschichte. Dozy
^ verwiift aowobl Gonde als Masdea u. A., weil lezterer allzuviel und allzu keck
Videi verworfen y was geschichtlich begrOndet sei. (Dozy, Vorrede zur ersten und
ivdteD Aofhige seiner mehrerwfthnten ^Recherches sur Vhittoire ~ de l'Espagne'^)^
0 Boderic Tolet, kitUnia Arabim, c 49.
44 EiUtes Bach. Zwaitea Kapitel
§.5.
AI- Alfons Vn. führte in den Jahren 1126 bis zu seinem Tode 1157
mit wechselndem Erfolge Kriege gegen die unter sich uneinigen Mauren.
Im Jahre 1133 drang er siegreich bis Cordova und Sevilla. Alles ver-
heerend zogen die Castilianer, nachdem sie auch Xeres zerstört, bis
Cadiz. Dieses widerstand. Auf dem Rückzug schlug Alfons den Emir
Taschsin bei Sevilla. Mit Beute beladen und ungefährdet zogen die
Castilianer heim^). In den folgenden Jahren überliess Alfons seinen
Feldherren die Fortsezung des Ejrieges.
Auf den Mai 1135 berief Alfons VII. die Bischöfe und Grossen
seines Reiches nach Leon. Zugegen waren auch der Konig Grarcias
von Navarra, die Königin Berengaria und die Infantin Dona Sancba.
Am ersten Tage wurde über die kirchlichen Angelegenheiten verhan-
delte Am zweiten Tage wurde Alfons in die Kathedrale geleitet, und
dort von dem Primas ,,Raymund^ und den Bischöfen erwartet. Ein
prächtiger Mantel wurde dem Könige umgethan, am Hochaltar wurde
ihm die Krone aufgesezt und das Scepter übergeben. Der Kleriis sang
das „Te Deum" und alles Volk rief: „Es lebe der Kaiser Don AI-
fonso^. Bei dem Mahle bedienten ihn die Grossen des Reiches. Der
Kaiser bestätigte in Leon auch die von Alfons VI. ertheilten „Fueros^-
Den Kirchen und Klöstern wurden die verlornen Güter und Lehen
zurückgestellt.
Der Kaisertitel schloss eine Anwartschaft auf eine Oberhoheit
über die ganze Halbinsel der Pyrenäen und selbst das südliche Frank-
reich in sich. Den ersten Widerspruch aber erhob das aufstrebende
Portugal. Das Heer der Portugiesen rief im Jahre 1139 auf dem
Schlachtfeld von Ourique seinen Herzog als König aus. Die Grossen
von Aragonien widersezten sich aus allen Kraften einer Vereinigong,
ja nur Annäherung an Castilien. Sie fühlten sich als eine eigene un-
abhängige Nation.
Alfons VU. eroberte im Jahre 1139 Oreja, im Jahre 1142 die
feste Stadt Coria. Die Kirche der heiligen Maria wurde wieder her-
gestellt, und das alte Bisthum, welches zur Zeit der VITestgothen be-
standen hatte. Eneco Navarron erscheint 1142 als erster Bischof^)*
'} Rosseeuw-Saint-Bilaire, HMoire de VEspagne depuis les premiers
temps historiques jusqv^ h la mort de Ferdinand VII., nouv. idit,^ PariSj 1846
-^1856, 10 vol., t IV, p, 349.
') dedicaverunt Ecdesiam in Jwnore S, Mariae semper virginis, et (winitiW
sanctorum, et ordinaverunt ibi Episcopum virum Religiosum nomine Nabarro-
nem, sicuti antiquitus fuerat Sedes Epiacopalis tempore Ildefonsi Ärchiepiscop^
et Recaredi Regis (welche beide 00—70 Jahre von einander entfernt sind), quando
Almeria erobert, 1147. 45
Im Jahre 1143 rückte der Feldherr Munio Alfonsez bis in die
Ehtsoß Ton Corduba vor. In dem Kampfe fielen Abenzeta, Emir von
Senlk, und der Emir Azoel von Corduba, die andern Saracenen aber
dohen — Jani 11430-
Im Jahre 1144 machte Alfons VIL einen neuen Strei&ug nach
Andalasien. Dagegen fiel Munio Alfonsez in einem Kampfe in der
liihe von Calatrava. Gerade um diese Zeit erlagen die Almoraviden.
— Anf aner Versammlung zu S. Estefiin de Gormaz brachte Alfons VII.
eioea Bond mit Aragonien und Navarra zum Zwecke eines gemein-
smea Kampfes zu Stande. Die Stadt Almeria wurde zur See von den
Scluffen der Genneser und Pisaner, die von Alfons VU. 30,000 Gold-
stücke erhielten, sowie von den Grafen von Barcelona und Montpellier,
ZQ Land aber von den Heeren von Castilien, Leon, Aragon und Na-
Tsm onter Führung des Kaisers belagert. Almeria wurde am 17. Oc-
tober 1147 nach heftigem Sturme erobert, nach einer Belagerung von
dm Monaten'). Im Jahi'e 1150 unternahmen die drei Könige von
CastilieD, Aragonien und Navarra einen gemeinschaftlichen Zug gegen
die Almohaden. Sie schlugen den Feind, und eroberten einen Theil
CordoTa's. Doch starb Konig Garcias von Navarra noch im Jahre 1150.
§. 6.
Mal^a hatte um das Jahr 1100 — 1118 einen Bischof Jnlianus,
der sich grosse Verdienste um seine Kirche erwarb. In einer Bulle
des Papstes Paschalis IL, am 1. October aus Anagni erlassen (wo der
Papst n. a. am 1. October 1117 weilte), schreibt derselbe an die Kle-
r2uf und Laien der Eärche von Malaga : „Wie wir aus euren Briefen
erksimt, ist unser Bruder, der üeberbringer derselben, Julianus, Bischof
eurer Stadt, welcher durch seine Thätigkeit eurer Kirche viele Guter
enrofben: wegen dieser Wohlthaten ist er von einigen diabolischen
Menschen bei dem Konige der Saracenen verklagt, seines Bisthums
Waobt, sodann, wie wir aus seinem Berichte erfahren, in das Ge-
fiogDiss gelegt, und in demselben unter vielen Feinen sieben Jahre
tfsia iüa terra Christianorum erat a Mediterraneo usque ad Mare Oceanum.
Otpta ett autem dvUas Cauria in Era MCLXKX, et in mense Junio.
0 Damals hatten die Gastilianer die Unsitte von ihren Feinden angenommen,
^ tbgeidmittenen Hänpter der Feinde als Trophäen aof Lanzen zn tragen. —
Clnm^ofi Aldefonsi VIL, ap. Florez, t 21, p. 386. Qegen diesen Greuel erhob
vA die Kaiserin Berengaria, Hess die Köpfe durch jüdische und maarische Aerzte
«uhultimiren^ aie in kostbare TQcher nnd in Gefasse von Gold nnd Silber ein-
Mlüicneii, imd sandte sie den Frauen der Angehörigen zurück.
*) Geron. Pujades, Oranica de Cataluna, Barcel. 1830^ U VIII,
p. 386^00.
48 Eilftes Bach. Zweites Kapitel.
entspricht dem spätem Niebla, und sein Gebiet wurde im dreizehnteo
Jahrhundert dem wiederhergestellten Erzbisthum Sevilla zugetheilt.
Ein Bisthom Marchena hat nie bestanden. Florez hält es für
möglich, dass statt Marchena Malaga gelesen werden sollte, da der
Text des Rodericus Ximenea so vielfach verderbt worden sei. Nehme
man aber an, dass Marchena die richtige Lesart sei, so mnsste man
eben an den Bischof von Ecija oder Astigi denken (Marchena liege
im Gebiete dieses Bisthums), Marchena würde dann den Ort bedeu-
ten, von welchem aus der Bischof nach Toledo floh, denn es heisse
nicht im Texte; der Bischof von Marchena, sondern „der dritte (kam)
von Marchena^ ^). Marchena liege näher bei Astigi als bei Sevilla
(von jenem 6, von diesem 19 Meilen entfernt), so sei das Wahrschein-
liche, dass Marchena zu dem nähern Ecija gehört habe, „und in die-
sem Fall war der Bischof von Marchena der Bischof von Ecija^. So
habe der Bischof von. Calahorra gewöhnlich in Logrono gewohnt^.
Aber aus welchem Bisthume kam denn der Archidiakon, der im
Rufe der Heiligkeit stand? Florez weiss es nicht, wie wir es nicht
wissen, er weiss die Namen der drei geflohenen Bischöfe nicht, wie
wir sie nicht wissen. Er denkt aber bei dem Archidiacon wieder an
Ecija« Ecija wurde im Jahre 1240 wieder von Ferdinand dem Heili-
gen erobert, das alte Bisthum aber nicht hergestellt, sondern Ecija als
„Archidiaconat^ mit Sevilla vereinigt.
Bitthoffl Wir kennen einen Archidiacon Theudecutus von Beatia, welcher
"^^^ im Jahre 905 die Urkunde der Stiftung des Klosters Sahagun unter-
zeichnet. Florez glaubt aber, dass das Bisthum Beatia, friiher Castnlo,
bis zum Jahre 1147 Bischöfe gehabt habe, wofür wir den Beweis ver-
missen. Im Jahre 1147 trat Alfons VII. als Sieger in Baeza ein, die
grosse Moschee wurde als Kathedrale eingeweiht, unter der Anrufong
des heiligen Isidor, welche der König reichlich dotirte. Er ertheilte
damals dem Palast des Bischofs von Beatia dieselben Freiheiten und
Exemtionen, deren der königliche Palast genoss, wie Gimena sage').
Gimena leitet diese seine Behauptung aus den Fueros oder Stadtrech-
ten ab, welche der „Kaiser^ der Stadt bewilligte. Und obgleich der
Name des Bisthums nicht genannt werde, so sei es doch, meinen
beide Schriftsteller, Thatsache, dass Beatia seit dem Jahre 11^7
wieder Bischöfe gehabt habe. — Mir scheint die Beweisführung nicht
stichhaltig. Der erste uns bekannte (neue?) Bischof von Beatia
•) Florez, t X (3 edie.), p> il7.
*) FUyrez, X, p. 118-119.
') CeUalogo de los Obispos de las xgUsias Catedralea de la dioceri d€
Jaen, y anndUe ecUsiasHcos deste obispado, por Martin de Zimena Jurado,
Madrid, 1664, fei
Ende der Mozaraber. 49
encheiiit im Jahre 1236—1238; es war der Dominikaner Dominicus de
Baea; wanun sollten die Bischöfe zwischen 1 147 und 1236 ganz ver-
gessen Verden sein *)?
Dag^en scheint uns, dass nach dem Jahre 1144 auch aus den
obr^ Üer nicht genannten Bisthümem, aus Bigastro^ Valencia, Acci,
Tood-Martos, Italica, Gorduba, Cabra, Malaga, Granada, Ossonoba
0. a. die Bisdiofe Terschwunden seien, und dass etwa ein Jahrhundert
lug loch das Christenthnm in diesen Gegenden aufgehört, theüs durch
freiwillige Auswandemng der Christen in die nordlichen Reiche, theils
doreh Deportation derselben nach Afrika, theils durch mehr oder weni-
ger erzwungenen Abfiedl vom Glauben. Nur im Gebiete des spätem
Königreichs Granada dauerte die Unterdrückung und das Erlöschen
des Cbistenthnm's über drei Jahrhunderte.
§. 8.
AlfoBs VIL suchte, um. die Fortschritte der Almohaden au&u-
balten, im Jahre 1150 einen neuen Bund mit den Eonigen von Ara-
gooieo and Navarra zu schliessen. In demselben Jahre machten die
drei Könige einen gemeinsamen Zug nach Andalusien , gewannen eine
Schlacht, and eroberten eine» Theil von Cordova. Der Tod Garcias
^on Navarra aber verhinderte die Fortsezung des Krieges. Alfdnso VIL
suchte in den Jahren 1160 — 1157 den Frieden unter den Christen zu
erhalten, um sie zum Kampfe gegen die Mauren zu vereinigen. Die
Effcige scheinen aber nicht bedeutend gewesen zu sein. Freilich ver-
litttoDs gerade in den Jahren 1147 — 1157 die bisherige Hauptquelle q«.
der Geschichte Alfons' VIL, «die Chronik Alfons' VH.«, deren Ver- *^'^^
^^ nicht genannt wird. Bis zum Jahre 1139 handelt auch die ber über
fGtsdocfate von Compostella'' über die Thaten und die Person des ^^'^°'**
r^aisers", aber mit grosser Einseitigkeit und Parteilichkeit, und nur
^ weit Didaous Gelmirez mit Alfons VII. in bald freundliche , bald
femdlidie Berührung kommt. Die erwähnte Chronik hatte Sandoval,
^ er „die Geschichte Alfons' VII." schrieb, in Händen, welche er
u& Jahre 1600 besonders, und später mit seinem Werke „die fünf Ko-
^^ herausgab. Vor ihm wird diese Chronik nicht erwähnt, welche
in Toledo sich fand. Er nannte sie „Geschichte von Toledo"; wahr-
scheinlich, weil sie sich im Manuscripte hinter den Schriften Roderich's
von Toledo befand. Der Chronist beschreibt die Kriegsthaten des
Kutters bis zum Jahre 1147, oder bis zu der Belagerung von Almeria.
Bisber hatte er in trockenem Stile berichtet. Aber die Ghrosse der
wigniaae nnd der Thaten, die er jezt zu beschreiben hat, veranlassen
*) FImz, VII, 2 edic p. 109.
<^ »HB. Kirche, m. 1.
50 EilfleB Buch. Zweites Kapitel.
ihn, seinen Stil zu ändern. In „Leoninischen Versen" besingt er die
auswärtigen und spanischen Feldherren, welche sich zu dieisem kriegeri-
schen Unternehmen vereinigt hatten. Aber die Eroberung selbst be-
schreibt er weder in Versen, noch fährt er in ungebundener Rede fort;
das Werk bricht ganz unerwartet ab, sei es, dass der Verfasser es
nicht fortgesezt, sei es, dass seine Fortsezung wenigstens bis jezt nicht
zum Vorschein gekommen ist. Pellicer vermuthet, Roman Higoera
habe den Rest des ihm vorliegenden Manuscripts vertilgt, weil es mit
seinem erdichteten Chronicon (des angeblichen Julian Perez) nicht
harmonirte ').
. §. 9.
Donna Die crstc Gemahlin Alfons' VII. war seit dem Jahre 1128 Dona
^"J^* Berenguda (Berengaria), Tochter des (eilften) Grafen Bamon Berengar
von Barcelona und seiner Gemahlin Dolce, Gräfin von Provence. Beren-
garia war mit aUen Vorzügen des Geistes und des Leibes ausgestattet,
keusch, schon, voll Ehrfurcht vor der Wahrheit und aUen wahren
Dienern Gottes. Mit dem Konige und dessen Schwester Dona Sancha
lebte sie in schönster Eintracht. Ihre Freude war es, die Kirchen
zu beschüzen, Klöster zu erbauen, fui» die Waisen und Armen zu
sorgen. Seit dem 26. Hai 1135 hiess Berenguela — „Kaiserin''.
Ihre Eander waren Don Sancho, Nadhfolger seines Vaters in
Castilien, Ferdinand und Garcia, der im Jahre 1146 starb,: und Alfons,
der auch als Kind starb. Sie hatte femer zwei Töchter, die von Ver-
schiedenen verschieden genannt werden, Gonstantia und Sancia, Isa-
bella und Beatrix, oder Beacia. Gonstantia (oder Isabella) heirathete
den König Ludwig VII. von Frankreich um 1152, der sich von seiner
ersten Gemahlin Leonora getrennt hatte. — UebelwoUende breiteten in
Ludwig Frankreich das Gerücht aus, Constantia (oder Elisabeth) sei Tochter
^^^ einer niedrigen Concubine. „Der König Ludwig aber wollte dem Ge-
reich in ruchte nachspüren, und er ergriff den Wanderstab zum heiligen Ja-
spanion ^qI^^ccs^^ Alions VII. empfing ihn zu Burgos, von seinen Grossen um-
0 Oronica dd indUo emperador de Eltpaiäa D, Alomo VII, ete. por
Sandaval, 0. 8. B., Madrid, 1600 fol. — Abge^okt in deaselb. Veif.: „Eütoria
de los reyes ete.^ (Ferdinand L, D. Sancho, D. Alonso 7/., D. ürraca, D. Alan-
80 VIL), PampUm. 1615. — Fr. de Bergamo, O.S. B.j ^Antiguedades deEspaüa*,
2 fol, Madr, 1719, 1721, t II, p. 590—695 sq. — Dieser ersten eigentliehen
Ausgabe folgte die des Florez, t, 21 der Bsp. sagr., 2 edic., 1797, p. 307-^19:
p. 320—409 (Text v. J. 1126—1147). — Josd Godoy AlcdnUara, Histaria cn-
tica de los faüos Ckronicmes, Madrid, 1868, p. 199, 205, 217-^218, 232 (über
den angeblichen Julian Perez).
*) Rodwic. Xim., de rebus Hisp., VIL 9, Rosseufo- S. JSilaire, Btstoire
de VEspagne, TV, 130 sq.
Alfons VII. von Gastilien. 51
geben, nmgeben von allen Reichthümern seines Hofes , so dass selbst
der König tod Frankreich bei solcher Prachtentfaltung in Staunen ge-
neth. Nachdem Alfons seinen Schwiegersohn bis zum heiligen Jacobns
b^ldtet, kehrte er zurück, hielt zu Toledo Hof (eine Ho^ersamm-
lang), sowohl der Christen, als der unter seinem Scepter stehenden
Araber, welchem anch der Graf Raimund von Barcelona anwohnte.
Ak der König von Frankreich diesen prächtigen Hof gesehen, so
stamrte er über Alles, nnd betheuerte vor Allen, einen solchen Hof,
ene sdclie Pracht gebe es nicht mehr im Umfange des Erdkreises,
Qod sdche Zierrathen ^ habe er nirgends gesehen. Dann stellte der
^Kttser* dem Konige den Grafen von Barcelona vor, der gleichfalls
inh grossem ond prachtigem Gefolge erschienen war und sprach: Von
Berogtria, seiner Schwester, habe ich erhalten die Tochter, die Ihr
nr Ehe genommen habt, und wenn sie Euch dieselbe als unadelich,
md ab nicht ehrenhaft geschildert haben, so mögt Ihr nun mit
Eoren Augen den wahren Thatbestand erkennen. Dann dankte der
König Ludwig ond sprach: Gepriesen sei der Herr, der mich gewür-
digt bat, die Tochter eines solchen Herrn (Kaisers) von der Schwester
eines solchen Forsten als Gemahlin zu erhalten. ** Der Kaiser bot ihm
DUO unzählbare Geschenke, deren Werth unschäzbar war; doch der
Koaig wollte nichts annehmen, als einen gewissen Carfunkel, den er
bei der Domenkrone des Herrn in St. Denis niederlegte, den ich (sagt
der patriotische Spanier Rodrigo) gesehen zu haben mich erinnere.
Diess geschah om 1155. Die zweite Tochter^ D. Sancha oder Beatrix
wnide im Jahre 1153 mit dem Könige Sancho VII., „dem Weisen'^,
TOQ Navsrra vermählt Berenguela lebte in der Lauterkeit des Geistes
nndonter Abtodtungen des Leibes, und ihre Tugenden erwarben ihr
deo Ehrennamen der heiligen Konigin. Sie war aber schon im Fe-
^rm 1149 gestorben, hatte also die Vermählung ihrer Tochter nicht
erlebt Berengoela wurde in Compostella begraben.
Donna Riea oder Bichilda , Tochter des polnischen Herzogs La- p ^^
dislans U. nnd seiner Gemahlin Christina war seit 1152 des „Kaisers"
zweite Gemahlin, welcher Einige ohne Grund eine Dona Beatrix als
zweite Gemahlin vorangehen lassen. Bodericus sagt bestimmt, dass
der Esiser zwei Gemahlinen, Berenguela und Rica, hatte. — Die
Toditer der Rica war D. Saneha, welche Konigin von Aragonien,
Gemahlm Alfons II. im Jahre 1174 wurde. Der Sohn der Rica,
FerdiDsiid, starb ohne Nachkommen. — Nach dem Tode des y^KaiBers^
im September 1157 herrscht Stillschweigen über seine Wittwe, wie
warn sie gleidizeitig mit ihrem Manne gestorben wäre. Aber sie ging
') tonUun 9i*pelleetilem.
52 ^ Eilftes Bach. Zweites Kapitel.
im Jahre 1161 eine zweite Ehe mit Ramon Berenguer, dem Grafen
von Provence, ein *)• Nach dem frühen Tode ihres zweiten Gemahls in
Folge einer Wunde — im Jahre 1166 heirathete Rica Raymond den
Grafen von Toulouse ').
Alfons Vll. war schon krank, als er im Jahre 1157 auszog, um
das von den Almohaden bedrohte Almeria zu befreien. Es misslang.
Er erreichte eben noch die Grenze von Castilien. Er starb in dem
Engpasse Muradal unter einer Eiche am 21. August (nach Andern im
September) 1157, erst 53 Jahre alt. Er hatte in Gidicien 47 Jahre,
in Leon und Castilien 40, als „Kaiser von Spanien'' an 22 Jahre regiert.
§. 10.
Wie so manche andere grosse Regenten, hatte auch er sein Reich
unter seine (zwei) Söhne vertheilt, wie es scheint, schon im Jahre 1149.
Er hatte sie zu Mitregenten erwählt, damit sie unter seiner Aufsicht
sanohozu regieren und sich zu vertragen lernten. Don Sancho HL erhielt
™* Castilien, Fernando erhielt Leon und Galizien. Einige Docnmente
sagen, dass der Kaiser in Leon, Toledo, Beatia, Almeria und Zara-
goza (P) regierte, Don Sancho, der ältere Sohn, in Castilien und Na-
jera, Fernando in Galizien (und in Leon). — Sancho erhielt zudem
nach des Vaters Tode die imaginäre Oberhoheit über ganz Spanien,
Fernando über Portugal und Estremadura. Dieses waren leere Worte.
Die Theilung des Reiches aber unter die beiden Bruder warf Spanien
in seiner Entwicklung weit zurück. Es kam bald zum Kriege zwischen
den Brüdern. Sancho zog mit Heeresmacht gegen Leon. Ferdinand
musste sich unterwerfen, und sich als Vasall seines Bruders erklären.
Sanche wollte sich krönen lassen; an der Krönung sollten die Konige
von Aragonien und Navarra theilnehmcn. Aber Sancho starb uner-
wartet in der besten Jugendkraft am 81. August 1158 zu Toledo.
Rodrigo Ximenes nennt ihn „den Schild der Edlen, den Vater der
Armen, den Freund der Religion, den Beschüzer der Wittwen, den
Vormünder der Waisen, den gerechten Richter Aller. Nichts hielt er
für schwer, was der Grösse seines Herzens entsprach, stets nach hohem
Tugenden rang dieses Herz, ein Liebhaber der Reinigkeit strebte
er nach jeder Tugend. Was soU ich (fahrt er fort) von seinen Sitten,
') Marca Hispanica, Append. nr. 437,
*) Florez, Reynaa Catholicas, Dona Sancha, p. 272—278; Serenguda^
p. 279—290. Rica^ p. 291—301. Daran sohlieBsen sich bei Florez: ^Amigas
del Emperador^ Dona Oonirada^ y su hija Doüa Urraca, la Asturiana,
300^306; Dona Sancha (Femandez de Castro, y su hija Dona Eetefania,
la desgraeiada^Jj p. 307-^11.
Alfona VIII., der Edle, 1158—1214. 53
ron seiiier Tapferkeit gegen die Feinde, seiner Freigebigkeit gegen Alle,
seiotf Crerechtigkeit gegen die Seinigen, von seiner Liebe zu seinem
Bmder (l), seiner Frömmigkeit gegen die Kirchen, seiner Furcht vor
Gott sagen? Sein Vater zwar vertheilte sein Reich, er aber vereinigte
m sidi wie mit einem festen Bande die Tugend aller Tugenden^ ^).
In der Geschichte hat Sancho den Namen „d Deseado^, der innig
edMile and schmerzlich vermisste.
§. 11.
Alfons Vm., der Edle, der Gute, auch der Kleine genannt, AiroM
ziUte im Jahre 1 158 erst drei Jahre. Seine Mutter war Dona Bianca, ^°''
Tochter des Garcia Bamirez, Königs vou Navarra, der aber die Geburt
ihres Sohnes im Jahre 1156 das Leben gekostet. Alfons VIII. führte
eine hmge und wechselvolle Regierung von 55 Jahren"). Weil er aber
als Kind die B^erung antrat, so behielt er auch theilweise in der
Gesdiichte den Beinamen des „Kleinen^ oder des „Kindes^. Von
zartester Jagend an hatte er „einen lebhaften Blick, ein glückliches
Gedichtnifw, und eine schnelle Fassungsgabe^. Aber während seiner
Mindei^Jirigkeit stritten sich die Adeligen um die Gewalt in Castilien.
Es waren die beiden Hauser Ceutro und Lara^ welche die höchsten
Würden erlangten. Die Eifersucht beider Häuser brachte Verwir-
rung in das Reich. In seinem Testamente hatte Sancho III. dem
Hanse Castro die Vormundschaft über seinen Sohn übertragen. Aber
dem Grafen Manrique, dem Haupte der Lara's, gelang es, des jungen
KÖQ^ sich zu bemächtigen. Die zurückgesezten Castro^s suchten p^rthei-
Hüfe bd dem Konige Ferdinand II. von Leon. Ferdinand IL rückte ^>°p^<»
mit Heeresmacht in Castilien ein, besezte es grossentheils, und nannte Bcinder.
sidi ^önig von Spanien*^. Auä dem ganzen Reiche Alfons' VIU., J^^^s-
selbst ans Toledo bezog Ferdinand an zwölf Jahre die Einkünfte und auom*
Steuern. Alfons VIH. sollte als Vasall seinem Oheim huldigen und in ^^^•
seinem Grewahrsam bleiben. Von den Lara's wurde aber Alfons in der
Feetang Estevan de Gormaz in Sicherheit gebracht. Die Lara's er-
sdiienen jezt als Vertheidiger der Selbständigkeit Castilien's. Der
Pnmas Johannes von Toledo stand auf Seiten Ferdinand's H.
Da aber die Araber übermächtig wurden, so schlössen die Par-
theien im Jahre 1163 zu Soria einen Waffenstillstand. Den Rittern
>) De rdms Hitpaniae, 7, 12.
*} Meaunia» fngtaricas de la vida y aeciones du rey Alonso ü Noble,
OcUtoo dd nombre, reeogidaspcr d Marques de Mondexar, con notas y apend.
p. D. Franc Cerda y Rico, Madrid, 1783-^1784^ — ein »n Inhalt und Form
m^eieidnietes Werk.
54 Eilftes Buch. Zweites Kapitel.
von Calairava und den Tempelherren wurde die Vertheidigung der
Grenzfesten übergeben.
§. 12.
Der Orden yon Calatrava war in den lezten Jahren entstanden.
Nach dem Tode Alfons VII. eroberten die Mauren* die in Andalusien
verlorenen Orte zurück, und bedrohten auch das Gebiet von Toledo.
Die Tempelherren, denen vor einigen Jahren die Festung Calatrava
zum Schuze übergeben worden, verzweifelten daran, sie gegen die
Mauren zu behaupten. Calatrava liegt südlich von Almagro und Cia-
dad Real, und mehr noch von Toledo, in der grossen Ebene der
Mancha, und nicht weit von den nördlichen Ausläufern der Sierra
Morena. Niemand wollte sich der verlassenen Feste annehmen. JSay-
mtmd, Abt der Cistercienser von Fitero an der Pisuerga, war eben
^^*^' mit Diego Vdaaquez, einem Mönche seines Ordens, in Toledo anwe-
Orden, scud. Der Mönch war aus vornehmem Hause, war mit Sancho III.
am Hofe erzogen, und hatte früher als tapferer Ritter geglänzt. Jezt
loderte das kriegerische Feuer in ihm wieder auf. Auf Bitten des
Abtes übergab Sancho HI. die Festung den Cisterciensem. Der
Primas Johannes nahm sich des Unternehmens an; vollkommenen
Ablass sollten Alle erhalten, welche Calatrava zu Hilfe eilten. Ein
Sturm der Begeisterung gieng durch die Herzen der Bewohner To-
ledo's. Die Einen zogen selbst aus, die Andern gaben Geld, Pferde
und Waffen den Ziehenden. Calatrava wurde in guten Stand der
Vertheidigung gesezt, und die Mauren wagten jezt nicht, es anzu-
greifen. Dem neuen Orden traten viele kriegsgewandte Ritter bei,
welche sofort die Offensive ergriffen, und den Mauren grosse Verluste
beibrachten. Die noch kräftigen Mönche von Fitero, denen sich viele
Laien anschlössen, bildeten den Anfang des Ordens. Die Regel der
Cistercienser wurde dem Ritterorden angepasst, dessen Aufgabe der
£[ampf gegen die Ungläubigen überhaupt war. Raymund leitete den
neuen Orden bis zu seinem Tode, 1163. Die Kriegswissenschaft schien
ihm von oben eingegossen zu sein. Im Jahre 1164 wählten die
„Ritter^ einen aus ihrer Mitte, Gar das, zu ihrem Meister, und die
Mönche mussten weichen, von denen Viele nach Fitero zurückkehrten.
Aber Garcias wollte sich von den Cisterciensem nicht trennen. Das
Generalcapitel von Citeauz, welches er besuchte, traf eine Ausgleich-
ung. Die Ritter nahmen in ähnlicher Weise Eapläne an, wie die
Nonnenklöster dieses Ordens sie von den Cisterciensem erhielten, damit
die (eigentlichen) Mönche nicht ausserhalb der Erlöster sich zerstreu-
ten. Garcias suchte für seine Ritter eine Incorporation, wenigstens
eine Gemeinschaft der Güter, und eine wie immer mögliche Verbindung
Orden von Cftlatrava und Alcantara. 55
JBii den Cisterciensern zu erlangen. Das Capitel schrieb den Rittern
eine Begel tof, nnd gewährte ihnen die Gemeinschaft; der Güter.
Garcias reiste Ton Cisterz nach Rom, und erlangte von Alexander III.
die Besfitigiing des neuen Ordens. Die Bulle der Bestätigung sagt
o. a., daes die Ritter bekleidet und gegürtet schlafen, dass sie im
Speise- nnd Sdda&aal und in der Küche strenges Stillschweigen halten,
ndi möglichst ein&ch und ähnlich den Cisterciensem kleiden
Im Fasten sollen sie sich nach der Sitte der Laienbrüder der
Cistercienser richten, und E^apläne haben, welche „in ihrem Hause^
die Gelnbde abgelegt Niemanden sollen sie den Zehenten entrichten.
Nach dem Tode des Garcias wurde Ferdinand Escaza Gross-
mdster, 1164. Alfons VIII. eroberte mit Hilfe der 1200 Ritter des
Ordeos die Festung Zurita (1168), die bald darauf dem Orden über-
gAtn wurde. Der Grossmeister Martin Peree de Siones veranlasste
Ccolicte im Orden. Diego Garcias wurde von einem Theil der Ritter
jJs Groeameister erwählt, und zog sich mit den Seinigen nach Salva-
tierra anirack. Das Schisma wurde im Jahre 1180 ausgeglichen. —
Im Jahre 1187 reiste der Grossmeister Nuno Pe/rez zu dem General-
cm{»tel zum Zwecke einer innigem Vereinigung mit den Cisterciensem.
— Im Jahre 1188 erlangte der Orden die Grosscomthurei Alcanniz
in Aiagonien. — In der unglücklichen Schlacht von Alarcos im
Jahre 1196 fielen fast alle Ritter des Ordens^).
§. 13.
Um die gleiche Zeit bauten die Brüder Suarez und Gomez mit
Hilfe des Bischöfe Ordonius von Salamanca an den Grenzen von Ca-
stüieD eine Burg gegen die Mauren, und bildeten eine Genossenschaft,
die gleidifidls von Papst Alexander III. bestätigt wurde (1177), deren
Zweck der Kampf gegen die Feinde des Glaubens wäre. Von den
Fipsten Lucius III. 1183 und Innocenz III. wurden ihre Privilegien
bestüigt und erweitert Bischof Ordono hatte ihnen die Regel von
Cisterz übergeben, welchem Orden er selbst angehörte. Als Alfons IX.
von Leon im Jahre 1213 Alcantara, das alte Norba Caesarea am Tajo
*) Ang, Manrique, Cisterciensiuin seu veritM ecdestatticorum anna-
Uum tomi 1-4. foL Lagd. 1642—1649. — t. II, p. 108 sq. — H. Munoz y
Bomero keont in s. ^jDiccionario'^ vom Jahre 1858 nur zwei im M. S. vorhandene
Sdhiiflen fiber den Orden. — Mondgar y Cronica dd Rey Alonso VIIL, p. 47.
— Frone. Bades de Andrada^ Cronica de las tres Ordines y CabaUerias de
Santiago, CakUrava y Akäntara^ Cronica de Alcant, p. 14. Toledo ^ 167 2,
foL — Eurier, Geschidite dea Papstes Innocenz III., Bd. 4, 1842, p. 389—390. —
StMerg-Brisdiar , 47, p. 165—171. — Rmt&r, Papst Alexander IIL, Bd. 3,
p.60l-fi07.
56 Eilfites Buch. Zweites Kapitel.
Orden in Estremadura erobert hatte, übergab er es dem Orden von Calatrava.
I»aur» ^^® Ritter sollten in Alcantara einen Convent errichten, der in der-
vorher selben Weise Hanpt des Ordens in dem Königreiche I/eon wäre, me
^ ^d^ es Calatrava in Gastilien sei« Nach fönf Jahren aber übergaben die
Pireiro. Ritter mit Einwilligung des Königs diesen Ort dem Orden toxi St.
Julian del Pereiro (vom Birnbaum), unter der Bedingung, dass sie
sich der Visitation durch den Grossmeister des Ordens von Calatrava
unterwerfen sollten. Der Orden siedelte von Pereiro nach Alcantara
über, und nahm von dieser Stadt seinen Namen an. Wegen Streitig-
keiten löste sich später wieder die Verbindung zwischen beiden Orden«
§. 14.
Orden ^^ Jahre 1161 wurde im Reiche Leon der Ritterorden von Si.
ron St Jacob (vom Schwerte) gestiftet Edelleute, welche bisher als Wege-
schwer^ lagerer gelebt, thaten auf Zureden von Geistlichen wirksame Basse,
^* und gelobten, den Rest ihres Lebens in einer Congregation dem Kampfe
gegen die Ungläubigen und dem Schuze der Pilger zum Grabe des
y^heiligen Jacobus^ zu weihen. Sie traten in Bund mit den Chorherren
des heiligen Eligius, die sich bereits bemüht, an der s. g. franzosischen
Strasse nach Compostella Hospitien zu errichten. Pedro Fernandez,
der erste Grossmeister, nahm auf den Rath des romischen Liegaten
Hyacinth die Regel des heiligen Augustinus an. Alexander lEL, der
den Orden am 5. Juli 1175 bestätigte, liess für sie eine weitläufigere
Regel verÜEtösen^ die er und später Innocenz lU. genehmigten'). Die
Ritter trugen das Schwert des heiligen Jacobus in Form eines E^reazes
auf der Brust. Das CoUegium „der Dreizehn^ durfte den Grossmeister
wählen, ihn absezen, und stets ihm rathend zur Seite stehen. £>ie
zweite Würde des Priors durfte nur ein Chorherr bekleiden. Die
Orden Ritter mussten an die Chorherren den Zehent entrichten. Die Size des
V. San. Ordens waren S. Marcus in der Vorstadt von Leon, besonders aber
Udisy in der Provinz Cuen^a, das mit ihrer Hilfe Alphons VIII. von
Castilien erobert hatte, und das er ihnen übergab, unter der Bedingnng,
dass es Siz des Ordens würde. Dieser Orden übertraf die beiden an-
dern an Macht und Reichthum. Unter den Geistlichen desselben ragten
viele als Bischöfe und Gelehrte hervor").
■) Ferrer, Historia del apostol Santiago, f. Madr. 1610, p. 279, 405, —
Eodericus, Nova CoUectio privilegiorum apostolicorum regularium mendican-
Hum et non mendicaräxum, Antwerp. 1616, f. p. 8. — Aguirre-Catalani, 6,
92. — Mann, 21, 1049. — Migne, P. l, t. 200, p. 1024-^1030 (nr. 1183 der
Briefe und Privilegien Alexander's III.). — Ferreras, 3, 648. — T^ada, III,
288''294.
*) lAbro del priiicipio de la örden de la cavaUeria de Santiago de la
Ritterorden in Portugal. 51
§. 15.
Um dieselbe Zeit eotstanden auch in Portugal neben den alten i^^^'-
oeoe Ritterorden, die aaf engere Grenzen beschränkt blieben. Dicportagai
Templer, die erst im Jahre 1128 von Honorias IL bestätigt worden,
sowie die Johanniter fanden schon nm diese Zeit Aufnahme daselbst.
Der j^erzog' Alfons Henriqnez trat daselbst in den Orden der Templer Tempei-
eb, deren Hanptsiz die Bnrg Thomar wurde. Aus einer Bestatigungs-
boUe des Papstes ürban lU. vom Jabre 1186 erhellt, dass der Orden
eine grosse Menge von Burgen, Dörfern und Landereien besass, und
sich nm den Anbau und die Bevölkerung des verödeten Landes grosse
Veidieiiste erworben hatte. „Herzogt Alfons ertheilte ihnen die gross-
tm Immunitaten und Vorrechte. In den vielen Tempelhäusem des
Ordens be&nd sich immer ein Oratorium mit einem Kaplan. Durch
die An6iahme der s. g. ^amäiares^, Angegliederte des Ordens, gleich-
sam ein dritter Orden vor dem Entstehen der dritten Orden, nahm
das Vermögen und die Macht des Ordens stetig zu ^).
Die Johanniter besassen firühe als Hanptsiz ihres Ordens in Por- joiua-
ti^ LefOf bei Oporto, als ' ihr erstes Conventhaus mit einem Hospital. ^^^''
Sie erlangten so ziemlich die Rechte und Freiheiten der Templer, und
leisteten, wie diese, dem Könige den Huldigungseid.
§. 16.
Entsprechend den Orden von Calatrava und Alcantara wollte
uch „Herzog*' Alfonso einen besondem Ritterorden in seinem Lande
Üben. Derselbe hiess zuerst „die neue Miliz^ (nova miliHa), und im
Joli 1162 eiiiielt er durch den Abt Johannes Zirüa von Tarcuca eine
oach dem Orden von Cisterz sich richtende Regel. Die Ritter durften,
wie auch die vom heiligen Jacobus vom Schwerte, heirathen. In Frie-
denszeit sollten sie Werke der Nächstenliebe verrichten. Der Gross-
meister sollte dem Papste, dem Konige von Portugal, und dem Ge-
oenüabte von Cisterz Gehorsam leisten. Ueberhaupt sollte die Ab-
^»pada, ^ y ia fundaaon dd canvenio de ücUs^ cabeta de la Orden, por Diego
^ la Mola, freyle eanAiigo de didio eonvento, Valencia, 1699, 4\ — Free-
"MMneiaf y digmdad, gue en la miliiar Orden de Santiago tienen su prior
tt2eiids(ieo y tu casa matriz damada Santiago de üdis^ p. Lorenz. Her-
^ y Panduro , Cartagena^ 2802. 4\ -^ Mariana, l 11^ cp, 13. — JPcrre-
n», fli, p. 521 sq. — Eurter, 4, 391. — ^Iberg^Brischar, 47, 172-175. -
tie(äer^ Alexander IIL, 1864, Bd. 3, p. 607—609.
*) Schäfer, Geschichte von Portogal, I, 78.
58 EUftes Bach. Zweites Kiq^iteL
hängigkeit von den Cisterciensem auch änsserlich stark hervortreten.
Der erste Grossmeister war Pedro, Halbbruder des Königs. Bald
darauf erhielt der Orden die Stadt Evora, und hiess nun ^Orden von
Orden T. EvoTo!". Als er aber von Konig Alfons U. nach dem Antritte seiner
Regierung im Jahre 1211 den Ort Avis erhielt, so nahm der Orden
den Namen „der Brüder von Avis^ an, der ihm blieb. Dieser Orden
verband strenges klösterliches Leben mit den Pflichten des Kampfes
gegen die Ungläubigen. Die grossere Ausdehnung des Ordens hatte
aber zur Folge, dass die einen Brüder in den Krieg zogen, während
die andern den Chordienst verrichteten. Erstere nur durften, aber nur
einmal, heirathen.
§. 17.
Neben dem Avisarden entstand der Orden vom Flügel des heili-
Orden geu MicküjÜ. AIs König Alfonso I. mit einem kleinen Heere in San-
MieUeL tarem weilte — 1 172 , drohte ihm gleichzeitig ein Angriff durch die
Mauren von Sevilla und den König Ferdinand von Leon. Zuerst griff
er entschlossen die Mauren an. Die Saracenen eroberten das Bauner
des Königs. Nun stürzte Alfons L sich in das Schlachtgewühl, und
er sah vor sich einen bewaffiieten und geflügelten Arm kämpfend, den
er als den Arm des Erzengels Michael erkannte. Fast das ganze Heer
der Mauren bedeckte das Schlachtfeld. Während Alfons in AUohaqa,
dem berühmten Kloster der Cistercienser in Portugal (30 Tage) weilte,
stiftete er aus Dankbarkeit den Orden des heiligen Michael vom Flügel.
Die Mitglieder desselben mussten von gutem Adel sein und in , den
Kämpfen den König und das königliche Banner umgeben und schüzen.
Das Ordenszeichen, ein rother Flügel auf einem weissen Mantel oder einer
weissen Kapuze, durft;e nur der Abt von Alcoba^ ertheilen, der die
Gerichtsbarkeit über den Orden hatte. Einmal nur durften die Ritter
heirathen. Der Orden aber erlosch sehr frühe, so dass Einige jsogar
an seiner Existenz geweifelt haben').
§. 18.
▲ifon« Im Jahre 1166 wurde Alfons VIII., damals 11 Jahre alt, von
^™- den Städten Castilien's , Toledo voran , als König anerkannt Der neue
Primas Cerebrun, des Königs Erzieher, war ohnedem für denselben.
>) Manrique, II, 128, 368, 427, 449. — Henriquez, Regula Comtitution.
Ordinis Oistere., 1615, p. 479, 483. — Heinr. Schäfer, Gesohichte von Portu-
gal, Bd. I, Hamb. 1886, p. 72—82 (Tempelritter), p. 82—83 (Jobanniter^ p. 83—88
(Orden von Avis); p. 349 sq. — Stolberg-Brischar , 47, p. 175-185.
Alfons VUI. von Gastilien. S9
Aifens schloBS mit Navarra einen Waffenstillstand auf zehn Jahre, und
im Jahre 1170 ein Bündniss mit Aragonien. Die Castro's flohen zu
den Saracenen, durften aber in das Königreich Leon zurückkehren,
TOD wo sie mit einem Heere in Castilien einfielen. Es kam zur Schlacht
nriflcfaen ihnen und den Lara's, bei Estevan de Gormaz, 1174, worin
die Lan's erlagen, und ihre Haupter gefangen genommen wurden.
Alfons VUL war, 15 Jahre alt, im Jahre 1169 auf dem Beichs-
tige zu Burgos als grossjährig anerkannt worden. Im folgenden Jahre Aifons
fennihlte er sich mit Eleonore, Tochter des Königs Heinrich U. von JJ"jJ||
Eogbnd. — Ihrer Tochter Berenguda liess der König als seiner Nach- reu ii69
(dgeiin in der Regierung huldigen. — Im Jahre 1173 besiegte Al-^^"^'
fQD6 VIIL den König Sancho von Navarra, seinen Oheim, eroberte
diefon diesem besezten Landstriche von Nord-Castilien zurück, und
dnDg siegreich bis Pamplona vor. — Im Jahre 1175, fiel er wieder,
im Bunde mit dem Könige von Aragon, in Navarra ein, und eroberte
die Festung Leg[u]in. — Im Jahre 1176 erhob er sich zum Kampfe
geg^ die Mauren, und beschloss, die durch Natur und Kunst feste
Stadt Cuienga anzugreifen. Er wurde unterstüzt von dem Könige Al-
tons IL von Aragonien, und von den Bitterorden der Templer^ von
Santiago und Calatrava. Am 21. September 1177 fiel die Stadt in die <^°«^^
Hände der Christen. Alfons beschloss sogleich in der Stadt ein Bis- 1177.
thom zu errichten, in welchem er die Bezirke der alten Bisthümer
Vderia und Ercavica vereinigte. Am 5. Juli 1183 erliess Papst
Lndos in. die Bulle der Errichtung des Bisthums. Johannes Yanez
ViB Toledo war der erste Bischof, welchem im Jahre 1196 der heilige
JnUamu folgte'). Kathedrale wurde die Kirche der heiligen Maria.
Im Jahre 1181 verlor der König seinen bisher einzigen Sohn
Don Saneho durch den Tod, welchem er gleichfalls als seinen Nach-
Mger hatte huldigen lassen. In den Jahren 1180 — 1186 baute und
bevölkeite der König die Stadt Pl<iceniia. Er sammelte die Bewohner Bistham
verschiedener Ortschaften in der neuen Stadt, und errichtete ein Bis- i^JJJg.
tbom m derselben. Als Grenzort gegen die Mauren wurde es befestigt.
— Früher war an der Stelle nur ein Weiler, Ambroz, gewesen. Dar-
M8 haben die Pseudo-Chronisten ein ^Ambrasia^ gemacht, und die
Einwohner von den Griechen am ambracianischen Meerbusen abstam-
o^n lassen^ da doch nachweisbar keine Griechen im Innern von Spa-
^Q Städte gegründet haben. Papst Clemens III. stellte die Bulle der
Enichtong des Bisthums im Jahre 1186 aus^.
*) Mwioz y Soliva, Obispos de Cuenea, C. 1860, p. 16.
') Akmeo Ferrumdez, Historia y anales de la ciudad y Obispado de Pia-
««•ttfl, Meif. 1627^ f. p. 8, 23. — Jos. Mar. Barrio, Apuntes para la historia
^«««rf de PUuencia, Hoc. 1851, p. 41.
60 Eilftes Baoh. ZwdteB Kapitel.
Bbtham Während dieses Bisthnm von Alfons VIII. gestiftet worden, hatte
2o^. sein Oheim Ferdinand II. von Leon die neugegründete und befestigte
so, Stadt Cifidad Rodrigo ein Jahrzehent früher als Siz eines Bisthnms
ausersehen. Auf den Wunsch des Königs hatte der Erzbischof von
Santiago, Petrus Gudesteus, den Petrus als ersten Bischof geweiht
Jezt erst wandte sich Ferdinand U. um Bestätigung des Geschehenen
nach Rom. In einem Breve an Petrus vom 25. Mai 1175 bestätig
Alexander in. die Errichtung des Bisthums, und genehmigt zugleich
die vorhergegangene Weihe des Bischofs *).
In demselben Jahre 1175 hatte der Kardinal Hyacinth zu Sala-
sa^aüa- ^^^^ ^^^ Synode gehalten. Wir haben nur durch einen Brief des
rnanea, Papstcs Alexander lU. an den Bischof Wilhelm von Zamora Kenntniss
^^^* davon. Dieser hatte sich geweigert, der Synode beizuwohnen. Darum
wird er aufgefordert, entweder personlich oder durch Vertreter sich
vor dem Papste zu verantworten').
§. 19.
F»rdi- Der Konig Ferdinand 11. von I/eon konnte weder die Oberhoheit
^^'^^[ über Portugal, noch über seinen Neffen Alfons Vlll. die angestrebte
Macht erlangen. Er nahm im Jahre 1165 die Tochter Alfons I. von
Portugal zur Ehe, und schloss mit ihm ein Bündniss gegen CastilicD.
Er kam aber auch mit Alfons I. in Zerwürfnisse, da er von seiner
festen Stadt Ciudad Rodrigo aus viele Streifzüge nach Portugal machen
Hess. Wegen der Feste Badajoz, welche die Mauren noch hatten,
welche aber Alfons L und Ferdinand II. für sich erobern wollten, kam
es zum Ejiege, der aber bald in Frieden sich verwandelte. Nor vor-
übergehend nahm Ferdinand II. Badajoz ein, welches bald wieder in
die Hände der Almohaden fiel^.
Ferdinand II. starb am 28. Januar 1188 zu Benavente, eben
auf einer Wallfahrt nach Compostella begriffen. Dort wurde er auch
neben seiner Mutter Berenguela begraben. Ihm folgte sein ältester
Sohn Alfons IX. (zuweilen VIII. genannt) in der Regierung. Wegen
zu naher Verwandtschaft war zwar die Ehe seiner Mutter Urraca als
ungiltig erklärt worden. Er wurde aber dennoch seinen beiden Jün-
gern Brüdern, den Söhnen Ferdinand's und dessen dritter Gemahlb,
') Escalona, Historia de Sahagun, p. 549-65L — Migne^ Paltr. UU.,
t 200, p. 1023 (nr. 11^0 der Briefe Alexander'a III). Migne hat das Werk von
Escalona zn Paris nicht finden können, und giebt nar den Anszag von Jaffi,
nr. 8363.
«) Mansi, 1 22, p. 145—1^. — Aguirre-Catalani, 5, 97. - Tejada, 3, 287.
*) Roderic. Tolet, l VII, 23. — Lucas Tudensis, l. c, p. 107.
Dafl Reieh Leon. 61
der Toditer des Ghrafen LüpDS, vorgezogen'). — An Ferdinand !!•
wvd 8^e Grossmnth, Frömmigkeit, Freigebigkeit gegen Kirchen und
Klöster gerühmt. Er wurde tou seinen Unterthanen mehr geliebt als
geforditet.
§. 20.
Alfims IX. wurde nach seinem Regierungsantritte von dem Kö- amoi»
IX. Ton
Leon.
nige Ton Gastilien eingeladen, ihm den Eid der Huldigung zu leisten,
den aocfa Ferdinand II. seinem Bruder Sancho IIL von üastilien ge-
adiworen habe. Als Alphons IX. Ausreden suchte, drohte Alfons VIII*
mit Krieg. Alfons IX. sah ein, dass er im offenen ICampfe schwache
Hofinmg auf den Sieg habe, und gab nach. Alfons VJLU. hatte (1188)
die Cortes nach Carrion berufen. Alphons IX. kam dahin, um seinem
Vetter ^die Hand zu küssen"; um ihn zu ehren, wappnete Alfons VIIL
ihn in denselben Cortes als Bitter. Don Rodrigo sagt aber den Cha-
rakter Alfons IX.: „Er war ein frommer,' tapferer und wohlwollender
Mann, aber wandelbar und veiunderlich, je nach seinen Erfolgen.^ Er
hatte im Jahre im Jahre 1188 die Regierung angetreten, und ehelichte
im Jahre 1190 die Dona Thereaa, welche in Spanien und Portugal als
Heilige verehrt wird. Sie war die Tochter Sancho's I., seit 1185
Kämgs von Portugal, und seiner Gemahlin Dona Dulce. Alfons IX.,
gAoten am 15. August 1171, zahlte beim Tode seines Vaters 17 Jahre.
Kadidem er im Jahre 1188 zu Carrion seinem Oheim Alfons VIII.
ab seinem Lehensherm gehuldigt, unternahm er im Jahre 1189 mit
Alfons VJLLL einen Zug gegen die Mauren. Mit Theresa, die er im
Jafare 1190 zur £«he nahm, war er im zweiten Grrade blutsvenvandt*).
Ans dieser Eihe stammten Ferdinand und zwei Tochter, Dona Sancha
imdDooa Dolce. Ferdinand starb ohne Nachkommen im August 1214,
und wurde za Santiago begraben.
§. 21.
Der Cardinal Wilhelm von S. Angelo berief im Jahre 1192 ein q^^^
C<HidI nach Salamanca, um über die Ehe Alfons IX. zu verhandeln. ▼• sau-
Bemfen waren die Bischöfe der Reiche Leon und Portugal. Die ^"^^
') FlareBf Beynaa CaihoUeaSf I, 823. Die zweite Gemahlin war DoiSa
IbvM Lcp. 326-^2. Die dritte hiess D. ürraca de Boro, p. 332-^336.
*) Boderie, TdkL 7, 23. Brandäo, Monarchia Lusiiana, l. 12, 15. —
BarboMf Caialogo de las reynaa de Portugal, p. 126. — Souaa, Oenealogia
da com real Fort^gwza^ /, 109.
Drittes Kapitel.
Das KAnlgreieh Portusal (1095-1245).
§. 1.
Der Graf Heinrich, Sohn Heinrichs von Burgond, Urenkel des
Königs Robert von Frankreich, war mit andern Rittern den Christen
zn Hilfe nach Spanien gekommen. Alfons VL von Castilien gab ihm
seine Tochter Th^eaia zur Gemahlin, — vor dem 13. Februar 1105,
nachdem die jüngere Urraca, die Erbin ihres Vaters, schon den Grafen
Raymund zur Ehe genommen hatte. Heinrich erhielt zugleich den
Besiz des Landes zwischen dem Minho und Duero, das nach seiner
Eroberung aus der Hand der Mauren schon den Namen Portugal
führte *).
Die Trennung Portugal's vollzog sich allmälig im Laufe des
zwölften Jahrhunderts. Aus den Worten des Rodericus Ximenes von
Toledo geht aber noch der herbe Schmerz eines patriotischen Spanier's
nach der längst vollzogenen Losreissung hervor^). Schön in Urkunden
0 Die Chronik Alphons' VII. von Castilien sa^: dot<wit eam (T€ar€tsiam)
magnificef dana Portugcdensem terram jure hoiereditario, Mortuo aiuüm Hemico
comite, Partugälenses vocaverunt eam Reginam, — Fkrez, t X^I^ p. 348. —
Joäo Pedro Ribeiro hat in seinen geschSzten: „Dissertaciones thronoiogicas
e criticas wbre a historia e juriaprudencia eedesicLstica e eitnl de Portugal**
(Lieb. 1810-1836, 4 t. in 6 PaH., t 7, 1836) hn dritten Band, P. /, appenr
dice IX (erschien aach gesondert 1815) ans Urkonden vom Ende des eilflen bis
Anflug des dreizehnten Jahrhunderts die alhnSUgeLoslOsong Portngal's von SjMoieD
nachgewiesen.
*) Cornea Henricua coepit (diquantulum rAeHUere, non tarnen aubtraxü
dominium toto tempore vüae auae; aed a finibua Portugaliae efecü prout potuU
Agarenoa aibi jam apecialem vendicana principaium. Eucuaque etenim cum
gente aua juxta mandatum ad exercitum et ad curiam veniebat, aed benigniias,
immo negUgentla Aldefonaif tamguam conaanguineo et ajfini improvide deferebat.
Die EönigiQ Theresia. 65
Hemrich's Tom Jahre 1109 heisst der Herr von Portugal theils „Graf'',
tbeils sKÖDig^. Heinrich heisst stets „Fürst^, und „unser Fürst^,
onter dessen Regierung diess oder jenes geschehen. Nur in einer Ur*
kande Yom Jahre 1107 heisst es: ,>al8 der Konig Alfons (VI.) und
unter ihm* noser Forst, der Graf Herr Hemicus regierte"*)!
Nach dem Tode Alfons VI. mnsste „Graf^ Heinrich sich allein
gegen die Angriffe der Mauren yertheidigen. Die Königin Urraca und
deren Sohn Alfons Raymundez konnten ihm nicht helfen. Die natür-
liche Folge war die Befestignng seiner selbständigen Macht. Denn „als
die Saracenen den Tod des Königs Alfons (VI.) Temahmen^ so fingen
sie an, za rebelliren**). Sie nahmen Lissabon, Santarem'^und Gintra
ein. Lezteres fiel unverzüglich wieder in die Gewalt Heinrich's —
Joli 1109. — Heinrich nannte sich jezt „Graf von Gottes Gnaden und »Qrat
Herr von ganz Portugal**, der selbst beträchtliche Landstriche an Statt- ,1^^ "on
halter, die „Fürsten*' heissen, als Lehensherr vergab. Er gab mehre- <^ottes
reo Städten '8. g. Foraes, Ortsrechte, u. a. Coimbra am 26. Mai 1111, ^^^J
das doch schon im Jahre 1093 ein Ortsrecht erhalten hatte ^. ^Graf* («• i^os
Heinrich starb nach dem 12. April 1112 zu Astorga. Er wurde ge-
mäss seinem Wunsche in Braga beigesezt.
§. 2.
Seine Wittwe, ^e „Königin^ Theresia, regierte nach ihm an der Königin
Stelle ihres minderjährigen Sohnes 16 Jahre. Früher hiess sie ,,In-^*'®''^
£uitin, Gräfin**, am öftesten „Tochter des Königs Alfonso^, seit 1115 ii28).
wird sie „Königin^ genannt; sie nennt sich selbst: „Ich Infantin Herrin
Tarasia, Konigin von Portugal^. Vom Jahre 1116 an lag sie im Krieg
mit ihrer Ebdbschwester, der Konigin Urraca. Im Jahre 1121 nahm
&ie die Stadt Tude und andere Orte in Galizien ein, die sonst nie zu
Portugal gehorten. Aber Urraca und der Erzbischof Didacus von
Santiago drangen nun auch verheerend in Portugal ein, und verwüste-
ten das Land zwischen dem Minho und Duero. Theresia untergrub
aber ihre eigene Stellung durch ihren Günstling den Grafen Ferdinand
Perez von Transtamara, der von Einigen ihr zweiter Gemahl genannt
'i Sümro, t m, nr, 136^ p. 44.
^ Chronicum Luritanum (vordem Chronica Oothorum genannt), ap. Florez,
t, XIV, 2 edie^ p. 420.
*) Die neueste Sammlnog der zahlreichen Foraes an portngiesische Orte findet
■an ia ,^artugäUae monvmenta kütorica a saecul. 8 usqw ad 16 p. Chr.^ —
OUsapane 1856 und 186S. Von diesem Werke ist aber Dar ein Fascikel: „Scri-
ptoret^\ und zwei Fascikel: „Leges et Constietudines" erschienen, (vergl. R^eiro,
t II, p. 226).
Xlrcb«. HI. 1. 5
n
66 £ilfte8 Buch. Drittes Kapitel.
wird, 80 dass sich die Blicke des Volkes auf ihren Sohn Alfons Henri-
quez lenkten, der bei dem Tode seines Vaters nur 2 — 3 Jahre zählte.
Erst 14 Jahre alt legte er sich am Altar von Set Salvator zu Zamora
selbst die Waffenrüstung an. Achtzehn Jahre alt, erhob er sich zum
Kampfe gegen seine Mutter und deren Günstlinge, welche ihn ver-
drängen wollten. Es kam zum Kriege zwischen Mutter und Sohn. Bei
Guimaraens siegte Alfonso; Theresia floh in die Burg Leganoso; der
Graf Ferdinand und sein Bruder Bermudo, Schwiegersohn der Koni-
gin, entkamen nach Galizien. Fast unbeachtet starb Theresia schon
am 1. November 1130').
§. 3.
Infant« Vom 24. Juui 1128 bis zum Jahre 1137 nannte sich Alfonso
Alfons. Infant (Infans), und regierte als solcher unabhängig von Castilien.
Wegen des Besizes von Tuy kam es zum Kriege mit Castilien. Al-
fons VII. siegte, aber schloss Waffenstillstand mit dem „Infanten''.
Gegen die Mauren schuf Alfons die starke Festung Leiria, das eioe
Trozburg des christlichen Portugals wurde. Gegen den neuen Kai-
ser Alfons VII. verband er sich mit dem Konige Grarcia von Na-
varra — 1136, nnd alsbald entbrannte der Krieg am Ebro und Minbo.
Alfons nahm Tuy nnd andere feste Pläze. Nacl^ einiger Zeit wnrde
Friede geschlossen, weil die Mauren andrängten. Die gemachten Er-
oberungen wurden von beiden Seiten zurückgegeben. — Seit dem
«Faraf* Jahre 1137 nannte sich Alfons „Fürst'^ von Portugal. Jezt wandte er
Aifona. sich 'mit aller Macht zum Kampfe gegen die Mauren jenseits des Tojo.
Mit grossem Heere rückte der Vali Ismar heran. Mit seinem kleinen
Heere besezte Alfonso eine Anhöhe nicht weit von Ouriquej wurde aber
von den Feinden umringt. Eine Schaar christlicher Ritter durchbrach
die Reihen der Feinde. Das grosse Heer floh und zerstreute sich.
Die Schlacht fand am Feste des heiligen Jacobus, am 25. Juli 1139
statt. Nach einer alten Sage soll das Heer der Mauren hundertmal
starker als das der Christen gewesen sein.
Diess ist der grosse Sieg, aus dem das Königreich Portugal, und
in einem gewissen Sinne selbst die portugiesische Nation erstand. Anf
dem Schlachtfelde selbst soll das Heer den Sieger als Konig begrosst
haben. Gewiss ist, dass von diesem Tage an Alfons stets sich
„Konig von Portugal^ nannte , ein Name, der vereinzelt schon froher
vorkommt").
') Chronic, Lusit,, p. 422,
') Ribeiro, l. c, III, p. 117 aq.
Die Cortes von Lamego, 1143. 67
Aber um so mehr musste der Widerstand des Kaisers Alfons VII. ,K5nig«
berTortreten. Gegen diesen stand dem neuen König vor Allem das ^^'°°^-
Gluck beharrlich zur Seite. Der König überlebte „den Kaiser^ fast
um 30 Jahre. Castilien fiel in zwei seh wache. Reichshälften aus ein-
ander, und als sie Ferdinand, der Heilige, wieder einigte, hatte Por-
tugal ehi Jahrhundert Zeit gehabt, sich in sich selbst zu consolidiren.
Der Konig Alfons I. berief zum erstenmale die Cortes nach La-
m^o, 1143. Stande waren der Erzbischof, die Bischöfe von Porto, cortesv.
Coimbra, Lamego und Visen, die Edlen des Hofes, die Vertreter der^J^^JI*'
Städte Coimbra, Porto, Lamego, Visen, Guimaraes u. a.; nebst ihnen
waren viele Mönche und Kleriker zugegen. Der König bestieg den
Thron in der Kirche S. Maria zu Lamego, und liess die Versammelten
fragen, ob sie ihn, nach genommener Einsicht von den päpstlichen
Briefen als ihren König annehmen, ihn und seine Söhne, und sie be-
jahten es. Der Erzbischof Johannes nahm nun aus den Händen des
Abtes von Lorväo die goldene Krone, die von den gothischen Königen
herrühren sollte'), und sezte sie dem Könige auf das Haupt. Die
Versammelten gdobten Treue und Gehorsam dem Könige. — Es wur-
den Geseze über die Thronfolge, den Adel und die Rechtspflege fest-
gesezt In Betreff der Thronfolge wurde bestimmt, dass auch die
Töditer der Konige thronfahig seien. Sie dürfen aber nur einen ge-
bomen Pcrtugiesen aus dem Adel heirathen, der erst dann König heisse,
woin ihm ein Sohn geboren sei. Wenn aber die Tochter eines Königs
einen ansländischen Fürsten heirathet, so soll sie niemals Königin sein.
— Die Spize dieser Geseze ist offenbar gegen einen etwaigen Rückfall
Portngal's an Spanien durch eheliche Verbindungen gerichtet. — Die
Geseze über den Adel geben ihm eine bevorzugte Stellung im Staate.
Alle, die im Kampfe von Ourique mitgefochten^ sollten dadurch geadelt
sein; sie und ihre Nachkommen „Vasallen des Königs^ heissen. Aber
Adelige yerlieren für sich und ihre Nachkommen den Adel, wenn sie
im Kampfe fliehen, den König, seinen Sohn oder die Reichsfahne nicht
nach Kräften schüzen, vor dem' König die Wahrheit verschweigen, von
der Konigin und deren Töchter Böses reden, dem König nach dem
Leben streben, zu den Mauren übergehen, ein Weib mit dem Seh werte
oder der Lanze achlagen, Meineid oder Diebstahl begehen, den Namen
Christi entweihen« So ruhte der Adel einerseits auf sittlicher Grund-
lage und erwuchs anderseits zu einer erstaunlichen Menge von Ade-
ligen« — Die hier erlassenen Geseze verpönen den Diebstahl, Raub,
den Ehebruch, den Mord, Gewalt gegen Jungfrauen, Verwundung,
Beleidigung der Obrigkeit
') Es konnte eine der Weihokronen aas gothischer Zeit sein, welche Könige
imd aodere Glanbige in Goüesbäuscr stifteten. — cf, K.-G. II, 2, p. 250.
5*
68 Eilftes Buch. Drittes Kapitel.
Als der Sprecher des Königs fragte, ob der König an den Hof
von Leon gehen, diesem oder sonst Jemand, ausser dem Papst, der
ihn zum König gewählt hat (?), einen Tribut entrichten solle, da ent-
blössten alle ihre Sch'jYerter, erhoben sie und riefen: y^Wir sind frei;
und unser König ist frei. Wir selbst haben uns befreit; der König
sterbe, der solches thut; und wenn er auch König sein wird, so re-
giere er nicht mehr über uns.^ Auch der König rief, nun: „Wer sol-
ches zugiebt, der sterbe, und wäre er mein Sohn oder Enkel, er regiere
nicht. ^ Alle antworteten: „Ja, sie sterben und der König regiere
nicht, der fremde Herrschaft zulässt^; und der König sprach: „So ge*
schehe es^.
So sind, so fühlen die Portugiesen heute noch. Wer die s. g.
iberische Union herstellen wollte, müsste zuerst die Bewohner von
Portugal ausrotten; das Land, aber nicht das Volk von Portugal,
könnte er dann mit Spanien uniren.
§. 4.
Aifoni Alfons I. suchte durch nähere Verbindung mit Rom sein König-
I. nnd thum und Reich zu stüzen. Erst unter dem Papste Lucius IL ist diese
Verbindung durch Documente nachzuweisen. Die „guten Briefe** (bonae
literae) von Rom, aufweiche die Stände von Lamego verwiesen werden,
sind noch nicht zum Vorschein gekommen. Alfons schrieb an den
Papst: Er bekenne, dass dem Apostel Petrus die Schlüssel des Himmel-
reiches von dem Herrn übergeben worden, darum verlange er, dass
dieser Apostel sein Beschüzer und Fürsprecher sei, dessen Hilfe und
Rath in seinen Anliegen er schon auf Erden empfangen möchte. Darum
habe er, „Adefonsus, von Gottes Gnaden PortugaPs König, durch
Vermittlung des Gardinal-Diakonen G. '), Legaten des apostolischen
Stuhls, seinem Herrn und Vater Innocentius sein Huldigungs-gelöbuiss
(hominivm feei) ausgesprochen, er bringt auch sein Land dem seligen
Petras und der heiligen römischen Kirche durch einen jährlichen Zins
von 4 Unzen Goldes dar, so dass alle, welche nach seinem Hingänge
sein Land besizen würden, denselben Zins dem seligen Petras jährlich
entrichten, er selbst aber, als eigener Soldat^ des heiligen Petrus und
des römischen Papstes sowohl für sich selbst, als in seinem Lande,
sowie in Allem, was er zor Würde und Ehre seines Landes, and zur
Vertheidigung und zur ünterstüzung (soUxHwn) des apostolischen Stuh-
les besize, werde keine Machtübung einer kirchlichen oder weltliohen
') vielleicht Ouido Mimcosi, 1142 Card.-Dlakoo, sp&ter CaitL-Mester des
heiligeQ LaurentioB in Damaso.
*) tamquam praprius mües.
Terbiodnng mit Born. 69
ObeilienrsGliaft je in seinem Lande dnlden, aosser die des apostolischen
StnUeS) oder seines unmittelbaren Gesandten (a latere^Y. — Dieser
Bfief trigt das Datnm des 13. December 1142 (era 1190), und ist an
Pi^st Innocenz IL gerichtet, darum ist die Ueberschrift nicht richtig,
dass er an liocins IL geschrieben sei. Der Erzbischof Joannes von
Braga, B.(ernhard) von Coimbra, und Petrus (Rabaldis) von Oporto
habeo den Brief unterschrieben.
Im Jahre 1143 legte man zu Lamego eine „erfreuliche Antwort^
auf diesen Brief vor. Vielleicht war es nur ein Brief des Cardinais
G^ dass der Papst in Bälde antworten werde. Erst Papst Lucius IL
erwiderte am 1. Mai 1144. Er schrieb nicht dem Konige, sondern
dem i^erlanchten Herzoge^. Wegen weltlicher Geschäfte und des weiten
Wegee halber habe Alfons allerdings selbst in Rom nicht erscheinen
kramen, nnd so habe er durch den frühem Legaten dem Schuz des
heiligen Petms das ihm von Gott anvertraute Land übergeben. Später
habe er sowohl durch Briefe, als durch den Erzbischof J. von Braga
dem Papste (Lucius U.) versprochen, dass er und seine Erben jährlich
4 Unzen Goldes entrichten wollen. Darum nimmt der Papst ihn und
seine Nachfolger unter die Obhut des apostolischen Stuhles und des
heiligen Petrus auf, unter dem sie gegen sichtbare und unsichtbare
Feinde geschüzt sein mögen*).
Schon am 13. Mai bestätigte Lucius den Primat von Toledo, den
Primat auch über Braga und die Bischöfe Portugals. — Daraus ent-
stand das Missverhältniss, über welches sich der „Kaiser^ Alfons VIL
bei Papst Eugen IlL beschwert, dass Rom einerseits Portugal als
getrenntes Reich anerkannt, während es anderseits (vergebens) von dem
Erzbischof von Braga Unterwerfung unter den Primas von Toledo
forderte')«
§. 5.
Alfons I. sezte mit erhöhter Kraft seine Kämpfe gegen die Mauren
iart, — Die Stadt Sealabis am Tajo, von den Christen wegen der
Martyrin Sancta Irene Santarem genannt, war eine feste Burg der
Mauren, von der sie stete Einfälle in das Land der Christen unter-
*) Auf dieaet yerQ>reeheii weiit Innocenz III. sarflck — EpistoL I, 99, 441,
ÜB: XIV, 58, 59, CO; XV, 24.
') BabtsLj Miscdlanea, T. II, Par, 1679, p. 220—221; ed. Baluze-Mansi,
1 111, Luc. 1762, p. 78. - AguirreCatalani, V, 61. — Mansi, XXI, 616. —
Mi^, F. laL, i. 179, p. 860, 935. — Ribeiro, dissertaciones, I, 55—75. —
Thomas de IncamaUane, Historia Ecdesiae Ltutitanae, 4 totn., 4^. — Coimbra,
1759 (T. S, cap. 3, p. 71).
') M. oben S. 21.
70 Eilftes Bach. Drittes Kapitel.
Einnah. nahmen. Vergebens hatte Alfons VI. von Castiliea den Ort belagert,
"stnu.*^ Alfons I. nahm die Feste durch einen nächtlichen UeberfalL £inige
rem. Ritter überstiegen auf Leitern die Mauern , und oflFneten von Innen die
Thore, Schrecken verwirrte die Feinde. Was unmöglich geschienen,
war gelungen^). Diess geschah am 11. Mai des Jahres 1147. —
Schon im Jahre 1140 hatte der König Lissabon vergebens belagert;
nach der Einnahme von Santarem schien das Wagniss leichter* Ganz
unverhofflb nahte sich eine Flotte von Kreuzfahrern der Küste von Por-
tugal, welche durch einen Sturm am Tage der Himmelfahrt an die
Küste von Galizien verschlagen worden, und Pfingsten in Santiago
gefeiert hatten. In Oporto hielt die Flotte 11 Tage an. Der König
lud sie ein, ihm Lissabon erobern zu helfen. Die Ejreuzfahrer warfen
am 28. Juni 1147 vor Lissabon Anker. Sie schlugen ihre Zelte auf,
und schon am 1. Juli bemächtigten sie sich der Vorstädte. Den ganzen
Juli aber bauten sie Belagerungswerkzeuge, namentlich zwei hohe
Thürme am Ufer des Flusses, und vier Brücken auf sieben Schiffen.
Am 1. August wurde Sturm gelaufen, der Sturm aber mit schwerem
Verluste abgeschlagen. Die Mauren verbrannten bei einem Ausfälle
den Thurm der Engländer^ sowie das Gerüst ziim Untergraben der
Mauern. Aber Hungersnoth herrschte in der Stadt, aus der viele Sara-
cenen flohen. An der Stelle des Thurms der Engländer erbaute ein
Pisaner einen hölzernen sehr hohen Thurm, der bis Mitte des Octobers
vollendet war« Minen wurden unter den Stadtmauern gegraben. Das
Holzwerk wurde angezündet, und am 15. October ßtürzte die Mauer
in einer Länge von 200 Fuss nieder. Dennoch wurde der Sturm der
Kreuzfahoer abgeschlagen, die Mauer wieder hergestellt Nun wurde
jener Thurm, besezt von Portugiesen, an die Stadtmauer gebracht.
p:iniiah- Um den Thurm entbrannte der blutigste Kampf, und vor der Tapferkeit
me von besoudcrs der Flandern und Lothringer wichen die Feinde. Am
bon, 25. October 1147 wurde die Stadt übergeben; die Mauren durften ab-
«5. Oct. ziehen, mussten aber ihre Waffen und ihre bewegliche Habe zurück-
lassen'). Die Kreuzfahrer erhielten einen grossen Theil der Beute,
verzichteten auf den Besiz der ihnen versprochenen Hälfte der Stadt,
überwinterten in derselben und fuhren im Anfange des Februar 1148
nach dem heiligen Lande. Nun fielen die Pläze Cintra, Almada und
Palmela in die Gewalt des Königs, leztere zwei südlich von Lissabon
') Chronic» Lusitan., l. c, p. 427. ~ Monumenta Portugaliae hhtorica,
Scriptor. 1856, p. 93—95, de expugnatione Sealabis.
') S. Brief des flämischen Trlestera Arnulf in: Ampliss. Colleciio v. MarUM
et Durand., T, /, Par. 1724, p. 800-802. — Brief des Mönches Dudekinus aus
Lahnstein in: Gerckm, Reise durch Schwaben, IV, S. 386— 39i. — cf. F. Wüken,
Geschichte der Krcuzztigc, Ilf, 1, S. 264 sq.
Erobemngen der Portugiesen. 71
und dem Tajo. Von jezt an hob sich auch das Seewesen in Portagal.
Mm kann sagen, dass mit der Einnahme von Lissabon Portagal eine
Seemacht wnrde« Viele Fremde siedelten sich in der Stadt an. Nach
nreimaliger Tergeblicher Belagerang, nnterstüzt von einer Flotte flan-
diisdier and iiranzosiscber Sjrenzfahrer, nahm der König im Jahre 1158
AlcMer do Sal, das alte Salacia^). — Im Jahre 1162 gewann er Beja,
das alte Face, oder Fax Jolia, darch einen nächtlichen Ueber&ll.
Durch eben besondem Zufall gewann er im Jahre 1166 Evtnra, die ^^^'^
bedeatendste Stadt Fortngals jenseits des Tajo, da Emerita niemals ^
zo Portugal gehorte. Grirald Sempavor (ohne Furcht) wollte die
fciiweren Uebelthaten, die er begangen, durch eine Grossthat sühnen.
Er erstieg in der Nacht einen Thnrm, der die Stadt gegen Westen
6cliazte, lockte die Einwohner durch das Thor heraus, besezte durch
das ofene Thor die Stadt, und schlag alle Angriffe der Mauren zurück.
In demselben Jahi'e 1166 nahm der Konig noch die Städte Moara,
Serpa, jenes nordostlich, dieses südwestlich von Beja, Alconchel, end-
lich die Festang Elvas, gegenüber dem spanischen Badajoz; er sezte
ober die Gnadiana^ und bemächtigte sich eines Theiles von Andalusien.
— Jedes Jahr zog er mit Heeresmacht gegen die Saracenen aus. —
— Der Konig war selbst ein Mitglied des Templ^rordens. Was dieser
und andere Ritterorden damals wirkten, haben wir im letzten Kapitel
enrahot Es waren die alten Orden der Templer und Johanniter, die
Denen des Ordens von Avis und des heiligen Michael, die seine Er-
obenmgen (orderten.
§. 6.
Im Jahre 1169 kämpfte Alfons I. gegen die Mauren in Badajoz. ^^^
Daräber kam es zum Ejiege mit dem Könige von Leon, dessen Ge- ^*
fangener Alfons eine Zeit lang wurde. Verwundet im Kampfe konnte jj^/
Alfons nicht mehr zu Pferde steigen. Noch erfocht er den Sieg bei
SaDtarem, 1171. Von jezt an zog Alfons nur noch einmal in den
Kampf. An seine Stelle trat sein Sohn Sancho, geboren im Jahre 1154.
hn Jahre 1178 erschien Sancho in Triana, der Vorstadt von Sevilla.
Diess war das erste christliche Heer, das seit 711 vor Sevilla erschie-
nen war. Sancho erfocht einen Sieg, und kehrte mit grosser Beute
nacli Baase. Im Jahre 1179 erschienen die Mauren vor Abrantes am Krieg
Tijo, mnssten aber mit schwerem Verluste abziehen. Da griff der°||^*^^J|
König von Marocco, Aben Jacob, Portugal zu Land und zar See an.
*» Monumenta Portugal hUtar,, l c, p. 101— lüi, Gosuini de expiigna-
tione Saladae Carmen,
Erster
72 Eüftes Bnch. Drittes Kapitel.
Das Landheer wui'de geschlagen. Der Sieger zu Lande, Fuas Boa-
pinho, wurde auch Führer der kleinen portugiesischen Flotte. Die
beiden Flotten stiessen am Vorgebirge von Espichel (bei den Alten
PromofU. Barbarium) j südlich von Lissabon, auf einander. Die Flotte
g der Portugiesen erfocht hier den ersten Sieg zur See. Ein erster An*
griff des Fuas auf den Hafen von Zeuta in Afrika gelang; ein zweiter
im Jahre 1 1 82 brachte ihm den Tod und der Flotte den Untergang.
Jezt rüstete Jusuf Aben Jakub, der zweite Herrscher aus dem
Hause der Almohaden, zu einem gewaltigen Feldzuge, in dem er Per*
tugal mit einem Schlag zertrümmern und ganz Spanien wieder dem
Islam unterwerfen wollte. In Sevilla sammelte sich das Heer, das
vorzugsweise aus Afrikanern bestand, und das grosste aller bisherigen
Heere der Mauren war, um 78,000 Streiter zahlreicher, als irgend ein
früheres Heer. „Sein Heer erfüllte die Berge und die Thaler, und die
ganze Oberfläche des Landes, dessen Menge allein der Gott zahlen
konnte, der die Regentropfen zählen kann.^ Bei Santarem erwartete
der Infant Sancho die Feinde. Am II. Juli 1184 griffen die Mauren
scuaehtan, und stürmten funi* Tage gegen die Feste. Sancho wurde verwun-
' det; die Mauern drohten den Einsturz. Da erschien der greise König
mit frischen Truppen. Die Feinde zogen sich in ihr Lager zurück.
Sancho vereinigte sich mit dem Heere seines Vaters. Miramulin, der
Führer der Feinde, wurde in der Schlacht verwundet und starb bald
darauf. Portugal war gerettet.
Damit schloss die ruhmreiche Laufbahn des ersten Königs von
Portugal, der am 23. Mai 1179 auch von Papst Alexander HL als
König war anerkannt worden, gegen Entrichtung eines jährlichen Zinses
von zwei Mark Goldes*),
Am 6. December 11 85 starb dieser grosse und glückliche Regent.
§• 7.
Mit- und Nachwelt wetteiferte in dem Preise seiner grossen Thaten.
„Wer kann^, sagt einer seiner Geschichtschreiber, „über diesen grossen
Der und ruhmreichen Helden seiner würdig sprechen? Niemand. Er war
Könfg ^^^ Mann, schlagfertig in den Waffen, von beredter Zunge, der Klügste
Aifonai. in seinen Werken, von hervorragendem Geiste, von schöner Gestalt,
lieblich zum Anblicke, in dem Glauben Christi ein vollkommener Ka-
tholik, demüthig gegen die Verehrer der Religion, so wohlwollend als
bei Sui
Urem.
') Brandäo, Monarchia Lusitana, Lisb. 1690. fol III, 295. — Satua,
Prdvas da kistoria genealogica da casa real PortugtAsza, Lisb. 1739, 4* 1,1.
— Migne, P. laf,, t 200, p. 1237 — nr. 1, 424 der Briefe Alexander's 111.'
.%
Gfaronica Ctotfaomm. 73
froffliDi er beschüzie ganz Portugal mit seinem Schwerte, nachdem er
das Reich erlangt, erweiterte der Herr dnrch ihn die Grenzen der
Cliristenheit^ nnd er dehnte aus die Bezirke der gläahigen Volker von
dem Flosse Mondeco (Mnnda), der an Coimbra vorüberfliesst , bis zu
dem Flosse von (Gnad-) Alquivir, welcher durch die Stadt Hispalis
dahugeht, und bis zn dem grossen Meere, und bis zu dem Mittel-
meere. Die E^ampfe, welche er führte, konnte Niemand Verzeichnen;
es waren ja zahlreiche, selbst unzählbare, nicht bloss mit Heiden,
sondern aaeh mit Christen, welche neidisch gegen ihn — ihn berauben
und seb Reich anfidlen wollten. In Allem aber überwand er, und
überall blieb er Sieger, und stets triumphirte er, weil er von der gott-
ücben Milde in Allem nnterstüzt war." «-
Das Ckronicon Luritanum, sonst Qothorum Chronica, reicht vom
Jahre 311 bis 1184^ nicht ganz bis zum Ende der Regierung Alfons L;
sie bricht plozlich ab^ weil das Manuscript, aus der sie Brandao mit-
theüte, am Ende unvollständig oder verstümmelt war. Florez nennt
sie „CKronieoii Luntanum^j weil sie nicht so fast von den Gothen, als chroni-
TOQ dem ersten Jahrhundert des neuen Keichs von Portugal handelt «itanimi.
Sie handelt zum grossten Theile von der Begierung Alfons I. — Ihr
Verfasse scheint im dreizehnten Jahrhundert gelebt zu haben, und
war sicher ein Portugiese. Zuerst gab sie als „Chronica seu Historia
GcAorwm^ Brandao im Anhang des dritten Bandes seiner „Monarchia
Lmiana^ heraas, aus zwei Manuscripten, mit einem Zusatz vom
Jfthre 1184 bis 1222. — Florez gab sie aus dem Werke Brandäo's,
^ „Chronieon Laritanvm^ heraus, reichend vom Jahre 311 bis 1184,
mit einem kurzen Zusaz des Brandao aus einem andern Chronicon
(ron Coimbra), Esp. sagr. 2 ed., t. XIV, p. 415-^432.
Eine nene Ausgabe der „Chronica Oothorumf* findet sich in den
jfMonumada Pariugaliae historica^, Fascic. I, Scriptores, p, 5 — 8 — 17.
Die Herausgeber hatten nur zwei Codices zur Hand, aus denen Bran-
dao die Chronik herausgegeben hatte.
König Alfons L starb in dem Kloster von Santa Cruz zu Coimbra,
du er gestiftet hatte ■).
'i Unter dem Titel: Viia „Teüonis archidiaconi" finden sich io den „Mo-
«MRenfa Portugaliae" verschiedene Actenstflcke über die Stiftung nnd erste Zeit
da Klosters mm heiligen Kreuz zn Coimbra. Unter diesen sind 5 Briefe des Pap-
•tttlnnoeenz II. vom Mai 1135 an den Bischof Bemard von Coimbra; ein Brief
des P. Lncioa IL vom 30. April 1114, ein Brief £ngen*8 IIT. vom September 1148,
Bsdriaa's IV. vom Angost 1157, endlich Älexander's III. vom August 1163, aus
BoQX]ges datirt, welche Briefe in den Papstregesten von Fh. Jaffi noch nicht »n-
^efthrt werden (/. c. p. 65J.
74 EflfiesBodi. Drittes K^UaL
§• 8. .
Der König Sancho L gelangte am 6. December 1185 zur Regie-
J^'l^ rang. Seine Gemahlin Dolce war Schwester des Königs Alfonso von
L, 1185 Aragonien. — Eine Flotte von Kreuzfahrern aas Flandern, Holland,
^^* '^"' Friesland and Dänemark, welche das am 3. October 1187 Ton Saladin
eroberte Jerusalem für die Christen wollten zarockerobern helfen,
wurde im Joli 1189 durch Stürme genothigt, sich in den Hafen Ton
Lissabon zu flüchten. Die Ejreuzfahrer Hessen sich bewegen, dem
Könige Sancho die Stadt Sylves in Algarbien erobern za helfen, er
sollte die Stadt, sie die gemachte Beute erhalten. Nach einer Bela-
gerung Ton £Eist zwei Monaten waren die Maaren durch Hunger ge-
zwungen, die Stadt zu übergeben. Die Bewohner durften, ohne ihre
Habe, abziehen. Die Beute erhielten die Kreuzfahrer, welche sogleich
ihre Fahrt fortsezten — October 1189. — In demselben Jahre wurde-
Bbttiom ^^3 g]^ Bisthum Ossonoba zu Silves wiederhergestellt Nicolaus wird
in den Jahren 1190 und 1191 Bischof genannt, nachdem seit dem
Jahre 688 kein Bischof von Ossonoba erwähnt worden, und die Yer-
muthung nahe liegt, dass das Bisthum bald nach dem Jahre 711 ein-
gegangen sei *)• Nicolaus erhielt vom König Sancho das Kloster Mafira,
nördlich von Lissabon, und gesicherte Einkünfte. Bald aber zog Jakub
Aben Jusuf, der Fürst der Almohaden, Bruder des bei Santarem im
Jahre 1184 gefallenen Miramulin, mit grossem Heere aus Marokko
SiivM heran. Wegen Eiankheit musste sich der König von Marokko schnell
^^^^ nach Sevilla zurückziehen. Doch gieng Silves und Algarve für die
loreo. Portugiesen wieder verloren.
Sancho König Sancho musste jezt sein Augenmerk auf die Wiederher*
I. Im Stellung seines besonders im Süden von Tajo verwüsteten und entvöl-
kerten Landes richten. Er that es mit solchem Erfolge , dass er in
der Geschichte den Beinamen „der Bevölkerer*^ {d Poblador) und der
„Ackerbauer" (d Lavrador) erhielt. Einer Menge von Orten gab er
s. g. Foraes. Die Städte wie die Landschaften erfreuten sich der
gleichen Fürsorge des Königs. — Durch reiche Geschenke suchte er
Ritter- die Kitterorden zu belohnen und zu ermutbigen. Der Orden von San-
^'*®°* tiago erhielt die Burgen und Flecken von Alcacer do Sal, Palmella,
Almada, und Arruda — 1186; ähnlich wurde der Avisorden beschenkt
Die Templer erhielten das alte und neue Idanha. Diess Alles gab er
mit Vorbehalt der Königlichen Hoheitsrechte').
') Ribeiro, dissertadones, t. F, 1836^ p. 191. — J. B. da Silva Lopes,
Mtmoriaa para a historia ecdesiastica do Bispado do Algarve^ Lish, 1848,
p. 106-1S7.
») J. B. Ribeiro, dissertac.^ t I, 31; III^ 175-220 (Qoverm do Senhor
JD. JSancho L).
stein.
Alfons IL, 1211-1223. 75
König Sancho I. starb am 27. März 1211. Er hatte in seinem
Testamente aeme Tochter, Theresia, vordem vermählt mit Alfons IX,
von Leon, und D. Sancha mit Besizungen reich bedacht. Der Kron-
prinz Alfons hatte eidlich gelobt, den lezten Willen seines Vaters zur köhi^
Aosfohrang zu bringen. Als aber der Vater gestorben, gerieth er in j^'^^"*^
Scrat mit seinen Schwestern wegen ihres Erbes. — Die Schwestern ui« 1223.
wendeten sich an den Papst Innocenz III., der das Testament des
Vaters bestätigte. Nach dem Tode Sancho's I. hatte er auf Bitten der
Infantinen ihre Besizungen noch unter den besondern Schuz und die
Obhat des heiligen Petrus genommen 0 — 5. October 1211. Die
beiden Infimtinen suchten zudem noch Hilfe bei dem Könige von Leon, Krfe?
und schlössen sich in der Festung Montemor ein, welche der Tarasia °''^^*''^'
gthörte. Mit wenigen Truppen eilte Alfons II. herbei. Er verlangte, sciiwc-
daa ihm an diesem Orte gehuldigt werde. Die Infantinen gaben nicht
oaeh. Alfons II. nahm nun Aveyras weg, das der D. Sancha gehörte,
und belagerte Montemor und Alemquer. Truppen von Leon rückten
eio, nnd nahmen eilf feste Schlösser weg. Papst Innocenz III. nahm
eich der In&ntinen an. Obgleich in den Bann gcthan, sezte Alfons II.
die Belagerung von Montemor fort, und nahm es. Jezt bot er dem
Papste einen Vergleich an. Der Bann wurde aufgehoben, nachdem
der König versprochen, sich der Sentenz des Papstes zu unterwerfen.
Wieder entbrannte der Streit, da die beiden Aebte, welche die Bevoll-
mächtigten des Papstes waren, dem Könige die ihm unerschwingliche
Samme von 150,000 Goldgulden als Schadenersaz auflegten. — Der
Ftpst hob den Bann auf. Die Burgen wurden den Tempelherren über-
geben, über welche der König die Hoheit hätte, während die Schwe-
stern die Einkünfte daraus beziehen sollten. Der König sollte sie für
die gehabten Verluste entschädigen. Der Streit war beigelegt, aber er
üess bittere Wehen zurück. Die lezte Entscheidung des Papstes ist
rom ]7. April 1216*), er selbst starb am 16. Juli 1216.
§. 9.
Am 29. Mai 1217 zog unter den Grafen Wilhelm von Holland Krcus-
und Georg von Wied eine Flotte von etwa 300 Schiffeii zum Kreuz- "j^,^^^''"
zage aus Viaardingen an der Maas ans. Am 21. Juli landete die Flotte
im Hafen von Lissabon. Die Kreuzfahrer wurden gebeten, den Por-
»} tput. Innocent. III, Hb. 14, 115, 116, 117, 118. — Opera Irmocent
lU, ed. Migne, III, p. 743—775. - Potthast, regesta Innocent. III., nr. 4$t6;
•) hmactnt. UL, e^üt. 16, 62, in: Migne, opp., t III, 895, — Potthast,
Wim.
76 Eilftes Baeb. Drittes Kapitel.
tugiesen Äl€(»cer do Sal wieder erobern za helfen, Ton wo ans die
Mauren beständige Raubzüge ausführten. Nnr die Friesen wollten
nicht bleiben, und fuhren am 27. Juli mit etwa 80 Schiffen von Lissa-
bon weiter. Die Uebrigen belagerten Alcacer mit den Portugiesen.
Das ganze noch übrige maurische Spanien sezte sich zum Entsaze
von Alcacer in Bewegung. Am 9. September kam das zahlreiche Heer
der Saracenen an, 40,000 Mann zu Fnss, 10,000 zu Pferd. Die
Christen waren nicht halb so stark, erhielten aber in der Nacht be-
trächtlichen Zuzug. Am Morgen des 10. September begann der Kampf.
AicacOT^ 14,000 Mauren blieben anf dem Schlachtfelde; zahlreiche Gefangene
1217. und eine kostbare Beute fielen in die Hände der Sieger. Erst am
21. October ergab sich die belagerte Stadt, in der sich nur noch
2000 Einwohner befanden. Der Grossmeister von Santiago erhielt den
Ort. Die Kreuzfahrer verbrachten den Winter in Lissabon; im Früh-
jahre fuhren sie dem heiligen Lande zu ')• — Zu dieser Zeit war AI-
fons II. krank in Coimbra.
§. 10.
Alfons II. Hess viele Orte anlegen und bevölkern, bestätigte viele
Ortsrechte y während er andern Orten neue Foraes gab. Schon im
Anfange seiner Regierung berief er die Cortes nach Coimbra, und gab
hier allgemeine Geseze, „wenige, aber voll Weisheit und Humanität",
welche znm Theil in das Gesezbuch von Konig Alfons V. übergegan-
gen sind'). — Z. B. Das Gut auf gestrandeten Schiffen bleibt dem
ursprünglichen Eigenthüiner, „denn es scheint ungerecht, dass dem
Verunglückten noch weiterer Schaden von Menschen angethan werde*^.
Der König darf Niemand zu einer Ehe zwingen. — Wenn der Konig
Jemand zum Tod oder zur Verstümmlung des Leibes verurtheilt, soll
das Urtheil erst in 20 Tagen in Kraft treten können'). Die Geseze
und Rechte der römischen Kirche sollen in Kraft bleiben; entgegen-
gesezte Verordnungen sind ungiltig. — Ohne Noth sollen zu höhern
kirchlichen Würden Ausländer nicht gewählt werden. — Das vorhan-
dene Vermögen der Kirche wird einerseits garantirt, anderseits soll es
unbeschränkt nicht gemehrt werden. — Juden, die Christen geworden,
dürfen unter Todesstrafe nicht mehr Juden werden. Kinder der Jaden
») Wilkens, Geschichte der Kreuzzüge, Thl. VI, p. 1G6 sq. — WUh. Junk-
mann^ „Magister Oliveriu?, Bischof v. Paderborn, nnd der Kreuzzug von Damiette*,
in Katholische Zeitschrift, Münster 1851, I, S. I)t)~l20; 20:i— 230.
') Ordenacianea do Senhar Rey D. Alfonao V. Coimbr. 1792, Prefac,P' 4-
') Nach dem Blutbad von Thessalouich verordnete auf Antrieb des heiligen
Ambrosins Kaieer Tbcodosius I. eine Frist von 40 Tagen bis zar VoÜBtreckung
des Urtheils.
Sancho II., 122d-124o. 77
habeü daa Becht, Christen zn werden, nnd empfangen sogleich den sie
treffenden Antbeil des elterlichen Erbes.
König Alfons II. starb im Kirchenbanne am 25. März 1223, nnd
wurde im Kloster Alcobafa beigesezt« Sein Sohn Saneho IL war beim König
Antritt seiner Regierang erst 20 Jahre alt Er verglich sich mit dem ^^°^^^
Klenis, im Besondem mit dem Elrzbisohof von Braga. Nach der Sitte woitort
seiner Yoiganger ertheilte er mehreren Ortschaften Foraes. Schon im ^^^^
Jahre 1225 eroberte er die Festung Mvas, später, gegenüber von Ba-
dajoz, Portngak Grenzfeste gegen Spanien. Südlich vordringend nahm
er Serpa, dann das feste Meriolaj beide Orte am Anas. Mertola
wurde ein Bollwerk Portagais gegen Algarve. Den Rittern von San-
tiago wnrde die Feste übergeben, die dort ihren „Gonvent^ haben
soUten, zom Schoze des Reiches^ — Yon Mertola ans wurde die
Eroberung Algarve*s in Angriff ^genommen, welche vorzugsweise das
Weik des Ordens von Santiago war. Papst Gregor IX. ertheilte den
Kämpfenden sanuntliche Privilegien der Elreuzfahrer — 18. Februar
1241 "). — Im Jahre 1242 wurde die Stadt Tavira, fast am Meere,
erobert. Der Krieg wurde zu Wasser nnd zu Land gefuhrt Neben
dem Konige erwarb sich der spätere Grossmeister Felagius Perez
Correa die grossten Verdienste. Der Orden von Santiago erhielt auch
Tarira von dem Konige — 1242, welche Schenkung Papst Inno-
ccnz 17. am 8. September 1244 bestätigte^. — Die Eroberung AI-
gvre's wurde erst durch die nächsten Fürsten vollendet. — Denn
Sandio II., der nach Alfons L das Reich Portugal am glücklichsten
mgrössert hat, musste im Jahre 1245 der Regierung entsagen.
§. 11.
Geraldns wurde im Jahre 1095 ^Erzbischof von Braga''. Er
staib am 5. December 1109. Sein Leben schrieb Bemardns, gleich-
bik ein Grallier und Cluniacenser^ der in den Jahren 1128 bis 1147
Bischof von Coimbra war^. Der Gallier und Cluniacenser Mauritius
Bordimis von Limoges war vom Jahre 1098 bis 1111 Bischof von
Coimbra gewesen, nnd Tiiirde im Jahre Uli Nachfolger des „seligen^
Ginüdos in* Braga. Zuerst suchte er Papst Paschalis IL mit Geld für
leine hohen Plane zn gewinnen; dann verband er sich mit Kaiser
*) Baynaldi, Contin, annaliiim Baronii, an. 1241, nr. 48. -^ PoUhaHf
Ri^tita t /, nr. 10,989. — Monarch. Luntama. L 14, 19.
*) Brmddo, Man. Lus. 14, ep. 6—7, 11, 14^16, 18^21.
*) s. oben p. 11, p. 15—16, 19. Die Heransgeber der Manumenta historiae
PoTtugaliae (1866) fimden im ganzen Lande keine Handschrift der „Vüa b. Oe-
roW^, and nonten sich darom mit dem Abdmcke der „Vita** bei Balnze begnügen.
80 Eilftes Buch. Drittes Kapitel. — CoDflicte zwischen Kirche n. Staat
dem Banne, 25. März 1223^). Dagegen hatte der König in seinem im
Jahre 1221 verfassten Testamente seine Kinder und sein Keich dem
Schuze des Papstes empfohlen, und ihn unter dem Versprechen einer
Summe von 3000 Maravedis zum Vollstrecker seines Testamentes ein-
KSni« gesezt^). Konig Sancho II. legte schon im Juni 1223 auf einer Yer-
^^' Sammlung zu Coimbra den Streit mit der Kirche durch einen Ausgleich
bei. In 10 Artikeln wurden die Funkte näher bezeichnet, in welchen
der Konig die kirchlichen Beschwerden abzustellen versprach. Er ver-
sprach U-. a«, bei dem Tode der Prälaten deren Güter sich nicht anzu-
eignen, nicht zuzugeben, dass ein Vasall eine Kirche verkaufe oder
verpachte, Kirchen und Kloster nicht durch Einlagerung zu beschwe-
ren, sich in kirchliche Rechtsstreitigkeiten zwischen den Bischofen und
dem Klerus nicht einzumischen; in einem besondern Vergleich mit dem
Erzbischof den In seiner Kirche angerichteten Schaden zu ersezcn,
und nebstdem 6000 Cruzados zu bezahlen. Der Erzbischof versprach
Aufhebung des Bannes und seiner Folgen. — Später aber brachen hef-
tigere Conflicte zwischen demselben Könige^ dem Bischöfe von Porto,
und dem Erzbischofe von Braga aus, die ihren Grund in den schwer-
sten Erpressungen, in Eingriffen gegen das Eigenthum, die Freiheiten
und Rechte der Kirche und Kirchen hatten. Der Erzbischof Sylvester
Godinho (seit 1229), welcher im August 1232 das Pallium erhalten
hatte, wandte sich mit seinen Beschwerden nach Rom. Diese Streitig-
keiten ;zogen sich jedoch viele Jahre hindurch, die Klagen wurden bis
zur ersten allgemeinen Synode von Lyon gebracht — ^ 1245, und ende-
ten mit der unfreiwilligen Abdankung des Königs')»
'} Eaynaldi annales, ann. 1222^ nr. 60—53. — Potthast, regesta, t h
nr. 6860.
') Dagegen liesB der Papst am 13. Dec. 1222 den König dnrch Ewei BisebOfe
und einen Abt ermahnen, eine Summe von 1000 Maravedi za bezidüen, welohe mit
Einstimmung des Königs die Königin Urraoa der römischen Kirche versprocheo,
indem sie zugleich füx das Heil ihrer Seele ans den Gütern des Reiches Schenkungen
bis zu einer Summe von 30,000 Goldgulden (auret) vergabte. Manriquet Annale
Ciatere., IV, 228. — Potihaat, l. c. nr. 6898.
*) Änt. Branddo {et Brito), Monarchia Lusüana, composta por D. de
Brito etc., Ushoa, 1597'-1728, 8 vol. in 2\ — Manuel de Faria y Souta, Hiäo-
ria de Portugal, Lieb. 1730, fol. *^ HUtoria general de Portugal, por AnJt. de
Lemos de Faria Castro, Lisb. 1786 sq., 17 vol 8\ — Sousa, Ani. Caetano de,
Provas de Historia genealogica da casa real portugueza, LMoa, Silva, 1739
^1748. — Ribeiro, Dissertaeiones, t. 1—V. — Historia de Portugal, por A.
Hercolano de Carvalho, Lisb. 1846—1867, 7 «. — Thomas de IncamaUone,
Historia eccles. Lusitan., Coimbr. 1769, 4 t 4\ — Heinr. Schitfer, Geschichte
von Portugal, Bd. I, 1836. — StolbergBrisehar , K.-G., t 47.
Viertes Kapitel.
Mdacos Gelmirei und die Ktrehe des heiligen Jaeobos.
§. 1.
Nach der Binnahme Toledo's stand diese Stadt als kirchlicher
und politischer Mittelpunkt wieder vor und über den andern Städten
Spftniens. Santiago war um so mehr in Gefahr, durch sie in den
Hintergrund gedrangt zu werden, als seine geographische Lage eine
äosserst isolirte ist, als es so zu sagen, an der Grenze der Erde, nicht
weit vom Voi^ebirge „Finisterrae^j liegt Die Blicke der Spanier
waren jeart dem Süden, dem Ziele ihrer fernem Thätigkeit, der Auf-
gabe der Eroberang des noch von den Mauren beherrschten Landes
zugewendet. Damit nun das „Heiligthum^ Spaniens nicht allzu grosser
Vereinsamung und, Verlassenheit anheimfalle, wurde ein Mann auf
den bischoflichen Stuhl des heiligen Jacobus erhoben, der demselben
aichi bloss die Würde eines Erzbisthums, sondern dieser Kirche
lolchen Glanx and solche grosse natürliche Hilfsquellen erwarb, dass
sie nicht mehr in Gefahr war, in den Hintergnind gedrängt zu werden.
Dieser Mann war Didacus Gelmirez, an 20 Jahre Bischof, und gegen
2^J Jahre erster Erzbischof von Santiago; er war bei allen Fehlern und
Schwachheiten, selbst Leidenschaften, eine grosse, imponirende, er
war eine providentielle Persönlichkeit.
§. 2.
Nachdem schon sein Vorgänger, der CInniacenser Dalmatius im
Jahre 1095 die EIxemtion seines Bisthums erlangt hatte ^), bemühte sich
Didacus seit seinem zweiten Amtsantritte im Jahre 1099 durch die
') 8. oben S. 9.
Om, ipia. Klrth«. III. 1.
82 Eilftes Buch. Viertes Kapitel.
EinffuM engste Veibindung mit Rom, u. a. dadurch, dass er sehr oft Gesandte
^~ ^y nach Rom schickte, dass er unter den Cardinälen und dem Kleras
Born, der romischen Kirche stets Mandatare und Vertrauensmänner sich zu
erwerben wusste , und dass er den römischen Päpsten in ihren mannig-
fachen finanziellen Verlegenheiten grossartige Gaben zuwendete, nicht
bloss seine Stellung zu befestigen, sondern auch die Würde seiner
eigenen Kirche zu erhöhen. Er kam dadurch in einen unvermeidlichen
und beständigen Conflikt mit der neuen Primatie von Toledo; die ener-
gische Persönlichkeit des Didacus war es vorzugsweise, welche die
vielen Mühen des ersten Primas Bernardus stets wieder durchkreuzte;
wird sind der Ansicht, dass diess zum Wohle und zum Gedeihen der
Kirche in Spanien gereicht habe. Wegen der Exemtion des Bisthams
hatte Paschalis IL verlangt, dass der zu erwählende Bischof sich in
Rom von ihm weihen lassen solle. Am oder vor dem 18. März 1100
weihte er den Didacus zunächst zum Subdiakon. — Zur Bischofsweihe
selbst wieder nach Rom zu kommen, wurde er, wegen der kriegerischen
Unruhen und der „Gefangenschaft des Landes durch die Maaren'', dis-
pensirt^). — Am 31. December 1101 bestätigte der Papst die Besizan-
gen und Privilegien der Kirche von Santiago; seit dem 31. October
1104 durfte Didacus das Pallium tragen*). Diese Auszeichnungen aber
genügten ihm nicht; er wollte dem Grabe des heiligen Jacobus noch
grössere Ehren erwerben. Schon damals gab es nicht Wenige, welche
in Rom ihn beschuldigten, dass er aus Santiago ein zweites Born
schaffen, und den Stuhl des heiligen Jacobus dem Stuhle des heiligen
Petrus gleichstellen wolle. Am 24. October 1105 entsprach der Papst
dem Ansuchen des Bischofs, dass an den grossem Kirchenfesten die
Dignitäre seiner Kirche mit Edelsteinen besezte Mitren tragen, nach
Art der Cardinal- Diakone und -Priester der römischen Kirche'). Da-
cardi- mals gab es sieben „Cardinäle'' der Kirche des heiligen Jacobns.
°^sln!^" Diese Zahl hatte Didacus festgestellt. In seinem Breve vom 30. Octo-
tiftgo. her 1108 schreibt der Papst an Didacus: „Du hast uns mitgetheilt,
dass Du nach der Sitte der römischen Kirche sieben Cardinalpriester
in deiner Kirche eingesezt hast^), welche auf dem Altare des heiligen
Jacobus abwechselnd das heilige Messopfer darbringen, und bittest
0 Esp. 8agr., XX, 25, 26, 27-^31. — Jaffi, Reg, nr. 4346, 4353, 4367,
4384-4386,
•) 8. S. 12.
') Diese Mitren (ob es mitrae gemmaiae waren, steht in Frage) sah noch
JFV. Lorinser, und verwunderte sich darüber, als er aaf seiner zweiten spanlachea
Reise nach Santiago kam, und der Vesper am Feste des heiligen Jaoobns anwohnte,
25. Juli 1P57. c/. Bd. I, S. 214.
*) Esp. sagr,, XX, 93. — Migne, R lat., t. 170 (Abdruck der ^Historia
ComposUUana'') , p. 934 (t. 163, ^sM. PaschaliB, II, 159).
\
Didacns und Papst Pnschalis II. H3
Uns am Bekraftigong dieser Deiner Einrichtuug." Der Papst befiehlt,
dass diese hier fesigesezte Ordnung weder durch Didacus, noch durch
einen semer Nachfolger „vermindert oder abgeändert werde*^ (also auch
nidit vermehrt, damit die Aehnlichkeit der Kirche von Santiago und
TOD Rom nicht allzastark hervortrete). Neben den sieben Cardinälen
sollen nur Bischöfe und romische Legaten auf dem Altare des heiligen
Jacobna eelebriren dürfen ^). — Am 21. April 1110 vollzog der Papst
eine neoe Bestatigang der Besizungen der Kirche des heiligen Jaco-
bos, yin der, wie man fest glaubt, der Leib desselben ruht^*), unter
ntmendicher Bezeichnung der einzelnen Besizungen. Darunter kommen
die vielgenannten Gebiete von Salagia, Trasancos, Lovacencos, Arros
und Bisancos vor, worüber der lange Streit mit dem Bisthum Mindo-
niam schwebte; ferner die Münzstatte von Compostella; die Städte und
die Landgüter von Honesto, Faro, das Castell der heiligen Maria von
Lanciata und Anderes. An demselben Tage richtete der Papst an Di-
dacns zwei andere Briefe. Er könne das Bittgesuch, das er ihm auch
Ton Seiten des Klerus und des Volkes von Santiago durch seinen
Archidiakon Graofrid und seinen Kaplan Petrus vorgelegt habe, gegen-
wärtig nicht erfüllen, was ihm seine Gesandten (näher) mündlich mit-
tbeilen würden. ^^Seid aber fest überzeugt, dass Wir der Erhöhung Didacns
Earer Kirche Uns erfreuen; denn Wir wünschen dieselbe entsprechend ^^^.
den Verdiensten des heiligen Jacobus zu ehren. ^ Darnach zweifeln rerei.
wir nicht, dass das Bittgesuch sich auf die Erhebung Santiago's zum
Enbisthume bezog, was Didacus unter dem Papste Paschalis II. nicht
dorchzQsezen vermochte. Der dritte Brief des Papstes betrifft eine
PriTat- Angelegenheit *).
Aber Didacus konnte nicht ermüden, diese dringende Angelegen-
heit seines Herzens in erneuten Bitten demselben Papste vorzutragen.
Dieser entgegnete ihm wieder am 24. Juni 1114. Wegen der durch
die damals geführten Kriege in Staat und Kirche von Spanien herr-
schenden Verwirrungen könne er seinen Bitten zur Zeit nicht entspre-
chen, „weü neue Eintheilupgen der Kirchen bei solchen Unruhen sich
mdit leicht durchfuhren lassen, vielmehr der Kirche mehr Verwirrung
^ Frieden zu bringen drohen^ ^). Wenn aber Gottes Erbarmen dem
*} E$p. Mogr., XX, p. 94. — Migne, P. lat, t 163, nr. 262 nnter den
Briefen Pasduüia* n.; U 176, p. 934.
*) in qua (eedesia nimirum) efus corpus requiescere creditur. Da in der
^ntidien Spraefae das Wort „glauben* In doppeltem Sinne vorkommt, wissen wir
te Wort ^crtdiUur* nioht entsprechend zn fibersezen.
*) Etp. $agr., XX, p. 85—88. Migne, P. lat, 1 163, nr. 296-^298; 1 170,
p. m. - Jaffi, reg. P. rom., nr. 4643-4645.
*> ^iiia JMMorMM ntmat disposüioms in huiusmodi iumvUibus minua
6*
84 Eilftes Buch. Viertes Kapitel.
Lande (Spanien) wieder den Frieden schenken werde, so werde der
Papst diese Angelegenheit einer nähern Beratbung unterziehen ').
§. 3.
Doch, da Didacus das Grössere nicht erlangen konnte, so liess
Didactts er sich nicht entmuthigen, den Papst um das Kleinere zu bitten. Am
ni^Mn^^' A.ugust 1115 ertheiltc der Papst ihm auf sein Ansuchen die Er-
Bitten. laubuiss, „um den Nachstellungen seiner Feinde zu entgehen, den
Concilien, welche in den (entfernteren) Provinzen gehalten würden,
nicht anzuwohnen.^ — Er gestattet ihm ferner, dass er bei dem ge-
wöhnlichen täglichen Verkehre, „angekleidet mit der Tunica und der
Stola, einherschreiten dürfe"').
Die Befreiung vom Besuche auswärtiger Concilien lag im Inter-
esse des Didacus, der jeden Schein der Abhängigkeit von dem ,, Pri-
mas" von Toledo von sich ferne halten wollte. Zudem veranstaltete er,
um seiner Unabhängigkeit einen Nachdruck zu verleihen, schon am
17. November 1114 seine eigene Synode zu Santiago, nachdem kurz
zuvor die Synode von Leon (Palentia) gehalten worden. Zu der Syn-
ode von Leon hatte der Primas Bernardus den Didacus gebeten und
einberufen^), — Allein Didacus schüzte sich, wie immer, durch Vor-
haltung des starken Schildes, den ihm seine Verbindung mit Rom ge-
währte, und kam damals nicht. Indem er aber jezt seine eigene Syn-
ode hielt, trat er als factischer Metropolit auf. Er und die um ihn
gesanmielten Bischöfe sagen: »Wir, durch göttliche Anordnung^) die
competenier fieri passunt, cum magis perturhationem Ecdesiae mdeaniur afferre,
quam pacem.
*) Hiezn die Anmerkang In der Ausgabe des Florez: nempe Composleüanus
de transferenda in EsaUsiam suam Emeritensi Metropoli aerio et amdüsime
cogüäbcU, De hoc Uli praecipue cura: ad haec reaponsio Pantificis, esto nihil
de peHtione exprimat — l. c, p. 193. — Migne, P. tat, 1. 163^ p. 366 (nr. 393
der Briefe des Papstes), t 170^ p. 996,
*) ut in quotidiana canveraatione, tunica et stola indidus inceäaa. —
FUyrez, XX, p. 202.
') cut (coneilio) düectianem vestram interesse volumus, atque preiedpi-
mu8. Välde enim in eo nobis necessaxius eritis, nee uUa occasione opta/niu»^
ut praesentiam vestram praedictae Synodo subtraJuxtis. Valete. AhhateB vero
atque praeposüoB veatrae Dioecesis vohiscum adducere mandamus, XX, 191.
Man mnss der „Historia CompoH." auch dafür dankbar sein, dass sie einige Briefe
des Bernardus nns gerettet hat.
^} Der Ausdruck: „von Gottes und des apostolischen Stuhles Gnaden" kommt
erst seit dem dreizehnten bis vierzehnten Jahrhundert vor, und wurde sninäehst von
denjenigen Bischöfen gebraucht, welche unmittelbar, oder durch s. g. i^Proütstb*
vom Papste ernannt wurden, cf. Cfams^ Seriea episc. eceles, cathoL, p. 246,
Synode Ton Santiago, IIU. 85
Diener Gottes, Didacus (Bischof) des Sizes yod Compostella, A. (AI- synoda
fons 11^ 1100 — 1130) von Tude, Mnnio von Vallibria (Mondonedo, a*'„, ^*
Nono AlfoDSo, 1112 — 1136, Verfasser der „Geschichte von Compo- i^. nov.
Stella«), Petrus von Logo (Petras III., 1114—1133»), Didacus von "**"
Orense (Didacus UL, 1100—1132), Hugo von Portugal (Oporto,
HagoIL, 1113 — 1136), dessen Siz am folgenden 15. August der Papst
ak exemt erklärte, sind auf den Wink (nutu) des Herrn Bernardus,
des Erzbiscbofes des Stuhles von Toledo, und Legaten des romischen
Stahles am 17. November (1114) zu Compostella zusammengekommen,
nnd haben mit den Achten der Klöster von Galizien und den übrigen
Eeligiosen (?), Prälaten mit Hilfe des Herrn ein Concil gefeiert." —
Sie haben die Grafen und die übrigen Optimaten des Landes, welche
das Concü von Leon*) nicht besuchen konnten, ermahnen lassen, die
b Leon ge&ssten Beschlüsse unweigerlich zu halten. Sie beschliessen:
1. Kein Laie soll an den Kirchen Gottes, deren Besiz und Die- ^•
nern irgend eine Gewalt üben; Erbschaften und Vermächtnisse an^^Q^^.
Kirchen, die ihnen entzogen worden, seien vollständig zurückzuer- ciu.
statten*). 2. Kein Laie habe eine Gewalt innerhalb des Heiligthums der
Kirche, das gewöhnlich „Passales^ oder „Dextros^ heisst*). 3. Kein
L^aie soll den Zehent oder die Erstlinge, oder die Gaben Lebender
oder Verstorbener an die Kirchen anrühren oder wegnehmen, kein Or-
dinirter soll ans der Hand eines Laien eine Kirche annehmen. 4. Han-
deltreibende« Fremde und Arbeiter sollen im Frieden und ohne Ge-
fährde dorch das Land reisen. 5. Eine rechtmässige Ehe soll nicht
reriezt, Blntsfreunde oder Verschwägerte sollen ihre Verbindung auf-
geben oder ausgeschlossen werden. 6. Das Zcugniss von Verräthern
Qod offenbaren Meineidigen werde nirgends angenommen; .denn sie
sind ,infam^. 7. Niemand soll eine Kirche verkaufen oder erwerben,
oder ebem Laien übergeben (incariet), denü diess ist Simonie. 8. Kein
Kleriker darf eine Frau in seinem Hause haben, mit Ausnahme derer,
welche die j^Cananes^ erlauben. 9. Mönche oder Kleriker, welche ihr
kirchliches Gewand abgelegt, werden ausgeschlossen, bis sie Busse
thim. 10. Mönche sollen unter der Hand ihres Abtes stehen, kein
Eigenthom haben nnd keinen öffentlichen Gottesdienst, wie die Ffarr-
Priester, halten. Die Uebertreter dieser Gebote, sowohl in den Ebe-
nen und in Castella (Alt- und Neu-Castilien?), als in Portugal, in
*) htm vormalige .Enbisthnm* Logo, welches als solches zum lezten Male
«B dtt Jahr 1060 genannt wird, war durch den Übermächtigen Glanz des sich er-
b^den Stntiago gleicluam ausgelöscht worden.
') t. 8. H.
*i Intra saerarium Ecdesiaej quod tmlgariter pcisscUes, vel dextros appel-
'«t», der geschlossene Ranm nm die Kirche, gewöhnlich von 30 (auch CO) Ellen
0^ AnittliDgen. (Ducange $. v. y^dextri^. Passales wohl = passus,)
86 Eilftes Bach. Viertes Kapitel.
Galaecien, ferner im äussersten Lande ^) nnd in Aragonien, werden
dem Anathem unterliegen, in ihrem Gebiete soll der Gottesdienst nicht
gefeiert werden, ausser der Bnsse nnd Tanfe.
„Wir errichten auch eine Bruderschaft unter uns, dass Jeder dem
Andern, wenn möglich^ zu Hilfe kommen solle. Stirbt Einer aus uns,
so sollen die Andern cinmüthig seiner Seele durch Almosen, Gebete,
Opfer zu Hilfe eilen, damit er zur ewigen Seligkeit gelange. Um
diese Bruderschaft zu befestigen, beschliessen wir, dass wir in jedem
Jahre in der (Mit-) Fastenzeit zu Compostella zusammenkommen, und
die Uebelthaten, die uns zu Ohren gekommen, bessern wollen^*).
§. 4.
Was DIdacus unter Paschalis II. nicht hatte durchsezen können,
das gelang auch unter Gelasius IL wegen der kurzen Dauer der Re-
gierung desselben noch nicht, obgleich unter diesem Papste Oldegar
erster Erzbischof des neuen Tarraco wurde. Am 16. Juni 1118 schrieb
(erwiderte) Papst Gelasius IL dem Didacus in wenigen Worten: „Ob-
DidAcoi gleich von wichtigem Geschäften bedrängt, können Wir doch der alten
"aias^i* Zuneigung und Freundschaft gegen Dich nicht vergessen. Wir ersu-
chen und ermahnen Dich, dass Du der römischen Kirche, welche durch
so viele Bedrängnisse und Verwirrungen gedrückt ist, eingedenk seiest,
und ihren und unsern Bedürfnissen mit geziemender Liebe zu Hilfe kom-
mest.^ Er empfiehlt ihm den Cardinal P.^ und den Schazmeister Petrus.
— Die ersehnte Hilfe kann kaum eine andere, als Unterstüzung durch
Geldmittel gewesen sein, über welche Didacus in so reichem Maasse
verfugte, dass auch König Alfons VII. die Hilfsquellen des Didacus
für unerschöpflich hielt ^). — Durch Schreiben vom 17. November 1118
empfiehlt der Papst seine Gesandten dem Didacus, welche die Bischöfe
Spaniens zu dem für den 1. März 1119 anberaumten Concil zu Cler-
mont einladen sollten, „Dich allein ausgenommen, weil die Angelegen-
heiten jenes Reiches in Deinen Händen ruhen^ *). — Er sagt ihm, dass
ein Freund und ein Arzt in der Noth erprobt werden.
*) necnon in ExtremitatibuSf Estremaduraf
•j Historia Camposteüana, l, c, p. 191—193.
*) Esp, sagr., XX, 259. — Migm^ Patr. lat., t 163 (Briefe Gelaaiiii' II.),
p. 494.
*) quia ilHus Regui negotia in manil^us tuis pendent. Memento viUani(fJ;
amicus et medicus in necessitate probantur, XX, 267, — Migne, 1. 163^ p. 603.
Bischof Hago von Oporto. 87
§. 5.
Gehsias IL starb schon am 29. Janaar 1119, und ihm folgte
Ctlixt IL, unter dem endlich Didacus erlangte, womach er so lange
Tcriangt hatte. Am 14. Juli 1119 schrieb ihm der Papst von Toulouse
SOS, er habe schon vor seiner Wahl zum Papste ihn wie einen Bruder
geliebt; jezt, nach seiner Erhöhung, wolle er ihn um so mehr lieben, nidacas
weQ das von ihm übernommene Amt ihn dazu antreibe. Er möge nun ,,^( „
nach dem ihm von Gott verliehenen Vermögen seine Mutter, die römi-
sche Kirche, mit allem Eifer unterstüzen, „denn Wir wollen dich und
deine Kirche, so weit der Herr es gestattet, mit gebiihrender Ehre
sciunacken". Diese werde um so eher geschehen können, je mehr Di-
dacos auch dem Könige, dem Neffen des Papstes, helfend zur Seite
stehen werde. Mündlich habe er das Nähere den Boten des Didacus^
dem Petrus, Girardus und dem A . • . mitgetheilt. Er möge entweder
zu dem Concil Yon Rheims am 18. October sich einfinden, oder doch
den Papst, so lange er noch in Gallien weile, besuchen*). — Jezt
nahm sich Didacus vor, nach Rheims zu reisen, ,)denn er sehnte sich
gar sehr nach der Erhöbung seiner Kirche***). Er Hess also zwei Ga-
leeren (Schiffe) zu seiner Reise bereit machen. Die Königin Urraca
«idersezte sich der Reise aus allen Kräften, welche auch fürchtete, Dida-
cus werde ganz auf die Seite ihres Sohnes Alfons VII. übertreten, und
sie Terdringen. Ausserdem machten die Schiffe der Sarazenen den Weg
m See unsicher. Darum stand Didacus von der beabsichtigten Reise
ih. Aber der Bischof Hugo von Oporto, welcher früher Archidiakon
TOD Santiago gewesen, und im Jahre 1115 die Exemtion (von dem
Erzbisthume Braga) erlangt hatte, theilte den Eifer des Didacus für
die Erhöhung der Kirche von Compostella, und entschloss sich, den
jezt 80 gefalirlichen Weg nach Gallien einzuschlagen. Da es nicht d'«»«»-
möglich schien, ein absolut neues Erzbisthum zu errichten, da die ^j^^j^^^^
Uebertragung der Metropole von Bracara auf Santiago ebenso unmog- Hugo
lieh schien; denn entweder hätte Bracara an Castilien, oder Santiago Q°^y
an Portugal fallen müssen; so vereinigte man sich dahin, dem Papste
TorzQBchlagen, die erloschene Metropole von Emerita, oder eine an-
dere kirchliche Würde auf Santiago zu übertragen.
Der Bischof Hugo nahm das zerfezte und elende Gewand eines
Bettlers an, und reiste unter vielen Abenteuern. „O der glückliche
Uann, welchen der selige Apostel Jacobus also beschüzte^ dass er von
seincü Febden zwar gesehen,* nicht aber erkannt wurde! er gieng
•) Histor. Compost., XX, 278. — Migne, t 163, p. 1109.
') nimirum ad sublimattonem Ecclesiae suae propensiw anhelahat.
88 Eilfltes Bach. Viertes Kapitel.
mitten durch seine Feinde und die schlechtesten Wegelagerer hindarch,
und Keiner trat ihm in den Weg/' Sein Gefahrte A. aber, der nach
ihm abreiste, kam nur bis Burgos, wurde dort gefangen und rein aus-
geplündert. Den Tag zuvor war Hugo dem ihm gelegten Hinterhalt
entflohen. Er gelangte nach Gronium (heute Logrono) am Ebro^ nach
Morlano, verfolgt von den Aragonesen, dann nach Clugny, wo er
Papst Calixt H. traf, der daselbst nach der Synode von Rheims in
der ersten Woche des Januar 1120 weilte. Hugo wandte sich zuerst
an den Abt Pontius vonClugny, und sagte zu ihm: ,,Jezt, ehrwürdig-
ster Vater, ist es Zeit, die Kirche des heiligen Jacobus zu erhöhen, so
lange sich Papst Calixtus in Euren Händen befindet '). Mit Bitten sollen
seine Ohren bestürmt .werden; so lange wir Zeit haben, wollen wir
eilen. Denn der heilige Jacobus hat es schon für uns durchgesezf
Abt Abt Pontius drang in den Papst. Er stellte ihm vor, was seine Vor-
^^von* S^S®^ Paschalis und Gelasius gethan hätten, wenn nicht die Zeit-
oiugny. (oder Orts-?) Verhältnisse sie verhindert, das möge er erfüllen. Jaco-
bus, der Apostel selbst, bitte ihn um die Meti*opolitanwürde für seine
Kirche. Er möge wenigstens den Bitten des seligen Jacobus sein Ohr
leihen. Jede andere Kirche eines der übrigen Apostel sei Metropole.
Wenn es in den Augen des Paptes nicht wohlgefällig sei '), die Würde
von Braga oder das Erzbisthum, welches die Kirche von Lugo schon
zu den Zeiten des Theodemir, Königs der Gothen'), innegehabt, auf
Santiago zu übertragen, so möge er wenigstens die Metropole der
Kirche von Emerita, welche factisch aufgehört und das Christenthum
verloren habe, auf Santiago übertragen, und diese „apostolische^ Kirche
mit der Würde einer erzbischöflichen schmücken.
Nun wandten sich Hugo und Pontius an die Cardinäle, an den
einen mit Versprechen, an den andern mit Schmeicheleien und Bitten,
damit alle einstimmig den Papst um die Erhöhung der Kirche von
Santiago bitten möchten. Am Hofe des Papstes befanden sich einige
Allobroger, .einflussreiche Adelige, des Papstes Landsleute, Guido von
Albione, Herzog von Burgund, und mehrere „Mitbrüder* der Kirche
des heiligen Jacobus, die vordem dahin gewalliahrtet, und sich in den
Dienst des Apostels begeben hatten*). Diese vereinigten sich Alle mit
dem Abte Pontius und dem Bischöfe Hugo, sie warfen sieh ausge
*} dum papa Calixtus in manibus vestris est. Pulsentur aures iüiui
precibus; dum tempus liabemuSf maturemus, Beatus namque Jacobus impetra-
vit pro nobis.
') non sedet in conspedu tuo, eigentlich : wenn es dem Papste nicht za Ge-
sichte stehe.
') vielmehr der Sucven, K.-G U, 1, S. 402.
0 et seipsos ipsi Apostolo subjugaveranL
Didaeiu wird endlich Erzbisobof« 89
streckt Tor die Fiisee des Papstes^) mid riefen das Mitleid desselben '^'«^^
an, damit er die Kirche des heiligen Jacobas mit der Metropolitan-
TÜrde von Emerita schmücke. Sie fugten bei^ dass keine Macht von
den Fassen des Papstes sie entfernen werde, bis derselbe za ihren
Bitten sich herablasse*). Wer wäre so eisernen Herzens gewesen, so
mächtigen Bitten nicht nachzugeben? Nnn kamen noch die Cardinäle
mit ihren dringenden Bitten an den Papst. Der Papst sagte: Stehet ^"*^
aaf, theare Sohne. Es ist zwar etwas Grosses, um was Ihr bittet, n^^ch.
aber geziemend ist es, dass Ihr es erlanget. Die Kirche von Com-
[K^lla wird mit Gottes Hilfe mit der Metropolitanwürde von Emerita
geschmückt werden. Als sie diess gehört, stand der Abt von Clugny
aaf, der Bischof von Portngale stand auf, auch die andern burgun-
dischen Fürsten standen auf, küssten den Fuss des Papstes, freuten
sich und sagten Dank.
Doch znfrieden war Hugo von Oporto noch nicht mit dieser Er-
heboog, welche den Primat von Toledo für die Zukunft zu einem fast
nominellen machte, ihm höchstens die Aussicht auf das noch zu
erobernde Sevilla liess, und ihn des „Anrechts^ auf Emerita beraubte.
DidacQS sollte auch noch päpstlicher Legat über den Sprengel von
Braeara and Santiago werden, wodurch die Legation des Bernard von
Toledo aufs Nene illusorisch wnrde. Denn für ihn blieben nur wenige
Bisthümer übrig, deren Metropolit er ohnedem war. Hugo sezte es
durch. Reiche Geschenke langten von Santiago an. Es schien billig, ^^^'
in diesem Falle den „Schaz des heiligen Jacobus^ in Anspruch zu pxpalu.
nehmen. Am 26. Februar 1120 stellte der Papst in Valence die Ur- «»»«'
koode der Erhebung Santiago's aus. In der Stadt Emerita sei sowohl
die Würde des Bisthums als die Würde des christlichen Glaubens
ontergegangen. Auch dessen Suffragan-Bisthümer, mit Ausnahme von
Coimbra, von Salamanca und Avila, in welchen noch durch Gottes
Gnade die bischofliche Würde fortbestehe (die aber auch Jahrhunderte
lang aufgehört hatte), hätten aufgehört, zu bestehen. Wegen der gros-
sem Ehrfurcht vor dem heiligen Apostel Jacobus^ durch dessen glor-
reichen Leib Eure Kirche geschmückt ist'), und wegen besonderer
Liebe zu der Person des Didacus, auf Bitten Unsers NeflFen Ildefons,
des Königs der spanischen Lande*), sowie Unserer Brüder, des H.,
Bischofig von Portugale, des P., Abtes von Clugny, sowie des Lau-
*) mte pedes Papae proni corruerrunt, misericorditer Papam inter-
pffloa/et.
^ adjieiunf, a pedilms ipsius Papae se non avtUsum tri, donee suae
pääumi amdegcendat.
*) Cuius gloriaso corpore vestra Ecclesia decoraiur.
*) 9upplicante Nepote nostro lldrfonso Hispaniarum rege.
90 Eilftes Bach. Viertes Kapitel.
rentias, des Canonicas von Santiago; verleihe er dem Size von Gom-
postella die Metropolitanwürde für alle Zeit.
§. 6.
Ein Breve (vom 2. März) wendet sich an die Snffragane der
Brerra neuen Metropole , an die Bischöfe G. (Gonzalo 11.) von Coimbra, und
Pap^tei. J« (Hieronymus?) von Salamanca, und weist sie dem neuen Metropo-
liten zu, damit sie ihm Gehorsam und Ehrfurcht erweisen, und in
Zukunft die Kirche des heiligen Jacobus von Compostella als ihre
Mutter anerkennen*). — Am 27. Februar theilt er den Bbchöfen,
Aebten, Klerikern, Fürsten und den übrigen Gläubigen in den Provin-
zen Emerita und Bracara mit, dass der Erzbischof Didacus mit der
Stellvertretung des Papstes in ihren Gegenden betraut sei. Sie sollen
ihn als des Papstes Vicarius ehrfurchtsvoll aufnehmen, ihm demüthig
gehorchen, und auf seinen Ruf zu Synoden sich versammeln. Ad
demselben Tage schrieb der Papst über dieselbe Legation auch an
Didacus.
Am 2. März nahm der Papst auf das Neue die Kirche von Oporto
in seinen Schuz, und. bestätigte deren Besizuugen^). Am 4. März
schrieb er an die Bischöfe, Fürsten, Grafen, Ritter und die übrigen
Gläubigen in Spanien: Der König Alfons (VI.) habe, nach dem Tode
seines Schwiegersohnes, des Grafen Raymimd, Bruders des Papstes,
dessen (erst dreijährigen) Sohn als König eingesezt, und durch die
Grossen seines Reiches den Eid der Treue ihm schwören lassen. Später
habe Urraca, des Königs Mutter, bei der Krönung ihres Sohnes, an-
dere, den frühern entgegengesezte Eide mit Gewalt erpresst. Sie
mögen dafür sorgen, dass der erste dem König geschworne Eid in
Kraft bleibe. Endlich am 5. März befahl er dem Erzbischof Pelagias
von Bracara, innerhalb 40 Tagen dem Bischof Hugo von Oporto die
ihm entrissenen Kirchen zurückzustellen^).
So war denn diese so lange schwebende Angelegenheit zur Zu-
friedenheit des Didacus und seiner Anhänger gelöst, und sehr zur
Unzufriedenheit der Kirche von Toledo und Braga. Die leztere wurde
in Zukunft viel weniger von dem Gewichte der Kirche von Santiago
gedrückt, da Portugal sich ganz von Spanien lostrennte*).
'; HisL Compost, l c, p. 294. — Dorado, Compendio historico de Sala-
manca, p. 103,
•) Ribtiro, L c, F, 6.
•) Cunhüf Catalogo dos bispos do Porto, II, 7.
*) Hüioria Compostell^ma, L c, XX, p. 278-297. - Migru, P. tat.,
t 163, epistolarum Papae Calixti IL, nr. 79, 80, 81, 84, 85. — Jaffl reg.
Pmtif. R, nr, 4990-4996.
SToode Ton Santiago, 1121. 91
Am 31. December 1120 scbrieb Papst Calixt IL dem Didacus,
als seinem besoDdern Vertrauten und Legaten, über seine Erlebnisse
seit seiner Rückkehr nach Rom im Juni 1120, seine weitere Reise
nach Cnteritalien über Benevent nnd Bari, und seine zweite Rückkehr
nach Rom. Er ermahnt ihn, seinem Neffen Alfons VIL treu zur Seite
xn sieben^).
§. 7.
Nicht lange nach seiner Erhöhung zur Würde eines Erzbischofes
mtd papstlichen Legaten in Portugal und dem nordwestlichen Spanien
beschloss Didacna auf Befehl des Papstes Calixtas, eine Synode zu
0)inpoistella zu veranstalten, am 9. Januar 1121. Da Didacus zugleich
Legat war, so konnte er nicht bloss die beiden ihm zugewiesenen Suf-
fragane von Coimbra und Salamanca berufen, sondern überhaupt alle
Bischöfe, die in den Sprengel eines Legaten gehörten. Er berief also
die Bischöfe und die Aebte, sammt den „Fürsten^, über welche er als
Legat gesezt war, zur Synode, nemlich den P. (Petrus IIL) von Lugo, der
wegen der alten Würde seiner (nun abgewürdigten) Kirche an erster Stelle Ente
steht, den M. (Munius, Nunc Alfonso) von Mondonedo, den P. (Pe- ®^"j^
lagios) von Astorga, der schon vor dem 22. Nov. 1121 starb, den bischofs
D. (Didacus IIL) von Orense, der wegen der Erhöhung der Kirche ^l^^
Ton Santiago gleichfalls den Weg nach Rom gemacht, den A. (AI-
foDs IL) von Tude, den widerstrebenden Metropoliten P. (Pelagius) von
Bracara, den G. (Gundisaivus IL) von Coimbra, den G. (Geraldus),
erwählten Bischof von Salamanca, endlich den P. (Petrus Sanchez),
erwählten Bischof von Avila, welcher Siz stets unbestritten zu Emerita
gebort hatte, und jezt von Rechtswegen zu Santiago gehörte, trozdem
er 80 nahe bei Toledo lag. Diese Bischöfe und deren Aebte berief
Didacus. Da aber einige der Berufenen sich nicht einfanden^ auch
sich nicht entschuldigten oder Stellvertreter sandten, so sprach Didacus
das ürthefl über sie, und suspendirte dieselben von ihren Würden,
bis sie ihm Genngthnung leisten würden^). — Ueber die Verhandlun-
gen des Concils herrscht Stillschweigen.
*) Historia Compost,^ L c. XX, 309. — Migne, t. 163, l. c, nr. IM,
p. 1190.
*) PaniißeaU atque sacerdotale officium eis interdicenSy donec ei satis-
faeerenL Hittar. Compost., 2, 26. (Florez, XX, 308; Migne, t. 170, 1064);
T^ada y Ramiro, III, 249.
92 Eilftes Bach. Viertes Kapitel.
§. 8.
Ueber die Widerspenstigen führte Didacus in einem uns niclil
BiJefo erhaltenen Briefe an den Papst Klage. Dieser antwortete am 21. Joni
iixt*«ir., 1121? CS betrübe ihn, dass (einzelne) Bischöfe ihm nicht gehorcheQ
juui wollen, an welchen Didacus schon Gerechtigkeit vollzogen habe. Er
ermahne ihn jedoch, dass er die Bischöfe von Coimbra, Lugo und
Mindonium (welche demnach im Januar 1121 nicht erschienen waren),;
sowie andere Bischöfe fleissig zum Gehorsam gegen ihn auffordere;
wenn sie 40 Tage nach erhaltener neuer Mahnung es nicht gethan, so
bestätige der Papst das über sie gefällte Urtheil im Namen des Herra^
„üeber den Bischof von Bracara aber antworten wir Deiner Lieb-
den also. Es geht in Unsrer Gegend der Ruf, und Du hast es in
Deinen an Uns durch P. (Petrus), den Canonicus imd Capellan Deiner
Kirche gesandten Briefen selbst gezeigt, dass Du ein allzu starkes Ver-
langen habest, die Kirche von Bracara zu unterdrücken, und die Würde
derselben Dir anzumassen. Darum ertragen wir den Ungehorsam jenes
Bischofs in diesem Punkte, bis Du entweder selbst wegen dieser An-
gelegenheit hier erscheinen, oder gehörig instruirte Boten senden wirst.'
Diess solle bis zum 24. Juni 1122 geschehen'). An demselben Tage
schrieb der Papst dem Didacus über die Ungiltigkeit der Ehe eines
gewissen Giraldus. Am 5. Juli schrieb der Papst gleichfalls in einer
Privatsache an Didacus.
§. 9.
Doch ermahnte der Papst (am 22. Juni 1121) auch den Pelagius
Die von Braga, er möge die „Ehre des heiligen Jacobus* in Portugalien,
dTr"i welche sein Vorgänger M. (Mauritius) von Didacus als Lehen gehabt,
jacobua Und welchc Payo mit Gewalt zurückbehalte , zurückstellen •). Darüber
*°^ ^'j*" schlössen nun beide Erzbischöfe einen freundschaftlichen Bund, Pela-
gius wurde Canonicus von Compostella, erlangte die Hälfte „der er-
wähnten Ehre'' (i. e. Besizungen und Einkünfte) von Didacus als Lehen,
unter der Gegenleistung, die andere Hälfte nach Kräften zu schüzen.
Die Hälfte dieser „£hre* war: die Kirche des heiligen Victor, welche
(von) Bracara^ heisst, die Hälfte des heiligen Fructuosus, mit der Villa
') Ilütor. ComposL, XX, 336 (l 2, 48) — Migne, P, lat., t. 163, p. t2W
—1211, nr. 137 der Briefe Callixtus IL).
') honorem B. Jacohi in Portugalia, quem M. ah eodem Compoäeücav)
ÄrchtSpiscopo habuerat in praestimonium, et quem ipse violentcr retinehat, f^'
integreL cf, Ducange zu den Artikeln: honos, honores und prciesiimonium.
Synode von 11S9. 93
HooDteüos, die Hälfte yon der Villa Comeliana mit all' ihrem Zubehör,
in dem Sinne, daas mit dem Tode des Pelagius Alles an Compostella
znrückfiüle.^ Die Urkunde unterzeichnet P« von Gottes Gnaden Erz-
biscbof von Bracara. Sodann Hago, Bischof von Portngale, Petrus,
Prior der Kirche von Braga^ Nunnus, Diakon und Canonicus von
Braga'). — In diese Zeit fallt die Gefangennahme des Didacus durch
die Königin Drraca*), worüber Calixt 11. am 7. October des Jah-
res 1121 fünf Breven nach Spanien sandte, das erste an den Cardinal*
priester Boso, damals apostolischen Legaten in Spanien , das zweite an
Bemard, Primas von Toledo, das dritte an die Erzbischöfe und Bi-
fcböfe Spaniens, des vierte an die Königin Urraca, das fünfte an ihren
Sohn Alfons VII. *). Die Befreiung des Didacus und seine Aussöh-
nting Dkit der Königin erfolgte in Bälde.
§. 10.
Aof den Rath des Königs und der Königin Urraca berief Dida«* zweites
cns wieder ein Concil nach Santiago, auf Mittefasten des Jahres 1122, j^°"r".
den 8* HanE. Er berief die Bischöfe und Aebte seiner beiden Provin- bieohof«
zen Merida-SantiagD und Braga „zum Dienste Gottes und zur Befesti- \^^*
gmig seiner heiligen Kirche^. Es erschienen Didacus von Orense,
Alfons von Tnde, Gonzalo von Coimbra, der nach dem zwischen
Bncaura und Didacus geschlossenen Frieden keinen Rückhalt mehr
Itttte, Hugo von Portugal , der hier von seiner Exemtion keinen Ge-
bnoch machte, Mnnius von Moudonedo, S. (Sanchez) von Avila, und
deren Ad)te* Der Bischof von Salamanca war von seinem Size ver-
trid)en worden , und fluchtig. Ihn hatte der König von Aragon ver-
trieben, und in seine Earche „Gözendiener und Männer des Incestes
gegen die Earche'' eingesezt. Er war jedoch eine Zeit lang in Santiago
gewesen, und jezt mit der Königin abgegangen. Auch der Bischof
von Logo war der Königin, die eben in Lugo wohnte, zur Seite ge-
blieben, und hatte Aebte und Kleriker gesandt, welche seine Abwesen-
heit entschuldigen sollten. Es erschienen alle Aebte und Kleriker von
Astorga, dessen Siz eben verwaist war; „denn erst kürzlich hatte ihr
Hirte die Rechte der Natur entrichtet''^). Der Erzbischof von Braga
') Aliam scripiuram hahetis consimüem (sagt Payo zu Diego'), — /. c,
JJ, 4«, p. B40-341.
•) ». S. 16. — Histor. Compost, l. c, p. 341^346,
■) 1. Migne, PaJtr. lat,, t 163, p. 1219-^1221, nr. 152-156 der Briefe
CWiifslL
*) ftrwfoerol jvra naturae.
96 Eilftes Bach. Viertes Kapitel.
Trtuga der Friede Gottes (treuga Dei)y welcher bei den Römern, Franken und
iiH. andern gläubigen Nationen beobachtet wird, im ganzen Reiche von
Spanien von allen Christen beobachtet werde, vom ersten Tage des
Advent bis zu der (dem Ende der) Octave der Erscheinung Christi,
vom Sonntag Quinquagesima bis zum Sonntag nach Ostern, von den
Bitttagen bis zum Sonntag nach Pfingsten, an den vier Quatember-
Zeiten, an den Vorabenden und Festen der seligsten Jungfrau, des
heiligen Johannes B. und der Apostel, und an dem Feste aller Hei-
ligen, so dass Niemand, liege er auch mit einem Andern wegen Mord
(eines Angehörigen) im Streite , oder wegen jeder andern Fehde, sieb
herausnehme, ihn zu todten, oder zu fangen, oder irgendwie ihm za
schaden.
Die Bischöfe, Priester, Aebte, Mönche und Nonnen, und der
«
ganze kirchliche Stand der Kleriker, und das Eigenthum der Kirche,
und das Vieh, wem immer es gehöre, sollen allezeit im Frieden ge-
lassen werden.
Reisende, Kaufleute sollen nicht gefangen oder gepfändet wer^
den^), ausser durch eigene Schuld. Eidlich sollen Alle versprechen,
den Gottesfrieden zu halten; oder sie seien ausgeschlossen, bis sie
schwören; über den ihn Verlezenden soll der Bischof „mit seinem
ganzen Bisthume kommen^, um ihn und seine Besizungen zu destrai-
rcn'), bis er Genugthuung leistet, der Herr aber, dem er angehört,
Zweite entziehe ihm sein Lehen, und kein Anderer dürfe sich seiner anneh-
▼f n^ men, bis er wegen Verlezung des Friedens recht und in kanonischer
Weise Genüge leistet. Wenn aber Einer derjenigen, die gegen ihn
ausziehen, in dieser Uebung des Gehorsams fUlt, so solle er von air
seinen Sünden, wegen deren er die Busse schon übernommen hat, oder
übernommen haben wird, eben so absolvirt werden, wie wenn er auf
dem Wege nach Jerusalem sich befände, ausser er sei ezcommunicirt
Ebenso, wenn Einer im Gehorsame und in der Beoba^tung des Gottes-
friedens die Waffen niedergelegt hat, und von seinen Feinden getödtet
wird, so empfange er die erwähnte Lossprechung; wer ihn tödtet, ent-
richte dem Herrn des Landes die doppelte Sühne wegen Mordes , seine
Busse werde verdoppelt, nie büsse er in seiner Heimath, sondern gehe
in das Elend. Wer ihn ergreift, verstümmelt, blendet oder ihm sonst
ein Uebel zufügt, das er früher im Schilde führte, gleiche es durch
die doppelte Sühne aus. Wer in solcher Sünde ohne Bosse stirbt,
werde nicht begraben, sondern er verfaule in seinem Hause, und werde
nicht daraus entfernt. An den erwähnten Tagen soll Niemand die
') neque pignorentur.
*) Episcoptis cum toto episcopaiu mio eat super eum ad destructianem
gu8 et bonorum suortim.
Gotteifriede, 1124. Compostella und Emerita. 97
Waffen ergreifen, es sei denn gegen die Heiden, gegen die, welche
dii Vaterland angreifen, oder obigen Frieden brechen.
Die abrigen (uns unbekannten) Kapitel, welche wir im vorigen
CoDcil festgestellt haben, bekräftigen wir hiemit*).
Bis jezt war Spanien in Sachen des Gottesfriedens isolirt zur
Seite gestanden« Es ist das grosse Verdienst des Didacus und seiner
^am Ende der Welt" tagenden Synode, Spanien s. z. s. „in den
CW der übrigen christlichen Volker eingeführt zu haben. Welche
Wirknng aber diese Beschlüsse für die nächste Zeit hatten, wissen wir
iiicbt. Sicher ist, dass für Didacus keine ruhigem Tage kamen. —
Obige Synode aber kam mit ihren Beschlüssen über den Gottesfrieden
etwa ein Jahrhundert spater, nachdem um das Jahr 1031 in dieser
Beziehang Frankreich den Anfang gemacht hatte ').
Unter den Bischofen der lezten Synode befindet sich auch der
von Boigos. Simon IIL war schon im Jahre 1118 erwählt, hatte aber
Kis jezt keinen Consecrator gefunden^). Er war nach Santiago ge-
koiumcn. Didacus weihte ihn, auf Bitten der Synode, am dritten
Tage nach dem Schlosse des Concils^).
§. 14.
Am 23. Juni 1 124 richtete Papst Calizt den lezten der uns er-
ytenen Briefe an Didacus. — Auf Bitten des Didacus erklärt Calizt II.,
(kbs Compostella wegen des heiligen Apostels Jacobus, dessen Leib
dort rnhe, die Würde eines Erzbisthums zwar nur bis zu der Zeit
baben sollte, bis der Siz von Emerita wieder hergestellt wäre; jezt
•} Plorez, XX, 417^419. - Migne, P. l, t 170, p. 1127-^1128. - Te-
j^a y Ramiro, III, p. 252-253. (Ex hist. Compost. lib. II, eap. 71,)
0 C J. F» Kvestety de ireuga et pace Dei, Monaster, 1852, — A. Kluck-
• '^^«n, Geschichte des Gottesfriedens, Leipz. 1857. — «7. Hefde, Concil.- Geschichte,
i^>, IV, GÖ6— 671, und das. Synoden ziu* Begründang des Gottesfriedens. —
Oif.threcki, Geschichte der Kaiserzeit; ?. Aufl., H, 145, 195, 365-370, r9a, 621—
'»i!. — J. Ftkr, der Gottesfriede und die katholische Kirche des Mittelalters, pp. 128.
Aagst. 1861. — Em. Semichon, La paix et la trh)e de Dieu^ histoire des pre-
mtri deütloppements du tiers itat par Viglise et les associationa. Far. 1857,
2 idit 1859, 2 voL — Nach Giesebrecht fällt die erste grosse Friedenseinigung
in du Jahr 1031, mid die Synode von Limoges, nach Kluckhohn in das Jabr 1034,
in (Ua Jahr 1041 flUlt die grosse französische Nationalsynode, in der auch Abt Odilo
för den Gotteafrieden wirkte.
') & sollte eigentlich in Kom geweiht werden, aber der König von Aragon
Burhte die Reise dahin unmöglich.
•) Eist, Ccmposi., II, 71. — (XX, 419, Esp. sagr.) - Migne, L 170,
h 1128^1129, - E9p. eagr,, t. XXVI (Bisthum Burgos), >. 246--249.
ouM, ipu. Kii«ii«. m. 1. 7
98 Eilftes Bach. Viertes Kapitel
San- aber soll diese UebertragUDg eine bestaDdige sein'), „so dass diese
[ago n.
Merida.
^'^ °* einst 60 reiche und berühmte Stadt, welche jezt um der Sünden willen
unter dem grausamen Joche der Saracenen schmachtet, der Stadt
Compostella, als ihrer Metropole bestandig unterthan bleibe.'' So ward«
denn die Stadt der Martyrin Christi Eulalia von Emerita der Kirche
des heiligen Jacobus untergeordnet und einverleibt, und die alte Metro-
pole Emerita nicht einmal mehr als Bisthum hergestellt.
Die Sufiragane des alten Emerita, die Bischöfe von Avila, Sala-
manca und Coimbra, und die übrigen, die ehedem unter Emerita stan-
den (und deren es im. Jahre 666 eilf waren*), Idanha^ Face, Lissa-
bon, Lamego, Coria, Ossonoba, Elbora, Caliabria, und die drei obi-
gen), sollten nach ihrer Wiederherstellung unter dem Metropoliten tod
Compostella stehen, dessen Weihe hinwieder der romischen Kirche
zukommt^). Am 24. Juni 1124 sezte der Papst die Bischöfe, Mnuio
von Salamanca und Gundisalvus von Coimbra durch besondere Briefe!
von dem, was geschehen, in Eenntniss, und ermahnt sie zum Gehor-
same gegen Didacus. — Der Leztere sorgte auch dafür, dass er von
dem Könige Alfons VII. in seiner neuen Würde anerkannt werde.
§. 15.
Synode ^^^ ^^" ^^' «1*0"»^ 1125 berief Didacus eine neue Synode nach
T. 1125. Santiago. Dieselbe sollte versuchen, die Uneinigkeit zwischen Al-
fons VII. und seiner Mutter auszugleichen. Von dieser Synode haben
wir Kenntniss durch einen Brief des Didacus an die Erzbiscböfe,
Bischöfe und alle kirchlichen Vorsteher, an die Könige, Grafen und
„die übrigen Fürsten", und das ganze christliche Volk. E2r fordert
zum entschlossenen Kampfe gegen die Saracenen auf. Der Weg durch
Spanien sei viel kürzer und weniger mühsam, als der Weg nach Jeru-
salem, und bringe doch für das Jenseits dieselbe Frucht. Die also
Ausziehenden erhalten durch die Synode des 18. Januar Verzeihung
aller Sünden, die sie von der Taufe an bis heute begangen. Sie werden
von ihnen absolvirt „in der Vollmacht des allmächtigen Gottes, der
') Compostellanae B, Jacobi Ecclesiae, cuius in ea venerandissimum
corpus ^t positwn, ob ipsiua a Deo düecti apostoli reverentiam archiepiscopü'
lis cathedrae dignitatem , quam ei ad tempus concesseramua , donec Elmeritana
dvitas Christianorum dominio redderetur (was wir in dem Briefe vom 26. Fe-
bruar 1120 nicht finden), praesentis paginae auctoritaU inperpeiuum obiinendam
confirmamus,
«) K.-Q., II, 2, S. 138.
«) Histor, Compost, II, 53 (Florez, XX, 402-403, 409-^410; die Bolle
ist hier nicht nach der Zeitfolge eingereiht). •* Migne, t 163, p, 1321^1323
(nr. 270-272 der Briefe Calixt U.).
PastonÜBchreiben des Didacns, 112f>. 99
seligen Apostel Petras und Paulus und Jacobus, und der Heiligen''.
Ihre Guter werden gegen jeden Angriff geschüzt , unter den strengsten
kirchlichen Strafen. Wenn Jemand, z. B. eine Frau, die selbst nicht
in den Krieg ziehen kann, statt ihrer Streiter sendet, kommen ihr die
Früchte des Kreiizzuges zu Gute. Wer einmal den Feldzug ange-
treten hat, darf ohne Elrlaubniss der Bischöfe und Fürsten nicht
zurückkehren.
Die Sprache des Ausschreibens , das wohl durch Alfons V II. ver-
anlasst sein durfte, ist acht apostolisch. Sonder Zweifel hatte Didacus
ein Recht zu demselben. Seine Gegner aber konnten sagen, dass er
sich damit an die Stelle des Primas von ganz Spanien seze. Dass
ähnliche ungünstige Nachrichten über ihn nach Rom gebracht wurden,
das gebt aas den Briefen hervor, welche Papst Honorius II. an ihn
richtete. Die Historia Compostdlana des Didacus theilt selbst einen
Brief des Königs Alfons VII. und seiner Mutter ürraca vom Jahre 1124
mit, die sich gerade damals (vorübergehend) ausgesöhnt hatten,
des Inhalts:
„A. (Alfons) und U. (Urraca), Spaniens König und Königin, dem Reibun.
iheacrsten Herrn D., dem Erzbischof von Compostella und Legaten **j^*^*'
der heiligen (römischen) Kirche, Leben in Christus. Es wisse Eure DtdAont
Heiligkeit, dass wir durch einen unauflöslichen Nexus der Freund- "^g^*"
Schaft verbunden sind. Wir sagen aber und ermahnen Euch, dass Ihr gen'',
die Ehre der Toletanischen Kirehe, die Ihr so lange Zeit Verwirrun-
gen ansüftend zu vermindern oder zu vernichten Euch bemühtet, hin-
ibrt in keiner Weise verwirren möget^ damit nicht die erwähnte Kirche,
wis ferne sei, ihrer Würde beraubt werde" *). Didacus antwortet mit
dem Ausdrucke seiner Freude über die Freundschaft des Königs und
der Königin, deren Zwietracht bis jezt das Unglück der Armen und
adler Kirchen gewesen. Er ruft Gott zum Zeugen, dass er weder die
Herabwürdigang der Kirche von Toledo, noch einer andern wünsche.
Sie mögen doch nicht so leicht ihr Ohr den Verläumdungen seiner
BNebcnbuhler**) leihen. Wenn diese etwas Gegründetes vorbringen,
so wolle er ihrem Ungestüm Genüge leisten, d. h. sie beschwichtigen.
j,Erinnert Euch auch an Euer Versprechen, dass Ihr unsere Kirche
nie schmähen, vielmehr stets vertheidigen , erhöhen und mehren wollet.^
Wenn er aber Etwas von den Würden der römischen Kirche habe,
oder haben werde, so geschehe diess stets mit Hilfe und nach dem
Bathe der Könige. Sein Bote Suario werde Ihnen mündlich Näheres
nuttheilen. Er selbst sei bereit. Alles, was sie ihm auflegen, zu thun.
') ^e praefaJta suo Ecdesia intermissionet careat, quod ahnt, honore.
^ Ebenso nennt Jnlian von Toledo die römischen Päpste.
7»
100 Kilftea Bwk. Viote Kipitd.
§. 16.
Der erste Brief, den Didacns tod Pi^ist Honorias II. erhielt,
Tom 1. Mai 1125, ist kurz und gemessen; Didacns hatte den Priester
Bemard znr Begrüssnng des Papstes gesandt. Der Papst beschwert
sich über den Bischof von Salamanca ')• Ein anderer Gesandter des
Didacns fand den ganzen papstlichen Hof in Anfiregnng gegen Didacos,
weil seine Nebenbuhler, der Erzbischof ron Toledo, und der Bischof
▼on Coimbra daselbst sich befanden, und vieles „Erdichtete und Falsche
über Didacns dem Papste und dem ganzen Hofe mitgetheilt". Wieder
sandte Didacns andere Boten „mit seinem Segen'', welche die „Curie''
ebenso aufgeregt femden, aber doch durch vielen Schweiss und Ver-
mitdung einiger Freunde den Papst und die „ganze Curie'' beruhigten.
Sie brachten zuerst einen kurzen Brief des Papstes vom 10. Januar
DidacM 1126. Er könne jezt auf die Anliegen des Didacns nicht eingehen,
Miebto wegen vieler Geschäfte „und wegen Unsrer Neuheit". Didacus möge
T. Paprtclie Würde des Pallium, das ein Zeichen der Demuth sei, nicht miss-
riiuTii. brauchen. Andere Gesandte erlangten wieder Nichts und brachten
einen kurzen Brief vom 13. Juli, worin der Papst den Didacus wieder
zur Demuth und Bescheidenheit mahnt, und verspricht, er wolle seinen
Anklägern nicht ohne Weiteres glauben*). Wieder schrieb ihm Hono-
rius*), er möge weise^ sanftmüthig und demüthig seine eigene Person
regieren. Darüber aber, was er auf seine Bitten antworten werde,
habe er noch keinen Rath gehalten^). Um diese Zeit glaubte sich
Didacus auch über die Undankbarkeit Alfons VII. beschweren zu
sollen, doch trat, wie immer, wieder eine Annäherung ein, nachdem
Alfons VIL viel Geld von Didacus erpresst hatte. Später unterstüzte
Alfous VIL die Beschwerden und Bitten des Didacus bei dem Papste.
Didacus hatte sich mit Recht darüber beschwert, dass der Erzbischof
Pelagius von Braga den Bischof Gerardus von Coimbra geweiht hatte,
der doch Safiragan des Didacus war. Dieses verwies der Papst dem
Pelagius (im Jahre 1129), und citirte denselben auf den 13. April 1130
vor sich. Den Didacus sezt er davon in Kenntniss, erklärt aber, er
könne über dessen Ansuchen (wohl Legat des Papstes zu werden) sieb
jezt noch nicht aussprechen. Dem Könige Alfons VII. empfiehlt er
seinen Legaten, den Cardiualpriester Humbert, nach dessen Ruck-
kehr er sich erst über die Bitten schlüssig machen könne, die der
König zu Gunsten des Didacus an ihn gestellt habe.
») FUyrez, XX, 430. DoraJo, Hütona de Sal, 112.
») Florez, XX, 442 (H. C, 2, 84).
') Das Datum tat Dicht erhalten.
•) /. c, XX, 446 (II, 84).
Innocenz IL und Didacns, 1130. 101
HoDorias starb am 14. Februar 1130, nnd Didacus hatte nicht
erlangt, was er so dringend verlangt«
§. 17.
Unter Papst Innocentiiis 11. (1130 — 1143) schien wieder ein gün-
stigeres Gestirn über den Geschicken des Didacus zu leuchten. Schon am
2. Atigost 1130 antwortete ihm der Papst, und dankte ihm für die über-
sandten Geschenke. Er liebe den Didacus mit wahrer Liebe in dem
Herrn, nnd ans Ehrfurcht gegen den heiligen Apostel Jacobus, und
lüs liebe gegen Didacus wende er gern der Kirche von Compostella
Ehren zo. Seine Wünsche habe er „gemäss der Zeit seiner Neuheit'' ')
Dor) zum Theile genehmigt, und, wo eine Schrift nothwendig war,
iahm habe er apostolische Briefe gerichtet.
An demselben Tage schreibt er von Genua aus dem ehrwürdigen
Bruder, dem Erzbischofe von Compostella (aber nicht mehr römischen ^°'
I>egaien), es habe vordem die üble Gewohnheit bestanden, dass nach ^^,
dem Ableben eines Erzbischofs von Compostella die Einkünfte des P>i»t««
Bisthnms in die Kasse des Königs geflossen, und darum das Bisthum «onz ii.
lange verwaist geblieben sei. Er freue sich, dass Alfons VIT. — auf ^o"*
Betreiben des Didacus — durch ein eigenes königliches Decret diesen ^30.'
Missstand abgestellt habe, und die neue Wahl nicht verzögert werden
^olle. — Der Papst bestätigt den hierüber zwischen Didacus und dem
König geschlossenen Vertrag. Da aber die Zeit des Todes des Dida-
cos, und was auf denselben folgte, im Dunkel liegt, so wissen wir
auch nicht, ob der König seinem Versprechen treu geblieben sei. In
tioem dritten Briefe vom 2. August an die Erzbischöfe und Bischöfe
von Spanien sagt der Papst, Könige, Fürsten und andere Gläubige
haben (nr ihr Seelenheil dem heiligen Jacobus Gelübde (d. i. Ge-
^benke) geweiht, und, um sie leichter entrichten zn können, jährliche
Gaben dargebracht. Die Bischöfe mögen der Vollziehung dieser Ge-
lübde kein Hindemiss in den Weg legen, sondern nach der alten Ge-
wohnheit gestatten, dass die Entrichtung frei und ohne Beschwerde
Toüa^en werde.
Zwei weitere scharfe Briefe ergiengen an Pelagius von Braga. In
dem ersten sagt der Papst, dass Didacus sich bitter über ihn beschwere,
dass er die L4indgüter (Villas), die er von Didacus als Lehen erhal-
ten, nnd die er ihm auf Verlangen jede Stunde zurückzugeben ver-
pflichtet sei, troz vielfachen Anmahnens dennoch gewaltthätig zurück-
') pro tempore novUaUi nostrae ex parte admisimua.
102 EilftesBiidL Viertes K^iileL
behalte*). Id apostolischer Anctoritit befiehlt ihm der Papst, Alles
ohne ZögerD zoröckzageben. Er solle aach gestatten, dass ^die Ge«
lübde*^ der Gläubigen, welche in seinem Sprengel dem heiligen Jaco-
bna gewidmet seien, nach alter Sitte ohne 2jdgcm entrichtet werden.
Noch schärfer ist der Wortlaut des zweiten Briefes. Papst Ho«
norias IL habe den Pelagins wegen des Ezcesses*) und der Verach-
tang der heiligen romischen Kirche, welche er dorch die Weihe des
Bischofs von Coimbra begangen, aaf den verflossenen Vi, April nach
Rom citirt; er sei weder selbst gekommen, noch habe er seine Voll-
maehtstriiger gesandt: ^nnd weil Wir einen solchen Ezcess nicht un-
geahndet dürfen hingehen lassen, so befehlen Wir durch dieses Brere
Dir auf das Strengste, dass Du am nächsten Feste der Keinigang
Maria Uns hierüber persönlich Rede stehest^ *). So hatte denn Inno-
cenz II. „zum Theile^ die Wünsche des Didacus erfüllt; aber zu
seinem Legaten hatte er ihn nicht eingesezt. lieber weitere Synoden,
welche Didacus gehalten, schweigt seine Geschichte; er blieb Erz-
bischof, hatte aber seit dem Tode Calixt's II. aufgeholt, Legat zu sein.
§. 18.
Geg«n- Auch der Gegenpapst Anaclet IL suchte mit allem Eifer den
p»p«t Didacus für sich zu gewinnen. Schon am 10. April 1 130 ermahnt er
ci«tVi. ^^^i ^^^ heiligen Stuhle, d. h. ihm, treu zu bleiben und Boten an
tt ihn zu senden. Er erinnert ihn an die alte Freundschaft, welche Di-
* *'^"'' dacus mit seinem Vater Petrus Leoni gehabt. Er sendet ihm einen
Bericht über seine eigene Wahl (zum Gegenpapste), und über den von
seinen falschen Brüdern, d. i. den Cardinälen, hervorgerufenen Scandal.
Didacus möge diesen Bericht laut voriesen lassen, und nach allen Seiten
versenden^). — Dieser Bericht ist sehr ausfuhrlich, und ein wichtiger
Beitrag für die Geschichte des Schisma des Pseudo-Papstes Anaclet,
der aber noch wenig verwerthet ist, weil die Geschichte von Com-
postella erst im Jahre 1765 erschien, und erst in unserm Jahr-
hunderte diesseits der Pyrenäen in wenigen Exemplaren bekannt
wurde ^). Es war vorzugsweise das katholische Frankreich, wohin sich
Innocenz IL im August 1 130 begab, und der übermächtige Einfluss
^ Aber nach dem zwischen Beiden geschlossenem Vertrage (S. 92) soüte sie
ja Pelagins für seine Lebenszeit behalten dürfen.
') pro excessu.
*) Histor. Compost, III 21 "23 (ap. Florez, XX, 510-511). - Migne,
Patrol. lat, 1 170, p. 1184; 1 179, p, 68-60 (nr. 10-11 der Briefe Innocenz' II.)-
*) Bsp. aagr., XX, 612'-517.
*) H^ele, Ck>nci]ien-6eschichte, V, 863, 367.
Inuooenz II. und Didacas, 113t. 1.03
des iieiligeQ B«
BOBg enrarben.
§. 19.
Die ersten Gesandten des Didacus trafen den Papst in Genua, i>MacM
nnd übergaben ihm 40 Mark reinen Goldes. Als der Papst in ^^^^^
Frankreich weilte, schickte Didacus seine zweite Gesandtschall an ihn.
Durch diese Boten schrieb der Papst an Didacus am 16. Februar 1131
vou Cbalons sar Marne aus, welche ehrenvolle Aufnahme er in Gallien
gtfuaden. Gleichzeitig schrieb er an Payo von Braga^ der am 2. Fe-
hnur 1131 nicht erschienen war. Er habe, Schlimmeres auf das
Schlimme häufend, zu erscheinen oder Rede zu stehen sich geweigert.
Wiederholt befielt er ihm, unweigerlich am Tage des heiligen
Lacas, den 18. October, vor ihm zu erscheinen'). Mehr erlangte
Didacus auch jezt nicht, als wohlwollende Worte. — Am 19. Mai lud
iim der Papst za der Synode ein, die er am 18. October 1131 zu
Rbeims halten wollte'). Didacus erhält den Befehl, am erwähnten
Tage olme alles Weigern vor dem Papste zu erscheinen, um seine
guten Bathschläge mit denen der andern Bischöfe zu vereinigen.
Von einer Reise des Didacus nach Rbeims hören wir Nichts; es
Itbte ja immer noch sein alter Gegner Alfons, der Schlachtenlieferer,
Kömg von Aragonien, der ihm die Wege verlegte; der Seeweg war
darcb Maaren nnd andere Piraten gefahrlich. Dagegen suchte Pelagius
TOD Braga eine Aussöhnung mit ihm anzubahnen.
Am 1. März 1133 schrieb der Papst von Pisa aus dem Didacus und Dtdaeua
den Bischofen von Leon nnd Lugo, dass der Bischof von Oviedo ex- j°,f^^°
commmiicirt sei. Sie mochten für den Dienst des heiligen Petrus eifrig iiss-
besorgt sein. — Dasselbe schreibt er an die Erzbischöfe, Bischöfe und ^^^'
Aebte der Provinzen von Toledo, Bracara nnd ComposteUa^).
Im Jahre 1134 erhielt Didacus durch einen Zufall an demselben
Tage Briefe des Papstes Innocenz IL, der in Pisa weilte, und des
CegeDpapstes. Der erstere schrieb am 3. Mai 1134, er sei nach dem
Wegzüge des Kaisers Lothar noch eine Zeitlang in Rom geblieben,
^0 sei er wieder nach Pisa gegangen, damit seine Mitbrüder einen
leichten und sichereren Zutritt zu ihm fänden. Er wundere sich aber,
Otts ihm Didacus über seine Lage und den Zustand seiner Kirche so
l^e keine Nachricht gegeben. Er möge seine Liebe zu der Kirche
durch Werke an den Tag legen.
') Esp.$agr., XX, 521^522. - Migne, P. L, t 179, p. 76.
•) l' c, XX, 525.
*) Bia. Camp., III, 30 (Fhrez, XX, 529)\ - Migne, P. UU., t. 179,
P tU-^m (or. 129-130 der Briefe Innocenz* II.).
104 Eilftes Bach. Viertes Kapitel.
i>«r Anaclet IL aber klagt, dass er dem Didacus schon häufig ge-
papaT schrieben, von ihm aber nie mit einem Briefe oder einer Gesandtschaft
bedacht worden sei. Der Häresiarch G. (Innocenz II., vorher Gregor.)
habe schimpflich aus Rom fliehen müssen, und verstecke sich jezt in
Pisa, während Er von den Huldigungen , des Klerus und Volkes um-
geben, ruhig, friedsam, ehrenvoll und gottergeben lebe; er gedenke
seine Gegner aus dem Schoosse der Kirche gründlich zu entwurzeln.
Didacus möge ihm dafür Gott danken helfen und ihm jezt sogleich
schreiben, und häufig Boten und Briefe senden, damit es nicht scheine,
dass er (Anaclet) mehr liebe als geliebt werde ^).
Die „Geschichte" von Compostella theilt diese Briefe ohne Be-
merkung mit. Didacus hüllte sich, wie es scheint, gegenüber diesen
Briefen in undurchdringliches Stillschweigen ein. Von dem Gegenpapst
wollte er Nichts; von dem Papste erlangte er nicht, was er wollte
— die Legation, und sie wäre auch jezt in der Kirchenprovinz von
Braga, das ist in Portugal, undurchführbar gewesen^ dem Didacus aber
hätte es nicht genügt, Legat bloss in seiner Provinz zu sein. — Noch
Didacus am 27. December 1V65 schrieb ihm Innocenz 11. von Pisa aus, der
heilige Stuhl raube andern Kirchen ihre Ehren nicht, wolle aber selbst
der seinigen nicht beraubt werden. Der Bischof von Leon sei exemt;
weil er nur unter dem Papst stehe, so dürfe nur der Papst ihn con-
secriren. Weil der Erzbischof Raymund von Toledo ohne Vollmacht
den Bischof Arias von Leon (1130 — f 1135) geweiht habe, so sei
er suspendirt worden, und Arias habe sein Amt in die Hände des
Papstes zurückgegeben. Darum solle Didacus jezt auch darauf ver-
zichten, den neuen Bischof von Leon (Petrus IL, Anayaz) zu weihen^).
Der Verkehr mit Rom kam in's Stocken. Grosse Heimsuchan-
gen trafen den Didacus in den lezten Jahren seines Lebens*); die
„Geschichte von Compostella^ schliesst mit dem Jahre 1139, und be-
richtet nicht mehr über den Tod des Didacus.
im Jahre
1135.
') Esp. sagr., XX, 549-651. — Hut Comp., III, 38. — Migne. t 179,
203 (nr. 155 der Briefe Innocenz' II.).
•) Aequanimtter ergo f erat tua fratemitas, st hujusmodi difficuUatibus
jiu B. Petri minuendo materiam ministrare non volumus. Wer nnn den Bischof
Petras geweiht, darüber schweigt sowohl die Historia Compost. (L c. p. 666), »^
M. Bisco in der Geschichte der Bischöfe von Leon (Esp, sagr., t 36, 191). Am
8. Februar 1136 heisst Petras noch y^elechis^, ebenso am 9. April; am 2. October
war er schon geweiht.
^) 8. 8. 33.
Die Yer&uer der «Geschichte von Compostella". 105
§. 20.
Diese j^Geschichte" ist die Hauptquelle für die Kenntniss der
Ereignisse in Spanien in den Jahren 1100 bis 1139. Sie ist ein Werk
Too QDschizbarem Werthe. Hätte Didacus auch sonst Nichts veran-
hsst oder faerrorgerufen, als diese Schrift, so gebohrte ihm der Dank
aller Zeiten. Erst Florez veranstaltete die bis jezt erste Ausgabe dieses
Wffkes im Jahre 1765, im zwanzigsten Bande seines „heiligen Spa-
oiens*' *). Das Werk hatte drei Ver&sser, deren zwei zuerst Cardinäle oder
Kananiker Ton Santiago waren, nachher aber Bischöfe in der Nähe des Di-
dacus wurden. Die Veriasser sind Munio, Hugo und Gerardas. Munio
oder Nono Alfonso war Schazmeister der Kirche von Compostella, wurde
im Jahre 1112 Bischof von Mindonium, dessen Siz unter ihm nach
ViUamayor de Brea verlegt wurde, und der am 26. Juni 1136 starb,
wenigstens drei Jahre vor Didacus. Er gilt als der erste Verfasser
des Werkes. £r begann dasselbe zu der Zeit, als er Canonicus von Sant- nie
iago war, oder schrieb das erste Buch bis zum Jahre 1112. Hugo ''."^'
. . r • j • * ^ na Cbm-
arbeitete mit ihm an dem Werke; er war Archidiakon, Franzose poita-
Ton Geburt, und wurde um 1113 Bischof von Oporto. Das Werk '''™*"'
xerfällt in drei Bucher. Das erste handelt von Didacus, dem Bischöfe,
in 117 Kapiteln. Das zweite handelt von Didacus, dem Erzbischofe,
ia 91 Kapiteln , und geht bis zum Jahre 1128. — In der Vorrede zum
zweiten Buche sagt der dritte Verfasser, Gerardus, anredend den Di-
dacoa: „Den Mahnungen Deiner Heiligkeit Gehör gebend, o ehrwür-
digster Vater Didacus und Stellvertreter des heiligen Jacobus, haben
wir zum Theil das vorstehende (erste) Buch schreiben helfen. Das
Vorhergehende aber in diesem Buche hatten Munio und Hugo, die
Bischöfe von Mindonium und Portucale, die klugen und ehrwürdigen
Männer, geschrieben. Sofort werden wir beschreiben, wie diese apo-
stolische Kirche, mit der Hilfe Gottes und Eurer Energie eine Metro-
pole geworden, wie Ihr dieselbe in allen Stücken erhöhtet, und gegen
die wathendsten über sie hereinbrechenden Stürme sie vertheidiget
habet Der Verfasser sagt darauf im ersten Kapitel, in frühem Zeiten
hätten sich die Bischöfe von Spanien Nichts um Rom gekümmert.
JSpanien nahm das Toletanische, nicht das Komische Gesez an'^*).
') Nebstdem liegt ein Nachdruck in 1 170 der Patrologia latina von Migne
vor, wodurch das Werk weiteren Kreisen zugänglich geworden ist. Eine zweite
AMgibe des H. Ftorez ist vom Jahre 1791.
*) NuUfts equidem Hispanarum Episcopus Sandae Romanae Ecclesiae
^^o^ wntrae »ermiii aui obedientiae quidquam tunc reddeboi. Hüpania To-
y^nam, mm Romanam legem recipiebat Mit diesen Worten befinden wir uns
itt wnderbarem Einverstfndnisse, dagegen immer noeh in Dissonanz mit den Ka-
106 Eilftes Bach. Viertes Kapitel.
Gerar- f^rst Unter Alfons VI. habe man die Verbindung mit Rom auf-
Kaooni. gGSucht, In Santiago aber habe man früher besonders dadurch gefehlt,
^*^' dass man sich zu sehr auf gleichen Fuss mit der romischen Kirche
gesezt'), und dieser genau nur so viele Ehre erweisen wollte, als die
römische Kirche der Kirche des heiligen Jacobus Ehre erweise. Bis
zum heutigen Tage habe das in Rom wachgerufene Misstranen der
Kirche des heiligen Jacobus viel geschadet. — Der gefährlichen An-
schauung der gleichen Stellung beider Kirchen sind wir schon zu
Zeiten des Abtes Cäsarius von Monserrat begegnet, und Didacus selbst
bot seinen zahlreichen Gegnern manche Blossen dar, auf die sie in
Rom hinweisen honnten. Er führte unter andern 72 Kanoniker ein^.
Im Jahre 1118 wurde Giräldus, „Canonicus der Kirche des hei-
ligen Jacobus, welcher dieses Buch geschrieben^, zu dem Papst Ge-
lasius II. gesandt, um das Erzbisthum für Didacus zu erbitten^. Da*
mals war es dem Gerardus nicht gelungen, den Weg durch das Konig-
reich Aragonien zurückzulegen, weil ihm alle Pässe versperrt waren.
Im Jahre 1118 heisst er „didascalvs^ , im Jahre 1122 wird er „ma-
gister^ genannt^). — Er begann sein drittes Buch der Geschichte von
Compostella mit dem Jahre 1128, und erzählt besonders die Verdienste
des Didacus um die Fortsezung und Vollendung seiner neuen Kathe-
drale. Das Werk, das zum grössten Theile er verfasst, reicht bis zur
Fasten des Jahres 1138, und berichtet zulezt, dass Didacus, wie die
übrigen Bischöfe Spaniens zu der römischen Lateransynode im Jahre 1 139
durch den Legaten des Papstes, den Bischof von Leictoure, eingeladen
wurde. — Man vermuthet, dass der Verfasser durch seinen Tod an
der Fortsezung des Werkes bis zum Ableben des Didacus verhindert
worden, welcher zum lezten Mal am 17. April 1139 in einer Urkunde
vorkommt*).
tholikea in and ausser Spanien, welche von den schismatischen Tendenzen des alten
Toledo Nichts wissen. Darin eben besteht die eine Seite der wahrhaft grossartigen
Wirksamkeit des Didacus, dass er, wenn auch nicht immer mit den rechten Mitteln,
das neue Toledo hinderte, in die Wege des alten Toledo einzulenken.
*) Nicht auch unter Didacus?
*) Oonstituit Canonicos septuaginta duos. II, 2.
') Ego Oerardua, Canonictis, qui prioribus negotiis interfui^ et hujus pa-
giruie aeriem contexui, Papam Oelasium causa Archiepiscopalem adipiscendi
dignüaUm adiremua. II, 6,
*) II, 6; 56, 3.
') Florez, von dem wir die bis jezt aasführlicbste Biographie des Didacus be*
sizen (Esp. sagr., t XIX, 2 edto., 1792, p, 215-328), ssgt: ^Yo sospeeho que
faüecio primero el Eacrüor Oiraldo: puea no parece ereible,^ que ai huoiera ao-
brevivido el Heroe de au Hiatoria, omitieae la muerte (l. c, p. 327). — l>aa
Chronicon Irienae reicht bis zum Tode der Königin Urraca, und fügt bloM die
Namen der (10) ersten Erzbischöfe hinzu, z. B.:
Nachfolger des Didacas. 107
Didacos war seit 1127 auch erster Kaplan des Königs, und erster
Notar des KoDigp!«ichs Leon, welche Titel seine Nachfolger beibehiel-
ten. Er wnrde erwählt am 1. Juli 1100, geweiht am 21. April 1101,
aod starb wahrscheinlich im Jahre 1140 (?).
§. 21.
Ilim folgte Berengar L, ein Galizier, Kanzler des Königs, vorher e»-
Bischof Ton Salamanca. In dieser Zeit wird Bemard de Angino (von ^^"^^^^
Bor6ii'
Agra?) als bloss „gewählter Bischof" genannt, der im März 1153 ge- gar.
Etorben sein soll. — Die Geschichte der Erzbischofe von Compostella
nach dem Tode des Didacus liegt so sehr im Dunkeln, dass Florez
den Versuch anfgegeben hat, diese Geschichte fortzusezen. — Er und
Mmael Sisco haben die Keihenfolge der Bischöfe von Oporto, Orense,
Tay, Mondonedo, Lugo, Astorga, Leon, Oviedo gegeben. Die Ge-
schichte des Bisthums Salamanca schrieb Dorado (1777), die des Erzbis-
thoms Braga schrieb .Contador de Argote (1732 — 1747). Als ich für
mein Werk „Reihenfolge der Bischöfe der katholischen Kirche'^ mich
um eine zuverlässigere „Series^ der Erzbischofe von Santiago im
Jahre 1863 umsah, wurde von Compostella aus geantwortet, dass die
dortigen Archive fast zerstört seien.
Fönf Jahre spater erschien das Werk des Canonicus Zepedano, zepe.
nber die Kathedrale von Compostella, und in demselben auch ein ^^'''
Katalog der Bischöfe und Erzbischofe von Santiago seit dem Jahre 829 —
^ oder seit der Zeit der Entdeckung des Leibes des heiligen Jaco-
bos*), ein Katalog, der aber auf diplomatische Genauigkeit keinen
Aoaproch erheben kann*).
Berengar trat, nach Zepedano, im Jahre 1140 ein, und starb j^^^^^.
IUI, ohne ein Jahr regiert zu haben. Petrus Eliae (Elias) stammte e*"^ i-
ans Compostella, und war Decan der Kathedrale. Am 6. Juni 1 141 EUae/
Primua Ärchiepücapus Didacus.
Seamdus Berengarius.
*) Higtoria y deseripcion arqueologica de la Basüica Compostüana, per
^ Dodor D. Josi Maria Zepedano y Camero, Dignidad de Ärcediacono de-
^ miiwa. Lätgo 1870, p. 237—279.
*) Zepedano lisst z. B. den Didacas ohne Beweis im Jahre 1140 sterben,
vul liast den Berengar in demselben Jahre ihm nachfolgen , während diess nach
te grfiadKehen Dorado erst 1151 geschah. Doch lassen wir die Keihenfolge der
EnbittkOfe nach Zepedano fofgen , da es zur Zeit einen andern Aactor nicht giebt.
£r Klbst folgte dem Canonicas Josef Yalcarce, welcher im Jahre 1783 einen Eata-
^ der EnbischOfe Ton Santiago verfasste. Ich stelle es den Besizem meiner
fSeiui tpiMcoporum* anheim, nach Valcarce-Zepedano meinen eigenen sehr mangel-
MoiEstalog so oorrigiren. Ich hatte nur Oil Gonzalez DavUa^ Tamc^o-Sa'
^^^t «nd die ^Chga*' Tom Jahre 1847 zu meinen Fahrern.
nez.
108 Eilftes Buch. Viertes Kapitel.
bestätigte ihn Alfons VII. in den Titeln eines OberciCpIans und ersten
Notars. — Als die Kaiserin Berengaria am 8. März 1 149 gestorben
war, so brachte er ihren Leichnam zum Begräbniss in die Kirche des
Apostels. Er trat ein im Jahre 1141, und starb im November 1149.
Ber- Befnard I. ans Cordeiro in demselben Erzbisthum nahm Besiz
' im Jahre 1150. Er legte auf Betreiben Alfons VII. den seit Didacus
schwebenden Streit mit dem Kloster Antealtares bei. Er starb im
Peu- März des Jahres 1152. — Ihm folgte Pelagius Raymundus L (Caraun-
'"* ' dus) im Jahre 1153, wohnte der Synode von Valladolid im Jahre 1155
an, und starb im folgenden Jahre. Er befahl, dass alle Aebtc und
Prioren des Erzbisthnms am Hauptfeste und am Feste der UebertragUDg
des heiligen Jacobus der Matutin anzuwohnen hätten*).
Martin. Martintis Martinez war der sechste Nachfolger des Didacus .in
*"•'*•• wenigen Jahren, seit 1156, welchen König Ferdinand IL von Leon
als seinen Kaplan und Notar bestätigte, aber nach vier Jahren von
seinem Size vertrieb; er starb im Jahre 1178. Mehr sagt der „Car-
dinal^ und Canonicus J. Valcarce (im Jahre 1783) nicht von ihm.
Petina Petvus Gudcstcus trat zu seinen Lebzeiten um 1160 ein. Da er
GudM- aber, nach der Vermuthung des Floren'), im Jahre 1167 noch Bischof
von Mindonium war, so dürfte das Jahr 1160 als dais seines Eintritts
nicht das richtige sein. Florez versprach, die^e Sache in seinem neun-
zehnten Bande, in der Geschichte des Erzbisthums Santiago, näher zu
untersuchen, aber die schwere Aufgabe schreckte ihn zurück, und
hundert Jahre später (1765—1865) befinden wir uns in der Lage,
Nichts zu wissen. Zwischen Mai*tinus und Petrus aber war, nach dem
Ferd. Anhang der Geschichte von Compostella, ein Ferdinand Cortes, zwar
CorteB. erwählt, aber nie bestätigt. Er war ein Galizier. Der König schenkt«
ihm die Villa Ciudad Kodrigo mit der Vollmacht, stets den Bischof
für diese Stadt zu wählen. Alezander III. aber bestätigte dieses Bis-
thum erst am 25. Mai 1175^), nachdem der (erste?) Bischof Petras
schon unbefugter Weise von dem Erzbischof von Santiago geweiht
worden , ohne Auftrag oder Genehmigung des Papstes. Aus der Bulle
ist ersichtlich, dass Santiago im Jahre 1175 einen Erzbischof hatte,
dessen Name aber nicht genannt wird*).
Nach Valcarce regierte Ferdinand nicht zwei Jahre, und starb,
ohne geweiht zu sein, im Jahre 1161. Er also kann weder obigefi
') para cantar los maüines,
•) Bsp, aagr^i t 18, p. 133, 2 edic.
») K.-G. III, 1, S. 60.
*) Die Bulle hat zuerst Rom. Escahna Historia de Sahagun, Madr, 1782,
foL, mitgetheilt, S. 549—551. — Daraus h^XJaffi sein Regestum nr. 8d(>3 entoommen,
welches M. Migne (P, l, L 200, Briefe Alexander's III.) nr. 1180) einiach abdrackt
Nachfolger des Didactu. 109
[iam yom KoDig erhalten, noch den ersten Bischof von Ciudad
geweiht haben. — Vielleicht kehrte Martin Martinez nach dem
Tode des Ferdinand an seinen Siz zarück, starb im Jahre 11C8, und
hatte jezt erst zu seinem Nachfolger den Petras Gndesteus, der im
Jahre 1168 tod Mindoniam hieher versezt wurde. Auch er war vorher
^Cardinal^ von Compostella und Prior von Sar gewesen. Konig Fer-
dinand U. schenkte ihm zum Ersaz für die schweren Wunden, die er
der Kirche des heiligen Jacobus geschlagen, das Gebiet von Deza.
Am 12. Februar 1170 schloss dieser Prälat im Einverständnisse
nut seinem Capitel eine Verbrüderung mit dem ersten Meister des
Ordens von Santiago'). Dieser Orden sollte die Hälfte der j^^ota^j
d. L der Schenkungen erhalten, in deren Besiz das Erzbisthum in Za-
mora, Salamanca, Ciudad Rodrigo, Avila und Albuquerque käme.
Zugleich übex^b der Erzbischof dem Orden eine Standarte oder Kriegs-
fidme*) des Apostels, zum 2ieichen der Dankbarkeit und der Vereini-
gong, welche Standarte derselbe fiir diesen Zweck herstellen liess und
einsegnete. — Die Urkunde besiegelten der Erzbischof, der Decan,
zwei Archidiakone, zwei „Cardinäle^, der Cantor und zwei Kanoniker,
deren einer Secretär des Erzbischofs war. Daher datirt die Verbrü-
derung*) zwischen der Kirche von Compostella, und den Rittern von Buiia-
dem Gewände des heiligen Jacobus^). Petrus, der im Jahre 116&"""^*
eingetreten, starb im Jahre 1172, nach Andern starb er im Februar 1176. Jacobi.
Petras Suarez von Deza ist nach der „Geschichte von Compo- Petnu
Stella* der nennte Erzbischof. Er war vorher Bischof von Salamanca ^"■'«'*
gewesen, nnd trat ein im Jahre 1173, nach Andern 1176. Zu seiner
Zttt wurde die Säulenhalle, genannt de la „Oloria'% vollendet. Der
König Ferdinand wurde seinem Wunsche gemäss in der Basilica des
bdiigen Jacobus beigesezt, von dort wieder weggenommen, auf
die Vorstellung des Erzbischofs aber zurückgestellt. Petrus starb im
Mre 1:^06.
Petrus Muniz war der zehnte Erzbischof, heisst aber zugleich Pdtnu
der vierte, d. i. welcher den Namen Petrus trug*). Er stammte aus ^'"°°*"*
2). Felix de Brion im Erzbisthume, und war vorher Bischof von Leon.
£r trat ein im Jahre 1207; er weihte die Kathedrale am 21. April
1211. Er starb am 25. Januar 1224, und hat eine im Jahre 1774
') Carla de canfiratemidad y donacicyn.
*) El Estandarte del Äpostol
^ la hermandad.
*) los CäbaUeros del Hahito de Santiago,
*) Nowae Peirue Muniz, qui est quartus Petrus (append, ad hisior. Comp.).
du II,
110 Eflfites Bach. Viertes EApitol. — Nachfolger des Didacos.
erneuerte Inschrift über seinem Grabe*). — Falsch scheint zu sein,
was R. Gonzaga in seinem Werke von dem |,Ursprange der seraphi-
schen Beligion^ über ihn sagt, er sei wegen Necromantie vom Papste
abgesezty und in die Einsiedelei von S. Lorenzo eingesperrt worden.
Damach wird ihm ein Pelagins Raimund zum Nachfolger gegeben , der
im Jahre 1214 gestorben sein soll. Aber nach unsrer Quelle, dem
Anhang der „Geschichte von Compostella^, folgte ihm unmittelbar
Barsar. Bernordus IL Dieselbe Quelle nennt ihn den „zweiten'', lasst
aber keinen andern Bernhard vorangehen. Sie fuhrt demnach indirect
den erwählten, aber nicht bestätigten Bernhard von Angino ein, den
sie nicht erwähnt hatte. Da Ferdinand III., der die Reiche von Ca-
stilien und Leon wieder vereinigte, den Abt Joannes von Valladolid
zu seinem Ejinzler erwählte, so beschwerte sich Bernard U., das3
diese Würde den Erzbischofen von Santiago entzogen werde; doch
händigte er dem Johannes die Siegel des Kanzleramtes ein, damit er
in seinem Namen Kanzler sei. Er trat ein im Jahre 1225, und ent-
sagte seinem Amte am 13. September 1237. Er zog sich in das
Kloster von Sar zurück, wo er Bin 20. November 1248 im Gerüche
der Heiligkeit starb. Im Jahre 1711 fand man seinen Körper unver-
sehrt, und seine Kleider ganz erhalten, nach einer Untersuchung,
welche der Erzbischof Anton. Monroy veranstaltete.
Sein Nachfolger Johann. Arias I., Archidiakon von Comado, hielt
ein Provinzialconcil, erliess Statuten, und vereinigte mit jedem ,)Car-
dinalat^ ein Kanonikat. Er trat ein im Jahre 1238, und starb in dem
festen Schlosse la Rocha, dessen Herr er war, am 2. Mai 1266*).
*) CompoateUanus Praesid Petrus IV. fuiati, welche das MiasverstSDdniaB
erklärt, dass er der vierte Erzbischof gewesen.
*) Oil Gonzalez Davüa, Teatro de las JgUaias de Espana, t L — Ze-
pedano, p. 245—250,
Fünftes Kapitel.
Der Bnblschof Don Rodrigo Xlmenes von Toledo und seine
Mt — Schlacht Ton las Navas de Tolosa (1212).
§. 1.
Das dreizehnte Jahrhundert ist auch für Staat und Kirche in
Spanien eine Zeit des Aufschwungs und grosser Ereignisse. In seinem
Anfuige wurde die entscheidende Schlacht gewonnen, welche die Ueber-
Dtacht der Maaren für alle Zeit brach ^ und die ersten Universitäten in
Spanien gerundet In seinen Verlauf fallen die grossen Eroberungen
Ferdinand des Heiligen und des Don Jaime von Aragon, die Gesez-
lächer Alfons XI. und die Gesezessammlung von Aragon; die histori-
Kben Arbeiten oder Chroniken der beiden Eonige von Aragon und
Cistilien, die Schriften des Lucas von Tude, die philosophischen Werke
des Raymundos LuUus und so manches Andere; die Gründung und
Verbreitang der grossen Bettelorden, für Spanien besonders des Ordens
der Mercedarier.
Im Anfange dieses Jahrhunderts erscheint Don Rodrigo Ximenez
de Rada') an der Spize der Kirche von Spanien, an der Seite des
Königs Alfons VIII., als einer der hervorragendsten Männer seiner Zeit
in Spanien wie im Auslande anerkannt. Er war neben dem Könige
Alfons Vm. unstreitig die erste Persönlichkeit im Reiche. Er stammte
&Q8 Navarra, aus der Familie der Rada, welches kleine Land von
jeher Spanien die grossten Männer geschenkt hatte, und wurde um
das Jahr 1180 geboren. Seine Eltern waren Don Rodrigo ä Jimen
') Bodericut Ximenes de Radau — Zu Puente la Reina, das sich rühmt,
Min Geburtsort sa sein, wurde j&hriich der 16. Jnli festlich begangen, als der
Jahrestag des Sieges von las Navas de Tolosa, an dem Boderich so grossen An*
tfaeQ hatte.
112 Eilftes Buch. FQnftes Kapitel.
Perez de Rada, und Dona Eva de Finojosa, Schwester des seligen
5. Martin, ersten Abtes des Klosters von Hnerta, später Bischofs von
Siguenza^). Seine Eltern besassen einige Lehen und Guter in Na-
varra und in Castilien, dort die Villa Cadreita, hier Besizungen im
Gebiete von Soria. Deswegen wurde Don Rodrigo zugleich als Na-
varese und Castilianer betrachtet:
Mater Navarra, nutrix Castdla^ lautet seine Grabschrift; geboren
EiBie. igt er in Navarra, erzogen und gebildet in Castilien. Nach der Sitte
DwfRo-der Vornehmen seiner Zeit hatte er die Höfe von Polen und Paris
drigo. besucht; hier studirte er am Anfang des dreizehnten Jahrhunderts. Als
Studircnder zu Paris stellte derselbe ein Testament, eine Urkunde der
Vermächtnisse seiner Güter im Falle seines Ablebens, aus.
Um dieselbe Zeit gründete Alfons VIII., König von Castilien, die
Universität zu Salamanca. Der Beginn der Universität Palentia wird
von den Einen in die Jahre 1211 — 1246 gesezt, während Andere an-
nehmen, sie habe schon früher bestanden, und Alfons VIII. sei durch
die Blüthe derselben, welche zum Königreich Aragonien gehörte, zur
Gründung der Universität Salamanca veranlasst worden.
DonBo- Ximenes wusste sich alle Wissenschäften, die damals gelehrt
^^^j^^ wurden, eigen zu machen, und er besass ein solches Sprachentalent,
dass er fast alle Idiome Europa's innehatte. Durch diese Sprachen-
keuntniss soll er auf der vierten Lateransynode Gegenstand der Be-
wunderung Aller geworden sein. Neben dem Lateinischen verstand er
auch das Griechische. Er stand im Verkehre mit den gelehrtesten
Männern seiner Zeit.
§. 2.
Zur Zeit seiner Rückkehr wütheten Bürgerkriege zwischen den
christlichen Staaten Spaniens. Die Reiche Leon, Castilien und Navarrn
lagen im Kampfe gegen einander, grossentheils eine Folge der falschen
Politik des Königs Alfons IX. von Leon. Wie von Gott gesandt trat
der junge Ximenes als ein Engel des Friedens zwischen die kämpfen-
den Könige. Seiner klugen Energie, seiner überwältigenden Geistes-
kraft gelaug CS, die drei Könige mit einander auszusöhnen, welche
sich in seiner Person, als dem Schiedsrichter in ihren Streitigkeiteo,
vereinigten. Durch seine Vermittlung wurde im Jahre 1206 zu Gua-
dalaxara der Friede zwischen den drei Königen unterzeichnet. — Am
6. Mai 1206 wurde Pelagius Galvanus (Calvaiio)^ ein geborner Spa*
nier, als Cardinal- Diakon von Innocenz IIL ernannt. Im Jahre 1211
') Fray Martin wordo erwählt gegen Endo des Jahres li9!, dankte um 1193
ab, und starb im Jahre 1213.
Don Bodrigo, Vermittler des Friedens 113
wurde er Bischof von Albano, und. war später päpstlicher Legat bei
dem Kreozznge, dessen Reealtat die Eroberung von Damiette war^).
V<»' dem Jahre 1208 schlössen die Könige Alfons VIII. und AI-
foos IX. Ton Castilien und Leon noch einen Separatfrieden unter sich;
es erhellt nicht, ob Don Rodrigo bei diesem Werke betheiligt war.
Am 30. Dec. 1207 starb der Bischof Didacua de Aceves von Osma,
liekaDüt in der Earchengeschichte besonders dadurch, dass er mit dem
heiligen Dominicas in Südfrankreich muthig gegen die fanatischen Al-
bigeDser gepredigt und gewirkt hatte. — König Alfons VIII. empfahl
dem Capitel Ton Osma, den Don Rodrigo zum Bischof zu wählen, d. ro-
Duo Kodrif^o beaass bedeutende Güter in diesem Bisthum ; sein Oheim if'^\
. ^ ^ , Bischof
ai>er. der firuhere Bischof Martin von Finojosa, lebte noch in dem be- ▼.osm«,
nichbarten Huerta, und leuchtete in dem Glänze aller Tugenden •). Kein **<*"®*-
Wooder denn, dass die Wahl des Don Rodrigo auf kein Binder*
üiBi stiess').
Don Rodrigo wurde vor dem 28. Juli 1208 erwählt; an diesem
T«ige unterschreibt er als erwählter Bischof in einer von Alfons VIII.
^Hingestellten Urkunde über die Festsezung der Grenzen zwischen Se-
goria und Madrid. Lezteres war schon eine bedeutende y^Villa" um
das Jahr lOSö^). Am 23. September 1208 unterschreibt Don Rodrigo^)
*] Twnc missus est a Sede Romana nobilis et prudens Cardinalis Petrus
Epiicopus Albanensis Hispanus natione, qui factus dttx Cruce signatorum,
ntitaiem Damiatam cum thesauris inumerabililnis cepit, — Pelagios ist der
<nte römisishe Cardinal spanischer Nation , von dem man Eenntniss hat. — Es giebt
zfthiraehe Werke Aber die Cardinäle überhaupt, und über die Cardinäle der einzel-
Ko Under. Ueber die spanischen Cardinäle ist uns ein specielles Werk nicht
(icboQt; doch sind sie von einigen Schriftstellern im Anhang za andern Werken
cisammGQgestellt. Die neueste Sammlung steht bei Vicente de la Fnente y als Anhang
io Tiertfn Bande seiner Kirchengeschichte Yon Spanien, 1858. Von demselben Ver-
imer lU das nns vorliegende ^Elogio* des Erzbischofs Don Rodrigo, Madr. 1862.
- Dasselbe tfaeiit mehrere Ballen des Papstes Honorias III. zum ersten Male mit,
welche bei Potthast nicht registrirt sind, weil kleinere spanische Schriften dieser
Art nicht io den Bachhandel kommen.
*) c/. fiber ihn Vicente de la Fuente, l. c, apend. nr. 2—3, p, 39—48.
') Loperraez CorvcUon, Descripcion historica del Obispado de Osma,
Madr. 1788, t I, p. 195 sq.
'} Diego de Colmenares, Hisioria de la ciudad de Segovia, Seg. 1637 ^
(dp. 19. — Madrid hiess bis anf die neueste Zeit nie „ctud^d", sondern immer
.Villa* oder Ja Corte*, der Hof. c/. Jos. Amador de los Bios, Eistoria de la
y^lla y Corte de Madrid, Madr. 1861; fol.
^ Burriel, 8. </., Memorias para la vida del Santo Rey D. Fernando^
dadas a Iva por D. Miguel de Manuel Rodriguez. Madrid 1800, ap. Ibarra^
1 1^ 2*., p, 233.
Gtw, tpu. Kirche. Ul. 1. Ö
Ton
Toledo
114 Eilftes Buch. Fünftes Kapitel.
das zu Burgos ausgestellte (zweite) Testament Alfons VIII. als er-
wählter Bischof von Osma ').
D. Ro- Am vorhergehenden 28. August 1208 war der Erzbischof Martin
B*^^ Lopez von Toledo gestorben. Auf Anrathen des Königs wählte das
biichof Capitel von Toledo den Don Rodrigo zum Erzbischof, wacher die
Bischofsweihe noch nicht erhalten, und das Bisthum Osma noch nicht
angetreten hatte. Das Capitel sandte zwei seiner Mitglieder nach
Kom, und Hess durch sie um Bestätigung des Erwählten nachsuchen.
Innocentius III. schreibt am 27. Februar 1209 an die Suf&agane der
Kirche von Toledo, dass der Decan (und) Meister der Schulen, R. £.
und I., die Kanoniker der Kirche von Toledo, gekommen und ihm
mitgetheilt haben ^), dass nach dem Tode des Erzbischofs M. (Mar-
tinus) das Capitel einstimmig einigen Kanonikern ans seiner Mitte die
Wahl anvertraut habe, und dass diese „den geliebten Sohn'', den er-
besuiugt wählten Bischof für Osma, einmüthig auf dem Wege der Postulation
In Rona, ^g Erzbischof von iToledo erwählt haben. Dazu sei die Bitte des
tT.Fobr.
1209. Königs Alfons VIII., die Bitte der Suffragane und einiger „Religiösen^
um Bestätigung hinzugetreten, welche den Erwählten wegen seiner
Wissenschaft, Klugheit und Ehrbarkeit der Sitten gar sehr empfahlen^.
Der Papst hoffe, dass seine Wahl nicht bloss der Kirche von Toledo,
sondern auch der ganzen Provinz nüzlich sein werde, er lose das Band^
mit dem er an die Eürche von Osma gebunden sei, er bestätige ihn
aus apostolischem Wohlwollen, und befehle ihm, ohne Verzug die
Regierung der Kirche von Toledo anzutreten, auch solle er zur geeigneten
Zeit von einem seiner Suffragane die Priesterweihe erhalten^).
Noch in einer Schenkungsurkunde des Königs vom 5. April 1209
unterzeichnet Don Rodrigo, an der Spize aller Bischöfe: „Rodericus,
der Erwählte des Sizes von Toledo, tier Primas der spanischen Liande^^).
Am 1. März 1210 richtete der Papst zwei Breven, das eine an
das Capitel, das andere an den Decan der Kirche von Toledo, in einer
untergeordneten Angelegenheit. Schon am 4. März 1210 bestätigt er
*) Rodericus Oxomensis Electus conf. — Neben ihm waren TeUins von
Palentia nnd Garcias von Cnen^a „erwählte*" Bischöfe.
*) nostro apostokUui reserarutU.
*) quorumdam religiosorum, qui de litteraiura, prudentia et fumesfate
morum ipsum multipliciter commendalant.
^) a5 aliquo vestrum opportuno tempore in Presbyterum ordinandus,
Innocenz III. war selbst am 21. Febniar 1198 zum Priester ordinirt, am 22. conse-
erirt worden. Die Bulle befindet sich im Archive der Kirche von Toledo, ist ab-
gedrockt bei Loperra^z, t. IIJ, docum. S6, (PottJiast, t I, nr. 3680), und nach
«hier neuen Abachrift dea P. Burriel bei Vicente de la Fuente, apendice nr. VI,
p. A1^62.
*) Burriel (Mig, ds Manuel Rodriguez), Memcriaa etc., p, 280,
Don Bodrigo in Rom von 1210—1211. 116
den Boderich in der Würde eines Primas über die Königreiche Spa-
nieos. Damit trat die Primatialfrage wieder für eine Reihe von Jahren
io den Vordergnind'). Zugleich hängt diese Frage auf das Innigste
mit der Anwesenheit des Don Rodrigo in Rom zusammen. Der Papst
wendet sidi in seiner Bulle persönlich an diesen, und sagt, er habe die
Temdnftigen Bitten dessen erhört, den er mit wahrer Liebe in Christus
omfaDge. Nach dem Vorgange der Päpste Urban's II., Gelasius', Ca-
lixtas", Honorins', Eugen's, Adrian'», Alexander's I., Alexander's II.,
Alexander's HI.*), Urban's III. und Cölestin's (III.) übertrage er ihm
die Würde des Primats in den Königreichen von Spanien kraft aposto- i>ie pH-
Itächer Vollmacht. Die Bischöfe von Spanien mögen als ihren Primas "^^i^'
ihn merkennen, nnd streitige Fragen vor ihn bringen. Complutum emon-
ood Caen^ sollen Toledo unterthänig sein, sowie alle die Kirchen,
die nach altem Rechte unter Toledo gestanden. Er bestätigt ihn als
Uetropoliten der Bisthümer Palentia, Segovia, Osma, Segontia^, so-
vie derjenigen Size, welche früher unter Toledo gestanden, aber zur
Zeit DQtergegangen seien, im Falle der Wiederherstellung derselben.
Von diesen wurden sfÄter wiederhergestellt: Acci, — kam aber unter
die Metropole von Granada; Valencia — kam zuerst unter Tarraco
nnd warde später Erzbisthum , Segorve, — kam unter Tarraco , später
oDter Valencia. Nicht wieder beigestellt wurden: Urci, Basti, Men-
trsa und Castnlo in Hochandalusien; Eliocroca, Elotana, Bigastrum,
Ilici, Denia, Saetabis in den Königreichen Murcia und Valentia; Erga-
*) IMe Spanier lassen den D. Rodrigo darohans am 27. Febrnar 1210 vom
Pip»te lystitigt werden, dorch einen leiclit erklärlichen Irrthum. Das erste Jahr
(itt Papstes läuft vom 22. Febrnar 1198 bis 21. Februar 1199; darnach das zwölfte
Jahr Ton 22. Febrnar 1209 bis 21. Febrnar 1210. Da nun die Bolle am 27. Febrnar
<lei iwllflsi Jahres ausgestellt ist^ so f&llt sie in das Jahr 1209, nicht 1210; c/. lea
Annuairts de la 8oeiiti de Phtstoire de France, 1844^1851, Tctbles dresaies
pwT U CaUul des anrUes du pantificat des papes, Abdruck ap, Migne, NouveUe
Eiic^. ihSologiquef t, IX, Dictionnaire de statistigue religieuse, Par, 1851
P- 75. — Ddid^, lAop. Victor, Mhnmre sur les actes d'Innocent, IIL, suivi
'ie Tüiniraire de ce pontife, Par, 1857. — Ep, InnocerUii 111.^ L IS, nr. 5,
'^ erf. Balvze, II, 408. — Opp. ed. Migne, III, 199. — ÄguirreCatalani,
\\ 147.
*) VoB den drei Päpsten Namens ^ Alezander" konnte höchstens Alezander IIL
CB tolebes Decret eriasaen haben: aber uns ist nur bekannt, dass er am 26. Juli
U^ dem Erzbisehof Johannes von Toledo verbietet, sich als Primas in der Provinz
Tameo geltend zn machen. Ist diess vielleicht eine Bestätigung des Primats? Von
Uibin III. hat sieh bis jezt kein Brief gefunden, der an den Primas von Toledo
gmhtet wäre; ebenso wenig von COlestin III.; diese Briefe sind entweder noch
lidit e&tdeckt oder nicht geschrieben worden. Die übrigen Päpste , die vom Jahre
10S5 bis 1158 den Primat bestätigt haben, sind aber: Urban II., Paschalis II., Ge-
Ivhn H., GtKztns IL, Lucius IL, Eugen IIL, Anastasius IV. nnd Hadrian IV.
0 S. 24.
8*
116 EilftesBach. Fünftes Kainlel.
▼ica, Valeria, Oretam nnd Complotam io Neacastilien. Complutum
wurde vielleicht in dem Sinne hergestellt, dass der Erzbischof tod
Toledo zugleich Bischof von Alcala war. Ccen^a hatte und behielt
seine eigenen Bischöfe. Dann zahlt die Bnlle die einzelnen Kirchen
nr^udT ™^^ Besiznngen von Toledo an£ Die in dem Sprengel liegenden Städte
(appida) waren: Talavera, Alfamin, Makeda, Sancta Eolalia, Halmue,
Canales, Majeritum (Madrid), Alcala (Complatnm), Wadalfaiara (Gua-
dalaxara), Fita, Penafora, Belegna, Uzeda, Talamanca, Batracum, Ca-
latalifa, Ascalona, Znrita, Calatrava, Almogoera und Alcolea *).
Da Don Rodrigo ganz bestimmt im Jahre 1210 in Gallien und
auch in Rom weilte, um die Hilfe der Christenheit für den bevor-
stehenden gewaltigen Angriff der Mauren aufzurufen, so scheint mir
sehr wahrscheinlich, dass er schon im März 1210 bei seiner persön-
lichen Anwesenheit in Rom die Erneuerung des Primates von Toledo
erwirkte, von dem wir zugleich annehmen, dass er über ein halbes
Jahrhundert sich in latentem Zustande befand. Zwar leugnet der
Jesuit Juan Jose Tolrä in seinem Werke: „Historisch-kritische Recht-
fertigung der Ankunft des Apostels Paulus in Spanien^*), dass Don
Rodrigo im Jahre 1211 in Rom gewesen, während J. Mariana dieses
behauptet. Nicht dieser, sondern der erwählte Bischof, der Domini-
caner Geraldus von Segovia habe den Auftrag gehabt, den Papst am
Hilfe gegen die Mauren zu bitten.
Schon im Laufe des Jahres 1210 suchten Alfons YUL und sein
ältester Sohn Ferdinand die Hjjfe des Papstes gegen die Mauren,
welche im September desselben Jahres Salvatierra (bei Calatrava)
hinwegnahmen.
Inno« ^^ 10- December 1210 schrieb Innocenz lU. an die Erzbischöfe
cenxm. und Bischöfe Spanien's, Ferdinand, der erstgebome Sohn Alfons^ VIII.,
KttrHUfe ^™ Verlangen, die Erstlinge seines Kriegsdienstes Gott zu weihen, und
gegen die Feinde des christlichen Namens aus dem Erbtheile der Christen
r^Q ' auszutreiben , habe inständig gebeten, dass der Papst ihm helfe, und
die Hilfe Anderer ihm verschaffe. Darum befehle er den Bischöfen,
sie mögen ihre Könige und Fürsten, welche mit den Mauren Frieden
zu halten nicht verbunden seien'), zur Unterstüzung des Vorhabens
*) Selbst Vicente de la Fuente sagt von der Bolle: Ofrece alguna duda (p. 85)
— sie erregt einigen Zweifel.
^) Jiistificacion hisförico-critica de la venida del apöstol Santiago el
mayor h Espana , y de su sepulcro en ComposUla, contra las pretensiones de
algunos autores modemos, Madrid 1794, ^^ Das Werk stüzt sich ganz auf die
Bollandiaten (zum 25. Juli).
'} gut non sunt cum illis ad treugas observandas astricti, d. i. welclie
keine Friedensverträge mit denselben geschlossen.
Don BodrfgOy Primas von Spanien. 117
des In&nten Ferdinand ermahnen. Unter Ankündigung der Vergebung
liier Sonden mögen sie ihnen einschärfen, sowohl dem Ferdinand als
andern Königen nnd Fürsten Hilfe zu leisten durch Sendung von
Kriegern and jede ünterstüzung, damit sie die Verzeihung ihrer Sün-
den erlangen. Die Ausländer, aus welchem Lande sie immer freiwil-
lig znm Kampfe nach Spanien kämen, sollen derselben Gnaden theil-
haftig werden *). — Für Castilien war die Zeit des mit den Mauren
al^eschlossenen Friedens eben abgelaufen.
Am 22. Februar 1211 schrieb der Papst an die Erzbischöfe von
Toledo, die Bischöfe von Turiasso, Coimbra und Zamora, in demsel-
VrQ Sinne, zum Theil mit wörtlicher Wiederholung des Briefes vom
10. December 1210').
An demselben Tage schreibt der Papst dem Könige Alfons VIII., ^^^^
rr habe seinen Gesandten, den erwählten Bischof (Tellus) von Palentia ^^f ^oa
wohlwollend aufgenommen, und die an ihn gebrachten Bitten nach ^^^vt-
Kräften berücksichtigt. Den Wunsch, sogleich einen apostolischen
Ugaten nach Spanien abzusenden, könne er wegen der Unruhe der
Zeiten jezt nicht erfüllen. — Er habe den obengenannten vier Bischöfen
liogeschärft, mit kirchlichen Censuren, mit Aufhebung jeder Appella-
UQD gegen die Könige oder Fürsten einzuschreiten, welche Alfons VIII.
im Laufe dieses Krieges angreifen oder schädigen würden. Er selbst
(Loge im frommen Gehorsame der römischen Kirche verharren. Zugleich
«rgieiig an den Infanten Ferdinand ein fast gleichlautender Brief des
Papstes*).
§. 3.
ßald darauf wurden König und Land ganz unerwartet nnd schwer
kitngcsncht. Schon hatte der Infant Ferdinand in einem glücklichen Feld-
zoge gegen die Mauren Proben seines Muthes und seiner Tapferkeit abge-
li;^, da überfiel ihn ein böses Fieber, dem er, erst 21 Jahre alt, zu'^®^^««
Madrid am N. October 1211 erlag. Der Schlag, der den König und das tenPer-
Land am Vorabende des gefährlichsten Krieges traf, war zermalmend. «^Jn*»«*-
0 Epislolar. Innoc. IIL, L 13, 183, ed. Baluze, II, 493; opp., ed. Migrier
111353, Par. 1855 - AgutrreCatalani, V, 156. — PoUhast, Reg., I, nr, 4142.
^I^'ndexar, Cronica del rey Alanso VIII., p. 292.
") Epist. XIV, nr. 3. — ed. Bcduze. t. II, 508. — Opp. ed. Migne, III,
^79. - Äguirre-Catalani, F, 157.
*) Iimoc. IIL, epUt. XIV, nr. 4—5, ed. Baluze, II, 508-509. — Opp.
td. Migne, III, p 380-381. — Aguirre-Catalani , V, 157-^158. — Poithast,
nr 4180-4186. — Mandejar, p. 293-294, welcher mit Bemfang auf Raynaldus
nnnt, aDc diese Briefe gehOren dem Jahre 1210 an.
118 Eilftes Bach. Ffloftes Kapitel.
Bei seinem Tode weinte das Volk, unsäglich war das Leid des
Vaters, der auf ihn als den Stern seines Lebens blickte; denn apf ihn
waren die Augen des Volkes gerichtet. So sehr hatte Gott selbst ihn
geschmückt, dass er von Allen geliebt' wurde, und er starb voll der
Gnade und Tugend. Er wurde von Roderich, vielen Bischofen, welt-
lichen Grossen und Religiösen in dem Kloster der heiligen Maria (las
Haelgas), der Königlichen zu Burgos genannt, begraben. Seine herr-
liche Schwester, die Königin Berengaria von Leon, der spater das
Königreich Castilien durch das Erbe zufiel, wendete freigebig und
geziemend die Kosten des Leichenbegängnisses auf, und leitete die
Trauerfeier. Sie Hess die reichsten Almosen vertheilen ').
§.4.
Rodericus war demnach vor dem October 1211 von Rom und
Frankreich heimgekehrt. — In einem Briefe des Papstes vom 4. Fe-
bruar 1212 an Alfons VIII. sagt der Papst: „An dem Ungliicke, das
kürzlich ihn getroffen habe, nehme er den innigsten Antheil. Auf An-
dringen des erwählten Bischofs (Geraldus) von Segovia, des Nuntias
des Königs, schreibe er an die Erzbischöfe und Bischöfe in Frank-
reich und der Provence, ihre Untergebenen anzutreiben^ zur Vergebung
aller Sünden, bei dem Kriege, welchen König Alfons für die nächste
Pfingstzeit den Saracenen angekündigt, zu erscheinen. Sein ganzes
Vertrauen solle er auf Gott sezen, der ihm einen glorreichen Triumph
über die Feinde seines Ki*euzes geben könn^. Weil aber jezt die ganze
Nähe Welt in Verwirrung und im Argen liege (darum nicht wohl zu Hilfe
^' eilen könne), ermahne er ihn, wenn er einen Waffenstillstand von den
Mauren erlangen könne, ihn anzunehmen, und den Kampf auf eine
günstigere Zeit zu vertagen').
Wirklich schrieb der Papst am gleichen Tage an den Erzbischof
von Sens und seine Suffragane und rief sie zur Hilfe auf ^.
Am 4. April 1212 ermahnt der Papst die Erzbischöfe von Toledo
und Compostella, in dieser Zeit der äussersten Bedmngniss die Könige
von Spanien zu festem Frieden unter sich zu mahnen, ja durch kirch-
liche Censuren sie, mit Wegfall jeder Berufung, dazu zu zwingen.
Vielmehr sollen sie jezt einander Hilfe leisten gegen die Feinde des
*) Roderic.^ de rebus Hisp,, VII, 36,
*) Ca^erum quia nunc fere totus mundus turbatus est ei potihut in ma-
ligne, coTisulimus et monemus, ut st competentea treugas inveneris, ipso» red-
picks, donec qppartunius temptis adveniat quo ipsos vodeas securius sxpugnan,
•) Ep. Innoc, III , Hb. XIV, 154^156; ed. Baluze, II, 682; opp., ed. Migne,
III, 613-^614; AguirreCataUmi, V, 164.
DoB Bodrigo in Rom and Gallien. tl9
Christi, welche aach in den übrigen Ländern den christlichen
Namen unterdrücken wollen. Den Eonigen nnd allen phristen sollen
sie ddUt der Strafe des Bannes nnd Interdictes verbieten, sich mit
den Sancenen za verbinden, oder ihnen Rath oder Hilfe gegen die
Chriatoi za geben und zu leisten.
Es war besonders der Konig von Leon, der schwere Besorgnisse Dar
linflosste. Die tranrigen Folgen der Trennung der Reiche Leon und^^"**'^*
Castilien lasteten schwer auf diesem. Wenn er feindliche Schritte
tbnn wurde, so mögen sie alsbald den Bann über ihn, und das Inter-
dikt aber sein Land laut verkünden; sie mögen seine Unterthanen
anter Strafe des Bannes abhalten , ihm Folge zu leisten. Wenn Strei-
tigkeiten noch bestehen, so mögen sie in friedlicherer Zeit dem Papste
zur Entscheidung vorgelegt werden. Die Sorge, welche das Herz des
Papstes erfüllte, leuchtet aus diesem Briefe deutlich hervor^).
§.5.
Wir haben gesehen, dass die beiden erwählten Bischöfe Tellius
VQQ Palentia nnd Giraldus von Segovia beauftragt waren, die Theil-
oahme für den bevorstehenden Kampf im Auslande zu wecken. Aber
iQch Rodrigo war zu dem gleichen Zwecke in's Ausland gereist. Er
^ es selbst, „dass Rodrigo, der Erzbischof von Toledo, und die
übrigen Gesandten von verschiedenen Gegenden her zur Zeit des Reigen
Jahreswechsels von 1211—1212 nach Spanien zurückkehrten««). Es*««^*»»
tragt sich nur, ob Rodrigo nicht erst nach seinem Aufenthalte zu
ßoigos im October 1211 nach Frankreich reiste. Dazu hätte aber die
Zeit nicht mehr gereicht , und schon gegen Ende des Jahres strömten
die oeaen Kreuzfahrer in Toledo zusammen. Das Wahrscheinlichere
i^t, d;i$s Rodrigo im Jahre 1210 zuerst nach Rom reiste, dann län-
gere Zeit sich in Gallien aufhielt, und im Anfang des Juli 1211
zQrückkebrte. Der Brief des Papstes vom 22. Februar 1211 an ihn
scheint seine Anwesenheit in Spanien vorauszusezen. Rodrigo hatte
eine Schwester, Maria Ximenes, welche im Kloster de las Huelgas zu
Bnrgos als Nonne lebte. Sie stellte am 7. März 1211 eine Urkunde
ao8, womach sie mit Gutheissung ihrer Aebtissin Sancia ihrem Bruder
\\a ganzes Erbe verkauft, das sie von ihrem Vater, ihrer Mutter
Qod ihrem Bruder P. Ximenes hatte, der jenseits des Meeres ge-
storben; sie bekennt, dass ihr 200 Goldstücke ausbezahlt worden.
*) Epigt, Innoc. III., liö.XV, nn 16; ed. Baluze, II, 604; opp., ed. Migne,
l//i p. 963: Agtdrrt'Catalani, V, 164.
*) InUrim Roderieo, ejusdem urbis Pantifice, et oeieris nunciis prapter
^P^ iimüe dettinatU, a diversi$ partibus redierunt, l. c, VIII, 1.
120 Eilfie» Buch« FQnftes Eftpitel.
Unter den Zeugen sind 2 Kanoniker von Toledo, vielleicht die Be*
gleiter des Don Kodrigo. Es ist nicht unwahrscheinKch , dass dieser
Verkauf) bei der Rückkehr des Ersbischofs von Frankreich abgeschlos-
sen wurde. Die „Ormica general^^ welche wenige Jahre später ge-
schrieben wurde y als die Schrift Rodrigo's über die „Angelegenheiten
Spaniens^, sagt erweiternd, dass Don Rodrigo sich in Rom befanden,
um den Kreuzzug zu erbitten, und ihn in vielen Ländern zu predigen,
und dass Toledo sich angefüllt habe mit Kreuzfahrern aus allen Lan-
dern Europa's'). Lucas von Tuy berichtet, dass sich Don Rodrigo
allen Beschwerden der Reise freiwillig unterzogen, dass er in Voll-
macht des Papstes Gallien bereist, dass er predigend die Volker er-
mahnt habe, nach Spanien zu kommen, und sie mit dem Kreuze be-
zeichnet habe^.
§. 6.
jAbraa- Gegcu Ende des Jahres 1211 strömten die Krieger in Toledo
weode, zusammcn; diese Stadt allein konnte bei ihrem Reichthum den Bedürf-
isis, nissen Aller genügen. Viele Sprachen hörte man jezt in ihr, viele
Arten des Gottesdienstes sah man^). Denn voll Eifer des Krieges
strömte fast aus allen Theilen Europa's die Mannigfaltigkeit der ver-
schiedenen Nationen zusammen. Niemand konnte sich über irgend
, einen Mangel beschweren, da die Stadt selbst durch ihren Ueberfluss
Allen entgegenkam, und der König mit freigebiger Hand Alles dar-
reichte. Besonders nahm seit dem Monat Februar (1212) die Menge
der Krieger zu; ja während des ganzen Frühlings und noch länger
wuchs der Andrang des Volkes. Weil aber an Sitten, Sprachen und
Gottesdienst sich ein grosser Unterschied der Völker kundgab, so
musste nach des Königs Wunsch der Erzbischof (der viele Sprachen
*) Nach spanischer Weise zu schreiben nennt sie den Verkauf hendüio (wn-
ditio). — Die Urkunde bei F. de la Fuente, apend, nr, IV, p. 49.
') que fuera demandar la Crvzada h Roma et h predicarla por muchas
tierras e comemose de henchir la cibdad de muy grandes gentes crtaadas de
toda la tierra de Europa,
*) Fhdtus autoritate Domini Papae InnocenÜi Galliaa adiit, verbum Dti
assidue proponendo et suadendo poptUis tU ad defensionem fidei eonveniretäf
data iUis remissione omnium peccatorwn et eos crucis signaculo muniendo.
Hispan, illustr., /F, 110, — V. dela Fuente, l. c, p. 64 ( Viajes de D. Rodrigo
h Roma),
0 et coepit urhs regia repleri populis, abundare necessariia, insigniri
armiSf diversificari Unguis, variari ctUtilms. Nam zelo belli ex omnünu fere
Europae partibus ad ecRn diversarum nationum varietas cancurrebat, Roderxc,
de reb. Hisp,, VIII, 1,
Die KriegssehaareQ in und bei Toledo. 121
ndete) in der Stadt bleiben , damit vorkommende Conflicte durch sein
Bemnben beigelegt würden. So geschah es durch Gottes Hilfe, dass
keine Yolksbewegang, keine Verwirrung entstand, obgleich es an mehr-
Uchen Versuchen dazu nicht fehlte. Weil aber täglich die Menge
derer sich mehrte, welche die Malzeichen (stigmata) des Herrn an
ihrem Leibe trogen, und für sie allmälig die Stadt zu enge wurde,
ho Hess der König in den lieblichen Anlagen um Ufer des Tajo, ,die
Zürn Schmuck der Konigstadt hergestellt worden, und unter dem
Sch&tten der mächtigen Bäume dieser Anlagen die Völker sich nieder-
lassen. Ans Bäumen und Baumzweigen wurden Wohnungen aufge-
bsuit, wo die Schaaren bis zum Auszug in den Krieg ruhig weilen
konnten.
Am achten Tage nach dem Pfingstfeste kam Pedro , der König Don Pe-
Toa Aragooien, der Freund des Königs, nach dem zu Cuen^a ge- ^J\^'^,
schlössen Bündnisse, in höchster Eile in Toledo an. gonien.
Alfons VIII. hatte zu Cuen^a eine Zusammenkunft mit Pedro IL
gehalten, auf welcher Sancho VII. von Navarra und vielleicht auch
andere Fürsten durch Gesandte vertreten waren. Pedro II. wurde von
dem Erzbischof und dem ganzen Klerus in Procession empfangen;
«r schlug seine Zelte in den königlichen Anlagen auf, und wartete
dort auf die Ankunft seiner Völker ^).
Es kamen auch die Grossen aus Gallien an, die Bischöfe von
Bordeaux und Nantes^. Es langte der ehrwürdige Arnaldus an, ehe-
dem far Ausbreitung des Ordens von Citeaux bemüht, jezt aber (seit
dem 12. März 1212) erwählter Erzbischof von Narbonne. Er hatte
▼orfaer den Ejreuzzug gegen die Albingenser gepredigt. Er kam mit
tiner grossen Schaar von Kriegern aus dem „diesseitigen^ Gallien in
Toledo an, ehrenvoll von dem Könige und dem Erzbischof Don Ro-
drigo empfiiDgen. Es trafen sehr viele Ritter aus Portugal ein^ von DioPor-
daher eine grosse Menge Fussvolk, die mit wunderbarer Leichtigkeit*"'"*"
die Muhen des Feldzugs ertrugen, ja mit kühnem Ungestüm sie her-
aosforderten.
An dem Feldzuge nahmen Theil die Bischöfe Don Rodrigo von Die Bi-
Toledo, der Geschichtsschreiber desselben , Tellius (Tello) von Palentia, •***^'®-
') in viridario regio. Das hantige nicht mehr königliche Toledo weist von
diesem SehniQcko Nichts oder wenig mehr auf. Es erscheint wie eine verwittwete
Kteigin anf ihrem Tereinsamten Size. Madrid (zum Theil auch Aranjnez) hat To-
ledo sam Wittwensiz gemacht
^ BurdegaUrm^ et Nanatensis eputcoptts. Nantes heisst sonst Nannetensis,
122 Eilftes Baob. Ffloftes Kapitel.
Rodrigo tod Siguenza, Menendas von Osma, Petrus von Avila, diese
ans dem Reiche Castilien. Ans dem Königreiche Aragouicn waren
Garcia I, von Turiasso und Berengar de Palou von Barcelona erschie-
nen, dessen Vorgänger Petras von Cirach nach dem 10. September
1211 im Kampfe gegen die Mauren gefallen war. Es erachienen die
Die Ritter des Ordens von Calatrava, die Templer, die Johanniter, die
ordcn ß^^*^** ^^^ Ordcus vou Santiago, nebstdem Mitglieder vieler anderer
Orden. „Ultramontane^, d. i. Krieger, die vom Auslande gekommen,
waren es mehr als 10,000 Reiter, und 100,000 Fussgänger. Jeder
Reiter erhielt vom Könige taglich 20 gewöhnliche Solidi, der Fuss-
gänger deren 5. Alle erhielten Zelte und Fuhrwerke für deren Trans-
• port, sowie die Nahrungsmittel.
Am Mittwoch nach dem Feste der heiligsten Dreieinigkeit verord-
nete Papst Innocenz III. zu Rom eine grosse Bittfeierlichkeit, deren
Ankündigung uns erhalten ist '). Strenges Fasten war vorgeschrieben;
eine grosse Procession der Gläubigen, die barfuss auszogen, wurde
gehalten. Der Papst gieng mit der Procession, und hielt vor dem
Palaste des Bischofs von Albano eine Anrede an das Volk. — Reiches
Almosen sollte gespendet werden.
§. 8.
«
Am 21. Juni zog das Heer von Toledo aus, die Spanier getrennt
von den „ Ultramontanen ^, diese unter der Führung des Didacus Lope
de Pharo. Dieselben nahmen das Fort Malagon'); alle Mauren in
dem Platze wurden getödtet. Dann kam das ganze Heer nach Cal»-
trava (bei Almagro), nachdem es die Guadiaua überschritten hatte.
Calatrava schien kaum überwindlich zu sein, ausser durch Hunger.
Am Sonntag nach dem Feste des heiligen Paulus, 30. Juni, wurde die
Veste im Sturme erobert, und sogleich von den Rittern von Calatraya
wieder besezt. Die Beute erhielten „die Ultramontanen^ und der
Die König von Aragonien. Hier entschlossen sich die meisten „Ultramon-
^*"' tanen^, nach gemeinsamer Berathung, heimzukehren, trozdem dass der
nen" Köuig Lebensmittel in Fülle austheilte. Nur Arnaldus von Nar-
*mb!° honne blieb mit. vielen Edlen aus der Provinz Vienne; es blieb Theo-
bald von Blazon aus Poitou, von Abkunft ein Castilianer. Um so
') Supplicatio generalis ad Deum Romae indicta ~ cf, Aguirrt-CaUi'
lani, F, ISS,
*) 14 Meilen südlich von Toledo, 6 von Ciudad real, nicht weit von der
QncUe der Goadiana«
SoUscht von U Navaa de ToIom. 123
sttndlMfier blieb der König von Aragonien. Nur die Spanier mit we*
ji^ aUltramontanen'^ zogen weiter , und kamen zunächst nach Alar-
cdris'); die benachbarten CasteUe wurden eingenommen. Hier traf
der König Sancho VII. von Navarra ein, an dessen Ankunft man
gezweifelt hatte. Das Heer zog weiter über Salvatierra nach Fraxineda
ood Gnadalfajar am Fusse der Sierra Morena, und an dem Engpasse
Mvadal.
Das Heer der Mauren hatte sich unter dem Miromolin Muhamed
Aoasir bei Jaen gesammelt. Muhamed wollte den Kampf verzogern,
bis die Christen durch die Hize und den Mangel an Lebensmitteln ge-
fidnricht waren. Aber auf die Kunde vom Abzüge der „Ultramonta-
nen^, die er am meisten fürchtete, zog er gegen Baeza. Er Hess die ^^^
Gebirgspässe, die nach Baeza und Ubeda führten, mit seinen besten ^^^^
Trappen besezen. Dennoch eroberten die Christen in dem Engpass i^«'«»-
Mondil die feste Burg FerraL Aber der enge Pass, der von hier
QKh Tolosa führte, war nicht zu forciren. Vorwärts konnten die
Christen nicht; auf der Hohe litten sie grossen Wassermangel. Der
Rückzog war auch gefahrlich. Da kam ein Hirte, und erbot sich, das
Qeer anf sichern Bergespfaden nach Ubeda zu fuhren. Am Samstag,
den 14. Jnli, gelangte das Heer auf verborgenen Wegen auf eine
weite Ebene jenseits des Gebirges, wo es sich verschanzte.
Mahamed rückte sogleich zur Schlacht aus, und wieder am fol-
geoden Tage; aber wegen des Sonntages hielten sich die Christen in
ibrcm Lager. Am Montag, den 16. Juli, rückten die Christen aus.
Das Heer empfing die heiligen Sakramente vor dem Kampfe.
§. 9. Schlacht am 16. Juli 1212.
Alfons Vni. mit seinen in vier Heerhaufen getheilten Castilia-
D^ni nahm im Centrum Stellung. Die Navarresen unter Sancho mit AnfMdi.
dtn Contingenten von Avila, Segovia, Medina Celi und Soria bilde- '°"J^^*'
^ den linken Flügel; nebstdem die Portugiesen, Galicier und die
wenigen Franzosen unter Erzbischof Arnaldus. Den rechten Flügel
Wdeicn die Aragonier unter Pedro H.
Der Feind war in fiinf Schlachtreihen angestellt. In der Mitte
stts Mnhamed Anadir in seinem rothen Zelt anf seinem Schilde un-
^w^, tragend den schwarzen Ejriegsmantel Abdolmumin's , des
Stammvaters der Almohaden; er hielt mit der einen Hand den Koran,
°ut der andern das Schwert. Seine Leibwache umgab das Zelt, das
aoch dorcb starke eiserne Ketten abgeschlossen war. — Die Christen
AlarcoB, wo Alfons VIII. im Jahro 1195 die grosse Niederlage erlitten.
1 24 Eilftes Buch. Fünftes Eapitet
gri£Pen an. Durch ihren mächtigen Stoss wurden die maurischen Frei*
willigen, 170,000 Mann nach den eigenen Angaben, und entschlossen,
zu siegen oder zu sterben, erschüttert. Unzählige derselben fielen.
Vor dem Centrum des Maurenheeres, dem Kerne der Truppen, muss-
ten die Christen weichen. Ihre Reihen geriethen in Verwirrung. Es
schien sogar, dass Einzelne nach der Flucht sich umsahen, doch nicht
Ritter, sondern Leute aus dem Volke. Da rief Alfons VIII. mit lanter
Stimme dem Rodrigo zu: „ErzbiscBof, ich und Ihr, wir wollen hier
sterben" ^). Dieser erwiederte: Nicht also, vielmehr werdet Ihr hier
obsiegen. — Lasst uns, sprach der König, den Vordersten, die in
Gefahr schweben, zu Hilfe eilen. Ferdinand Garcia wollte den König
zurückhalten. Dieser rief wieder: Hier, Erzbischof, wollen wir sterben.
Denn ein solcher Tod in solcher Noth ziemet sich^)." Don Rodrigo
sprach: Wenn es Gott gefällt, möge die Krone des Sieges, nicht der
Tod, unsrer harren; so es aber Gott anders gefällt, so sind wir Alle
zusammen bereit, mit Euch zu sterben. Ein unerschrockener Held —
Heuser gtürmte nun der König voran. Das Kreuz des Herrn, das ein .Cano-
*"^ * nicus von Toledo dem Erzbischof nach der Gewohnheit vorantrug,
schritt wunderbar durch die. Schlachtreihen der Feinde hindurch, und
unverlezt blieb der Träger. Auch das Bild der seligsten Jungfrau,
die stets Spanien's Scbüzerin gewesen, wurde vorangetragen. Da kam
jene unzählbare Schlachtreihe, die bis jezt fast unbeweglich gewesen,
in's Gedränge; niedergehauen durch die Schwerter, vertrieben darcb
die Lanzen^ besiegt durch die Stiche, wandte sie sich zur Flucht.
Es waren die Andalusier, welche, mitten in dem heissesten Kampfe,
Flucht plözlich sich umwandten und flohen, und weithin die Verwiirnng
der An- trugen. Es scheint, dass mit dieser Flucht sich die Schlacht zu Gun-
sten der Christen wandte. War es vielleicht das spanische Blut, das
die Andalusier bewegte, waren vielleicht noch viele geheime Christen
unter ihnen, die für eine ihnen fremde Sache nicht sterben wollten;
so viel ist gewiss, dass die Andalusier an Tapferkeit und Kraft mit
den nördlichen Spaniern nie sich messen konnten.
Aber Muhamed war noch von dem Ringe seiner eisernen Ketten
tind seiner starken Leibgarde umwallt. Lange dauerte hier der Kampf;
die -Tapfersten der Mauren drängten sich hier zusammen. Sancho VU.
mit seinen tapfem Navarresen durchbrach zuerst die Linien. Ihm folg-
ten Alvarus Nunez de Lara mit seinen tapfern castilianischen Rittern, und
der König Pedro IL, welche den Wall durchbrachen uq/l die Brustwehr
stürmten. Unbeweglich noch immer sass Muhamed auf seinem Schilde
inmitten seines Zeltes und sprach: „Gott allein ist wahrhaft, Satan
*) Archiepiscope, ego et vos hie moriamur.
'} non dedecet, cUias: no9 decet.
Naeh dem Siege. 1 2o
aber ein Betruger''. Aber sein Glaube wirkte keine Wunder. Schon
varen die meisten Trabanten um ihn gefallen, schon drohte ihm selbst
der Tod; da schrie ein Araber ihn an: ,,0 Emir, wie lange noch wirst Muha«
da sizen! Gottes Urtheil ist gefällt, und sein Wille erfüllt. Die flieht.
Muselmänner sind unterlegen''. Jezt bestieg Muhamed sein Schlacht-
thier*), und floh nach Baeza, begleitet von 4000 Reitern.
Den Bewohnern dieser Stadt, die ihn um Rath fragten, soll er
enriedert haben: „Ich kann weder mir, noch euch rathen; der Herr
m mit euch"*). Von dort kam er in derselben Nacht gegen Jaen^).
Die Aragonier, Castilianer und Navarresen verfolgten aus allen Kräften
die Fliehenden, und viele Tansende von Saracenen wurden getödtet.
Ge&ngene wurden nicht gemacht. Nur die Nacht endete das Gemezel.
Xai-h dem Siege sprach Don Rodrigo zu dem Konige: „Seid ein-
gedenk der Gnade Gottes, welche Alles, was an Euch gefehlt, ergänzt
lut, und welche die ehedem ertragene Schmach hinweggenommen hat
Seid auch eingedenk Eurer Krieger, mit deren Hilfe ihr zu solcher
Glorie gelangt seid*'.
Auf dem Schlachtfeld stimmten die Bischöfe, unter ihnen auch
Doniioicns von Placentia, die Bischöfe von Palentia^ Osma und Aviln,
und viele Kleriker den Lobgesang an: Wir loben Dich, o Gott, Dich,
o Herr, bekennen wir. — So dicht lagen die Leichen der Gefallenen,
di58 man auch auf den stärksten Rossen kaum ohne Gefahr über die-
äelben kommen konnte. Die Mauren, welche um das Zelt des Muha-
med ge&Ilen, waren gross von Wuchs, sehr beleibt, und obgleich sie
verstümmelt dalagen , und von den „ Armen '^ , vielfach schon beraubt
waren, so konnte doch auf dem ganzen Schlachtfeld keine Spur von
Biut entdeckt werden.
§. 10.
Die Angaben über die Zahl der Gefallenen gehen sehr weit aus
einander. Nach Einigen entkamen von 600,000 Feinden kaum 100,000.
Nach Don Rodrigo fielen etwa 200,000 Feinde, Spanier aber wurden kaum z«hid«r
25 vermisst; Andere nahmen 40, 50, 200 gefallene Christen an, eine ßefaiie-
kaom glaublich geringe Zahl. — Die Christen machten unermessliche
Btflte an Gold, Silber, Geld, Gewändern und Gefässen, an Pferden,
Kameelen und Lebensmitteln. Die ganze Beute nahmen die Fuss-
gÜDger in Besiz, „^i^d einige Ritter aus Aragonien^. Die Uebrigeu
verfolgten den Feind.
neu.
')jumenio varii coloris insidens.
*) Dominus sit vobiscum.
*) Ihique mutato jumenio, Oienium ea nocic pervenit.
126 Eilftes Baoh. Ffinftes Kapitel.
Nach kurzer Rast rückte das Heer weiter und nahm die Schlösser
Bliche, Ferra!, Babea und Tolosa. Aus Baeza waren die Maaren
nach Ubeda geflohen. Am Montage nach der Schlacht wurde TJbeda
berannt. Ein Aragonier erstieg zuerst die Mauer und die Cinwoh-
ner ergaben sich. Die Stadt wurde zerstört, die Einwohner warden
Gefangene. Da brach eine Krankheit im Heere aus. Die Spanier
kehrten nach Calatrava zurück; dort war der „Herzog von Oesterreich
aus den Gegenden von Deutschland^, der mit grosser Zurüstung (zur
Hilfe) angelangt war. Mit Pedro U., seinem Verwandten, kehrte er
nach Aragonien zurück. Don Rodrigo aber und Alfons VIIT. zogen
im Triumph in Toledo ein. Das Heer zerstreute sich.
Der Sieg des 16. Juli 1212 brach die Macht der Muhamedaner
für alle Zeit. Obgleich sie noch fast drei Jahrhunderte in einem Theile
von Andalusien sich erhielten, konnten sie nicht mehr daran denken,
ihre Herrschaft auszudehnen. Der Niederlage des Jahres 711 war nach
fünf Jahrhunderten — 1212 — der Sieg der Christen gefolgt. Man
hat viel geschrieben und viel vermuthet darüber, dass im Jahre 711
ein kleines Heer der Araber das grosse Christenheer besiegte. Man
kann ebenso fragen, warum im Jahre 1212 das vielleicht vierfach zahl-
reichere Heer der Mauren den Christen unterlag? Einen grossen Theil
des Erfolges wird man der Begeisterung und der Todesverachtung der
Sieger zuschreiben dürfen. Zum Theil gab im Jahre 711 der Abfall
des Oppas und der Söhne des Witiza den Mauren den Sieg. Zum Theil
gab im Jahre 1212 die Flucht der Andalusier den Christen, den Sieg,
der „unrühmliche Abzug der „Ultramontanen^ aber raubte ihnen nicht
den Sieg, bewies vielmehr, dass nicht die Menge der Kämpfenden,
sondern Gott es ist, der über Sieg und Niederlage entscheidet. So
werden wir denn sagen, dass die Niederlage der Spanier im Jahre 711
ebenso ein Gottesgericht war, wie ihr Sieg im Jahre 1212.
§. 11.
Wir besizen drei Berichte von Augenzeugen über die Schlacht.
Der erste ist von Don Rodrigo, dem Erzbischof, in seinem Werke —
Barlobt über die Geschichte von Spanien'). — Anschaulich ist der Brief des
^g ' Erzbischofs Arnald an die im Generalcapitel versammelten Aebte der
di« Cistercienser*). Arnald hatte auf dem Wege den König von Navarra
aufgesucht, und war in ihn gedrungen, zum Feldzuge sich einzufinden,
*) de rebus Hispaniaef VIII, 1^13, abgedruckt in dem f,Elogio* des Vic.
de la Faente über ihn — apend. nr, VII, p. 53^54.
') Venerabilibus -- Amöldo ahbati Cisterciensi , ccterisque ahbaiibus in
generali capitido constitutis frater Amoldus, Dei Orafia Narbonensis archiep.,
— ap, Mondejar, apendic, p, CIII-^CVII,
Nach dem Siege. 127
auch geschah« Sehr kurz und ohne Motivirnng geht er über den
Wegzog seiner Landsleute hinweg. Er sagt nur: „Einige ultramon-
tane Prälaten, welche eine grosse Menge von Kriegern begleitete, ver-
liessen das Heer nnd kehrten heim; man schäzte die Zahl der also
Heimziehenden über 40,000 Mann". Den Tag der Schlacht nennt er
«den Tag der Freude, den der Herr gemacht, den Tag, denkwürdig
ftr viele Jahrhunderte''. — Nach Arnald war der Sieg viel zweifel-
hafter, die Lage der Christen viel bedenklicher, da nur das Hinter-
trefE&n der Christen feststand. Nach ihm fielen über 60^000 Mauren,
von den Christen aber nicht fünfzig.
Der dritte Bericht ist der Alfons' VIII. an den Papst Inno- Aifons
cens IIL Von den „Ultramontanen*' sagt er, das Heimweh habe sie ^'y^„*°
überwältigt*). Von den Fussgängem sei nicht einer zurückgeblieben, Paps«.
TOD den Reitern etwa 150. Er sagt, es seien 185,000 Reiter in dem
Heere der Saracenen gewesen, unzählbar aber ihr Fussvolk, 100,000
Bewaffiiete und darüber seien gefallen, Christen dagegen kaum 25 — 30.
Er bedauert sogar, dass so wenige Christen Märtyrer geworden. Er
schildert Beatia und Ubeda als so grosse Städte, dass nur Corduba
und Sevilla „neben dem Meere^ an Grösse sie übertreffen. Ubeda
habe man zerstört, weil es an Christen gefehlt habe, die Stadt zu
berölkem. Dort seien an 60,000 Mauren umgekommen. In seiner
Antwort vom 26. October sagt der Papst, er habe den Klerus und
das Volk zur Danksagung versammelt, den Brief des Königs der
ganzen Menge vorlesen lassen, dann denselben erklärt, die Grossthaten
Gottes, aber auch die Verdienste des Königs gerühmt Nicht Men-
scb«!, sondern Gott habe das Schwert gegen die Feinde seines Na-
mens gefuhrt').
Zu diesen Beriditen kommen noch zwei Briefe, welche Bereu- Boruhta
garia, die Tochter Alfons' VlIL, an die Königin Bianca von Frank- ^^^'^^
reich, die Mutter Ludwig's des Heiligen, und Schwester der Beren- noMen.
garia, Bianca aber an die Gräfin Bianca von Champagne, eine Prin-
zessin von Navarra, schrieb*). — Der Chronist Lucas von Tude be-
richtet ober den Antheil der Portugiesen und Leonesen an dem
Kampfe^), über den Antheil der Aragonier berichten die „Thaten der
Grafen von Barcelona" '). Die ausführlichste Beschreibung des ganzen
*) Desiderio patriae coacti, omnes pariter signo crucis relicio, cum Archu
fpiKopo ßwrdegäUn. et episcopo Nanneten. — ad propria redierunt.
*) Ep. Ifmoc. IIL, Baluz. IL, 686, 688. — Migne, III, 699, 703. — Aguirre-
Catdlami, F, 167, 169. — Raynaldi, annales ecdes., an. 1212, nr. 34.
•; Martene, thesaur. Anecdotor., t. I, 1717, p. 826. — Ihushesno, Scri-
p^cr, remm Frandcar., V. 426.
«) Sehßttii, Hüpan. ül., IV, 111.
*) Oegia eamitum Barcinanene., ap. Marca, M. Hispan., p. 553.
dem
Siege.
128 Eilftes Buch. FUnftes Kapitel.
Krieges giebt der Marquis de Mondexar in seinen geschichtlichen
Denkwürdigkeiten Alfons' VIII. , des Edlen '). Derselbe hat auch alle
grössern und kleinern Berichte der Zeitgenossen in und ausserhalb
Spanien's über diesen Krieg gesammelt^). Es ist zu beachten, dass
die Araber ihre Niederlage dem Verrath der Andalusier und ihrer
Führer zuschrieben. Nach denselben Berichten fiel fast das ganze
Heer der Araber.
Nach Ein besonderes am 16. Juli in Castilien gefeiertes Gedächtniss
sollte für alle Zeit den Sieg des Kreuzes über den Halbmond verkün-
den. — Das Fest führte schon Alfons VIH. ein. Dieser trat aus
Dankbarkeit dem König von Navarra 15 Pläze ab^ auf die derselbe
ein Recht in Anspruch nahm.
§. 12.
Bald nach dem Siege kam es zu neuen Streitigkeiten zwischen
den Königen der Halbinsel. Alfons IX. von Leon hatte in der Zeit
des Kampfes, von dem er sich ferne hielt, die Grenzpläze am Duero
weggenommen, und war mit einem andern Heere in Portugal einge-
fallen. Alfons VIII. gab nach, und vermittelte den Frieden zwischen
Leon und Portugal. Im Jahre 1213 zog er wieder mit Heeresmacht
Krieg ▼. gegen die Mauren aus. Aber da die versprochene Hilfe von Leon
1213. „j^j Portugal ausblieb, so fielen die Araber sogar selbst in Castilien
ein. Im Herbste 1213 zog Alfons IX. allein aus, und kehrte nach
der Wegnahme der Festung Alcantara heim.
Wieder suchte Alfons VIII. im Jahre 1214 zu Placentia mit den
beiden Königen gegen die Araber sich zu verbinden. Auf dem Wege
dahin erkrankte er bei Arevalo. Seine Gemahlin Eleonore, sein Sohn
Heinrich, seine Tochter Berengaria mit ihren Söhnen Ferdinand und
Alfons, und der Erzbischof Don Rodrigo eilten herbei. Alfons VIII.
Toi AI- starb am 6. October 1214, im 58. Lebensjahre, nach einer Regierung
fon«' von mehr als 50 Jahren. Er wurde begraben im Kloster las Huelgas
1214.' ^^i Burgos, das er 1187 gestiftet und 1190 zu seiner Ruhestätte aus-
ersehen hatte. — Der Rcichthum^) dieses Klosters führte schwere Ex-
cesse herbei. Die Aebtissinen beanspruchten unter den Cistercien-
serinen dieselbe Stelle einzunehmen, welche der Abt von Morimund
') Madrid, 1783, S. 300-357.
*) Die Briefe lonocenz* III., die erwähnten drei grossem Berichte nnd eine
Anzahl kleinerer Berichte spanischer und auswärtiger Historiker, in apendices,
p. XCIII-CXXVIIh
») Roderic, VIT, 38, — Manrique^ annales Cisferc, HI, 200, — Afoti-
dejar, p. 364—310.
KOnig Enriqae L, 1214-1216. 129
in dem ganzen Orden einnahm. Innocenz III. schrieb darüber an die stiftnn-
Bischöfe Ton Bnrgos nnd Palencia, und an den Abt von Morimond, '^'^ ,
dass die dortigen Aebtissinen ihren Nonnen den Segen geben, deren viii.
Beichten hören, das Evangelium lesen, und öffentlich predigen.
Diese Missbrauche seien sofort abzustellen. „Denn, obwohl die
striigste Jungfrau Maria würdiger und erhabener war, als alle Apostel,
Kl hat der Herr doch nicht ihr, sondern diesen die Schlüssel des
Hinunelreicbes anvertraut^ ').
Nicht bloss durch die Stiftung dieses wahrhaft königlichen Klo-
sters in Borges, sondern durch viele andere Stiftungen bethätigte
AlfoBS VIII», mit Recht „'der Edle" genannt, dessen Regierung so
kÜ^h brennen, und so glorreich endete, seinen Eifer für die Re-
ligioo. Er gab ein Gesez, nach welchem die Güter der Bischöfe
Qfid aller Prälaten auf deren Nachfolger unversehrt übergehen sollen,
er Yerspricht, dass er von keinem Prälaten oder Kleriker etwas mit Unge-
bohr fordern , sondern nur Geschenke annehmen werde. Die Geistlichen
sollen von allen Frohnen und Diensten gegen den König befreit sein,
om so eifriger für ihn im Leben, für ihn und seine Eltern nach seinem
Ableben bitten sollen. — Er verspricht, dass alle Schiffbrüchige in sei-
ntm Röche unter seinem Schuze im Besize des Ihrigen bleiben sollen^).
§. 13'.
Schon am 31. October 1214 starb auch Eleonore, die Gemahlin
AJfoQs VIII. Ueber den erst zehnjährigen Thronfolger Enrique (Hein- .eii-
rieh) L übernahm jezt Berengaria, die geschiedene Gemahlin Alfons IX., '^'^°* ^
die Begentschaft. Die Grossen, besonders vom Hause Lara, bedräng-
ten sie so, dass sie im Jahre 1215 abdankte. Alvarus Nunez de Lara
wQide Vormund des Königs und Reichsverweser. Dieser brachte das
Laod in Verwirrung. Der junge Heinrich wurde in Bälde ein Opfer
eines unglücklichen Zufalles. Bei einem Spiele in Palencia fiel ein
Ziegel aof sein Haupt, an der Wunde starb er nach einigen Tagen,
im vierzehnten Lebensjahre, 16. Juli 12l6^),
*) Vom 11. December 1210, steht n. a. in Corpus jur. canon., cp. X de
^i^«w«, el remisM. (V, 38.) epp. Ivb. XIII, nr, 187. — epp. ed. BcUuze, II, 496.
- AgtarreCaialani, V, 167. - Migne, opp, III, 366.
*) Mmdexar, Ap. VII, p. 81^82. Das Privileg ist am 4. Deoemher IIFO,
ttk vierten Jahre nach der Eroberaog von Coen^ auageatellt cf. oben 8. 59.
•) Bödme. Tötet., IX, 1-4.
Otm^ tpu. Kirch«. lU. 1.
130 Eilftea Baeh. Fttnftes Kapitel.
§. 14.
9
Berengaria berief nun ihren Sohn Ferdinand zu sich. Gremäss dem
Willen ihres Vaters war sie, nach dem Tode Heinrich's, Erbin des
Thrones. Die Cortes zu Valladolid im Jahre 1217 huldigten ihr als
Königin. Bald darauf entsagte sie zu Gunsten ihres Sohnes, der schon
18 Jahre zählte. Am 21. August 1217 wurde er in der Kirche zu
König Valladolid als Konig proclamirt. Alfons IX. von Leon verbnndete
nandm. sich mit den Lara's gegen seinen eigenen Sohn. Mit einem Heere
nnd Min drang er bis gegen Burgos vor. Da in dieser Stadt eine starke Kriegs-
Ai. macht stand, kehrte er ruhmlos nach Leon zurück,
foni IX. je2t kam es zum Kriege zwischen Ferdinand und Alvar von Lara.
Dieser gerieth in Gefangenschaft. Er lieferte seine festen Pläze aus,
und erlangte dadurch die Freiheit. Auch seine Brüder Ferdinand und
Gonzalez mnssten die Waffen strecken. Wieder begann Alvar den
Kampf, musste aber nach Leon fliehen, und brachte Alfons LSI. dahin,
zum zweiten Mal mit Heeresmacht gegen seinen Sohn auszuziehen.
Bischöfe vermittelten einen Waffenstillstand. Bald, darauf starb Alvar,
nachdem er noch das Kleid des Ordens vom heiligen Jacobus ange-
nommen. Er war so arm geworden , dass ihn die Konigip Berengaria
auf ihre Kosten bestatten Hess.
Endlich schlössen Vater und Sohn einen festen Frieden'). Am
30. November 1219 schloss Ferdinand zu Burgos den Bund der £he
mit Beatrix, der Tochter Philipps des Hohenstaufen. Ferdinand begann
jezt im Bunde mit seinem Vater den Krieg gegen die Almohaden,
deren Herrschaft rasch ihrem Verfalle entgegengieng. Muhamed Ana-
sir statb an Gift schon den 25. December 1213, 34 Jahre alt. Sein
Sohn Abu Jacub Jusef zählte erst 10 Jahre. Das Reich zerfiel. Der
Miramolin beschäftigte sich u. a. mit dem Weiden seiner Heerden,
und starb am 6. Januar 1224, getödtet durch die Homer einer auf ihn
zurennenden Kuh, ohne Nachkommen.
§. 15.
Don Rodrigo Ximenes befand sieb im Jahre 1217 in Rom bei
Papst Honorius UI. Diess ist durch Briefe des Papstes erwiesen.
Seine Anwesenheit aber auf der vierten Lateransynode im October
und November 1216 wird von Florez und den Neuem geleugnet
■) FUyreZ'RUco, t 36, Ap. p. 141^144 (ohne Zeitangabe). — Migud dB
Manuel Rodriffuez, Memoriaa para la vida dd aanio Rey Dan Fernando III.,
Madrid 1800, p. 284^-286.
Don Bodrigo in Born. 131
Nach einem Manascripte der Kirche von Toledo erzählt Garcias i>o°
Loajsa das Folgende '). Auf dieser Synode' habe sich Don Rodrigo ^^^ ^
in lateinischer Sprache über die Gewalt des Papstes verbreitet. Weili^*«»»-
abcr Kleriker and Laien aus verschiedenen Weltgegenden zusammen- vf mis.
geströmt waren, so verdolmetschte er allen die in lateinischer Sprache
Torgelegten Beweisgründe und Zeugnisse je in ihrer Sprache, nämlich
den Römern, den Deutschen, Franken, Engländern, Navaresen (viel-
leicht Basken) und Spaniern. Alle bewanderten den Redner sowohl
wegen der Schärfe seiner Beweisfuhrnng, als seiner Redegabe. Denn
Ton den Zeiten der Apostel an war es unerhört^ dass Jemand in so
nelen Sprachen eine Rede an das Volk gehalten. Auf demselben
Coodl erlangte er es, dass er ein Jahrzehent in Spanien das Amt eines
apostolischen Legaten bekleide. Er erlangte femer die Vollmacht, dass
er 300 illegitim Gebome dispensiren konnte; dass von diesen einige
ZQ den heiligen Weihen, andere zu Beneficien mit Seelsorge, die an-
(km za verschiedenen Würden and Aemtem je nach seinem Ermessen
befordert würden. Er erlangte auch, dass er einige Excommunicirte
nnd Irregaläre dispensiren durfte'). Er erlangte es femer, dass, so-
bald in der Stadt Sevilla der christliche Gottesdienst wiederhergestellt
würde, sie ohne weitere Processe vermöge Rechtes des Primats der
Kirche von Toledo unterworfen werden sollte').
In einer Vorversammlnng am 8. October 1215 nahm Don Ro-
drigo den Primat über die Erzbischofe von Braga, Compostella, Tar-
nco and Narbone in Anspruch. Er bewies sein Anrecht durch
BoOen der Papste Honorius U., Gelasius II., Lucius II., Hadrian IV.
aod Innocenz III. Er verlas auch zwei Decrete des Cardinais Hya-
ctoth (unter Papst Alexander III.), durch welche der Erzbischof von
Bfiga ZOT Unterwerfung unter den Primas von Toledo aufgefordert
wurde. Der Erzbischof von Braga erklärte, er sei nicht wegen dieser
Sache nach Rom citlrt worden; auch wisse er nichts von Decreten
des Legaten Hyacinth. Aber gerade die Berufung auf den Legaten
beweist, dass Papst Alexander III. für den Primat von Toledo Nichts
geÜuuL Don Rodrigo verbreitete sich nun ausführlich über die Stel-
lang des Gegenpapstes Burdinus oder Gregorys VUI., an dessen Ver-
gehen doch der damalige Erzbischof von Braga keine Schuld trug.
Der Erzbiacbof von ComposteUa meinte, die Forderung des Don Ro-
drigo sei lacherlich, dass eine so alte und edle, zu Ehren des Apostels
0 OoUeeHo condlianm Hitpaniae , Madr. i693, p. 288 (in seiner Ab-
IttBdling IQ dem ,J)ecreium Oundemari'^ und dem Primat von Toledo).
*) irf cmm aUqmbus exeommunicatis, sacrihgis, ülegularibus, et caneubi-
Mrüi dupmioret. Diess kann dooh wohl nur heissen, dass dieselben hach theil-
veiaer Ejichenbiisse ihre Aemter wieder erlangen dürften.
*) nne 9trepStu jndieii, jure ptimatua ecdenae Toletanae mbesaet,
9*
132 EUftes BocIl FOnftes Kapitel.
Jacobos gegründete Kirche, der zuerst in Spanien das Wort Grottes
ansgestrent, nnd Unzahlbare znm Glauben bekehrt, dessen Leib in
der dortigen Kirche mhe, dem Stnhle von Toledo gehorchen solle«
Don Bodrigo erwiderte, die Kirche, d. h. wohl die exemte Stellang
von Compostella sei eben jezt 109 Jahre alt. Vielmehr habe erst Papst
Calixt n. das Erzbistham Emerita auf Compostella übertragen, wo
vorher nur ein kleines Oratorium gestanden. Aelter sei die Kirche von
DoB Toledo, gegründet seit der Zeit des Eugenins, der ein Schüler des
gj^^^^i^ Apostels Paulus gewesen^)« Wenn sich Compostella seines Jacobos
Prfmji. rühme, so könne Toledo sich vielmehr der seligsten Jungfrau Maria
rühmen, welche dem heiligen Udefons während des Messopfers und in
Gegenwart Aller erschienen sei. Sie sei doch noch näher verwandt
als Mutter mit dem Herrn, als der Apostel Jacobqs. Don Rodrigo
habe nur gelesen, dass ihm die Vollmacht zur Predigt in Spanien
gegeben worden; aber er sei, bevor er diese vollziehen konnte, durch
Herodes in Jerusalem enthauptet worden. Demnach habe er Niemand
in Spanien bekehren können, wo er ja gar nicht gewesen sei. „leb
erinnere mich wohl, in meiner Kindheit von gevrissen frommen Kloster-
frauen nnd Wittwen vernommen zu haben, dass sehr Wenige durch
seine Predigt sich haben bekehren lassen, und dass er wegen des so
kleinen Erfolgs wieder heimgekehrt sei.^
Gern aber gestehe er, mit denen, die Solches festhalten, dass
Compostella das Grab des heiligen Jacobus sei, obgleich Einige be-
haupten, dass sein Leib zu Jerusalem geruht, dann aber von seinen
Schülern geraubt und nach Compostella übertragen worden sei. Der
Erzbischof von Compostella erwiderte, wenn der Bischof von Toledo
auch Primas von Spanien wäre, was er in der That nicht sei, so
wären ihm die SuiFragane von Compostella doch nicht zum Gehorsam
verpflichtet.
Für den Erzbischof von Tarraco, der sich nicht in Rom befand,
erwiderte der Bischof von Vieh, in seinem und in dem Namen der
übrigen abwesenden Sufiragane, der Erzbischof von Toledo sei weder
Primas, noch hätten sie ihm in irgend einem Stücke Gehorsam zn
leisten. Der Erzbischof von Narboiie , welcher damals nicht in der
Versammlung war, antwortete Tags darauf im vollen Consistorium, er
sei hiefür nicht nach Rom citirt worden. Diess wurde verhandelt im
Lateran, am 8. October 1215, im achtzehnten Jahre der Regierung
des Papstes Innocenz III.')
') Diess ist ein Beweis, dass in Spanien zwischen den Jahren 1215 und 1593
die Ankunft des Apostels Panlns nicht vergessen war, sowie, dass damals die Le-
gende von Eugenins als dem Schüler des Dionysins von Paris noch nicht fest-
gestellt war.
') Haec ex libro M. s, Ekclestae Toletanae.
Der PrimatieStreit 133
§. 16.
Mit grosser Hize nennen die neaen Spanier, Ferreras, Florez, sin Fäi-
Vicente de la Faente, u. A. den Verfasser dieses * Berichtes einen *?•'"*
-t j. Toledo.
^Falscher''. Sie, welche behaupten, dass die Ankunft und Fredigt
des heiligen Jacobns in Spanien die Tradition aller Jahrhunderte ge-
wesen sei, können die Behauptung nicht zugeben, dass Don Rodrigo
in Rom diese Ankunft geleugnet habe. Aber gesezt auch, der Bericht
sei eine Fälschung, so entstand das Schriftstück doch in Toledo zwi-
schen den Jahren 1215 und 1549, und die Ankunft des Jacobus wurde
in &8er Zeit geleugnet. Auch Garcia Loaysa Giron, im Jahre 1598 —
1599 selbst Erzbischof von Toledo, macht keine Einspräche gegen
diese LeognoDg. Vor ihm theilt Blasius Ortiz, Canonicus von Toledo,
in seiner ^eaeriptio Templi Toletani^ (Beschreibung der Eithedrale
Too Toledo) vom Jahre 1549 einen Auszug aus dem Berichte mit, und
zwar ans einem alten Codex, „der von dem Primat, dem Adel und
den Besiznngen der Kirche von Toledo^ handelt '). Von Don Rodrigo
bis zom Jahre 1549 waren nur drei Jahrhunderte verflossen; so alt
konnte der Codex wohl sein, der Bericht selbst aber zu Zeiten des
Don Rodrigo verfasst worden sein.
§• 17.
•
Die Grande, die gegen die Anwesenheit des Don Rodrigo auf
der Lateransynode angeführt werden, sind zahlreich, aber nicht über-
weisend Erstens, die Akten, des Concils sagen Nichts von dieser
Anwesenheit; aber sie zählen ja nirgends die Anwesenden auf. Don
fiodrigo erzahle Nichts davon; aber er erzählt auch nicht, dass er im
Mre 1216 — 1217 in Rom war, und doch wissen wir es aus päpst-
lichen Breven. Drittens, Lucas von Tude erzähle Nichts davon; aber
dieser nennt ja nur Zahlen, und keine Namen. Viertens, das Concil
sei am 15. November erSfihet worden, und der Bericht spreche vom
?. October. Aber es war nur eine Vorversammlung, deren in allen
grossem Concilien manche statthatten. Fünftens, Don Rodrigo habe
im Jahre 12 15 wegen der politischen Unruhen Spanien nicht verlassen.
Aber unruhig war es auch im Jahre 1216 — 1217, und doch hatte er
das Land verlassen. Aber, sagt Florez, Don Rodrigo hat am 27. Sep-
*) Codex quidam vetustus, ex diversis arUiqiufrum patrum voluminibus,
o^ prwüegiis eompositus, cui Htulus est : De primatu^ nobüittäe, ae Domu
«io Ecduiae ToUtanae. cf. Patres Toletani, t III, p. 462.
134 Eilftes Buch. Fanftea Kapitel
«
Don tember 1215 zu Arevalo ein Document unterzeichnet, also konnte er
j„ g^p^ nicht in Rom sein. Zugegeben die Richtigkeit der Zeitangabe, konnte
tambur er doch noch bei Eröffnung der Synode am 11. November 1215 in
spanfon ^^ angelangt sein. Denn unsere Gegner leugnen ja gerade die Mög-
lichkeit seiner Anwesenheit in Rom.
Aber, meint Florez, Honorius schreibe am 30. Januar 1218 an
die Bischöfe von Avila und Bnrgos, er habe bis jezt den Don Kodrigo
von Angesicht nicht gekannt, also könne dieser im Jahre 1215 nicht
in Rom geweilt haben. Dagegen spricht, dass Honorius III. am
22. September 1216 an Don Rodrigo selbst schreibt, dass Don Rodrigo
vor diesem Tage wegen des Primatstreites in seiner Gegenwart er-
schienen sei. — Florez kann nicht leugnen, dass Don Rodrigo selbst
sagt, der Graf Alvar Nunez sei von dem Decan von Toledo ezcommu-
nicirt worden, welcher damals die Stelle des Erzbischofes vertrat*).
Vergebens sucht Florez diess Zeugniss so zu deuten , als sei der Decan
nur der Executor der Aufträge des Don Rodrigo gewesen. Gegen ihn
und für die Anwesenheit des Don Rodrigo in Rom sprechen auch die
(erst im Jahre 1800) erschienenen „Memorias^ (Denkwürdigkeiten) des
Lebens Ferdinand's III., welche von Don Rodrigo sagen, dass Dona
Berengaria, die Mutter Ferdinand's III., die Abwesenheit des Don
Rodrigo schmerzlich vermisst, welcher sich wegen verschiedener Ge-
schäfte in Rom befunden habe^).
Florez und die Spätem scheinen der Meinung zu sein, dass,
wenn sie den Bericht des Ungenannten über den 8. October 1215 zu
Rom als unhaltbar dargestellt hätten, sie auch den Beweis geliefert
haben, dass Don Rodrigo nicht in Rom gewesen. — Vicente de la Fnente
muss zugeben, dass Don Rodrigo wenigstens' im Jahre 1217 zu Rom
gewesen. Mit Nachdruck sagt er: „Zwei Jahre nach dem Ooncil'' ^.
§. 18.
Wenn wir aber näher zusehen^ so befand er sich auch im
Jahre 1216 zu Rom, im Jahre nach der Synode, "> ja er befand sich
■
') 8ed excommunicatua a Roderico, Toletano Decano, qui vices ArcJUepi-
scopi tunc gerebat, coacttis fiiit restituere. De rebus Hispaniae, IX, 1, —
EbeDSO die Chronik — la Chronica de San Fernando, cp, 2, EsUmees Don
Rodrigo, Dean de Toledo, gue era Protnsor del Arzobispo, deseomulgb al Conde,
') Hizo gran faUa h la Reyna y al reyno la autoridad y gran juido del
arzobispo Don Rodrigo. HaUdbase en Roma d varios negodados — Memorias
etc, cp, V, p. 14. — cf. Florez, t III, 2 edic, qp. /// (de la Predicaeion de
Santiago en Espana), p. 46S8,
') Vicente de la Fnente, l. c. — Supuesta asisencia de Don Rodrigo al
Concilio IV de Latran (p. 70—71),
Primatialatreit in Rom. 135
daselbst noch zn Lebzeiten Innocenz' III., also im Jahre 1215 und zu
An&Dg des Jahres 1216. Wir besizen einen Brief Honorius III. an
DoD Bodrigo, den Aguirre dem Jahre 1217 znschreibj;'), den A. Pott-
hast in die lezten Monate des Jahres 1216 verlegt*), als dessen Da-
tom aber P. Pressutti den 22. September 1216 festgestellt hat^.
Hier redet der Papst den Don Rodrigo also an: „Als Du und ^^^
Joannes, der Kleriker von Bracara, der Procurator ünsers Bruders, m/ ^n
des Erzbischofs von Braga, in Unsrer Gegenwart Euch aufgestellt Bom.
liattet^, so erbat sich Joannes in Betreff Eures Streites über die Pri-
made eine Verlängerung des Termins^. Diesen Termin hatte Inno^
cenz in. bis zum 1. November 1216 angesezt, und Honorius UI. hatte
denselben bestätigt Joannes aber bat jezt um Verlängerung desselben,
oiD noch weitere Zeugen aus Portugal berufen zu können. Der Papst
m darauf aber nicht eingegangen, da der Erzbischof von Braga den
Tonchlag nicht angenommen, und sich geweigert habe, mehrere
Zeugen zu stellen.
§. 19.
Am 20. Februar 1217 aber schreibt derselbe Papst an den Erz-
bischof (Stephanus) von Braga und sein Capitel, es sei zwischen Don
Bodiigo und (Stephanus) von Braga der Streit über die Primatie ver- Don
kiDdelt worden, und den Bracarensern sei ein Termin zur Stellung von ^'^
Procoratoren gestellt worden. Honorius III. habe ihnen früher geschrie- Bom.
ben, dass es bei diesem Termin sein Bewenden habe, und sie auf
ioDe weitere Citation nach Rom warten dürfen. Der Papst würde,
im Falle ihres Nichterscheinens (am 1. November 1216) in der Sache
weiter vorschreiten, wie es die Gerechtigkeit erheische. Aber lange
uch Verlauf des Termins sei der „Meister der Schulen^ und der
Meister Dominions, Kanoniker von Braga, in Rom angelangt und hätten
ach als Procuratoren ausgewiesen, hätten aber dringend um Verlän-
gcning des Termins angehalten, weil sie weder die nöthigen Aussagen
der Zeugen noch andere „Handfesten^ mitgebracht^). Nach dem
*) Aguirre-Caiaiam, V, p. 181.
*) PMuui, l. c, nr. 5406.
^ Pittro Pres9utU, Jd«^ RegesH Romani Pontifici daU' anno 1198 aU'
^"so ISOi^ per Äug. PoUkast^ osamvaziani storico-cri^ehe (z. Jahre 12 16—1 21 7),
Roma t874, p. 32; 1216, 22. Seitembre. Eoderico arch. Tokt, scribit de eauea^
9<M< de mpremaÜa intet ipsum et Arek. Bra[njcarensem efusque capitulwn
^i^ et de aliorum testivm productione admittendcL. ^Te <ic Joanne»*^ La-
<«nnt X Kot. Oct. anni L
*)Te ac Joanne^ — in noetra praesentia conetitutis.
*) NOR athderant depaeitionem ieetium et alia munimentay dilationem
^■m inekmtia pashdanmi.
136 Eilftes Buch. Fünftes Kapitel.
Rathe der Cardinäle wurde ihnen bis zum Sonntage nach Pfingsten
(1217) der Termin verlängert. Bis dahin sollen sie derart gerüstet er-
scheinen, dass ^der Streit seinen Ausgang haben könne. Denn zum
Schaden des Erzbischofs von Toledo sei diese Sache so lange hinaus-
geschoben worden, und nach diesem lezten Termine müsse sie ent-
schieden werden*).
Don Rodrigo verlor, troz der vielen „brennenden Fragen^ in
Spanien, die Geduld nicht, seinen Gegnern in Rom Rede za stehen,
und deren Ankunft zu erwarten. Aber den Prozess hat er doch nicht
gewonnen.
§. 20.
Die Mandatare von Braga müssen sich zur rechten Zeit einge-
stellt haben, denn gegen Ende des Jahres 1217 wurde der Process zu
Inno- Gunsten von Braga entschieden. Schon am 1. Juni 1211 schreibt
'®°'^°' Innocenz III. in Kürze an Don Rodris^o, er habe das Gesuch, welches
an Dop , .^ , , .
Rodriso, derselbe in Sachen des Primats durch den Kleriker M. an ihn gestellt,
1. jani, Qoch uicht zugelasseu, nicht aus Härte gegen ihn, sondern weil jezt die
Zeit nicht geeignet sei. Da man wegen des drohenden Einfalls der
Saracenen Gefahr für Spanien befürchte, so dürfe man aus Anlass
dieser Primatie nicht einen neuen Scandal in Spanien hervorrufen*),
da ja durch Verschiebung dem Anrecht des Don Rodrigo kein Schaden
erwachse. Wenn die gelegene Zeit werde gekommen sein, so wolle
er ihm Recht und Gerechtigkeit verschaffen^.
Es ist zwar möglich, aber es ist schwer, diese Bulle mit der
oben erwähnten desselben Papstes vom 4. März 1210 zu vereinigen, welche
dem Don Rodrigo den gewünschten Primat verleiht^).
*) per Apostolicam volns sententiam mandantes praecipiendo, quaUiMtö
sie instrucii compareatis in terminOj quod caussa auum sortiri possit effedum;
quia cum idtra peretnptorium assignatum, diu sU in ipsius Toletani dispetidum
ejnsdem cauasae decisio protüata, tunc profedo in ea, quanium postulabä
ratio, procedamus, — Lahhe^ OoU, concil», XI^ 244, nr. 5. — Aguirre-Catalanif
F, 182. - Mansi, XXU, 1097. (Boehmer, Corp. jur. canon., II, 207. -
RicJUer, Corp. jur. canon., II, 219.)
') non oportet occasione hujusmodi primatiae aliud in Hispania modo
scandalum suscitari.
*) ep. L 14, nr. 57, ap. Baluze, 11^ 630; opp. ed. Migne, III, 423;
Aguirre-Catakmiy V, 160,
*) S. U5,
Don Bodri^ io Rom, 1216—1217—1318. 137
§. 21.
Der der Zeit nach nächste Brief desselben Papstes ist vom inno-
12 Januar 1216 an den EIrzbischof nnd das Capitel von Braga. Da^°'^^„'
nrisdien Don Rodrigo und dem Erzbischof von Braga wegen des ^rs-
Pranate der Process vor den Papst in Form Rechtens gebracht wor- v.bfr^
(ko, habe sich der firzbischof von Braga eine Frist zu seiner Yerthei» i^- J«»-
digung aasgebeten. Der Papst gewähre ihm den Termin bis zum
l.NoTember 1216. Bis dahin möge er geeignete Procuratoren senden.
WeoD nicht, so werde der Papst ohne Bäcksicht in der EJagsache
Tondireiten. Aof die Existenz dieses Briefes weist Honorius III. in-
dired lim, ohne Angabe des Datam. Ebenso hat Theiner kurze Re-
gesten der Briefe lonocenz's III. ans dem lezten Jahre seiner Regie-
niog, Tom 22. Februar J2i5 bis 16. Juli 1216, mitgetheilt, wo dieser
Brief, ohne Angabe des Datum, erwähnt wird').
Derselbe ist aber schon im Jahre 1645 in dem Werke des Di-
daros de CagUyon über die Primatie von Toledo, unter einer grossen
Menge onichter Docnmente, abgedruckt, und seitdem nicht beachtet
worden. Diess der Grund, wesswegen wir ihn hier mittheilen*).
Darnach befand sich Don Rodrigo vor dem 12. Januar 1216 in
Kom, mid hatte dort seinen Process anhängig gemacht, wozu er auch
ffflige Zeit branchte. Einen Monat und 11 Tage vorher hatte die
l^zte Sizang der vierten Lateransynode stattgefunden, zu der er, wie
Alk Bischöfe, ciiirt worden war. Der Beweis, dass er schon im No-
vember 1215 zn Rom gewesen, ist annähernd gefährt.
Honorins III. trat am 24. Juli 1216 die Regierung an. Vor dem
^.September 1216 erschien Don Rodrigo und' der Kleriker Joannes
*) Ämg, Hieinerj Vetera monumenta Slavorum meridionalivm historiam
Ulftürimtia, T, I. Bomae, 1863, nr. 59, p. 65. (Die Aechtheit der Balle ist hie-
dordi feelgestellt)
*) F. frairi Bracarengi et dileciis filiis CapUuli Bracarennhua. — Lite
1"^ vmerabilem frcUrem nostrum Ärchüspiscopum ToUtanum et Te, f roter
<inkäp., tuptrPrimatia coram Nöbis solemniter contestcUa, poatulctsti, Tibi et
^(äesiae tüae defendendi spatium indvigeri. Noa igitur utrique parti suam
^^^^^^tei justitiafn eanservare, festum omnium Sanctorum proxime veniurum
'^'^ntai»! vobis duximus praefigendum. Ideoque discretioni vestrae per apoeto-
'*^M ienieniiam numdamus, qtuUenus eodem termino, quem vobis peremtorium
^^'^'^g^amiits, proeuratares idoneos, communicaJtie ratianibus, et defensianibus
^'^^trisy ocamone ei excmoHone cessaniibus, ad nostram praesentiam deaünetis,
^ tana ipta fine paseit debito terminari. Alioquin ex tunc niküominus in
'?90fiegoUo, quanitan permittet justitia , proeedemue. Datum Latdn, IL Idus
J<marii Fönitf. noeiri anno 18. — DidoGos de Castejtm et Foneeca, Prima-
^^ äe la eania Iglesia de Toledo^ defendida contra las impugnaciones de
^nga, 2 Um. fol. Madrid 1645 (and t. III im M. S.).
140 Eilftes BnclL Ffinftes Kapitel
Judiz, kein Nacbtheil erwachsen. Das heisst wohl, ans dieser Con-
cession dürfe nicht geschlossen werden, dass die andern Kirchenpro-
vinzen Spaniens nicht unter der Primatie von Toledo stehen sollen*).
Am 5. Februar 1220 verleiht der Papst dem Don Rodrigo, Le-
gaten des apostolischen Stuhles, in Anbetracht seiner vielen Ausgaben
zu dem Kampfe gegen die Mauren den zwanzigsten Theil (der Eio-
kunfte seiner Legation ^. Don Rodrigo erhielt auch das Recht, die
Präbenden päpstlicher CoUation, welche im Umkreise seiner Suffragan-
bisthümer erledigt würden, zu vergeben^), die Vollmacht, Gelübde
für einen Kreuzzug nach Palästina in Gelübde für den Feldzag gegen
die MsLuren in Spanien zu verwandeln.
Don Rodrigo war in den Jahren 1216 und 1217, sowie am
Schlüsse des Jahres 1215 und am Anfange des Jahres 1218 von
Spanien abwesend gewesen. Seine Unterschrift auf einem Diplome
vom 27. December 1215 stüzt sich lediglich auf die Auctorität des
Ferreras, dessen Ungenauigkeit zur Genüge dargethan ist. Ferreras
und Florez haben das Document selbst nicht mitgetheilt Das Ueber-
maass aber von Befangenheit leistet Florez darin, dass er aus dem
Briefe des Papstes vom 30. Januar 1218 beweisen will, dass der Papst
denselben persönlich nicht gekannt habe. Das Gegentheil vielmehr
Hono- sagt der Papst Vorher habe er den Don Rodrigo nur nach seinem
ttber gQ^A Rufe gekannt, jezt, da er ihn persönlich kennen gelernt, müsse
Don er gestehen, dass der gute Ruf über ihn sehr weit hinter der Wirk-
'^'lichkeit zurückgeblieben sei*). — So verblendet ein mit Leidenschafl
eingenommener Partheistandpunkt auch ausgezeichnete Historiker.
§. 24.
Don Rodrigo unternahm im Jahre 1219 als päpstlicher Legat
einen Feldzug gegen die Mauren von Valencia. Er nahm zwar meh-
') RaynaJd, l, c, §. 63. — Labbe, Concil. XI, 245. — Aguirre-Catalani,
V, 182. - Mansi, XXII, 1098.
') Die Bulle in dem „Elogio'^ des Vicente de la Faente, S. 6G.
') Balle vüin 30. Januar in der Sammlung von Buriiel.
*) No8 tarnen pensantea prudenttam Archiepiscopi Toletani^ cvius etsi
fama dudum ad nos praeconio tarUo pertulerit^ tU profusa in efus laudüms
videretur, nunc tarnen ülam a/oaram in ^usdem comperimus extitisse, am
scientiae, circutnspeciionut, modestias, honestatia ac omnis industriae hnge phts
quam illa retulerit, InTenerlmns In eodem, et onus hujusmodi duximus impo-
nendum, legationis officium eidem ad id per vestraa provindc^ concedendo,
ipse quasi altej Josue vos praecedat. — Od. Raynald,, L I (XIII AnnaUum
Baranii), ad ann. 1218, nr. 69-70.
Kathedrale yod Toledo. 141
T^t Orte ein, und belagerte (am 29. September) Requena. Aber am Don
II. November sah er sich gezwungen, die Belagerung aufzugeben, ^^'
wegen Mangels an Lebensmitteln und beharrlichen Regens, mit einem werbun-
Verloste von 2000 Mann. aren.
Dagegen erwarb Don Rodrigo seinem Erzhisthum das s. g. Amt
Ton Cazorla, welches im Süden der Sierra Morena liegt'). Das Amt
oder der Bezirk besteht aus 6 Villa's, Cazorla, Eleruela, Villanueva
de el Arzobispo, Villacarrillo, Iznatoraf und Soriguela. Quesada gieng
wieder an die Maaren verloren. Im Jahre 1231 schenkte Ferdinand III,
das Amt Cazorla dem Don Rodrigo für die grossen Dienste, welche
derselbe in dem Kriege gegen die Mauren geleistet. Seitdem waren
die Enbischöfe von Toledo im Geistlichen wie im Weltlichen Herren
von Cazorla*).
§. 25.
Im Jahre 1226 begann Don Rodrigo den Bau der neuen herr-
lichen Cathedrale von Toledo. Der Eonig und Don Rodrigo legten Kathe-
zusammen den ersten Grandstein zu der Kirche, welche zwar seit der '^'^^ ^'
2eit der Araber noch als frühere Moschee gestanden, die aber als
wolliger Neubau sich erhob'). Sie ist und bleibt eines der herrlichsten
Baowerke aller christlichen Jahrhunderte, welches auch heute noch das
Suoneo und die Bewunderung Aller hervorruft. Lucas von Tuy ruft
äu: ,0 wie glücklich sind diese Zeiten, in welchen der katholische
Glaobe erhöhet, die häretische Verkehrtheit ausgerottet, die Städte^
oml Bargen der Saracenen durch das Schwert der Gläubigen verwüstet
werden. Ils kämpfen die spanischen Bischöfe für den Glauben, und
siegen an allen Orten. Die Bischöfe, die Aebte und der Klerus errich-
ten Kirchen und Kloster; die Landleute bauen ohne Furcht ihre Felder,
sie and ihre Thiere geniessen des Friedens, und Niemand ist, der sie
io Schrecken sezte. In dieser Zeit hat der verehrungswürdigste Vater
Kodericus, der Erzbischof von Toledo, die Kathedrale von Toledo
darch ein wunderbares Werk gebaut, hat der klügste Mauritius, der
Bisdbof von Bnrgos, die Kirche von Burgos eben so fest als schön
gegrandet. Und der weiseste Joannes, Kanzler des Königs Ferdinand,
*) Das Nihere a. Bd. I, S. 198—199.
*) 8. ^Eiogiof, p. 58- 62j Descripcion dd Adelatiiamiento de Cazorla^
9<Mado par — Don Rodrigo fnach Salazar de Mendoza, 1603).
^ Urne jteerunt primum lapidem Rex et Archiepiseopus Rodericus in
f^f^damento Eedenae Toktanae, quae in forma mexquitae a tempore arabum
<^>c<fa6a(, cufus fabrica opere mirabili, de die in diem, non sine grandi
^tratiane Aommiim, exaUaJtur. De rebus Hispan,, IX, 13,
142 Eilftes Bach. Fünftes Kapitel.
hat die Kirche von Valladolid grundgelegt, und mit vielen Besizongen
herrlich sie ausgestattet. Als er im Laufe der Zeit Bischof von
Osma geworden, hat er den grossartigen Bau der Kirche von Osma
errichtet" ').
Man nimmt an, dass der grösste Theil der Kosten des Baues
von Don Rodrigo und seinem Kapitel bestritten wurde; denn der König
war damals in Geldbedränguiss. Ein Theil der Domgeistlickeit war
mit solchen Ausgaben nicht zufrieden. Die Racioneros (Praebendaten)
der Kathedrale verfassten im Jahre 1237 eine scharfe Klagschrift gegen
Don Rodrigo, klagten ihn als Verschleudcrer und Verschwender des
D«' Einkommens der Kirche an, indem er viele Präbenden, nicht beseze,
dieiut. lind deren Einnahmen einziehe, oder sie an Abwesende vergebe, zum
Schaden des kirchlichen Dienstes.
lieber das Ergebniss dieser Klage verlautet Nichts; wohl hatte
sie keinen Erfolg, in Anbetracht der grossen Facultäten in Vergebung
der Präbenden, welche der romische Stuhl ihm ertheilt, der sprüch-
wörtlich gewordenen Freigebigkeit des Erzbischofs, der Grösse seiner
Unternehmungen, der Kostspieligkeit des Baues der Kathedrale, und
seiner grossen Verdienste um die Erhöhung des Sizes von Toledo.
Im Jahre 12.^8 führte Don Rodrigo eine neue Vertheilnng der
Präbenden seiner Kirche ein; es waren vorher 30 „Rcicionerds*^ (Prä-
bendaten), er erhöhte, mit Einwilligung aller Kanoniker seiner Kirche,
ihre Zahl auf «oO. In dem Documente darüber wird u. a. gesagt, „als
in unsem Zeiten die Diöcese sich vergrösserte, wie die Kirchenprovinz,
wie der Umfang der (frühem) Mezquita zum Umfang der (jezigen)
Kathedrale sich erweiterte, eine Erweiterung, die durch unsere Be-
mühungen und auf unsere Kosten geschehen'), gefiel es Uns, Rodrigo,
dem Erzbischofe von Toledo, dem Primas von Spanien, und dem
ganzen Capitel von Toledo ^ dass die Zahl der Dienenden vermehrt
würde, und da es 30 Theilnehmer^) waren, welche von den täglichen
Erträgnissen so viel als die Kanoniker erhielten ^ dass von ihren Ein-
künften 30 Beneficien gebildet würden mit 50 Dienenden^), so dass
jeder Diener an jedem Tage nur zwei Solidi erhalte, und dass dieses
die ganze Einnahme der Dienstleistenden sei.
Seit dieser Zeit bestanden 40 Kanonikate und 50 RJEtcionen, ob-
wohl später noch einige andere Präbenden hinzukamen, welche ai^sser-
ordentliche („extravagantes^) genannt wurden.
Am 20. Juli 1221 war durch den Bischof Mauritius der erste
<) Lue€u Tuderuis, L c, p. 112,
*) nostria Idboribus et expensis mtUato.
') portionarii.
*) servitares.
Synode von Valladolid, 1228. 143
Stein zam Grunde der nenen Kathedrale von Burgos gelegt worden,
während der Bau der Kathedrale von Toledo im Jahre 1226 begann.
§• 26,
Im Jahre 1228 fand zu Yalladolid ein Concil statt. Dqt Bene- Synode
dictiner Johannes Allegrin, früher Prior von Abbeville, wurde im "^„^"
Jahre 1225 Elrzbischof von Besan^on, im Jahre 1227 Cardinalbischof i»».
von Sabina, nnd wurde nun als päpstlicher Legat nach Spanien ge-
sandt. Diese Synode war firüher unbekannt geblieben. Manuel Bisco
entdeckte sie in einem Manuscripte unter den Constitutionen der Kirche
von Leon, die in verschiedenen alten Codices des dortigen Archivs
erhalten waren. Denselben geht eine Bulle des Papstes Honorius UJ.
voran, durch welche die Verordnungen des Cardinais Pelagius, um das
Jahr 1224 für' die Regierung der Kirche von Leon erlassen, ihre Be^
stätignng erhalten»
Don Bodrigo sagt von Johannes, dass er in den Reichen Casti-
lien und Leon Concilien berief. Wir wissen von den zu Yalladolid
im Jahre 1228, zu Tarazona und Lerida im Jahre 1229 gehaltenen
Synoden. Auffallend ist, dass zwischen dem Concil von Gerona im
Jahre 1197 nnd der Synode von Yalladolid im Jahre 1228 in ganz
Spanien keine förchenversammlung gehalten wurde.
Anwesend in der Synode waren alle Bischöfe von Castilien und
Leon. Der Legat verordnet: Es sollen sofort die Bestimmungen der
vierten Lateransynode vom Jahre 1215 genauer beobachtet werden,
and die Zuwiderhandelnden werden mit Strafen belegt — Zweimal im
Jahre werden (Diocesan-) Synoden gehalten, am Tage nach dem Feste
des heiligen Lucas, und am Tage nach dem Sonntage „Misericordia
Ikmim"* — Wenn der Bischof aus einem dringenden Grunde abwe-
send ist, so lasse er durch seine Stellvertreter die Synode halten. Bei
erledigtem Size mögen die Archidiakone in ihren Bezirken Yersamm- *
langen halten. An jeder Kathedrale werden die tauglichsten Männer
ermdilt, das Wort Gottes zu predigen und die Beichten Aller zu
boren. In aUen Klosterkirchen wähle der Bischof einen der Tüchtig-
sten fnr denselben Zweck aus.
Alle Beneficiaten sollen das Lateinische verstehen. Die Beneficia-
ten, welche noch Studien machen wollen, werden drei Jahre lang von Die
der Beaidenzpfiicht dispensirt, wenn die Zurückbleibenden für den b^^<u«>*
Dienst der Kirche ausreichen. Diejenigen, welche ihre Studien in Pa-
lencia machen nnd fortsezen wollen, sei es, dass sie dort lesen oder
Tbeok>gie hören wollen, dürfen 5 Jahre ihre Beneficien fortbehalten,
wie wenn sie an ihrer Kirche weilten.
144 Eilftes Bach. FQnftes Kapitel.
Jeder Bischof erkläre in der ersten von ihm gehaltenen Synode
alle Kleriker als suspendirt, welche noch in ihren Häusern oder aaf
ihren Besizangen Concubinen haben.
Verord- Alle als solche bekannten Concubinen seien ausgeschlossen; weno
nangen. gj^ gterbcu , SO solleu sie nicht an geweihter Stätte begraben werden.
Solche Personen sollen öffentlich im Gottesdienste' bezeichnet werdeu.
— Die ferner widerstrebenden Kleriker und Beneficiaten sollen ihrer
kirchlichen Beneficien verlustig gehen. Damit diese Verordnungen
besser bekannt werden, sollen die Dekane der Kathedralen in ihren
Capiteln , die Erzdiakone und Erzpriester in ihr^n Bezirken diese Be-
schlüsse zur Ausfahrung bringen. Die Concubinarii sollen für alle
Zeit ihrer Beneficien verlustig sein, wie es die allgemeine Synode ver-
ordnet. Die Söhne solcher Kleriker, die nach der Synode des
Jahres 1215 geboren worden, können ihre Väter nicht beerben, nicht
Kleriker der Tonsur sein, und die Vorrechte der Freiheiten des Kleri-
kats nicht geniessen.
Die Kleriker sollen sich vor Uebermass in Speise und Trank
sorgsam bewahren, und nicht unehrenhaften Gewerben nachgehen, wie
sie einige Laien treiben. Die Kleriker sollen sich in unehrenhaften
Gesellschaften nicht befinden, nicht des Gewinnes wegen spielen, nicht
Schenken besuchen. Sie sollen die Tonsur und anständige Kleider tragen*
Die Kleriker sollen die Kirchengeräthe in gutem Stande erhalten,
sie sollen das „Corpus Christi^, das Chrisma und das heilige Oel gut
verwahren. Alle acht Tage werden die heiligen Gestalten für den
Dienst der Kranken erneuert. Die kirchlichen Obern sollen di^ Zu-
widerhandelnden in Strafen nehmen. — Es wird von den Präbenden,
Dignitäten und Pfarreien gehandelt. Jeder soll die Weihen empfangen,
welche für die Verwaltung seines Amtes erfordert werden. Jeder werde
nur auf den entsprechenden Tischtitel geweiht.
Sowohl die Mauren als die Juden sollen der Kirche den Zehent
entrichten, sowie die Oblationen für die Besizungen, welche sie aus
' der Hand der Christen haben. Die Weihe der Bischöfe, die Beue-
diction der Aebte, die Ordination der Kleriker geschehe unentgeltlich.
— Ebenso dürfen die Kleriker Nichts für das Begraben der Todten,
oder lur die Jahrtäge derselben, oder für die Einsegnung der Ehen
verlangen. Die Laien aber werden angehalten, hierin die frühern
Uebungen und Gewohnheiten beizubehalten.
Die Vorsteher der Klöster sollen ohne Genehipigung des Bischofs
in dem Besizstande derselben Nichts ändern. Die Mönche solleu keine
weltlichen Trachten annehmen, kein Eigenthum haben, und sollen nur
in ihren Klöstern wohnen. — Die Kleriker, welche Verbrechen be-
gangen haben, sollen den kirchlichen Richtern ausgeliefert und für
immer degradirt werden. — Die Präbenden sollen nicht zerstückelt
BomreiBen des Don Bodrigo. 145
irefden. Diese und andere Bestimmungen sollten die Verordnungen
der Tieiten Lateransynode in das Leben einführen.
Sie Synode selbst ist nur in der alten castilianischen, schwer
rerstandlichen Sprache erhalten. M. Bisco hat sie dem sechsunddreis-
sigsten Bande der „Espana sagrada^ einverleibt, und Tejada hebt mit
Nachdruck hervor, dass seine ConcUiensammlung die erste sei, in
welcher diese Synode erschienen ').
§. 27.
Am 26. Jnni 1234 gab Gregor IX. dem Erzbischofe Don Rodrigo
den Auftrag, dass er in den Städten seiner Provinz, welche vordem
Bisthomer gehabt hatten, auch jezt wieder zu der Erneuerung dersel-
ben geeignet wären, kraft apostolischen Auftrages würdige Männer als
Bischöfe einsezen möge'). — Diese Anweisung fand zunächst ihre
Anwendung nur auf das alte Bisthum Baeza, worüber Gregor IX. Bisutom
schon im Jahre 1228 eine Bulle an Don Rodrigo erlassen hatte, dessen ^
erster neuerer Bischof Dominicus eine Zeit lang Titular- Bischof
gewesen, nach Eroberung der Stadt aber im Jahre 1227 wirklicher
Bischof wurde, der spätestens seit dem Jahre 1236 daselbst wohnte').
§. 28.
Im Jahre 1235 (?) trat Don Rodrigo seine dritte Romreise an.
Johannes, der Bischof von Osma, war sein Stellvertreter in Spanien,
während er selbst zur Zeit der Eroberung von Cordova „bei dem
apostolischen Stuhle^ verweilte*). — Die Zeit seiner. Rückkehr ist
nicht kekannt. Schon im Jahre 1240 berief Gregor IX. den Don
Bodrigo wieder nach Rom, wie aus einem Breve hervorgeht, das
A. Borriel copirte. Diese Einladung wird wohl die Berufung zu der
lor den Mai 1241 ausgeschriebenen grossen Synode sein* Unter denen
&ber, die damals nach Rom reisten, und durch den schmählichen
leberfall Friedrich's IL theils das Leben verloren, theils mit Mühe es
nrtteten, oder als Gefangene nach Neapel gefuhrt wurden, wird Don
0 t 36, Madr. 1787, CancUtos Legümenaea, p. 216-227. — TtQoda
y Ramiro, III, 324^329.
*) Raynaldi anndles, ad ann, 1234, nr. 60. — Potthaat, Regetta, t. I,
v.9i8L
") Vieenie de la Fuente, p. 69. (Die Balle vom Jahre 1228 war wenigstens
im Jahre 1862 noeh nicht gedruckt.)
0 qvi (Roderic. ToUt.) tunc temporis apud Sedem Apostplicam moraba-
<«r. - De reb. Hisp., IX, 17.
Swt, ipo. KlrdM. m 1. 10
146 Eilftes Eacfa. Fflnftes Kapitel.
Rodrigo nicht genannt. — Dagegen theilt Vicente de la Faente eio
Breve des Papstes vom 19. Jali 1239, datirt aus Anagni mit, welches
an den Bischof von Turiasso gerichtet ist^). Er erhält den Auftrag,
im Falle während der Romreise des Don Rodrigo ein Eingriff in seine
Besizungen von irgend einer Seite gemacht worden, denselben in seinem
Rechte zu schüzen. Es ist aber nicht klar, ob darunter die dritte
oder eine vierte Romreise zu verstehen sei. Sicher ist, dass Dod
Rodrigo im April 1238 zu Tndela am Ebro anwesend war*), vielleicht
auf der Rückkehr von der dritten Romreise. Im Jahre 1238 weilte er
auch in Toledo.
§. 29.
Nachdem die Königreiche Leon und Castilien im Jahre 12r^0
wieder vereinigt worden, hielt es Don Rodrigo an der Zeit, wieder
auf die Anerkennung seines Primats, namentlich über Compostella, zq
dringen. Die Bischöfe von Braga, Segovia und Salamanca seien als
päpstliche Commissäre aufgestellt, die Zeugen verhört, die Acten nach
Rom gesandt worden. Im Jahre 1235 habe Don Rodrigo selbst seine
(dritte ?) Romreise angetreten. Auf seiner Rückreise habe er innerhalb
der Grenzen der Tarraconensischen Provinz Gebrauch von den Ab-
zeichen seines Primats gemacht, was die Bischöfe jener Provinz nicht
gestatten wollten^). Im Jahre 1239 hatte er die Documente seines
Primats aufs Neue in Rom sammeln lassen^). — Doch erlangte Don
Rodrigo auch jezt im Wesentlichen nichts Neues. Er gieng in der-
selben Angelegenheit auf die Eirchenversammlung von Lyon — 1245.
Er hatte sich auf der Rhone wieder eingeschiffl;, als er im Jahre 1245
D. Ro- starb. Nach Ferreras starb er zu Lyon selbst am 10. Juni 1247. Er
*Tod'* '^'^r^® begraben im Cistercienserkloster von Hnerta, das er sich schon
im Jahre 1201 als seine Grabstätte auserwählt hatte.
§. 30.
Seine ^^^ foIgtc als Erzbischof Johannes Medina de Pomar, der nur
Nach- ein jaiir j^ng sein Amt bekleidete (f 23. Juli 1248). Gutierre 1. wurde
sodann von Corduba nach Toledo versezt (1249), aber auch er beklei-
dete diese Würde nicht viel über ein Jahr (f 9. August 12ri0).
') nicht 1240, wie Barriel und de la Fuente meinen — S. 67—68. Bei lex-
term ist die Bulle zuerst gedruckt.
*) Memorixts para la vida de 8. Fernando, p> 440.
') Die Zeugnisse des Ferreras hicftlr scheinen mir nicht atichhAltig.
«) Raynald,, 1239, nr. 47—57,
Die Chronik des Don Sodrigo. 147
&nclio L, der Sohn Ferdinand's des Heiligen, \vurde nun, da er die
VeSken nicht erhalten, „Administrator^ des Erzbisthums. — Auch
diesen drei Nachfolgern des Don Rodrigo gelang es nicht, die Aner-
keooang des Primats von Toledo zn erlangen.
§. 31.
Die wichtigste Schrift des Don Rodrigo ist sein Werk: „De rebus d. ro-
Bitpcma^, l. IX. — Er begmnt mit den alten Fabeln von der An- ^^^^
kooft des Hercules in Spanien, und geht dann über zu dem Ursprung ten.
Qod den Thaten der Gothen, und den Anfangen ihrer Herrschaft in
SpanieD. Von der Einfuhrung des Christenthums in Spanien aber
schweigt er.
Es ist eine sonderbare Ausrede, wenn Florez dieses Stillschwei-
gen damit erklärt, dass Don ßodrigo keine Veranlassung hatte, davon
txk reden. Als ob das Christenthum nicht auch zu der Geschichte
Spanien's gehorte, als ob es eine gleichgiltige Sache wäre, ob die
Spanter Christen geworden, oder nicht. Wahr ist es allerdings, dass
D(m Rodrigo stillschweigend iiber die Geschichte der Spanier hin- nJ>« re-
weggebt, und dass er nur von den „Gothen" und ihrer spätem Herr- ,^^f^-^
sdiaft in Spanien handelt. Eigenthümlich muthet es den Leser an, <• ^^*
dass er, der doch von Geburt ein Navarrese war, die Gothen über
ADes erhebt, und sie als Begründer der spanischen Macht und
Grosse feiert. Freilich waren sie es auch, welche dem Lande wieder
cingeborne Herrscher gaben, dem Lande, das so viele Jahrhunderte
QDter der Herrschaft der Romer, und vorher der Carthaginenser,
gestanden.
Ansfuhrlich beschreibt Don Rodrigo den Aufstand der Narbonen-
siscken Provinz gegen Eonig Wamba, weil ihm eben eine ausführliche
QoeUe zu Gebote stand. Kein geringer Irrthum ist es, dass er seinen
Vorgänger, den Julianus, der mit solcher Leichtigkeit den ersten
Primat von Toledo gegründet hatte, Julianus „Pomerius" heisst. Po-
merios war ein gallischer Schriftsteller aus dem fünften Jahrhundert,
dem Isidor von Sevilla, man sieht nicht, warum, den Namen „Julia-
nas^ beilegt"). Don Rodrigo begeht nun den weitem Irrthum, den-
selben Erzbischof von Toledo zu nennen, obgleich er wissen konnte,
dass Isidor wenigstens um ein Menschenalter vor Julianus von To-
ledo lebte.
*) Isidor., de viris illiiatr., nr. 25,
10
148 Eilftes Bach. Ffinftes Kapitel.
§. 32.
wie Merkwürdig ist die Art, wie Don Rodrigo den Ursprung des
^l^l^j Primats von Toledo im siebenten Jahrhundert sich zurecbt legt. Dar-
der Pri- nach erlangte der Eonig Chindaswinth von dem romischen Papste das
"tta^^ ^Privilegium^, dass gemäss der Genehmhaltnng der Bischöfe Spaniens
die Würde der Primatie bei Toledo sein sollte, wie 68 ¥0r Alters her
gewesen WUT. 9,Er bestätigte die Würde der Primatie der Kirche von
Toledo durch die Beistimmung des ganzen Concils, welche Würde
Toledo von Alters her gehabt hatte'' ').
Damach würde der Primat von Toledo auf vierfacher Unterlage
ruhen, 1) auf der alten unvordenklichen Ueberlieferung, 2) auf der Ge-
nehmigung der romischen Päpste , 3) auf der Zustimmung aller spani-
schen Bischöfe, 4) auf dem Willen der Konige. Don Rodrigo hat ver-
gessen, die Beweise seiner Aussagen beizubringen, und so halten wir
dieselben „für einen frommen Betrugt. Die spätem spanischen Schriß-
steller aber schenkten ihm Glauben, und lehren darnach, dass sich
dieser Primat in das Dunkel des Alterthums verliere.
§. 33.
Don Rodrigo, in dessen Hauptwerk der Mangel an chronolo-
gischer Reihenfolge der Erzählung sehr störend und verwirrend ist,
Er beschliesst seiJi Werk mit dem neunten Buche, und dem Jahre 1243.
mudem^ Sagt: „Dicscs optASculum habe ich, wie ich es gewusst und ver-
j. 1248. mocht habe, vollendet im Jahre 1243 von der Menschwerdung des
Herrn, in der Aera 1281, in dem sechsundzwanzigsten Jahre der Re-
gierung des Königs Ferdinand, am Donnerstag den 31. März^, im
dreiunddreissigsten Jahre meines Ponüficates, als der apostolische Stuhl
noch erledigt war seit einem Jahre, acht Monaten, zehn Tagen, seit-
dem Papst Gregor IX. den Weg alles Fleisches gegangen war**.
§. 34.
Unbedeutender sind die Schriften Don Rodrigo's: „Historia Roma-
norum^, welche bis zu der Zeit des Julius Cäsar reicht, die „Ge-
0 Iste a Romano Pontifice obtinuit Privilegium, ut secundum benepUm-
tum Pontificum Hispanorum Primatiae dignitas esset ToMi, sieut fuerai ab
tmtiquo. — (Et) dignitatem Primatiae^ quam ab anüquo Jiabuerai^ tatius ap-
probaHone ConcUii Toletanae Ecclesicte confirmamt. — De reb. ffisp.^ II, 21.
') er fiel im Jahre 1243 auf den Dienstag nach ^Judica* und vor FalmBonnfag.
Don Bodrigo als Schriftsteller. 149
sdiichte der Ostrogotben^, die Geschichte der Hannen, der Vandalen, dobBo-
SaeTcn , Alanen nnd Silingner , in welcher das Wahre nicht neu , und y^J[^'/^
das Nene nicht wahr ist — Wie Isidor von Sevilla in seiner yße" schrif.
schichte der Sneven^, weiss er über die Ereignisse im Reiche der *'°*
Saeven vom Jahre 473 an, wo Idatins aufhört, bis zum Jahre c. 580,
wo Gregorin s von Tours ergänzend eintritt, Nichts zu erzählen, als
dass „viele Konige der Sueven in der Häresie verharrten'^ Seine
«Geschichte der Araber'' erlangt einige Bedeutung vom Jahre 754 an,
oder von der Zeit, wo Isidor von Face, von uns Melito (Milita) ge-
nannt, seine Geschichte beschliesst. Im Kapitel 49 gelangt er bis zu
dem Ende der Herrschaft der Almöraviden (c. 1147), und weist auf
seine ,, Geschichte der Gothen'^ zurück, wo er von der Ankunft der
«Almc^den^ gehandelt habe.
§. 35.
Das Hauptwerk des Don Rodrigo, unter dem Titel: y,Berum in Aat<
HupoHia gesiarum^, oder „Chronica Hüpaniae ab origine prima ad ^^°'
a. D. 1243, Libri IX., auch Historia Gothica^ genannt, erschien zuerst
im Jahre 1545, Granatae, zusammen mit Ädii Antonii Nebriasensis
rtrum a Ferdinande et Isabella gesL decades IL ^oL — Die zweite
Ansgabe erschien op. Schott, Hispania iUustrata, t. II, 1605, p. 25 —
14S. — Ebendas. Huttoria Ärabum, p, 162 — 186 (dasselbe edirte Jacob.
GoUm» cum Elmadni historia Saracenica. Lugd. Batav. 2^. 1625). —
UiMana Ostrogothorum etc., Granatae, 1545. — ap, Schott, II, 148 —
lt>2. — Historia Bomaiwrum, ap. Schott^ II, p. 186 — 195. — Die dritte,
liis jezt b^te Ausgabe ist die des Cardinais Lorenzana in: Patmm
TtAütanonim quotguot extant opera, t, III^ Matr. 1793, Historia de
tAhs Hispaniae, p. 1 — 208. — Historia Romanorum, p. 209 — 223. —
Osfrogothorwn historia, p. 224 — 228. — Hunnorum, Vandalorum etc.
kiUoria, p. 229—241. — Historia Ärabum, p. 242—283. ^
§. 36.
Dem Don Rodrigo wird von Vielen ein „Breviarium eccleaiae Kir-
catholieae^ zugeschrieben, von dem Lorenzana') sagt, er habe eine Ge- ^^ts^-
schichte der katholischen Kirche von grossem Umfange geschrieben, ^^ d^q
anfangend von der Weltschöpfung bis zu der Ausgiessung des heiligen RodHgo.
Geistes, welche zu Alcala in der Bibliothek des „Collegio mayor^ im
Manuscripte sich befinde, „von dessen Herausgabe, sagt er, wir Ab-
^l.c,t lU, p. XXIII (Vonrede).
r
150 EUftea Bach. Ffinftes Kiqpite].
stand nehmen, weil schon mehrere heilige Geschichten, welche eebr
gnt aasgearbeitet sind, das Licht erblickt haben^. Dieses Exemplar
eines „Compendium der heiligen Geschichte^ befindet sieh jezt in der
Central-Bibliothek zu Madrid. Den Code^ schenkte der Cardinal Xi-
menes ursprünglich dem Collegio mayor des heiligen Ildefons, von wo
er nach Alcala, und im Jahre 1842 wieder nach Madrid kam. Es ist
ein grosser Band in Folio, starkes Pergament, die Schrift ist aus dem
dreizehnten bis vierzehnten Jahrhundert. Der Anfang lautet; Incipit
prologus, Omne legis salutare preeonium. Der Schluss ist: Sermonem
confirmante sequentibua signis. In der ersten Columne, /o{. 2, findet
sich die Stelle; Apoatolatus auiem Cireumcisionis Pelro est tzssignatus,
Gentium Paulo et Barnabae, Ändreae Achaya, Jacobo Zebedaei Hispa-
nia, Joanni Asia etc.
Wir wünschen klarere Beweise dafür, dass Don Rodrigo Ver-
fasser dieses sogenannten „Breviarium^ sei, das sicher keine Eorchen-
geschichte, sondern eine Einleitung zu derselben ist. —
Vicente de la Fuente theilt das Vorwort des Buches: »Von den
Unterdrückern Spaniens^ mit; es ist aber nichts Anderes, als der
Prolog zu dem Buche des Don Kodrigo; „Geschichte der Römer^.
§. 37.
Aus dem dreizehnten Jahrhundert stammen die drei grossen
Die drei Geschichts werke: Eoderici, de rebus Hispaniae, sonst auch histaria
chroni- gothicG genannt, das „Chronicon mundi'* von Lucas Tudensis, und die
drei, castilianisch. geschriebene „Coronica de Espana^, die den Namen des
'«^°^" Königs Alfons (X.) tragt»). Das Werk des Don Rodrigo geht den
bnndertB andcm beiden Chroniken weit voran ; noch mehr, in den drei folgenden
Jahrhunderten erschien keine andere Geschichte Spanien's, welche die
des Don Rodrigo verbessert, oder auch nur sie erreicht hätte. — Das
Werk: „Crönica general de Espana^ ist nichts Anderes, als die Ge-
schichte des Don Rodrigo in altcastilischer Sprache. Diess zeigt sich
bei der Vergleichung einer beliebigen Stelle beider Werke, z. B.
Geschichte des Don Rodrigo. Crdnica general.
Ut veritas Genesis attestatur^ Moysen escribio un libro qtte
quam Moyses scripsit spiritu pro- ha nombre dCttCSlSf porque fabJa
phetiae, humanum genus vagum et en el de cuando e como cri6 Dies
profugum in terra miseriae aber- el eielo e la tierra, e todas las cosas
^«^»^« que en Ma son.
') Coronica de Espana, que fizo el muy nobre Eey Don Älfonso.
' Lacas Ton Tode. 151
Die nean ersten Capitel der „Ordnica genei^al^ entsprechen genau
den sieben ersten des Werkes: „De rebus Hispaniae'*, mit sehr weni-
gen nod wenig passenden Znsäzen, indem die „Ordnica^ die verschie-
denen Fabeln einmischt, die Don ßodrigo ausgelassen hatte. — Da-
gegen macht Vicente de la Fuente dem Don Rodrigo seine Vorliebe
fnr alles Gothiache zum Vorwurfe . eine Sucht, sagt er, welche in
Spanien bis zum Ende des siebenzehnten Jahrhunderts angedauert habe.
^elleicht &nd dieser Stolz, von den Gothen abzustammen, eine Nah-
rung durch die Herrschaft des Hauses Oesterreich in Spanien, im
sechzehnten und siebenzebnten Jahrhundert.
Im Ganzen erscheint die „Orönica generali als eine misslungene
Ueberarbeitong und Erweiterung der Schriften des Don Kodrigo').
§. 38.
Lucas Tndensis (von Tuy) war zuerst Canonicus an der Colle- lq^u
giatkircbe des heiligen Isidor in Lieon. Als Diakon besuchte er Rom, ^jj|°'
Constantinopel und Jerusalem. Im December 1239 war er schon
Bischof von Tuy, und starb am Ende des Jahres 1249*
Im Auftrage der Konigin Berengaria, der Mutter Ferdinand's
des Heiligen, schrieb er: „Chronicdn Hispaniaej sive Chronicormn libroa
a Beaio Isidoro eic.^) ediios,^ — „Chronik von Spanien, welche von
dem heiligen Isidor und einigen Andern herausgegeben wurde^. —
Sein Werk ist also entnommen der Chronik Isidor's, und zwar einer
erweiterten Ausgabe derselben, welche ja der sogenannte Isidor von
Face gegeben hat*). Diess ist das erste Buch des Lucas; das zweite
enthalt die Chronik der Vandalen, Sueven und Gothen von Isidor.
Das dritte Buch heisst Fortsezung der Chroniken des heiligen Isidor's
dorch den heiligen Ildefons, den Erzbischof von Toledo verfasst, an
welche Lucas die Theilung der Bisthümer Spanien's durch König Wamba
anreiht, sowie das Bach Jalian's über Wamba's Ejriegszug gegen
Paolos, den Rebellen^). Die Fortsezung des dritten und das ganze
rierte Bach ist von. Lucas nach andern Quellen verfasst, und reicht
bis zn der Eroberung der Stadt Corduba im Jahre 1236. Das ganze
Werk wurde von „dem Diakon'^ Lucas auf Befehl der Berengaria ge-
*) Nicokttu Antonio, BibUoth. Hispana Vettis, ed. Bayer, t. II, p. 49—66.
" VieeKte de la Fuente, Elogio du arzobispo D. Rodrigo, y juicio critico de
m eaeritoi higt&rieos, Madr. 1862, pp. 103.
^ et a quibusdam aliis periiis de hietoria regum Hiepanorum et quorun-
dam aUorum editoa.
*) BLG. 11, 2, 8. 240; 345-317.
0 K..G. H 2, S. 177.
152 Eilfies Baeli. FüDfleB Kapitel.
schrieben ^). — Far die spätere Zeit hatte er die Chronisten Sebastian,
Sampirns and Pelagios benüzt. Wenn Lucas und Don Rodrigo in Eon-
zelnheiten dasselbe auf dieselbe Weise sagen, so müsse man, meint
Florez, annehmen, dass Don Rodrigo den Lucas benüzt habe.
^^^^ Von der Chronik des Lucas giebt es bis jezt nur die eine Aus-
biiiise. S^b^ ^^^ Schott, in seiner Hispania iüustraia T. IV ^ p. 1 — 117
(Frank/. 1608).
Von demselben Lucas stammt nach Einigen die Geschichte des
heiligen Isidor von Sevilla, und der Bericht über die Uebertragung
seiner Reliquien nach Leon*), ebenso das „kürzere Leben '^ des heiligen
Ferdinand, eben ein Auszug aus der Chronik des Lucas bis zum
Jahre 1236. Sicherer ist Lucas der Verfasser der Schrift: „De mira-
culis B. Isidori^, welche noch zu Lebzeiten des Königs Alfons IX.
(t 1230) verfasst wurde.
§. 89.
Lucas schrieb u. d. N. „eines gewissen Diacons" ein Werk gegen
Schreibt die Albigeuscr seiner Zeit. Während er auf Reisen war, verbreiteten
gegiiii diese Kezer ihre Irrthümer auch in Leon, wovon er in Rom Nachricht
die Albf - , '
genser. erhielt. Sogleich eilte er nach Hause, und schrieb seine drei Bücher
gegen die Albigenser. In Leon war der Bischpf Don Rodrigo am
am 8. März 1232 gestorben. Während der folgenden Wahlstreitigkei-
ten verbreiteten die Häretiker Kunde von falschen Wundern, um da-
durch die wahren Wunder lächerlich zu machen, und viele Katholiken
liessen sich irre leiten. Lucas predigte so eifrig gegen die Kezer, dass
seine Freunde für sein Leben fürchteten. Doch mussten die Häretiker
fliehen, um 1235. So schrieb er denn das Werk: „De altera vüa,
fideique controversiia adversua Albigenses^, l. HL — Mariana gab es
zuerst unter dem Namen des Lucas heraus, während sich der Ver-
fasser nur den „Diakon^ nennt ^. Die Werke des Lucas erschienen
nach Florez in dieser Zeitfolge: 1) Wunder des heiligen Isidor, zuerst
*) Ipsa enim mihi Lncae indigno DiaconOf ut hoc perficerem imperaviL ^
Vorrede znm zweiten Bache.
«) c/. K. G. U, 2, S. 407. — Dazu Florez, t IX, edic. 3, p. 394-^401.
Vida de 8. leidro, eserita por el Cerratmse.
') ed. J. ChreUer, Ingolstadt 1613, i*, und darans in: Jacch, QreUeri, opera
amnia, Ratiab. 17 34-- 1741 (t XV IL), t XII, Lucae Tudensis Episcopi, scri-
ptores aliquot euccedanei cotttra sectam Waldensium^ p. 1—107. (Auch erschie-
nen in den verschiedenen Aasgaben der Bibliotheca pairum, z B. Coloniaej t XIII,
p. 228; Bibl. max. Lugdunensis, t. XXV, p. 188—251. — P. de Sandoval,
Ohigpos de Tuy, Braga 1610. — Nicol. Antonio, Btblioih. vet., II, 68—60. —
Bsp. sagr., t. XXII (Tuy), p. 108—145.)
Der heilige Martinos von Leon. 153
b^oDiien, zolezt vollendet; 2) gegen die Albigenser, geschrieben um
1234—1235; 3) Chronik von Spanien, yorher begonnen, beendigt 1236;
4j Leben and Uebertragnng des heiligen Isidor. — Florez wanderte
sich schon za seiner Zeit, dass die Chronik des Lucas noch keinen
eigentlichen Heraosgeber gefanden habe.
§. 40.
•
Der heilige Martinas von Leon, Canonicas bei S. Isidor daselbst, Der u.
dessen Wissenschaft nicht eingelernt, sondern eingegossen war^)» ^^^^'
hintediess Commentare za der heiligen Schrill, und Predigten. Nemlich: Leon.
1) Easpositio in episiolam B. Jacobi apostoli (ganz allgemein gehalten
and ohne geschichtlichen Excors). 2) Expositio in epiatdam L B. Petri
apottdu Martinas meint, der Apostel habe diesen Brief in Rom zur
Zeit des Kaisers Claudius an Judenchristen geschrieben. 3) Expositio
epittda€ L B. Joannis. Yoraussteht - das Kapitel über Johannes aus
der Schrift des heiligen Hieronymus über die kirchlichen Schriftsteller,
mit den abgeschmackten Zusäzen des (Pseudo-) Isidor über dessen
Wunder'). 4) Die Exposito libri Apocalypsis. 5) Zahlreiche Predig-
ten (Sermones) über das ganze Kirchenjahr und die Feste des Herrn,
Tom Advent an bis zum Feste der heiligsten Dreieinigkeit. — Es
tblgen die Predigten über die Heiligen; die erste über den Hingang
da heiligen Isidor, zwei Predigten über die Uebertragung desselben
uch Leon. Daran schliessen sich die (11) Reden über verschiedene
Gegenstinde, z. B. auf die Earchweihe zwei Predigten; Rede an die
Brüdo', dass sie nichts Eigenes besizen; Rede über die Prälaten der
Kirche, sie seien gelehrt, beredt, untadeligen Wandels etc.; eine an-
dere Bede handelt vom Gehorsam u. s. w.
Die Schriften Martin's erschienen im Drucke erst am Ende des
Torigen Jahrhunderts, durch das Verdienst des Cardinais Lorenzana,
QOter dem Titel:
Sancü Martini Leffifmensia preshyieri et canonici regtdaris O. S. A. geine
t" regio eoendno Legionensi D. Jbidoro Hispalenai sacro — apera nunc Werk«.
yrimmk eüta ju89u ei impemU D. Franc. Ant. Lorenzana, archiep.
TdUiamL Segoviae, ttfpie Ant. Espinosae, 1782—1786. 4 vol. foh —
Diese bis jezt einzige Ausgabe hat Migne in t 208 — 209 seiner „Patro-
lo^ laüna^ abdrucken lassen. — Vorangeht das Leben des Heiligen,
vdches dem Buche des Lucas von Tuy über die Wunder des heiligen
Isidor entnommen ist.
*) Oblato (ei a 8, Isidoro) in somnie libroy quem comederet Mariana
to«. Hi$p^ XI, 16.
*) K.-G. II, 2, 8. 395.
154 Eilftes Buch. Fünftes Kapitel. — Der heilige MartiDiia von Leon.
Das Zeitalter, in dem Martinas lebte, liegt so sehr im Dankeln,
dass ihn z. B. Nicolaas Antonio dem zwölften, Andere dem dreizehn-
ten Jahrhundert yindiciren. Beides dürfte wahr sein. Denn (nach
M. Risco) ist der Heilige am 12. Januar 1203 gestorben, nach dem
alten Necrologium von S. Isidor, des Inhalts : „Secundo Idu$ Januarii
obiit Martinus Sanctae Crucis bonae memoricM* Era MCCXU*. Den
Beinamen „zum heiligen Kreuze^ erhielt er wegen seiner feurigen Ver-
ehrung gegen dasselbe, und wegen des Altares, den er demselben in
einer Capelle des ^Claustro*^ der Kirche von S. Isidro weihte, in
welcher er zu beten pflegte*).
') Nicol. Antonio, t, II, p. 28—29. — Ptaefatio za der Aasgabe seiner
Werke, wo die „Elogia^ Einiger angeführt werden. — Acta Sandorum, 11. Fe-
broar (t. II), p. 569 "670, wo sein Leben Ton Athanas. Lobera (f 1605) steht. ~
Besonders M, Risco, in: Esp, sagr., t. XXXV (B. Leon), 1786, p. SßS-^dffi,
Damach wollten die Kanoniker Ton S. Isidro Martinas Werke schon im Jahre l&iU
herausgeben. Das Leben des Heiligen amfasst in dem Werke des Laoas von Toy
Cap. 53—75 (den Schloss des Ganzen).
Sechstes Kapitel.
FcTfinaiKl III., der Heilige. Die Eroberung von Cor-
im (1236) und Seiilla (1248). — Missionen in Mtroeeo
(1249-1421).
§.1.
Ferdinand III., Sohn Alfons IX. von Leon und der Berengaria, der
Tochter Alfons VIII. von Castilien, deren Ehe im Jahre 1204 gelost
wvde, war geboren im Jahre 1198. In Folge der Aufhebung der
Ehe wurde das auf dad Königreich Leon gelegte Interdict aufgehoben;
die Stande von Leon aber erklärten, dass Ferdinand Nachfolger seines
Vaters im Reiche Leon sein solle. Es fugte sich aber, dass er über
dis Räch Castilien schon im Jahre 1217, über Leon aber erst seit
1230 regierte 0-
Sdt dem Jahre 1224 zerfiel die Herrschaft der Almohaden in
Sptmoi und Afrika durch Thronstreitigkeiten und innere Kriege. —
Um das Jahr 1227 fiel die feste Stadt Baeza (aufs Neue) in die Hand
der Christen. Die Burg wurde den Rittern von Calatrava übergeben;
Die maurischen Einwohner wanderten aus. — Mit grossem Verluste
&ber mussten sich die Christen von Jaen zurückgehen.
Alfons IX. von Leon eroberte noch im Jahre 1230 einen Theil
toQ Estremadara, vor allem das alte Emerita, und erfocht einen grossen
Sieg aber die Mauren. Dann bemächtigte er sich der Städte Montan-
cbez und Badajoz. Er Hess überall starke Besazungen, und kehrte nach
*) Ftrreras, Gesch. von Spanien. IV, 68 (der deutschen Ausgabe, 1755). •-
Mimd^QT, Memorias del Rey Alfonso VIII, 1783, p, 264-269. — Man. Ro^
^gun (alioi Burriel, S. J.), Memorias du rey D. Fernando III, Madr. 1800,
V' 12. — Die Zeit bis zum Jahre 1224 haben wir im vorstehenden Kapitel behandelt.
156 Eilftes Bach. Sechstes Kapitel.
Leon zurück. Er wollte nach Compostella wallfahrten, um dem heili-
gen Jacobus für die erfochtenen Siege za danken. Auf dem Wege
AifoDa dahin, za Villanova de Sarria, erkrankte er, und starb am 23. Septem-
■tirbt ^^f 1230. Er wurde nach seinem Wunsche zu Santiago, neben seinem
1290. Vater Ferdinand II. beigesezt Seine beiden Tochter, D. Sancha und
D. Dolce, aus erster Ehe, sollten über Leon herrschen.
§. 2.
Allein die Städte Leon, Astorga, Salamanca, Oviedo, Lugo, Mon-
donedo, Coria und Ciudad Bodrigo riefen sogleich Ferdinand IIL als
König aus; Compostella, Zamora und Tuy, sowie viele Herren in Ga-
lizien und Asturien, standen auf Seiten der Infantinen. Die Anhanger
Ferdinands beriefen sich auf den ihm geschwomcn Eid, die andern auf
das Testament Alfons IX. In Leon selbst wurde die Cathedrale von
den Anhängern Ferdinands, die Kirche San Isidro von denen der In-
fantinen mit Waffenmacht besezt. Aber der Graf Don Diego Diaz,
welcher die leztere Kirche besezte, wurde, wie man glaubte, von dem
heiligen Isidor mit solchen Schmerzen geschlagen, dass er sieh ver-
demüthigte und wieder gesund wurde. Er trat nun zu Ferdinand über,
und die Hauptstadt war somit ganz för diesen, Ferdinand und seine
Mutter Berengaria eilten herbei, seine Anhänger, Bischöfe, viele Herren
und grosse Volksschaaren strömten nach Leon. Clerus, Adel und Volk
Ferdi- empfingen ihn in grosser Procession, ihn, seine "Mutter, Gemahlin und
nand, Kinder. In der Cathedrale schwur er, die Freiheiten und Rechte des
rfLeon 1^6^^^^^ ^^ Wahren. Er minderte die Abgaben und erliess ein scharfes
1230. Edict gegen die „Aufrührer''. Mit einem Kriegsheere zog er gegen die
Widerstrebenden, während seine Mutter vermittelte. Die Infantinen ent-
sagten gegen eine jährliche Apanage von 30,000 Goldstücken für jede.
Ihre Anhänger traten zu Ferdinand über. Die Keiche Castilien und
Leon wurden nach einer Trennung von 73 Jahren wieder vereinigt, um
nicht mehr getrennt zu werden Von dieser Zeit an nahm das Keich
Castilien-Leon einen grossen Aufschwung.
§. 3.
Feidsng Im Jahre 1233 rückten die Feldherren Ferdinand^s bis Sevilla und
▼. 1834- Xeres vor, und besiegten die Mauren. Im Jahre 1234 zog Ferdinand
selbst aus. Der Bischof Adam Perez von Placentia nahm am 25. Ja-
nuar 1234 die Stadt Truzillo, südlich vom Tajo, im Osten von Caceres
gelegen. Der Orden vom heiligen Jacob nahm Montiel ') und die festen
*) Wie ich glaube, das alte Laminium.
Ferdinand lü., 1230-1234. 157
Ffice der Umgegend ein. Hierauf ruckte der Eonig selbst vor Ubeda
and nahm die Stadt am 29. September ein; die Mauren durften frei
ahrJehen,
Zur 2ieit der Belagerung starb die Konigin Beatrix zu Toro. Sie '^od der
&nd ihre Boheatatte in dem Kloster de las Huelgas zu Burgos neben fj^^|^°
dem Könige Heinrich. Ihre Kinder waren Alfons (X.), Friedrich, Hein-
rich, Ferdinand, Philipp und Sancho. Ihre Tochter Maria starb nach
der Mutter. Ferdinand kehrte in seine Staaten zuräck. ') Im Jahre
1235 drangen seine Feldherren bis gegen Cordova vor. Auf die Nach- bid-
riebt, dass die Stadt sehr schlecht bewacht sei, rückten sie in der^'^Q^^.
Nicht des 12« Januar 1236 gegen die Mauern der Vorstadt, welche ^^^
sie auf Leitern erstiegen , und drangen vor Anbruch des Tages darch
das Martoathor Tor. Die Christen blieben im Besiz der Vorstadt, in
der sie sich verschanzten. Schnell eilte der Konig Ferdinand zur Hilfe
heibeL Die Mauren waren ohne Hoffiiung auf Entsaz und Hilfe. Sie
eriiielten freien Abzug mit allem, was sie mit sich nehmen konnten,
ond Terlieaaen am 29. Juni 1236 die alte Hauptstadt des Reiches der
Araber in Spanien, in deren Besitz diese vom Jahre 712 bis 1236, —
524 Jahre lang gewesen waren.
§.4.
Die Christen pflanzten das Kreuz auf die grosse Moschee. DerQ^^^Yg^
KoDig zog ein, mit ihm der Bischof Johannes von Osma, Stellvertreter erobert
des Primas Don JBodrigo, Adam, Bischof von Plasentia, Sancho von
Coria, GoDzalo von Cuenca, Dominicus von Baeza, viele Priester, einige
Dominicaner und Franciscaner, alle Ghrossmeister der Kriegsorden. Der
Kschof Ycm Osma reinigte die grosse Moschee nach kirchlicher Weise,
weihte sie der Himmelskonigin, und der erste kirchliche Gottesdienst
wurde in ihr gehalten. Cordova erhielt keine neue Cathedrale, wie die
übrigen aus der Hand der Mauren eroberten Bischofsstadte, z. B. Se-
TÜU, Murcia, Jaen, Granada, Malaga, Guadix. Im Jahre 1237 wurde
das Bisthum Cordova wiederhergestellt, welches in Lope de Fitero,
aoch Lupus Gordubensis genannt, seinen ersten Bischof erhielt
(t 10. Juni 1245), dem Gutierre (Guterius) Ruiz Dolea folgte, der
aber im Jahre 1249 nach Toledo versezt wurde; Suffiragane von Toledo
blid)en die Bischöfe von Gordova bis auf die neuere Zeit *). Ferdinand
lieas die kleinen silbernen Glocken in derselben Weise durch Muhame-
*) Flcrez^ Reynas eathoHeaSy t I, p. 441—46^.
*) Jwm Ocmez Bravo, Catahgo de los obispos de Cordoba, 2 1 /., Cord.
HTS, t h p. 258^60.
160 Eilftes Buch. Sechstes Kapitel.
Jezt warde Jaen belagert; Alahmar eilte der Stadt za Hilfe, aber
sein Heer warde geschlagen. Nan sachte Alahmar den Ferdinand in
seinem Lager auf und erklärte sich als dessen Vasallen. Der £mii
Jaen (Kouig) soUtc im Besize seiner Länder bleiben ^ und von Ferdinand
^meü S^g^^ ^1^ AngrifiPe geschuzt werden. Alahmar versprach als Xribot
jährlich 50,000 Dublonen Gold zu entrichten und jedesmal in Kriegen
den Konig Ferdinand mit seinen Reitern zu unterstüzen.* Er sollte Zu-
tritt zu den Cortes von Castilien haben. Als Unterpfand des Vertrages
wurde die Stadt Jaen, nach einer Belagerung von 10 Monaten im April
1246 den Castilianern übergeben. Das Bisthum wurde vonBaeza nach
Jaen iibertragen.
§. 6.
Jezt begann die Einschliessung und Belagerung von Sevilla. Der
Emir von Granada kam mit 500 Reitern zu Hilfe. Alcala de Guadaira
ergab sich zuerst dem Emir. Die südlicher gelegenen Städte Carmona
und Xeres wurden gleichfalls belagert Die festen Orte Garmona, AI-
colea, Lora und Constantina ergaben sich. Die Einwohner von Oan-
tillana wurden nach der Eroberung sämmtlich ermordet. Auf Verwen-
den des Emirs von Granada sollten die Einwohner anderer Städte nach
Kräften geschont werden.
Sevilla wurde im Frühjahre 1247 zu Land und zur See einge-
schlossen. Der Admiral Raymund Bonifacius aus Burgos langte mit
einer Flotte in dem BEafen von San Lucar am Ausfluss des Gaadal-
quivir an, er besiegte die feindliche Flotte und fuhr mit seinen ScIiifiV*n
bis Sevilla herauf. Seit dem 20. August 1247 war diese Stadt zu Land
und zur See eingeschlossen, in welcher sich tausende von Mauren an-
gesammelt hatten. Im März 1248 kam Alfons, der Sohn Ferdinand*s,
mit einer beträchtlichen Verstärkung an; bei ihm waren die Lifanten
Petrus von Portugal und Alfons von Aragonien. Auch der Konig von
Sevilla Granada war mit seinen Reitern zur Stelle. Neben den Bischofen und
^Nov*^ Erzbischofen hatten sich zahlreiche (Aebte und) Mönche der Benedic-
1248. tiner, Dominicaner, Franciscaner, der Trinitarier und Mercedarier znm
Dienste der Seelen eingefunden. Das ganze christliche Spanien wollte
die Stadt der heiligen Schwestern Justa und Rufina, der heiligen Brü-
der Leander und Isidor erobern helfen. Die Standhafligkeit der Be-
lagerten konnte nur durch den Hunger und durch die Hoffnungslosig-
keit auf jede Hilfe von Aussen gebeugt und gebrochen werden. Sie
knüpften Unterhandlungen an. Den Mauren wurde gestattet, frei in
der Stadt zu wohnen, im Besize ihrer Guter und Häuser anter Ent-
richtung der früher bei ihnen üblichen Steuer; oder ihr Eigenthum zu
Seyilk erobert, 1248. 161
mbofen und aaszowandem. Die Abreise wurde ihnen in jeder Weise
eHekhtert
Nach einer Belagernng von mehr als achtzehn Monaten wurde
Serilla am 23. November 1248 den Christen übergeben. Die Stadt war
536 Jahre in der Gewalt der Araber gewesen. Wenn die Christen
daselbst nicht ausgestorben waren, so hatten sie doch ein Jahrhundert
lang keinen Bischof gehabt. Der Sevillaner Don Rodrigo Caro be-
huptet, in der Pfarrei von S. Udephons eine Schrift gefunden zu haben,
ludi der in dieser PfEurei ein Beneficiat derselben sieben oder acht
Jfthre Tor der Eroberung der Stadt gestorben sei. Leider, dass R. Caro
die Inschrift, in deren Besiz er mehr als zehn Jahre gewesen sein will, seyiiu
Teikr, und dass er nur sagen kann: „Es gibt Personen, welche dieselbe ^f*^*^^
goeben haben, wie ich.^ Von grosserer Bedeutung ist eine von Flo-
rez ils acht angenommene Inschrift, die in der Stadt San Lucar la
Major, drei Leguas westlich von Sevilla, gefunden wurde. Nach der-
lelbea wurde der Bau oder die Restauration einer Kirche daselbst im
Jahre 1214 zu Ende geführt ^
Die meisten Mauren wanderten in das Königreich Granada aus;
andere nach Algarve und Africa. — Schon am 30. März 1248 hatte
InnoGenz lY. von Lyon ans an Ferdinand III. und seinen Sohn Alfons
geidirieben, und ihn ermahnt, dass er die Bischöflichen Stühle in jenen
Geraden, welche der Herr seiner Gewalt unterwerfe, und welche er
$m der Hand der „Heiden^ befreie, aus dem Ueberflusse der Guter,
die ibn von allen Seiten zufliessen, zur Ehre des göttlichen Namens
wiederherstellen und grossartig ausstatten möge. So werde sein Name
bei dem gegenwartigen und den kommenden Geschlechtern in hellem
GUnxe strahlen, und ihm der Lohn des höchsten Gottes in diesem und
dem kommenden Leben zu Theil werden *).
Der Sohn Ferdinands, Johannes (Philippus?) wurde am 26. Mai
1^ tls „Procnrator^ der Kirche von Sevilla bestätigt '). Wegen seiner
Jogoid aber konnte er die Bischofs weihe jezt nicht empfangen, und
*) En Era de M. CO. LIL Tome aeabo de labrar esta egleja. —
Tu wfiniehten, dass eine andere Anctorität, als die des Caro in seinen M. S. S.
Ab Riditi^eit verbürgte, der ja im Jahre 1627 den Pseudo-Dexter and seine angeb-
en Foitietier mit Noten versehen za Sevilla edirte. (K. G., II, 1. p. dd6.) — cf.
^finiam Antonio, centura de historiaa faXnUosas, ed. Maycms, 1742, p, 315.—
^<», Oodoy Akdniara, Hyttoria eritica de los falsos Oronicanea, Madr.
i^, p. 222, 224, (cf. E$p. sagr., t IX, edic. III, Madr. 1860, p. 132, 281.)
*) A^iiald. ad oim. 1248, nr. 47. - PoUhast, t II, 1876, nr. 12881.
*) Balnze, MiseeU., VII, 600, 602 (ed. Manai, I, 227). - PMhaat, II,
•f. 13Sr 9-^80.
SaBi,a9u.K]nlM.ni.l. H
162 EQftesBoch. Seehstos K^iiteL
Bcbdiit auch nur Administrator des ESrzbisthiuns gewesen za sein ^).
Als Cathedrale von Sevilla wnrde am 23. December 1248 eine pracbt-
ToUe Moschee, welche neben einer alten christlichen Kirche stand, ein-
geweiht. Als solche diente sie, bis am Anfang des fünfzehnten Jahr-
hunderts der Ban der jezigen weltbernhmten Cathedrale in Angriff
genommen wnrde, bis die Domherren von Sevilla erklärten: „Wir wollen
eine solche Kirche banen, dass diejenigen, welche nach uns kommen,
uns danken, dass wir eine solche gemacht haben").
§ 7. Christenthum in Marocco.
Nach so grossen Erfolgen dachte Ferdinand im Ernste an die
Eroberung von Marocco, um auch in Afrika die Kirche Christi ver-
breiten zu helfen. Aber seine zunehmende Krankheit verhinderte ihn
an der Ausfuhrung des Planes, und seinem Sohne Alfons lag die reli-
giöse Begeisterung des Vaters ferne.
Mit den Almohaden hatte schon Papst Innooenz III. Vorbindangen
zum Zwecke der Verbreitung des Glaubens anzuknüpfen gesucht Am
8. März 1199 hatte er dem Miramolin mitgetheilt, es sei ein Orden
(der Trinitarier) zur Befreiung der von Christen gefangenen „Heiden'',
und der von „Heiden'' gefangenen Christen gestiftet worden. Diese
Stiftung gereiche den Christen wie den „Heiden'' zum Vortheile. £r
lud ihn und die Seinigen ein, der Wahrheit Zeugniss zu geben und
die christliche Lehre anzunehmen. Zwei Trinitarier, der Engländer
Johann und der Schotte Wilhelm, sollten das Schreiben überbringen *).
Sie schifilen sich am 31. Mai 1199 auf der Tiber ein, und gelangten
nach der Stadt Marocco am 22. August. Wohlwollend nahm sie der
Miramolin auf; sie kauften über 180 Christensklaven los. Am 6. Oo-
tober kehrten sie zurück, reisten über Almeria, sezten die Losgekauf-
ten in Marseille in Freiheit, und waren am 31. März 1200 wieder in
Rom.
Einheimische Christen gab es nicht in Marocco. Die christlichen
Kaufleute, die in einzelnen Städten Marocco's wohnten, hatten ihre
eigenen Kapellen bei den Kaufhäusern. In den Jahren 1216 — 1220
*> Diego Ortiz de Zuniga, Anales edeeidstieos y eecularea de SemünL.
Madr. 1793''96, 5 vol (t. I).
*) Fagamas una Egleaia tal que loa venideroa post nos noe tengan par
loeoe, d. h. wohl, udb ftlr Thoren halten, dan wir solche Opfer gebracht — IFue-
man, Abhandlangen über verschiedene Gegenstfinde, BegenBbnrg 1854, Bd. III,
67; nach: Sevilla pintoreeca, Sev. 1844, p. 91.
') Innocent. IIL ep., N. II, nr, 91^ ed. Balme, L 340; opp.^ ed. Migne^ I,
644. (Raynaldi, annales ad ann. 1199, nr. 72 — im AnBznge.^
IGstioneii in Afrika. 163
^taod der Iniant Don Pedro , Bruder des Königs Alfons IL von Por-
tugal, an der Spize der christlichen Leibwache der Almohaden. — Atn
ä September 1219 sandte Papst Honorius III. den Johanniter Gonzalo husIo-
an den Miramolin „Abu Jacob^, und schrieb ihm, er möge den in ^^
Beinern Beiche lebenden Christen die freie Aosäbong ihrer Religion "x^^o*
gestatten'). Anch der Papst gestatte zahlreichen Muhamedanern (die
damals noch im nntem Italien wohnten) die freie Ausübung ihres
Gkobens. — Während Gonsalvo in Marocco weilte, starb dort in einer
Vwstadt dar aus Castilien flüchtige Ferdinand de Lara'), welcher
noch auf dem Todbette das Elleid des Ordens vom heiligen Johannes
(Johaoniter) annahm^.
In demselben Jahre (1219) sandte der heilige Franciscus nach dem
an Piagsten desselben Jahres zu Assissi gehaltenen Generalcapitel sechs
ICigiieder seines Ordens als Missionäre nach Marocco. Sie gelangten
Mch Serilla, wo sie wegen der fredigt des Wortes Gottes mit dem
Tode bedroht wurden. Sie wurden gewaltsam nach Marocco einge-
sduft, und fanden Aufiiahme in dem Hause des Infanten Don Pedro.
(Der sechfite war wegen Krankheit zurückgeblieben.) Der Bruder
Bernhard predigte in den Moscheen und im Freien. Der Chalif befahl
dannn, sie in das Land der Christen zurückzubringen. Auf dem Wege
uek Oota entkataien sie , kehrten nach Marocco zurück , predigten ^^^^^
incder öffentlich, und wurden in das Gefängniss geworfen. Nach ihrer Hebe
FnüaniiDg predigten sie wieder, und wurden auf Befehl des Chalifen ^^^'
an 16k Jannar 1220 enthauptet. Der Infant Don Pedro sammelte ihre
Gebeine, kehrte mit ihnoi nach Astorga zurück, und sandte sie nach
Lissaboii*
Ihr Martjrtod eiferte Andere zur Nachfolge an. Im Jahre 1221
cikeo sieben y,Brüder^ nach Marocco. In Genta predigten sie zuer$t
den dort wohnenden Christen , dann auch den Muhamedanern in der
Stadt Sie wurden ergriffen und eingekerkert Voll freudigen Muthes
starben auch sie als Blutzeugen Christi am 10. October 1221 ^).
Schon damals befanden sich auch Dominicaner als Missionäre
daselbst.
Im Jahre 1225 reisten neue Mitglieder dieses Ordens ab. Am
IOl Juni desselben Jahres ertheilte der Papst dem Prior Dominions
*) Raynaidi, annales, 1219, nr. 46, — PMhast, Reg,, nr, 6121.
^ 1. oben S. 130.
*) Sakuar^ Hüioria Oenealogica de la casa de Lara, fol, , U Ilh P- ^^>
MaiT, 1697.
") Waddmg, annaks Mincr,, ad 1221, nr. 36. — Fr, Juan de Puerto, la
Mition kiMtorkal de Marruecos, Sevilla, 1108, Fol.
11*
162 EilftesBach. Sedistr
a.
scheint auch nur Administrator des | ^he Mar
Als Cathedrale von Sevilla wurde f ^ '
volle Moschee, welche neben einei; ^
geweiht Als solche diente sie,//|
hunderts der Bau der jezigei^ '^^ ^
genommen wurde, bis die Dor f ^ f ^
eine solche Kirche bauen, ft'^ \.%a
uns danken, dass wir eine^/^^. | f ^
5S^
ilh\t %^ '^"^ ^^^^
§ ''^ / H f • ^ ' ^^ geschah.
Nach so gror/ --^ ^. f ^* i
^runsr von M I' fc Ä
iVf y^%*\i ier Papst den Mis.
Eroberung von ^ i%\^ * > damit sie den gefangenen Clir»w
breiten zu helfen | ' «cramente spenden, und da sie in j«Aem
an der Ausfuh'^/^ Liebensunterhalt finden konnten, dass sie
giose BegeisJ'/ der Speisen und Kleider haben durften ^>
Mit d'^ jofamun erlaubte seiner christlichen Leibwache, in
zum Zwec > eine Kirche zu erbauen, und sich der Glocken xa
8. März ^^id brach aber eine Verfolgung aus, als deren Opfer
(der T ^ominicus am 16. September 1232 fiel.
und ' ^xnittelbar folgte ihm als Bischof der Franciscaner Ägndlus. In '
Stif ^ Briefe an den Chalifen Al-Mamun vom 27. Mai 1233 empfiehlt
Ir ' jer Papst Gregor IX. den neuen Bischof und die Franciscaner, ^
' ^slcbf' ^^^ begleiteten. Der Papst lud gleichzeitig die Chalifen von ^
n^ascus, Bagdad und Marocco zur Annahme des christlichen Qlan-
^6 ein^. — Der Bischof Agnellus heisst theils Facensis, theils Pe- ^
^^inns episcopus. Er wird also zuerst Bischof von Fez, und nicht
^n Marocco genannt. Die von Gregor IX. beabsichtigte Errichtong
mehrerer Bisthümer unterblieb. Marocco, Reich und Stadt, wnrde ein
Missionsbisthum, das lange Zeit mit Franziscanem besezt wurde. Spa-
') Baynald., ad ann. 1225, nr,44. — Wadding, Annaiet Mmor., II, .
*) SxpoUt, Buüar. Ord. Praedicatar., 1, 16, nr. 33. — Sbandea, Buüari
Ord. 8. Frandsci, J, 24, nr. 23. — Wadding, anmaUs, I, 838. II, /2#. —
PoUhast, I, nr. 7490.
*) Sbaraha, Bvüar. Framo., I, 24, nr. 24.
*) Sbaralea, /, 26, nr. 26. BuUar. Tourin. natnis., III. 418, nr. 74. —
Wadding, annal. I, 464. II, 161. — Bagnaid, am. 1226, nr. 60.
V Wadding, ad ann. 1220, nr. 68. — Mitim hitiorical de Marrue-
COM, p. 99.
') Wadding, annaka Minarum, II, 360. — SbaraUa, BuUar., I, nr. I06.
PotthaH, I, nr. 9207.
Bischöfe Agnellns, Lopns. 165
ter fahrten aach andere Geistliche den Titeln sie waren aber Titolar-
ixuchöfe^
Am 12. Jnni J237 schrieb Gregor IX. an alle Christgläabige im
Reiche Ton Marocco, sie mögen den Bischof (Agnellus), welchen er
Ulf den Titel ^der Kirche von Marocco'' geweiht, den er zu ihrem
Oberilirten eingesezt habe, liebevoll an&ehmen nnd ihm alle Ehre
erweisen *)•
AgneUns wird vom Jahre 1237 an Bischof von Marocco genannt,
welchen Titel er bis zum Jahre 1246 fahrte, ohne dass über seine
Wirioamkeit in Marocco viel verlantet. Derselbe starb vor dem 18. Oc-
tober 1246. 'Et hatte den Bischof Lupus (Lope) ans demselben Orden Biaobof
vm Nachfolger. Ans Anlass dieser Wahl ergieng eine grosse Anzahl ^^p"
ptpitEcher Decrete von Lyon ans, wo Innocenz IV. damals noch weilte.
£n Empfehlongsschreiben für denselben ergieng am 18. October 1246
ao die Bewohner der Kästen des atlantischen and mittelländischen
Meeres, welches in mehr&cher Ausfertigung vorliegt. Bruder Lupus
intte vor Beinern Eintritt in den Orden den Namen Ferdinand Dain
geführt
Am 23. October 1246 empfiehlt der Papst den Lupus und seine
Begleiter dem Konig Jayme von Aragonien, befiehlt allen Obern der
ViDoriten, ihm ihre Dienste zu leisten, und verbietet, die Besizungen
^cijenigen anzutasten, welche die Reise nach Marocco mit ihm ange-
^Tctea*). Am 25. October bittet und ermahnt er den Konig von Tunis
(Toiietnm), den Lupus und die Minoriten in seinem Reiche in aller
fräheit weilen zu lassen, und ertheilt dem Lupus weitere Vollmachten.
Am 30. October ermahnt er den Grossmeister des Ordens vom heiligen
Jacobas, dem Lupus auf seine Bitten jede mögliche Hilfe zu gewähren;
«beDso schrieb er an den Orden von Calatrava. Am 31. October rieh«
te er ein Schreiben an den „König der Marrochiten'', ihm den Lupus,
die Ifinoriten nnd die Christen seines Reiches zu empfehlen; ähnlich
(direibt er an alle Christgläubigen in Marocco.
Am 11. November vnurde Lupus für zehn Jahre von der Pflicht
dupensiit, den apostolischen Stuhl zu besuchen, und erhielt (11. De-
') Frone, de Fonseea, Eoara gloriosa, Born. 1728, p. 267. — Sbaralea,
t- 1 106. — Wadding, ad ann. 1233, nr. 27.
") SaynakU anndUs, ad o. 1237, nr. 28. — RipoUt Buüar., VII, 14,
^' 220. - SboTiOea, BuUar., t I, 226, nr. 236. — Wadding, ad ann. 1237.
" Btovm$, amuU. eeelee., ad ann. 1237. nr. 8. Das Schreiben beginnt: Laeta-
^^$ qitod uduia Marroekitana. — Zuäiga, annal. de Sevilla, ad ann.
mt
*) SboTolea, I, p. 434, nr. 161-^170. — Wadding, annal. Minor,, III,
164 EilfteB Boeh. Sechstes Kapitel.
Domini- und dem Bruder Martin die Erlaabnias, im Reiche Marocoo za predi-
j^cii- 8^^y Neubekehrte zu taufen u. s. w. *).
Maer Am 7. October 1225 erklärt der Papst, dass die Dominicaner
roeoo. ^^^ Minoriten, welche von dem apostolischen Stuhle in das Beich Mi^
rocoo entsendet werden, die oben erwähnten kirchlichen Vollmachteo
haben sollten'). Der ^Prior^ Dominicus kommt anderwärts als Bischof
für das Reich des Chalifen vor. Derselbe Papst gab am 20. Febroar
1226 dem Don Rodrigo von Toledo den Auftrag, mehrere MitgUeda
beider Orden nach Marocco zu senden und einen oder auch zwei de^
selben zu Bischofen zu weihen'). Diess geschah.
Am 17. März 1226 gestattet der Papst den Missionären beider
Orden im Reiche Marocco, dass sie ohne ihre Ordenstracht reisen,
Bart und Haare wachsen lassen, damit sie den gefangenen Christen
um so leichter die heiligen Sacramente spenden, und da sie in jenem
Lande nicht umsonst ihren Lebensunterhalt finden konnten, dass sie
auch Geld zum Ankaufe der Speisen und Kleider haben dürften*).
Der Chalife Al-Mamun erlaubte seiner christlichen Leibwache, is
der Stadt Marocco eine Kirche zu erbauen, und sich der Glocken n
^'■^^^ bedienen^). Bald brach aber eine Verfolgung aus, als deren Opb
ena. der Bischof Dominicus am 16. September 1232 fiel.
Bisohof Unmittelbar folgte ihm als Bischof der Franciscaner Ägnellus* ^
^^^' einem Briefe an den Chalifen Al-Mamun vom 27. Mai 1233 empfiehb
ihm der Papst Gregor IX. den neuen Bischof und die Franciscaner,
welche ihn begleiteten. Der Papst lud gleichzeitig die Chalifen tob
Damascus, Bagdad und Marocco zur Annahme des christlichen Glaa*
bens ein^. — Der Bischof Agnellus heisst theils Facensis, theils Fe-
ceninus episcopus. Er wird also zuerst Bischof von Fez, und nicb
von Marocco genannt. Die von Gregor IX. beabsichtigte ErrichtQn|
mehrerer Bisthümer unterblieb. Marocco, Reich und Stadt, wurde di
Missionsbisthum, das lange Zeit mit Franziscanem besezt wurde. Sj»
') Raynald,, (id ann. 1225^ nr.44. — Waddtng, AnnaiUi Minar., Ilt iM^
*) Ripoüi, Bvüar. Ord. Praedicaior., 1, 16, nr. 33, — BbaraUa^ Bvüarnm
Ord. 8. Franeiaci, I, 24, nr. 23. — Wadding, anncdes, /, 338. II, tU. r
PMhast, I, nr. 7490.
*) 8barälea, BuUar. Franc., I, 24, nr. 24.
') Sbaralea, I, 26, nr. 26. BuUar. Taurin. novM., III. 418, nr. 7i.
Wadding, annoL I, 464. II, 161. — Rainald, ann. 1226, nr. 60.
*) Wadding, ad ann. 1220, nr. 68. — Mision hütorieal de Marmt
eo8, p. 99.
*) Wadding, annaleB Minarum, II, 360. — Sbaralea, BuUar., I^ itr. 1
PoUhak, I, nr. 9207.
Bisehöfe Agnellns^ Lnpns. 165
ter ßhrten auch andere Geistliche den Titel , sie waren aber Titolar-
bucböfe").
Am 12. Joni J237 schrieb Gregor IX. an alle Cbristgläubige im
Sdcbe von Marocco, sie mögen den Bischof (Agnellus), welchen er
aof den Titel ^der Kirche von Marocco'' geweiht, den er zu ihrem
Oberiiirten eingesezt habe, liebevoll anfiiehmen und ihm alle Ehre
erweisen').
AgneUns wird vom Jahre 1237 an Bischof von Marocco genannt,
weldien Titel er bis zam Jahre 1246 führte, ohne dass nber seine
Wirksamkeit in Marocco viel verlautet. Derselbe starb vor dem 18. Oc-
lober 1246. Er hatte den Bischof Lupus (Lope) ans demselben Orden Biaobof
ram Nachfolger. Aus Anlass dieser Wahl ergieng eine grosse Anzahl ^^^
ptpctEcber Decrete von Lyon ans, wo Innocenz IV. damals noch weilte.
Eis Empfehlnngsschreiben für denselben ergieng am 18. October 1246
10 die Bewohner der Küsten des atlantischen und mittelländischen
Meeres, welches in mehrfacher Ausfertigung vorliegt. Bruder Lupus
bitte TOT seinem Eintritt in den Orden den Namen Ferdinand Dain
gefolurt
Am 23. October 1246 empfiehlt der Papst den Lupus und seine
Begleiter dem Konig Jayme von Aragonien, befiehlt allen Obern der
ICiioriteD, ihm ihre Dienste zu leisten, und verbietet, die Besizungen
^ojenigen anzotasten, welche die Reise nach Marocco mit ihm ange-
Men *). Ajn 25. October bittet und ermahnt er den Konig von Tunis
(Toaetum), den Lupus und die Minoriten in seinem Reiche in aller
fVeibeit weilen zu lassen, und ertheilt dem Lupus weitere Vollmachten.
Am 30. October ermahnt er den Grossmeister des Ordens vom heiligen
Jscobus, dem Lupus auf seine Bitten jede mögliche Hilfe zu gewähren;
ebenso schrieb er an den Orden von Calatrava. Am 31. October rich-
tete er ein Schreiben an den „König der Marrochiten'^, ihm den Lupus,
fie Minoriten und die Christen seines Reiches zu empfehlen; ähnlich
fchreibt er an alle Christgläubigen in Marocco.
Am 11. November wurde Lupus für zehn Jahre von der Pflicht
diq)eD8iit, den apostolischen Stuhl zu besuchen, und erhielt (11. De-
*) Franc de Fonseea, Evora gloriosa, Born, 1728, p. 267. — SbaraUa,
t /, lOS. — Wadding, ad ann. 1233, nr. 27.
*) Baifnaldi annaUs, ad o. 1237, nr. 28. — RipoUi Bvüar., VII, 14,
sr. 230. -> SbaraUa, BttUar., t 1, 225, nr. 236, — Wadding, ad ann. 1237.
" Btoüius, annoL eeeles., ad ann. 1237. nr. 8. Das Schreiben beginnt: Laeta-
*v, qmod eedeaia Marrochitana. — Zuiiiga, anncd. de Sevilla^ ad ann.
mi.
*) Bbaralea, I, p. 434, nr. 161--170. — Wadding, annal Minor., III,
t^(^l&2-'166.
164 EilfteB Boch. Sechstes Kapitel.
i>oinixii- und dem Bruder Martin die Erlaubniss, im Reiche Marocoo zu predi-
^^^J gen. Neubekehrte zu taufen u. s. w. *).
Maer Am 7. October 1225 erklärt der Papst, dass die DominicaDer
r^eo^ und Minoriten, welche von dem apostolischen Stuhle in das Seich Mir
rocco entsendet werden, die oben erwähnten kirchlichen VoUmaditen
haben sollten '). Der ^Prior^ Dominions kommt anderwärts als Bischof
för das Reich des Chalifen vor. Derselbe Papst gab am 20. Febroar
1226 dem Don Rodrigo von Toledo den Auftrag, mehrere Mitglieder
beider Orden nach Marocco zu senden und einen oder auch zwei der-
selben zu Bischofen zu weihen^. Diess geschah.
Am 17. März 1226 gestattet der Papst den Missionären beider
Orden im Reiche Marocco, dass sie ohne ihre Ordenstracht reisen,
Bart und Haare wachsen lassen, damit sie den gefangenen Christen
um so leichter die heiligen Sacramente spenden, und da sie in jeDem
Liande nicht umsonst ihren Lebensunterhalt finden konnten, dass sie
auch Geld zum Ankaufe der Speisen und Kleider haben dürften*).
Der Chalife Al-Mamun erlaubte seiner christlichen Leibwache, ii
der Stadt Marocco eine Kirche zu erbauen , und sich der Glocken m
^'■^«^ bedienen^). Bald brach aber eine Verfolgung aus, als deren 0]^
der Bischof Dominions am 16. September 1232 fiel.
CHI.
BiMhof Unmittelbar folgte ihm als Bischof der Franciscaner AgnMw.)^
AgB«i- einem Briefe an den Chalifen Al-Mamun vom 27. Mai 1233 empfiehlt
ihm der Papst Gregor IX. den neuen Bischof und die Franciscanefi
welche ihn begleiteten. Der Papst lud gleichzeitig die Chalifen tob
Damascus, Bagdad und Marocco zur Annahme des christlichen Ghm-
bens ein^. — Der Bischof Agnellus heisst theils Facensis, theils Fe>
ceninus episcopus. Er wird also zuerst Bischof von Fez, und nicU
von Marocco genannt. Die von Gregor IX. beabsichtigte EnichtaD|
mehrerer Bisthümer unterblieb. Marocco, Reich und Stadt, wurde es
Missionsbisthum, das lange Zeit mit Franziscanem besezt wurde. Sj*
') Baynald,, (id ann. 1225, nr.44. — Wadding, AnnaiUi Minor., II, 12i
^ RipoUi, BuUar, Ord. Praedicaior,, 1, 16, nr, 33. — BbardUa^ BuOanwi
Ord. 8, Franei8ci, /, 24, nr. 23. — Wadding, annales, I, 338. II, 124. ^
Potthast, I, nr. 7490.
*) Sbaraha, Bvüar. Frano., I, 24, nr. 24.
') Sbaralea, I, 26, nr. 26. Buüar. Taurin. nomss., III. 418, nr. 74. -
Wadding, annal. I, 464. II, 161. — Saynald, ann. 1226, nr. 60,
V Wadding, ad ann. 1220, nr. 68. — Mitian hi$tarieal de Marm
C09, p. 99.
*) Wadding, annales Minarum, II, 360. — Sbaraha, Buttar., J, nr. i06
Fotthaat^ I, nr. 9207.
Bischöfe Agnellns, Lapns. 165
ter fShiien ancb andere Geistliche den Titel, sie waren aber Titolar-
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Am 12* Joni 1237 schrieb Gregor IX. an alle Christgläubige im
Beicfae tod Marocco, sie mögen den Bischof (Agnellus), welchen er
auf den Titel j^der Kirche von Marocco'' geweiht , den er zn ihrem
Oberiurten eingesezt habe, liebeToU anfiiehmen nnd ihm alle Ehre
erweisen*).
Agnellns wird vom Jahre 1237 an Bischof von Marocco genannt,
welchen Titel er bis zum Jahre 1246 fahrte, ohne dass über seine
Wiifaamkeit in Marocco viel verlantet. Derselbe starb vor dem 18. Oc-
tober 1246. Er hatte den Bischof Lupus (Lope) ans demselben Orden BfMhof
xüffl Nachfolger. Ans Aiüass dieser Wahl ergieng eine grosse Anzahl ^p"
pipfitEcher Decrete von Lyon ans, wo Innocenz IV. damals noch weilte.
Em Empfehlungsschreiben für denselben ergieng am 18. October 1246
ifl (fie Bewohner der Küsten des atlantischen and mittelländischen
MeatSj welches in mehr&cher Ausfertigung vorliegt. Bruder Lupus
hatte vor seinem Eintritt in den Orden den Namen Ferdinand Dain
geführt
Am 23. October 1246 empfiehlt der Papst den Lupus und seine
Begleiter dem Konig Jayme von Aragonien, befiehlt allen Obern der
ViBoriten, ihm ihre Dienste zu leisten, und verbietet, die Besizungen
'ojenigen anzutasten, welche die Reise nach Marocco mit ihm ange-
^Rten*). Am 25. October bittet und ermahnt er den Konig von Tunis
(Toaetom), den Lupus und die Minoriten in seinem Reiche in aUer
ficibeit weilen zu lassen, und ertheilt dem Lupus weitere Vollmachten.
Am 30. October ermahnt er den Grossmeister des Ordens vom heiligen
Jicobns, dem Lupus auf seine Bitten jede mögliche Hilfe zu gewähren;
Aesso schrieb er an den Orden von Calatrava. Am 31. October rich-
^ er ein Schreiben an den „Konig der Marrochiten'^, ihm den Lupus,
fie Minoriten und die Christen seines Reiches zu empfehlen; ähnlich
ichreibt er an alle Christgläubigen in Marocco.
Am 11. November wurde Lupus für zehn Jahre von der Pflicht
'^>eDsiit, den apostolischen Stuhl zu besuchen, und erhielt (11. De-
*) Franc de Fonseea, Evora gloriosa, Born, 1728, p. 267. — SbaräUa,
1 1, lOß, . Wadding, ad ann. 1283, nr. 27.
«) Baymaldi annaUa, ad o. 1237, nr. 28. — RipoUi BuUar., VII, 14,
v- 220. ^ SbaraUa, BuUar., t I, 226, nr. 236. — Wadding, ad ann. 1237.
^ Bzoviug, amuiL eedei., ad ann. 1237. nr. 8. Das Schreiben beg:lnDt: Laeta-
^^, qitod eedeaia MarroMtana. ^ Zurliga, annal. de SeüiUa. ad ann.
mi.
*) Sbaraiea, i, p. 434, nr. 161-^170. — Wadding, annal. Minor., in,
t6(^162^166.
164 EilfteB BoelL SechBtea Kapitel.
Domini- nnd dem Bruder Martin die Erlaabniss, im Reiche Marocco zu predi-
^eifl- 0^^9 Neubekehrte zu taufen u. 8. w. *).
MBer Am 7. October 1225 erklärt der Papst , dass die Dominicaner
j^^^ und Minoriten, welche von dem apostolischen Stuhle in das Beicb Ma-
rocco entsendet werden, die oben erwähnten kirchlichen Vollmachten
haben sollten*). Der ^Prior^ Dolninicns kommt anderwärts als Bischof
für das Reich des Chalifen vor. Derselbe Papst gab am 20. Febroar
1226 dem Don Rodrigo von Toledo den Auftrag, mehrere Mitglieder
beider Orden nach Marocco zu senden und einen oder auch zwei der-
selben zu Bischöfen zu weihen^. Diess geschah.
Am 17. März 1226 gestattet der Papst den Missionären beider
Orden im Reiche Marocco, dass sie ohne ihre Ordenstracht rasen,
Bart und Haare wachsen lassen, damit sie den gefangenen Christen
um so leichter die heiligen Sacramente spenden, und da sie in jenem
Lande nicht umsonst ihren Lebensunterhalt finden konnten, dass sie
auch Geld zum Ankaufe der Speisen und ESeider haben dürften^).
Der Chalife Al-Mamun erlaubte seiner christlichen Leibwache, in
der Stadt Marocco eine Kirche zu erbauen , und sich der Glocken a
BiMhof i^edienen^). Bald brach aber eine Verfolgung aus, als deren Opfa
der Bischof Dominions am 16. September 1232 fiel.
Bisehof Unmittelbar folgte ihm als Bischof der Franciscaner Ägndlta, li
^>B«i- einem Briefe an den Chalifen Al-Mamun vom 27. Mai 1233 empfiehh
ihm der Papst Gregor IX. den neuen Bischof und die FranciscaDer,
welche ihn begleiteten. Der Papst lud gleichzeitig die Chalifen voi
Damascus, Bagdad und Marocco zur Annahme des christlichen Glas»
bens ein*). — Der Bischof AgneUus heisst theils Facensis, theils Be»
ceninus episcopus. Er wird also zuerst Bischof von Fez, and nioU
von Marocco genannt. Die von Gregor IX. beabsichtigte Errichtni|
mehrerer Bisthümer unterblieb. Marocco, Reich und Stadt, wurde ei
Missionsbisthum, das lange Zeit mit Franziscanem besezt wurde. Spi^
') Baynald., ad ann. 1225 ^ nr.44. — Wadding, Annalea Minor., II, IK
*) RipoUi, Bvüar. Ord. Praedicator,, 1, 16, nr. 33. — SbaraUc^ Buliarm
Ord. & Frandaci, /, 24, nr. 23. — Wadding, amnales, I, 338. II, 124. ^
PoUhaH, I, nr. 7490.
*) ßbaralea, BuUar. Franc., I, 24, nr. 24.
*) SbardUa, I, 26, nr. 26. EvUar. Tourin. noviss., III. 418, nr. 74. -
Wadding, annal. I, 464. II, 161. — Raynald, ann. 1226, nr. 60.
*) Wadding, ad ann. 1220, nr. 68. — Misum historical de Manu
cos, p. 99.
') Wadding, annales Minarum, II, 360. — Sbaraiea, BuUar., I, nr. tO^
PoUhast, I, nr. 9207.
BiaehOfe Agnellos, Lnpos. 165
ter fahrten auch andere Geistliche den Titeln sie waren aber Titolar-
biMböfe *)•
Am 12. Juni J237 schrieb Gregor IX. an alle Christglänbige im
Beiche tod Marocco, sie mögen den Bischof (Agnellus), welchen er
auf dm Titel «der Kirche von Marocco^ geweiht , den er zu ihrem
Oberliirten eingesezt habe, liebevoll ao&ehmen und ihm alle Ehre
erweisen*).
Agnellns wird vom Jahre 1237 an Bischof von Marocco genannt,
welchen Titel er bis znm Jahre 1246 führte, ohne dass über seine
Wirksamkeit in Marocco viel verlantet. Derselbe starb vor dem 18. Oc-
tober 1246. Er hatte den Bischof Luptu (Lope) aus demselben Orden sisebof
xom Nachfolger. Ans Anlass dieser Wahl ergieng eine grosse Anzahl ^^^
PfstKcber Decrete von Lyon ans, wo Innocenz IV. damals noch weilte.
£m Empfehlangsschreiben für denselben ergieng am 18. October 1246
u die Bewohner der Küsten des atlantischen nnd mittelländischen
Ifeeres, weldies in mehrfacher Ausfertigung vorliegt. Bruder Lupus
itttte vor seinem Eintritt in den Orden den Namen Ferdinand Dain
gefohlt
Am 23. October 1246 empfiehlt der Papst den Lupus und seine
Begleiter dem Konig Jayme von Aragonien, befiehlt allen Obern der
Vinoriten, ihm ihre Dienste zu leisten, und verbietet, die Besizungen
derjenigen anzutasten, welche die Reise nach Marocco mit ihm ange-
^Rten*). Am 25. October bittet und ermahnt er den Konig von Tunis
(Tooetiun), den Lupus und die Minoriten in seinem Reiche in aller
Fidhöt weilen zu lassen, und ertheilt dem Lupus weitere Vollmachten.
Am 30. October ermahnt er den Grossmeister des Ordens vom heiligen
Jacobos, dem Lupus auf seine Bitten jede mögliche Hilfe zu gewähren;
ileDso schrieb er an den Orden von Calatrava. Am 31. October rich-
hte er ein Schreiben an den „Konig der Marrochiten^, ihm den Lupus,
& Minoriten nnd die Christen seines Reiches zu empfehlen; ähnlich
idireibt er an alle Christgläubigen in Marocco.
Am 11. November wurde Lupus für zehn Jahre von der Pflicht
^ittpensirt, den apostolischen Stuhl zu besucheü, und erhielt (11. De-
*) Franc de Fomeea, Evara glarioaa, Born. 1728, p. 267. ^ Sbarälea,
L 1, 10$, ^ Wadding, ad ann. 12S3, nr. 27.
*) Saynaidi annaks, ad o. 12S7, nr. 28. — Ripoüi BuUar., VII, 14,
•r. 230. - SbaraUa, BvUar., t. I, 225, nr. 236. — Wadding, ad ann. 1237.
- Bzovim$, annoL eceUs., ad ann. 1237. nr. 8. Das Schreiben begannt: Laeta-
■v, ^Mod eccUtia Marrochdtana. — Zuäiga, annal. de SeoiUa. ad ann.
mi,
*) Sbaralea, 1, p. 434, nr. 161—170. — Wadding, annal Minor., lU,
16(^152^166.
176 EUftoB Bnoh. Seehftes Kapitel.
8ma Vieler hoch zu Boss durch die Stadt zog, stürzte sein Pferd in iie«
Tebnu. f^^ Schuec; er selbst, vom Schmuze überdeckt, erhob sich langsam
unter dem Hohne der Zuschauer. Tief beschämt beschloss er, die
Welt, die ihn verachtete, mit Verachtung zu bestrafen. Zu aller Ver-
wunderung trat er bald darauf in den Predigerorden ein , und machte
schnelle Fortschritte in jeder Tugend. Brennend war sein Verlangen
nach dem Heile seines Nebenmenschen; er widmete sich ganz dem
Predigtamte, lebte in der strengsten. Armuth. Wo immer er Einkehr
nahm , gieng er nicht weiter , bis alle Inwohner ihre Beicht abgelegt.
Predigend durchwanderte er Spanien, und führte Unzählbare auf den
Weg des Heils zurück. Den Eonig Fernand III. begleitete er auf ver-
schiedenen seiner Feldzüge gegen die Mauren, und unterstüzte ihn
durch Rath, Beispiel und Gebet. Freche Weiber, die ihm nach-
stellten , wies er nicht nur zurück , sondern brachte sie auf bessere
Wege. — Den reissenden Fluss Minho bei Ribadava überbrückte er
wie durch ein Wunder; er sammelte zu dem Werke eine äusserst
grosse Anzahl von Arbeitsleuten. Als diesen einst die Speise ausge-
gangen, berief er aus der Tiefe des Flusses so viel Fische, als sie be-
durften, fieng sie mit eignen Händen und theilte sie aus. Noch lebend
wurde er einst von Schiffsleuten beim wildesten Meefessturme angerufen
und soll ihnen sichtbar erschienen sein und den Sturm gedämpft haben.
Im prophetischen Geiste kündigte er viele künftige Dinge zum Voraus
an, besonders den lezten Tag seines eigenen Lebens. Als dieser sich
näherte, so kehrte er in die Stadt Tuy zurück, wo er unter allen Zei*
chen der Heiligkeit starb — 14. April 1240. Aus seinem Grabe floss ein
wohlriechendes Ool, das viele Kranken heilte. Er ruht in der Cathe-
drale von Tuy. Er wird diesseits und jenseits des Weltmeeres verehrt,
er wird aber besonders von den Seelenten bei heftigen Stürmen ange-
rufen, welche ihn unter dem Namen San Telmo als ihren Schuzheiligen
verehren. Stadt und Bisthum Tuy ruft ihn als seinen ersten
Patron an. Papst Benedict XIV. hiess seine beständig sich gleich ge*
bliebene Verehrung gut und gestattete, dass sein Fest mit kirchlichem
Dienste und der Messe — von dem ganzen Orden der Prediger, von
dem Clerus von Palentia und Tude, sodann von allen Diocesen Spanien^s
gefeiert werden dürfe. — Da das Jahr 1246 als das seines Todes sicher
zu sein scheint, so muss die Nachricht als falsch betrachtet werden, dass
San Telmo der Belagerung Sevilla's im Jahre 1248 angewohnt habe').
*) Vita b, Petri Oonsalez vulgo Natttiei apud Hispanos nunc dicH Sa$U'
Elmo, ord. praed. Tudae in Oattaeeia, auctare Steph. Sampayo (1586) in Adt.
Set. BoU. 15 April, Ap. II, p. 389-391—398. — Vitam gus scripgit Fsrdinand.
de Pineda, 0. 8. D., T. 1677. — Hmr.Flarez In: Bsp. sagr., t XZIIl, De S.
Pedro Gonzalez, 2 edic, p. 132^177. — Proprium San^arum Hispaniae,
1863, — ad 14 m, April.
Heilige im dreizehnten Jahrhundert. 177
§. 15.
Dm Jahr, in welchem der Orden der Cistercienser zuerst in
Spanien eingefahrt worden, kann ebensowenig genau fizirt werden, wie
die Jahre, in welchen die ersten Dominicaner und Franciscaner nach
Spanien kamen. Wir müssen hier auf die Specialgeschichten der ein-
leben Orden verweisen. Der heilige Dominicus Guzman war zwar ein
gelegner Spanier, aber der Schauplaz seiner Thätigkeit war Frankreich
and Italien, von wo auch die beiden erwähnten Orden noch zu Leb-
zeiten ihrer Grunder nach Spanien kamen. Ihre Thätigkeit war die-
selbe, wie in den übrigen Ländern« In Spanien machten sie sich be-
looders yerdient als Seelsorger bei den Heeren, welche im Kriege
gegen die Mauren standen, und als Yerkündiger des Evangeliums un-
ter den Muhamedanem. um dieselbe. Zeit erschienen auch die Trini-
urier in Spanien.
<3«M, fptt. Kirche. HI. 1. 12
Siebentes Kapitel.
Die Seiche AngoDien, Cataionlen nnd NaTarra. Von der
Eroberung Toiedo's bis tu der Eroberung von Valencia
(10U-1!4«).
§. 1-
Dem Könige Pedro I. von Aragonien folgte im Jahre 1104 seia
. Brudc - Alfone 1., der Schlachtenlieferer, der eine Zeit lang seine beste
Kraft und Zeit daran sezte, die Kronen von Castilien und Aragonien
mit eiatinder zu vereinigen. Auf die Kunde von dem Tode AlfoQs' VI.
— 1109 — brach er mit Heeresmacht in CaetiÜen ein, auf welches er
AKoDiL als Nachkomme Sancho's des Grossen von Navarra und als Zureiter
""'j'''' Gemahl (seit 1109) der Königin Urraca — Wittwe seit 1107 — ein
Recht in Anspruch nahm. Die Grossväter der Urraca und Alfons^ I.
waren SÖhnc Sancho's des Grossen. Aber die Ehe mit Urraca löste
sich und wurde wegen zu naher Verwandtschaft im Jahre 1113 anf-
gelust.
Um so glänzender erscheint Alfbns in seinen glücklichen Kriegen
mit den Mauren. Im Jahre 1 1 10 eroberte er nach einer siegreichen
TudBi* Sclilacht die Festnng Tudela am Ebro, von wo aus die Mauren Streif-
o™i.Bri. j,üge nach Aragonien und selbst Catalonien zu machen pflegten; es
wurde zum z weitenmale am 31. August im Jahre 11 14 mit Hilfe englischer
und französischer Ritter erobert '),
Jezt war es der nächste Plan des Königs, Saragossa, die eigent-
liebe Hauptstadt seines Königreichs, aus den Händen der Mauren zarück-
'l U. Kayaerling, Geschichte der Juden in Havaira, Berl. 1861, p. 11.
Moret, Anales de Navarra, 1706, II, 92.
i
Erobening von Saragossa. 179
zuarobem, nachdem das um so viel südlicher gelegene Toledo seit einem
3feii8chenalter wieder in den Händen der Christen war. Mit einem
zaUreicben Heere stand Alfons vor der Stadt Die Belagerten unter-
handelten* £s wurde ihnen die Erhaltung ihres Lebens und Eigen-
thomes, die freie Ausübung ihrer Religion und ihre besondere Rechts- ^^i^-
pflege zugesagt. Der Emir zog sich mit seinen Schäzen in die Festung «^ert,
Boda zurück. Am 18. December 1118 hielt Alfons seinen feierlichen ii^^-
Einzog« Viele Mauren wanderten nach Roda, mehrere noch nach Ya-
fencia and Murcia aus. Alfons machte nun Saragossa zu seiner Resi-
denz, die Stadt ^ welche Isidor von Sevilla über alle andern Städte
Spaniens gesezt, in welcher die Muhamedaner 405 Jahre geherrscht
liatten. Die Hauptmoschee wurde wieder als Kirche des Erlöser's (San
Salndor) eingeweiht, und blieb die Cathedrale von Saragossa. Sogleich
wurde das alte Bisthum hergestellt, dessen erster Bischof Petrus von
übfana (1119 — 1128) war^). Die Nachricht von dem Falle Saragossa's
sddog die Saracenen mit Schrecken und Entmuthigung. Diese Lage
benözte Alions, und eroberte in den drei folgenden Jahren Calatayud,
Daroca, Tarazona, überhaupt alle festen Pläze, welche an den Grenzen
von Castilien und Aragonien noch in den Händen der Araber sich
be&odeD*).
§. 2.
Auf die Kunde der Eroberung von Saragossa und im Hinblicke
aof den Zerfall der Herrschaft der Almoraviden hofften die Mozaraber
in Andalusien, dass der König Alfons I. sie befreien könnte, und riefen
sme Hilfe an. Sie versprachen, mit einem Heere von 12^000 Mann nahm-
za ihm zu stossen, und wollten das herrliche Granada in seine Hände ^^^^'^
lidem, wo damals noch viele Christep wohnten. Im Juli 1125 brach fmcht-
er mit 4000 Rittern auf, gefuhrt von den des Weges kundigen Mozara- ^^
bero. Durch den Zuzug der Mozaraber wuchs sein Heer auf 50,000 nach
Mann an. Aber Granada wurde durch Ueberrumpelung nicht genom-
men; es musste belagert werden. Das dauernd schlechte Wetter, noch
mehr der Anzug eines Entsazheeres unter Temim veranlassten den
König zum Abzüge. Er suchte sich mit den Christen in Malaga und
den Gebirgen der Alpujarras zu vereinigen. Ein Heer der Mauren
Andalu-
sien.
') Bisco, Esp. sagr,, t 31, p. 111. — IVay Lamberto de Zaragoza, Teatro
de loa Iglesias de Aragon, PampL, 1785, t 1-4.
•) r. 49 der Esp, sagr., v. Vicente de la Fuente, über Tarazona, t 50,
▼Ott denit. ül)er Calatayud. — üeber Daroca handelt der t. IV. des „Teatro hi-
itorieo de Uu Igletias de Aragon.*
12*
#
ISO Eilftes Bach. Siebentes Kapitel
wurde von ihm geschlagen und zerstreut. Alfons gelangte zwischen
Malaga und Almeria bis an das Ufer des Mittelmeeres. Er zog über
(neben) Granada und Guadix zurück, dann zog er gegen Mnrcia und
Jativa, während die Reiterschaaren des Feindes ihm an der Ferse hingen.
Aber grössere Verluste als durch diese, erlitt sein Heer durch Krank-
heiten und die Entbehrungen des Feldzugs. Nach einer Abwesenheit
von sechs Monaten kehrte er heim. Zum erstenmal seit dem Einfall
der Mauren hatte ein christlicher Fürst ganz Spanien bis zum Meere
durchzogen. Aber die Lage der Mozaraber wurde durch diesen Kriegs-
zug sehr verschlimmert. Fürchtend die Rache der Mauren waren 12,000
derselben, mit dem Heere des Königs, nach Norden ausgewandert Die
Uebri^en wurden von den Almoraviden in grossen Massen nach Afrika
geschleppt, wo sie zum grossen Theile, ungewohnt des Clima's und
der ganz anderen Nahrungsmittel, ausstarben.
§. 3.
Später schloss Alfons I. auch einen dauernden Frieden mit dem
Reiche Castilien. Nach dem Tode der Königin Urraca (1127) war er
zwar wieder in Castilien eingefallen, zog sich aber vor Alfons VII.
Krieg n« zurück. Im Jahre 1130 war wieder Krieg ausgebrochen. Da sandte der
mu^^i^ jüngere König von Castilien auf den Rath seiner Bischöfe Gesandte an
•tiiieiu Alfons I., mit der Bitte, ihn in ruhigem Besize seines Landes zu lassen.
Alfons I. wollte seinen bisherigen Gegner an Grossmuth übertreffen, ent-
sagte dem Titel eines Kaisers, den er eine Zeit lang geführt, Alfons VH.
aber stellte den Theil von Navarra wieder zurück (die Rioja), welchen
frühere castilianische Könige davon losgerissen.
Jezt trug Alfons I. seine Waffen über die Pyrenäen, und belagerte,
im Bunde mit den Grafen von Bearn und Bigorre, die Stadt Bayonne,
die sich im Jahre 1131 an ihn ergab.
Im März 1183 rüstete er zu einem neuen Feldzuge gegen die
Mauren, welche noch immer im Besize der wichtigen Stadt Tortosa
nicht weit vom Ausfluss des Ebro waren, und deren Besiz ihm im In-
teresse des Handels zur See von gross ter Wichtigkeit war. Vorher
musste er die festen Fläze, die Tortosa zur Vormauer dienten, nehmen.
Nach einer Belagerung von drei Wochen nahm er mit Sturm die Burg
Mequinenza, und rückte nun gegen das nördlichere Fraga — im August
1133. Ein Heer von 10,000 Mauren eilte zum Entsaze heran. Alfons
und 20 Ritter meines Heeres schwuren nun auf Reliquien, die in's La-
ger gebracht worden, einen Eid, entweder Fraga zu erobern oder vor
dem Plaze zu sterben. Die Mauren wurden geschlagen. Die Einwohner der
Stadt wollten sich unter billigen Bedingungen ergeben, aber Alfons wies sie
Alfons I. von Aragonien. 181
zorncL Wieder erschien zum Entsaz ein starkes Heer der Mauren,
welches durch eine Kriegslist über die Aragonier siegte. Die Aas-
erlesensten des Heeres fielen. Mit nur sechzig Mann entfloh der König;
TOD diesen sechzig fielen noch fünfzig, nur mit zehn entkam der König.
Unter den Gefallenen war auch der Bischof Arnold von Huesca (19. Juli
1134) ').
Alfons sammelte schnell ein neues Heer; er gerieth aber am j^^^^^
T. September 1 134, nur von 300 Reiteij^ begleitet, in einen Hinterhalt r^iit ^or
bei Fraga; er und alle seine Begleiter fanden hier den Tod. Sein Leich- j^p^^.
nun konnte nicht mehr aufgefunden werden. So fiel Alfons Sanchez it34.
(el Batallador) nach vierundzwanzig siegreichen Schlachten. Andere
)iachrichten lassen ihn an Kummer über die erlittene Niederlage ster-
bau Er erhob das 'Reich Aragonien zu hoher Macht und Blüthe. Unter
feinem tapfem Heere, dessen Kitter sich der doppelten Anzahl castilia-
Disdier Ritter gewachsen fühlten*, ragen besonders die Almugavaren
lierror, Bergbewohner, die bloss dem Kriege lebten und ohne Mühe
die grossten Entbehrungen und Strapazen ertrugen , die den Gegnern
besonders im s. g,. „kleinen Kriege^ gefahrlich waren.
Die Aragonier rühmen an Alfons seine todesverachtende Tapfer-
bit, seinen £delmüth, seine Frömmigkeit und Freigebigkeit gegen die
Kirchen. Die Gastilianer, u. a. Rodrigo von Toledo und besonders
dk Verfiisser „der Geschichte von Compostella^ werfen ihm Gottlosig-
kat und Treulosigkeit, Gewaltthätigkeiten und Hinterlist gegen Kirchen
ond kirchliche Personen vor, stimmen aber in dem Lobe seiner Tapfer-
keit mit den andern überein *).
§• 4.
Alfons L starb ohne Nachkommen. In seinem Testamente verord- SeinTe-
Dcte er, dass der dritte Theil seines Reiches dem Grabe Christi und***""**'
seinen Hntem, das zweite Drittel dem Hospitale der Armen (Johanni-
0 Dias der Bischof von ürgel gefallen, wie Ernst Alex. Schmidt (Geschichte
Angoniens un Mittehüter. Leipz. 1828, S. 69), ond Brischar (Bd. 47, S. 26) sagen,
&det Mi durch die ,,668ohichte der Bischöfe von ürgel' nicht bestätigt Nach
<hndben wurde Petras Berengar Bischof von ürgsl im Jahre 1123, und starb im
hkn IUI (ViJkmueva, Viage literario, t. XI, p. 44).
*) Orderid Vüalis, ecdenast. higtoriae L 13. — apud Florez, t. J, 3 edie.,
p. 604^14. (cf. t 28, p. 346.) — D. Rodngo, de rebus Hispaniae VII, cp. 3,
«9^ ä EHitor, ComposUlL, passim. >- Cfhronicon Dertosense II, ap. ViUanueva,
F, p. 237, — Bistaire de Languedoe, t. IV. — H. Zurita Äncües de la Corona
* Aragon, t I, 46—62. — Rosseeuw — St. Ilüaire, Histoire de VEspagne,
«. IF. - Bdmidt, l c, p. 56''71. - StoJherg-Brischar, t. 47, p. 27.
182 EüftesBacfa. Siebentes Kapitel.
ter) zu Jerasalem, der dritte Theil dem Tempel des Herrn zu Jerusa-
lem, und dem Orden der Tempelherren gehören sollte '). Aber mit
dieser „Selbstaufopferong'' waren weder die Aragonier noch die Kavar-
resen einverstanden; sie wollten sich selbst angehören. In Borja traten
der Adel, der Clerus, die Abgeordneten der Städte und Flecken zasam-
men. Pedro von Atares, ein Nachkomme Bamiro's ans unäcbter Linie,
wäre zum Könige gewählt worden, wenn er nicht dorch sein hochmüthiges
Benehmen seine Wahl vereitelt hätte. Nun wurde Ramiro IL erwählt Er
war ein Brader Alfons I., war aber schon im Jahre 1093 dem geist-
lichen Stande geweiht worden. Er war zuerst Mönch zn S. Pons de
Tomieres. Dass er im Jahre 1112 Abt des ESosters Sahagun war,
finden wir durch die Geschichte dieses Kloster's verbürgt Er wird
erwählter Bischof von Bnrgos, Pamplona und Lerida genannt Doch
ist in den Zeitangaben darüber grosser Widerspruch. Es ist zweifel-
haft^ ob er Priester gewesen; sicher ist, dass er die Bischöfliche Weihe
nie erhielt. Es wird bezweifelt, ob er sich mit päpstlicher Dispense
verheirathet habe ^.
Ramiro U. behielt auch in der Geschichte den Beinamen „der
Ramiro Möuch^. Einige Jahre nach seiner Wahl erschien Raymund, der
Möneb ^^^^^^^^^^^1' der Johanniter in Jerusalem, zugleich als Abgeord-
neter des Königs von Jerusalem, Wächters des heiligen Grabes,
und des Ordens der Tempelherren, um die Erbschaft der Krone von
Aragonien in Empfang zu nehmen. Er wäre aber zu spät gekommen,
wenn er auch sogleich nach dem Tode Alfons I. zur Stelle gewesen wäre.
Die Unmöglichkeit erkennend, mit seinen Forderungen durchzudringen,
schloss er einen Vertrag, nach welchem die Orden sich begnügten, da8S
ihnen ein bestimmter Theil von Saragossa, Huesca, Barbastro, Cala-
tayud^ sowie der Flecken, welche kiirzlich der Gewalt der Mauren ent-
rissen wurden, eingeraumt würde. Die Orden sollten auch von der
königlichen Gerichtsbarkeit befreit sein*). — Dieser Vertrag wurde
später sowohl von Papst Hadrian IV. als dem Könige Fulco von Jeru-
salem bestätigt.
Die Grossen von Aragonien waren sowohl entschlossen, den An-
sprüchen der Ritterorden, als den etwaigen Ansprüchen des „Kaisers"
Alfons VII, von Castilien entgegenzutreten. — . Die Navarresen , die
von dem bejahrten Ramiro IL keine Hilfe erwarteten, namentlich keinen
Schuz gegen die Könige von Castilien, trennten nun ihre Sache tod
') Zurüa, An., J, öl,
') Zuritoj p. 61. — Traggia, Del reynado de Don Ramiro 11, in deoi/e-
morias de la real Acad. de la historia, III, 469.
*) Zurita, p. 60.
Königreich NaTarra. 183
der der Aragonier. Während die lezteren zu Monzon tagten , traten
jene za Pamplona zasammen. Sie kehrten zu den Nachkommen ihrer
ahen Könige zurück, und wählten den Garcia Ramirez zu ihrem Konig.
Er var ein Enkel Sancho's des Grossen, Sohn des ßamiro, der nach
dem Tode seines Vaters nach Castilien geflohen , und dort Donna El-
vira, eine Enkelin des Cid, geheirathet hatte.
§. 5.
FoT diese Wahl war besonders Sancho, der Bischof von Pamplona oarou
üiätig. Don Garcia kam ohne Verzug nach Pamplona, wurde als Kö- ^^^ ^^.
mg aosgernfen, und in der Cathedrale gekrönt. Der arme Don Garcia nxg von
war rielfiich auf die Unterstüzung der Kirchen und Klöster angewiesen. ^[^^^
So schenkte ihm im Jahre 1135 das erwähnte Kloster Hirache bei fio).
Estella 600 Mark reinen Silbers, wofür der König dem Abt Aznarius
lad dem Kloster die Orte Ugar, Iguiza und Mendicaria mit allen ihren
Einkünften schenkte. Im Jahre 1136 schenkte Bischof Sancho von
Pami^ona demselben EJoster die Kirche der Villa Ugar mit ihren Ein-
künften. — Don Garcia erwarb seinem Reiche den Besiz der wichtigen
Städte Tadela und Tarazona, die sonst und auch später wieder zu dem
iLache Aragonien gehörten. Seltsam ist es zu hören, dass der König
im Jahre 1144 dem Bischof Lopez von Pamplona die Synagoge der
Judoi Yon Estelia zum Geschenke machte. Die Synagoge wurde nun
al$ Kirche „S. Maria^ zu Ehren des Hetm und seiner gnadenreichen
Matter eingeweiht. Ein Dorf, welches von Juden angelegt und bewohnt
war, übergab er den Rittern von Estella aus Dankbarkeit für die ihm'
erzeigten Wohlthaten ^).
Nach einem glücklichen Feldzuge gegen die Mauren starb Garcia
Bamirez in Folge eines Sturzes vom Pferde am 21. November 1150 zu
Lorca bei E^ella, nach einer Regierung von 16 Jahren.
§. 6.
Sein Sohn Sancho Garc^, el Sabio (der Weise) wegen seines sanoho
▼iden Wissens genannt, sicherte die Grenzen seines Luides gegen Ca- ^^^^
stüien and Aragonien und wendete sich dann der inneren Organisation (iiso-
deaadben zu. Er ertheilte eine grosse Anzahl von Fueros (Ortsrech- ^^^^'
teo), bei deren Ertheilung die Fueros' Alfons VI. von GltstUien viel-
*) Montf AnaUs dd reyno de Navarra^ 11, 303, 364. — Zkiaznavar, Le-
^cuwt de Nacarra, San Sebastian, II, 59. — Perez, I, 230. — Kayser-
ling, 8. 15.
184 inifles Bach. Siebentes Kapitel
fach als Vorbild gedient za haben scheinen. — Znm Ruhme Don San-
cho's wird erzählt, dass er die Wissenschaften überaus hochgeschäzt,
und dass er während seiner langen Regierung keine Schlacht verloren.
An seinem Hofe lebten die hervorragendsten und gelehrtesten Männer.
Musterhaft wurde unter ihm die Rechtspflege geordnet. Das Gericht
der höchsten Instanz hiess Gort del rey, oder kurzweg Corte, der könig-
liche Gerichtshof. Er starb nach einer Regierung von 44 Jahren am
27. Juni 1194. —
s«ncho Sein Sohn Sancho el Fuerte (der Starke) war der lezte der Ko-
su^ke ^^^^ Navarra's aus dem Geschlechte Sancho's des Grossen (1194 — 1234).
(1194— Wie sein Vater, übernahm er die Regierung, während sich das Land
^^^^ im Kriegszustande mit Castilien und Aragonien befand. Auch er sah
sich in seinen Kriegen auf die Hilfsmittel, auf mehr oder weniger frei-
wiUige Gaben von Seiten der Kirche angewiesen, und erstattete dersel-
ben, dem Bisthum Pamplona und den Klöstern, unter denen immer
noch Leyre und Hyrache hervorragten, entsprechende Privilegien. Er
hatte u. a. von dem Bischöfe Don Garcia 70,000 Solidi erhalten, eme
zu jener Zeit sehr grosse Summe Geldes. Aber mittelst solcher finao-
cieller Hilfe vermochte sich Sancho seiner Gegner zu erwehren. Im
Juli 1198 schenkte der König dem Bisthum von Pamplona, dankbar
für die in hoher Gefahr ihm geleistete Hilfe, seine königlichen Palaste
in Pamplona, mit seiner Kapelle, Gärten, Kornkammern, Wein^rten
u. m. a., den ganzen Zehent, den der König in der Stadt Pamplona
bezog; alles, was der König in der Villa Albarzuza gehabt und ana
ihr bezogen hatte. Am 29. Januar 1199 erlangte der Bischof Garcia
die Bestätigung dieser Schenkungen durch Papst Innocenz HI.
Zieht Am 11. Februar 1199 schrieb dieser Papst an den König, im Jahre
^^ 1198 (1197?) seien die Könige von Castilien und Aragonien mit ihren Heeren
' in Navarra eingebrochen, um dasselbe zu erobern und imter eich za
vertheilen. Der König von Aragonien habe Boten an den König Sancho
gesandt, und den Wunsch ausgesprochen, die Schwester desselben zu
heirathen. Sancho verlangte, dass die beiden Könige vorher sein Land
räumen sollen. Der König von Castilien verlangte aber vorher das
eidliche Versprechen des Sancho, alles zu thun und zu halten, was die
beiden Könige von ihm verlangten. Sancho schwur aus Furcht den
verlangten Eid über die Bedingungen des Friedens, und der Ehe seiner
Schwester, troz des dritten Grades der Blutsverwandtschaft derselben.
Der Papst befiehlt dem Sancho, diesen in sich selbst unerlaubten und
nichtigen Eid nicht zu erfüllen *}. — Bald darauf unternahm Sancho VIL
nur von einigen Rittern begleitet einen abenteuerlichen Zug nach Afiika,
*) Epistolae Innoc. IILy ed. BcUuzb, /, 317, nr. 666. — Qpp., ed MigfUj
J, $09. nr. 566. - Aguirre, V, 121.
Beieh NaTarra. 186
WD er liogere Zeit für den Mirainolin Aba Jacab gegen dessen Geg-
ner kämpfte, ond die Absicht gehabt haben soll, dessen Tochter zu
feiner Gemahlin zu nehmen. Aber die Könige von Castilien und Ara-
gooien boinzten seine Abwesenheit, um über Navarra herzufallen. Yit-
toria leistete den heldenmuthigsten Widerstand, und ergab sich erst
djim, als der Konig, welchen der Bischof Garcia von Pamplona in
Afrika aafgesncht hatte, die Einwohner von dem Eid der Treue gegen
ilm eDtband. Damals giengen dem Reiche Navarra die Baskischen Pro-
Tiozen Alava und Gnipüzcoa verloren, welche von da an mit der Krone
Castilien vereinigt blieben, allerdings mit Wahrung ihrer Vorrechte
(Foeros), welche ihnen erst die treulose und gottlose Revolution des
neimzelmten Jahrhunderts raubte. Nach langer Abwesenheit kehrte der
Eo&ig von Navarra aus Afrika zurück, „zwar beschwert durch die Ge-
sclieoke des Agarener's , aber entleert so schöner Länder (selbst der
Hifeitftadt San Sebastian), und leer an Ehre^ *)• Diese abenteuerliche
Sei» hat vielleicht den Keim zu dem späteren Verfalle Navarra's
pJegt
Um so grosser war das Verdienst Alfons VII. , das er sich in
der Schlacht bei las Navas de Tolosa (1212) erwarb^). Heute noch
rahmen sich die Navarresen des entscheidenden Antheils, den ihre Vä-
\ei an diesem »Triumphe des Kreuzes" gehabt »).
Da Konig Sancho ohne Thronerben war, so adoptirte er im Jahre DieOra-
1231 den König Jayme L von Aragonien. Zwar hatte Thibauld, Graf '^™
Ton Champagne, Sohn der Schwester Sancho's, Donna Bianca, Anwart* pagne
«rittft anf den Thron. Aber Sancho wollte ihm, weil er, wie es scheint, ?•"?"
loniben in Navarra angestiftet, die Nachfolge im Reiche entziehen, vamu
Er hatte die lezten Jahre seines Lebens zu Tudela zugebracht. Er hatte
^ 80 sehr von der Welt abgeschlossen , dass man ihn zulezt Don
S^Qcho j,den Beclnsen^ (el Encerrado) nannte. Nach einer Regierung
^ üttt 39 Jahren starb er am 7. April 1234.
Die Navarresen aber wollten nicht zu der £a*one Aragonien zu-
'^icl^kehreQ, sie wählten den Theobald zu ihrem Könige, und sandten ihre
Vertruiensmänner, an ihrer Spize den Bischof Don Pedro Ramirez de
^i^la von Pamplona, nach der Champagne. Theobald eilte herbei,
^ wnrde von demselben Bischof am 7. Mai 1234 in der Cathedrale
voQ Pamplona zum Konige gesalbt und gekrönt. Der König von Ära*
?"uen aber erhob keine Einsprache %
') Am Rodrigo, de rebus Hispaniae, VII, 32.
") 8. 123, 124, 126.
*) Ära, i, 310. — Kayterling, p. 22,
*) Marti, Anales de Navarra, L II ei HL (cf. Masdeu, XV, 99.)
186 Eilftes Boch. Siebentes Kapitel.
§7.
Ramon Berengar III., Markgraf von Barcelona and von Spanien,
Graf von Besalü und von Provence starb , noch nicht fünfzig Jahre
alt, nachdem er sterbend noch das Kleid der Templer angenommen, im
Jahre 1131 '). Sein zweiter Sohn, Berengar Ramon, erhielt die Pro-
vence, Gevoudan u. a. Der ältere Ramon Berenguer erhielt Catalonieii
und die übrigen Besizungen in Gallien. Er vereinigte die Krone von
Aragonien mit Cat&lonien. Die aragonischen Stande wünschten, dass
^'•«f®- Petronilla, die einzige Tochter und die Erbin Ramiro's des „Mönches",!
cataio- ihre Hand dem Grafen von Barcelona gebe. Ramon Berenguer var
nien g^j-Q bereit , die Königstochter und mit ihr das Königreich selbst zu
' empfangen. Ramiro der Mönch, der Regierung satt, zog sich im Jahre
1137 in ein Kloster zurück, und starb im Jahre 1147 (nach andern
1155).
Petronilla war zur Zeit der Verlobung allerdings erst zwei Jalire
alt. In dem Vertrage war ausgemacht worden, dass, wenn Petronilla |
vor ihrem Gemalil sterben würde, Aragonien dem lezteren, aber erst
nach dem Tode Ramiro's des Mönches, zufallen sollte. Ramon Beren-
guer IV. behielt den Titel eines Grafen bei, seine Gemahlin aber nannte
sich „Königin^. Die vereinigten Länder hiessen nun das „Königreich
Aragonien"; die beiden Länder behielten ihre eigenthümlichen Ge-
bräuche und Gewohnheiten. Mit dem Kaiser Alfons VII. wusste sich
der Graf Berenguer auf einen guten Fuss zu stellen.
§ 8.
Unter Papst Urban II. wurde ein erneuerter Versuch gemacht,
durch die Vereinigung mit dem Bisthume Vieh das Erzbisthum Tarra-
gona herzustellen, ein Versuch, der ein Jahrhundert früher gründlich
gescheitert war •). Graf Berengar III. hatte die Stadt Tarraco theil-
weise wiederhergestellt, und sie in einem gewissen Sinne dem römischen
Papst zinspflichtig gemacht, durch einen jährlichen Zins von 5 Vi^^
— OregoT, Fem, Perezy Historia de la Iglesia de PampUmaf t I (1,3 ä ^j«
— Oangora y Torrdflanca , Historia apologetica y descripcion del reyno de
Navarra, Pampl 1628. — Jos^ Yanguaa y Miranda^ Historia de Navarraf
San Sebastian, 1832. ^ Yahguas, Diccionario de las antigüedades del reiw dt
Navarra, PamplorL, 1840.
*) Marca, Marca Hisp., p. 1237, 1238.
') K..G. U, 2, S. 426—28.
EnsbiBtbnm Aasona-TamgoiUL 187
Silltf. Der Bischof Berengär Ton Aasona reiste im Jahre 1089 nach
fiooL mn dort die Verbindung des Erzbisthnms Tarraco mit dem Bis-
tkame Aasona wieder za erlangen. Es gelang. Am 1. Juli 1091 wurde
ibf Bischof Berengär von Ausona zugleich als Erzbischof von Tarraco
xigesezt Der Papet übergab ihm und seinen Nachfolgern die Stadt
Ivnco for alle Zeiten als Besiz und Eigenthum, und verlieh ihm das
Piniom ').
Am 25. Juli 1092 ermahnt der Papst „den Erzbischof you Tar-
n-»^ er möge in der Herstellung der Kirche von Tarraco nicht saum-
selig sein; er solle aber auch dem Primas, dem Erzbischofe von To-
ledo, dem Yicarius des Papstes in ganz Spanien und in der Narbon-
nensttchen Provinz, Gehorsam leisten*).
Berengär also führte sofort den Titel als Erzbischof, aber er blieb
TOT vie nach Bischof von Ansona. Am 13. December 1097 wurde
onter dem Vorsize Bemard's von Toledo eine Synode zu Gerona ge- synodo
hsbuL Es ist nicht deutlich, ob Bemard als Primas, oder als aposto- ^^^'^
OAj 1097
iisckr Legat prasidirte , da wir von den Verhandlungen fast nichts
vkseo. Ea waren zugegen Berengär, der Erzbischof von«Tarragona,
Ponzius, Bischof von Roda, der in demselben Jahre consecrirt wurde,
Folco TOD Barcelona und Bemardus von Gerona. Es handelte sich
.&m die Befestigung der Würde der kirchlichen Freiheit.^ Bernard
Em tine Klage der Elanoniker von Barcelona gegen den Bischof von
Gerona za, und er sprach denselben die Kirchen von Coli Sabatell,
TCQ SeniU und von Yulpejeras zu , die der Bischof an sich gezogen,
Qod roo denen er behauptete , dass er ein ererbtes Recht auf sie be-
BZ& Dann sprach er die Excommunication gegen diejenigen aus,
vcldie die Kirche von Linares berauben würden , die den Kanonikern
vf-Q Barcelona gehorte, und gegen einen gewissen Bemard Ramondez,
der ohne alles Recht Eigenthum des Bisthums (von Gerona?) an
«tlirisß»).
Berengär wird „Erzbischofe 1095 — 1098 genannt. Aber wieder
pcDg es, wie es das erstemal gegangen war. Noch Berengär musste
US Ende semes Erzbisthnms erleben. Schon bei der zweiten Errich-
^ des Erzbisthnms hatte der Papst Bedingungen gesezt. Wenn der
foinschof von Karbonne sein Recht auf die ehemaligen Suffraganbis-
tooiBerTamco^s nachweisen könne, solle die neue Metropole nicht in's
*) Asfodef, Crdniea, VIU, 86. - Mansi, XX, 648.
•) Agmrt, F, 14. — Manti, XX, 682. — Migne, P. UU. t 151, nr. 52
«w* «4 der Briefe ürban'a IL
*) ÄAtte, Marca Hüpan., lib. IV., ad an. 1097, p. 474. — Aguirre, F,
'^— Mnti, XX, 958. - T^ada y Bamiro, III, 224. - ViUanueoa, XIII,
"51 (i^ Vi. 212--1B). - E9p. sagr., t. 43, p. 239^241.
188 Eüftet Bnch. Siebentes Kapitel.
Leben treten; er hatte sie errichtet „unter Vorbehalt des Redites oder
der Gerechtigheit gegen die Kirche von Narbonne' *). — So wendete
sich denn der Erzbischof von Narbonne klagend nnd bittend an den
Papst ürban II., dass ihm seine bisherigen Snffragane, die, seit vier
Jahrhunderten die Kirche von Narbonne als ihre Metropole anerkannt
haben, nicht sollten entzogen werden. Darum schrieb Urban II. wieder
an seinen Legaten, den Cardinal Rayner, er möge den Saf&aganen tou
Narbonne in Spanien befehlen, so lange den Erzbischof von Narbonne
als ihren Metropoliten zu erkennen, bis mit Hilfe Gottes die Kirche
von Tarraco wieder hergestellt sei. — Dieser Brief, den P. de Marca
als Anhang VI in seiner Abhandlang: „über die Primaten'' mitgetbeilt
hat, trägt kein Datum, ist aber (nach Florez) vom Jahre 1097 *). Troz-
dem wird Berengar noch in einem Documente des Jahres 1099 „Erz-
bischof von Tarraco'' genannt '). Er war eben „Erzbischof in partum
infidd.^j denn in der That wurde damals Tarraco noch nicht hergestellt,
oder so weit es hergestellt war, wurde es aufs Neue durch die Ein-
falle der Mauren, die überall noch in der Nähe ihre Zwingbargen
hatten, besonders im Jahre 1108 zerstört Die Nachfolger des „Erz-
bischofs" Berengar, welcher im Jahre 1099 starb, führten diesen Titel
nicht mehr.
§ 9.
Kirfeh- Am 15. September 1099 wurde die Kirche (der seligsten Jong-
Qat^^J'frau) von Guissona, im Bisthum Urgel, eingeweiht Die Kirche wurde
»•,1099. geweiht von dem Bischöfe Otho (S. Oto oder Odo) , der von den Bi-
schofen fViIco von Barcelona und Pontius von Roda unterstüzt wurde.
Sie erliessen einige Verordnungen zum Schuze der Immunitat und des
Asylrechtes der Kirche^ Verordnungen, welche später namentlich von
dem Erzbischofe Oldegar von Tarraco bekräftigt wurden*).
§. 10.
Am 1 1. November 1 100 traten die Bischöfe Berengar von Barce- *
lona, Petrus von Carcassone und Bemardus von Gerona zur Weihe der
Kirche der heiligen Maria in der Villa-Bertrandi, im Bisthume Geronai
>) Salva Narbonensis EccUsiaa justitia.
») Eip. $agr, t 28, p. 171 — c/. t 26, p. 107.
*) E^. $agr. t. 28, Aptnd. XX, p. 300.
') Marea, Marca Hispan. , apend., CCC. XXIL — Marui, XX, lOBS--
1102. - Aguirr^CaUüani, F, 2i-25. - T^ada y Samiro, III, 224''26.
dl 1100.
Der heilige Oldegarins. t89
lasasmen. Sie beschlossen u. a., dass nach der alten Sitte in dieser Kirch-
urcbe die feierlichen Taufen aller hier Zusammenkommenden an Ostern ^yuur*
od an Pfingsten stattfinden sollten '). — Also wusste man damals in Bortran<
lesen Gegenden nichts mehr von der alten durch Papst Damasus ge-
idelten Sitte, die heilige Taufe in der Zeit von Weihnachten und Er-
iieioong Christi zn spenden. Die Kanoniker der neugeweihten Kirche
bitten nach der Regel des heiligen Augustinus in Gemeinschaft zu-
ucmenlebea Abt wurde Petrus Rigaldi, vorher Prälat an dieser
jrehe, der sie auf seine Kosten erbaut und dotirt hatte ^).
§11.
Im Jahre 1115 wurde der heilige Oldegarius als Bischof hi. ou
roD Barcelona gewählt, wurde am 23. Mai 1116 von Papst ***«•'"••
PascUis II. bestätigt, und schon im Jahre 1116 wird er auch Erz-
»ckf Ton Tarragona genannt Zuerst hatte im Jahre 971 Papst Jo.
lum Xm. den Bischof Atto von Vieh zum Trager des Erzbisthums
'tmco erwählt, dann wieder Papst Urban U. im Jahre 1091 den Bi-
dwf Bcrengar von Vieh. Diese Wahlen blieben ohne Erfolg, zum
fkeil, weil Tarraco nicht wiederhergestellt wurde. Im Jahre 1115 lag
Iimco noch in Schutt; hohe Bäume standen auf den Trümmern der
altefi Stadt; ja selbst auf dem Boden und innerhalb der Mauerreste
der ahen Cathedrale standen Eichen , Buchen und andere stämmige
Kam«, die Einwohner waren wieder verscheucht und verschwunden '),
Am 23. Januar 1117 schenkte der Markgraf Ramon Berenguerlll.
Cef Kirche des Stuhles von Tarraco , welche ehedem zu Ehren der
tidigen Jungfrau Tecla gegründet worden, und dem Bischöfe Oldega-
nas,Qnd allen seinen Nachfolgern im Bisthume, welche diese Kirche Tarraco
QDter dem Gehorsame des apostolischen Stuhles regieren würden , die gebaat.
^'Mi Tarracona selbst, welche lange durch viele Jahre in Trüm-
Biera und in Verwüstung , ohne Bebauer und Bewohner gewesen. Er
^l^rgibt sie ihm mit ihren Grenzen und allem Zubehör, als Eigenthum
vsd zam freien Besiz , ihm und seinen Nachfolgern für alle Zeit. Er
^'^ TOD allen Seiten her Leute sammeln , die sie bewohnen. Diese
•) V. BLG. II, 1, 8. 427. II, 2, S. 205.
') Marca, append. CCC. XXVIL Daraus: Aguirre-CcUcUani, F, 2^-25.
-Mmti, XX, 1127-30. — Tefada y Ramiro, III, 227-- 228. — (Vülanueoa
^il p. 119). - Esp. sagr,, t 43, p. 446" 50.
'} In tpiscopaii quippe Basilica quercus et fagi, cHiaeque proceres arbo-
'«« JO» atcerant spaHumque interius intra muros urbis a priscis temporibus
«««pawrttirf. OrdtruMS Yüalis, Hütana eecles., l 13, ep. 2. (Migne, Patrol.
^•, 1S8, p. 927.)
190 Eilftes Bach. Siebentes Capitel.
Einwohner sollen nach den Gesezen nnd Gewohnheiten leben, die ihnej
Oldegar geben würde. Nur ein Gerichtshaus und einen Palast ^
der Markgraf dort behalten. — Die Grenzen der neuen Stiftung wd
den festgesezt.
Am 21. März 1118 bestätigt Papst Gelasius II. den Oldegarin
als Erzbischof. Er sagt u. a. , dass Urban 11. dem Bischof Bereog-j
von Vieh das Pallium gegeben. Er stelle nun den Oldegar als ^Vci
Steher" der Kirche von Tarraco auf, und ertheile ihm das Pallium, d^
mit er diese Kirche und die Stadt mit allen Kräften wiederherstelle
möge. Sollte Tortosa erobert werden, so sollte es vorderhand Tarne
(als Pfarrei) zugetheilt werden. Er theilt ihm auch die alte Kirchec
provinz von Tarraco zu, aber in dieser Bulle werden die einzelnen Bü
thümer noch nicht genannt ^).
Am Ende des Jahres 1117 hatte Oldegar selbst seine Keise nac
Rom angetreten^ wo er ankam, als am 25. Januar 1118 Papst Gela^i'J
schon gewählt war. Er begleitete den Papst nach Gaeta, von wo au
derselbe die obige Urkunde ausstellte. Oldegar durfte sein Bistbao
Barcelona beibehalten. Im December 1118 nennt er sich den „unw*
digen Erzbischof von Tarraco^; sonst nennt er sich auch den „Yerw^l
ter^ (Dispensator) dieses Sizes.
Er gab sich die grosste Muhe um die Wiederherstellang der Sui
Tarragona , deren zweiter Gründer oder Erbauer er genannt wird, i
Im Juli 111& wohnte er der Synode bei, welche Papst CalixtusII. i
Toulouse hielt*). Er begleitete den Papst zu der Synode von Khei
im^ctober 1119. Dort predigte er vor den Bischofen mit grosste
Erfolge. Er sprach von der königlichen und der priesterlichen Gewalt
Troz seines hohen Alters verwaltete der Heilige mit grösstt*
Eifer seine beiden Diöcesen, die alte und die neue, und er reiste
den Dörfern und Burgen derselben umher.
») Fhrez, J^XV, 221. — Pujades, Ordnica, VIII, 218,
») Manai, t XXI, Ven. 1776, p. 183^84. — Aguirre-CaULlani, V, 43. •
Tejada, III, 249.
■) In novissimo concüii die Barcinonenns Episcoptu, corpore quidei
mediocris et macilentus, sed eruditione cum facundia et religione praedjw^
subtilem satisque profundum sermonem fecit de Regali et Sacerdotali dignitaifj
quem summa cuncti qui percipere poterarU, hauserunt aviditate. — Order. M
talis, l XII, cp. 10, — p. 881.
Oldegar, Legatos a Latere. 191
§. 12.
Schon auf dem Concil zu Toulouse im Jahre 1118 (1119?) wurde
den Gliobigen der Krieg zur Bekämpfung der „Heiden'^ in Spanien
unter denselben Bedingungen empfohlen, wie der Kreuzzug in das hei-
lige Lftod ')• — Das erste allgemeine Concil im Lateran aber sagte
in seinem 13. Canon: Diejenigen, welche, um nach Jerusalem oder
SpieQ (gegen die Mauren) zu gehen, Kreuze auf ihre Kleider gehef-
tet DAcbher aber wieder weggenommen haben , müssen diese Zeichen
eroeneni und innerhalb eines Jahres von Ostern an die Reise antreten
bd Stnfe der Excommunication und des Interdicts *). — Wir vermu-
tbeo, dass Oldegar wenigstens auf der Synode zu Toulouse „den Kreuz-
uf Qich Spanien angeregt und empfohlen habe. Wir theilen die An-
fleht des K Florez^ dass Papst Calixtus IL besonders desswegen den
.Ereozzog'^ nach Spanien empfohlen und dazu angetrieben habe, weil
Alfons VIL von Gastilien sein Neffe war ^). — Trug sich ja dieser
Papst mit dem Plane, zur Förderung des Kreuzzuges selbst nach Spa-
nien ZQ reisen.
Er ernannte den heiligen Oldegar zu seinem „legatus a latere^ oidegmr
& den Ereuzzug in Spanien. Er verspricht Allen, welche in diesem ^egi^t!
TtldzQge ausharren werden, den gleichen Nachlass ihrer Sünden, wie
.den Yertheidigem der Kirche des Morgenlandes.^ Jene, welche das
Zeichen des Kreuzes angenommen, aber von Ostern 1123 bis Ostern
des Jahres 1124 ihre Gelübde zu erfüllen sich nicht bemühen, werden
SQ£ dem Schoosse der Kirche ausgeschlossen, bis sie Genugthuung
itidten. ,Weil wir aber, schreibt Calixtus IL, euer Heer persönlich
licht besachen können , wie Wir gar sehr wünschten , so haben Wir
^era geliebtesten Mitbinder, den Erzbischof Oldegarius von Tarraco,
ro diesem Heere von ünsrer Seite hinweg gesendet*), indem Wir den-
Ätiben zu Unserm speciellen Stellvertreter ernennen."
Der Brief trägt das Datum des 2. Aprils, ohne Angabe des Jah-
r^. Er scheint aber im Jahre 1123 geschrieben zu sein, weil damals
^•' Lateransynode gehalten wurde, und Oldegar sich in dieser Zeit an
d«r Seite des Papstes befand *).
*) Chronic MdUeacense, in t. IL Ms, Labbei, — Anno 1118 Tolosae fuit
f^^livm, tn quo confirmata. est via de Hispania (Florez, 25, 120),
') Eefde, Condlien-Geach. V, UO.
') Bsp. sagr., t XXV, p. 120.
*) ad ipswn (t. e. exercävm) ex latere nostro ddegare emravirnus,
*) Moftene et Durand, Veter, scriptor. ampliss, collectio, Paris 1724. I;
ßoö. - Diago, Historia de Barcelona, 173 K - Pujades, Ürönica, VIII, 236
392 Eilftes Bach. Siebentes Kapitel.
§. 13.
Unter den „Ultramontanen^, die Tarraco zu Hilfe eilten, war be<
sonders der Graf Robert Bürdet de Culejo ') , auch Robert de Ägailon
oder Aguillon, welcher sich anheischig machte^ in Tarragora bleibend sich
niederzulassen. ^)
Nach dem Rathe des Grafen von Barcelona, besonders auf den
Antrieb des Bischofes Ramon von Yich (1109 — 1146) entschloss sich
Oldegar, die Stadt Tarraco dem Grafen Robert unter dem Titel eines
Robert, „Fürsten von Tarraco^ als Lehen zu fibergeben. Aehnliche Versuche
Tarra^'' warcu im cilfteu Jahrhundert wiederholt vergebens gemacht worden. Anch
die Uebergabe von Tarraco zuerst an den heiligen Stuhl, dann an den
Bischof Oldegar genügte noch nicht, um eine Bevölkerung in ihr bleibend
festzuhalten. Es musste noch der Arm eines Starken Kriegsmannes
hinzutreten; dieser war Robert Im Jahre 1128 erfolgte die Uebergabe
der Stadt. Robert versprach, Gott und der Kirche von Tarraco stets
zu dienen. Er und seine Nachkommen dürften aber Tarraco an keine
auswärtige Macht geben oder verkaufen. Oldegar behält sich alle Kirchen,
kirchlichen Rechte und kirchlichen Personen, die ihm, den Klerikern
und Mönchen gehörigen Familien, als Eigenthum vor. £r behalt sich
das Recht des Zehents von Allem vor, was er dem Fürsten Robert ge-
geben hat.
Dagegen verspricht Robert Treue dem Erzbischofe, er verspricht,
nach Kräften die Stadt wieder herzustellen, zu schüzen, alle die za
bekriegen,^ welche die Rechte der Kirche oder der Stadt antasten
würden; er verspricht Recht und Gerechtigkeit najch dem Willen des
Erzbischofes zu handhaben. Die Urkunde ist vom 14. März 1128 datirt*)
Robert reiste zu Papst Honorius II. nach Rom, um die Bestätigung
des Vertrages zu erlangen. Diess geschah. Robert gewann auf der
Rückreise eine Anzahl tapferer Landsleute, die mit ihm sich in Tarraco
niederliessen. ^)
(der die Synode nÜBchlich dem Jahre 1119 zuschreibt). — Mann, XXI, 217, -
Aguirre-Catalani, V, 45, — F2orez, XXV, p. 223 (apend.)» — Migne, P. lat,
t. 163, p. 1305 (nr. 249 der Briefe Calixtos* IL)-
') Vom Stachel, de Aculeo, d*Agilon (Baluz,, Marca Hiap. Marcae,p,4S9),
aus dem edlen Geschlechto de Tria {you Vilcassino) in der Normandie.
') Orderic. Vital,, h, ecd., l. XIII ^ cp. 2, ap, Migne, P, lat,, t 188,
p. 927.
•) Guerreiare.
*) Litterae S. Oldegarii, de dono civitatis Tarraconae facto comit. So-
berto, anno 1128. — Esp. sagr., t, 28, p. 224—26 (apend. 18). — Vilianueva,
Viage Uterario, t 19, p. 212-^14 lapendice nr. 3),
*) Die Bestätignngsurkunde des Papstes ist nicht vorhanden. Der Zeitgenosse
und Landsmann des Robert, Ordericus Vitalis, sagt aber (l, cj: Denique Bodber-
Synode v. Narbonne (1127—28). 193
Zar Zeit seiner Abwesenheit vertrat ihn seine Gemahlin Sibrlla
in aosgezeichneter Weise. Sie ertheilte nicht blos Befehle , sondern in
den Nachten war sie bewaffnet, stieg auf die Mauer, ermunterte die
Wkliter, und sicherte in der Abwesenheit ihres Mannes die Stadt vor
den Feinden.
Robert erscheint wieder einmal im Jahre 1134 in dem Kriege des
Königs Alfons um die Festung Fraga. Als er von der Bedrängnis s des
Königs gehört y eilte er nn verzuglich ihm zu Hilfe, und half ihm den
Si^ erringen. £r fuhr fort, die Stadt und Provinz von Tarraco zu
scbözen und za regieren. Er lebte um das Jahr 1141, als Ordericus
lane Kirchengeschicbte zu Ende brachte. — Oldegar und Robert aber
üieilffl sich in die Elhre der Wiederherstellung der Stadt und Metropole
TQQ Tarraco.
§. 14.
Im Jahre 1127 oder 1128 berief der Erzbischof Arnald von Nar- ^^y^^;.
bcnne, zugleich Legat des Papstes, eine Synode nach Narbonne. Dort bonne
enchienen der Metropolit Öldegar, Amelius, Bischof von Toulouse, ^\"^^
Adalbert, Bischof von Agde, Raimund von Maguelone, Arnald von
Carcssfione, Bermund von Beziers, Petrus von Elna, Berengar von Ge-
mt^ Bajmund von Vieh, Petrus von Urgel, und Petrus von Zaragoza
(1119—1128), nebstdem sechs Aebte. Zweck der Versammlung war,
^ Stidt Tarraco zu unterstüzen , welche viel von den Angriffen der
Sinceoen litt. Die Bischöfe stifteten eine Verbrüderung *), durch welche
Jeder sich zu einem ihm beliebigen jährlichen Beitrage verpflichtete,
*U ebe Art von Abgabe „für das Heil seiner Seele^. Die Erzbischofe
^ Bischöfe sollen für sich bezahlen; die Aebte und Pröpste zugleich
ßr ihre Klöster und Propsteien. Die Uebrigen , Priester oder Laien,
^i^iten wenigstens 12 Denare, wenn ihnen diess aber zu viel wäre, soU-
^ sie nach Belieben geben.
Sie versprachen femer, sobald sie von dem Ableben eines der
^ eibräderten Nachricht erhielten, wollten sie und ihre Untergebenen eine
Mebse for die Ruhe seiner Seele singen. Sollten sie aber ohne Eennt-
fiisß eiiies Todesfalles bleiben , dann würde der Verstorbene dennoch '
Tbeil haben an ihren Fürbitten , weil sie am ersten Montag in jeder
^ tnändn Praestdis 9 Hanorium papam cutiit: vdle suum ei denunciavü;
^«i'mcoiiaifeflft eamÜ€Uum ab omni exactione saectUari liberum dono Papae re-
^; e< ftntnusj voUdiB sodcUilms qtuifisiHs, sünque adjuncHSy uaqtte hodit
') CafradiOy Oonfratemitas.
Ö«M, tp»!. Kirch«, m i. J3
194 Eilfles Buch. Siebentes Kapitel.
Fastenzeit ior alle abgestorbeuea „YerbrQderten^ das heilige Opfer
darbringen ^).
Aus der „Geschichte von Compostella^ haben wir ersehen, dass
auch San Oldegar im Jahre 1130 dem Concil von Carrion beiwohnte.
Synode — In demselben Jahre, am 18. November, wohnte er der von Papst
^monr I^Docenz n. geleiteten Synode von Clermont bei. Dort befanden sich,
neben ihm, die Erzbischöfe von Lyon, Bourges, Yienne, Narbonne, Ar-
les, Aix, Auz und Tarantaise, mit ihren Sufiraganen und vielen Aebten*).
Der Canon 13 dieser Synode bestimmt u. a., dass gewisse Excommu-
nicirte zur Busse entweder nach Jerusalem oder nach Spanien (Sant-
iago?) wallfahrten^ und dort ein Jahr Gott dienen sollen.
Der Bau der Cathedrale der heiligen Thecla von Tarragona schritt
wegen Mangels an Mitteln sehr langsam voran. Nach einer Bulle des
Papstes Innocenz II. vom Jahre 1131 sollten die Sufifragane von Tar-
raco in regelmässiger Weise den Bau unterstüzen und fordern. Es soll-
ten Personen aufgestellt werden, welche in der ganzen Provinz die Bei-
träge zu sammeln hätten ').
* San Oldegar starb im hohen Alter am 6. März 1137 (al. 1136).
Er wurde an seinem Size zu Barcelona begraben. Sein Leib war bis
auf die neuere Zeit unverwesen*). — In Spanien, besonders in der
Eirchenprovinz des Heiligen, wird sein Fest am 6. März begangen;
Oldegar (}azu ein besonderes Fest seiner Uebertragung nach Barcelona im Jahre
Heilige. 1380, lezteres am 5. November. — Papst Clemens X. gestattete, dass
sein Fest riiu duplici begangen werde. Die Oration desselben lautet:
„OGott, der Du die Seele Deines seligenBekenners und Bischofs OUegarius
im Himmel regierend mit Christus, seinen Leib aber unversehrt und
un verwesen auf Erden bewahrest, verleihe gnaden voll, dass wir durch
seine Fürbitte so leben in dieser Welt, dass wir mit Christus in seiner
Herrlichkeit leben mögen^').
•) Viüanueva, V, 226. VL 338-39. IX, 145. TejadOy III, 256.
») Historia Compostell. L c. XX, 522. (Mansi, XXI, 437.) — Migne, P. *.,
t. 179, p. 76.
') So Florez, t XXV ^p. 129, nach Icart, Qrandezas de Tarragona, J.
1573, cap. 26.
*) Su cuerpo se comerva integro en la Catedral de Tarragona. (Barce-
lona?) cf. Baranda, Coleccion de documentos in^itos, t 23, Madr. 1853,
p. 301.
*) Proprium Sanctorum Hispaniae, l. c, p. LXXIV. — A, J. Oarcia de
Caralps, Historia de San Oldeguer, argobispo de Tarragona y chispo de Bar-
celona. Bare, 1617. 4\ — Act. 8. 'S. Boll., Mart. I, p. 482-98. — Eep. aagr ,
t. XXV, edic. II, Madr. 1859, p. 115'-129. — t. XXVIII, p. 192-207; 304—6.
t. XXIX, edit. II, Md. 1859, p. 251'-279; appmdices, Viiae ineditae, p. 468
—499. — J. Villanueva, Viage lüerariö, t. VI, 221 --27, IX, 146. X,
154. - XIII 129-30. XV, 128, 203. - XVII, 131-182. - XVIII, 18, 62,
70-71. - XIX, 136-141.
San Oldegarios. 195
Oldegar erscheint aach in der Reihe der kirchlichen Schriftsteller.
Br schrieb am das Jahr 1125 an den Bischof Baymund von Vieh über
ioe ibm vorgelegte Frage der Irregularität. Um das Jahr 1181 schrieb
r u den Papst Innocenz II. wegen der Weihe des Bischofs von Bar-
astro, welchen die dortigen Kanoniker erwählt hatten. Das Bisthnm
rv TOD Boda anf Barbastro übergegangen , und sollte — nach der
Mß Paschalis' ü. vom 2. Mai 1 1 10 nach Lerida übertrageur werden,
K)faftld diese Stadt erobert wäre. Bischof Raymund war durch Alfons I.
rot At^nien mit Gewalt ans Barbastro vertrieben worden. Er starb
'112f>) und Oldegar firagt an, ob er den erwählten Bischof Petrus
nikn dürfe '). Zum erstenmale hat Yillanueva eine Rede Oldegar's
pi< oAmte domini*^ herausgegeben ')• — In einem offenen Briefe vom
Jtbn 1132 schenkt Oldegar Gott und dem Hospital der Armen neben
dem Biflcho&size zo Barcelona alle Betten und Kleider der verstorbenen
Cknker, mit Aosnahme etwaiger Seidenstoffe; weder der Bischof noch
KRkst Jemand habe darauf einen Anspruch ^).
§. 15.
Der zweite neuere Erzbischof von Tarraco war Gregorius, vorher
Akt TOD San Michael de Cuxa. Er war nicht mehr, wie Oldegar, Bi-
ado{ TOQ Barcelona. Am 27. November 1 143 fand zu Gerona eine
Vetummlang von weltlichen Grossen und zugleich von Bischöfen statt,
iB weldier besonders dem „neuen Ritterorden^, den Templern — eine
benotngende Stellung mit bedeutenden Besizungen — im Kampfe gegen
& Minren eingeräumt wurde. Anwesend waren der Cardinaldiakon
Gudo, der Bischof Bemard von Saragossa, Dodo von Huesca, Ray-
rnofid TOQ Vieh, Wilhelm, erwählter Bischof von Roda, Gregorius, Er-
TiUta von Tarraco , Berengar , Bischof von Gerona , Petrus , Bischof
TOQ Barcelona, vier Aebte. Die Templer erhielten die Burgen Monzon,
Moosgandü, Chalomera, Barbaranum, Lopesanz de Belchite, und vieles
Andere.
Der Graf Raymund lY. verspricht, niemals Friede mit den Sara-
^*ö«a zo Bchliessen , gegen den Rath der Templer *). — Hier unter-
*) Ke beiden Briefe, ap. Aguirre-Catalani, F, 48, öl. — Migne, P. /.,
^ ^'2, p. 1358^62.
") Fiüoiitiewi, t. XIX, apend. XX, p. 271^274.
*) Mariene, amplisnma Coüectio, /, 717. - Mi^e, t 172, p. 1362.
0 ifoita Eitpaniea, app. nr, CCCCII. — Äguirre-Catalani, V, 67—58.
- Tgada, I//, 268-71. - Viüanueva, XIII, 137. - Bsp. sagt,, t 43,
13*
198 Eilftea Bach. Siebentes Kq>itel.
§. 19.
Der „Graf und Först^ Raymand hatte im Jahre 1147 einen we-
sentlichen Antheil an der Belagerang nnd Eroberung von Almeria').
In einer Urkunde vom 6. August 1150 spricht er sich u. a« dahin ans:
Alle Gläubigen sollen wissen , dass Er Raymund, durch den Willen
Gottes Graf von Barcelona, Fürst von Aragon und Markgraf), „im
, Begriffe, gegen Almeria in das Feld zu ziehen, auf Eingebung Gottes
das Gelübde gemacht, und es in die Hände des Erzbischofs Bemard,
der Bischöfe von Barcelona, Gerona und Vieh niedergelegt, dass er
Gral eine gottlose Unsitte abstellen wolle. Es sei Gewohnheit gewesen,
^^' dass bei dem Tode der Bischöfe die Güter derselben, die sich in den
niind
lY. TAT- Häusern und Burgen vorgefunden, von den Beamten seines Vaters und
sichtet geiQer Vorfahren weggenommen und geplündert worden. Diese Unsitte,
Naohiaat welche ebcuso gegen die gottlichen als menschlichen Geseze Verstösse,
^*'^'' habe er im Jahre 1147 mündlich abzustellen versprochen, und jezt ver-
spricht er dasselbe urkundlich« Alles was die Bischöfe an Brod and
Wein, an Vieh, an Hausgeräth und Anderem hinterlassen, solle ohne
Abzug ihren Nachfolgern anheimfallen.'' Nach Ray mund unterschrieben
neun weltUche Grosse, und zulezt der Erzbischof Bemard.
§- 20.
Der Erzbischof Bernardus führte unter den Kanonikern von Tar*
raco die Regel des heiligen Augustinus ein — im Jahre 11 54. — Die Ka-
noniker leben in Gemeinschaft, essen in einem Speisesaal, schlafen in
demselben Dormitorium, betheiligen sich gleichmässig an dem kirch-
lichen Dienste, soweit nicht Alter und Sarankheit sie abhält Sie sollen
Bemard die Uebuug und Sitte der Kirche des heiligen Rufus (dessen Abt Bem-
re^ uu ^^^ vorher gewesen war) annehmen. Der Erzbischof sezt den Kloster-
ren Kft- Prior ein; im Einvernehmen mit den Kanonikern sezt er geeignete Per-
^^^^•^' sonen zur Verwaltung der Besizungen des Kapitels ein. Bemardns
erbaut das Haus der Kanoniker und befestigt es so, dass es vor den
Angriffen der Saracenen zur See gesichert ist. Dort seien die Werk-
statten, die Kornkammern und Keller, Speise- und Schla£saal, die Küche
und der Kapitelsaal. Das Haus wird eine „Festung^ (fortitudo) ge-
nannt. Bernardus schenkt den Slanonikem femer die an ihre „Festung^
•) 8. 46.
*) Princebs Aragone ac Marchio. Vülanueva, ap. XXV^ p. 285-^6.
!
Oe-
Die Kanoniker Ton Tarraco. 199
iDgrausende Kapelle. Er schenkt ihnen die Hälfte seiner Besizungen
und Einkünfte ans Aeckern, Weinbergen, Garten, Mühlen nnd Back-
öfen, von allen Leistungen und Gaben an den Erzbischof, die er jezt
oder in Znknnft haben werde; der Erzbischof behalte die Hälfte und
die andere Hälfte erhalten die Kanoniker. Er yerordnet, dass an allen
Sonn- nnd Festtagen die Hochämter um neun Uhr nur in der Cathe-'
drale der heiligen Thecla ge^sungen werden sollen. Nur dort sollen die
Concilien gehalten , und die Bischöfe consecrirt werden '). Bemardus
ermüdete nicht, dieser seiner Lieblingsstiftung alle ihm möglichen
Wohlthaten zuzuwenden, da er selbst, so weit es ihm vergönnt war,
mit den Kanonikern tremeinsam lebte. Am 30. Juni 1159 schenkte er ^ ^
^ , , schenke
denselben die Villa Rens, heute ein sehr bevölkerter Fabrikort, und ser-
die Earche des heiligen Fructnosus in Tarragona. Daraus sollten die °^^*''
Aasgaben für die Kleider bestritten werden. Nur sollten die Kanoniker
(ar den gehörigen Chordienst und Gesang in diesen Kirchen sorgen.
Die Uebertreter verfallen dem „Anathema, Maranatha" ^).
Papst Alexander lU. bestätigte die „Canonica^ von Tarraco, mit s^y^.
allen ihren Gütern und Besizungen — am 14. Juni 1172. — Eine ein- t^snnK
gehendere Bestätigung ertheilte Papst Clemens HL am 7. Juni 1188. xi^xan-
Er sagt n. a., dass Bemardus von Tort (im Jahre 1154) das kanonische ^er m.
Leben an der Cathedrale von Tarraco eingeführt habe, eine Ehre oder "^«q^
ein Verdienst, das von Einigen mit Unrecht dem heiligen Oldegar zu- ul
geschrieben wird. Er fuhrt die damaligen Besizungen der Kanoniker
im Einzelnen an, u. a. den Ort, auf dem die Cathedrale der heiligen
Tbecla stebt, die Hälfte aller Zehnten der Stadt und des Gebietes von
Tarraco. Wenn das Interdict auf das ganze Land gelegt ist, diirfen
die Kanoniker, bei verschlossenen Thüren, mit Ausschluss der Excom-
monicirten und der mit dem Interdict Belegten, ohne Geläute der
Glocken, mit leiser Stimme, den Gottesdienst feiern. Die Bulle ist
nach dem Papste von 22 Cardinälen unterzeichnet *).
') Urkunde vom 30. Oct. 1154, ^Ordinatio de vita reffulari in Eedesia
Tarrac* — Vülanueva^ ap., nr. IVj p. 214^16.
^ 8. über das Vorkommen dieses Wortes, K.-6. II, 1, 316; II, 2,9. — beson-
ders «Histor. Pol. BlStter«, Bd. 52, S. 278. — VtUanueva, l c. —p.79 — et ap.
F, p. 216^17.
•) VüUmueoa, i. XIX, nr. VI et VII apend., p, 218--22L Diese zwei
BnUen sind bei P. Jafi noch nicht registrirt, da der Band 19 ViUanuevc^s erst
Iföl ersehieo, md stehen demnach anch nicht in der Sammlang der Briefe Alezan-
dtt^s IIL (P. l, t 200 ap, Migne, P. l) nnd Clemens' IH. (ib., t, 204), ap,
h P* l'f am so weniger also bei Aguirre oder Mansi.
200 EiUtoa Bach. Siebentes Kapitel
§. 21.
Nachdem der Graf Raymund IV. und Fürst von Aragonien im
October 1147 die Stadt Almeria erobert hatte, schritt derselbe zur Be-
lagerung von Tortosa. Er . bat die Genueser , obwohl sie schon ein
Jahr von Hause abwesend waren, in Barcelona zu überwintern (1147—48)
und ihm Tortosa erobern zu helfen. Er versprach ihnen dafür den drit-
ten Theil der Stadt. Auf seine Bitte rief Papst Eugen III. die Gläu-
bigen zum Kreuzzuge gegen die „Saracenen'' auf). Im Jahre 1148
Belage- begann Ramon die Belagerung, unterstüzt von der Flotte der Genueser,
'^°^^' dem Grafen Wilhelm VI. von Montpellier, und andern französischen
joii 'Grossen, angeblich mit einem Heere von 200,000 Mann'). — Als die
^^^ Geldmittel Kamon's erschöpft waren, unterstüzten ihn die Kanoniker
und die Stadt von Barcelona mit Darlehen; die Genueser aber schwu-
ren, auszuharren, bis Tortosa gefallen.
Die Saracenen zogen sich in die Burg zurück, — dann verspra-
chen sie die Uebergabe, wenn ihnen vor 40 Tagen der König von Va-
lencia nicht Hilfe senden würde. Die Hilfe kam nicht, und sie über-
gaben sich am 31. December 1148. Ein Drittel der Stadt erhielten die
Genueser, ein Drittel Ramon von Moncada, Seneschall von Gatalonien
— als Lehen, das lezte behielt der „Graf^ für sich. Die Genueser
verkauften später ihren Theil dem Grafen für 16,000 Maravedis mit
einigen Vorbehalten ').
Jezt handelte es sich um die Städte Lerida und Fraga, die immer
noch den Mauren gehörten. Am 24. October 1149 ergaben sich beide
Biethnm Städte. Die Zurückverlegung des Bisthums von Roda, dann von Bar-
Lerida, i)|^3tro War schou läugst in Aussicht genommen. Guillon Perez war
seit 1143 lezter Bischof des alten Bisthums Barbastro, das etwa &0
Jahre hier seinen Siz gehabt hatte, und am 24. October 1149 nahm er
Besiz von dem erneuerten Bisthum Lerida.
Buthnm Das frühere Bisthum Tortosa wurde im Jahre 1151 wiederherge-
iiM.*' stellt, nach einer Unterbrechung von etwa 450 Jahren. Der erste Bischof,
Gaufredus, vorher gleichfalls Abt des wegen seiner regulären Ordnung
berühmten Klosters vom heiligen Rufus gewesen, erhielt am 3. Augast
1151 die Bischofsweihe. Auf seine Bitte nahm Papst Hadrian IV. am
') DiagOf Condes de Barcelona, p. 233.
») Gesia comüwn Barcin., aip, Marea, p. 547. — Hütoire de Lanffuedoe,
11, 442.
•) Diago, l. c, p. 244.
^^
Gm lUoion lY. 201
fO. Min 1 166 die Kirche von Tortosa unter den Schaz des apöstoli^
$ckrn Stahles, und bestätigte deren Güter und Besizungen in der her*
kömmKchen Form ^). — Ramon, welcher diese Bisthümer dotirte, nannte
rieh jezt „Raymund-Berengarii, durch Gottes Gnaden Graf von Barce-
tmj Forst von Aragonien, Markgraf von Lerida und Tortosa^« Er
chenkte u.a. im Jahre 1149 den Einwohnern von Tortosa umfassende
pDcros, and bestimmte die Grenzen des Gebietes der Stadt. Es wird
B.ft. ein friedliches Schiedsgericht för Streitigkeiten eingesezt. Es wird ^^^^'
ktgesezt, welche Bussen für einzelne Angriffe auf Andere zu entrich- Tortoia.
ten sind. Wenn einer, drohend oder im Zorne, das Messer, das Schwert
(der die Lanze anaezt, der zahle dem Gerichtshofe (curiae) 60 Solidi,
^er verliere die rechte Hand." — Graf Ramon übergab dem Bischof
Gufredas die Kirche der heiligen Maria als Cathedrale, und dotirte
tt. — Um das Jahr 1158 führten Gaufredus und seine Kanoniker das
ngolire Leben in der Genossenschaft unter sich ein. Der Erzbischof
Bernvd and seine Kanoniker schlössen, im Verlangen, durch gegen-
leture Liebe verbunden zu sein, eine .innige Gemeinschaft des geist-
IScbeo Lebens mit dem Bischöfe Gaufredus und dessen Kanonikern.
§. 22.
Am 15. März 1167 fand eine Versammlung von Bischofen zu
CtttnxDorel (Castrum Mord) in Aragonien statt. Hier bestätigte der
GrafBamon IV. die Schenkungen an das Kloster des heiligen Rufus
n Aiignon in der Provinz Vienne in Gallien , und an die Kirche der
l^cSigeo Maria zu Besalü , des heiligen Petrus von Tarrasa, des heili-
fto Rofns von Lerida u. a. Die Urkunde unterschrieben neben dem v«r.
tGirfen*' seine Gemahlin Petronilla, der Erzbischof Bemai-d, die Bi- "J™
^e Wilhelm von Lerida, Rodrigo von Calahorra, Berengar von Ge- %n ca-
nm, Bemardus von Urirel, Martinus von Tarazona. Wilhelm von'"®"**"
Tl O ' ' Y%] 1157.
^^'^^^knia und Petrus von Saragossa, nebstdem eine Anzahl weltlicher
Grossen«).
Am 13. October 1157 wurde die Kirche des Klosters Arule, in Kirch-
wnBwthum Eba, consecrirt. Die Weihe vollzogen der Erzbischof ''^I^JJ'
^^^vogv von Narbonne, die Bischöfe Artald von Elna, Berengar von
•) Vaicmuma, F, 257'-'261, - Esp. sagr., XLKII, 303-06.
•) Mona Hisp., append, nr. CCCCXXVI. ^-Aguirre-Caialam, F, 7^—75.
- *fflwi. XXI, 847^50. — T^ada, III, 274^76. - Fi»anti«wi, XVI,
venee.
302 Eilftes Bach. Siebentes Kapitel.
Gerona, Petrus von Vicb und Wilhelm von Barcelona. Der Feier
wohnten acht Aebte bei 0*
Nachdem Graf Ramon durch längere Kriege den Besiz der Graf-
schaft Provence erlangt, über welche sein jüngerer Bruder Berengaer
Kamen bis zu seinem Tode im Jahre 1144 geherrscht hatte, ertheilte
ihm Kaiser Friedrich der Rothbart im Jahre 1161 die Belehnung mit
derselben, da sie damals zum deutschen Reich gehörte. Eine der Be-
dingungen der Belehnung war, dass Ramon den kaiserlichen Papst
Victor III. anerkenne*). Ramon und sein Neffe Ramon Berengar woU-
ten sich nach Turin begeben, um dort die Belehnung zu empfangen.
Di«Pro. j^^( dem Wege dahin starb Ramon IV. in dem Flecken San Dalmacio,
im fünfzigsten Jahre seines Lebens. Er war einer der vollkommensten
Ritter seiner Zeit, mit Gaben des Geistes wie des Leibes glänzend
ausgestattet, gütig und milde, wohlthätig gegen die Kirchen und
Kloster»).
Auf die Kunde seines Todes berief die Wittwe Petronilla die
Cortes nach Huesca. Der Verstorbene hatte seinen ältesten Sohn Ra-
mon Berengar, der den Namen Alfons II. annahm, zu seinem Eirben
in Catalonien, Aragonien und Languedoc eingesezt. Der jüngere Sohn
Don Pedro sollte als Vasall des älteren Bruders in den Grafschaften
Cerdagna, Carcassone und in Narbonne herrschen.
Alfons II. zählte erst zehn Jahre, aber nahm sogleich den Titel
eines Königs an. Sein Vetter, der Graf von der Provence, war Statt-
halter von Catalonien, seine Mutter Petronilla war Regentin von Ara-
gonien. Nach dem Rathe der Bischöfe und Grossen trat sie im Joli
1163 das ihr gehörige Königreich Aragonien ihrem Sohne Alfons II.
ab. 3ic zog sich in das Privatleben zurück, und starb zu Barcelona
den 13. October 1173^). Fünfzehn Jahre alt vnirde Alfons U.
zum Ritter geschlagen, und musste unverzüglich nach Frankreich eilen,
am seine dortigen Besizungen zu vertheidigen^); in diesen Kämpfen
brachte er viele Jahre hin. Sodann fahrte er die längere Zeit seines
Lebens wechselvoUe Kriege mit dem Könige Sancho VT. von Navarra.
Dagegen war er dem Könige Alfons VIII. von Castilien ein treuer
Bundesgenosse, nachdem ihn derselbe der Lehenspflicht gegen ihn ent^
lassen hatte. Im Jahre 1177 half er ihm Cuen^a erobern*).
*) Marca Hitp.^ L c. » Äguirre-OaikUanx, V, 76—77. — Mann, XXI,
867-60. - Tefada, 111, 276-77.
*) Hütoire de Languedoc, IV, 185. - PujadeB, VIII, p. 505—512.
■) Esp. tagr., t 48, p. 466-'70. — Pujadea, VIII p. 310—624.
«) Zi$rita, Annale» de Aragon, I, 71. - Pujades, VIII, 522-24.
*) HMoire de Languedoc, IV, 285—254 »q.
«) Mondejar, p, 88, 112.
Aifam n. ; Enbiachof Hugo. 203
§• 23.
Nach dem Tode ihres Gemahls hatte die Königin PetroniUa den Er,b.
Erebischof Bernardos als ihren Gesandten an König Heinrich I. von ""»•
£a^»ai zn gehen bestimmt Anf dieser Reise starb Bemardns am *mi).
». Jani 1163'). Der Catalane Hugo de CerveUo, vorher Sacristan
va Barcelona, folgte ihm als Erzbischof. Er war bei dem Tode Al-
fa« HT. in San Dalmacio zugegen, und hatte sein Testament unter-
Khrieben. — Hugo war sehr thätig in den Kriegen gegen die Mauren.
Ja Jahre 1170 feierte er ein ConcU, über das nichts Nähere? bekannt
W. Ans seinem Testamente ersieht man, dass er eine Wallfahrt nach
«"■machte, oder zu machen gesonnen, und dass er Legat des heUiiren
wma war.
Nachdem Robert, Fürst von Tarraco, dem Grafen Ramon IV.
nd dem Erzbwchof Bemardns zwei DritttheUe der Stadt und des Ge-
•w« von Tarraco geschenkt, erhoben sich seine Gemahlin (Agnes)
jwl seme Söhne dagegen, und leugneten das Geschehene. Fürst Bo-
tet war vor 1160 gestorben. Aber seine Wittwe und sein Sohn Wil-
W» abten Gewalt. Der Erzbischof wendete sich an das königliche
^t u Tortosa. Die Streitenden appellirten, und wurden vor das
Jmdit von Tarragona citirt. Bei der Verhandlung war der König,
w Graf Wilhelm von Montpellier, mit dem ganzen Hofe, zugegen,
W» Ihnen die Bischöfe von Barcelona, Vieh, Zaragoza, Huesca. Das rBr.t
wjat entschied, dass die VerzichÜeistung Robert's nnd seiner Ge- ^JJ;
«wfai fest and rechtskräftig sei, dass WUhehn von Bonrdet dem Erz- ««'oh".!.
wchof für die gegen ihn nnd sein Eigenthum begangenen Eingriffe °;.';J;'*'
«™^nnng leisten solle, indem derselbe u. a. ohne Genehmigung des ""it
^^»chofc in Stadt nnd Gebiet Gerichte aufgestellt, Abgaben mit
»w«t eugezogen. Es sei ihm nur gestattet, zur Vertheidigung der
«»<« ond des Gebietes , oder auf Befehl des Erzbischofs" oder Königs
K«*^*" "» ergreifen. Diess geschah um das Jahr 1168"). — Ver-
grto» whrieb der König Alfons H. eben scharfen Brief an den „Für-
«« Wilhehn, worin er ihm seine Gewaltthätigkeiten vorwirft«). Auf ß,„nt
wuUth oder Antrieb seiner bösen Mutter brachte Wilhelm seinen „"i
"Jtt Kobert d^in, einen Angriff auf das Leben des Erzbischofs za
■"»«. Der Ort und die Umstände der That sind vollständig bekannt«).
} ??"" ^«P-. «'• S09. — Villanueva, XIX, p. 143—153.
2 »WmiMwa, XIX, apend. nr. 28, p. 266.
T Jfaroo Http., p. 1. 352.
*) Brief fierengar's von TanagoDS an KSnie Alfona II. — ap. Mama Http.
» «' WI op. p. 1353. - ZwÜa, I, 79.
Mord.
I
i
204 Eilftes Bach. Siebentes Kapitel.
Die That wurde im April 1 171 vollbracht, am 17. desselben Monats Start)
der Erzbiscbof an seinen Wunden, nachdem er vorher noch sein TesU-
ment gemacht ^). — Den Armen vermachte er 300 Solidi, dem Hospi-
''[^eat ^^' ^^ ^^ selbst in Tarraco gegründet hatte, 160 Mark, för den Baa
Httgo*B der Kirche von Pöblet 20 Mark> dem Kloster zu Heiligkrenz 100 So-
Velion*^ lidi, den Tempelherrn 100, dem Hanse des heiligen Rufas zu Lerida
20 Mark, seiner Nichte, der Gemahlin des A. von Anglerola, 150 So-
lid!, dem Petrus von Santa F6 100 ßolidi; ebensovieLdem Gombaldos
von Uluia, das Uebrige seinen 'Angehörigen und noch andern Kloeten
und frommen Instituten, darunter das Leprosenhaus , die Kloster des
heiligen Petrus und der heiligen Eulalia in Barcelona. Das Uebrige
sollte zur Hälfte dem (künftigen) Erzbiscbof, zur Hälfte der „Canonie^
zufallen. Man sieht auch, dass das Kloster des heiligen Cucufat ihm
10 Mark schuldete, welche er demselben nachliess. Man erfahrt, dass
der Erzbischof, als er nach Rom gehen wollte, dem Poncius von Bar-
berano 1000 Mark übergeben hatte, um den Bau der Cathedrale zu b^
ginnen , und zur Herstellung der Werkstätten (officinae) der Burg der
Kanoniker , welche jezt zu gleichen Hälften für denselben Zweck tct-
wendet werden sollten. Von 2031 Goldmünzen, welche die Tempel-
herren zu Montpellier von ihm (als Anlehen oder Depositum?) in HaD-
den hatten, sollten 400 dem römischen Hofe ausbezahlt werden, 100
dem Papste Alexander HI., dem Herrn Jacinctus (Cardinal Hyacintb?]
280 Mark, welche ihm Hugo schuldig war. — Die Hälfte seines Vor-
raths an Brod und Wein, seine „Sarracenen^ und Maulthiere *) , uod
seine geringeren Ringe, die er in seiner Capelle hatte, schenkte er
gleichfalls zum Bau der Kirche. Seinen grossen Ring und seine
Capelle (Paramente) sollten in den Schaz der Sacristei gelegt und be«
ständig aufbewahrt werden.
§. 24.
Der Konig Robert übte schleunig Gerechtigkeit an den Mördern.
Zugleich musste ihm erwünscht sein , seine königliche Macht auch in
P,^ Tarraco zu befestigen. Er vertrieb also den Robert, seinen Bruder
Mörder Bereugar, dessen Mutter und Söhne aus dem Reiche. Noch in demsel-
' ben Jahre schrieb Berengar an König Alfons H., sein Bruder sei nicht
Urheber des Mordes, dessen Sohn Wilhelm möge darum Robertos Sohn
') Es steht (ex autogr. in arch, ecd. Tarrae,) bei Välanueva , XIX, op'
18, p. 265''67.
*) et Sarraeenoa et ademulae (muUu) mmw.
Ersbischof Wilhelm. 205
Williefan wieder in das Erbe seines Vaters einsezen; er selbst habe bei
d&n Forsten yon Majorca Aufnahme und grosse Gnade gefunden.
Wenn dieser Fürst ihm befehle, in das Königreich Aragon einzufallen,
so könne er sich nicht weigern, ihm zu gehorchen. — Diese Drohungen
blieben unbeachtet ')•
Vor dem 25. Juni 1172 wurde der bisherige Bischof von Barce- ^"^*
lona, Wilhelm von Torroja, auf den Siz yon Tarraco erhoben. Papst i^^,,^
Alexander III. schrieb an ihn und seine Suffragane aus Anagni im Juni
II 73, sie mögen den König Alfons II. unter Androhung des Interdicts
and der Excommunication antreiben, die Mörder in seinem Reiche nicht
mehr aufzunehmen. Diese Bulle allein hat Villanueva gesehen. Eine
ladere Bulle vom 26. Januar 1172 an den König Alfons U. lobt den-
selben, dass er den Robert, den Berengar, ihre Mutter und Erben, die
Uiheber des Mordes Hugo's, durch königliches Edict aus seinen Staa-
ten proscribirt habe. Er befiehlt ihm unter kirchlichen Strafen, sie für
alk Zeit zu verbannen und die Hälfte ihrer Besizungen der Kirche
Ton Tarraro zu übergeben. Vielleicht ist das Datum des von Villantieva
mitgetheilten Briefes nicht richtig*).
§. 25.
Die Acten eines bis jezt völlig unbekannten, auch nirgends er-
^iioten Concils, am 6. Februar 1173 zu Lerida durch den Cardinal
fljadnth gehalten, hat uns Tejada mitgetheilt. Der Abt der Benedic-
tioer von Sopetran, Juan Sobreiro y Salgado, hatte die Acten am
3. November 1788 aus einem alten Codex abgeschrieben. Seine Ma-
noscripte kamen in den Besiz der Academie der Geschichte in Madrid.
Diäs Cardinal Hyacinth um diese Zeit nach Spanien gesandt wurde,
w bekannt*). Der Erzbischof G. (Wilhelm) wohnte der Synode an.
Die dort versammelten Bischöfe werden nicht genannt. Es heisst nur,
die übrigen Väter, d. h. Bischöfe, hätten der Synode angewohnt
1) Es soUen die Priester, Diakonen und Subdiakonen, auch die
CoQversi, welche Profess gemacht, wenn sie Frauen genommen, von
dmea getrennt werden. Nach ihrer Trennung sollen sie entsprechende
Bosse üben« Dasselbe gilt von den Nonnen. Es wird besonders streng
verboten, dass Maurinen in den Häusern der Priester wohnen. Nur die coneii
Matter, Schwester, und Personen, die keinen Verdacht erregen können, ^ ^^^
") Marea Hisp.^ p. 1363.
•) Höfco, p. 1367. — Äffmrre, F, 87. — Mansi, XXI, 1070. — Migne,
P. ka., t 200, 870 (nr. 993 der Briefe Alexander's III.}.
•) ZwrUa, l. J/, cp. 29, SS.
206 EiltteB Buch. Siebentes Kapitel.
dürfen in den Häusern der Geistlichen sein. Laien sollen der Messe
oder Predigt zuwiderhandelnder Priester nnd Diakonen nicht anwohnou
Canon 2 handelt von den Söhnen der Priester und Diakonen,
gemäss den Beschlüssen der Synode von Poitiers vom Jahre 1078.
Canon 3 handelt von den Bedingungen der Zulassung zu den heiliges
Weihen. Canon 4 handelt von der Simonie und der Belehnung darcb
die Hände des Laien. Wer zum Dekan, Prior, Abt oder andern höhen
Würden befördert wird, verliere diese Würden, wenn er nicht in Jah-
resfrist sich zum Priester weihen lässt. Keiner soll an derselben Kirche
zwei Würden besizen. Auch der Tausch der Pfründen wird untersagt
5) Die Priester sollen keine seidenen oder bunten Kleider tragen, und
sich in der Tracht überhaupt von den Laien unterscheiden. 6) Kein
Cleriker soll mit Würfeln spielen. Kein Diakon oder Priester soll die
Hand eines Lai^n küssen. 7) Die Weihen sollen nur an den Qnatem-
bertagen ertheilt werden. Die Bischöfe sollen nicht Cleriker eines an-
dern Bischofs, oder mehr als zehn Priester an einem Tage weihen.
8) Jeder Priester und Diakon soll die Hälfte des von ihm nach Ueber^
nähme seiner Pfründe erworbenen Vermögens seiner Kirche vennacbes.
lieber die andere Hälfte und über ihr sonstiges Vermögen haben de
das Kecht der freien Verfügung, mit Ausnahme der Vererbung an
Kinder aus der Zeit ihres geistlichen Standes. 9) Die Güter der ver-
storbenen Bischöfe und Prälaten sollen ein Eigenthum der Kirche bleiben.
10) Laien sollen keinen Besiz an und in den Kirchen haben, ausser
oanonea ^^^ Rechte dcs Patronat's. 1 1) Laien, welche ohne Willen des Bischofs
s-26. am Kirchengute theilnehmen, begehen ein Sacrilegium. Zeheut und
Erstlinge aber sollen die Priester von dem ganzen Volke empfangen.
(Zuerst hat die Synode von Lyon im Jahre 1114 von dem Zehent ge-
handelt) 12) Der Zehent wird vom Getreide, Wein, der Nahrung der
Thiere, von den Bäumen, Gärten, und von allem dem gegeben, was
man gewöhnlich „Minutien'^ heisst. 13) Ordensleute dürfen nicht mehr
in die Welt zurückkehren, auch nicht Pathenstelle vertreten. 14) Wer
unter Christen die Waffen ergreift, Streit hervorruft, und dabei tödtlich
verwundet wird, erhält kein kirchliches Begräbniss, es darf ihm aber
die heilige Wegzehrung und die Busse nicht entzogen werden. 15) Alle,
die selbst die Waffen nicht tragen können, sollen sich vollkommener
Sicherheit erfreuen. 16) Ehen zwischen Verwandten bis zum siebenten
Grade sind verboten. 17) Zwischen Taufpathen und Firmpathen und
deren Täuflingen und Firmlingen besteht das Verbot der Ehe in ge-
rader Linie. 18) Häresiarchen und die von ihnen Geweihten sind ab-
gesezt. 19) Wenn ein Cleriker etwas erbt, so sollen ihm dafür keine
Lasten aufgelegt werden. 20) Bestimmungen und Testamente der Ster-
benden sollen unter Strafe des Anathem's unverkürzt vollzogen werden.
21) Wer Cleriker und Mönche mit Gewalt angreift, kann nur vom
Synode von Lerids. 207
Pipste «bBolviri werden. 22^ Anatbem treffe den, welcher die Kirche
oder ihren Gottesacker entweiht 23) Ist Jemand von seinem Bischof oder
Erzbischof ezcommnnicirt und gebraucht Gewalt gegen ihn, seine Leute
oder Güter, so sei er im Banne bis zur entsprechenden Genugthuung.
2^ Mit Excommunicirten soll jeder Verkehr vermieden werden.
35) Den grossen Greuel der Mordbrennerei belegen sie mit dem Banne.
Dis kirchliche Begrabniss werde solchen Missethätem verweigert Als
Bosse werde ihnen aufgegeben, dass sie in Jerusalem oder in Spanien
(Santiago?) im ^^Dienste Gottes ein ganzes Jahr dienen" '). Lässt ein
Bischof diese Busse nach, so erseze er den Schaden und sei ein Jahr
TOD seinem Amte suspendirt. „Lieber verweigern wir den Konigen und
Forsten nicht die Erlaubniss, nach dem Rathe der Erzbischöfe und Bi-
schöfe die Gerechtigkeit zu üben" *). 26) Kein Abt, Mönch oder sonst
Joittod darf ohne Erlaubniss des Bischofs einen Caplan in einer Kirche
anstellen.
An der Aechtheit der Synode wollen wir nicht zweifeln, aber der
Text scheint mehrfach corrumpirt zu sein ^).
§. 26.
Id demselben Jahre, im Juli 1173, hielt König Alfons II. eine
Tersimmlang zu Fuente de Aldara, welcher die Bischöfe der Kirchen-
fromi anwohnten. Er verordnete einen Landfrieden für Catalonien.
Eirdien imd Bischöfe, geistliche Personen und deren Besizungen soll-
ten beständigen Frieden gemessen. Auf allen öffentlichen Wegen des
Verkehrs solle volle Sicherheit herrschen. Wer Gewalt übt, leiste dop-
pdtcD Schadenersaz, und werde mit der Strafe der beleidigten Majestät
bdegt*).
Im Juli 1173 schloss der Erzbischof einen Vertrag mit dem Kö-
nige über die beiderseitigen Rechte in der Stadt Tarraco. Kurze Zeit e^«.
nchher trat der König alle die Rechte freiwillig ab , die er sich in ^^»^^^^
üaem Vertrag noch vorbehalten hatte. — Wilhelm war damals »Legat heim,
des apostolischen Stuhles^ ^).
*) Foenitenüa ei dehir a Jerosolimis vel in Ispanlas, in aermtio Dei per
«mm inUgrum serviai,
*) Wie dieser Ssz hier zu stehen gekommeii, leuchtet uns nicht ein.
*) T^ada, lU, 278^286.
*) Horea Hup^ p. 1363.
*) FOtotnevo, XIX, p, 162. — apend. 34^35, p. 294-98.
208 Eilftes Buch. Siebentes Kapitel.
Der Erzbischof Wilhelm starb am 7. März 1 174. Er war etwa
28 Jahre Bischof von Barcelona , und zwei Jahre Erzbischof yon Tar-
raco gewesen.
§. 27.
Berengar von Villamuls, vorher Abt der CoUegiatkirche des hei-
ligen Felix von Gerona, wurde schon im März 1174 als Erzbischof er-
wählt, und soll am 20. Juni von Alexander III. bestätigt worden seio.
Kra- Er wohnte der dritten Lateransynode des Jahres 1179 an. i— Er hielt
B^„Q. im Jahre 1180 ein Provincialconcil zu Tarraco. Von nun an soUUn
gar 1174 die Öffentlichen Urkunden nicht mehr nach den Jahren der Koni£:e von
—1194. •
Frankreich y sondern nach den Jahren von der Geburt Christi ao
ausgestellt werden ')• Die Catalonier hatten seit der Regierung Lnd-
wig's des Frommen ihre Urkunden nach den Regierungsjahren der
Könige von Frankreich unterzeichnet. Die Zeitrechnung nach der spi-
nischen Aera wurde in Aragonien erst im Jahre 1359 abgeschaffi, ifl
Castilien und Leon durch die Cortes von Segovia im Jahre 1383, m
Portugal endlich erst im Jahre 141^').
Um das Jahr 1182 erhielt das Capitel von Tarraco von dem
Papste Lucius III. die Vollmacht, bei erledigtem Size die Angelegen-
heiten der Bischöfe zu hören und über sie zu richten'). — Am27.Joli
1181 erliess der Erzbischof mit seinen Kanonikern eine ConstitatioD^
zahidor wornach die Zahl der lezteren achtzehn nicht überschreiten dürfe.
Kanoni- Durch die Bezahlung der Vasallen , welche besonders die seeriLuberi-
sehen Saracenen bekämpfen sollten, war die Kirche von Tarraco er-
schöpft und sehr arm. Bald darauf vermehrten die päpstlichen Legaten
die Zahl der Kanoniker bis über dreissig, was zu Klagen und neaeo
Constitutionen führte.
Der Papst Clemens III. ertheilte im Jahre 1188 der Kirche toh
Tarraco eine neue Bestätigung ihrer Besizungen.
Im Jahre 1190 hielt der Cardinal Gregorius de San Angelo, der
Legat Cölestin's III. in Spanien, ein Concil zu Lerida. Es waren zQ*
ooncii gegen der Erzbischof Berengar, Bischof Garcia von Calahorra, Bischof
" ^•'^' Gombald von Lerida, Raymund von Zaragoza, Johann Frontin von
Tarazonu, Raymund von Barcelona, Raymund Orusal von Gerona, Kay-
*) MidarduT anni Fran/cowim in festo S. Joannis BapHstae.
') Mabillon, de re diplomatica^ l. II ^ cp. 2S. — Marca Hispan., l IV»
— Aguirre CatcUani, F, 98. — Mansi, XXII, 471^72. — Vülanueva, XII,
164. - Tejada, HI, 294.
•) Vülaniieüa, p. 165; ap. nr, 37,
Erzbischof Berengar. 209
mood von Yicb, Amaldos de Perexens von Urgel, Pontius de Monells
roQ Tortosa. Unter lezterem Bischof (1165—1193) war im Jahre 1178
der Ban der Cathedrale der heiligen Maria in Tortosa vollendet
vordeiL
Diese Synode kommt nicht bei Aguirre, Marca oder Villanueva
ror. ArgaU hat eine kurze Notiz darüber aus dem Archiv von Najera
mhgetheilt, welches seit dem EJostersturm nicht mehr besteht*).
§. 28.
Der Erzbischof Berengar erwies seiner Kirche zahlreiche Wohl-
üuiteD. In seiner Constitution vom 1. August 1193 ertheilte er dem
Capitel eine staanenswerthe Menge von Besizungen und Cessionen.
Er befiehlt, duss das Archidiaconat und die übrigen Würden nie Welt-
Vnestem, sondern nur Professen und Bewohnern der Kanonie übertra-
^'tn werden sollen. Er sagt u. d. : ;,Für diese und andere mehrere und
Loch grossere Wohlthaten, welche ich mit Gottes Hilfe ihrer Kirche
li'ji'h zabringen werde, soll diese Kirche mich aufrichtig lieben und
lAicb in Ehren halten als einen liebenden Vater und einen guten Herrn,
nod soll mich im Leben sowohl als nach dem Tode , wachsam und
sorg&itig durch ihre Gebete, Opfer, und die übrigen geistigen Gaben
unleretiizen."
Wilhelm Ramon de Moncada, Visconde von Bearn, war mit einer
Nichte des Ed^bischofs verheirathet, und war unerbittlich gegen die
Vürstellungen des Erzbischofs, den Landesfrieden nicht zu stören. Zu-
[fix mosste ihn dieser ergreifen lassen; er blieb wenige Tage einge-
s['€rrt, und es warde ruhiger. Aber der Graf trachtete dem Erzbischof
uioh dem Leben. Er lockte ihn in einen Hinterhalt, überfiel ihn an
fmem unbewohnten Orte bei Gerona und tödtete ihn am 16. Februar Erz-
1194. Der Morder gieng nach Rom, und suchte dort um Loasprechung ^^^^
uch. Er sollte nach Tarraco zurückkehren, im Angesichte dieser Stadt gar er-
Tom Pferde steigen, baarfuss, mit einem Busshemde angethan, und*"^'^^'*
Ruthen in seinen Händen tragend, in die Stadt eintreten, er sollte an
allen Kirchen der Stadt vorübergehen , und an dem Eingange jeder
Kirche ?on einem Priester sich mit Kuthen streichen lassen. Zulezt
'^'Qte er zur Cathedrale kommen, den neuen Erzbischof und das Capitel
demiithig um Vergebung bitten, denselben den Homagialeid leisten, und Die
ios den Einkünften seines Landes jährlich 20 Pfund entrichten. Er ^^"^
soDte T<m der Hand des Papstes das Zeichen des Kreuzes (als Kreuz- ^era. '
*) Oregor. Argaiz^ SoUdad laureada por 8, Benito. — t IL — Esp, sagr,,
^ <S p. m''62. — Daraus wörtlich Tejada, III, 294—95.
<^*as tp«i. Kirche. HI. 1. 14
210 Eilftes Bach. Siebentes Kapitel.
fahrer) empfangen, 200 Ritter, und 30 Schleaderer nnd Bogenschüzen
auf seine Kosten ausrüsten, und mit ihnen fünf Jahre lang im heiligeD
Lande gegen die Glaubensfeinde kämpfen. -Sein Leben lang solle er
alle Freitage bei Wasser und Brod fasten, ebenso am Tage der YoU-
bringung des Mordes, an dem er jährlich je 100 Arme ausspeise, er
solle jedem ein Gewand aus Linnen geben. Kehrt er mit Gottes Hilfe
von Jerusalem zurück, so trage er auf blossem Leibe stets ein CilidaiD,
wenn nicht die eheliche Pflicht ihn bindeil. Wenn er von einzelnen
Prälaten Erleichterungen seiner Strafen erlangt, so wird es genehmigt
— Den Kirchen, die er geschädigt, soll er Genugthuung leisten. — In
einem an den Erzbischof und das Capitel von Tarraco gerichteten Briefe
machte der Cardinalbischof Nicolaus von Frascati diese Kirchenbossen
bekannt. Der Morder lebte noch bis zum Jahre 1223 ^).
Am 17. Juni 1194 schrieb Cölestin III. an die Snffragane der
Kirche von Tarraco über den Mord des Erzbischofs, und die näheni
Umstände desselben. Der zum Tode Verwundete beichtete noch seinen
Caplan, woran der Mörder ihn hindern wollte. Der Erzbischof aber
betete nach dem Vorbilde des heiligen Stephanus laut für seinen Mö^
der. — Die Snffragane werden ermahnt, besonders den Eingriffen der
Könige in die Rechte der Kirche von Tarraco Widerstand zu leisten,
und den Mörder und seine Mitschuldigen feierlich auszuschliesscn*).
§. 29.
Am 17. November 1194 wurde Raimund von Castelltersol, seit
1186 Bischof von Vieh, durch Cölestin III. als Erzbischof von Tarraco
Künig bestätigt. — König Alfons II. machte im Jahre 1196 eine Wallfahrt
^^1^* nach Compostella, um die Eintracht unter den Königen Spanien's her-
zustellen, doch mit geringem Erfolge. Nach seiner Rückkehr hielt er
eine Versammlung zu Perpignan mit seinen französischen Vasalleo.
Hier starb er -:— am 25. April 1196, nachdem er vierunddreissig Jahre
regiert, in einem Alter von fiinfundvierzig Jahren '). Seine Zeitgenos-
sen rühmen nicht bloss seine Kriegsthaten, sondern auch seine könig-
liche Haltung und die Strenge seiner Sitten, die ihm den Beinameo
„Alfons der Keusche'^ erwarb, seine Freigebigkeit gegen Klöster und
geistliche Ritterorden, besonders die Johanniter und Tempelherren; seine
') Viüanueva, t XIX, ap, 39, p. 304-5 (Marca Bispan,, p. 616).
') Vülanueva, t XIX, apend. 40 (p. 165, 305"308).
») Zurita, I, p. 88 sq. — Hütoire de Languedoc, IV, 292 sq. — Schmidt,
Oeach. Arag. p. 127.
König Pedro II. . 211
Li«be zu der Dichtkunst, welche damals in dem französischen Theile
seines Reiches in höchster Blüthe stand ^).
Sein Sohn Pedro II. folgte ihm in Aragonien, sowie in den Graf-
Bciuften RonssilloD, Cerdaigne, Pallas (und in Beziers) nach. — Der
nrcite Sohn ^Alfons erhielt die Provence und die übrigen Besizungen
io Frankreich. Ferdinand, der dritte Sohn, wurde Mönch in Pöblet,
rpäter Abt in Montearagon, einem Kloster im Bisthume Huesca^. —
Pedro II. war bei dem Autritte seiner Regierung 23 Jahre alt. Durch
^ine Heirath mit Maria , der Erbin der Grafschaft Montpellier , ver-
gröeserte er sein Land (1204)^. Von Montpellier aus reiste Don Pe-
dro mit zahlreichem Gefolge, u. a. dem' Erzbischofe von Arles und
mntm Oheim Sancho, über Marseille und Genua nach Rom. In Ostia
landete er am 8. November 1204. Papst Innocenz III., von seiner i>-^ödro
Allbmft in Kenntniss gesezt, sandte ihm mehrere Cardinäle, viele ro„,
Adtlige und den Senator von Rom entgegen, welche ihn nach Sanct
Feter begleiteten. Am 11. November 1204 zog der Papst, mit den
Caidinilen, vielen Bischofen und Adeligen, dem Senator, begleitet von
einer grossen Menge Volks, in das Erlöster des heiligen Pancratius jen-
seits der Tiber. Der Bischof von Ostia, Octavianus, salbte den König
mit grosser Feierlichkeit, Innocenz III. krönte ihn, und übergab ihm
^Zeichen des Konigthums Scepter, Reichsapfel, Mitra, Mantel und
Uibrock*). Der König schwur: ,,Ich, Petrus, König von Aragonien,
gelobe und verheisse meinem Herrn, dem Papste Innocenz, seinen ka-
tbülischen Nachfolgern und der römischen Kirche stets getreu zu sein;
meia Reich treu ini Gehorsame gegen sie zu erhalten; den katholischen
(flaaben zu vertheidigen, und die Bosheit der Kezer zu verfolgen; die
Freiheit und Selbstständigkeit der Kirche zu wahren, ihre Rechte zn
»cbuzen, und in allen meinen Ländern Friede und Gerechtigkeit auf-
recJit 20 eihalten; — so wahr Gott mir helfe und sein heiliges Evan-
dium.« Der Konig zog nun an der Seite des Papstes mit den In-
Jignien seiner Würde in die Peterskirche, legte Krone und Scepter
nieder inf dem Altare, und erhielt vom Papste das Kitterschwert. In
«wr Urkunde , die er dem Papste darreichte , bot er sein Reich dem
Apostel Petrus dar, versprach für sich und seine Nachfolger einen
j^brlichen Tribut von 60 Goldstücken (250 Macemutinen) und bat um
den SdiQz und die Vertheidigung seiner Rechte durch den römischen
0 Bäaire UiUraire de la France, t XV (nouvdl. idUion, Par,, 1869),
P- iSM». -. Schmidt, l c, p. 46L Er selbst war Dichter.
^ Amion de Hueaea, Teatro historico de las IgUsiaa de Aragon, t VII,
ÄffOf ü^ (numasierio de Montearagon), p. 293-^425.
") ^^meroe-Baumgarten, Historie v. Spanien, IV, S. 69.
') eolobimD.
14*
212 , Eilftes Bach. Siebentes Kapitel.
Stuhl. Der Papst erklarte in einer Bulle, dass die künftigen Eonige
Ton Aragonien in seinem Namen durch den Erzbischof von Tarraco zu
Saragossa gekrönt werden sollen. Don Pedro versprach femer, die
freie Wahl der Bischöfe und Aebte zu gestatten, welche Wahl bisher
nicht frei gewesen war *).
Ueber diese Komreise erwiesen sich die Ritter und Barone sehr
unzufrieden. Don Pedro erklärte ihnen, dass er nur seinen, nicht ihren
Rechten entsagt. Im November 1206 schrieb er eine neue Abgabe, die
sogenannte Monedage aus, welche auch der Adel entrichten sollte^).
Pedro II. war überhaupt in steter Geldnoth. Im Jahre 1209 entlehnte
er von dem Könige (Sancho VII.) des armen Navan*a 20,000 Mara-
vedi's, und gab ihm mehrere Burgen als Pfand. Auch wurde er vom
Papste wegen Verschlechterung der Münze zurechtgewiesen.
Sein Antheil an dem Siege von las Navas de Tolosa war sein
höchster Ruhm. Bald nachher wurde er wegen der AlbigenserluLmpfe
nach Frankreich gerufen. Zwar hatte er schon im Jahre 1197 die
Waldenser vertrieben; in den Jahren 1203 — 5 zeigte er sich eifrig
König gegen die Kezer. Im Jahre 1209 bat ihn sein Vasall, der Vicomte von
^•^J^'' Beziers, vergebens um Schuz gegen die Kreuzfahrer, die unter Simon
von Montfbrt die Albigenser bekriegten. Bald darauf zerfiel er mit
den Kreuzfahrern, söhnte sich wieder aus, 'und verlobte seinen drei
Jahre alten Sohn Jayme mit der Tochter Simonis von Moutfort, und
zerfiel wieder mit ihm, nachdem der Graf Raymund von Toulouse sich
mit einer Schwester Don Pedro's verlobt hatte ^. Nach dem Peldzuge
gegen die Mauren zog er nach Frankreich gegen Simon von Montfort
Vergebens suchte Innocenz IIL den Frieden zu vermitteln. Er drohte
dem Könige mit dem Banne. Im Herbst 1213 vereinigte Pedro sein
Heer mit den Truppen der Grafen von Toulouse, Foix und Cominges,
und lagerte vor der Stadt Muret, die Simon von Montfort besezt
hatte. Mit einem kleinen Heere eilte Simon der Stadt zu Hilfe. Am
13. September 1213 kam es zur Schlacht« Don Pedro II. suchte im
dichten Gewühle des Kampfes seinen Gegner Simon von Montfort auf.
Er vollbrachte Wunder der Tapferkeit. Aber zwei französische Ritter,
die sich zu seinem Tode verschworen hatten, umzingelten ihn mit ihren
Schaaren; er und alle seine Begleiter fielen. Die Kreuzfahrer schrieben
') Ordo coronationis Petri R. Aragon. — ap. Rainald,, antuUes eccks.,
J. 1204, nr, 71—73 (t 'KIII, 121). — Indices verum ab Aragoniae regibus gt-
starwn — in Hispan, iUust, III, p. 61, ~ Marca Hürp,, p. 619, $53. ^ Fer-
rtraS'Bavmgarten, IV, 69-^70. — Hurter, Gesoh. P. Innocenz' lU. I, 6i5 (600);
6i6 (610); III, 139. — Stolberg-Brisckar, t. 47, 2^71-^72.
•) iMriUi, /, 91. - Ferrera», IV, 72.
') HUtoirt dt Languedoe, F, 162, 163.
Jayme I. der Eroberer. 213
ibreo QDerwarteten Sieg einem Wunder des Himmels za ^). — Pedro
Wir ein edler and ritterlicher Fürst; von seltener Schönheit und Elraft,
htüso tapfer als freigebig. Er war der erste der Konige Spanien's,
reicher den Beinamen „der Katholische'' erlangte'). Die Liebe zu
einen Schwestern brachte ihn zu dem Bunde mit dem Grafen von
i ooloose, wie anch Don Rodrigo sagt '). Die Chronik des S. Yictor-
iosters in Marseille sagt, dass die ganze Christenheit über seinen Tod
ich betrüben und trauern solle *), — Auch er beschüzte und schazte
üe Dichter (Troubadours) seiner Zeit Wankelmuth und heftige Frauen-
iebe wird ihm zum Vorwurf gemacht.
§. 30.
Sein Sohn und Nachfolger, der gefeierte König Jayme I.
[1213—1276) erzahlt in der Chronik, welche seinen Namen trägt, seine
[/(schichte von der Zeit, welche dem Selbstbewusstwerden der Kinder
r uDzagehen pflegt, mit der minutiösesten Genauigkeit^). Er wurde
im ]. Februar 1208 zu Montpellier geboren. Er erzählt, dass seine
äatier Maria vor seiner Taufe zwölf Kerzen zu Ehren der zwölf Apo-
^ttl habe anzünden lassen, gelobend^ dass ihr Sohn den Namen des-
jfügen Apostels erhalten sollte , dessen (ihm dedicirte) Kerze länger
a'< die übrigen brennen würde. Da nun die den Namen des heiligen
•Uns tragende Kerze am längsten gebrannt, so wurde er Jacobus
fJaTme) genannt*). Er war allerdings unter den Königen von Arago-
^ Zunia, I, 99. - Hist. de Languedoc, V, 210. — Hurter, II, 516-31,
- Hahn, Geschichte der Kezer im Mittelalter (3 Bde.), Stuttgart, 1845—47,
'. *Ä', 270.
') Zurita, I, 101.
*i Boderie., ToUt , VI, ep. 4 — Nee rex Petrus, cum esset plane catholi-
^j «» facorem venerat blaspkemorum, sed affinitatis debito, — Qesta Comit.
BaTtmon, — D. Rex Petrus veneria ad partes illas causa praestandi auxilium
'-i«/wi nu» sororibus et comiti Tolosano, tum ut daret auxilium alicui infideli
i*^ Ckrati, fidei inimico (Afarea-Hisp,, p. 553), — Das Chronicon Barcinonense
l el // ond das Chnmic. ülianense (Esp, sagt., XXVUI, p. 332, 336, 342) sä-
en mo 121% interfectus fuü D. Peirus Rex Aragmum apud Moreüum
') Pärus iUustris rex Äragmensis — apud Tolosam in beüo interfectus
M de ettuit morte tota Christianitas lugere debet et tristari. — Excerpta ex
'•«^ORico 8, Vietoris Massil — Esp, sagr., t. XXVIII, p. 347.
•^ Histoire de Languedoc, t V., p. 102 (bei BHschar, p. 285, beginnend
'« den Worten: Premi^ement naus avons iti congu de la mani^re suivante),
") n fistait eneore trois iravers de doigt h celui de S. Jacques tandis que
^ «rf kt iutrts äaient d^'h c(m»um£s, et cela fit, qu'on me do^na le nom de ce
214 Eilftcs Buch. Siebentes Kapitel.
nien der erste dieses Namens, während wir in den drei übrigen Reichen
der pyrenäischen Halbinsel keinem Könige dieses Namens begegnen.
Pedro II. war seiner Gemahlin Maria stets abgeneigt, nnd machte viele
vergebliche Versuche, von ihr geschieden zu werden. — Sie starb noch
vor ihm, zn Rom im April 1213.
Die Jugend ihres Sohnes war voll der Stürme und Gefahren.
Seine Oheime machten ihm die Nachfolge in der Regierung streitig.
Bürgerkriege wütheten. Mit Hilfe des Papstes Innocenz UI. und Ho-
norius lU. gelangte Jayme allmälig zu seinem Rechte. Im Jahre 1217
wurde er zu Saragossa von den Bischofen und Rittern als König an-
erkannt Im Jahre 1218 berief er einen Reichstag nach Lerida, wo
sein Oheim Sancho gegen entsprechende Lehen und Einkünfte seinen
Ansprüchen entsagte und dem König huldigte. Dann gerieth er in die
Gewalt seines Oheims Don Fernando, der er sich im Jahre 1225 durch
die Flucht entzog. Mit Hilfe des Erzbischofs von Tarraco erlangte er
im Jahre 1226 allgemeine Anerkennung. Im Jahre 1227 bat Don Fer«
nando zu Tortosa um Vergebung, und erlangte sie. Im Jahre 1225
war hier ein Landfiriede für Catalonien, am 13. Juli 1227 wurde auf
dem Reichstage zu Saragossa ein Landfiriede für Aragonien verkündigt.
Das Ende des langen Bürgerkrieges wurde durch Processionen and
Feste gefeiert.
§. 31.
Im Jahre 1228 hielt der König glänzenden Hof zu Tarraco. Bei
einem ihm gegebenen Gastmahle fragte er, die Augen auf das Meer
Die B«. gerichtet, welche Inseln Tarraco am nächsten lägen. Man beschrieb
learen. ii^Q jeu Reichthum und die günstige Lage der Balearischen Inseln. Da
er ohnedem von den maurischen Königen daselbst beleidigt worden und
die kampflustigen Ritter ihn bestürmten, so schwur Don Jayme, sich
nicht eher fiir einen wahren König zu halten, bis er die ihm angethanc
Schmach durch die Eroberung von Majorca getilgt hätte ').
Die Catalonier hatten das meiste Interesse an der Eroberung der
Inseln. Im December 1228 hielt der König einen Reichstag zu Bar-
celona '). Es wurde auf das Neue ein Landfrieden für ganz Catalonien
') Bemardin. Oomesii (Oomez) Miedis, arckidüicani Saguntini, canonici
Valentini, de vita et rebiis gestis Jacohi I, regia Äragönum cognamenio expu-
gnatoris libri XX. Valentiae. 1682. foL (ap. Schott, Hispania iUustrata, III,
p. 626.) — Im Jahre 1584 gab Gomez sein Werk in derselben Stadt im CaBtlliani'
sehen herans. Es ist dieses die Hauptqaelle fQr die Geschichte des Königs.
«) Zurita, I, 124. 137.
Bistbnm Hnjorca. 215
vcrkandigt Im Mai 1229 zogen die Ejreuzfahrer aus, auf 150 grossem
nad vielen kleinen Schiffen. Aber 42,000 bewaffiiete Maaren standen
lof Majores. Ihr Widerstand war heftig und andauernd. Am 31. De-
cefflber 1229 wurde die Hauptstadt im Sturme erobert. Nach einigen
Tagen ergab sich auch die Citadelle. Die Muhamedaner zogen es vor,
aoszowaDdem. Nach Majorca wurde auch Menorca unterworfen. Bald
danaf erhielt der portugiesiche Infant Don Pedro die Inseln, indem ^
er die Graftchaft Urgel an den König abtrat.
§. 32.
Nach der Eroberung der Hauptstadt wurde die grosse Moschee
gertioigty nnd für den christlichen Gottesdienst hergestellt. Schon im
Jahre 1305 hatte Papst Innocenz III. dem Vater des Königs versprochen, dass
er, Uk die Insel erobert würde, ein Bisthum daselbst gründen würde *)•
König Jayme wollte das Bisthum Majorca errichten. Aber jezt machte
der Bischof Berengar de Palou von Barcelona seine Ansprüche geltend,
denen wir wiederholt in dieser Geschichte begegnet sind, und nach
velchen die Bischöfe von Barcelona geistliche Gerichtsbarkeit über die
Balearen ausübten*). Der Bischof Berengar berief sich u. a. auf das
^ im Jahre 1058 ausgestellte Privilegium, nach welchem er Bischof
aach der Balearischen Inseln war. Der Streit wurde dahin entschieden,
dass zwar ein Bisthum für die Inseln errichtet^ und der erste Bischof
rom Könige ernannt werden soUte, aber im Falle der Erledigung des
Bisthoms der Bischof und die Domherren von Barcelona das Recht
haben sollten, den Bischof aus ihrer Mitte, oder wenigstens aus dem
Cleros TOD ^fajorca zu wählen.
Aber dit-se Uebereinkunft wurde nicht ausgeführt; das Bisthum
Barceloaa verlor seine Anrechte auf die Balearen. Papst Gregor IX. Butham
^ite den ersten Bischof von Palma, Raymund, ein, und stellte das Bis- ^®''
tham QDmittelbar unter den römischen Stuhl, so dass auch die Ansprüche
des Erzbischofe von Tarraco praterirt wurden*).
') Hurter, 7, $02.
') KG. Ha, 187—89. IIb, 439. V. m. Abhdl: „Zur ältesten K. G. v. Spa-
ai«a' 10 IHbioger Tbeol. Qnartalscbrift., 1861, S. 317—50.
*) Juan Damüo, la hütoria general del reyno Balearico, 2fol Palma, 1632,
^^ (Uy 29«;. — Dt expugnaiione Itmdae Majoricensis aJacobo primo Äragoniae
f(ui<L AMd.fr. Joanne a Garcia, 0. Ä D. (M. 8.) — c/. Fäix de Latasa, Biblioteca
^m dt lo$ ucrit. Aragoneses, t. II, 1796, p. 216. — Historia de la conquista
^ Maüflfeo. Crdnicas iniditas de Marsilio y Desdot en su texto lemosin ect.
P»rJo9. Mar. Quadrado. Palma, 1850, 8\ — ffermilly, Histoire du royaume
dt Mojor^ue, Maa$tricht, 1777. p. 42 sq. — ViUanueva, Viage lüerario, t. 21
216 Eilftes Buch. Siebentes Kapitel.
Die Kirchengeschichte der Balearcn von der Zeit der Vandalen
an Hegt im Dankein. Vom Jahre 484 bis zum Jahre 1238 ist ans kein
Bischof von Majorca bekannt.
Am 15. Juli 1237 gab Gregor IX. den Bischofen Petrus von Le-
rida und Bernard von Vieh, sowie dem Raymund von Penaforte, seinem
Pönitentiar^ den Auftrag, einen Bischof für den exemten Siz von Majore»
V zu erwählen. Sie mögen zu seiner Weihe noch weitere Bischöfe einladen,
aber nicht aus der Provinz von Tarraco, sondern vielmehr anderswoher,
und nach der ihnen gleichzeitig übersendeten Formel dem Erwählten
den Eid des Gehorsams abnehmen. So wurden sowohl die Ansprüche
des Metropoliten als des Bischofs von Barcelona übergangen. Dario
aber scheint uns doch ein indirecter Beweis einer alten kirchlichen
Verbindung der Balearen mit dem Bisthum Barcelona zu liegen*).
Wir wissen nicht, wo und von wem Raymund consecrirt wurde;
wir wissen nur, dass er am 12. October 1238 schon Bischof war. An
diesem Tage machte er dem Kloster der Dominicaner zu Majorca (Palma)
eine Schenkung, deren Urkunde Villanueva, selbst ein Dominicaner, im
Original, mit der Unterschrift des Bischofs, noch im Jahre 1814 sab*).
Schon im November 1239 befand er sich, nach einem anderen ans er-
haltenen Docnmente, mit dem Könige und dem Infanten Don Pedro io
Valencia. Hier heisst Don Jayme „König der Aragonier, der Majori-
schen Inseln (Majoricarnm) und von Valencia, Graf von Barcelona und
Urgel, Herr von Montpellier^; der Infant Pedro iiber heisst „Herr des
Reiches der Majorischen Inseln" ^. — Am 27. Januar 1240 erhielt
Raymund die Vollmacht, an seiner Kirche ein Collegium von welt-
lichen Kanonikern einzusezen, wie solche auch bei anderen benachbar-
ten Kirchen beständen.
Buthnm Im Jahre 1245 war auch schon ein Kloster der Cistercienser ge-
^j^l^^fj*; gründet worden auf Majorca. Am 14. April 1248 bestätigte Papst
Innocenz IV. die Besizungen des exemten Bisthums, welche er nament-
lich aufzählt. In der Stadt Mallorca (Palma) bestanden damals die
Kirchen der heiligen Eulalia, ohne Zweifel der von Barcelona, zom
heiligen Kreuz, des heiligen Jacobus und des heiligen Michael, die
—22, Madr, 1851, — Episcopologio de la s, IgUsia de Maüorea, e»cr. por D.
Ant Furiö. Palma, 1852, — Bover Joaq., Notieias de las Islas Balearea, Palm.
1864; derselbe Verfasser hat noch eine Anzahl anderer tüchtiger Schriften Aber die
Balearen verfassf.
*) Villanueva t 21, p. 286 (doc. 18), — Raynald. , annal. L ad ann.
1237, nr. 27, — Potthast, Eegesta, 1, p, 884.
*) Er sagt noch 1814: al convento de mi orden de esta dudad (Palma),
•) Villanueva, t, 21, ap. 29 (p. 287),
Königreich Valencia. 217
Kloster des heiligen Andreas, Antonius, und der heiligen Maria Mag-
dalena mit eigenen Kapellen'). — Im Jahre 1250 feierte Raymund eine
Bistbomssynode. Baymund starb am 11. Juni 1266*).
§. 33.
Der Eroberung der Balearen folgte die Eroberung des Königreichs
Valencia. Dasselbe war so gesichert, dass dreissig feste Pläze
desselben nur durch Hunger zur Uebergabe gezwungen werden konn- ^" ^^'
ten. Der Krieg dauerte vom Jahre 1233 an, wurde aber vom Jahre vaien-
1236 an mit neuer Energie aufgenommen. Gregor IX. schrieb im ^** ^''
Jahre 1237 einen Kreuzzug zur Eroberung von Valencia aus. Zahl-
reicbe Franzosen und Engländer nahmen das Kreuz ^. Jayme schwur,
nkhi eher nach Hanse zurückzukehren, bis er Valencia erobert hätte.
Mit emem Heere von 1000 Rittern und 60,000 Fussgängern rückte er
▼or. Im Mai 1238 wurde die Stadt zu Wasser und zu Land einge-
schlossen. Die erwartete Hilfe aus Afrika und Andalusien blieb aus.
Der König Abu Dschomail Ben Zeyan schloss am 28. September 1238
men Vergleich mit Don Jayme. Den Einwohnern der Stadt wurde
persönliche Sicherheit und die Freiheit zugesichert, an jeden Ort mit
ihrem Eigenthum auszuwandern. Die in der Stadt Bleibenden sollten
duren Tribut, wie die andern Vasallen Jayme's, entrichten, und ihre
Religion, Geseze und Gebräuche frei ausüben. An demselben Tage
zog Jayme in Valencia ein; 50,000 erwachsene Mauren verliessen inner-
halb fünf Tagen die Stadt, und wanderten über den Fluss Xucar. 380
angoDiache und catalonische Ritter erhielten Güter in der Stadt und
dem Gebiete. Auch die Geistlichkeit wurde reich bedacht Besonders
▼änderten die Catalonier in grossen Massen ein*).
*) Vülanueva, ap. 20.
') Viüanueva, t. 21, p- 126--lßL
*) Saynaldi armal. ad o. 1237, nr. 24.
*) Franc. Diago, AnndUB dd Eeyno de Vahncic^ Val. 1613, p. 286 sq.
•nicbi Btt bb zum Tode des KOnigs Jayme).
218 Eilftes Bach. Siebentea Kapitel
§. 34.
Mit Aasnahme einer kurzen (Tnterbrechang zu Zeiten des Cid
Campcador war das Bisthnm and das Christentham in Stadt and Ge-
Biiibum biet von Valencia nntergegangen« Die Behanptang, dass hier die Moz-
^1^ araber als Christen sich erhalten, ist nicht mit gehörigen Beweisen ge»
stuzt '). — Sogleich nach der Erobeinng der Stadt warde die Haapt-
moschee gereinigt, and darch den Erzbischof Petras yon Tarraco fax
den christlichen Gottesdienst eingeweiht In weniger als zwei Jahren
wurden aach andere Kirchen and Klöster hergestellt, der Glanz des
Gottesdienstes erneaert, und ein zahlreicher Cleras hatte sich in der
Stadt niedergelassen. Der König dotirte das neue Bisthom auf glän-
zende Weise. Die Schenkungsurkunde des Königs ist im Jahre 1241
ausgestellt. Der erste Bischof Ferrer de Pallares wurde am 22. Juli
1240 bestätigt.
Ein am 28. October 1236 zu Lerida gefasstes und urkundlich aus-
gestelltes Gelübde (votum) sagt, dass der König, wenn Gott die Stadt
Valencia ihm übergeben werde, vor allem die Kathedrale daselbst and
die Suffraganbisthümer geziemend mit Gütern ausstatten, dass er aoch
die Bischöfe und Cleriker, die an dem Feldzuge theilnehmen wfirdcn«
gebührend belohnen wolle. Durch eine weitere Urkunde, am 2. No-
vember 1241 zu Barcelona ausgestellt, will er erfüllen, was er ver-
sprochen. Er giebt Gott, dem Bischof und den Clerikern „der heiligen
Maria^ 18,000 Byzantiner') (Bisancios) reinen Silbers, mit denen sie
Besizungen für ihr Werk und ihren Unterhalt kaufen mögen. Elr gicbt
ihnen alle Moscheen, alle öffentlichen und Privat-Begräbnissstätten^ die
einst den Mauren gehört, in der Stadt und dem Bisthum Valencia, und
was dazu gehört, mit Ausnahme des Plazes, der nach des Königs An-
weisung der Hauptplaz (generale forum) der Stadt werden sollte. Cr
verspricht allen Kaplänen (Curaten?) an den Pfarrkirchen ein Haus und
einen Garten anweisen zu lassen. Sie sollen auch die Erstlinge (der
Früchte) ihrer Pfarreien erhalten. Ferner empfängt der Clerus von
Valencia zwei Jauchert Gartenland; femer verschiedene Häuser und
Güter in der Stadt. Das Bisthum erhält zwei Zehntheile des Zehnten
von allen Früchten, Thieren, und von dem Ertrage des Fischfangs in
dem ganzen Bisthume Valencia, des Fischfanges aus dem Meere, und
*) Eonuiald, Escolano, Historia de Valencia, Val» 1610, Hb. 4. aap, 23.
^ Hb. 6, cap. 5. — Vülanueva, t. I, p. 26—27.
') B. ap. Ducange, Olossarium, e. v. byzantii de argento, und Flaia,
Bifltham Valencia. Krieg mit den Manrcn. 219
SOS dem (See) Albofera, zwei Zehntel aus dem Zehnten von den öffent-
lichen Backöfen und Mühlen; nebstdeoi verschiedene andere Schenkungen.
Mit wahrhaft königlicher Mnnificenz wurde so das erneuerte Bisthum
Valencia ausgestattet ')•
Der erste Bischof Ferrer, vorher Propst von Tarragona, leistete
als Snffingan dem Metropoliten Petrus von Tarraco das Gelöbniss der BUchor
Treue am 20. October 1240. Ueber seinen Tod findet sich in dem **•"•'
Nccrologinm der Kirche von Tarraco die Nachricht: AmSO. April 1243 1343).
starb Don Ferrarius, erster Bischof von Valencia und Praepositus von
Tarraco, der in dieser Kirche den Convict') des heiligen Paulus stiftete
ond das Beneficium der heiligen Thecla in der Stadt Valencia. Wäh-
rend er zu dem Concil reiste, wurde er von den Saracenen gefangen
und drei Tage nachher gottlos erdrosselt^). Sein Nachfolger Bischof
Amald von Peralta (1243) wurde im Jahre 1248 auf das Bisthum Sa-
ragossa versezt. Der dritte Bischof war der Dominicaner Andreas de
Aibalat. Er begann im Jahre 1262 den Bau der neuen Oathedrale. Er
feierte sieben Diöcesansynoden in den Jahren 1255, 1258^ 1261^ 1262, Bischof
1268, 1269 ond 1273*). Er regierte vom 4. December 1248 bis 24. März j[,"^'^'J
1276, an welchem Tage er zu Viteibo starb.
§. 35.
Im Jahre 1244 wurden die festen Orte Xativa und Denia erobert.
— Aber die unterworfenen Mauren empörten sich, gefuhrt von dem Emp».
Afrikaner Alasdrach. Ausser Xativa fielen alle festen Pläze jenseits ^"^^^^^
des Xuear in die Hände der Mauren. Don Jayme eilte nach Valencia
und holte den Rath seiner Vertrauten ein. Am 6. Januar 1248 wurde
in der Kirche von Valencia verkündigt , dass alle Muhamedaner das
Reich von Valencia in Zeit eines Monats mit ihren Gutern verlassen
mössteo. 60,000 Moslimen griffen zu den Waffen, um sich in ihrer
Heimath zu erhalten. Lange und blutig war der Krieg. Viele Mauren
ruderten nach Murcia und Granada aus. Viele hielten sich noch in
^ Gebirgen zwischen Mnrcia und dem Xucar, und wurden in ihrem
Widerstände von Uastilien aus bestärkt. Im Jahre 1252 sollte der
') S. die beiden Urkunden aus dem Archive der Kirche in Valencia, ap,
^gwrt'QUalani, t F., p. 188-190 (Vülanueva, I, 27-28).
^ e/ Dueange s. h, v., ond daselbst: convivantes. — j,qui instituit com-
■••waiiam 8. Pavli in hac eccksia/^
■) et post iriduvm neguiter jugulaius, — Villanueva, t. 19^ 127—128.
•) Agmrrt'Catalani, F, p. 197 -202 \ 205-209. — J. Villanueva, i, 48:
220 Eilftes Bacb. Siebentes Kapitel
Kampf aufs neue beginnen. Aber Alfons X. von Castilien erwirkte
anf Bitten des Alasdrach einen Waffenstillstand anf ein Jahr, nach
welchem den Aragoniern die festen Pläze übergeben werden sollten.
Alasdrach begab sich nach Granada. Als er aber im Jahre 1271 auf
das neue in Valencia einfiel, kam er bei einem Angriffe anf die Festung
Alcoy um.
Mit der Eroberung der Balearen und des Königreichs Valencia
hatte das Reich Aragonien seine grösste Ausdehnung in S{>anien er-
langt. Was es später noch erwarb, gehörte zu Italien.
§. 36.
Unter dem Erzbischof Raimund von Castelltersol wurde im
Jahre 1197 eine Synode zu Gerona gehalten. König Pedro 11. berief
dorthin die Bischöfe und Grossen. Er erliess ein Edict, dass die Wal-
denser und andere Eezer, welche sich in das Reich eingeschlichen, es
Synode bis zum kommenden Passionssonntage ') zu verlassen hätten. Die Wi-
na, ]^^] derstrebenden sollte der Tod durch Feuer und Einziehung ihrer Güter
treffen. Dem Concil wohnten der Erzbischof, die Bischöfe Ganfired von
Gerona, Raymund von Barcelona, Wilhelm von Vieh, und Wilhelm
von Elna, die Grafen Pontius Hugo von Ampurias, Wilhelm von Car-
dona, Gaufred von Rocaberti, Ramon von Villamuls, Ramon Galcerän
und andere — an. Die Bischöfe unterzeichneten das Edict nicht, viel-
leicht weil es Todesstrafen verhängte. Der Text lautet: „Gegeben zu
Gerona, in Gegenwart Raymund's, des Erzbischofs von Tarraco^ n. a. *).
Auf den Erzbischof Raymund, welcher am 4. November 1198
starb, folgte Raymund (III.) von Rocaberti. — Gegen die Secte der
Albigenscr berief Pedro U. im Jahre 1210 einen Landtag nach Lierida,
zu dem sich auch die Bischöfe einfanden. Am 21. März erliess der
König ein Edict, besonders auf Bitten des Erzbischofs Raymund, der
übrigen Bischöfe und Prälaten, des Inhalts, dass wenn ein Laie feier-
^«i^- lieh excommunicirt worden, und vier Monate hartnäckig in diesem Zu-
iQDgTon Stande verharre , d. i. keine Schritte zur Aussöhnung mit der Kirche
Lerida thuc , er eine Strafe von 100 Solidi bezahlen müsse. Diese Strafe
werde bis zum Ablauf eines Jahres verdreifacht. Die Hälfte des Gel-
des erhält der Diöcesanbischof, die andere Hälfte der König. Bleibt
der Gestrafte nach einem Jahre noch hartnäckig, so sei er mit Infamie
') vsque ad dominicam Passionis DominL
') Marca Hisp.^ append, nr. 487, — Aguirre-Catalaniy V, p. 102-3. —
Bsp, sagr., t 43, p, 488-90 (append. LIT, wo das Jahr 1192, statt 1197 steht;.
— T^'ada y Ramiro, TU, p. 300-307.
Kn-
Conen von Lerida, 1220. 221
behaftet, von dem Frieden, dem Gottesfrieden und von dem Gebiete
des Königs ausgeschlossen.. Noch andere Strafen sollen ihn treffen.
Der König verspricht weiter dem Erzbischof Raymund und den Bischo-
fen, dass er die Verbrecher zuchtigen wolle, welche Gewalt gegen
Priester und Religiösen anwenden, imd keinen Vergleich mit ihnen
schliessen wolle, bis sie von der romischen Kirche absolvirt worden. —
Strengere Strafen treffen die Mörder von Clerikern.
Auf Bitten der Bischöfe bestätigte Papst Gregor IX. am 28. Ja-
nuar 1231 dieses Edict*).
Zur Zeit des Erzbischofs Sparago de Barca (seit Februar 1215), ^^^^^^
der von dem Bisthom Pamplona nach Tarraco übersezt worden, fand spa-
die berühmte Synode von Iierida statt, welche der Cardinal Johannes, '*^*
Bischof Ton Sabina, am 29. März 1229 eröffnete. Denn< von dieser
Synode gieng die Reform der Kirchenzucht in dieser Provinz aus; sie
war der Anfime der zahlreichen Concilien von Tarraco, welche von da ^''"^^^
in mit grosser Regelmässigkeit gehalten wurden, und deren Feier ein Leri<u.
äidheres Zeichen auch der Blüthe des kirchlichen Lebens ist.
Um den Legaten des Papstes waren versammelt der Erzbischof
Spange, der Bischof von Barcelona, Berengar de Palou, Wilhelm de
CabaneUas, Bischof von Gcrona, Wilhelm de Tavartet, Bischof von
Vieh, Petrus de Puigvert, von Urgel, Berengar de Eril, Bischof von
Lerida, Poncius de Torella, Bischof von Tortosa, und Garcia de Gudal,
Bischof von Huesca, Aebte und andere Prälaten der Kirchen. Die Be-
stimmnugen der vierten Lateransynode, die zum grossen Theile in Ver-
gessenheit gerathen, besonders über Leben und Sitten des Clerus, wur-
den mit aller Kraft eingeschärft. Es sollen regelmässig Diocesen der
Provinzen und der Bisthümer gehalten werden; erstere sollten am Sonn-
tage Jobilate, leztere wenigstons einmal im Jahre am Feste des heiligen
Locas stattfinden. Die Bischöfe sollen in den Cathedralen und CoUe-
gistkirchen ihre Stellvertreter im Amte der Predigt und des Bnss-
gericfates haben. In jedem Archidiakonate sollen Schulen und Lehrer
der Grammatik eingeführt werden, welche der Bischof gehörig zu do-
tiren bat Alle Beneficiaten werden so lange von ihren Aemtem sus-
pendirt, bis sie die gehörige Kenntniss des Lateinischen sich angeeignet.
Sie müssen vom nächsten 24. Juni an drei Jahre lang die Schulen be-
suchen, oder sie werden suspendirt Die hohem Weihen soll Keiner
erhalten, der des Lateinischen nicht mächtig ist^). Weiter soll gegen
d^ CoDcnbinat der Cleriker eingeschritten werden. — Laien, die jährlich
nicht wenigstens einmal die heilige Communion empfangen > werden
') T^ada y Hamiro, III, 311S13.
*) qui latinis verbis hqui neseiunt. — Esp. sagr., t. 48, p. Sil.
222 Eilftes Bnch. Siebentes Kapitel.
lebend aus der Kirche, nach dem Tode von dem kirchlichen Beg^iub-
nissorte ausgeschlossen. — Juden und Saracenen haben von den Gütern
der Christen, in deren Besiz sie kommen, den Zehnten und die Obla-
tionen zu entrichten. Jede Pfarrkirche habe ihren eigenen Pfarrer.
Zwei Pfarreien dürfen nur dann in einer Hand vereinigt werden, wenn
es zur Unterhaltung des Pfarrer's nothwendig ist. Nur ein Pfiurer,
und nicht viele Cleriker „pro indiviso^ sollen einer Pfarrei vorstehen.
Jener allein empfange die Gaben für die Beichten '), denn der soll
mehr empfangen, welcher mehr arbeitet« Nicht der Patron, sondern der
Bischof giebt die Vollmacht zur Ausübung der Seelsorge. Es wird die
Vertheilung der Güter verboten, welche in vielen Kirchen stattgefunden,
wo früher ein gemeinsames Leben der Cleriker bestanden hatte. Für
Exequien, Einsegnung der Ehen und Aehnliches darf nichts verlangt,
die heiligen Sacramente müssen ohne Verzug gespendet werden. Doch
sollen die in frommer und loblicher Weise eingeführten OblalioneB
femer entrichtet werden. Die Kloster sollen refonnirt, die Grüter der-
selben nicht verschleudert werden. Die Mönche dürfen kein Eigenthnoi
haben und annehmen. — Bei offenkundigen Verbrechen, welche Strafen
D^giA. AQ Leih und Leben nach sich ziehen, sollen Cleriker zuvor degradirt
diraiii;. wcrdcu; ein Sobdiakon und Minoriat durch einen Bischof, ein Diakon
durch drei Bischöfe, ein Priester durch das Concil der Provinz. —
Jeden Sonntag werde die Excommunication verkündet gegen die Chri-
sten, welche selbst oder durch andere an die Mauren Waffen, Eisen,
Pferde u. a. verkaufen. Die Christen, die unter den Mauren Kriegs-
dienste leisten, seien ausgeschlossen, und können nur durch den aposto-
lischen Stuhl wieder aufgenommen werden. Wer einen Christen an die
Mauren verkauft, ist durch die That selbst ausgeschlossen.
Im Ganzen sind es 37 Canones. Ein von Tudela — 1. Mai —
datirter Brief des Cardinal's macht dem Elrzbischofe die Ausführung
der Beschlüsse zur Pflicht.
Aguirre wusste nichts von dieser wichtigen Synode. Nach Petrus
de Marca*) geben Mansi'), Villanueva und Catalani^) eine magere
Notiz von diesem Concil, dessen Statuten angeblich verloren waren.
Villanueva hatte den Text der Statuten vor Augen ^). Sainz de Baranda
fand den Text in drei Ausgaben der Sammlung der „Constitutionen
von Tarraco^ von den Jahren 1557, 1580 und 1593, ganz correkt nur
') Es gibt noch heute protestantische Orte, wo nach altem Herkommen zwar
ein Beichtgroschen entrichtet, aber keine Beicht verrichtet wird.
») Marca Eüp., l. IV.
») Conc, t. 28, p. 206.
*) Aguirre- Catalani, V, 184.
*) Viage literario, t 16, p, 132.
Concil von Lerida, 1229. — Von TuriasBo 1229. 223
io der Aasgabe des Erzbischofs Antouio Augastin vom Jahre 1580^).
— Der lateinische Text der Synode erschien endlich im Jahre 1862
saeh dem Tode des Sainz de Baranda in dem 48. Bande der „Espana
sagnda^*). Tejada Ramiro giebt neben dem lateinischen Texte nach
seioer Gewohnheit die spanische Uebersezung der Synode von Lerida').
— So hat denn auch die Wiederentdeckung des Textes dieser wich-
tigen und bahnbrechenden Synode ihre eigene Geschichte. Mit Recht
weist Tejada auf die grosse Aehnlichkeit der Bestimmungen der Synode
ZD Valladolid vom Jahre 1228 mit unsrer Synode hin^). — Es war ja
derselbe päpstliche Legat, welcher die eine und andere Synode veran-
staltete, beide zum Zwecke der Ausfuhrung der Beschlüsse der vierten
SjQode im Lateran. Die Erzbisch5fe von Tarraco waren aber eifriger
in Aosfahrang der Beschlüsse. Der Bischof von Sabina droht dem
Enbiflchofe Sparago in seinem erwähnten Briefe vom 1. Mai 1229,
dass er die Strafe der Suspension zu gewärtigen haben werde, wenn
er menschlichen Rücksichten seine kirchlichen Pflichten hintansezen
würde.
§. 37.
Zwei Tage früher hielt der Legat und Cluniacenser Johannes ein
CoQcil za Turiasso. Hier wurde die Ehe des Königs Jayme von Ära- coneii
gooieo mit der Infantin Eleonore von Castilien, welche im vierten !!" ^"
Grade mit einander verwandt waren, angefochten. Der Legat besprach 1229.
sich mit Don Jayme und mit dem Konige Ferdinand von Castilien.
DoD Jayme hatte sich im Jahre 1221 mit Eleonore vermählt, der
Tochter Alfons VIUi. von Castilien, Schwester der Königin Donna
Berengaria, und Tante Ferdinand's des Heiligen. — Dem Concile
wohnten an Don Rodrigo von Toledo, die Bischöfe von Bnrgos, Cala-
lK)rra, Segovia, Signenza und Osma aus dem Reiche Castilien ^ der
&zbi8chof Sparago von Tarragona, mit den Bischöfen von Lerida,
Hoesca, Tarazona, Barcelona und Tortosa^) aus dem Königreiche
^ragonien. König Jayme erklärte, er werde sich dem Ausspruche der
Sjnode imterwerfen. Diess kostete ihn, wie n. a. Mariana sagt, keine
groase Ueberwindung, da er dieser Ehe längst überdrüssig geworden,
') Bsp, 9agr.^ t 47, p. 162-169 (Condlio de Lerida de 1229).
*) Eip, 9agr.f t. 48, Concilics de Lerida, p. 308—325.
'J T^ada, t III, Madr. 1859, p. 329—342.
•) l c, p. 329. — S. oben S. 143-145.
*) Statt der leztem nrei steht in Esp, sagr., t 49, p. 167 der Bischof von
Myonne.
224 Eilftes Bach. Siebentes Kapitel.
und seine Augen auf andere Töchter Eva's geworfen hatte. Da Don
Jayme und Eleonore Urenkel des „Kaisers Alfons VII« waren, wurde
die Ehe für ungiltig erklärt (29. April). Der Infant Alfons aber, der
aus dieser Verbindung entsprossen, wurde als legitimer Thronerbe er-
kläii, weil seine Eltern an der kirchlichen Giltigkeit ihrer Ehe nicht
gezweifelt hätten. Eleonore kehrte mit ihrem Sohne nach Castilien
zurück, Don Jayme aber wiess ihr ein standesmässiges Einkorn-
men an ').
§. 38.
Conen Am 1. Mai 1230 hielt der Erzbischof Sparago ein Concil inTar-
' ragona, welchem die Bischöfe Wilhelm von Vieh, Pontius von Tortosa,
Garcias von Huesca und Berengar von Barcelona anwohnten. Die an-
dern Bischöfe waren durch Procuratoren vertreten. Die Statuten refor-
matorischen Inhalts, welche die Synode erliess, sind uns (noch) nicht
bekannt*). Dagegen sagt Villanneva, dass sieh die Statuten in der
(von ihm benüzten) Sammlung der Constitutionen von Tarraco befinden,
dass die Constitutionen der Synode von 1230 die ersten, d. i. die älte-
sten seien, die sich erhalten, und dass Gebrauch von denselben gemacht
worden sei^.
Erz- Der „grosse'' Erzbischof Sparago starb am 3. März 1233. In
spara^^ Bciuer Grabesinschrift vrird er genannt: „die Zierde der Bischöfe, das
i2as. Licht des Clerus, die Quelle der Gütigkeit; er war in seinen Sitten
und seinem Leben einfach und gerecht, demüthig, fromm; sein LeWn
selbst war erhaben über jedes Lob''^).
Vom Jahre 1233 — 1238 war der Stuhl von Tarraco nicht besezt.
Der Bischof Berengar von Barcelona wurde zwar erwählt, aber vom
Papste nicht bestätigt — 13. Februar 1234^). Das Capitel wählte
dann im Mai 1234 den Cardinaldiakon zum heiligen Cosmas und Damian,
Äegidius, zum Erzbischof, wovon es den Papst am 29. Mai in Kenntnis^
') Zurüa, An., L II, cp. 46, III, cp. 3, — Mariana, L XII, cp, 14, —
Dormer, Discursos varios de Hütoria, Saragossa ^ 1683 (nach Znsfisen ZuritaU
ztt seinen Annalen), p. 64 y 69. — Daraus Aguirre-Caialani, V, 186—187. -
(Mansi, t 23, p. 206—213.) — T^ada y Bamiro, III, 342-^348. — Esp. saqr^
t. 49, p. 167.
») Aguirre-CkUalani, Y, 187 fnach Marca Hisp., l. IV). — Mansi, t 23,
p. 214. - T^ada, III, 348.
•) ViOanueoa, t. 19, 178.
') ViManueva, t. 19, p. 180.
') Also ViUanueva, p. 180, der dasBreve gesehen hat, es aber nicht mittheüt.
— cf. t 17, p. 211.
EnbiBtham Tarraco, 1233—38. 225
aote. Der Papst aber erwählte den heiligen Baimund von Pennafort,
der die Wahl nicht annahm. Jezt wurde Wilhelm von Mongri, Sacri-
etsD der Kirche von Gerona, vom Capitel erwählt. Auch er wollte nicht
aimehmeQ, aber lieas sich wenigstens herbei, „Administrator^ genannt
za werden. Als solcher und in der Eigenschaft eines „Erwählten^
aDternahm er es im Jahre 1235 mit Erlaubniss des Königs, unterstüzt
TOD dem Inüuiten Don Pedro von Portugal, und von Nuno Sanchez,
dem Grafen von Roussillon, die Inseln Iviza und Formentera zu er-
obern, ein Werk, welches glücklich gelang. Die Küsten Spanien's
waren nun gegen die Ueberfälle der Mauren geschüzt, da die Balearen
scboo früher erobert worden. Der „Administrator^ begab sich nach
Bom, und eriiielt die Erlaubniss, sich nach Gerona zurückziehen zu dürfen,
indem er sich die Einkünfte von Iviza und der Villa von Constanti
Torbehielt Mit diesen Einkünften stiftete er noch die Carthause von
San Pol de Maresmes, die im 16. Jahrhunderte mit der Carthause von
MoQtealegre bei Barcelona vereinigt vmrde. Ueber seinen Tod enthält
du Mecrologium von Gerona die Worte: „Am 21. Juni 1273 starb
Wilbelm von Monte, seligen Andenkens, Erwählter von Tarragona, und
SamsUn von Gerona.^
In einem Decrete, welches Wilhelm von Mongri, „Procurator der
Kirche von Tarraco^, an den Yicecomes Roger von Foix am 26« Mai
1237 ausstellt, wird ein zu Lerida gehaltenes „Concil^ erwähnt, bei
welchem Wilhelm, verschiedene Bischöfe und obiger Roger zugegen
varen. Es worden dort strenge Maassregeln gegen die Häretiker be-
KUossen und zam Theile ausgefnhrt. Neben und nach dem „Procu-
tor^ Wilhelm unterzeichnen das Decret Bertrand, Bischof von Turiasso,
Petrus, Bischof von Lerida, und Raimund Barotin, Rechtskundiger;
endlich Raimund von Villanova, der Notar des „Erwählten.^ Dar-
nach fahrte Wilhelm noch im Jahre 1237 den Titel eines „erwählten^
Erzbischofe *)•
§. 39.
Petrus de Albalat, vorher ,,Sacristan von Lerida^, im Jahre 1236
zam Bischöfe von Lerida erwählt, war seit dem Anfange des Jahres 1238
Erzbischof von Tarragona. Er hielt vom Jahre 1229 bis zum Jahre 1248
>ckt Concilien seiner Eirchenprovinz, Dem ersten am 18. April 1229
gehaltenen Concil wohnten die Bischöfe von Barcelona, Tortosa, Urgel,
*) Die Nsduricht von dieser Synode gab zuerst die „Hisioire de Langitedoc**,
/*. 25, «r. 16. — ViUanueva, t. 16, p. 13S. — Esp. aagr., f. 47, p. 169^170.
- T^ada, in, p. 348-49.
G«sn, tpiin. Kirche. III. 1. 15
226 Eilftea Bach. Siebentes Kapitel.
Erz- Vieh, Huesca und Lerida an. Nicht die Acten, aber doch die Capitel
bigchof ^gj, Verhandlungen sind erhalten. 1) Die Cleriker sollen sich nicht in
de Alba, weltliche Angelegenheiten mischen. 2) Die Brandstifter und StrasseD-
'*t- rauher sollen als Excommunicirte gemieden und des kirchlichen Be-
gräbnisses beraubt sein. 3) Es sollen keine geheimen Schenkungen
kirchlicher Beneficien gemacht werden. 4) Niemand soll zwei Canoni-
cate oder Präbenden in verschiedenen Kirchen erhalten. 5) Ausgetretene
Mönche oder Regular-Kanoniker sollen zur Rückkehr in ihre Kloster
gezwungen werden*). Mit Berufung auf Mansi sagt J. Hefele"), die
Synode vom 18. April 1239 sei von dem päpstlichen Legaten, dem
Bischof von Sabina und dem Erzbischof Petrus veranstaltet worden^
und theilt dann 16 Canones derselben mit. — In den spanischen
Sammlungen der Concilien steht iiichts davon. Der Bischof von Sa-
bina, welcher Legat in Spanien gewesen, war im Jahre 1233 gestorben«
Dagegen wurden in dem vorstehenden Concil vom April 1239
„die Constitutionen des ehrwürdigen Vaters J. (Joannes), des Bischofs
von Sabina guten Angedenkens wieder in das Gedächtniss zurückgeru-
fen, und deren Beobachtung wurde in Gegenwart der erwähnten Bischöfe
eingeschärft. 1) Richtern und gelehrten Advocaten wird unter Strafe
des Bannes verboten, einer „Justa^ in einem Kloster oder auf Gütern^
von Klöstern anzuwohnen. — Eine „Justa^ ist nach Ducange ein
Duellspiely ein Tournier, J. Hefele denkt an eine Gerichtssizung. 2) Die
Sammler von Beiträgen für Kirchen, Spitäler und Brücken dürfen ohne
Empfehlung des Legaten oder der Bischöfe nicht aufgenommen werden,
sie dürfen dann nicht predigen, sondern nur den Inhalt der bischöf-
synode lichcu Bricfp erklären. 3) Das Fest der heiligen Thecla solle mit Be-
^' ^^^^* willigung dieses Concils in der ganzen Provinz gefeiert, und in der
Kirche an demselben neun Lectionen verlesen werden. Ebenso soll es
an den Festen der heiligen Dominicus, iPranciscus und Antonius ge*
halten werden. Diess dürfte ein späterer Zusaz sein; denn Antonios
von Padua starb erst im Jahre 1231. — 4) Die Juden und Saracenen
sollen sich in der Kleidung von den Christen unterscheiden, und keine
christlichen Frauen und Ammen haben. 5) Christliche Frauen, die mit
Juden und Saracenen zusammenwohnen, müssen sich in den nächsten
zwei Monaten von ihnen trennen, unter Strafe des Verlustes des kirch-
lichen Begräbnisses. — Es werden die kirchlichen Feste aufgezählt, am
dadurch die grosse Menge der Feiertage zu beschränken. Durch die
grosse Menge derselben werden die Armen verhindert, ihren Unterhalt
•) Marca Hisp,, l IV, 626. — Aguirre-Catalani, F, 187, — Tejada, t Ulf
349-350.
»} ConC'Gesch., V, 959. — Mansi, t 23, 497, 513.
'} grangiia = graneriis.
Festtage. 227
m gewinnen, die Massiggänger und Trägen aber zu Ausschreitungen
angereizt Als Festtage bleiben übrig: Fest der Beschneidung Christi,
der £piphanie, des heiligen Vincentius (22. Januar), der Reinigung^®******
Marien^s, Stohlbesteigung des heiligen Petrus, des Apostels Mathias,
Fest Maria Verkündigung, zwei Tage der Octave von Ostern, heiliger
Marcus der Evangelist, der Apostel Fhilippus und Jacobus, dad Fest
Kreozeifindung, Himmelfahrt Christi, Pfingstmontag, Johannes des
Tiofers, der heiligen Apostel Petrus und Paulus, der heiligen Maria
Magdalena, Jacobus des Apostels (der hier einfach genannt, und nicht
als Patron oder Apostel von Spanien bezeichnet wird), des heiligen
Felix von Gerona, der Verklärung Christi, des heiligen Laurentius, der
Himmd&hrt Marien's, der Erhöhung des heiligen Kreuzes, des Apo-
stels Matthäus, des heiligen Michael, des Evangelisten Lucas, der
Apostel Simon und Judas, des Bischofs Narcissus^), das Fest aller
Heiligen, des heiligen Martinus, des heiligen Andreas, des heiligen
Kiookos, des heiligen Thomas, der Geburt Christi, des heiligen Ste-
phaoos nnd des heiligen Johannes des Apostels. — Die Zahl der ge-
botenen Festtage war so noch gross genug. Jede Pfarrei soll zudem
das Fest ihres Kirchenpatron's begehen. Nach dem Herkommen sollen
diese Feste sei es mit neun, sei es mit drei Lectionen begangen, die
Wen aber znm Anhören derselben ermahnt werden. 6) Nur an Weih-
nachten dürfen drei Messen gefeiert werden. Wer dagegen handelt, ist
dorch die That selbst ausgeschlossen. Das Biniren wird als Ausnahme
im Nothfalle zugelassen. 7) Der Ort, an welchem der Morder eines
derÜLer's oder Religiösen weilt, ist interdicirt. 8) Der Priester muss
die Hostien selbst aus reinem Mehl, ohne Salz und Sauerteig, bereiten.
9) P&rrkirchen sollen nicht von Laien verwaltet werden. 10) Geheime synodo
Verschworungen im Clerus oder gegen Cleriker sind unter Strafe des ^'
Bannes verboten, sowie auch 11) Pasquille*) gegen Cleriker. 12) Die
Binber, Hehler oder Verkäufer von Kirchengut werden ausgeschlossen,
die Orte interdicirt, wo sich solches befindet. 13) Die Bischöfe, welche
iiire Pfiureien visitiren, sollen ehrenvoll aufgenommen werden. 14) Wer
Ton emem Cleriker oder Laien auf eine Pfarrei präsentirt ist, darf sie
TOT der Bestätigung durch den Bischof nicht verwalten. 15) Die An-
taster des Kirchengutes erhalten kein kirchliches Begräbniss, bis ihre
Erben das Unrecht sühnen. 16) Nach dem Tode eines Bischofs, Prä-
laten oder Beneficiaten dieser Provinz sind Verwalter für dessen Güter
einznsezen, und ein Inventar ist herzustellen^.
0 Ein neaer Beweis, dass die Verehrung desNarcissns schon um das Jahr 1000
oidi dirvti G. in Spanien Eingang fand.
*) libeRos famcsos.
») Ifoiifi, f. c. - r^ödo, 111, 367-73.
15 ♦
^8 Eilftes Bnch. Siebentes Kapitel.
§. 40.
Am 8. Mai 1240 hielt der Erzbischof Petrus mit den Bischöfen
von Barcelona, Lerida, Tortosa und Huesca, mit den erwählten Bischö-
fen von Valencia und Saragossa ein Concil zu Tarragona. Dasselbe
protestirte gegen das Vorgehen des Erzbischofs Don Rodrigo von To-
ledo, welcher auf der Rückreise von seiner (dritten?) Romfahrt inner-
halb der Provinz von Tarraco sein Primatialkreuz vor sich hertragen
Hess, sich des Pallium's bediente und Indulgenzen ertheilte. Im Falle
der Wiederholung sollten die Orte mit dem Interdicte belegt werden,
in welchen der E^rzbischof von Toledo sich befände, er selbst aber sollte
excommunicirt werden..
Sollte ein Cleriker einer anderen Provinz in einer diesseitigen
Kirche einen Altar errichten, oder sich überhaupt eine Gerichtsbarkeit,
besonders in dem Königreiche Valencia anmassen, der sei excommoni-
cirt. — Da Don Rodrigo durchaus das neugestiftete Bisthum Valencia,
als ehemalige Dependenz der alten Primatie von Toledo, an sich ziehen
wollte, so geht im Grunde auch die leztere Bestimmung der Synode
gegen sein Vorgehen. Seinen in diesem Falle historisch begründeten
Ansprüchen trat aber die Machtfrage in den Weg. Weil jezt Valencia
zum Königreich Aragonien gehörte, und nicht zu Castilien, so blieb
Valencia unter dem Eirchenverbande von Tarragona.
Der Spanier Morales erzählt, Don Rodrigo habe sich bei dem
Papste gegen den Erzbischof Petrus beschwert, Gregor IX. habe am
wieder ^^' April 1241 an den Erzbischof von Tarraco geschrieben, und dem
der Pri- Don Rodrigo Recht gegeben. Dieser angebliche Brief des Papstes ist
"'^ nicht acht'). Ferreras sagt, der Papst habe diesen Brief am 16. August
1241 geschrieben, und derselbe befinde sich unter den von dem Portu-
giesen Brandao gesammelten Documenten. Aber Ferreras ist nii^ends
zuverlässig, und seine Weise, zu citiren, möglichst ungenau. Der lezte
Brief, welchen wir von Papst Gregor IX. besizen, ist vom 13.^Aogost
datirt, und am 21. August 1241 starb derselbe^).
>) Marca Hisp., l. 4. p. 528. — Mansi, t 23, 622. — AguirrtCaUämh
V, 189. - Tyada, III, 350.
«) Ferreras, 1 F, 228. — Stolberg Briackar, 47, p. 437. — Poühasi, 1 1
p. 935.
Synode von 1342. 229
§.41.
Im Jahre 1242 warde zu Tarragona gegen die Eatharer und Wal-
denser, welche von Frankreich her eingedrungen, ein Goncil gehalten, concii
Der Versammlong wohnte der heilige Kaymund von Fenaforte an,
Pönitentiar des heiligen Stuhles, und General-Magister des Prediger-
ordens, welche Würde er damals schon niedergelegt hatte. Zum ersten-
mal wurde hier in Spanien die Form der Inquisition gegen die Kezer
Torgescfarieben, die Arten ihrer Bestrafung, die Versöhnung mit der
Kirche und der ihnen au&ulegenden Bussen. Der Erzbischof Petrus erklärt,
er babe die durch den (1241) verstorbenen Bischof Berengar de Palou
begonnene Inquisition gegen die Kezer in Barcelona fortfuhren wollen.
Unter den Rechtskundigen, die er zu Rathe zog, seien verschiedene
Bedenken ao^etaucht Er habe nun mit dem „Bruder^ Raymund von
PenalbTte nnd andern weisen Männern Besprechungen gehalten, und
darnadi das Folgende beschlossen. Es wird bestimmt, welche Häre- Kirch-
tiker, welche Verdächtige, „Gläubige^, Begünstiger, Beschüzer (rece- "^Jj"'
ptafofti), Yeitheidiger und Rückfallige seien. — Die hartnäckigen Kezer uon.
nnd dem weltlichen Arme zu übergeben. Die abschworenden Häreti-
ker sollen swar von der Ezcommunication befreit, aber beständig ein**
geschlossen werden, damit sie nicht in Gefahr kommen, andere zu ver*
fahren. Die „Gredentes^ nnd die Begünstiger erhalten genau detaillirte
Bossen. Wenn ein Kezer oder Gönner der Kezer vor der Untersuchung
gegen ihn einem Priester beichtet, und dieser erklärt, dass er aufrichtig
gdieichtet habe, so werde er freigelassen, der Priester aber zurecht-
gewiesen, dass er ihn nicht zu dem Bischof geschickt habe. Der
Pöoitent muss durch zwei Zeugen die Aufrichtigkeit seiner Rückkehr
beweisen.
Es wurden die Formen der Strafen und Bussen näher beschrieben.
Die reuigen „Glaubenden' sollten sich an den Hauptfesten in der Cathe-
drale einfinden, und dort Eirchenbusse thun. Am Aschermittwoch wer-
den sie aus der Kirche ausgewiesen, sollen aber am Eingang der Kirche
etehen, dass sie noch den Gottesdienst anhören. Am Gründonnerstag
werden sie feierlich wieder in die Kirche au%enommen. Diese Bussen
loIleD sie ihr Leben lang wiederholen. Kürzer sind die Bussen der
Begünstiger, der Verdächtigen; sie dauern 10, 7, 5, 3 Jahre.
Es war Abrdiam Bzovius, welcher die obige Constitution, wohl
zu Rom, auffand, und dieselbe im Auszuge mittheilte. In Spanien
sdbst ist dieselbe nicht gefunden worden ^). — Dagegen haben wir
0 AfmaUum, LLad an. 1242, nr. 4. -r- Daraus Mcmgi, U 23, 564-560. —
230 Eilftes Buch. Siebentes Gapitel.
eine sehr kurze Notiz, dass Erzbischof Petras am 13. Mai 1242 za
Tarraco mit Pontius von Tortosa und Vitalis von Huesca eine Synode
hielt. 1) Es sollen, wird verordnet, die Bischöfe und ihre Officialen
Synode die Gerechtigkeit umsonst üben. 2) Die Bischöfe und Cleriker sollen
' zu dem Provinzialconcil kommen, was sie im Jahre 1242 unterlassen
zu haben scheinen. 3) Kein Priester soll mehrere Messen an einem
Tage lesen, mit den bekannten Ausnahmen ').
Ein Privilegium des Königs Don Jayme wurde zu Lierida am
12. März 1242 erlassen. Die Juden und Saracenen, die den christlichen
Glauben annehmen würden, sollten diess mit aller Offenheit nnd Frei-
heit thun, und im VoUbesize ihres Eigenthums bleiben. Aehnlichen Be*
Stimmungen begegnen wir aus den Jahren 1297 und 1302. Es handelte
sich darum, dass die nicht bekehrten Anverwandten der Getauften das
Eigenthum der Lezteren nicht in Besiz nehmen konnten.
§. 42.
Wir haben nur eine indirekte Nachricht^ dass für das Jahr 1243
wenigstens eine Synode ausgeschrieben war. Denn auf dem Wege zu
derselben wurde der erste Bischof von Valencia zum Tode verwundet.
Möglich ist, selbst wahrscheinlich, dass in Folge davon die Synode
unterblieb. In den Jahren 1239, 1240, 1242, 1243, 1244 fanden Sy-
noden zu Tarragona statt, oder waren wenigstens beabsichtigt. ^Wenn
aber im Jahre 1241 die Synode ausfiel, so müssen wir erwägen, dass
in diesem Jahre Papst Gregor IX. in seinem Kampfe gegen Friedrich IL
die Bischöfe zur Synode (auf Ostern 1241) nach Rom berief. Von
spanischen Bischofen traten damals die Reise nach Rom an drei £rz-
bischofe, Petrus von Tarragona, Joannes von Santiago, Petrus von
Braga, die Bischofe Nunius von Astorga, Laurentius von Orense,
Martinus von Salamanca, Adam von Placentia. Dieselben begaben sich
spani- nach Genua, wo die Flotte der Genueser sie nach Rom fuhren sollte.
'•chöfe" ^^^ ^^^ Erzbischof von Santiago war krank zu Porto Vendre zurück-
IUI in geblieben. Als die Andern sich zur See befanden, wurden sie von
^°' emer Flotte sicilianischer und pisanischer Schiffe überfallen, die ihnen
unter der Anfiihrung des Sohnes Friedrich's, Erich, den Weg verlegte.
Die Schiffe der Genueser wurden theils verjagt, theils versenkt (3. Mai
1241). Einige Galeeren, auf denen sich die spanischen Bischofe be-
fenden, entkamen glücklich in den Hafen von Genua. Als die Bischöfe
Harduin, VII, 360. — Aguirre-CaUdani, F, 190-^193. — Tmada, ÜZ
351-^362.
•) Marca Hisp., L IV j 628. — Agnirrt' Oatakm, F, 193. - T^adä, lU, 374.
Die Bischöfe im Jahre 1241. 231
die Unmöglichkeit sahen, nach Rom zu gelangen, so kehrten sie von
G^ua ans wieder nach Spanien zurück«
Die spanischen Bischöfe waren bis jezt dem Kampfe des Papstes
Gregor IX. mit dem Elaiser Friedrich U. ferne gestanden; jezt wurden
sie m denselben mit Gewalt von dem Kaiser hineingezogen. Das Con-
cil in Born konnte nicht gehalten werden; aber dieser Sieg über wehr-
lose Bischöfe schadete dem Kaiser mehr als alles Bisherige. Er erschien
nan wirklich als der Tyrann, als welchen ihn der Papst so beredt ge-
schildert hatte. Am 20. Mai 1241 schrieben die spanischen Bischöfe
änen Brief an den Papst, und forderten ihn zu energischen Maassregeln
g^fn Friedrich 11. auf *).
Der Papst aber starb schon am 21. August desselben Jahres, sein
Nachfolger Cölestin IV. regierte nur wenige Tage, und Lmocenz IV.
folgte demselben erst am 25. Juni 1243.
In den Jahren 1240 und 1242 wurden Concilien in Tarraco ge-
halten, im Jahre 1241 reiste der Erzbischof Petrus de Albalat zum
CoQcile nach Rom. Dass derselbe im Jahre 1243 eine Synode, wahr-
stleiDlich nach Tarraco, berufen hatte, ersehen wir aus der schon mit-
gctheihen Nachricht über die Ermordung des Bischofs von Valencia,
der zü der Synode reiste. Vielleicht wurde die Synode gerade durch
dksen Mord verhindert; denn sonstige Nachrichten über dieselbe finden
skh nicht
§. 43.
Am 12. Januar 1244 versammelten sich um den ^zbischof die
Bischöfe Poncins von Tortosa, R. (Raimund) von Lerida, welcher im Syno^e
Jahre 1240 selbst eine Bisthumssynode gehalten hatte, Vincenz von
Sangossa, Petrus von Pamplona und Petrus von Barcelona, sowie die
Procontoren der abwesenden Bischöfe. Hier wurde die Beobachtung
der Beschlüsse der vierten Synode im Lateran , und der Synode zu
Urida vom Jahre 1229 auf das neue eingeschärft. Es wurden alle
Verschwörer, und Alle, welche im Clerus (gegen den .Clerus?) uner-
Iwbte Verbmdungen angezettelt, nicht weniger die Angreifet und Räu-
ber der kirchlichen Sachen und Personen ausgeschlossen.
•) SaynaidianmU,, an. 1241, nr. 64^67, - A. Hutaard-BrauAles, Hütoria
*H*»w«uxi Friderid Mctind». Paris, ISSa—ßO. 6 vol. in 4\ — t. V, p. 1112
-im. - EefeU, Ctoncil-Gesch., V, »57. - Qe. Ratzinger, Albert der Böhme, in
^T.-Poüt BUttter, Bd. 64, S. 840.
232 EUftes Buch. Siebentes Kapitel.
§44.
Am 1. Mai 1246 hatten sich um den EIrzbischof Petras za Tar-
ragona die erwähnten Bischöfe von Tortosa, Lerida und Barcelona, die ■
Synode Bischöfc Amald von Valencia, Rodrigo von Zaragoza, und Berengar
^•i'^6* YQQ Gerona versammelt« Es wurde die Excommunication gegen die-
jenigen bestätigt, welche mit Gewalt sich der kirchlichen Personen und
Güter bemächtigten, im Falle es mit Gewalt der Waffen and mit Zer-
störung der Besizungen der Kirchen geschähe. Bei einer geriogern
Beschädigung kirchlichen Eigenthums sollten demnach die Schuldigen
der Strafe der Excommunication nicht verfallen sein.
Gefangene Saracenen, welche die Taufe nur zum Scheine anneh- ,
men wollen, um dem Joche der Sclaverei sich zu entziehen, sollen
einige Tage bei dem Rector der Kirche, in welcher sie die Taufe em-
pfangen wollen, bleiben, damit sie geprüft werden können, ob sie im
Lichte oder in der Finstemiss wandeln. Beharren sie in ihrem gaten
Vorsaze, so werde ihnen die Taufe weiter nicht versagt').
Dieser Synode wohnte wieder ein Bischof von Valencia bei. Don
Biatbnm Rodrigo vou Tolcdo hatte, besonders im Jahre 1243, in welchem zum
erstenmale das Bisthum Valencia erledigt war, sich die grosste Mühe
gegeben, es als Suffiraganbisthum an sich zu ziehen, denn in der alten
Zeit war das Bisthum unbestritten unter Toledo gestanden. Aber auch
jezt gaben die staatlichen Verhältnisse den Ausschlag. Weil Valencia
zu dem Königreiche Aragonien gehörte, so blieb es ein SuflEraganbis-
thum von Tarraco, bis es selbst zum Erzbisthum erhoben wurde. Papst
Innocenz IV., welcher am 25. Juni 1243 erwählt worden, gab schon
am 14. Juli desselben Jahres dem Magister P. de Bajos, und dem
P. Alberti, jenem Kanonikus von Toledo, diesem von Barcelona, sowie
dem Bruder, dem Dominicaner P. Guamerius, den Auftrag, in der
Streitfrage der beiden Erzbischöfe wegen der Ordinationen in dem
Bisthum Valencia vor vier Monaten die Zeugen zu vernehmen und
Bericht zu erstatten*). Der Erfolg lehrte, dass der Erzbischof von
Tarragona Recht behielt
Valen-
ola.
') Marea Hüpan., l IV, p. 531. - Mann, t 23, 723. — Aguirre-Ca-
talani, V, 194. - T^ada, III, 375.
') Ripoll, BuUar. Praedic., L 119, nr. 4. — PMhaH, Reg. t II,
nr. 11088.
Verbrechen des KOni^ Don Jiiynie. 233
§. 45.
Im October 1246 präsidirte der Erzbischof Petras einer ausser-
ordentlicbeo Synode za Lerida« Der Eonig Jayme liess dem Bischöfe ^ynod«
Berengar von Gerona die Zange aasschneiden« Für dieses furchtbare LeHda,
Verbrechen werden verschiedene Gründe angegeben. Der eine lautet, ^^^*
Don Jayme habe Tor seiner zweiten Ehe mit Jolanthe (Violanthe), der
Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn, die er nach der Schei-
doDg von seiner ersten Gemahlin Eleonore im Jahre 1229 geheirathet,
der Theresia Vidanre, mit welcher er eine unerlaubte Verbindung unter-
hielt, die Ehe versprochen. Theresia habe sich klagend an den Papst
hmocenz IV. gewendet Sie habe sich dabei auf den Bischof Berengar
Ton Gerona berufen, und Berengar habe in derselben Angelegenheit an
den Papst geschrieben. Der König habe nun gemeint, der Bischof
habe über seine Beichtgeheimnisse dem Papst berichtet, und habe be-
fohlen, demselben die Zunge abzuschneiden.
Andere berichten, der Bischof habe an den Papst geschrieben,
dass der König Unrecht handle, indem er seine Gemahlin Violanthe
ni^mihe. Allerdings hatte Don Jayme mit der Theresia Vidanre
nrei Sohne erzeugt, und diese hatte offenen Widerspruch gegen seine
Vermahlung mit Jolanthe erhoben. Aber Rom entschied gegen ihre
Klagen wegen versprochener Ehe, weil sie keine Zeugen beibringen
kcHmtc ')•
Gewiss ist, dass der König, nachdem er das Verbrechen begangen,
den Biachof noch verbannte, nnd bei dem Papst denselben wegen Bru-
ches des Beichtsigills verklagte. Am 22. Juni 1246 antwortete ihm
der Papst, und hielt ihm die Grösse seines Verbrechens vor, ermahnte
ihn, in sich zu gehen, den Bischof freizulassen, vor demselben und den
öbrigen Bischöfen Aragonien's Werke der Busse zu übernehmen und
za vollbringen*). Zur Betreibung dieser Angelegenheit sandte der
Papst den Minoriten Bruder Desiderius, Pönitentiar des Papstes, nach
Ängonien. Am 5. August 1246 erklärte der König von Valencia aus, ^®»
dass er, auf den Rath und die Ermahnung des Bruders Desiderius, verde-
>wAenne, dass er durch die That der Verstümmelung der Zunge des ^^^^s*
Bisdiofs Ton Gerona schwer gesündigt, nnd die allgemeine Mutter
(die Kirche) unendlich beleidigt habe; er bitte Gott und dessen Stell-
') Oomes» ^ e., p. 466. (Mariana, L IS, 6.) — Manrique, annales Cisterc
^l ^8. - F^rreras, IV, 246.
*) Saynaldi tmnaleSy an. 1246, nr. 44, — Sbaralea, BuUar. Francisc, I,
<^«, wr. 138.
234 Eilftes Bnch. Siebentes Kapitel.
Vertreter auf Erden demüthig nm Vergebung, und sei zu jeder Sühne
und Busse vor dem Papste und dem Bischöfe bereit. Er wolle ent-
weder ein Hospital errichten, oder die Cisterzienser- Abtei Benifaza
(zwischen Dertosa und Segorve, deren Bau in's Stocken geri^then war)
vollenden u. s« w. — Er wolle auch dem Orden der Dominicaner, des-
sen Mitglied der misshandelte Bischof war, Genugthuung leisten ').
An demselben Tage schrieb Don Jayme durch Vermittlung des
Bruders Desiderius und des Bischofs Arnald de Peralta an den Papst,
und bat demüthig um Lossprechung. Er nennt hier den Papst seinen
theuersten Blutsverwandten *). Am 22. September 1 246 antwortete der
Papst von Lyon aus. Er sandte zum zweitenmal den Bruder Deside-
rius, und mit ihm den Bischof (Philipp) von Camerino als seine Lega-
ten an den Eonig, damit sie ihm nach der kirchlichen Form die Ab-
solution ertheilten ^. •» Die Legaten traten am 14, October zu Lerida
mit dem Erzbischofe Petrus, den Bischofen von Zaragoza, Urgel,
Huesca und Elna zu einer Versammlung zusammen. Es kamen die
Der Barone und Edlen des Reiches und viele Andere. Der König erschien
^mil ^ ^^^ Versammlung, bekannte das gegen den Bischof von Gerona be-
October gaugeuc Verbrechen, versprach eidlich, den Befehlen der Kirche zu ge-
^LeridjT '^^^^^^^ > ^°^ ^^^ Bussc den von ihm begonnenen Bau der Abtei von
recon- Bcnifaza zu vollenden; er dotirte das Kloster so reichlich, dass in ihm
ciiiirt. QQj^ vierzig Mönche leben konnten, während bis jezt nur zweinndzwan-
zig dort gewesen waren. Das Spital von San Vicente in Valencia ver-
sprach er mit einem jährlichen Einkommen von 600 Marken SUbers zu
dotiren, und eine Kaplanei an der Kirche von Gerona zu stiften. Diess
Alles erhellt aus dem Briefe Don Jayme's an den Papst vom 18. Oc-
tober 1246, sowie aus der Absolutions-Formel der zwei päpstlichen
Legaten vom 20. October^). Am 18. October stellte der König dem
Bischof von Gerona noch eine Urkunde aus, in welcher er ihm seine
volle Huld verspricht. Die Versammlung hatte stattgefunden in dem
Hause der Minoriten zu Lerida. Die Missethat selbst war wohl nach
dem 3. Mai 1246 vollbracht worden, weil der Bischof an diesem Tage
der zu Tarragona gehaltenen Synode anwohnte.
■) Bsp. 9agr.y t 44, apend. IX (p. 279). — Ex Arckiv. MonaH. de Bt-^
fi^OEa h Jacoho Viüanava editum. — Viüanueva, IV., apend, nr. 18^ p, S24'-25^
*) VüUinueva, l. c, apend. XIX,
•) Vükmueva, IV, ap. XX, p. 328S0.
^ Beide stehen bei Viüanueva, IV., apend. XXI und XXII, p. B30S2.
— ap. Eep. sagr., t 44, apend. X^XIII, p. 280-87. — (Äguirre-Caiälani, F.
i94.) - T^'ada, III, 376 -- 382.
Synode von 1247 und 1248. 235
§. 46.
In den Jahren 1244, 1246, 1247, 1248 wurden vier Con-
cilien zn Tarragona gehalten; in keiner firühem und in keiner spätem
Zeit folgten dieselben so ununterbrochen auf einander. Nur im Jahre
1^43 war keine Versammlung der Bischöfe und konnte wohl nicht sein.
Denn in diesem Jahre befand sich der Erzbischof auf der ersten allge-
meinen Synode zu Lyon. Nach einem uns erhaltenen Docnmente vom
13. Joli 1245 i^aren zu Lyon anwesend — Erzbischof Joannes von
Compostella, Petrus von Tarraco, Joannes von Braga, die Bischöfe
Anas von Lissabon und Petrus von Barcelona ')•
Zar Zeit dieser Synode schrieb Innocenz IV. dem Konig Don
Jayine, welcher za Valencia eine Universität gründen und dieselbe in
Blöthe bringen sollte, dass die Magistri in seinem Reiche, welche da-
Hlbst die Studien leiten wollten, die Einkünfte ihrer kirchlichen Bene-
fielen beibehalten und unversehrt beziehen dürften, mit Ausnahme der
%Kchen Präsenzgelder*).
Auf der Synode zu Tarraco vom Jahre 1247 wurde die heimliche Synode
Schenkung von kirchlichen Beneficien verboten, eine Wiederholung des
gtichen Verbotes vom Jahre 1239.
Derselbe Erzbischof hielt im Jahre 1248 sein achtes Concil. Nach ^^f
dem Tode des Erzbischofs oder eines der Bischöfe der Provinz sollten
deren kirchliche Güter in die Hände eines zuverlässigen Mannes ge-
lugen; dieser sollte für die Erhaltung der Guter für den Nachfolger
gentne Soi^ tragen. — Diess war das lezte Concil, welches der hoch-
verdiente Erzbiscbof Petrus de Albalat berief).
•) Mangiy i. 23, 612. - HuiUard-Br^hoUea, Hut. diplom. Friedend II,
t VI, /, 316, — Ukeiner, MonumerUa Hungariaey t /, p. 190, nr. 353.
^ Franc. Orti Figuerola , Memorias hiitdricas de la universidad de Va-
lencia, Madr. 1730, p. 428. — Yüiamji^oa, II, 90-96. (Potthast, nr. 11727.)
*) Marea Hisp., L 4, p. 532. - ÄguirreCatalani, V, 196. — Tejada,
in, 383.
Zwölftes Buch.
Die lezten Jahrhrniderte der Fremdherrscliaft
(Von Sevilla nach Ghranada, 1248—1492.)
Erstes Kapitel.
Das Reich Aragonien, Ton der Erobernng Valenda's bis
la seiner Verbindung mit der Irene von €astlUen
(1248—1470).
Nach der Erobernng Yalencia's hatte die Krone von Aragonien
den Höhepunkt ihrer Macht in Spanien, der Konig Don Jayme aber
den Höhepunkt seines Glückes und Rahmes erreicht. Die kircblicben
Orden nahmen einen wanderbaren Aufschwung; Franciscaneri DomiDi-
caner, Cistercienser wetteiferten an Thätigkeit mit einander. Dem in
Frankreich, Italien und England verbreiteten Orden der Trinitarier war
in Spanien der für die gleichen Zwecke wirkende Orden der Merce-
darier (oder der Orden B. M. V. de mercede captivoram) an die Seite
getreten.
§. 1.
Der heilige Pctros Nolascus, geboren in oder bei S. Papool in
Languedoc, war an der Erziehung des jungen Don Jayme zur Zeit
seines Aufenthaltes in Carcassone unter der Aufsicht Simon's ron
Mercedarier. 237
Moolfort betheiligt gewesen. Der König, der heilige Raymond von
Pemiifoffte, nnd Petras hatten in derselben Nacht eine Erscheinnng der
KÜgsteo Jongfraa, welche sie aufTorderte, mit der Ausfiihrang der
GrindoDg eines Ordens für die gefangenen Christensclaven furder nicht
za zogenL Auf die Aoffordernng des heiligen Raymnndus wurde be- ^^ ^^'
$cUos8eD, den neuen Orden in das Leben zu rufen. Der König wies j^cni!^
denudben in seinem eigenen Palaste zu Barcelona eine Wohnung an.
Die Leitong übernahm Petrus als erster General des Ordens. Ausge-
zeichnete Manner aus dem EUtter- und Priesterstande traten dem Orden
bei, der den geistlichen Ritterorden beizuzählen ist ')•
Petrus Noiascns wurde am 10. August 1228 (andere sagen 1218,
1223) in der Cathedrale zu Barcelona als Haupt des Ordens eingesezt.
Den gewöhnlichen drei Gelübden wurde noch die Verpflichtung hinzu-
gefugt, dass die Hitglieder sich dem Loskaufe und dem Dienste der
Geiingenen widmeten. Die Mitglieder hatten die Pflicht, im Falle der
Nothwendigkeit selbst als Geiseln in den Händen der Ungläubigen
zurückzobleiben. Sie nahmen die Regel des heiligen Augustin an, und
Papst Gregor IX. genehmigte am 17. Januar 1235 von Perugia aus,
dass sie nach dieser Regel leben, da sie bis jezt keiner der Ton den
übrigen Orden angenommenen Regel sich unterworfen hatten. In der
Bolle werden sie Brüder des Hauses der heiligen Eulalia Ton Barce-
lona genannt*). Don Jayme hatte im Jahre 1232 zu Barcelona für die
Genossenschaft ein^ geräumiges Kloster herstellen lassen. Ein Theil der
Mitglieder sammelte die Almosen, andere suchten die Gefangenen im
sodlichen Spanien und Afrika auf, um sie loszukaufen, wesswegen sie
auch „Erlöser^ der Gefangenen heissen. Tausende von Gefangenen ordan
vnrden losgekauft und befreit; nicht wenige Mercedarier starbop als ^^^^
Märtyrer. — Papst Innocenz IV. schrieb am 4. April 1245 ,,an den
Magister des Hospital's der heiligen Eulalia von Barcelona und an
9ciiie Brüder^, dass er dieses Hospital, in welchem die Brüder für die
Befreiang der Gefangenen aus den Händen der Heiden dem gottlichen
Dienste obliegen, in seinen besondern Schuz aufnehme, er ertbeilt den-
selben Terschiedene Privilegien, und erklärte den Orden als exemt von
de Jurisdiction des Bischofs').
Zolezt erklärte Benedict XHI. im Juli 1725 die Genossenschaft
0 Br heiast stets: la real y militar Orden de Nuestra Senora de la
Mtruä.
*) Cftemftuts, Btiüarium, I, 88. — Linda, BvHatium fraJt. O. B. M. F. de
*«wtde eap<., Bareel. 1690, p, 2. — Bullar. noviss. Taurin., III, 485. —
Mawrique, AOal Ci$t., IV, 1S4.
•) Un&t, BuUar., />. 2. - Potihast, nr. 11, G18.
238 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
als einen Mendicanten-Orden, indem er ihm alle Ind alten und Privi-
legien der Mendicanten ertheilte^).
Auf der zweiten Reise des Petrus Nolascus in das Königreich
Granada wurden an 400 Christensclaven befreit. Mit aller Freimöthig-
keit predigte Nolascus den Huhamedanern. Er freute sich der Leiden
und Verfolgungen y die ihn trafen, und sehnte sich nacli dem Martyr-
tode. Selbst nach Afrika gelangte er; vielfach verfolgt und wunderbar
gerettet kehrte er von da auf einem durchlöcherten Kahne ohne Rader
und Segel nach Barcelona zurück. Er vermochte es nicht mehr, Lad-
wig den Heiligen, der mit ihm brieflich verkehrte, auf seinem Kreoz-
zage zu begleiten. Im Jahre 1249 legte er seioe Stelle als General
des Ordens nieder. Jezt theilte er die Almosen an der Kloster-
pforte aus.
Der heilige Raymandus, Nonnatus genannt, weil er aus dem Leibe
seiner todten Mutter geschnitten worden (December 1200), stammte aus
einem vornehmen Geschlechte in Catalonien. In der Philosophie üod
Hl. Ray- Thcologie machte er ausgezeichnete Fortschritte. Er Hess sich in den
Nonnr- neuerrichteten Orden de la Merced (de Mercy) aafnehmen. Durch
^^ seine Beredtsamkeit und sein heiliges Leben leuchtete er hervor« Um
das Jahr 1230 wuurde er als Generalprocurator seines Ordens nach
Rom gesandt, welcher bald darauf seine Bestätigung erhielt. Er unter-
nahm drei Reisen zur Befreiung der Gefangenen nach Afrika. Da ihm
einmal das Geld nicht ausreichte, bot er sich selbst als Geisel dar. £f
predigte mit solchem Eifer, dass sich zwei edle Muhamedaner, zehn
gelehrte Juden, und viele aus dem niederen Volke zum Christentham
bekehrten. Um ihn zum Schweigen zu bringen, verschloss man ihm
den Mund — durch ein eisernes Schloss. Während er das Gewand
eines Sclaven trug, ernannte ihn Papst Gregor IX. zum Cardinaldiakon
des heiligen Eustachias. Vor ihm hatten (nach gewöhnlicher Annahme)
nur zwei Spanier die Cardinalswürde empfangen. Nach seiner Aus-
lösung und Erhebung kehrte er in das Kloster seines Ordens zurück.
Er starb am 31. August 1240 zu Cardona. Von ihm wird u. a. er-
zählt, dass er zur Zeit einer Pest sehr viele Menschen und Thiere
durch das Zeichen des heiligen Kreuzes geheilt habe. Es entstand die
Sitte, jährlich an seinem Festtage das Vieh vor die Thüre der Kirche
zu fuhren, wo er begraben liegt, um es vor Krankheit zu bewahren,
oder zu heilen. Um seinen Leichnam stritten sich sein EJoster m
Barcelona, und sein Verwandter, der Graf von Cordova. Durch höhere
^
') Balle: Äetemtu aetemi Patris Filius vom 9. Juli 1725. — s. Vicefäe di
la Fuente, Ilistoria Edesiastica, //, 280.
Erzbischof BenitoB. 239
Teraostaltong kam sein Korper zu der S. Nicolauscapelle, wo er be-
graben wurde ')•
Die Capelle des heiligen Nicolaus geborte den Kanonikern von
Celson. Sie boten dieselbe dem heiligen Petras Nolascus an; er nahm
sie «0, ein Kloster und eine grössere Elircbe wurde an der Stelle
des Grabes erbaut. Die Kirche erhielt den Namen des heiligen
Baymond.
Der heilige Petrus Nolascus starb am 25. December 1256 in einem
Alter TOD 66 Jahren. Er wurde in Barcelona beigesezt, und sein Grab
dorch Wunder yerherrlicht Urban VUI. nahm ihn im Jahre 1628
imtof die Zahl der Heiligen auf, Clemens X. aber sezte sein Fest auf
den 31. Januar. — Die meisten Klöster seines Ordens bestanden in
Catalonien und Valencia*).
§. 2.
Der würdige Erzbischof Petrus de Albalat wohnte im Jahre 1250
den Cortes vcm Monzon an. Auf der Rückkehr starb er in dem Klo-
ster Pöblet — am 2. Juli 1251.
Sein Nachfolger, Benitns de Rocaberti, wurde, am 9. August er- e».
liUt. Er war vorher Kanonikus von Tarraco, und Kaplan des Papstes ^^'^^^
hoocenz lY., welcher ihm am 28. Februar 1252 das Pallium sandte.
Dem Concil, das er am 8. April 1 253 hielt, wohnten die Bischöfe Ar-
Daldas Ton Zaragoza, Yitalis von Huesca, Berengar von Gerona, und G.
(GnilleD) von Lerida an; die beiden Lezteren waren Dominicaner; so-
wie die Stellvertreter der übrigen.
Es wurde ausgesprochen, dass die einzelnen Bischöfe der Provinz
die Excommnnicirten ihres Bisthums wieder aufnehmen, dass der Erz-
bischof dasselbe mit den Untergebenen seiner Suffragane thun könne,
welche sich bei ihm einfinden würden, gemäss der in einem früheren
C<acil gegen jene ausgesprochenen Sentenz, welche kirchliche Sachen
') Ciaconius, Vitae Pontif. et Cardinalium 8. R. Ecd., II, 90, — Acta
Säor. 31 Aug., L VI Aug., p. 729-^37-41. — Miracula, 741-76. — Boxas,
^(m d« (adbst Mercedarier), Caialogo de loa Varones üustres en sarUitcid, le-
^ y dignidad, que han ßorecido en la orden de la Merced. Toleti, 1609.
*) Zurüa, /, 108. — Mtmnque, 134 seq. — Holstenü, Codex regtdarum
•onatt^ t Illy Augsb. 1769, p. 433-568. — Acta Sdar. BoU., t IlJawaar.,
(29), p. 980-90.
E$tewm de los Morales, Vida y tnuerte del glorioso patriarca s. Pedro de
AUoMo, Valad. 1629. (Zur Litentnr auf Seite 168, Anmerkung 4. Das BuUarium
drs Ordens gab Linas zu Barcelona, 1690, Fol., heraus.)
240 Zwölftes Pach. Erstes Kapitel.
und Personen augreifen würden. Es wurde femer erklärt, dass die
Priester der Provinz sieb gegenseitig von der kleinen Ezcommunication
lossprechen können').
Der Konig Don Jayme hatte erfahren, dass er vielfach bescholdigt
werde, die Privilegien (des Adels) und die Freiheiten der Kirche ver-
lezt zu haben. Er berief auf den 4. April 1257 einen Landtag nach
Lerida, zu dem sich die Bischöfe, Adeligen und die Gesandten der
oortM Städte einfanden. Der Konig bestätigte auf Bitten der Prälaten dort
- '^. alle von seinen Vorfahren den Kirchen, Klöstern, Priestern und Möd-
Lerida, ^ ... .
1857. eben gewährten Privilegien, er befahl, dass dieselben durchaus in Kraft
bleiben. Die Versammlung beschäftigte sich mit Maassregeln zur Bes-
serung der öffentlichen Zustände^ besonders der Erhaltung des Land-
friedens*). — Zehn Bischöfe der Provinz hatten sich auf der Versamm-
lung eingefunden.
§. 3.
Am 2K October 1266 hielt Erzbischof Benedictus seine zweite
concii (dritte?) uns bekannte Synode zu Tarragona. Es handelte sich um die
Vertheidigung und Erhaltung der kirchlichen Freiheit, um Verbesserung
von Ausschreitungen in den Sitten der Cleriker, und um die Sorge fiir
die Ruhe der Provinz. Besonders sollte der Friede zwischen dem
Grafen von Urgel und Raymund dem Visconden von Gardona her-
gestellt werden. Zu lezterem Zwecke wurden zwei Bischöfe ab-
gesandt.
Drei Canones wurden aufgestellt. Im ersten wird verordnet, dass
die ehedem von dem Cardinal Joannes von Sabina erlassenen Consti-
tutionen in der Kirchenprovinz auf das neue beobachtet werden sollen.
1) Die Orte, wohin der Kirche geraubtes Eigenthum gebracht worden,
sollen so lange unter dem Interdicte stehen, bis denen , welche Scha-
den erlitten haben, entsprechende Genugthuung geleistet worden. 2) Die
Orte, in welche Personen gelangen, welche Priester oder kirchliche
Personen ermordet, verstümmelt oder gefangen genommen haben, sollen
des Gottesdienstes entbehren. 3) Alle, welche solche Verbrecher bei
sich aufnehmen und beherbergen, sind ausgeschlossen*).
▼.1266.
*) Marca Hispan,^ p. 533. — Manai^ t. 23, 806» ^ Aguirre-Caialam^ V,
196. - Tejada, III, 383.
*) Aguirre-Catalani, F, 202—3. — Mansi, t 23, p. 926—28. — Ttjada,
III, 384-86.
») Mansi, f. 23, p. 1134, - T^ada, III, 387 SS.
Die KOnige Ferdinand III. nnd Don Jayme. 241
§4.
Wenn man die Könige Ferdinand lU. von Castilien und Don
Jayme L ton Aragonien als Regenten mit einander vergleicht, so er«
scheinen beide als tüchtige, ja als grosse Herrscher, unter welchen
beide EoDigreiche zu ungeahnter Höhe sich erschwangen. Beide bieten
uicfa als Regenten viele Punkte der Vergleichung dar. Beide, Ferdi- ^^^
aaod der Heilige und Don Jayme der Eroberer- (el Conquistador), wett- ^önTge"
eiferten mit einander an Tapferkeit, Edelmuth und Bildung. Aehulich
dind Beide durch die Leiden und Verfolgungen^ die sie in ihrer Jugend
tnfen; Beiden wurde von ihren nächsten Verwandten ihr Thronrecht
bestritten; Beide waren Schriftsteller, und sehr gelehrt für ihre Zeit;
Beide unternahmen es, die Gesezgebung ihrer Reiche einheitlich zu ge--
ätilten. Beide erbauten die schönsten Kirchen in ihren Reichen, bei
deren Bau der gothische den friiheren byzantinischen Styl verdrängte.
Beide bemühten sieb, neben dem Landheere eine kriegstüchtige Marine
in bilden. Beide suchten die Häretiker in ihren Landen auszutilgen.
Beide eroberten die wichtigsten Provinzen, welche noch in den Händen
der Ungläubigen waren. Nur gelang es Ferdinand noch nicht, und
noch zwei Jahrhunderte gelang es nicht, das Königreich Granada zu
en>bem, während Don Jayme an die Grenze des ihm Erreichbaren ge-
langte. Beide versprachen sich und andern, an einem Kreuzznge zur
Wiedergewinnung Jerusalem's Theil zu nehmen, Beide aber mussten
diesen Plan aufgeben.
Beide Monarchen starben eines frommen Todes. Aber in ihrem
Privatleben war ein grosser Abstand und Unterschied. Don Jayme hatte
(ioe Leidenschaft zu den Frauen, die ihn zu gar vielen Excessen hin-
riss, und die ihn auch in seinem Greisenalter nicht verliess. Dennoch
blieb sein Andenken bei seinem Volke in Segen. Denn was er Gutes Don
gefchaffen und gegründet hatte, das überlebte ihn; seine Schwächen ^*^"j®'"
3od Leidenschaften giengen mit ihm oder vor ihm zu Grabe. Er hätte^
vegen der ausserordentlichen Länge seiner Regierung, Ludwig den
Heiligen von Frankreich und Ferdinand den Heiligen von Castilien
neOeicht noch überstrahlt, wenn er in der Keuschheit nicht allzuweit
luQter ihnen zurückgeblieben wäre. Aber die Unenthaltsamkeit, welche
€r von seinem Vater ererbt zu haben schien, befleckte sein Privat-
leben nnd die Tugenden, die ihn zierten, sie war der Grund seiner und
Misshelligkeiten mit den romischen Päpsten. — Ihm war eine Regie- ^^*"*
riQggzeit Ton 63 Jahren beschieden.
In einer so langen Regierung war er gegen seine Unterthanen
>ttU gerecht und barmherzig, und Hess Allen ihre Rechte und Frei-
Gwi.t^a. KIreh«. HI. 1. 16
242 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
heilen. Ein Todesurtheil sprach er nie ohne Schmerz aas. Seine
Frömmigkeit offenbarte sich u. a. darin, dass er wohl an 2000 Kirchen
gründete und dotirte; andere sprechen von 6000 Kirchen. Die erstere
Angabe betrifil wohl die von Grund aus neugebauten Kirchen; die
zweite zählt auch die Gebäude, die aus Moscheen in Kirchen einge-
weiht wurden. Die zahlreichen frühem Moscheen in den Reichen Va-
lencia, Majorca und Murcia, welches Königreich Don Jayme zwar er-
oberte, aber mit einer seltenen Grossherzigkeit an König Alfons X. von
Castilien abtrat, wurden zum grossen Theile unter der Anrufong der
Himmelskönigin als Kirchen eingeweiht, man sagt an 1700 Kircheo,
in welchen schon zu seiner Zeit, und durch die Sorge seiner Frömmig-
keit jeden Tag 20,000 heilige Messen gefeiert wurden.
Ihm, dem Eroberer^ gebühret auch der Ruhm, nie gegen Christen
Krieg geführt zu haben^ sondern nur gegen die Ungläubigen, die er in
mehr als dreissig Feldschlachten, und in zahllosen kleinern Gefechtro
schlug, während er fast immer weniger Truppen, als die Gegner, hatte.
An Körpergrösse überragte er, wie Saul, sein ganzes Volk.
§. 5.
Die erste Ehe des Don Jayme mit Eleonore von Castilien ^urde
im Jahre 1229 durch die Synode von Tarazona aufgehoben*). — Seine
zweite Gemahlin war Jolanthe, die Tochter des Königs Andreas IL yod
Ungarn. Nachdem er im Jahre 1232 den Infanten Alfons, den Sofau
der Eleonore, als Erben aller seiner Länder erklärt, schenkte er im
Ruichs- Jahre 1244 dem Don Pedro, dem ältesten seiner Söhne aus zweiter
Ehe, Catalonien, Ribagorza, und das Land zwischen den Flüssen Segre
und Cinca. Es drohte ein Elrieg zwischen Don Jayme und Don AI-
fonso, für welchen Ferdinand IIL von Castilien Pailhei nahm. Die
Eintracht zwischen Don Jayme und Ferdinand wurde im Jahre 1246
durch die Vermählung der älteren Tochter Don Jayme's, Donna Vio-
lanthe, mit dem Infanten Alfons (X.) von Castilien hergestellt.
Aber Don Jayme gab schon im Januar 1243 eine neue Theilun';
seiner Staaten kund. Der Infant Alfonso sollte nur Aragonien, Don
Pedro noch weiter die Balearen, der zweite Sohn der Violantbe, Don
Jayme, Valencia, der Infant Fernando die Grafschaften Roussillon, Cou-
flant und Cerdagna, und einiges Andere in Frankreich erhalten. Der
jüngste Sohn Sancho sollte in den geistlichen Stand treten. Wieder
theilan-
gen
*) Matth. de ViUammo, Summa ConciL Ilispaniae, 4 /., Mafr, i7Sl-S5,
L II, p, 22, — (S. oben, S. 223.)
Don Jayme in inncm Wirren. — Navarni. 243
drobte der Krieg auszubrechen. Don Jayme berief im Februar 1250
die Stinde Ton Aragonien und Catalonien nach Alcaniz, zur Hilfe
rffgcD seinen Sohn Don Alfonso. Die Schiedsrichter sprachen sich
lihin SQS, dass Don Alfonso sich in Gehorsam dem Könige imter-
rofen, dieser ihm die Verwaltung von Aragonien und Valencia über-
^ben, Catalonien aber dem Infanten Don Pedro überlassen werden solle,
yd daraaf starb der Infant Don Fernando, und Don Jayme wagte
»ifie oeiie Reichstheilung zu Gunsten des Don Pedro. — Die Konigin
Tiohntlie starb im Jahre 1251.
Ebenso gieng Theobald L König von Navarra am 8. Juli 1253 Kavam
nit Tod ab *). — In seinem Testamente empfahl er sein Reich und
ieben ältesten Sohn Theobald (II.) dem Schuze des Königs Don Jayme.
Ufons X. von Castilien, welcher am 30. Mai 1252 seinem Vater in
1er Regierung nachgefolgt war, wollte über Navarra herfallen. Don
Janse aber trat dem Alfonso in den Weg (welcher sich von seiner Ge-*
mihlm Donna Violanthe getrennt hatte und wegen Bigamie im Jahre 1255
nach Rom citirt wurde*), indem er durch seinen Sohn Don Alfonso
im 3. Aognst 1253 ein Bündniss mit Navarra schloss. Im Jahre 1254
die Don Jayme selbst mit einem Heere zum Schuze von Navarra
gegen Alfons X. heran, und schloss am 5. April 1254 zu Monteagudo
nut Theobald II. einen neuen Bund. Er forderte nun den König von
CastiÜen anf, seine Rüstungen einzustellen. Dieser wagte den Kampf,
nad Don Jayme eilte dem Castilier mit einem der Zahl nach viel klei-
DerpD Heere entgegen. Beide Heere waren kampfbereit; aber die Bi-
icköfe bei denselben vermittelten den Frieden. Alfons X. kam mit
I^Q Jayme zusammen , bat um Verzeihung; man trennte sich in
Preandschaft, und Navarra blieb unter dem Schuze Aragonien's. Don
Jarme gab um so leichter nach, als in Valencia eine Empörung der
^ren anter Alarach (Alayarch) ausgebrochen war.
Im Jahre 1258 am 11. Mai schloss Don Jayme mit König Lud- ^^^
wig IX. von Frankreich verschiedene Vergleiche wegen gegenseitiger „*l^d-
Aasprüche auf Carcassone, Rasez, Barcelona, Montpellier u. a. Der^'R ^^•
Vergleich wurde bekräftigt durch die Ehe Philipp's, des Sohnes Lud-
^'s des Heiligen, und der Isabella, der Tochter Don Jayme's. Der
BbcTcrtrag wurde zu Corbeuil am Samstage vor Pfingsten 1258 unter-
»iehaef).
Der Friede zwischen Don Jayme und dessen Sohne Don Alfonso
^nie, vegen der Vorliebe des Vaters ffir die Kinder der zweiten Ehe,
') 8. oben, S. IKi.
*) 8. oben, S, l(i7.
') AgunfeCatalani, T, 204.
16*
244 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
nie völlig hergestellt. Don Alfonso starb im Jahre 1260. Jezt brachen
Streitigkeiten zwischen den beiden Brüdern zweiter Ehe, Don Pedro
Innere ^^^ ^^^ Jayme, au8. Drei Fartheien, die des Vater's und der beiden
Wirren, gohnc, Standen sich kampfbereit entgegen *).
Am 2h August 1262 machte Don Jayme zu Barcelona vor einigen
Prälaten und Rittern eine neue Theilung bekannt, nach welcher der
ältere Sohn Don Pedro Aragonien, Valencia und Catalonien^ der|
jüngere Don Jayme Mallorca, Roussillon, Cerdagna, Colibre, Conflant'
u. a. erhalten sollte.
Es entstand eine Zeit lang Ruhe im Reiche, zur rechten Zeit,
denn eben jezt erhoben sich die Mauren in Murcia zu einem gefähr-
lichen Kriege. Dadurch war die Sicherheit von Valencia wie von Ca-
Krieg stillen bedroht. Im Jahre 1265 zog Don Jayme gegen die Mauren in
gegren Murcia, Alfons X. von Castilien aber bekämpfte den König von Gra-
Maaren, Q^da. In demselben Jahre wurden noch sämmtliche Burgen in Mords
126Ö. unterworfen. Im Januar 1266 rückte Don Jayme gegen die Stadt Mur-
cia, welche sich Ende Februar's unterwarf. Don Jayme übergab edel-
müthig alle seine Eroberungen an Castilien, das vorher im Besize voo
Murcia gewesen, Hess einen Theil seiner Ritter daselbst, und kehrte
nach Valencia zurück.
Jezt begann Don Jayme grosse Rüstungen zu einem Kreazzuge
nach Palästina, zu welchem er durch eine Gesandtschaft des Köni«^^
der Tartaren, welcher Hilfe versprach, eingeladen wurde. Seine Söhne
und Alfons X. von Castilien suchten ihn zurückzuhalten. Am 4. Sep-
Misa- tember 1269 schiffte er sich mit zahlreichen Rittern auch aus Castilien,
lange- ^u Barcclona ein. Aber schon in Mallorca hemmten heftige Stürmt
Kreuz- dic Fahrt. Die Meister der Templer und Johanniter, der Bischof von
ziig. Barcelona, viele Andere drangen in ihn, heimzukehren. Eine andere
Nachricht lautet: „Er kehrte zurück auf den Rath eines Weibes ''*).i
Zum zweiten Male wollte er sich in Barcelona einschiffen. Allein als
Stürme, die siebzehn Tage wütheten, die Abfahrt verhinderten, so meintt^
er, dass auch Gott sein Unternehmen nicht billige. Es war giitj dass
er blieb. Denn bald brach heftiger Streit zwischen seinen Söhnen
Pedro und Fernan Sanchez aus, der kaum zu beschwichtigen war. j
jj^jj Auf die Einladung des Papstes Papstes Gregor X. erschien Dem!
Jayme Jaymc im Jahre 1274 auf der Synode von Lyon. Er war der einzi«^»*!
'"jgf^**"' persönlich anwesende König. Bei der Eröffnung der Versammlung auii
*) Miedes, historia del rey D. Jayme, clamado el conquistad^^. Valmt-,
1584, L 16, cp, 3-^4.
^) praemissa parte siiorum, ipse rejicititv, ut dictum fuif, consiiin mulieri.s.
Raynaldi annal., IIT, 236,
Don Jjiyine, 1274-76. 245
7. Mai uss er in der Nähe des Papstes Gregor X. *). Der Konig
maciite sich anheischig, wenn der Papst selbst sich an die Spize eines
KreozzQges stellen würde, ihn mit tausend seiner auserlesensten Ritter
m begleiten. Don Jayme hatte schon im Jahre 1229 vergebens den
Papfit Gregor TX, gebeten, ihm die Krone aufzusezen. Jezt, nach
4o Jahren einer glänzenden Regierung, wünschte er ebenso vergeblich,
ia Gegenwart dieser glanzenden Versammlung gekrönt zu werden. Der
Papst yerlangte den Tribut, zu welchem sich Pedro II. im Jahre 1204
Ttrpflichtet hatte. Don Jayme fürchtete, durch Gewährung desselben
seine königliche Aactorität zu schädigen. So entsagte denn Don Jayme
der Krönong.
Nach seiner Ruckkehr bildete sich gegen ihn eine Verbindung pi^
fast lUer catalonischer Barone und Herren. Dem Führer der Verbün- i««'«»
deteo, dem Vicecomes von Cardona, eutriss Don Jayme im Kriege Don
ninc Bnrgen und Kronlehen. Doch verbreitete sich der Krieg über J^yme's.
ganz Aragonien und Catalonien. — Durch den Reichstag zu Lerida im
NoTember 1275 wurde der Streit beigelegt. Der älteste Sohn des In-
fanten Don Pedro, der Infant Alfonso^ wurde in allen drei Reichen als
Thronfolger anerkannt Noch einmal zog Don Jayme gegen die Ca-
^tilitn bedrohenden Mauren in den Krieg. Der Rest der Mauren in
ValeQcia hatte sich empoi-t. Don Jayme wollte Xativa gegen einen
Aifnff der siegreichen Emporer schüzen. Hier erkrankte er in Folge
grosser AnstrengODgen, und kehrte in den Flecken Alcaniz zurück. Im
Geffible der Nähe seines Todes empfieng er die heiligen Sacramente,
innahnte seben Sohn Don Pedro, seinen Bruder Don Jayme in seinem
l^ize nicht zu stören, seine eignen Länder sorgsam zu verwalten,
litbe und Milde zu erweisen seinen Unterthanen, die Ritter und Barone
2Q ehren, mit der Gerechtigkeit die Billigkeit zu einigen, aber mit gan-
zer Macht die treulosen Saracenen aus Valencia zu vertreiben. Er legte
B^Q das Kleid des Ordens der Cistercienser an, und übergab sein Reich
Qod sein Schwert seinem Sohne, damit auch dieser es tapfer und sieg-
reich, wie er selbst, führe. Nachdem Don Pedro gegen die Saracenen
xQsgezogen, starb Don Jayme am 25. Juli 1276. — Sein wenn auch
^(^ Tod wurde allgemein als zu frühzeitig beklagt. Kurz und tref-
i^ ist über ihn das Urtheil des J. Mariana. „Wegen der Grosse seiner
^^^i^ gemesst er einen unsterblichen Ruhm, ein wahrhaft grosser
^^^ von ausgezeichneter Frömmigkeit; im Ruhme des Krieges ist er
^ jedem der alten Heerführer zu vergleichen; nur durch die zügellose
Begierfichkeit des Fleisches ist der Glanz seines Namens bei der Nachwelt
*) Sa^fiiaUh$$, L lU, 381.
246 Zwölftes Buch. Erstes Kapitel
getrübt^ ^). Die Chronik, welche seinen Namen trägt, ist vielleicht nach
mündlichen Erzählungen desselben geschrieben.
§. 6.
Hl. Rny ^^^ heilige Kaymundus von Pennaforte stammte aus einer ed-
mundv. len Familie in Catalonien und wurde (uro 1177) zu Barcelona ge-
^for" ^^^^^' Zwanzig Jahre alt, lehrte er Philosophie in seiner Vaterstadt
Im Jahre 1204 gieng er nach Bologna^ wo er mehrere Jahre kirch-
liches und bürgerliches Recht studirte, sich den Doctorgrad erwarb,
und dann selbst vor zahlreichen Zuhörern mit grossem Bei&lle das
Kirchenrecht vortrug. Auf die Einladung des Bischofs Berengar Ton
Barcelona (1212 — 1241) kehrte er mit demselben in seine Heimsdi
zurück. — 1219 wurde er Generalvicar des Bischofs^ und trat m
Jahre 1222 in den eben erblühenden Orden des heiligen DominiciU)
damals 45 Jahre alt. Seinem Vorgange folgten viele Andere nach. Ak
Ascet wie als Seelsorger zeichnete er sich aus, und beschäftigte sieb
mit grossem Eifer mit der Bekehrung der Juden, Maaren und Albi-
s. 8um. genser. Er schrieb die Summa casuum canscientiaef welche in drei
^wnm. ßScl^^rn — von den Sündän gegen Gott, gegen den Nächsten, von
den Irregularitäten und den kirchlichen Strafen handelt. Ein viertes
Buch über die Ehe kann auch als eigenes Werk betrachtet werdeo.
Die Dominicaner sollten sich dieses Buches als Richtschnur iur die
Verwaltung des heiligen Busssacramentes bedienen. Raymund war
auch thätig bei der Stiftung des Ordens de la Merced, dessen „Coo*
stitutionen^ er entwarf. Er war Beichtvater des Königs Don Jayme,
der ihn sehr verehrte.
Im Jahre 1230 berief ihn Papst Gregor IX. nach Rom^ und er-
Ray nannte ihn als seinen Pönitentiar, Caplan und Auditor der Bota. Im
Auftrage des Papstes unternahm er die Sammlung der päpstlichen
„Decretalen", oder der in dem „Decrete Gratian's" noch nicht entbÄl-
tenen Entscheidungen der Päpste. Drei Jahre arbeitete er au der
Sammlung seiner „Decretalen" (1231 — 1234). Früher angelegte ähn-
liche Sammlungen wurden durch dieses Werk verdrängt. Dasselbe
besteht aus fünf Büchern, wie die frühem ähnlichen Sammlungen. Der
Papst empfahl diese Sammlung den Universitäten zu Bologna und Paris
und den Gerichten. Er verbot, dass fernere Sammlungen von päpst-
lichen Decretalen ohne die Auetoritat des Papstes gemacht werden.
mnnd In
Rom.
') Mariana, l. 14, cp. 2, — lieber seine Leidenschaft fOr die Weiber B.Stol-
berg-Brischai', 47, p. 361—69.
RaymuQd von Pennaforte. 247
Im Jahre 1235 lehnte Kaymund die Wahl /.um Erzbischofe von
Tarragona ab. Bald darauf kehrte er in seine Vaterstadt — zur Wieder-
ber^ellong seiner Gesundheit zurück. Im Jahre 1238 wurde er zum (dritten)
General seines Ordens ernannt. Er veranlasste den heiligen Thomas von
Aqain,8ein kostbares Werk: ,ßwnma contra gentea^ zu schreiben, und den
König Don Jayme, unter der Auctorität des Papstes, den Gerichtshof
der Inquisition zu errichten. Nachdem er sein Amt als General
des Ordens niedergelegt (1240), beschäftigte er sich vorzugsweise mit
der Bekehrung der Mauren und Juden. — In verschiedenen Klöstern
ime& Ordens führte er den Unterricht in der arabischen und hebräischen
Sprache ein, er griindete an Orten, die noch vorwiegend maurisch waren,
vieinMorcia und Tunis, Schulen far das Studium der arabischen Sprache.
Unter den Wundern, die er vollbracht, wird besonders hervor-
gebobeD, dass er einst zurückkehrend aus der Insel Mallorca seinen
Mintel über die Wasser ausgebreitet, den Weg vo)i 160 Meilen von
da nach Barcelona in sechs Stunden zurückgelegt, und bei verschlos-
«eo€Q Thüren in sein Kloster eingetreten sei. Voll der Verdienste und
Tageoden entschlief er, beinahe hundert Jahre alt, am 6. Januar 1275.
Die Könige von Castilien und Aragonien, die sich gerade damals in
Barcelona befanden, begleiteten seinen Leichnam zu Grabe.
§• 7.
Der Erzbischof Benito de Rocaberti war am 2. Mai 1268 ge-
störten. Sein Nachfolger Bemard von Olivella, seit dem Jahre 12Ö4
Bischof von Tortosa, wird erst am 20. März 1272 als Erzbischof von
Tarragona genannt. Von seinem am 24. Januar 1273 gehaltenen Concil
ItttTejada zuerst die Acten mitgetheilt'); von der im Jahre 1277 zuTar-
nco gehaltenen Synode ist Sicheres nicht bekannt. Dagegen waren am
^Deoember 1279 zu Tarragona der Erzbischof, die Bischöfe Arnaldus ßy^o^«
_ V 1279
^fOtt Barcelona, Bemardus von Gerona, Raymundus von Vieh, Wilhelm
'oa Lerida, Petrus von ürgel, Arnaldus von Tortosa, Petrus von Za-
ngpza, Jacobns von Huesca, Jaspertus von Valencia, 10 Bischöfe,
Aebte and andere Prälaten zu einer Synode versammelt. Sie baten den
P»{«1 Nicolaus IV. dringend um die Einleitung des Processes der
Canomaation des heiligen Raymundus von Fennaiort. Der Papst gieng
aber damals auf ihre Bitten nicht ein. Die Heiligsprechung erfolgte
««t durch Papst Clemens Vffl. am 29. April 1601 «).
0 T^oda, VI, 64-66.
*) Ftto, auei. Leand, Alberto, Act. Set. Bolland, 7 Jan. J. 1. 1, p. 405^7,
^^7-18^29 (YUa, CanonizaHo, MiraciüaJ. — Vita alia, Romae, 1601, 4\ —
248 Zwölftes Buch. ErsteB Kapitel.
sieben
§. 8.
Synode Am 22. März 1282 hielt Bcrnardas mit den Bischofen von Bar-
T. 1282. ßeiQna, Lerida, Tarazona, Vieh, Tortosa und Huesca, sowie mit den
Procaratoren der Bischöfe von Calahorra, Pamplona, Zaragoza, Valen-
cia, Urgel und Gerona eine Synode. Zugegen waren die BevoUmäcli'
tigten der Cathedralcapitel, der Meister der Tempelherren, der Statthalter
der Johanniter. 1) Es wurden alle früher erlassenen Constitutionen zum
Nuzen der Kirche bestätigt. 2) Die kirchliche Tracht des Clerus wurde
eingeschärft. Von den Zuwiderhandelnden solle der Bischof zehn Solidi
siMuien g^^öh^^l^ch^f Münze als Strafe einziehen. 3) Angriffe auf Eigenthum der
derecu Kirche und kirchliche Personen werden, gemäss den Constitutionen der
^^"' vorhergehenden Erzbischöfe Petrus und Benedictus, mit Interdict und Ex-
communication belegt. 4) Ebenso die Pasquillanten oder EhrabschDeider
gegen die Cleriker. 5) Keine Christin soll bei Juden wohnen, oder
Kinder der Juden säugen oder nähren, unter Strafe der Ausschliessong.
Diese Verordnung solle an allen Orten, wo Juden wohnen, jährlich
verkündigt werden. 6) Die Bischöfe sollen obige Constit^itionen in
ihren (Diöcesan-) Synoden bekannt machen.
7) Im Hinblicke auf frühere Angriffe gegen das I/eben der Bischöfe
erklärt der Erzbischof Bernard, mit ihm die Bischöfe Amald von Bar-
celona (1252—84), R. (Ramon) von Vieh (1265—98), P. (Petrus) von
Urgel (1269—93), Jacob II. von Huesca (1282—89), Jaspertus ?on
Valencia (1276—88), Garcias von Tarazona (1280—89), Bn. (Bemard) von
Gerona (1279—91), und G. (Guillen) von Lerida (1282— 86), die Stell-
vertreter der abwesenden Bischöfe, der Cathedral- und der Collegiat-
kirchen, und sehr viele andere anwesende Prälaten, dass derjenige,
welcher selbst^ oder mit Hilfe eines Anderen einen Bischof todtet,
verwundet, gefangen nimmt, schlägt, aller seiner Lehen, seines übrigen
Besizes und seiner Beneficien, welche er in der Kirchenproviuz zur
Zeit in Händen hat, durch die That selbst beraubt sei; seine Nach-
kommen sollen bis zum vierten Geschlechte keine Stufe des Clericat^,
irgend ein Lehen oder Beneficium erlangen können. Die Bischöfe, welche
Relaziane de la vita, de' miracoli e degli aiti deUa canonixßtiane dt S, Bai-
mundo di Pennaforte. Briocia, 1602, 8\
Nicol. Antonio, BihUoth, Vetus, II, p. 67—69. — QuiHf ei Echard,
Scriptores oi'dinis Praedicatorum, 1719, I, p. 477. — Amat, Dicdonario dt
los escritores Catalanes, Bare, 1836, p. 477—79.
Aguirre-Catalani , V, 212. — Mansi, t. 24, p. 309. — Tefada, Hl
394—401 (welcher hier eine Abhandlung über Canonisation der Heih'gen giebt).
König Pedro lU. 249
dagegen handeln, werden geetrafl. Geringere Strafen werden gegen
jene ausgesprochen, welche Kanoniker n. a. angreifen oder todten.
Die sieben Canones scheinen indess drei verschiedenen von Bern-
hurd gehaltenen Synoden anzugehören, von denen aber die dritte am
22. März 1282 gehalten wurde. Diess erhellt u. a. daraus, dass im
Eingange nnd in Canon sieben der Synode nicht ganz dieselben Bi-
Khöfe als anwesend erscheinen. Auch will Mansi aus Canon 31 und
öo der Synode za Tarraco vom Jahre 1329 nachweisen, dass die sieben
Canones des Jahres 1282 ans drei verschiedenen Synoden hervorge-
gangen sind').
§. 9.
Pedro III. war vierzig Jahre alt, als er im Jahre 1276 zur Re-
gWrnng kam. £r schloss mit den Mauren einen Waffenstillstand auf
dni Monate, und begab sich nach Zaragoza, nm sich huldigen nnd
krönen zu lassen. Gemäss der Bewilligung des Papstes Innocenz III.
wurde er und seine Gemahlin Constanze von dem Erzbischofe von
Tarragona gekrönt, erklärte aber vor mehreren Grossen, dass er die König
Krone weder im Namen der römischen Kirche, noch durch sie oder ,^^*^**!!'
' ^ ^ In. Kro-
gegen sie annehme*). Hier erst erhielt er die Ritterwürde, die er so- nnng.
dann vielen Anwesenden ertheilte. Die Stände huldigten aufs neue
seinem Sehne Alfonso, der erst fiinf Jahre alt war.
Zur Fortsezung des Krieges gegen die Mauren bewilligte ihm Krieg
Papst Johannes XXI. den Zehenten, welchen das lezte Concil von Lyon ^i^
für einen Krenzzug in das heilige Land gewährt hatte'). — Am "•"'«»•
l&Üctober 1276 bestätigte derselbe Papst die Gründung eines Kloster's
nod CoUegiom's zu Daya auf Mallorca durch Don Jayme, den Bruder
Don Pedro's III., worin dreizehn Minoriten beständig die arabische
Sfnche stodiren sollten^). — Don Pedro zwang die Mauren, sich in
die Festung Montesa (bei San Felipe) zurückzuziehen. 10,000 Mann
mottten nach einer Belagerung von mehreren Monaten sich ergeben —
im September 1277, worauf auch die in den Castellen und Bergen noch
zerstreuten Manren sich ergaben^).
') Jfoiwt, i. 24, p. 490-^94. - T^ada y Ramiro, III, 402—6. — HrfeU,
0m.4miLj YI, 201.
*) JET. Biancas, Coranaeiones de los reyes de Aragon, Zarag. 1641, 4*;
l^t t8, Gesia Comitum Barcin., in Marca Hispan., ;>. 637,
*) Wadding, Annales Minorum, F, 271.
') Wadding, V, 436. - SbaraUa, III, 263.
^ Rayndldi, annales, III, p. 416. — Oesta Comitum Bare, l. c.
260 Zwölftes Buch. Erhtes Kapitel.
Nach glücklicher Besiegang einiger aufrährerischen Grossen im
Jahre 1280 wandte Don Pedro III. seine Blicke anf die Eroberang
des Königreich's NaTarra, und dann der Insel Sicilien. Der König
Theobald II. von NaTarra war am 8. Juni 1253 seinem Vater Theo-
Köuig bald I. in der Regierung nachgefolgt Im Frühjahr 1270 yerliess er
i^aidij., Pamplona, und unternahm einen Kreuzzug in das heilige Land, wiih-
1253- rend er seinen Bruder Don Enrique als Regenten zurückliess. Im Joli
1270, .
1270 fuhr er mit einer Flotte aus dem Hafen von Genua, und wandte sich
gegen Tunis, vor welcher Stadt Ludwig IX. stand, wo derselbe auch am
25. August 1 270 an der Fest starb. — Don Theobald und die übrigen
Kreuzfahrer zogen sich nach Sicilien zurück. Der König von Kavarra starb
zu Trapani am 5. December desselben Jahres, nachdem er im Novem-
ber sein Testament vor Tunis gemacht. Da er ohne Kachkommen
stai'b, so wurde sein Bruder Don Enrique Konig, und am ersten Sonn-
tag im März 1271 von Bischof Armengol in der Cathedrale von Farn*
plona gesalbt. Auch er starb schon am 22. Juni 1274, und hinterlicss
nur eine Tochter von zwei Jahren, Donna Johanna, welche sogleich die
Huldigung empfieng^). Da aber die Konige von Aragon und Castilien
zur Eroberung von Navarra sich verbanden, so schloss sich Kavarra
um so enger an Frankreich an. "Im März 1278 gieng Don Pedro III.
mit Alfons X. von Castilien ein Bündniss ein, in welchem sie vorläufig
das Königreich Kavarra unter sich vertheilten. Allein Philipp lU. von
Frankreich, dessen Sohn Philipp der Schone sich im Jahre 1276 mit
der Thronerbin Donna Johanna von Navarra verlobt hatte, hinderte die
Ausführung dieses Planes. Navarra zog es vor, unter der Oberhoheit
von Frankreich zu stehen, als zwischen Castilien und Aragonien vertheilt
zu werden. Donna Juana folgte ihrem Gemahl nach Frankreich, und starb
im April 1305 zu Paris. Ihr Erbe in Navarra war ihr Sohn Ludwig
Hutin, welchem die Stände von Navarra sogleich Gehorsam gelobten.
Sie verlangten aber, dass ihr König im Lande wohne ^, und schickten
darum eine Gesandtschaft an ihn. Ludwig zögerte zu kommen, nannte
sich auch nicht König, sondern £rbprinz, bis er sich, 15 V, Jahre alt,
in der Cathedrale von Pam plona am 5. Juni 1307 krönen Hess. Er
kehrte schon im Jahre 1308 nach Frankreich zurück.
*) Morety AncUeSf lib, 23, cp, 2. — Sandoual, los obispos de Pamplona,
p. 96. — Feiti. Perez, Sucesion de los reyes y obispos de Navarra, II,
p. 27^37.
') Moret^ Anales, lib, 26, cp. t.
Don Pedro III. erobert Sicilien. 251
§. 10.
Don Pedro III. hatte seine Blicke von dem kleineren und ärmeren
NsTam auf die grossere und reichere Insel Sicilien geworfen. Die Ge- p«**'<»
mahlin Don Pedro's, Constanze, war eine Tochter Manfred's, natürlichen giciwcn.
Sohnes Friedrich's 11., und Fürsten von Tarent. Viele Sicilianer, die
unter dem Tyrannen Carl von Anjou, dem unbeiligen Bruder Ludwig's
des Heiligen, ihres Lebens nicht sicher waren, hatten sich unter den
Schoz Don Pedro's III. von Aragonien geflüchtet Auch Jobann von
Proeida, der die Emponing der Sicilianer leitete, wohnte eine Zeit
lang im Königreich Valencia, wo er einige Orte und Schlosser besass.
Don Pedro IIL fieng an, die Ansprüche seiner Gemahlin und seiner
Söhne auf das Königreich Sicilien geltend zu machen. Er rüstete mit
aller Kraft zum Kriege, so dass König Philipp III. von Frankreich
seinen Oheim Carl von Anjou vor der drohenden Gefahr warnte.
Am 31. März 1282 eihoben sieh die Sicilianer unter Johann von
Prodda gegen die Franzosen. In Folge der sogenannten „sicilianischen
Vesper'' (Ostern 1282) wurden alle auf Sicilien wohnenden Franzosen,
etwa £4,000 ermordet, nnd die Insel im Laufe eines Monats von den
Franzosen gesäubert. Carl von Anjou belagerte nun mit einer grossen
Flotte Messina. Don Pedro III. befimd sich mit seinem Heere und seiner
Flotte eben in Afrika, wo er das Schloss AlcoU erobert und befestigt
btte. Dringend riefen ihn die Sicilianer zur Hilfe herbei. Er zögerte,
ond erst als alle seine Räthe einstimmig sich erklärten, er möge die
ihm angebotene Krone annehmen, sagte er zu. Am 30. August 1282
landete er unter dem Jubel des Volks in Trapani; in Palermo empfieng
er die Huldigung als König. Carl von Anjou hob die Belagerung von
Messina anf *).
Aber Papst Martin IV., ein geborner Franzose, hatte schon am
t. Mai die Ehccommnnication gegen diejenigen ausgesprochen, welche
gegen die Rechte des heiligen Stuhles und Carl's von Anjou Sicilien
logreifen würden^. — Am 18. November leitete er den Process (der ^'**""
Abeecnng) gegen Don Pedro UI. ein, welcher die Insel „Sicilien^, das p«p.t|
der römischen Kirche als Eigenthuni gehörige Land angreife und be- ^^^°
seze, sich den königlichen Namen über dasselbe anmasse, und sich
König von Sicilien nenne.^ Auf das neue excommunicirt er ihn, seine
■) Deselci, Hütar. de la CkUalufia, 1616, p. 104-113.
') Aguirre'Catalani, F, 212^214. — Raynald. an. (III, 640) ad an.
12S2, nr. IB^-U. — Bzovius, annoL ad ann. 1281, nr. 10. — Mansi, t. 24.
252 Zwölftes Buch. p:iBtefi Kapitel.
Grafen, Minister, die Rebcllei) der Insel Sicilien; yerbietet, dass sich
der Konig von Aragonien König von Sicilien nenne, and Privilegien
und Lehen verleibe'). — Am 21. Msrz 1283 erklärte der Papst, dass
Don Pedro des Königreicbs Aragonien, seiner übrigen Besizongen und
der königlichen Würde endgiltig beraubt sei, und, ihn dessen beraubend,
übergiebt er es den Katholiken, sich des Königreiches zu bemächtigen.
Die Städte, Burgen und die übrigen Orte (Aragonien's) werden mit
dem Interdicte belegt; den Bischöfen, Grafen und allen Einwohnern
Aragonien's verbietet der Papst ausdrücklich, dass sie den erwähnten
Petrus, vordem König von Aragonien, als ihren König oder Herrn an-
erkennen oder aufnehmen, ihn durch Abgaben oder andere Beweise als
König anerkennen^.
„Martin suchte, sagt der Spanier Vicent. de la Fuente, seine Lands-
lente mit geistlichen Wa£Fen zu vertheidigen , welche sich kaum mit
weltlichen vertheidigen konnten. Nicht zufrieden, den König zu ex-
communiciren, und alle seine Lande mit dem Interdicte zu belegen^
beraubte er ihn der Krone von Aragon, das er der Familie der Anjon
gab, schrieb zudem einen Kreuzzug gegen den König von Aragonien
aus, mit den gleichen Indulgenzen, wie sie den Kreuzfahrern gegen die
Saracenen geboten werden. Die geistlichen Mittel wurden angewendet,
um der Rachsucht und der Aermlichkeit weltlicher Politik zu dienen.
Die Vorsehung selbst gab zu erkennen, dass sie dieses Verfahren nicht
billige, und der Sieg blieb gebunden an die Banner Aragonien's. Die-
selben Franzosen, denen zu dienen Martin IV. die Blize der Kirefae
schleuderte, waren nachher zur Zeit des Papstes Bonifaz VIII. die
Geiseln des heiligen Stuhles. Aber Pedro von Aragonien, weit ent-
fernt, wie Philipp der Schöne, zu proclamiren, dass der Papst kein
Recht habe, sich in die zeitlichen Angelegenheiten seines Staates za
mischen, weit entfernt, den Papst, wie dieser Franzose, mit Schmähungen
zu insultiren, widersprach mit Bescheidenheit, vertheidigte seine Rechte,
befahl, man solle das Interdict in seinen Staaten beobachten^.*'
So dieser Spanier, der zudem behauptet, seine Verehrung gegen den
heiligen Stuhl gestatte ihm nicht, die scharfen Urtheile zw repro-
duciren, welche die aragonischen Schriftsteller über das Verfahren
des Papstes Martin IV. fällen, und weist besonders auf das
Werk des Jesuiten P. Hieronymus Abarca über die Könige von
') ä^Ächery, SpieOegium, 1723, t. III, p. 684—88. — AguirrtrCatakai^
V, 214 CttTthQmlich steht 314) -220.
•) dTAchery, III, 689-91. — Äguirre-CataUmi III, 220—21. — Buüar.
Roman, ed. Taurin., IV, 54—66.
*) Vieente de la Fuente, HUtaria edendstica de Espana, II, 362.
Tod dreier Könige und des Papstes Martin IV. 1285. 253
AmgoD hin^), welcher als Jesuit nicht in den Verdacht unkatholischer
Gesinnung kommen könne*
Nachdem ein abenteuerlicher Versuch der beiden feindlichen Kö*
nige, bei Bordeaux, wohin sich Beide begeben hatten, sich zu duelliren,
keinen Erfolg gehabt hatte, kehrte Carl von Anjou nach Unteritalien
zurück, machte vergebliche Versuche, Sicilien wieder zu erobern, und
starb, wie man meint, ans Gram über seine Missgeschicke in den lez-
ten Jahren, in dem Anfange des Jahres 1285. Es war diess derselbe
Tyrann, welcher den lezten Hohenstaufen Conradin auf dem Marktplaze
Ton Neapel am 29. October 1268 hatte hinrichten lassen. Schon am
28. März 1285') starb auch der Papst Martin IV. Er erlebte es nicht
mehr, von welchem Erfolge seine Schenkung der Krone Aragon's an
Frankreich begleitet war.
Mit übermächtigem Landheere und einer Flotte von 100 Galeeren
rückte König Philipp IIL am 20. Jnni 1285 in Catalonien ein. Ein
fttpstlicher Iiegat begleitete das Heer, welcher in dem Castell Lery
den Prinzen Carl von Valois, den Sohn Philipp's III., als König von
Aragonien krönte, lange bevor das Königreich erobert war. Am Ende
des Aogast musste sich Stadt und Festung Gerona den Franzosen er-
geben. Aber im September wurde die Flotte der Franzosen von der
aragcnischen unter dem Admiral Loria beinahe vernichtet^). Der König
Philipp III. erkrankte. Mit Noth entrannen die Franzosen dem Unter«
gange. Philipp III. starb schon am 5. October 1285 zu Perpignan^).
Nun erkrankte aber auch Don Pedro III. Als er sein Ende heran-
nahen fühlte, so berief er den Erzbischof und andere Barone und Prä^
laten zu sich, und erklärte: er sei nach Sicilien gezogen, nur um die
Rechte seiner Söhne zu behaupten, nicht um die Kirche zu entehren
nnd zu beschimpfen; stets rechtgläubig und gehorsam gegen sie habe
er auch ihre gegen ihn gerichteten Aussprüche stets genau beobachten
lassen. Er bat den Erzbischof um Absolution, schwur, dass er sich
den Beschlüssen der Kirche unterwerfen wolle, und erhielt die Los-
»prechnng. Nach wenigen Tagen starb er, am 10. November 1285, im
Alter von 49 Jahren.
Pedro III. imponu'te durch körperliche Grösse und Schönheit,
wie sein Vater; er war freigebig, klag und tapfer. Die Aragonier
0 Hittoria de la9 inclüos reyes de Aragon, por D. Oeronimo Abarca de
Bdea y Portugal, c* 1541, — M. J3.
*) Schmidt (p. 219) sagt, er sei im März 1286 gestorben. Aber Ilonorius lY.
vorde am 2. April 1285 als Pi^st gewählt.
•) Desdtyt, hisL de Caialuna, 1616, p. 228—30.
*} Gesia ComiL Barem., ap. Marca, p. 570-^71.
254 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel
gaben ihm den Beinamen des Grossen^). In seinem Testamente Tom
Jahre 1281 hatte er seinen ältesten Sohn Alfonso als seinen Thronerben
emgesezt. Seinem zweiten Sohne Don Jayme war vor dem Tode Don
Pedro's schon als dessen Nachfolger in Sicilien geschworen worden.
Zwei jüngere Söhne hiessen Fadriqae (Friedrich) nnd Pedro.
§11.
jj^jj Alfonso III. (1285 — 1291) war bei seiner Thronbesteigang erst
Alfonso 14 Jahre alt. An Ostern 1286 Hess er sich zu Zaragoza in Gegenwart
-129^ ^^^ Stande von Valencia und Aragonien krönen, nachdem er die Geseze
und Freiheiten des Landes zu beobachten geschworen hatte. Am
12. April erhielt er Krone und Ritterwärde, Die Regierung des Reiches
nahm mehr und mehr eine freiheitliche Entwicklung. Jährlich sollte
im November zu Saragossa ein Reichstag gehalten werden.
Papst Honorius IV. (1285—87) gewahrte den Erben CarFs von
Anjou keine oder wenig Hilfe. Don Alfonso UL schrieb an ihn und
au die Cardinäle, dass er sogleich Gesandte nach Rom senden werde.
Mit Philipp IV. von Frankreich schloss er durch die Vermittlung
Eduard's I., Königs von England, im Juli 1287 einen Waffenstillstand.
Eduard I. bat den Papst um Bestätigung desselben. — Dem Papste
Honorius IV., der am 3. April 1287 starb, folgte Nicolaus IV. erst am
16. Februar 1288. Dieser trat wieder auf die Seite der Erben CarPs
von Anjou, und verlangte von Don Jayme, dass er dem Besize der Insei
Sicilien entsage. Er krönte zu Rom im Jahre 1289 Carl II., „den
Hinkenden'', den ältesten Sohn Carl's von Anjou, als König, der sich
von 1284 bis 1289 in aragonischer GeÜEtngenschaft befunden hatte. Er
sprach den Bann über Alfons UI. aus, bewilligte Philipp IV. die
kirchlichen Zehenten auf drei Jahre, um seinem Bruder Carl von Va-
lois den Besiz Aragonien's zu erwerben. Doch schickte Alfons lU. iui
Jahre 1290 aufs Neue Gesandte an den Papst Am 19. Februar 1291
wurde zwischen Aragonien und Frankreich der Friede geschlossen.
Alfons UL wurde vom Papste wieder in all' seinen Rechten und Be-
sizungen anerkannt. Bann und Interdict von ihm uud seinem Lande
genommen.
Aifnns J<^2^ wollte Alfous IIL sciuc Vermählung mit Leonore^ der Toi-Iitor
ni., Eduard's L von England feiern. Aber nach einer Krankheit von nur
f 1291. °
') Biancas, Commenfarii verum Aragon., ap. Sclwtt, Ilisp, illusir,, HL
572—831, p. 658. — Oesta com. Barcin , l, c, p, 57 S. — Schmidt, GescIiieLte
Aragon., p. 184-211.
Don Jayme II., 1291—1327. 265
drei Tagen starb er am 18. Juni 1291, in der ersten Blüihe der Jugend.
In der Geschichte beisst er „der Freigebige^.
§. 12.
Als Konig folgte ihm Don Jayme II. (1291—1327), sein Bruder,
der Yorher Konig von Sicilien gewesen war. Don Jayme liess seinen
Bruder Friedrieb als Statthalter von Sicilien zurück , und begab sich
nber Valencia im August 1291 nach Saragossa. Hier wurde er gekrönt.
Er scUoss Friede mit Don Sancho von Castilien, und verlobte sich mit
dessen Tochter Isabella — 29. November 1291. Am 21. Juni 1294 Don
schloss er zu Anagni Frieden mit Carl II. von' Anjou, mit dem Konige *j|°*^
TOD Frankreich, und Carl von Valois. Papst Bonifaz YIII. bestätigte
ihn in dem Besize seiner Länder. Er trennte sich, angeblich wegen
zn naher Verwandtschaft, Von Isabella, und vermählte sich mit Bianca,
der Tochter Königes Carl's II. von Neapel. Er verzichtete auch auf
Sicilien, woför ihm der Papst die Inseln Sardinien und Corsica ver-
sprach, die gleichfalls Lehen der römischen Kirche waren.
Damit waren sein Bruder Friedrich und die Sicilianer nicht zn-
trieden. Friedrich wurde zum König von Sicilien gewählt, und am
25. März 1296 gekrönt*). — Don Jayme berief seine Aragonier aus
Sicilien zurück, aber sie blieben alle daselbst. Friedrich wagte den
Krieg gegen Carl IL Dieser verlor Calabrien, und suchte die Küste
ipofien's zu vertheidigen. Auf den wiederholten Ruf des Papstes
Bonifaz YIII. kam Don Jayme im März 1297 nach Ivom, und wurde
mit grossen Ehren empfangen. Hier wurde seine Schwester Yiolanthe
mit Herzog Robert von Calabrien, dem Sohne CarFs IL, vermählt. Am
4. April belehnte der Papst den Konig Don Jayme und seine Nach-
kommen beiderlei Geschlechtes mit den Königreichen Sardinien und
Corsica. Er sollte dafür einen jährlichen Lehenszins von 2000 Mark
Silber's entrichten, und der romischen Kirche in Italien mit 100 Reitern
nud 500 Fnssgängern dienen. Nun rüstete Don Jayme zum Kriege
gegen seinen Bruder, und fuhr mit 80 Galeeren nach Ostia; er empfieng
vom Papste die Fahne der Kirche und den Segen, schiMe nach Neapel,
und entwarf einen Kriegsplan mit Carl II. Jayme IL hiess „Feldherr
der Kirche**). Aber durch die Thätigkeit der Sicilianer und Friedrich's
zog sich die Sache in die Länge. Nach vielen Verwicklungen erwirkte
Carl von Valois, welcher im Jahre 1300 die Erbin des lateinischen
•) Chronicon Siciliae^ ap, Muratori, rer. IL script, X, 852,
') Bulle vom 20, Januar 12%. — ap. AguirreCatalani, V, 223-24,
2Ö6 Zwt^mea Buch. Erstes Kapitel.
Ejiiserthum's Hn pari, infid.) von Constantinopel, Katharina von G>nr-
tenai, geheirathet hatte, am 31. August 1302 einen Frieden nnter der
Bedingung, dass sich Friedrich mit der jungem Tochter CarFs von
Anjou vermähle und für die Zeit seines Lebens Eonig von Sicilien
bleibe. Nach seinem Tode solle die Insel an Neapel zurückfallen.
Papst Bonifaz VIII. bestätigte den Frieden am 12. Juni 1303, and er-
kannte Friedrich als Vasallen der romischen Kirche au^).
§. 13.
Unter dem £rzbischof Bemardus de Olivella gelangte der Bau
der Cathedrale der heiligen Thecla von Tarragona zu seinem Abschluss,
wofür er jedes ihm mögliche Opfer brachte. Er war der erste Erz-
bischof, welcher die Salbung der Konige von Aragonien vollzog. Das
Recht hatte Papst Innocenz III. den Erzbischofen von Tarraco übertragen.
Im Jahre 1276 salbte er in Zaragoza Don Pedro ^den Grossen". — Mit
En- dem Erzbischof von Toledo lag er im Streite wegen der Bisthümer
**B^' Segorve und Albarracin. Der Streit dauerte fort, bis Papst Jo-
nard, hannes XXII. Zaragoza zum Erzbisthum erhob, und Segorve demselben
zutheilte (1318). Bernardus starb nach einer ruhmvollen Regierang am
29. October 1287«).
Rodrigo Tello, aus Sevilla gebürtig, vorher, seit 1277, Bischof
von Segovia in Castilien, erscheint als Erzbischof von Tarragona iw
Jahre 1290 und war es bis zu seinem Tode am 16. December 1307.
hucLt ^^ J&hre 1291 krönte er zu Zaragoza den Konig Don Jayme II. Er
Rodrigo vollendete noch den Bau der Cathedrale, indem er ihm den Thurm für
1290-1 ^'® Glocken beifugte. Er feierte vier Synoden, deren Constitutionen
1807. sich erhalten haben. Die erste dieser Synoden fand am 15. März 12^2
— nach Martene und Mansi, — nach Andern am 15. März 1298 statt.
.Die Synode wurde angeblich an einem Samstage, den 15. März 1291,
auf Befehl des Papstes Nicolaus IV., gehalten. Dieser starb am
4. April 1292, und statt 1291 durfte 1292 zu lesen sein. Roderich
nennt sich „durch Gottes Zulassung'' Erzbischof von Tarragona. Zu-
gegen waren sieben Bischöfe, abwesend waren die Bischöfe von Pam-
plona, Calahorra, der hier schon zugleich Bischof von Calpada hcisst,
von Tarazona, Valencia, Geroua, welche Stellvertreter gesandt, und
ihre Abwesenheit durch Briefe entschuldigt hatten'). Zugegen war
') Raynald., annaUs, ann. 1302^ nr, 3-^7. — Drumann, Geschichte Pupfit
Bonifaz VIII., König^sb., 1852, I, 260. — To9ti, Storia di Bonifacio VllI, lS4r>, /,
196. — Schmidt, S. 24G. — ffefeU, Conc.-Gesch., VI, 2*^0, 489.
') Vtllanueva, XIX, 188- 9L
') se per proeuratores et litteratorie exrumntifms.
Synode von 1292. 257
auch Bruder Berengar von Cardona, Magister der Tempelherren in Ca*
talooioiy und der Procorator des Ordens der Johanniter; nebstdem
fiele Aebte, PropstCi Frieren, Archidiakonen, Decane, viele tbeils
exemte, theils nicht ezemte Prälaten, die speciell berufen worden. Der
Erzbifichof billigt nnd bestätigt 1) alle von seinen Vorfahren erlassenen Synodo
Constitntionen fiir den Nozen. die Freiheit und die Vertheidiffung der ''•'^■'"
' OD raco von
Kirchen, kirchlicher Personen und Anstalten. Can. 2 handelt von der 1292.
Lebensweise und den ehrbaren Sitten der Cleriker, vrelche Tonsur, die
Corona und anständige Kleider tragen sollen. Can. 3 bestimmt als
Stnfe fnr die Cleriker, welche andere Cleriker in Verruf erklären,
Suspension von drei Jahren. 4) bestimmt die Strafen fiir Meineidige
nnd 5) für die Gebannten, welche sich nicht um die Absolution Mühe
geben. 6) Es wird verboten, einem auswärtigen Parochianen die Sa-^
cnmente der Kirche zu spenden. 7) Wenn der Erzbischof von Toledo
oder ein anderer Erzbischof durch die Kirchenprovinz von Tarragona
reiset, das Kreuz vor sich hertragen lässt, oder sich des Palliam's be-
dient, oder in unsrer Provinz Indulgenzen ertheilt — welche Attentate,
wie man sagt, von Einigen in frecher Weise versucht wurden'), und
venn der Bischof, in dessen Diocese dieses geschieht, nicht Wider-
»Und lostet, und es nidit verhindert, wenn er es vermag, so sei ihm
dff Eintritt in die Kirche verboten, wer aber in unsrer Provinz sich
d«r Indolgenzbriefe eines auswärtigen Bischofs bedient, der soll als ein
F&keber (faisarius) gezüchtigt werden. 8) Wer die Auferstehung der
Todtai und das künftige Leben leugnet, werde als Häretiker gestraft.
Die Dominicaner, welche vom apostolischen Stuhle als Inquisitoren der
Kezer aufgestellt worden, sollen von allen Rectoren der Kirchen gütig
aofgenommen und unterstüzt werden. 9) Die, welche sich „Apostel
ond Religiösen'' nennen, von Rom aber verworfen worden, sollen, wo
ifian sie findet, aufgegriffen und aus der ganzen Provinz vertrieben
Verden. 10) Die Immunität der Kirchen soll aufrecht erhalten werden.
Cu. 11 verbietet ungeziemende Schmausereien und Gelage'), welche
sich Laien (Parochianen) von Achten und Rectoren der Ejrchen zu ver-
schaffen wussten. Can. 12 sagt, dass in Betreff der Einstellung des
Gottesdienstes zur Zeit des Interdict's die von Papst Bonifaz VIII. er-
lassene Constitution (ÄlmamcUer) beobachtet werden solle*). Entweder
ist dieser Canon 12, und vielleicht noch einige andere — spätere An-
l^äogBel unsrer Synode, oder die Synode wurde am 15. März 1298 ge-
l^^hen. Die Namen der anwesenden Bischöfe weisen aber durchaus auf
0 fvoe, Hcui dküury per äliquoa Juenmt temere aJUentata.
') htvragia seu äbadagia.
*) Sie steht in L VI (V, 11) des Corpus jur. canon.^ c. 24. de aentent.
«Jccosnaioueat
^•M, fpo. KiniM. ULI. 17
258 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel
die Jahre 1291 — 92 hin; z. B. Bischof R. (Raymund) von Vieh starb
im Januar 1298, Bischof Petrus von Urgel starb im Januar 1293. Ca-
non 12, sodann Can. 13 über die Ausfuhrung der Testamente, Can. 14
über Wucherzinsen und Restitutionen dürften darum spätere Zu*
säze sein^).
Vier Provinzial-Concilien feierte der Erzbischof Don Rodrigo
Tellez in den Jahren 1291 (oder 1292), 1293, 1294 und 1305, deren
zweites und drittes in der Stadt Lerida gehalten wurde. In den
Sammlungen der Concilien werden sie nicht erwähnt, sondern sind
bekannt aus den „Comtituliones Tarraconemes^ ^ welche zu dem Jahre
12z9 von ihnen handeln. Wir wissen nicht, welche Bischöfe dem im
Jahre 1293 zu Lerida gehaltenen Concile beiwohnten, und wissen nur,
dass dasselbe am I.August 1293 gehalten wurde. Aus demselben sind
drei Canones bekannt. 1) Don Rodrigo verbietet jedem Laien und
jedem Cleriker, einen andern Cleriker vor weltlichen Gerichten zu be-
langen. Der Schuldige sei ezcommunicirt, und verliere zudem seinen
Process. — 2) Alle Gläubigen sollen den Zehent nach dem Geseze
Gottes entrichten. Die Laien soUen den Zehent nicht allmälig und in
kleinen Theilen bringen, und dabei keine Schmausereien und Gelage in
Anspruch nehmen. — 3) Der Noval-Zehnten von den Früchten, welche
die Saracenen auf den Besizungen christlicher Herren anbauen, soll ent^
richtet werden*).
§. 14.
Am Mittwoch den 11. August 1294 hielt Don Rodrigo Tellez zu
Iierida seine dritte Provinzial-Synode« Es waren zugegen die Bischöfe
von Vieh, von Dertosa, von Barcelona, von Tarazona, von Zaragoza,
„Bruder^ Adamar von Huesca, Geraldus von Lerida, und Benedict
(Bemard?) von Gerona. Es wurden sechs Constitutionen erlassen.
1) Beneficiaten, welche weltliche Fürsten und Obrigkeiten anreizen,
oder ihnen Rath und Hilfe zu Angriffen gegen die Kirche gewähren,
werden ezcommunicirt und ihrer Beneficien beraubt 2) Der Bischof oder
der Official (Generalvicar), welcher durch den Erzbischof oder einen
andern Bischof eingeladen wird, einen Excommunicirten bekannt zu
*) Dieses und die folgenden Concilien stehen nicht in den Sammlungen von
Agoirre n. s. w., sondern apud Marlene, Vetenmn Scriptor. ampUss, CM2ecfu>,
t VII, Paris, 1733, p, 289 $q. — Daraas ap. ManH, t 24, p. IlOö-^lin. —
Teßada, III, 409^^18.
') Esp, sagr,, p, Baranda, t 47, p. 171^12. t 48, appmd.^ p, 326^
328. - Ti^ada, HI 419-^20.
Synoden von Lerida. 259
rnacbeD, soll nnter Strafe des Verbotes, die Kirche zu betreten, diess
sogleich oder doch in drei Tagen thun. 3) In Gegenwart derer, welche
gegen eben Kanonikus, Prälaten oder eine andere kirchliche Person
Gewak angewendet, oder sie auf andere Weise verlezt haben, soll der
Goüesdieoat aufhören. 4) Niemand soll von einem Pfarrer oder einem
Andern onter dem Vorgeben einer bestehenden Sitte Mahlzeiten oder
Speise fordern. 5) Nach der Decretale: Alma mater und andern Con-
sdtationen soll der Gottesdienst zur Zeit des Interdietes sistirt werden.
t>) Beneficiaten und Solche, welche in geistlichen Würden stehen, sollen
nicht an einem weltlichen Hofe längere Zeit oder überhaupt verweilen,
onter Strafe der Ausschliessung durch die That selbst. Ein Bischof
moss die Brlaubniss dazu wenigstens von dem Erzbischof ein-
holenO- —
Entsprechend den Beschlüssen firüherer und späterer Synoden, er-
Hess der König Don Jayme IL zu Valencia am 17. November 1295
ein Priyil^um, womach Juden und Saracenen, welche die christliche
ReligioQ annehmen, im Besize ihrer Güter bleiben, und dass sie dess-
wegen nicht geschmäht, nicht „Renegat^ oder „Tornadis^ genannt
werden sollen*).
§. 15.
Don Martin, Bischof von Huesca, hielt im Jahre 1303 an seinem
Biäcbofsaize eine Versammlung, in welcher er das Privilegium des Don
Bamiro vom Jahre 1063 über die Wiederherstellung der Earche von
Jacca (Huesca) und ein anderes Privilegium seines Sohnes Sancho ver-
lesen UesB*).
In dem lezten von Erzbischof Don Rodrigo gehaltenen Provin-r
ciilcondl verkündigte er am 22. Februar 1305 eine Constitution, he-
stel^ aus drei Artikeln, welche bis jezt das Licht noch nicht er-
blich hat*).
Der Erzbischof Don Rodrigo stiftete, wie eine Inschrift auf seinem
Gnbe berichtet, zwei Eaplaneien, deren Inhaber jedes Jahr drei Jahres-
ta^ for ihn zu halten verpflichtet sind.
•) fip. $agr., t 47, p. 172-73. t 48, apend., p. 329S35. - T^ada,
ifl, 421^Zr.
^ Agwm-CaUikmi, F, 225. — Tyada y Ramiro, III, 428^29.
*) K.^., n, 2, 420-21. — TiQada, III, 118, 446. - Aguirre-Catalani,
*) IMeHotia ist von Urain Durand, der von dem Verfasser des Werkes: L'ari,
* «^ ki daU$, Paria, 1770, p. 227, citirt wird. - T^ada, III, 446.
17*
260 Zwölftes Buch. Entea Kapitel
§. 16.
Ihm folgte in der Regierung Wilhelm von Rocabertii welchem
schon zwei Erzbischofe aus derselben Familie vorangegangen waren.
Die Zeit seiner Wahl ist nicht festzustellen, die Bestätigung durch
Papst Clemens V* scheint im Jahre 1309 erfolgt zu sein. — Nach
Tejada hielt derselbe mit seinen Suffiraganen im Jahre 1307 ein Pro«
vincialconcil zu Tarragona. Es sei erklart worden, weil die Minoriten
gemäss ihres Gelübdes der Ai*muth Vermächtnisse nicht annehmen
dürfen, könne der Ordinarius diese Legate auch Andern zuweisen. Die
Bischöfe sollen aber dafür sorgen, solche Legate nur Würdigen zuzu-
wenden ').
Nach Villanueva starb Erzbischof Don Rodrigo nach seiner Grrab-
Schrift am 16. December 1308 (An. Damini M. CCC. VIU, XVIJ KaL
Januarü); dann aber kann sein Nachfolger jedenfalls im Jahre 1307
kein Concil gehalten haben. Obige Inschrift kann aber auch bedeoteo,
er sei am 16. December vor dem Jahre 1308 gestorben; dann lassen
sich beide verschiedene Angaben vereinigen, wenn nämlich Wilhelm
sogleich nach seiner Wahl eine Synode im December 1307 veran-
staltete').
§ 17. Die Aufhebung der Tempelherren.
Nachdem Papst Clemens V. sich den Wünschen und Planen des
Königs Philipp IV. von Frankreich in Betreff der Unterdrückung der
Templer und der Einziehung ihrer Güter willfahrig erwiesen, veetteiferten
der König und der Papst, auch andere Regenten und Länder zu den
gleichen Schritten gegen die Templer anzutreiben *)•
•) Tefada, III, 447.
') Während VilUnueva das Jahr 1808 als das seines Todes angiebt, hsbe ich
in meiner ^Series Episcoporum* (p. 76) das Jahr ld07 angenommen. Bei AgaSm-
Catalani kommt die Synode des Jahres 1307 nicht vor; Tejada hat vielmehr Keoiit-
nies derselben ans dem Werke: L'Art de vMfier les dates etc., p. 227.
In der That worden aas Anlass der Aufhebung der Templer die BischOfe im
26. December 1307 zu einer Berathnng über die Templer berufen.
') Villanueva hat die bisher unbekannten Aetenstfleke aus den anüientischeo
Registern des Königes Don Jayme IL , besonders aus dem ^Begestrvm TanpUaruh
rum*^ im Archive der Krone Aragon zu Barcelona ausgezogen, und sie duonologiacb
geordnet in Viage Hterario, t V, Madr. 1806, p. 175^98-232. — Antonio
Benavides hat in seinen: Memoriaa de D. Fernando IV de Caema, Madr. 1860,
Dio Templer, 1307—8. 261
§. 18.
Zuerst schrieb der König Philipp lY. an Don Jayme II. von
Aragonien, and theilte ihm die gegen die Templer erhobenen Beschul-
digDDgeD als erwiesene Verbrechen derselben mit. Er fordert den Don
Jajme auf, alle Templer in seinem Reiche ergreifen zu lassen, wie es
bereits in Frankreich geschehen sei. Diess geschah am 26. October
1307.
Am 27. October schrieb Bruder Romeus Zabrugnera, vom Pre-
diger-Orden, Professor der Theologie zu Paris, an Don Jayme. Er
8ei einer der Zeugen bei dem Bekenntnisse gewesen, das der Gross-
mebter und andere Mitglieder des Ordens am 2.^. und ^6. October
abgelegt, worin sie sieh als schuldig der Verbrechen bekannt haben,
wegen deren sie am 1'^. October gefänglich eingezogen worden. Zu
diesen Verbrechen gehöre, dass die Templer bei ihren Generalcapiteln
tinen silbernen oder versilberten Kopf mit einem Barte als Schöpfer
nod Erlöser Aller angebetet haben.
Am i7. November 13U7 antwortete Don Jayme von Teruel aus
iem Könige Philipp IV., und bezeugt seine grosse Verwunderung über
alk den Templern vorgeworfenen Verbrechen. Er lobt und rühmt die
Templer in seinem Reiche; er werde nicht zu ihrer Gefangennehmung
schreiten, bis ihre Verbrechen entweder erwiesen seien, oder der Papst
befehle, sie za ergreifen.
Am 19. November schrieb der König an Clemens V., dass er
Ton Philipp IV. über die (angeblichen) Verbrechen der Templer in
Kenntniss gesezt worden; der Papst möge ihm schreiben, wie es sich
damit verhalte, nnd was mit den Templern in Aragonien geschehen
solle. Schon am 22. November, bevor er diesen Brief erbalten, schrieb
der Papst von Poitiers aus an Don Jayme, berichtet ihm über die an
einem ond demselben Tage erfolgte Einkerkerung der Templer, und
über die Verbrechen, welche die Templer eingestanden. Don Jayme
möge nun in aller Stille sämmtliche Templer seines Reiches an dem-
selben Tage gefänglich einziehen, ein Inventar über ihre Güter auf-
nehmen, auf Kosten des Ordens deren Besizungen verwalten, damit sie
gut verwahrt im Falle ihrer Freisprechung dem Orden zurückgestellt,
L /, eatUt die Chronik, t II enthalt, die Documenta, in den Ilustradonea zum
Lfittd difl lezten Jahre der Templer in Spanien behandelt, /. p. 699—641 -676^
<- i/, p. 599 — hat er eine Anzahl von Docnmenten mitgctheilt. Mit Benüzung
der Jlmoriaa* von Benavides hat Bischof v.Hefele — ConcG., VI, 421-22, eine
K^dnagte ÜMienieht der Vorginge in Aragonien gegeben.
262 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
oder im Falle ihrer Schnld ^dem heiligen Lande'' zu Gnte kommen
möchten.
Doch schon am l.December be£ahl derKontg, dass za Yalenda
das gerichtliche Verfahren gegen die Templer eingeleitet werde, anf
Antreiben einiger Bischöfe nnd des Glaubensinqnisitor's. Als Richter
wurden ernannt: I^aymundus Despont, Bischof von Valencia, Ximenes
de Luna, Bischof von Saragossa^ und der Inquisitor Joannes Uotger,
Dominicaner. Jene sollten in ihren Sprengein, dieser im ganzen Belebe
inquiriren. Die Richter nahmen ihre Wahl unter der Bedingung an,
dass ,,der weltliche Arm^ ihnen gegen die Templer zu Hilfe käme, mn
deren Flucht oder (freiwillige) Einschliessung in ihren Burgen zu rer-
hindern, und dass auf alle Güter derselben der Sequester gelegt werde.
Zeugen waren Don Jayme Perez und Don Juan, Brüder des EonigS)
Brnder Wilhelm Aranyon, vom Predigerorden, Beichtvater des Königs,
Gonzalo Garcia und Artal de Azlor, seine Rathe, Pedro von CosU;
Richter, und Bemard von Albacia, Vice-Canzler. Am gleichen Tage
— 1. December — wurde dem Königlichen Procurator des Reiches von
Valencia, Gombald von Entenza, der Auftrag gegeben, die Templer za
ergreifen , deren Güter mit Beschlag zu belegen. - Am 2. December
wurde derselbe Auftrag für die Templer in Peiiiscola, Xivert, in Ca-
talonien und Aragonien ertheilt, fiberall mit Berufung auf die Forderung
des Königs von Frankreich.
Am 4. December schrieb Don Jayme — zum zweiten Male —
an Clemens V., er berichtet, was in Betreff der Templer in seinem
Reiche geschehen; dass viele derselben > auf die Kunde dessen, was in
Franki*eich geschehen, sich geflüchtet, und sich in ihren Castellen in
Verthcidigungsstand gesezt hätten, welche er belagern und bekämpfen
werde. Er entschuldigt sich, so verfahren zu sein, da er in dem lezteo
Briefe versprochen, nichts ohne Befehl oder Gutheissen des Papstes
thun zu wollen. Er habe dem Verlangen seiner Bischöfe und des In-
quisitor's, und dem wiederholten Drängen des Königs von Frankreich
nachgegeben. Am gleichen Tage antwortete er dem „Bruder^ Romeo
Zabrnguera in Paris. Er bittet u. a. um authentische Abschrift der
über die Templer in Frankreich geführten Processen Aehnlich schrieb
er am 4. December an König Philipp IV. selbst.
Am 5. December erliess der König von Valencia aus Berufangs-
schreiben an die Bischöfe von Valencia, Zaragoza, Tarazona, Huesca,
Segorve, Lerida, Barcelona, Vieh, Gerona, Tortosa und ürgel, und an
den Generalvicar des Erzbischofes Don Rodrigo von Tarragona, damit
alle am nächsten Feste der Epiphanie in Valencia erscheinen möchten)
wo er mit ihnen über das Verfahren gegen die Templer verhandeln
werde. Am 12. December hatten sich die Königlichen schon der Borg
Feniscola bemächtigt. Am 29. December befahl der König dem Bailli
Conoil von Tarragona, 1307—8. 263
TOD Tortosa, drei Templer Tor ihn zu bringen, welche nach geschorenem
JBarte, Dnd verlassend ihren Orden, die Flacht ergriffen. Einer von
iiioeo habe, befragt, wie die Professablegung oder der Eintritt in den
Orden geschehe, znr Antwort gegeben, dass er diess weder dem Papste,
lioch einem Andern, sondern nur dem Könige Don Jayme mittheilen
werde. — Am 3. Januar 1308 schrieb der Papst wiederholt dem
Könige, ond ermahnt ihn zum Einschreiten gegen die Templer. Am
23. Januar 1308 richtet der König von Valencia an den Bischof Ray-
mondos Despont von Valencia, welcher sich in Tarragona befand, die Auf-
forderung, an dem Concil Theil zu nehmen, welches damals in Tarra-
gcma gehalten wurde. Der Papst habe zwar befohlen, dass alle Templer
an einem und demselben Tage ergriffen werden sollten. Diesem Ver-
langen habe er nicht entsprechen können, da er vorläufig nur Einige
habe ergreifen lassen. Die Andern hätten Kunde davon erhalten, und
bitten sich in den Castellcn von Miravet, Ascon, Monzon, Cantavieja,
Vilell, Castellot und Chalamera ein- und abgeschlossen; dass er sie
aber mit seiner ganzen Macht angreifen und sich ihrer bemächtigen
wtfde.
§. 19.
Es fand also im Januar 1308 zu Tarragona ein Provincialconcil
statt Es war diess wohl dasselbe, von dem der Verfasser des Werkes
/ort de v4rifier les date$^, nach den Mittheilnngen des Ursin. Durand
schreibt: Concil von Tarraco, unter dem Erzbischofe Wilhelm. Man
^e^ündigte daselbst eine Constitution, welche bis jezt das Licht noch
nicht erblickt hat. Sie besteht aus zwei Artikeln, deren zweiter von
den oben erwähnten Vermächtnissen an die Laien handelt '). — Am
5. December 1307 hatte aber Don Jayme die Bischöfe seines Eeiches
auf den 6. Januar 1308*) nach Valencia berufen; unter den Berufenen
war aber der Generalvicar des Erzbischofs Don Kodrigo. Lezterer
konnte wohl wegen Krankheit nicht mehr berufen werden, und er starb
auch am 16. December 1307. Noch in demselben Monate konnte die
^^aU seines Nachfolgers, des bisherigen Präpositus Wilhelm, erfolgt
sein, nnd am Ende des Monats — unter ihm — eine Synode der
Bischöfe stattfinden, die nach Valencia reisen sollten.
Aber es hat allen Anschein, dass sie nicht dahin reisten. Denn
') l c, p. 227. -^ Aingabe von 1818, Paris, t. III (In S*"), (p. 202) in dem
AWdnütte: Chronologie hUdorique des Conciles.
*) Epifania heisst es bei Villanaeva, V, 181. — Benavides (I, 638) sagt:
^ttefoiiia, ond darnach Hefele (VI, 421): auf den 26. December (1307).
264 Zwölftes Buch. Erstes Kapitel.
am 23. Januar 1308 befindet sich der Bischof von Valencia zn Tarra-
gona, unschlüssig, ob er der dort stattfindenden Synode anwohnen solle.
Der König schreibt ihm, er solle in die Synode eintreten. Die Bischöfe
hatten es aber, schon wegen des weiten Weges, vorgezogen, nicht nach
Valencia zu reisen, und hielten im December 1307 wie im Januar 1308
Versammlungen in Tarragona^).
Der Erzbischof Wilhelm blieb aber länger als ein Jahr „Erwähl-
ter'^. Denn am 7. Januar 1309 schreibt der Papst an Don Jayme 11.,
aus besonderer Gnade wolle er den Bitten des Königs nachgeben, und
die Besezung des erzbischöflichen Stuhles der päpstlichen Provision
vorbehalten. In diesem Falle sei es aber sehr schwierig, da die Suf-
fragane von Tarragona ein Wahlrecht bei der Besezung des erzbischöf-
lichen Stuhles in Anspruch nehmen. Diess ist ein neuer Beweis dafür,
dass besonders die Könige die Besezung der Bisthämer durch päpst-
liche Provision in den Gang brachten, weil sie die Wahl der ihnen
angenehmen Personen leichter bei den Päpsten, als bei den Capiteln
und den Sufi'raganen durchsezten. Die Besezung der Bisthümer durch
Provision der Päpste war der Weg und der Uebergang zu der Be-
sezung der Bisthümer durch die Ernennung der Regenten und Regie-
rungen. „Vom Anfange an aber war es nicht so.''
Wieder schreibt der Papst am 13. Februar 1309 an Don Jayme
von Gaon (Caunes) bei Narbonne aus, er könne jezt den Erzbischoi
nicht bestätigen, und ihm nicht das Pallium senden, da er jezt auf der
Reise, und keine „Räthe^, keine Cardinäle bei ihm seien. Der „Er-
wählte'' möge selbst wegen seiner Bestätigung, Weihe und wegen des
Pallium^s zu dem Papste kommen*). So erfolgte denn die Weihe des
«Erwählten^ erst im Jahre 1309.
§. 20.
In seiner Bulle vom 23. November 1307 hatte der Papst den
Don Jayme zum Einschreiten gegen die Templer aufgefordert'). — In
einem Breve vom 22. Januar 1308 tadelte er denselben sehr scharf,
dass er inzwischen, ohne die Weisung des apostolischen Stuhles abzu-
warten, gegen die Templer vorgeschritten sei^).
') Die (spfitere) Synode von Salamanca dauerte vom 23. November 1380 bis
19. Mai 1381.
') Villantieva, XIX, 193^94. apend, nr. 46-47, p. 315-16.
•) ViUamieva, XIX, ap. 48, p. 317—19, — Benavides, t. II, p. 619—2
(hier ist das Breve fälschlich dem Jahre 1308, statt 1307 zogetheilt).
*) Benavides, II, p. 695,
Die Templer, 1308. 265
Die Templer hatten sich in ihre verschiedenen Bargen, namentlich
lucii MoQzon nnd Miravet, zurückgezogen, nnd einer längeren Belage«
rang Widerstand geleistet Besonders hatten sich der Graf von Urgel,
Dalsiatios de Bocaberti, und Bemard von Villamarin, Bischof von
GeroDft, der Gefangennahme der Templer und der Einziehung ihres
EigentliQins widersezt Wiederholt befahl ihnen der König am 31. Ja-
Daar 1308, seinen Erlassen zu gehorchen und sie auszufuhren *).
Am 17. Februar 1308 sandte der Eonig, welcher immer noch in
Valencia weilte, den Prediger Bruder Paschasius Tholosani als seinen
Gescliafistriger an den König von Frankreich, damit derselbe von den
Verbrechen nnd dem Processe gegen die Templer nähere Kenntniss
Dehme, — Am 16. Mai schrieb der König an Petrus de Queralt, er
möge die im Castell Miravet eingeschlossenen Templer auffordern, sich
dem Gerichte des Inquisitor's zu unterwerfen. Die Templer antworteten,
sie würden bereitwillig sich der Entscheidung des Papstes unterwerfen,
wenn er nach dem Käthe seiner Cardinäle ihren Orden unterdrücke,
Qod ihnen befehle, in einen andern einzutreten; keineswegs aber, wenn
man sie der Kezerei beschuldige; in diesem Falle würden sie es vor-
zieheo, in ihren Castellen zu sterben. Am 18. Juni machte der König
den in Monzon eingeschlossenen Templern gewisse Vorschläge^).
Nach verschiedenen andern Vorgängen und Verhandlungen wand-
ten sich die in Miravet eingeschlossenen Templer am 24. October und
:2. November 1308 an den Papst. Sie seien bereit, auf gesezmässige
Weise sich in Betreff der gegen sie erhobenen Anklagen zu verthei-
i^% Sie wollen ihre festen Pläze dem Papste, aber nicht dem
Könige übergeben, da dieselben kirchliches Eigenthum seien. Am
1^. Novemer stellten sie dem Papste ihre Unschuld, und ihre im
Kampfe für die Religion Jesu Christi erduldeten Leiden vor, wie die
Bosheit ihrer Ankläger, welche, nicht im Stande, die gegen sie er-
bobenen Anklagen zu beweisen, zur Gewalt und zur Folterung ge-
schritteD, und dadurch von einigen Religiösen Geständnisse erpresst
l^eD. Sie bitten, sich in canonischer Form vertheidigen zu
darfcn*).
*) ViQanueva, V, 184. — Benavidea, I, 638.
*) ViUanueoa, F, apend. /, p. 198^200; das Acteostück in catalonischer
Spcadie, welche ans hier zun erstenmal begegnet
^ Pierffore nos et fraires nosiros ut müUes veri eatJiolici christiani per
^^*^,vd aUaSyjuxta canoniccis et legitimae sanctümes, vel alio quocunque
^odo äomno papae videbitur faciendum.
*) YiUanuecOy F, 185-^7. — Benavides, II, 616—18. Benavides theilt
^ baden Schreiben (an den Papst) mit unter dem Datnm des 18. und 28. Octobers,
*^ Diten sich auch bei Hefele (VI, 421 -:22) finden.
266 Zwölftes Buch. Erstes Kapitel.
Es scheint, dass sich die Templer in Miravet vor dem 19. De-
cember 1308 dem Konige ergeben haben. An diesem Tage befand sich
der Konig in Epila (bei Zaragoza), und verlangte, dass man ihm zwei
Bände der Bibel, und andere in dem Castell Miravet gcfandene Bacher
bringe ').
§. 21.
Am 30. December schrieb Clemens V. auf's Neue an den Konig,
Jahr indem er ihm wieder die Verhaftung der Templer einschärfte^ welche
ihren Ordinarien übergeben werden sollen, um gerichtet zu werden« Am
4. Januar 1309 schrieb er an den (erwählten?') Erzbischof von Tar-
ragona und seine Sufiragane und die Aebte, dass die Templer gebeten
haben, ihre Burgen und Güter dem Papste übergeben zu dürfen. Er
habe nun den Prior Bertrand von Cassiano') zu diesem Geschäfte ab-
gesandt, welchen die Bischöfe hierin unterstüzen möchten^). Am 6. Ja-
nuar 1309 schrieb er einen Brief gleichen Inhalts an den Konig. So-
bald Bertrand die Schlösser und Güter der Templer übernommen, werde
er dieselben dem Könige einhändigen, „damit dieser sie im Namen des
apostolischen Stuhles^ besässe^). Gleichzeitig — 5. Januar — schrieb
er an die Templer selbst, und an den Prior von Cassiano Briefe ähn-
lichen Inhalts. Am 7. Januar beauftragt er seinen Nuntius, den Prior
von Cassiano, dass er sowohl die Templer, als deren bewegliche und
unbewegliche Güter im Namen des Papstes dem Könige Don Jayme IL
übergebe, damit er dieselben bewahre, bis der heilige Stuhl weiter
darüber verfügen werde. Ueber die Empfangnahme möge der König
eine Bescheinigung unter seinem Siegel ausstellen^. •
Aus einem Schreiben vom 24. Januar geht hervor, dass damals
nur noch das Schloss von Monzon mit dem kleinen Fort von Chala-
mera in der Hand der Templer waren. Aus einem Erlass an den Bailli
von Lerida vom 4. März erhellt, mit welchem Widerstreben die Ein-
wohner dieser Stadt und anderer Orte an die Belagerung der Burg
Monzon giengen. Die Uebergabe selbst erfolgte am Ende des Juni
1309.
Bruder Raymund Zaguardia war Generalstatthalter des Meisters
0 Praeterea mittatis nobis iUud ferrum lanceae , quod fuU comMs Bar-
chinonae quodquey sicvt intelleximus, in dicto Castro inveiUum ett
*) Das Breve — ap. BeriavideSy II, 628,
*) Cassan bei Bözien.
*) Benavides, II, 629-30.
') Villanueva, F, 188-89. — Benavides, I, 638; II, 629 S2.
■) Bemvides, II, 632-^33.
0 Vmanueoa, 7, 189^190.
*} Don Jayme II. mnsste im Januar 1310 auf die Belagerung Almeria*8, das
er lebon betnabe in Händen hatte, verzichten, weil er von den Caatilianern im Stiche
S^Iuaen wurde.
*) Die Baue, ap, Benavides, II, ßW—ßJöf aus dem ^Bvlario del archivo
^dtla Corona de Aragon,'^
1310.
Die Templer, 1310. 267
der Templer in Amgonien und Cfttalonien. Er wurde in Miravet er-
grifin, und nach Lierida geführt, von da wieder nach Miravet, und
znlezt nach Barcelona gebracht. Dort bat er den Papst um^ die Er-
laobniss, nach Mallorca gefuhrt zu werden, wo er früher Commendator
gewesen. Seiner Bitte vom 7. Juni entsprach der Papst durch seine
Antwort aus Avignon vom 8. August^).
§. 22.
Am 30. März 1310 sandte Don Jayme II. den Pedro Esplugues (de
Spcloneis) als seinen Bevollmächtigten an den Papst. Der Erzbischof J«hr
TOD Tarragona und der Bischof von Valencia waren von dem Papst
ils Sammler aller Giiter der Templer des Königreichs Aragonien auf-
gestellt, und nachdem dieselben von der Belagerung von Almeria zurück-
gekehrt*), seien sie in den Konig gedrungen, dass derselbe ihnen die
Borgen und Güter der Templer übergebe. Ihnen habe der König ge-
antwortet, ein grosser Theil der Güter sei Eigenthum der Krone selbst,
und sei den Templern unter gewissen Bedingungen übergeben worden.
Er selbst habe viele personliche Opfer bei der Belagerung von Monzon,
Uiravetund anderer Burgen gebracht. Er werde also diese Güter in sei-
nen Händen behalten, bis der Papst mit dem Concile, welches er (nach
Vieune) berufen. Weiteres anordne. Solches legt er dem Papste zur
Erwigong vor, indem er sich bereit erklärt, alle Güter des Ordens,
venu derselbe aufgehoben würde, auszuliefeiii, mit Vorbehalt seines
Rechtes und seiner Landeshoheit.
Schon am 12. August des Jahres 1308 hatte Clemens V. von Poi-
tiers ans dem Konige Don Jayme (wie allen anderen Fürsten) seinen
Eotfichlass mitgetheilt, am 1« October 1310 zu Vienne ein allgemeines
Concil zu versammeln, um in demselben über die Anklagen gegen die
Tempelherren, über die Wiedereroberung des heiligen Landes, und an-
dere for den katholischen Glauben und die gute Ordnung der Kirchen
nicht weniger wichtige Puncte zu verhandeln. Er bittet und ladet den
König dringend ein, der Synode persönlich anzuwohnen, und Andere
mm Besuche derselben zu vermögen'). Am 4. April 1310 schrieb er
dem Könige von Avignon aus, dass die Untersuchungen, welche in den
verschiedenen Ländern gegen den Orden der Templer und die einzelnen
268 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
Mitglieder desselben anhängig gemacht worden, noch nicht zn Ende ge»
fuhrt seien. Ans diesem und anderen Gründen könne das Concil am
1. October des Jahres 1310 noch nicht eröfifnet werden, und es wird
auf den 1. October 1311 verschoben') Der Eonig wird aufs Nene
ersucht, personlich zu erscheinen.
Am 5. Juli 1310 ergieng von Daroca aus ein strenger Befehl des
Königs an alle Bailli's des Reichs, dass die Ge&ngenschaft der Templer
verschärft, und sie hinter Gittern verwahrt werden sollten, wie es die
Inquisitoren des heiligen Stuhles verlangten; es sollte diess an einem
und demselben Tage, dem Feste der heiligen Magdalena, geschehen').
§• 23.
Im Anfange des October 1310 wurde ein Provincialconcil n
Concu Tarrago gehalten, von dem wir nur dürftige Kenntniss haben. Dasselbe
1910^ ^^^ ^^^ König, da ein Urtheil über die Templer noch nicht gefällt
worden, und ihre Verbrechen noch nicht erwiesen seien, möge er die-
selben zwar in sichere, aber nicht in peinliche Haft sezen. Die Synode
scheint aber längere Zeit gedauert zu haben. Denn am 18. December
stellte Don Jayme U. an die ,^in Tarragona versammelten Prälaten'
eine Bitte um Unterstiizung für den Krieg gegen die Ungläubigen').
Am 20. October erliess der König von Barcelona aus den Befehl,
dass das Verfahren gegen die Templer gemildert werden, dass sie
innerhalb der Schlösser freie Bewegung haben sollten^ nachdem sie
eidlich versprochen, dass sie die Flucht nicht ergreifen würden; denn
sonst würden sie als Kezer betrachtet und behandelt werden. Der
König sagt, dass er dieses auf Bitten des eben zu Tarragona versam-
melten Concil's anordne.
Die Milderung des Verfahrens dauerte nur kurze Zeit. Am 18. Mars
131 1 schrieb der Papst von Avignon aus an Don Jayme, der Erzbiscbof
Jahr von Tarragona, der Bischof von Valencia und die anderen, welche mit
der Untersuchung gegen die Templer beauftragt gewesen, hätten die*
selben nicht überweisen können; das Ergebniss der Untersuchung sei
nur ein heftiger Verdacht gegen sie gewesen. Der Papst befehle
nun, dass man zu der Anwendung der Foltern gegen sie übergebe,
') Harduin, VII, 1334. - Vülanueva, V, 191. — Benavides, Memoriai,
II, 732.
•) Vülanueva, V, 192. — Benavides, /, 638.
') Mansi, XXV, 515. (Havemann, Geschichte des Aasgang's des Tempel*
herrenordens, 8. 826.) — Villanueva, XIX, 194. — Benavides, I, 638.
l
Process gegen die Templer, I3ll. 269
Dod er bittet den König, dass er diesen Entschluss des Papstes unter-
ftoze und fordere^).
Am 5. Mai 1311 schrieb der König von Morella aus an den Erz-
biscbof, da die Angelegenheit der Templer in dem lezten Provinzial-
ooDcil nicht entschieden worden sei, so möge sich das nächste Provin-
culconcil damit befassen. Am 16. Angnst ergieng von Barcelona aus
ein neuer Befehl , die Templer hinter Gittern einzuschliessen , und ihre
Haft xa verschärfen*).
§. 24.
Wegen der Einziehung und Verwendung der Güter des Templer-
ordens entstanden Differenzen zwischen dem Papste und den Königen
Ton Castilien, Aragonien und Portugal, welche hierin ein gemeinschaft-
lidies Interesse vereinigte. Don Jayme schrieb am 17. August von
Barcelona ans an seinen „Bruder", den König Ferdinand lY. von
Castilien (in catalanischem Dialect), er habe den Brief des Lezteren in
Betreff der Forderung des Papstes über die Güter der Templer erhal-
ten. Desswegen hatten die Könige von Portugal und Castilien den
Enbisdiof von Braga als ihren Bevollmächtigten an den Papst ges^dt^,
cad sie bitten den König Don Jayme, sich an ihre Schritte anzn-
idiliesfien, damit der Papst erkenne, dass alle drei Könige in ihren
Intentionen einig seien. Don Jayme ist Willens, seine Gesandten mit
den glichen Auftragen an den Papst zu senden. Ja, vor Empfang
seines Briefes sei er diess zu thun entschlossen gewesen , wegen der
Templer sowohl, als wegen anderer Anliegen. Möge nur der Erzbischof
Tcn Bnga ihre Interessen gut verfechten, damit der Papst und sein
aginzer Hof^ sich überzeuge, dass sie „drei einige Könige'^ gegen sich
U)en. Er selbst sendet einen „reichen Mann"^) und einen „Cavalier^.
£r meint, es wäre auch besser gewesen, wenn die zwei andern Könige
^inen oder mehrere Laien abgesandt hatten, auf die man sich in solchen
C<ttiiikten besser verlassen könne').
suchte der Papst die Zuwendung der Güter der Templer
*) Vükumeva, F, X93. Das Brevo — ap. Benamdes, II, p. 788—89. —
%mU., im$L 1311, itr. 53.
*) Dieser Anssog der Briefe ap. ViUanueva, V, 193.
*i 9obn la quäl ü rey de Portugal e vo$ enviades aüd oZ papa d aree*
^^deBragamou
^ üd»er den Stand nnd die Stellang eines ^richombre* handelt ansführlich
^ AI Sdaidty Geseh. Aiagon«, S. 381— Bl. Die richi Jiomines, richea komineSf
^^^ iombfti — sind diei spätem Barone, und noch spätem „Nobles*.
") Der Brief ^ ap. YHlanueva, V, apendice V, p. 206-^7.
270 Zwölftes Baeh. Entes Kapitel.
an den Orden der Johanniter darchzosezen. Er schrieb am 23. Augast
1311 ans dem Priorate von Gransello — im Bisthnme Vaison — an
Don Jayme IL; er citirt den Konig yor sich, damit er ihm die Grunde
Qflter darlege, ans welchen er nicht zulassen wolle, dass die Guter der Tem-
Tem. P'^' ^^^ denen der Johanniter vereinigt würden, wie diess doch in an-
p!er. dem Gegenden geschehen sei^). Don Jayme machte keine Miene, der
Citation Folge zu geben. Es scheint aber, dass er den Papst dadurch
zu beschwichtigen hoAe, dass er noch grossere Härten gegen die
Templer in Anwendung brachte. Er befand sich am 29. September za
Gerona, wo er den Umbert Cappont, Doctor der Rechte und Richter,
beauftragte, dem Processe und der Sentenz gegen die Templer anzu-
wohnen, welche die Bischöfe von Lerida nnd Vieh aussprechen würden
in Verbindung mit den Inquisitoren „Bruder'' Petrus von Monclns und
„Bruder^ Johann Llotger, die der Papst an der Stelle des Erzbiscbofes
Ton Tarragona und des Bischofes von Valencia als Richter eingesezt
hatte. Vielleicht hatten Leztere selbst um Enthebung gebeten. Man
hatte die Templer nach Lerida zum Gerichte und zur Anwendung „der
Foltern' gebracht. Dass aber „scharfe Foltern" angewendet wurden,
FoitOTB geht aus einem Befehl des Königs vom 3. December 1311 hervor. Es
dTüiri^ sollten den Templern die Arzneien gereicht werden, deren sie be-
ben, dürften, sei es wegen Krankheit, oder wegen Entkräftung dorch „die
Foltern«.
Am 20. Februar 1312 schrieb der Papst von Avignon*) aus
wieder an Don Jayme II. in Sachen der Templer. Der Konig solle
aus den Gütern der Templer den taglichen Betragt) von vier Gold-
gulden an den Sacristan von Mällorca, Johannes Burgundi, aus-
bezahlen lassen, welcher wegen Untersuchung der Verbrechen der
Templer nach Aragonien und Navarra gesandt worden sei. Der Erz-
bischof von Tarragona und der Bischof von Valencia müssen diese
Diäten bezahlen*).
•) ViUanueva, V, 193.
*) Aber der Papst war seit October 1311 in Vienne, and am 2. MSrz 1313
war er noch (oder wieder?) daselbst
*} la dieta,
*) Die Acienstflcke vom 23. Angnst 1311 an sind bei ViUanneva nor citiit,
Y, 193*>95, nicht in extenso mitgetheilt.
Synoden sn Tamgona, 1312. 271
§* 25.
Endlich fällt in diese dankein Wirmisse der Zeiten, in welchen
dk bissHche Seele des Königs Philipp des Schonen den Papst, die
Bischöfe und die übrigen Könige gegen die unglücklichen Templer
ftolastaclieln nicht müde wurde, ein heiterer Lichtstrahl; es sind die
SfDoden, welche in Angelegenheiten der Templer (zu Salamanca im
October 1310), za Tarragona im März und October des Jahres 1312
gehalten wurden. Der Erzbischof Wilhelm hatte den König gebeten^
dtfs er die Templer vom 1. bis 15. März nach Tarragona bringen
ks6cn möge, weil das Concil daselbst nicht weiter verschoben werden
konnte. So gab denn der König Allen, in deren Verwahrung sich
Tempelherren befanden, den Auftrag, dieselben nach Tarragona zu dem
CoDcil zu bringen^ „das eben jezt daselbst gehalten wird^ '). Aber erst
ui 4. November 1312 wurde die Entscheidung der Synode zu Gunsten
der Templer verkündigt. Es ist nicht deutlich, ob und welche Ver-
bandlongen im Monate März über sie gepflogen wurden.
§. 26.
Die allgemeine Synode zu Vienne war am 16. October 1311
dorch Oemena V. eröffnet worden. Die zweite Sizung fand aber erst
m 3. April 1312 statt Die Angelegenheit der Templer war Ursache
dieser langen Verzögerung. Der Papst, die Cardinäle und die Bischöfe
harnten sich nicht überzeugen, dass die Verbrechen, die dem Orden
Torgeworfen worden, juridisch bewiesen seien, und dass desswegen der
gioie Orden aufgehoben werden dürfe. Da der „Processi gegen die
Templer za stocken schien, erschien Philipp der Schöne im Februar
1312 mit grossem, armeeartigem Gefolge vor Vienne, um einen „mora-
ladhen DrudiL* auf P^>st und Synode auszuüben. Am 2. März schrieb
er an den Papst, dass die Untersuchung die Eezereien und Verbrechen
der TeoijJer erwiesen habe. Darum, „und weil ein heiliger Eifer für
den vihren Gbnbea Uns treibt, flehen wir andringend und demüthig
tun die Vernichtung des Ordens, dessen Besizthum einem andern
Ritterorden zugewendet werden mag''.
Die Aufhebung des Ordens wurde am 22. März im geheimen
Consistorium verkündigt. Am 3. April erst wurde die Sentenz in
*) qm>d ibidem nunc eelebratur, Villanueva, F, 196.
272 Zwölftes Bach. Eretcs Kapitel
feierlicher Sizung, in Gegenwart Philipp's des Schonen nnd seiner drd
Sohne, promulgirt. Die Aufhebungsbulle vom 22. Harz 1312 erklart,
v^""m dass der Papst den Orden nicht „per modum deßnitivae senteniia^,
Mära sondern „per modum proviaionis seu ordinationis apostoltcae^y nicht aaf
^^^^' dem Wege der definitiven Entscheidung aus Rechtsgrunden , eondero
aus fürsorglicher Bücksicht auf das allgemeine Wohl, nnd mittelst
päpstlicher Verordnung aufhebe. Der Orden wird nicht vemrtheilt,
weil seine Verbrechen nicht erwiesen sind, sondern er wird aofgehobea,
weil der Orden wegen Häresie in üblem Rufe stehe, weil der Gross-
meister und viele Mitglieder Geständnisse, lautend auf Häresie, abge-
legt, weil der Orden bei Königen und Prälaten sehr verhasst sei, und
ihn kein Rechtschaffener vertheidigen wolle, weil er unnüz geworden
sei für das heilige Land, und weil durch Verschiebung der Sentenz
seine Güter (für das heilige Land) verloren gehen konnten.
§. 27.
Die Aufhebungsbulle „Vox in excdso audifa est lameniationir'
war verloren gegangen. Die spätere Bulle vom 2. Mai über die Ver-
wendung der Besizungen des Ordens „Ad promdam" wurde für die
Wieder. Aufhe\)ungsbulle selbst gehalten. Die Bulle vom 22. März fimd
*dang' ^' Carcsmar in dem Archiv des Archipresbjrterat's von Ager').
deraei- Später fand J. Villanueva eine andere Abschrift der Bulle in dem
^ königlichen Archive zu Barcelona, welche die gewünschte Anthentität
gewährt. Sie ist enthalten in dem Buche: „Regestrum tempUiriorttmf.
Villanueva liess dieselbe zum ersten Male in dem fünften Bande seines
„Viage literario^j seiner wissenschaftlichen Reise zu den Kirchen von
Spanien, Madrid 1806, abdrucken *)• Daraus entnahm die Bnlle Anton
Benavides, und liess sie in den Documenten zu seinen „Denkwiirdig-
keiten des Königs Ferdinand IV. von Castilien^ im Jahre 1860 ab-
drucken. —
Diesseits der Pyrenäen aber war dieselbe, so weit ich beortheilen
kann, vor dem Jahre 1865 nicht bekannt^ oder wurde vielmehr nicht
beachtet Als ich im März und April 1865 in Barcelona weilte, undl
auch das Archiv „der Krone von Aragon^ besuchte , zeigte mir der!
') Er handelt davon in seinem ^Diseurso in Semanario emdUo^^ L VII»
(Madrid, 1784-91, 34 voll. — 4*.)
*) f. T, apend. VL BüUa extinciionia templariorum a Clemenie in oor-
ct7io Vimnerm peraeta die 22 Martii anno 1312. Ex arch. reg. BareMn. re-
gest, templariorum, fol. 33, p. 207-^8^221. Darana ist sie wieder gedmekt in
den ^Memorias del rey D. Fernando IV de CaetiUa^, Madr. 1860, t II,
p. 836-'841. •
Aufhcbangsbiille. 273
ArdimrMan.Bofanill die zahlreichen im Originale daselbst vorhandenen
pipsdichen Ballen, darunter auch die Bullen Clemens V., und machte
midi aofineriEsam, dass die Bulle vom 22. März 1312 in dem Werke
J. Vilhnoeva^s gedruckt sei.
UoTerzuglich sezte ich am 12. April 1865 meinen verehrten Lehrer,
Dr. J. Hefele, damals in Tübingen, davon in Kenntniss, welcher die
Bolle in der „Theologischen Quartalschriil'' vom Jahre 1866 abdrucken
Hess, Dadurch wurde sie in weitern Kreisen diesseits der Pyrenäen
bebnnt *)•
') Am 28. Mmi 18G5 kehrte ich ans Spanien nach Manchen zarQck. In den
BeriMtferieD 1865 kam Dr. Hefele von einer Ferienreise nach Mfinchen, gerade da-
■tb ndt der Geschichte der Synode von Vienne and der Aufhebung der Templer
besdiiftigt P. Aegidlas Hennemann vom Kloster Set. Bonifaz besorgte für ihn
ene Abichrift der mehrerwShnten Balle aas dem Werke Villanneva's, welche
Dr. Hefele in dem rrsten Hefte der Theolog. Qnartalschrift, 186G, p. 63^76, mit-
tkiire. — Eine andere damit zasammenhSngende Bulle vom 6. Mai 1312, welche
Ol Biywüdos nur im Aaszage mitgetheilt hat: ^Äd Certitadinem'^ — hat Dr. He-
feie ebeadaaelbst ans dem Werke Villanueva^s abdrucken lassen (Villanueva, V,
<xp, Fü, p. 221^24 — aus dem „Regestrum Templariorum^, Fol. 35. Qaartal-
Mirift, 1866, p. 80—84). — Die dritte und lezte Sizung des Concirs von Vienne
wde am 6. Mal gehalten, von welchem Tage die leztere Bulle datirt ist.
Au der ,Tfib. Theol. Qnartalschrift^ gieng die AufhebungsbuUe Aber in die
diuk in Born erscheinende französische Zeitschrift „Correspondance de Rome**, aus
teiehersie der Pariser „Le Monde" (und ,,l*Univer8''} in ihre Spalten herübemahmen.
5eiitdem nahm die «Civiltii cattolica' die Bulle auf. Diese Zeitschriften hoben mit
Kididrack hervor, dass der heilige Stuhl und die Synode über die Templer kein
^e&itiTes Urtheil gefUlt haben. So ist die Bulle in Deutochhind, Italien und
Fmkreidi, wohl anch in England bekannt geworden es. auch Theol. Uteraturblatf,
Bgqb, 1866, p. 119).
Der Archivero Manuel Bofarull hat auf meine diessfallsige Frage seine ücber-
zeogiDg ansgesproclien , dass, nachdem J. Villanueva mehrere Jahre in jenem Ar-
ehireillei dnrchforacht habe, spätere Forscher kaum 'mehr Bedeutendes entdecken
*^nka. Er schien der Meinung zu sein, dass das Archiv von Ager dem der Krone
«T<n Aragon" einverleibt worden sei* Villanueva selbst aber scheint zwei verscbie-
^ Abaehriflea der Bulle vom 22. März 1312 anzunehmen, die, welche P. Caresmar
h A^ &Dd, xmd die, welche er selbst aus dem „Regiatrum Templariomm*^ mit-
Mt Danach ist zu berichtigen, was ich in Möhler's Kirchengeschichte* Bd. II,
1^1 p. 488 sage, wo ich auch die Bulle fllschlich: „Vox clamantü'^j statt: „Vox
« eierfio» citire.
ef. .(Sviltä cattolica*', 18. August und September 1866. — „Correspondance
de Rom«-, September 1F6C. — „Le Monde", 11., 24., 30. September 1866. — „Ar-
^v« thtelogiqiiea de Besan^on", 1866, u. m. a.
^•«•i «PAB. Kirch«. lU. 1. 18
274 Zwomes Buch. Erstes Kapitel.
§. 28.
Durch die Bulle vom 2. Mai 1312 ivurden die Güter der Templer
dem Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem für alle Zeiten
einverleibt. Diesem Orden wurde das Haupthaus der Templer, ihre
Häuser, Kirchen, Capellen, Städte, Burgen, ihre Hechte, JurisdictioDen,
u. a., ihr Eigenthum jenseits und diesseits des Meeres übergeben, wie
sie es im October 1308 besassen^). Ausgenommen davon sind nor die
Güter der Templer, welche in den Besizungen der Könige von Porta-
gal, Castilien, Äragonien und Majorca liegen, über welche zu verfugen
sich der Papst vorbehalten hat*).
In der Bulle vom 6. Mai 1312 bezeichnet der Papst diejenigen
Templer, welche er seinem eignen Urtheile unterstellt; die Uebrigen
nie sollen von den Provincialsynoden der einzelnen Länder gerichtet wer-
T^mJi ^®^' ^^^ ^® unschuldig Erklärten sollen aus den Ordensgütem einen
1812. anständigen Unterhalt empfangen, die sich als schuldig bekannt, sollen
mitleidig behandelt, nur gegen die Trozigen und Rückfälligen solle
Strenge angewendet werden. Sämmtliche flüchtige Templer sollen sich
in Jahresfrist vor ihrem Bischöfe stellen^ und den Provincialsynoden
zum Urtheil übergeben werden. Denen, die sich unterwerfen, soll all
Wohnung ein Haus der Templer, oder ein Kloster, auf Kosten des
Ordens, angewiesen werden. Alle noch gefangenen Templer müssen
auf Verlangen ihrer Bischöfe oder des Metropoliten freigelassen werden.
Die Templer aber, die sich in der bestimmten Zeit nicht stellen, soUen
excommunicirt, und im Falle der Hartnäckigkeit nach einem Jahre als
Kezer behandelt werden« Auch diese Bulle war früher nur theilwebe
bekannt J. Yillanueva hat sie zum erstenmal vollständig aus dem
Archive „der £[rone von Aragon^ mitgetheilt').
Der König Don Jayme II. war keineswegs damit einverstanden,
dass der Papst sich die Verfügung über die Güter der Templer iu
seinem Reiche vorbehalten habe. Er schrieb darum am 12. Juli 1312
von Barcelona aus an den Konig Dionysius von Portugal, der Eonig
*) Thatsächlich behielt Philipp der Schöne die Güter des Ordens nnter dem
Verwände, die Templer hStten ihm 200,000 im Temple deponirte Livrea geatoWea.
Erst unter dem folgenden Könige gelangten diese Gfiter znm Theil in den Besiz der
Johanniter.
•) Bxovius, armales, ad ann. 1312, nr. 2. — Harduin, VII, 1S40. -
Afansi, 25, 389.
•) Regtstrum Templariorum, c 35. — ap. ViUanueva, F, 221-24 (cf,
j>. 196). — Darnach erschien sie bei Ant Benavides, Memarias etc., IL 855^57
(»t/W«, VI, 4G^71).
i^
Concil zu Tarragona, October, November 1312. 275
Ferdinand IV. Ton Castilien habe ihn aufgefordert, mit ihm und dem »^q
Kooig von Portugal ein gleiches Verfahren festzustellen, um ihr Recht u^^^d
anf diese Guter zur Geltung zu bringen. Er werde den König von ^>« ö»-
Portogal von den weiteren Schritten des Papstes in Eenntniss sezen, ^^J^^
Qod er bitte ihn um dasselbe '). ler
§. 29.
Die auf den März 1312 nach Tarragona berufene Synode scheint
damals nicht stattgefunden zu haben. Die Synode sollte jezt am
18. October eroffiaet werden.
Wie Clemens V. es vorgeschrieben hatte, sollten die Templer
von dem Concil gerichtet werden. Darum erliess Don Jayme II. zu
Icridi am 7. October den Befehl, dass auf Verlangen des Erzbischofs
alle gefangenen Templer nach Barberä oder Montblanc, bei Tarragona,
gebracht werden sollten. Neben dem Erzbischof Wilhelm waren zu-
gegen der Dominicaner Raymund Despont, Bischof von Valencia, der
schon am 13. November 1312 starb, Ximenes von Zaragoza, Martin
Lopez von Huesca, Berengar von Vieh, und Franc, de Paholaco, Bi-
9d»f von Tortosa. Nach einer strengen Untersuchung konnte die Sy- Die
Bodc die Templer weder eines Verbrechens , noch einer Irrlehre über- Tempior
weisen. Am 4. November verkündigte Arnaldus Cescomes^), Kanonicus ragooa
TOQ Barcelona, das Urtheil. Alle Templer wurden als völlig unschuldig ^o^«™'
Ton allai gegen sie erhobenen Anklagen erklärt. Niemand dürfe sie froige-
in Vcrrof bringen. •p'***
Da nun aber der Papst die Aufhebung des Ordens beschlossen
ond befohlen hatte, und die Synode daran nichts ändern konnte, befahl
sie, dass den Templern in den Bisthümem, in welchen sie Güter oder
Einkünfte hätten, auf und aus denselben Wohnung und Nahrung ge-
geben werde, dass Alle unter der besonderen Aufsicht ihres Bischofs
iteboi, wo sie sich ruhig verhalten sollten, bis der Papst über ihr wei-
tos Schicksal entschieden hätte.
Am 26. November desselben Jahres gab der König von Ekea aus
demBertranDesrall (oderZavall) den Auftrag, dass er die Anordnungen
i^ Condl^s über die Vertheilung und den Unterhalt der Templer zur
*) Viüanueoa, F, 22S^26. — Er erkundigt sich in dem Briefe auch nach
^em Befiaden seiner «thenren Schwester^ (der heiligen Elisabeth von Portugal), der
^^«MUin des Königs.
*) Spiter selbst Erabischof von Tarragona.
18*
276 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
AusfubniDg bringe, and streng Tcrbiete, dass die Templer Ton einem
Orte znm andern ziehen').
In dieser Lage blieben die Templer bis zam Jahre 1331, bis
Papst Johannes XXII. denselben gestattete, in andere Orden ein-
zutreten.
net.
§. 30.
Erzbischof Wilhelm starb zu San Didier im Bisthnme Magnelone
am 25. Februar 1315*). Sein Nachfolger, Jymen (Ximenes) von Luna,
Uiebof war Forher Bischof von Zaragoza. Das Capitel hatte den Don Jayme
zime- y^Q Aragon, Sohn des Königs Jayme II., als Erzbischof postnlirt.
Papst Johannes XXII. verwarf durch Breve vom 15. December 1316
von Avignon aus diese Wahl wegen zarten Alters des Erwählten. ,,Es
möge der Jüngling, schreibt der Papst an Don Jayme IL, bis zu vor-
gerückterem Alter unter dem Scheffel verborgen bleiben, und (etwas)
lernen, .damit er seiner Zeit auf den Leuchter gestellt werden könne.
„Wir jedenfalls werden uns über seine Fortschritte freuen, und dann
zu seiner Beförderung gern bereit sein.^ — Dagegen möge ihm der
König drei oder mehrere Männer bezeichnen, aus denen dann der
'Papst den Erzbischof erwählen würde*). Auf diesem Wege wurde,
wie es scheint, Don Ximenes Erzbischof von Tarraco.
Schon am 22. Februar 1317 hielt Ximenes (auch Simon oder
Jymen genannt) ein Concil zu Tarraco. Es war dieses die erste unter
Papst Johannes XXII. gehaltene Synode. Der Eingang laiutet: *„Im
V.1S17, Jahre des Herrn 1317, an einem Mittwoche den 22. Februar, haben
ihraEin- -^j^ Eximiuus, durch Gottes Erbarmen Erzbischof der heili^^en Kirche
von Tarragona, in dieser Stadt ein Provinzialconcil gefeiert, in Gegen-
wart unserer ehrwürdigen Brüder, Martinus (Oscavio IV, Franciscaners?)
von Hucsca, Berengar (de Guardia) von Vieh, des „Bruders" Raymnnd
(de Trebaylla, Benedictiner's) von Urgel, Wilhelm's (de Villamarin) von
Gerona, des „Bruders^ Wilhelm (de Aranyö, vom Predigerorden) von
Lerida, Berengar*s (de Prats) von Tortosa^ und des Petrus (Aman de
Ihre Be- ^orres) vou Tarazoua, der Procnratoren der Bischöfe von Zaragoza,
•ehmne Pamplona, Calahorra, Valencia und Barcelona u. a,, nach reifer Bera-
thung zur Verbesserung des kirchlichen Lebens in der ganzen Provinz
') Aguirre-Catalani, V, 233-34. — Mansi, t. 26, p. 615^17 ( Vülanueva,
V, IBß'-O?; XIX, 195 --98. Benavides, /, 639). - Tejada, HI, 447-^52.
') Vülanueva, t XIX, 198-^99.
') Die Balle ap. VilUmueva, L XIX, ap. 52, p. 328-'30.
ConcU YOD 1317. 277
die GoBstitntionen aller unserer Vorganger bestätigt, und unter Zustim-
iDODg des Concils verordnet:
1) Begoinen beiderlei Geschlechts ') sollen nicht in Gemeinschaft
Itbeo, keine besondere Kleidung tragen, und keine besondern Conven-
tikel zum Predigen oder zum Beten halten. 2) Ausser den Gebet-
bachern dürfen sie keine in der Volkssprache geschriebenen theologi-
schen Bächer besizen*). 3) Die Mitglieder des dritten Ordens des
heiligen Franciscns dürfen nicht beisammen wohnen, ausser soweit es .
ihoen Papst Nicolaas III. gestattet hat. Sie dürfen keine theologischen
Bücher in der Volkasprache besizen, nicht predigen, lehren oder etwas
rtpeüren über den Glauben, ausser in den Kirchen, wie es andern
gläubigen Laien gestattet ist. 4) Niemand darf von einem Mädchen
ein Gclnbde der Keuschheit abnehmen, mit Ausnahme derer, welchen
es Ton Rechtswegen gestattet ist. 5) Kein Prälat oder Cleriker darf
die Güter seines Amtes oder Beneficium's unter dem königlichen Siegel
hekisten, bei Strafe der Ausschliessung durch die That selbst. 6) Die
Kanoniker und Beneficiaten, die nicht Priester sind, müssen wenigstens
Tveimal im Jahre communiciren. Die Rectoren der Kirchen und andere
Priester sollen wenigstens dreimal im Jahre celebriren* 7) Die Cleriker
(oilen die Tonsur und kirchliche Kleider tragen, und sich eines kirch-
lichea Wandels befleissen.
Tejada, der von den Spaniern zuerst diese Canones mittheilt, sagt,
iiu sie uns eine „vortheilhafte Idee^ von der Beobachtung der kirch-
lichen Disciplin in der Provinz Tarraco geben, was wir doch mit Rück-
eicht aaf Canones ö und 6 bezweifeln möchten. Die Acten unserer
Synode hat zuerst Edm. Martene') mitgetheilt, daraus sind sie in die
beiden Conciliensammlungen von D. Mansi übergegangen*), woraus sie
im Jahre 1859 Tejada in die Sammlung seiner spanischen Con-
cllien aufnahm^). Die anderen spanischen Historiker haben von
ihnen nichts gewusst Aus diesen Acten ergeben sich einige Berich-
tigoDgen in der Geschichte der spanischen Bisthümer. Villanueva sagt, serich-
das8 der Erzbischof Ximenes als solcher erst am 26. Juli 1317 genannt *'^"s'''^
werde. £, „ose nunmehr gesagt werden, dass er schon am 22. Februar :Z^
1317 ernannt war. Nach Vicente de la Fuente kommt der Bischof ®^°°^''-
*) btguini el b^guinae.
') libros ihealogieos in vtdgari.
*i Väerum scriptorum et monumentorum amplissima Collectio, 9 t. /*.,
^<?m 1724^39, in L VII, p. 305, ans einem Codex Colhertinus.
*) Mansi, Ad Condlia Veneto-Txibbeana Supplementum, L III, Lucae,
^^•^0. p. 397^400, und dmcUiarum nova et ampliss, Collectio, t 25, p, 627^
^ (Htfek, VI, 526).
') T^ada, III, 473-476.
278 Zwölftes Bncb. Erstes Kapitel.
Petras Aman de Torres von Tarazona zum erstenmal am 13, Decem-
ber 1318 vor. Es muss nunmehr gesagt werden, dass er schon am
22. Februar 1317 erscheint, während sein Vorgänger Michael zum
leztenmal am 11. November J316 erwähnt wird. Am bedeutendsten
ist die Berichtigung bei den Bischöfen von Huesca. Dort folgten zwei
Bischöfe, Martin UI. und Martin IV. aufeinander, von welchen der lez-
tere Franziscaner war. Nach den Geschichtschreibern dieses Bisthums,
Don Aynsa und Ramon de Huesca, starb Martin III. nach dem
29. März 1313*), während sein Nachfolger Martin IV. Oscavio schon
im Jahre 1313 vorkommt. Aber in unserer Synode werden die Bischöfe
unbestreitbar nach der Zeit ihrer Weihe genannt. Martin wird zuerst
genannt, also war er der Aclteste der Weihe nach. Er wird nicht
„Bruder" genannt, also war er auch nicht Franciscaner. Man wird
nunmehr sagen müssen, Martin III. starb nach dem 22. Februar 1317,
und dann erst, vielleicht in demselben Jahre, folgte Martin IV. ^)
§. 31.
Der Erzbischof Ximenes hielt schon im Jahre 1318 sein zweites
coDcii Concil. Wir haben die einzige Nachricht darüber aus Martin Carrillo^s
^* "^ ^ „Catalog der Bischöfe von Zaragoza", welcher sagt, dass Ximenes
dieses Concil in dem Jahre seiner Erwählung gehalten habe. Carrillo
kann hier aber das Jahr 1318 ftait dem Jahr 1317 verwechseln*). —
Tejada nimmt ein Concil im Jahre 1317, und ein zweites im Jahre
1318 an, und bedauert den Verlust der Acten des lezteren. Ebenso
nimmt Villanueva zwei Concilien an, indem er sagt: Wenige Tage,
nachdem Ximenes Besiz ergriffen von dem Erzbisthume, berief er ein
Concil zusammen, ein anderes fand früher statt*).
coneu ^™ ^^ sicherer ist das erste Provinzialconcil , welches Petrus de
. V. Sara- Luna, der erste Erzbischof von Zaragoza, am 13. December 1318 in
isis!' ^^^^^^ Stadt hielt. Um ihn waren versammelt seine neuen Suffiragane
Martin von Huesca, Petrus von Tarazona und Michael von Cala-
horra. Es handelte sich um nichts Anderes, als um die feierliche Ver-
0 Lezterer sagt nur: „Es scheint, dass er kurz nachher (nach 29. Mfirz 1313)
starb", — cf. Anmerk. 2.
*) Damach sind meine eigenen Angaben in der Series episcoporum, wo ich
den erwähnten drei Historikern gefolgt bin, zu berichtigen, p. 36, 76, 78 in der
Series ep, ecdesiae eatholicae (Huesca, Tarraco, Turiasso). cf. Villanueva^ XJX,
p. 200. — Esp. sagr.j t 49, p. 189—91. — Ramon de Huesca, Teairo hisiorico
de las Iglesias de Aragon, 1792—97, t. VI, p. 2627-67.
•) AguirreCatalani, V, 241. - Tejada, III, 467.
*) Villanueva, XIX, 200.
Orden toxi Montesa. 279
iutt£gfmg der Errichtung des neuen Erzbisthnms, welche durch Papst
Joitanoes XXIL im Jahre 1317, richtiger wohl am 14. Juni 1318 voll*
zogen worden war '). — Auch für diese Synode war Mart. Carrillo
bis jext die Hauptquelle*). — Nebstdem wurden Pamplona und Se-
gorre (oder Albarracin) Suffiraganbisthümer von Zaragoza.
Don Jay me 11. sezte die Erhebung von Zaragoza bei Johannes XXU.
darch, welcher ohnedem sehr viele neue Bisthümer und Erzbisthumer
errichtete. Zaragoza war einmal die Hauptstadt des Königreiches
Ara^nien^.
Unter Tarraco blieben die Bisthümer Barcelona, Lerida, Gerona,
Tortosa, Yich^ Urgel und Valencia.
Pedro de Luna hielt noch eine andere Synode im Jahre 1342.
Die Acten dieser Synoden finden sich, noch ungedruckt, u. a. in den
Arcbiren der Kirchen von Tarazona und Alfaro ^).
§• 32.
Don Jayme beabsichtigte an der Stelle des aufgehobenen Ordens
der Templer einen neuen militärischen Orden zum Schuze der Grenz- ordan
tairken seines Reiches gegen dje Saracenen zu errichten. Papst Jo- ^te«**'
baoDes XXH. gieng auf den Plan des Königs ein, und bestätigte den i3i7.
seoen Orden von Montesa durch seine Bulle vom 10. Juni 1317. Er
I^t den Namen von der Burg von Montesa, welche Burg zehn Leguas
südwestlich von Valencia, zwei Leguas von San Felipe liegt. Die
Kitter des Ordens von Calatrava sollten in diesen Orden eintreten,
welche verschiedene Convente und Privilegien in Aragon besassen« Der
Pap«t schrieb an den Grossmeister von Calatrava und an den Abt von
^lota Creus, dass sie den neuen Grossmeister von Montesa mittelst
apostolischer Vollmacht einsezen sollten.
Der Orden von Calatrava stammte aus dem Jahre 1158, der
Qes heiligen Jacobus vom Schwerte aus dem Jahre 1170, der von Al-
^anUra vom Jahre J 176. Der Orden „ünsrer Frau von Montesa" war
'^ B. Teatro de las Igles, de Aragon, t IV, p. i— ö, v, Lambert de
^ Mari. Carillo, Catalogtis archiepiscoporum Caesaraugustanae Eccle-
*»««, CagUork 1611, p. 268. - Catalani, V, 241. — Tejada, 111, 477.
') Znmla, Anales de Aragon, l. VL cp. 27. — Vic. de la Fuente, Hisfor.
^det. de Espana, t. IV (der neuen Auflage von 1873-74 in sechs Bänden),
p. oo5~57. — ^^Ereceion de la IgL de Zaragoza en Metropolitana 1318^ Die
Bilc der Erriehtnn^ tragt (nach Fnente) das Datam des 14. Juli 1318.
*) Fic de la Ftienie, l. c, p. 357 und 589, Genauer handelt derselbe flbor
<le im il s. zo Tarazona befindlichen ^Constitutiones Petri, primi Archiep. Cae-
wa^igusiatti\ io t. SO der Esp. sagr., Madr. 1866, p. 63-64.
280 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
der lezte der grossem Ritterorden. Diesem neuen Orden wnrden die
Güter der Templer zugewiesen, nicht den Johannitern. Am 22. Joni
1319 fand eine zahlreiche Versammlang in dem königlichen Paläste zu
Barcelona statt Hier gab der Gross-Commendator von Calatrava im
Auftrage des Grossmeisters das Gewand des Ordens von Calatrava dem
Don Guillen de Eril, und zwei andern Johanniter*Rittem. Petrus
Alegre, Abt von Santas-Cruces, sezte den Don Guillen im Namen des
Papstes als ersten Grossmeister von Montesa ein. Er und sein Orden
sollte dem von Calatrava unterworfen sein, und die Regel des heiliges
Benedictus nach der Reform der Cisterzienser befolgen. Die Borg
Montesa hatte früher den Templern gehört. Die Ritter trugen den
weissen Mantel. Im Jahre 1400 wurde der Orden des heiligen Geor-
gius von Alfama mit dem von Montesa vereinigt'). — Durch Balle
des Papstes Hadrian VI. vom 3. Harz 1523 wurden die Orden von
Calatrava, Santiago und Alcantara der Krone von Spanien einverleibt:
der Orden von Montesa aber durch Bulle Sixtus Y. vom 15. März
1587, nachdem der lezte Grossmeister resignirt hatte, dem Könige
Philipp II. und seinen Nachfolgern überlassen.
§. 33.
Am 26. Januar 1323 hatte Don Ximenes de Luna wieder ein
Provinzialconcil zu Tarraco versammelt. Wir kennen nur zwei Canones
desselben, durch welche frühere Verordnungen zum Schuze kirchlicher
Personen und der kirchlichen Gerichtsbarkeit erneuert werden. Der
erste ist gerichtet gegen die, welche Prälaten und kirchlichen Personen
Absagebriefe schreiben*), der zweite gegen Laien, welche in die kirch-
liche Gerichtsbarkeit Eingriffe machen^.
') Hippolyt de Samper y Gord^'uela, Montesa iüustrada, Valenda, (669.
— Tejada, III 463^472. - Vic. de la Fuente, Hifitor. ecdes., /F, 349; 60L
*) Diffidare erklärt Ducange — Glossarium — a fide^ quam quts alicui
debet, vel policitus est, per litteras aut epistolam deficere^ mit zahlreichen
Belegen.
*) Edm. Martene et Durand, Amplissima Coüectio, t VIT, Paris 1733,
p, 309, e Codice Colbertino. Daraus Mansi, Supplementum, III, 406 -7. -
Concilior. Collectio, t 26, p. 727-28. — Tyada, III, 519^520.
Die ReichBeiDheit und Don Jayme II ; Sardinien. 281
§. 34.
Don Jayme II. liess am 14« December 1319 darch den Reichstag
von Tarragona ein Gesez ergehen, durch welches die Königreiche Ära-
gonien nnd Valencia, die Grafschaft Barcelona und die Lehenshoheit ^^^
ober die Eonige von Mallorca unter einer Herrschaft als unzertrenn- J^yme
liehe« Granzes vereinigt werden, das weder durch Testament noch durch "' ""'*
SchenkoDg gelheilt werden konnte. Der Eonig behielt aber sich und holt de«
fieinen Nachfolgern das Recht vor, Orte, Schlösser und andere Erbgüter ^''*'*°*
seinen Söhnen, Enkeln oder Anderen schenken zu dürfen. Nachdem
Don Jayme II. selbst das Gesez beschworen, sollten alle seine Nach-
folger beim Antritt ihrer Regierung es zu halten eidlich versprechen.
Beror sie es tbaten, sollten ihre Unterthanen ihnen nicht zum Gehor-
sam Terpflichtet sein. Vier Urkunden wurden darüber ausgefertigt. Die
eine wurde im königlichen Archive niedergelegt, die drei anderen den
Ständen von Aragonien, Catalonien und Valencia übergeben *). — Wäh-
rend der Regierung Don Jayme's II. erfreute sich das Reich dauernder
Rolle. Er erhielt den Beinamen „der Gerechte".
Schon von Bonifaz VIII. war er mit den Inseln Sardinien und
Coreika belehnt worden. Aber erst am Ende seiner Regierung konnte
er sich ernstlich mit der Eroberung derselben beschäftigen. Die Ge- g^^
Doeser nnd Pisaner stritten sich um den Besiz von Sardinien und Cor- dmion
sika. Als Don Jayme von Bonifaz VIII. mit Sardinien belehnt wurde, tl^^la
var die Insel zwischen Pisa und Genua getheilt, während im Innern
derselben noch die ^Richter^ herrschten. Vergebens hatte der Papst
im Jahre 1303 die Genueser und Pisaner ermahnt, die Insel dem Eö-
DigeDon Jayme zu übergeben. Erst im Jahre 1322 begann Don Jayme
gegen die Pisaner den Krieg, welche den schönsten und besten Theil
der Insel inne hatten. Don Alfons, Don Jayme's Sohn, fahrte den
Krieg auf Sardinien mit Energie und Glück, zu Land und zur See.
Die Schiffe der Pisaner waren der Flotte der Aragonier nicht gewach-
^n. Am 19. Juni 1324 schlössen die Bewohner von Cagliari einen
Vergleich mit Don Alfonso, im Namen der Pisaner: sie erkannten Don
Jayme IL als Herrn und König von Sardinien an. Doch kam es bald
wieder zum Kriege. Pisa und Genua konnten den Besiz dieser schönen
Insel nicht verschmerzen. Wieder siegten die Aragonier. Am 24. Sep-
tember 1326 wurde aufs neue ein Friede zu Barcelona zwischen Don
Jayme und den Pisanem geschlossen. Diese übergaben dem Könige
') Zmrita, Anales, l VII, 5. — Mariana, l. XV, 19.
'
282 Zwölftes Buch. Erstes KspiteL
ihre Besiznngen auf Sardinien, besonders (9. Jani) das Castell von
Cagliari. — Aach die Stadt Sassari unterwarf sich«
DoQ Don Jayme starb im sechsundsechzigsten Lebensjahre am 2. No-
jiyme's vembcr 1327, innig betrauert von seinem dankbaren Volke. Sein ältester
1987. ' Sohn Don Jayme hatte im Jahre 1319 der Nachfolge entsagt, und war
in den Orden der Johanniter getreten.
1
11
I
§. 35.
Es folgte auf Don Jayme II. dessen zweiter Sohn, Alfons IV.,
der von 1327 bis 1336 regierte. Am 25. December 1327 beschwor er
AifoB« zu Barcelona die Geseze und Freiheiten Catalonien's, und empfieng den
'\fl!r Eid der Treue von den Unterthanen. An Ostern 1328 fand seine Krö-
nung zu Zaragoza mit grosstem Glänze statt ^), Auf dem darauf fol-
genden Reichstag beschwor der König am 5. Mai die Geseze und Frei«
heiten des Landes. Aufstände in Sardinien (1329) hinderten ihn, den
Krieg gegen die Mauren von Granada mit grösserer Energie zu fuhren.
Es kam zu einem langwierigen Seekrieg zwischen Genua und Arago-
nien. Die Genueser fühlten sich in ihrem Handel durch die Aragonier
sehr beeinträchtigt, die durch den Besiz der Inseln Sicilien und Sar-
dinien eine bedeutende Ueberlegenheit im Mittelmeere erlangt hatten.
Erst unter Alfons IV. Nachfolger wurde ein zeitweiliger Friede mit
Genua geschlossen.
Alfons IV. starb schon am 14. Januar 1336, erst 36 Jahre alt In
der Geschichte wird er der „Gütige^ genannt.
§. 36.
Der Papst hatte im Jahre 1320 (1321) den obengenannten Sohn
Der In- Jaymc's II., Johann, dessen Wahl für den Siz von Tarraco er wegen
"Jn.^*** seiner Jugend im Jahre 1316 verworfen, als Erzbischof und Primas
Prim«« von Toledo bestätigt. Zu Lerida wurde er von Ximenes de Luna ge-
Toiedo ^c^bt* Bald aber gerieth er mit Ximenes und Petrus de Luna in Con-
(isw- flikt, weil er im Gebiete der Metropolen von Tarraco und Zaragoza
ein Primatialkreuz vor sich her tragen Hess. Entsprechend früheren
Neuer Beschlüssen befahlen nun Ximenes und Pedro Lopez de Luna, dass
^tw* alle die Orte, in denen der Primas weilte, oder durch die er hindarch-
•Ufiu zog, mit dem Interdicte belegt seien. Der Primas und sein Vater, der
^ Hier. Biancas, Ooronaciones de los reyes de Aragon^ Zarag. 1641,
p. 26^47.
Synode von 1329. 283
König, waren sehr beleidigt. Der Streit wurde vor den Papst gebracht.
Am 15. Janoar 1321 schrieb Johannes XXU. an Don Jayme, er ent-
scholdigt das Vorgehen der beiden Erzbischöfe von Tarragona nnd
Zaragoza und bittet, dass der Konig die beiden Erzbischofe wieder in
seine Gnade anfnehmen möge.
Am 1. September 1327 wurde der Erzbischof Don Ximenes anf
den Primatialstuhl von Toledo versezt. Als Erzbischof folgte ihm der
Infimt Johannes, der nun doch anf dem Umwege über Toledo den
Stuhl von Tarraco bestieg. Er musste auf Namen und Würde
eines Primas verzichten. Zur Entschädigung gab ihm der Papst
den Titel eines Patriarchen von Alexandrien. Mit 17 Jahren wurde
tr Primas, mit 28 Jahren Patriarch und „Administrator^ von
Tairagona.
Am 26. Februar 1329 hielt er eine Synode, in der er die gesam- gein«
melten Constitutionen seiner Vorgänger in diesem Amte publicirte. Sie ^y^^^*
enthalten altere und neuere Verordnungen; insofern sind sie wich-
tig, als manche der älteren ohne diese neue Bekanntmachung vielleicht
lerioren g^angen wären. ' Es sind 86 Canones oder Constitutionen,
denen wir grosstentheils schon früher begegnet. Veraltete Bestimmungen
winden weggelassen, neue hinzugefugt.
Auch von dieser Synode und ihren Constitutionen haben die
Spanier keine Kenntniss gehabt. Edm. Martene hat auch sie in einem
Minnscript der Kirche von Avignon aufgefunden. — Mansi hat sie
aufgenommen in seine grosse Sammlung; von da giengen sie in die
Sammlung Tejada's über').
Die Synode schliesst mit den Worten: „Die gegenwärtigen Con-
stitutionen, welche von unseren Vorgängern guten Angedenkens er-
lassen worden, sind in dem vorliegenden Bande gesammelt; aber auch
jene, welche, unter Zustimmung des heiligen Concils, in dem Capitel
der Kirche von Tarraco neu verkündigt worden sind, in Gegenwart
unserer ehrwürdigen Mitbrüder, Raymund von Valencia, Berengar
Ton Tortosa, Amaldus von Lerida, und Cisnandus (Galceran?) von
Vidi, den Bischofen, Pontius von Barcelona, Gaston von Gerona,
unseren Suf&aganen , und anderen Stellvertretern und Procura-
toren" u. a. m.
0 Mansi, t 25, p. 838S7S. - Tf^ada, III, 632^549.
284 Zwfilfles Boeh. Erstes Kapitel
§. 37.
Am 31. Janaar 1331 hielt derselbe eine zweite Synode in Tarn*
Conoii gona. Die anwesenden Bischöfe werden nicht genannt Wir besizen
* von derselben fünf Statuten oder Canones. Die vier ersten £uiden sich
in einem Codex der Cathedrale von Valencia, welcher den Namen „La
Bisbalia^ fahrt. Den fünften fand D. Martene in dem Archiv der
Cathedrale von Avignon. Der erste Canon handelt von der Verwal-
tung der Bischöflichen Güter bei erledigtem Size, von den Testamenten
der Prälaten und Kectoren der Kirchen. 2) Die Prälaten und Cleriker
sollen ihre Einkünfte von jedem Orte frei erheben können. 3) Der
Zinswucher wird verpönt. 4) Abwesende Bischöfe sollen zu dem Concil
nicht denselben Procurator senden, den das Capitel gesendet hat. Aebte
sollen als ihre Stellvertreter Männer ihres Ordens senden. 5) Jeder
Erzbischof und Bischof soll bei seinem Tode seiner Kirche „eine schone
Capelle^ (Ornat), oder zu deren Anschaffung 100 Goldgulden hinter-
lassen, wofür die hinterlassepen Güter als Unterpfand gelten^).
Drittes Die Acten des dritten von dem Patriarchen von Alexandrien ge-
confAi, haltenen Concils, ohne Angabe der Zeit, entdeckte Edm. Martene in
einem Codex der Kirche von Avignon. Canon 1 und 2 desselben wur-
den erlassen zur Wahrung der persönlichen Sicherheit der Cleriker.
3) Kein Cleriker im Besize eines Beneficiums du-f den Advocaten für
einen Laien machen, wenn dieser mit einem andern Cleriker über deo
Besiz eines Beneficiums streitet. 4) Die Dienstleute und Hausgenossen
eines Prälaten dürfen nach dessen Tode nur dann ein Geschenk ver-
langen, wenn sie den lezten Willen des Erblassers nachweisen können.
6) Laien dürfen einen Cleriker, welcher in ihrem Gebiete Zehnten
hat, nicht hindern, dafür Scheunen oder Keller zu bauen oder za
miethen').
Der Patriarch Johannes consecrirte im Jahre 1331 die Cathedrale
c^tho. der heiligen Thecla, und befahl, dass am dritten Sonntage nach Ostern
Ttrnie^ ^"® ^^®^ ^^^ Kirchweihc begangen werden solle. — In der Kirche
ia3i. „Uusrcr Frau vom Wunder** sprach er im Auftrage des Papstes Jo-
bannes XXn. die Excommunication aus gegen Ludwig den Bayer und
seinen Gegenpapst Petrus von Corvara, in Gegenwart der Bischöfe von
Tortosa, Valencia, Urgel, Vieh und Lerida, und der Aebte von Pöblet,
Santas Cruces, Valdigna und anderer.
•) Mansiy t 26, p. SST-^BOO. - Tejada, III, 549-53 (Hefde, VI, 553).
((f. AffuimCatalani, F, 263^04)
») ManMi, t 25, 934-^40. - Tn^ada, III, 553^ 57 (HefeU, VI, 553).
ErzbiBchOfe Johann nnd Arnald. 285
Jduumes starb am 19. August 1334 zu Pobo. Sein prachtvolles
Gnbdenkmal zu Taragona trägt die Inschrift: «Hier rnht der Leib des i>- Juen
Herrn Johannes heiligen Andenkens, des Sohnes des Herrn Jacobus,
Königs Ton Aragonien, welcher im 17« Jahre seines Lebens Erzbischof
Ton Toledo wurde, nnd so durch das Geschenk der von Gott eingegos-
senen Wissenschaft und durch die Gabe der Predigt leuchtete, dass
Niemand von gleichem Alter (i. e. von derselben Jugendlichkeit) ihm
hierin als ebenbürtig erachtet wurde. Er casteiete sein Fleisch durch
Fasten nnd durch Gilicien, und wurde im 28. (25.?) Jahre Patriarch
Ton Alexandrien, und Administrator der Kirche von Tarraco; unter
vielai andern guten Werken ordnete (ordinaio) er das neue Kloster
,SciIa Dei* im Bisthum Tarraco, damit er selbst auf Stufen zum Him-
mel aa£steige, und übergab den Geist seinem Schöpfer am 19. August
1334, im 33. Jahre seines Lebens, für welchen Gott sowohl in seinem
Leben als nach seinem Tode viele Wunder wirkte.^ Er heisst der
n. Enbischof (seit der Wiederherstellung). Von seinen Schriften han-
delt Nicolaus Antonio *).
§. 38.
Amaldna Cescomes (de Combis) wurde im Jahre 1334 von dem
Biäthnme Lerida nach Tarragona versezt. Im Jahre 1335 hielt er hier
eine Diöcesansynode, die erste, deren Acten sich erhalten haben*). —
Im Jahre 1336 hielt er eine Provinzialsynode, von der drei Canones Ers-
erhalten sind. 1) Keine kirchliche Person soll Uebelthäter oder „Ge- *^**«*»^'
bannte" *) in den Orten, wo er eine weltliche Gerichtsbarkeit hat, auf- da ces-
nehmen. Can. 2 handelt von der Ertheilung der Tonsur, und der Be- '®"'"*
ätrafung geistlicher Uebelthäter. 3) Die Geistlichen diirfen nicht rothe
oder grüne Kleider tragen. Kein Cleriker dürfe einen Sattel haben, der
mit Zaum und Brustschild mehr als drei Pfund koste. Die Cleriker
dürfen nur Trauerkleider tragen, wenn ihnen Vater, Mutter, Bruder oder
ihr Herr gestorben ist; diese Kleider dürfen sie in der Kirche nicht
länger als zwei Monate tragen.
Eine angeblich, aber nicht nachweisbare, von Arnald zu Tarragona
gehaltene weitere Synode ist nichts als eine Antwort auf zwölf verschie-
dene Bedenken über frühere kirchliche Constitutionen^).
') FiOotttteva, i. XIX, 2(^-7. - Nicol Antonio, Bibliot. Vetos,
II p, 148. ^
») ViUanueva, XI, apend. I, p. 169'-174.
*) Btonitos.
*) Mansi, XXV, i077-«2 (gleichfalls von Edm. Martene entdeckt). — Tejada^
ni, 66^-63 (HefeU, VI, 663),
286 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
coneii Im Juli 1339 hielt der Cardinal und apostolische Legat Bertrand
leioni, ^® Rodas von Alby ein Coneii, dem auch der Eonig Don Pedro IV.
1S39. und seine Gemahlin Donna Maria anwohnten. Zugegen waren der Erz-
bischof und alle Snffragane, nebstdem verschiedene Grossen und Herren
des Hofes. Es handelte sich darum, dem Konige kirchliche Subsidien
für den Krieg gegen die Mauren zu gewahren').
§. 39.
Pedro's IV., Nachfolgers AlfonsIV., lange Regierung (1336— 1387)
KSnif war besonders wichtig für die Ausbildung der aragonischen Verfassung.
^^*|^ Pedro IV., geboren am 5. September 1319, war ein Mann von rastloser
—1387). Thätigkeit im Kriege und im Frieden*). Er nennt sich: Wir Pedro
(Nos en pere), durch die Gnade Gottes Konig von Aragon, von Va-
lencia, von Majorca, von Sardinien und Corsika, Graf von Barcelona,
Roussillon und der Cerdagna.
Nach seiner Krönung, welche am Sonntag nach Ostern 1336 zu
Zaragoza mit grosser Feierlickeit vollzogen wurde, folgte ein Reichstag,
auf dem er die Geseze und Freiheiten der AragJbier beschwor. Im
Juni leistete er vor den Ständen von Catalonien denselben Eid. Die
Catalonier aber waren aufgebracht, dass er nach früherer Sitte nicht
ihnen zuerst geschworen, und dass er die Stande nach Lerida, statt
nach Barcelona — berufen.
§. 40.
^Domi' Bis zum Jahre 1343 hatten die Balearischen Inseln eigene Konige
"^.'■'""gehabt, welche zugleich Vasallen der Konige von Aragonien waren.
.« Der erste „Herr^ von Mallorca war Don Pedro, Sohn des Don Sancho L,
') 2iurita erwähnt die Sache in seinen ^Indices rerum ab Äragtmiae
Ttgibus gestarumJ^ — Hardvin, VII, 1636. — Aguirre-Catakmi, V, 289, —
Matm, t 26, 1148. — Tejada, III, 583,
•) üeber ihn — Zurita, Änaies, VI, 36 (l. VII, 27) bis l X, 39. — i/.
Chronica del rey en Pere (Pedro), welche Pedro's Namen trSgt, fihnlich, wie die
Chronik Don Jayme's L, und in welcher, wie in lezterer, die Dinge ans seiner
allerfrühesten Zeit erzählt werden. Die Chronik aber gilt als sehr zuverlässig, und
trägt ein religiöses Gepräge. Er will in derselben die göttliche Gnade verherrliehen,
die sich in dem Gange und den Schicksalen seines Lebens geoffenbart hat. Zurita
ist unsicher, ob der König selbst, oder Jemand in seinem Namen die Chronik ge-
schrieben hätte. Zu ersterer Ansicht neigt sich Perez Bayer in seinen Anmerkungen
zu der Biblioteca Hispana vetus, t II p. 177.
Königreich Mallorca. 287
Königs TOD Portugal, und seiner Gemahlin Donna Dulce'). Derselbe
starb nach dem 9. October 1255, und wurde in der Cathedrale zu
Palma begraben«
Don Jayme ü., zweiter Sohn Don Jayme's I. yon Aragonien, der
^ine lADder unter seine beiden Söhne Don Pedro und Don Jayme ver- ^^»1^-
theüte, war erster König von Mallorca und der angrenzenden Inseln, Graf i^nor.
Ton RoQSsillon und Cerdagna und Herr von Montpellier, Don Jayme <»•
trat im Jahre 1256 die Regierung an, und führte sie als Vasall seines
Vaters, und dann seines Bruders Don Pedro fort. Er starb vor dem
JqH 1311, and wurde in der Cathedrale, deren Bau er begonnen, be-
graben. Im Jnli 1311 war ihm schon sein zweiter Sohn, Don Sancho,
gefolgt, nachdem der ältere, Don Jayme, (für eine Zeit lang) Francis-
caoer geworden. Don Sancho starb schon am 4. September 1324, und
worde in Perpignan begraben. Es folgte ihm sein Neffe Don Jayme II.,
im Älter von etwa 12 Jahren. Am 25« Mai 1343 landete eine arago-
oesische Flotte auf der Insel Mallorca, deren Einwohner Don Jayme II.
gegen sich aufgebracht hatte. Ein Heer von 16,000 Fussgängern und
300 Bdtern ergriff sogleich die Flucht; Don Pedro IV. zog ohne Kampf
io der Hauptstadt ein, empfieng die Huldigung auch der Inseln Minorca
nod Iviza, und nahm den Königstitel von Mallorca an. Bei einem Ver-
suche, Mallorca wieder zu erobern, fand Don Jayme II, im October
1349 seinen Tod.
§. 41-
Dar gelehrteste, sicher der berühmteste aller Schriftsteller des a«y-
nonds
Lnlliu.
Künigreichs „Mallorca^ ist Raymundus Lullus. Er wurde zu Palma ""* "*
Dm das Jahr 1235 geboren. Raymund sagt von sich selbst: „Ich war
tin Mann, der in der Ehe lebte. Nachkommen hatte, und auch genü-
g^d reich war. Alles habe ich gern verlassen, damit ich die Ehre
Gottes nnd das allgemeine Wohl befordern, und den heiligen Glauben
erheben konnte. Ich habe das Arabische gelernt, bin öfter ausgezogen,
^m den Saracenen zu predigen, wegen des Glaubens wurde ich ge- sein
l^en genommen , eingekerkert, geschlagen; 45 Jahre habe ich daran. ^'^''*
S^beitet, damit ich die Leiter der Kirchen und die christlichen Für-
sten znr Sorge für das allgemeine Wohl bewegen könnte. Jezt bin ich
^ Gras, jezt bin ich arm, aber dennoch demselben Vorhaben treu,
^d werde darin bis zum Tode ausharren, wenn Gott es mir verleihen
wird.«
H oben S. 74.
288 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
An einen äussern Anlass knüpfte sich seine Bekehrung. Er ver-
liess die Welt, allein besorgt um sein Seelenheil und das seiner Mit-
menschen. Aber er hatte keine Studien gemacht. Auf eine Einsiedelei
der Insel zurückgezogen^ erglühte in ihm das Verlangen, die Saraceoen
zu bekehren. Er glaubte,, dass er zu diesem Zwecke seine sogenannte
f^ars Ltdliana^j „Anleitung zum richtigen Denken und Lehren'', als
ein himmlisches Geschenk empfangen habe. Von nun an glaubte er
an die unfehlbare Wirkung seiner Kunst, und meinte durch sie alle
Ungläubigen von den Wahrheiten des christlichen Glaubens überzeugeo
zu können. Unermüdet reiste er nun fast durch ganz Europa, Asien
und Afrika, suchte alle Päpste seiner Zeit, alle Fürsten für seine
„Kunst" und seine Pläne zu gewinnen, und suchte es zu crreicben,
dass auf allen hohen Schulen Collegien für das Studium des Arabischen
eingeführt würden. Er trieb Fürsten und Volk zu einem neuen Kreuz-
zug in das heilige Land an. — Er gieng selbst nach Afrika, um den
Mauren zu predigen, und kaum mit dem Leben entkam er. Im höcli-
sten Alter, im Jahre 1315, zog es ihn ein zweites Mal dahin, er kam
nach Bugia an der Küste von Afrika (zwischen Algier und Constantine,
gegenüber der Insel Mallorca), predigte gegen den Koran, wurde in
einen finstem Kerker geworfen, durch Hunger, Fesseln und Schläge
gemartert, von da herausgeführt am Feste der Apostelfürsten, von dem
wüthenden Volke gesteinigt, wurde er halbtodt von einigen Genuesi-
schen Kaufleuten auf ein Schiff gebracht, wo er bald darauf seinen
unbesiegten Geist aufgab. Sein Leib wurde in dem Kloster der Fran-
ciscaner zu Majorca beigesezt. Dort wurden seine Reliquien als die
eines wahren Märtyrers verehrt. Die Verfasser seiner Lebensgeschichte
berichten von vielen Wundern, die Gott auf seine Fürbitte vollbracht
Es wurde zwar der Process seiner Heiligsprechung eingeleitet, aber
dabei blieb es. Ausserhalb seiner engern Heimath hat man sich viel-
fach dadurch aus der Verlegenheit geholfen, dass man den Erfinder
der „ars Ltdliana^ von dem heiligen Einsiedler und Märtyrer Bay-
mundus LuUus unterschieden hat^).
') Vita b. Raymundi LiUli eremitae, apud Bugiam in Äfrica marttfris
(t 131ö)a6 an, coaevo scripta ipso beato adhuc supersHie, ap. AcL Set. BoÜMd^
t. y (30) Juni, p. 66J-68. Vita II auct. Carol Bovillo, p. 668—73. Eneo-
mion auct. Nicol, de Pax^ 674—79. Miracula sd. ex proc. ad Canondxaiummt
p. 679-691. Dissertatio historica (SoUerii) de orthodoxta et lUnis B. Ä., (^91
— 696. — Catalogus operum a B. Raymundo LuUo Script., 697 '-7 16, enüält
321 Nummern. Yerbandlnngcn über seine Heiligsprechung (711—36), mit einem
Epilog über seine heroiscben Tugenden, cf. Commentarius praevius: ^De B.Rat
mundo Luüo Erem. scJwlae Lullisticae doctore illuminato, apud Bugiam in
Africa martyre, Majoricensis ab ipso denominatae üniversitatis Patrono^'j von
Job. Bapt. SolleriuB, p. C33-661.
Baymiindns Lallns. 289
6ro88 ist die Zahl derer, welche unter Anfahrtmg des Domini-
caners und Inquisitors Nicolans Aymerich und des Abraham Bzovias
am demselben Orden in den Schriften des Raymnndas Irrlehren gefun-
den hiben wollten.
Nach den Einen hat Baymundns 4000, nach Anderen 400, aller- seine
diogs meist kleinere Schriften verfasst. Nicol. Antonio theilt. sie in ^^^ '
folgende Classen: 1) Bücher der allgemeinen Künste, 61 Numem oder
euoelne Abhandlungen (sie erschienen: Strassburg, 1617 und 1651). —
2) Bücher der Grammatik und Khetorik, nr. 62 — 65« — 3) Bücher zur
Logik, nr. 66 — 80. — 4) Fhilosophische Bücher, nr. 81 — 101. —
5) Bacher zur Metaphysik, nr. 102 — 119. — 6) Medicinische Werke,
nr. 120-126. — 7) Juristische Werke, nr. 127—130. — 8) Geistliche
Bacher and Bücher der Contemplation, nr. 131 — 192. — 9) Predigt-
böcher, nr. 193 — 198. — 10) Bücher, genannt „quocUibettdes^ j oder
ober verschiedene Dinge, nr. 199 — 211. — 11) Bücher verschiedener
Dispatationen oder Controversen, nr. 212 — 257. — 12) Theologische
Bocher, nr. 258 — ^321. — 13) Bücher, die unter dem Namen des Lul-
los heromgetragen werden, nr. 81. — Derselbe führt auch die verschie-
deoen Erklärer seiner Werke, seiner Kunst und seine Biographen
10^). — J. Salzinger gab in zehn Folianten die Werke des LuUus
benus').
§.42.
Don Pedro IV. war in lange und wechselvolle Kriege mit Don ^ p^j,,
Pedro „dem Grausamen" von Castilien^ mit den Genuesern und Auf- it.
ständischen wegen der Insel Sardinien, sowie in Bürgerkriege mit den
Gn>68en von Aragonien und Valencia verwickelt^. Der lange Krieg
0 Biblioikeea Eispana Vetus, L II, p. 122^14 1. Wir können nicht ein-
mal Kine Biographien, noch weniger die Titel seioer Werke anführen. (V. z. Litera-
tur aehie Kirchengeschichte v. <7. A. Mokier, II, 679.) Aach Vicente de la Fuente
^ in seiner Kirchengeschichte Spaniens in sechs Bänden mit ein Paar Zeilen
'^ deaaelben hinweg.
*)Ißiüu»^ Baymundus. Opera omnia, per Baccholium collectüy cvrante
^^fäort pdaiino, ei edita per Yvonem Salzingerum. Moguntiae^ 1721^1742^
^OteiffoL Eän besonderer Catalog der Werke des Raymnndus (einen solchen
^ Bin anch bei W. Cave) wurde zu Mainz 1711 in 8' gedruckt. — Adolf Ildf-
/me& ia seiner Schrift: Baymnnd Lull und die Anfange der Catalonischen Literatur,
^^t 1858, sigt, dass Salzinger's Ans^abe sich selten in einer Bibliothek finde,
^ dtt siebente und achte Band der Werke gar nicht erschienen oder wieder ver-
'^^i'vuieQ aeieiL Im Ganzen nmfasst die Ansgabe nicht mehr, als ungefähr vierzig
^^^, wahrend Salzinger mindestens vier mal so viel vorliegen hatte, und von
■«^ wenigstens die Titel kannte (Helffertch, S. 72).
*) Sdmidt, Gesch. Arag., p. 276—310.
<^>w.«?3n. Kirche, m. t. 19
L
290 Zwölftes Buch. Erstes Kapitel
mit Castilien endigte mit der Vertreibung Don Pedro's des Grausamen,
1366. Definitiver Friede mit Castilien wurde erst unter dem Könige
Heinrich von Trastamara am 10. Mai 1374 zu Almazan geschlossen.
Im Jahre 1378 fiel die Insel Sicilien an die Krone von Aragonien
sieiiien. zurück. Friedrich I., der erste Konig Siciliens, ans dem aragonischen
Hause, führte die Regierung über die Insel bis zu seinem Tode am
25. Juni 1337. Sein Sohn Pedro IL folgte ihm, Mitregent seit dem
Jahre 1321—22. Er starb schon am 8. August 1342, erst 37 Jahre alt
Unter Vormundschaft folgte ihm sein Sohn Ludwig. Dieser starb schon
im November 1355, erst 18 Jahre alt. Sein Bruder Friedrich IL (lU.) folgte
ihm im Alter von 14 Jahren. Er starb zu Messina am 13. Juli 1377.
Don Pedro IV. wollte im Jahre 1378 mit einer grossen Flotte nach
Sicilien ziehen. Am 11. Juni 1380 schenkte er Sicilien seinem zweiten
Sohne Martin, welcher sich „Generalstatthalter" seines Vaters in Sici-
lien nannte. Die Herzogthümer Athen und Neopatria, die zu Sicilien
gehört hatten, unterwarfen sich freiwillig der Krone von Aragonien.
Don Pedro schickte eine Flotte zum Schuze derselben g^en den
Kaiser von Constantinopel , den Herzog von Durazzo, und andere
Mächtige.
Don Pedro IV. feierte im Frühjahre 1386 die fan&igjährige Dancr
seiner Regierung mit glänzenden Festen, denen die meisten Prälaten,
Barone und Ritter seines Reiches, und zahlreiche Abgeordnete des
i>cn Bürgerstandes beiwohnten. Er starb am 5. Januar 1387 zu Barcelona,
'^ ^^ ' im Alter von 68 Jahren. In der Geschichte heisst er |,el Ceremonioso^
Tod
1387. (der Feierliche).
§. 43.
Dem Erzbischof Amaldus de Cescomes, gestorben am 9. Septem-
ber 1346, folgte der bisherige Bischof von Tarazona, Sancho Lopez de
Krx- Ayerbe, Franciscaner. Er war der erste Erzbischof, der mit dem
Sancho sp*^^®'" gebräuchlichen Pompe einzog — März 1347, und der von seinen
Lopezde Vasalleu als Anerkennung seiner Oberherrschaft 25,000 Solidi empfieng,
yerbe. g^j ggj^jg Pe^ro jy,^ dcsscu Bcichtvatcr er war, stand er in grossem
Ansehen. — Er hielt verschiedene Concilien. Im Jahre 1350 hielt er
eine Diöcesansynode, auf der fünf Canones erlassen wurden. Im Jahre
1355 hielt er ein Provinzialconcil, von dem sich fünf Canones erhalten
haben. Es sollte die Constitution beobachtet werden, welche fünf Jahre
früher Don Pedro IV. cingeschäift hatte, dass die Urkunden nicht nach
den Jahren der Menschwerdung, sondern der Geburt Christi bezeichnet
werden, es solle die Zeitbestimmung nach dem romischen Kalender, der
Nonae^ Idxks und Calendae ausgelassen, dagegen nach den einzeinco
^
Enbiflchof Sancho Lopez de Aycrbe and Petrns Clasqaerin. 291
Tagen des Monats gezahlt werden ^)« — Von dem Provinzialconcil des
Jahres 1357 theilt Tejada zwölf Canones mit^.
Der Erzbischof zeigte seine aufopfernde Liebe bei der Pest des
schwarzen Todes, welche 1348 Stadt und Land verheerte. An dieser
Pest starben alle Pfarrer der Diocese; mit grosstem Eifer suchte der
Erzbischof von allen Seiten Welt- und Regularpriester zu gewinnen,
ond versah sie mit allem Nothwendigen. — Um das Jahr 1353 ver-
dammte er einen Lrrthum, den ein Cisterzienser verbreitete, dass der
MeDsdi aas blosser Liebe zu Gott wirken solle^ und es nicht erlaubt
fei, das Gute in der Hoflhung auf das selige Leben zu vollbringen. —
Im Ganzen feierte er vier Provinzialconcilien. Er starb am 22. August
1357, und wurde im Kloster seines Ordens begraben. — Petrus Clas-
qneiiD, vorher Bischof von Huesca, folgte ihm^.
Er wurde Rath des Königs Don Pedro IV. und Patriarch von ^'^'
Antiochien. Er feierte drei Provinzial- und vier Diocesan-Synoden. pe^.
Die Constitutionen der drei ersteren finden sich in der Sammlung der ^^•
CoDatitntionen von Tarraco. Die Canones der Diöcesansynoden hat ^°*'^"'
Antonio Augustin, zum Theil Villanueva veröffentlicht^).
Die drei Provincialconcilien wurden am 13. Februar 1367, am
T. März 1369 zu Tarragona, 1372 aber zu Barcelona gehalten. Von
der Synode von 1369 hat Edm. Martene ein Bruchstück mitgetheilt,
mid Tejada bemerkt, dass der Inhalt dieses Bruchstücks über die so-
geoannte gemischte kirchliche Disciplin erst durch ihn in Spanien be-
Icänot geworden sei. Es handelt sich um die Eilheilung der Tonsur
Qod Weihen an Personen, die sich in der Gewalt (Leibeigenschaft?)
geistlicher oder weltlicher Herren befanden^).
Anf einer Versammlung der Bischöfe zu Barcelona am 13. Juni
1372 wurde eine „Concordia" zwischen den Bischofen und der Königin
Donna Eleonora, damals Stellvertreterin Don Pedro's IV., kundgemacht.
Der Erzbischof und andere Prälaten hatten sich beschwerend an den
Papst über königliche Eingriffe in ihre Kechte gewendet. Papst Gre-
gor XL beauftragte durch Breve vom 28. November 1371 seinen Nun-
*) Viüanueca, XX, p. 3. — apend. nr. ü, p. 174—78.
") T^ada, VI, p. 76-82.
*) Dort erscheint er nicht; es war aber 1357 Sedisvacanz daselbst, nnd er mng
tor Hoesca nur ernannt worden sein. Dass er auch Bischof von Mallorca gewesen,
«w VOhmneTa sagt, ist nicht wohl möglich, wie aus meiner Series episcoporum,
p. 48, hervorgebt
) Ftüomicwi, XX, p. 179-91.
^ Tfjada, Uly 697. Tejada theilt die zehn Constitutionen der Synode von
13»j7 m L VI, p. 82—86 seiner Coleccion mit; aus einem Codex der Kirche von
l^eroitt tber lehn Constitutionen des Concils von 1369, ib., p. 86^89, wovon Mar-
tne not dea dritten Canon gegeben hatte,
19*
292 Zwölftes Bach. EreteB Kapitel.
tius, den Cardinal und Bischof von Comminges, Bertram, zwiacben
dem König und den Bischöfen zu vermitteln. Man verglich sich über
die Exemtion von Verbrechern aus dem Stande der Kleriker von der
königlichen Gerichtsbarkeit, über die Exemtion der Kleriker von den
königlichen Gerichten in Processen und iiber „Pax et tregua^^ über die
Klage der Bischöfe, dass Prälaten und kirchliche Personen auf blossen
Verdacht hin aus dem Reiche verbannt werden. Der König erkürt
jezt, dass er in frühem ähnlichen Fällen Unrecht gethan, und dass das
Unrecht künftig nicht mehr geschehen solle. Der König erklärt,
dass er kein Kecht habe, sich in kirchliche Frocesse zu mischen, und
unter diesem Verwände weltliche Güter der Prälaten nicht besezen
dürfe. In streitigen Fällen, ob eine Sache vor das Forum des Königs
oder der Kirche gehöre, soll ein Schiedsgericht entscheiden ')•
Dieses Concordat wurde durch Wilhelm Oliveres, den Secretar
der Königin, redigirt.
Im Jahre 1372 beauftragte derselbe Papst unsem Erzbischof mit
der Untersuchung der Irrthümer des Baymundus Lullus, welche der
Inquisitor Fr. Nicolaus Aymerich bei dem Papste denuncirt hatte. Der
Erzbischoi entschuldigte sich aber mit seinen vielen Geschäften, und die
En- Untersuchung wurde den Generalvicaren des Bisthums Barcelona über^
Petru ^%en. — Auf der Bückkehr von Rom, wo ein Process mit den Bür-
cut- gern von Tarrago zu seinen Gunsten entschieden worden, starb Petrus
^"*'"* zu Agde am 10. Januar 1380«
In Folge des abendländischen Schisma's blieb das Erzbisthnm
bis zum Jahre 1387 nnbesezt. Der König von Aragonien ergriff in
dem Streite zwischen Urban VIIL und Clemens VU« von Avignon die
8. g. Parthei der „Indifferenten^.
§.44.
En- Erst im Januar 1387 trat der Erzbischof Innigo Valterra, inzwi-
inni^ sehen Bischof oder doch Gubemator von Segorve, sein Amt an, zu dem
vaitcr- er schon im Jahre 1380 ernannt worden war. Am 5. Januar 1387 war
*** * der König Don Pedro IV. gestorben, nachdem er vorher eine Verord-
nung über die „Ceremonien^ bei seinem Begräbniss erlassen. Sobald
KSntf sein Sohn Don Juan L (1387^1395) gekrönt war, behandelte er die
^i^J Angelegenheit des Schisma. So hatte Don Pedro IV. es ihm in seinem
15W), Testamente aufgetragen, unter Strafe des Fluches, wenn er ihm hierin
nicht gehorchen würde. Um so auOallender ist es aber, dass Don
') T^'ada^ III, öyT^-GOO, ans deo ^CoHstitutioHes de Cotaluna* , 2 wi.,
Mk 9 tit. 14, cp. 1, 9 nnd W.
SchiBma von Avignon; König Don Juan I. 293
Pedro I^. selbst nie den Math oder die Kraft in sich fand, sich zu
Gaosten eines der beiden Päpste auszusprechen. Don Juan I. legte
diese Frage den za Barcelona um ihn yersammelten Bischöfen und
liittem Tor. Die Ansichten giengen weit auseinander. Endlich ver-
lioigten sie sich za Gunsten Clemens VII. von Avignon, der am
24. Februar mit allgemeiner Zustimmung als Papst ausgerufen wurde.
Der grosste Theil von Spanien trat auf diese Seite. Das Ansehen und
die Tbatigkeit Pedro's de Luna, Cardinais von Aragon und Legaten
Clemens YII., trug am meisten zu diesem Erfolge bei. Don Juan I.
richtete nnverzüglich seine Obedienzschreiben an Clemens VII. ^).
hmicus Valterra hielt in den Jahren 1391, 1395 und 1400 —
dreiProvinzialconcilien zuTarragona, deren Acten in der Sammlung der
Tarraconensiscben Constitutionen und daraus bei Tejada') sich befin-
den, und drei Diocesansynoden, deren Acten zuerst Villanueva heraus-
gegeben hat'). — Die lezten Jahre seines Lebens brachte Innige in
y&lencia zu, und starb im hohen Alter zu Segorve am 17. Februar
1407*).
§. 45.
Konig Don Juan L führte einen glänzenden Hof, prachtvoller als
aOe Könige seiner Zeit. Er liess sich 1389 zu Zaragoza krönen^). Die
Stiode zu Monzon verlangten von dem Konige, dass er seinen Hof König
^reformiren'' und mehrere anstossige Personen von ihm entfernen solle, jun^i.
Daninter verstanden sie besonders die vertraute Freundin der Königin
Viohnte, Tochter des Herzogs Robert von Bar. Jene Freundin^ hiess
es, leite durch ihren Rath die Angelegenheiten des Reichs. Die Carroza
TOD Viilarayut mnsste weichen, und es wurde Ruhe und Frieden in dem
Beiche. Nur in Sicilien und Sardinien brachen Unruhen aus, welche
l^ere 2^it dauerten. — Schon am 19. Mai 1395 starb Don Juan L;
er stürzte auf der Jagd mit dem Pferde. Er hinterliess nur zwei Töch-
ter, Johanna und Violante*). Nach den Anordnungen Pedro's IV. imd
^^iltmr Eonige fiel nun die Krone seinem Bruder Don Martin, dem
0 8L Babtze, Vitae Paparum Avenionensiumy Paris, 1693, 2 vol. 4\ -^
^ U, «r. 228. Collect, awst. veterum ad vitas etc. — Mansi, t. 26, p. 734. —
T^Qda, m, 609.
*) Tejada, VI, 90^ 95 --97 -103.
')XX,9 ^ apend, VII, VIII und /Z, p. 191^201. Nach Villanueva
bidt looieiis vier P^ovinzialoondlien.
0 Viüanueva, XX, 8-9.
*) ZmrUa, l X, cp. 40-66.
*) Behnddi, 313^317.
294 Zwölftes Buch. £rstes Kapitel
Herzoge von Montblanc, zu (1395 — 1410), der in allen Theilen der
Monarchie ohne Widerstand anerkannt wurde. Er führte eben Krieg
gegen Aufrührer in Sicilien. Seine Gemahlin Maria hielt die Ordnung
in Aragonien aufrecht. Don Martin L wurde am 13. April 1399 zu
Zaragoza mit grösster Feierlichkeit gekrönt').
§.46.
Der Gegenpapst Benedict XIII. (Petrus de Luna) berief seine
Anhänger am 15. Juni 1408 zu einer Synode nach Perpignan, im Reiche
Conci- Aragonien, welche am 1. November daselbst eröffnet werden sollte. —
JJjp^""Am 11. October aber forderten die Cardinäle, welche sich in Pisa ver-
pignao, sammelt hatten, alle noch bei Benedict XIII. befindlichen Prälaten und
' Bediensteten auf, ihn zu verlassen und sich mit ihnen zu vereinigen.
Die Widerspenstigen sollen aller Wurden und Beneficien yerlusiig
gehen. Von Benedict XIII. verlangten sie jezt und später vergebens,
dass er zurücktrete. Bei Benedict waren in Perpignan nur drei Car-
dinäle, Fieschi, Chalant, Joann. Armagnac, Erzbischof von Aach, und
Cardinal von Sabina. Berengar, Bischof von Gerona und Cardinal
Gregor's XIII., war kurz zuvor, am 23. August 1408, gestorben.
Am 7. November 1408 citirte Benedict XIII. die Cardinäle za sich
nach Perpignan, wo angeblich schon viele Prälaten und angesehene
Männer aus Frankreich, Spanien, Savoyen, der Provence und Gascogne
versammelt waren. — Benedict hatte seine Synode am 1. NoTember
in der Schlosskirche eröffnet. Er selbst %pontificirte. Alfons de Exea,
Administrator des Erzbisthums Sevilla, und Patriarch von Constantino-
pel, hielt die Predigt. Um sich mit einigem Nimbus zu umgeben,
hatte Benedict (wie auch Gregor XII.) Bischöfe mit den Titeln der
vier orientalischen Patriarchate geschmückt, auch fünf Cardinale ernannt,
von denen zwei während der Synode starben. In Perpignan hatten sich
die Erzbischöfe von Toledo, Zaragoza und Tarragona eingefunden, nebst-
dem viele Bischöfe und Prälaten aus Spanien, aus der Gascogne, Sa-
voyen und Lothringen, im Ganzen etwa 120, nebstdem Gesandte von
Königen und Fürsten. König Martin I. streckte seinen schüzenden
Arm über die Synode aus; die Cardinäle von Pisa hatte er derb abge-
wiesen. Die zweite Sizung wurde am 15. (17.) Deccmber gehalten,
doch im Ganzen mit Formalitäten ausgefüllt. Am 5. December lad
Benedict seine Synode ein, ihm zu rathen, was er ferner noch für die
') Bianca f Coronaciones de los reyes de Aragon^ p. 62—80. — Ueber
die ganze Regierung Don Martinas, s. Zurita^ l. Z, cp. 57-91. — Ak Schmidt,
p. 317^321.
Paeudo-Synode von Perpignan. 295
Sache der Union der Kirche thun könne. Die Antwort sollte am
i^ December gegeben werden. Der Termin wurde auf den 1. Februar
1409 erstreckt Eis wurde ein Aasschuss von 60 Männern, dann ein
engffer von 30, dann ein engster von 10 Männern gewählt. Unter
diesen war aach Petrus Cagarri^a, der im Juli 1407 von dem Bisthum
Lerida auf das Erzbisthum Tarragona versezt worden war. Auch der
Erzbiflcbof von Zaragoza befand sich im Ausschuss. Aber der Aus-
8chas8 gerieth in solchen Hader, dass die meisten Mitglieder der Sy-
node Perpignan verliessen, und nur achtzehn zurückblieben. Die Zurück-
bleibenden waren eifrige Anhänger Benedicts. In ihrem Namen ertheilte
der Patriarch Alfons von Exea am 1. Februar 1409 eine Antwort in
vier Poncten, des Inhalts, dass Benedict aus allen Kräften die Union
aostreben, aoch zur Abdankung sich herbeilassen solle. Benedict gieng
anschemend darauf ein. Das (Rumpf-) Concil dankte am 12. Februar
am and Gott in feierlicher Weise. Am 26. März wurden in der
sechsten und lezten Sizung sieben Nuntien gewählt, welche nach Pisa
g^n und mit den Cardinälen unterhandeln sollten. Aber die Aufträge,
die ihnen Benedict gab, entsprachen keineswegs den Wünschen des
Aoscchusses. Unter den sieben waren der Erzbischof von Tarragona,
Joannes de Illescas, Bischof von Siguenza, und Bonifaz Ferrerius,
Prior der grossen Carthause zu Zaragoza, Bruder des heiligen Yincenz
Ferrerins. Sie kamen sehr spät in Pisa an, und ihre Vollmachten er-
Khienen als vollkommen nngenügend ^).
Die Beschlüsse der Synode zu Pisa fanden in Spanien keine An-
nahme; die Absezung Benedicts durch das Pisaner Concil wurde
nicht anerkannt. Weder Alexander V. noch Joannes XXIII. wur-
den dort als Papste angenommen. Spanien dürfe sich rühmen, meint
^ic. de la Fnente, einen Mann wie Balthasar Cossa, nicht anerkannt
m haben*).
*) Peres BcQtr in t U der Bibliotheca Vetua des Nie. Antonio (U, 214) ver-
■wketBitGmnd, dass die Schrifl: Rdatio itinei^ü Banifacii Ferrerii, Petri
^i^^. Tarraconerms — Bericht über die Reise der sieben Nuntien Benedicts
weh Pia — von Bonifaz Ferrerine geschrieben sei. Perez Bajer nahm davon im
^ibe 1756 dne Abschrift za Florenz.
^ Thiodorieua de Niem, Bütoria ßchismatis inier Urbanum VI. et de-
"«faa Aniipapam (ann. 1378—1410), lib. 4, lib. 3, cp. 36—37 über das Con-
efl w Perpignan. — AguirreCatalani, F, 311—314. — Mansi, t. 26, p. 1098-
1124 (HrfeU, VI, 860^52). — Tefada y Ramiro, III, 626-31. - Vic. de la
*^i««e, IV, 426.
L
296 Zwölftes Buch. Eratea Kapitel
§. 47.
Tod Kö- Der König Don Martin L starb zu Barcelona am 31. Mai UIO;
°!n*8 l' ™i^ ^b^ erlosch der Mannesstamm der Grafen von Barcelona , ^welcher
i4to. fast drei Jahrhanderte hindurch dem aragonischen Beiche eine Regenten-
reihe gegeben hat, wie sie nur wenige Geschichten des Mittelalters auf-
zuweisen haben" ^). In seinem Testamente hatte Don Martin nur gesagt)
dass derjenige als König ihm nachfolgen solle, dem es von Rechtswegen
gebühre. Vier Candidaten für die Krone von Aragon traten auf, der
bedeutendste unter ihnen war Ferdinand, Infant von Castilien, Sohn der
Eleonore, einer Tochter Don Pedro's IV., und des Königs Enrique IL
von Castilien. Sein Hauptgegner war Graf Jayme von Urgel^ Urenkel
Don Jayme's II. Der Infant Ferdinand legte seine Ansprüche einer
Versammlung von Bischöfen und Rechtsgelehrten Aragoniens zur Prü-
fung vor.
Am thätigsten für seine Ansprüche wirkte der Erzbischof Garcia
Hemandez von Zaragoza. Der Graf von Urgel liess diesen bei Zara-
goza überfallen, und der Erzbischof wurde am 1. Juni 1411 ermordet.
Der Abscheu über diesen Mord aber war so gross, dass Graf Jajme
con- dadurch die meisten seiner Anhänger verlor. Es wurden nun neun Rieh-
^pj^' ter aus den Reichen Aragonien, Valencia und Catalonien erwählt, unter
ihnen der heilige Vincenz Ferrer und sein Bruder Bonifacius, sowie
der Erzbischof von Tarragona, welche in Caspe am Ebro, nicht weit toh
Zaragoza, zu einem Congress zusammentraten. Dorthin sandten anch
die Throncandidaten ihre Bevollmächtigten. Der Congress hörte uod
prüfte dreissig Tage lang die Ansprüche der Streitenden. Dann fanden
acht Tage lang geheime Berathungen der „Richter** statt. Von neun
hatten sich sechs zu dem Beschlüsse vereinigt, den im Namen Aller
König Vincenz Ferrerius am 28. Juni 1412 verkündigte: Der Infant Ferdinand
ni^nd I. ^^^ Castilien sei, als nächster Verwandter des verstorbenen Königs, zu
(1412- seinem Nachfolger in den Reichen der Krone von Aragon erwählt wor-
den. Allgemeiner Jubel des Volkes nahm diese Erklärung auf. Abge-
ordnete der drei Reiche wurden dem neuen Könige entgegengesandt'].
') AI. Schmidt^ Gesch. Aragon, im Mittelalter, S. 321.
*) Bianca^ Commentarii rerum Aragon,, ap. Schott, H%8p€tn. tUustT^ Hl
eoe-'B?. — Zurita, Anales, L XI. — Laurent. Vallae de rebus a Ferdinando
Aragoniae rege gestis l. III, ap. SchoU, t. III. — Schmidt, 322-^27. - ii^V«-
CataUxni, F, 318^320. - Tejada, III, 632 -652.
KOnig Ferdinand I. (U12-U16). 297
§48.
König Ferdinand !• kam über Calataynd nach Zaragoza. Er be-
stätigte die Gesezc, Rechte nnd Freiheiten d«8 Seiches, nnd empfieng
die Haldignng als Konig. Aufstände in Sicilien und Sardinien \7urdeu
in Bilde nnterdrfickt Auch der Graf von Urgel unterwarf sich; aber
Dor scheinbar. Er begann den Bürgerkrieg, wurde besiegt, gefangen,
ond za lebenslänglicher Hail verurtheilt.
Jezt erst liess sich Ferdinand zu Zaragoza in Gegenwart der
Stande des Reiches — im Februar 1414 — krönen. Zehntägige Feste
schlössen sich an die Krönung an. Seinem ältesten Sohne Alfons wurde
als dem Thronfolger gehuldigt *).
§. 47.
Im October 1413 lud Kaiser Sigmund die Bischöfe und Fürsten
zu der Synode von Constanz auf den 1. November 1414 ein. Konig
Ferdinand und der Gegenpapst Benedict XIII. wurden durch eine be-
sondere Gesandtschaft eingeladen. Lezterer be&nd sich seit längerer con.
Zeit in seiner Heimath Aragonien. Am 22. Januar 1414 erklärte sich ^^^^r
der Konig aufs Neue feierlich für Benedict XIIL als Papst. Am
i» Februar lud ihn der Kaiser zum Concil nicht bloss ein, sondern
iurdeite ihn Kraft kaiserlicher Rechte auf, bei demselben zu erscheinen.
Ferdinand gab eine j^gar wenig höfliche^ Antwort, und wies die
Ansprüche einer Superiorität des Kaisers über ihn weit von sich').
Die Synode zu Constanz wurde am 5. November 1414 eröffnet.
Uir Hauptzweck war^ der Kirche den Frieden und die Einheit wieder
zo geben. Als einziger Weg hiezu erschien die freiwillige Abdankung
Johamies XXIII, Gregorys XII., und Benedict's XIII.
hn Januar 1415 kamen die Gesandten Benedict's XIII. und des
Königs Ferdinand in Constanz an. Sie wurden am 12. und 13. Januar
>Agehört Sie gaben aber nur die nichtssagende Erklärung, dass ihre
Henen bei ihrer verabredeten personlichen Zusammenkunft mit dem
Kaiser in Nizza die Mittel zur Wiederherstellung der kirchlichen Ein-
^ besprechen worden.
Am 1. März 1415 las Johannes XXTII. seine Cession in der
*) BUmea^ Coronaciones, p. 82-^7.
*) Die ActeoBtOcke, s. D'öüinger^ Materialien zur Geschichte des 15. und 16.
Jibtaadcrti, Bd. II, Bagensbarg, 1863, p. 367-374 (Hefde, VII, 21).
298 Zwölftea Buch. Ersten Kapite!.
Synode vor, enlwieli aber lieimlich am 20. März nach Schaffbansen,
ohne das8 er seine Cession zuräcknahm. — Da Benedict XIU. mcht
durch Procuratoreo, sondern nur persönliuii abdanken za wollen ei^lärt
hatte, 8o war zwischen ihm und dem Kaiser eine Zusammenkunft b
Nizza beschlossen worden, welche durch einen neaen Vertrag Sigit-
munds mit König Ferdinand vom 5. Juli verschoben wurde *). Nach
dem 14. Juli 1415 wollte der Kaiser abreisen*). Am 14. JoU wurde
Gregor XII, als Petrus Corrano nach seiner freiwilligen Cession nm
ersten Cardiualbischof and beständigen Legaten in der Mark Raresna
ernannt. Es wurde erklärt, wenn auch Benedict XIII. resigniren vördc,
könnte vielleicht das ConcÜ oder der künftige Papst ihn dem Petras
Corrario gleich- oder vorsezen. Kurz darauf reiste ijigmond mit aeth-
zehn Prälaten und Doctoren, und einem Gefolge von 4000 Pferden von
Constanz ab. Statt in Nizza, fand die Zusammenkunft mit Benedict
in Perpignan statt. Der Kaiser kam am 15. Angnst in Narbonne ao,
wo er einige Wochen verweilte. Der König Ferdinand war krank ge-
worden und behauptete, sein Land nicht verlassen za können. Am
18. September kam der Kaiser in Perpignan an. Benedict XIII. var
(gemäss früherer Verabredung) im Monat Juni zu Perpignan gewesen,
hatte um Mitternacht des lezten Juni die Stadt wieder verlassen, nad
den Kaiser als widerspänetig erklärt, weil er zur bestimmtea Zeit nicht
Vorgab- erschienen*). Doch kam derselbe später wieder nach Perpignan. Er
licbizu- stellte nicht annehmbare Bedingungen, z. B. dass er nach seiner Äb-
aea- dankung allein den neuen Papst wählen dürfe, weil er dann der ebzige
knnit in ächte Cardinal sei. Am 30, October verlangte die Synode von Con-
picDu, stanz, Benedict solle einfach resigniren. In Narbonne und in Pcrpi|^
iii5. frtirde nichts erreicht Der Kaiser trat Anfangs November den Rück-
■•weg an. Aber in Narbonne wurde er durch Gesandte der spaoisclien
Könige und Schottland's eingeladen, zu bleiben. In Perpignan begauoen
neue Verhandlungen zwischen seinen and den Mandataren der erw^iD-
ten Fürsten. Benedict sollte ebenso, wie Gregor XII., entsagen. Ala
Benedict sich von seinen Anhängern verlassen sah , entfloh er nacfi
Collionre'), drei Tage später in die Bergfestung Fenniscola, auf einer
Landesznnge am Meere zwischen Castellon und Tortosa, in der FroTim
Valencia, welche wahrscheinlich der Familie der Luna gehörte.
Hier trozte nun Benedict der ganzen Kirche und der gsozeB
Welt, dem Könige und den Bischöfen von Aragonien, und blieb
') DöUinga; l. c, 11, 376.
*) Hefele, VII, 230. '
') Martme, Fet m. ampl. CoU. VII, 1208-16. - Man«, (. 28, p. 917.
- mUinger, II, 136.
') Sfldlicb von Peipfgnan, ond an der Grenze des heutigen SpanJaot.
König Ferdinand I. nnd Alfons V. (U16-1458). 299
ia feioer einsamen Bergeshohe und seinem unbeugsamen Starrsinn der
riozig rechtmässige Papst bis zn seinem Tode, der ihn am 23. Mai
UH traf:
§. 50.
König Ferdinand war krank nach Perpignan gekommen, und kehrte
krank nach Barcelona zurück. Der Troz Peter's von Luna verbitterte
die lezten Monate seines Lebens. Er starb am 2. April 1416 zn Igua-
lida, erst 37 Jahre alt. Er war einer der herrlichsten Fürsten aller
Zeiten. Seinen Entschluss, die Mauren im Bunde mit Castilien aus
Spanien zu vertreiben, konnte er nicht ausfuhren.
Sein Sohn Alfons V. (1416—1458) zählte bei dem Tode des Vaters
trst 15 Jahre. Schon im Mai 1419 zog er mit zahlreicher Flotte
:e$eQ die Genneser nach Italien; die Regentschaft überliess er seiner
tiemahlin Maria.
§. 51.
Nachdem Martm V. am 11. November 1417 als Papst erwählt
«Orden, schickte er sogleich einen Nuntius an den Konig von Arago-
iien, om durch ihn mit Benedict XIII. wegen seiner Abdankung zuBenodict
v^rinndehi. Alfons V. wandte sich unverzüglich als Vermittler an
Peter fon Luna in Penniscola. Die vier Cardinäle, die noch bei Peter
geblieben, riethen ihm zum Nachgeben, und als er nicht nachgab, traten
zwei derselben zn Martin V. über. Ihre Gesandten trafen schon am
31. Januar 1418 in Constanz ein. Am 18. Februar sandte das Concil
den Cardinal Aleman. Adimari, frühern Erzbischof von Pisa, mit er-
weiterten Vollmachten ab. Peter von Luna erwiderte, er wolle selbst
mit Mariin Y. verhandeln. Der Gesandte kam im Monat April zu
Barcelona, am 7. Mai zu Zaragoza an, wo damals der Hof weilte. Al-
ftna V. versprach neben vielem Anderen dem Peter von Luna, wenn
er Daehgibe, jährliche 50,000 aragonische Gulden für seinen stattlichen
loterluJt; alle seine Anhänger sollten im Besize ihrer Beneficien blei-
1^ Peter von Luna, „nicht verleugnend seinen Charakter als Ara-
gonier" i^ wurde nur um so starrsinniger. — Die Anhänger Peters von
^^ok Terbreiteten das Gerücht, der päpstliche Legat habe den Peter
vergiften hissen; das Gifl aber sei ihm unschädlich gewesen, denn er
^ Mgt der CaatUiancr Tejada y Ramiro, Ul, 712.
300 Zwölftes Dnoh. Etstoe K&pit«!.
habe Doch fiinf Jsbre gelebt, während der Cardinal von Pisa eia Jahr
fräber, am 17. September 1422, gestorben eei").
BjDoäe ^^'' Cardinal berief nach lierida eine' VersammlnDg der Bisdiöfe
■« and kirchliclien Capitel. Diese Versammlung blieb allen Sammleni
j,,^' und Bearbeitern der Concilien in nnd ausserhalb Spaniens nnbekaanL
Tcjada bat zuerst Licht über die Synode verbreitet. Dalmatine Raset,
der Protiurator des Capitels von Gerona, schrieb in barbarischem la-
tein ein Tagebuch über die Yersammlung, welches sich als M. S. b
dem Archive der Cathedrale von Gerona erbalten. Tejada stand wegen
des Umfangcs und der schweren Verständlichkeit des Textes davon
ab, es ganz abdrucken zn lassen, ^ebt aber einen aasführlichen Auszug
ans demselben.
Am 8. October 1418 stellte sich Dalmaüns dem Legaten vor.
Am 9. October wurde das Concil eröffiiet, unter anderem mit eioir
feierlichen Frocession. Zugegen waren die Bischöfe ans den beiden
Kirchenprovinzen Tarragona und Zaragoza. Man verhandelte über lU-
form der Sitten, und die Herstellung der Einheit der Kirche, welche
ein „gewisser Mensch, Namens Peter vonLuna"'), gestuzt von Beinen
Anhängern, verwirre und zerstöre. ' — Man beschloss, an Peter de Luna
keine Gesandtschaft mehr zu schicken, weil man von der Vergebliub-
keit derselben überzeugt war. Es schien auch nicht rathsani, den
„Herrn von Luna" in Fenniscola zu belagern, u. a. weil die Festang
uneinnehmbar sei. — Inzwischen verlangte der König wegen der Tiden
Ausgaben, die er und sein Vater in Angelegenheiten der Kirche gebati,
mit aller Energie, dass ihm zur Entschädigung kirchliche Zehnten t^
willigt werden, Alfons V, kam über diese und ähnliche Anliegen mil
Martin V. in schwere und lange Conflikte, aus denen Peter von Lasi
seinen Nuzen zog. Auch mit dem Cardinal kam die Synode in schwen
Conflikte, and glaubte von ihm höchltcb beleidigt zn sein. Sie bat —
am 9, November — den Legaten, er möge sie im Frieden von danoeo
ziehen lassen. Am 15. November giengen Gesandte des Cardinais und
des Concils zum Könige, der auch über lezteres sehr aufgebracht war,
weil es ihm keine Subsidien geben wollte. Dem Cardinal zürnte er,
weil er auf die Synode zn seinen Gunsten nicht stark genug eingewirkt
habe. Man kam zu keinem Resultate.
Am Samstag den 19. November erklärte der Cardinal: Da die
Zahl der zur Synode Versammelten sich aus verschiedenen GrÖDdeD
jeden Tag vermindere, so sei er entschlossen, die Synode zu entlassen.
Wenn er früher habe Worte fallen lassen, die besser augesagt geblieben
') Zurüa, ÄttaUs de Aragon, l. 12, <
*) Sp&ter faeint er: Senor de Lima.
Conoil von Lerida» 1418. 301
vireOy so sei es geschehen^ weil eben die ersten Sturme (des Zornes)
nicht immer bewältigt werden konnten; sie mögen, bitte er, annehmen,
dass er Solches nicht gesprochen ^). Um diesem Acte eine gewisse
Feierlichkeit, om dem Process gegen die (Leute) in Penniscola, und
der gegen dieselben erlassenen Sentenz eine grossere Oeffentlichkeit zu
gebeD, werde sein Secretär eine Erklärung verlesen. Dieselbe enthielt
die durch das Concil von Constanz gegen Peter von Luna und seine
Anhänger ausgesprochene Absezung, die Aufforderung des Legaten an
den König, mit seinem weltlichen Arme der Sentenz Nachdruck zu
gebeo; dazu möge der Clerus eine Subsidie von 60,000 Gulden spen-
den, wozu ihn der Legat verpflichte, zu bezahlen in zwei Jahren, Dann
vnrden die Versammelten entlassen«
Der Bischof von Tarazona protestirte im Namen der Synode ge«
gen die Subsidie von 60,000 Gulden, und appellirte an den Papst und
den heiligen Stuhl. Der Legat erklärte, dass die Nothwendigkeit ihn
zu seiner Forderung zwinge.
flSo endigte dieses seltsame Concil, wo man sich viel herumstritt,
und wo man zu keinem Ergebnisse kam.^ Der Konig wandte sich
nnn an die Sjnodalmitglieder, damit sie ihm für seine vielen Auslagen
md Kosten doch einige Entschädigung geben, und ihre Appellation
lorncknehmen. Die Bischöfe und Aebte wollten nachgeben, die Capi-
tnlaren aber nicht, und man gab sich harte Worte. — Am 23. November
wurde die Appellation dem Legaten überreicht, und man gieng wenig
befriedigt auseinander*).
§. 52.
Schon während des Concils war der Erzbischof Petrus Cagarri^a
kf^ gewesen. Er starb zu Barcelona im grossen Rufe der Heiligkeit
un 31. December 1418. Er galt als einer der ersten Redner seiner
Zeil»).
Er hatte einen eben so würdigen Nachfolger in der Person des Ers-
bifcbof
Dalma-
htsherigen Bischofs von Gerona, Dalmacius de Mur — Juli 1419. Am
3* ^pril 1420 hielt dieser seine erste Diocesansynode, welche noch am cim,
3. Mai fortgedauert zu haben scheint*). ***®*
*) IHe Aosdrfleke lauten spanisch: JbarbaroSy ififides, demonios.^
^ QmcUio de Lerida dd anno 1418 (inidito)^ apud Tefcuta^ 111,
•) FtBami«tw, XX, 9^12.
*) Vülonueva thcilt die Acten dieser Synode mit in zwei Tlieilcn. Der erste
^>Ct dtt Dshim des dritten April , der zweite des dritten Mai 1420. — t XX,
<S«MKc€t XI H XU, p. 206^10—213.
r_
IT ••
-» •
302 Zwölftes Boch. Erstes Kapitel.
Im Jahre 1424 hielt er zu TarragODa ein Provinzialconcil, nm den
UebelstandeD abzuhelfen, welche zur Zeit des grossen Scbisma's all-
mälig eingerissen waren. Nach Vic. de la Fnente sind davon nur zwei
Canones bekannt. Tejada redet von einem zu Lerida (?) im Jahre 1424
gehaltenen Concil, das er nach der Synode von 1418 mittheilen wollte,
aber er fand sein Manuscript nicht mehr vor. Im lezten Bande seiner
Goncilien theilt er aber einen Auszug aus dem Bericht des er-
wähnten Dalmatius de Raset, Archidiakons der Kirche von Gerona,
über die Synode des Jahres 1424 mit. Der Erzbischof hatte die Sy-
node auf den 19. Juni 1424 nach Tarragona berufen. Am 1. September
wurde die Synode eröffnet. Zugegen waren die Bischöfe von Lerida,
Gerona, Tortosa und Vieh, Procuratorcn der Bischöfe von Valencia,
Barcelona und Urgel. Der Erzbischof entschuldigte sich, dass er darch
Geschäfte und verschiedene Reisen verhindert worden, bis jezt die Bi-
schöfe zur Synode um sich zu versammeln. Er erklärte, dass die jezigc
Synode zum Theil zur Ausfuhrung der Beschlüsse der Synoden tod
Constanz und von Siena gehalten werde.
Konig Alfons V. war aurs Neue mit Papst Martin Y. zerfallen.
Alfons V. war im Juli 1421 mit seiner Flotte vor Neapel erschienen.
um seine Ansprüche auf den Besiz dieses Königreiches mit Gewalt
durchzuführen. Papst Martin V. aber wollte Neapel dem Herzog Lod-
wig von Anjou zuwenden. Der Papst lenkte aber wieder ein, als AI-
Alfons fonso V. auf's Neue den Peter von Luna zu begünstigen schien, nud
V. tind schien nicht abgeneigt, die Adoption Alfons Y. durch die Konigin Jo-
V. ° hanna II. von Neapel zu bekräftigen. — Alfons V. zerfiel aber bald
mit Johanna II., welche die geschehene Adoption desselben widerrief,
mit Beistimmung des Papstes; dafür adoptirte sie den Herzog Lodwig
von Anjou.
Alfons V. Hess, um an dem Papste Rache zu nehmen, nach dem
Tode des Peter von Luna — Mai 1423 — den Domherrn Aegidios
„Papst« Munoz von Barcelona als Papst wählen, der den Namen Clemens YUI.
jvegid. annahm. Darüber beschwerte sich der Papst in einem Schreiben an
Alfons V. Den Erzbischof und Primas von Toledo, Juan Martinez de
Contreras aber forderte er dringend zur Vertheidigung des heiligen
Stuhles auf^). Auf der Synode von Siena, die im Juli 1423 eröffnet
worden, wurde am 8. November Peter von Luna aufs Neue venirtheilt:
diejenigen werden bedroht, welche das Schisma nach seinem Tode fort-
sezen würden. Die Gesandten Aragoniens auf der Synode zu Siena
bestritten sogar die Giltigkeit der Wahl Martin's V. Die Synode von
Mnnnoz.
') Raynald., ad ann, 1423, nr. 10 "12. ann. 1424, nr. 1.
f
Conoil von Tarraco, 1424. 303
SIeoa schrieb nach Basel ein neues Concil aus, am 19« Februar 1424,
ood loste sich bald nachher auf.
In seiner ErofFnongsrede vom I.September 1424 erklärte derErzbisebof
Dalmacios de Mur, dass Martin V. der unzweifelhafte Statthalter Christi
sei, dass aber einige im Castrum von Penniscola Wohnhafte ') das un-
zertrennliche Gewand des Herrn zu zerreissen drohen^ wogegen die
Väter der Synode alle Mittel anwenden müssten. Man müsse nach
Wegen trachten, den Konig mit dem Papste zu versöhnen. Der Erz-
bischof erkliirte, man müsse wegen der Gefahr, in der Alles schwebe,
dem Könige, welcher zu Barcelona weilte, vorstellen, dass er dem Papste
gehorchen solle, und dass er ^die That von Penniscola'' ^austilge, dass
er aoch innehalte, die Kirche und die Bischöfe zu beschweren und zu
rerlezen. Eine Gesandtschaft des Concils an den Konig gieng ab, es
Tven zwei Bischöfe, zwei Aebte und zwei Kanoniker, welche am
22. September abreisten. Der Konig erklärte, dass er die Herren in
PeDoiscola nicht unterstüze, dass er sie nur dulde, da sie nicht in an-
dere Länder giengen. Sein Wunsch sei es, dass sie nicht an Leib und
Leben gestraft werden, sondern sich bekehren und leben. Er hoffe, dass
die ia Tarraco Versammelten sein Verfahren billigen werden. Er werde
leibst t)ald nach Tarraco kommen. Schwer aber sei es, die Festung
Pomisoola zu belagern. Wer wolle das Geld für das Unternehmen
pbcD? Gegen Papst Martin V. war er noch immer sehr aufgebracht,
and meinte, er habe ihn durch einen Juden vergiften wollen. In der
Antwort des Concils vom 6. October wird u. a. gesagt, dass die Leute
nm Penniscola freien Zutritt bei dem Hofe des Königs haben , dass
iie in der königlichen Capelle der Messe des Königs anwohnen, was
Hir das Seelenheil des Königs sehr gefahrlich sei; es gehe das Gerücht,
dafi8 der Konig dieselben mit Subsidien unterstüze, die der „apostoli- ^^^^^^
sehen Kammer^, d. L den dem Papste zukommenden Geldern ange-
lt^, dass Einige von dem Hofe des Königs nach Penniscola gekora-
"^) ond dem Gegenpapst gehuldigt haben; so könne der König nicht
<^CQ} dass er deai Gegenpapst nicht anhänge. — Für den König von
Agonien sei es wahrlich keine schwere Sache, die Sectirer in Pennis-
^ zn Paaren zu treiben. Er brauche nur einen Brief zu schreiben,
d^nn würden die Nachbarn oder Einwohner der Burg, oder auch (der
Besiztf der Burg) Rodrigo von Luna allein den Gegenpapst ergreifen.
Bttreffend die Kosten habe ja das Concil dem König schon 60,000 Gul-
den gegeben.
Es wurde eine Anzahl von Constitutionen zur Reform der Sitten
Torgelegt. Der Erzbischof erklärte, das Concil möge die ihm noth-
*) ts Cadro Peniseolae hdbiloniae (f) existentes.
304 Zwölftes Bnch. Erstes EftpiteK
wendig scheinenden annehmen, die übrigen aber fallen lassen« Denn
man habe ja schon so viele und vielerlei Constitutionen, dass man mit
unnothigen neuen eigentlich nur das Papier schwarz mache, und den
Seelen Neze lege').
Der vorgelegte Entwurf über die Reformation handelte von der
Feier der Provinzalconcilien, über die Visitationen der Bischöfe, die
Kleidung der Cleriker, davon, dass die Cleriker, und nicht die Mönche
predigen sollen, dass die durch Laien in den Besiz von Beneficicn Ein-
gedrängten ausgeschlossen, und unfähig för die Uebertragung anderer
Beneficien seien, wenn sie nicht innerhalb eines bestimmten Xermincs
Verzicht leisten, u. a. m.
Am 13. October kamen die Gesandten vom Konige zurück. Die
Hauptsache aller Bemühungen des Königs war, von dem Clerus einiges
Geld herauszupressen. Diess war der Anfang und das Ende der Ve^
handlungen. Zum wenigsten hoffte er 60—70,000 Gulden zu erhalten
Der König kam nun selbst, und das ganze Concil zog za seinem Em-
pfange aus — 16. November. Auch die Konigin kam und wurde mit
dem gleichen Pompe empfangen. Der Konig erschien in dem Concile
und wurde mit einer freimüthigen Ansprache begrüsst. Er liess der
Synode in seinem Namen verschiedene Propositionen machen, die haupt-
AifuDB Bc^chliche aber war, dass sie ihm einige Hilfsgelder bewilligen mochten.
V. ver- deren er gar sehr bedürfe. Die Väter antworteten, wegen der Zerwürf
sab.^ nisse des Königs mit dem Papste und des Schisma's von Penniscob
■idien. können sie nichts geben, ohne eine Todsünde zu begehen und Goti
schwer zu beleidigen. Alfons V. liess antworten, der Konig von Frank«
reich habe für die Unterdrückung des Schisma gar nichts gethan; den-
noch habe ihm der Papst 30,000 Gulden Rente bewilligt; es sei nicht
in der Ordnung, dass der Konig von Aragonien, der so viel gethas
habe für die Kirche, wie auch sein Vater, ganz leer ausgehe.
Nach vielem Hin- und Herstreiten und vielen Conferenzen gab
das Concil dem Könige 30,000 Gulden, oder 1660 Pfund Barceloneser
Gewichts, zahlbar in zwei Jahren und an vier bestimmten Pläzen; nicbt
ans Schuldigkeit, sondern aus Gnade geschah die Schenkung. Der
König liess danken. — Das Concil beschloss, den Papst durch eioe
Gesandtschaft zu ehren« — Am 9. Dccember endigte die Synode.
Der Erzbischof von Tarragona und sein Sprengel, mit Einschlnss
der kriegerischen Orden und der Exemten zehnteten damals 22,2 lö
Pfund und 13 Solidi, sie zahlten also 2201 Pfand 16 Solidi. — D^r
Bischof von Vieh in derselben Weise 15,005 Pfund, und bezahlte 155P.
Der Bischof von Tortosa 21,018 Pfund, 10 Pfennige, zahlte 2101 Pfond,
*) Cumjam essent Conatitutionea tot et tantae, quod non eraJt nisi dmi-
grare papirum et illaqueare anmas.
Phffipp V. in den Jahren 1700- 17Ö3. 805
StitduJtem in Italien, dass sie seinen Sohn Carl als ihren Konig an-
erkennen sollten, aber sie erwiederten, dass sie Philipp Y. schon ge-
liokligl hätten. — Diese Verwicklungen führten za dem spanischen
Erbfolgekrieg, in dem Oesterreich, England und Holland durch die
Allianz Tom 7. September 1701 gegen Frankreich, (Spanien), Bayern
ond SaToyen kämpften.
Am 4. December 1700 reiste Philipp V. , mit seinen Briidem, ^^^'
den HerEogen Ton Burgund und Berry, in sein Reich ab. Die Prinzen IZll
begleiteten ihn bis an die Grenze, welche Philipp am 24. Januar 1701 ^'^^
l>ei Iran überschritt — Am 17. Januar hatte der Graf von Harrach, ii.ApAi
Oesterreich's Gesandter in Madrid, feierlich gegen das Testament ^^®^'
Caris II. protestirt, da er zu demselben gezwungen worden sei, wie
«an Beichtvater P. Torres, der Generalinquisitor und die Konigin-
Wittve bezeugten. Philipp Y. befahl, dass die Konigin -Wittwe den
Uä TOT seiner Ankunft verlassen müsse, sowie ■ der Beichtvater, der
Grofisinqaisitor, die Gesandten von Oesterreich und der Churpfalz, und
eioige andere Personen.
Am 18. Februar empfingen Portocarrero • und viele Granden
Philipp V. in Buen-Retiro. Am 14. April zog derselbe mit herkomm-
ücbem Pompe in Madrid ein. Er bildete seinen Rath aus dem Car-
QiQile, aus Manuel Anas, der im Jahre 1702 Erzbischof von Sevilla
wurde, and dem Franzosen Harcourt, welcher alle friihem Intriguen
mit Portocarrero eingefädelt hatte.
§. 2.
Philipp V., geboren den 19. December 1683 zu Versailles, war
der zweite Sohn Ludwig's, Dauphins von Frankreich, und der Maria
Aooa von Pfalz (-Bayern). Philipp hatte (sagt SUmondi ') sich bisher
Dv darch seine Sanftmuth bemerklich gemacht. Er hatte wenig
Fehler, aber auch wenig Tugenden; seine Gesinnungen waren auf das
l^te gerichtet und ehrenwerth, aber sein Charakter entbehrte der
Eaergie . . . • Er zeigte nur Geschmack für die Uebungen der
Frömmigkeit, und für die Jagd; er war dazu geschaffen, um regiert
xa werden, und er wurde regiert sein Leben lang').
Diese Schilderung passt eben so gut auf Philipp V., wie auf
Pkilipp UL, zum Theile auch auf Philipp IV. Spanien hatte von 1598
u vergebens auf einen kräftigen Regenten gewartet. Hätte es eines
gewalügen Jäger's bedurft, so war ihm mit der Person Philipp*s V.
0 Hiitoire des FrailQab, 31 vol. 8^ Paris, 1821 — 18il«
^ U iult fait, poar etre ganvemö, et il le fut tonte sa vie.
Gtsi, ipw. KirelM. HT. %, 20
306 Vierzehntes Bach. Erstes iCapitcl.
vortrefflich gedient. — Ludwig XIV. besorgte für seinen Enkel aoch
eine Gemahlin — in der Person der Maria Luisa Gabriela, Tochter
des Herzogs von Savoyen. Am K Mai 1701 warde der Ebevertr&g
Die Kö- in Madrid verkündigt. Am 3. November fand die Vermählang zu
M«ia Figueras statt. Im Winter 1701 — 1702 weilte das Eonigspaar zn
Lniss Barcelona, von wo sich Philipp V. am 8. April 1702 nach Neapel
^la!^' einschiffte. Er Hess die Königin als R^ichsverweserin mit einem
Cabinetsrathe zurück, in , dem naturlich auch Portocarrero sass. Der
Eonig hatte Cortes zu Barcelona gehalten; die Eönigin sollte jezt
Cortes zu Saragossa halten, um die Elagen der eben gehaltenen Stände
zu beschwichtigen. Die Eönigin selbst präsidirte den Cortes, aber
eilte, ohne sie zu schliessen, nach Madrid. Dort zog sie am 30. Joni
ein, „unter unaussprechlichem Jubel und Frendenbezeugnngen , sowohl
wegen der beständigen Treue und Liebe dieser Bevölkerung zu seinen
Königen, wie wegen des Wohlwollens und der Anmnth, welche in der
Königin herrschten"').
Der Erbfolgekrieg erreichte Spanien erst im Jahre 1704. Mit
8000 Anglo-Holländern landete der Erzherzog Carl in Lissabon, nach-
dem auch Portugal zu den Gegnern Ludwig's XIV. übergegangen war,
hoffend, sich einen Theil Spanien's einverleiben zu können, während
eine französische Armee unter Marschall de Berwick Philipp Y. zn
Hilfe eilte. Der Feldzug dauerte nur drei Monate, in dem die Spanier
stets Sieger waren. Philipp V. theilte alle Gefahren, wie ein einfacher
v«riu8t Officier. Aber die Festung Gibraltar, in welcher nur 100 Spanier lagen,
Qibrai. ggj durch Ueberfall dem Admiral Rook in die Hände, ein bis hente
schmerzlicher Verlust für Spanien, das nun einen äusserst gefährlichen
Nachbar auf seinem Nacken sizen hatte, den es nicht mehr abschütteln
konnte^). Im Jahre 1705 wendete sich das Glük wieder zn Gunsten
der Feinde Phüipp's V.«),
§. 3.
Par. Parteien herrschten am Hofe des Eönigs, der seinem Vorsaz
^\m u'^g^treu geworden war, nur mit Spaniern sich zu umgeben. Die
Hofe. Französin Maria- Anna de Tremouille, bekannter als Fürstin von J7r«m,
erste Palastdame der Eönigin, bemächtigte sich des jungen Eönigs
und der Eönigin nur zu Gunsten ihrer Landsleute. Da Spanien^
Finanzen sich in einem Zustande der Verzweiflung befanden, so sollte
») Florez, Reynas, 11, p. 995.
') Dem Narva@z wird der Plan zugeschrieben, mittelst eines Canals für grosse
Schiffe — Gibraltar Aus einer Halbinsel zu einer Insel zu machen.
•) Sabau, t. XX, p. 1-76.
Die üisioi; der Cardinal Port()(^arrero. 307
der Franzose Orry ihnen anf die Beine helfen. Er war unbestechlich,
trieb aber die Sparsamkeit bis zur äussersten Härte. Die von ihm
renocfaten Reformen verlezten gar viele Interessen; eine neue Kopf-
steuer z. B. begegnete so grossem Widerstand, dass man auf sie ver-
zichten mtiBSte.
Die Fürstin Ursini sah ihren Hauptgegner in dem Cardinal
Portocanero, und arbeitete an seinem Sturze. Dieser Politicns sah,
wie er verdient, diejenigen als seine mächtigsten Feinde , die er mit
lUer Energie zur einzigen Macht über Spanien erhoben.
Nachdem er den Hof, wie er meinte, von der Partei Oester-
rtich's ganz gesäubert, drängte er in die wichtigsten Aemter seine
Fremde and Günstlinge, nnd gab ihnen Stellen, denen sie nicht ge-
nchsen waren, oder die ihrem Charakter nicht entsprachen. Die
Fnoiden stiessen sich an diesen Missgriffen, und theilten ihre Klagen
aadi dem Auslande mit. Allen voran die Fürstin Ursini ^).
Mit Hilfe des Cardinais gelang es ihr, den ihr verhassten Patri*
uthen von Westindien, der Philipp V. getränt hatte, vom Hofe zu
TerbumeD*). Der „gute^ Cardinal hatte geglaubt, dass der Wechsel
der Dynastie, für welchen er so gewaltig gewirkt hatte, für ihn selbst
^en Wechsel in seiner beherrschenden Stellung mit sich führen
verde. Aber siehe dal „das fremde Weib'S die Ursini, hob ihn bei
Hofe sQs dem Sattel, warf ihn in den Sand, und zwang ihn, vom Hofe '^®'
osch Toledo sich zurückzuziehen. Diess war zwar sein Erzbisthum; aber ^i<<nod
Hm Herzeleid, sich auf es zurückziehen zu müssen, war so tief, ^'*
Vflr«
ils tief der Fall war, den die Fürstin Ursini ihm bereitet hatte. „Die Ittn*.
fnmzosische Camarilla^% sobald sie auf Stufen den Thron bestiegen,
g^ einen Fusstritt all' denen, auf deren Schultern sie zum Thron
emporgekommen ; Portocarrero und der Erzbischof M. Arias „mussten
iich überzeugen, dass die Zeiten des Cisneros abgelaufen seien'S Da-
g^ kam der franzosische Cardinal d'Estr^es, Neffe Portocarrero's,
u den Hof, am in Mazarin's Fusstapfen zu wandeln, und mit der
lürstin Ursini Streitfragen der Etikette zu lösen, und um die beiden
Erzbisehöfe vom Hofe ferne halten zu helfen.
0 S. die Correapondenz des eitlen Franzosen Lambille au Torcy, citirt bei
^iäiam Coxe^ Memoira of the kings of Spain, of the house of Boorbon, from the
^«^««011 of Philip the fifth, to the death of Charles the third, 1700 — 1788, drawn
froo oopubliabed docomentd and secret papers; with an historical introduction, etc.,
Loni, 1813, Tol. 4». — (Lond, 1815, 5 voL in 8».) — Eine französische Bearbeitung
^ Andr, Murid erschien zu Paria, 1827, ö vol. 8*, sowie eine spanische Bear-
^>^tug anter dem Titel : Htatoria de Espafia bajo el reinado de la casa de Borbon,
V» OwUemo Coxe, Madr., 1816, 4 t. — cf. T. I. p, 98.
*) Sie nannte ihn in einem Briefe: mico requitico, viejo y maligno,
20*
308 Vierzehntes Buch. £ntes Kapitel.
Finani* Der Finanzmann Orry warf bald seine Blicke auf die Güter der
Kirche. Sich stüzend auf die Ideen des Regalisten Macanaz, hielt er
es für erlaubt, seine Hände nach dem Silber der Earchen auszostrecken.
Auch Ludwig XIV. gab dem französischen Botschafter seine ÄDSchaQ-
ungen iiber das Kirchensilber kund *). Vor den Folgen, welche diese
Einziehung selbst für den Thron des Königs haben konnte, zog sich
Orry scheu zurück*).
Das Jahr 1706 verlief sehr unglücklich für Philipp V. Die Äd-
mirale Leak und Showell fahrten mit den furchtbarsten Flotten, welche
England und Holland je einmal vereinigt hatten, den Erzherzog Carl
von den Ufern des Tajo an die Küsten von Gatalonien — September
1705. Eine von Lord Feterborough befehligte Armee nahm Barcelona
hinweg. Hier wurde der Erzherzog als König von Spanien ansgernfea.
Ganz Gatalonien unterwarf sich ihm. Die Königreiche Valencia und
Aragonien folgten nach,
ner In Valencia hatte der extreme Regalist Melchior Macanaz, Inten*
j[,^«|^. dant des Königreichs Aragonien, die kirchliche Immunitat in jeder
OVUM. Weise verlezt. Selbst die Mönche griffen zu den Waffen, und ruckten
aus, unter dem beifalligen Spotte der englischen Soldaten. Der Erz-
bischof, Anton. Folch de Cardona, Franciscaner, hatte sich früher
Philipp V. zugeneigt, und den Vicekönig der Untreue gegen Philipp
beschuldigt. Jezt gieng er zu dem Erzherzoge über, was später dem
Cathedral-Kapitel grosse Verlegenheiten bereitete. Der Erzbischof selbst
zog sich nach dem Siege Philipp's nach Wien zurück, wo er im Jahre
1724 starb.
Bei der schwankenden, unklaren Lage, da das Recht beider
Competenten bestritten wurde , kam Alles auf den äussern Erfolg ao.
0 Instractionen an den Grafeo von Herein bei TT. Coace, I, p. 117. Der Erz-
biaohof von Sevilla wurde gegen die Einziehimg des KirchenBilbers bei Hof .vor-
stellig**, Hess aber all* sein Tafelsilber zerschlagen, und gab es dem EOoig in
„klingender Münze*.
*) Histoire de l'avtoement de la malson de Bonrbon an trone d'Espagne, pv
Targe, Paris, 1772, 6 vol. 12*. ^ Hömoires seerets snr rötablissement de lamme
de Bonrbon en Espagne, extraits de la correspondance da marqnis de Loaisrille,
Paris, 1818, 2 vol. 8*. — Mtooires militaires r^latifs k la snccession d^Espagne
Bona Louis XIV., pröc^d^es d'nne introdaction par Mignet, Paris, 1836—1^^
4 vol. V. — Blömoires militaires röhtifs k la snccession d'EspagnesonsLoaiBXIV,
extraits par — De Vauit, pnbliös parPe2e^, Paris, 1836—1862. T. 1 ad XI m. Ätl«s
— > 12 4*. — Suoesion del rey Felipe Y., por Ant. de übila y Mtdina, Madrn
17a'>, 2'. — Desengafio de Ignorantes, lladr., 1703 — 4* (Schnzschrift dir die Becbte
Phüipp*s V«)t — Epistola pro ang. Hiapaniarom monareba Philipp. V., aact Bis*
oardi, NeapoH, 1704 (ge^^n die Ansprache Oestenreich's). — L'Espagne triom*
phante sous le n^gne de Philippe Y., par ^. <2e Fer.^ Paris, 1704. — Philipp Yn
monarea legitime delle Spagne, von «71 Ä. Cnstagnola^ Naples, 1704. 4*. — ^
Philippe Y., potent Rege Hispaniarom — ed. Caraccioli, Neap^ 1704.
Krieg im Jahre 1706. 309
Mao darf sich desshalb nicht wundern, wenn man in dieser Zeit bei
Generälen wie bei Bischofen eine unsichere Haltung findet. Philipp Y.
eilte nach Catalonien, und begann im April 1706 die Belagerung
Btfceiooa's , wo sich der Erzherzog eingeschlossen hatte. Seit fanf
Wochen waren die Laufgräben eröffiiet, und eine Flotille unter dem
Gnfen von Toulouse occupirte den Hafen. Es gelang aber dem Ad-
miral Leack, die auf das äusserte gebrachte Stadt wieder zu ver-
proTumtiren, und die Besazung zu verstärken. Auch hier waren es •
Priester und Mönche, welche, erbittert gegen die Franzosen, entweder
selbst kämpften, oder die Kämpfenden ermuthigten. Philipp musste,
nh Znrücklassung seiner Ai'tillerie, in der Nacht vom 10. Mai 1706
ibziehen. Jezt huldigte auch ganz Aragonien dem Erzherzoge. Die
Yeiimndeten ruckten gegen Madrid vor, und besezten es am 25. Juni.
Philipp floh zu der Armee Berwick's, der übrige Hof nach Burgos. Krieg
loMidrid agitirte ein „fraile" (Mönch), Caspar Sanchez, besonders *"JjJ^*
g^en Philipp; er recrutirte Schaaren von Migueletes (Freiwillige) gegen
die Franzosen. Nach der Rückkehr der Truppen Philipp's — Sep-
tember 1706 leistete er mit den Seinigen den muthigsten Widerstand in
dem königlichen Palast und wurde zulezt gefangengenommen '). Phi-
Kpp V. befahl am 7. September, man solle ihn in den engsten, feuchtesten
md ungesundesten Kerker werfen, dort soUe man einen Käfig machen,
God den Armen an Händen und Füssen in Eisen schlagen, ihm nur das
irasserste von Brod und Wasser zur Lebensfristung reichen, und so
um Qnter langsamen Qualen todten. Die Spanier sagen mit Recht,
da88 ihre Weise der Hinrichtung durch die Garrotte mild sei, ver-
glichen mit firanzosischer Einsperrung^ zu der auch Bischöfe seien
veraitheilt worden. „Welcher Unterschied des Betragens Philipp's IV.,
der sich weigerte, den berüchtigten Fälscher Molina viertheilen zu
Wn, um nicht Todesstrafen zu erfinden, die vorher in Spanien un-
l^bimt waren*«).
Die Verbündeten hatten auch Toledo besezt. Der Cardinal po^o-
Portocarrero befahl, dass Carl als Konig von Spanien ausgerufen werde, ^"xY""
and liesB seinen Palast beleuchten. Er sang das Te Deum in seiner oeater-
Cathedrale, und gab ein glänzendes Bankett. Philipp V. hielt es für "***"'
?nt, ihm zu verzeihen, wegen der grossen Dienste , die er dem Hause
Bonrbon erwiesen, indem er die Demonstrationen der Freude für Carl
dem Verlangen zuschrieb, wieder in den Besiz der Gewalt zu ge-
langen. Auch die Königin- Mutter, deren Neffe der Erzherzog war, *
und welche in Toledo wohnte, gab ihrer Freude den stärksten Aus-
druck. Philipp schrieb ihr einen hoflichen Brief, und bat sie, sich
0 Semtnario enidito, t VII, p. 78, t. XXVI, p. 61.
•) Vic. de La FuenU, t VI, Madr., 1875, p. 12.
310 TierzebDteB Buch. Enln Kapliel.
^'* nach Bayonnc üurrK-kzozieben. Der Herzog von Osuna kun mit
winna 200 berittenen Gardisten, und führte sie nach Frankreich , unter dem
"'' Vorwande, dass sie so den Unmiien des Kriegs entflieben werde. Sie
nahm ihren Aufenthalt in Bayone, bis sie lange nach dem Ende d«
Kriegs auf B'ürbitte ihrer Nichte, der Königin Elisalicth, nach Spamm
zarückkchren durfte, erst im Juni 1739. Im Alter von 72 Jabnn
starb sie zu Guadalajara — am I6. Juli 1740').
Der Hof kehrte von Burgos nach Madrid zurück. Aui'b dii
Fürstin Ursini , damals schon 66 Jahre alt, wurde zurückberofin.
Im Febrnar 1703 hatte sie ihren „alten Freund" rortocarrero (:<-
stürzL Fürchtend den Einfluss des Cardinals d'Estr^s, Ludwig's SIV.
Gesandten in Madrid, hatte sie seine Stellung so geschickt uoter-
graben, dass er selbst bat, nach Frankreich zurückberafen zu werden
"■'•«r — September 1703. Sie wurde aber selbst von ihren Feinden m
n. si««a Hofe ZU VersaillGB scharf angegriffen; Ludwig XIV. wollte sie abbemfin.
'"i^" Es gelang ihm aber nicht, weil ihr Einfiuss auf Philipp V. übermäcbtig
war. Erst nach dessen Abreise zum Kriege an die Grenze von Por-
tugal — 6. October 1704 — wurde die Ursini abberufen und nicb
Italien verwiesen. Ihre Freande, der Cardinal Noailles, die Hen^«'
von Yilleroi und Harconrt, sezteo es durch, dass sie in Toulouse Hill
machen durfte, von wo sie nach Versailles kam — Jan. 1705. Du
nach ihrer Entfernung in Spanien Alles in Verwirrung gericth, so bat
man sie heinahe, dahin zurückzukehren, — und sie erhielt üne oS-
cielle Sendung. Sie sezte sogleich durch, dass Orry wieder Finu»-
minister, der Präsident Amelot französischer Gesandter in Madrid
wurde. Sie sezte sich, so zu sagen, ihr eigenes Ministerium zusammen,
und kam als „Kegentin" nach Madrid zurück. Ihre Rückkehr narh
Spanien war ein beständiger Triumpbzug, 15. Juni — Augmt
170&. Ueberall rief das Volk ihr „Vivas" zu. König und KÖDigiii
eilten zu ihrem Empfange nach Canillas (zwischen Valladolid und
Palencia). Sie kam, sah, und siegte nicht mit ihren Intrignen gegen
die Intriguen ihrer Feinde. Sie floh mit dem Hofe nach Burgos —
1706. Sie suchte den Miith des Königs und der Königin zu hebeü.
and arbeitete eitrig mit Orry gegen die Ebbe im Staatsscliatz. &k
sezte ein Anlehen auf die Güter des Klems und manches ADderr
durch. So kehrte sie denn auch nach Madrid von Burgos zuröU'
Ihr Einflnss auf den König und die Königin war so dominirend, da»
im Grunde Alles geschah, was sie wollte. Die übrigen Damen »w
Hofe der Königin waren ihr spinnenfeind, sie aber sezte es dnrcb.
dass keine am Hofe bleiben durfte, welche dem Hofe nicht nach Bargos
') Flortx, Rei/n<u, II, p. 005. — Sabau, XX, p. 127.
Die Kriegsjahre 1706—1709. 31 1
gefolgt, obgleich ein solcher Befehl nicht ergangen und die Wege vom
Feinde beeezt waren« «
§.4.
lo den Jahren 1706 — 1709 zogen Bischöfe und Priester beider
Pirteien in den Kampf, doch vorwiegend die Anhänger Philipp's. ^^^^'
lo dieser Zeit nahm der Bischof von Marcia, Ludwig Bdluga, die f«m«.
Stadt Oribaela im Sturme, überlieferte sie der Plünderung, nahm ihr
alle Privilegien, und entwaffnete die Einwohner. Als Elche von den
Castilianem eingenommen wurde, mussten Alle, welche sich in das Fort,
ia die Kirchen oder Kloster geflüchtet hatten, über die Klinge springen.
Am 9. December 1706 starb der König D. Pedro IL von Por-
togil, geliebt von seinem ganzen Volke, nach einer Regierung von fast
*) Jahren. Ihm folgte sein Sohn Joao V. (1706— 17S0). Im Jahre
1708 heirathete er die Schwester des Kaisers Joseph L, Maria Anna
n)D Oesterreich, und man hoffie, dass er der Sache der Aliirten treu
bleiben werde ^).
Im Jahre 1807 — 1808 wurden Valencia und Aragonien , zum
Tkeile Catalonien für Philipp V. zurückerobert. Die Castilianer, auch
die Bischöfe and der Klerus, waren und blieben seine feste Stüze. Die
Oesteueicher wurden hier verhasst, weil die mit ihnen verbündeten
Eaglinder and Holländer — zugleich einen Krieg gegen Kirchen,
Klöster und kirchliche Personen führten. Das englische Geschwader, Ezeest«
welches sich des Hafens von Santa Maria bei Cadiz bemächtigt, ^ri^i^f.
öberUess sich den grössten Ezcessen; Kirchen wurden geplündert, und
Eogar die Gott geweihten Jungfrauen angetastet (1702)'). Die An-
fib» selbst gaben das Beispiel der Brutalität. Obgleich die Anda^
losier an sich den Engländern sich zuneigten, konnten sie doch diese
Angriffe auf die Religion nicht in Geduld tragen, und erhoben sich
gegen die Alliirten, welche von der Rache des Landes verfolgt, sich
kopfüber wieder einschiffen mussten. Für den (damals) in Italien
veilenden König hatte sich die Königin an die Spize gestellt Car-
dinal Portocarrero unterhielt damals auf seine Kosten sechs Schwadronen,
ier Bischof . Cardinal Salazar von Cordova ein Regiment, der von
Morcia zwei. (Bischof Blasius Serrate von Tarazona warb seine eignen
Priester als Soldaten an.)
Als die Engländer im Jahre 1706 Castilien besezt hielten, gaben
sie Anlass zu vielen Klagen wegen Profanationen der Kirchen, u. a. in
•) Schäfer, Geschichte von PortugHl, V, 1854, S. 167.
*) Ftß. CiXße, I, p. 176.
312 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
den Biöthümcrn Sigoenza, Cuenca, Osma und Toledo. Aehnlicbes
geschah durch das Heer der Franzosen, in dem sich viele Protestanten
und Juden befanden.
§. 5.
Der Conflikt mit Rom hatte schon vom Anfange der Kegiernn;:
Philipp's V. gedi'oht. Der den Franzosen so günstige Papst Inno-
zenz XII. war am 27. September 1700 gestorben, einen Monat nnd
vier Tage vor Carlos IL In dieser kurzen Zeit und im Angesichte
des Todes hatte man den willenlosen Eonig noch dahingebracht, von
einem der abscheulichsten Privilegien Gebrauch zu machen, welches
sich die s. g. katholischen Hofe bei Papstwahlen angemasst hatten.
Er gab dem Cardinal Albani die s. g. „Ezclusive'^, weil er im Ver-
dacht stand, österreichisch gesinnt zu sein. Aber Carlos IL starh
während des Conclave. Mit Recht glaubten die Cardinäle jezt an
seine „Exclusive'^ nicht mehr gebunden zu sein, und wählten am
21. November den Cardinal Albani zum Papste, der sich Clemens XI*
nannte. Der Papst konnte, bei dem unsichern Hin- und Herwogen
des Krieges, besonders in Italien, nicht so entschieden auf die Seite
Philipp's V. treten, als dieser es beanspruchte. Man zeigte sich in
Madrid verstimmt. Die Oesterreicher hatten Mailand und Neapel
(1708) erobert, nnd drohten in den Kirchenstaat einzufallen, wenn der
Papst nicht Carl (IIL) anerkennen werde. Der Papst befand sich im
Gedränge^) und entschuldigte sich bei Philipp V. Obgleich dieser
die Zwangslage des Papstes einsah, wollte er doch, „um seiner Ehre
Fbi- vnllen^, mit Rom brechen. Er hatte vorher seinen Beichtvater, den
"bricht ^* ßobinet, und andere Theologen um Rath gefragt, und diese er-
nit klärten, er habe das Recht, den Gerichtshof der Nuntiatur zu schliessen,
rr^! weil derselbe auf Bitten ,^der katholischen Eonige errichtet worden
sei". Durch Decret vom 22. Februar 1709 wurde der Nuntius ver-
bannt, das Gericht der Nuntiatur geschlossen, den Spaniern jede Ver-
bindung mit Rom verboten. Eine Junta, bestehend ans Mitgliedeni
des Staatsrathes und des Raths von Castilien, trat in Thätigkeit, und
beschäftigte u. a. sich damit, ein Sammelsurium alF der Klagen anfzu-
sezen, zu denen Rom in den lezten Jahrhunderten den Spaniern Anlass
gegeben, namentlich durch Neuerungen in der Kirchenzucht. Aus den
Archiven, besonders dem von Simancas, wurde eine grosse Menge von
Documenten hervorgezogen. Selbst die im Jahre 1713 aus andeni
') M. Picotf Mömoires pour servlr k rhistoirc eccl^iastique pendant le
18 Bitele. 3 Edition. Paris, 1853, t I, p. 293-299.
Krieg mit Born, 1709 — 1713. Der grosse Regalist Macanaz. 313
GroodeD berufenen Cortes willfahrten den Wünschen der königlichen
Biliie, nnd nbergaben Philipp V. eine Denkschrift voll Klagen über
die Missbraoche der romischen Curie, nnd wiederholten die Anklagen
der Begalisten Pimente! und Chnmacero. Diese Cortes bequemten sich
loch, nach den Wünschen der Konigin, das salische Hecht der Thron-
fol^ in Spanien anzuerkennen, durch welches Frauen vom Throne aus-
geschlossen waren (bis 1833).
Leider zeigte es sich hier auf das Neue, wie bei frühem Con-
likteo, dass die Bischöfe sich als Beamte, vielmehr Bediente der je-
weiligen Regierung gerirten. Sie meinten gute Katholiken zu sein,
so oft aber der Konig mit dem Papste Handel anfing, so war der
pbtbliscfae Konig^ unfehlbar, und der Papst hatte gefehlt. Franc, de
Sib, Bischof von Lerida (1701 — 1714), später von Cordova, war
n^h Vicekonig von Aragonien. Auf Verlangen des Staatssecre-
tän Marques de Mejorada, gab er im Jahre 1709 sein zustimmendes
tiatichten über „die Missbräuche des romischen Hofes ^, mit Bezug
sof die königlichen Bechte und die Jurisdiction der Bischöfe '). Das
Gouchten war nicht ohne Gelehrsamkeit, aber mit um so grosserer
Bitterkeit gegen Bom verfasst. An die Spize dieses Kampfes wurde
der Intendant Macanaz gestellt, der durch die Fürstin Ursini und ihre
CaKirilla gestüzt «rurde.
§. 6.
Melch. Macanaz , im Jahre 1 660 geboren zu Hellin , lehrte in Meichor
Salamanca romisches Recht, und bewarb sich auch um die Lehrstühle *"*
des Ciyil- nnd canonischen Rechtes^). Um sein Glück zu machen,
^ich er sich an den Hof, und erlangte die Ounst Portocarrero's.
£r machte sich als stürmischer Begalist bemerklich, dem die Begalisten
des ftiebzehnten Jahrhunderts viel zu zahm aufgetreten waren; er war
kolm nnd unternehmend, sehr arbeitsam, und in seinem Privatleben
obne Tadel. Ja , wie so viele Kirchenfeinde in Spanien bis auf die
newste Zeit, er nahm es genau mit den Vorschriften der Kirche, und
dtn auteem Uebungen der Frömmigkeit. Er rühmte sich in seinen
^c!mfteD, dass er den Rosenkranz bete, und troz seines Alters die
vierzigtagige Fasten halte. Denn damals hatten die Regalisten noch
auf den Hof zu achten, der in strengen kirchlichen Formen sich be-
legte. Bis zu den Zeiten CarFs IH. konnte man es in Spanien zu
*) XMctamen- tocaate ä las regalias de S. M. C, y jnrisdiccion qne reeide en
kn obiipot _ 1809. Semanario enidito, t. IX., p. 206.
^ Seine ,Gk>ria de Espafia" — s. Semanario eradito, t. VIII, p. 16.
uns.
S14 Viersebntea Buch. Erstes Kapitel.
nichts bringen, wenn man die äussern Uebungen der Frömmigkeit
ausser Acht liess. Durch die Gunst der ' Fürstin Ursini wurde er
Intendant von Valencia. Durch sein freches Auftreten daselbst zog
er sich die Gensuren des Erzbischofs und den Unwillen des Volks zq.
Man war gezwungen, ihn zu entfernen, und er kam als Intendant nach
Aragonien. Er zeigte aber eine tiefe Verachtung gegen Alles, was in
diesem Lande galt und Sitte war. Dem Eonige brachte er bei, dass
die „Fueros*^ nichts Anderes seien, als „rechtlose Concessionen , von
den Königen durch Rebellionen und Aufstände erpresst*^. Er war
Absolutist wie Regalist, servil gegen jede Gewalt. In Aragonien ver-
stand er es aber, Geld zu sammeln.
Die franzosische Camarilla berief ihn wegen der Gonflikte mit
Rom nach Madrid — 1713. Der Konig wollte ihn nach Paris senden,
um mit dem Nuntius Aldobrandini zu verhandeln, weil Ludwig XIV.
seine Vermittlung angeboten hatte. Er schien aber zu hizig zu sein«
Statt seiner wurde Villalpando, Marques de la Conquista, nach Paris
gesandt, Macanaz aber zum Fiscal des Rathes von Castilien ernannt;
er sollte von Madrid aus die Verhandlungen leiten. Eine von ihm
verfasste Denkschrift, in vier Folianten, wurde an den Rath von Castilien
abgegeben, und gab Anlass, dass die Inquisition sich mit ihr befasste.
Der oberste Rath der Inquisition holte Gutachten #der Theologen ein,
welche nicht übereinstimmten. Der Minime Franc. Polanco, später
Bischof von Jacca (1717—1720), fand in der Denkschrift keine ge-
fahrlichen Doctrinen; der Dominikaner Blanco, der im Jahre 1709 die
Schliessung der Nuntiatur befürwortet hatte, sprach sich mit aller
Energie gegen die Doctrinen des Macanaz aus.
§. 7.
Porto- Am 15. September 1709 starb der Cardinal von Toledo. Die
^^ Stelle blieb, zum Theil wegen der kirchlichen Wirren, sechs Jahre nn-
cardinai bcsczt. Nach derselben trachtete der Cardinal Franc. Giudice, Italiener,
oiodiee. g^j^ 1711 General - Inquisitor, zugleich Erzbischof von Monreale in
Sicilien. Macanaz zeigte der Konigin, die ihn befragte, die Geseze in
der „Neuen Gesezsammlung^, welche verbieten, Ausländern kirchliche
Würden in Spanien zu übertragen. Giudice aber glaubte, als Neapoli-
taner auch Spanier zu seb. Philipp Y. war mit ihm unzufrieden, nnd
schickte ihn als Geschäftsträger nach Paris, aber ohne spccielle Mis-
sion. Es war diess eine Art von Verbannung. Dort erhielt er Kunde
von der Denkschrift des Macanaz, und gemäss den eingelangten Gnt-
aphten verdammte er als Gross-Inquisitor dieses „Memorial", zugleich
mit den ähnlichen Schriften des Jean und Jerume Varclay, und des
Der GroM-InquiBilor Giudice. Friede von Utrecht, Raetadt, Baden. 3 15
M. ToIoD, damals Präsidenten des Parlaments za Paris, d. i« er verbot
du Lesen derselben in Spanien.
Doreh Edikt vom 30. Juli 1714 aus Marly wurde das Werk
des Macanaz „als aufirnhrerischi verwegen, häretisch, schismatisch, be^
Itldigvod für fromme Ohren" etc. bezeichnet Ludwig XIV. war nicht
veoig beleidigt, dass ein Ausländer in seinem eigenen Palaste Werke
Tfrdamnie, die za Gunsten seiner Regalien geschrieben worden, und
jagte den Gross-Inquisitor unter Beschimpfungen fort; er musste Frank-
reich Teilassen. Philipp V. verbot ihm die Rückkehr nach Spanien,
ubn ihm die Stelle eines Gross -Inquisitors, und bot sie vergebens
wDtm Beichtvater P. Robinet an. Der König liess dem „Santo Ofioio^'
hcfeUen, die gegen Macanaz ergangene Sentenz als „nichtig" zu er-
kjaren. Aber die zu diesem Zwecke berufenen Theologen erklärten,
im man hierin nicht nachgeben könne. Da der P. Urbano mit Bitter-
keit ober die Zumuthung des Königs gesprochen, so wurde er vom
Hofe Tej-bannt. Durch solche Vorgänge erlangte das Gutachten des
Kacanaz eine an sich unverdiente Celebrität. Es wurde in Frankreich
pdmckt, in Spanien wurde es als Manuscript allgemein verbreitet,
aber eret in neuerer Zeit gedruckt ')•
§. 8.
Der Friede zwischen England und Frankreich vrurde zu Utrecht
>o 11. April 1713 geschlossen, ebenso mit Savoyen, Portugal, Preussen
vod Holland. Die vom Papste angebotene Vermittlung war beson-
ders Ton England abgewiesen worden. Clemens XI. sandte aber doch
^ 8pitem Cardinal Dom. Passionei nach Utrecht Carl, welcher
Bididem Tode Beines Bruders Joseph (f 17. April 1711) Kaiser von
Oaterreich geword^, trat dem Frieden von Utrecht nicht bei, weil
ff wf Spanien nicht verzichten wollte. Erst später wurden darüber
\ erhandlnugen zwischen ihm und Frankreich eröffnet Die Pralimi-
urien des Friedens wurden am 6. März 1714 zu Rastatt unterzeichnet,
d<-r definitive Friede wurde am 6. September zu Baden geschlossen.
Dicss war der Friede zwischen Oesterreich einer-, Spanien und Frank-
rtich anderseits. Philipp V. blieb König von Spanien ; er musste aber
•Gibiahar und Minorca an die Engländer, Sicilien an Savoyen, die
'j Das «Pedimento* des Macanaz «PropoBiciones al Consejo de Orden S. M.
^^del Concoidato, qae se trataba en Paris anno de 1713, steht bei Tejada y
^if'o, Yll, p. 267 — 280. — cf. Pedimento del fiscal general Melchior Macanaz
KltnaboBoa de U c6rte de Roma y ans remedios, segfnido de la tradnccion del
"nifcito qae en defenaa de aqnel remitid al rey en idioma franc^ dcsde Pati, etc.
Wr^ IWl.
L
S16 ViereehntcB Buch. Erstes Kapitel.
Niederlande, Sardinien, Neapel und Mailand an den Kaiser abtreten.
Von dieser Zeit an hatte die vielhundertjährige Herrschaft der Spanier
in Italien ein Ende.
Am 14. Februar 1714 verlor Philipp seine Gemahlin durch den
Tod. Sie hinterliess einen Thronerben, den spätem Eonig Ferdinand VI.
Nach allen Schlägen des Schicksals, die sie getroffen, behauptete aucli
nach dem Tode der Königin die vielgenannte Fürstin Ursini das
Schlachtfeld, auf welchem so viele Helden unter ihrer stets schlagfer-
tigen Hand unterlegen waren. Das Jahr der Trauer 1714 war noch
nicht verflossen, und sie hatte, unter dem Verwände, den König gegen
Melancholie zu schüzen, schon eine neue Gemahlin für ihn aufgefunden,
Dl« ur. gie überredete ihn, die Prinzessin Elisabeth von Parma zu heirathen.
leiten- EHsabeth war die Tochter des Eduard Famese, Bruders des Herzogs
ni»ie. von Parma und Piacenza. Sie war geboren am 23. October 1692.
Die Fürstin Ursini ho£%e durch diese Partie sich in der Macht zu
befestigen. Sie irrte sich. Vor ihrer Ankunft schrieb Elisabeth an
den Konig: „Ich bitte Sie nur um das Eine, die Fürstin zu entlassen^,
worauf der Konig erwiederte, diess sei nothwendig, denn wenn die
Ursini nur zwei Stunden mit Elisabeth reden würde, so würde sie
dieselbe ganz bezaubern, sie für sich gewinnen, und den Konig von
der Konigin getrennt halten. Die Ursini hoffte dennoch, durch eine
persönliche Begegnung die neue Konigin für sich einzunehmen, und
gieng ihr bis Jadrague entgegen. Es gelang ihr, die Königin allein
zu sprechen. Elisabeth aber gerietb in Zorn, warf ihr den Mord
mehrerer Personen vor, und rief aus: Man möge diese Narrin hinaus-
schaffen. Es war Nachts um sieben Uhr und das Land mit Schnee
bedeckt — 23. December 1714. Mit einer Begleiterin wurde sie in
eine Chaise gesezt, ohne Zeit gehabt zu haben, die Kleider zu wechseln,
sich gegen die Kälte zu schüzen, ohne Geld und Geldeswerth, ohne
einen Bissen Nahrung; 40 Reiter escortirten sie* Am 14. Jannar
1715 kam sie an der Grenze zu S. Jean de Luz an. Dem Sturze der
Fürstin folgte unverzüglich die Zurfickbemfung des Cardinals CKudice,
die Wiederherstellung der Inquisition in ihrem alten Umfange — dorcb
Decret vom 10. Februar 1715, der Sturz und die Verbannung ihrer
Creaturen, des Macanaz und des Orry. Mit einer französischen Rente
von 40.000 Livres wanderte sie nach HoUand, wurde dort von den
Generalstaaten übel anfgenommen, und liess sich in Grenua nieder.
Von Langeweile getrieben, — liess sie durch ihren Bmder, den Car-
dinal de La Tremonille, die Stimmung g^en sie in Rom sondiren-
stoWe^Erst nach dem Sturze ihres Nebenbuhlers Alberoni — 5. December
^JT^ 1719 — liess sie sich in Rom nieder, ans Forcht, nm Spanien aas
iTi». beunruhigt zu werden. Durch ein seltsames Spiel des Glückes traf
sie in Rom mit den beiden Cardinilen Gindice und Alberoni, wie sie
£nde der Ürsini; Alberoni*s Anf^gd. 317
iüAüg aas Spanien, zasammen. Dank ihrer Rente von Frankreich
sod eificr Pension von Spanien, konnte 8ie in Rom, der gemeinschaft-
üdieii Zaflachtsstätte der Verbannten, eine grosse Figur spielen. Sie
oieog sich an die Stuarts an, und machte mit ihnen noch etwas in
PoIidL 80 Jahre alt, starb sie, noch frisch und lebendig, und ge-
oiessend die Freuden des Lebens. Sie liebte den Glanz und das
Herrschen durch Intriguen über Alles. 14 Jahre lang hatte sie den
Hcf voo Madrid, und mehr und weniger auch das Reich beherrscht.
Plulipp Y., und Spanien war der Königin Elisabeth zum Danke ver-
pfiicbtet, dass sie den König und das Reich von der grossen Intriguantin,
TOQ der „herrschgewaltigen Fürstin" befreit hatte ').
§. 9.
In der Gunst des Königspaares war ihr Julius Alberoni gefolgt; Jan»'
pboren am 31. Mai 1664 bei Piacenza, wurde er Priester daselbst. ^J^*"°!
Später kam er nach Rom. In dem spanischen Erbfolgekriege wurde ^enza.
a mit dem Marschall Herzog von Vendome bekannt, welcher die
Fnnzoseo in Italien commandirte, und gewann dessen Gunst. Von
&tor aas trage und vergnügungssüchtig, gewöhnte er sich doch daran,
uglich 16 — Ib Stunden zu arbeiten, und taglich nur eine Mahlzeit von
der Frngalitat eines strengen Klostermannes zu nehmen. Im Geleite
des Marschalls kam er nach Spanien. Vendöme starb in seinen Armen,
m 12. Jani 1712. Im Jahre 1713 gab der Herzog von Parma dem
Alberoni den Titel eines Grafen, und bestellte ihn als seinen Consular-
igcBten in Spanien. Die „Ursini^^ war damals ,^allmächtig^^ an dem
Hofe. Alberoni hatte häufig Gelegenheit, sie zu unterhalten, und ge-
von ihre Gunst. Da er sie in Verlegenheit sah, welch' neue Ge-
jBiUin sie dem Könige zufahren sollte, schlug er ihr zum Scherz die
Bisabeth Famese vor. Absichtlich schilderte er sie ihr als einfältig,
ladichüg, unbekannt mit der Welt, von der sie getrennt lebe, also
giQz passend für die Pläne der Fürstin init ihr. In der That wusstc
tr, dass Elisabeth sich von Niemand beherrschen lasse.
Jezf behauptete Alberoni den Plaz der Ursini am Hofe. Sein
Cofloss auf das Königspaar war unbeschränkt, Spanien wieder in den
Hioden der Fremden. Der alte Cardinal Giudice, dem Titel nach
erster Mhüster, that nichts ohne Alberoni, und den D. d'Aubanton, i^m^tm.
*) Hiatoire secrdte de la cour de Madrid, 1701 — 1719, Cologne, 1719. —
^üL Coxe, lea Boorbons d'Espagoe, t. I— II. — Mömoires d*un Grand d'Es-
PHne, Botterd^ 1718. — Frcme. Combes, La Princesse des ürsins. Essai sur sa
^1 et 100 caraetöre politiqae, d*aprös de nombreaz docaments inöditea. Paris, 18ö8«
- Vetadiicdene Sammlungen ihrer Briefe.
318 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
den Beichtvater des Königs, zu Rathe zu ziehen. Alberoni suchte sich
dem Lande nözHch zu machen, besonders durch Versuche, die Finanzen
zu regeln. Der Tod Ludwig's XIV. (f 1. September 17 15) wirkte
mächtig auf die spanische Politik ein. Der Dauphin und dessen
ältester Sohn waren gestorben. Philipp V., als zweiter Sohn des
leztem, war nun der nächste Thronerbe, und glaubte Anspruch auf
die Regentschaft zu haben. Der Herzog von Orleans war Regent für
Ludwig XV. Ludwig's XIV. Urenkel, welchem sich Philipp V. durchaas
•feindselig zeigte. Die Konigin gieng ganz in seine Pläne ein. Ihr Be-
streben war es, ihrem Sohne Carl, geboren 20. Januar 1716, einen Thron
Fabel- zuzuwenden. Alberoni und sie verbanden sich zu fabelhaften Planen,
Pläne bedrohten in Bälde die Ruhe Europa's, und schleppten den König
der KB- wUleulos mit sich fort Alberoni sollte Cardinal werden, und mosste
Ai^ro- ^^^ darum mit Rom auf guten Fuss stellen. Einige Maassregeln des
111*1. Finanzmanns Orry, welche die Kirchengüter belasteten, wurden zurück«
genommen. Der Cardinal Giudice musste seine Stelle als Gross-
Inquisitor und erster Minister niederlegen.
§. 10.
Es mussten aber auch die seit 1709 unterbrochenen Verbind-
ungen mit Rom wieder angeknüpft werden; der König aber war schwer
dafür zu gewinnen. Doch Alberoni sezte es durch. Der apostolische
Nuntius durfte zurückkehren. Das Tribunal der Nuntiatur trat in
trüberer Weise in Action. Das Verbot des Verkehrs mit dem aposto-
lischen Stuhle wurde aufgehoben. Ein Decret gegen Macanaz wurde
angeschlagen, dass er in 90 Tagen vor dem Gericht der Inqni-
sition sich stellen solle, als Angeklagter der Häresie, der Apostasie und
der Flucht.
Da Alberoni sah, dass Giudice seinen Plänen sich widerseze, so
drang er auf seine Entfernung und Rückkehr nach Rom. Alberooi
sezte es durch, dass eine spanische Flotte gegen die Türken abgesandt
wurde, die sie hinderte, sich der Insel Corfu zu bemächtigen. Aus
Dankbarkeit bewilligte der Papst dem Könige wieder die kirchlichen
Hilfsgelder.
Alberoni Der Spanische Hof erwukte, dass Alberoni am 13. Juli 1717
*^^*^zum Cardinal erhoben wurde. Im November 1717 Hess er sich zu
dem reichen Bisthum Malaga ernennen, und wurde als Bischof am
6. December präconisirt. Inzwischen war der Erzbischof Anas Ton
Sevilla gestorben (f 17. November 1717). Schon am 16. Decembfr
liess sich Alberoni zum Erzbischof von Sevilla ernennen. Der Papst,
schon unzufrieden mit ihm, wurde es noch mehr durch dieses sicli
überstürzende Verlangen nach hohen einträglichen Rirchenämteni. Di«
Alberoni Btoigt höher und Uöher, schvvHuki und wankt. 319
iar Malaga wurden nicht ezpedirt. Der Papst weigerte sich,
üu fiir Sevilla za bestätigen. Dadurch fühlte der Hof sich sehr
beleidigt Der Eonig wollte den Nuntius Pompejus Aldovrandi
oDQ nicht mehr anerkennen, verbot seinen Ministern den Verkehr mit
iluD und rief auch die spanischen Agenten in Rom zurück. Der
Nootios Terliess, ohne Abschied zu nehmen, Madrid, und kehrte nach
luJieo zorack.
Alberoni aber kehrte mehr und mehr die rauhe Seite seeen Bom ^^^^"
kerror. Aof seinen Bath wurde eine grosse Junta eingesezt, die dem Rom.
König die Beschwerden und Nachtheile vordemonstriren sollte, die er
durch Rom, in seinen königlichen Rechten, in Betreff der Bullen der
Biicbofe, der Pensionen, Beserrationen , Spolien, vacanten Stellen,
Dispensen, Appellationen und Instanzen der Spanier nach und nach
in Born erlitten hätte. Diess waren genau die Punkte , welche sich
udi in dem „Memorial^ des Macanaz befunden hatten , der durch
Übdtmi's Einflusa das Land hatte verlassen müssen. Man berieth
cber die Rückkehr zur alten Disciplin, unter der Bom die Bischöfe
nicht bestätigt habe, und über die Abschaffung des Gerichtshofs der
Inquisition. Der Papst seinerseits zog seine Bewilligung in Betreff der
Kirchenibgaben an die Krone zurück. Aber die Geistlichen, die sich
itm Einziehung widersezten, wurden strenge bestraft. Der Sturz
Albtfoni's erfolgte aus politischen Gründen. Er hatte Sardinien, das
duttls dem Kaiser, und Sicilien, das Piemont angehörte, durch die
spoisdie Flotte angreifen lassen, welche am 18. Juli 1718 vor Palermo
cnchien. Die Truppen besezten einen Theil der Insel. Aber die Spanier^
n Wasser und zu Land geschlagen, mussten Sicilien räumen. Durch
den Vertrag der s. g. Trippelallianz (Frankreich, England, Üesterreich)
wde Sicilien dem Kaiser, Sardinien aber Savoyen zugewiesen, welches
da Namen „Königreich Sardinien*^ annahm. Der tollkühne Alberoni
Sandte eine Flotte, um in Schottland die Sache der Stuarts zu
cotentözen, eine andere Flotte gegen Frankreich, um. in der Vend^e
den ^oistand gegen den Prinzregenten Herzog von Orleans zu unter-
*^B2en. Beide Expeditionen scheiterten kläglich.
Am ö. December 17 19 erhielt Alberoni ein Decret, vom König ^i^ero»
uttfieichnet, das ihm verbot, sich weiter in Staatsgeschäfte zu mischen, ^°^ "'
ihm be&kl, inner acht Tagen Madrid, Spanien aber inner drei Wochen ^«o«
a Terlassen. Sein Sturz stellte den Frieden zwischen Frankreich und ^ * '
Spanien wieder her. Alberoni reiste über Frankreich; im Gebiete von
Genua würde er auf Befehl des Papstes arretirt. Er wurde in Glaubens-
Sachen angeklagt, weil er das gesammelte Geld der s. g. Cruzada und
die kirchlichen Hilfsgelder an die Krone zu den Kosten des Kriegs
PS^ katholische Mächte verwendet, und verhindert habe, dass die
^puiier sich in kirchlichen Angelegenheiten nach Bom gewendet habeiif
320 Vierzehntes Bnch. Erstes Kapitel.
Er vertheidigte sich in einem Briefe an den Staatssecretar Cardinal
Paolucci Tom 20. März 1720, durch den er den Hof von Madrid niclit
wenig blosstelltei aber auch seinen eigenen guten Ruf. Denn die von
ihm mitgetheilten Details stellten die Perfidie vieler seiner Handlangen
in helles Licht. Sein Zweck war, zu zeigen, dass er die Interessen
Spanien's den Interessen Kom's geopfert. Er hatte die Stime, es als
einen Korn erwiesenen Dienst darzustellen, dass er den Macanaz ver-
folgt habe. Lezterer präsentirte sich dem König, bat um eine neue
Prüfung seiner Angelegenheit, dass seine Denkschrift durch andere
Consultoren untersucht, und ihm die dort stehenden häretischen Be-
hauptungen bezeichnet wurden, damit er sie widerriefe. Um sich aber
mit der Inquisition auf einen guten Fuss zu stellen, schrieb Macanaz
eine Apologie derselben '). Er sagt u. a. mit Recht, dass die von der
Kirche abgefallenen Mächte, besonders die heuchlerische Elisabeth
von England, gegen die Katholiken eine viel grausamere und schreck-
lichere Inquisition anwendeten, als die spanische gegen die Kezer nnd
Juden war.
Alberoni wurde von Genua freigelassen — 20. April 1720, hielt
sich aber bis zu dem Tode Clemens XI. (f 19. März 1721), der ihm
^'^ den Frocess hatte machen lassen, verborgen. Nach dessen Tode gieng
er aus der Verborgenheit hervor, und nahm seinen Plaz in dem Con-
clave ein, in welchem Innocenz XUi. am 8. Mai 1721 gewählt wurde.
Um den Hof von Madrid zu begütigen, wurde ein leichter Frocess
gegen ihn instruirt. Er wurde verurtheilt, vier Jahre in einem Jesuiten-
kloster zu wohnen. Der Papst ermässigte die Strafe auf ein Jahr,
dann auf ftinf Monate, welche Alberoni bei den Jesuiten in Kom zo-
brachte. Im December 1723 sezte ihn der Papst in alle Privilegien
seiner Würde wieder ein. Die Cardinäle Paolucci und Ottoboni zählten
ihn zu ihren Freunden. Der Regent von Frankreigh und die Konigin
von Spanien versicherten ihn ihres Wohlwollens. Leztere konnte
nicht vergessen,' dass sie, ohne ihn verachtet, durch ihn Konigin ge-
worden war. Aus Spanien bezog er u. a. Jahre lang die Einnahmen
des reichen Bisthums Malaga. Am 30. December 1722 wurde im
öffentlichen Consistorium ein päpstliches Breve verlesen, durch welches
Alberoni in alle Ehren eines Cardinais eingesezt wurde. Nachher
Hessen ihm der Papst und die Cardinäle Glück wünschen; es folgten
die fremden Minister, Prinzen, die Prälaten, und der ganze romische
Adel. Aber erst am 12. Januar 1724 wurde dem Alberoni der Car-
dinalshut gereicht. Schon am 7. März 1724 starb der Papst« In
dem neuen Condave, in dem am 29. Mai Benedict XIII. gewählt
>) Defensa critica de la InqaiBicion. Madrid, 1788. UormUe hütet sich
wohl, diese Schrift zu erwähnen.
Don Alfons IlL und die Btar^hOfc. 321
§. 2.
Dem Erzbischof Sylvester Godinho von Braga, welcher am 8. Juli Bgas,
1244 inToscana starb, folgte (1245) Joannes Egas, welchen Alfons III. ^^^'
zu Ableguog des erwähnten Protestes im Jahre 1254 gegen den von y.Braga.
Alfons X gesandten Bischof für Silves nach Lissabon berufen hätte.
Der Erzbiscbof Egas starb schon am 16. November 1255. Er hatte
za semem Nachfolger den Martin Giraldes^). An diesen, und an die
übrigen Bischöfe Portugals schrieb Papst Martin IV. am 23. Februar
1266, and ermahnt sie, alle Archidiakonen und Rectoren der Kirchen,
dass sie sich aller Unbilden und Belästigungen der Brüder vom Pre-
digerorden enthalten mochten*). — Am 20. März 1266 befahl derselbe
Papst dem Erzbischofe und den Bischöfen von Portugal, dass sie das
Fest des heiligen Bekenners Dominions je am 5. (sonst 4.) August, die
Festlichkeit des heiligen Petrus Martyr vom Predigerorden am 29. April
hieben soUten').
Die Bischöfe Portugals machten Alfons lU. zuerst Vorstellungen
wegen ixnmer stärkerer Eingriffe in kirchliche Rechte und Freiheiten, Aifons
dum schritten sie zu Kirchenstrafen, und klagten bei dem Papste. ^J^\i^
Clemens IV. sandte den Nuntius Falquini nach Portugal, mit einem Bisebufe
Ennalmnngaschreiben an den König. Es war ohne Wirkung, da Cle-
mens ly. bald darauf starb, und der päpstliche Stuhl fast drei Jahre
erledigt blieb. — Der Papst Gregor X« war noch nicht erwählt. Da
trat der Ertbischof von Braga, und mit ihm sechs portugiesische Bi-
schöfe die Beise nach Rotn an, um dort persönliche Klage gegen den
König zu fahren. Vor der Wahl Gregorys X. am 1. September 1271,
welcher aber erst am 13* März 1272 von Palästina in Rom ankam,
starb der Erzbischof von Braga zu Viterbo. Wir wissen nur, dass der-
selbe vor dem 1. September 1271 starb» und dass er am 18. November
1273 noch keinen Nachfolger hatte.
Aber nicht bloss der B^zbischof von Braga starb auf der liom-
reise; auch die Bischöfe von Coimbra und Guarda^).
Auf Betreiben der vier noch übrigen Bischöfe erliess Gregor X.
am 28. Mai 1273 an den König eine Bulle, und gab zugleich dem
*) Naeh Ribeiro war dieser schon am 11. April 1255 Bischof, sein Vorgänger
aho am 16. November 1251 gestorben, s. Ribeiro, Dissert.. t V, p. ISO.
') Ripoüi, Btdlar. Ptaedic., /, 470 (PoUhast, nr. 19554).
*) Martenej Thesaur. novus anecdot L 11^ Par. 1717, p. 294. — Ripolli,
Buttor., i; 478 (PüUkast, nr. 19585).
*) Die Angaben bei Ribeiro sind hiemit nicht in Einklang zu bringen.
QtMs, ipu. Klrehc. III. 1. 21
322 Zwölftes Bnch. Zweites Kapitel.
Prior der Dominicaner und dem Guardian der Franciscaner in Lissabon
den Auftrag, dem Konig die Bulle mitzutheUen und Antwort von ihm
zu begehren.
Papst Dem König wird vorgeworfen, dass er in seinem Reiche die Frei-
oregor bcit der Kirche zu unterdrücken suche. Bischöfe und andere Fralaten«
Aifona Gemeinden und einzelne Einwohner mit schweren Unbilden und nner-
iiT., träglichen Verlusten schlage, dass er von den Insassen kirchlicher
Güter gegen die alte Gewohnheit einen Theil ihrer Einkünfte unter
dem Namen der „Jugtaf^^) gegen die Gerechtigkeit einziehe. Solche
Missbräuche möge er abstellen. An demselben Tage erhielten der Prior
der Dominicaner und der Gustos und Guardian der Franciscaner zo
Lissabon den Auftrag, dem Könige das obige papstliche Schreiben zn
überreichen, und über die Antwort desselben zu berichten. Am 2. Jnm
1273 schreibt der Papst dem Prior der Dominicaner, dem Gustos ond
Guardian der Minoriten in Lissabon, den König in Betreff der IQage-
punkte der Bischöfe zu vernehmen, und wenn er sich zu einer freiwil-
ligen Abstellung der Missstande bereit zeige, das (von den Bischofen)
auf das Land gelegte Interdict au&uheben*).
Längere Zeit liess der König die Mandatare des Papstes nicht
vor sich, sei es wegen Geschäfte, sei es wegen Unpässlichkeit. End-
lich wurden sie angehört. Am 18. December 1273 berief Alfons III.
cortes die Gortes nach Santarem, und versprach Abhilfe der Beschwerden.
taram ^^S^ wartetc der Papst vergebens auf ein Entgegenkommen von Seite
1273. des Königs. Endlich am 4. September 1275 erliess der Papst eine „Gonsti-
tution^ zur Wiederherstellung der von Alfons UI. unterdrückten kirch-
lichen Freiheit. Er weist auf alle Streitigkeiten hin, welche die Papste
seit den Zeiten Sancho's I. mit den Königen von Portugal gehabt, anf
conau- alles, was die Päpste gethan, den Missstanden abzuhelfen, was sie be-
Q^^^^''°^ sonders Alfons lU. an das Herz gelegt, ihm, der vor seiner Thron-
x.vom besteigung das Beste versprochen und nichts gehalten habe. Nun ver-
^ im^^ langt der Papst, dass Alfons III. und alle seine Nachfolger in Jahres-
frist nach ihrer Thronbesteigung eine offene, mit Siegeln versehene
Urkunde ausstellen sollten, worin sie die Freiheiten der Kirche zu
achten gelobten. Die Urkunde sei den Bischöfen zu übergeben. Alle
königlichen Beamten und Richter sollen vor ihrem Amtsantritte dasselbe
beschwören. Dem König wird zunächst eine Frist von drei Monaten
gesezt, sich zn unterwerfen. Widerstrebt er, so folgen in Zwischen-
') Jugata, die Abgabe von Ackerbau and Viehzucht. Schäfer, GtescblGlite
von Portugal, I, 267, 271. UI, 42.
') Raynaldi annales, ad ann, 1273, nr. 26'-26. — Bzatnus^ ad ann,
1273, nr. 9. - Sbaralea, III, 202-205 (Wadding, IV, 543). — RipoUi JBni-
lar„ I, 515-516 (Potthast, nr. 20742'-43, 20745).
König Alfons III. in kirchlichen Conflikten. 323
mmea too je einem Monat der ortliche Bann, die Ezcommnnication,
dis lotset anf das ganze Reich, und zolezt die Entbindang der
rotertbaneD Ton dem Eide der Treue gegen den Konig. Die Abso-
JgtioD bon Dor der Papst ertheilen. Die Rathgeber des Königs ver-
äilen dem grossem Banne, und verlieren, wenn sie zum Stande der
Kleriker gehören, ihre Beneficien.
Die Balle ') ist aus Beaucaire datirt, wo der Papst mit dem Kö-
fiige Älfoos X. eine Zusammenkunft gehabt, als er auf der Rückreise
100 LyoD nach Italien begriffen war. Da Alfons X. durchaus deutscher
Ktiicrsem, der Papst aber seine Hilfe ihm nicht gewähren konnte und
loBte, fdiieden sie unbefiriedigt und uneinig auseinander.
Aof dem Wege nach Rom aber starb Gregor X. am 10. Januar orcsor
12i6nArczzo. Unter Innocenz V., der vom Januar bis Juni 1276 .f"
F^»st mr, ruhte der Streit mit Portugal. Sein Nachfolger Hadrian V.
ikriehe seine Wahl nur einen Monat. — Anderseits hatte Alfons lU.
voo Tig zu Tag die Audienz verschoben, in welcher ihm die päpst-
Bcie Bolle vom 4. September 1275 übergeben werden sollte.
Am 13. September 1276 wurde der Cardinal Petrus Julianus, ein
Portugiese, zum Papst gewählt, Johannes XXL — Er wohnte im Jahre
ffl4 der Synode von Lyon an, und wird seit dem Jahre 1274 Erz-
kttckofToo Braga genannt*). — Im Anfange des Jahres 1277 sandte
er da Franciscaner l7icolans, einen Spanier, als seinen Legaten an Aifons
AKosIIL Johannes XXL bat und ermahnte denselben, seine Sitten ^^^^^
nd Sern Leben zn bessern, sich der Unbilden gegen die Kirche undJo«>»<»
fcnn Diener zu enthalten, grossmüthig die Rechte derselben su erwei- ]27c-77.
tau ood mit der Macht des königlichen Armes sie zu schüzen^). —
Wkder soebte und wusste Alfons IIL eine Entscheidung zu verzögern.
1b itr ersten Audienz, welche er dem Legaten Nicolaus gab — Februar
IK't bat der König denselben nm Abschrift, von allen auf die Sache
kriigficbeo Urkunden. Eine zweite Audienz am 18. März im Beisein
*) BnyiiaM. annaL^ ad oim. 1276, nr. 21^27 (partim), — Sbaralea, III,
Ä. iir. m. — Ripoüi BuUar^ 7, 632, nr. 40. (Ciampi, Histor. di Piacenza,
ü, 473.) — Btdlar. Taurin, rumsa.f IV, p. 28^36 f aus Eaynaldi annal.). —
f**öM 7, 234. — PaUhast, nr. 21066).
*) Von dem Jahre 1270 bis 1280 ist die Reihenfolge der Erzbischöfe von
Bbip gm miaieher. Naeh Ribeiro (t V, p. 150—51) war Braga im November
ISfTä «iedigt, im Min 1274 war nach ihm (der nach andern Quellen vor 1. Septem-
^ 1271 gettoibeae) Martin. Geraldi wieder Erzbischof, und erscheint zum lezten
^ ttt 27. Mirz 1275. Vom Juli 1275 bis wenigstens zum Februar 1276 wäre
^nisMsam Erzl^faof gewesen, diesem aber der Franciscaner Tellns am 6. April
2T? gefolgt
') BaywiW amud. ad ann. 1277, nr. 12 (Schäfer, I, 235. — PoWiasf,
if. 212491
21*
324 Zwölftes Bach. Zweites Kapitel.
aller Grossen ergab kein Resultat In der dritten Audienz am 28. März
erklärte der Konig, er sei entschlossen, dem Papste GenugthuuDg zq
leisten, sei aber Willens, vorher Gesandte an ihn zu schicken. Der
Legat erklärte, dass durch eine solche Gesandtschaft die schon ver-
wirkten Eirchenstrafen nicht aufgehoben seien, Alfons III. aber prote-
stirte dagegen. Noch hatte der Legat eine Audienz. Der Konig er-
klärte: „Gil Rebolo (Dekan des Bisthums Lissabon und Verwandter des
Papstes) habe ihm aus Rom geschrieben, der Papst habe erklärt, er werde
jene teuflische Verfügung (v. 1275) aufheben." Der Legat forderte alle
Anwesenden als Zeugen der Worte des Königs auf, las die Balle des
Papstes vor, und reiste dann ab ')• — Weil aber der Papst schon am
20. Mai 1277 starb, so hatte der König wieder Hoffnung auf (für ihn)
bessere Zeiten«
£!r selbst erkrankte am Anfang des Jahres 1279. Als er sein
nahes Ende voraussah, liess er einige Priester und Hidalgos zu sich
rufen, und in ihrer Gegenwart versprach er, dass er Alles, was der
Papst ihm geboten, erfüllen wolle, dass er schwören wolle, diess elo-
fach und ohne jede Bedingung zu erfüllen^. Er wolle, was er ver-
möge, sogleich selbst thun, das Uebrige werde sein Sohn erfüllen, und
Diniz gelobte diess feierlich. Darauf nahm des Königs Beichtvater,
Stephan, vorher Abt von Alcoba^a, den Bann von Alfons IIL —
17. Januar. Alfons lU. starb am 16. Februar 1279. Er wurde v\
Alcoba^a, neben seinem Vater und seiner Mutter — nach seinem lezten
Willen, beigesezt
§. 3.
Jocend Diniz wurde am 9. October 1261, an dem Feste des heiligen
2^^ Dionysius, dessen Namen er erhielt, zu Lissabon geboren. Zu Ebreo
Dinii. dieses Heiligen, den er als seinen Schuzpatron verehrte, stiftete er das
schöne Kloster der Cistercienserinnen S. Diniz de Odivellas, und mehrere
Kirchen. Die herrlichen Naturanlagen des Prinzen wurden durch eine
vortreffliche Erziehung entwickelt Sein Grossvater Alfons X. hiess
der „Weise", Diniz war der Weise. — Im ersten Jahre nach dem
Tode des Vaters theilte Diniz die Regierung mit semer Mutter. Docb
fürchtete man, dass die Königin Mutter das Interesse Castiliens zu
sehr im Auge haben werde. Diniz zeigte sich bald als einen strammen
und exclusiven Portugiesen, der seinem Grossvater zwar bis Elvas, aber
') Cajeian do Amaral — in Memor. da Academ. Seal, t F7, p. 95.
') Monarch. Limt., P. IF, l. 16, cp. 47.
i
Königin Elisabeth. 325
oiciit bis Badajoz entgegenkommen wollte. Die Königin Brites aber
lehrte später nach Castilien zarück.
Im Jahre 1280 verlobte sich Diniz mit Elisabeth , der Tochter jgjjg^.
Ptidfo's III. von Aragonien, sowie der Constanze von Neapel, der En- beth,
kelin des Kaisers Friedrich IL Elisabeth glänzte ebenso durch geistige Qemah-
Vorange, wie darch körperliche Schönheit. Am 24. Juni 1282 wurde un.
die Vermählang vollzogen.
Da das Königreich Portugal seine ihm mögliche Ausdehnung zu
Laode erreicht, so widmete sich Diniz vorzugsweise dem Anbau des
Landes, der Pflege des Bergbaues und Handels, sowie der SchifiTahrt.
«Die Thätigkeit der Portugiesen wendete sich mehr und mehr dem
Etemente zu, das ihnen Ruhm und Schäze versprach, und in der Folge
reicUich gewährte. Einmal aber dem Seeleben zugewandt, von seinen
Btvegnngen und Reizen ergriffen, und fortgerissen von seinem ewigen
Wecbel der Furcht und Hoffnung, konnte der Portugiese es nicht
k'bnber sich gewinnen, umzukehren und wieder langsamen, gemes-
»e£ffi Schrittes hinter dem Pflug zu wandeln. Die Lust an Seefahrten
nr erwacht, der Gewinn des Seehandels einleuchtend und lockend; die
KGoige durften in den freiwilligen Zug der Nationalthätigkeit nur ein-
greifen, regelnd und fordernd*^ ^),
Um die Zwistigkeiten zwischen der Kirche und dem Könige bei-
loleven, hielten die Bischöfe eine Versammlung zu Guarda, der von
Sott des Königs einige Ricoshomens (Adelige) beiwohnten. Der König
ph den ihm vorgelegten Punkten des Vergleiches seine Zustimmung.
Beide ParÜieien wandten sich sodann an den Papst (Martin IV. seit
äFebmar 1281) am 24. April 1282. Die Verhandlung zog sich bis
wf die Zeiten Nicolaus IV. (seit 22. Februar 1288) hin. Der Erz-
^«Aof von Braga, der Franciscaner TeUo, seit 6. April 1278 Erz- uj^,^
^«iof, die Bischöfe von Coimbra, Lamego und Silves waren nach «n^ die
B«B gereist, und am 7. März 1289 kam ein Vergleich zu Stande. ^^"^^^^^
^ sollte den von ihm hinweggenommenen Kirchenstrafen wieder
ver&Uen, wenn er innerhalb vier Monaten den Versprechen nicht nach-
lammen würde, die sein Procurator in Rom beschworen hatte. Diniz
>^i die Gortes nach Lissabon, und versprach, den vierzig Artikeln
^ Vergleichs Folge zu leisten •). Doch stellte er die Richtigkeit sehr
^r Klagepunkte in Abrede. Es handelte sich u. a. um das Eigen-
tknm und ^e Guter der Kirche, der König habe viele Pfarrkirche^
Qnd ihr iSgenthum willkfirlich an sich gezogen, und sie nach Belieben
aa Uien und Kleriker vergeben, Aebte und Prioren habe er zur
*) Sctefar, U, 102.
^ MmoriM da LiUer. PoHug. T, II, p. 59.
326 ZwölOes Buch. Zweites Kapitel.
Abdankung gezwungen , masse sich .'unbefugt das Patronat über viele
Kirchen an, lege den Geistlichen dieselben Abgaben, wie den Laien
auf u. m. a. Merkwürdig sind die dem König gemachten Vorwürfe,
und merkwürdig, wie er die meisten in Abrede stellt. Wenn hier die
Wahrheit in der Mitte lag^ so war es eine seltsame Mitte. — Der
König versprach das Beste; das Interdict, das auf dem Reiche lag,
wurde aufgehoben,
umver- Am 9. August 1290 bestätigte Papst Nicolaus IV. die zu Lissabon
i'^o' g^s^^^^^ Universität. Dieselbe wurde im Jahre 1308 nach (Joimbra
verlegt, im Jahre 1338 nach Lissabon zurück-, und im Jahre 1354
wieder nach Coimbra zurnckversezt*).
Der sogenannten ersten ^Concordia" vom Jahre 1289 zwischen
Diniz und den Bischöfen folgte eine zweite und dritte „Concordia^,
leztere vom 23. August 1292. Am 23. März 1292 war der Erzbiscbof
Tello gestorben, nachdem auch er ein Concil gefeiert hatte. Im Jahre
1292 (nach Ribeiro 1296) hatte er den Martin de Oliveira zu seinem
Nachfolger, welcher im Jahre 1301 eine Synode versammelte, und am
25. März 1313 mit Tod abgieng.
Der durch die dreifache „Concordia'' zwischen Diniz und den
Bischöfen geschlossene Friede dauerte etwa sechzehn Jahre. Im Jahre
1309 klagten die Bischöfe wieder über Eingriffe der weltlichen Gerichte
Die vier in die Immunität des Klerus. Am 1. August 1309 suchte der König
cordien" ^^^^^ Aufstellung von zweiundzwanzig neuen Artikeln die vierte soge-
nannte „Concordia^ mit den Bischöfen herzustellen. Der vricbtigste
Funkt war die Erwerbung von Grundstücken durch die Kirche. Diniz
war der erste König, welcher dem Gütererwerbe von Seite des Klerus
gewisse feste Schranken sezte — 1291. Dagegen schuzte er die Kir-
chen und Klöster gegen die Gewaltthätigkeiten, welche sich die Nach-
kommen ihrer Gründer und Patrone erlaubten, mit kräftiger Hand. Be«
Nothder souders die Klöster wurden durch die sogenannten „Herdeiros^ oder
Klöster. ]gj.^^2j ^^j, gtifter ofl SO gedrückt, dass ihre Einwohner kaum das
Nöthige für ihren Lebensunterhalt besassen. Auf die Klagen der Klöster
erliessen schon frühere Könige verschiedene Verfügungen zur Abhilfe.
In den Cortes von Guimaraes in der Provinz „zwischen Minho nni
Duero^^, wo das Uebel am unerträglichsten war, versammelte Diniz die
Cortes, und erliess am 4. August 1307 den Befehl, dass die Geseze
%eines Vaters vom Jahre 1261 über die Schonung der Klöster streng
beobachtet werden sollten, und Hess festsezen, was jedes Kloster in
") Raynald. ad ann. 1290, nr. 52. — Soma, Provas de Mistoria gtnea-
logicaetc. I, 74, nr, 4. — BilUmus, Historia üniversitatis Parißiensis, ßtfoL,
1665—73, t. III, 493. — BuOar. noviss. ed. Aug. Taurinor., 1859, t. IV,
p. 103'-4 (Potthast, nr. 23366).
Ritterorden. 327
dieser Prorioz nach dem Stande seiner Einkünfte, nach der Zahl und
dtm Range seiner Patrone, zu entrichten habe« Aber die sehr begrün-
deten Klagen der Klöster über ihre „Herdeiros^ dauerten fort. Der König
be&hl im Jahre 1315, die Abgaben an die „Herdeiros^ um die Hälfte
hcnbznsezen. Aber unter ihm und seinen Nachfolgern hörte das Uebel
nicht aof; erst unter dem Könige Joao II. wurde dasselbe gehoben ^).
§ 4.
König Diniz sezte in Rom die Trennung des Ordens von Santiago
in Portugal von dem Orden in Castilien durch. Durch päpstliche Bulle
TOffl 16. September 1288 wurde den Rittern in Portugal erlaubt, einen ^rden
eigna Meister des Ordens zu wählen, der aber unter dem Grossmeister ^^^^^^
in Castilien stehen sollte. Papst Bonifaz VIII. hob diese Concession
wieder auf. Nach dessen Tode wählten die Ritter in Portugal wieder
ikm eigenen Ordensmeister. Papst Johann XXII. befahl am 17. April
J3n dem König Diniz, diesen Meister sogleich abzusezen, und die
Sitter znm Gehorsam gegen den Grossmeister von Castilien zu nöthigen.
Digegen remonstrirten die Ritter und der König. Der gewählte dritte
Mcißter in Portugal, Pedro Escacho, behauptete sich, troz aller Ein-
•pvcbe der Castilianer, in seiner Würde. Johann XXII. bestätigte
'nriben im Jahre 1320. Der Grossmeister hielt zwei Capitel seines
Ordeoß. Der Orden wurde in sechzig Commenden eingetheilt, und
diklt neue Statuten.
§. 5.
Der Orden der Tempelherren erfreute sich grosser Besizungen,
Qßd einer einflussreichen Stellung in Portugal. Sie durften von den Län- Die
d^reien, die sie selbst bebauten, oder bebauen Hessen, keinen Zehnten ''^"p®^
emnchten. Ihre Kirchen standen unmittelbar unter dem römischen
Stuhle, Clemens IV. verbot, denselben irgend eine Abgabe aufzulegen,
ohne Erlaobniss des apostolischen Stuhles. Nachdem die Päpste von
d^m Zeitalter Alexanders III. an mit einander gewetteifert hatten, die
Templer mit Privilegien und Freiheiten auszustatten, bestätigte Papst
Benedict XL noch in den Jahren 1304 und 1305 alle Privilegien und
Freiheiten, welche frühere Päpste und Könige dem Orden verliehen
battea. Die grossen Vorrechte in Portugal waren allerdings auch durch
grosse Rechte des Königs über den Orden beschränkt. Die Ordens-
T RMto, Dissertae., I, 297^298. - Schäfer, J, 319-335.
328 Zwölftes Buch. Zweites Kapite].
meister mussten dem Könige and dem Thronerben huldigen nnd Trene
schwören. Nur in Gegenwart eines königlichen Beamten und an dem
ver- vom Köhige bestimmten Orte durften die Templer ihre Capitel halten.
'^^ " In 200 Jahren ihres Wirkens in Portugal fiel den Templern nichts an-
Temp- deres zur Last, als dass sie einmal einen auswärtigen Ritter, einen
Nefien des lezten Grossmeisters, aufgenommen. Die Tempelherren in
Castilien und Leon lehnten sich wiederholt gegen ihre Könige aaf,
führten sogar Krieg gegen sie. Aehnliches geschah in Portugal nie.
Im August 1308 erhielt der Bischof Johannes von Lissabon und
Gerichte mehrere Prälaten den Auftrag von Clemens V., eine genaue Unter-
überaie. gi^dmug über das Betragen und den Lebenswandel der Templer anzu-
stellen. Schon am 12. August 1308 hatte der Papst den König Diniz
in Kenntniss gesezt, dass er eine allgemeine Kirchenversammlung nach
Vienne berufen wolle, u. a. um über die Templer zu entscheiden, den
König persönlich dazu eingeladen, und den Bischöfen Portugals befoh-
len, dabei zu erscheinen. Der König liess wirklich ein gerichtliche«
Verfahren anstellen, aber in der Voraussicht, dass die Templer unschul-
ibre dig seien. Die Templer waren in das Ausland geflohen; keiner wurde
verhaftet. Königliche Procuratoren nahmen deren Güter in provisori-
schen Besiz, weil dieselben widerrechtlich von der Krone getrennt wor-
den. Der Bischof von Lissabon, der Prior der Franciscaner daselbst,
und der Magister Joannes das Leis sprachen als Richter am 27. No-
vember 1309 die Flecken Pombal, Soure, Ega und Redinha der Krone
als Eigcnthum zu, im Jahre 1310 die Schlösser und Flecken Alt-Idanha^
Salvaterra do Estremo, Rosmaninhal und andere ^). Die sonst streitigen
oder von Prälaten und Klöstern angestrittenen Besizungen der Templer
liess der König in Beschlag nehmen, bis der Papst endgiltig über die Tem-
pler entschieden hätte. Zugleich sezte er sich — seit 1309, in das Einver-
nehmen mit seinem Schwiegersohne Ferdinand IV. von Castilien. Durch
einen Vertrag vom 21. Januar 1310 verpflichteten sich beide Konige,
im Falle der Unterdrückung des Ordens die Güter und Einkünfte des-
selben dem Lande zu erhalten und gegen Jedermann zu vertheidigen*).
In der Bulle vom 2. Mai 1312 wurden die drei Königreiche Ara-
gonien, Castilien und Portugal von der Verpflichtung ausgenommen, die
Guter der Templer den Johannitern zu überlassen. Der Erzbischof von
Braga starb am 25. März 1312 zu Vienne^). — In demselben Jahre
wurde ihm Joann. Martin de Soalhaes, bisher Bischof von Lissabon,
zum Nachfolger gegeben, welcher im Processe gegen die Templer den
*) MonariMa Lu$it l. 18, 25.
') Das Weitere siehe oben unter: Aragonien, Seite 264 u. flg., and onten bei
Castilien.
*) Gewöhnliche Angabe ist: am 25. Harz 1313.
Ende der Templer. 329
IiteresseD und Wänschen des Königs entsprochen hatte. Schon im Octo-
ber 1312 erscheint „Bruder^ Stephan, bisher Bischof von Porto, und zu
Vienoe Gesandter des Königs, als Bischof von Lissabon. Der Papst hatte
diesen Stephan zum Administrator der Guter der Templer ernannt, der Btochof
König ihn aber verworfen. Nach sechs Jahren und troz des Wider-
standes Stephans und des Priors der Joanniter sezte Diniz bei Papst
Joannes XXII. die von ihm beabsichtigte Verwendung der Güter des
Ordens dorch« Vergebens Hess sich der Cardinal Bertrand von dem
Papste Flecken and Schloss Thomar, eine Besizung der Templer, schen-
kst Allmälig kehrten die Ritter nach Portugal zurück. Sie erhielten
Bflfa«geha]te aas ihren früheren Besiznngen, und wurden „ehemalige
Ktter^ geuannt *)•
Durch Bulle vom 15. März 1319*) verkündigte der Papst die
Gmdong eines neuen, des „Chrtstnsordens", in Portugal^). Es war
diesä aber nur der alte Orden der Templer. Diesen Namen hatten
die Templer schon früher, abwechselnd mit dem Namen „Tempelritter^,
päai. Die neuen Ritter sollten, wie die alten Templer, der Regel OhristM-
im Cisterz folgen. Der Abt von Älcoba^a ist ihr Vorgesezter, und ^'^^'
MBfflt die „Visitation und Correctnr des Ordens an Haupt und Glie-
icm' vor. Gil Martins, bisher Meister des Avisordens, wurde zum
dossmeister des Christusordens ernannt. Der Christusorden erhielt
lUc früheren Besiznngen, Rechte und Freiheiten der Templer. Der
Koüg Diniz, der bisher den Vorwurf auf sich geladen, dass er die
Goerder Templer für sich bebalten wolle, verzichtete mit königlicher
Grocsnmth anf dieselben, und befahl am 26. November 1319 die Zu-
iwkgabe aller Guter der Templer an den Christnsorden; ja alle ge-
lichlicheD Urtbeile erklärte er als ungiltig, durch welche er Güter der
Tciipler sich hatte zusprechen lassen, und liess alle Einkünfte hinausbe-
uUcB, welche seine Beamten von den Gütern der Templer eingezogen
^UsL Er schenkte sogar das feste Castro-Marim in Algarve, das die
Templer nie besessen, dem Christusorden und bestimmte es zum Haupt-
aze desselben^). Später wurde Thomar wieder Hauptsiz des Ordens,
vie es früher Hauptsiz der Templer gewesen war. Die ersten neun
KoTizen waren frühere Templer, noch mehr, die früheren Templer, die
seh zur Aufnahme in den drei ersten Monaten nicht freiwillig melde-
te, worden durch kirchliche Strafen dazu gezwungen. Der frühere
Tempelmeister, Vasco Femandez, starb im Jahre 1323 als Professe des
Christosordens.
0 quondam müüea.
") Souta, Provas, I, 80.
*) Ordo määiae Jesu Chrüii^ Müites Christu
•) Umsrch. Lusü. Part. VI, l. 19, 4, 10, 14. - ßOiäfer, I, 353^69.
330 Zwölftes Buch. Zweites Kapitel.
Am 11. Jani 1321 wnrde das erste Capitel za Lissabon in dem
früheren Conventhause der Templer gehalten; das Capitel bestand
grösstentheils aus vormaligen Templern. Man wollte sich an die Con-
stitutionen des Ordens von Calatrava halten. Der Christusorden sollte
wenigstens vierundachtzig Mitglieder zählen, unter welchen nennnnd-
sechzig Ritter (Freires Cavaleiros), und fünfundzwanzig geistliche Brü-
der (Freires Clerigos). Zehn Ritter sollten ständige Begleiter des
Grossmeisters sein. Der Orossmeister Gil Martins starb am 13. ^o-
vember 1321. Der Orden der Templer erblühte in verjüngter Lebens-
kraft. Diesem Orden war es später beschieden, den Einflass und die
Macht Portugals in bisher unbekannte Inseln und Länder zu tragen,
und in ihnen zu befestigen.
§. 6.
Zwischen Diniz und dem Thronfolger Alfons brachen MisshelVig-
keiten aus. Alfons fürchtete, dass Diniz seinem natürlichen Sohne Al-
fons Sanches die Krone zuwenden wolle. Da Alfons seit dem sechsten
Lebensjahre seinen eigenen Hof hatte, wurde sein Hans der Sammel-
plaz der Unzufriedenen und der Unruhigen. Vergebens legte es der
Papst dem Bischof von Evora an das Herz, Frieden im königlichen
Hanse zu stillen. Es kam zum Bruche. Die Schwiegermutter des
Diniz Prinzen, Maria von Castilien, muthete dem Könige zu, zu Gunsten d«
"°**'«*° Prinzen abzudanken. Im Jahre 1320 begann der Infant den Bürger-
folger. krieg, und bemächtigte sich Leiria's. Als der König mit Heeresmachl
anrückte, bemächtigte sich der Prinz Santarems, während der Konig
Leiria einnahm. Der Bischof Gerard von Evora, der Frieden stiften
wollte, wnrde zu Estremoz von Anhängern des Prinzen ermordet —
5. März 1321. Jayme II. von Aragonien, der Bruder der Königin, suchte
vergebens zu vermitteln. Auch Coimbra fiel in die Hand des Infanten.
Die Königin Isabella eilte eben herbei, als der Kampf vor Coimbra
beginnen sollte. Von mehreren Prälaten begleitet, eilte sie zuerst za
ihrem Gemahl, und konnte ihn nicht besänftigen. Dagegen gelang es
ihr, den Infanten zum Frieden zu stimmen. Es kam zu einem Treffen.
Endlich bewog Isabella Vater und Sohn, sich auszusöhnen. Unter
Vermittlung der Königin wurden Friedensartikel vom König und dem
Prinzen angenommen und beschworen').
Etwa ein Jahr dauerte die Ruhe — 1323. Der Prinz rückte mit
Heeresmacht gegen Lissabon, und der König ihm entgegen. Isabella
•) Monarch. Las. T. VII, L 4, 10.
Tod des Königs Dinlz, 7. Januar 1325. 331
tkr, die Friedensstifterin, bestieg ihr Maulthier nnd eilte eben herbei,
ik Beide bei Lnmiar sich die Schlacht liefern wollten. Es gelang ihr.
Beide zar friedlichen Umkehr za bewegen. Ein dritter Streit wurde
darch Nachgiebigkeit des Königs aasgeglichen. Als Diniz geföhrlich
erknokte, besuchte ihn der Prinz, und es kam za einer herzlichen Aus-
ioboiig. Am 25. November 1324 erliess der König den Befehl an
lile Beamten, den Vergleich, den er mit Rom und den Bischöfen seines
Beicbes geschlossen, getrea zu beobachten.
In den ersten Tagen des Jahres 1325 Hess der König seinen Sohn
ilfoos, seinen Enkel Pedro, seine Schwiegertochter, die Infantin Brites, König
& nbrigeo Kinder, mehrere Prälaten und^Herren des Hofes zu sich ^^^^
kommeD, nnd nahm Abschied von ihnen. Herrlich waren die lezten Juwat
^one^ die er sprach. Er nannte sein Volk das beste und treueste
Volk, das irgend ein katholischer oder heidnischer Fürst beherrsche.
Er imdt sich rühmen , dass keiner der früheren Könige das Reich in
fiseo so guten Zustande zurücklasse, wie er. Er schloss seine Rede
Juit, dass er die Königin, seine Gattin, Allen empfahl. Ihre Liebe zu
beQ sei Allen bekannt. „Meine Liebe zu ihr, wenn sie zu einer Zeit
•cbt so gross war, möge es nun sein, da ich die Königin euch em-
ttle. Denn ich habe das Vertrauen, dass durch sie mein Name ge-
tat, Qod das Reich geehrt werde^ '). Die heiligen Sacramente empfieng
kKöDig mit grosser Zerknirschung. Er sprach die lezten Worte der
Kanth und Reue zu Alfons : Ich sterbe, lieber Sohn, und nur ein 6e-
Anke beunruhigt mich bei der Erinnerung an deine Mutter, der ich in
Wweü Jahren einigen Verdruss gemacht. Was du, um dir zu ge-
ligciu des Vergangenen wegen mir erweisen möchtest, das erweise nun
ir reichlich in Liebe ^ meinen und ihren Segen wirst du dafür em-
|bigeii. Dann sagte er der Königin das lezte Lebewohl, und ein Cru-
fifix in der Hand, yerschied er — 7. Januar 1325.
Er war einer der grössten und edelsten Fürsten aller Zeiten, der
«^päader der Grosse des Reiches Portugal*).
0 Mon. Lusü. P. VI, l. 19, 41. - Schäfer, J, 298-^382,
^ Zq Beinern Rahme singt der Dichter Antonio Ferreira:
RegeUy edifieou, lavrou, venceu
Honrou as Musas, poetou e leu.
^fittk Verfuaer eines „Candonero'^ oder Buches in Versen, von dem nor ein
■• S ia Yatlcan Torbanden war. Der Yisconde da Garreira besorgte eine Abschrift
vroo, Bod Dr. Hoara gab zum erstenmal den ^Candonero'^ im Jahre 1847 heraus
■*" fan Titel: ^Cancümero d^d rei D. Diniz, pela primara vez impresso sobre
^"omumpto da Vatieana, com algumas nostas iUustrativas, e uma prefagdo
'^'^co-UtUraria*, pelo doetor Caetano Lopes de Moura, Paris, ap. Äillaud,
/«7. §•. — (Innoe. IVanc da Silva, Diccionario Bibliographico Portuguez,
^ ^, IM. 1859, p. 25, 141.
332 Zwölftes Buch. Zweites Kapitel.
§. 7.
War er ein grosser Fürst, so war seine Gemahlin eine grosse und
Dio heilige Königin. Wie sie ihren Gemahl alle Zeit geliebt, nnd für ihn
*'^-^'''^' besorgt gewesen, so übertraf sie sich hierin selbst in dessen lezter
Püriiigal Krankheit. Keinen Augenblick wich sie von seiner Seite, wenn es
nicht sein mnsste, nnd alle, auch die niedrigsten Dienste erwies sie
ihm. Da sie in allen Streitigkeiten nnd Conflikten als Friedenstiflerin
dazwischentrat, so hat sie in der Geschichte den Ehrennamen der Frie-
densstiflerin erhalten. Nicht nur war es ihr wiederholt gelungen, ihren
Gemahl mit ihrem Sohne auszusöhnen. Sie stellte auch den Frieden
her zwischen Ferdinand IV. von Castilicn und Ferdinand de la Gerda,
die um die Krone stritten; dessgleichen zwischen Jayme IL, ihrem Bra-
der, dem König von Aragonien, und Ferdinand IV. von Castilien, dem
Gemahl ihrer Tochter Constanza. Zu diesem Zwecke war sie selbst
mit ihrem Gemahle in die Königreiche Castilien und Aragonien gereist
Nach dem Tode ihres Gemahls nahm sie das Kleid vom dritleo
Orden des heiligen Franciscus, oder vom Orden der heiligen Clara. Sie
war zugegen, als ihr Gemahl in dem Cistercienserinnen-Kloster Odiveras
beigesezt wurde, machte dann eine Wallfahrt nach Compostella, und kebrie
nach Odiveras zurück, um das Jahresgedächtniss des Todes ihres Ge-
mahls zu begehen. — Sie trug nun das Kleid des dritten Ordens d^
heiligen Franciscus, und wohnte in einem Hause neben dem Clarissen-
£1,^^. kloster zu Coimbra, wo sie neunzig Jungfrauen zusammengebracht
bcth hatte. Mit Brites, ihrer Schwiegertochter, bediente sie die Nonnen zo-
^"*'''' weilen bei Tische. Als der Krieg zwischen ihrem Sohne Alfons Vi*
und dem Könige Alfons XL ausgebrochen, eilte sie, troz der grossten
Sonnenhize, auf den Flügeln der Liebe herbei. Sie kam nach £str^
moz '), an der Grenze beider Länder, und mahnte ihren Sohn dringend
zum Frieden und einem frommen Leben. Sogleich überfiel sie dss
Fieber, und nachdem sie mit innigster Andacht und unter allen Zeichen
der Gnade und Nähe Gottes die heiligen Sacramente empfangen, ent-
schlief sie, in einem Alter von 65 Jahren, umgeben von ihrem Sohne
und ihrer Schwiegertochter — 4. Juli 1336. Sie wurde im Kloster
nir hei- der heiligen Clara in Coimbra beigesezt; an ihrem Grabe geschahen
"*•' Wunder. Im Jahre 1612 wurde ihr Leib, der noch ganz unversehrt
war, erhoben, und in einen prachtvollen Sarg gelegt. Fapst
') Zwischen Evora nnd Elvas.
Bischof Sfephan von Lissabon. 333
frbflD VIII. sprach sie heilig (1625), und sezte ihr Fest auf den
kiteo Joli 0«
§. 8.
Der Bischof Stephan Ton Lissabon , vorher Bischof von Oporto, Bischof
ttte in den Streitigkeiten zwischen dem Konig Diniz und seinem ^^^^*"
Wme entschieden die Partei des Lezteren ergriffen. In seinem Mani-
tae Tom 1. Juli 1320 wirft der Konig dem Bischof seinen Undank
nn denn er habe denselben mit Wohlthaten überhäuft und ihn zu
ftaem Beichtvater gemacht zu der Zeit, als Stephan, der Franciscaner,
l/A den Sack auf den Schultern tragend Almosen gebettelt, er habe
in ib seinem Gesandten in Vienne 40,000 Pfunde für seinen Ge-
tndi geschenkt. Zwei Neffen des Bischofs hatten in der Gegenwart
itselben einen edlen Bewohner von Lissabon ermordet, und D. Diniz
Itfte sie dafür hinrichten lassen. Der Onkel und der Bruder, welcher
m Stephan als Bischof von Oporto gefolgt war, betrachteten den
d der Gerechtigkeit als eine ihnen widerfahrene Unbild, und ergriffen
k Partei des Infanten Alfons *). Dazu kamen Conflikte des Bischofs
iBfban mit seinem Capitel, und des Königs mit dem Bischof Fernando
Inrez von Oporto, dem Neffen Stephans. Beide Bischöfe verliessen
liBach und giengen zu dem Papste nach Avignon, um den Konig
*) Ada Sandorum, t I (4) JtOi 1721 , p. 169-213; Cammentar. prae-
^t 1^9^73. — Vüa au/U. anonynu) vere ooaevo^ p. 173-^197. — Summar.
Mraevionni rteaitior. p. 197—201. — BOaUo fad. in CoMidorio d. 13. Ja-
iHr.l(25, p. 201—213 (p. 848—58). — Petrus Perpinianus de vüa et fnaribua
^Bmbäh, iMsitaniae reginae^ Coeln, 1601. — Ans Anlaas des Processes ihrer
"■^^wechong erschienen: J, Cariüo^ Hütoria de 8. leabd, ir^anta de Aragon
Cfu de Portugal, Zardgo^ 1616. — Oiacom. FuligaUi, Vita s. Elisabe-
ftginae Portugaüiae, Born. 1626. — J. A. Vera y Zuniga , Vida de a.
kiU de Portugal^ Rom. 1626. — Juan Torres, Vida y müagroa de santa
tfK Ifadr. 1625. — AnL Oomee, Vida de a. IzaJbü, Evara, 1626. — San-
**>we re^^moe EUaabethae poeHcum eertamen ded. ei eana. Academia Conim-
hwww, Cbn. 1626. — (Diccion. Bibliogr. Parfyguez, VII, 198.) — Hilar.
I^CnU, Tita a. EUaabethae, Luaitaniae reginae, Paria, 1626. — Franc. Freire,
^f^ $. EUaabethae, Luaitanarum reginae, Lugd. 1627, — Relation of the
^ tirtuet and miraclea of a. Elizabeth, calkd the peace - maker, queen of
^ftfigd, London, 1628. ~ Ant. de Eacobar, Fenia de Portugal, Vida da
"^ «meto habet, Ckrimbra, 1680. ^ Fr. Correa de Lacerda, Hiatoria da
«Nia da roMa aanta Isabel, Liaboa, 1680. — Isabella, Königin von Portaga),
nana, 1890. — Renaud de Rouvray, Hiatoire de a. Eliaabeth, reine de Portu-
^ Paria, 1841. — Fred. Franc, de la Figanihre, Memoriaa daa rainhaa de
^^ D. Thereaa, Sante laabel, Liaboa, 1869.
') Monarch. Luaü., L 19, 18.
334 Zwölftes Bach. Zweites Kapitel.
D. Oonz. 2a verklagen. Diesen vertheidigte der Decan von Oporto, D. Gonzalo
v.^LflüT- Fereyra, Gesandter des Königs. Er brachte es dahin, dass Beide ihre
>>on. Bisthümer verloren,' während er selbst im Augast 1322 Bischof von
Lissabon wurde. — Stephan wnrde am dieselbe Zeit Bischof von
Cuenca in Castilien, sein Neffe aber wnrde Bischof von Jaen in dem-
selben Reiche. — Stephan wird als Bischof von Cuenca znlezt am
28. März 1326 genannt, und hatte schon im Jnli desselben Jahres einen
Nachfolger. Sein Neffe aber war vom Jahre 1322 bis 1333—34 Bi-
schof von Jaen, dann aber von Badajoz, an der Grenze des Königreichs
Portugal, wo er im Jahre 1344 starb*).
§. 9.
^j^^ Alvarus Pelagius (Pelayo, Faes) war ein gebomer Portugiese,
Peiayo. nach andern ein Galizier. Er studirte das Recht an der Universität
Bologna, empfieng den Grad eines Doctors der beiden Rechte, and
hielt in Bologna, Perugia und an andern Orten Vorlesungen. Im Jahre
1304 trat er in den Orden des heiligen Franciscus, da er schon Prie-
ster war. Dann sezte er zu Paris unter Duns Scotus seine Sta-
dien fort.
Er schrieb u. a.: „Speculum regym"^ über die gute Regierung der
Fürsten, sodann eine gelehrte Apologie für Johann XXII. In seinem
berühmtesten Werke: „De planetu ecdesiae" sagt er, dass er in frühe-
ren Jahren Begleiter des Generals seines Ordens bei dem Convente zn
Lucca gewesen. Als eifriger Vertheidiger der päpstlichen Aactoritit
und der kirchlichen Immunität nnterliess er es doch nicht, die in Avig*
non grassirende Geldgier zu tadeln^; — Solche Auslassungen erweck-
ten ihm viele Gegner in Avignon. Aber Johannes XXII. erwies ihm
stets grosse Zuneigui^, und machte ihn zu seinem Grossponitentiar,
und bald darauf ernannte er ihn zum Bischöfe von Goron (in f. inf,,
in Achaja), am 16. Juni 1332. Als damals das Bisthum Silves erledigt
war, erlangte er dasselbe. Er befand sich zu Silves im Jahre 1335,
wo er den Tod seines grossen Gönners, des Papstes Johannes XXII.,
gestorben am 4. Decemb^ 1334, erfuhr. Alvarus wohnte einem zQ
Compostella im Jahre 1337 gehaltenen Provinzialconcil an, der einzige
*) Esp, saffr., t 21 (2 ediCf Porto)^ p. 114—24, — Murioz y Soliva, No-
tidas de los Obispos de Ouenca, Ibid. 1860^ p. 102^3.
*) Z, B. Quid dicemus domini Cardinales ad haecf qui numus aptrtas
insatiiMles ad carpendum Jiabetis: nee tm^quam dicitis^ satis est. Noane ai-
terius saeculi res est, redisse Legatum de terra auri sine aurof transisse per
terram argenti, et argentum nescissef
Alvanu Pae8. 335
m den Biscliofen ans Portugal, und sachte dort die Beform einiger
□ seioem Bisthome eingeschlichener Missbräuche durchzusezen. Zurück-
gekehrt nach Silves brachte er durch sein energisches Vorgehen Kleine
and Grosse gegen sich anf, welche ihre Klagen vor den Erzbischof von
Sevilla brachten, nnter dem Silves stand. Die Gemüther wnrdc3n nur
Doch gereizter. Der Bischof wurde insultirt und misshandelt. Er be-
legte die Stadt mit dem Banne , und verliess dieselbe. Es kam zur
Klage Tor Eonig Alfons IV. In einem uns erhaltenen Documente vom
31. Mai 1347 werden einundzwanzig Punkte der Anklage gegen den
Bis'ihof und die Antworten desselben mitgetheilt. Auf die Anklage,
hs& er nicht Residenz halte, antwortete er, dass sein Leben in bestan-
figer Gefahr sei^ und er viele Misshandlungen erlitten habe. Der Eonig
«tiirte bei einer grossen Zahl der Anklagepunkte, dstss der Bischof'
cbe Schuld, oder so zu handeln in seinem Rechte sei. Merkwürdig
ist^ diss in vielen dieser Elagepunkte der Bischof der Erpressung oder
GeldgHer beschuldigt wird, der in seinem erwähnten Werke doch so
irb dagegen geeifert hatte.
Es herrschte grosser Streit zwischen dem Bischof und seinen
)iöcesaDen, und einen Theil der Schuld scheint Alvarus gehabt zu seine
■beo. Von Santarem scheint er wieder in sein Bisthum zurückgekehrt ^^'^^'
a Sek Er gerieth in Conflikt mit Lorenz Vasques, dem Commcn- g^^.
bot des Santiagoordens von Mertola, welcher die Kapläne des Bi- >^i<*
9as& ergreifen, und dieselben sammt der „Eapelle'' des Bischofs, Or-
ttfficflteD, Eelchen, Bullen u. a. nach Mertola schaffen liess. Alvaro
acummanicirte denselben; dieser aber rächte sich, und wollte ihn im
Doster der Franciscaner zu Tavira tödten. Die Mönche verhinderten
■it Mühe den Mord. Dann wurde in der Kirche der heiligen Maria
oa Uordanfall anf Alvarus gemacht, wo die Verbrecher mit gezückten
SckTefiem eindrangen. Es gelang dem Bischof, zu entfliehen und sich
^iB^gen zu halten« 'Er flüchtete sodann nach Sevilla, von wo er dem
npst^ Clemens VI. am 7. September 1349 Nachricht gab, dass auch
■k seine Renten eingezogen seien. Er bittet den Papst, Richter zu
BMnoen, die nicht Portugiesen seien; denn der Konig und Alle im
■oche seien gegen ihn, weil er für die Freiheit der Kirche kämpfe.
Ikvor der Papst einen Entscheid traf, starb der Bischof zu Sevilla am
»Januar 1352*). Er wurde ehrenvoll in dem Chore des Klosters
^ Clariasimien beigesezt in einem marmornen Grabe, das ihm die
*) Joam. B. da Suva Löpes nnd andere seaen seinen Tod in das Jahr
*^^. Aber im Mai des Jahres 1352 hatte derselbe schon einen Nachfolger; von
"^^ Abdiskmig oder Absezung ist keine Rede.
336 Zwölftes Buch. Zweites Kapitel
Nonnen znm Danke für die grossea Wohlthaten errichten liessen,
welche er ihnen erwiesen ').
§. 10.
Der Erzbischof Joann. Martin, von Braga starb einige Monate
En- nach dem Tode des Königs Diniz, am 1. Mai 1325. Noch zu seinen
vlfiraga Lebzeiten wurde Gonzalo Pereira, erst seit dem August 1322 Bischof
1S2S-78. von Lissabon, ihm als Coadjutor beigegeben — 24. October 1323. Er
traf in Braga am 2. Juli 1326 ein, und hielt am 7. October 1328 eine
Synode daselbst Er starb vor dem 9. Februar 1349. Es folgten ihm
zwei französische Prälaten, Wilhelm, von Clemens VI. auf dem Wege
der Provision gesezt, der am 19. November 1369 auf das Bisthnm
Arles versezt wurde, dann von Orense nach Braga trausferirt der Pa-
triafch von Alexandrien, Joann. Cardaillac, der im Jahre 1371 verzich-
tete, und im Jahre 1378 Erzbischof von Toulouse wurde.
§11.
Konig Alfons IV. (1325—67) berief nach seiner Thronbesteigung
die Cortes nach Lamego, und Hess sich von ihnen huldigen'). Diese
Gortes verhandelten auch über die Leistungen der IQoster an ihrePa*
trone, und über die Verhältnisse der Mauren und Juden, welche überall
ihre genau begrenzten Stadtbezirke hatten.
Im Jahre 1340 machten die Konige von Marocco, Abnl Hassan,
und von Granada die lezte gewaltige Anstrengung, das christliche Spa-
nien und Portugal niederzuwerfen. Mehr als 60,000 Mann kamen Ton
Afrika herüber, die meisten mit Weib und Kind, weil sie an der E^
oberung von ganz Spanien und Portugal nicht zweifelten. Am 23. Sep-
tember 1340 erschienen die Konige von Marocco und Granada vor der
Festung Tariffa. — Durch Sturm wurde die Flotte der Castilier
') Maiiyrologium lAoüanum, t. 25 Januar (T. /, p. 262'). — Martyrolog*
0. 8. Fr. V. Fr. Arthur de MonaOerio, 5. Juni. — Diego OrÜz de Zuniga,
Annaleg de SemUa, fol., p. 209. — Manuel Oaetano de Sousa, in: BibUoäiM
Lusitana, t IlL — J. P. Ribeira, Disaertacoea, t. III append. de Documentos,
nr. 63, p. 171—183 (ans dem Archiv von Tavira und von Sylves). — Suva £0-
pea, Bispado do Algarve, p. 202—218. — De planctu ecdeeiae^ l. 2^ ad l^eirwa
Chmez, Cardin.^ U 1 — de statu, l. 2., de planciu ecderiae — Ulm 1475^ p»
Joann. Zainer de Rutlingen (BeuÜingen), vrbe Ulm moranUm, ann. 1474, 2
part., in folio^ editio princepa. (ed. Lugduni, 1517; Vend. 1560). — IKcol-
Autonio, Biblioih. vetua, II, 149-163).
«) Ribeiro, t II, 248-263.
KOnig Alfons IV. (1325-1357). 337
nichtet *). — Die Könige Alfons XI« von Uastilien und Alfons IV . sohueht
B Pcuingal eilten mit ihren Heeren zu Hilfe; jener griff den Aböl ^^ ^l^
issaDy dieser den Konig von Granada an. Am 30. October 1340
tspann sieb die grosse Schlacht am Flosse Salado. Die Besazung
o Tariffii machte einen glücklichen Ausfall. Die Christen erfochten
MD gliozenden Sieg. Mit Noth entkam der Konig von Granada in
ü Nacht nach Marbella; der Konig von Marocco rettete sich über
^esiras nach Ceuta. Von 400,000 Mann zu Fuss und 60,000 zu
iefd des Maarenheeres fielen an 200,000 Mann in der Schlacht. Die
kristUcfaen Könige hatten nur 40,000 Mann zu Fuss und 18,000 Reiter,
ad BoUen nur zwanzig Mann verloren haben. War dem wirklich so,
0 bfttten die Christen Recht, ihren Sieg als ein Wunder zu
btriditen*).
Die Christen erbeuteten unermessliche Schäze. Alfons IV.
nxzickete auf jeden Antheil an der Beute, und begnügte sich mit dem
erworbenen Rahme.
Ein dunkler Flecken in der Regierung Alfons IV. ist die Ermor*
dong der Spanierin Ignez de Castro, der Geliebten, oder wie Andere
^nbcn, der Gemahlin seines Sohnes Pedro, nachdem Pedro's erste
atmihlin Constanza, Tochter Alfons XI. von Castilien, am 13. Novem-
ber 1345 gestorben war. Der Infant Pedro erhob sich nun gegen sei-
M Vater, wie sich Alfons IV. gegen seinen Vater Diniz erhoben
kttc Nach hmgem Streit und Stampf kam zwischen Vater und Sohn
^ 5. August 1355 der Vertrag von Canaveses zu Stande. Der Prinz
piufclt einen Antheil an der Regierung. Die Mörder der Ignez de
pistro flüchteten nach Castilien ^.
\ Bald darauf starb Alfons IV. — 28. Mai 1357. — Unter sei-
Kegierung verwüstete ein Erdbeben Lissabon — 1344, und . die
'cs^ laSle im Jahre 1348 einen grossen Theil des Volkes hinweg.
Wohlstand des Landes aber war unter ihm im Wachsthume
fen.
") Croiuca del rey AUmso XI, Madr. 1787, p. 433.
") Croniea del rey AUmso XI, p. 41 1-443 --454,
*) Sie wurden unter der folgenden Regierang aasgeliefert, and zwei derselben
•B hiogerichCet. Der Dritte, Pacheco, entkam 1360, wurde als unschuldig er-
Qod später in seine GQter wieder eingesezt.
^•••.•ptB.Klrek« in. I. 22
338 Zwölftes Bncb. Zweites Kapitel*
§. 12.
j^g^j Nach ihm regierte sein Sohn Pedro I. nur zehn Jahre (1357—67).
Pedro I. Er war geboren am 8. April 1320. Pedro schwur, dass er mit Ignez
1357-67. ^jg Castro vermählt gewesen, und in Braganza sich mit ihr habe traaen
lassen — 18. Juni 1360. Der Bischof von Guarda, Aegidius (Gil) de
Viana beschwor, dass er den König getraut habe; dasselbe beschwor
Stephan Lobato, der einzige Zeuge der Vermählung^)» — Eine päpst-
liche Bulle wurde vorgelegt, welche dem Pedro erlaubte, die Ehe zn
schlicssen^). Viele glaubten dem königlichen Worte und den vielen
geschworenen Eiden; Andere hielten die Vermählung für erdichtet —
Der König liess die Leiche der Ignez in der königlichen Gruft zn
Alcobapa feierlich beisezen, und ihr ein Grabmal von weissem Marmor
errichten.
Den Cortes zu Elvas, gehalten am 23. Mai 1361, wohnten der
Erzbischof von Braga, die Bischöfe des Reichs, die Aebte und die
Prioren bei. Die Beschwerden des Klerus wurden behandelt und er-
ledigt In dreiunddreissig Artikeln wurden die Beschwerden und Ge-
suche des Klerus, und die Antworten des Königs darauf zusammen-
gefasst.
„Auf drei Dinge vornehmlich (sagt sein Chronist Lopes) verwen-
dete der König seine meiste Zeit, auf die Rechtspflege und die Ge-
schäfte der Regierung, auf die Jagd, die er sehr liebte, und auf Tänze
und Festlichkeiten.^ — Er starb schon am 18. Januar 1367, geliebt
vom Volke, gefiirchtet von den höhern Ständen. In seinem Wesen war
Güte und Milde mit Härte und Grausamkeit seltsam gemischt^. Immer
führte er eine Peitsche mit sich, mit der er die in seinen Augen Schul-
digen, darunter sogar Bischöfe, abstrafte, und immer führte er eine ge«
fiillte Börse mit sich, aus der er möglichst Viele beschenkte. Dem
Tanzen war er so ergeben, dass er es ganze Tage und Nächte fortseztc.
*) SousGy ProvQB, J, 275.
') Die Balle kann aber nicht, wieSch&fer sagt (I, 411) vooi Jahre 132.5 sein;
denn damals war Dom Pedro erst iiinf Jahre, und seine erste Gremahlin starb nicht
vor dem Jahre 1345.
•) Femcu) Ijopes, Chronica d'el rey Dam Pedro, in CoUec^o de Heros
ineditos de Historia Portugueza, t. V, lAah. 1790''1824, in t IV, 1816. -
Schäfer, I, 405-37.
KOnig Fernando (1367—83). 339
§. 13.
Ferdhumd, geboren 31. October 1345, zählte 22 Jahre bei dem
Antritte seiner R^erang. Er war der reichste König, den man bisher Ferdi-
in Portagal gesehen. Lissabon wai* eine grosse Handelsstadt geworden, "^,, '
in dereo Hafen man oft 450 in- nnd ausländische Kauffahrteischiffe zählte. 1345.
Aber was vier frühere Konige gesammelt, das verschleuderte Fernando,
rad zerrüttete zudem das Vermögen vieler Untertbanen. Durch seine
psat Regiemngszeit zieht sich das leidenschaftliche, aber eitle Be-
ftreben, Castilien mit der Krone Portugal zu vereinigen. Er galt für
des schönsten Mann seiner Zeit. Jeder Mann, der ihn nicht kannte,
lueh um sogleich für den König. An körperlicher Kraft, Gewandtheit
oid Tapferkeit übertraf er Alle. Aber die Eigenschaften des Geistes
l)lief>ai weit hinter denen des Leibes zurück. Ihm fehlte vor allem die
Aasdaaer des Willens und die Festigkeit des Charakters. Seine Eitel-
kh blendete ihn. Er trieb Spiel mit feierlichen Eiden, und wechselte
Frennde and Feinde nach Launen. Nach seinem veränderlichen Sinne
vermählte er seine Tochter Beatrix fünfmal nach einander. ^
Bald nach seiner Thronbesteigung machte er Ansprüche auf den
Tbon von Castilien. Eine Anzahl Städte und Flecken fielen ihm zu,
iL Cindad Rodrigo, Zamora, Tuy, Coruna, Compostella, Lugo,
OreDse, el Padron, Alcantara. Er nahm den Titel „König von Casl^-
fitfi* an, und Hess Münzen mit dem portugiesischen und castilianischen strebt
Wappen schlagen. Zu diesem Zwecke schloss er einen Bund mit dem "*^^,^^'
Könige Don Pedro lY. von Aragonien , und dem maurischen Könige yon ca-
Vniuuned von Granada. Der Feldzug aber, den Ferdinand (im Jahre ■•"**°'
V&f) gegen Castilien iührte, war der Art, dass es für den König
«irenvoller gewesen wäre, wenn er ihn unterlassen hätte'). — Zwei
I^ten, die Papst Gregor XI. nach Spanien gesandt, vermittelten den
Frieden zwischen Castilien und Portugal, der zu Alcoutin geschlossen
«nirde, 1371«).
Ferdinand erschöpfte in Bälde seine reichen Hilfsquellen, und
^m znr Münzvcrfalschnng seine Zuflucht^). — Im Jahre 1372 plante
<f einen neuen Angriff auf Castilien. Enrique IL von Castilien kam
»Im zuvor, und stand am 23. Februar 1373 vor Lissabon. Eine castilia-
üische Flotte erschien am 7. März vor der Stadt. Lissabon wurde zum
*) Abo der Portugiese Lopes, 1. c., c. 29, 44.
') IjiiptM, cp. 63. — Pedro Ijopez de Ayala, Cronica del rey Enrique se-
P^o (von Castilien), ann. 1369, cp. 15. — ann. 1371, cp. ö.
*) Ijopes, cp, 66.
22*
340 Zwölftes Bach. Zweites Kapitel
grossen Tbeile ein Raub der Flammen'). Der Cardinal-Legat Guido
de Boulogne vermittelte den Frieden, 19. März 1373^ dessen Bedingungen
Enrique U. vorschrieb.
In innem und äussern Wirren, unter vielen Streitigkeiten und
Greueln, verlief die unglückliche Regierung Ferdinands. Als er sein
Ende herannahen fühlte, ergriff ihn eine lebhafte Reue über seine Re-
gierung. Er sprach: „Ich glaube, dass Gott mir dieses Reich gegeben
hat, um Recht und Gerechtigkeit darin zu handhaben; aber ich habe
es durch meine Schuld so gethan, dass ich der Gottheit davon sehr
Sein schlechte Rechenschaft ablegen werde.*^ Er flehte unter Thränen Gott
octob*r °™ Vergebung an. Im Gewände eines Franciscaners starb er am
im' 22. October 1383.
Unter seiner Regierung kamen die Engländer zum erstenmale in
das Land; Ferdinand war der Erste, der ihnen das Land zu Füssen
legte. Durch ihren Uebermuth machten sie sich Alle zu Feinden, und
wenigstens diessmal wurden sie, wenn auch für kurze Zeit, ausgetrieben.
§. 14.
Ferdinand hatte nur Brüder, keinen Sohn hinterlassen, die aber,
vertrieben aus Portugal, in Castilien lebten. König Juan L von Casti-
lien Hess aber den Infanten Joao von Portugal, der den nächsten An-
spruch auf den Thron hatte, gefangen nehmen; denn er wollte selbst
zwi- König von Portugal werden. Die Regentin und Reichsverweserin £Ieo-
•chen- jjQj.^ (Teiles), Tochter eines Portugiesen, deren Stieftochter Beatrix mit
rnng, dem Könige Juan I. von Castilien vermählt war, liess sich für den
1C83-85. pjj^ Juans I. von Castilien und der Beatrix gewinnen, die Krone Por-
tugals mit der von Castilien zu vereinigen. Aber sie hatten die Rech-
nung ohne „das Volk'' von Portugal gemacht. „Kein selbstständiges
Volk beugt sich willig unter den Scepter eines fremden Herrschers, am
wenigsten der Portugiese unter den Castilianer, dessen stolzes Umher-
schauen auf sein grösseres und älteres Vaterland jedesmal das Hocb-
gefühl verlezt, mit dem sich der Portugiese seiner glorreich errungenen
Selbstständigkeit, wenn auch auf beschränkterem Boden, bewusst ist'
Es erwachte wieder die alte Erbitterung; die lezten Kriege und Unbil'
den lebten in frischem Andenken, die Wunden bluteten noch. Haben
unsere Voreltern, sprach einer zum anderen, Portugal darum mit so
vielem Blut und Menschenleben von den Mauren erobert, damit wir es
den Castilianem geben?
Das ganze Volk von Portugal erhob sich gegen die „Union* mit
*) Lopes, cp. 77—82, — Lopez de Ayala, ann. 1373, cp, 3—6.
ZwischenregieruDg von 1383—85. 341
CvtiiieiL So masslos war die Wath des Pöbels von Lissabon, dass^^c«»«
es den Bischof Martin von Lissabon (1378 — 83), einen ausgezeichneten p^i^Yii.
Maoo, desswegen gransam ermordete, weil er ein geborner Castilianer
war. Die ^Burger^ stürzten den unglücklichen Bischof mit seinen
glddi ODSchoIdigen Freunden von einem Thurme herab. An seinem
Leichname sattigte der rasende Pöbel seine Wuth. Sie rissen ihm die
Kleider ab, und schleiften den nackten Körper unter abscheulichen
Vei-wüoschangen und Beschimpfungen durch die Strassen der Stadt —
& December 1383.
Dasselbe Volk wählte in der Person des Grossmeisters von Avis,
loao's L, eines Halbbruders des in Castilien gefangenen Infanten Joao,
nch zonächst „einen Defensor^. So tief wurzelte damals, wie allezeit,
derGegensaz zwischen Castilianern und Portugiesen, so sehr durch-
dtug er alle Classen und Stände des Volkes, dass die Geistlichkeit
tm des Geschehenen den Kirchenschaz der Kathedrale auslieferte, um
Kittel ZQ dem Kriege mit Castilien herbeizuschaffen. In dem folgenden
Bugerkriege wurden Alle aus den höheren Ständen von dem Volke
»cUagen, die es im Verdachte hatte, castilianisch gesinnt zu sein.
3er Pöbel von Evora begieng unbeschreibliche Greuel, schrecklichere
•pcb} als der von Lissabon begangen. Man wandte sich um Hilfe an
bgland, versprach den Engländern Portugal zur Verfugung zu stellen,
von sie sich der Reiche Castilien und Leon bemächtigen wollten. Die
lo^nder sandten Krieger, vor allem aber Geld.
Der König Juan von Castilien aber liess sich in der Kathedrale
VDQ Toledo und in den Strassen der Stadt als König von Portugal
«ttnifcn, weil er als Gemahl der einzigen Tochter des verstorbenen
Komgs Fernando, die Krone von Portugal geerbt habe '). „Dass der
«nM mit dem scheugewordenen Pferde stürzte, und die Fahne, auf Krieg
vrCastiliens Wappen über dem portugiesischen prangte, zerriss, sah "||jj^J**
■tt als ODgünstige Vorbedeutung an." Die Castilianer rückten bis vor
Idssabon — Mai 1384. Am Ende des Mai hatten die Castilianer Lissa-
bon zü Land und zur See eingeschlossen*). Am 1. August 1384
BQSste sich das Lissabon gegenüberliegende Almada den Castilianern
«geben*), — Aber in dem Heere der Castilianer brach eine schreck-
^ Pest aas, welche auch die Flotte ergriff. Taglich starben 150 bis
300 Menschen und noch mehr, während in der Stadt Lissabon schreck-
licher Hunger herrschte. Erst als Beatrix, die Konigin, und Erbin des
Tlrones von Portugal, erkrankte, gab Juan L am 3. September
') Er nannte sich: Joanne«, Dei qratia Rex Castellae, Leonis et Por-
*) l^ptz de Ayala, ad ann. 1384, cp, 7.
•) Äjftoo f t. e. Brandao), T. III, cp. 220. - Nunes do Liao, cp. 33.
342 Zwölftes Bach. Zweites Kspitel.
die Belagerung von Lissabon aof, — und kehrte nach Sevilla
zarück ').
Gross war die Freude der Befreiten« Klerus, Volk und alle
Grossen hielten barfuss eine Frocession zum Danke« Der Jubel der
Spanier über ihre Befreiung aus der Hand der Mnhamedaner konnte
unmöglich grosser sein, als der Jubel der Portugiesen über ihre Be-
freiung aus der Hand der christlichen und stammverwandten Castilianer
war. Wer aber den Traum der iberischen Einheit tmumt, der weiss
nichts von der Geschichte Portugals.
Am 6. April 1385 wurde der bisherige Defensor zum Konige aus-
gerufen. Joao I. führte eine lange und glückliche Regierung (1385
bis 1433)«).
Der Herzog von Lancaster kam im Jahre 1386 dem Konige
Joao I. zu Hilfe. Jener gedachte Castilien zu erobern; dieser wollte
ihm dazu verhelfen« — Joao vermählte sich mit Philippa, der ältesten
Tochter des Herzogs, in der Kathedrale zu Porto — 11. Februar
1387«
Im Jahre 1411 und 1431 wurde definitiver Friede mit Castilien
geschlossen. Im Jahre 1416 wurde Ceuta in Afrika erobert, wo sidi
eine Zeit lang die Bischöfe von Marocco niederliessen. Der Francis-
caner Aymar war Bischof von Marocco seit 1413, vom 5. März 1421
an') auch erster Bischof von Ceuta (f c. 1443). — Joao's Sohn, der
Infant Henrique, entdeckte Madeira (1419), und Porto Santo (1418); er
umschiffie das Cabo Bojador (1432)^).
») Sylva, t. II, p. 241.
*) 8ou8a^ Provas, T. /, p. 340, — JosS Soares da Sylva, Memorias para
a hütoria de Portugal, que comprehenden o govemo del rey D. Joao I, de 1383
aU 1433, Liaboa, 1730—32, 3 vol. 4*. — t. IV oder: OoUecqaö dos documenios
com que se auctorisam los primaros tr^ tomos — Lts. 1734 (Doc. TS). -
Fem. Lopes, l. c. (Chronica do Senhor D. rey Joao I). — P. i— 2. — Duarit
Nunez de lAdo, Oronica dos reyes D. Joao /, D. Duarte etc., Lisb. 1643 (ib.
1774), cp, 44—48 (Aycda, Oron. de Rey D. Juan el Primero, ann. 1355, cp. 6).
- Schitfer, II, 110-327.
') Bulle Papst Ifartin's vom 5. März 1421 (Sylva, Memorias, t. IV, Ooü.
dos Doc, nr. 38. — Sousa, Provas, I, p. 369). Aymar war Beichtvater der
Königin Philippa gewesen.
*) Pesckel, Das Zeitalter der Entdeckangcn. Stuttg. 185S.
Erzbiathum Lissabon, 1394, 343
§. 15.
Unter loanes Anes, dem Nachfolger des im Jahre 1383 vom
il ermordeten Bischofs Martin, warde die Hauptstadt Lissabon zum
:bistfaiuD erhoben. Vor dem Jahre 1199 war Lissabon unter Bra-
als Metropole gestanden, von da an stand es unter Compostella. Erx-
10. November 1394 wurde es zum Erzbisthume erhoben. Es erhielt ^^^ i^"!^!
seinen Suffi-aganbisthämem Lamego, Guarda, Silves und Evora. Mbon,
wurde in Kurzem exemt. Bischof Anes starb am 3. Mai 1402. ^^l
demselben Jahre wurde Joann. de Azambuja von Coimbra nach
'Listabon transferirt. Er wohnte im Jahre 1409 der Synode von Pisa
;ft, md machte nachher eine Reise nach Palästina. Im Jahre 1411
■vurdeer Cardinal, und hielt sich auf der Synode von Constanz zu
jAfst Joannes XXIII. Auf der Rückreise nach Portugal starb er zu
Jrögge am 23. Januar 1416. Sein Nachfolger Didacus Alvares, vorher
:hof Yon Evora, starb am 5. Mai 1424. Dessen Nachfolger Petrus
Norooha kam in demselben Jahre von dem Bisthum Evora in den
des Bisthnms Lissabon, das er bis zu seinem Tode am 12. August
152 verwaltete.
Vom Jahre 1372 bis 1397 war Laurentius Erzbischof von Braga, ^:
Lidcher m den Kriegen der Jahre 1383 — 1385 an der Spize der Pa- v.Braea,
fcioteo stand, und personlichen Antheil an den Kämpfen nahm. Sein ^^^^
Nadifolger Joannes Garcia Manrique, im Jahre 1368 Bischof von
Orense, von Signenza 1376, von Burgos 1384, Erzbischof von Santiago
m Jahre 1386, wurde Administrator von Braga, und Bischof von
Coimbra, als welcher er im Jahre 1403 starb. Martin Pires de Char-
Ktt wnrde im Jahre 1398 von Coimbra nach Braga versezt, wo er am
S. März 1416 seine Tage schloss.
Im December 1416 kam vom Bisthum Porto nach Braga Fer-
Knand de la Guerra. Er hielt die zweite Diocesansynode; im Jahre
Pi36 aber eine Provinzialsynode; 49 Jahre war er Erzbischof, zwei
^ Jahre Bischof von Porto, und starb am 26. September 1467 ^).
§. 16.
König Joao L sachte mit der Kirche im Frieden zu leben. Er .con-
kWoss am 30. Augast 1427 eine „Concordia«, die lezte dieses Zeit- «>"**•"
rvuDes. Die jahrhundertelangen Zerwärfiiisse zwischen der geistlichen lor.
*) Die „Fantes" in meiner Series episcoporum, s. v, Braga and Lisboa.
344 Zwölftes Buch. Zweites Kapitel.
lind der königlichen Gewalt sollten durch dieselbe beigelegt; die Gren-
zen der beiden Gebiete festgestellt werden*).
Nachdem Aragon seit 1358, Castilien seit 1383 die Zeitrechnung
chruu. °^^^ ^^^ n^^<^ de CesoT** aufgegeben, befahl Joao I. durch ein Gesez
Zeit- vom 15. August 1422, dass auch in Portugal die christliche Zeitrech-
noDg. ^^°g eingeführt werden solle. Wird zuweilen noch der Ausdruck
„Era^ gebraucht, so ist damit das Geburtsjahr Christi gemeint^.
Nach längerem Siechthum starb Dom Joao L zu Lissabon am
14. August 1433'). Er wurde in der Kirche des von ihm begründeten
Klosters Batalha beigesezt — 25. October 1433. Neben dieser schön-
sten von ihm erbauten Kirche gründete er noch die Kirche von Penha-
longa, die der Zeit nach erste Kirche der Hieronymiter in Portugal,
die Kloster der Franciscaner in Leiria, Camota u. a.
§. 17.
Sein Sohn und Nachfolger Duarte regierte nur (nnf Jahre, und
König diese kurze Regierung war meist unglücklich. Er selbst aber war ein
Duarte, ausgezeichneter Regent. Duarte sandte zu dem Goncile von Basd
(1435), später Ferrara , seinen Neffen, den Bischof Anton. Martinez de
Chaves, mehrere Doctoren, den Augustiner Joann. Thome, den man
wegen seiner Talente und seiner Gelehrsamkeit den zweiten Augustinus
nannte, den Franciscaner Magister Gil Lobo, und viele Adelige. Papst
Diurte Eugen IV. erwies sich dem Konige dankbar, und bestimmte u. a., dass
u. Papst ^\jQ Könige von Portugal bei der Krönung in derselben Weise gesalbt
^T werden durften, wie die Konige von Frankreich und England.
Der Bischof von Porto hatte vorher der Synode von Basel ange-
wohnt, wurde durch Eugen IV. Cardinal am 18. December 1439, und
starb zu Rom am 11. Juli 1447.
Kreus- Die Brüder des Königs, Enrique der Seefahrer, und Ferdinand
sag nach ^j^j. Standhafte oder Heilige) unternahmen, mit unwilliger Zustimmung
148?/ des Königs und Volkes im Jahre 1437 einen neuen Feld-, vielmehr
Kreuzzug nach Afrika. Das kleine Heer der Portugiesen erlag vor
') Do8 artigos antre el Bey D. Joham, e a Clerizia — in: OrdenagoeM
do S. Rey D. Ajffonso V, liv, II, tit 7. — Jos^ Änastas. Figueiredo, Sjffiopsis
chronolog. de evbsidios anda os mais raros para a historia e estudo criÜeo da
Ugislagdo partugueza, Lisb. 1790, 2 vol. 4\ — (anni 1143^1603), 1. 1, p. 19,
21. — Raynaldi, ad ann. 1427, nr. 19,
») Ribeiro, T<m. II, p. 23-^28 (Capüulo IV, Era — der DisseH. VI io^
OS Datas dos Documentos, e Monumentoe da Hespanha, e espedelm. ds
Portugal).
•) I^m. Lopes, Chronica, l. 2, cp. 2. — N. de Lido, cp. 103 (p. S02).
Die Infanten Enrique und Fernando. 345
TiBger der ungeheuren Uebermacht der Mauren. In diesem Kampfe
rolibncfate auch der Bischof von Ceuta Wunder der Tapferkeit. Durch
Vertrag rom 15. October 1437 wurde den Portugiesen freier Abzug
m See gestattet; Ceuta aber sollte an Marocco zurückfallen. Als
Geisel für die Haltung des Vertrages stellte sich freiwillig der Infant
Ferdioaod.
Zwölf Portugiesen, unter ihnen der Geheimschreiber Joam Alva- ^erdc-
m, der Verfasser der Chronik Ferdinands, folgten ihm in die Ge- >>«°<><>«'
fageoschaft. Endlose Qualen, Hohn und Hass des Volkes erwarteten ^f^^^
inPrmzen. Ferdinand war sieben Monate in Afrika fast immer krank,
dennodet aber war er im Beten und Fasten, und in Werken der
VoUdötigkeit gegen die Christensclaven , welche er theils loskaufte,
Aob kleiden und speisen liess. Da die Portugiesen Ceuta nicht aus-
üefertta, wurde Ferdinand nach Fez geschickt Unsäglich waren die
JÜKliiQdluDgen, die er auf der Reise erduldete, unüberwindlich war
fr Geduld des Infanten. Am 31. Mai 1438 kam er in Fez an. Drei
Kanäle lang lag er in einem schrecklichen Kerker. Am 11. October wurde
rio^eplündert, und der ihm noch übrigen 200 Dublonen beraubt.
Gt Fossschellen belastet musste der Prinz mühsam sich fortschleppen.
trief den Seinen zu: ^Ihr sehet, wie mir geschieht; bittet Gott für
AL' Man gab ihm einen Besen, einen Korb und eine Schaufel, er
Mte den Stall hinter den Gärten des Grossveziers reinigen. Zwei
kde waren seine tägliche Nahrung. Zur Nachtzeit wurde er mit eilf
^inoom in einer Kammer, in der nur acht Raum hatten, eingesperrt.
ffcBD ein Maure mit ihnen redete, erhielt derselbe 500 Geisseistreiche.
Et tiefstem Schmerze erfuhr Ferdinand den Tod seines Bruders Duarte.
■ bitte nun jede Hoffiiung auf Befreiung verloren. Unreinlichkeit
iiCogeziefer marterten ihn in seinem Gefangniss. Seit Februar 1440
»de die Lage der Gefangenen eine noch härtere. Im März 1442
»de Ferdinand baarfuss in den Gerichtssaal geföhrt, wo sein Be- Murtem
wgerLazurac, der Grossvezier, sass. Ein Portugiese wurde neben
m blutig gegeisselt, dann zur Steinigung hinausgeführt, der Prinz von
*i^ Begleitern getrennt. Er wurde in eine schauerliche finstere Hohle
jitorfen. Eän Holzblock und der Steinboden diente ihm zum Lager.
^ Terpestete Luft aus den heimlichen Gemächern der Eunuchen drang
Wn. FünCsehn Monate schmachtete hier der Infant. Ungeziefer quälte
k Da er meist knieend betete und schlief, so bereiteten ihm die
)ciiwie]en an seinen Knieen die heftigsten Schmerzen. Im Anfange des
nBti 1443, gegen E2nde des sechsten Jahres seiner Gefangenschaft, über-
U um die Ruhr. Nach vielem Bitten, Thränen und Fuss^len er-
föchten die Portugiesen nur so viel, dass der Arzt und die Christen Er
«hvechsdnd bei ihm wachen durften. Er empfieng wiederholt die heili- '^^
^ Sacramente« Seine lezten Worte waren: „Nun lasset mich ruhig lio.
det In-
fanten.
▼are«.
346 Zwölftes Bach. Zweites KaptteL
sterben.^ So oft ihn Lazurac, sein Todfeind, in der Nadit hatte be-
obachten lassto, wnrde er betend gefunden. ,|Ware er Maare gewesen,
sagte jener, er hätte es seiner Tagenden wegen verdient, als Häliger
▼erehrt zu werden. Nie habe ich eine Unwahrheit ans seinem Monde
gehört« So ofl ich ihn des Nachts beobachten liess, ward er im in-
briinstigen Gebet gefanden. Alle behaupten, dass er neben seinen übri-
gen Tagenden darchaas onschaldig war, nnd niemals ein Weib berührt
habe. Wahrlich, grosse Schald hat sein Volk aaf sich geladen, dass
es ihn aaf solche Weise umkommen liess.'
Fünf seiner Leidensgefährten starben wenige Wochen später; die
joM AI- Uebrigen erlangten erst nach dem Tode Lazoracs ihre Freiheit, unter
ihnen Joam Alvares, der die Leiden des Prinzen beschrieben hat. Er
brachte das Herz seines nnvergesslichen Herrn nach Portugal zariick,
1. Juni 1451. Dasselbe wurde im Kloster Batalha beigesezt*).
Konig Duarte's lezte Lebenszeit war durch das unglücklicbe
Schicksal seines Bruders getrübt. Duarte starb an der Pest am 9. Sep-
tember 1438*). — Derselbe verfasste eine Anzahl von Abhandlungeo,
unter denen der „treue Rathgeber" am öftesten genannt wird").
§. 18.
Königin Die Königin Wittwe Eleonore übernahm die Regentschaft Sie
^^°^'* war eine Prinzessin von Castilien, und schon darum den Portugiesen
verdächtig. Die Regierung wurde wiederholt getheilt zwischen ihr nod
Don Pedro, dem Bruder Duarte's, welcher Torzugsweise, wenn aocli
vergeblich, den verunglückten Feldzag nach Afrika widerrathen hatte.
Don Im November 1439 wurde die Königin Leonora verdrängt, Don Pedro
Pedro, einziger Regent zur Zeit der Minderjährigkeit Alfons V. Die Regentr
' Schaft Don Pedro's dauerte zehn Jahre. Leonore zog sich nach Casti-
*) Fr. Joao Aloares, Cfkroniea dos feitos, vida e morU do ütfanU «nfo
FemandOt qua morreo em Fez^ — gedmckt 1527; -* Chromoa, refamnada t
augtmentada por Fr. Jeronymo RamoSf Lisb. 1577; lateinisoh: in Acta Säor-
BoU.^ Juni /, 5, p. 563-^91. — Romauy Hieron,^ Historia de la mda etc., 1596,
— (Olfers), Leben des standhaften Prinzen Ferdinand etc., Berlin, 1827. — Schä
fer, II, 327^72 (Leiden nnd Sterben des standhaften Prinzen, S. 350—66).
') Ruy de Pina, Chronica do Senhor Rey D. DuarU, in: CoUee^ ^
livros ineditos de Historia F&rtuguem, t. I, Lisb. 1790, p. 75'-187, 4^. 1-4^
-^ Duarte Nunes de Leäo^ Chronica det rey D. Duarte^ Lisb. 1780.
*) Leal Consdheiro — Paris, 1842.
Cf. Diego Barbosa Machado, Bibliotheca Lusitana, 4 fol., Lisb. 1741
--17 69, s. V. Duarte, T. I, p. 719. — Inn. Franc, da Silva, JWcctoiwrio,
L II, 203-^ (Duarte), (Schäfer, II, 370).
Alfons V. (1448-81). 341
Ikü znrock, und gerietb zu Toledo in solche Noth, dass sie von milden
Gaben leben musste. Hier starb sie am 19. Februar 1445.
Zwischen dem Kegenten Pedro aber und dem Könige Alibns V.
Lun es zum Kriege; im Kampfe fiel Don Pedro am 20. Mai 1449.
Seine Tochter Isabella war mit Alfons V. vermählt worden. Sie starb
am 2. December 1455, wie man glaubte, an Gifl.
AlfoDS V. (1448 — 81) hat den Beinamen des „Afrikaners^, wegen König
der Fcldzöge und Eroberungen, die er in jenem Welttheile machte. Es '^!^"""
lundelte sich nach dem Falle von Constantinopel um einen Kreuzzug iiis-si.
aller christlichen Fürsten gegen die Türken. Allein Alfons V. blieb in
Kinen Bemühungen für einen Kreuzzug ganz vereinsamt. So beschloss
tfiienn, sich auf Afrika zu beschränken, und den Anfang mit einem
Aagriffe auf Alcacer Gegner zu machen (1457). Alcacer (bei Tanger) *'oi<'-
nafcam 20. Octobcr 1458 erobert. Alfons V. nannte sich nun: »Von ^^^
Gottes Gnaden Konig von Portugal und Algarve, Herr von Ceuta und waroceo
ilcseer b Afrika^. Vergebens wurde Alcacer von einem grossen Heere
der Maaren 53 Tage lang belagert. Im Juli 1459 begann die Belage-
nug aofs neue, und wieder 53 Tage vergebens. Im Jahre 1463 wagte
Alfons V. einen neuen Feldzug nach Afrika^ mit 25,000 Mann und 338
Segeb. Aber der Angri£f auf Tanger misslang. Der beste Feldherr
(kr Portugiesen, der Graf Duarte de Menezes, fiel in diesen E^ampfen *).
Hit genauer Noth entrann Alfons V. dem Untergang. An Ostern 1464
«V ff wieder in Portugal«
Dagegen entdeckten und besezten die Portugiesen in dieser Zeit
jenseits des Vorgebirgs von Bojador das Gebiet von Angra (1434), Oabo
kuco (1441, das weisse Vorgebirge), Ilha das Gar^as (die Reiherinsel, Ent-
14Ü), Cabo Verde (das grüne Vorgebirge, 1443), die Inseln des grünen *^^""p
Vorgebirges (1446), die Mündung des Gambiaflusses und des Bio grande Porta-
(Lud Guinea). S. Miguel, eine der Inseln der Azoren, gehörte schon >^^'®'''
A Jahre 1447 den Portugiesen.
Der In&nt Henrique, der Seefahrer, das Haupt und die Seele dieser
CaternehrnmigeD, starb zuSagres (an dem Vorgebipge San Vincent), am
13. November 1460 — in seinem 69. Lebensjahre (geb. 4. März 1394).
Aoch er wurde in dem Kloster Batalha, neben seinem Vater Joao I.,
«gesezt«).
0 Pinüf Chronica do Conde D. Duarte do Menezea,
') J. Barras y Decadas (XII) da Asuk — dos feitos y que os Portugeses
h^raa no deseobrimento et conquista dos mares y terras do Oriente (depois do
*^dol412 aieodoieOO, Lisboa, 1552^1673, 12voU.fol.). Nach jBarro« (Dec.
1 1 1, cp. 16) starb Enrique ent im Jahre 14G3. — Fr. Kunstmann, Afrika vor der
Kctdeeknig der Portugiesen, Mfinch. ia53. — Hier, ifünzer'« Beriebt über die Ent-
ItekaogTon Guinea, M. 1851. — Val. Ferdinand' s Bescbrcibaog der Westküste
348 Zwölftes Bach. Zweites Kspitel.
§. 19.
Im Jahre 1471 wagte Alfona V. einen neoen Zug gegen Arzilla
und Tanger. Alfons V. und der erst siebzehnjährige Thronfolger Joao
(II.) vollbrachten bei der Erstürmung Arzilla's Wnnder der Tapferkeit
Arziüa — 24. August 1471. Die Moschee wurde als Kirche der Himmelfahrt
TMger Maria's eingeweiht (Nossa Senhora da Astump^ao). Am 28. Aogast
•robert, rückteu die Portugiesen auch in das von seinen Einwohnern verlassene
Tanger ein. Die Moschee wurde in eine christliche Eürche umgewan-
delt; das Bisthum Tanger aber wurde dem Prior von San Vicente io
Lissabon übertragen, der seit 1468 den Titel eines Bischofs von Tanger
fahrte.
Es war der Benedictiner Nunius Alvares (s. de Aguiar), welcher
aber nicht (oder nur vorübergehend) Residenz hielt. Schon im Jahre
Bitibum 1472 war er wieder in Portugal, wo er für den Bischof von Lam^o
'*■'"'• Rodrigo de Nor als Weihbischof thätig war. Im Jahre 1479 wird er
Bischof von Tanger, der Insel Madeira und der benachbarten Inseln
genannt. Er starb am 15. Juli 1491 ').
Alfons Y. nannte sich nach der Eroberung Tangers „König to&
Portugal und der beiden Algarve diesseits und jenseits des Meeres io
Afrika"*). Am 17. September 1471 kehrte er mit dem Prinzen nach
Lissabon zurück; die Stadt schwamm in einem Meere von Jubel. Tanger
galt als Juwel in der Krone von Portugal.
Es war ein um so grosseres Unglück, dass Alfons V. jezt wieder
die Eroberung von Castilien in Angriff nahm. Konig Heinrich IV. Ton
Castilien starb am 12. December 1474, mit Hinterlassung einer Tochter
von zwölf Jahren, genannt Johanna la Beltraneja, da man sie iur die
Tochter eines Günstlings Beitran hielt Der bejahrte Alfons V. von Fo^
tugal verlobte sich mit seiner Nichte Johanna, welche Heinrich IV. io
seinem Testamente als Erbin des Reiches eingesezt hatte. Alfons V.
nannte sich jezt: „König von Castilien, von Leon, von Portugal, von
Toledo, von Cordova, von Sevilla, von Galicien, Murcia, Jaen, beider
Algarve diesseits und jenseits des Meeres in Afrika, von Algesiras,
Gibraltar, Herr von Biscaja und Molina.^ — Er behielt diese Titel bis
zum September 1479 bei, wo er im Frieden mit Castilien auf sie ver-
zichtete.
Afrika*8 bis znm Senegal» mit Einleitung und Anmerkungen, München 1856. — Von
Senegal bis Sierra Leone, das. 18C0.
') Nach RibeirOf V, p. 213 — am 4. März 1491. — Memoria htstorica 9obre
08 bispadoa de Ceuia e Tanger ^ por Levy Maria Jordao. Ldsboa, 1868, 4*.
») R^eiroy T. II, Ap. VI, p. 207,
Alfona V., Joao IL (1481-1495). 349
Alfons V. schloss ein Bündniss mit Konig Lndwig XI.' von
Irukrcich, welcher für sich das Königreich Aragonien in Aussicht
oiiuL Alfons V. zog (1475) mit 14000 Mann zu Fass und 56(X) zu
Pferd in den Kampf gegen Ferdinand und Isabella von Castilien^' Auch Krieg n.
Leztere nahmen jezt den Titel an: Konige von Castilien und Portugal, ^^ ^.
Dfld fugten dem castilianischen Wappen das portugiesische bei. Der •tnien,
Eienis von Castilien gab damals die Hälfte des Silbers der Kirchen '^'^^*'^''
for die Sache Isabella's. In der Schlacht von Toro erlitten die Portu-
^esen eine totale Niederlage — 1. März 1476«
Nach verheerendem Kriege schlössen die Kampfenden am 4. Sep-
tember 1479 den Frieden von Alcacevas. Alfons V« und Joauna legten
fo Titel: „Könige von Castilien^ nieder; Joanna durfte sich von nun
an acbt einmal Prinzessin oder Infantin nennen. Sie zog sich als
^DtiODi Joana'^ in ein Kloster der heiligen Clara zu Santarem zurück,
König Alfons V. starb am 28. August 1481 zu Cintra^ in dem- Dom
Hanse, in vrelchem er fi^eboren war. — Sein Sohn Joao IL Jo«oir.,
Regierte vierzehn Jahre (1481—95). Am 11« Juli 1491 verlor er seinen
geliebten Sohn Alfons, den Erben des Reiches, der sich eben mit der
astiUanischen Prinzessin IsabeUa vermählt hatte, durch einen ungläck-
kheo Sturz vom Pferde. — Konig Joao II. starb am 25. October 1495
n der Wassersucht. Seine Chronisten, Besende und Pina, sind voll
lOKs Lobes; sie nennen ihn vor AUem einen gottesftirchtigen Konig.
Jede Nacht stand er auf, um in seinem Oratorium zu beten. Er er-
nkhtt ein Alter von nur 4ü Jahren.
§. 20-
Emmanuel, genannt der Grosse, Sohn seines Bruders Ferdinand, £„0^.
^Herzogs von Visen, folgte ihm in der Regierung. Unter ihm ge-nn^Jd^r
kigte Portugal zu seiner höchsten Macht. Er war ein vollendeter j^^'
^Itfistlichcr Fürst, auch in seinem Privatleben untadelig. Sein Hof war i^^i.
9ne Schnle des Anstandes, guter Sitte und geselliger Bildung, mann-
Uer Tüchtigkeit und weiblicher Ehre, eine Pflanzschule wahrer Ritter-
fcfckcit Am 20. November 1497 wurde voa Portugiesen unter Vasco
vGama das Vorgebirge der guten Hoffnung umfahren. Emmanuel
kirathete die (schon erwähnte) castilianische Prinzessin und Wittwe
^es Vetters, Elisabetha, welche nach dem Tode des Prinzen Juan
Thronerbin von Castilien und Aragonien wurde. Die „katholischen
Kuoige'' laden den Konig Emmanuel und ihre Tochter Isabella ein,
t3'li Castilien und Aragonien zu kommen, um sich hier als Thronerben
i»"ldigen zu lassen. Mit Bewilligung der Cortcs von Portugal (II, Fe-
uniar 1493) Hess sieh Manuel zu Toledo als Thronerbe von Castilien
v^
Drittes Kapitel.
Das Reich Castllien, von der Eroberung von Sevillft tl
zo der Eroberung von firanada (1248—1492).
Nach der Einnahtne Sevilla*B am 23. November 1248 erobefl
Ferdiuand III. im Jabre 1250 noch die Städte Xeres, das alte Asü
Sidonia, San Lucar und Cadiz. Das alte Bistbom Asido wurde dIcI
mclir hergestellt, Btatt eeiner aber das Biatbum Cadiz, welches im Ji
1267 in der PersoD des Franciscaners Joannes Maiünez seinen
Bischof erhielt.
Im Jahre 1251 röstete Ferdinand der Heilige noch eine gn
Flotte zur Erobemng des heiligen Landes aus. Er starb aber d
langwieriger Kraokheit, an der Wassersacbt, zu~ Sevilla am ' '
1252, erst 52 Jahre alt. Von Anfang an nannte ihn die Stic
Volkes den „Heiligen**, er wnrde aber erst im Jahre 1671 durch B
Clemens X. cnnonisirt ').
§.2.
Sein Sohn Alfons X. (1252—1284) führte im Ganzen eine gl!
liehe Regierung, ■ — > Seine Versuche, vom Jahre I2.'}7, sich die Ai
') hJ&jnorias para la vida del Santo Äey Don Fernando Itl, p. ^<f
d» Manuel Rodrigvtz, Madr. ISOO, fol., p. 574.
i
Alfons X. von GaBtilien (1252—84). 353
hoDimg als deutscher Kaiser zu erwerben, konnten keinen Erfolg haben,
da er Spanien selbst nicht verliess. Vergebens muthete er den Päpsten
tüj ihm eine Anerkennung zu verschaffen, für welche er selbst keine
Opfer brachte.
Noch za Lebzeiten seines Vaters wurde das Bisthum Carthagena
hergestellt, welches seit dem Jahre 1289 — 91 seinen bleibenden Siz
io Morcia hatte. Im Jahre 1255 wird Petrus Perez erster Bischof von
Badajoz genannt
Am 6. April 1255 bestätigte Papst Alexander IV. die Errichtung \
dtr UniTersität Salamanca durch Alfons X. '). — Sechs Tage später
schrieb er dem Konige über die traurige Lage des heiligen Landes und
kl ihn, demselben schleunig zu Hilfe zu kommen*). Doch Alfons X.
iir nicht, wie sein Vater Ferdinand; er wollte empfangen, aber nicht
gebcQ. Er hatte zwar versprochen, einen Ejreuzzug nach Afrika zu
aateiaebmen; aber dabei blieb es. Seltsam ist es, dass der Papst am
13. Kai 1255 dem Bischöfe Lupus über dieses Vorhaben Alfons X.
sdrreibt, während er doch an demselben Tage durch den Erzbischof
WD Santiago ihn nach Rom zur Verantwortung wegen Bigamie citirt^).
iltoDs gieng nicht nach Rom, nicht nach Afiäka und nicht nach
Deotschland.
Am 11. Februar 1259 erhielt Alfons X. von demselben Papste
^ Pririlegium , dass kein apostolischer Legat, ohne des Papstes spe-
cieile Ennächtigung, gegen ihn die Sentenz des Anathema aussprechen
imk, gegen ihn, seine Gemahlin, seine Sohne und Diener.
In demselben Jahre hatte sich der Infant Heinrich, Bruder des sein
ilfons, gegen denselben empört; er wurde besiegt und zog sich nach ^^^l**®^
Tuiis znrack. Einige Jahre »später begab er sich nach Italien, wo er
Rffst Parthei für Carl von Anjou nahm gegen Hanfred, nachher aber
fr Conradin von Schwaben gegen Carl von Anjou, der ihn gefangen-
^^ Lange nach Alfons' Tod kehrte Enrique im Jahre 1293 nach
^ien zurück.
Im Jahre 1260 befahl Alfons X., dass alle öffentlichen Acte und
verordnnngen, die man bis jezt lateinisch redigirt hatte, in der Volks-
nahe angefertigt werden sollten. Die Weltchronik, welche seinen
Kamen trägt, ist in derselben Sprache geschrieben.
Im Jahre 1262 verbanden sich die Mauren in Grranada und Mur-
^ gegen Alfons, wurden aber im Jahre 1263 geschlagen. Im Jahre
li66 nahm er Besiz von Murcia , das Don Jayme L als sein Verbün-
deter (or ihn eingenommen hatte.
') BvUar. Eomam, ed. Äug. Taurin., III, 601.
") Ba^pnaläi annal., ad ann. 1256, nr. 68—72.
") Ra^naldi annal., l c, nr. 48-^49. — Sbardlea, II, 46.
0»a«f »p*a- Kircbe. lU. 1. 23
354 ZwölHea Bucb. Drittes Kapitel.
I Die Sammlung der Geseze in Spanieu unter AlfoDs X,,
,_ welche man den „Codex de las Sieie Partidaa" nennt (Gesezbncb in
sieben Theilen), erhielt erst unter Alfons XI. im Jahre 1348 gesezlicht
Geltung. An ihrer Redaction waren besonders „micer" Jacobo, Map-
ater, und der Bischof Martinez von Oviedo betheiligt. Lezteren eaudv
Alfons X. an Fapet Gregor X., um durch ihn seine Ansprüche 4
den deutschen Kaiserlhron zu fordern. Sancho LIamae wirft dem K»
nige vor, dass er in seine jjPartidas" verschiedene Kezereien habe ei*
schleichen lassen. Zum Beispiel Fartida I, Tit, 4 werden die Woitt
Gott war das Wort — auf den heiligen Geist bezogen; Ley (Geseij
]6 wird gesagt, dass die heiligen Väter die Sacramente in der Kircbi
eingesezt haben; Ley 31, dass der heilige Geist von der Heosciibei
des Sohnes ausgieng; Gesez 35, dass unser Herr Jesus Christiis tu
Maria der Jungfiau nach der Natur der Gottheit geboren wurde, dard
den heiligen Geist, ohne Dazuthun des Mannes. Gesez 103, wer di
heilige Communion empfängt, wie er soll, empfängt die Trinität, je4
Person Tür sich getrennt, und die Einheit vollkommen. Gesez 62, lii
liehe, Criminal- und Todsünden; die erste besteht in den Gedaol^
die zweite in den äussern Handlungen der Ausführung, die TodsuniJ
der Vollbringung. Andere Irrthiimer Süden eich in dem Gebie« ■
Sittenlehre und Kirchenzueht. Diese Irrtb&mer sind in der Au-gi^
des Gregorio Lopez ausgelassen, dagegen nicht in der von der Aa
demie der Geschichte besorgten Ausgabe, welche Ferdinand VE i
Jahre 1818 bestätigte')-
Das Erzbisthum Toledo hatte in dieser Zeit zu seinen SufFragnM
" die Bischöfe von Palencia, Segovia, Siguenza, Osma, Cucaca, Albii^
ein, Cordoba, Jaen und Cartagena. (
Auf die Bitte des Bischofs und der Capitel von Segone m
Albarracin vereinigte Alexander IV. am 18. März 1259 die beiden Si
oben zn einem einzigen Bisthome").
Sancho I,, der Bruder Alfous X, war seit dem October \%
„Administrator" des Eizbisthums Toledo. Erst im Jahre 1259 ivMi
er geweiht, nachdem er das gehörige Alter erlaugt. Um dieselbe ä
wandte er sich nach Kom um Bestätigung seiner Besizungeu.
') Las sieie partidas det rey D. Alonao el aabio glosadaa por Grt'ji^
IiOpez, Salatii. 15Ö5, 4 fol. — Compendio del dcrecito pubtico y eomw i
Eapaäa, ö de las leyen de siete parlida», coloc-ado cn orden por V. Vii«><'^
Perei, Madr. t781. 4 vol. 8'. Opüsculos legales del rey Alfonso el Sabio, fH^^
eadoa e cotejados con varioa Codices anliguos, por la Real Academia de In '"
aforia. Madrid, 1836, 2 vol. 4'. — IjQS stete Parttdas — por Vargas »j ^^^
t. 1-5, Paris, 1851.
') ViÜanueva, lU, ap. nr, 10, p. 235-37 (Potthast, nr. 17516).
j^büthum Toledo. 365
l't, Joni 1259 entsprach Papst Alexander IV. seinem Wunsche. Der
ftpst zahlt als Snffiraganbisthümer von Toledo auf Falencia, Cuenca,
Sepasky Signeiusa, . • • ., Cordnba, • • • .^ Segorve. An den leeren
Stellen moss wahrscheinlich Osma stehen, «wohl auch Jaen. Carthagena
;ib6r war im Jahre 1250 als exemtes Bisthum erklärt Der Erzbischof
darf ao gewissen Festen das Pallium tragen; andere Privilegien, Frei-
lieiteo ond Immunitäten des Erzbisthums werden bestätigt; der Primat
iber »rahet« »)•
Am 29. Juli 1259 machte der Papst an den Erzbischof Benito Buthnm
Bccaberti Mittheilung von dem ,,Privilegium^, welches er dem Erz- ^^^^
tk-Ix)f Saocho von Toledo und seinen. Nachfolgern ausgestellt. Da
ib beide Erzbischofe behaupteten, dass das Bisthum Segorve zu ihrer
EirdKnprovinz gehöre, so erlQärt der Papst, dass durch die Zutheilung
Sepne's an Toledo die rechtlichen Ansprüche Tarragona's an Segorve
iiicLt beeinträchtigt werden sollen. Der Sinn kann doch nur der sein^
fa* weil Segorve im Königreich Aragouien lag, es auch unter der
Iftiropole Tarraco stehen solle.
Merkwürdig ist das Breve, welches der Papst einen Tag früher, nie
m 28. JqU, an alle Erzbischöfe und Bischöfe in den Reichen von Ca- f ^j^!"'
tilieo ond Leon richtete. Er hatte er&hren, dass eine Anzahl Religio- prand«.
tt und Weltpriester in diesen Ländern theils im Geheimen, theils ^^^^^
ÜBtHdi behaupten, dass der heilige Bekenner Franciscus von Assisi die
Voflkale Christi nicht an sich getragen habe, und dass sie dieselben
u den Bildern des Heiligen, welche sie vorgefunden, selbst oder durch,
iiidere haben austilgen lassen. Er erklärt, dass sie durch solche Hand-
ifigen Ton selbst der Excommunication anheimfallen, von welcher sie
Um anders befreit werden könnten, als wenn sie persönlich den Papst
iinaQ baten*)«
Der Erzbischof Sancho (L) starb am 27. October 1261. Sancho
icyie eine alte Sitte ab, genannt „Za luctuosa^ (d. i der Trauerfall),
ifcii welcher jeder Kleriker im Falle des Ablebens dem Erzbischof
t&eo Maulesel, oder sein Pferd, oder ein anderes Besizthum hinter-
ttsen musste. Sein Nachfolger, Dominions Pasqual — 1262, war es,
■^er als Canonicus in der Schlacht von las Navas de Toledo das
nbischöfliche Banner getragen hatte. Man betrachtete es als ein
" Wider, dass er ohne irgend eine Verlezung blieb. Später wurde er e«-
Äican, zolezt Primas. Aber er starb schon am 2. Juni 1262. — Das Toied"
tipitd Yon Toledo wurde in der Wahl des Nachfolgers nicht einig.
0 P. de MareOf de Concordia etc., Append. 120 (Potihast, nr, 17606 und
') Wadding, anncd., i. IV, p. 101 et 105. - Sbaralea, II, 358, nr. 502,
23*
356 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
Nun verhandelte Alfons X. über die Besezang des Erzbisthoms mit
Papst Clemens IV. Der Konig schlag dem Papste einen Candidaten
vor. Am 6. September 1265 antwortete dieser mit dem Ansdnicke des
Bedauerns, dass er hierin den Wünschen des Königs nicht entsprechen
könne*). Am 31. März 1266 schrieb der Papst wieder an Alfons X.,
er werde für die Wiederbeseznng der Kirche von Toledo beschliessen,
was er für Gott wohlgefällig, jener Kirche und dem Reiche Castilien
zuträglich erachten werde. Er weigerte sich aber, die von Alfons nach-
gesuchte Dispense fär die Ehe zwischen dem Sohne Balduins, Kaisers
von Constantinopel , und der Tochter des Königs, zu ertheilen*). ^
Endlich am 21. August 1266 erwählte der Papst Don Sancho U. als
Don Erzbischof von Toledo. Er selbst weihte den in Bom Anwesenden am
11.^ 20. August zum Subdiakon. Sancho war Sohn Don Jayme's I. von
1866-75. Aragon und Bruder der Gemahlin des Alfons X., Violanthe. In Bilde
aber erfuhr der Papst Unangenehmes über ihn. Am 27. November
1266 tadelt er ihn energisch, dass er durch ungerechte Handelsgeschäfte
die Ehre seines Namens befleckt, den guten Ruf des Papstes durch
Ausstreuung von heftigen Verdächtigungen geschwärzt, und die Güter
seiner Kirche vergeudet habe. Er verbietet ihm, eine ungehenre S\x\m
Geldes, welche er in Montpellier dem Petrus Kaymbaldi, den seifi
Vater zum Ritter geschlagen, in einem bestimmten Termine entrichten
zu wollen versprochen hatte, demselben auszubezahlen^). Auf der Bäck-
kehr von Rom hatte Sancho in der Kirchenprovinz von Narbone sem
Primatialkreuz vor sich hertragen lassen. Darüber legte der Erzbiscbof
Maurinus von Narbone bei Papst Clemens IV., der als Guido tod
Foulques vor Maurinus Erzbischof von- Narbone gewesen , Beschwerde
ein. Am 20. December entgegnete der Papst, dass aus diesem unbe-
fugten Vorgehen Sancho's kein Nachtheil für ihn entstehen würde, und
dass weder Sancho noch dessen Nachfolger Primatialrechte in der
Kirchenprovinz Narbone anzusprechen hätten. An demselben Tage er-
mahnt er den „Erwählten^ von Toledo, dass er in Zukunft gegen die
Kirche und Provinz von Narbone solche Attentate nicht mehr wages
solle*). — Schon am 11. Juli 12G7 redet Clemens IV. in anderer
Sprache mit Sancho. Derselbe hatte das Zeichen des Kreuzes gegen
die Saracenen zu tragen angefangen; darum erhebt ihn der Papst mit
den grössten Lobsprüchen, und bewilligte Allen, welche unter seinen
') Martene, Thesaur, anecd. t II, p. 193 (PoWiast, 19335).
«) Martene, Thesaurus, II, p. 303 (PoUhast, nr. 19697).
•) Martene, Thesaurus, II, p, 430 (Potthast, nr. 19883).
*) Petr. de Marca , De concordia «ac. et imp. Append. (xuet, vei. , 123 d
125 (Potthast, 19900-1).
Enbisehof Don Stneho IL (1266—55). — Dia Kaiserfrage. 357
FiiiDea strdten, Tiele Privilegien ^). Für denselben Zweck hatte sich
AlfoQ8 X die Bewilligaog kirchlicher Zehnten von dem Papste erbeten.
im ]. Juni 1267 gab Clemens IV. dem Erzbischofe von Sevilla, Ray-
SJODd de Losana, Anweisung über die Binsammlnng kirchlicher Ein-
kmfte ior den Konig*). — Alfons X. zog die Eirchenzehnten ein, aber
tis Kreuzfahrer zog er nicht ans. Anf die AufTordemng des Papstes
in eioem Ereazznge nahmen zwar die Konige von Portugal und Ära- Aifom
gooien das Kreuz, Alfons X. aber entschuldigte sich mit den Angele- ^**^'^^
folieiten seines Reiches, die seine Gegenwart erheischten^. — Er gab zehnten
iber dem Papste günstige Nachrichten über die (angebliche) Unterwer-
iag des Königreichs Granada, die noch Jahrhunderte lang auf sich
wteoliess. Giemen« IV. wünschte am 23. October 1267 dem Könige
G!U m seinen Erfolgen, „dass endlich der König von Granada seinen
OKsm Nacken der Herrschaft des christlichen Königs^ unterworfen.
Er |irast Gott, der sich des Königs als eines Werkzeuges bedient hatte,
n die Widersacher des Glaubens in Spanien zu deinüthigen^).
Eret im Jahre 1268 erhielt der In&nt Sancho IL die Priesterweihe.
inner ersten Messe, welche er mit der grössten Pracht zu Toledo am
äDecember 1268 (1267?) feierte, wohnten sein Vater Don Jayme,
Ufeos X. und Violantbe bei ^).
§. 3.
In den Bemühungen Alfons X. und Richards von Comwallis um
k Titel eines romisch-deutschen Kaisers bewahrten die Päpste strenge
Icatnlitat Alfons nahm schon im März 1256 den Titel eines Kaisers ^^i'^nt
^ cfhob auch als Verwandter des Hauses der Hohenstaufen Ansprüche dentaeho
«föjs Herz<^thum Schwaben. Am 1. April 1257 wurde er von dem ä«ic1i.
&7iischofe Arnold von Trier als deutscher Kaiser proclamirt; die bei-
«B dodem geistlichen Kurfürsten waren für Richard von England, der
Kb auch am 17. Mai 1257 zu Aachen krönen Hess, während Alfons X.
iDeotschland nie erschien. Er sowohl als Richarde verlangten Aner-
ftfioong Yon Papst Alexander IV. Dieser war nicht in der Lage, eine
»Scheidung zu treffen, obgleich er sich öfters mit den Cardinälen
') Baynaidi (Mnnal., ad ann. 1267, nr. 31 (PaUkast, 20075). — Ferreras-
'^««Vwicii, /7, 311.
") Mariene, Thesaurus anecd. nro. II, 475 (Poühaat, 20026).
') FerrtraS'Baumgarten, p, 313.
*) Marttne, IL 534. - Rawuüdi annal., ad ann. 1267, nr. 31 (PoUhast,
') FiTTsrat'Baumgarten, p. 313.
358 ZvDIftes Bndt. Drittel Kapitel.
berieth '). — Wieder wollte Alfons X. datch Papst Urban IV. dentstber
Kaiser -werden. Urbsin IV. versachte es, Alfons X. oder Richard m
JreiwilligeD Verzichtleistung za vemiÖgen. Wenn diess nicht gelüog«.
wollte er als Sühiedsrilchter zwisoben den Streitenden entscheiden. Al-
fons X. hatte seinen Kotar, den Ma^ster K. (Roh?) an den Vafsl g«-
sandt, und ihm seine Ansprüche dargelegt, mit dem Yerlangm, &
Krone aus der Hand des Papstes zu empfangen. Am I7. April I2ß
Aiiom antwortete Urban IV., die Sache sei arg verwickelt and verwirrt; tt
u,°^^ müsse noch nähere Üntersnchangen über das Recht der bwden Cmb-
i^- Petenten »nstellen. Die Gesandten derselben aber wollten sieb da
Entscheidung des Papstes nicht fügen"). — Wieder sandt« Alfons X.
am 1. Februar 1263 von Sevilla aus seinen Procnrator an Urban IV.
er verlangt von dem PapMe und den Cardinälen „d»B Diadem"'). -
Er erkannte zugleich den Papst als Schiedsrichter an, und schickte •
denselben eine stattliche Gesandtschaft nach Orvieto. Am 7. Ai
1263 erliess der P&pst ein Decret, in welchem er erklärt, dass von
an sowohl Alfons X. als Richard in den Briefen des Papstes den
„Erwählter zum römischen Könige" erhalten soUten'). Richard
darin einen Vorspruog vor Alfons, dass er früher schon so gl
wurde, wogegen für Alfons X. sprach, dass, „wie man sagte",
Wahlstimmen auf ihn, als auf Richard, gefallen seien. Jezt
auch die Gtisandten Richards dem Papste ein bedingtes Recht
Schiedsgerichtes ein'). Den über die Gleichstellnng Alfons X.
ihm sehr aufgebrachten Richard suchte der Papst durch drei SchreiU
vom 31. Apgnst 1263 zu beschwichtigen. Der Papst hofil, dass b«
Competenten den Streit oixter sich ausgleichen werden, and schickt
Beide seine Legaten. Er verlangt, dass Richard am nächsten ~
(1264) mittelst seiner Procuratoren vor dem Papste sieb stellen oü
Ebenso wurde Alfons X. citirt*)-
Am 2. Mai 1264 erschienen keine Bevollmächtigten Älfbns X. Q
Richards. Alfons X. hoffte und betrieb eine ihm günstige Entscheid«
') Raynaldi aniud., ad ann. 1257, wr. 1263, 40—43. — Böhmtr, Reg«
des deutschen Kelchs von ]2iO~I313, S. 326. — Eefüe, VI, 10—20.
') Raynaidi annal., ad ann. 12S2, nr. 2—3. — Böhmer, Begesteo, S«
1844, p. 326, — Eefde, VI, 15.
') Raynaldi anaal, ad ann. 1263, nr. 38. - B. Dudik, «er Bom*
Wien, 1865, p. 34. ~ Böfmigr, p. 356.
') Raynaldi annaL, ad ann. 1263, nr. 40-42. — Buüar. rmuat., id.m
Taurin., T. III, 1868. p. 698-700. ]
*) Raynaldi annal, 1263, nr. 51. — 1264, nr. 37. J
') Raynaldi annal., ad ann. 1263, nr. 43—46, 46-52-60. - SbatM
II, 502, 506. — Bzomm, 1263, nr. 2-3 (Xlll. 686). — (^MhaH, nr. im
-35. - HtfeU, 71, 17-19.) '
Alfons X. und Clemens lY. 369
fahrend die Gesandten Richards versprachen, sich dem Urtheile der
A'moehen Kirche zu anterwerfen. Der Papst entschied nicht. Am
50. Mai 1264 erklärte er, dass er die Entscheidung verschiebe. Am
bestimmten 2. Mai 1264 sei Niemand vor ihm erschienen. So beruft
er die Candidaten aufs Nene, in Jahresfrist vor ihm zu erscheinen,
Tdingert aber den Termin auf den 30. November 1265').
Urban IV. starb aber schon am 2. October 1264 zu Perugia, und
ktte erst am 5. Februar 1265 Clemens IV. zum Nachfolger. Am
J^Febmar 1265 zeigte er dem Kichard an, dass er als Papst gewählt
vordeo, and nennt denselben „den König der Romer^. Am 23. Mai
1%5 beauftragte er den Erzbischof von Tarraco und den Bischof von
Tilenda mit der Fredigt des Kreuzzuges gegen die Saracenen in Spa-
nes und Afrika. Am 27. Mai — 1. Juni schrieb er an den Erzbischof Aifons
füfi Sevilla, er möge mit dem „zum Eonige der Romer ernannten ",^^^^
KoB^ Aifons X. über kirchliche 2iehenten verhandeln, die derselbe iv.
aeiirere Jahre „der Kirche seines Landes^ entzogen habe"). Dagegen
idneb er am 24. Juni 1265 an denselben Erzbischof, er möge den
Zelent ans allen kirchlichen Einkünften sowohl in Castilien als in Por-
iigal bis zu einer bestimmten Zeit sammeln, und denselben dem Könige
tpgeo die hinterlistigen Saracenen^ zur VeVfugnng stellen *).
Am 9. Mai 1267 erliess Clemens IV. zwei gleichlautende Schrei-
knu Aifons und Richard, indem er Beiden den Titel: „Erwählter
nn Konig der Bomer^ giebt. Er sezt ihnen einen ersten Termin auf
da%. März 1268, worin sie mit den Aussagen der Zeugen und an-
ian Bechtsgelehrten vor ihm erscheinen sollen. Er will, dass vom
tt. October an die Zeugen über ihre Wahl vernommen werden,
■ Frankfurt in Deutschland, zu Paris für Frankreich, zu Burgos für
Ipnien, zu Bologna in Italien^). — Da Aifons Miene machte, den
P^ (im Jahre 1267?) zu besuchen, so schrieb ihm dieser am 9. Juni,
iks er jezt seiner Gegenwart sich nicht erfreuen könne, und dass er
in baldm^lichst Reliquien zusenden werde. In einem andern Schrei-
kn Tom 5. Juni ruft er dem König sein wiederholtes und un-
P^mes Drängen bei Papst ürban IV. und bei ihm ins Gedächtniss.
Ir verlange wie im Sprunge (per saUnm) promovirt zu werden; ohne
vorber die Kaiserkrone in Cöln (?) empfangen zu haben, verlange er
^ dem Papste unverzüglich „das ehrwürdige Diadem des Reichs^.
£f habe aber ihm und seinem Gegner einen bestimmten Termin ge-
neDt, nm ihre Ansprüche rechtlich geltend zu machen. Er sende ihm
») Ra^iuMi ann., ad ann. 1264, nr. 37 (Eefele, 77, 20. PoÜhast, nr. 18931).
*) Martene, Thuaurus, II. nr. 137 (Poithast, nr. 19170).
*) lloffeiie, II, 144 (PoUhast, 19228).
*) Saynaldi onnaLj ad ann. 1267, nr. 22 CPotthast, 20002).
360 ZwMftet Bndi. Drittes K^iiteL
jezt seinen Ci^^ellan R. de Orabazan zn, ^in dessen Monde wir heim-
liche Worte niedergelegt haben, die er dir mündlich Tortragen wird''.
Die lange hinausgeschobene Frage über das Reich könne langer
nicht mehr in der Schwebe bleiben ^). — Am 13. Jnni bemoht er sich,
den Alfons X. wegen gewisser fidscher Gerachte zo berohigen, als sei
Carl von Anjon, Konig von Sidlien, Ton dem Papste znm deatschen
Kaiser erwählt. — Ebenso suchte er den Richard von Comwallis zo
bemhigen*).
Am 18. Mai 1268 sezt Clemens IV. dem Alfons X. einen weitem
Termin aof den 17. December 1268 an, an welchem er dnrch Procora-
toren vor ihm erscheinen, nnd seine Rechte auseinandersezen möge*). —
Diesen Termin erlebte der Papst nicht. Er starb am 29. November 1268.
Erst am 1. September 1271 wnrde Gr^orX. gewählt. Die Hoff-
nungen Alfons X. schienen inzwischen bessere geworden za sein. Denn
sein Gegner Richard war am 2. April 1272 mit Tod abgegangen. Aber
AifoB« Gregor X. wiess alle Ansprache Alfons X. zurück (16. September
Grflfor 1272), der natürlich sogleich sein Anli^en an den Papst gebracht hatte.
z- Die Gesandten des Alfons verlangten nichts Geringeres, als dass dß
Papst ihm einen bestimmten Tag anseze, an welchem er ihn krons
nnd salben werde, nnd dato er den deutschen Fürsten verbiete, zn ein«
nenen Wahl za schreiten. Der Papst besprach sich mit den Cardioi-
len, nnd horte die Gründe der castilischen Gesandten an. Das Ver-
langen des Alfons aber wiess er entschieden und scharf zurück. Die
Lage Alfons X. habe sich dnrch den Tod Richards nicht gebessert;
das Recht der Kurfürsten aber könne er nicht suspendiren, ohne sie zu
hören. Er weigerte sich auch, das Mandat zurückzunehmen, womit sein
Vor^nger den Carl von Anjou betraut hatte, Thuscien und die Lom-
bardei im Namen des Reichs zu verwalten. Da liess Alfons X. Trap-
pen in Oberitalien einrücken, um hier die kaiserliche Macht auszuüben.
Der Papst drohte ihm mit dem Banne.
um diese Zeit forderte Gregor X. die deutschen Fürsten zu einer
neuen Kaiserwahl auf. Die Anbänger des Alfons waren gestorben oder
von ihm abgefallen. Der Papst erklarte, im Falle die Reichsfursten
nicht wählen würden, so werde er mit den Cardinälen für das deutsche
Reich sorgen. — Nach langem Verhandlungen wurde der Graf Rudolpb
von Habsburg am 29. September 1273 zu Frankfurt als deutscher Kaiser
erwählt, am 24. October aber zu Aachen gekrönt^).
0 Rayruüdi antial, ad ann. 1267, nr. 26. — Marlene^ Uy 488— i
hast, 20031-^32).
*) Rayruüdi ann., 1267, nr. 9. — Martern, IL 499 (Pötthaat, nr
*) Raynaldi annal, ad ann. 1268, nr. 42 (Potthaift, nr. 20348).
*) Pertz, Manumenta Oemumiae, Leget, t. IL p. 382-^94.
Gregor X. und Alfons X. 361
§4.
Alfoos X. aber trat mit seinen Ansprüchen nicht zurück. Er so-
wohl ab Rudolph von Habsbnrg sandten ihre Bevollmächtigten auf die
lUgemeioe Synode von Lyon. Der Papst sprach sich entschieden für
Eodolph aus. Am 6. Juni 1274 legte Rudolphs Kanzler, Propst Otto
m Speyer, mit den fünf Erzbischofen von Mainz, Cöln, Trier, Magde-
teg nod Bremen, mit acht Bischofen und zwei weltlichen Herren im
XtmeD des Kaisers das Versprechen ab, die Verpflichtungen gegen die
müdte Kirche za erfuUen, die schon Otto IV. und Friedrich II. eid-
U zugesagt Sie versprachen auch, dass der Kaiser mit Carl von
iijoQ Frieden halten werde.
Am 11. Juni 1274 sandte der Papst einen Nuntius und Brief an
iXom X. Er ermahnt ihn, von seinem Trachten nach dem deutschen
faicbe abzulassen; die traurige Lage des heiligen Landes gestatte nicht,
fli dieser Streit fortgeführt werde; er möge es mit Gleichmuth er-
igCD, wenn die Macht der Gerechtigkeit das Scepter über Deutsch-
id doem Andern übertrage. Wenn er jezt zurücktrete, so falle ihm
ff Rohm zu, dass er firüher nur in der Sorge um das allgemeine
ffü licfa um das Reich beworben. Seine Nuntien , den Bischof von
iiteip und die Uebrigen sende er ihm zurück, und zugleich mit ihnen
^ eeioen Nuntius den Canonicus Fredulph von Maguelone, seinen
•iplaa, dessen Ermahnungen er ein geneigtes Ohr leihen möge. Fre-
ipb erhielt seine besondem Instructionen. Rudolph sei fast einstimmig
SkAosnahine Otiokars von Böhmen) zum Kaiser gewählt worden, und
S ia rnhigen Besize des Reiches. Wenn der König seine Verzicht-
n^ auf das Kaiserthum feierlich erkläre, so dürfe ihm Fredulph
■ Zehnten aas allen kirchlichen Einkünften seines Reiches auf sechs
^ bewilligen ')• *
Alfons X. aber wollte auf die deutsche Kaiserkrone nicht ver- Aifoni
iten. Am 19. December 1274 redete Gregor X. in kräftiger Sprache ^'^^
> Könige zu, seinen rechtlosen Ansprüchen zu entsagen. Der Papst v«r.
^ nach dem Rath der Cardinäle den Rudolph als „König" anerkannt, ■****»*•»•
td ihm einen kurzen Termin angesezt, in dem er Salbung, Weihe und
nÜQQng ans den Händen des Papstes empfangen solle. Noch schärfer,
ton m^lich, schreibt er dem Könige am 31. December 1274, und
^ch dessen Gesandte mit strengen Weisungen zurück*). An dem-
') Raynaidi annai., ad arm. 1274, nr. 45-48 (Potthaat, 20845-46).
*) Raynaidi annal,^ ad ann. 1274, nr. 45; 50''58. — RipoUi BuUar. I,
» iPoUhatt, 20969; 20974''75).
1
1
362 Zwölftes Bach. Drittes Kittel.
selben Tage schrieb er an die Eonigin von Gsstifieii, er Tenielune, dass
AlfoDS X. Dün selbst den Papst besuchen woOe. Sie möge hier als
Mittlerin dazwischentreten, damit ihr Mann in Betreff des Eaiserthamg
sich in den göttlichen Willen fuge und ergebe. I
Aber Alfons X. wollte nicht yerzichten« Wie Peter von Lnoa
(Benedict XIII.^ Papst sein und bleiben wollte, so wollte er deutscher
Kaiser sein und bleiben. Im April 1275 hatte der Papst demselben
zugesagt, dass er auf seiner Ruckreise von Lyon nach Italien eine Be-
sprechung mit ihm halten wolle« Im April 1275 schrieb er an den
Erzbischof von Narbone, er möge den König ehrenvoll dnrdi dss Ge-
biet seiner Provinz begleiten, und mit demselben vor dem Papste e^
scheinen. Er sezt den König selbst in Kenntniss, dass er mit ihm in
Beaucaire zusammenkommen wolle. Nur einige Cardinäle wurden ihn
dorthin begleiten, während die übrigen in Tarascon blieben. Er ennsbt
den König, sein Gefolge ebenfalls „wegen der EInge des Ortes^ zo be-
schranken'). Vom 14. Mai bis 4. September 1275 weilte der Papst in
Beaucaire (Bellicadrum).
Bei der Zusammenkunft des Königs mit dem Papste blieb Jeder
auf seinem Standpunkte; der Papst musste es, der König woUte «
Auch machte der König seine Rechte auf das Hereogthum Schidxs
geltend, das ihm von mütterlicher Seite als Eigenthum gebühre oni
mit unrecht ihm vorenthalten werde* Am 27. Juni schrieb der Papsl
daräber an den Kaiser Rudolph, damit derselbe den gerechten Forde-
rungen des Königs entspreche*).
Das Königreich Castilien schwebte inzwischen in der grossten
Gefahr vor den Mauren. Aber mit aller Energie betrieb Alfons X
jezt seine Herzensangelegenheit. Er nannte sich in seinen Briefes
König der Römer, wie früher, bediente sich eines Siegels und eines typo-
graphischen Instrumentes, worin er sich „Kaiser^ nannte^. Errichtete
gehäufte Schreiben an viele deutsche Grosse und an Städte in Italieo.
und versicherte, „dass er auf das deutsche Reich mit nichten verzichtet
habe, noch darauf verzichten wolle, sondern mit vollen Segeln der Er-
langung desselben zusteuere^). Der Papst ermahnt am 13. September
1275 den Erzbischof von Sevilla, den König auf andere Gedanken ZQ
bringen, so dass er jenen Titel und jenes Sigill nicht mehr führe. Sonst
■) Briefe vom April und 3. Mai. — Raynaldi ann.^ adann, 1275, wr. 14. -
.Erben, Eegeda Bohemiae, 11, 391, 401. — (PaUhast, 20131-34}.
') M. Gerberty Codex epütol Rudolfi, 73. — (PaUhast, 21047).
') utitur lüteris et impressionis typario intiiulationem huiusmodi ^*
primenU.
*) ßed plenia caruUibus illius praseetUioni vacare.
Primas Don Saocho. S63
ätAt der Papst mit strengen Massregeln *). — Seinem Kaplan Fredu-
Ids befahl der Papst, den Brief dem Erzbischof von Sevilla zu über-
bringen nnd demselben beizustehen, um den Konig auf bessere Wege
£0 bringen« Am 28. September spornt der Papst den Erzbischof von
Serilk anf das nene an, den Konig recht dringend zu ermahnen').
§. 5.
Die Lage, in welcher der Konig Castilien bei seiner Rückkehr
pbden hatte, war eine sehr drohende. Der Konig von Granada hatte
Icn König von Marocco zu seiner Hilfe nach Spanien berufen. Jener Krieir
tirMahomet Alhamir Alb(o)adic, dieser Aben Juseph. Lezterer sollte JJ",^**"
le Mn Tarifa und Algesiras in Besiz nehmen. Er zog mit seinem im. '
Beere gegen Ecija. Er schlug die Castilianer unter ihrem Feldherrn
Seoo de Lara, welcher in dem Kampfe fiel, mit ihm die meisten Ritter.
h Infant Ferdinand, damals Reichsverweser, rückte zur Hilfe heran.
Vr Erzbischof Don Sancho von Toledo sezte den Papst von seinem
kichlosse in Kenntniss, gegen die Mauren in das Feld zu ziehen.
Noch am 15. März 1274 hatte ihm Gregor X. einen scharfen
fewels ertheilt, weil er, troz der ihm von Papst Clemens IV. am
ftDecember 1266 ertheilten Verwarnung, auf das neue in der Kirchen-
fmz von Nai*bone sein Primatialkreuz hatte vor sich hertragen
ifi^a'). Don Sancho mag sich dieses neuen Attentates auf dem Wege S"-
■eh Lyon schuldig gemacht haben, wo die zweite allgemeine Lyoner i>on
^ode am 7. Mai 1274 eröffnet wurde. Am 3. September 127Ö aber s»»«^»«
ttterihnund ermuntert ihn, dass er sich entschlossen habe, alle
te Kräfte zum Kriege gegen die Mauren zu sammeln, welche ver-
lUerisch in Castilien eingefallen seien ^).
Sancho berief seine Dienstleute aus Madrid, Talavera, Alcala,
joad^axara, Hoete, Cuenca nach Toledo, — Er zog bis Martos bei Jaen.
*) Raynatdi anncU., ad ann. 1275, nr. 15, — Campi, Histor. di Piacenza,
D, 477, ^ Erben, Reg. Bohemiae, II, 410. — Theiner, Codex diplom. dominii
•»poraZu Ä Ä ap., I, 192.
^) Baynaldi ann., ad ann. 1275, nr. 15. — Theiner, I, 193. — (Potthati,
*• 2tQ80.) — Amcidus Bueson, Die deutsche Doppelwahl im Jahre 1257,
Haeast. 1867.
*) Pennte de Marca, de coneordia, append. vet. auet., p. 127. — Idem,
^^«ertoe. trts, p. 380. — Campi, Hiet&r. di Piacenza, II, 445. — (Patthaet,
V. 20804.)
') Baynaidi annal., ad ann. 1275, nr. 16. * Campi, i/, 472. — (Potp-
H 21062,)
364 Zwölftes Bnoh. Drittes EApitel.
Sein Heer wurde aber geschlagen, er selbst gerieth in GefisrngenschsA
Bald darauf wurde er ermordet — 21. October 1275').
Jezt zog der Infant Don Ferdinand gegen die Maoren heran. E
gelangte bis Ciudad real, erkrankte auf dem Wege, und starb. Sa
Leichnam wurde in dem EJoster las Huelgas in Burgos beigesezt. Jei
zog Ferdinands jüngerer Bruder, Don Sancho, in den Krieg, bis O
dova und Sevilla. Der König von Marocco zog sich nach Algedn
zurück.
§. 6.
Im Januar 1276 be&nd sich Alfons X. wieder in Castilien. h
10. desselben Monats starb auch Papst Gregor X., und hatte a
21. Januar 1276 Innocenz V. zum Nachfolger. Er beauftragte (k
Erzbischof von Sevilla, im Reiche Aragouien den Kreuzzag zur Unter
stüzung Alfons X. in seinem Kampfe gegen die Mauren zu predigest
— Bald darauf wurde mit den Mauren Waffenstillstand ge8chlos8e&'jj
Im Jahre 1278 belagerte Don Alfons X. Algesiras zu Wasser ■
zu Lande. Aber die Flotte der Castilianer wurde von dem Könige«
Marocco geschlagen. Die Mauren blieben Sieger. Wieder schloss M
fons im Jahre 1279 einen Waffenstillstand mit Aben Jusepb, um gep
den Konig von Granada freiere Hand zu haben. Im October lÜ
wurde der Krieg gegen Alhamir von Granada beschlossen.
Da Alfons von dem ihm verliehenen Kirchenzehnten einen zu n
Schwenderischen Gebrauch machte, die Einkünfte erledigter Bisthoii
an sich zog, die kirchlichen Privilegien mit Füssen trat, auch die Gdf
liehen verfolgte, die sich diesem widersezten, so brachten mehrere B
schofe ihre Klagen vor den Papst. Sie klagten auch darüber, daesi
diesen Conflikten einige Geistliche um das Leben gekommen, ando
eingesperrt worden, während gewisse Juden sich des grossten Eiofl(Mi|
Micouut ^^^ ^®™ Könige erfreuten. Am 13. Februar 1278 richtete Papst lÄ
III. und laus III. (1277 — 80) einen scharfen Brief an Alfons X., weil er
AHbns Erzbischof von Gompostella und dessen Kirche verfolge, und d«
Rechte zertrete^.
*) Memorias historicas del rei Alonso el Sdbio por C7. Ibanez de Se^
(de Mondejar), Madr. i787 , p. 322—25, (Das Hauptwerk über Alfons X) -
Ferreras, IV, 339-41.
») Raynaldi annal., ad ann. 1276, nr. 20—22 (PoUha8t,21135). - f^
reraa, l c, p. 349,
•) Baynaldi annal, ad ann. 1278, nr. 32 (PoUhasi, 21270). - Ferren»
IV, 369.
AlfoDB X. verfolgt die Kirche. 365
Zur BeilegQDg drohender Conflikte zwischen Frankreich und Ca- consik-
salieo, wegen der Thronfolge Don Sancho's in Castilien, hatte Papst p^^k-
Mcolaos III. seme Legaten nach Toulouse gesandt. Alfons X. hatte f^^^
vorher darch den Minoriten Benvenutus, spätem Bischof von Gubbio,
MtofD Eotschlass erklären lassen, er wolle dem Schiedsgerichte des
Papstes sich unterwerfen. Aber zum Congresse in Toulouse hatte er
keine Vertreter gesandt Darüber beschwert sich der Papst in einem
Brere vom 29. November 1278: Alfons X. möge seinem Hochmuth
Bsd Troze entsagen, und seine Gesandten zu neuen Verhandlungen in
fie Gascogne senden. In einem Briefe an Konig Philipp von Frank-
lekh TOD demselben Tage beklagt der Papst, dass zwei seiner Cardi-
lue und der Patriarch von Jerusalem, des Papstes Nuntien in Tou-
lo«t von Alfons X. getäuscht und missachtet worden seien. Zum
1. Min 1279 solle Philipp seine Legaten zu einem neuen Congresse
k dff Gascogne (zn Auch) abordnen').
Es scheint, dass Alfons X. sich för die Niederlagen, die er von
inUiDren und im Streben nach der deutschen Reichskrone erlitten,
I dem Papste und an der Kirche seines Landes rächen wollte. Die
age der Kirche in Castilien wurde immer härter. In einem ausfuhr-
Aea Schreiben an den Konig, vom 23. März 1279, geht Nicolaus III.
■ Einzelnen — in sieben Kapiteln — auf die Klagepunkte der Bischöfe
Gniiens ein. Er wirft dem Könige vor, dass in seinen Landen die
bAt zur Magd erniedrigt, dass die Freiheit und die Personen der
Em^ zertreten, dass die Kirchen und kirchlichen Personen durch un- akom
ptchte Erpresanngen, durch harte Lasten und sonst vielfach heim- ^^^^f^
fndii werden, dasa der König selbst in den Fällen, welche nicht «cböfe.
■ der königlichen Gerichtsbarkeit gehören, die kirchlichen Personen
Uricke. Er möge die Diener Gottes die alte Freiheit geniesscn
hito«).
Der Bischof Vasco von Guarda war am 24. December 1278 gc*
■ff(>eiL An demselben Tage versezte der Papst den Franciscaner Joan-
is Martinez von dem Bisthume Cadix, dessen erstei* Bischof er ge-
<^Q, auf das Bisthum Guarda in Portugal. Aber am I. Juni 1279
dirtibt er an denselben Joannes, weil in Portugal so grosse Verwir-
G&iZ herrsche, während der König Alfons X. die Geistlichen verfolge,
^ er die Einkünfte des Bisthums Cadix fortbeziehen, und dieses
SiithQm verwalten« In Portugal fand eben ein aus Castilien gesendeter
^ RipolU, BuÜar. praedieat., I, 661. -^ Sbaratea, BuUar. FrancUc.^
^11366-^66. - Raynaldi annal, adann. 1278, nr,25-'27 (Poiihast, 21489—
hm).
\ Rayndidi annal,, ad ann. 1279, nr. 24—27 (PoUhaat, 21666).
366 . Zwölftes Bach. Drittel Kapitel.
Bischof nicht so leichte Aufnahme. Ei*8t im Jahre 1281 erscheint Don
Suero als — zweiter — Bischof von Cadix ■).
Am 9. Juni 12T9 weist der Papst Alfons X. auf die schwer»
Nachtheile hin, die besonders dem heiligen Lande ans seiner Zwietracb
mit Frankreich erwachsen, und bittet ihn, endlich sein Herz den Mak
nungen zum Frieden zu erofinen*).
Am 20. Februar 1280 sandte Nicolaus IIL |,den Bruder^ Fonci^
de Bruet, den Prpviuzialmagister' der Tempelherren, zu Alfons X^ d«
ihm aus eigener Anschauung die traurige Lage des heiligen La&di
schildern sollte. Alfons möge durch Beilegung des Zwistes mit Fnol
reich oder wenigstens einen verlängerten Waffenstillstand dem heilige
Lande zu Hilfe kommen^).
Papst Martin IV. (1281—85) ermahnte — im Jahre 1281 -aa
Neue Alfons X., Frieden oder wenigstens auf lange Zeit Waffensd)
stand mit dem Konige von Frankreich zu schliessen^).
Krieg Im Jahre 1280 drang der Infant Don Sancho in das Eönigr
Mauren! GrsLnRdo, ciu, uud erlitt im Anfange bedeutende Verluste. Später m
er bis Granada vor. Die Mauren zogen sich zurück. Sancho
über Jaen nach Cordova .zurück, wo Alfons X. mit den übrigetj
fanten sich befand. Alfons gieng von da nach Sevilla. Im Jahre
fielen Alfons X. und Don Sancho mit starken Heeren wieder im Kä|
reiche Granada ein, und standen in der Nähe der Hauptstadt
Sancho schlug die Feinde fast unter den Mauern der Stadt Wi
grosser Hize mussten sich aber die Castilianer zurückziehen. Hi<
hielt Alfons einen Reichstag zu Sevilla. Er verlangte von den Sti
ihre Einwilligung, neue (schlechtere) Gold- und Silbermünzen sei
zu lassen; sonst müssten wegen der grossen Kriegslasten die Stet
erhöhet werden. Die Stände gaben nach.
Der Streit mit Frankreich hatte in der spanischen Erbfolge &ei|
Thron. Grund. Der Konig Philipp von Frankreich, dessen Schwester D(
'*CMti-" Bl*"^ca Gemahlin des im Jahre 1275 gestorbenen ältesten Sohnes
lien. foos X., Ferdinand gewesen, verlangte, dass seine Neffen, Ferdii
Söhne, Alfons und Ferdinand, in der Regierung dem Grossvater|
fons X. folgten sollten, während die Spanier selbst für den
Sohn Alfons X., Don Sancho, als Thronfolger standen. AlfoDS
') Wadding^ annales Minorum, F, 441, 455. ^ SbardUa, Buüar.
370, 396 (Potihast, 21503 und 21589),
*) Raynaldi ann, ad ann. 1279, nr. 21'-23. — RipoUi Bull., /, 56S.
Sbaraka, III, 398 (Potthast, nr. 21598).
') Raynaldi annaL, ad ann. 1280, nr. 12. — Bzov. ann., ad an». /'
nr. 3 (t XIII, 855). — (PoUhast, 21683).
*) JUartene, ampli$8. CoU., t II, 1286 (Potihast, 21831).
AlfonB X. and sein Sohn Sancho. «^67
fscbte zn ?ennitteln. Nach seinem Antrage sollten nach seinem Ab-
lAiü die beiden Enkel das Königreich Murcia nnter der Oberhoheit
des Königs von Castilien beherrschen. Der Antrag wurde zu Sevilla
LJcht aDgenommen. Don Sancho zerfiel völlig mit seinem Vater, und
»tfernte sich nach Cordova. Die meisten Stande hielten zu ihm.
Er schloss auch , gegen Erlegung einer massigen Summe Geldes,
^riede mit dem Konige von Granada. Er wollte nun seinen alten Va«
ff TOD der Regierung entfernen. Im April 1282 kam er nach Valla-
Uid, om dort einen Reichstag zu halten. Er nahm den Titel eines
Brtm&nten und Regenten an. — Er vermählte sich mit Donna Maria,
k Tochter des Infanten Don Alfonso de Molina, mit der er aber im
üHsten oder dritten Grade der Blutsfreundschaft verwandt war.
Von aUen Seiten verlassen, rief Alfons X. den Konig von Marocco,
ikohseph, um seine Hilfe an, und der Angerufene erschien — mit
knn Kriegsvolkern. Alfons X. belagerte nun Cordova; nach zwanzig
hgai zog er ab, und verheerte die Umgegend. Als der Herbst ein-
% zog er sich nach Sevilla zurück, Aben Juseph aber schiffte sich
ieder nach Afrika ein.
Alfons X. rief zuerst die Muhamedaner, dann den Papst um Hilfe Airona
i gegen seinen Sohn. Der Papst schrieb ihm am 27. September 1282 ^^^
IB Trostbrief. „Sein königlicher Geist möge nicht zusammensinken mit
» dem Angesichte irgend eines Widersachers, auf Gott möge er ver- 'g^JJ^^
wm und hoffen, der ihn mit seiner siegreichen Hand wieder in seine
bcht einsezen könne^ ^). Zugleich mahnt der Papst alle Erzbischöfe,
icliöfe, Prälaten, die Vorsteher der Orden der Templer, Johanniter,
ü Santiago und Calatrava, die geistlichen Waffen zur Wiederherstel-
^ der Ordnung in Spanien zu ergreifen.
im 13. Januar 1283 ermahnte der Papst den Infanten Don Sancho,
ne Gemidilin Maria wegen dritten Grades der Blutsverwandtschaft
leotlassen; leztere forderte er auf, den Don Sancho zu verlassen; die
fcctK}fe von Burgos und Astorga erhielten den Auftrag, die unerlaubte
erbiüdong zu lösen"). Wieder hatte Alfons X. den Papst gebeten,
iBöge zu seiner Hilfe einen „Legatus a lalere^ nach Castilien senden,
B durch dessen Hilfe ihn wieder in den Besiz seines ganzen Landes
i sezen. Denn Alfons X. wusste den Papst zu finden, wenn er dessen
i^rfte. Am 17. Januar 1283 antwortete ihm Martin IV., dass er
M gewichtigen Gründen seinem Wunsche nicht entsprechen könne,
^ er sich ohnedem an die Erzbischöfe u. s. w. von Castilien wende,
') Marlene, ampliss. CoU. II, 1291-92 (Potthast, nr. 21931^32).
') Raynaldi annal. ad ann. 1283, nr, 57 (Potthast, 21971). — Feireras,
' . 587.
I
368 Zwölftes Buch. Drittes Kq)itel
damit sie vereint an der Wiederberetellung des Friedem wiiki
möchten ').
Die GroBsmeister von Santiago und Alcantara waren iozwiKlu
auf die Seite Allbns X. getreten. Am 8. November 1282 hatte dkt
zu Sevilla seinen Sohn Don Sancho durch feierlichen Act förmlich a
erbt, und über ihn und seine Anhänger den Fluch ansgeeprochen. Ai
der König von Marocco kam im Jahre 1283 wieder mit einem tt
erieeenen Heere Doa Alfonso X. zu Hilfe, kehrte aber in demselh
Jahre, ohne erbebliche Erfolge, zurück.
Am 9. August 1283 ermahnt der Papst den König Edaaxd «
England, als Vermittler in GastUien tbätig sein zu wollen. Alle &
wohner von Caetilicn aber ermahnte er, Alfons X. alle kÖniglidi
Städte, Borgen, Güter und Rechte zurückzacrstatten*). — Da nt
frühere Anhänger, besonders die Infanten, von Don Sancho zu Alfonti
übertraten, so suchte sich auch Don Sancho seinem Vater wieder
Bähern. Am 8, November 1283 enterbte Alfons X. in seinem Ttd
mente seinen Sohn aufs Neue, nnd erklärte die Söhne des InfantenOi
Ferdinands als seine Erben. Donna Beatrix, Königin von Portug^^, ■
Donna Maria, Sancbo's (getrennte) Gemahlin, arbeiteten aber oi^
folg auf einen Ausgleich zwischen Vater und Sohn hin. Als 0|
Sancho selbst lebenegelabrlich erkrankt war, und Atfons X. sein agl
Ende herannabeo fühlte, verzieh er seinem Sohne Alles, empfieng Gt
, ergeben die heiligen Sacrainente, und starb zu Sevilla am 4. April l8
Er wurde in der Cathedrale daselbst neben seinem Vater Ferdinudl
und seiner Mutter Beatrix beigesezt*).
§.7.
Der Beiname „d Sabto", den Alfons X. führt, bedeutet nicht i
Weise, sondern der "Wisser, der Studirte, der Gelehrte. Mit SwJi
nnd ihm fremdliegenden Dingen bat sieb Alfons X. mehr bescl
, als seinem Reiche und Volke zuträglich war. Sein Scbwiegervateri
- Jayme I. von Aragonien gab ihm darum den guten Rath: er sollel
erfüllen, was er auch nur mündlich versprochen, die Gerecht
öffentlich üben, nicht im Verborgenen, wie es' einem Könige ziemej
stets bemüht sein, die Zuneigung seiner ünterthanen sieb zu hevi
') Raynaldi annal., ad ann. 1283, nr. 64 (Potthait 219T6).
•) Raynaldi annal, ad ann. 1283, nr. 66 (PaUhaH 22055-56).
*) JUtmorias del rey Alfonto el Sabio (v. Mond^ar), p. 331—521,
Ferrerag- Baumsarien, IV, 377—596.
Alfons X» nnd seine SchriRen. 369
im es stehe einem Konige wohl an, dass er die Seinen liebe und
m ilioen geliebt werde ^).
Von der Weltchronik und der Gesezessammlung, genannt „las
Pdriidag^j Alfons X. haben wir schon gehandelt'). Im Jahre 1858
erschien wieder ein anderes historisches Werk, welches auf Befehl Al-
fons X. verfasst worden: „Geschichte der grossen Eroberung jenseits des
Meeres««),
Die „Oran Qmquüta de Ultramar^' ist eine Geschichte aller
KreozzQge, welche zur Eroberung Jerusalems und des heiligen Landes
benommen wurden, von den Zeiten Muhameds an bis auf Ludwig
In Heiligen.
Am berühmtesten sind: ,,die astronomischen Tafeln^, welche den
toBen Alfons X. tragen. Er berief mit den grössteii Unkosten^) die
kbntesten Astronomen aus Afrika und andern Landern. Der Jude
itteAzan, Cantor der Synode zu Toledo, soll der erste seiner Ge-
Hb gewesen sein. Christen, Juden nnd Muhamedaner waren ihm
tolich').
Noch viele andere Schriften werden, wohl meist ohne Grund,
iesem schriftgelehrten Konige zugeschrieben, der bei den Spaniern
•ck B^er Astrologe" heisst*). Er würde, sagt Nie. Antonio wohl mit
Ut, wenn er den durch sein ungeheures Wissen, seine Grossherzig-
fetmd seine seltenen Gaben des Geistes wie des Leibes erworbenen
ikfi nicht durch eine gewisse masslose Erhebung des Geistes befleckt
fette, das Andenken seines Namens unter den besten und weisesten.
Hier wohl unter den glücklichsten Herrschern der Erde, in die Jahr-
nchei der Weltgeschichte eingetragen haben ^.
0 SdmidJt, Geacb. Aiagon. im Mittelalter, p. 182.
') 3. 150, 151, 354.
*) La gran ccnquUta de Ultramar, gue mandö eseribir el rey D, Alfonso
iSatio, üuitrada por Pasc de Oayangos (Madr, 1868, t. 44 der Biblioteca
kAvtorts EspanoleSj imp. de M. Rivadeneyra), Frfiher ist diese „CoTiquista^
^t. 1^ lu Salamanca, t^pud Huns (Hansf) Scheffer, fol, erschienen.
*J Einige sagen, mit einem Aufwände von 40.000 Goldstücken.
') Nadi vielen andern Ausgaben der ^Tahudae astranomicae*^ erschien die
AMtte: JÄbros du saber de Ästranom{a del rey etc. , copilados y comentados
pr- Marmel Rico y SinobaSy 6 voU.,folf Madrid, 1863-67.
*) Mc Antonio, t. II, p. 78^87.
") Nie Antonio, p. 78.
Q«iBi, ipta. KIrtli«. UI. 1. 24
370 Z«6:it:» BatL Drir
Sancfao IV., der Tapfere (d Brmo)j n Scvük im Jake 1258
lY, gAoren, trat iMidi dem Tode seines Vaters oliae Hiodeniias die Regie*
nmg an. Sein wicbtigster Erfolg war, daas er im Jahre 1293 Tan&
eroberte«
Aas der — ffir nngiltig erklirten — Ehe Don Sandio's and der
Iniantin Maria stammte Ferdinand, geboren im Jahre 1285, wddien
Papst Bonüaz VIII. am 6. September 1301 als legitimen Thronfolger
erUarte*). Don Sancho selbst sezte, als er im Jahre 1295 lebens-
gefährlich erkrankte, seinen Sohn Ferdinand, unter der Vonnandsdiaft
seiner Mutter Maria, als seinen Erben ein, nnd liess ihm den Eid dff
Treoe sdiworen. Er starb m Toledo am 25. April 1295, erst 37 Jahre
alt, nnd warde in der Cathedrale daselbst beigesext*). Die Königin
Maria regierte mit solcher Kraft nnd EJngheit, daaa alle Fdnde tot
ihr weichen mnssten, nnd sie in der Geschichte den Beinamen ,&
Grosse*^ erhielt*).
Perez de Gnzman besi^e im Jahre 1296 die Manren* Dmtl
die Heirath mit Donna Constanza, Tochter des Königs Diniz t(A
Portugal, Würde die Gewalt Ferdinands IV. befestigt Anch mit An-
gonien worden Ehen nnd Bündnisse geschlossen* Im Jahre 1305 zog
Ferdinand in den Kampf gegen die Manren. Am 25* Jnli desselben
Jahres begann er die Belagerang von Algesiras, konnte es aber nicbt
erobern« Aber er nahm Gibraltar hinweg, nnd zwang dorch Veitrag
die Maaren, ihm Quesada und Bedmar abzatreten. Papst Clemens V.
bewilligte ihm die kirchlichen Zehnten für seine Feldzöge gegen die
Maaren.
§. 9.
En- Dem Erzbischofe Sancbo IL von Toledo folgte im Jahre 1276
buehVf« Ferdinand Rodriguez Covarrubias. Seine Bestätigung stieas in Koa
Toi«4o* auf Schwierigkeiten, und er verzichtete im Mai 1280. Gonzalo Gardi
') Raynald. annaL, ad arm, 1301, nr. 19.
*) Cronica de D. Sancho el quarto^ ValadoL 1554 (verbunden nit der
Chronik Alfons XL nnd Ferdinands IV.) por Miguel de Herrera.
') Florez, Afemorias de lag reynas catholicas de Casiüla, t, 11^ 1790. -
Donna Maria la grande, muger del rey D, Sancho IV, p. 547 — 60. — Stf^
madre Oobemadora (1295), p. ößd-^öSO.
ErzbischOfe von Toledo. 371
Codiel, früher Bischof von Cuenca, dann von Burgos, wurde am
3k Mai 1280 Erzbischof von Toledo. Er war der erste unter den Erz-
bkhofen Toledo's, welcher — im Jahre 1298 — die Würde eines
Cardioals erlangte. Er berief von Alcala aus am 6. Januar 1291 in
Folge der Anfibrdenmg des Papstes Nicolans IV. alle Bischöfe, Prä-
Itt£s u. a. zu einem Proyinzialconcil auf den 20. April 1291 nach Yal-
kdolid. Dort sollte über die Angelegenheit des heiligen Landes ver-
kmdelt werden. Was zu Valladolid verhandelt wurde, wenn überhaupt
ie Spode zu Stande kam, wissen wir nicht Wir besizen nur das
losschreiben des Erzbischofs H.
Der Cardinal von Toledo starb zu Rom am 4. Juli 1299. In
(btselben Jahre hatte er zum Nachfolger den bisherigen Bischof von
Cttäua, Gonzalo Diaz Palomeque. Er berief seine Suffragane zu der coneii
Sfwde von Penaficl*), welche vom 1. April bis 13. Mai 1302 dauerte, "^a*^"
lad 15 Statuten erliess^. 1) Jeder Kleriker, der die heiligen Weihen iso<-
lier ein kirchliches Beneficium hat, soll täglich die canonischen Stnn-
Ib beten. 2) Kein Kleriker darf eine Concubine haben. 3) Der Kie-
ler verliert sein Beneficium auf immer, der aus eigner Schuld einem
kerbenden die heiligen Sacramente nicht spendet 4) Der Pfarrer soll
fiemand die heilige Communion reichen, von dem er liicht sicher
tm^ dass er gebeichtet hat. 5) Der Verlezer des Beichtsigills soll
tk Leben lang bei Wasser und Brod eingesperrt werden. 6) Jeder
lUttf soll die Bulle Bonifaz' VIII.: Clericis laicos — verkünden.
9 ABe Zehnten sind gewissenhaft zu entrichten. 8) Die Hostien müssen
*DB den Priestern selbst, oder in ihrer Gegenwart von Kirchendienern
teWaizenmehl und Wasser bereitet werden. 9) Nach den Verord-
A^eo der Synoden im Lateran und zu Lyon muss jeder Bischof die
Vocherer in seiner Diocese strafen. 10) Kein Jude oder Saracene, der
^Tanfe empfangt, darf darum seine Guter verlieren. 11) Das Fest
Kf heiligen Udephons werde in der ganzen Provinz als „duplex^ he-
^gen. Ist ja die seligste Jungfrau vom Himmel herabgestiegen, hat
ki als ihren „Caplan^ und besondem Verkündiger ihrer Jungfräulich-
sii heimgesucht, und ihn mit geistigen Gaben und Geschenken ge-
ückt*). 12) Täglich soll nach dem Completorium das f^Salve
') T^ada y Ramiro, t VI, p. 58^59.
^ apud Ptmuxm fdümt,
')Peiiiiafie! liegt am Dnero, acht Legaaa östlich von Valladolid, und im
■tono Paleoeia.
*) coT^aJtUer visiiavU, ac danis ac muneribia spirittudibus decoravit
^ tigtwm gpirüualis dilectianis. Hier ist von dem Geschenke des ,|kOrperlichen*
I^evAndes förmlich Umgang genommen, aber an der leiblichen Erscheinung
^ festgehalten. Diese festzuhalten nehmen auch wir nm so weniger Anstand, da
24*
372 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
regina^ mit den Gebeten für die Kirche, den Papst , und „für niue
König^ gesungen werden. 13) Die Strafen derjenigen, wdche Idit:
liebes Gut oder die l^ircblicbe Freiheit antasten, werden im EiDzeh
festgestellt, dieselben sollen auch Mitglieder des königlichen Ham
treffen. 14) Mit Ausschliessung und Interdict ihres Gebietes werd
die bestraft, welche einen Bischof oder Domherrn gefangen nehm
15) Die gleiche Strafe triffi Ritter (müites), welche Hauser o
Güter der Kirche kaufen, und sie nicht binnen zwei Monatai zam
geben.
Dieser Synode wohnten an die Bischöfe Alvarus Ton Paleoc
Bernard. von Segovia, Simon von Siguenza, Joannes Ton Osma, F
schasius von Cuenca. Ob die Bischöfe von Jaen und CordoYS iii
Procuratoren gesandt, wie Tejada meint, ist nicht sicher*).
§. 10.
Der Erzbischof Egas Fafes von Santiago, vorher Bischof i|
Bn- Coimbra, erhielt sein Amt im Jahre 1266 oder 1267; er gieng ill
▼onsan- ^^^9 um sich dort bestätigen zu lassen; auf der Rückkehr tqhI
tt«co» starb er zu Montpellier am 9. März 1269 (al. 1268). — Johannes I
Y^^ fonso, Erzdiacon von Trastamara, „Erwählter^ im Jahre 1271; «l
weiter nicht erwähnt. Ihm sei, sagt Zepedano, Gonzalo Gomex
Jo»o Jahre 1273 gefolgt. Alfons X., iiber ihn aufgebracht, habe den
***"*** von Valladolid, Pelayo Perez, in die Verwaltung des Erzbisthams
gedrängt; Gonzalo sei im Jahre 1284 gestorben*).
Rodriffo Der Dominicaner Rodrigo Gonzalez übernahm das Erzbisthnm,
^^""^ Jahre 1286. Er hielt eine Synode in Santiago. Er starb im Jl
1305, und wurde in der Earche der Dominicaner bcigesezt
de Padron folgte ihm.
die zahlreichen Erscheinungen der Seligsten Jungfnra in allen Jahrfaonderteo
Bachen sind, die vor jeder Kritik Stand halten.
•) Harduin, VII, 1254. — Manai, L 26^ p. 99. — Aguirre-Caiakfd,
226-30. — Tejada, III, 433-446.
*) Zepedano, p. 251.
Die Templer; Synode von Salanumca ftüt sie, 1310. 373
§. 11.
Aof Antreiben Philipps des Schonen wurden die Templer auch
u Castilien von Konig Ferdinand IV. verhaftet. Clemens V. sezte
m 31. Juli 1308 eine Untersnchungs-Commission für die Reiche Ca-
nilieo und Portugal ein. Sie bestand ans dem Erzbischofe Gonzalo
TQo Toledo, den Bischofen Johannes von Lissabon und Giraldns von
hleocia. Erst am 15. April 1310 traten sie in Thätigkeit, wo sie von
Tonlesillas ans an die Templer ein Schreiben erliessen, und sie auf den nie
f. April nach Medina del Campo zam personlichen Verhöre vorladen ^). '^^^^ ^^
Ak Zeugen waren sehr viele angesehene Manner, Geistliche und Laien,
kenb. Diese bezeugten, dass nie auch das Mindeste von Häresie,
IiMoJatrie oder Unsittlichkeit bei den Templern bemerkt worden; sie
bten stets nach ihrer von den Päpsten bestätigten Kegel gelebt
Der Erzbischof von Toledo starb im November, und schon am
iDecember 1310 war Ferdinand Gutierre Gomez sein Nachfolger.
Der Erzbischof Bodrigo von Santiago war inzwischen Vorsizender
hr Commission über die Templer geworden. Er berief auf den Oc-
iitr 1310 eine Synode nach Salamanca, um über die Ergebnisse der
■ Medina gehaltenen Untersuchung Bericht zu empfangen und zu er-
tboo. Die Erzbischofe von Toledo und Sevilla waren zu erscheinen
«riisdert Der Erzbischof von Santiago präsidirte auf der am 21. Oc- syaode
skr eröffiieten Synode. Neben ihm war zugegen Bischof Johannes J^^
livtiinis .von Lissabon*), Don Vasco Martins von Guarda, Gonzalo muiea.
^Zamora, Petms von Avila, der Dominicaner Alfons von Cindad *^®*
lodrigo, Dominicas von Placentia, Bodrigo von Mondonedo, Alfons
^Astorga, Johannes von Tude, Joannes Hernandez von Lugo. Der
Urdtms-Maestre Rodrigo Yanez und die andern Templer wurden vor-
jvufeD. Alle Bischöfe freuten sich über die Schuldlosigkeit der An-
{cUigten. Der Erzbischof berief auf Verlangen des Concils den ge-
SBUDten Klerus und das Volk in die Kathedrale von Salamanca.
logeben von allen Bischofen verkündigte der Erzbischof mit lauter
™me, dass man den Process gegen die Tempelherren nach allen
^eb des Bechtes auf das Genaueste gefuhrt, dass aber keine Schuld
■«^ben entdeckt worden, dass er sie nun als unschuldig erkläre an
^AfU,de Benavides, Memarioi de D, Fernando IV. de CoHiUa, II, 738^
l^i («itgeäieüt ans: .Cofocctan" del P, Burriel BiblioUca Naäonal, DD. 61,
') Sodmtm» da CSrnha^ hütoria EcdetiasHca da Igreia de LMoa, Lisb.
::
374 Zwölftes Bncb. Drittes EapiteU
allen den gegen sie erhobenen Anklagen, sie erklare als gute Ordens-
männer, von fleckenlosem Rufe, Leben nnd Sitten. So erklare er Tor
Gott und mit bestem Wissen, damit es zur Kenntniss Aller gelange.
Sie müssten aber die lezte Entscheidung über den Orden dem Papst«
(und Concil) überlassen, an den sie auch den Bericht über ihre Unter'
suchung sandten. Rodrigo Yannez bat nun das Concil um Rückgah
der Güter des Ordens; da dieselben confiscirt seien, so befanden si
die Templer in der äussersten Noth. Er bat, dass die Templer gegi
iiveitere AngrifiPe auf ihre Ehre und ihr Leben, als wären sie Kezer
sichergestellt, dass sie in allen Kirchen zum Empfange der heilig«
Sacramente zugelassen werden sollten. Das Concil musste das Ver-
langen wegen der Aufhebung der Confiscation ihrer Güter zuroii
weisen. Die lezte Entscheidung hatten ja der Papst und die Spod
sich vorbehalten. Die Templer mussten in ihre Gefängnisse zoruti^
kehren, wurden aber humaner behandelt^).
In seiner lezten Sizung vom 23. October erliess das Concil n
ein Edict, enthaltend eine Uebereinkunft der Bischöfe zam Schuze
Kirchengüter, und zur regelmässigen Abhaltung der Synoden. Ji
Jahr wollen die Bischöfe an einem passenden Orte zusammenko
um über alles zu verhandeln, was zum Dienste Gottes, der hei
römischen Kirche und des apostolischen Stuhles^ der Herren Köi
zum Frommen unserer Kirchen, zum Heile der Seelen, des Klerus
des Volkes erspriesslich scheinen wird. Jedesmal soll dabei angem
werden, wann und wo die Synode des nächsten Jahres stattfinden w
Die Synode darf, ohne zwingende Nothwendigkeit, nicht länger ab
oder neun Tage dauern. Li dringenden Fällen kann der Erzbi
von Santiago nicht bloss in seiner Provinz, sondern im ganzen
Castilien und Leon die Bischöfe berufen. Diess kann auch durch
Bischof von Leon, von Astorga oder Zamora geschehen*).
Dieser Eifer hielt einige Zeit an. Es wird berichtet, dass in
Jahren 1311 nnd 1313 Synoden zu Zamora gehalten worden,
erstem haben neun, und durch Stellvertreter fun&ehn Bischöfe
gewohnt.
üniTcr- Die im Jahre 1255 vom Papste bestätigte Universität Salam
umloM ^^^S ^® Einkünfte aus kirchlichen Zehnten, mit Genehmigung
Päpste. Papst Clemens V. aber hob diese Vergünstigung auf, und
Universität war am Erlöschen, da Clemens V. selbst mit dem Intei
') AnJt. de Benatndes, Memorias, /, 629-37. - (Mariana, 1 15, 10.^
Htfek, VI, 420.) - Manti, t. 25, 297. - Aguirre Catakmi, V, 230-31*^
TtQoda y Bamiro, III, 447-52.
•) Bsp. sagr., t 18 (2 edicim), p. S68-374. Darsas a/>. Bwmidei, m
770-7^ (B. Dwado, Comp, hittar. de SaUmanca, p. 242). 1
Synode tod SaUunanca, 1312. 375
drobte, wenn nur der geringste Antheil vom Zehnten der Univcreität
aäUta wörde. Der Bischof Petrus wandte sich mit seinen Bitten und
rontelloDgen an den Papst. Durch Eingehen der Universität wurde
(ranz Spanien Schaden leiden. Er bat dringend, dass wenigstens ein
kleinster Theil der Zehnten der Universität gelassen werde ^). Der
?Bpet gab nunmehr dem Erzbischofe von Santiago den Auftrag, zu
»erecbnen, wie viel der neunte Theil des Zehnten aus dem Bisthume
Stlimaoca betragen würde, und wie viel die Kirchenfabriken in An-
iprucb nahmen. Er sollte auch über die Lehrer an der Academie, über
iii Stadien, ond die Jedem angewiesenen Stipendien berichten. Auf
ica Bericht des Erzbischofes befahl der Papst, dass derselbe seine
Bifiigane zu einem Concil berufe, welches den neunten Theil des
kotUicben Zehnten für die Universität und die Besoldung der Lehrer
ttTosen solle. Die Synode wurde im Jahre 1312 zu Salamanca ge-
Utui, der Fortbestand der Universität durch sie gesichert*).
Aach im Jahre 1314 soll wieder zu Valladolid eine Synode von
kizelu), in Toro aber iqL Jahre 1319 von fünf Bischöfen stattgefunden
abeiL
Wilhelm von Godin, Cardinal-Legat des Papstes Johannes XXII- gy^od«
I Spanien, versammelte im Sommer 1322 eine Nationalsynode zu Val- ■» ^*i-
liDÜi Weil Valladolid damals noch zum Bisthum Palencia gehörte, 132s.'
I»b»88t die Synode auch y^Cmcilium PalenHnum^^. Am 2. August
|tt2 rerkondigte der Legat „mit Zustimmung des heiligen Concils^
KGapitohu 1) Jedes zweite Jahr sollen die Erzbischöfe Provinzial-
loocUien, die Bischöfe jedes Jahr Diöcesansynoden halten. Den Unge-
^Bsunen wird der Eintritt in die Kirche verwehrt Die Synoden sollen
^Miderg über die Sitten des Klerus wachen. 2) Die Pfarrer sollen die
ivöif Artikel des Glaubens, die zehn Gebote, die Sacramente der
Ertbe, die Species der Tugenden und Laster, in der lateinischen und
V Volkssprache geschrieben, — in Händen haben, und sie an Weih-
iKliteo, Ostern, Pfingsten, Maria Himmelfahrt, an den Sonntagen der
l^tea vorlesen. 3) Alle Prälaten müssen das Decret Papst Bonifaz VIU.
pQ»ojtiam tu inldleximu^ (1- '» VI»« lib. III, 23), in ihren Synoden
*le«ea lassen, worin die Verlezer des kirchlichen Privilegiums fori
M AQsschliessung belegt werden. 4) Wer an Sonntagen knechtliche
■n^eiten vollbringt, werde ausgeschlossen. 5) Falsche Zeugen, Advo-
<^ Mittelmänner und andere, die zu falschen Zeugnissen verleiten,
"nd durch die That ausgeschlossen. Canon 6 handelt von dem Leben
*) Bolle des Papstes vom Jahre ]d]2 ans Vienne: Dudum nobis Fratris
"<n £j»iieop< SaknanHni üc.
"^Äguim-Caiaiani, V, 2S4, - Mansi, t. 26, p. 522. - Tefada,
376 Zwölftes BodL Drittes Kapitel
und der Ehrbarbeit der Kleriker. Bischöfe nnd höhere Prihiten sollen
mit kostbaren Kleidern nicht erscheinen. Anch wenn sie roten, sollen
sie keine Tabarden (runde Mantelli, eine Art Bod[), sondern nmde
;yCappae^, nnd ihrer Würde angemessene Hnte tragen. Seidene
„Cappae^ oder Gewänder sind ihnen yerixyten. An den grosseren
Festen sollen sie in den Kirchen, nidit in ihren Privatcapellen celebri-
ren , nnd die .Tagzeiten mit ihrem Klerus beten. Nach ihrer Conse-
cration sollen sie „ihre erste Messe" innerhalb sechs Monaten feiern.
Kein Kleriker, also auch kein Bischof, darf bei den Sponsalien, der
Taufe oder der Hochzeit seiner legitimen oder illegitimen Nachkommen
und Enkel den kirchlichen Dienst verrichten oder demselben anwohnen,
unter Verlust der Hälfte sein^ Einkünfte, die dann der Kirchenfabrik
zufallen. Jede Schenkung von Kirchengut an sie ist ungiltig. Diese
gilt auch für die Ordensleute nnd die Bitterorden. 7) Ein Klerikeri
der seine Concubine nicht in zwei Monaten entlasst, verliert den dritten
Theil seiner Einkünfte; nach vier weiteren Monaten verliert er das
Ganze. 8) Schwerere Strafen treffen die Verhärteten sowie jene, welche
eine Maurin oder Jüdin bei sich haben. 9) Kanoniker und Präbenda-
ten, die bei ihren Bischofen weilen, dürfen die Einkünfte ihrer Benefi-
cien beziehen. 10) Die Prabenden sollen nicht zertheilt werden. Kein
Unwissender darf geweiht werden '). An den einzelnen Kirchen sollen
nicht zu viele Kleriker angestellt werden, damit sie nicht darben oder
verachtet werden. Kirchen nnd Beneficien dürfen nicht geheim ver-
liehen werden. 11) Die Pfarrsprengel müssen genau begrenzt werden.
12) Religiösen, welche die Pfarrer nnd Prillaten in Betreff des Blut- und
Novalzehnten betrügen, seien ausgeschlossen. 13) Die Bischöfe sollen
über die Erhaltung des Klostereigenthums wachen. Da bei den Begulär-
Kanonikern und Benedictinem die Ordensconvente ganz aufgehört haben,
so müssen diese wenigstens alle drei Jahre Concilien halten. Der Be-
lästigung und Beraubung der EJöster diurch Herren und Ritter mnss
gesteuert werden. Den Frauenklöstem müssen bejahrte und würdige
Aufseher vorgesezt werden, ohne deren Erlaubniss Niemand das Kloster
betreten, und keine Nonne ausgehen darf. Nur in Gegenwart von zwei
bis drei Schwestern darf man mit Nonnen reden. 14) Die Pfarrer und
Curaten sollen den Religiösen, Armen und Beisenden Gastfreundschaft
erweisen. 16) Eine Präsentation auf ein nicht erledigtes Beneficiam
darf weder gegeben noch angenommen werden. Gegen solche, welche
Kinder in Beneficien eindrängen, müssen die Bischöfe bei Strafe die
Excommunication verkünden. Ein Beneficium kann man nicht dadurch
') nuUuB Clericus ad scusros ordinea promaveaturf nin saUem UUraliUT
acuU loqui — wenn er nicht in der Schriftsprache reden kann.
Ooneil you 1322 zu Yalladolid. 377
«difigipD, da86 man einen Andern zur Cession yeranlasst. Die Patronen
ad deren Angehörige dürfen jährlich höchstens eine Mahlzeit von den
P^irrrectorcD verlangen. 16) Das neue Chrisma darf nnr der Bischof
reihen ; das alte mnss dann verbrannt werden; wer es bei der Taufe
locb gebraacht, ist sechs Monilte snspendirt 17) Ausgeschlossen ist
lorcii die Tbat selbst, wer in der Qnadragesima und den Qnatember-
igeo Fleisch isst. 18) Die Heiligkeit der Kirchen werde gewahrt;
jiriderhandelnde ausgeschlossen oder interdicirt. 19) Die Verordnung
«r SyDode von Viennc (eigentlich von Clemens V.) über Verbot der
k unter Verwandten soll jährlich viermal in allen Kirchen verlesen
«den '). 20) Jede Art von Simonie, besonders die üblichen Investitur-
Rasereien, werden streng verboten. 20) In jeder Stadt, und min-
Imm zwei bis drei grossem Orten eines Bisthums werde ein Lehrer
iffGnmmatik für die Knaben, in bedeutenderen Städten aber Magister
mbjicdibuB^ angestellt und von den benachbarten Kirchen besoldet.
Ijin jeder Dom- oder CoUegiatkirche soll von je zehn Beneficiaten
(ägstens einer auf eine Universität zum Studium der Theologie, des
■mischen Rechtes und der freien Künste gesandt werden, dort so
Ige als oöthig bleiben und seine Einkünfte beziehen. Dasselbe gilt
idenea, welchen das Studium des Civilrechts und derMedicin nicht
i , Rechtswegen^ verboten ist. Die Präsenzgelder erhalten sie nicht,
m Dicht eine gegentheilige Gewohnheit herrscht. Die Prälaten wer-
• «anter Ankündigung des göttlichen Gerichts^ ermahnt, diese Ver-
meng bei den nächsten Synoden genau auszufuhren. 22) Juden und
Mceoen dürfen dem Gottesdienst nicht anwohnen. Die Feier der
ieküichen Vigilien hat die „Frömmigkeit einiger einfachen Christen^
•piohrt (?); da diese Feier gar sehr missbraucht wurde, so werde
il guK abgeschafit. Unter Strafe der Ausschliessung dürfen Christen
IftBocbzeiten und Begrabnissen der Juden und Saracenen nicht an-
tiken. Diese dürfen keine öffentlichen Aemter verwalten. Die ge-
ifieo Jiden und Saracenen, die oft bettelarm sind, sollen in Hospi-
kn md fronunen Anstalten Aufnahme finden. Sind sie jung, so
Acn sit ein Handwerk lernen; auch zum geistlichen Stande darf man
t rolaisen, nicht leicht aber zum Fredigtamt. — Aus Hass gaben
Ktche oder saracenische Aerzte den Christen oft schädliche Arzneien.
■er hrchlichen Strafen dürfen Christen solche Aerzte nicht mehr
ifat. Christliche Kaufleute dürfen an Saracenen keine Lebensmittel
Bbttfei, damit die Christen nicht selbst in Noth kommen. Diess
ADss an allen Orten, in deren Nähe Saracenen wohnen, viermal jährlich
•trkfmdgt werden. 23) Der Ehemann, welcher öffentlich eine Concubine
') (Hementinar. lib. IV, tU. unic.
1
880 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel
Die Prälaten sollen denselben auch nichts geben. 3) Die Kleriker ii
einer Earche dürfen kein Beneficinm unbesezt lassen, om dessen fis
künfte unter sich zu theilen. 4) Vor der Anstellung durch den Bische
darf Niemand ein Curatbeneficium verwalten. 5) Kleriker dürfen di
von der Kirche erworbenen Güter nicht testamentarisch ihren Kindse
vermachen. 6) Priester dürfen für Messen nicht Greld verlangen, ol
darüber markten. Was ihnen freiwillig geboten wird, dürfen sie danl
bar annehmen. Wer dagegen fehlt, werde ein Jahr von der Faer in
heiligen Messe snspendirt. 7) Nur im Nothfalle und an Weihnacfati
ist es erlaubt, mehr als einmal zu celebriren. Jeder Priester soll wem|
stens viermal im Jahre celebriren. Vor dem Celebriren dürfen i
Kleriker auch andern Priestern beichten, wenn sie zu ihrem P&rv
nicht kommen können. Kleriker, die nicht Priester sind, sollen wenigata
dreimal im Jahre communiciren. 8) Ein Christ, der zur Zeit des Kri
ges an Saracenen etwas verkauft, oder ihnen hilft, ist aosgeschloßM
Diess trifft auch jene, die den Feinden zwar nichts zuschickten, ah
wenn sie selbst kamen oder schickten, an sie Victualien verkaofieo^
syoodo Am 11. December 1325 gab derselbe Erzbischof „in der th
'Lu b^^^^ besonders berufenen'' Synode zu Alcala nähere Erläutemngttl
i8«5. seinen früher erlassenen Statuten über das Leben und die Sitten ■
Geistlichen^.
syood« Am 11. Februar 1326 liess der Erzbischof durch seinen Genen
'ledo^ vicar Johannes Vicente zu Toledo eine Synode halten; dort wnrdi
i8f6. drei Kapitel, 1) über das zutreffende Forum für bestimmte Yergehl
2) über das Nichterscheinen der zum Gerichte Ladenden oder Eil
geladenen, 3) über das Leben und die ehrbaren Sitten der Kleriker
bekannt gemacht').
In demselben Jahre 1326 hielt der Erzbischof selbst za Aid
eine Synode, welche am 2d. Juni geschlossen wurde. Die BiscU
Petrus von Segovia, Joannes von Osma, Ferrandus von Cuenca win
bei der Synode zugegen. Die Bischöfe von Siguenza, Palencia oi
Corduba hatten Procuratoren gesandt Das Bisthum Jaen war 1
Jahre 1326 wenigstens eine Zeit lang erledigt.
Conen 1^ Einige Soffraganbischöfe Hessen sich nicht durch ihren Meih
Alcala, politen consecriren. Wird ein Bischof ohne Erlaubniss des Metropj
18Z6. liten von einem andern Bischof geweiht, so soll er in Jahresfrist vi
seinem Erzbischofe erscheinen und ihm huldigen. Sonst soll er so Isoj
•) AguirreCatalani, F, 258-^260. - Harduin, VII^ 1488. - i^»
t 25, p. laO-SS. - CHefeU, VI, 638^39.) — T^ada, III, 620^Z>^
') Aguirre-Catalani, V, 260. — Mann, t 26, 801^4. - T^näA, Ü
625-^27.
») AguirrtCaJtdlani, F, 261^62. - Tejada, III, 627^29.
j
KOoig Fenlinand, ROnig Alfons XI., I3l2~135ü. . 3Sl
von dfm Eintritte in die Kirche ausgeschlossen sein, bis er nachgiebt.
:*) Zor Ergäozong des Canons 13 der Synode von Penafiel über die
kirdiliclie Immunität wird bestimmt, dass eine Ton einem Bischof aus-
reeprochene Ezcommunication von den anderen Bischofen verkündigt
rtfden, dass überhaupt die Bischöfe sich hierin in jeder Weise unter-
itDzen sollen *).
Der eifrige Erzbischof Johannes wurde im Jahre 1328 nach Xar-
SCO, und Ximenes Ton Tarraco nach Toledo versezt Dieser hielt im
hke 1333 zu Alcala eine Provinzialsynode, in Gegenwart von sechs
IdhguieD, auch des Bischofs von Jaen^ in welcher nur eine Con-
Aa&an erlassen wurde. Von den Acten ist nur die Einleitung er-
§. 13.
Der Eonig Ferdinand IV. war eben zum zweiten Male gegen die kobi«
faoKn ZQ Felde gezogen, als ihn zu Jaen der Tod in der Blüthe des ^^j'
jekns — er ziihlte noch nicht 25 Jahre — am 7. September 1312 t isis.
inregnfiie. Grosse Hoffnungen giengen mit ihm zu Grabe').
Bei seinem Tode war sein Sohn Alfons XL erst ein Jahr und
ITige alt Dessen Mutter war Constanza von Portugal. Seine Oheime
tftteo sich lange um die Regentschaft. Auf den Rath der Grossmutter
Ikn wurde dieselbe im Jahre 1314 den beiden Brüdern des verstor-
Md Ferdmanda IV., Pedro und Johann, übertragen. Die beiden
bgeoten zogen im Jahre 1319 gegen die Mauren von Granada, und
kode &nden hier den Tod — 27. Juni 1319. Als Alfons XI. die
fim^pUirigkeit erlangt, ergriff er mit fester Hand die Zügel der Ge-
eilt — Im Jahre 1327 zog ef in den Krieg gegen die Mauren von
kudi. Der Admiral Alfons Tenorio schlug die Flotte der zu Hilfe
kniDeaden Maroccaner. Auch der König erlangte einige Erfolge. Da-
K^ Terlor er im Jahre 1333 Gibraltar an die Mauren von Marocco.
Fer^bens bemühte er sich, dasselbe wieder zu gewinnen.
Im Jahre 1340 unternahmen die Saracenen den lezten gewaltigen
radzag zur Eroberung von Spanien und Portugal. Die Konige von
bstilien, Portugal, Navarra und Aragonien kämpften vereinigt gegen
ät Die Christen siegten am 30. October 1340 in der Schlacht am
0 Äguirre^Catakmi, V, 260^61. - Tejada, JII, 629'-31.
') Agtam-Caialam, V, 264. — Mann, t. 25, 931. - Tejada, III, 563.
*} Chnmiai del rey Dan Fernando (IV), vimieto de 8. Fernando, Val-
hio^ 1654, fd. — Memorias del rey D. Fernando IV de CastiUa, p, Antonio
A»««def , 2 1,4. Madr. 1860.
382 Zwölftes Baob. Drittes Kapitel.
Rio Salgado, wo an 200,000 Mauren das Leben oder die Freiheit
verloren. Im Jahre 1344 eroberte Alfons XI, Stadt nnd Festung
Algesiras.
König ^ie Alfons X., gilt auch Alfons XI. als Verfasser oder Veran-
XL°' l&sser verschiedener Werke, z. B. einer allgemeinen Geschichte Spa-
18U-50. niens, verschieden von der Chronik Alfons X., seines Urgrossvaters,
des Buches über die Archive des Adels von Castilien, und des Baches
über die Jagd. Lezteres hat Argote de Molina im Jahre 1575 heraus-
gegeben ').
Alfons XI. starb I erst 38 Jahre alt, an der Pest, am 27. Man
1350 während der Belagerung von Gibraltar. Es war diess die Pest
des schwarzen Todes, welche auch Spanien entvölkerte*).
§. u.
Wall- Der Erzbischof Johannes Femandez de Limia (1331 — 38) war es,
'^Jl" welcher den König Alfons XL, als er das Grab des Apostels Jacobas
San- besuchte, in der grossen Capelle dieser Kirche als Ritter bewaffnete.
tiago. ^Q^jj ^j^ heilige Isabella von Portugal wallfahrtete zu seiner Zeit naA
Compostella. Als Geschenk brachte sie eine Lampe von Silber, und
sechs kostbare Fluvialkleider, welche sie selbst mit den Bildern der
Apostel geschmückt hatte.
Conen £2|. berief auf den 24. Mai 1335 ein Provinzialconcil nach Sala-
lamancä manca. In der Einleitung nennt er sich „Joannes, Bischof von Gottes
1395. |2nd des apostolischen Stuhles. Gnaden^').
Acht In Salamanca waren erschienen die Bischöfe Sancius von Avil«,
^^^J'^'ill Roderich von Zamora, L#aurentiu6 von Salamanca, Alfons von Coria,
Joannes von Ciudad Bodrigo, Bartholomäus von Idanha, Benedictus
Palentinensis (Placentia) , |,Bruder^ Salvatus von Lamego , Procura-
*) Libro de Monteria del rey Don AUmso^ SeviU,^ 1676, foL ~ Nie An-
tonio, Biblwt. Vetus, II, 162^66.
^ Nunez de Vülasan, Crcnica dd muy esdarecido principe y rey Dw
Älonso el Onzeno, Medina del Campo, 1614, fol. — Cronica del 2>. Al/onso el
Oceno, Segunda edicion, üustr. con apendices y varioe documentos por D. Frane,
Cerdd y Rico, 4\ Madr. 1781.
*) 8. darüber meine Seriee episcop, ecclesiae cathoL, p, 246. Diese Beoeo-
nnog nahm vor ihm im Jahre 1312 Joannes Leck, Enbischof von Dublin, an. -
Ducange in seinem „Gloasarmm" führt als filteates Beispiel an , dass Bischof £be^
hard von Bamberg in einem Briefe an Papst Eugen 111. sich nenne: jfEpiscopus
Divina et Apostolica traisera^iane", dass sodann Johannes von Langres sieh ia
Jahre 1318 nenne: Epiac Dei et apoetolicae Sedie gratia. — MabiOon, de re
diplom., IT, cp. 2 (p. 69).
Synode zu Salamanca, 13dS. 383
toren der Bischöfe von Lissabon und Evora. Das Concil erliess sieben-
zdm Statoten. 1) Die Bischöfe und andere Prälaten dürfen keine Aus-
wärtige £n ihren Yicarien bestellen. Es wird bestimmt, wie viel die
Vicarien für Ausfertigung^ kirchlicher Urkunden verlangen dürfen.
2) Die Bischöfe und alle Prälaten müssen die gesezmässigen Appella-
tionen genau beachten. 3) Die früheren Beschlüsse über den Wandel
nnd die Sitten der Kleriker müssen genau beobachtet werden. Noto-
rische Concubincn derselben dürfen nicht kirchlich beerdigt, die der
Beerdigung Anwohnenden müssen ausgeschlossen werden. 4) Durch die
That ist ausgeschlossen, wer aus den Händen eines Laien Kirchen,
kirchliche Beueficien, Kirchenschlüssel, Wohnungen der Kirchen an-
nimmt. 5) Es wird verboten, dass die Kirche um den Zehnten betro-
gen, dass ihre Einkünfte weggenommen werden. 6) Die Kirchen und
ihre Ornamente seien rein, die Eucharistie, die heiligen Oele, Kreuze,
Kelche, Corporalien seien gut verschlossen. Jedes Jahr wird der neue
Chrisam bei den Bischöfen geholt, der alte verbrannt. Auf Verseh-
gängen zu Kranken trage der Priester den Chorrock und die Stola (das
Orariam); der Kelch, den er an der Brust hält, sei mit einem reinen
Tnch bedeckt. Kreuz und Lichter gehen voraus, ein Glocklein mahne
das Volk zar Andacht, unter Strafe von 60 Solidi — in die Kirchen-
&brik. Die Feste des heiligen Isidor von Sevilla und Udefons von
Toledo sollen feierlich begangen werden. 7) Der Genuss des Fleisches
in der Fasten nnd an den Quatembertagen ist Verboten; wer dann
Fkmh kauft oder verkauft, ist durch die That ausgeschlossen. 8) Die
Tiel&chen Verlezungen der kirchlichen Immunität werden unter Strafe
▼erboten. 9} Verboten sind auch geheime Ehen. Die Proclamationen
(Vannia-banna) müssen statthaben. 10) Ehen mit Verwandten, mit
Nonnen, Heirathen höherer Kleriker sind mit Ausschliessung durch die
That sdbst tmtersagt, wie Papst Clemens V. auf der Synode von Vienne
sie verboten hat'). 11) Die zweite Ehe soll nicht benedicirt werden.
12) Kein Jade oder Saracene darf von Christen als Arzt zugelassen
werden; keiner darf in einem Hause wohnen, das der Kirche gehört,
oder am Gottesacker liegt. 13) Man. darf die Thiere, welche zur Land-
wirthschaft nothig sind, nicht als Pfand wegnehmen. 14) Die Wucherer
sind durch die That ausgeschlossen; wie auch 15) die Zauberer, Wahr-
sager und andere, nnd die, welche sich an sie wenden. 16) Sogleich
nach der Geburt sollen die Kinder getauft, die Kranken rechtzeitig
verschen werden» Jährlich viermal werde das Gebot der österlichen
Beicht und Communion verkündigt; die Fehlenden sind dem Bischöfe
anzuzeigen. — Die zahlreichen Ablässe schwächen die Bussdisciplin«
0 fle/cte, VI, 476.
384 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
17) Wer die Sentenzen, die ein Bischof gegen Diöcesanen ausgespro
eben, nicht verkündigen lässt, verfallt selbst der ExcommimicatioQ*).
Diese Synode ist mit vielem Fieisse und grosser SorgfiJt redigiii
— Der Erzbischof Johannes Femandez starb im Jahre 1338. Sei
Nachfolger Martin de Gres trat als Erzbischof ein im Jahre 1339. 1
£»- befand sich bei Konig Alfons X, in der Schlacht am Salgado, und
Isaa- ^^^ Belagemng von Algesiras, während welcher er im Jahre 1343
Yon
tiftgo. Pedro V.| vorher Bischof von Palencia, nahm Besiz von dem £i
thum im Jahre 1344, und starb im Jahre 1351«
§. 15.
I
Cardinal Auf dem Sizc von Toledo folgte dem am 16. November t
A^or. gestorbenen Ximenes de Luna der grosse Cardinal Aegidins (Grü)^
nos. bornoz. Im Jahre 1339 t;^t er ein, und in ^demselben Jahre hi
seine erste Synode za Toledo. In der Vorrede nennt er sich ,
dias, durch die Barmherzigkeit Gottes Erzbischof von Toledo, Fi
der spanischen Reiche, Kanzler des Reiches Castilien.^ Er
mehr nach Beobachtung der alten, als dem Erlasse neuer Statoteoi
gegen waren die Bischöfe Petrus von Segovia, „Bruder^ Alfons
»Siguenza, Joannes von Jaen; die Bischöfe von Palencia, Osma, Co
und Cuenca waren durch Procuratoren vertreten. Die hier erl
Statuten seien auf der in der nächsten Zeit in seiner Kirühenprovi
ooncu haltenden (Diöcesan-) Synode kundzugeben. 1) Besizt Jemand
ToiTdo ^^ einem Orte, wo die Kirche die Landesherrschaft hat, so darf
1939. nur an Vasallen der Kirche verkaufen oder vergeben. 2) Die;
welche die Schriftsprache nicht reden können, dürfen nicht ge
werden*). 3) Wenigstens Einer aus zehn Klerikern an einer Ka
oder CoUegiatkirche muss zu den Studien geschickt werden. Ist
Bischof hierin säumig, so devolvirt nach sechs Monaten sein K<
den Erzbischof. 4) Bischöfe sollen zu den Synoden nicht di<
Stellvertreter senden, wie die Capitel. 5) Die Pfarrrectoren solh
Namen ihrer Pfarrangehörigen jährlich aufschreiben, damit diej<
ermittelt werden, welche ihre österliche Beicht und Gommunion
halten. — Die Synode trägt das Datum des 13. Mai, an welchem
dieselbe geschlossen wurde ^.
') Äguirre-Catalani, F, 265-271. — Harduin, VII, p. 19S5. - Ua
t 26, 1447-^68. - (Hefde, VI, 661.) - T^ada, III, 564-79.
*) qui lüeralüer neadt loqui.
») Agmire-Catalani, V, 287-89. — Mansi, t 25, p. 1143-48. - (A
feie, VI, 564.) - Tejada, III, 579-83.
]
Enbischof Albornoz von Toledo, 1329—50. 385
Ein anderes Proyinzialconcil hielt Aegidius Albornoz im Jahre
;^7 zn Alcaky welches am 24. April geschlossen warde. Er erliess
laf demselben vierCapitnla 1) über das Leben und die ehrbaren Sitten
dfr Kleriker, 2) über die Immunität der Kirchen, 3) über Bussen und q^^h
Ibüsse, 4) über die Simonie. — Es ist zurückverwiesen auf die Synode "^^^
fco Yalladolid im Jahre 1322, und auf die Constitutionen des vorher- 1347^'
edeoden Erzbischofs Ximenes. Es wird der Missbrauch gerügt, den
kmde Almosensammler trieben. Ohne Vollmachtsbriefe vom Papste
lief Erzbischofe dürfe Keiner zugelassen werden. Die Gebühren für
bsstellnng kirchlicher Urkunden werden ermässigt und festgestellt. —
l^pgen waren die Bischöfe Blasius von Falencia, Garpia von Cuenca,
Jwmes von Jaen, und die Procuratoren der übrigen Bischöfe ^).
§. 16.
Im Jahre 1352 wurde auch in Sevilla ein Concil, das erste seit
t Wiedereroberung der Stadt uns bekannte, gehalten. — Philipp
M in den Jahren 1249 und 1253 „Administrator^ des Erzbisthums
•unt; er resignirte um das Jahr 1258. Er war fünfter Sohn Ferdi-
Mk des Heiligen und der Donna Beatrix, früher Präbendar von To-
fkf Abt von Yalladolid und Covarrubias, „erwählter^ Erzbischof. Er
ÜBgte aber dem geistlichen Stande, und heirathete zuerst Cbristina,
ftktssin von Norwegen — 1258, und nach d&ren Tod Donna Leonor
Ibb de Castro, seine Cousine, von welcher er keine Nachkommen
Me* Er war das Haupt einer Verschwörung gegen Alfons X., seinen
tnier, im Jahre 1270; zweimal gieng er zum Könige von Navarra,
ib am Hilfstruppen gegen seinen Bruder zu bitten. Er starb vor
«. April 1275«).
Um das Jahr 1260 wurde Bamon (Raymund) de Lozana von dem
Uom Segovia auf das Erzbisthum Sevilla versezt. Vic. de la Fuente
M ihn den Verweser des Infanten Don Philipp. Er war Domini- En-
•KT and regierte bis zum Jahre 1^86. Ferdinand Perez wird in den ^**^^'*
Aren 1287 — 89. genannt Garcia Gutierrez, seit December 1289, seTiii»,
l^e Cardinal und starb zu Rom im Jahre 1294. Ihm folgte Sancho
Mzalez, 1295, der im Jahre 1299 durch die Hand der Mauren von
«nka das Leben verloren haben soll. Johann Almoravit, Bischof von
likhorra bis zum Jahre 1300, wird zum leztenmal am 5. October
1302 als Erzbischof erwähnt. Im Mai 1303 war das Erzbisthum erledigt.
1249—
1350.
*) Abirre- Catalant, F, 291^92. — Tejada, III, 591-94.
*) Ihantz de Segovia (Mondejar), Memorias del rey Alfonso el Sabio,
*rfr. 1787, p. 277-78, 283-86, 478, 482, 605-7, 592-93,
Gtw, »pan. SIreho. HI. 1. 25
386 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
Im Jahre 1304 bestieg FerdioAnd Gntierrez Tello den erbischöfliche!
Stuhl. Ihm war eine längere Regierung beschieden, bis zu seinem u
26. April 1326 erfolgten Tode. Ebenso regierte Joannes Sanchez i
25 Jahre, von 1324 bis 1349.
conru Diesem folgte im Jahre 1350 Nunus de Fuentes. Er hielt
seviHa, ^l* ^^^ ^^' ^^^ ^^^ ^^^ Frovinzialconcil , welches man für das ei
1S52. seit der Wiederherstellung des Erzbisthums hält. Die Nacbricl
über dasselbe sind sehr dürftig. Es &nden drei Siznngen statt
beiden Bischöfe von Cadix und Silves (Vasco) hatten Procttrat
gesandt. Die Zahl der Taufpathen wurde in der Synode auf vkc
schränkt. Einige Missbräuche bei der Feier der heiligen Messe wn
den abgestellt^).
§. 17-
Petrus »der Grausame", der im Jahre 1350 seinem Vater i
fons XI. in der Regierung folgte, war von diesem sammt seiner MM
Maria misshandelt worden, und wuchs mit Gedanken nnd Planeil
Rache heran. Zuerst wurde Leonor Guzmann, wegen deren Alfonsl
seine rechtmässige Gemahlin Maria verschmäht hatte, zu TalaTen|
mordet. Von den Söhnen der Leonor wurde der eine nach dem anda
durch Pedro ermordet, bis der zulezt Lebende den Konig selbst todti
Pedro In unerlaubter Verbindung mit Donna Maria de Padilla stehend, k
Cra \* rathete Pedro Donna Bianca, welche er, nach langen Martern, tödtt
1350-69. lügnerisch vorgebend, dass er mit der Padilla verheirathet gewesen i
seiner Heirath mit Bianca, und dass sein Concubinat eine Ehe geweR
Er schüchterte die Bischöfe von Salamanca und Avila ein,.schsfat
Männer, welche seine Ehe mit Donna Bianca für ungUtig erklärtes «
1354, weil er sich mit Donna Juana de Castro vermählen v(A
Schwester jener berühmten Ines de Castro, der (vorgeblichen
wirklichen) Gemahlin Don Pedro's von Portugal. — Im Jahre
Hess Pedro den Don Juan Nunez de Prado, Meister des Ordensl
Calatrava, in dem Schlosse von Maqueda meucheln, weil er dieses
einem Andern geben wollte. Im Jahre 1358 liess er den Meister
Ordens von Santiago, seinen (Stief-) Bruder morden.
Seine unschuldige Gemahlin Donna Bianca liess er ergroien vi
im Schlosse von Siguenza einsperren; den Erzbischof Gonzalo (I^
de Aguilar, welcher im Jahre 1351 von Siguenza als Nachfolger d<
') Ortiz de Zuniga, Anales de Semüaj ad ann. 1362. — Aguirre-Cäalm
V, 1293'-94. - Tejada, III, 594,
Don Pedro der Graaoame, 1950—69. 387
Cirdiinb Aeg. Albomoz nach Toledo yersezt worden, veiirieb er von
dk^em seinem Size, 1353; Gonzalo starb am 25. Februar 1353 zu
In demselben Jahre wurde Blasco (Blasius) Pemandez de Toledo
«0 dem Bisthum Palentia nach Toledo versezt. Derselbe hielt am
. October 1355 ein Provinzialconcil zu Toledo. Zur Beruhigung
ir Gewissen wurde hier ausgesprochen , dass die früheren und
«Kren Constitutionen nicht ad cnlpam, sondern nur ad poenam ver-
fiebten*). Auf dieser Synode waren nur Procuratoren der Bischöfe
Auch der Erzbischof Blasius wurde von Pedro vertrieben , und
M in der Verbannung zu Coimbra am 7. März 1362. Diese Bischöfe
HpBgen nur das unrecht, dass sie den Verbrechen des Königs nicht
IHtbunten, wie die feigen Bischöfe von Salamanca, Avila und Palencia.
b päpstlicher Legat erschien in Castilien, verlangte von Pedro', dass
rsch mit seiner Gemahlin Donna Bianca wieder vereinige und den
kkof Ton Siguenza freilasse. — Papst Innocenz VI. excommunicirte
(Mre 1355 die Kebsweiber Don Pedro's, die Castro und die Padilla.
t apostolische Nuntius Bischof Beltram von Sena verkündigte am
ihsmr 1355 das Interdict in Toledo, weil sich der König von
E Bianca von Bourbon getrennt, und mit zwei andern Frauen lebe.
I Mai 1355 liess Don Pedro die Donna Bianca als Gefangene
ligaenza bringen. Ihre Begleiter wurden an ihrer Seite ermordet.
p Sigaenza wurde Donna Bianca nach Xeres , dann nach Hedina
kia gebracht, dort liess sie Don Pedro im Jahre 1361 ermorden.
' 1q dem Eoiege^ welchen Don Pedro mit Pedro von Aragonien
Prte, gefiel er sich besonders in der Zerstörung der Kirchen. Auch
■irchidiacon Diego Arias Maldonado von Burgos liess er ermorden. Mordet
1^ kemes seiner Opfer schlug er ein gerichtliches Verfahren ein, '^j" *
PB& gewahrte er den Trost der Religion in seinen lezten Augen- Feinde.
P^eiL Nadidem er seine angeblichen Feinde ohne Gerechtigkeit und
he Form eines Gerichts aus dem Wege geräumt, wandte er sich
4po 8eine Werkzeuge und Helfer; denn Freunde hatte er nicht. Er
Ke die Gewohnheit , die zu beerben^ die er tödten liess. Dazu be-
kte er eich der Juden, die ihn mit Lobsprüchen überhäuften, und
k Schiinke mit dem Gelde füllten, welches sie den Christen mit
m Arten der Grausamkeit abpressten. Aber wie Philipp der Schöne
«B Frankreich, so presste auch Don Pedro den Juden wieder ihr
Fiichergeld ab. Samuel Levi, Haupt der jüdischen Blutegel von
•) Agutne-Caialam, V, 294. - ffarduin, VH, 1761. - Mansi, t 26,
tii-tl - (fle/efe, VI, 610^11.) - Tejada, III, 696'-96.
25*
^SS Zwölftes Bacb. Drittes Kapitel.
Castilien, starb unter den Foltern, die Don Pedro über ihn verhingti
damit er ihm den Ort seiner Schaze eröffnete.
Die Galizier hatten zulezt das Unglück, dass Don Pedro auszoj
um sie zu besuchen. Alle braven und wohlhabenden Leute zitterti
bei dem Herannahen des „Tigers von Castilien«. Gomez Mann«
seit oder nach dem Jahre 1351 Erzbischof von Santiago, war am 19.1m
cember 1362 dem zu Coimbra im März 1&62 gestorbenen Blasios ^
Erzbischof von Toledo nachgefolgt. Zum Nachfolger in SaDtia|
hatte er den Don Suero Gomez von Toledo, den Bruder des Gatieii
Gomez, Heisters von Alcantara. Er war damals, 1366, noch oid
dreissig Jahre alt. Der König kam in Mitte des Juni 1366 an. !)•
Erzbischof hatte sich auf eines seiner Schlösser zurückgezogen, vo
wissend, dass der König sich seiner und der Güter seiner Kirche b
mächtigen wolle. Der König forderte die Feinde des Erzbischofs
denselben zu ermorden. Es geschah am Feste des 29. Juni 1366,]
den Thoren seiner eigenen Cathedrale von Santiago. Pedro „d Jtutit
(der Scharfrichter) schaute von seinem Palaste dem „Schauspiele
Mordes^ zu. Dieselben Mörder tödteten auch den Decan Pedro Ali
an den Stufen des Altares des heiligen Jacobus. Don Pedro bei
tigte sich der Güter und Schlösser des Erzbischofs'). — Alle
des Erzbisthums wurden nun mit dem Interdicte belegt. Was lag
Don Pedro daran, ob heilige Messe gelesen wurde, oder nicht?
lechzte nur nach Blut und Geld.
Die Castilianer erhoben sich nicht gegen den Tyrannen, der
dem Grundsaze regierte: jyodiant dum metuunt^ (sie mögen
hassen, wenn sie mich nur furchten). Heinrich von Trastamara, |
einzig noch lebende Sohn Alfons XI. und der Leonor de Gnzman,
Hilfe in Frankreich und Aragonien, drang mit einem Heere in Gast
ein, und das Volk rief ihn als König aus. Don Pedro musste
Frankreich fliehen — 1367. Er kehrte mit einem Heere zurück,
siegte bei Majora. In Burgos nahm er den Erzbischof von Braga,
hannes Cardaillac gefangen — 1367. Der Prinz von Wales, geoi
„der schwarze Prinz^, mit dessen Hilfe Don Pedro zurückgekehrt,
sich bald von diesem betrogen und verliess Castilien. Don Pedro
verband sich jezt mit den Mauren von Granada; mit einem 8aracenis(
Heere griff er Cordova an; der König von Granada bemächtigte
der Städte Jaen und Ubeda, und zerstörte die Kirchen daselbst Ti
sende von Christen wurden als Gefangene nach Granada gebracht,
der Stadt Utrera allein 11,000. Don Enrique von Trastamara eilte
600 Lanciers von Frankreich herbei. Die Castilianer schlosseo
*) Ordniea de Rey D. Pedro, p. Lopez de AycUa, t. I, p. 417--19.
i
Don Pedro*8 Ende, 1369. — Der grosse Cardinal Albomoz. 389
IS. oicbt aus Zoneigong zxx ihm, die er nicht verdiente, sondern aus !><>»
Isss gegen den Tyrannen. Bei Montiel stiessen Beide auf einander. J^^J^.
He Vorsehimg entschied zu Gunsten des kleinen Verbrechers, indem det^ises
ie die Erde von einem abscheulichen Ungeheuer befreite, der ohne
ikrmen und ohne gerichtliche Procedur die Mutter und die Brüder
ffsen getödtet hatte ^), der ihn jezt in einen Hinterhalt lockte und er-
ordetc — 23. März 1369'). Don Pedro erreichte ein Alter von nur
S Jahren, 7 Monaten.
§. 18.
Während der Gastilianer Don Pedro also regierte, während er Aibor-
b bland und Ausland mit dem Schrecken seines Namens erfüllte, ^^^^^p.
wb sich der grosse Staatsmann, Feldherr und Kirchenfurst Aegidius heratei-
Aor&oz, seit dem Jahre 1350 Cardinal, Bischof von Sabina im Jahre ^"^^
K^ die Bewunderung des christlichen Europa's. eben.
Im Jahre 1353 sandte ihn der Papst Innocenz YI. mit einem '^^
tten Heere nach Italien. Vor Pedro dem Grausamen war er nach
ipoQ geflohen, und hier zunächst Cardinalpriester von S. Clemente
porden. In vier Monaten gewann Albomoz das „Patrimonium Petri^
tt das Herzogthum Spoleto zurück, zwang die kleinen Tyrannen zur
falmrerfung, und gab dem eroberten Lande neue Geseze in kirch-
ikn ond weltlichen Dingen^). Schwer wurde es ihm, die Romagna
il die Mark Ancona zu erobern. Doch wurden Rimini und Ancona
• Mai 1355 gewonnen. Da wurde Albornoz nach Avignon zurück-
|Bb, und an seine Stelle trat der Abt von Clugny, Androin de la
«. August 1357. Da dieser seiner Stellung nicht gewachsen war,
|kte Albomoz im December 1358 zurück. Forli und Bologna unter-
P^easich, im Juli 1361 war die Gewalt des Papstes im Kirchenstaate
Wer hergestellt^). — Nach dem Tode Innocenz VI. im Jahre 1362
»te Albomoz die Wahl zum Papste ab. Er kehrte als Legat nach Italien
k^L Als Urban V. von Avignon nach Italien zurückkehrte, im Mai
tt<; kam ihm Albomoz nach Cometo entgegen; dort wurde Pfingsten
PfeJQt Am 16. October 1369 zog der Papst in Rom ein. Vorher
•) Fteoife de 2a FuemJU, l. c, t IV, p. 377-^78.
^^la Crmiea du rey D, Pedro, p. Pedro Lopez de Äyala, Madr. 1779f
^-57. - Marez, Beynas Catholicas, t. II, 635" 649 (D. Bianca de Bor-
"*»?. ^-"65^60). Padilla und Johanna de Castro; nebstdem drei „amigas*^.
") Raynaidi annal., 1354, nr. 1^2. - Mansi, t 26, p. 298. - Christophe-
\ GeiGbichte des Papstthums im 14. Jahrb., 1853, t U, 192.
»en *^ ^^*^^»«W» annoL, ad ann. 1366, nr. 19-26, 1357, nr. 6, 1368 --nr. 1,
'«9, w. 6. ig. 1B61, itr. 6.
392 Zwölftes Bneh. Drittes Kapitel.
§. 20.
König gein Sohn Johann (Jaan) I. zählte bei dem Antritte seiner Uecne*
1879-90. rang 21 Jahre. Schon bei seiner Elronang in Bnrgos (29. Juni) liess
Johann I. die Streitfrage wegen der beiden Päpste den versammelten
Cortes, den geistlichen und weltlichen Grossen vorlegen. Die Ansichten
giengen auseinander; der König schickte nun Gesandte nach Rom und
Avignon, um von den zwei Gegnern nähere Aufschlüsse über ihr Becht
sich zu erbitten, während er von andern Seiten möglichst viele Kach-
richten über die Vorgänge bei der Wahl Urbans VI. einzog. Nachdem
diess geschehen, schickten auch die beiden Päpste Männer ihres Ver-
trauens nach Castilien. Urban VI. sandte die Juristen Franz von Ur-
bino, Bischof von Faenza, und Franz de Sicienis aus Pavia. Für Cle-
mens VII. aber arbeitete der Cardinal Pedro de Luna. Johann I. sandte
eine Galeere mit dem Bischöfe Alvarus von Zamora, mn die beiden
neutralen Cardinäle von Mailand und Florenz von Nizza nach Castilien
zu bringen. Sie begnügten sich, aber, dem Erzbischofe von Toledo ihre
Ansicht über die Streitfrage mitzutheilen.
Am 23. November 1380 wurde die Versammlung von Medina del
Campo eröffnet, welcher der Konig personlich nicht anwohate. Zn-
ver- gegen waren der Erzbischof Petrus von Toledo, Petrus (Gomez Bar-
imT^'o '*^^^) ^^" Sevilla, viele andere Bischöfe, Doctoren und Adelige. Den
Medin* Vorsiz führte der Cardinal Peter von Luna. Am 23. November hielt
^^ derselbe eine lange Rede in der castilianischen Sprache und sachte die
1880. Unfreiheit der Wahl Urbans, sowie die Giltigkeit der Wahl Clemens VIL
nachzuweisen. Am Sonntag den 25. November sprach der Bischof von
Faenza sehr ausführlich für das Becht Urbans VI.; siebenzehn unleug-
bare Thatsachen oder „veritates** über die Wahl und anfängliche An-
erkennung Urbans VI. durch alle Cardinäle entwickelte er in seiner
uns erhaltenen Rede *). — Am 26. November übergaben die Gesandten
des Königs, welche zu Rom und Avignon gewesen, eine versiegelte
Bulle, welche ihnen Urban VI. eingehändigt hatte, eine Denkschrift mit
dem Titel „Factum^ an alle Fürsten über die Rechtmässigkeit seiner
Wahl. Am 27. November legte Peter von Luna Documente zu Gun-
sten Clemens VII. vor, unter anderen die Denkschrift der Cardinäle
von Fondi vom 2. August 1378, und einen Brief Clemens VII. vom
26. Mai 1380 au den König. Am 4. December legten die Gesandten
des Königs ihre vielen zu Rom und Avignon erhobenen Aussagen den
■) Marlene, Thesaurus nomu Anecdotor., t. II, Par. 1777, p. 1082 sq.
apud Mansi, Supplement., III, jp. 624^634.
Concil von Salamanea, 1381. 393
OUT einer besonderen Formel beeidigten (27) Zeugen vor. Diese
Fonnel wurde am 6. December vorgelegt, sowie der Entwurf der For-
kI des Eides, welchen die Männer schwören sollten, denen die Frage,
rer der rechtmässige Papst sei, vorgelegt würde. Diese Männer waren
ie Erzbischöfe von Toledo und Sevilla, mehrere Bischöfe, Kanoniker,
Ibere von Orden, Archidiakonen und Doctoren, an 24 Personen. Eine
iidere Commission sollte die früheren Zeugenaussagen nach einzelnen
^gestellten Frage- ond Streitpunkten redigiren, sowie die neuen Zeu-
to beeidigen. Das doppelte Zeugenverhör dauerte vom 28. December
PC bis Anfang des Mai 1381. Der König war inzwischen zu Sala-
pva erschienen, nachdem die Commissäre sich für Clemens VII. aus-
fipochen hatten. Am Sonntag den 19. Mai kam der König, die Coneii
Iftten. Adelige, Gelehrte, welche zu der Verhandlung gezogen wor-***®***'
lli sowie der Cardinal Peter von Luna, einige auswärtige Prälaten issi.
pl Gelehrte, eine grosse Menge des Klerus und Volks zur Feier der
Pfen Messe in der Kathedrale zusammen. Nach derselben erklärte
Honig die Wahl des Bartholomäus von Bari (Urban VI.) als un-
Ig, denselben als einen Eindringling auf den apostolischen Stuhl,
^n „den heiligsten Vater und Herrn Herrn Clemens VII. als den
kiuBch erwählten Papst und den wahren Statthalter Jesu Christi^,
lieds seine Erklärung laut vorlesen, beginnend mit den Worten:
i€8, von Gottes Gnaden König von Castilien und Leon, allen
in an Christus Heil^ dass sie in der Erkenntniss des wahren
Ib nicht irre gehen. — Von dem Aufgange der Sonne bis zu ihrem
kigange', u. s. w. ^). Ganz Castilien sollte diesen Papst anerkennen.
I Kontien Clemens VH. gaben ihm sogleich Nachricht von diesen
kUiifisen; ihr vom 19. Mai datirter Brief langte am 30. Mai zu
kpon an*).
Das Detail dieser Verhandlungen ist den Spaniern bis auf die
tate Zeit, selbst dem Tejada, unbekannt geblieben, welcher nur die
Küning des Königs vom 19. Mai 1381 mittheilt').
0 Die Dedaratio $. ap. ManH, SuppL t. III, 638-43. - T^ada, III,
") Martene, t II, p. 1082-- 1098— 1136. — (Baiute, Vüae Papar. Ävm.,
',1 853, 920.) - Mansi, Supplem., III p- 611'-646. - Mann, Corte. Collect.,
;;<>, m^S90. ~ (HrfO^, vi, 807-90 - T^ada, III, 603-^608.
*) Nich Ayala, Cronica du rey Don Juan d primero, Madr, 1780,
394 Zwölftes Bucb. Drittes KafStO.
§. 21.
Der Cardinal Feter yon Luna, ständiger Legat Clemens VIL in
Spanien, Hess am 4. October 1388 sieben Reformdecrete auf der Sy-
node zn Palencia verkünden. Zugegen war der König selbst; derCar-
Bysod« dinal befiehlt den Erzbischofen von Toledo, Sevilla und Santiago, den
leneu, exemteu Bischofen von Burgos, Leon, Oviedo und Carthagena, den
^^^' Su£&aganbi8chöfen von Palencia, Calahorra, Osma, Siguenza, Cuenca,
Segovia, Corduba, Jaen, Zamora, Salamanca, Avila, Ciudad Bodrigo,
Coria, Badajoz, Cadix, Astorga, Orense, Lugo, Mondonedo, Tny, in
Krall des heiligen Gehorsams, dass sie diese Constitutionen in Zeit
von zwei Monaten, nach Kenntnissnahme derselben, in ihren Kathe-
dralen kundmachen. Später sollen sie jedes Jahr auf das Neue ver-
kiindigt werden. 1) Die Bischöfe und alle Kirchenvorsteher sollen den
Wandel der Kleriker genau überwachen, und ihre Vergehen bestrafen.
2) Die EUeriker müssen ihre Concubinen innerhalb zweier Monate ent-
lassen,, sonst können sie keine weiteren Weihen empfangen, und die
erlangten nicht mehr ausüben. Von den Beneficien verlieren sie ein
Drittel, das zweite Drittel nach zwei weiteren Monaten, das ganze
Einkommen nach vier Monaten des Widerstandes. Sie können ferner
kein giltiges Testament machen; sobald sie öffentlich als Concubinarü
erklärt sind, verlieren sie all' ihr bewegliches und unbewegliches Eigen-
thum. Ein Dritttheil ihrer Güter gehört der Fabrik der Kirche, das
- zweite dem Bischof, das dritte den beiden Orden zum Loskaufe der
Christensciaveu. 3) Yerheirathete Kleriker, d. i. Minoristen, gemessen
das Privilegium des geistlichen Standes, wenn sie nur einmal und mit
einer Jungfirau verheirathet sind, auch geistliche E^leidung und die
Tonsur tragen. Anbei wird die Grösse der Tonsur genau bestimmt
und eine Abbildung beigegeben. 4) Das Eigenthum der Elirche darf
nicht veräussert werden. 5) Die Juden und Saracenen sollen an ihren
Wohnorten eigene Quartiere haben. 6) Sie dürfen an Festtagen der
Christen nicht Handel oder ihr Gewerbe treiben. 7) Der Yerheirathete,
der eine Concubine hat, sowie der Ledige, der eine ungläubige Con-
cubine hält, ist durch die That ausgeschlossen*).
Diese Constitutionen wurden am 4. October in der Kirche der
mindern Brüder zu Palencia publicirt, in Gegenwart des Königs, des
Erzbischofs von Compostella, der Bischöfe von Oviedo, Leon, Calahona,
Palencia und Zamora.
») Äguirre-Cataiam, V, 297-^301, — Earduin, YII, 1905. — Maruiy
t. 26, p, 735-46. - (Hefik, 832.) - Tejada, III, 610—19.
Schisma von Avignon. — Don Juan I., f 1390. 395
Dem Erzbischof Snero Gomez von Santiago, der im Jahre 1366 ^^*-
cmordet worden, folgte Alfons de Moscoso im Jahre 1367, der noch ^onsan-
h demselben Jahre zu Noya starb. Sein Bruder Eodrigo folgte ihm* ti«r>>
b Jahre 1368 — 69 nnd 1371 erhoben sich die Compostellaner gegen
Im and seme Rechte. Er trat ein im Jahre 1368, and starb im No-
rember 1382. Erst im Jahre 1386 wurde Johannes Garcia Manrique
m Borges bieher versezt. Er stand in grosser Gunst bei König Jo-
«DO L, der ihn zu einem der Vormünder seines Sohnes Heinrich
lichte. £r wollte Feter von Luna nicht als Papst Benedict XIU. an-
iktmeo. Er trat im Jahre 1383 ein, und wurde um das Jahr 1397
•dl Braga versezt. Er war es, welcher der Synode des Jahres 1388
ftnhnte').
Im 1396 soll zu Segovia unter König Heinrich UI. eine Synode
h Stehen des Schisma stattgefunden haben. Die Spanier wissen nichts
tto dieser Synode, wohl aber von der zu Alcala vor dem 4. Februar
b Jahres 1399 oder 1400 gehaltenen, welche vielleicht dieselbe ist.
fc Bischöfe and andere fromme und gelehrte Männer beriethen sich
ier mit König Heinrich UI. über ihr Yerhältniss zu Benedict XIU.
feil er nicht abdanken wollte, so beschlossen sie, ihre Anerkennung
to zü entziehen; ein allgemeines Concil sollte den wahren Papst wäh-
k oder erklären^.
f Zag^n war der König selbst; von den Bischöfen unter anderen
Ivns Tenorio von Toledo, die Bischöfe von Avila und Salamanca.
Aber schon im Jahre 1401 kehrte Castilien zum Gehorsame Be-
«üct« XIIL zurück*).
König Johann I. starb, in Folge eines Sturzes vom Pferde, zu ^^^
VaU, am 9. October 1390, erst 32. Jahre alt, nach einer allzu kurzen f 1390.*
■(iennig von eilf Jahren. Seit Alfons X. hatte kein König Castiliens
^big Jahre des Lebens überschritten^).
f Konig Heinrich HI. war nicht mehr als eilf Jahre alt beim An- ^^^
Ixte seiner Regierung. Aber schon seit 1388 war er mit der englischen nqu«
nozessin Cadiarina von Lancaster vermählt, welche vier Jahre älter ™'
4i er war.
Im August 1393 übernahm der König selbst die Zügel der Ge-
Mt Erst im Jahre 1401 wurde die Infantin Maria geboren. — Am
l Januar 1402 traten die (Jortes in Madrid zusammen, und schwuren
0 Zepedano, p. 268—66.
') Ag^Bvrrt'Catdiam, 7, 302,
*) T^ada, III, 619''21 ans: Oü Oonzalez de Ävila, Historia de D. En-
^ UI de Oattma, cp. 58.
*) CVtmiea del Bey D. Juan et Frimero, p. Ay<Ua, Madr. 1780, p. 123—
^ (des Btades II der Chronik Don Pedro*8}.
396 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
der Maria als Thronfolgerin Gehorsam*). Am 6. März 1405 aber
wurde der Infant Juan, nachmals Konig Juan II., geboren.
Castilien l)efand sich gegenüber dem Schisma in peinlicher Lage.
Denn es hatte Benedict XIII. den Gehorsam aufgekündigt, aber es
hatte nun gar keinen Fapst^ es war kopflos. Der Eonig berief dämm
die gelehrtesten Prälaten, Theologen und Canonisten seines Reiches.
Man kam zu dem Entschlüsse, zu der Obedienz Benedicts XIII. zn-
rückzukehren. Am 12. September 1402 (1401?) kamen die beiden Ge-
sandten Heinrichs III. zu Avignon an, und huldigten Benedict Xm.
im Namen des Königs und seiner Reiche. Ueber solche Rückkehr
war Benedict nicht wenig erfreut. Der Erzbischof Petrus Tenorio von
Synode Tolcdo War am 28. Mai (al. 12. November) 1399 gestorben, und drei
^j^^^jj^ Jahre waren verstrichen, seitdem dieses Erzbisthum erledigt geblieben.
MOS. Die Wahl war also an den Papst devolvirt. Benedict li^ss dem Konige
sagen, dass er seinen Neffen, Petrus von Luna, Bischof von Tortosa,
für die Stelle eines Erzbischofes ausersehen habe. Der Konig berief
die Prälaten und Herren auf den 28. April 1403 nach Valladolid, und
Hess hier feierlich Benedict XIIL als Papst erklären. Mit Beistimmung
des Königs ernannte Benedict jezt erst seinen Neffen zum Erzbischof
von Toledo und weihte ihn. Bei der Weibe änderte er seinen Nameo
in Alvaro de Luna.
Durch königliche Erklärung vom 18. Februar 1404 aus Segoria
verbot Heinrich III. , dass man dem Alvarus Peter de Luna den
Titel eines „Erzbischofes^ noch eines „Erwählten^ von Toledo gebe,
dass an ihn keine Zehnten, Renten, Früchte oder irgendwelche Ein-
künfte des Erzbisthums entrichtet werden sollten. Sie sollen vielmehr
an Juan Garcia de Paredes, königlicher Schazmeister im Reiche von
Toledo, gegeben, und ihre Erträgnisse für den Zweck aufbewahrt wer-
den, um Mittel für die Austilgung des Schisma und die Wiederherstel-
lung der kirchlichen Einheit zu sammeln. Denn Benedict habe sein
Neue gegebenes schriftliches Wort nicht gehalten, dass er kirchliche Würden
flii^te. ^i^d Beneficien nur gebornen Castilianem übertragen wolle, besonders
das so wichtige Erzbisthum Toledo. Don Pedro (Alvaro) de Luna sei
ein Aragonier, ein junger Mann, mit „Schädigung und Verachtung
meiner Person, sagt der Konig, zur Unehre und Geringschäzung mei-
ner Landsleute^ — eingesezt.
Als später Heinrich HL am 15. März zu Tordesillas sich befand,
erliess er ein anderes Edict, erklärend, dass er, im Einvernehmen mit
seinem Bruder, im Einverständnisse mit den Herzogen, Grafen, den
„reichen Männern'' (rieoshombres)^ und seinem Rathe der Primaten,
N
') Oil Gonzalez, Histaria de D, Henrique III, cp. 69 del ann, 140%.
Castilieo und Benedict Xlll. 397
rureraititen und der Clerisei seines Reiches, Benedict XIII. die Obe-
ikja entzogen, dass er aber spater ans massgebenden Granden za
(ejoer Obedienz zurückgekehrt sei, und dass derselbe gewisse Anfor-
tenmgen, betreffend die Beseznng kirchlicher Stellen mit Eingebomen,
mit seiner bleiernen Bnlle^ bestätigt habe. Aber die durch päpstliche
VoriBJon Erwählten (Prälaten) haben die während der Zwischenzeit
nräidten Prälaten und Beneficiaten vor die romische Curie citirt, und
ie kostspielige Processe zu fuhren gezwungen, zum Schaden der Va-
iDeo des Königs, zur Schädigung der kirchlichen und königlichen
(ictorität Ein so gefährliches Vorgehen, und die wiederholten Klagen
mtT ünterthanen zwängen den König, als „Wächter, Schüzer und
htlieidiger der Kirchen seiner Lande, die Ungehörigkeiten zu entfernen,
M die Freiheiten derselben zu wahren." Er befiehlt, dass man wieder
■ dem Stande wahrend der Entziehung der Obedienz zurückkehre, und
biDan den Bullen, Citationen und ähnlichen Briefen (Benedicts XIII.
pi der Seinigen) die Genehmigung (d pase) Tersage.
Aber in demselben Jahre, am 26. Mai, kehrte Castilien auf das
ne za der Obedienz Benedicts XIII. zurück. — In den im Jahre 1405
^Madrid gehalteneu Cortes wurden unter anderem Maassregeln gegen
■ Wacher der Juden berathen, und ihnen befohlen, gewisse Kenn-
Ueo an ihrer Kleidung zu tragen; auch die Concubinen der Kleriker
|bn gewisse Kennzeichen auf dem Kopfe tragen. „Denn damals be-
f|n sich dieselben sehr insolent, und machten auf mehr Beachtung
M Backsichten, als die verheiratheten Frauen, Anspruch, und ihr Luxus
feile wohlhabende Damen in den Schatten^ *).
Der jüngere Pedro de Lnna war und blieb Elrzbischof von Toledo,
k Teicher er am 19. September 1414 starb. Er wurde in der Capelle
kleiligen Ildefons begraben.
Im Jahre 1410 wurde zu Salamanca wieder eine Synode gehalten, synod«
■ Gegenwart der Boten des Königs, und vieler Doctoren der üniver-^^^^"
nt Das Recht Peters von Luna wurde hier auf das Neue untersucht i^o.
m anerkannt, er selbst als der wahre Papst der ganzen Earche ver-
«uligt Der Titel der Synode in den Pergamenten, die zu Salamanca
^ befanden, war: „Synodalbuch, herausgegeben durch den „Bruder^
knzalo, von Gottes Gnaden Bischof von Salamanca, vom Predigerorden,
H»gistcr der Theologie, im Jahre des Herrn 1410, im IL (hier XVL)
^ des Papstes Benedict XIII., und dieses Buch wurde in demsel-
^ Jabre in der Cathedrale während der Synode bekannt gemacht^ ^.
') T^ada, Ul, 625^26.
") Agmrrt, F, S18. — Tgada, III, 631.
398 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
Aus dieser von Agoirre mitgetbeilteA Notiz kann man vidleich
nur entnehmen, dass Bischof Gonzalo von Salamanca (1408 — 1412) in
Jahre 1410 eine Diöcesansynode in seiner Cathednde gehalten habe, nn
dass damals Benedict XIII. als Papst in Caatilien noch anerkam
gewesen.
§. 22.
Der im Jahre 1352 zu Sevilla gehaltenen ersten Provinzialspoc
Bn- folgte die zweite uns bekannte im Jahre 1412. Der Erzbiachof Nnima
^QQ ^ der die erstere gehalten, starb im Jahre 1360 — 62* Am 13. Octob
seviu«, 1363 folgte ihm der bisherige Bischof von Osma, Alfons de Vargas
^14127 Augustinerorden, der aber schon am 27. December 1366 starb.
20. October 1369 war Petrus Gomez de Albornoz, vorher Bischof
Lissabon, Erzbischof; im September 1369 befand er sich zu Avij
im Jahre 1371 wurde er Cardinal, und verzichtete auf das Erzbisl
Vom Jahre 1371 bis 1380 war sein Nachfolger Ferdinand Alvs
Albomoz. Dieser war Abt von Yalladolid, und einer der Testaau
Executoren seines grossen Oheims, des Cardinais Gil Albomoz,
im August 1367 zu Viterbo gestorben; er wird bis zum Jahre
genannt.'
ver- Jezt erscheint wieder ein Petrus Gomez de Barroso als Erzbu
sohle- ^^j. ^Qn Vielen von dem altern Cardinale dieses Namens untersehu
P0tnu wird. Nach denselben starb der Cardinal am 2. oder 4. Juli 1375
Gomex. Avignou, Und sei begraben worden in dem Kloster der Dominicanerii
welches der gleichnamige ältere Cardinal Petrus Gomez de Barroso
stiftet. Dieser wurde am 12. December 1327 Cardinal der heil
Praxedis, 1329 Bischof von Carthagena, im Jahre 1345 Cardinal-Bis
von Sabina, und starb zu Avignon am 14. Juli 1348').
Es giebt also zwei Cardinäle dieses Namens, und vielleicht noch
dritten, der im Jahre 1380 Erzbischof von Sevilla wurde ^). Dieser
nach dem neuesten Geschichtschreiber von Cuenca, nicht Cardinal, |
war Bischof von Cuenca, dann wurde er — um 1380 — Erzbischoi
Sevilla. Er hatte zur Zeit Fedro's des Grausamen Spanien verlas!
müssen. Derselbe starb am 1. Juli 1390. In den Jahren 1390
1393 blieb das Erzbisthum erledigt. Am 4. Juli 1393 wurde
') Nach Andern wnrde erCardinalbischof im Jahre 1340, und starb im Ji
1314 oder 1345.
») Munoz y Soliva, Obispos de Cuenga, C. 1860, p. 123—26, — Viellei«
war er sogar früher Bischof von Segovia, dann von Coimbra.
i
Die Cathedrale von Sevilla. 399
terg» iiieher versezt Gonzalo de Mena Vergas. Er starb zu Can-
iSuA am 21. April 1401, nachdem er sich viele Mühe um die Hebung
ia Ordens der Carthäuser gegeben.
In dem Jahre seines Todes virnrde der Bau der herrlichen Cathe-
rale Ton 8eviDa beschlossen *).
Am 8. Joli 1401 trat der ganze Klerus der Kirche in einem Ca- ciathe-
kel zusammen, da der alten Cathedrale der Ruin drohte *). Sie fassten s^yml,
m Beschlnss: ,|Wir wollen eine andere bauen, von der Beschaffenheit, i^oi-ia.
HB es keine andere ihr gleiche geben soll^, und die so viel als mog-
A der Grosse der Stadt und Kirche von Sevilla entspricht. Wenn
|l Kirchenfabrik nicht ausreiche, so solle von ihrem Einkommen so
Ü genommen werden, als hinreichend sei; denn sie geben es zum
Ime Gottes hin.^ Sie ordneten an, es solle diess von zwei Dom«
{ptt unterzeichnet werden^).
! Im Jahre 1403 wurde der Bau begoimen, und bis zum Jahre
|R ohne Unterbrechung fortgesezt, unter Opfern, wie sie nicht leicht
ierswo gebracht wurden. Die Kanoniker und der übrige Ellerus der Di«
hebe zo^en sich in ein kleines Haus in der Nähe der Cathedrale zu- .^^"**
t .... nerren
ft: sie führten tinter den grossten Einschränkungen ein gemeinschaft- Ton
ks Leben , und gaben all' ihr Einkommen für den Bau der Kirche. ^*^"^**
p Lebensweise wurde 105 Jahre fortgesezt. — Am 28. December
P wichen drei grosse Pfeiler, und stürzten summt dem Giebel mitten
|4ff Nacht zusammen. In vier Stunden hatte das Volk alle Kuinen
iftmL Das Capitel nahm seine Arbeiten wieder auf; am 4. November
te war der prächtige Bau vollendet, der in seiner Art an Pracht und
tÜendang hinter keiner andern Cathedrale zurücksteht.
: Kein gothischer Bau in England, Frankreich und Belgien, sagt
IViseman von der Cathedrale seiner Geburtsstadt Sevilla^), hat je
ptt solchen Eindruck auf unseren Geist hervorgebracht. Seine Höhe
H feine grosse Fläche, weil sie aus fünf Flügeln besteht, ausser den
beocapellen vou grossen Dimensionen, tragen ohne Zweifel zu diesem
Wracke bei. Die Peterskirche in Bom hat eine Länge von 673, die
Kbedrale von Sevilla von 443 Fuss. Die Breite der ersteren beträgt
A, der lezteren 275 Fuss, die Höhe des Schiffes bei jener 146, bei
ftter 134 Fuss. Es scheint, dass man bei dem um mehr als hundert
"^ 8. 162.
^ Wiieman, Gesantmelte Abhandlangen, 1854, t. III, p. 57.
*} üna tal y tan biuna (Catedral), que no haya otra su iguoL.
*) SmXUi pintaresca^ por J. Amador de los Rioi, Sev. 1844, p. 91.
l Ich war eben su Sevilla im Februar 1865, als dorthin die Kunde von dem
tt 2. Februar erfolgten Tode des Ci^rdinals gelangte. In der Cathedrale ^«urde für
k^n feieiliehes Seeleaamt gehalten, doreh den jezigen Cardinal-Erzbischof , bei
Andier BeUi^gang dea Yolka.
400 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
Jahre j fingeren Baae der Peterskirche die Caihedrale von Sevilla i
Auge hatte, und an Hohe und Breite sie wenigstens am einige Fo
übertreffen wollte, — Peter der Grausame, der grosse Dieb und Mf
der, hatte das Silbergeräthe der alten Cathedrale weggenommen, o
darüber einen Empfangsschein ausgestellt. — Durch alle Jahrbundq
hat das Capitel der Cathedrale seine EIhre darin gesucht, das Et
seiner Vorfahren unversehrt zu erhalten. — Bis auf die neueste Z
strömt das Volk von nah und fern besonders zu den Geremonien i
Charwoche in dem Dom von Sevilla zusammen^).
Nach dem Tode des Erzbischofs Gonzalo wurde der jÜDgi
Peter von Luna von seinem Oheime Benedict XIQ. für SeTiIla \
stimmt; aber es blieb bei der „Provision^ , Peter kam nicht nach t
villa, und wurde durch seinen Oheim am 30. Juli 1403 nach Tok
versezt. Hieher kam an demselben Tage der bisherige Bischof f
Zamora^ Alföns de Exea, „als bestandiger Administrator^, den i
oben schon als eifrigen Anhänger Benedicts XIIL und als Patriard
von Constantinopel gefunden haben*). Wegen dieses Ehrentitels,
er trug, konnte er nicht wohl Erzbischof von Sevilla 'heissen.
Oonoii Alfons von Exea hielt im Jahre 1412 zu Sevilla eine S]
▼. liii deren Acten nicht vorhanden sind. Dieselben werden nur erwi
seruia. ^^^ Constitutionen des Erzbischofes Petrus de Castro (1610— 1(
Daraus geht hervor, dass im Jahre 1412 beschlossen wurde, die ft
riker sollen dem heiligen Dienste in den Earchen eifrig obliegeo,J
Gedächtniss der Geburt der seligsten Jungfrau solle als Fest mit
peltem Bitus begangen werden')« — Gerade ein Jahrhundert s]
*) Descripcion dd Templo Catedral de Sevilla, y de las principaki ,
vidades que en el se celebran^ por Mariano de la C. y P., SetnU» 1850,
13, p. 183—207. — Descripcion artistica de la Catedrcd de Sevilla, por
Äug, Cean Bermudes, Sevill, 1863, p. 17^19; p. 36 (Monumento de Se
Santa); p. 102—113 (Feativitades solemnes de este templo). — Ouia de St
Sevilla, 1866, p. 62^62 (die Cathedrale). - Ordo divini ojficii recüam
criqtie peragendi in hac alinu Metropolitana ac Patriarchali Ecclesia
lensi,pro anno D. 1866. Die Orationen und Sofiragien zu Ehren dea h(
Jacobus. p 130—31 dieses ^Ordo^ sind ganz allgemein gehalten, z. B.
omnium Äpostolorum D. calicem bihere meruitf 0 gloriosum Hispaniatn
tali pignore ac Patrono munitum, per quemfecit Uli magna, qui potens
gaDz entsprechend der Darstellang, «üe wir oben gegeben.
^) S. 29i>-95. In dem eben erwähnten Werke von Cean Bermudes fiS
Cathedrale von Sevilla heisst es (p. 116) bei Mittheilang der „Series* der Enb^
von Sevilla, Peter von Luna sei im Jahre 1405 als Erzbischof erwählt, ond ei
Jahre 1403 nach Toledo versezt worden.
') Compendio historico-cronologico de la vida del arzoh. D. P^^\
Castro y QuiiioneSf Oranada, 1863, p. löO sq.
Petras Regalatns, t 1456. 401
aJthre 1512, worde zu Sevilla wieder eine Synode gefeiert. Der
Administrator^ Exea starb am 9. Juni 1417.
SüDcho de Rojas, vorher Bischof yon Falencia, folgte am 10. Jani
1415 als Erzbischof von Toledo dem (jüngeren) Peter von Luna. Er
tirb zn Alcala am 24. October 1422.
§. 23.
Petras Begalatns stammte von edeln Eltern aus VaUadolid, und ueuiger
noter allen Uebongen der Frömmigkeit heran. Die Regel der ^^,
riten nahm er zuerst in seiner Heimath an. Im Jahre 1415 grün- i«tiu,
er das berühmte Erlöster del Abroyo (Aqnileria) bei Yalladolid, wo ^ ^^
idRDgste Observanz herrschte. Er lebte nur von Brod und Wasser,
Mi, wie der heiligo Franciscus von Assissi, neunmal die heilige
Ht von vierzig Tagen. Er war der strengste Verfechter der
tischen Armath. Die Wunden der Aussäzigen berührte er mit
Zunge. Dßs zn Aqnileria begonnene strenge Leben sezte er in
iCon?ente der „Himmelsleiter^ (Scala Du) am Duero bei YaUa-
H fort Diess wurde ein Centralkloster, aus welchem die erneuerte
iplia der Minoriten sich über ganz Spanien und nach (Ost- und
-) hidien verbreitete. Als er im Alter von 60 Jahren^ erschöpft
Anstrengungen und Entbehrungen, sein Ende herannahen fühlte,
er sich nach Aqnileria, damit er dort Gott seinen Geist zurück-
^ wo die von ihm eingeführte Reform ihren Anfang genommen.
* Fieber ergriffen, gab er dort, nachdem er die Seinigen ermahnt
■ gesegnet hatte, bei den Worten: „In deine Hände, o Herr, em-
ich meinen Geist^ — den Geist auf, am 31. März 1466. —
die Katholische liess seinen Leib erheben und ihn feierlich in
kostbaren Grrabmale beisezen. Wunder geschahen an seinem «
Innocenz XI. billigte seine Anrufung im Jahre 1683; sein Ge-
mis8 wird am 13. Msi begangen*).
Unter den Bischöfen und Abgeordneten, welche auf der Synode
i CoQstanz waren, erschienen zuerst die Portugiesen. Ihnen folgten
lAngonier, welche in der 21. Sizung vom 20. Mai 1416 ihre Obe-
r> dem Peter von Luna entzogen, sowie auch der Graf von Foix,
dem 4. Juli 1415 traf Antonius Taxal, General des Ordens der
. 0 Vita ex Hüpanico Äntonü Daza Ud. ap. BoUand. Act. Set 30 (III)
"rt., p. 854-S57. Rdatio pro canontzatione, p. 867^73. Proprium /San-
^^ Sispaniae, Batisb,, 1863, Festa Maß, p. 33-^4.
DerbeOige Vincenz Ferrer wird hier übergangen, weil er vorzagsweise aosser-
* Sptniena thitig war.
Ötti . iptiL Kirehe HI. X, 26
402 Zwölftes Bueli. Drittes Kapitel.
Mercedarier, in Gonstanz ein, als Vertreter Konig Alfons V., dei
Vater Ferdinand kürzlich gestorben war. Er hatte Vollmachten
den Konigen yon Castilien nnd Navarra, den Grafen von Foix
Armagnac, nnd versprach , dass deren feierliche Gesandtschaften i
nächst eintreffen werden.
K»oig In Castilien war früher als in Aragonien ein Thronwechsel
^1?^* gegangen. König Enrique UL starb im Alter von 42 Jahren zn Tc
1 1406. am 25. September 1406. Er heisst „der Leidende'^ (eZ DotUnie) wi
König seiner bestandigen Kränklichkeit*). Sein Sohn Juan IL zahlte d«
T„^°Tr zwei Jahre. Er stand unter der Vormundschaft seiner Grossmi
Juan Ii.y
1406-64. Eleonore und des Infanten Ferdinand; im Jahre 1419 übemabm
vierzehn Jahre alt, selbst die Regierung. Aber zu einiger Selbsti
digkeit brachte er es nie. Die eigentliche Regierung führte viele l
Alvaro de Luna.
In der Zeit des Interregnums eroberte der Infant Ferdinand
Stadt Antequera — 1410. Die Synode von Constanz fallt noch io
Zeit der Minderjährigkeit Juans 11. In der Congregatioa vom 15. <
1416 zu Constanz wurden die Schreiben des erst zwplQährigen El
Don Juan II. und seiner Mutter Gatharina verlesen. Sie entschaifl
sich, dass sie wegen des Todes des Königs Ferdinand bis jeztl
Gesandte geschickt. 1
Am 15. September 1416 kamen die Gesandten Alfons Y. t
Aragonien an, und wurden sehr ehrenvoll emp&ngen. Am ]9. 8
tember berichteten die von der Synode nach Spanien entsandten Lti
ten über die Erfolge ihrer Reise, und legten Urkunden vor, nadi t
chen die Konige von Aragonien und Navarra, und der Graf von I
der Obedienz Benedicts XIII. entsagten. Sie legten auch ein Schm
des Königs von Castilien vor, das nicht mehr vorhanden ist*). |
Am 15. October 1416 war die 22. allgemeine Siznng. Hier ^
• den die Spanier als fünfte Nation der Synode einverleibt. Die Poi
giesen protestirten hier gegen die Vorrechte, die man mit Unrecht i
Aragoniern eingeräumt, dass die drei aragonesischen Prälaten für
spanische Nation überhaupt stimmen dürften. Verschiedene
Proteste ^wurden erhoben und erledigt. Gesandte der Aragonier
Kamon Folch, Graf von Cardona, der erwähnte Antonio Taxal, Pi
sor der heiligen Schrift, Ramon Jatmer, Infanzon (mileM), der
Speraindeo Cardona, der Kanonist Gonzalo Garcia de Santa Maria,
*} * Lopez de Ayala, de loa Reyes de CastiUa etc. D. Enrique IH Mi
1779.
*) Van der Hardt, Magn. Caneü. Constantiense , fol.^ 1697 üg.f^
884^91 (Harduin, YIIT, 616. - Mansi, t 27, p. 928. - HefeU, VII, ^
1
Die Spanier In Constanz, 1416—18. 403
der Doctor der beiden Rechte, Michael de Navera *). — Am 15. October
erklarten sich die Aragonier bereit, nach dem Narbonner Vertrag ihre
Rinignng mit dem Concil zu vollziehen, was in feierlicher Weise
geschah*).
Am 24. December 1416 fand die 26. aUgemeine Sizang statt.
Vorher waren die Gesandten von Navarra gekommen^ die Bischöfe von
fiajonne und Dax, der Archidiakon Ximenes von Aibar und der Jurist
Jaan de Liedena, welche in ähnlicher Weise, wie die Gesandten von'
Anigonien, mit der Synode unirt wurden. Eine Anzahl von Urkunden
in Bezug auf die Unirung von Navarra wurden vorgelesen, und die
Union selbst feierlich bestätigt.
Zulezt kamen auch die Castilianer an. Gesandte der Krone Ca- nie
sdlien waren Didacus de Anaya, Bischof von Cuenca, und Feman Perez ^^^^^'
de Ayala, Bathe des Königs Don Juan II., der Bischof von Badajoz, o<m-
Don Fr. Juan Mondes, Beichtvater des Königs, Don Martin Femandez ^^^^^
de Cordoba, Vorstand (Alcaide) der Domicellen (Domicdltarum praeses)^
Ferdinand Martin Davalos, Dechant von Segovia, Didacus Femandez,
Dechant von Palencia, Fr. Luis von Yalladolid, Pariser Doctor der
Theologie und Dominicaner, und Juan Femandez de Bocaflor, Doctor
im Civilrechte. Am 3. April 1417 wurden diese Gesandten in einer
Oeneralcongregation in der Cathedrale empfangen, es wurden Urkunden
verlesen und Beden gehalten. Die Castilianer wollten sich aber noch
vorlier Gewissheit über die Art und Weise der Wahl des neuen Pap-
stes verscbaffen^, worüber Differenzen zwischen den Cardinälen und
Nationen bestanden. Nach langem Schwanken aber erklärten sie sich
berrit, vor Elrledigung der Frage über die Papstwahl ihre Union mit
dem Concil zu vollziehen. Sie traten am 18. Juni 1417, in der funf-
tmddreissigsten Sizung^ in die Synode ein, und erklärten dieselbe für
öcnmenisch.
In der 38. allgemeinen Sizung vom 28. Juli wurden (abermals^
alle Sentenzen für ungiltig erklärt, welche Peter von Luna seit dem
1« April 1416 gegen den König von Castilien, seine Bäthe, Gesandte
und deren Angehörige wegen des Abfalles von ihm verkündigt hatte.
& wurde bestimmt, dass die Gesandten von Castilien, Aragonien,
Portugal und Navarra je so viele Stimmen haben sollten, als ob alle
, ') Van der Hardt, IV, 852 (Mann, t 27, 939).
\ ^ Van der Hardt, IV, 9ll'^35'-62, - Harduin, VIH, 621-^34^37. -
Mawfi, t 27, 948''63.
*) Marlene, Tesaur. nov, II, 1675.
! 26*
k
404 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
ihre innerhalb der iberischen Halbinsel wohnenden Prälaten snwei
wären *).
Am 8. November begann das Conclave für die Wahl des Pap
Dreissig Prälaten aas den Nationen wurden für diessmal den C
nälen in das Conclave beigegeben. Es waren 53 Wähler. Die Sp
wollten, wie die Franzosen, durchaas nicht darauf verzichten, dase
Papst aus ihrer Nation gewählt werden konnte oder sollte. Die I
sehen trugen hier am meisten zur Eintracht bei. Schon am 11.
vember wurde der Cardinal Otto Colonna einstimmig als Papst
wählt. Er nannte sich wegen seiner Wahl am 11. Kove
Martin (V.).
wau Spanische Wähler waren Bischof Didacus von Cuenca, Jolia
Martin« ^Qjj Badajoz, Philipp de Medallia, Ponitentiar von Barcelona, Vah
11. Nov. Petri, Doctor beider Rechte").
Am 13. Mai 1418 wurde das spanische Concordat, welches
gleichlautend for alle drei romanischen Nationen war, publicirt,
Anzahl von Reformationsartikeln, die der Papst der spanischen Ki
zusagt: 1) über die Zahl (24) und Qualität der Cardinäle, 2) üb«
Besezung der kirchlichen Aemter, 3) von den Annaten, 4) von ded
jecten, die vor der römischen Curie zu verhandeln sind, 5) too
Commenden, 6) von den Ablässen. — »Die Schicksale des Consta
Concordats in (Italien und) Spanien sind unbekannt^').
Primat Der Erzbischof Johannes Contreras von Toledo, seit dem 18.
To^iodo ^®™^®"^ 1422, erlangte im Jahre 1424 ein ihm giinstiges Diplom
ii24. Martin V. Johannes, „welcher Primas von Spanien ist^, soll ioi
päpstlichen Capelle, auf den allgemeinen Concilien, in den Sizoo
des Consistoriums, und an allen andern Orten den apostolischeo
tarien und andern Erzbischöfen, die nicht Primaten sind, venn
auch physisch oder der Weihe nach älter sind, vorangehen, wie aiK
seits die Patriarchen den Primaten vorangehen*). '
Johannes starb am 16. September 1434. Didacus de Ana]
Maldonado, der als Bischof von Cuenca dem Constanzer C!oDcil
wohnte, wurde nach dem Tode des „Administrators^ Alfons de
•) V. der Hardt, IV, p. 1377-^5. - Harduin, VIII, S43-4t^
Marufi, t. 27, 1146^50. — Hefde, VII, 315.
•) V. der Hardt, 1473-'74.
*) Bemh. Hübler, die Constanzer Reformation und die Concordite vofi
Leipzig, 1867, p. 313- U. - Hefele, V 11, 362-^63. — Vieentedela
IV, 434--36.
0 Aguirre, F, 320 (ex Mariana, l 20, cp, 14). — Nieolaus
vindicatus, sive defensio primatuB Ecclesiae Toletanae advergus Memori
clesiae Eispahfisis, Emiwe, 1729, fol - Vic. de la Fuente, IV, 4S7-40,
Erzbtschof Didacns de Anaja. 405
Jiiat 1417 aof den erzbischoflichen Stuhl von Sevilla befordert, da
131 11. November desselben Jahres unter den Wählern Martins Y.
\ Er war von deutscher Abstammung, nach einander Bischof von'
le (1382— 90), Orense (1390— 92), Salamanca (1392—1408), Cuenca
lÄ-lT), Erzbischof von Sevilla 1417, um 1433—34 wurde er Erz-
4of von Tarsus. Er gründete im Jahre 1410 das berühmte CoUe-
D des heiligen Bartholomäus in Salamanca, welches er zu seinem
len einsezte.
Alraro de Lnna, unter dem schwachen Juan II. Herr von Casti- Erz-
I« wünschte das Erzbisthum Sevilla seinem leiblichen Bruder Juan ^"^ ^ ^
▼on
|Zereziiela zu geben, und verklagte den Didacus Anaya als einen An- seviiu.
pp Pedro's de Luna. Martin V. nahm ihm sein Erzbisthum. Aber
ib Bessern belehrt übertrug er die Sache dem Erzbischof von Toledo,
ido de Rojas, welcher unsern Didacus als schuldlos erklärte. Am
laoar 1423 bestätigte der Papst diesen Ausspruch. Da aber Al-
• de Luna allen Einflnss auf den Konig besass, so gab man dem
I Diego eine Pension aus den Einkünften seines Erzbisthums. Zere-
ft war eine 2ieit lang Erzbischof von Sevilla, wurde aber nach dem
e des Johannes Contreras, im October 1434, Erzbischof von Toledo.
I konnte Didacus Anaya auf seinen früheren Siz zurückkehren. Die
I Erwähnung geschieht seiner am 26. September 1437. Erst im
|Rl439 erscheint als sein Nachfolger der frühere Bischof von Pa-
bGntierrez Alvarez de Toledo. Im Jahre 1442 wurde er Erz-
ttofvoQ Toledo, nachdem Zerezuela am 3. Februar 1442 gestorben
t In Sevilla folgte ihm jezt Garcia Enriquez Osorio, vorher Bischof
lOriedo, der im April 1448 mit Tode abgieng. — Gutierrez Alvarez
f io lezte von den Kanonikern erwählte Erzbischof von Toledo; er
A m 4. März 1446.
■
Wahrend wir in den Jahren 1400 bis 1448 sieben Erzbischofen
i&Tilla, m den Jahren 1400 bis 1446 fünf Erzbischöfen von Toledo
ItpteD, sass auf dem Stuhle von Compostella 46 Jahre lang Lope
Vendoza, der vorher schon sechs Jahre Bischof von Mondonedo
inen. Er war im Ganzen 52 Jahre lang Bischof, während Didacus
t in&ya 55 Jahre lang den Hirtenstab gefuhrt hatte.
Ix)pe de Mendoza, gebürtig aus Sevilla, und früher Domherr da- Erz-
Itt, bantc in der Catbedrale zu Santiago eine prächtige Capelle, in ^^^^^^^
Li. 1. />! 1 . .A -TN . 11t vonSan-
*ucr er sechs Oaplaneien stiftete. Dort ist er auch begraben. ti«go.
Alvaros de Isoma, früher Bischof von Mondonedo, von Leon und
to»ca, Erzbiscbof im Jahre 1445, kam mit den Bewohnern von San-
Sö in Conflikt über die weltliche Gerichtsbarkeit, worin er Recht
^^ Er gründete das heilige Geist-CoUegium zu Santiago, und in
■» alten „Clanstrum'' der Catbedrale eine Allerseelen-Capelle. Er
tt t\n im Jahre 1446, und starb am 10. Februar 1449.
406 ZwOlfitea Buch. Drittes K«pitel,
§. 24.
Die Könige von Castilien, Portugal und Aragonien sandten
„Oratoree^ auf das Concil zu Basel. Alfons Y. von Aragonien
wegen des Königreiches Neapel in langen Conflikten mit Pi
Eugen IV., und bediente sich des Basler Concils als eines Sturm
gegen den Papst. Als die Basler sich aber mit der ganzen Welt ol^
worfen hatten, so machte auch er im Jahre 1443 seinen Friedeo i
Eugen IV., und überliess die Basler ihrem Schicksale.
Spanier Die Gesandten Castiliens in Basel waren (1434) Alvaro de Isor
"* ***' damals Bischof von Cuenca (1417 — 1446), Juan de Silva, Herr von'
fuentes, und der berühmte Alfons de Cartagena, Sohn des Don Faaliu
Gartagena^ des grossen Bischofs von Burgos. Alfons vertheidigte aaf d
Concil die Vorrechte der Kirche Spaniens gegen die Englander, irdi
den Vorrang vor den Spaniern in Anspruch nahmen, wie sie ia^
That zu Constanz gethan hatten. Er übergab darüber dem Concil |
Information, welche von demselben gebilligt wurde ^).
Die In Basel war auch Oto von Moncada, Bischof von Toi
^^J*'* weilte vier Jahre in Basel, und wurde Cardinal des Gegenp^
toiA tmd Felix V. von Savoyen. Im Jahre 1415 zum Bischof gewählt, staili
^'*^- erst am 20. Februar 1473, blieb demnach 58 Jahre Bischof todT
tosa. — Er erkannte später Eugen IV. als ächten Papst an, und wo^
von diesem (sagt Villanueva) lüs Cardinal^ anerkannt^).
Der Bischof von Vieh, Don Georg de Omos, kam gleidiialk 1
Jahre 1437 nach Basel. Alfons V. hatte allen seinen Bischöfen M
len, nach Basel zu gehen; aber bloss von den zwei erwähnten Bisq
fen ist bekannt, dass sie daselbst waren, welche Beide bei der Abeei^
Eugens IV., am 25. Juni 1439, und bei der Wahl Felix V. thatig d
wirkten^. — Er blieb auch nach dem Frieden seines Königs mitd
Papste auf Seiten des Gegenpapstes, von dem er zum Cardinal, zo(
unter dem Titel der heiligen Anastasia, dann der heiligen Maria |
seits der Tiber ernannt wurde. Beide Bischöfe verliesaen in Folge i
wiederholten Mahnungen ihres Königs Basel am 4. August 1443, il
gelobend, dass sie niemals die Parthei verlassen wurden, die sie ergiit
Eugen rV. habe, sagt Moncada, indem er am 29. October 1444 *
VasaUen des Königs von Aragonien von den Censuren befreit, des
*) Mariana, h 21, cp. 6,
>) Viage liUrario, 7, 106
') So sagt Villanueva, VII, 83, während nach HefeU, VII, 779-^
Spanier, und im Ganzen niu* sieben Bischöfe zugegen waren.
Der Bischof Paulas von Borgos.
407
K mMeo waren, Ton dieser Befireiong den Bischof von Vieh ausge-
jornen. um die Mitte des Jahres 1443 war er vom Papste seines
istliQiDS entsezt, und dass diess geschehen, dem Capitel von Vieh
IgetheUt worden. In der That war das Bisthum am 26. August
6 erledigt Aber bald darauf finden wir einen Generalvicar des
Hresendcn" Bischofs und „Cardinais*' Georg, welcher alle Gerichts-
ieit im Bisthum ausübt. So blieb es bis zum 19. Juli 1445. Aber
'rCirdinal* Georg war und blieb abgesezt Georg scheint vor der
nicbtleistung des Gegenpapstes am 7. April 1449 gestorben zu sein.
^ Der Bischof Paulus, genannt Burgensis, weil er aus Burgos ^*^^"*
iMe, oder ,,a Sancta Maria^ , war als Salomon Levi ein gelehrter .u, o.
Kaer. Nachdem er viele Jahre im Ehestande gelebt, überzeugte ^^^^^^
ich von der Wahrheit des christlichen Glaubens, wie man sagt,
iLesQDg der Abhandlung des heiligen Thomas „von den Gesezen^,
m Theile der Summa der Theologie desselben. Seine Bekehrung
I zahlreiche andere im Gefolge, denn auf ihn waren die Blicke
t früheren Religionsgenossen gerichtet. Mit seinen Söhnen, seiner
Dnd seinen Brüdern wurde er in der Cathedrale zu Burgos
w, im Jahre 1390, im vierzigsten Jahre seines Alters, wobei er
I Beinamen „der heiligen Maria^ annahm. Zu Paris soll er den
ctofhot empfangen haben; an dem Hofe zu Avignon zeichnete er
k dnrch seine gelungene Predigten an das Volk aus. Er wurde
(Kfiacon von Trevino an der Kirche zu Burgos, um 1405 Bischof
iCadiagena, Bischof seiner Vaterstadt im Jahre 1415, als welcher
fiiaDem Alter von mehr als 80 Jahren am 29. August 1435 starb.
I Pnilus von Burgos fugte der Postille des Nicolaus von Lyra sttn»
fcfiche Zusaze bei, die gewohnlich mit den Ausgaben der Postille *^*'
fcowicB wurden^).
Paulos sezt an der Postille nur aus, dass Nicolaus von Lyra
^ genügende Eenntniss des Hebräischen besessen, während er
Kt eine viel gründlichere Kenntniss des Hebräischen, und eine
I usgedehntere Bekanntschaft mit den Rabbinern hatte; an Nicolaus
^AdditioMB noiabüea ad (hos) pasHUas Nicolai de Lyra in totam
^T^w^MR. Sie stehen besonders in der Ausgabe von Lyon, 1590, und den fol-
^i BibUa magna cum schoUis seu glossis diversorum. Gegen diese Gloi-
' K^UMb in deiber Weise der Franciscaner Matthäus Döring in seinem: ^Qyr-
^ö^w« Corruptorii Burgensü''.
408 Zwölftes Baeh. Drittes Kapitd.
aber lobt er das Streben nach Vollständigkeit, Dentliohkät ncd
Anderes ')•
Er schrieb femer: ^Serti^iiiiiim scripturarum, einen Dialog in zwei
Büchern, das erstere eine Polemik gegen die Lrrthfimer der Jaden;
Sanlns nnd Panlus dispntiren mit einander. In dem zweiten Bacbe
belehrt der Magister Johannes seinen Schüler über Alles, was dieser
in „dem Scrntininm" Hohes nnd der Erklämng Würdiges gefanden^).
Paolas soll dieses Werk im 8 f. Lebensjahre, im Jahre 1434 verfasst haben.
Ist lezteres richtig, dann schrieb er es im 84. Jahre, sonst aber im Jahre
1431, es müsste denn Paulas ein Alter von nicht 85, sondern von 82 Jahren
erreicht haben. Dieses Werk kam za Bargos wiederholt im Jahre 1591
herans; die Ausgabe besorgte der Augustiner Christoph Santotisius. Er
gab dazu das Leben des Paulus, gesammelt aus den ältesten Nachrichten,
nnd den eigenen Schriften dieses ,)Patriarchen^. Des Panlus Namen
triLgt femer die: y^Suma de la8 CororUceu de Eepana, hecka p&r d cri-
8tiams9imo y gran varon d Obispo D. Palio/'
Seine Paulus Starb zu Burgos selbst, wie es scheint, im 83. Jahre seines
•cbrifL Lebens, so dass der Ausdruck, er sei bei seiner Bekehmng 40 Jahre
alt gewesen, nicht wortlich zu nehmen wäre« Seine Grabschrift lautet:
„Hier ruht der Leib des verehrungswürdigen Vaters, des Herrn Paulos.
durch Gottes Erbarmen Bischofs von Bui^os, Magisters in der Theo*
logie, Erzkanzlers, und Rathes unseres gnädigsten Herrn des Königs
Johannes IL Dieser ehrwürdige Oberpriester hat diese Kirche (des
Klosters zum heiligen Paulus) mit der Sacristei nnd dem Gapitel anf
seine Kosten gebaut, er hat Zusäze zu der Postille des Magist. Nicolans
von Lyra, und das Buch: „SeruUniam Scripturarum** zu der Belebrang
der Gläubigen, und zu der Bekämpfung der Ungläubigen ver&sst« Nach
diesem und vielen andern Werken ist er befreit von dem Leibe dieses
Todes hingegangen zu dem allmächtigen Gott Ein Greis und in der
Fülle der Jahre, am 29. August 1435, im 83. Jahre seines Lebens hat
der barmherzige Gott in seine Glorie ihn au&nnehmen sich gewürdigt"')
Zwei Zwei Sohne des Paulus aus seiner legitimen Ehe worden gleich-
^^^ £bJ1s auf Bischofsize erhoben. Der eine war Alfons, geboren im Jahre
Bifcböfe 1384. Noch vor dem Tode seines Vaters wurde er ihm als Coadjator
beigegeben, und war nach seinem Tode 21 Jahre lang Bischof von
') Mit Unrecht nennen ihn Wühdm Meyer, Geachidite der SehrifterklfiniDg,
Gott. 1802—1809, 5 Bde., I, 121, und Joh Og. Roeenmtiüer : Htstoria ifUerpre-
taiianis Hbrcrum eaerarum in ecdesia chrisHana, ab apostoL a^UxU adliüeroT'
instaurationem, Ups. 1795—1814, 6 Thl, V, 308^ einen Gegner der Poetillc. -
(cf. Mäklers K.-G., t. III — Erklär, d. hl. Schrift im 15. Jahrh., — S. 55.)
») Samae, 1470, 1475, fol.
») Nicol AnUmiq, Biblioteca vetw, II, p. 237-^40. — Esp. sagr., t Ä,
p. 371-888.
Alfons Gariilo odcI Alfons von Carthagcna. 409
Igw. Im Jahre 1421 beisst er: Doctor und Dekan der Kirchen
iCaJÜiageDa und Santiago. — Er wurde zu wichtigen Staats-
Mhiften, besonders za Gesandtschaften und Friedensunterhandlungen
wendet
ÜDter den Castilianem, die nach Basel gesandt wurden, ragt be- i>e<^car-
iere Alfons Carillo hervor, Sohn des Gomez Carilloy Erzieher Don ^ifons
IS IL von Castilien. Benedict XIII. hatte ihn im Jahre 1409 zum Camio.
dinal erwählt Aber Alfons verliess ihn, und schloss sich der Sy-
e TOD CoDstanz an. Er war aber nicht unter den 23 Cardinälen,
Ae am 11. November 1411 Martin V. wählten. Dieser bestätigte
im Jahre 1418 in seiner Würde, und sandte ihn als Legaten nach
ipa. Er kam auf das Concil von Basel, welches ihn als Legaten
llvignon ernannte. Dorthin hatte Papst Eugen IV. schon den (uns
iMen) Cardinal Petrus von Foix gesandt, welcher sich der Stadt
^ mit Gewalt bemächtigte. Carillo kehrte nun nach Basel zn-
( wo er am 14« März 1434 starb. Dieser Tod wurde in Castilien
Iknerzlich empfunden, dass der Konig und der ganze Hof Trauer-
kr tragen.
Kon schickte der Konig als seine „Oratoren'^ nach Basel den o«-
•knien) Bischof von Cuenca, Alvaro von Isoma, den Don Juan de "^^J^
ly Herrn von Cifnentes, und den Dekan Alfons von Carthagena, Uen« m
jlfir das Reich Castilien, für Leon aber den damaligen Bischof ^"*^'
jncentia, Gonzalo von Carthagena, den Bruder des Alfons. Als
i Spanien schon verlassen hatten, legte der Bischof Paulus von
|M sein Amt nieder, welches im Jahre 1435 seinem Sohne Alfons
A Zq Lebzeiten des Paulus heisst er: „Erwählter Bischof". Eugen IV.
IKlte ihn.
*' Beror er aber nach Basel kam, oder gleich nach seiner Ankunft, nator
* er als Gesandter an den Kaiser abgeschickt, denn Aeneas Sil- ^JJ*^
'<>gt, dass im Anfange bloss der Bischof von Cuenca in Basel TonCar.
^ denn „noch war die Wonne Spaniens, der Bischof von Burgos,
' s^r Gesandtschaft an den Kaiser nicht heimgekehrt ').^
Aeneas Silvins nennt ihn femer „die Zierde der Bischöfe, nicht
■ger hervorragend durch Gelehrsamkeit, als durch Beredtsamkeit,
^ Allen aasgezeichnet durch die Gabe des Rathes und der Wohl-
Ifcheit«
! Als er von der Superiorität des Papstes oder dea Concils redete*),
"<^f das ganze Concil in Spannung, so dass Alle wie an seinen
') MmdiNii enim delieiae Hispaniarum Burgemis ex legatione ad Caesa-
* ^^ rewritit. — CammefUarii de Concil. Basileensi, i /.
^ dt superioritate Papae atä Conciliu
4tO Zwölftes Buch. Drittes Kapitel.
Lippen hiengen, und ihn Qberans hoch priesen'). Hr sezte es im
dass bei dem Kangstreite der Engländer mit den Spaniern om d
Vorsiz die Ersteren weichen mnssten. Darüber schrieb Alfons auch i
Buch unter dem Titel: „Die Abhandlung von den Vorsizen").
Im Jahre 1438 wurde er als Gesandter an den Kaiser Alb
(1437—39) geschickt, um den Frieden mit den Polen zunrnterhau
Als die Basler gegen Eugen IV. mehr und mehr in Opposition tr,
zogen sich auch die Spanier von ihnen zurück. Der Papst soll so
bei der Nachricht der Ankunft des Alfons an seinem Hofe ge£
haben: „Wenn der Bischof von Burgos an unseren Hof kommt,
werden wir uns mit grosser Beschämung auf dem Stahle des häfij
Petrus niedersezen" ^.
cutt- geit seiner Rückkehr nach Spanien, wo er schon im Jahre 1^
^ea' ^^r, trat der Hof von Castilien entschiedener für Papst £ageD 1
1^- hervor. Der König Don Juan IL erklärte dem Papste durch i
feierliche Gesandtschaft seine Anhänglichkeit an ihn, und seine Ui
friedenheit mit den Schismatikern von Basel. Ja er schickte G
und Briefe an den Kaiser, an den Konig von Frankreich, ai
Herzog von Mailand und andere Fürsten, um sie für Eugen IT.
gewinnen^). ^
Alfons vnirde von dem Könige nach seiner Rückkehr mit i
wichtigsten Geschäften und Gesandtschaften betraut Als Bischof i
Alfons ß'^'^gos erwarb sich Alfons die grössten Verdienste. Neben r'ji
hn% di« Anderen baute er in seiner Cathedrale eine prächtige Gapelle; aof sc
™™ Kosten unternahm er es, die Thürme der Cathedrale über d
draie. jiKönigsthor^ auszubauen, welche seit 220 Jahren, seit der Zeit (
eigentlichen Erbauers, des Bischofs Mauritius (1213—1238), unvoilear
geblieben waren« Alfons begann den Ausbau im Jahre 1442. Sie(
währen auch heute noch einen herrlichen Anblick in der Feme wie
der Nähe. — Von seinen Schriften nennen wir: 1) Memorial di i
tudes. 2) Zur Vertheidigung des Glaubens schrieb er: D$fen$om
fideL 3) Ein Buch: Duodenario über zwölf Fragen; ein „Oratüm
Zwölf Bücher Seneca's übertrug er in die Landespradie, mit Erfl
0 Sic docte atgue verifice, ut amnes ab ejus ort avide dependerent, ß
non (ut in aliis fit) oraüonis finem^ sed Umgarn corUinuationtm duidiraA
ipsumque unicum esse sdentiae specidum praedicareni.
*) El traiado de las Sesiones,
*) Ist vielloicht spanische Hyperbel.
') Manei, t Sl, p. 4''12 (Hefde, VII, 791). In dem grossen Weike. «
numeiäa Candliorum generalium eeaUi 15. Seripterum 1. 1 et II, Ftsio^
1867 und 187S, finden wir nichts fiber die Anwesenheit oder Thitigl»it der Spiv
In BawU
Alfons and Gonzalo von Ciurthagena. 411
nogeiL In einer Schrift suchte er zu beweisen, dass die Canarischen
wän, und alle Städte und Orte der Provinz Tanger ndit Fez und
itfocco dem Konige von Castilien, nicht dem von Portugal gehorten.
' schrieb über die Geschlechtsfolge (Stammbaum) der Könige Spa-
ps, er begann mit dem ersten Konige der Gothen, Athanarich, und
liogte za Heinrich TV» von Castilien^). Seine lezte Schrift war eine
schichte der Bischöfe von Burgos von der Zeit an, als Alfons VI.
I Bisthom von Oca nach Burgos verlegte» Dieses Buch vollendete
4 Monate und 23 Tage vor seinem Tode, am 28. Februar 1456. Er
ib auf der Ruckkehr von dem Grabe des heiligen Jacobus, am
iJuIi 1456 ')y im Alter von 62 Jahren.
Sein Bruder Gonzalo de S« Maria war älter als Alfons. Er war
pArchidiakon von Briviesca an der Kirche von Burgos. Zurita^
pt, er sei einer der Gesandten gewesen, die der König von Ara-
|bün Jahre 1416 nach Constanz geschickt, derselbe König Alfons V.
k ihn zwei Jahre später nach Kom geschickt Zurita nennt ihn
I Gonzalo Garcia de Santa Maria, Sohn des Don Paulus, Bischofs
Borges. Im Jahre 1419 war er schon Bischof von Astorga.
Leander, Isidor und Fulgentius waren drei Bischöfliche Bruder godmIo
das Jahr 600. — Früher — um 630 — begegnen ' uns sogar vier **• ^^
|>che Brüder als Bischöfe, Justus von Urgel, Justinian. von Valen-
|Kebridins von Egara, undElpidius von unbekanntem Size^). Hier
ftbegegnen uns ein Vater und seine zwei leiblichen Söhne als Bi-
fk Es war offenbar ihre geistige Ueberlegenheit, welche ihnen
fe Würden verschafiie. Damals waren über vierzig Kanoniker an
jCathedrale zu Astorga; ihre Zahl sollte wegen der geringen Ein-
ige zwar vermindert werden, jedoch sollten es nicht weniger als
^ sein, was im Jahre 1422 durchgeführt vmrde. Der Papst nennt
1 Gonzalo seinen „Referendar". — Im Jahre 1427 wurde Gonzalo
^f von Placentia, nach dem Tode des Franciscaners Didacus de
iitt^), im Jahre 1446 wurde er nach Siguenza versezt, und starb
ipn Dach zwei Jahren im Jahre 1448. — Unter den Schriftstellern
ri er nicht genannt.
< 'J Enefaien 1545 zu Granada unter dem Titel: ^Änacephalaiosis'^.
I *) Nicd, Antonio, II, p. 261—266. — FUn-ez, t 26, p. 388-400, —
ik OrtßQo, Historia de la Catedral de Burgos, Burg. 1856.
') Zmiiu, anfuü. l. 12, ep. 63.
*) R.-G^ II a, p. 441.
*) Ffom, t. XV Jy p. 269-^72.
412 ZwölfK» Bach. Drittes KApitel.
§. 26.
Jobannes von Segovia, der diesen Namen sei es von seiner V«
Stadt, sei es von seiner Familie, trag, war nnd blieb nnbekanni
Spanien, gelangte aber zw grossem Ansehen zu Basel '). Er war
löge von Salamanca nnd Archidiakon von Toledo. Im Jahre l
weilte er noch in Spanien. Nach Basel begab er sich im Namen sei
Universität, und im Auftrage des Königs Don Juan II. Er wohnte
28. Sizung am 1. October H37 an, wo es zum Bruche mit Eugen
kam, den das Basler Rumpfconcil als „hartnäckig'' erklärte. Joan
blieb auf Seite der Basler. Im Jahre 1439 wohnte er als Deputat
der Basler dem Reichstage zu Mainz an*).
In der 33. Sizung vom 16. Mai I4B9 war er unter den vordei^
johano. Heiesspornen der Synode gegen den Papst, welcher hier eigentlich I
^^▼iJ Kezer erklärt wurde'). In der 37. Sizung vom 24. October 14ö9j
hielt er mit zwei anderen Doctoren den Auftrag, Einleitungen za i
neuen Papstwahl zu treffen. Am 28. October verlas Johann«
Namen der 32 Wahlherren des neuen Papstes; er hatte sich miil
Anderen selbst als „Wähler'^ gewählt; Wähler waren 32 Priester,^
jeder Nation acht Aeneas Silvius, nachher Papst Pius II., wollte i
unter den Papstwählem sein, weil er vorher die Diakonatsweihe f
hätte geben lassen müssen^).
Er wurde sofort von dem Pseudopapst Felix V. zum C^
gewählt, mit ihm der Erzbischof Tudeschi von Palermo, und n
Deutsche, Johannes Grünwalder von Freising, nnd der Bischof f
Trient, Alezander, Herzog von Masovien. Johannes erhielt den 1i{
der Kirche des heiligen Calixtus, und wurde von dem Pseudopapst n
den Baslem zum Reichstag von Mainz anf Lichtmess des Jahres l4
jöiwuk, gesandt Er wollte mit den Insignien eines Gardinais nnd Legates
CavdiD. loi«^^ in den Dom zu Mainz einziehen. Der EJeros widersezte
weil Engen IV. als Papst anerkannt sei. Zu seiner Hilfe ersehn
nun von Basel der Cardinal von Arles, und der „Cardinal'' Grunifi
der von Freising. Hier traten dem Johannes mit aller Energie ^
Landsmann, der Cardinal Carvajal, nnd der Cardinal Nicolaos r<
') Sessio 28, 1437. — Aeneas Sytvius Commentar.j l. IL
^ Johanns Bericht über diesen Beichatag s. opiid Koeh^ Sanetio prvs^
üca Otrmanorum^ Argenior,, 1789, p. 250-272.
») Mansi, U 29, p. 178.
*) Georg Voigt (Enea) Silvio de Piceohmini als Papst Pins II. Qod ^
ZcitHltcr, Bd. I, 1856, 1, 169-75 (H^bU, VU, 784).
Johannes von Segovia. 413
'tti entgegen. Gegen sie wollte Johannea von Segovia die Recht-
■ssigkeit der Absezung Eugens IV. nachweisen. Corvajal und Nico-
D8 bekämpften ihn wieder, besonders disputirte lezterer mit Johannes *)•
ie Basler durften nicht mehr repliciren.
Erst im Jahre 1449 wurde nach Abdankung Felix V. die kirch-
k Einheit völlig hergestellt Durch Bulle vom 18. Juli 1449 be-
tigte Papst Nicolaus V. alle von den Baslem und Felix V, vorge-
Bmeoen Promotionen. Drei der von Felix erwählten Cardinale
iden bestätigt, der Cardinal von Arles wieder eingesezt.
Johann von Segovia aber entsagte freiwillig oder unfreiwillig der
idinalswürde, erhielt den Titel eines Erzbischofes von Cäsarca, zog
kin ein Kloster zurück'), und übersezte den Koran'). Das Kloster
» einer grossen Einsamkeit der Berge.
Kicolaus Antonio weiss über Ort und Zeit seines Todes nichts
Gten. Johann, schrieb: 1) ConeordanHtzs biblicaa voeum indedina"
reiche Johannes Brant mit einer Dedication an Geyler von
lg herausgab. 2) Ueber den Ausgang des heiligen Geistes
\ Tom Sohne. Er hatte von der Synode den Auftrag erhalten,
Aer mit den Griechen zu disputiren. 3) Von der höchsten Aucto-
( der Bischöfe in den Concüien , gerichtet an. den Cardinal Johan-
de Cervantes. 4) Von der unbefleckten Empfangniss der seligsten
jjl^Q, zu Basel 1436 geschrieben, erschien später zu Brüssel 1664,
L5) In sein EJoster zurückgezogen schrieb er: i^Von der Hand-
ig des geistigen Schwertes gegen die Saracenen^. Uebersezung
I Koran und seine Widerlegung^ von welcher Schrift sich Auszüge
^Kicolaus Antonio finden, nämlich die 38 (40?) „Considerationea^,
ft sie zerfallt *).
= •) Mansi, t 31, p. 186.
*) nodieo contentus monasterio,
*) Kftcb 6. Voiffi r^Enea Silvio'', I, 429, erhielt er ein kleines Bisthum in
^1 wo er von Bergen rings umschlosaen war; seinen Namen aber finden wir
W^ noter den Bischöfen Spaniens.
*) Nicol Anianio, 11, 225^234.
414 ZwOlftea Baeh. Drittes KapiteL
§. 27.
johufl. Der Cardinal Joannes de Canrajal stammte ans Trnxillo. Jung
/J^T^kam er nach Rom als Auditor der Bota'), und wurde spater Guber-
dbui, nator von Rom. Papst Eugen IV. sandte ihn auf das Goncil Ton
1 14M. BaseL Auf dem Reichstag zu Mainz vertheidigte er mit Gewandtheit
die Rechte des Papstes — 1441. Er kehrte nach Rom zurück, and
übernahm schon im nächsten Jahre mit Nicolaus von Cusa und Jacob
▼on Ferrara eine neue Legation nach Frankfurt, April 1442. Eugen IV.
hatte absichtlich keine Cardinale gesandt Canrajal kam zu Frankfurt
in heftige Conflikte mit den Baslem, die, meinte er, als Schismatiker
nicht gehört werden sollten*).
Im Jahre 1445 sandte der Papst den Carvajal auf das Nene an
Kaiser Friedrich IIL Im Februar 1446 kam durch seine Bemühangen
eine Einigung zwischen dem romischen Konige und Eugen IV. za
Stande — in Wien. Eugen IV. machte dem „Könige^ sehr grosse
Concessionen. Auch Aeneas Silvius, Geheimschreiber des „Konigi',
trat jezt auf Seite Eugens IV. Jezt erst liess sich derselbe in Wies
einige geistliche Weihen geben*).
Im September 1446 wohnte Canrajal dem Frankfurter Reichstage
an. Ebendort war Thomas von Sarzano, später Papst Nicolaus V. —
Engen IV. belohnte die Verdienste Beider, indem er sie am 27. De-
cember 1446 zu Cardinälen ernannte. Er schickte denselben, als sie
von Frankfurt znrükkehrten, die Cardinalshüte entgegen^ damit sie
feierlicher in Rom einziehen könnten*).
Am 4. und 7. Februar 1447 wurden die sogenannten Fürstencon-
cordate zu Rom geschlossen. Die deutschen Gesandten leisteten jezt
dem todtkranken Engen IV. Obedienz, er aber erklärte, dass er mm
gerne sterbe, weil die Deutschen zur Obedienz zurückgekeiirt, und
das Felicianische Schisma seine Kraft verloren habe. Er starb am
23. Februar 1447. Schon zehn Tage später wurde der Cardinal Tho*
mas von Sarzano als Nicolaus V. gewählt.
Der Cardinal Carvajal wohnte dem Furstentag zu Asohaffenburg
an, Juli 1447. Ec gieng von da mit König Friedrich III. nach Wien;
und es gelang ihm, dass Nicolaus V. überall als Papst anerkannt wurde.
') Bacra Romana Sota, üditori Spagnuoliy RomOf 1864.
•) Harduin, t. IX, p. 1184 sq, — Pueckertj Die churfüwtliche Nentinliili
während des Basler Concils, Leipzig, 1858, p. llS.
») Voigt, l 361.
*) Kaynaldi, annal. ad ann, 1446, nr. ö, 1447 , nr, 2—4 sq.
Cardinal J. Camjal, f 1469. 4l6
Odg Friedlich III. schloss am 17. Februar 1448 zu Wien im Namen
er deotschen Nation ein nenes Concordat mit Caryajal ab; es heisst
ifolmlich das Aschaffenburger Concordat
Carrajal hatte schon im Jahre 1444 vergebens versncht, den Frie-
B in Böhmen zu vermitteln. Von Dentachland begab er sich im
ke 1448 zmn zweitenmale nach Böhmen, wo er siegreich mit den
ndten dispotirte. Dafür wollte ihn der Pobel der Hussiten todten.
iler Papst Calixt HL (1455—58) wurde er wiederholt als Legat nach
VtscUand und Ungarn gesandt. Er trug zu dem Siege bei, welchen
I cbrUtlichen Fürsten am 22. Juli 1456 über den Sultan Mahumed IL
iPgeD. Sechs Jahre weilte er an der nnteren Donau, wo das unge-
(ieCIiiDa seine Gesundheit nntergnib. Erst unter Papst Pius II.
Iab er nach Rom zurück. Nachdem er 22 Legationen, meistens mit
■^übernommen hatte, starb er, 70 Jahre alt, zn Rom am 6. De-
jAir 1469. Er wurde begraben in der Kirche des heiligen Marcel-
\ WD ihm der Cardinal Bessarion eine Inschrift sezte.
^ Alle ihm angebotenen Bisthümer hatte er verschmäht, zufrieden
dem einzigen Bisthume Placentia, dessen Administrator er 23 Jahre
'(144&--39). In den Jahren 1461 (62) bis 1469 bekleidete er auch
icborbicariscbe Bisthum Porto').
§. 28.
4
Der Cardinal Johannes von Torrecrameta, nicht zn verwechseln JobMm.
»dem Grossinqaisitor dieses Namens, geboren im Jahre 1388, trat \^n-
tfinfzebn Jahren in den Orden des heiligen Dominions.^ Der Prior mato,
fcde Valladolid führte ihn im Jahre 1417 mit sich auf das Concil ^^^^
iConstanz. Im Jahre 1423 wurde er als Doctor an der Universität
Paris aufgenommen, und lehrte mit Glanz die Theologie. — Nach
Kr Rückkehr nach Spanien wurde er nach einander Prior der Hau-
Rines Ordens zn Valladolid und Toledo. Sein Ruf verbreitete sich
i nber Spanien hinaus.
Im Jahre 1431 berief ihn Papst Eugen IV. nach Rom, bekleidete
I mit der Würde eines Magister sacri palatii, und sandte ihn als
pn seiner) Theologen nach Basel, wo er ebenso durch Wissenschaft
iBeredtsamkeit glänzte. Später sandte ihn der Papst als seinen Le-
to nach Deutschland. Er wohnte der Synode zu Ferrara-Florenz
> In Ferrara war er unter den Bevollmächtigten der Lateiner zur
*) Didwnnaire des CardituxuXf Paris, 1857, p, 636.
416
Zwölftes Bacb. Drittes Kapitel.
Verhandlung mit den Griechen. Er diapntirte viel und heftig mit
CQ8 Eugenicas von Ephesas über die Lehre vom Fegfeaer.
^^^,g Am 16. Juni 1439, dispntirte er zu Florenz über die Streit
Johann, vom gesäuerteu und ungesäuerten Brode, dass die Consecratioi
Torqn*- ^^^^ einen und dem andern erlaubt, dass aber lezteres bei dem
1 1468. mahle dem ersteren vorzuziehen sei. Er redete mit grosser RoI
überzeugender Ejrafl. Einige Tage später, am 20. Joni, spi
wieder vor den Griechen über die Consecration. — Auf dei
Concil wurde er mit sechszehn Andern, darunter Bessarion und
von Kiew, zum Cardinal erwählt. Mit Bessarion hatte er eine
Freundschaft geschlossen. Zur Zeit seiner Wahl zum Cardinal
in Frankreich, wo er zwischen König Carl YIL und den Engl!
Frieden vermitteln sollte. — Im Jahre 1440 erschien er auf der|
Sammlung der franzosischen Bischöfe zu Bourges, wo er mit
gegen die Basler thätig war. Er war Bischof von PtUestrina ii
Jahren 1455 bis 1463, von da an bis zu seinem Tode Cardioa)!
von Sabina. Im Jahre 1460 übertrug ihm Papst Pins II. die Ai
stration des Bisthums Leon. Schon früher war er, seit 1443, A^
strator von Orense gewesen, hatte aber im Jahre 1447 aof das
verzichtet. Eonig Heinrich IV. war über die Beseznog des Bh
Leon durch unseren Cardinal so erbittert, dass er nie gestattete,]
derselbe von ihm Besiz ergreifen konnte. Vorher hatte Torqi
von der Kirche von Leon verschiedene Leistungen bezogen, von
er aber einen uneigennüzigen Gebranch machte'). Im Jahre 141
zichtete er auf das Bisthum Leon. Früher Cardinal des heiligen
trat er im Jahre 1455 in die Zahl der sieben Cardinalbischöfe ei^
diesem Jahre wurde er Bischof von Palestrina, am 10. Mai 14(
schof von Sabina.
Seinen Rathschlägen verdankte Papst Pius II. vorzüglich die
weisen Erfolge, welche er im Jahre 1459 — 60 zu Mantua erzieltej
er die christlichen Fürsten zu einem gemeinsamen Krenzzuge
die Türken vereinigen wollte^). Denn sehr wenige Gesandte derj
sten fanden sich im Anfange daselbst ein, und die übrigen d
riethen dem Papste, Mantua wieder zu verlassen. Er aber harrte
den Rath Torquemada's aus, und konnte wenigstens einen Krei
gegen die Türken ankündigen. Torquemada starb am 26. Septe
1468 zu Rom, im Alter von 80 Jahren. Er hinterliess eine
») Esp. 8agr., t. 17, p. 160-^. löT—SS. Nach tUore» wir der
in den Jahren 1443—47 wirklicher Bischof von Leon, dann kurze Zeit Decsii
Jahre U63 bis Februar 1466 wieder »Administrator* von Orense. — L 36,p>^i
(Leon).
•) G. Voigt, Papst Plus IL, Bd. lU, 1863, p. 5j--108,
Die GardiDlIe Johaanea Torreoremata, Johannea Cervantea. 417
esge TOD Werken, die bei Nie. Antonio und in Qaetif und Echard:
riptores ordinis Praedicatorum, 1719 flg. verzeichnet sind, zum Bei-^
ü: I) Exponiio brems et fUüis super ioium Peaüerium, Rom. 1470.
— 2) Traetaius de aqua benedicta, ibid., 1476, 4^. — 3) Quaeetionee
tuper eoangdiie tarn de tempore quam de sancHs, Rom. 1477 ^ fol.,
rmberg^ 1478, fol. — 4) Commentarii in Decretum Oratianiy Lyon,
'9, HfoL, VeneUis, 1678, 4 fol., Romae, 1727, 2 fol. — 5) Tractatua
votetUtte Papae, et concüii generalie aiuctoritaie. Ven. 1563. — 6) Me-
itfbfief positae et dspieUke de ipsiua mandato in ecdeeiae ambitu 8.
fiae de Minerva, Rom., 1467, fol., mit 34 Holzstichen, Fdigno, 1479,
— Er hinterliess ausserdem vierzehn Schriften im Manuscript ').
§. 29.
Der Cardinal Joannes Cervantes stammte aus Sevilla in Anda- ^^^'°'
SB. Er war Doctor beider Rechte und Archidiakon von Sevilla. Oerran-
84. Mai 1426 erwählte ihn Papst Martin V. zum Cardinal. Er ^^^^
eil zuerst den Titel 8. Petri ad vincula. Im Jahre 1430 wurde er
anbistrator* von Tuy (was den meisten seiner Biographen ent-
KQ ist), wo er seinen Provisor des Bisthums aufstellte. Eugen IV.
p ihn im Jahre 1431 zur Eroffiiung des Concils nach Basel. In
fliSizang vom 6. Februar 1432 wird er als abwesend von Basel
ftnt
lo Tay reducirte er die Zahl der früheren 36 Kanoniker auf 25,
n er auf seine und des Capitels Bitten von Papst Eugen IV.
'Vollmacht durch Bulle am 1. Juni 1435 erhielt. An demselben
f Terfugte der Papst, dass fünf Klöster dem Bisthum „einverleibt^,
I ttt ihre Einkünfte ihm zugetheilt würden. Da auch diess für die
Kanoniker nicht zureichte, so wurde deren Zahl durch päpstliche
k Tom Jahre 1444 auf 23 beschränkt. — Im März 1438 wurde der
idinal auf das Bisthum Avila versezt^.
Im Jahre 1439 erschien er mit Nicolaus von Cusa als Yer-
^ Eugens IV. auf dem Reichstage zu Mainz. Da sie aber
') Mc Antonio, Bibloth. vetus, II, p. 286-292, — Echard, et Quitif,
i, i7/9. — El. Dupin, Biblioth, ecdis. du 15 siäde, part. I, p. 338, —
^■7^, AnJUm,, Histoire des hommes illustres de Vordre de S, Dominique,
^ 1743—49, 6 vol. 4\ in t III, p. 395 sq. — Dictionnaire des Cardinaux,
•) Esp. eoffr,, t. 22 (Tuy), p. 213—18.
418 Zwölftes BadL Drittes Kapitel.
keine speciellen Mandate des Papstes besasseo, wurden sie wei
beachtet^).
Cervantes weilte im Jahre 1440 in Spanien; denn bei der Y
mäblung des Infanten Heinrich (IV.) mit Donna Bhinca von Nah
— zu Yalladolid celebrirte er die heilige Messe ^ — 15. Sepii|
ber 1440,
Im Jahre 1442 gieng Cervantes zn dem Bisthnm Segovia über,
aber Avila eintri^licher war als Segovia, so erhielt der Cardiiul
Erlaubniss des Papstes eine Pension von Hausend castüianischen ,D
las^ von dem Bisthume Osma.
Nach dem Tode des Erzbischofe Garcia Osorio von SeTiDi^
April 1448, erwählte ihn das dortige Capitel zum Erzbiscbof, ab i
eher er am 29. Juli 1449 genannt wird, und welche Würde er ,rdl
reich"') bis zu seinem Ende begleitete.
Am 17. März 1446 war er Cardinalbischof von Ostia gewod
Zu Sevilla errichtete er unter dem Namen des heiligen Hennesq
in seinem väterlichen Hause -auf eigene Kosten ein prachtvoUeaj
erste) Hospital; er stattete es reichlich mit Einkünften, innererl
richtung, Apotheke, Wärtern, Lebensmitteln, für den Unterhall
SO Kranken aus. In der Cathedrale stellte er die schone Oapeld
heiligen Hermenegild her, und stattete sie mit reichen Einkünfiet
für vier Priester, welche in derselben täglich den Gottesdienst M
sollten. I
Ebenso hatte er durch zahlreiche Wohlthatei sein Andcukii,
Avila erhalten, indem er ein Capital stiftete, ans dem jährlich 4
arme Mädchen zur Heirath ausgestattet werden sollten. l
Er starb zu Sevilla am 25. November 1453. — Seine Sl|
sezte er als seine Erbin ein*^.
') Htfele, Fi/, 774. J
*) Chronica dd Rey D. Juan 11^ ad. an. 37. (et uUimwn). ~ Flarez, Im
Catholicas, 11^ p. 752^56. Die dabei entwickelte, von Florez besefariebene ll
war „fabelhaft** und oiiBionig. 1
») Bsp. nagr., t 22, p. 219, J
') Ciaconiua, Vitae Fontific. et Cardinal^ Bomae, 1630 ^ wb P.4
Uno F. — Pwpwra docta, ed. G. J. Eggs, t. IV, Äugsö. 1729, p. nS-m
ügheUi (Coleti), Italia aacra, t /, p. 76'-'76.
Cardiniü Joannes de Mdla. 419
§. 30.
Joannes de Mella wurde za Zamora nm das Jahr 1397 geboren.
war einer der ersten Schüler des von dem Erzbischof Didacns de
lya gestifteten Colleginms des heiligen Bartholomäns an der Univer-
i Salamanca, wo er auch Doctor Decretorum wurde. Er galt bald
einer der ersten Juristen seiner Zeit Der Erzbischof Anaya sandte
als seinen Vertheidiger nach Rom, wo er die Wiedereinseznng
dben in sein EIrzbisthum Sevilla durchsezte. Papst Martin V. er-
bte ihn zum Auditor an der Rota. Er weilte sowohl zu Rom als
Idogna*).
Im Jahre 1433 war er apostolischer Protonotar, und wurde da-
bfoo Engen IV. auf das Concil von Basel gesandt^).
! Jm Jahre 1448 wurde er Bischof (Administrator des Bisthums)
Zamora. Im Jahre 1456 erwählte ihn Papst Calixt III. zum
inale. Unter Beibehaltung des Bisthums Zamora wurde er im
1 1458 Bischof von Siguenza, obgleich das dortige Gapitel schon
i Anderen gewählt hatte.
Joannes starb zu Rom am 13. October 1467, im Alter von
pben. — Seine Schriften, nur im Manuscript, fuhrt Nicolaus
haoan^.
' Er hatte einen Bruder AUbns, der Franciscaner war, sich an die
ke der Secte der Fraticellen stellte, aus Furcht vor Strafe mit einer
ur übelbeleumundeter Weiber zu den Mauren flüchtete, und zu
iida elend umkam ^).
0 Kach andern Angaben kam er sehr frfihe nach Bom. Er kann in Rom den
XB des Enbisehois Did. Anaya geführt haben, ohne za diesem Zwecke gerade
iSoD g«rdat an sein. Nach Aeneas Silvins hatte er vor seiner Erhebung znm
'»le 39 Jahre lang viele Aemter in Bom verwaltet
1 Aug. PaMeii, Hütor. ConciL Basü,, Sect. 10, cp. 24, 28. Phü. Labbe
»1, U IUI, p. 488.
*) ^ieol. AsiUmio^ II ^ 283-^86. — Eggs, Purpura doeia^ l III
*) Mariana, XXI, 17. — Cranica del Reg D. Juan II, ad anntm
I fp. 36.
27*
420 Zwölftes Bach. Drittes Eiq>itel.
§. 31.
•
Aifons Unter den Ezegeten des fünfzehnten Jahrhunderts war Alfoi
TofutuB Tostatas wenigstens der fruchtbarste. Geboren um das Jahr 1400
Lebror, Madrigal studirte er zu Salamanca, und gelangte in Kurzem zu en
^ staunenswerthen Umfange des Wissens. Mit 25 Jahren erlangte
das Doctorat als Magister und docirte über fast alle Fächer des I
maligen Wissens^ unter grosstem Zulaufe der Hörenden. Inländer |
Ausländer strömten seinetwegen nach Salamanca. Er war BectorJ
berühmten CoUegiums des heiligen Bartholomäus. Eugen lY. ra
ihn zum Scholasticus der Gathedrale, mit welcher Würde die Leiti
der Universität verbunden war. Im Jahre 1431 wurde er aof
Concil von Basel gesandt. Doch berichten Verschiedene versehe
über seinen Aufenthalt in Basel und in Italien, wo seine Orthod;
besonders scharf von seinem Landsmanne J. Torrecremata ange
worden sei. Nach seiner Rückkehr wurde er Abt von Yalladol
Oberkanzler des Königs Don Juan II. — Im Jahre 1449
Biicbof Bischof von Avila, als welcher er am 3. September 1455 starb.
'"^'war von kleiner dicker Gestalt, grossem und starkem Haupte.
hat berechnet, dass er bei einem Leben von 55 Jahren drei
von grosstem Papiere jeden Tag beschrieben habe, vielmdir ioof
sechs, wenn man das Alter des Elindes und Jünglings wegredi
Alt würde. In Spanien bestehet heute noch das Sprüchwort von cij
Schrift, fruchtbaren Schriftsteller: er ist ein ^nveiter Testatus. Er hatte ek
Steuer. « , i» _J
treues Gedächtniss, daBs er Alles ^ was er gelesen, vollständig m,
jeder Zeit wiederholen konnte. Zu Bologna habe er einst von Jefl
ein Buch zum Lesen, nicht zum Abschreiben erhalten. Er babi
zweimal gelesen, und zu Hause wortlich niedergeschrieben. In Ml
zahlreichen Schriften habe er nie sich selbst widersprochen. Er seiJ
Stande gewesen, über jeden Gegenstand zu disputiren, so dassj
seiner Grabesinschrift mit Recht die Worte stehen:
Hie Stupor est mundi, qui sdbüe diseutit omne*
Er kehrte zu der mystisch-allegorischen Erklärung der b(
Schrift zurück. Er schrieb voluminöse Erklärungen besonders za
historischen Schriften des alten Testamentes und zu dem Evan^
des heiligen Matthäus. Der Cardinal Ximenes Hess auf seine
Kosten die exegetischen Schriften zum erstenmal drucken *) — Ve
') CommerUario sohre Euaebio, Salamanca, 1606, 5 vol. fol. TVoteAj
lo$ dioses de la gentilidad, Salamanca, 1609 , 2 voL f. (BurgoBj 1640). - ^
AlfoDfliis Tostato0. — Die Bischöfe CastilienB. 421
m. Als das Schiff, welches die Manuscripte nach Venedig bringen
)llte, bei der Provence nahe bei Magalon Schiffbruch litt, galten auch
e Alanoscripte fiir verloren, welche der Sorge des Alfons Polo, Ka-
nikers von Cnenca, übergeben worden waren. Am Morgen nach
m Schiff brach aber wnrde die Eiste, in die sie gelegt worden, vor
D Aogen Aller an das Land getragen, und die Manascripte fanden
h imTeraehrt. Dieser Thatbestand wurde zu Rom vor dem Auditor
r (apostolischen) Kammer im Jahre 1523 verhandelt, und nicht we-
;(r als sechzehn Zeugen verhört. Der Bericht wurde aufgenommen,
d in dem Archive des Collegiums des heiligen Bartholomäus zu Sa-
oanca niedergelegt. — Der Commentar über Eusebius ist eine £rk]ä-
f der Chronik desselben ').
§. 32.
Der Glanzseite des Episcopats Gastiliens in jener Zeit tritt auch nie
t ctarke Schattenseite entgegen. Der Nepotismus und die starke c^ti.*
tteigong zur Politik hatten, wie Vic. de la Fuente meint, von dem "ena.
fc Ton AvignoD aus auch die Bischöfe Gastiliens angesteckt. Das
p Schisma trag dazu bet^ alle bösen Eigenschaften zu hegen. Im
befanten Jahrhundert, meint derselbe Schriftsteller, trete die Neigung
f Politik und zur Intrigue hervor; im fünfzehnten Jahrhundert trete
feen Schwächen noch die Unenthaltsamkeit. Kaum habe es eine
Mgne oder eine Verschwörung gegeben, bei der nicht der Name ir-
id eines Bischofis hervortrete. Der Bischof von Osma, Petrus de
BS (1379 — 1410) galt fiir unenthaltsam und geizig. Er wurde im
^ 1394 Cardinal von Avignon, führte sdt dem Jahre 1417 den
Heines Cardinais von Sabina, und starb 1420 zu Florenz. Nicht
per seien seine Nachfolger gewesen. Don Pedro de Castilla, ein
Ülat stolz auf seinen Adel^ Don Juan Zerezuela, dem wir schon als
■Bcntaie erschienen besondera, VeneL 1507, 13 vol. in fol. — Eine Gresammt-
>e^ Beiner latefnlsehen Werke erschien wiederholt zn Venedig, n. a. 1540, 159B,
^ in 34 Tol. fol. T. I Commentar znr Genesis — t. II in Exdnm. t. III in Le-
hm, t. IV—V in Numeros, t VI in Deuteronomium. t. VII— VIII in Josue. t. IX
«rter Qod Roth, t X— XII za den vier Büchern der Könige, t. XIII— XIV zu den
lö BoGhera der Chronik, t. XV-XXI Erklarnng des heiligen Matthäns in sieben
^teiL t XXII verschiedene „Opuscula'^^ unter anderem ,,aber den Znstand der
ieb nach dem Tode** (auch zn Antwerpen, 1621; über die beste Politik etc.^
IIUI-IXIV verschiedene Indices zn den Werken des Testatus. (Aach zu Cöln
**i«i 1613, eine — die vierte — Ausgabe in 13 tom. fol.)
, *) NieoL Antonio, II, 255 --60. — Viera y Clavijo, Elogio de Älonso
««'«fo, Madr. 1782, 4\ •
422 ZwOUtM BaelL IhitteB Kj^teL
Erzbischof von Toledo begegnet sind, Brnder des nnter Komg De
Juan IL allmachtigen Alvaro de Lana, der ihm dieses und noch be
sere Bisthomer gab, troz seiner geringen Kenntnisse. Unser Gev
mann glanbt, dass es besonders in Castilien damals an Bischofen
Art nicht gefehlt habe« Diess ist auch kein Wunder, wenn man
eben so langen als klaglichen Begierungen Don Juan's IL und
Enrique's IV. in das Auge fasst, wo sich erhebende und
Gunsüinge auf einander folgten.
£r^ Bodericus de Luna, Nachfolger des Alvaro de Isoma (f 141
btochSfe warde im Jahre 1450 einstimmig von dem Gapitel von Santiago
^tbkgo, Erzbischof gewählt. Aber der Graf von Trastamara verband sich i
1460— den damals stets unruhigen Einwohnern der Stadt, benuLchtigte i
der Cathedrale, der Stadt und der festen Pläze des Erzbisthams.
Folge dessen zog sich der Erzbischof mit dem Gapitel nach el V$k
zurück — 1459, wo derselbe im Juli 1460 starb, und in der grosse
Capelle der dortigen Cathedrale begraben ist.
and se- Nuu Wechselten auf den beiden Sizen von Sevilla und Saoi
«lü^i. zwei Erzbischofe mit dem Namen Alfons de Fonseca. Der
1453*78.
dieses Namens war gebürtig aus Toro, und Erzdiakon von Salui
wurde im Jahre 1454 nach dem Cardinal Cervantes Erzbischof
Sevilla, nachdem er yorher Bischof von Avila gewesen, und bli
bis zum Jahre 1460. Nach dem Tode des Erzbischofs Bodrigo er{s(
er das Erzbisthum Santiago für seinen Neffen Alfons III., Decani
Sevilla, trat aber Sevilla an diesen seinen Neffen im Jahre 1461
Er selbst kam nach Galizien, um die Buhe in dieser Provinz hm
stellen, wo Ludwig Osorio, Sohn des Grafen von Trastamara, C
Erzbisthum an sich gerissen hatte. Dieser hatte einen grossen Ann
in der Provinz, und staiid in hoher Gunst bei Konig Enrique IV
fons II. musste aber auf Befehl des Papstes und des Königs zu sei
Erzbisthum Sevilla zurückkehren. Er that es, aber nun wollte der N<
dem Oheim nicht mehr weichen. Es kam zu wenig erbaulichen
dein. Der Konig musste interveniren, dass jeder der beiden Pri
den ihm zukommenden Siz wieder in Besiz nahm. Der Onkel
den Siz von Santiago in den Jahren 1461 — 63 ein, der Neffe
in derselben Zeit den Siz von Sevilla. Von dieser Zeit an war
Oheim wieder Erzbischof von Sevilla, als welcher er im Jahre 1
oder 1473 starb.
AifoM Alfons IIL Fonseca y Azevedo stammte aus Salamanca. £r üi
III. Fon- ^Q seinem Erzbisthum den Krieg. Die Gompostellaner hatten sieb
lieo^ verschiedenen Mächtigen des Beichs verbunden, und wollten die
1^* Hohe Gerichtsbarkeit des Erzbischofs abschütteln. Nach langem KatD
in dem Mord, Brand und Baub gewüthet, der Erzbischof von sein
Gegnern gefangen genonunen worden, verglichen sich die KsmpfcQ^
Der Gonnetoble Alwo de Lüda. 423
n Frieden im Jahre 1466. Alfons IIL ' aber führte eine lange Re-
EfUDg TOD vierzig Jahren zn Santiago. Im Jahre 1505 schenkte er
« Million Yon alten Maravedis för den Bau des Clanstrum in der
ihednle. Er gründete das Kloster der Nonnen der heiligen Ursula
Salamanca. In seinem hohen Alter verzichtete er auf das Erzbis-
BD, und erhielt den Titel eines Patriarchen von Alexandrien. — Er
enahm das Erzbisthnm im Jahre 1463 , und starb im Jahre 1506*)
§. 33.
Alvaro de Lnna, der unter Konig Don Juan II. die Gewalt führte,
» ikr Familie Pedro's de Luna, befand sich seit 1408 an dem Hofe
«Juans n., mit dem er erzogen wurde. Er erlangte im Jahre 1423
^ Würde eines Condestable'). Im Jahre 1426 musste er dem lu-
tea Enrique and dem Könige Johann. U. von Navarra weichen, bald
r kehrte er zur Gewalt zurück. Wieder musste ihn der König im
le 1439 vom Hofe entfernen, denn die Unruhe des Reiches wurde
1 als Schuld angerechnet« Er zog sich nach Portugal zurück. Aber
u Anhanger sehnten sich nach seiner Rückkehr. Es kam zum
qerkrieg. Am 19. Mai 1445 wurde das Heer des ,,Infanten^ bei
wdo geschlagen. Don Enrique, das Haupt der Gegner, starb an
heD Wanden. Er war Meister des Ordens von Santiago gewesen,
i diese Würde erlangte nun Alvaro de Luna. Er stand auf der
fte seiner Macht. Im ganzen Reiche durfte nichts ohne seinen
flkn geschehen; der indolente König unterwarf sich ihm in Allem. —
b dem Tode seiner Gemahlin Maria wollte der König Radegunde^
pter Carls VII. von Frankreich heirathen, der Grossmeister war
B für ^e Ehe mit einer Infantin von Portugal. Don Juan gab
A, aber wartete auf eine Gelegenheit, sich an dem Günstling zu
dken. Diese Gelegenheit bot die Ermordung des Don AJfons de
tvvo, Grossschazmeisters von Castilien, welches Verbrechens die
Kfitliche Meinung den Grossmeister von Santiago beschuldigte. —
*) Zepedano, Basilica Compostdana, p. 257^59.
*) Es imtenchreibt schon aaf der dreizehnten Synode zu Toledo 683: Ofuis'
^mdui als: Comes stahtdi. Die Comites stabtdi wurden alimählig Anführer
fc Heere, Conäabularius regit exercitus. Bei Ducange-Charpentier steht die
tooifolge der ^Cannetabks*' von Frankreich vom Jahre lOöO bis 1627, in
^^^»m Jahre die Würde abgeschafft wurde. </. l. c. Comes stabuli oder
424 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel
Alvaro wurde im Jabre 1452 gtsfangen genommen, und vor eben G
richtshof gestellt, der ihn zum Tode verurtheilte. Die Hinrichtu
fand auf dem offentlicben Plaze von Valladolid statt — 2. (7.?)
1453. Das Haupt des Unglücklichen blieb neun Tage auf dem
ausgestellt. Ein Gefass war neben dem Leichname aufgestellt, um
Almosen für das Begrabniss des Verurtheilten aufzunehmen. Er,
eher dreissig Jahre lang über die Schäze des Staates verfugt, der
von Santestefan und Gormaz, Herzog von Tmxillo, Eigenthümer
sechzig Ortschaften und Bürgen gewesen, wurde mittelst Almosem
der Kirche des heiligen Andreas begraben, wo die Verbrecher beeti
wurden.
Es wird ihm zum Ruhme gerechnet, dass er, ähnlich wie sj^
Ludwig XI. von Frankreich, die unruhigen Grossen des KeicbesJ
kämpft, zur Unehre aber, dass er den Konig absichtlich in der}
thätigkeit erhalten habe, um in dem Alleinbesize der Gewal^
bleiben.
Bald nach seinem Tode, zwischen 1453 — 1460, schrieb em
bekannter seine Geschichte, ein ernstes und unpartheiisches Wei
tragische Schilderung seines Todes macht tiefen Eindruck. Stok
ruhig war die Haltung des Alvaro, als man ihn zum Tode fo
Menge verharrte in lautlosem Stillschweigen vor der HinrichtangJ
gemein war das Weheklagen nach derselben. Das ist das Scfaia
der Günstlinge des Glückes und der Grossen; und wenn die Kai
selbst nicht regieren, so regieren für eine Zeit lang die allmächl^
Minister ').
*) La Onmica del Condesiable Don Alvaro de Luna^ Mailand, i546j^
die zweite Ansgabe ist von Flores ans demselben Jahre. Onmica de D.M
de Luna, CondestaMe de los Reynos de Caettüa y de Leon^ Maa^t yi<^
strador de la orden y cabaüeria de Santiago — la publica con varios a^
D. Joeef Miguel de Florea, Segonda impression. En Madrid, 1784, i*
396, apendices, 397—481, (p. 473 wird [ans P. Albarca^ Anales de An
berichtet, König Don Juan II. habe fttr sich und seine Minister um Abaolotk»
dem Papste wegen der Hinrichtung Luna's gebeten, weil derselbe als 6ro0Dei
Yon Santiago eine geistliche Person gewesen.)
Doa Enrique IV. 425
§. 34.
Don Juan II. starb nach einer langen Regierung von 4ß Jahren,
reicher eben nur seine Kegierungsjahre gezahlt werden — denn
Regieren nberliess er Anderen, — am 20. Juli 1Ö54. Es wird
ihm gerühmt, dass er die Dichtkunst, überhaupt die schönen
sie geliebt habe, dass er auch selbst als Gelegenheitsdichter
hervorgewagt habe. Der ,,allmächtige'' Condestable fand es in
OD Literesse, wenn der Konig möglichst wenig sich um sein Reich
iDoierte *).
, Sein Sohn Henrique IV., genannt „d Impotente**, war geboren zu
Molid am 5. Januar 1425. Seine Jugend verlief in bestandigen
Migkeiten mit seinem Vater. Nachdem er den Thron bestiegeh,
^ er eine anbesiegbare Indolenz, emporende Sitten(losigkeit),
vollendete Unfähigkeit zum Regieren, eine sinnlose Verscbwen-
^Qcbt
Das Volk fasste im Anfange einige Hoffnung, als der Konig in
Krieg gegen die Maaren zog,, welche Andalusien verheerten, und
ibeD bis gegen Granada verfolgte. Aber seit seiner Ehe*) mit
ha Yon Portugal — 1465, Tochter des Königs Duarte^ gieng
• tcUimmer. Aach diese Vermählung wurde mit äusserstem Luxus
fcrt. Zorn Beispiel gab der Erzbischof Alfons Fonseca von Sevilla
Neuvermählten und deren Damen ein glänzendes Gastmahl in
U, als dessen leztes Gericht zwei Schusseln voll von goldenen
fcD mit verschiedenen kostbaren Steinen aufgetragen wurden, damit
iKönigin und ihre Damen eine beliebige Auswahl derselben fiir sich
Enrique IV. aber gerieth bald auf Abwege, und bevorzugte eine
^giesin, welcher dann die Königin dafür Schläge applicirte. Der
Bg brachte die Portugiesin zwei Meilen vom Hofe in Sicherheit.
I Königin gebar eine Tochter, genannt wie sie Joanna, später be-
*) Cr6fUca dd rey Juan secundo, por Ferd. Perez de Ouziman, Logrono^
^, fol — Apindice h la crdnica del rey D. Juan elll.,, por Fr, Liciniano
^f Madrid f 1786 jfoL — Ad. Fried. Schade, Geschichte der dramatischen
<^ und Kunst in Spanien, Bd. I, 1854, p. 128-32.
^ ^se erste Gemahlin Bianca von Navarra wiu-de im Jahre 1153 von ihm
I^Q Unfraehtbirkeit geschieden. FhreZy Beynas etc. II, 767. Wie eine Kaiserin
*^«lUOui CSastilien eingezogen, wie eine Bettlerin zog sie wieder heim, nnd
"^ «is Ge&agene im Schlosse von Orthes am 2. December U64.
^ ftw«, p. 763.
428 ZwSiftes Bach. Drittes K^nteL
§. 36.
m
^"' In derselben Zeit wurde der grossartige Bau der Catfaedrale
V. Mira- Miraflores bei Bargos weitergeführt. Don Juan IL hatte den
florM. unternommen, und ihn soweit gefuhrt, dass die Garthauser schon
Jahre 1442 sich darin niederlassen konnten. Aus diesem Anlasse I
dete sich die Carthäuserprovinz Castilien, welche aus den Carthafl
von Paular, Sevilla, Aniago und Miraflores bestand. Die CaitUt
aus Scala Dei'), welche Miraflores hatten begründen hetfen, sq
sich, da sie Aragonier waren, wieder dahin zurück. Ein Brand zeml
den schonen Bau, sowohl den Palast als das Kloster, im Jahre U
Im Jahre 1454 musste der Bau von Neuem begonnen werden,
aber Don Juan IL in demselben Jahre starb, trat wieder eine Stoob
ein. Doch wurde der Leichnam Don Juans U. im Jahre 1455 ii-
Carthause beigesezt. Im Jahre 1465 wurden die Arbeiten ganz
brechen. Nachdem Isabella im Jahre 1474 zur Herrschaft
wurden dieselben im Jahre 1476 mit grösserer Energie wieder
nommen; der Bau der Kirche wurde im Jahre 1488 zu Ende ge
der des ganzen Klosters im Jahre 1524. Isabella liess vor ihrem |
— 1504 — eine Berechnung der noch rückstandigen Kosten sich %
legen, und wies die nöthigen Mittel zu deren Deckung an, welche
Enkel Carl V. gewissenhaft dazu verwendete. Das Kloster erhielt |
erst den Namen des heiligen Franciscus, im Jahre 1453 aber nahi
den der heiligen Maria von Miraflores an. Der Bau war in seiner
einer der schönsten in ganz Spanien.
§. 37.
£„. Eine der hervorragendsten Personen im kirchlichen wie pobti£<
biichof Leben dieser Zeit war der Erzbischof Alfons de Acuna Carrillo,
riiio To'n ^*"" ^^^ Neffe des im Jahre 1434 zu Basel gestorbenen Cardiiwk
Toledo, fons Carrillo, und war ihm als Bischof von Siguenza gefolgt. Im ii|
1446 folgte er dem Gutierre Alvarez de Toledo als Erzbiscfaof \
Toledo, eine Würde, die er nicht durch die Wahl des Capitels erb
hatte.
Er war lange unter den Gegnern Heinrichs IV. Im Jahre M
machte er dem Könige an der Spize vieler Grossen Vorstellungen ö
■) 8. 286.
EnbiBchof Canülo von Toledo. 429
m nnger^eltes Leben, welche derselbe nicht beachtete. Unter Car- Tniron-
ü) Dod seinem Neffen, Jnan Pacheco, Marqais von Villena, erhob ^•^*-
i der caatilianische Adel gegen die Günstlingswirthschaft am Hofe.
i Terlaogten, dass der Eonig ihnen seinen Stiefbruder Alfons über-
be, welchen sie als Thronfolger ansahen, da sie das Erbrecht der
bona la Baltraneja bestritten. Heinrich IV. gieng darauf ein unter
r Bedingong, dass sich Alfons mit der Beltraneja yermähle. Ein
sschoss von fünf Männern wurde dem Eonige zur Seite gesezt. Zwi-
Ko diesem und dem Eonige kam es zum Bruche. Im Jahre 1464
kilte der Papst auf Bitten Heinrichs IV. dem Günstling des Eonigs,
kiD de la Cneva, die Grossmeisterwürde des Ordens von Santiago,
t der höchsten im Lande, von welcher derselbe zu Segovia feierlich
iiergri£ Dadurch wurden die Unzufiiedenen noch mehr gereizt
tbmd der Eonig sich der Personen seiner Gegner zu bemächtigen
Ik^ schritten sie zu seiner formlichen Absezung, und vollzogen sie
idumpflicher Weise. Der Erzbischof von Toledo nahm die Erone
der Bildsaule des Eonigs hinweg — 5. Juni 1465. Der Eonig
ie p^^nlicbe Elage gegen den Erzbischof in Rom, und verlangte,
) der Papst (Paul U.) denselben, sowie die Bischöfe von Burgos
.Coria, als die Häupter der Gegenparthei, abseze. — Der Papst
idb sich im Allgemeinen gegen das wenig erbauliche Leben des
lipaiis, und suchte den Frieden herzustellen.
Die Yerwirrnng wurde grosser im Reiche. Bewaffnete Banden Der
nktreülen das Land, und keine Macht sorgte für die öffentliche *J°^'*
feheit der Einwohner. Diese griffen nothgedrungen zur Selbsthilfe,
i stifteten unter sich eine Yerbindung, genannt: »Die heilige Bruder-
^'^ (la Santa Hermandad), später genannt die alte oder frühere.
Die Heere des Eonigs Heinrichs IV. und seiner Gegner süessen
k SO. August 1467 bei Olmedo auf einander. Die blutige Schlacht
A unentschieden. Doch behauptete das Heer des Eonigs das Schlacht-
i Kurze Zeit nach der Schlacht kam Antonius Jacobus de Veneria,
1 1464 Bischof von Leon, als päpstlicher Legat nach Castilien, um
ieden zo stiften. Im Anfange waren seine Bemühungen vergeblich.
' Krieg mit allen seinen Greueln wüthete in den Jahren 1467 und
18 fort
Unerwartet starb der Thronerbe Alfons am 5. Juli 1468, nach
fe Einen an Gift, nach Anderen an der Pest. Jezt standen Isabella,
t Schwester des Alfons, und Johanna la Beltraneja als Thronbandi-
i^Q rieh gegenüber. Ihretwegen dauerte der Eampf fort Nach
^ Tode des Alfons hatte Isabella sich in ein Eloster zu Avila zu-
^zogen. Vei^ebens bestürmte sie hier der Erzbischof Garrillo mit
nteo, dass sie sich als Eonigin von Castilien ausrufen lasse. Sie
^\t WoHk Bruder nicht vom Throne verdrangen. Sie suchte
Krieg.
432 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
fahrlich für Isabella, weil der Erzbischof Alfons CarriUo plözUch &1
Feind seines Landes und seiner Königin hervortrat. Bis jezt mi t
treuer Beschüzer und Freund Isabella^s so viele Jahre lang gevresa
Warum gieng er nun in das Lager ihrer Gegner über? AnsEifersiui
antworten die Meisten, aus Eifersucht auf den Cardinal Mendozal
Sevilla, dessen wachsenden Einfluss auf die Königin er nicht ertnfl
konnte. '
Carrillo selbst konnte die Cardinalswürde nicht erlangen. Seh'
im Jahre 1471 hatte der Papst eine Art Process gegen den Br
bischof angeordnet, vielleicht auf wiederholtes Andrängen Enriqae'sf
Es sollten die Klagen gegen den Erzbischof von dem Rathe (von 0
stillen) mit Beiziehung von vier Kanonikern von Toledo behanl
werden. Der Process scheint aber im Sande verlaufen zu sein. Wdl
stens gieng der Cardinal Borja im Jahre 1473 Hand in Hand mit i
Erzbischof. Aber in demselben Jahre am 7. Mai war Mendoza Q
dinal geworden.
Cardinal Pctrus Gonzalcz de Mendoza, der Sohn des Don Inigo
Petrui ersten Marquis von Santillana, und der Dona Catharina Saai
de Men- , t-i i
dosa, Figuerra, wurde geboren am 3. Mai 1428. Mit grossem Erfolge
„der e,. ^le Sprachen, das bürgerliche und das canonische Recht, aod'
dinal y. schöucn Wissenschafteu. In seiner Jugend übersezte er die Aeoeis i
spa-^ Virgil, einige Gedichte des Ovid (nach Anderen auch SaUastiosI
die Iliade des Homer) für seinen Vater, der des Lateinischen ■
kundig war. Der Erzbischof Gutierre Alvarez von Toledo, weU
sein Oheim war, gab ihm ein Canonicat an seiner Gathedrale, l
sandte ihn an den Hof Don Juans II. Von diesem Könige erhielt
das Bisthum Galahorra kurz vor dessen Tode im Jahre 1454. Er
vierzehn Jahre Bischof von Galahorra, im Jahre 1468 wurde ihm
Bisthum Siguenza übertragen. Als die reichsten Bisthümer in S
galten damals Goria, Palencia, Guenca und Siguenza.
„Admi- So hatte der spanische in Rom lebende Gardinal Johann, de
niatrato- zucrst das Bisthum Goria, dann das Bisthum Siguenza viele Jahre
^administrirt". So vertauschte mit Einwilligung König Enrique'i
der oben erwi^te päpstliche Legat, seit 1473 Gardinal A. J. de Vi
— das Bisthum Leon im Jahre 1470 mit dem eintraglicheren Bi
Guenca. ,^Ja er erhielt Vollmacht, sein Bisthum mit jedem asda
im* Reiche (Aragonien und Gastilien) zu vertauschen, mit EinscUl
von Monreale in Sicilien, ausgenommen allein Saragossa^ *). Das fii
») Esp. sagr,, t 36, p. 73,
Gudinal Petras de Mendozü 433
tkuD Caenca j^administrirte*' er bis zu seinem Tode, der za Recanati
m 4. Angost 1479 erfolgte.
Nachdem der Cardinal- Administrator von Signenza, J.de Mella,
m l3. October 1467 zn Rom gestorben, und so das Bisthum Siguenza
rifcdigt war, erlangte dasselbe Petras de Mendoza. Die Cardinals-
rnrde erlangte er am 7. Mai 1473, noch zu Lebzeiten Enri([ue's IV.,
€1 dem er in hoher Gmist stand. In der Cathedrale von Siguenza
rbaote er den Erenzgang (d OnuserQ). — Um diese Zeit wurde auch
IS Erzbbthum Sevilla' durch den Tod des Erzbischofs Fonseca er-
fiigt; Mendoza erlangte dasselbe im Jahre 1474 zu seinem Bisthume Si-
peoza. Als das Bisthum Osma im Jahre 1478 erledigt wurde, erlangte
lancb dieses noch, und „administrirte" es fünf Jahre lang, bis zum
hkel483.
•
Der Cardinal Mendoza war eine so hervorragende Persönlichkeit, 0"dii«i
h er neben sich Alles und Alle überragte und in den Schatten stellte, de Men-
bMissbefaagen sah Alfons Carrillo dessen steigenden Einfluss an dem ^^*^
tfe babella's und Ferdinands, und er gieng in das Lager seiner bis-
tigen Feinde über. Er vereinigte ^ seine Mannschaften mit dem Heere
I Portogiesen , und half mit Feuer und Schwert sein Vaterland Ca-
Keo versengen und verheeren.
In der Schlacht von l'oro — am 1. März 1476 — kämpfte Car-
i» im Heere der Portugiesen, Mendoza aber im Heere der Castilianer.
StoiDo erlag. Er und der jüngere Marquis von Villena verloren einen
idnitenden Theil ihrer Besizungen. Am 24. September 1479 kam es
BD definitiven Frieden mit Portugal.
Die* erwähnte unter Heinrich W. durch den Nothstand des Lan- ^»u
t gegründete „Santa Hermandad^ wurde durch die Cortes des Jahres mandad.
ciC als öffentliches Institut der Sicherheit geregelt, und über das ganze
ttd ausgedehnt. Ihre Aufgabe war die Bestrafung der Verbrecher
il die Aofrechthaltung der öffentlichen Sicherheit. Je 100 Familien-
ler mnssten einen Bewaffiieten und ein Pferd aufbringen. Die Ab-
^neten der „Hermandad^ hielten jährliche Versammlungen. Durch
ae& Tolksthümliche Institut, das vorwiegend gegen die Raubritter
sichtet war, wurde in Bälde dem Lande die allgemeine Sicherheit
lackgegeben«
Die „katholischen Eonige" suchten besonders die geistlichen
itter-Orden unter den Einfiuss der Krone zu stellen. Was für jene
^ gut sein mochte, trug für die spätere Zeit den Keim der Auflosung
ieser Orden in sich. Im Jahre 1476 entstand ein Streit im General-
^pitel des Ordens von Santiago wegen der Wahl eines neuen Oross-
^eisten. Isabella begab sich selbst in die Versammlung, und sezte
^«ii, litt. Kinh«. UI.1. 28
Ritter-
orden.
434 Zwölftes Buch. Drittes Kapitel.
die Wahl ihres Hannes durch. Papst Hadrian VI; war gegoi Cftri ^
80 gefällig, dass er aach die Grossmeisterwürden der Orden toq A
cantara und Calatrava im Jahre 1523 mit der Krone Spaniens tc
einigte'}. Es war diess ein Zuwachs der Macht der Krone, weU
mit schnellen Schritten unter Philipp II. jener Staatsomnipotenz i^
gegenschritt, welche sich auch die Kirche zu Füssen legen wollte, i^
Spanien von jener Hohe wieder herabzog, die es nur vorfib^geh^
unter Isabella erreicht hatte.
§. 40.
I
AifoDB Alfons Garrillo zog sich nach der Niederlage der Portugiesen oi
^n^er -^^cal^ zurück, machte aus der Noth eine Tugend, und führte ein i
zaroek- gezogeucs Leben. Im Jahre 1478 erhielt er von Papst Siztus IV. |
ge^nbeii. Auftrag, gegen Petrus Martinez de Osma, Professor der Theolc
Salamanca, einzuschreiten. Derselbe hatte ein Buch über die
geschrieben, das viel Aergemiss gab. Er behauptete besonders,!
das specielle Bekenntniss der Sünden nicht eine gottliche, sonderai
menschliche Anordnung sei. Am 25. Juni 1478 forderte der Papstj
Dor Irr* Alf. Carrillo zum Einschreiten auf. — Es wurde constatirt, dass
Pete/ Petrus von Osma in den Jahren 1476, 1477 bis 1479 von seinem U
V. Osma. stuhle aus und an anderen öffentlichen Orten falsche Lehren über r
heiligen Sacramente und das der Busse im Besonderen ausgesproir
und dabei die heilige Schrift gegen die Tradition der Vat^ nnd j
Kirche erklärt habe. Er habe in dieser Zeit ein Buch: „De Qmfinon*^ (0
fesrione) herausgegeben, das mit den Worten beginne: „Decmttxi
condüiones^j und schliesse: „Qui mderü hoc 'opti«, corde ieneaf
dieses Werk sieht, der halte es fest in seinem Gredächtnisse).
diesen falschen Lehren sei schon viel Unheil eitstanden, Streit
Verwirrung der Geister. Er lehrte: 1) Tod- und lässliche S^
kommen darin zusammen, weil, insofeme die Sünde von dem
Willen ausgeht, die eine und andere Sünde durch das IGsfi&ll^
derselben ausgetilgt werde. 2) Sünden, die bloss in Gedanken be^
werden, werden durch blosse innere Reue getilgt, ohne Zoflacht
Schlüsselgewalt; böse Gedanken werden, wie die lasslichen Si
durch die blosse Reue des Herzens (ohne das äussere .Bekennt
getUgt 3) Das Bekenntniss der Sünden im Besondem geschiebt i\
eine allgemeine Anordnung der Kirche, nicht vermöge göttlichen
■) S. 280.
Die Irrtbümer Pedro*s de Osma. 435
[Gebotes). 4) Capitalfehler, die mit dem Namen „Scdigaf' V bezeichnet
rerden, sind an sich selbst nicht Todsunden, wenn aber eine derselben
0 sich eine Todsünde ist, wie der Neid, so hat sie doch die Excom-
nnication nicht zur Folge, so dass es der Aussöhnung durch den
Viester bedurfte* 5) Die Ponitenten sind nicht früher zu absolviren,
H sie die ibnen auferlegte Busse vollbracht haben. 6) Das Sacrament
er Bosse ist ein Saorament des neuen Bundes; was die Einsezung,
en Ritas und die Wirkung der ReconcUiation betrifft, gehört es zu
er Kirche und ihren Sacramenten; was aber die Vermittlung der
bttde (durch es) betrifft, so ist es j^aaeramentum naturae, rton alicujua
iffiM vd novi testomenii^^.
Diese Behauptungen oder Conclusionen aus den Lehren jPeters
n Osma wurden nun in mehreren Conferenzen behandelt, und diese
Mlümer verdammt, der Erzbischof aber zum Einschreiten angerufen*).
\ sollte den Petras Vorbescheiden, ihn verhören, und ihn zum Wider-
f Teranlassen. Eis ergieng nun folgender Erlass:
»Wir Alfons Carrillo, durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Peter
)iedo, Primas der spanischen Lande, und Oberkanzler von Castilien, ^'^^^'
ftiger apostolischer Richter, gegeben und aufgestellt durch unseren Mine
j%en Vater, dermaligen Papst Sixtus IV«, für die unten anzuführende ^^^^
khe ond Verhandlung, wie es in den beigeschlossenen apostolischen
Kfen enthalten ist An euch, den geehrten Petrus Martinez von
■Da, Magister in der heiligen Theologie und in den Künsten, Inhaber
ii ersten Lehrstuhls der Theologie an der Universität Salamanca, Ca-
nicDs an der Kirche von Cordova und Racionero (Dompräbendat) an
t Kirche der erwähnten Stadt Salamanca, Heil und Segen, damit Ihr
iseren Befehlen, welche vielmehr apostolische Befehle sind, entschieden
tborchet Wisset also, dass vor Uns erschienen sind die geehrten
ctms Jimenes de Prexamo, Magister (in) der heiligen Theologie, Ga-
MUCQ8 an unserer heiligen Kirche von Toledo, und Petrus Diaz von
tttana, Ldcentiat (in) der Theologie, Canonicus an der Kirche von
vgos, welche Uns eine apostolische Bulle mit allen Zeichen der Aecht-
ot Yorgel^ haben^, — die nun eingeschaltet wird.
Eb werden sodann die Irrthümer Peter's, wie oben, ange- wird
fltft Petrus solle persönlich vor dem Erzbischofe zu Alcala er- ^^^
oltirt
') Naeh einer ap&teren ErUSrnng werden darunter schwere Sünden in Gedanken
runden.
*) Eine andere Lesart ist: Sacramentum nee eH non älicujiia veteris vel novi
»tamenÜ
*) scbre la quäl imphraran el oficio de eu senoria reverendissima.
28*
436
Zwölftes BQch. Drittes Kapitel
scheinen ^) — am Id. Mai 1479, nm Rede za stehen, and sich zu ▼(
Worten. Erscheine er nicht, so werde man gegen ihn als men
starrigen, und der EULresie Verdächtigen yorschreiten.
Die Citation erfolgte am 22. März 1479; am 30. März wi
dieselbe dem Petrus zuSalamanca mitgetheilt, dei* sich eine Abschrift
bat and sie erhielt Die Commission, welche über die AnklBgen
richten sollte, bestand aas dem Archidiacon von Toledo, dem G<
der Franciscaner , der Hieronymiter , dem Provinzial der Claost
Dominicaner, und der Dominicaner-Observanten, dem Abt von Agai
zwölf Magistern aus religiösen Orden, mehreren Weltpriestera, vic
Doctoren etc.; im Ganzen vierzig, wenn Tejada richtig gelesen
interpungirt hat^).
Am 15. Mai sezte sich der Erzbischof in dem Saale seines Pi
zu Gericht; Don Pedro wurde gerufen und erschien nicht Die
handlang wurde auf den 17. Mai vertagt Am 17. erschien Petras
Oyuelos, Hausgenosse und Gaplan^ des Magisters Osma, und
sehr lange Vollmachtsbriefe seines Herrn und Meisters vor. Di
war Petrus auf dem Wege nach Alcala am 1. Mai in
angekommen, wo ihn ein hiziges Fieber befiel; dazu trat noch ein
Wegär fieber^), das sein Leben in die grosste Ge£Edir brachte. Für die
Sache selbst wurden Zeugnisse beigebracht, unter andern des „Vi(
von Madrigal, und des behandelnden Arztes.
Die Verhandlung selbst fand nach einigen Tagen statt Der
bischof hielt eine Rede mit einer sehr demüthigen Introduction,
forderte die Doctoren auf, zu richten und zu entscheiden. Nach
sprachen kurz Don Tello de Buendia, Erzdiacon von Toledo, F(
de la Puente, Secretar des Erzbischofe, der Doctor Didacos
von Zamora zur Vertheidigung der Universität Salamanca, die
der Schuld eines Einzigen nicht leiden dürfe; die Mutter dürfe ßr
Ungerechtigkeit des Sohnes nicht gestraft werdei^ Der Erzbi
möge also die allerdings harten Worte, die er gegen Salamanca
sprochen, rectificiren oder modificiren. Es sprach der Ldoentiat Fe
Didacua de Costana. — Die meisten Anwesenden stimmten dafür,
das Buch des Pedro von Osma verbrannt werden solle. Ein il
Er-
krankt
auf d«m
*) «I 6s<a fiuefira tfiUa de Aleaia de Hmaree m nmutroM paiaaot
ft^pob» de la diehavOia.
*) Spitar wild gesagt, es seien 58 Doetoren; nameolUeh aber werden 19
«nmt AttderwiHa lesen wir: 52 DoetoEttu
•) (Modo i CapeUan vd (dd) vmeralde PiBdn iiarti^
heiast eigeatlieh Dieii8dK>te.
0 Ist aor eilf Leguas von Stlamtnci eatfent
^otra/bhnojNiIrMhi.
PetniB von Osma. 437 *
fiescUüsa sei schon am 14. December 1478 gegen Petras von Osma
m 26 Doctoren zu Zaragoza gefasst worden.
Am 24. Mai wurde die Schrift Pedro's von Osma vor den Thoren g^j^
kr Kirche der heiligen Maria der Grosseren den Alcalden der Villa ^n^h
OD Alcala Sbei^eben, beim Ausrufen eines Heroldes, und unter dem ^„,
Ihinge vieler Trompeten, und sie wurde sammt den erwähnten Propo- brannt
itionen in ein grosses Feuer geworfen, und also verbrannt. — Der Erz-
rscbof erliess später Schreiben an Petrus von Osma, an den Bischof und das
ipitel von Salamanca, an die Universität Salamanca. In diesem Briefe
m 30. Juni wird berichtet, dass Petrus persönlich in Alcala erschienen
i, um seine Irrthümer abzuschwören. Der Erzbischof veranstaltete
le feierliche Procession am 29. Juni, an der er selbst Theil nahm.
»Pedro trug eine brennendß Kerze. Angelangt in der Kirche des ^^
i^D Franciscus bestieg Don Pedro die Kanzel, und las vor den wider-
iteseoden die Formel der Abschworung seiner Irrthümer vor. Als ^ ^^^
iKe legte ihm der Erzbischof auf, dass er ein Jahr lang in der Stadt gn^dif^!
hmaoca und ihrem Umkreis sich nicht blicken lasse. Dann aber
k er seinen guten Ruf, und das Amt der Lehre und Predigt
der erlangen, überhaupt in seine früheren Aemter und Ehren alle
lier eiogesezt werden. — In einer Bulle, deren Datum nicht an-
Ata ist, bestätigte Papst Sixtus IV. unter grossen Lobsprüchen
lim Erzbischof von Toledo Alles, was in dieser Angelegenheit ge-
Un war.
Petrus von Osma trat wieder in das Dunkel zurück, aus welchem
fnr einige Zeit aufgetaucht war. Ueber dem Erzbischof Carrillo
y lächelte in seinen späteste^ Tagen ein freundlicher Stern; es
ckte ihm, sich selbst als eine Säule der Orthodoxie aufzurichten. —
r Ourdbal von Spanien aber musste noch vier Jahre warten, bis er
\ Primatialstuhl von Toledo besteigen konnte ^).
*) AguirreCaiälani, F, 351-^368. Tejada hatte das in barbarischer latei-
Aer oiul barbarischer castUianischer Sprache verfasste Protocoll der Verhaad-
l^y aofgeaommen nnd gef&hrt von dem Secretar des Ck)Dcil8, Pedro de la
ttte, m Hand, and theil t dieses Protocoll der Substanz nach mit; T^ada, F,
30— ()7.
438 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel.
§. 41.
Der hl. Der heilige Johannes (a San. Facundo) wurde zu Sahagnn gebe
«»« n. und erhielt den ersten Unterricht bei den Benedictinem daselbst
von oft*
Joannes
von Sa-
hMgan, wurde Priester und Canonicns an der Kirche zu Bnrgos. Er en
1. s. A
Erem.
^' ^' ^' aber allen Aemtern und Einkünften, und widmete sich an einer Ci
dem kirchlichen Dienste, wo er taglich das heilige Opfer darbradl
und häufig predigte. Der Studien wegen gieng er nach Salaman
und wurde in das CoUegium des heiligen Bartholomäus aufgenomd
wo er sehr fleissig zu predigen fortfuhr. Als er gefährlich erkranU
verpflichtete er sich durch ein Gelübde zu einer strengen Lebeosw^
Er trat in das Kloster der Augustiner von der strengeren Obs
und leuchtete bald durch Heiligkeit und Wunder. Bald wurde
das Predigtamt übertragen. — Der wildeste innere Krieg herrschte
mals in Salamanca. Ihm gelang es, durch seinen Eänfluss die
müther zu beruhigen.
Durch ein Wunder entgieng er selbst dem ihm bereiteten
Er erkannte die Geheimnisse der Herzen, und kündigte das Z
voraus. Die Tochter seines Bruders, welche sieben Jahre alt gesti
war, rief er zum Leben zurück. Auch den Tag seines Todes
voraus, der am 11. Juni 1479 erfolgte. Wunder geschahen znr
zeugung seiner Heiligkeit.
Auf seinem Grabe las man die Worte;
Hie jacet, per quem non Sdlmantica j<iceL \
Papst Clemens VHI. sprach ihn selig im Jahre 1601, F^
Alexander VUI. nahm ihn im Jahre 1690 in die Zahl der m
gen auf*).
') Vita auctare Joanne Hispalensi (Fr. Juan de Sevilla war damals
des KloBters der Augustiner, f 1509) in Act. Sctor. Boü, 12 Juni, U^ p- ^ti
(Nie. Antonio, II, 315). — Alia acta ad vitae antiquiorie auppl
p. 630^63. — Augustin. Antolinez (Erzbisehof von Santiago, f 1626). V^
San Juan de Sahagun, Salmant. 1605. Italice etc., Hononiae, 1615. -
de Mariz, Historia de San Joao de Sahagom Patron SalmanÜno, Li
1609. — Simon de CasteXbranco , O. S. A., Vida de San Juan de
1669 (beide leztere sind Portngiesen). — Sanctu» mirab. Joanne» a. A
cundo . . . a convenh« Viennenei Ord. Er. S. P. Augustini dicaJtm.
1691, 8\ — Bern. Dorado, Oompendio hietor. de SaUananea^ Sol.
p. 313-^18.
Krieg gegen Grunds, 1481—92. 439
§.42.
Seitdem das Königreich Granada am Ende der Begierung Ferdi- ^^
iinds des Heiligen gegründet worden, war seine Existenz kaum ernst- gegen d.
i'b bedroht worden. Besonders lag das Königreich Castilien im fünf- ^««ren
ehnteo Jahrhundert in der tiefsten Agonie, und musste für seinen i^si.
igeoen Fortbestand gegen Portugal kämpfen. Der Krieg gegen die
bnreii, den Konig Enrique IV. mit grösstem Geräusche und Pompe
^ann, endigte auf die kläglichste Weise.
Der Konig Muley Abul Hassan von Granada antwortete auf die
Wdening |,der katholischen Könige^ ^), einen jährlichen Tribut zu
«ahlen, mit der Erklärung, dass die Münzstätten seines Keiches fortan
üi Gold, sondern Stahl prägen würden. Im Herbst 1481 nahm der-
k>e die castilianische Festung Zahara hinweg« Damit war der Krieg
itschiedcn. Die Spanier nahmen dafür die Festung Alhama, nur
eben Legnas von Granada entfernt, durch Ueberrumpelnng hinweg —
a 28. Februar 1482. Schrecken überfiel die Mauren. Abul Hassan •
d Ferdinand rückten nun ins Feld. Es galt Alhama zu behaupten
kr es zurückzaerobem. Am 6. März standen die Mauren wohl
QjDOO Mann stark vor der Stadt. Nach drei Wochen musste Abul
ittaD ohne Erfolg nach Granada zurückkehren, eilte aber, nachdem
ttk die Spanier hin weggezogen, schnell wieder herbei; auch diessmal
bnA Erfolg. Ferdinand selbst zog am 14. Mai in Alhama ein. Die
iti Hauptmoscheen der Stadt wurden christliche Kirchen. — Eine
poische Flotte sollte die Ankunfl eines Hilfsheeres aus Afrika ver-
iodem. — Von der Stadt Loja musste Ferdinand mit schweren Ver-
Kten abziehen.
In Folge einer inneren Umwälzung kam in Granada Boabdil (el
Jbico), Abun Hassans ältester Sohn, zur Regierung, während dem
Täter unter anderen Malaga, Guadiz und Baza treu blieben«
Der Feldzug des Jahres 1483 drohte an Geldnoth zu scheitern.
P^pst Sixtus IV. bewilligte die Summe von 100,000 Ducaten aus den
Kirchenzehnten, — Unter den gewohnlichen Bedingungen wurde zum
KrenzzQg gegen die Mauren eingeladen; die Indulgenzen sollten auch
^en zu Thcil werden, welche durch Geldopfer am Kriege sich bc-
uieiligten. Im März und April 1483 wurde mit wechselndem Erfolge
gekämpft Während Boabdil „el Zagal^, Oheim des neuen Königs,
*) »^ reifes catholico^ ist in Spanien die stehende Bezeichnung fQr Isabclla
^ Ferdinand.
440 Zwölftes Baoh. Drittes Kapitel.
siegte, wurde Boabdil „der Kleine^ bei Lucena besiegt, und
21. April gefangen genommen. In Folge von Verhandlungen warde
freigelassen; er versprach, jährlich 12,000 Golddublonen za entridii
den Spaniern freien Durchzug durch sein Land zu gewähren, und ihi
alles Nothwendige tut den Krieg gegen seinen Vater und Oheim
liefern. Er versprach auch, seinen Sohn und die Söhne der vomelii
sten Mauren als Geiseln zu stellen. Ein Waffenstillstand auf
Jahre wurde stipulirt. Zu Cordova kam Ferdinand mit Boabdil
sammen, der mit sehr vermindertchoi Ansehen nach Hause kehrte. Ni
standen die beiden Boabdil sich feindlich gegenüber, nachdem der
erblindete Abul Hassan zum zweiten Mal gestürzt worden, und
darauf gestorben war. In Granada selbst kämpften die Anhänger
beiden Boabdil gegen einander.
Am 29. Hai 1486 fiel die Stadt Loja')» welche damals M
Mauern hatte, in die Gewalt der Christen. — Es schien nicht mogU
Granada vor Malaga zu erobern. Denn durch die nicht ganz thd
schneidende Verbindung mit Afrika war Malaga den Unternehm
der Spanier sehr gefährlich. Malaga war damals unbestritten die
Stadt des Maurenreiches, zählte aber doch nur 30,000 Einwohner,
umliegenden Orte wurden fast alle vorher erobert Alora, 7 % St
von Malaga entfernt^, wurde belagert seit dem 8. Juni 1484, und
20. Juni erobert*).
Im Jahre 1485 wurden Coin und Cartama erobert; sodano IM
und Marbella, lezteres südwestlich von Malaga am Mittelmeere ^.
hoher Bedeutung wai* die Einnahme des im Osten der Stadt, glei
falls am Meere gelegenen Velez (Alt-) Malaga. Mit 40,000
Fussvolk und 12,000 Reitern begann Ferdinand am 17. April 1487
Belagerung von Velez-Malaga; ein Heer der Mauren unter Boa
Zagal wurde zurückgeschlagen. Die Stadt war zu Wasser uikI
Lande eingeschlossen. Am 27. April ergab sich die Stadt unter
stigen Bedingungen.
Im Anfange des Mai ruckte Ferdinand gegen Malaga selb
*) Acht Leguas von Gnnada, und sehn von Malaga enüenit Berfihmt dot
ihien Waaseneiohthom nennt sie doh: Ffos inter spiiuu — die Blmne mtef A
Dornen.
') i. oben n, 1, S. 18.
*) Pulgar, Henumdo,
^^«1 Cbnoeraocumes kisioricaa Maiaffumas,
Erobening von Malaga, 1487. 441
beeil FestoDgswerke im besten Stande waren. Die Anhöhen im
ideo worden nach heftigem Kampfe genommen. In einem weiten
Ibbogen von Meer zu Meer schloBS das Heer der Spanier Malaga
Nach langem verzweifeltem Widerstände erlagen die Kräfte der
nreiL Isabella and Ferdinand zogen am 18. Augast 1487 in Malaga ^g^^
, Aach hier wurde die Hauptmoschee in eine provisorische Cathe- erobert,
le verwandelt Alle Mauren wurden zu Sclaveu gemacht; der dritte '^^'
lil derselben sollte gegen Christensclaven in Afrika ausgewechselt
den. Etwa 15,000 Mauren, der Rest von 30,000, verfielen dem
i der Sdaverei. Mit" der Bevölkerung der Stadt gieng nun ein voll-
rdiger Wechsel vor. Sie bestand nunmehr aus Spaniern, welche aus
I Norden eingewandert waren').
Am 4 Augast 1486 erliess Papst Innocenz VIH. eine Bulle,
|R er den „katholischen Königen^ das Patronatsrecht in dem zu er-
Mlen Königreiche Granada einräumte. Sie sollten das Recht haben,
aflea Bisthumem, Abteien, Dignitaten, Canonicaten, Prabenden und
iBeneficien des Reiches Granada, das sie erobern würden, zu er-
RD. Die Ausführung dieser Bulle war dem Cardinal von Toledo,
Erzbischof von Sevilla, und deren Nachfolgern iibertragen.
Nach dem am 7. Juli 1482 erfolgten Tode des Erzbischofs von b»-
iio, Alfons Carrillo, war ihm in dieser Würde unverzüglich „der >>i'«>^^'«
inal von Spanien^, Mendoza, nachgefolgt. Das dadurch erledigte seTiiuu
tadram Sevilla erhielt Inicus Mxmrique, bisher Bischof von Jaen.
adbe starb schon im Anfange des Jahres 1485. Nach seinem Tode
eine längere Sedisvacanz ein. Der Cardinal Rodrigo Borgia liess
Mom Papste die Administration des Erzbisthums übertragen, aber
btholischen Konige weigerten sich, denselben die Einkünfte . des
l^Uthams beziehen zu lassen. In Rom gab man nach. Im Jahre
6 wnide der Bischof von Palencia, Didacus Hurtado de Mendoza
iischof von Sevilla, und im Jahre 1500 auch Cardinal. — Er hatte
aehst für die Errichtung des Bisthums Malaga zu sorgen. Die katholi-
BD Könige prasentirten als ersten Bischof von Malaga ihren Caplan
IGrossalmosenier^, Petrus Diez (oder Diaz) von Toledo und Ovalle,
KmicQs von Sevilla. Am 6. December 1487 wurde er in Rom be-
igt- Er wurde durch königliches Decret vom 13. Juni 1488 in
ie Wurde emgewiesen, welche er bis zu seinem Tode im Jahre 1499
ladete*).
*) Qmotnac MalaguetiUu, t II, p. 25S6, p. 96—173.
*) Lknotmero mqjor.
[) Ccnenadones etc, p. 174—182. — Frano. J. Simonetf Descripcion
^^ cla Granada bajo la daminacion de los Ntuerüaa, Madrid, 1860^
442 ZmmmBmk. Drittn KapMaL
§.43.
Boabdil Zagal (der Tiqp&re), welchar den Kri^ mit ongebroche-
j^^ nem Moibe fortsezte, hatte Baza zur Hauptstadt seines anf Hochanda-
losien beschrankten Reiches gemacht« Gr^en diese Stadt zog FeidiDuid
im Jahre 1489 mit einem doppelt stärkeren Heere, als froher gegeo
Malaga, heran. Der Kri^ nahm so sehr das Interesse des christlichen
Enropa's in Anspruch, dass im Lager dar Spanier viele Freiwillige aos
Frankreich, Deotschland, der Schweiz, England sich einfiuiden. Die
Stadt Baza wurde Ton 20,000 Mauren vertheidigt. Hilfe oder Entsaz
war Ton keiner Seite zu erwarten. Wie vor Malaga, so ¥rar andi jezt
Isabella vor Baza erschienen — 7. November. Der Zauber ihrer Per-
sönlichkeit gab Allen Muth, Freudigkeit und Ausdauer. Das zahlreicbe
Heer war eine grosse Christengemeinde.
Im December wurde die Stadt unter sehr billigen Bedingungeo
nbei^eben; die Einwohner durften auswandern oder bleiben, ihrEigc^
thum und ihre Einrichtungen behalten, ihre Religion frei aasüben. K
„katholischen Könige^ zogen am 4. December in der Stadt ein. Ds
König „el Zagal** übergab bald darauf seine noch übrigen Städte, b6
sonders Guadix und Almeria, den Spaniern unter denselben Bedingaoges
wie Baza. Er wurde Vasall des Reiches Castilien, erhielt einige Lsnti-
bezirke und eine namhafte Jahresrente. Zu seinem Unglücke aber konnte
er diese Lage nicht ertragen. Er vranderte mit einer schonen Abfin-
dungssumme nach Afrika aus, und soll den Rest seines Lebens in
grossten Elend verbracht haben ^).
Die Titularbischöfe von Malaga finden sich in den Jahren 1261—67:
^ vom Jahre 1420 bis circa 1485 werden vier Titularbischöfe genaont
ibfim«r Vier Titularbischöfe von Gruadiz werden in den Jahren HOl, 1433, 143^
*'"~*^nnd 1476 genannt Im Jahre 1490 wurde das Bistham Guadix wieder-
hergestellt; es erhielt zugleich den Namen Bisthum von Acciund Baza,
um dadurch das Andenken an das frühere Bistbnm Basti zu erbalteni
das wegen der geringen Bevölkerung nicht wieder hergestellt wunlc
Denn Hochandalusien ist eine weite unfruchtbare Steppe, mit cinigeß
fruchtbaren Oasen. Erster Bischof von Guadix wurde der JFranciscaner
Garcia de Quijada, der seit dem Jahre 1486 den Siz des BistboiD'
Bisarcio auf Sardinien eingenommen hatte. Seine Ankunft verzögerte
0 Hiftoria de lo» rt^ eaiolieaa D. Fernando y D. l9aM, evcrtto |^
WiUüm H. PreteoU, Madr. 1848. üebertrsgung in »cht kleinen Bfindche» t»
Hern Englischen (In der BMioteca du Siglo), t ni, p. 137-56.
Die alten Bisthümer erneaert. 443
sich bis zam Jahre 1493; das Bisthum Guadiz verwaltete er bis zu
seinem Tode im Jahre 1522.
Als Ahneria im Jahre 1147 vorübergehend von den Christen er-
obert wurde, hatte es den heiligen Dominions, Benediciiner, zum Bischöfe
erhalten. — In den Jahren 1436, 1439 und 1487 werden drei Titular-
bischofe von Almeria erwähnt. Am 22. December 1489 wurde Almeria
eingenommen mit einem Verluste von 20,000 Menschen *). Guadix wurde
am Ende des Januar 1490, nach leichtem Widerstände, eingenommen,
und bald darauf das Bisthum wieder hergestellt*).
') Hit einem Verlnste von 20,000 Mann, sagt unter anderem der Spanier
Vic de laFuente (7F, 602); Will, PreacoU dagegen, es habe sich ergeben, ohne
einen Schnss zn thun (sin disparar un tiro)^ III, J53. — Wohl kostete der ganze
Fddzog gegen Baza an 20,000 Mann. Die Mehrzahl fiel den Entbehrungen und
Strapazen zum Opfer.
') Wir haben die Errichtungsbullen der drei Bisthfimer in den nns
Torliegenden Greschichtswerken über die drei Bisthfimer Malaga (Conversac, Mala-
guiias, 1792), Guadiz (Pedro Suarez, Historia du Obispado de Ouadix y
BoM, Madrid 1696), und Almeria (Paaquai y Orban^a, Vida de San Indaledo
y Almma iUustrada, Alm, 1699) vergebens gesucht; bei Guadiz und Almeria
Bcfaeint nicht einmal Jahr und Tag der Errichtung festgestellt zu sein, und so muss
vohl die allgemeine Bulle vom 4. ^QfiTQst 1486 als Errichtungsbnlle betrachtet wer-
<^. Vic. de la FnenU schreibt im Jahre 1{^59 die Wiederheratellnng der Bisthtt-
oer Guadiz und Ahneria dem Jahre 1488 zu. Im Jahre 1874 liis^ er Almeria im
J»hre 1490 hergestellt werden« — In dem Werke: Suplemento al Dicdonario de
Tedogia del ab. Bergier -^ p. Antolin Monascillo (heute Bischof von JaSn), Ma-
drid 1857 — lesen wir unter dem Titel: Obispadoe en Espana, p. 630 — Malaga
Bei am 18. August 1487 (?) durch die katholischen Könige als Bisthum wieder her-
gestellt worden, Guadiz am 30. December 1489, Ahneria am 26. December 1490;
Gnuuida sei im Jahre 1492 Erzbisthum geworden. Leztere Angabe ist wohl richtig,
aber Monat und Tag ist nicht angegeben. Dagegen ist der 18. August 1487
eben nur der Tag des Einzuges der «katholischen Könige* in Malaga. Die Angabe
ober Guadiz erregt Zweifel, weil die Stadt im December 1489 noch nicht in den
Häaden der Christen war. — Die „Otcta eceUsiasHea*^ der spanischen Bisthfimer
vom Jahre 1862 und 1865 begnfigt sich zu sagen, dass obige Bisthfimer gleich nach
Eroberung obiger Städte errichtet worden seien. Vic de la Fuente bietet keine
näheren Angaben. JFV. J, Simonet in seinem erwähnten Werke citirt wiederholt
die Errichtungsbulle von Granada, die er im Originale gesehen habe; er theilt aber
weder die Balle noch das Datum derselben mit. So bleibt die Frage weiterer For-
schung anbeimgestellt.
444 Zwfilftea Baeh. Drittes Kapitel.
§. 44.
Ol« Im März 1490 erschien Ferdinand vor Granada« Boabdil
^J|.*° Kleine^ hatte früher die Uebergabe Granada's versprochen, wenD
Granada Städte Und das Gebiet ßoabdiis el Zagal in der Gewalt der S
wären. An sein Versprechen gemahnt antwortete er aasweichend,
er dazu seine Mauren nicht zwingen könne. Die Maaren erhobeo
wirklich mit aller Kraft zur Abwehr ihrer Feinde. Das mit
Thürmen beschfizte Granada schien jedem Angriffe Stand zo bltal
Die Eiuschliessung der Stadt, namentlich nach Osten und Südes, 4
keine leichte Sache.
Die Das ganze Jahr 1490 verstrich ohne wesentliche Erfolge. !
santl ^^^^^ ^^^^ erhob sich mit grosser Schnelligkeit in etwa drei M<
^"^ gegenüber von Granada die Stadt Santa Fe. Diesen Namen
heilige Glaube^ gab Isabella der Stadt, weil sie überzeugt war,
sie einen Kampf für den heiligen Glauben ITihrte, und weil
festen Glauben an das Gelingen ihres Werkes hatte. Denn der
Krieg gieng — im Grunde — von ihrer Initiative aus; von ihr
jene seltenste Disciplin aus, in Folge deren keine Dirne im
Lager sich blicken liess, alle Würfel- und Wettspiele aus]
waren. Ihr beherrschender Geist beherrschte jezt auch den
edlen, weniger katholischen Ferdinand.
Die Mauren überzeugten sich von dem Entschiasse der Sjm
um jeden Preis Granada zu gewinnen. Beraubt jeder AassiclitJ
Hilfe wankte und wich ihr Muth und ihre Ausdauer. So olli
Mauren Santa Fe erblickten, mussten sie sich erinnern, dass dk
lagerung auch den ganzen Winter über dauern werde.
Unter. ^^ Octobcr 1491 knüpfte Boabdil heimlich die ersten Ve
band- langen zur Uebergabe an. Die Bedingungen waren am 25. No
nogen. f^g^^g^]]^^ j)jg EinwohucT Grauada's sollten ihre Religion frei
üben, und im Besize ihrer Moscheen wie ihres Eigenthumes bt
Sie sollten ihre eigenen Geseze und ihre eigenen Richter, j
') WashingUm Irving in seinem Werke: A chronide of the O0"^
Oranada^ from t?ie ifwa. chronide» of fray Ant. Agapida^ Jjmdm
2 voU in 8 (französisch: l'Histoire de la conquiU de Cfrenade^ par J.
Paris, 1829y 2 vol. in 8, deutsch: EroberuDg von Granada, Fraokfiut,
Bd. 1—3) giebt Bd. I, cp. 1 eine sehr aDscfaauliche Schildenuig der da]iialig<»
Granada.
Gnmada erobert 445
(tf der Anfticht eines spanischen Gobernador's, erhalten. Die Aus-
rderoog (nach Afrika) war in jeder Weise erleichtert Eine drei-
jge Frist zur Answandemng wurde gegeben; während dieser Zeit
den den Auswandernden Schiffe ssur Verfügung gestellt Die Zu-
Ebleibenden sollten drei Jahre keine Abgaben entrichten, dann aber
le grösseren als bisher.
Boabdil sollte ^ wie sein Onkel, als Lehensmann der Krone
lilia in dem Gebiete der Alpujarras einen sehr fruchtbaren Land«-
ih besizen. Es waren diess die Villa's und Orte von Adra am
r, Berja, Andaraz, Dalias, Marchena, Orgiba, Bolobui, Luchar,
%ira, Pnqaeira, Jubiles und Jubilein, Ugijar und andere, ein Land-
b von grosser Fruchtbarkeit und Lieblichkeit
Wenn in sechszig Tagen kein Hilfsheer erscheine, sollte der Ver-
m Kraft treten.
Hilfe war nicht zu hoffen; Boabdil war in grosser Lebensgefahr;
Sttogersnoth wuchs in der Stadt So wurde die Stadt vor Ablauf
Prist am 2. Januar 1492 übergeben.
Der Cardinal von Spanien zog mit seinen Leuten voraus, um
Aibambra zu besezen. Wie in der Entscheidungsschlacht von
Nayas de Tolosa — 1212 — das Banner der Kirche von Toledo
i&deren vorangieng, so erschien jezt die Krenzesfahne, die während
yszen Feldzuges dem Heere vorangetragen worden, ein Geschenk
hpstes Siztns IV«, zuerst auf den Höhen der Alhambra, und
igte dem Heere der Christen an, dass die Herrschaft des Halb-
ks in Spanien dem Kreuze Christi erlegen sei.
Boabdil verliess sogleich Granada. Die Stelle, von der aus er
Stadt zum lezten Male sehen konnte, heisst in der Geschichte
lezte Seufzer des Mauren^. — Er hielt es in den Alpujarras
' ans; im Jahre 1493 verkaufte er seine Herrschaft an die katho-
en Könige. Er gieng, wie sein Oheim, nach Afrika, und
bald darauf in dem Dienste eines verwandten Fürsten in einer
icht
Nicht bloss in Spanien, sondern im ganzen christlichen Abend-
e, in welchem die Kirche damals noch einig war, und besonders
^m wurde die Nachricht von dem Falle Granada*s mit Jubel und
Dank gegen Gott gefeiert Der Name der katholischen Konige
der populärste in Europa. Das Spanien der Zeit Hermenegilds,
^tteda, Leanders und Isidors von Sevilla schien wieder erneuert
So war es auch, aber diese zweite Herrlichkeit des Reiches
^ fast noch kürzer, als die erste vom Jahre 689 bis 711. Das
üsche Volk erstand, erwuchs und erstarkte in den fast 800 Jahre
446 Zwölftes Bach. Drittes Kapitel
dauernden Kämpfen mit den Maaren; diess war die gl<HTeicbte Zd
seiner Geadiichte; nh&r aefaon von dmi Zdten FUlipps IL an begJ
jener Niedergang, der in den drei lesten JabiiionderteB SpanieB ^
einem „anglücklichen Lande^. gemacht hat*).
') Vergl. die erwähnten Werke von Wash. Irving and W. Preaccü: B
of ihe reign of Ferdinand and IsabeUa the catholic^ London^ 1839 (l
3 voL — • Chronica de D. Fernando y Dona Isabel, por Ant de Nebrixa (E,
Pulgar) foL — (Äel. Äni, Nebrieseneie rerum gestarvm a Ferdinando H S
sabeOi decadee duae. Oranaiaey 1546, fol.) — Andrie BemaldeZy Hitiariai
los reyee CcUolicoa D. Fernando y D, Isabel^ Crönica iniditd dd si^ XV. t.
OranadOf 1856 (ed. Miguel Lafuente y Äkaniara).
E X c u r s I.
iui der BeTAlkemng Spaniens In den venehledenen
Zeitaltern.
§. 1.
Wir begegnen fiist überall der Behaaptangy dass die Zahl der
biohner Spaniens znr Zeit der Römer und der Mauren grosser, viel
her gewesen, als znr JSeit der Herrschaft der Christen, als in spä-
H and in nnserer Zeit. In dieser Behauptung begegnen sich spa-
feiie mit ausserspaniscben Schriftstellern. Jene haben aus Patriotis-
B Spanien znr Bomerzeit eine Bevölkerung von dreissig, selbst von
cnig Millionen geschenkt; diese haben namentlich das unter der
Schaft des Halbmondes stehende Spanien als eines der blühendsten,
SEgoetsten nnd bevolkertsten Länder der Erde geschildert, nm dann
'Kirche nnd Katholicismns den Vorwurf wälzen zu können, dass
* die Schuld an der Entvölkerung Spaniens tragen.
Wir aber behaupten, dass Spanien (und Portugal) nie bevölkerter
)d nie so bevölkert war, wie heute, wo Spanien in runder Zahl sechs-
ioj Portugal vier Millionen Einwohner hat, und dass, wie in anderen
ttdem, so auch dort, die Religion der Einwohner des Landes keinen
rofisen, jedenfiedls keinen entscheidenden Einfluss auf die Zu- und Ab-
ibme der Bevölkerung habe.
Wir handeln zuerst von der Zeit der Romer, von Augustus bis
OD Jahre 409, oder dem Einbruch der Vandalen in Spanien. —
f^ea war damals ein blühendes Land; aber seine ungetrübte Blüthe
werte nur von den Zeiten des Augustus bis zu dem Ende der
^4S Excon I.
Regierung Hadrians. Um das Jahr 150 und wieder um das Jahr 29
verwüstete und entvölkerte die grosse Pest das römische Räch. AD
Länder, auch Spanien, wurden von derselben heimgesucht Die darc
die Pest entstandene Entvölkerung wurde nicht mehr ausgeglicbeD. Voi
Jahre 150 trat eine allgemeine Abnahme der Einwohner des Rek
ein. Von den Zeiten der Kaiser Commodus, Sept. Severus, Bassii
und Heliogabal traten noch andere Gründe der Entvölkerung eis,
tige Bürgerkriege, häufiger Thronwechsel, sinnlose VerschwendoDg
Bedrückung der Unterthanen mit Steuern und Lasten aller Art Dia
wurde noch schlimmer seit der Zeit der sogenannten „dreissig Tyd
nen^ unter Gallienus, seit der Zeit, als mehrere Kaiser und Unterkiiil
das Reich bedrückten. Die Schrecken der Völkerwandening and I
dadurch bewirkten Verheerungen ganzer Länder begannen bald nfl
dem Jahre 150, noch in der Zeit der sogenannten guten Kaiser, ort
Marc. Aurel, durch die Einfölle der Quaden und Marcomannen.
Spanien, das entfernteste, und durch den Wall der Pyrenäes
schüzte Land, erlag diesen Einfällen nicht später, als andere
Die Mauren sezten in grossen Massen über den schmalen M<
der Spanien von Afrika trennt, verheerten und verwüsteten bi
Spanien viele Jahre. Aus Denkmünzen, die aus Anlass der Bef
des Landes von ihnen geschlagen wurden, erfahren wir die Tht
selbst *).
Spanien hatte nie mehr als drei römische Legionen, und 4
waren entweder nicht vollzählig, oder wurden auswärts verwendet*).-
Spanien war, wie die anderen Länder, um das Jahr 260 — 60 von i
furchtbaren Pest heimgesucht worden ')•
Bald darauf, in den Jahren 264 — 68, brachen die Franken I
Spanien ein, und zerstörten die Stadt Tarraco» Ein Th^ der FraA
>) O. VaUio Maxumiano Proc Äug, E. V. Ordo. SingO. Barh.
Stadt bei Anteqnera — s. V. G., It, 1, p. 18) — ob Munidpium dnäma
ei beUo Maurorvm liberatum Patnmo — OuranübuM Q. Fab.
E. Aemü. Pontiano (b. das Werk: Inscripiionea Hispamae latinae — ti
Hudmer, Berol 1869, p. 273, nr. 2015. — Cum Mauri Jiupoatat
omMB fHutarmt, res per legatoa bene geetae sunL Jtd. CapitoKmu »
M. Anionini Phüosophi, ep. 21.
*) S. oben I, 273. Im 2.-3. Jahrhondert stand in Spanien nnr die ks» N
gemina. — ßeeker-Marquardi, BOmisohe Alterthümer, III, 2, S. 352.
*) Bd. I, 261. — Wietereheim, Geschicfate der Völkerwandenmg, II,
ISeO, p. 258, 261, 264, 266. Ans Spanien zwar fehlen specielle Naehricbteo
die Verheerangen der Pest Aber sie wfithete in ganz Afrika, wie in Bon*
Pest, welclie nm das Jahr 1348—62 Enropa entvölkerte, wfithete hi Islaod, to
wegen, wie in Spanien. An ihr starben alie Pfiurer der DUSeese
(Seite 291).
Bevölkening SpaniesB zur Bömorzeit 449
Kite auf Schiffen sogar nach Afrika über. Ja, Orosius sagt, dass die
pjeDseitigen Crennanen^ sich des schon ohnedem ausgesogenen Spaniens
)eiDäcIitigten. |,Noch ezistiren in verschiedenen Provinzen (des Reiches)
laf den Trümmern ehemals grosser Städte kleine and arme Size (Woh-
liiDgeD), Zeichen des Elendes, welche noch den Namen der alten Städte
ngen; unter diesen können auch wir auf unser Tarraco in Spanien
oaveiseo, um uns gleichsam dadurch über unser neues Elend (durch
lie Völkerwanderung) zu trösten^ ').
Spanien blieb, nach Orosius, zwölf Jahre lang in der Gewalt der
rermanen, welche es „verheerten^ und verwüsteten'). Die Bevölkerung
'^ mnsste unter diesen Greueln abnehmen, wenn auch die Zustande
er Einwohner des romischen Reiches erträglicher "gewesen wären,
ber sie wurden unerträglicher, besonders durch die Theilung des
flches an mehrere Augusti und Cäsares, von denen jeder seinem
iecbstlieile die härtesten Lasten auferlegte^. Es wurde nicht besser
tter der Regierung des Constantinus und seiner Söhne ^). Innere und
Bsere Kriege zehrten an dem Marke der Provinzen.
Wir haben von dem Schriftsteller Bufua Festtu Ävienusj welcher
I Jahre 366 Proconsul von Afrika, im Jahre 372 von Acbaja war,
le Tersificirte Beschreibung der spanischen Seeküste von Cadix an
I zu den Pyrenäen. Ans ihr ersehen wir, dass — in Folge des all-
aeinen Verfalles — die ehedem blühenden Städte und Seehäfen den
iblick der Verwüstung und Verödung darboten*).
") Oermani uUeriarta abrasa poliuntur Hüpania. Extant adhuc per
>*^< provindfu in magnarum urbium ruinis parvae et pauperes sedes, signa
^^uriarvan, et nominum indieia servantes, ex qnibtis nos quogue in Hispania
»raconem nostram ad eansolatianem miseriae recentis ostendimus, — Oros.,
iitmanwi (VJI), 7, 22. — cf. Euirap., 9, 8. — AureL Victor de Caesar.,
1 33. ~ Wietersheim, Völkerwanderung, II, 291, 362—64 (8. Kirchen-Geschichte,
^) Oroiiui, VII, 41 — per annos propemodum dvodecim Oermanis ever-
*) S. darfiber: Braun, „Die Eapltole'', Bonn, 1849. — Becker-Marquardt,
^oiiaeho AUerthOmer, III, 2, p. 86.
*) c/. Am. Marcellin., rerum gestar., L 21, 17, über Kaiser Constantins
961). Augebat etiam amaritudinem temporum flagitatorum rapacitcu inex-
l^'o plus odiorum ei, quam pecuniae conferentium hocque multis intolerantius
idebaiur, quod nee eausam aliquando audivit, nee povindarum indemnitati
^^^fptxU cum muUiplieatis tribtUis et veetigalibus vexarentur; ercUque (Con-
^us) super his adimere faeilia quae donabat.
*) Rufi Festi Ameni — orae maritimae — apud Miguel CorUs y Lopez:
Kccionorio geografieo-historico de la Espana antigua, 3 tom, 1835—36, Ma-
^'4 <. /, p. 285-^37. — Wilk. Christ, ^Avien. und die ältesten Naclirichten
1^» Iberien md die Westküste Enropa's* -- München, 18GG — (Abhandlungen der
Ott" , ttvL Kirch«, m. 1. 29
450 ExcnrG I.
Von dem Cadix (Gadir) seiner Zeit sagt er: „Die in alter ZtU
grosse und reiche Stadt — ist jezt arm, jezt klein^ jezt verödet, jezi
ein Trümmerhaufe.** Hier haben wir, ausser den berühmten Saulea
des Hercules, in dieser Gegend nichts Beachtenswertbes gesehen^).-
Vor Zeiten sei Cadix in solchem Ansehen gestanden, dass Jaba, König
der Maurusier, es für eine Ehre gehalten, zugleich Duumvir Ton Gadei
zu sein.
Von dem ganzen Küstenstriche, etwa von Malaga bis zoid Ebm
sagt Avienus, dass derselbe verwüstet und verödet, eine weite und vo^
lassene Einode sei. „Ehedem standen hier dicht gedrangt die Stadt
an dieser Meeresküste. Unwirthliche Sandflächen breitet jezt das rer
ödete Land aus. Verlassen von Bewohnern liegen starr und ode joi
die Landstriche da. — Mit Nachdruck wiederholt er es: „Was id
vorher schon gesagt: weit und breit ist hier das Ufer mensch^es
kümmerlich der Boden. In der Nähe der Insel Strongyle breitet sich ä
ungeheurer Sumpf weit aus durch das Land') (es dürfte der BiDoeiui
Albufera südlich von Valencia sein).
Von der Gegend am Ausflusse des Ebro sagt derselbe: Di
breitet hier weithin seine unfruchtbaren Sandflächen aus. Hii
einst die bevölkerte Stadt „Hemeroscopium** '), jezt aber ist es ein
philologisch-philosophischen Ciasso der Bayerischen Academie der Wisseoscbifkn«
Bd. XI, München, 1868, S. 115—187), mit einer Karte: löeria secundtan Ävieniet
marit, aus der zur Grenüge erhellt, dass Amen, nicht die SeekOste seiner Zeit, sm
dem der Zeit lange vor der römischen Herrschaft in Spanien beschreibt, mit wai^
Bemerkungen über die Zustände seiner Zeit. — jP. de SatUcy, Etüde topogroß^
8ur rO, mar. de E. F. iitnen., in der „Revue archioh, 1867, /, 54—62, 81-ä
— K, Müllenhoff, Deutsche Alterthumskunde, Berlin, 1870, I, S. 73-2ia *
Wilhelm S. Teuffd, Geschichte der römischen Literatur, 3. Auflage, Leipzig« Im
§. 420, p. 981—84. j
') Multa et opulens civitas aevo vesiusto, nunc egens, nunc brevis, «^
destituta, nunc ruinarum agger est. Nos hoc locorum, praeter Heradanm
Solemnitatem, vidimus miri nihil — Z. c. Vers. 270—83. — Avienus schreibt I
Veränderung des Namens „Gadir** in „Gadcs** der Sprache der Barbaren zo: Bs
bara ^in etiam Oades hanc vocem lingua ßrequentat, weil „Gadir* einen vfl
allen Seiten durch Wälle befestigten Ort — gleichsam eine Wallstadt — bedeote/''
siehe Avien's Werk: (Descriptio) Orbis terrae, vers. 611.
') V. 438—70. Porro in isto littore stetere crebrae civiiates ani^ "
Inhospitales nunc arenas porrigit deserta teUus; orba cuUorum sola squak^\
jacentque. — Qtu)d ante dixi, littus hie quoquoversum patet va4:uum incoiart^
nunc, et abjecti soli. Porro antea et urbes hie stetere plurimae, Poptdiqtu m««^*'
concelebrabant locos. Nam nactus (natusf) inde portus opertus periit — ^
ist: ein durch die Natur geschnfTcner Hufen (Malaga, Carthagcna?) wurde Terscbürtc:
und giong zu Grunde.
AyienuB über Spaniena Ostküste. 451
Eiowoboer beraubter Boden ^ es sind langweilige, versumpfte Land-
striche ').
Nor das Liand vom Ebro bis zu den Pyrenäen erscheint nach
loserem Dichter nicht ganz verödet*). Tarraco wird wenigstens genannt,
tarcelooa allein, in welchem damals Pacianus der Bischof, und Dexter «ein
ioho, in dem der spätere Bischof Paullnus mit seiner Gemahlin The-
i£ia wohnten, wird von Avienu8 ausgezeichnet, es war „der liebliche
l'ohnsiz der reichen Leute** *)• Denn dort breitet der Hafen seine
cberen Arme ans, und von immer süssen Wassern träufelt das^
ferJand.
Aehnlich schreibt Amen's Zeitgenosse Auaanius von Barcelona,
IBS es an dem glänzenden Spiegel des Meeres liegend noch mehr
norleochte*)«
Von dieser völligen Verödung der vorher und nachher so frucht- Enubi-
iren and bevölkerten Seekäste von Gades an bis zu den Pyrenäen — ^^l 2eit
Wessen wir mit Recht auf dieselbe Verwüstung und Verödung der^orVöi-
Osten Spaniens, die von Cadix bis San Sebastian am atlantischen demng.
eere sich ausbreiteten, und auf die gleiche Entvölkerung und Ver-
losg des Innern oder Binnenlandes« Diess war der Zustand Spaniens
den Jahren 366 folg., zu einer Zeit, wo das südliche Gallien noch
hr gat angebaut und bevölkert war. Mit dem Jahre 409 aber kam
jer Spanien das Zeitalter der „Völkerwanderung^, die es noch mehr
ftTolkerte, und die weite Wüste noch wüster und menschenleerer
achte.
') V. 476^80, lAUus extendit dehinc steriles arenas. — Nunc jam solum
K«un xncolarum^ lanqvido stagno madet — 484. Dumosa lote terga regio
>^git — Mor, Willkomm in seiner Schrift: „Die Strand- und SteppcDgebiete
fuiena*, Leipzig 1852, mit einer Karte dieser Steppengebiete, giebt unter anderem
leheine Darstellung der öden und unfruchtbaren Fläche, die sich weithin entlang
n Ebro ausbreitet (S. 80).
^ Doch auch hier giebt es weite Wüsten : Nunc ager vacuus lare, lusira
itLdlze) et ferarum sustinel cübilia, Post haec arenae plurimo tractu jacent,
*) V, 619^20. ' Inde Tarraco oppidum et Barcilonum amoena sedes
'itium. Kam pandit iüic tuia portiä hrachia , uverque (i^erque f) semper dul-
i^w tdlus aquis (K.-G., II, 1, S. 322-324).
*) AusonitUf epistoL, 24. F. 87—89.: Ostrifero superaddita Bardno
29
452 Excun L
§. 2.
Ueber die Zahl der Einwohner Spaniens in der romischen Zeit
liegen aus dem Lande selbst keine bestimmten Nachrichten, oder nnr
Bruchstücke von Nachrichten vor. Man hat darum den Versuch ge-
macht, aus der Zahl der Einwohner des romischen Reichs auf die Zahl
der Einwohner der einzelnen Provinzen zu schliessen. Aber es liegen
nur nähere Nachrichten über die unter dem Kaiser Claudius vorgenom-
mene Volkszählung (Census) der freien Bürger vor. Frauen, Kinder,
Sclaven und andere sind dabei nicht gerechnet. Aber auch über die
Zahl der romischen Bürger, die unter Claudius gezählt wurden, liegen
vier verschiedene Lesarten vor *). Die Chronik des Eusebius (und Ext-
ronymtui) zählt 6,834,000, der Chronist Syncellus 6,941,000, die Aus-
gaben der Annalen des Tacitus von Gronov 6,944,000, die Florentiner
Handschrift endlich, deren sich Nipperdey in seiner Herausgabe der
Annaien (Leipzig, 1851 — 52), bedient, hat die Zahl von 5,984,072^
Bürgern.
Es liegt hier eine Differenz von nicht weniger als einer Million
vor, und da zum Beispiel Gibbon aus der von ihm vorgezogenen Les-
art für das romische Keich eine Bevölkerung von 120 Millionen Seelen
nachweisen wollte, so würde man bei der Lesart von sechs Millionen
oder vSieben Millionen Bürger wieder eine Differenz von zwanzig Mil-
lionen Einwohner herausbringen.
Oibbon') nimmt die Lesart von 6,945,000, also die höchste Ziffer
an, er zählt die Frauen und Kinder hinzu, im Durchschnitt 2.^ Per-
sonen auf einen Bürger, und bringt so zwanzig Millionen heraus. £r
rechnet ferner vierzig Millionen Peregriner, und sechzig Millionen
Sclaven, im Ganzen 120 Millionen.
So Willkührlich diese Zählung ist, so bereitwillig und allgemein
wurde sie angenommen. Viele Jahre war es stereotyp, es war ofBcielle
Sitte, zu sagen, das romische Weltreich habe 120 Millionen Emwohner
') TacituSf annales, 11, 25.
') Carl Gu8l. Zumpt, Ueber den Stand der Bevölkerung und die Volksver
mehrung im Alterthnme. Berlin, 1841.
Alex. Moreau de Jonnes, Membre de Vinstitut , tStaiütique de peuples df
rantiquiU. Paris, 1861,
Eduard v. Wietersheim, Ueber die Bevölkerung dos römischen Reiches am)
der Stadt Rom — in seiner ^Geschichte der Völkerwandemng,^ 1. Bd , Leips. 1^*
S. 1^9—235, wovon auch ein Separatabdruck erschienen ist.
') Gibbon, Dedine and Fall of the lit/inan Empire, chap, 2,
BevOlkening des rOmischen Reiches. 453
in drei Welttheilen gehabt. Wäre diese Annahme stichhaltig, so könnte
man znr Noth für Spanien und Portugal zwanzig, nie aber dreissig
Millionen Einwohner zur Kömerzeit herausbringen.
Der Franzose Atoreau de Jonnes nimmt nach dem Census des Clau-
dias 35 Millionen Romer, sieben bis acht Millionen Verbündete, vierzig
Millionen Sclaven, zusammen 83 Millionen Einwohner des Reiches an,
eine höchst willkuhrliche Berechnung, bei der die Peregrini ganz aus-
gelassen sind^). — Mit grosser Genauigkeit und mit Benüzung eines
reichen vergleichenden statistischen Materials aus der Gegenwart hat sich
Ed. WieUrsheim der Untersuchung dieser Streitfrage unterzogen. Er
berechnet, dass die Zahl der romischen Bürgerbevolkerung beiderlei
Geschlechtes nach dem Census unter Claudius sich auf 17,205,882
Kopfe belaufen — bei sechs Millionen des Census, dagegen bei sieben
auf 20,073,529 Personen der Bürgerclasse belaufen würde. Die beinahe
sieben Millionen des Census umfassen dann alle Männer vom 16. Jahre
bis zum Tode, die dreizehn Millionen alle männlichen bis zum sechs-
zehnten Jahre, und das ganze weibliche Geschlecht.
Die Zahl von sechszig Millionen Sciaven hält er für eine „wilde^
Uebertreibung. Er selbst unterscheidet die Servi und die Coloni (glebae
adscripti) oder Hörige, Leibeigene. Er nimmt im ganzen Reiche höch-
stens 20 — 25 Millionen eigentliche Sciaven an. Die Zahl der Peregrini
und Coloni aber berechnet er auf etwa 17 Millionen. Damach nimmt
er für das römische Europa 45 Millionen Einwohner, für Italien eilf>
Gallien zwölf, Spanien neun Millionen Einwohner an. Für die Inseln
um Italien zwei, für Britannien zwei und eine halbe, ebensoviel for die
Lfänder vom Zehntland bis Pannonien einschliesslich , für die Hämus-
Halbinsel mit Dalmatien und lUiricum — sechs Millionen. — Klein-
asien theilt er neunzehn, dem ganzen lömischen Asien 27 Millionen
zu. Auf Aegypten rechnet er acht Millionen, auf das übrige Afrika
acht Millionen *).
Diese Länder, deren heutige Zahl der Einwohner sich auf 150
bis 160 Millionen Menschen belaufe, hätten unter Kaiser Claudius etwa
88 — ^91 Millionen gehabt.
Iberien habe, bei einem Flächenraum von 10,238 Quadratmeilen,
0 Statistique, p. 378.
*) Lezteres ist nach meiner Vermnthnng viel za hoch, da Nnmidien und Man-
ritanien sehr schwach bevölkert waren. Für Aegypten (sammt Nebenländem) aber
liegt eine ziemlich positive Angabe bei Josephus — Bellum Judaicum, 2^ 16 (4)
— vor, wo König Agrippa in einer Rede an die Jaden sagt, dass Aegypten und
seine Nebenländer, ohne die Stadt Alexandrien, 750 Myriaden (7'/, Millionen) Men-
schen zähle. — Zumpt, 1. c., p. 51.
452 Excurs I.
§. 2.
Ueber die Zahl der Einwohner Spaniens in der romischen Zeit
liegen aus dem Lande selbst keine bestimmten Nachrichten, oder dqt
Bruchstücke von Nachrichten vor. Man hat darum den Versuch ge-
macht, aus der Zahl der Einwohner des romischen Reichs auf die Zahl
der Einwohner der einzelnen Provinzen zu schliessen. Aber es liegen
nur nähere Nachrichten über die unter dem Kaiser Claudius vorgenom-
mene Volkszählung (Census) der freien Bürger vor. Frauen, Kinder,
Sclaven und andere sind dabei nicht gerechnet. Aber auch über die
Zahl der römischen Bürger, die unter Claudius gezählt wurden, liegen
vier verschiedene Lesarten vor*). Die Chronik des Eusebiui (ondfi»'
ronymus) zählt 6,834,000, der Chronist Syncdlus 6,941,000, die At "
gaben der Annalen des Tacitus von Chronov 6,944,000, die Florentii
Handschrift endlich, deren sich Nipperdey in seiner Herausgabe
Annalen (Leipzig, 1851 — 52), bedient, hat die Zahl von 5,984,0]
Bürgern.
Es liegt hier eine Differenz von nicht weniger als einer Mi
vor, und da zum Beispiel Gibbon aus der von ihm vorgezogenen
art für das römische Reich eine Bevölkerung von 120 Millionen S(
nachweisen wollte, so würde man bei der Lesart von sechs Mülic
oder Nsieben Millionen Bürger wieder eine Differenz von zwanzig
lionen Einwohner herausbringen.
Gibbon*) nimmt die Lesart von 6,945,000, also die höchste
an, er zählt die Frauen und Kinder hinzu, im Durchschnitt 2.^ Pe
sonen auf einen Bürger, und bringt so zwanzig Millionen heraus,
rechnet ferner vierzig Millionen Feregriner, und sechzig MiUioi
Sclaven, im Ganzen 120 Millionen.
So Willkührlich diese Zählung ist, so bereitwillig und allgemf
wurde sie angenommen. Viele Jahre war es stereotyp, es war ofBcie
Sitte, zu sagen, das römische Weltreich habe 120 Millionen Einvol
*) Tacitus, annäles, 11, 25.
») Carl Gu8t. Zumpt, Ueber den Stand der Bevölkerung und die Volkaver
mehnmg im Alterthume. Berlin, 1841.
Alex. Moreau de Jonnes, Membre de rinstitut, StaJtistique depeuj^^
VanJtiquiti. Paris, 1851,
Eduard v. Witteraheim, Ueber die Bevölkerung des römischen Beicbei d«i
der Stadt Rom — in seiner ^Geschichte der Völkerwanderung,* 1. Bd, Leipt 1^^-
S. 189—235, wovon auch ein Separatabdruck erschienen ist.
•) Gibbon, Dedine and Fall of the Ro7iian Empire, chap. 2,
Bevölkening des rOmischen Reiches. 453
in drei Welttheilen gehabt Wäre diese Annahme stichhaltig, so konnte
mto zor Noth far Spanien nnd Portugal zwanzig, nie aber dreissig
Hillionen Einwohner znr Romerzeit herausbringen.
Der Franzose Moreau de Jownes nimmt nach dem Censns des Clau-
dios 3ö Millionen Romer, sieben bis acht Millionen Verbündete, vierzig
Millionen Sclaven, zusammen 83 Millionen Einwohner des Reiches an,
eine höchst willkuhrliche Berechnung, bei der die Peregrini ganz aus-
gelassen sind^). — Mit grosser Genauigkeit und mit Bennzung eines
reichen reigleichenden statistischen Materials aus der Gegenwart hat sich
Ld, Widertiheim der Untersuchung dieser Streitfrage unterzogen. Er
berechnet, dass die Zahl der romischen Bürgerbevölkerung beiderlei
Geschlechtes nach dem Gensus unter Claudius sich auf 17,205,882
Köpfe belaufen — bei sechs Millionen des Census, dagegen bei sieben
auf 20,073,529 Personen der Bürgerclasse belaufen würde. Die beinahe
aeben Millionen des Census umfassen dann alle Männer vom 16. Jahre
b Zürn Tode, die dreizehn Millionen alle männlichen bis zum sechs-
iebten Jahre, und das ganze weibliche Geschlecht.
Die Zahl von scchszig Millionen Sclaven hält er für eine „wilde^
Cebertreibung. Er selbst unterscheidet die Servi und die Ccloni (glebae
^itaipti) oder Hörige, Leibeigene. Er nimmt im ganzen Reiche hoch-
tfCDs 20—25 Millionen eigentliche Sclaven an. Die Zahl der Peregrini
fed Ccloni aber berechnet er auf etwa 17 Millionen. Damach nimmt
9 für das romische Europa 46 Millionen Einwohner, für Italien eilf,
jtDien zwölf, Spanien neun Mülionen Einwohner an. Für die Inseln
im Italien zwei, für Britannien zwei und eine halbe, ebensoviel for die
^der vom Zehntland bis Pannonien einschliesslich, für die Hämus-
lalbinsd mit Dalmatien und Lliricum — sechs Millionen. — Klein-
ineD theilt er neunzehn, dem ganzen lomischen Asien 27 Millionen
31. Auf Aegypten rechnet er acht Millionen, auf das übrige Afrika
»cht Millionen^.
Diese Länder, deren heutige Zahl der Einwohner sich auf 150
AB 160 Millionen Menschen belaufe, hätten unter Kaiser Claudius etwa
JB— 91 Millionen gehabt.
Iberien habe, bei einem Flächenraum von 10,238 Quadratmeilen,
0 Statisiique, p. 378.
*i Lesteres ist nach meiner Vermuthung viel za hoch, da Nomidien and Man-
'itttieo lehr schwach bevölkert waren. Für Aegypten (sammt Nebenländem) aber
Segt eme nemlicb positive Angabe bei Josephus — Bellum Judaicum, 2 ^ 16 (4)
-* vor, wo KOnig Agrippa in einer Rede an die Jaden sagt, dass Aegypten and
•ttM NebeDlinder, ohne die Stadt Alexandrien, 750 Myriaden (77, Millionen) Mea-
Kben zihle. — Zimpt, 1. c., p. 51.
452 Exotin L
§. 2.
Ueber die Zahl der Einwohner Spaniens in der romischen Zät
liegen aus dem Lande selbst keine bestimmten Nachrichten, oder nur
Brachstucke von Nachrichten vor. Man hat darum den Versuch g^
macht, aus der Zahl der Einwohner des romischen Reichs auf die Zahl
der Einwohner der einzelnen Provinzen zu schliessen. Aber es li^en
nur nähere Nachrichten über die unter dem Kaiser Claudios vorgenom-
mene Volkszählung (Census) der freien Bürger vor. Frauen, Kinder,
Sciaven und andere sind dabei nicht gerechnet. Aber auch über ik
Zahl der romischen Bürger, die unter Claudius gezählt wurden, lieget
vier verschiedene Lesarten vor'). Die Chronik des Eusebius (und^
ronymus) zählt 6,834,000, der Chronist Syncdlus 6,941,000, die kw^
gaben der Annalen des Tacitus von Gronov 6,944,000, die Florenti
Handschrift endlich, deren sich Nipperdey in seiner Herausgabe
Annaien (Leipzig, 1851 — 52), bedient, hat die Zahl von 5,984,07?
Bürgern.
Es liegt hier eine Differenz von nicht weniger als einer Mi)
vor, und da zum Beispiel Gibbon aus der von ihm vorgezogenen
art für das romische Reich eine Bevölkerung von 120 Millionen Se
nachweisen wollte, so würde man bei der Lesart von sechs Millioi
oder vSieben Millionen Bürger wieder eine Differenz von zwanzig
lionen Einwohner herausbringen.
Oibbon*) nimmt die Lesart von 6,945,000, also die höchste Zi
an, er zählt die Frauen und Kinder hinzu, im Durchschnitt 2.^7 F
sonen auf einen Bürger, und bringt so zwanzig Millionen heraus«
rechnet ferner vierzig Millionen Peregriner, und sechzig Millioi
Sciaven, im Ganzen 120 Millionen.
So Willkührlich diese Zählung ist, so bereitwillig und aUgemei
wurde sie angenommen. Viele Jahre war es stereotyp, es war oiSci
Sitte, zu sagen, das romische Weltreich habe 120 Millionen Einwol
') TacittLS, annales, 11, 25.
') Carl GusL Zumpt, lieber den Staud der Bevölkening und die Yolksvef
mehrung im Alterthume. Berlin, 1841.
Alex. Moreau de Jonnes, Membre de VinstittU, StaJtistique depei^l«^^
Vatdiquiti. Paris, 1861.
Eduard v. Wietersheim, Ueber die Bevölkerung des römischen Reiches cc"
der Stadt Rom — in seiner „Geechiebte der Völkerwanderung,*' 1 . Bd , Leipi. 1K<
S. 1^9—235, wovon auch ein Separat^bdruck orschienen ist.
') Gibbon, Decline and Fall of the Jiotnan Empire, chap, 2.
BevODcernng des rOmischen Reiches. 453
io drei Welttheilen gehabt Wäre diese Annahme stichhaltig, so konnte
DU zur Noth für Spanien und Portugal zwanzig, nie aber dreissig
Ifillionen Einwohner zur Romerzeit herausbringen.
Der Franzose Atoreau de Jarmea nimmt nach dem Census des Clau-
dios 35 Millionen Römer, sieben bis acht Millionen Verbündete, vierzig
MiDionen Sclaven, zusammen 83 Millionen Einwohner des Reiches an,
eine höchst willkührliche Berechnung, bei der die Peregrini ganz aus-
gelassen sind'). — Mit grosser Genauigkeit und mit Benüzung eines
reichen vergleichenden statistischen Materials aus der Gegenwart hat sich
Ed, Wieteriheim der Untersuchung dieser Streitfrage unterzogen. Er
berechnet, dass die Zahl der romischen Burgerbevolkerung beiderlei
Geschlechtes nach dem Census unter Claudius sich auf 17,205,882
Kopfe belaufen — bei sechs Millionen des Census, dagegen bei sieben
trf 20,073,529 Personen der Bürgerclasse belaufen würde. Die beinahe
sieben Millionen des Census umfassen dann alle Männer vom 16. Jahre
\k zum Tode, die dreizehn Millionen alle männlichen bis zum sechs-
tAnitü Jahre, und das ganze weibliche Geschlecht.
Die Zahl von sechszig Millionen Sclaven hält er für eine „wilde''
Cebertreibung. £r selbst unterscheidet die Servi und die Coloni (glebae
idicripti) oder Hörige, Leibeigene. Er nimmt im ganzen Reiche hoch-
iteos 20—25 Millionen eigentliche Sclaven an. Die Zahl der Peregrini
nd Coloni aber berechnet er auf etwa 17 Millionen. Damach nimmt
(r für das römische Europa 45 Millionen Einwohner, für Italien eilf,
Mien zwölf, Spanien neun Millionen Einwohner an. Für die Inseln
m Italien zwei, für Britannien zwei und eine halbe, ebensoviel fiir die
jioder vom Zehntland bis Pannonien einschliesslich, für die Hämus-
üalbinsel mit Dalmatien und Lliricum — sechs Millionen. — Klein-
vien theilt er neunzehn, dem ganzen tömischen Asien 27 Millionen
n. Auf Aegypten rechnet er acht Millionen, auf das übrige Afrika
Kht Millionen^.
Diese Länder, deren heutige Zahl der Einwohner sich auf 150
w 160 Millionen Menschen belaufe, hätten unter Kaiser Claudius etwa
i^9l Millionen gehabt.
Iberien habe, bei einem Flächenranm von 10,238 Quadratmeilen,
0 StatisHque, p. 378.
^ Leiteres ist nach meiner Vennnthnng viel zu hoch, da Nnmidien nnd Man-
nen sehr schwach bevölkert waren. Für Aegypten (sammt NebenlSndem) aber
^ eine ziemlich positive Angabe bei Joaephus — Bellum Judaicum, 2, 16 (4)
-* vor, wo KOnig Agrippa in einer Rede an die Juden sagt, dass Aegypten nnd
MIM Kebenlinder, ohne die Stadt Alexandrien, 750 Myriaden (7*/, Millionen) Men-
K^ien lahle. — Zwmpt, 1. c, p. 51.
452 Exoors L
§. 2.
Ueber die Zahl der Einwohner Spaniens in der romischen Tjsx
liegen aas dem Lande selbst keine bestimmten Nachrichten, oder nor
Brachstücke von Nachrichten vor. Man hat darum den Versuch ge*
macht, aus der Zahl der Einwohner des romischen Reichs auf die Zahl
der Einwohner der einzelnen Provinzen zu schliessen. Aber es liegcD
nur nähere Nachrichten über die unter dem Kaiser Claudius vorgenonh
mene Volkszählung (Census) der freien Bürger vor. Frauen, Kinder,
Sclaven und andere sind dabei nicht gerechnet. Aber auch über die
Zahl der romischen Bürger, die unter Claudius gezählt wurden, lieget
vier verschiedene Lesarien vor'). Die Chronik des EusAiu» (und^
ronymus) zählt 6,834,000, der Chronist Syncdlus 6,941,000, die Ans-
gaben der Annalen des Tacitus von Gronov 6,944,000, die FlorentiiÄ
Handschrift endlich, deren sich Nipperdey in seiner Herausgabe dii
Annaien (Leipzig, 1851 — 52), bedient, hat die Zahl von 5,984,07
Bürgern.
Es liegt hier eine Differenz von nicht weniger als einer Milü
vor, und da zum Beispiel Oihbon aus der von ihm vorgezogenen
art für das römische Reich eine Bevölkerung von 120 Millionen S
nachweisen wollte, so würde man bei der Lesart von sechs Mülioncf
oder vSieben Millionen Bürger wieder eine Differenz von zwanzig MO*
Honen Einwohner herausbringen.
Gibbon^) nimmt die Lesart von 6,945,000, also die höchste Ziffer
an, er zählt die Frauen und Kinder hinzu, im Durchschnitt 2.^^ Per*
sonen auf einen Bürger, und bringt so zwanzig Millionen heraas. Bl
rechnet ferner vierzig Millionen Peregi*iner, und sechzig Milliond
Sclaven, im Ganzen 120 Millionen.
So Willkührlich diese Zählung ist, so bereitwillig und aUgemei
wurde sie angenommen. Viele Jahre war es stereotyp, es war offici
Sitte, zu sagen, das romische Weltreich habe 120 Millionen Einwoi
') TckcüuSy annales, 11, 25.
») Carl Gust. Zmnpt, üeber den Stand der Bevölkerung und die Volks«?
mehrung im Alterthnme. Berlin, 1841.
Alex, Moreau de Jonnes, Membre de rinstitut, 8tatiaiique de peupia^
Vantiquiti. Paris, 1861.
Eduard v. Wietersheim, Ueber die Bevölkerung des römischen Böches bb«
der Stadt Rom — in seiner ^Geschichte der Völkerwanderung,** 1. Bd, Leipi. \^^
S. lf>9~ 235, wovon auch ein Separat-abdruck erschienen ist.
') Gibbon, Dedine and Fall of the Rüinan Empire, chap. 2,
Bevölkerung des rOmischen Reiches. 453
b drei Welttheilen gehabt Wäre diese Annahme stichhaltig, so konnte
Dan zar Noth für Spanien und Portugal zwanzig, nie aber dreissig
HillioDen Einwohner zur Romerzeit herausbringen.
Der Franzose Moreau de Jormes nimmt nach dem Census des Clau-
dios 35 Millionen Romer, sieben bis acht Millionen Verbündete, vierzig
Millionen Sclaven, zusammen 83 Millionen Einwohner des Reiches an,
eine höchst willkührliche Berechnung, bei der die Peregrini ganz aus-
gelassen sind'). — Mit grosser Genauigkeit und mit Benüzung eines
reichen vergleichenden statistischen Materials aus der Gegenwart hat sich
Ei, WieUrsheim der Untersuchung dieser Streitfrage unterzogen. Er
berechnet, dass die Zahl der römischen Biirgerbevölkerung beiderlei
Geschlechtes nach dem Census unter Claudius sich auf 17,205,882
Köpfe belaufen — bei sechs Millionen des Census, dagegen bei sieben
mf 20,073,529 Personen der Bürgerclasse belaufen würde. Die beinahe
ttben Millionen des Census umfassen dann alle Männer vom 16. Jahre
b zum Tode, die dreizehn Millionen alle männlichen bis zum sechs-
tthnten Jahre, und das ganze weibliche Geschlecht.
Die Zahl von sechszig Millionen Sclaven hält er für eine „wilde^
webertreibung. £r selbst unterscheidet die Send und die Coloni (gUbae
tdtcripti) oder Hörige, Leibeigene. Er nimmt im ganzen Reiche höch-
itens 20 — 25 Millionen eigentliche Sclaven an. Die Zahl der Peregrini
nd Coloni aber berechnet er auf etwa 17 Millionen. Damach nimmt
t för das römische Europa 46 Millionen Einwohner, für Italien eilf,
jolüen zwölf, Spanien neun Millionen Einwohner an. Für die Inseln
im Italien zwei, für Britannien zwei und eine halbe, ebensoviel für die
isder vom Zehntland bis Pannonien einschliesslich, für die Hämus-
lalbinsel mit Dalmatien und Lliricum — sechs Millionen. — Klein-
mn theilt er neunzehn, dem ganzen tomischen Asien 27 Millionen
9. Auf Aegypten rechnet er acht Millionen, auf das übrige Afrika
icht Millionen^.
Diese Länder, deren heutige Zahl der Einwohner sich auf 150
ns 160 Millionen Menschen belaufe, hätten unter Kaiser Claudius etwa
}B— 91 Millionen gehabt.
Iberien habe, bei einem Flächenraum von 10,238 Quadratmeilen,
0 SUUi$Hque, p. 378.
*) Leiteres ist nach meiner Vennnthnng viel zu hoch, da Nnmidieo nnd Man-
nen sehr schwach bevölkert waren. Für Aegypten (sammt NebenlSndem) aber
^ eine nemllch positive Angabe bei Joaephua — Bellum Judaicum, 2, 16 (4)
-* Tor, wo König Agrippa in einer Rede an die Juden sagt, dass Aegypten nnd
"^ KebenÜnder, ohne die Stadt Alexandrien, 750 Myriaden (7*/, Millionen) Men-
K^ien lihle. - Zimpt, 1. c, p. 51.
i60 Excars I.
Von Gadix in der Provinz Baetica haben ynr gehandelt. Von
der Grosse der Bevölkerung Sevilla's in der alten Zeit geschieht nir-
gends Erwähnung. Seit Constantin dem Grossen war sie Hauptstadt
Spaniens, und wird mit allem Rechte von Änsomua den „berühmten
Städten^' des Reiches zugezählt. Von Corduba's Grosse wissen wi
eben so wenig. Sämmtliche Städte an der Seeküste von Cadix K
zum Ebro waren — nach Pomp. Mda — nicht bedeutend. Diess wn
namentlich von den Städten von Carthagena bis Galpe gesagt „Ai
diesen Küsten sind ruhmlose Städte, die eben nur erwähnt ^tritn
weil es zur Sache gehört, Virgi an dem gleichnamigen Meerbosa
A(b)dera, Sexi, Menoba, Malaca, Salduba, Lacippo, Barbesnia*). Aod
das romische Malaga, über dessen „Stadtrechte^ in neuerer Zeit so vk
geschrieben worden, wird von dem Spanier Mela als „unansehnlicte
Stadt bezeichnet. Nur Valencia, das damals, wie heute, drei Migik
vom Meere entfernt lag, und Sagunt werden „sehr bekannte^ StÜ
genannt'). Aber ersteres war klein, im Vergleiche zu dem späten
Valencia; es war durch Pompejus zerstört worden und wenige Alter
thümer haben sich von ihm erhalten^.
Das alte Elvira war klein neben dem neuen Granada;
Gongora hat mir die Lage desselben auf dem Hügel gezeigt, auf
heute die Vorstadt Albaicin liegt. Gongora, der erste Kenner
römischen Provinz Baetica, hat mir auch gesagt, dass das heot^
kleine Guadix grösser sei, als das alte Acci der Römer war.
So sind denn die heutigen grössten Städte in Spanien grösser i
die grössten Städte zur Römerzeit waren, die meisten Städte aber, I
heute, sei es mit demselben oder venLnderten Namen, an der StA
alter Städte stehen, sind grösser, als dieselben Städte im Altertbom
waren. —
Der Dichter Ausonitis von Bordeaux stellt in seiner.^RaDgordnaii
der edlen Städte*^ die vierzehn Städte des Reiches neben einander, &
gegen Ende des vierten Jahrhunderts den Reigen der Städte des Ra
ches anfahrten^). Es sind Rom, Gonstantinopel neben Garthago, A^
tiochien neben Alexandrien, „das kaiserliche'^ Trier, Mailand, Capa
Aquileja, Arles, Sevilla^ Athen, Gatania neben Syracus, Toulouse, K»
hone und Bordeaux, ffinf gallische Städte werden neben nur eb«
*) In Ulis oris ignohilia sunt oppida, et quorum meatio tanium ad cr^*
nemfacit, Virgi in sinu, quem Virgitanum vocant, extra Abdera, Ex, i/of
noba, Malaca, Salduba, Lacippo, Barbestil — 2, 6 ap, Pompon, Mela,
') notissimas — ap. Mela, 2, 6. — Plinius, 3. 3,
») Farbiger, Hl, 69.
*) Ausonii Ordo nobüium urbium.
IL Colmeiro fiber die Einwohner Spaniens zur Zeit der ROmer. 461
pokcben Stadt genannt. Einerita*) und Tarraco geboren nicht dazu.
ifrilla aber war damals Hauptstadt Spaniens, und der Meeresstrom
icrte es, das ist die Ebbe und Fluth des Meeres, welche bis Sevilla
•icht«).
Neulich hat der Spanier Manwi Colmeiro »die Geschichte der politi-
.hen Oeconomie in Spanien^^ mit grosser Griindlichkeit behandelt, und bei
IT Untersuchung über den Stand der Bevölkerung in den verschiedenen
eitaltem sich nur an die vorhandenen, wenn auch spärlichen Quellen
Aalten»). — Er nimmt die 671,000 (570,000?) freien Einwohner,
eiche die drei Gerichtsbezirke von Astorga, Lugo und Bracara, die
oze Provinz Galicien (zur 2ieit des Augustus) zählten, als Maassstab
;r Gesammtbevölkerung des Landes an. Diese drei Bezirke bildeten
n achten Theil des I^mdes, wie schon Mcudeu meinte^). Damach
irde die freie Bevölkerung des Landes sich auf 6,368,000 Seelen
laofen haben. Die Zahl der Sclaven will Colmeiro nicht bestimmen,
ftrend Masdeu mehr Sclaven als Freigeborne annimmt, und der Fro-
B Galicien allein zwei Millionen Einwohner zutheilt
Der nüchterne Colmeiro erinnert daran, dass der Kaiser Marc
irel (161 — 180) mehrere Colonien aus Italien nach Spanien geschickt
be, weil Spanien an Einwohnern erschöpft war, nachdem es ein so
irkes Contingent an die romischen Legionen abgegeben^). — Daraus
hl er den sehr richtigen Schluss, dass die Bevölkerung Spaniens in
0 Zeiten des Cäsar und Augustus nicht so zahlreich gewesen sein
ane, wie 'sie gewöhnlich geschildert wird, wenn schon in der Zeit
ITC Anrels fremde Colonieen deren Lucken ausfüllen mussten*).
') Matdeu, VIII, 296—98, beweist, dass Äusoniua nicht Emerita, sondern
"Da verherrliche. Vgl dar. K.-G., I, 390-92.
^ HispaliSj Aequoreus quam praeterlabitur amms, Svbmitbit cui tota suo$
Htpanta /oace».' — Z. c IX. — Joach. Marquardt^ Römische Staatsverwaltang,
I- 1, Leipsig, 1873, S. 99—109 (die spanischen Provins&en).
') Hisioria de la Eoonomia politica en Espaüct^ por el Docior Don Ma-
^ Colmeiro, 2 iom. 4*. Madrid, 1863. — Cap. 4. de la pobladon hiepano-
^uuia, t. /, p, 61^63.
*) Maedeu, VIII, 8» Komiseh aber ist es, wenn Masdeu mit Bemfang auf
^u$ Lipdus allein der Stadt Rom vier Millionen Einwohner schenkt, nnd Cadix
Hit viel weniger! — Wie er, ist Gibbon (chap. 2) und der Franzose J. B. 8ay
r Aiuicht, dass das römische nnd maurische Spanien nngehener bevölkert war. —
<Di B, Say^ TraxU d^iconomie politique; 6 Edition, Paris ^ 1826 (3 voüOp
U, ep. 11.
*) Jvl. OapiiolinuSy s. Scrivtores Historiae Augustae — Vita Antoninx
^iZo«., ep. 11; Hispaniis exhaustiB, ItcUiea aUecHone contra Trajani praecepta,
Ttcunde eonsuluit.
*) Lo probable es que no fitese muy numerosa la poblacion de Espana
los iiempos de Cisar 6 Augusto, si en los de Marco Aurelio necesitaba co-
» *cw para plenar sus grandes vacios. Colmeiro, /, 67.
V
462 Exeu« 1.
Wenn das Reich bei 180,000 Qaadratmeilen wirklich 120MilliüDeu
Einwohner gehabt, so würden anf Spanien nach seiner raomliclien Aus-
dehnung zwölf MillicHien Seelen gekommen sein ').
Nach Dureau de la MaUe ist CcitMiro femer geneigt, die Zahl
der Sclaven im romischen Reiche bedeutend niedriger anzunehmen, als
es sonst geschieht, worin wir ihm vollkommen beipflichten*). Ueber
die Zahl der Sclaven in Spanien b^scheidet er sich, eine YermuthnDg
aaszasprechen.
Alle Anzeichen lassen darauf schliessen, dass Spanien und Por-
tugal in der Zeit der Romer nie über zehn Millionen, nie über die
Hälfte der jezigen Bevölkerung hatte« Die Völkerwanderung — seit
409 — verwüstete und entvölkerte Spanien noch mehr. Diess war die
Zeit, von welcher der Chronist Idatius berichtet, dass die „Barbaren''
mit Feuer und Schwell Alles zerstört, dass die Pest gewüthet habe. -
So gross war die Huugersnoth, dass das Fleisch der Menschen tod
Menschen verzehrt wurde, dass sogar Mütter ihre Kinder tödteten, ihr
Fleisch kochten und genossen. Wilde Thiere brachen überall herror,
und wütheten gegen die wenigen Ueberlebenden').
Seit der Befestigung der Herrschaft der Gothen gelangte Spanien
wieder zu einiger Ruhe, und die Bevölkerung mag bis zum Jahre HO
*) Oibbon, Decline and Fall of the Rcnnan Empire, chap, 1-2. Cens'j
EspaHol de 1803, — AI, Moreau de Jones, Estadiatica de Espana y See. 11
cap, 1, —
'J Dureau de la Malle, Economie politique des Romains, Paris 1840,
l. 11, cp, 2—5, — Ebenso Wieterstein, l, 186—68. — Colmeiro erwähnt des
wichtigen Umstandes, dass die mittlere Lebensdauer eines Sclaven im alten Italien
wie heute in den spanlsehen Antillen sich nur auf 8—9 Jahre belaufe, und da» di.*
Ehen der Sclaven fast immer nnfruchtbar seien. Rom habe seine Sclaven ans deo
Morgenlande nnd .ans den Städten Ephesus, Samos, Athen, Delos bezogen. Es lube
sich keine Erinnerung erkalten, dass in irgend einer Hafenstadt Spaniens Handel mit
Sclaven getrieben worden sei. Seitdem Vcspasian ganz Spanien das lateiniscli«
Bürgerrecht geschenkt, habe sich die Sclaverei nicht mehr ausbreiten können. Ma^
finde nicht, dass Sclaven zu dem Bau von Theatern, Brücken, Wasserleitungen oa^
anderem verwendet worden. Die römischen Strassen seien von den Legionen gebaut
worden. — Die ganze römische Missregierung in der Kaiserzeit nnd die steigende
Unsittlichkeit habe eine Abnahme der Bevölkerung zur naturgomadsen Folge gebebt;
Colmeiro, I, 61—63. „Das Oesez der römischen Bevölkerung war es, dass sich die
privilegirten Classen auf Kosten der niederen Classen crn&hrten, die niederen ^'
auf Kosten der Sclaverei. Da aber die Sclaven durch ein natürliches Gesez sur be-
ständigen Unfruchtbarkeit verurtheilt sind, so ruhte das Lebensprincip des römüobeo
Reiches unglücklicher Weise auf dem Kriege, oder auf der Entvölkerung Boos, der
Provinzen, des Erdkreises** (p. 63).
•) Idatii Chronic, ad ann. 410. ap, Florez IV, 352. (3 tdic 1869.) "
K.-G., II, 1, p. ?9 ^ — Colmeiro, 111, 117.
Die Zeit der WestgotheD. 463
langsam gestiegen sein. Ueber die Zahl der £iiiwohner znr Gothenzeit
wagen wir keine Vermutbnng auszusprechen. Wir erfahren nur, dass
lloderich im Jahre 711 ein Heer von 40 — 100,000 Mami gegen die
Araber gesammelt habe^).
Zur Zeit der Gothen wurden nur zwei Städte in Spanien neuge-
gnindet. König Leovigild erbaute Recopolis zu Ehren seines Sohnes
Keccared, in Celtiberien, dazu kam später Ologuis, aber beide Städte
sind so spurlos verschwunden, dass man ihre Lage nicht mehr kennt.
— FeL Dahn meint, dass die Westgothen eine Streitmacht von
120,000 Mann haben aufstellen können').
§4.
Im Jahre 711 — ^^714 eroberten die Araber ganz Spanien. Spanische,
englische, französische und deutsche Schriftsteller schenken dem mau-
rischen Spanien eine enorme Bevölkerung, mit der sich die frühere und
spätere nicht vergleichen lasse. Der Muhamedismus hat nach ihnen
Spanien bevölkert und übervölkert, der Eatholicismus aber scheint es
entvölkert zu haben« Die Religion der Einwohner des Landes war es,
welche das Land entvölkerte. So muss es sein, .weil sie es so behaupten.
Sie verblenden sich gegen die Thatsache, dass überall da, wo die Tür-
ken herrschen, eine völlige Entvölkerung der Länder eingetreten ist.-
— Wenn es im südlichen Spanien besser stand, so hatte diess
seinen Grund in der beständigen Berührung mit den Christen, und
weil die Muhamedaner daselbst zum grössten Theil vordem christliche
Spanier waren.
Es giebt noch viel weniger Anhaltspunkte, die Bevölkerung des
maurischen Spaniens zu ermitteln, als die des römischen. Alles ruht
auf leeren Vermuthungen. RosseeutoSct Hilaire in seiner Geschichte
Spaniens rühmt zuerst die grosse Bevölkerung des maurischen Spaniens,
bedauert sodann die Trägheit der Muhamedaner, die sie von einer
Volkszählung zurückgehalten habe, und zieht daraus den Schluss, dass
das maurische Spanien überaus stark bevölkert gewesen. Sic volo, sie
juheo, Btat pro ratione voluntaa^^
Wegen der beständigen verheerenden Kriege muss Spaniens
') K.-G. II, 2, p. 185.
*) Dahn, Verfassung der Westgothen, Würzburg 1871 — redet zwar von ,der
Yolkszahl', S. 50^52, aber spricht keine Vermuthung über die Zahl der Einwohner
des Westgothenreicbes aus.
') Jiasseeuw-S. Hilaire j in der Einleitung zum 4. Bande seiner ^Hütoire de
VEspagne.
464 Excnn L
maarische Bevölkerung in der ersten Hälfte des achten Jahrbandert
abgenommen haben. Unter der Herrschaft der Ommajaden (75G bi
1037) mag sie langsam zugenommen haben, um nach dem Z^erfall da
selben wieder abzunehmen. Man hat nur zwei Anhaltapunkte der &
rechnung, die Grosse der Städte und die Qrosse der Heere. Aber di
Einwohnerzahl Corduba's kennen wir nicht, man kann sie nach Beliebe
auf 100,000 oder eine Million ansezen, denn Alles liegt im Dankdi
— Malaga, die zweitgrosste Stadt des Reiches von Granada, hatte i
der lezten Zeit 30,000 maurische Einwohner ^); nach der Belagerang noc
15,000. Almeria und Basti waren kleiner; Guadix war allzeit di
kleine, obgleich arabische Schriftsteller in ihrer Blnmensprache n
wilden streitsüchtigen Völkern in Guadix reden. Wenn ,, Völker'' i
Guadix wohnten, dann ist es auch wahr, dass jener türkische Salti
Bajazet sich 600 Königreiche unterwarf, wie man ihm nachrühmte.
Granada vollends soll 400,000 Einwohner gehabt haben. Alk
dings etwa so viel hatte der Staat, aber nicht die Stadt von Gnnal
Die sind allzu freigebig, welche dem Reiche Granada drei Millio^
zutheilen, während heute ganz Andalusien nur drei and eine
Million zähle; .sie können ihre Behauptung mit nichts beweisen,
viele Araber nach dem Verlust von Corduba un^ Sevilla in das lU
von Granada ausgewandert sind, darüber ist nichts bekannt.
Fr» X Simanet, der erste Kenner des maurischen Granada, spi^
mir seine Ueberzeugung aus, dass die Stadt Granada auch in A(
blühendsten Zeit unter der Herrschaft der Naserithen nie über 20Q,(^
Einwohner gehabt habe. — Der Spanier J. Ä. Qmde, der in
Werke: „Geschichte der Herrschaft der Muhamedaner in Spanic
mehr Dichtung als Geschichte giebt, galt ein Menschenalter laogj
die zuverlässigste Quelle der Geschichte der Mauren. Aber im Jl
1849 wies Reinh. Doxy in Leyden nach, dass Ckmde nach arabii
Documenten gearbeitet hiabe, ohne dass er die arabische Sprache |
nugend verstanden, dass er einer ausserordentlich frachtbaren
*) BVanc, Carter^ Reise von Gibraltar nach Malaga (dentsche Uebene^
Leipzig 1779, II, 321.
*) Condt^ Jo8t Ant,, Historia de la dominacion de los Arabe» ai Es}
sacada de mrioa manuscrüos y memoriaa arabigas, Madr. 1820^21, 3 «
R. Dozy, richerches etc. 2 t, 1849, 1860. Dozy wirft auch dem Catiri vor,
er des Arabischen nicht mächtig gewesen (K.-G., I, 175): dem Masdeu aber (F
I, 420), dem Heransgeber der nnvollendeten Geschichte Spaniens in 20 Bindeo,
er das Arabische nur aus den Citaten CosiVT« kenne. -- Aschbach (Geaehichte
Omajaden, Einl, Vi); Ramey (Histoire dPEspagne, t VI, p. 2. Conds - il\
auUmU sur la pMode arabe. Cest un maitre.), sogar Qfrärer (Papst Grefor
und sein Zeitalter, Bd. IV, Schaffhausen, 1869) huldigen nnbeschrankt dem ,DI(
Conde.
Einwohner des mftnrischen Spaniens. 465
Iddoogskraft unterliegend, dagegen der elementarsten Kenntnisse er-
DSDgelnd, Zeitangaben nach Hunderten geschmiedet, Thatsachen nach
raosenden erdichtet, und dabei stets die Miene angenommen habe, dass*
s getreu aus dem Arabischen überseze ').
GfrSrer ist Conde ohne Bedenken nachgefolgt, denn auch er hatte
s&e aasserordentlich fruchtbare Phantasie, und verstand es, „zwischen
Ico Zeilen zu lesen'. Nach ihm hatte Corduba eine Bevölkerung von
reoigstens zwei Millionen. Er glaubt „im Rechte zu sein, wenn er die
UU sEmmtlicber Unterthanen des Kalifats sowohl auf der Halbinsel^
b in Magreb oder Mauritanien zur Zeit Almansors (c. 1000 n. Chr.)
of dreissig Millionen schäzt^. Er kann auch eine Probe liefern. Al-
ttDsor brachte sein Heer durch Anwendung des allgemeinen Aufgebots
b auf 800,000 Mann. Neuere Erfahrungen ergeben, dass zwei bis
tei Handerttheile der gesammten Bevölkerung ins Feld zu stellen die
■serste Anstrengung ist, welche ein Staat aushält. „Nehmen wir an,
fe BOO,000 Mann, welche Almansor in Bewegung sezte, hätten zwei
id ein halbes Procent der Einwohner betragen, so kommen für lez-
te etwas über dreissig Millionen heraus, was mit obiger Berechnung
lereinstimmf).
Aber wie, wenn Almansor keine 800,000 Mann in Bewegung
cte, nicht einmal . 80,000 Mann? Denn wer hat sein Heer gezählt,
(iche Bürgschaft bietet Ofrörei- für seine 800,000 Mann? Nichts, als
tte Versicherung, dass dem also war. Gfrörer weiss nur seinen Conde
% Quelle zu citiren. Doch auch den nüchternen H. Schäfer citirt er,
)er wie?*) — Ofrörer sagt, unter Alhakem U. habe man in Cordova
)0,000 Häuser, unter Almansor 219,000 gezählt, jedem Hause theilt
' 2:ehn Einwohner zu, und bringt dann mehr als zwei Millionen
mos, und beruft sich auf H. Schäfer. Dieser sagt aber: Einige be-
topten, dass zur Zeit Hakems Cordova 200,000 Häuser (unter ihnen
«hrscheinlich eine Menge blosser Hütten oder Verschlage, und jedes
hos, wie dies bei den Arabern gewöhnlich war^ nur von einer Familie
ewohnt), 600 Moscheen, fünfzig Spitäler, achtzig öffentliche Schulen,
od 900 öffentliche Bäder zählte^).
0 Conde a travailU mr des docutnents arahes sans conanttre beaueoup plus
B ftUt langue, que les earacUres avec lesguels eile t^Scrit; mais, suppUanl par
"* iviagination extrimement fertile au nianque des connaissances les plus üi-
^^^ift», ü a, aoec une impudence sanspareille, forgi des datespar centaineSf
^^t"^ des f aus par millierSf en affichant toujours la pritention de traduire
^kmad des texUs arabes (Dozy, Recherches etc., p. Z2, — s. oben p. 43).
*) ajrorer, Gregor VIL, t IV, p. 270, 314.
^ H. Schäfer, Geschichte von Spanien, Hamb. 1844, p. 112—115.
*) IhnoB sdiliesst Ofrörer anf mehr als zwei Millionen Einwohner (man
Q«Mt •!>«&. sinke m. 1. 30
466 Ezoun I.
Gehen wir von Gfrlh*er zn dem Spanier Colmeiro aber, der di
exorbitanten Zahlen Ofrörers gewaltig redncirt*). Er erklärt es untc
jedem Gesichtspunkte für unmöglich, die Zahl der Einwohner d«
Reiches der Mauren in seinen verschiedenen Perioden festzustellen, fl
lange nicht glaubwürdige Documente vorliegen, welche das Stillschwe
gen der Chroniken ersezen. Der Chalif Alhakem (961 — ^976) ordod
eine Zählung der bewohnten Orte seines Reiches an. Es fanden sc
sechs grosse Städte, achtzig von einer beträchtlichen Einwohnerschal
300 kleinere, Weiler, Thürme, einzelne Häuser unzählbare vor. Bio:
in den Gefilden, die der Guadalquivir benezt, befanden sich 12,001
Einige sagen, dass man in Cordoba 200,000 Häuser, sechzig Mosche«
(das Uebrige, wie oben) zählte'). — Selbst Conde sagt nur, dass Eioii
so behaupten. Aus diesen Nachrichten, meint Colmeiro, ist kern Scfalfli
zu ziehen.
Es sind Phrasen, wenn wir lesen, dass nur Gott allein die gros«
Heere der Mauren zählen konnte, dass diese Heere Berge undESwa
bedeckten, dass die Flüsse nicht zugereicht, sie zu tranken etc. Q
Christen steigerten die Zahl ihrer Feinde, damit ihre Siege ehrenTol
seien, die Araber aber Hessen ihrer orientalischen Phantasie Zaum i
Zügel schiessen. Die 600,000 Mauren, die sich im Jahre 13401
Rio Salado von 40,000 Christen schlagen Hessen, lebten eben auch
in der Phantasie der Araber und Christen^, welche leztere ihre Fe
nicht zählen konnten, aber ihre Zahl zu übertreiben geneigt
Al'Mdkkari rede allerdings davon, dass man in den Zeiten
600,000 Fussgänger und 200,000 Reiter aus allen Provinzen des
hätte zusammenbringen können; aber er bringe als Gewährsmann
nur einen früheren arabischen Schriftsteller, und dieser berufe sich
ein „altes Gerücht unter dem Volke^ als auf seine Quelle*).
In Wirklichkeit, als Almansor nach glänzenden Si^en die St
Astorga und Leon einnahm (997), bestand sein Heer ans 12,|
afrikanischen Reitern, aus 5000 Reitern und 40,000 Fnss^gern
konnte mit mehr Grand auf* 500,000 schlieasen). Schäfer sagt nieto tdd
Zahl der Einwohner der Stadt und des Reiches« und nichts von den 800,000
Almansors.
*) Colmeiro, L c, t. I, de la poblacion entre los moroSy p. iö7— 75.
*) Also Conde, pari. I, cp. 94.
•) Ahmed Äl-makkari, The history of the Mohammedan d^naitits
Sporn, translat. from the arab. text with crüical noUs, by. Paeeual de Qn
908, Lond. 1840-^43. - 2. vol. 4\ L IT, l. 8, ep. 3.
') Colmeiro, I, 173.
*) Quien por su parte no aduce otra prueba, que un aniiguo ntmr
gar. CAUMakkaH, l. I, 2. - /. VI, cp. 7.)
Zeit der Mauren. ^ 457
<-uen dctüacbt von Caltanazor (1002)
^enfihi^^tr,°i.f ''t''"''""''"^'*'*'' dass Almansor auf 800,000
Gw»»poma
►Waten entfellen «V W ' ^l*"* *"*' ^'"'°° Einwohner 10,000
*« za den Ri„ J:i. °°. . "* *^* *"«*» das Yerhältnise der Sol-
«iem ^e e2r^!*lT; "'''.*/ "'« g^-S»''^-''. -e ein« zu acht,
« bürgt för 01^800^ V V^''°'°''' "«'^^°- ^^' '^«deram
»67,000]^ „^'^ kampff-ah^en Männer? Wir haben zunächst
^s' in s'SlIl^n^lA^.^-i WO^ -^-hner des Mauren-
^«rJISoäS^l^'fV^" ^•'"•''"^«* -ei -her kon.n,en, als
<'e ihr HTeTvor r ; ^^,^r"*^«i>^«- ^« «*'« l^athoHschen
' Männer ^^r ^'^1 .'"^t'"**° ' '™'-'^«° '° Stadt und Land
k^Tn r^lJln T '*'* ^'^'° ^° *^^«° '•" Stande wären
«« enteSt ^ll7r.' '' .^'^'^'^ «'^»^ '"» <^«-- 60,000 Mann,
»ada vo^?^ ^'*o?"^"''/"»<=';,G«««n'n.tbevölkerang des Reiches
«it Sröw'^r^f^-,?'* ''^"°* ""^ ^"'' ^■'=»' ^- Mauren i„
■»iens und Pnr? f"" "^"""^ ^^^^ '^*'- **'« Gesaramtbevölkerung
- Ze^ ^V°^f^ '" '"•'" langsamen Wachsthum begriffen, s!
«-^ l^t. %f^ls f^rfrf^,^: ' ^' ^- '■ - ^-^--'
468 Excors I.
§. 5.
Nach gewissen Berichten zählte Spanien im Jahre 1482
7,500,000 Einwohner in Castilien,
400,000
»
in Granada,
266,290
n
in Aragonien,
486,860
n
in Valencia,
• 326,970
»
in Catalonien,
56,140
Ji
in Biscaya,
60,996
T)
in Alava,
69,665
»
in Guipnzcoa,
■ 154,000
»
in Navarra,
Summa 9,320,691»).
Portugal zählte wenigstens eine Million Einwohner. Die BeTa
kernng war grosser, als in den blühendsten Zeiten der Homer, weil I
Christen im Ganzen ein naturgemässeres, also dem Wachsthame I
Bevölkerung entsprechenderes Leben fnhrten.
Abgesehen von Portugal, blieb von jezt an bis zum Jahre 171
die Bevölkerung bei acht bis neun Millionen stehen, doch mit 4f
beständigen Neigung, un^r diese Zahl zu sinken. Grunde des Siokel
waren die Auswanderung oder Vertreibung der Mauren, der Jaden, <i
Moriscos, der Strom der Auswanderung nach Amerika, aber auch naC
den Philippinen, nach Italien, nach den Niederlanden, die zahlreich
und langen Kriege, besonders der Krieg aus Anlass der Losreisstt
Portugals in den Jahren 1640 bis 1667 und der furchtbare spaoisJ
Erbfolgekrieg. Man hat sogar berechnet, wenn auch nicht bewiese!
dass Spaniens Bevölkerung in den Jahren 1712 — 1717 auf 7,625,01
Einwohner gesunken sei^). Seit dem Ende des Erbfolgekrieges tR
ergiebt sich eine gleichmässige Zunahme der Bevölkerung^.
Die erste eigentliche Zählung im Jahre 1768 ergab 9,309,814 Eb-
wohner. Im Jahre 1797 zählte man 10,541,221 Einwohner. DieZÜ^-
lung von 1812 ergab 11,661,866 Personen. Die Zählung von ISI^
') Hier sind offenbar die Zählnngen aus sehr weit auseinander liegenden Zeitff
neben einander gestellt. Die Zahl der Einwohner Castillens aber, auf 7';', MilGoM
angegeben, dfirflo, wegen ihrer Unbestimmtheit, auf einer ungefibrea ScbSmr
beruhen.
') Madrid. Annuario von 1860. — Block, a. a. 0., p. 4—5.
') In runder Zahl hatte Frankreich im Jahre 1700 neunzehn, Spameo oev
Millionen Einwohner. So war das Yerhältniss bis zur neuesten Zeit, 35 bii ^ i"
16 MiUionen.
Die neue Zeit. 469
ggab 12^6,941 Einwohner. Im Jahre 1857 wurden 15,463,764 Ein-
ffdmer gezahlt Die Zahlung vom Mai 1861 — die lezte uns bekannte
- ergiebt an sechszehn Millionen.
Colmdro rechnet die Bevölkerung Spaniens in dem Jahre
1(82 — nach dem Census der katholischen Könige und andern Notizen
— auf 10,000,000,
M92 — nach der Vertreibung der Juden — auf . . . 9,800,000^
15!M — nach verschiedenen Notizen — auf 8,000,000,
610 — nach der Vertreibung der Moriscos — auf . . 7,500,000,
i97 — nach dem Census dieses Jahres — auf • . • 10,500,000,
822 — bei einer nicht ganz genauen Zählung — auf • . 11,661,980
834 12,162,872,
837 zahlte Spanien mit den Inseln 15,518,516,
860») annähernd 15,900,000—16,000,000,
hwobner.
In der 2ieit der Römer, der Mauren und der Christen war Spanien
ie bevölkert, wie andere Lander, wie Italien, Frankreich, Grossbritan-
ien, die Niederlande, Deutschland. Denn Gebirge, Wüsten, Steppen,
!e grosse Wasserarmuth und Hize, die Armuth an Wäldern mindern
IT sehr seine Fruchtbarkeit
Seine fruchtbaren Landstriche sind zum Theil übervölkert. Bei
er grossen Trockenheit herrschte im Jahre 1857 furchtbare Hungers-
xb in dem übervölkerten Galizien; aus der Provinz Murcia wanderten
I 50,000 Spanier nach Oran in Afrika aus. Das Land ist in neuerer
ttt riel wasserloser geworden^ nachdem moderne Speculanten, unter
äderen auch Munoz, der Herzog von Rianzares wenig gesegneten
iBdenkens, die wenigen Wälder, die Nährer der Quellen und Flüsse
Bsgerodet haben. Der Metallreichthum des Landes ist längst theils,
nchöpft, theils, wie die Weinberge von Xeres und Malaga, in den
fi&den der Fremden. Die grosse Armuth der Bewohner tritt Jedem
Bungenehm unter die Augen. Der mehrgenannte Simonet hat mich
sichert, dass in Spanien höchstens eine halbe Million wohlhabender
^tite, diese aber meistens Emporkömmlinge seien, die sich an den ver-
cUeoderten Kirchen- und Gemeindegütern bereichert haben. Diese
aben auch den fabelhaften Luxus in Schwung gebracht, an welchem,
ne an so vielen anderen Uebeln, das heutige Spanien krankt.
Wir sagen: da die Bevölkerung Spaniens zur Zeit der Römer und
ilaaren eher kleiner^ denn grösser war, als unter der Herrschaft der
-leisten, so ist die relativ schwächere Bevölkerung Spaniens das ganz
i2tarliche Ergebniss der relativ geringeren allgemeinen Fruchtbarkeit des
^des.
•) Cofaftro, U, 16. - Block, S.
470 Excnn L — Die neue Zeit
Die fruchtbaren Theile des Landes sind aasserordentlich got an-
gebaut Mariz Willkomm sagt: „Es ist nicht zu riel gesagt, wenn
man die Landleute der Provinzen (im südlichen Spanien, in Catalomeo,
Valencia, Murcia und Granada, deren Bewohner als onubertroffeM
Meister hinsichtlich der Berieselung dastehen), ganz besondere die
wegen ihrer Unermüdlichkeit und ihres intensiven Ackerbaubetriebes n
Spanien sprüchwortlich gewordenen Gatalonier^), und die unter eioa
glühenden Sonnenhize arbeitenden Valencianer für die fleissigsten Ader«
bauer Europa's erklärt In der Thal befinden sich aach alle Zweige
der Bodencultur in Catalonien und Valencia, auch in den baskischeii
Provinzen in einem so blühenden Zustande, wie kaum irgendwo n
Europa. — Wohl in keinem anderen Lande Europa's findet min «
grossartige Bewässerungsanstalten, als wie in Spanien. Darunter rDbra
die staunenswerthesten und complicirtesten von den Mauren her, welche
wie kein anderes Volk, das Wasser für die Bodencultur zu beninei
verstanden*).
*) j^Loa Catalanes sacan de piedras panes^^ d. i. die Gatalonier fen«
ana Steinen Brod.za bereiten, ein SprQchwort, das vielleicht mit nodi grtMH
Reehte von den Valencianem gesagt werden kann. ]
*) Wiükomm^ S. 56—57. Nach demselben Yer&Bser haben die oben von
genannten Städte Einwohner: Madrid 881,000. — Lissabon 375,000. — MeridaS
— Tarragona 18,000. — Barcelona 18i,000. — Gerona 15,000. — Lerida 20,000.
Pamplona 23,000. — Saragossa 56,000, — Tortosa 16,000. — Astorga 4800. - t
10,000. — Lngo 8000. — Braga 16,000. — Evora 12,000. — Cadix 62,000. -
Villa 112,000 (mit den Vorstädten). — Gordova 43,000. — Malaga 91,000. - Or
62,00a Die Provinz Graaada zahlt 442,000 Einwohner. — Gnadiz 10,000. -
7200. — Almeria 23,000. - Cartagena 60,000. — Valeneia 106,000. — Toledo 17
{Willkomm, Geographie der pyrenaischen Halbinsel, Leipzig, 1871.) Gtns a
sind die französischen Städte gewachsen; Bordeaux hat 163,000, Lyon 319,000,
seille 260,000 Einwohner.
£ 1 c n T s II.
le (bis Jeit weniger bekannten) rAmischen Sinussen in
SiNuiien.
§. 1.
Den Dahen Zusammenhang zwischen der Richtung der römischen
nsseo und der Richtung der Ausbreitung des Christenthums in Spa-
cn (wie in anderen ülndem) weist die Geschichte selbst nach. Es
t Thatsache, dass alle Orte in Spanien, an welche sich schwache
nditionen des Aufenthaltes des Apostels Paulus knüpfen , an der
i^Msen Strasse liegen, welche von Cadix an Spanien in der Richtung
^ Tarnigona durchzieht Die Orte Astigi, Laminium, Libisosa,
^s, Dertosa, Tarragona — liegen an dieser Strasse. Während das
i^erarium Änionini nicht alle einzelnen Stationen dieser Strasse nach-
^, werden dieselben durch die sogenannte Vaaa appoUinaria (ge-
öden im Jahre 1852) mitgetheUt, welche in einer dreifachen „Recen-
ion'^ die Mansionen des Weges von Gades nach Rom angeben. Die
^ Recension lautet: IHnerarinm a Oades Romcnn; die zweite: Ab
^ nfgua Borna itinerare (Von Gades bis Rom reisen); die dritte:
^Mtw a Oade$ u$qu6 B<ma (Reisen von Gades nach Rom).
*) Bdiutrd, Saavedra, Parte Eepaiiola du lUnmo de Antonino Augu$to
^vocofio^ Madrid^ 1862. — Parth^ nnd Pinder, die neoesten Hena^g^ber des
472
Excnn Tl.
Es sind von Cadix bis an die Grenze der Pyrenäen gegen Gal-
lien 45 Stationen nach der ersten und zweiten, 46 Stationen nach da
dritten Recension des Textes, in folgender Weise:
L
(millia).
II.
(millia).
111.
(millia'
Ad Portum
24.
Ad Portiim
24.
Ad Portom
2i
Hastam
16.
Hasta
16.
Hasta
16.
Ugiam
27.
Ugia
27.
Ugia
28.
Orippum
24.
Orippo
24.
Orippo
2i
Hispalim
9.
Hispalim
9.
Hispalim
9.
Carmonem
22.
Carmone
22.
Carmone
22.
Obuclam
20.
Obucla
20.
Obucla
20,
Astigim
15.
Astigi
15.
Astigi
15.
Ad Aras
12.
Ad Aras
12.
Ad Aras
li
Cordubam
23.
Corduba
23.
Corduba
23.
AdX(milliarium) 10.
Ad Decnmo
10.
AdX
10.
Eporain
17.
Ad Lucos
18.
Ad Lucos
18.
Uciesem
18.
Uciese
18.
Uciese
'S
Ad Noulas
13.
Ad Noulas
13.
Ad Noulas
13.
Castulonem
19.
Ad Aras
19.
Castulone
19.
Ad Morutn
24.
Ad Morum-
29 CO
Ad Morum
24.
II Solaria
19.
Ad Solaria
19.
11 Solaria
19.
Mariana
20.
Mariana
20.
Mariana
201
Mentesam
20.
Mentcsa
20.
Mentesa
•A
Libisosam
24.
Libisosa
28(?)
Libisosa
3t
Parietinis
22.
Parietinis
22.
Parietinis
22.
Saltigim
16.
SalUgi
16.
Salügi
16.
Ad Palem
32.
Ad Palen
32,
Ad Pale
32.
Ad Aras
22.
Ad Aras
22.
Attures
25.
Sactabün
28.
Saetabt
28.
Saetabi
25.
Socronem
16.
Sucrone
15.
Sncroue
16.
Valentiam
20.
Valencia (sie)
20.
Valentia
2a
Sagyntum
16.
Sagyuto .
16.
Sagunto
16.
Ad Noulas
24.
Ad Noulas
24.
Sebelaci
21
Wnwa (K.G^ 1, 415) haben nacbgewieaeii (Pttef. p. YD, dass die Gnndh««
Werke« ans der Zeit Caracalla^s atamme, wosn aber fortwährend ZuaSie kiincn.
erhaltene beasere HandschiUt stammt aoa der Zeit Diocletiana; denn m «1
oiner^ta den Kamen der Stadt Dioeletianopolia (in Haeedonien), andere»«»
aen die Entfaninngen der Orte nicht vmi Gonrtantinopel, aondera foo Bo«
Strasae von Gades nach Rom.
473
I.
(millia).
II.
(millia).
111.
(millia).
Ddnm
22.
Ildum
22.
Ildum
24.
htibilim
24-
Intibili
24.
Intibili
24.
Dertosam
27.
Dertosa
27.
Dertosa
Tria Capita
27.
17.
Mib Saltum
37.
Sub Saitu
37.
Sub Saltu
20.
rarracoDem
25.
Tarracone
21.
Tarracone
25.
Wurianam
16.
Palfuriana
16.
Palfuriana
16.
iDtistianam
13.
Antistiana
16.
Antistiana
13.
A Fines
17.
Ad Fines
17;
Ad Fines
17.
jrragoDem
20.
Arragonc
20.
Arragone
20.
emproniana
9.
Praetorio .
17.
Praetorio
17.
eterras
24.
Siteras
16.
Saeterras
15.
j\m Vocontis 15.
Aqais Voconi
15.
Aquis Voconis 15.
truDdam
12.
Gerunda
12.
Gerunda
12.
Soiaimm
12.
Cilniana
11.
Ciuniana
12.
imcariam
15.
Juncaria
15.
Juncaria
15.
1 Pyrenaeum
16.
In Pyreneo
16.
In Pyrenaeo
16.
Somma
866.
872.
872.
Die Differenzen der drei Reccnsionen sind ganz unbedeatend, und
innen leicht durch Schreibfehler erklärt werden. Von den 45 Statio-
2n der Strasse durch Spanien fallen etwa 33 auf Städte, oder doch
techaften, zwölf scheinen blosse Poststationen, Halt- oder Umspann-
tellen gewesen zu sein. Leztere können nicht sicher ermittelt werden.
« sind diess die Haltstellen ad Aras zwischen Astigi und Corduba,
nd wieder ad Aras vor Saetabis, die beiden Haltstellen „ad Noulas**
nd „ad Palem" — zum Pfahle — sind wohl auch- -nur eine Station.
Jfcenso ^Sub Saltum** (unter dem Waldgebirge), „ad Fmes" und „In
'yrenäeum*.
474 Zvm n.
§. 2.
Der Reichflwegweiser Anionin's hat in diesen Strassenzog, der
ganz Spanien durchschneidet, grosse Unklarheit gebracht, indem er
denselben in verschiedene Theile zerlegt, und den Theil der Strasse,
welcher dnrch die Sierra Morena fuhrt (mana Marianus), ganz aoslässi
Nach ihm wäre der Weg bis Castulo gegangen, dann hatten die Bei-
senden südöstlich nach Acci zurückkehren, und von da über Cartbagena
nach Valencia reisen müssen.
Allerdings sagt Strabo *), dass früher die Strasse von der Ebene
am Meere über Egelastae (Yniesta) gefuhrt habe, ein harter und weiter
Weg, jezt aber ziehe der Weg am Meere hin, und gelange (über Acci)
nach Castulo und Obulco, von hier nach Corduba und Cadix. Daraas
folgt nun keineswegs, dass man den ungeheuren Umweg über Guadix
und Baza gewohnlich machte. Wer von Cadiz nach Rom reisen wollte,
Hess sich den rauhen und steilen Weg durch die Sierra Morena eben
so wenig gereuen, als den Weg durch die Pyrenäen. Der Bau der
Eisenbahn von Cadiz nach Madrid und Valencia aber hat genau die
Richtung angesucht, welche die alte Strasse hatte.
Bei dem Baue der Eisenbahn wurden auch die Spuren und Ueber-
reste der alten Strasse entdeckt, welche, ostlich von der heutigen, am
^ Passe Despeiiaperros unter Carl IIL erbauten Strasse^), lief. An Ca-
stulo gieng die alte Strasse vorüber, überschritt nordlich davon den
Fluss Guadalen, und lief an der ostlichen Seite durch das Thal des-
selben, in geringer Entfernung vom Fluss. In der langen und tiefen
Schlucht war kein bewohnter Ort; — 24 romische Meilen legte die
Strasse bis zur Station am „Maulbeerbäume^ zurück. Eine Station mit
demselben Namen liegt auch auf der Strasse von Carthagen^ nach
Acci*). Von dem „Maulbeerbäume^ erreichte der Weg in neunzehn
MeUen die (zwei) „Sonnenuhren^ (Solana). Diess war die tiefste Ein-
senkung der Schlucht. Von da stieg die Strasse zwanzig Meilen weit
steil den Berg hinan, begleitet eine Strecke nur vom Flüsschen Gua-
dalen, welches einige Meilen südlich von Mariana in der Sierra selbst
entspringt. Da wo die Eisenbahn und die alte Strasse mühsam zv
•) Strabo, U/, 4 (9).
•) K-G., I, 349.
•) K.-G., I, 121.
Die Strasse von Mariana nach Chinchilla. 475
Hohe sich emporringty befindet sie sich wieder ganz nahe der jezigen
Landstrasse *)•
Hier befand sich die Station „Mariana^, das ist Anfang der Sierra
Morena« Dieselbe Station kommt einmal in dem Reichswegweiser, als
lezte Station der Strasse von Emerita nach Laminium, sonst aber nicht
vor. Farbiger sagt'), dass sie das heutige Almagro sei. Es ist diess
schon darum abzuweisen, weil Almagro tief in der Mancha, und von der
Sierra Morena zu weit abliegt, von welcher der Ort Mariana den Namen
erhalten, oder vielleicht auch den seinigen ihr gegeben hat. Mit Recht
halt Saavedra darum das Mariana der Strasse von Merida nach Lami-
nium und der Strasse von Castnlo nach Libisosa für dieselbe Station.
— Ob es nur Station, oder ein Ort gewesen, ist schwer zu sagen. Nach
Saavedra hat Fern. Guerra die heutige Lage des alten Mariana entdeckt
Damach ist es Nuestra Senora de Mariana in der Gemarkung (la co-
marca) von £1 Principe, an dem Wege, der von 'der Venta de los
Santos und Villamanriqne (de Montiel) nach Barrancohondo führt. Von
Barranco aus drangen die Franzosen in dem Kriege unter Napoleon L
in Andalusien ein.
§. 3.
Der Reichswegweiser schweigt über den weiteren Zug der Strasse
von Mariana bis nach Sucro, die inzwischen aus anderen Quellen ver-
bürgt ist« Von Mariana führte die Strasse in zwanzig weiteren Meilen
nach Mentesa, ohnstreitig das Mentesa der Oretaner, da ja Oretum
selbst in der Nähe lag'). Nach Fem. Guerra fallt das hordliche Men-
tesa mit der Villa Villanueva de la Fuente zusammen, von welchem
drei Legnas südlich Alcaraz, vielleicht das alte Arcislacis des Ptole-
maeus, liegt. Von Mentesa führte die Strasse in 24 Meilen nach Libi-
sosa oder Lezuza, an welchen Ort sich die von uns erwähnten Erin-
nerungen an die Rebe des Apostels Paulus knüpfen^). Dass Libisosa
'} Am 25. Januar 1866 fuhr ich hier vorüber , nach Ja6n nnd Granada. Die
damals noch nicht vollendete Eisenbahn lag in grosser Tiefe von der Strasse, nnd
verlor sich bald in OstKcher Richtung. Die bisherige Strasse am ^Hnndesprong"
steigt zawst In die Tiefe, dann in die Höhe nnd wieder in die Tiefe, durchschneidet
also eines der Qnerth&ler der Sierra Morena.
^ Fmbiger, III, 35.
*) Ich berichtige hier den Irrthnm in Band II, 1, p. 12 der Kirchengeschichte,
womach Mentesa bei Ja6n oder ki Goardla das Mentesa der Oretaner gewesen. Es
war vielmehr das Mentesa Bastia, wo sich heute noch Ruinen nnd Inschriften
befinden.
*) K.-G., I, S. 66—71.
476 Excun II.
das heutige Leznza sei, ist um so weniger zu bezweifeln, sls äck h
Lezuza alte Ruinen, finden.
Libisosa und die zwei folgenden Stationen Parietinis und Saltic
kommen auch in dem Itinerar des Äntonin als zwei Stationen de
Strasse von Laminium nach Saragossa vor. Hier und dort werden al
Entfernung Libisosa's von Parietinae — 22 romische Meilen, von d
nach Saltici Toder Saltigi) sechszehn Meilen angegeben. Beide W^
weiser befinden sich in erwünschtem Einklänge. Parietinis hat sich e
halten in: Parazos Viejos, im Bezirke von Albacete. Die Richtang d
Strasse von Lezuza her ist noch zum grosseren Theile zu erkenne
der Weg ist von dem Ingenieur Roiüero beschrieben worden. SaU
wird für identisch gehalten mit Chinchilla; auch hier hat Romero ein
Theil der Strasse von Parietinae her nachgewiesen und beschrieben.
Von Saltici liefen die Strassen nach Valencia und Saragossa n
einander. Gegen alle Erwartung kommt Egelastae troz seiner Sdl
werke fds keine Station vor; es wird nur von Strabo und Plinius (■
Solinus) erwähnt. Die beiden Stationen und Städte Saetabis und Soi
vor Valentia sind bekannt Unbekannt sind die zwei Stationen zwaA
Saltici und Saetabis, die Ad Palem und Ad Aras heissen. Pale kodi
nur hier, und nicht im Reichswegweiser vor. Saavedra sacht es]
Nuestra Senora de Bolen, ein und eine halbe Leguas ostlich Ton i
mansa. Einer Haltstelle Ad Aras sind wir schon bei Castulo bcgegi
Die unsrige lag wohl bei der Venta de la Balsa, zwbchen Almtf
und Moxente.
Die Stadt Saetabis fallt wohl mit der Stadt Xaüva, Sacro al
mit Alcira zusammen. Von Sucro lief die neuere Strasse nach CasM
am Meere hin — mit den Stationen ad Statuas — 22 Meilen von Sod
— ad Turres 9, Adella 24, Aspis 24, Dici (Elche) 24, Thiar 27, 0^
thago Spartaria 25.
Ueber die Strasse von* Carthagena nach Acci, von da ebei»
nach Castulo, anderseits nach Abla, Urci und Adra (Berja) haben i^
früher ausfuhrlich gehandelt, und glauben an den dort ausgesprochene
Ansichten festhalten zu sollen^).
«) K.-Q. I, 120-23, 154-67, 167—69, 202-204. — Aach Farbiger irt *
Ansicht, dass das alte Abala, das Alba des IHnerars, and die ^Aiabanaua' ^
PUnitu das heatige Abla sei. III, 65.
Straaie von Lamininm ntoh Saragossa -^ ein Saampfad? 477
§.4.
Die Straaae von Liaminiam nach Saragossa ist das eigentliche
Ereoz'' aller, welche sich mit der Richtung der Bömerstrassen in
panieD beschäftigen. Die Einheinuschen und die Fremden bewegen
cb hier auf dem Felde der Conjectaren. Ich furchte auch, dass man
ffch Entdeckung von Strassenresten oder Bauten nicht sogleich ssu
lern Resultate kommen werde, denn ich glaube, dass eine Heer- oder
uubtrasse hier nicht bestanden habe; dass nur, um mich der modernen
udracke zu bedienen, eine „reitende Post^ die Strecke zwischen Chin«
üb ond Saragossa auf den kürzesten Bergpässen zurückgelegt habe,
it Stationen von Laminium bis Chinchilla sind bekannt; die beiden
Ikn sind Lamininm selbst, und Caput Fluminis Anae, heutzutage los
n (die Augen) des Guadiana genannt, Wasserbehälter, aus denen der
m entspringt Dann folgt Lezuza, Parietinis und Saltici. — Jezt
er entflieht uns jede Spur des Weges. Nach der Station ad Putea
Iren es 32, nach der Station Valebonga 40, nach Urbiaca 20, nach
bonica 25, nach Agiria (Daroca) 6, nach Carae 10, nach Sermo
loel) 14, von da nach Caesaraugusta 38 Meilen. Es sind von Sal-
ti wo erst die Strasse von der Strasse nach Valencia sich trennt,
6 Meilen, eine relativ kurze Strecke. Denn auf der parallel laufenden
nsse von Saltici nach Dertosa sind es 237, bis Tarraco aber 299
den. Die westliche Strasse aber von Laminium über Titulcia betragt
!7 Meilen. Titulcia, auf dem Wege zwischen Aranjuez und Madrid,
«r näher bei Aranjuez, hiess Bajoda de Tajona, hat aber im Jahre
114 seinen alten Namen Titulcia wieder angenommen ^). Von Titulcia
Mag die Strasse über Complutum in der Richtung der Eisenbahn, die
Mite Ton Madrid nach Zaragoza fuhrt.
Die relative Kürze des Weges von lezterer Stadt nach Saltici, der
instand, dass wir von sieben Stationen desselben nur zwei oder drei
itstellen können, rechtfertigt den Schluss, dass diese Strasse ein Post-
weg war, auf dem man ganz Spanien von den Pyrenäen an bis Cadix
if der kürzesten Strecke durcheilen konnte, und rechtfertigt den
ddoss, dass d^r Weg, vielleicht an vielen Stellen der Saumpfad von
Uoclulla in der Richtung von Cuenca und Albarracin (über die Sierra
e Molina) — am Rio Uoca hinzog.
Saovedra will diess nicht zugeben, denn nordlich von Chinchilla
') c/. Aladoz, Diccionario s. v. Bayona,
Cwt. ipu. Kirche, III. I. 31
478 Ezcnn II.
sei mächtiges Gestein, für keine Strasse practicabel. Für keine Strasse,
aber wohl för einen Saumpfad, der mit Manlthieren begangen wird,
sagen wir«
Seit Jahrhunderten besteht zwischen Cordova de Tucuman und
Valparaiso, zwischen den Laplata-Staaten und Chili, nur die lebens-
gefährliche Verbindung durch die GordUleras, welche nur mit Manl-
thieren möglich ist. Warum soll etwas Aehnliches nicht auch im
Mütterlande, und im roibischen Spanien vorgekommen sein?
Wenn wir die Sammlung alter spanischer Münzen und Inschriften
mit den Abbildungen (medaUcLs) bei Florez*) betrachten, so begegnen
wir einer Menge Abbildungen von Stieren, die so zu sagen zum Stier-
kampfe sich in Position gesezt haben. Es ist klar, dass die Stier-
kampfe in Spanien immer bestanden haben. Warum sollten die spani-
schen Maulthiere nicht auch im Alterthume dieselben Dienste geleistet
haben, wie später? Für das gebirgige Land sind sie wie Ton Natnr
geschaffen.
Es scheint mir ein vergebliches Bemühen, nachweisen zu wollen,
wo sich die Haltstationen „ad Putea'' und „Valebonglt^ befanden. Denn
es giebt Hunderte von Orten in Spanien, die mit Fuen oder Foente
(Fontes) anfangen; Hunderte von Orten entstanden an Brunnen oder
Quellen. Eben so zahlreich sind die Orte, welche mit „Val oder
Valde*' (Vallis) anfangen. Cortis macht aus Valebonga eine Vallis-
longa, und sucht es in dem heutigen Valdemeca, sieben Leguas von
Cuenca entfernt.
Dem widerspricht jedoch Madoz energisch, und spricht sich
für keinen heutigen Ort aus. Joaq. Traggia^), der im Ganzen die
Strasse die nemliche, nur etwas westlichere Richtung nehmen lässt, wie
wir, sezt ad Putea wohl mit [Jnrecht an den Fluss Xucar, Valebonga
aber nicht weit nordlich von Valeria und lässt die Strasse dicht ost-
lich von den Lagunen auf dem Plateau von Molina — vorüber nnd
nach Daroca sich hinabziehen.
Der um diese Studien vielverdiente Saavedra aber macht bei
dieser Strasse einen wahrhaften „Salto mortale^. Er ignorirt das Itine-
rar, und weil man nordlich von Chinchilla eine Strasse wegen der Fels-
massen nicht passiren könne, verlegt er dieselbe plozlich nach Sagtint,
und lässt sie nordwestlich nach Teruel ziehen. Südostlich von Ternel
>) 8. den Titel dieses Werkes, R -6., I, 130. V. II, 1, 126-^8.
*) Aparato h la historia ecüaiastica de Aragon, p, Joaq. Traggia, t Ih
Madr. 1792.
StraBse von Laminiam nach Saragossa. 479
liegt heute der Ort Valbona; dahin verlegt er die Station Yalebonga,
Temel ist ihm Urbiaca, Albarracin läset er links liegen, dann lässt er
allerdings die Strasse, bei Daroca hinabsteigen, aber ohne allen Grund
sie bei Bilbilis in die Strasse einmünden, welche von Titulcia her-
kommt.
Nicht minder willkürlich geht CortA zuwege, bei dem «man -an
derlei Freiheiten gewohnt ist Ans: ad Putea macht er „Putealia^, und
daraus das hentige Utiel, das auf der Strasse von Valencia nach Ma-
drid liegt, eine Villa von 6000 Einwohnern, aus Valebonga macht er
ohne Weiteres Vallis longa. Dann schreibt er weiter statt XL umge-
kehrt LX Meilen dem Wege von Utiel nach Vallis longa zu, dort
findet er ein altes: Valle larga, — heute aber: Valle-meca, abzuleiten
von dem griechischen f^lfxog — Länge oder Weite. Dem Weg von
hier nach Urbiaca schreibt er 45 statt 25 Meilen zu, Urbiaca aber ist
das heutige Checa, fünf Leguas von Molina de Aragon. Albonica
sodann, das er von Alveus (Ursprung des Flusses) herleitet, ist ihm
das hentige Monreal del Campo. Agiria hält er für Daroca, und wir
auch« Dann kommt Carae, was mit dem heutigen Carinena stimmt,
zulezt Sermo, das heutige Muel.
Cortds hat eine krankhafte Sucht, spanische Ortsnamen aus dem
Lateinischen, Griechischen und Hebräischen abzuleiten. Sermo be-
deutet Kede. Die Komer aber haben aus dem hebräischen Worte
Millel oder MuUel (was so viel als Reden bedeute) in ihrer Sprache
„Sermo" gemacht; nach der Zeit der liömer aber sei der alte Name
nMuel" wieder hervorgetreten.
Menke in seiner dritten Auflage des Aüa8 antiquus von Spruner
lässt die Strasse von Saltici direct nach Egelastae (Iniesta) gehen, von
da aber östlich ziehen. Die Stationen ad Putea und Valebonga werden
nicht genannt, die Station Urbiaca mit ? bezeichnet, Albonica und
Agiria wird nicht genannt, dagegen Carae und Sermo als die beiden
lezten Stationen^).
Als ich mich der Ansicht schon zugeneigt, dass der Weg, nicht
die „Strasse'^ die Richtung von Cuenca und Albarracin eingehalten,
sandte mir der spanische Geograph und Chartograph Franc, Coello y
Quesada seine Abhandlung über romische Strassen in Spanien zu, die
er ans Anläse seiner Aufnahme in die Academie „de la HUtoria^ in
') Spruner-Menke, Atlas cmtiq.^ Oothae 1865, Nr, XV IL — Emü Hübner
in der Karte, die seinen Inecriptionea Hispaniae beigegeben ist — Berlin 1869 —
Usst diese Strasse ans, es mtUste denn nur sein, dass er die in seiner Karte von
Sagant nach Temel, Albarracin und Bilbilis führende Strasse von Saavtdra ent-
lehnt bitte.
^■
482
Exetn II. «• Dlo Lfleken 46t Itiaertriom ▲nloiiiDi.
nber Saetabis, Valencia, Dertosa and Tarraco werde eingeecUagea
haben? Ich antworte, ee war ihm nicht nm den käneaten Weg, toa-
dem darum au thun^ auf seinem Wege möglichst viele bevölkerte OrU
zu finden, wo er das Evangelium predigen konnte*).
ed. O. Htm/m, 1856^ p. 2^—27. Dsiaaoh bat Menke in der dritten Aitf Isf^e toi
Spruner^B Atlas — or^ an^quu$ (1865) die StrasBenliiiieD In Spanien eorriprt. -
ef, Alexandre Bertrand, Ue txries Romaines en Oaule, Par. 1864^ p. 2.
Die
Kirchenffeschichte
von
Spanien.
Von
Pins Bonifacius Oams,
O. 8. B.
»^»<
Dritter Band.
Vom Snde des eilften Jahrhunderts bis zur Gegenwart.
Cwelle Abthellang.
Jahr 1492 — 1879.
Begensbnrg.
Druck und Verlag von Georg Joseph Manz,
1879.
i
w
V o r r e d e.
X/ie nun in fünf Bänden vorliegende Eirchengeschichte
« Spanien verdankt ihren Ursprang dem lebhaften Schmerze
s Verfassers über die Verkennnng des Bischofs Hosius von
dnba in der Kirchengeschichte, über seinen getrübten Ruf
i der Nachwelt. Ich war Jahre lang darüber betrübt, dass
der nach meiner Ueberzengung es verdient hätte, unter den
digen der Kirche verehrt und angerufen zu werden, durch
I Verleumdnngen der Luciferianer zu den Gefallenen und
)gefallenen gerechnet wurde und wird. Ein anderes, auch
r untergeordnetes Motiv hat mich zu meiner Arbeit nicht
irieben oder bei ihr festgehalten. Damit ist zugleich die
ige beantwortet, wie ein Deutscher, ein „Ultramontaner **,
n komme, eine Kirchengeschichte von Spanien zu schreiben.
^m gebort nicht der spanischen Special-Geschichte, sondern
r aUgemeinen Kirchengeschichte an. Was er in und für
Knien gewirkt, das tritt vollständig hinter dem zurück, was
in nnd für die ganze Kirche gethan. Ich wollte ursprüng-
h meine Arbeit beschliessen mit dem Jahre 357 oder dem
)de8jahre des Hosius. Was ich am 27. August 1862 ge-
trieben, das wiederhole ich am 27* August 1879: „Wie der
tM»e AthanasluB, so ist der grosse Hosius würdig der Liebe und
I mmterblichen Angedenkens aller christlichen Geschlechter/
Wanun aber aus der Geschichte des Hosius eine Kirchen-
»chichte von Spanien geworden ist, habe ich auf Seite 307
^ zweiten Bandes gesagt Dort habe ich auch angedeutet,
|B8 ich keine spanische Kirchengeschichte im Detail, oder mit
ifigehen auf alle mehr oder weniger wichtigen Ereignisse
^iben, sondern dass ich vorwiegend die Streitfragen in und
IV Vorrede.
nber die spanische Kircheogeschichte behandeln wolle. Der
richtigere Titel meines Werkes wäre gewesen: Abhandlnngea
über die in der Controverse befindlichen Fragen der Eiich^-
geschichte Spanien^s. Dass ich aber diesen Titel nicht gewaUt,
wird man begreiflich nnd verzeihlich finden.
Bei jeder einzelnen Streitfrage habe ich einen Yenndi
der Lösnng derselben gemacht, nnd ihn der Prfifhng der Um
vorgelegt Die Punkte oder die Streitfiragen, die zum grossen
Theile auch die allgemeine Earchengeschichte berühren und in
ihr zum Theile behandelt werden, sind aber: 1) Die MissioDs-
reise des Apostels Paulus nach Spanien, und die muthmassliche
Richtung seiner Wanderung durch Spanien. 2) Die Ankanfl
und die Thätigkeit der „apostolischen Siebenmänner'' (Septem-
viri apostolici) in Spanien im ersten Jahrhundert 3) Die Er-
klärung des Briefes des heiligen Cyprian von Carthago an die
Christengemeinden zu Emerita und Asturica-Leon. 4) Einige
Streitfragen fiber die Zeit der grossen Christenverfolgnng der
Jahre 304 — 305, besonders über die heilige Eulalia von Bar-
celona, und fiber die Frage der Aechtheit oder Unächtheit an-
geblich alter christlicher Inschriften. 5) Zeit der Synode m
Elvira — Mai 306; Bischofssize und Pfarreien der dort ver-
sammelten Bischöfe und Pfarrer; die Erklärung der schwierig-
sten Ganones (1, 2, 3, 15, 26, 34, 36, 49, 56, 57, 59, 62)
6) Grundlegung und Einführung der kirchlichen ffierarchie iii
Spanien durch Bischof Hosius. 7) Schuld oder SchuldlosigKeit
des Bischofs Hosius. 8) Ort und Zeit des Todes des ^om
(t 27. Aug. 357 zu Sirmium in Pannonien). 9) Die Ludfe^
rianer in Spanien. 10) Zeit und Ort der Entstehung der Häresie
der Priscillianisten , und ihre Verbreitung. 11) Ringen i&
Bischöfe von Toledo um ihre Anerkennung als Metropoliten
12) Die Streitfrage über den Ursprung und 'die AusbildoBg
der altspanischen Liturgie. 13) Die Streitfrage über den Ort
und die Zeit der Entstehung der Sammlung des altspanische^
Kirchenrechtes. 14) Die Streitfrage über den Ursprung i^
Primats der Kirche von Toledo, und die Stellung dies«
Kirche zu der römischen Earche. 15) Die Frage über den
Ursprung und die Urheber der Häresie der Adoptiaoer.
16) Die Streitfrage über den Apostel Jacobus Major und sein
Verhältniss zu Spanien. 17) Die Streitfrage über die Anwesöh
heit des Primas Roderich Ximenes von Toledo zu Rom bei
dem Lateranconcil von 1215, und «im 8. October d. J-
18) Die Frage nach der Zahl der Einwohner Spanien's zur
Zeit der Römer, der Gothen, der Mauren, und in der neaeni
Vorrede. V
Zeit 19) Die römischen Strassen durch Spanien. (Die diesem
Bande beigegebene Karte: „Hispania Ecclesiastica^ ist vor-
wiegend eine Karte der Romerstrassen in Spanien). 20) Die
Entstehung und der Charakter der spanischen Inquisition, die
Frage ihres kirchlichen oder staatlichen Charakters; ihre Licht-
und Schattenseiten. 21) Die Gründe des Zerfalls der Macht
ond Grösse Spanien's von den Zeiten Philipp's IL au.
Bei allen Streitfragen habe ich irgendeine bestimmte Lösung
vorgeschlagen. Die Gewohnheit Tillemonts und Anderer, zu
sagen: Es könnte so sein, es könnte aber auch anders sein,
hat mir nie zugesagt. Die Gegner mttssen wissen, was sie zu
widerlegen haben. Weil aber die Leser manchmal im Unge-
vifisen sind, was ich als geschichtliche Thatsache, was als
Hypothese vorlege, so gebe ich hier eine kurze Üebersicht.
El ist geschichtliche Thatsache, dass der Apostel Paulus nach
Spanien gekommen. Die von mir dargelegte Richtung seiner
Reise durch Spanien ist meine Hypothese. Die Ankunft der
pSiebenmänner^ in Spanien ist geschichtliche Thatsache, ebenso
iiss Torquatus erster Bischof von Acci, Indaletius yon Urci,
Caecilius von Elvira-Granada, Euphrasius von Illiturgi gewesen.
Dass Secundus seinen Siz in Abla, Ctesiphon in Beija, Esitius
li Cazorla aufgeschlagen, ist meine Hypothese. Dass es eine
Eolalia von Emerita und eine andere von Barcelona gegeben
kabe, ist geschichtliche Thatsache. Dass die Synode von Elvira
k Mai 306 gehalten worden, ist meine Hypothese; dasselbe
dt von meinen Erklärungsversuchen der schwierigsten Canones*
Uass die spanischen Bischöfe von 306 bis 400 nicht nach der
Ceit ihrer Ordination, sondern nach dem Alter ihrer Bischofs-
«xe nnterschrieben, ist meine Hypothese. Was ich über die
fiehnldlosigkeit des Hosius, den Ort und die Zeit seines Todes
•age, halte ich für geschichtliche Thatsache. — Es ist wahr-
scheuüich, dass Gregor von Elvira nach dem Tode des Lucifer
^n Cagliari Haupt der Sekte der Luciferianer wurde, und die
Verleumdungen gegen Hosius von ihm, von Faustinus und
Marcellinus stammen. Es ist wahrscheinlich, dass die Priscil-
iianisten schon zu Lebzeiten des Hosius und Olympius ent-
banden, dass Marcus, ihr Haupt, in Spanien weilte. Es kann
»icht bewiesen werden, dass der „Primas** Julian von Toledo
!w irgendeiner Zeit als Heiliger verehrt wurde. Es ist histo-
nsche Thatsache, dass die altspanische Liturgie die Liturgie
<fer Kirche von Toledo war; es ist wahrscheinlich, dass die-
selbe von Tarragona nach Toledo, von Rom nach Tarraco
^. Es ist wahrscheinlich, dass weder Elipandus von
VI Vorrede.
Toledo, noch Felix von Urgel Erfinder des Adoptianiamas waren,
derselbe vielmehr reiner Nestorianismus war, der von den Nesto-
rianem nach Corduba gebracht wurde, dass zunächst ,,Bradei
Milita^ (Melito) den Elipandus für seine Irrlehre gewonnen
habe« — Was ich über Jacobus den Aeltem gesagt, ist Hypo-
these bis zum Jahre 756; von hier und vom Jahre 829 an ist
es geschichtliche Thatsache. Historische Thatsache ist ancli,
dass im Jahre 962 fünf spanische Bischöfe erklärten: der Apostd
sei keineswegs lebendig, sondern sein heiliger Leib sei nacb
Spanien gekommen. Es ist Thatsache, dass der zweite Tole-
tanische Primat vom Jahre 1088 toto coelo von dem erstei
Primate von 683 verschieden war. Es ist Thatsache, da«
der Primas Rodrigo Ximenes vor dem 12. Januar 1216 sid
in Rom aufhielt, also die grösste Wahrscheinlichkeit, dass a
wegen der im November 1215 statthabenden Lateransynode k
Rom erschienen war. Es ist mehr als nur Hypothese, das
die spanische Inquisition einen staatlichen Charakter an sid
getragen, und dass es spanische Politik war, den EinflusB dl
Päpste auf dieselbe ferne zu halten« Dass der Niederga
Spanien's von den Zeiten Philipp's IL, von der Abschaffm)
der mittelalterlichen Verfassungen, und von der sich vollendend!
absoluten Monarchie herstamme, scheint nicht zu leugnen,
ist auch historische Thatsache, dass den Autokraten F(
nand V., Carl L (V.), Philipp II. die Könige Philipp
Philipp IV., Cari IL, Philipp V., Cari IIL, Carl IV., Fei
dinand VII. folgten, welche statt ihrer ihre ersten Minis
herrschen und regieren Hessen.
Möge es dem Könige Alfons XII. beschieden sein,
Wujiden, welche das Unglück der Zeiten Spanien geschli
hat, heilen zu helfen und heilen zu sehen! Denn Grott hat
Nationen so geschaffen, dass sie geheilt werden können.
Set Bonifaz in München; 27. Aagast 1879.
Pius Garns, o. s. B.
Inhalts-Verzeicliiiiss.
Vorrede. S. 111- VI.
Kinleitong. S. 1—4.
Dreizehntes Buch.
■illroh« In Bpaaiea tob dar Eroberung Oraaada's lils auf BUlalg
PhlUpp V. 0492—1700). 8. 5-a03.
Erstes Kapitel,
k^iuiche SttaUinqniaitioD. Der heilige Petrus Arbnte, S. 6— 93.
Zweites Kapitel.
kSpuder in Amerika (1492— 1542), S. 94—121.
' Drittes Kapitel.
li der Erobening Oranada's bis zum Begiemngsantritte CarPs V. (1), (J. 1492
bis 1517), 8. 122—148.
Viertes Kapitel.
iKiitfae in Spanien nnter der Begiemng Garrs Y. (I). (1517—1556), S. 149—183.
Fünftes Kapitel.
Im Zeit der Begiemng Plüiipp's II. (1556—1568), 8. 184—201.
Sechstes Kapitel.
ftKirdie im spanischen Amerika (1542 bis c. 1600), S. 202—220.
Siebentes Kapitel.
I Regierang Fhilipp's Ih im Niedergange (1568—1598), S. 221—251.
Achtes Kapitel.
• Zoten Philipp*B UI. (1598—1621) nnd Philipp'sIY. (1621-1665), S. 252-286.
Neuntes Kapitel,
il Zeiten CarTs U. (1666 — 1700X S. 287-303.
Inhalta • Verttiohnlit.
Vierzehntes Buch.
Spanleit anter deo Boorbonm und ontar der Bemohaft der RerslitUa.
(1700-1878.) a 304-470.
Erstes Kapitel.
Spanien nnter den iwei ersten BonTbons Philipp V. nnd Ferdiiund VI. — 1701
bi» 1759, S. 304-347.
Zweites Kapitel.
Eircbe und Staat vod Spanien unter den grosaen königlichen Jägern Cari III
11753-1788), nnd Carl IV. (1788 — 1808), S. 348-383.
Drittes Kapitel.
Die Biscbafe in dieaem Zeitraum, S. 381— 40J.
Viertes Kapitel.
Blüthe der Literatur (1747—1808). Allm&liger Verftll, S. 404 — 426. j
Fünftes Kapitel. ;
Vom Jahre 1808 bis zur Gegenwart, S. 427-470.
RecapitnlatioD des ganzen Werkes.
Erstes Kapitel. Erster Band, 1862, S. 471—4^1.
Zweites Eapitet. Zweiter Band, 1864, 3. 481—493.
Drittes Gapitel. Der dritte Baod, 1874, S. 494—609.
Viertea Kapitel. Der vierte nnd fnnfte Band — 1876—1879, S. 510—532,
\
Einleitung.
Der Rückblick auf die Jahrhunderte des Mittelalters der Kirche
b Spanien, auf die 780 Jahre, welche von der Entscheidungsschlacht
iffl Goadalete — im Jahre 711 bis zum 2. Januar 1492, dem Tage
l€8 ESnzags der christlichen Spanier in die lezte Burg der Mauren in
jnnada, verflosseni ist tröstend un'd erhebend. Der Rückblick auf die
ier Jahrhunderte, welche seit dem Einzüge der Christen in Granada
« zu der Gegenwart verflossen, ist weniger erhebend. Die Kraft des
Tolkefl ist seit Jahrhunderten gelähmt. Die politischen wie die kirch-
icfaen Zustände sind traurig. Trauernd sagen die patriotischen Spanier:
ffir sind ein unglückliches Volk und Land.
Die Vereinigung Spanien's, d. i. der beiden Reiche Castilien und
iragonien galt unbestreitbar für das Volk und die Eärche in Spanien
ds grosses Gluck. Vielleicht war es nur ein scheinbares Glück, in
Wirklichkeit aber ein Unglück. Wir wissen nur zwei grosse Erfolge
uifzQweisen, welche dieser Vereinigung gefolgt sind, die vöUige Be-
oegnng der Mauren, und die Entdeckung, Besitznahme und Ghristiani-
sirnng eines Theiles von Amerika. Allein wenn die castilianischen
Konige von Alfons X« an bis Isabella (1252 — 1474) nicht so tief von
ier Hohe und Grösse Ferdinand*s III., des Heiligen und Alfons' IX«
iieral^esunken waren, so wären sie allein im Stande gewesen, die Mauren
108 Granada zu vertreiben, wie sie Ferdinand aus Jaen, Oordova, Sevilla
(imd Cadiz), wie sie Jayme I. von Aragonien aus den Balearischen Inseln
ond Valencia, wie die Portugiesen sie aus Algarve vertrieben hatten.
In den Erwerb und die Christianisirung Amerika's aber konnten sich
die Csstilianer und Aragonier ebenso theilen, wie sich die Spanier und
Portogiesen getheilt hatten.
Ausserhalb Spanien's besteht die Ansicht, als seien die Spanier
ein einheitliches, geschlossenes, ein centralisirtes Volk. Ein Spanier
>ber sagt nicht so leicht: Ich bin ein Spanier, sondern: Ich bin ein
Cagtilianer, Catalane, Baske, Asturier u. s. w. Es sind keine besondem
Provinzen, sondern besondere Völker, welche nach dem Jahre 1^74
Gwi, tfn. Kirche. UI. t. 1
2 Einleitnng.
zunächst in einer Personal-Union verbunden wurden. Sie hatten ein Becbt^
in ihrer Eigenart and in ihrer besondem Geschichte fortzuleben, ihreye^
fassungen und Einrichtungen (Fueros) ungeschmälert zu erhalten. Der
allmäligsich ausbildende spanische Einheitsstaat in seiner starren Centndi-
sirung war das Unglück, das Verderben Spanien's. Die Konige Carl (Y.),
besonders Philipp IL, die auf sie folgenden willenslosen Eonige und
omnipotenten Minister und Günstlinge, welche den spanischen Einheits-
staat gegründet, tragen die meiste Schuld an dem Zerfalle der Macht
und Grosse Spanien's. Das alte Spanien war überhaupt nur ein Jah^
hundert lang unter den gothischen Königen geeinigt. Die acht Jahr-
hunderte des Mittelalters aber hatten gesonderte und getrennte Völker
geschaffen, nicht nur die Portugiesen neben den Gastilianem, Ton deflei
die einen die Sprache der andern nicht verstehen, sondern auch die
Valencianer, die Gatalanen, die Aragonier, die Navarresen, die Basken, die
Galizier, die Asturier, zulezt noch die Andalusier und die E2stremoz (dii
von Estremadura) neben den Gastilianem. Welcher Unterschied besteÜ
heute noch zwischen dem ernsthaften und ceremoniosen Castilianer, ml
dem fröhlichen leichtlebenden Andalusier, welchem maurisches Blatit
den Adern fliesst, welcher Unterschied zwischen dem schwerfilligei
Asturier, der sich seines Königs und Ahnen D. Pelajo rühmt, imi
dem elastischen Gatalanen?
Die Gatalanen und die Basken verstehen heute noch nicht die
Sprache der Gastilianer. Es sind nicht verschiedene Mundarten, sondern
verschiedene Sprachen, die sie reden. Die castilianische Sprache aber
haben die Leonesen, Galizier, Gastilianer ausgebildet; die beiden lioder
Estremadura und Andalusien haben sie von ihnen angenommen.
Die Vereinigung der spanischen Lande schien ein grosses Glnck
für die katholische Kirche zu sein. Wir unterscheiden den Schein voo
der Wirklichkeit. Was man von dieser Einigung hoffte^ hat sich nickt
erfallt. Die römische Elirche hat viel, unendlich viel gelitten unter dei
Ansprüchen und Anmassungen, unter der unersättlichen Hab* roA
Herrschgier der spanischen Herrscher, d. h. der Könige Ferdinand
(von Aragonien), Garl V. (I.), und Philipp U., welche selbst regiert«!}
und unter den omnipotenten Ministem der Könige von Philipp lU*
an, welche Sklaven ihrer Günstlinge waren ^).
') Der vielgerühmte EOnig Carl ni. (1759—1788) wnaste sich zu trteten nit
der Hoffnong, dass tiicht er, der EOnig, Bondem seine Minister Gott venntvortluk
seien für die Fehler ihrer (i. e. seiner) Regierung. Ein Hofmann emp&hl tsaä
einen erklärten Gfinstling des EOnigs diesem f&r irgend ein Amt Gari ILL t^
ob derselbe in der That alle bu dem Amte erforderlichen Eigenschaften besiie. Alf
die bejahende Antwort erwiederte der Nachfolger Philipp*8 II.: y,Ich bin Ibneo i^
vielen Dank schuldig, dass Sie an diese Beförderung gedacht haben. Ich hitte M^
mcUs gewagt, mit Ihnen davon zu spredien."
Einleitung. 3
Das Yerhältniss Spanien's zu Rom in den* Iczten Jahrhunderten
ist der bestandige Plan und Versuch, mit Hilfe der romischen Kirche
sich von der romischen Kirche loszutrennen, den Primat der Jurisdiction
Rom's zu einem Primate der Ehre herabzudrücken, mit Hilfe Rom's im
Innern und nach Aussen einen Druck auf die der spanischen Staats-
omnipotenz widerstrebenden Kräfte auszuüben. Schon Carl Y. wollte
nur Papste, die seine dynastischen Interessen forderten. Die Päpste
sollten vor allem der Krone Spanien dienen. Rom sollte in Spanien
nichts, oder fast gar nichts zu sagen haben. Die eigentlichen Päpste in
Spanien sollten die Konige oder ihre omnipotenten Minister sein. „Das
streng katholische Spanien (sagt Joseph Hergenröther) bietet in seinen
Verhandlungen nlit Rom ein ganz eigenthümliches Bild dar. Der Ab-
Bolotismua seiner Beherrscher, ihre misstrauische, von eigenem Interesse,
doch auch hin und wieder von grossen, auf das Allgemeine gerichteten
Gedanken — geleitete Politik mit ihrer steifen Schroffheit, mit ihrer
ängstlichen Geheimnisskrämerei zeigt sich auf dem religiösen Gebiete
nicht weniger, als auf den andern, und ihre Zähigkeit wusste Schritt
für Sehritt dem päpstlichen Stuhle^ der sich nur in der Defensive halten
konnte, mit beharrlichen Gesuchen, wie durch aggressives Vorgehen eine
Caticession um die andere abzutrotzen, ohne dadurch grossere innere
Festigkeit und Stärke zu erlangen, wie man vergebens gehofft; ja wie
die rasch erbeuteten Schäze der neuen Welt bald zerronnen waren,
Qnd die gesteigerte Machtentfaltung nach Aussen nur die innere Ohn-
macht vergrosserte, so trugen auch die zahlreichen kirchlichen Praroga-
tiven des Monarchen wesentlich mit zum Verfalle Spanicn's bei, und
brachten auch seinen E^lerus in eine Lethargie und Kraftlosigkeit, aus
der nur die gewaltigsten Erschütterungen ihn wiedererwecken sollten.^
Als die Lichtseiten des kirchlichen Lebens in Spanien vom Jahre
1492 an treten hervor die grossartige Missionsthätigkeit des spanischen
Klerus, (an den Missionen nahmen im edelsten Wetteifer besonders
die verschiedenen Orden Antheil), die Stiftung und Blüthe ver-
schiedener neuer Orden im Mutterlande selbst, das Leben und die
Wirksamkeit zahlreicher Heiligen beider Geschlechter, sodann die
ausserordentliche Blüthe der spanischen Literatur, besonders im sechs-
zehnten, und in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts.
Wohl begann schon unter der Regierung Philipp's U. der Zerfall
Spanien's, aber er trat sehr langsam ein, und wurde damals weniger
gefühlt. Das ganze siebzehnte Jahrhundert, die Zeit der drei lezten
Habsburger war ein Jahrhundert der Erlahmung und Erschöpfung.
Sowohl die Annektirnng, als die nach 60 Jahren wieder erfolgte Los-
reissung Portugal's war eine stets blutende Wunde für Spanien, deren
Nachwehen in dem gesteigerten Nationalhasse der Portugiesen gegen
die Spanier fortdauern.
4 Einleituog.
Unter Regenten , wie Philipp III. , Philipp IV. and Carl IL, die
selbst nicht regieren wollten oder konnten, föhfte auch der Staat und
das Volk ein hinwelkendes Dasein. Der spanische Erbfolgekrieg ent-
ySlkerte das Land anTs Neue nnd bedeckte es mit RoineD. Unt«
Philipp y. and besonders Ferdinand VI. trat einige Bessening ein.
Von den Zeiten Garl's IIL, vom Jahre 1759 an, hatte die Be?o-
Intion von oben herab die Gewalt Seit etwa 116 Jahren ist es t(xv
zagsweise die Bevolation, welche auf dem Throne Spanien's sizt du
Land fiel von einer Ohnmacht in die andere, nnterbrochen ^00 knneo
krampfhaften Anstrengungen zur Erhebung, die mit neuen Niederlages
and Erschöpfungen endeten« Die Revolutionäre brachten es aber gros«
Worte und Verheissungen nicht hinaus. Das Alte musste, weil es alt
war, von ihnen zerstört werden; Neues zu bauen, waren sie nicht ia
Stande.
Nicht das Eonigthum in seinen verschiedenen Formen, sei es dl
legitimes und unumschränktes, sei es ein beschränktes und von Fs*-
theien abhängiges, nicht die Republik oder moderne YerfiiSBnnge^
können Spanien retten, nur die von Gott erschaffene und von Gtitf
erhaltene Ejraft des Volkes — im Bunde mit der katholischen Eirck
Dreizehntes Buch.
Die Kirche in Spanien von der Erobenmg Granada's
bis auf König Philipp IL
(1492—1656.)
Erstes Kapitel
Ne 8paBi8ehe Staatslnqolsiflon. Der heilige Petras Arbate.
§. 1.
•
Der Dichter Friednch Schüler, der von sich selbst als Geschicht-
Bcfareiber bezeugt: ^^^^ Stoff mnss es sich gefallen lassen , was er
aoter memen IffiLnden wird^, hat in seinem historischen Rofnan: »Die
Geschichte des dreissigjährigen Krieges^ den Grafen Tilly als Mord-
brenner, ab den Urheber des Brandes nnd der Plündernng Magde- Brandv.
bürg's (am 29. Mai 1631) dargestellt, nnd etwa 60 Jahre lang betete "^^
die sgebildete^ Welt gläubig das Mährchen nach. Das Mährchen ist lesi.
heote fnr jeden, der die Wahrheit sucht, als solches entlarvt Es ist
sonnenklar, daas der Schwede Falkenberg und seine Gehilfen Magdeburg
n Brand gesteckt haben, damit diese wichtige Festung nicht den
Kaiserlichen in die Hände falle. Nicht diese, sondern die Schweden
litten ein brennendes Interesse an dem Brande Magdeburg's. Wer
^ GegentheQ heute noch behauptet, der ist selbst ein blinder Fana-
S Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
tiker, 'oder er ist in seinen historischen Forschungen nicht über den
dreissigjährigen Ejrieg von Schüler hinausgekommen.
§. 2.
Seit drei Jahrhunderten wird das Mährchen herumgetragen, dass
die Katholiken Frankreich's, vor allem die Bischöfe und Priester, die
Schuld an der sogenannten Bluthochzeit — in der Bartholomäusuacbt
(am 24. August 1572) — tragen, und dass Papst Gregor XIU. zor
Feier des Blutbades ein Te Deum gesungen habe. Aber was ging der
Bluthochzeit voran? Die unmenschlichen, die diabolischen Ghrausam-
keiten der Hugenotten, der Protestanten Frankreich's. Wo immer die
^Btat.' Protestanten siegten, wurden die Katholiken unterdrückt, sie mussten
hoch, ihrem Glauben entsagen, oder fliehen, oder sterben. Von Glaubens-
-«''" "• Freiheit, deren man sich heute so sehr rühmt, war keine R^de. - Ans
_ Ihr
Toran- Schottland, aus England, aus Dänemark und Norwegen, aus Schweden
•'°'* u. 8. w., wurde die katholische Kirche vertrieben durch die siegreiche
Gewalt. Kein Einwohner dieser Länder durfte Katholik bleiben oder
werden. Der „edle^ Gustav Adolph von Schweden Hess drei junge
Schweden, die im Auslande Katholiken geworden, nach ihrer Heimkehr
hinrichten'). Seine Tochter, die Königin Christine, wurde dennoch
Katholikin, aber nicht in Schweden oder auf dem Throne Schweden's,
sondern nach ihrer Auswanderung und Abdankung (1677). Sie wäre
vielleicht nicht hingerichtet 'worden, aber sie wäre auch nicht auf dem
Throne geblieben.
Der lezte Erzbischof von Set. Andreas in Schottland, Johann
Hamilton, fiel in die Hände seiner Feinde, und endete durch den Strang
— 6. April 1570. Allen Katholiken in Schottland stand ConfiscatioD
des Vermögens, Verbannung oder der Tod in Aussicht.
^^^ . Ein Anfuhrer der Hugenotten in Frankreich, durch seine Gran-
der samkeit berüchtigt, liess einmal 3000 Katholiken, darunter Eander ond
Hng*- Greise, ermorden. Bei einer Tafel wurden (im Jahre 1569) katholische
notten. £^^l]Q^^ meuchlerisch ermordet Man zeigt heute noch einen Bronnen,
in welchen 200 Priester geworfen wurden. Der Hugenotte BriquefMfitt
trug ein Halsband, das aus den abgehauenen Ohren katholischer
Priester zusammengesezt war. Ein Hugenottenfuhrer zwang seine
Opfer, von der Hohe eines Thurmes sich hinabzustürzen. Als die
Hugenotten einst in ein Kloster drangen, entrann nur ein Bewohner
desselben dem allgemeinen Blutbade; auch dieser wurde eingeholt, nnd
lebendig verbrannt. 50 Kathedralen, 500 kleinere Kirchen wurden von d&i
*) «Wie Gustav Adolph die religiöse Freiheit der Katholiken verstand' -
in ,Hi8tori8oh-poUt Bmtet\ Bd. XIII, S. 580-^584.
Hagenotten; spanifiche InqQisition. 7
fiogeootteo zerstört. Gegen die Gräber, gegen die Reliqnien und Leiber
der Heüigon wurde gewüthet. Es war ein Vertilgungskrieg, den die
Hugenotten iohrten. Hätten sie gesiegt, die Kirche Frankreich*s wäre
im BInte ihrer Bekenner erstickt worden.
Nach all' diesen ünthaten wurden in der Nacht vom 23./24. August
1572 in Paris selbst c. 200 — 500, in ganz Frankreich im Laufe der
nächsten Tage c 2000 — 4000 Hugenotten ermordet. Von wem? Nicht
ron den Katholiken als solchen. Es war ein politischer Racheact, der
zunächst von der Königin Mutter Catharina von Medicis ausging,
welche sich ihrer politischen, nicht religiösen Gegner entledigen wollte.
An den Berathungen zum Morde der Hugenotten hat kein Bischoi^
kein Priester Theil genommen. Unvergleichlich grosser war die Zahl
der Katholiken, die vorher von den Hugenotten ermordet worden. Wir
lechtfertigen nicht den Racheact, wir entschuldigen ihn nicht, sondern
wir erklären ihn. Die Bischöfe Frankreichs traten in jenen Tagen überall
rersöhnend auf. Wo immer man ihnen Gehör gab, unterblieben weitere
Gewaltthaten, und nicht wenige Hugenotten kehrten desswegen zu der
Kirche zurück. Konig Carl IX. liess dem Papste Gregor XIII. melden,
es sei eine gegen sein Leben gerichtete Verschwörung vereitelt worden.
Kicht wegen der Bluthochzeit, sondern wegen der — angeblichen —
Bettung des Königs von Todesgefahr wurde zu Rom ein Te Deum gehalten.
§. 3.
Neben dem Magdeburger Brande, und der Pariser „Bluthochzeit^
wandelt stets als dritter Popanz, der gegen die Katholiken in das Treffen
geführt wird, die spanische Inquisition. Diese Inquisition ist aber nicht Die>pa-
TOD der Kirche, sondern von der weltlichen Regierung eingeführt, aus- j^^^
gebildet und erhalten worden. Sie ist kein kirchliches, sondern ein iition.
SUatsinstitut, theilweise mit kirchlichen Formen. Es ist eine aus dem
Charakter und der geschichtlichen Entwicklung des spanischsn Volkes
hervorgegangene Einrichtung, ein Institut, für welches die katholische
Kirche keine Verantwortung trifft. Das wussten oder beobachteten aber
die Spanier selbst nicht, sonst hätten sie nicht den überall, z. B. in
Italien und den Niederianden, misslungenen Versuch gemacht, ihre nur
& Spanien passende Inquisition den Katholiken anderer Länder, die ^^
onter dem Scepter Spanien's standen, aufzuhalsen und aufzuzwingen. institat.
In Spanien selbst ging die Inquisition aus den gegebenen Verhält-
oissen natorgemäss hervor. In ihr machte sich eine geordnete und geregelte
Gerichtsbarkeit ebenso zum Schnze der Bussfertigen und Unschuldigen^
wie ZOT Unterdrückung der in die Häresie, besonders in das Judenthum
Zarackgefallenen, geltend* Wer konnte leugnen, dass die Inquisition
m Spanien selbst ein volksthümliches und ein geachtetes Gericht war?
8 Dreizehntes Bach. Erstes EapiteL
Bei der Natur des annoch gläabigen spanischen Volkes, sei es,
dass es an den erst kommenden Messias, oder an Muhamed, den Pro-
Ein pheten des einzigen Gottes, oder an Christas, den eingebomeD^Solm
nau^itf- ^^^^9 glaubte, konnten mehrere entgegengesezte Bekenntnisse nn-
tat möglich im Frieden, ja sie konnten ohne bestandigen gewaltsamea
E[ampf nicht neben einander bestehen. Die spanische Nation war und
ist, so weit sie gläubig war und ist, exclnsiv, wenn man. will, ai
schliessend gläubig. In den Augen des gläubigen Spaniers kann n
eine Religion die wahre sein, und diese allein wahre Religion m
allein herrschen ^ weil sie die wahre ist. Die gläubigen Spanier ha^
stets die religiöse Einheit angestrebt und festgehalten. Sie haben stei
von der Staatsgewalt verlangt, dass sie diese Einheit schüze und sni
recht halte. Wären sie der Mehrzahl nach Juden gewesen, so hai
sie das Christentbum nicht neben sich bestehen lassen.
§. 4.
Dieser ezclusive Charakter des spanischen Volkes ist ans ti
Anfange dieser Kirchengeschichte an wiederholt in auffallender Wei
begegnet. Dieser Charakter tritt schon an den sogenannten apostolisdi
„Siebenmännern^ (um das Jahr 66 n. Chr.) hervor, deren Begleii
doch wahrscheinlich Spanier waren. Sie sahen, dass die Heiden ^
Acci (Guadix) den Gozen opfern. „Die Ungläubigen geben sich d
den offenen Dienst ihrer Religion zu erkennen.^ »Die Begleiter der
Siebenmänner aber^ [sagt Ferrercui]y „schrieen gegen diese Abscheulichkeit
des Gozendienstes , und zogen sich dann zurück.^ In dem Hynmos
des Festes der Siebenmänner lesen wir: „Die Jünger sahen, dass die
Gozenbilder in falscher Weise verehrt wurden. Während sie mit
Thränen diess Begängniss zu verhindern trachten, werden sie durch da
gottlosen Andrang der Heiden erschreckt.^ Da sie andere Mittel nicht
hatten, suchten sie wenigstens durch Thränen und Weheklagen den
Gozendienst zu verhindern.
Diese exclusive Eigenart des spanischen Charakters tritt heiror
in den glorreichen Märtyrern des vierten wie des neunten Jahrhunderts.
Die heilige Justa und Rufina von Sevilla weigern sich nicht bloss, der
spa- Gottin Salambo ein Geldstück zu opfern, sondern sie zerstampfen md
Eigen- Verstössen mit ihren Füssen das Gözenbild, welches herumgetragen
•rt wird, — und sterben dann freudig für ihren Glauben. Von der heiligem
Eulalia von Merida (Jahr 304) singt der Dichter Aur. PrudenHut:
Sie speit ihm (dem Richter) ergrimmt in*8 Oesichi,
Und sie zertrflmmert das Gdzengebild
Auf dem Altar — und das heilige Mehl
StOsst sie mit Füssen vom Ranchfass hinweg.
Ton
S06<806.
Spanische Eigenart. Die Juden in Spanien „exclosiv*^. 9
Die Christen traten todesverachtend und den Tod suchend* in
deD einzelnen Städten hervor, um die Gozenbilder zu zertrümmern, zu
eioer Zeit, wo die Zahl der Christen in Spanien noch sehr klein war.
Darnm verordnete der Canon 60 der Synode von Elvira — im Jahre ^**
ä06: gWenn Jemand Gozenbilder zerbricht, und dabei getödtet wird, tyrer
da dieses im Evangelium nicht geschrieben, auch nicht gefunden wird,
diss es je unter den Aposteln geschehen sei, der soll nicht unter die
Martjrer aufgenommen werden^ '). Aber gerade darin bestand die spa-
iBcbe Eigenart, dass sie etwas far erlaubt oder far eine Tugend hielten,
ns andere Christen nicht thaten und nicht billigten.
Ein grosser, vielleicht der grossere Theil der spanischen Märtyrer
Qchte den Martyrtod durch Angriffe, durch Herausforderungen gegen
ie Heiden oder Muhamedaner. Der Arianer, Konig Leovigild (f 587)
urnte den Bischof Masona von Emerita, weil er lieber sterben, als
ichgeben wollte, einen, der mit Gewalt den Tod sucht.')
Wenn vrir auf die grosse Verfolgung der Christen unter den ^'*
ftnren in Cordova (Jahr 8B9 — 864) zurückblicken, so erinnern wir tyrer
BS, dass die Mehrzahl der Märtyrer auf den öffentlichen Pläzen er- ^' ^^
iienen, nod die Lehre und Person Muhamed's angriffen mit der be- 839-864.
iffimten Absicht, ihr Leben für das Bekenntniss ihres Glaubens hin-
igeben. Alle litten standhaft den Tod, und werden von der Kirche
8 wahre Märtyrer verehrt*).
§. 5.
Zq aller Zeit wollten die Juden ihre Religion in Spanien aus-
reiten, und herrschen. Die Geseze gegen die Juden zur Zeit der
fcstgothen schienen strenge zu sein, sie waren aber nicht gegen die ^^^
öden überhaupt, sondern gegen die getauften Juden gerichtet. Der denia
Jdwche Schriftsteller Dr. Heinr. Orätz gibt dieses zu. Nach ihm spwaen
aurfte es sich als unzweifelhaft herausstellen, dass die Tendenz der sir«.
leisten Geseze nicht nur die Christianisirung der Juden, der treuen
tekenner des Judenthums, auf dem Wege der Gesezgebung, sondern
^ Zarückfuhrung der bereits getauften, und zur Apostasie vom
.hristenthom geneigten Juden in den Schooss der Kirche war. Es dürfte
H^h zeigen, dass nur sehr wenige Paragraphe den Juden im eigent-
ichen Sinne gegolten haben. Diese Geseze, welche man als Ausflass
0 Kirclrangesch. II, 1, S. 124.
^ Esptfia sagrada, t XIIL, p. 367. Mit Unrecht übersetzt H. Flarez das
nort: Biothaoatos — einen Geisteskranken — (mente captns).
') .Die Bekenner nnd Märtyrer von Cordnba^, Kirchengesch. II, 2, S. 299
10 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
eines gewaltsamen Fanatismus gebrandmarkt hat, dürften (darum) in
einem mildem Lichte erscheinen''^).
Es ist ziemlich allgemeine Annahme, welcher aach wir beitreten,
dass der sonst so gefeierte König Receswinth in seinen sfäterD Tagen
unter den Einfluss einer ^ Jüdin'', und der „Juden" kam, und dass
deren Einfluss die Stagnation des geistigen Lebens in jenen Tagen
zuzuschreiben sei').
Welche einflussreiche^ Rolle Juden als Aerzte und besonders
Schazmeister oder Finanzminister am Hofe der Könige von Gastili
Die gespielt, ist allbekannt. Die spanischen Juden trieben stets Proselyte
•^"'*®^ macherei. Abraham Ben Samuel Abiilafia, ireboren im Jahre 1240 n
lyton- Tudela, wollte seine Landsleute auf dem Umwege über Korn bekehim
°*^*^'* Er machte sich an den Papst Martin IV., und wollte ihn überredea
Jude zu werden — August 1281. Man liess den Narren laoiei
„Ueberall verfolgt, aller Orten verwiesen, flüchtete er sich endlich auf &
Insel Comino bei Malta, und starb als Märtyrer seiner Schwärmerei'^
Waren es doch die Juden, die sich zum Scheine taufen liesaa
sich in die einflnssreichsten Stellen, und selbst auf Bischofsstühle m
schlichen, damit sie um so wirksamer Proselyten machen köonta
Juden waren es, welche die Mauren zur Eroberung Spanien's einlndfl
Die Juden waren es auch, welche durch ihre geheimen Umtriebe dt
nächsten Anstoss zu der Einfuhrung der Inquisition gaben.
§. 6.
Auf der andern Seite waren aber auch die Christen gegen &
Juden „exclusiv", und suchten sie auf sanften oder unsanften yfep
zu Christen zu machen. — Im Jahre 418 nahmen 540 Jaden A
Mahon auf Menorca die Taufe an, nicht ohne Gewaltthatigkeit v«
*) Heinr, Orätz, „Die westgothische Gesezgebnng in Betreff der Jod»',
Bresl. 1858, 8. 5. — In seinem grossen Werke: „Greschichte der Juden* — B»BdlIl
Leipz. 1861, kommt H, Orätz wieder anf denselben Gegenstand zurück, S. 70*9
aber von einem mildem „Lichte*' ist hier keine Rede mehr; einen Unterschied iwiscbci
getauften nnd eigentlichen Juden kennt er nicht mehr. Freilich ist dieses gntf
Werk (11 Bände) herausgegeben vom „Institut zur Forderung der isndi&sc^
Literatur**. Um so werthyoUer ist das Geständniss vom Jahre 1858.
') Vom Jahre 656—673 hörten die sonst so häufigen Condlien von TM»
völlig auf. Wie wir, so fasst H. Florez die Lage der Dinge auf, während V\c *
la Ftiente den Receswinth durchaus in Schnz nimmt- "^ Espafia sagrsda, t. V«
append. 8. t. VI, cap. 13. — Vic. de la Fuente (Kir^^hengesch, v. Spsnien). t.U
(1873), p. 326.
*) M, Kayserling, Die Juden in Navarra, den Baskenländeni oaduffia
Balearen. Berl. 1861. S. 83.
Die Spanier j^exclusiv*'. 11
Seite der Christen* Nur drei Jüdinen leisteten noch einige Zeit Wider-
atand ').
Wie im übrigen Europa, so brachen in Spanien wiederholt blutige
Teifolgungen gegen die Juden aus. Während aber in andern Ländern
der christliche Pöbel an der Niedermezlung der Juden sich genügen
Hess, trat bei den christlichen Spaniern das Streben hervor, die Juden
rar Taafe zu bringen und zu zwingen. Sie verstanden das Wort:
Compelle (eos) intrare (zwinge sie, hereinzugehen) — nur zu buch-
stiblich. Eine solche religiöse Bewegung und zugleich Verfolgung der
Joden ging im Jahre 1391 durch Spanien hindurch. Die Juden in
Sevilla, Gordova, Toledo, Valencia und in andern Städten wurden
theilä getodtet, theils gezwungen, das Christenthum zu erheucheln. ^'"
Damals brach auch auf Palma und der Insel Mallorca — ein Aufstand ex-
gegen die Juden aus. Die Richter und die Magistrate schüzten die «!«<▼'•
Jaden, die Matrosen und Arbeiter griffen dieselben an. Wegen der
laden kämpften Christen gegen Christen. An 300 Personen fanden in
fiesem Volksauflauf ihren Tod, gegen 800 retteten sich in das konig-
iche Schloss (die Universität), die übrigen (Juden) gingen (zum
rkristenthum) über. — In Barcelona sezte das Volk den Juden zu, es
ies8 ihnen die Wahl zwischen Taufe oder Tod. Die einen zogen das
Leben ond die Taufe vor, andere wählten den Tod*).
Am schärfsten tritt die Eigenart der Spanier in der Vermengung
1^ Geistlichen und Weltlichen hervor. Der religiöse Spanier will,
iass die Elirche den Staat ganz durchdringe, der Staat des christlichen
Spanien's soll gleichsam ein Gottesstaat, die vollkommene Herrschaft
Gottes auf Erden sein. Der Gedanke einer Trennung von Kirche und
St^t ist ihnen andenkbar. Wenn das Christenthum die ewige Wahr-
heit ist und darbietet, so soll es auch das ganze öffentliche Leben he-
mmen und beheixschen. unter diesem Gesichtspunkte nur können
*ir den Canon 18 der dritten Synode von Toledo im Jahre 589 be-
greifen: „Die Bezirksrichter und die Fiscalbeamten sollen (auf den
Synoden) lernen, nicht durch Lasten oder übermässige Leistungen ent-
weder die Privatleute zu beschweren, oder die Angehörigen des Fiscus
zu beladen. Die Bischöfe seien nach dem Willen des Königs Aufiieber»
ine die Richter das Volk behandeln, sie sollen sie ermahnen, ihre Anr
•(Uiungen (insolentiis) vor den König bringen, und sie im Nothfalle
excommuniciren. Der Bischof soll mit den Aeltesten berathen, was
') KireheogesclL II, 1. S. 406. — Vergl. Jost, Geschichte der Israeliten, B. IV,
S. 243 flg. - Orätz, Geschichte der Juden, 2. Anfl. Leipz. 1866, II. S. 39;^. —
Kay$erUng, die Jaden auf den Baloaren, 1861, S. 156—158. (Leztere drei Schrift-
>teUer sind selbst Jaden.)
') M. KayHTling a. a. 0., S. 162—165.
12 Dreizehntes Buch. Erstes EapiteL
jede Provinz ohne ihren Schaden leisten kann^^. Diese Vermengong
des Geistlichen nnd Weltlichen hat sehr viel Unheil über Spanien ge-
vel^ bracht, der Kirche selbst aber vieUeicht mehr geschadet als dem Stute.
img°dM ^^^ ^^ ^^™ ^^^ entdeckten Amerika erwies sich die Gewalt der Geitt-
Kireh* Hchcn in weltlichen Dingen als wohlthatig nnd erhaltend. Ohne diesen
stMt-^' Einfluss der Bischöfe und Priester wäre die Urbevölkerang des mittler^
uob«n. und südlichen Amerika so völlig „vom Erdboden hinwegcoltiTirt'
worden, wie die Ureinwohner der Inseln S. Domingo nnd Gnba, über*
haupt Westindien's ■).
So kann man denn sagen, dass die spanische Inquisition ans den
Charakter des spanischen Volkes selbst hervorgewachsen sei. So lang»
die Spanier gläubig sind, können dort mehrere Religionen nicht nebei
einander im Frieden bestehen. * Die gläubigen Spanier wollen Glaubens-
einheit, nicht Glaubensfreiheit Man kann darum die spanische Inqaii
sition ebenso ein National- wie ein Staatsinstitut nennen. Die Begiennf
vollzog nur, was das gläubige Volk der Katholiken in seiner immensci
Mehrheit wollte'). Dabei fielen die materiellen Verluste durch da
Wegzug der Juden (und Mauren, vielmehü Moriscos) nicht in dtf
Gewicht. — • Dass die Inquisition bei den hohem Ständen, besondetf
dem Adel, wenigstens im Anfange missliebig war, kam grossentheüi
daher, dass sie zur Concentrirung der königlichen Macht, zur Ao»
bildung der Staatsomnipotenz missbraucht wurde. Auch war
Adel mit den getauften Juden verschwägert oder befreundet'^).
Kireh- Das Gericht der kirchlichen Inquisition bestand im Konigreicb An*
qvifUion gonien seit dem dreizehnten Jahrhundert. Es war im Kampfe der Kirch
gonien
in Ar», gegen die Waldenser, Albigenser, und verwandte Sekten cntstandca
' Die Dominikaner waren, im Auftrage des Papstes und der Biscbofijf
die delegirten Richter. Es bestand aber kein permanenter Gerichtshof^
Der heilige Kaymund von Pennaforte, Llotger, der Richter über &
*) Kirchengesch. II, 2. S. 18. AllerdiDgs hatten anch die BisdiOfe in Bäd^
sehen Reiche das Recht, in Processen der Partheien als Schiedsriehter za estoebeid«.
Der heiUge Äugustin n. a. beschwert sich Über dieses zeitraubende Gesehift
*) Aber die wilden Caraiben oder Cariben hätten die Bewohner der ADtill»
auch ohne die Ankunft der Enropfier alhnählig ausgerottet 0«car Petchd, D*
Zeitalter der Entdeckungen, 1858, S. 195^200.
') Unter den 8 Millionen Einwohnern Spanien*s in Jener Zeit waren c 7 JEkv^
Katholiken, an 160.000 Juden, nebstdem c. 400.000 Maaren im getr^mten Boflbi
Granada.
*) Oräiz, Bd. V, S. 306.
•) Kirchengesch. Bd. IV (UI, 1) S. 229, 246,
Kirchliche Inquisition in Aragonien. Nicolans Aymerich. 13
Tempelherrn, Nicolaus Aymerich der Censor und Verfolger der Schriften
des Raymondas Lullus, hatten vorübergehend dieses Amt verwaltet ^).
Der Dominikaner Aymerich stammte aus Gerona, trat in den ^^'
Orden im Jahre 1334; von 1367 an war er (päpstlicher) General-Inquisitor suor
aller Beiche der Krone Aragon. Unter seinen zahlreichen Schriften ^y™®'
nennen wir: ,,Tractatu8 gegen diejenigen, welche die Dämonen anrufen
und sie verehren^ — 1371, woraus erhellt, dass Verbrechen dieser Art
Yor das Gericht der Inquisition gehörten. Eine andere Schrift handelte:
„Von der Jurisdiction der Kirche und der Inquisitoren gegen die Un-
gläubigen, welche Dämonen anrufen.^ Eine andere Abhandlung spricht
▼on der „Gerichtsbarkeit der Inquisition gegen die Ungläubigen, welche
etwas gegen den katholischen Glauben vollführten^.
Sein „Anweiser für Inquisitoren'' (Directorium Inquisitorum) er-
schien zuerst in Avignon — 1376, wieder in Barcelona — 1503; mit
Commentaren zu Rom von dem Auditor der Rota Franc. Pena').
Dem Papste Clemens VII. widmete er einen Tractat gegen die
Lailisten (Anhänger des Baymund Lullus) — 1390. Aber „die
Lullisten'' brachten es dahin, dass der Konig D. Juan I. den
N. Aymerich aus seinen Ländern verbannte. Im Jahre 1396 befand
er sich noch in der Verbannung. Im Jahre 1398 war er wieder in
seiner Vaterstadt Gerona, wo er am 4. Januar 1399 starb').
Ein Ungenannter verfasste das „Repertorium^ für die Inqui-
sitoren^). — In Castilien dagegen war die kirchliche Inquisition ganz
erloschen« Der Franziskaner Alphons Espena beklagte es im Jahre
1460, dass sich in Castilien kein päpstlicher Inquisitor befinde und
dass der Christenglaube von Kezem und Juden frech verhöhnt werde.
Seit der erwähnten Verfolgung im Jahre 1391 hatte die Zahl derM. vin-
scheinbar Bekehrten ungeheuer zugenommen. Schon im Jahre 1412 ^^,.
und den folgenden kam eine neue Bewegung über und unter die Juden, nnd die
Der heilige Vincenz Ferrer zog als Glaubensprediger durch das Land^ *^°^!^
und gab sich die äusserste Mühe, die Juden in Masse ffir das Christen-
Ürnm zu gewinnen.
Josna Lorqui (aus Lorca), nach seiner Bekehrung Geronimo de
Santa Fe, Leibarzt des Papstes Benedictes XIII. von Avignon, — hoÖle
0 Kircbengesob. Iir, 1, S. 289, 292.
^ Die erste Haadsehrift befand sich in dem Kloster der Dominikaner zu
Barcelona. Es erschien auch 1595 zn Venedig in Fol. Das Werk selbst wmrde in
Avignon gesdirieben.
^ Das dortige Capnzinerkloster besass ein Manuscript aller, seiner Werke in
Dnplo — in 11 Folianten. — cf. Nicolaus Antonio Bibliotheca vetos, t. II, p. 124,
187, 188. — F^lix Torres Amat, Escritores Gatalanes, p. 68—70.
*) Bepertoriom inqoisitonuD haereticae pravitatis. — Yalencia, 1484, revidirt von
Migud Aiötrt, Joristen in Talencia.
12 DreizehnteB Buch. Entos Kapitel
jede Provinz ohne ihren Schaden leisten kann^ ^). Diese Vermengimg
des Geistlichen und Weltlichen hat sehr viel Unheil über Spanien ge-
ver- bracht, der Kirche selbst aber vielleicht mehr geschadet als dem Staate,
img^dea ^^^ ^° ^^™ ^^^ entdeckten Amerika erwies sich die Gewalt der Geist-
Kiroh. liehen in weltlichen Dingen als wohlthätig und erhaltend. Ohne diesen
ßtu^ Einflass der Bischöfe und Priester wäre die Urbevölkerung des mittler^
uehen. und südlicheu Amerika so völlig 9,vom Erdboden hinwegcnltiTiit^
worden, wie die Ureinwohner der Inseln S. Domingo und Coba, über-
haupt Westindien's').
So kann man denn sagen, dass die spanische Inquisition aas dem
Charakter des spanischen Volkes selbst hervorgewachsen seL So lange
die Spanier gläubig sind, können dort mehrere Religionen nicht neben
einander im Frieden bestehen. * Die gläubigen Spanier wollen Glaabens-
einheit, nicht Glaubensfreiheit Man kann darum die spanische Inqm-
sition ebenso ein National- wie ein Staatsinstitut nennen. Die R^erung
vollzog nur, was das gläubige Volk der Katholiken in seiner immensen
Mehrheit wollte'). Dabei fielen die materiellen Verluste durch den
Wegzug der Juden (und Mauren, vielmehi> Moriscos) nicht in du
Gewicht. — Dass die Inquisition bei den hohem Ständen, besondeii
dem Adel, wenigstens im Anfange missliebig war, kam grossentkeüt
daher, dass sie zur Concentrirung der königlichen Macht, znr Au»
bildung der Staatsomnipotenz missbraucht wurde. Auch war „dtr
Adel mit den getauften Juden verschwägert oder befireundet"^).
§. 7,
Kirch- Das Gericht der kirchlichen Inquisition bestand im Königreich Ao-
qaiBition go^icu scit dem dreizehnten Jahrhundert. Es war im Eoimpfe der Kiicbt
in Ära- gegen die Waldenser, Albigenser, und verwandte Sekten entstandet.
^ *°' Die Dominikaner waren, im Auftrage des Papstes und der Bischof^
die delegirten Richter. Es bestand aber kein permanenter Gerichtshof^
Der heilige Kaymund von Pennaforte, Llotger, der Richter über die
■) Kirchengesch. II, 2. 8. 18. Allerdings hatten auch die BisdiOfe ünBSsi-
schen Reiche das Recht, in Processen der Partheien als Schiedsrichter in ea^ada^
Der heUige Augustin u. a. beschwert sich tlber dieses zeitraabende GeBcfaift
*) Aber die wilden Caraiben oder Carlben hatten die Bewohner der Aotflia
auch ohne die Ankunft der Europäer alkn&hlig ausgerottet. Oscar A«cfte4 ^
Zeitalter der Entdeckungen, 1858, 8. 195—200.
') Unter den 8 Millionen Einwohnern Spanien*6 in jener Zeit waren e. TlQüoMS
Katholiken, an 160.000 Juden, nebstdem c. 400.000 Mauren im getrennten B<i^
Granada.
') Grätz, Bd. V, 8. 306.
*) Kirohengesch. Bd. IV (UI, 1) 8. 229, 246.
Geheime Jaden. — vMaranos.'' 15
^iahrroUen Lage keinesweg» gewachsen. Sie gaben sich Blossen, und
'.erfieIeD zaiezt in Parteiungen, von denen jede einen eigenen Weg
mschlog '). Die Disputation, „die merkwürdigste, die je gehalten wurde,'^
og sich yom Februar 1413 bis 12« November 1414 hin, während'
18 Siznngen stattfanden'). Benedikt XUI. wohnte auf seinem Throne
len Sizongen an.
In Bälde besserte sich die Lage der Juden. Die Folge war, dass
ehr viele Bekehrte theils offen, theils versteckt zum Judenthum zurück-
ehrten. Sie wurden „neue Christen'^ oder Maranos (Marranes) ge-
not Sie lebten in Verbindung unter einander, und bildeten eine
^ne Nationalitat').
Die Gre£üir vor ihrem Proselytismus wuchs zusehends, und die
■chöfe thaten oder konnten nichts dagegen thun. Der Chronist An-
«tf Bemald& macht ihnen den Vorwurf, dass sie die im geheimen
Ueichende Pest weder bei den Konigen noch bei den Päpsten je zur
ozeige gebracht , wozu sie doch verpflichtet gewesen seien*). Die
ftosaische Häresie^ nahm nach seiner Ansicht im Reiche Castilien im
Are 1390 (1391?) ihren Anfang, seitdem die zum Schein bekehrten Juden
rem alten Glauben im Geheimen treu blieben. Die „neuen Christen'^,
eNachkonmien jener mit Gewalt Bekehrten, waren weder Juden noch
kristen. Da sie vielmehr getauft worden, waren sie Häretiker und
De Gesez. Sie fanden Schuz bei Hohen und Niedern, „bei Weisen,
(lehrten, Bischöfen, Canonikern, Mönchen, Aebten^^). Diese heim-
ken Jaden hatten sogar den Plan, der Königin Isabella* das Gesez
M Moses zu predigen.
Die Kluft zwischen den „alten^' und den „neuen" Christen wurde nAite«
uner grösser. Die Juden hatten sich des Reichthums des Landes ™g^«
nächtigt. Durch ihre Hände ging die Einziehung der königlichen chris-
CDten in Castilien, und, was noch schlimmer, ihren Händen war die
ttübang der Gerichtsbarkeit anvertraut. Der königliche Rath war
dl Ton „Conversos'' (neuen Christen). Viele Meuchelmorde, an
1 QräU, V, 126.
T Orate, V, 127.
'; Jo$t (Jnde), Geschichte der Israeliten bis auf nnseie Tage, Berl. 1825,
U. 7, 8. 70. — .Der Zahl nach hatten die Juden bedeutend abgenommen.'^ Orätz
S S. 286) sehitzt ihre Zahl aof 160.000 im Jahre 1474 gegen 800.000 im Jahre
^ (in CastiUen).
0 Iba erinnere sich hiebei des scharfen Verweises, welchen vor dem Januar
' Pspet Honorins I. den spanischen Bischöfen ans demselben Grande ertheilt, in-
^ er lie „stomme Hnnde* nennt Kirchengeech. II, 2, S. 224—227. Bemaldez,
" rcyes Citolicoß, Gran. 1856, L I, p. 97.
") e Sabios, e Contadores, e Secretarios, e Factores de Beyes e de Grandes
^^ — Bemaldiz, I, 97. — FtUgar, Crönica de los Eeyes Catölicos. Valenciai
''^, p. 13«.
12 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel
jede Provinz ohne ihren Schaden leisten kann^^). Diese Venaengmig
des Geistlichen und Weltlichen hat sehr viel Unheil über Spamen ge-
ver- bracht, der Kirche selbst aber vielleicht mehr geschadet als dem Staate,
»üü^l!. Nur in dem neu entdeckten Amerika erwies sich die Gewalt der Geifit-
Kiroh. liehen in weltlichen Dingen als wohlthätig und erhaltend. Ohne diesen
stiuTJ** Einfluss der Bischöfe und Priester wäre die Urbevölkerung des mitdem
uohen. und südlicheu Amerika so völlig 9, vom Erdboden hinwegcnltiTiit'
worden, wie die Ureinwohner der Inseln S. Domingo und Gaba, über-
haupt Westindien's').
So kann man denn sagen, dass die spanische Inquisition aus deiB
Charakter des spanischen Volkes selbst hervorgewachsen seL So lang«
die Spanier gläubig sind, können dort mehrere Religionen nicht nebei
einander im Frieden bestehen. * Die gläubigen Spanier wollen Glanben»-
einheit, nicht Glaubensfreiheit Man kann darum die spanische Inqui-
sition ebenso ein National- wie ein Staatsinstitut nennen. Die Begteruog
vollzog nur, was das gläubige Volk der Katholiken in seiner immeosea
Mehrheit wollte'). Dabei fielen die materiellen Verluste durch da
Wegzug der Juden (und Mauren, vielmehi) Moriscos) nicht in im
Gewicht. — ' Dass die Inquisition bei den hohem Ständen, besonded
dem Adel, wenigstens im Anfange missliebig war, kam grossentheüi
daher, dass sie zur Concentrirung der königlichen Macht, zur A»
bildung der Staatsomnipotenz missbraucht wurde. Auch war „der
Adel mit den getauften Juden verschwägert oder befreundete^}.
§. 7,
Kireh- Das Gericht der kirchlichen Inquisition bestand im Königreich An-
qviJtion gonien seit dem dreizehnten Jahrhundert. Es war im Elampfe der Kiiclit
in Ära- gegen die Waldenser, Albigenser, und verwandte Sekten entstandea.
gonien. j^.^ Dominikaner waren, im Auftrage des Papstes und der Biscb^
die delegirten Richter. Es bestand aber kein permanenter Gerichtshof^
Der heilige Kaymund von Pennaforte, Llotger, der Richter über die
■) Kirchengescb. U, 2. 8. 18. AUerdiDgs hatten auch die BiachOfe im Btan
sehen Reiche das Recht, in Processen der Partheien als Schiedsrichter an entsebädfli«
Der heilige Äugtatin u. a. beschwert sich tlber dieses zeitraubende G^eschiü
*) Aher die wilden Caraiben oder Cariben hatten die Bewohner der Antilki
auch ohne die Ankunft der Europäer alknählig ausgerottet. Chcar JPudid, D*
Zeitalter der Entdeckungen, 1858, 8. 195—200.
') Unter den 8 Millionen Einwohnern Spanien*6 in jener Zeit waren 0. 7 UMosm
Katholiken, an 160.000 Juden, nebstdem c. 400.000 Mauren im getrennten Beicte
Granada.
') Qrätz, Bd. V, S. 306.
*) Kirchengesch. Bd. IV (III, 1) 8. 229, 246.
Yorepiele der loquisition. Die Maranos. 17
Bajalaoce, und andern Orten. Aehnliche Excesse wurden in Baena,
Sevilla, Xerez, Ecija mit genauer Noth verhindert. In Jaen ermor-
deten die ,,alten Christen^ den Condestable Miguel de Lucas, während
er in der Gathedrale die heilige Messe horte; sodann wurden ohne
Schonung des Alters und Geschlechtes ,,die Bekehrten^ beraubt und
getodtet. Von Andalusien aus pflanzte sich die Bewegung nach Casti-
lien fort In Segovia vereinigte sich das Volk der untern Pfarreien,
um die y^Bekehrten^ zu ermorden. Gegen es stand der Alcalde des
Alcazar, Andreas Cabrera. Es kam zum blutigen Kampfe und beide
Parteien erlitten schwere Verluste. Angesichts dessen begann die
Auswanderung der „Bekehrten^ — nach Flandern, nach Italien, oder
m die Herrschaften der Adeligen und Magnaten, von welchen die
„neuen Christen" beschüzt wurden. — Ein Versach der „neuen Christen"
sich der Festung Gibraltar durch List zu bemächtigen, misslang').
Aus diesen Bewegungen geht u. a. der unversöhnliche Gegensaz ^***"**
und die todtliche Feindschaft zwischen den „neuen" und den „alten "der
Christen" hervor. Die Einfuhrung der Inquisition lenkte den Strom ^^^^^
der Erbitterung in ruhigere Bahnen. An die Stelle der Selbsthilfe, der jadcn.
Volksjustiz, trat jezt das richterliche Verfahren des s. g. „heiligen
Officio". Selbst der Jude Grätz gesteht: „Das gläubige Volk beschul-
digte die Marranen (getauften Juden), wohl nicht ganz mit Unrecht,
dass ihnen das Christenthum, das sie mit den Lippen bekannten in
der Seele zuvnder wäre. Es hiess, sie brächten ihre Neugebornen ent-
weder gar nicht zur Taufe, oder wüschen, wenn getauft, in ihren Häusjern
den Flecken der Taufe videder ab. Sie hätten auf ihrem Tisch keinen
Speck, sondern Oel, enthielten sich des Schweinefleisches, feierten das
jüdische Passahfest und spendeten Oel für die Synagogen. Sie hätten
femer keine Hochachtung für die Klöster, entweihten deren Heilig-
thümer, und verführten die Nonnen. Die Neuchristen wären ein
schlaues und ehrgeiziges Völkchen, das nach den einträglichsten Aem-
tem haschte, nur an Bereicherung dächte, und anstrengende Arbeit
scheute. Die Neuchristen selbst betrachteten sich als unter Egyptern
lebend, und hielten es für erlaubt, die Christen zu betrügen und aus-
zubeuten. Diese Beschuldigungen werden wohl nicht auf sämmtliehe
Neuchristen gepasst haben, aber das Volk war voll davon und hasste
sie fast noch mehr als die Juden" ^).
Zwei verschiedene Nationen wohnten neben einander, die sich bis
zum Tode hassten; auf eine Aussöhnung oder ein ruhiges Nebeneinander-
*) Oräiz, Geschichte der Juden (von 1265—1492), Bd. V, Leipz. 1864. S. 232
bis 244. Fic. de la FuenU, Historia eclesiast. de Espafia T. V, Madr. 1874, pag. 2a
bis 26 (cf. Qomez Bravo, Historia de los Obispos de Cordova, t. I, pag. ;i5S— 364).
') Orätz, V, 241 0. 242.
0»aa,;ipft]i. Kirch«. lU. S, 2
12 DreizehnteB Buch. Erstes Kapitel
jede Provinz ohne ihren Schaden leisten kann^^). Diese Vennenguiig
des Geistlichen und Weltlichen hat sehr viel Unheil über Spanien ge-
ver- bracht, der Kirche selbst aber vielleicht mehr geschadet als dem Staate,
img'dea ^^^ ^° ^^™ ^^^ entdeckten Amerika erwies sich die Gewalt der Gostr
xiroh. liehen in weltlichen Dingen als wohlthätig und erhaltend. Ohne dieseo
ßt^' Einfluss der Bischöfe und Priester wäre die Urbevölkerong des mittler^
uehen. und südlichen Amerika so völlig „vom Erdboden hinwegcolÜTut'
worden, wie die Ureinwohner der Inseln S. Domingo und Caba, über-
haupt Westindien's ').
So kann man denn sagen, dass die spanische Inquisition aas dea
Charakter des spanischen Volkes selbst hervorgewachsen sei. So lai^
die Spanier gläubig sind, können dort mehrere Religionen nicht nebea
einander im Frieden bestehen. * Die gläubigen Spanier wollen Glanbeo»*
einheit, nicht Glaubensfreiheit. Man kann darum die spanische Inqui-
sition ebenso ein National- wie ein Staatsinstitut nennen. Die Begienuf
vollzog nur, was das gläubige Volk der Katholiken in seiner unmensa
Mehrheit wollte'). Dabei fielen die materiellen Verluste durch da
Wegzug der Juden (und Mauren , vielmehi) Moriscos) nicht in du
Gewicht. — ^ Dass die Inquisition bei den hohem Ständen, besondoi
dem Adel, wenigstens im Anfange missliebig war, kam grossentbeül
daher, dass sie zur Concentrirung der königlichen Macht, zur Aoi-
bildung der Staatsomnipotenz missbraucht wurde. Auch war „der
Adel mit den getauften Juden verschwägert oder befreundete^}.
§. 7,
Kireh- Das Gericht der kirchlichen Inquisition bestand im Königreich Aiv
qvuition gonicn seit dem dreizehnten Jahrhundert. Es war im Eoimpfe der Kirckc
in Ära- gegen die Waldenser, Albigenser, und verwandte Sekten entstand»
^ *°' Die Dominikaner waren, im Auftrage des Papstes und der Biscbofcr
die delegirten Richter. Es bestand aber kein permanenter Gerichtshof^
Der heilige Kaymund von Pennaforte, Llotger, der Richter über die
■) Kirchengeach. II, 2. S. 18. Allerdinga hatten auch die BiadiOfe in Böä-
schen Reiche das Recht, in Processen der Partheien als Sohiedarichter in enlMbeid«*
Der heilige Augustin n! a. beschwert sich über dieses zeitraubende Geaofaifi
*) Aber die wilden Caraiben oder Cariben h&tten die Bewohner der AotOki
auch ohne die Ankunft der Europäer allmählig aasgerottet Ofcor FuM, ^
Zeitalter der Entdeckungen, 1858, 8. 195—200.
') Unter den 8 Millionen Einwohnern Spanien's in jener Zeit waren e. TMüIn»^
Katholiken, an 160.000 Juden, nebatdem c. 400.000 Maaren im getrennten Bäete
Granada.
') Grätz, Bd. V, S. 306.
*) Kirchengeach. Bd. IV (UI, 1) S. 229, 246.
Aniang der Inquisition zn SeWlla — im Jahre 1481. 19
zwei Donunikaner nach Sevilla entseqdet, der Provinzial Miguel Morillo,
Magister der Theologie, und Jüan de San Martin, Vicar des Ordens
der Dominicaner, 17. September 1480. Der Yollmachtsbrief der Eonige
ist am 27. December 1480 ausgestellt*). Als Gehilfen erhielten die
beiden Dominikaner den Priester D. Juan Buiz, Rath der Konigin,
und den Hofpfarrer Juan Lopez del Barco ^. Diese Inquisitoren traten
ohne alles kirchliche Mandat als blosse königliche Beamte ihre Send-
ung an.
Das neue Gericht trat sogleich in das Leben. Es erliess ftmin^nj^.
2. Januar 1481 eine Instruction, in welcher die Punkte oder Merkmale tfon im
angeführt werden, an welchen man den geheimen Judaismus der s« g. ^^gi
,,neuen Christen^ erkenne. Jedermann wurde aufgefordert, alle die-
jenigen za nennen, an welchen diese Eennzeiphen wahrgenommen
wurden*).
Der Erlass des neuen Gesezes ging zum Theil auch gegen den
Adel von Andalusien, bei welchem die „neuen Christen^ stets Schuz
gefunden. — Denjenigen wurde Verzeihung angekündigt, welche ihren
Irrthum innerhalb einer gewissen Zeit bekennen würden. Die Namen
der Kläger oder der zur Anzeige Bringenden sollten verschwiegen
bleiben.
Die Zahl der Angeklagten mehrte sich in Bälde so, dass der
Gerichtshof seine Siznngen aus dem Kloster des heiligen Paulus, das
sich innerhalb der Stadt befand, in das geraumige Fort Triana in der
Vorstadt verlegen musste^).
Die Behauptung des A. liorente ist aber reine Erfindung, dass
das Gericht der Inquisition in dem einen Jahre 1481 in den beiden
Diocesen Sevilla und Cadix — 2000 Personen habe verbrennen lassen.
Liorente bat keinen Gewährsmann für seine Behauptung (den Mariana
hat er entstellt), verrilth dagegen überall das brennendste Verlangen,
die Zahl der Hingerichteten zu vergrössem^).
*) Er steht in lib. II, Ut 7, nota 1* der Novisima Becopilacion de las leyes
de Espafia, dividida in XII libros; Nueva edicion, Paris 1832. 4. voL V.
^ Liorente, I, pag. 148.
*) Liorente meint, dass von diesen 87 Kennzeichen 22 gar nicht zutreffen oder
nichts beweisen (I, 153—159). PrescoU tritt seiner Ansicht bei, nnd erhebt den
dnrchans parteiischen Liorente mit unverdienten Lobsprüchen. iVe^co^, t. II. der
spanischen Uebera. v. 1848, pag. 129 — 144).
*) Ferrerae sagt (Parte XI, pag. 157 des span. Werkes): dass im Jahre 1480
zn Sevilla das erste Aatodbfö (Actos fidei) statt hatte, in welchem 7 liartn&ckige
Apostaten zum Feuer, viele Renige aber zn andern leichtem Strafen vemrtheilt wurden.
Die Thatsache mag richtig sein; das Antodafö kann aber nicht vor dem Jahre 1481
Btattgefonden haben.
*) Liorente, IV, pag. 243 n. 244. FälschUch beruft sich auch O. Moroni,
indem er diese Behauptung wiederholt, auf Mariana (1. 24. cp. 17). Mariana redet
2*
20 Dreizehntes Bach. Entes KapiteL
Es trat aber bald zu Tage, dass die Inquisition in der Hand dei
absoluten Königthums sei^ und nur durch äussere kirchlidie Formei
sich einen kirchlichen Schein geben wolle. Schon am 29. Januar 14£
erliess Papst Sixtus lY. ein neues Breve, worin er sich beschwert
dass die Bestätigung der Inquisition mittelst falscher Angaben von ihi
erschlichen worden sei*). Er tadelt die beiden Inquisitoren, welch
Leute gestraft hätten, die frei von aller Kezerei seien. An sich hätte
sie verdient, von ihm abgesezt zu werden« Er wolle aber mit Bai
^ sieht auf die katholischen Konige davon abstehen. Der Konigin seh
tion aber vollen Glauben, wenn sie behaupte, dass sie die Kezer nicht
^; Gewinnes wegen verfolge.
Am 23. Februar und 2. August 1483 erliess derselbe Papst zd
p^^fiiz ^^^^^^ Breven. Er fahrt Klage gegen Konig Ferdinand über die groi^
tat IV. Strenge des neuen Gerichts, und fordert die Könige auf, Milde m
^^ Schonung eintreten zu lassen, besonders wenn die Schuldigen denüick
Zeichen der Reue an den Tag legten. G. Moroni rechnet es den romisGh|
Päpsten zum „ewigen Uuhme" an, dass sie niemals die spanische h
qnisition an sich begünstigt, sondern stets bemüht gewesen seioi, i
in ihre Grenzen zurückzuweisen« — Allein leider befanden sie sich [
der Defensive gegenüber den Offensivstossen dieser Staatsanstalt*), i
In dem Breve vom 2. August 1483 verlangt der Pi^^st, dass d(
von der Häresie reuig Zurückkehrenden der Besiz ibres Vermögt
erhalten werden sollte. j
In derselben Zeit wurde nadi dem Ableben des Alfons i
Carrillo (1. Juli 1482) der Cardinal von Spanien, Gonzalez de Mendo^
auf den Primatialstuhl von Toledo erhoben, nachdem er 14 Jahre Si|
bischof von Sevilla gewesen'). Ihm folgte in dem Erzbisthum Sen|
Jnicus Manrique, bisher Bischof von JaSn — 1482, der aber schon n
p. 81z- Anfange des Jahres 1486 starb. An ihn richtete Papst Sixtos lY. ^
gvgen'dem 2. August 1483 ein Breve, worin er ihn zum päpstlichen Ober
J"^ richter bestellte, nm die gegen die Urtheile der königlichen Bicbtt
Hon. eingelegten Appellationen im Namen des Papstes anzunehmen^). Dil
j
aber nicht von 2000 Opfern des Jahres 1481, sondern sagt, dass in der gsmen
(des Inquisitors Torqaemada?) so viele Opfer gefallen seien. Moroni^ Dixiimank
t. 68, Venezia 1854, pag. 110.
') Es steht b. LlorerUe t IV, p. 345.
*) Balmes, der Eatholizismns verglichen mit dem ProtestanttsmoB (d»iti4
Regensb. 1861, Bd. I, S. 412—455, Ksp. 36 u. Ö7. — Bänke, Fflisten und Völkf
in Südeuropa im 16. und 17. Jahrhundert, BerL 1827—1836, 4 voL TW. I, S. A
„Es war die Inquisition, durch welche die unbedingte Antoritit der BtspxtH
vollendet wurde.*
*) Kirchengesch. HI, 1, S. 432 n. 433.
♦) Uorente, t. I, pag. 165 u. 166; t. IV, pag. 352-^67 (hier stsbea tnd» ^
beiden Breven vom 23. Febr. und 2. Aug. 1483).
Die InqniBition in den Jahren H8d— 14P9. Thomas Torquemada. 21
königlichen Ingnisitoren waren zaerst Spanier, dann erst Katholiken,
und Hessen keine päpstliche Appellation zn. Da nahm der Papst selbst
Appellationen der Angeklagten an ihn an. In seinem Edikte vom
2. August 1 483 erklärt er, er habe noch immer die Appellationen vieler
Spanier aus Sevilla angenommen; denn dieselben hätten, aus Furcht
verhaftet zu werden , nicht gewagt ^ an den Erzbischof von Sevilla zn
appelliren. Er fugt bei, dass mehrere der Appellanten die Lossprechung
durch den apostolischen Stuhl erlangt hätten, andere sie noch erlangen
würden. Er klagt darüber, dass man die verschiedenen Angeklagten
kurz vorher gewährte Gnadenfrist nicht gehörig beachte. Noch andere
Mahnungen fugt er bei, nnd fordert „die Könige^ zuletzt auf, zu be-
denken, dass Barmherzigkeit mit den Schuldigen Gott wohlgefälliger
sei^ als alle Strenge, dass der gute Hirte das verirrte Schaf mit un-
endlicher Geduld aufgesucht habe. Die „Konige^^ mögen gegen Alle,
welche ein aufrichtiges Bekenntniss ablegen, Milde walten laissen, ihnen
den Aufenthalt in Sevilla oder jedem ihnen beliebigen Orte gestatten,
und sie im Besize aller ihrer Güter lassen, als wären sie in das Ver-
brechen der Häresie nie gefallen^). - Die Angeklagten wendeten sich
auch nicht immer nach Rom, um Hilfe gegen Ungerechtigkeit, sondern
nur um mildere Behandlung zu finden. Viele spanische Flüchtlinge,
welche des Rückfalls in das Judenthum überwiesen wurden, kamen
nach Rom. Dort wnrden einmal 250 solcher Maranos schuldig gefunden, nie
Aber nicht Einer wurde hingerichtet. Es wurden ihnen verschiedene ^^^^
Bussen auferlegt. Sie wurden losgesprochen und sollten unbeschadet zumi»
ihrer Ehre — nach Spanien zurückkehren können. Diess geschah ^™*
freilich zu einer Zeit, wo in Spanien die erste Strenge der Inquisition
längst einer mildern Praxis Plaz gemacht hatte (1498)').
Nach dem päpstlichen Breve vom 2. August 1483 griff man jezt ^o^m
*) Balmea, I, 8. 426 n. 427.
') Dass JJorente obiges Edikt des Papstes tadelt, moss man an diesem spa-
oüchen nnd kirchlichen Renegaten begreiflich finden. Denn weil es der Papst ge-
thin, 80 hat er Übel gethan (t I, p. 168, 176). Aber dass PrescoU in dasselbe Hom
BtflMt (!• e. p. 1d2), kann nur ans Mangel an bessern QneUpn erklärt werden. Unter
den Opfern der ersten Zeit nennt er drei Kleriker (diess nach Bemaldez, I, p. 100),
verschiedene Richter nnd Beamte. Auch er redet von 2000 Verbrannten in dem
einen Jahre 1481, nnd verdreht den Inhalt der päpstlichen Erlasse vom Jahre 1483.
Nach ihm hStte der Papst die „EOnige' ermnthigt, in dem Werke der .Purification*'
des Landes tapfer ansznharren. Llorente sieht die wahren Ursachen der Einführung
der Inquisition in Spanien in der Habsucht des KOnigs Ferdinand, und in dem Ver-
langen Sixtns IV., die bisherige freisinnige Kirchenverfassung Spanien's durch die-
selbe zu verdrSngcn. Selbst die in den Jahren 1819—1822 gewiss sehr „freisinnige*^
Tübinger Theol. Quartalschrift äussert sich entrüstet über die beständigen Uebertreib-
nngen und Verdrehungen Llorente's, der an den Päpsten auch das Gute tadelt, weil
es die Päpste gethan haben (J. 1820, 8.259—266; J. 1822 S. 81—96; S. 338 — 41). —
22 Dreizehntes Buch Erstes Kapitel
B»<i*f in Spanien zu der Politik, mit Hilfe Roms von Rom loszukommen.
iaqnui. Man ging ^^entschieden in der Sache, aber sanft in der Form^^ toful
^'' Die yjcatholischen Eonige" schlagen dem Papste den P. Thomas de
Torquemada, Prior des Klosters zum heiligen Kreuz in SegOTia, ak
(ersten) Grossinquisitor für Castilien vor. Der Papst bestätigte ihn n
dieser Eigenschaft, mit der Vollmacht, zur Einsezung weiterer Unt«r«
inquisitoren zu schreiten. Diess geschah zwischen dem 2. Angnst mA
17. October 1483. Ein weiteres Breve erliess der Papst am 17. Octobai
1483, in welchem er einwilligte^ dass Torquemada auch Grossinqoisitoi
für das Königreich Aragonien, mit denselben Vollmachten, wie A
Castilien, sein sollte. Für Aragonien waren Inquisitoren schon ans da
frühern Zeit da, welche sich nicht ohne Widerstreben dem neuen Gro»
Inquisitor unterwarfen. Sie mussten weichen.
§. 9.
Thomas Torquemada war im Jahre 1420 zu Valladolid geboni
Seit dem 11. Februar 1482 war er den ersten Inquisitoren als Gehl
beigegeben, und überragte in Bälde seine CoUegen so sehr, dass er li
in den Hintergrund drängte. Von ihm stammt -die eigentliche Orgdl
sation des „heiligen Officiums^^ Bisher hatte nur der Gericfatdi
von Sevilla für ganz Spanien bestanden. Er errichtete in Kurzem v«
Gerichtshöfe, in Sevilla, in Cordova, Jaen und in Villareal (spül
Ciudadreal), welcher zwei Jahre später nach Toledo verlegt wuä
Er gab denselben ausführliche Statuten ^). Ferdinand gab ihm eifli
obersten Inquisitionsrath aus Theologen und Juristen zur Seite^
Torquemada sollte in theologischen Fragen nur den Rath dieses CoOi
giums zu hören haben, in juristischen und bürgerlichen Fragen ab«
sollte er an die Mehrheit der Stimmen gebunden sein. Die ErDenoa^
dieser Räthe erfolgte ohne Genehmigung des Papstes oder eines Biscbofe
Ob die Räthe Laien oder Priester waren, fällt dabei nicht in's GewicM
Sie waren von vornherein königliche Beamte. :
in'^'iii- ^^^ ^^^ *"^ ^^' ^°K"st 1484 erfolgten Tode des Papstes Sixi
tionnndtus IV. folgte ihm am 24. August Innocenz VIII. als Papst Aochd
^;^^**' bestätigte die neuen Einrichtungen am 11. Februar 1486. In eüJ
vm. zweiten Bulle, die am 6. Februar 1487 publicirt wurde, bestätigte dd
^*J2j^** Papst den Torquemada in der Würde eines Grossinquisitors für tfi^
Königreiche Castilien, Leon, Aragon, Valencia, das Fürstentham Citi*
lonien, und die übrigen Theile des Landes. In derselben Bolle wordi
*) Sammlang der Instmctionen des spanischen Inqoisitionsgeiiehtoi. C^berj
wxt von J. D. Rtuss, Hannover, 1788, S. 1—36.
') Llormte, I, p. 173.
P^>8t Innooenz VIII. und die Inquisition. 23
er als Special-Inquisitor fiir die Stadt und das Bisthum Barcelona ein-
gesezt, mit dem Rechte, sich Delegaten nach seiner Wahl zu substi-
toiren ^). Die Vollmachten der frühem Inquisitoren wurden widerrufen.
Eine Bulle vom 3. April 1487 befahl allen (auswärtigen) Regierungen,
auf die einfache Requisition Torquemada's^ alle von ihm näher bezeich-
neten Flüchtlinge festzuhalten, und sie unter Strafe der grossem Ex-
communication an die Inquisitoren zurückzusenden. Nur die Monarchen
waren von diesem Anathem ausgeschlossen^).
Am 27. November 1487 erliess (nach Harente) der Papst eine
neue Bulle in Betreff Solcher, welche durch ein päpstliches Privilegium
von der Gerichtsbarkeit der Inquisition befreit zu sein vorgäben. Mit
dieser Bulle war die Inquisition unzufrieden. Durch ein neues Breve
vom 17. Mai 1488 suchte der Papst den Beschwerden der Inquisitoren
abzuhelfen^.
Derselbe Papst erliess bald nach dem Antritte seiner Regierung
eine Bulle an die Inquisitoren in Spanien. Er sagt u. a.* „Wir haben
gehört, es seien einige Häretiker in jenem Reiche, jedoch als solche ,
nicht bekannt, welche gern zur Kirche zurückkehren würden, wenn eine
Abschworung ihrer Irrthümer im Geheiipen zugelassen würde, da sie
Männer in Ehren und von hohem Ansehen sind." Er ertheilt nun den
Inquisitoren die Vollmacht, dass sie Häretiker jeder Art zur geheimen ^'^
Abschwörang zulassen und zu der Kirche zurückführen mögen. Doch und die
müsste diess in Gegenwart „der geliebtesten Söhne in Christus, des '°^^''
erlauchten Königs und der Königin von Castilien, Leon und Aragonien
gescüehen^), damit, wenn Jene wieder in den alten Irrthum zurück-
fielen, sie nicht unter irgend einem Verwände der Strafe der Rück-
fälligen sich entziehen könnten.^^
Dieser Schuzbrief vom 15. Juli 1485 ist nicht ganz ohne Folgen
geblieben. 50 Häretiker wurden am 11. Februar 1486 im Geheimen
absolvirt, in Gegenwart Ferdinand's und Isabella's^).
§. 10.
Die Einfuhrung der neuen Inquisition in Aragonien und Valencia
fand einigen Widerstand, besonders bei dem Adel. Ferdinand kümmerte
0 Diese Ballen werden bei LhrerUe (I, p. 212) nur erw&hnt
*) Auch diese Bulle begnflj^ sich Llorente nur zu citiren. Warum hat er den
Text zurfickgehalten (1, pag. 263)?
*) Llorente, 1, p. 248. Vod diesen Breven hat LhrerUe den Wortlaut nicht
mttgetheflt, und es ist erlaubt, an ihrer Aechtheit zu zweifeln.
*) Den KOnig nennt er zuerst, und wieder zuerst das Land der KOnigin. —
Die Bolle steht in Raynaldi's annales ad annum 1485, nr. XX, und ist daraus bei
6. Cotea, Leben des heiligen Arbnte, abgedruckt, p. 81 u. 82.
«) lAormUe, IV, p. 295.
Die
24 Dreizehntes Bnch. Erstes Kapitel.
sich wenig nm diesen Widerstand. Er beseitigte die bisherigen kirch-
lichen Inquisitoren, den Dominikaner Christoph Gaalbes, ond de&l
Magister Ortes. Jenem wurde vorgeworfen, dass er seine Gewaftj
missbraucht habe.
In den Cortes von Tarazoua — 1484 — verhandelte man mit{
dem Grossinquisitor über die Weise des Vorgehens gegen die Hare-j
tiker und die der Häresie Verdächtigen. Es wurden getrennte Com-
missions- (Juntas) Sizungen gehalten. Torquemada delegirte als In-
tion in quisitoren für Aragonien den Dominikaner Caspar Inglar von Bena-
^^' varre, und den Canonicus an der Cathedrale zu Saragossa, den Magister
1484. Pedro Arbuds, bekannter unter dem Namen Maestr-Epila, weil er an
Epila stanunte.
Für das Königreich Valencia wurden Martin Inigo und in
Dominikaner Fr. Pedro de Epila ernannt. In den Cortes von Valeodi
erhob sich auf den Bänken der Ritter Opposition. Nach drei Monat«
brachte Ferdinand diese Opposition zum Stillschweigen. Auch fli
Saragossa und Teruel fehlte es nicht an Widerspruch, nicht so fa«
gegen die Einsezung des „heiligen Officiums^', als gegen die oeoei
Formen, unter denen es sich einführte^ welche den „Faeros", und da
Art, die Gerechtigkeit zu verwalten, in diesen Ländern zuwider seiet
Die Einziehung der Güter, die Heimlichkeit des Verfahrens, indem d«
Name des Anklägers den Verklagten verborgen blieb, waren für dii
Aragonier nicht erträgliche Neuerungen, deren Gesezgebong schon id|
15. Jahrhundert „die fortgeschrittenste und freieste in Europa^^ war'^
Mittelst des mehr oder weniger gewaltsamen Einflusses des Königi}|
dem sich der Klerus und ein Theil des Adels anschloss, wurde der
Widerstand besiegt.
^^^ Aber viele von den ersten Advocaten zu Saraxrossa waren „Nen»
Chris- bekehrte'% und verwandt mit den Juden, sie waren reich and voa
*s*r»-*° grö88ß°i Einflüsse. Sie fahrten Klage bei dem „Justicia major", dem
gotn. obersten Gerichtsbeamten des Königreichs; sie verlangten, dass des
Inquisitoren verboten werden solle, nach ihrem neuen Verfahren vor-
zugehen, vor allem aber, Güter einzuziehen. Sie boten grosse Summen
Geldes an, nicht bloss dem „Justicia major", sondern auch dem König«;
Tristan de la Porta, Stellvertreter des Justicia, weigerte sich zu ihren
Gunsten einzuschreiten. Die Verhandlungen zogen sich in die Längf,
sie hatten aber keinen Erfolg, weil in der Zwischenzeit eine Vtr-
schwörung gegen das Leben des Inquisitors Petrus Arbues ausbrach
') Ftc. de la FuerUe, V, pag. 30 u. 31 .
Heiliger Petrus Arbnto. Seine Jugend, 25
§. 11.
Bis TOr Kurzem wusste die Welt diesseits der Pyrenäen nur von dem
grossen Kezerrichter, vielmehr Kezervernichter — Thomas Torquemada.
Im Jahre 1^67 wurde aber Petrus Arbuös, erster Inquisitor im Reiche
Aragonien, heilig gesprochen, und seitdem hat man in diesem vorher
in Deutschland ungenannten und unbekannten Manne ein sittliches Un-
geheuer entdeckt, wie es deren in der Weltgeschichte, zum Tröste des
Menschengeschlechtes, nur wenige Exemplare gegeben. Petrus Arbuds
war demnach „ein Greis'' voll Mordlust und voll Raubsucht. Er hat
auf Scheiterhaufen und andern Schaffoten so viele Menschen vom Leben
zum Tode gebracht, dass er weite „Gegenden entvölkerte''. Diejenigen
aber, welche ihn die zartesten Saiten aufziehen lassen, behaupten, dass
er wenigstens 2000 Menschen durch Feuer martern und sterben liess.
Was sagt dazu die Geschichte?
Petrus Arbuös sagte drei Jahre vor seinem Tode im Jahre 1482
aas, dass er damals ungefähr 40 Jahre alt sei. Sein Tod aber er-
folgte im September 1485, ein Jahr nach der Einfuhrung der Inqui- J»«®°<*
sition in Saragossa. Wilhelm KauLbach hat ihn in seinem bekannten Arba^
Tendenzgemälde als abgelebten Greis dargestellt. Auch in Blättern
und Broschüren wird er der „Greis" genannt. Dass aber Jemand in
dem Blüthenalter von (42) 40 Jahren zugleich im Greisenalter stehe,
das will unserer beschrankten Einsicht nicht einleuchten. Wenn er
aber „Gegenden" entvölkerte, so müsste er wenigstens eine Reihe von
Jahren das Amt eines Inquisitors bekleidet haben.
Petrus Arbuös wurde um das Jahr 1442 in der Stadt Epila in
Aragonien geboren. Seine Eltern waren Antonio de Arbute, und
Sancia Ruiz de Sadava, beide von edlem Geschlechte. Petrus hatte
einen altem Bruder Antonio , und fünf Schwestern. Er besuchte die
Universität Hnesca in Aragonien, wo er in der Lernbegierde wie in
der Frömmigkeit allen Andern voranleuchtete. Er erlangte die Würde ^^^
des Doctorats in der Philosophie , und wurde als Magister in den Hnese«
Wissenschaften erklärt. Später — im Jahre 1468 wurde daselbst ein
Ausschuss zum Zwecke einer Verbesserung der Statuten der Uni-
versität erwählt. Arbues war ein Mitglied dieser Commission.
Der grosse Cardinal Aegidius Albornoz hatte im Jahre 1363 das
weltberühmte „CoUegio maggiore di S. demente" in Bologna für ^^^ ^'
studirende Spanier vom Adel gegründet. Drei junge Aragonier sollten *^^**
darin Freipläze haben. Aegidius Albornoz ,war selbst Chorherr in
Saragossa gewesen. Darum bestimmte er, dass das CoUegium der
Canoniker daselbst zwei von diesen jungen Männern, der Erzbischof
aber den dritten auszuwählen hätte. Der Erzbischof wählte den
26 Dreizehntes Bueh. Entes Kapitel.
Petras Arbuös für seinen eben erledigten Plaz im CoUegio too
S. demente *).
stn^ Am 11. März 1469 trat Petrus als Stndirender der Theolc^e m
logn*, das CoUegio Major ein. Mit besonderem Eifer verlegte er sich anf
^*^' das Studium der heiligen Schrift. Unter seinen Tugenden leachtete
die Demuth, der Grebetseifer, die Nächstenliebe, die Abtödtong n. a.
hervor. Schon im Jahre 1471 lehrte er an der Universität zu Bolognt
die Moralphilosophie. Am 27. December 1473 erlangte er mit Aos-
zeichnung die Würde eines Doctors in der Theologie. In so hoher
Achtung stand er damals und später in Bologna, dass diese Stadt, omi
sein Andenken zu ehren, allen Gonvictoren des spanischen CollegiomB
von S. demente das Ehrenbürgerrecbt von Bologna schenkte. Die
Zöglinge des CoUegiums vollendeten gewöhnlich erst nach acht Jahns
den Lauf ihrer Studien daselbst. Petrus aber musste nach einea
Aufenthalte von fünf einhalb Jahren nach Aragonien zaruckkehreo.
Er wurde am 30. September 1474 zum Canonikus von Saragoea
erwählt. Das Capitel bestand aus Regulär - Chorherren. Dasselbe
wurde erst im Jahre 1604 säcularisirt').
^nln ^^ Folge dieser Wahl musste Petrus in den Orden des heilig«
sar»- Augustinus eintreten. Mit allem Eifer bereitete sich derselbe für des
'^' Eintritt in den Ordensstand vor. Nach zurückgelegter einjähriger
Probezeit im Noviziate legte er am 9. Februar 1476 in der Catbednk
des heiligsten Erlösers die Gelübde in die Hände des P. Michael Ferrtf
ab, welcher damals Prior der Chorherren war. Erst nachher empfiiig
er auch das heilige Sacrament der Priesterweihe, in einem Alter von etvi
35 Jahren. Bald zog er die Gläubigen durch seine ansgezeicbete
Gabe der Rede an. Er predigte sowohl in der Cathedrale als in der
Kirche S. Maria del Pilar. Unermüdlich war er in dem Beichtstahle.
Seine Ihm wufdc der Unterricht und die Leitung der jungen EJeriker üb«-
kAit. geben. Der Armen nahm er sich mit aller Hingebung an. Um ihoes
dienen zu können, entsagte er allen Bequemlichkeiten des Lebe&
Nebstdem war er der Seelenfiihrer vieler nach Vollkommenheit streben-
der Gläubigen.
0 Pineda, Catalogos illnsiriam vironim, qai in insigni CoUegio Majori S. Oe*
mentis Hispanoram Bononiae degentiam prodiere, BoDoniae, 1624. — (7cüft Oiardam.
CeDni storici dell' almo real CoUegio Maggiore de' NobiU Spagnnoli In Bologu.
Bol. ]834. -^ Cenni atorici deU* almo coUegio maggiore di San demente defli
nazione Spagnola in Bologna, das. 1855. {Adolf Wolf, Snpplementband so Oe. ^'
noK^s Geschichte der schönen Literatur in Spanien, deutsch v. N. H. Jnliiu (Htf^
1853), Leipzig, 1867, S. 37).
*) PennoUi, Historia tripartita totins Ordinia Cleriooram CanomeonnB S^
larinm S. Augustini, Hb. II, p. 31. — Bonanni, Catalogos omninm Ordinam Bäipo-
aorum,artio. 20. — Blasoo de Lanuza, Historia . . • . de Aragon^ t. D, L 7. ««i &
Arbuto Inquisitor. 27
Als es sich nm die Herausgabe eines neuen Missale bandelte,
übergab Alfons von Aragonien , seit 14. August 1478 Erzbischof von
Saragossa, ihm die Leitung dieser Angelegenheit, zugleich mit den
beiden gelehrten Canonikem Martin. Garcia und Jaan Cebrian.
Am 4. Mai 1484 wurde Petrus, zugleich mit dem Dominikaner
Caspar Juglar (oder Inglar) durch Torquemada als Inquisitor für
Aragonien erwählt Diese Wahl beweist die grosse Auetoritat, deren Er wird
er sich erfreute. Alle seine Bemühungen , dieses schwere Amt von °J^^ '
sich abzulehnen , blieben ohne Erfolg. — Der neue Gerichtshof hatte
seinen Siz bei der Cathedrale Ss* Salvador.
Den Gerichtshof bildeten, ausser den beiden Genannten, der Cano-
nikus von Calahorra, Roderich Sanchez de Zua90, femer Juan de An-
chias, Petrus Jordan, Didacus Lopez von Calatayud, Juan de Exea
und Raymund Mur, Fiscaladvocat *). — Sie leisteten den Eid, ihren
Pflichten nach besten Kräften nachzukommen. Dieses neue Amt hin-
derte den Petrus Arbu6s nichts alle seine frühem Obliegenheiten in
vollstem Umfange zu erfüllen, und noch einen grossen Theil seiner
Zeit dem Gebete zu widmen.
§. 12.
Am 19. September 1484 schwuren der Justicia major, der oberste Anfang
Beamte des Königreichs Aragonien, Juan de la Nu9a^ und eine Anzahl j^q^.
Richter, Beamte und Deputirte in der Cathedrale, dass sie den katho- tion in
lischen Glauben in jeder Weise schüzen und vertheidigen, dass sie auch J^
die geheimen Häretiker zur Anzeige bringen würden. — Durch seine
Milde und Geduld, durch seine innigste Nächstenliebe gelang es dem
Petrus Arbues, viele Irregangene auf den Weg der Wahrheit zurück*
zufuhren. Einst sprach er mit solcher Kraft und solchem Eifer zu den
Angeklagten, dass dieselben der Kraft seiner Worte nicht widerstehen
konnten, dass die einen die Versöhnung mit der Kirche, andere die
heilige Taufe verlangten, und die Aufrichtigkeit ihrer Bekehrung durch
ihr spateres Leben bewiesen. — Er verbot und unterdrückte die ge-
heimen Zusammenkünfte der Häretiker.
Ob zu Lebzeiten des Arbuis Hinrichtungen von s. g. „neuen
Christen^S oder getauften Juden, stattgefunden haben, ist nicht klar.
Es fehlt an bestimmten Zeugnissen der Zeitgenossen. Was Schrift-
steller 100 oder 150 Jahre später sagen, ist weniger glaubwürdig.
Von Juan Sperandeo, einem der gedungenen Mörder des Petrus, sagt
') Ludov, Paramo, De origine et progressu officii saDCtne inquisitionis,
Madr. 1598. psg 180, 181.
28 Dreizehntes Buch. Erstes EapiteL
Paramo^)j er sei der Sohn des Salvator Sperandeo, emes Mannes ans
der niedersten Classe, der damals wegen Glaubenssachen im Gefäng-
nisse sich befand, gewesen. — Aus der Gefangenschaft aber kann man
nicht auf die Hinrichtung schliessen.
Aus einer Stelle bei den BoIIandisten*) scheint dennoch herror-
zugeheu; dass er die Schwester eines seiner Morder, des Juan de La-
badia, zum Tode, wahrscheinlich zum Tode durch das Feuer, TerurtheQt
habe, vielmehr mit dem CoUegium des Inquisitionsgerichts , TerortheSi
habe. Die naheliegende Vermuthung ist, dass die Hinrichtung erfolgt
sei. Aber bei keinem Gerichte wurden so viele Todesnrtheile gefHh,
und nicht vollzogen, als bei dem der Inquisition. Jedoch zugegeben,
dass die Hinrichtung wirklich vollzogen wurde, so muss man beachteoi
dass bei solchen Entscheidungen Binhelligkeit der Stimmen erfordeft
wurde, und dass wir, weil wir die Anklagepunkte gegen die betreffeodc
Person nicht kennen, nicht zu ihren Gunsten, aber auch nicht zu Uft*
gunsten des Gerichtes entscheiden dürfen, das sie vemrtheilte').
Paramo sagt nichts von Hinrichtungen. — Sein Zeitgenosse
Mariana, der in Toledo lebte, und die Quellen nicht anfuhrt, deren «
sich bediente, scheint der Zeit nach der erste zu sein , der in uDb^
stimmter Weise von einigen verhängten Todesstrafen fedet*).
') Der zwar 114 Jahre spfiter schrieb, aber für dieses Gapitel seines Werks
Bchäzbare Quellen hatte. — Filius Salvatoris Sperandei, infimi hominis, qm pro M
caoBis in vincnlis cnstodiebator. Paramo p. 182. •— Cf. Acta Sanctor. t V. Septeobr^
p. 733.: qni, teste Ghraciano, in ejnsdem tribnnalis carceribns detinebatnr. (Joam»
Oraciano y ScUaverte schrieb erst im Jahre 1670, nnd diesem folgen dieBollandislH
im Jahre 1755.)
*) Zum 17. Sept., welche sich anf das italienische Vitae Gompendiam ds
Seligen, das nm das Jahr 1664 erschien, berufen.
') Acta Sanctor. 1. c. p. 733, 753. Joannes de Labadia - qniqne eo Dsjod
odio beatnm Inqnisitorem perseqnebator, qnod soror illins non mnlto ante in sid
tribunalis carcerem conjecta fuerat, et morte damnata, nt habet Vitae CompeDdi«
nr. 9. — Joannes de Labadia, ex odio, quo Beatom proseqnebatnr ob ignominioHB
mortem, qna illius soror ab eodem trlbunali panlo ante damnata fuerat etc.
*) Juan Mariana, Historiae de rebus Hispaniae, lib XX (lateinisdi)ToIeli, 159^
fol.; libri XXy, Toleti 1595. — Historiae hispanicae appendix, Ubri 21 ad 30. Tm^f-
1616. — (libri XXX, Mognntiae 1605.) Dieses Werk spanisch: Toledo 1601'
Madrid, 1608. Im Spanischen heisst es ~ lib. 25, cap. 8 von Arbo^: 7 eoofbrtf
Ä lo qoe hallaba, castigabA los cnlpados (und entsprechend dem, wie er es vorfuA
strafte er die Angeklagten.) Im Lateinischen heisst es (25, 8): Graviore &««•
aliquante post civitiis (Saragossa) universa tnrbata est. Petms Arbnte qnaeidoiici
in ea urbe de religione habere coeperat. NonnüUis trrogata suppUeia p»»*
quosdam homines libertino e genere natos, sive libertatis spede, sive ex como«*
similia metuentes incitarunt, ut conjuratione multorum facta Inqnisitoris capiti iß-
sidias struerent. Mariana drückt sich, vielleicht mit Absicht^ unbestimmt us; M
gaU supplicia* sind noch nicht „snmta supplicia« — verhängte Todesstrafen oA
noch nicht vollzogene.
Ob Hinrichtungen stattgefunden? Das Vorgehen des Arbu&s. 29
In ähnlicher Weise spricht sich der kurze italienische Lebens-
abriss des Heiligen vom Jahre 1664 (den die Bollandisten mittheilen)'),
ans. Dieses „kurze Leben" sagt: „Die Todesstrafe Weniger erschütterte
die Gemüther Vieler. Diejenigen, welche unter dem Scheine des
christlichen Glaubens den jüdischen falschen Glauben verhüllten,
wurden durch die genaue Untersuchung erschreckt, von der sie horten,
dass dieselbe gegen ihre geheimen Sacrilegien angestellt werde*).
§. 12.
Das Kapitel in der „kritischen Geschichte der spanischen Inqui-
sition von t7. A. Uorente^ enthält fünf Artikel über den heiligen Petrus
Arbu&s, in welchen A. Llorente in Erdichtungen weniger Grosses bietet,
als in den übrigen Theilen seines Werkest)
Br sagt also, dass die Inquisitoren Arbuös und Juglar (welcher
am Bnde des Jantiar 1485 gestorben war) einige „neue Christen'' als
judaisirende Häretiker verurtheilt, „und es ist sicher, nach den Original- ^^ '"
Processen, welche ich zu Saragossa in dem Jahre 1813 gesehen habe, «.1486
dass sie in den Monaten des Mai und Juni (1484? 1486?) einige offent- ^^***-
liehe und feierliche Autodafe's hielten, und dass sie dem weltlichen stottfan-
Gerichte unglückliche Angeklagte übergaben, die verbrannt wurden"*). ^^^
') Cf. die BoUandisten unter dem Titel: Vitae compendiom — oder Vita
brevis. Ex relatione Italica Bomae impressa, 1. c. p. 752 — 754.
*) Paueorum supplicium muUorum mentes percussit, qoique Christianae
reb'gionis ementita specie Hebraicam perfidiam velabant, ooeperont percelli accurata
indagatione, qua in occnlta soa sacrileg^ia inquiri audiebaut — 1. o. p. 753. Man
mnas aber beachten, dass ein Italiener, der um das Jahr 1664 schrieb, weniger
sicherer Gtewfihrsmann ist
Die Worte bei Mariana: Nonnnllis irrogata snpplioia, und in der Vita brevis:
Pancomm snpplicinm — sind so gleichlautend, dass ich vermnthe, leztere Worte
seien denen des Mariana nachgebildet, so dass der eigentliche Gewährsmann Mariana
wSre. (S. Aber eine andere Stelle einer in Born erschienenen «Vita** unten bei der
«Zahl der Opfer der Inquisition.**)
') Ich citire nach der (ersten) französischen Ausgabe dieses Werkes in vier
BSnden: Histoire critlque de T Inquisition d'Espagne, par J. Änt. Llarente, Paris
1817*-1818. tom. I, p. 185—210. l) Etablissement de T Inquisition moderne dans
P Aragon. Erneutes k Sarragosse. 2) Assassinat commis sur k persofie du premier
Inqnisiteur d' Aragon. Histoire de k Böatification du premier Inquisitenr d' Aragon.
Ponition des Assassins comme snspects d'hör^ie. — Von Llorente nehme ich die
Weise : Arbute — zu schreiben an, da er ein gebomer Aragonier war, und zu Sara-
gossa studirt hatte. — (J. Hefele^ Der Cardinal Ximenes etc., 1851 — „Idorente^s
Person, Charakter, geringe Glaubwürdigkeit, Entstellungen, Unzuverlässigkeif',
8. 339—349.)
*) IIa condamn6rent quelques nouveaux chrötiens comme hörötiques jadaYsanS)
ils livr&rent k la justice söcnliöre de malheureux accus^s, qui furent brulös. Llorente,
1, p. 188.
30 Dreizehutes BucL Erstes Kapitel.
Warum hat denn Uorenie^ der so viele Processakten abge-
schrieben, gerade von diesen keine Abschrift genommen? Seiner blossen
Versicherung, sie gesehen zu haben, können wir um so weniger glaaben,
als er gleich darauf ohne irgend einen Beweis beifugt, dass das io
Castilien errichtete Tribunal nur in drei Jahren, unter der Leitung
von Mönchen und fanatischen Priestern, Tausende von Opfern ge-
schlachtet habe^). — Aber auch er redet nur von einigen Opfern der
Inquisition unter Arbute.
Der neueste Biograph des Heiligen, GUus. Cozza^^ schweigt
über diesen Gegenstand, ebenso handelt der Erläuterer zu W. Ead-
bach's Bilde „Arbute^^ — nicht von der Zahl der Opfer des Arbo«,
sondern nur von seinem strengen Vorgehen'). — Aber ein „namhafter
Gelehrter in Franken^^^) hat entdeckt, dass in der Provinz Aragoniea
2000, in der Stadt Sevilla allein von 148Ö— 1520 4000 Menschen Ter-
brannt worden seien, und beruft sich dabei auf Paramo (S. ISO)
Dieser aber redet gar nicht von der Zahl der in Saragossa Hingeridh
teten. Ei* nennt den Arbuös einen heiligen Märtyrer, kann also nn-
möglich sagen, dass den Verschwornen in Saragossa kein anderes
Mittel übriggeblieben, als ihn zu ermorden. Wie „der Arbues'* ia
dem Bilde KaulbacKsj so sind diese 2000 Schlachtopfer eine reii
Erdichtung.
Damach kommen wir zu dem Ergebnisse: Es scheint siel
dass vor dem Tode des Arbuös eine Person zum Tode vemrtheilt,
andere von der Inquisition gefänglich eingezogen wurde. Es kaoa
nicht bewiesen werden, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass
Lebzeiten des Arbute einige wenige Personen hingerichtet word«
Von da bis zu 2000 Schlachtopfem, und Entvölkerung von Qu
ist ein weiter Weg.
Dass Arbuös einer Hinrichtung persönlich angewohnt^ oder sie
mit Plünderung der Güter der Schlachtopfer beschäftigt habe (i
Kavihcich gemeint zu haben scheint), zu einer solchen Meinung
Behauptung ist nirgends ein Grund zu finden.
§. 14.
Man hat einen andern Weg eingeschlagen, um den Beweis
fulu'en, dass Petrus Arbufes mit grosser Grausamkeit gegen die „Judaistenj
') Avait dej& immolö des miUiera de victimes.
*) Roma, 1867.
') München, Ackermann, 1870 (Der anonyme Verfasser nennt aioh spüef
Ferd. Zimgihl). S. 25—42.
') AUgem. Zeit«, v. 6. Mai 1867.
ZeugniBse Über den lieiligen t^etins Arbn^ 31
TOiigegaDgen sei. Man hat sich auf einzelne Ausdrücke der Geschieht-
Schreiber Aragonien's, Hteron. Zurita, Hiertm. Biancas^ Vinzem Blasco
de Laamza — aber Arbnte bemfen, und darin einen Tadel seines
Vorgehens gefunden. — Diese Schriftsteller lebten mehr als 100 Jahre i>»»vo'-
nach Arbuös, sie waren die groseten Lobredner der Inquisition!, und d« he»
des Arbute insbesonders. Vinc* Blasco de Lanuza hat zudem sein ^b«^*
Leben in Versen beschrieben oder besungen ^). Also müssen ihre Aus-
drücke über ihn anders verstanden werden. Hier, de Bianca sagt von
diesem und seinem Mitinquisitor Juglar : ,,Es waren zwei ausgezeichnete
nnd Tortreffliche Manner.^^ Von Arbute sagt er noch besonders: 9,Er
war ein gerechter, ja der beste Mann, begabt mit der seltensten (sin-
golari) Güte und Bescheidenheit, besonders gebildet in der heiligen
Wissenschaft und in der Lehre*). Petrus habe, nach Einfuhrung der
Inquisition, ,,mit grossem Eifer sich gegen die Juden, i. e. Judaisten,
gewendet/' Darum traf ihn auch der bitterste Hass der Juden. „Sie
selbst, vom bösen Gewissen ihrer Uebelthaten getrieben, erwarteten
mit grosser Angst, wohin das neue gegen sie eröffnete Gericht fuhren
würde"*).
Er sagt femer von ihm, dass er täglich Gericht hielt, und zwar
mit Fleiss, EHugheit und Aufmerksamkeit. In diesem Zeugnisse liegt
sicher nichts Tadelnswerthes. Zwei lateinische Ausdrücke*), die man
missTcrstehen könnte, haben den Sinn: Arbute war ein sehr eifriger
Verwalter seines Amtes.
Diese beiden Ausdrücke bedeuten nach dem Zusammenhange, in
welchem sie Yorkommen, bald ein grosses Lob, bald einen grossen
Tadel. Man sehe ein Lexicon latinitatis, etwa das von Oemer, nach,
und man findet bei Cicero Stellen genug, wo „vehementer" gar keinen
Tadel in sich schliesst; z. B. admirari vehementer — Cicero, Academ.
4, 63. — Grat. Philippic 8, 16, cp. 5: Vehementer me agere fateor,
iracunde, nego. AJso wird hier Heftigkeit von Erzürntheit unterschieden,
,^ransam" — bedeutet das Wort nie. — Marinaeue Siculu», des Ar-
bute Zeitgenosse, nennt den heiligen Vinzenz Ferrer einen: orator
vehemens — (et eloquentia maxima polieret), nicht einen hizigen, son-
dern einen gewaltigen Redner (ap. Schott, Hisp. iU., t I, p. 482).
■) Saragossa, 1623.
*) Aragonensiam remm Coxmnentarii — Sang. 1588. Dann in t. III der
flispania illnstrata, cd. Schott : Faenmt egregii du6 et praestantes viri. — Petras —
vir qoidem Justus et optirnns, singalari bonitate et modestia praeditas, iDprimisqne
neria literis ezcnltiis et doctrina.
*) Hiercn, Biancas^ AragoneDsiam rerom Commentarii ab anno 704 ad annam
1588. 'Zaragoza 1588, abgedrackt apud Ändr. Schott, Hispaniae illustratae, 4 vol
— Frankfurt, 1603—1606, t III, p. 706.
*) acerrimns and vehementer invehi.
Die
■einem
Lobe.
32 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.
Bei dem Worte: acer (acerrimus) aber steht bei J. MaUk. (ktnet^
(Novae linquae latinae Thesauras, — 1749) die ganz richtige Erklarong:
pro forti ac yehementi magnoqoe grada cujasqae qualitatis aocipitor
(z. B. acerrimus defensor veritatis).
Wenn der Historiker Lanuza (Vimenz Lasco de L.) gesagt hat:
,,Die8er Knecht Gottes (Arbu^) verfolgte die Häretiker und im Glaubto
Verdächtigen mit grossem Eifer, und es gelang ihm, diese Stadt oni
das Reich von allem ünkraute und allem üblen Wesen, das sich darU
befand, zu reinigen^^ — so ist darin gewiss kein Tadel ansgesprodteii
Die Erfolge aber, welche Arbute in so kurzer Zeit erreicht habet
sollte, sind offenbar übertrieben^).
So ergibt sich denn, dass kehier der spanischen Schriftsteller adk
tadelnd oder anklagend gegen die Art und Weise des Vorgehens dei
zeu en ^^^^S^^ Pctrus ausspricht, weder Paramo, noch Mariana, oder Zwtikl^
einig in Viuc. Blosco de Lanuza oder Hieron. de Biancas^ vielmehr sind fli
einig in seinem Lobe, selbst Uorente weiss nichts Stichhaltiges gegei
ihn vorzubringen. Die Urheber seines Mordes wollten sich auch nicH
an ihm wegen des Vergangenen rächen, sondern sie wollten die Bei
amten der Inquisition einschüchtern, und dieselben von weited
Massregeln abschrecken.
Die „neuen Christen" hatten es dahingebracht, dass die SüsA
des Reichs den Petrus Miguel, den Prior des Klosters der Augostiiid
zu Saragossa, und den Petrus a Luna, Doctor des Civilrechts, ao dl
König, der zu Cordova weilte, sandten, um ihn zu der Zurucknalai
der Privilegien der Inquisition zu vermögen. Sie beschwerten sich W
sonders darüber, dass das Vermögen der Verurtheilten eingezoge^
und den Angeklagten die Zeugen gegen sie nicht mitgetheUt wetdfl
sollten, als entgegen den Gesezen von Aragonien. Sie hofften besonddj
die Massregel der Einziehung der Güter rückgängig zu machen. Kebd
den zwei officiellen Deputirten hatten sich viele „neue Christen^' nachCoi
dova begeben; sie versuchten es auf alle Weise, besonders indem sie dd
König und der Königin grosse Tonnen Geldes anboten, ihren Zwed
zu erreichen. Es gelang nicht Sie hielten inzwischen verschiede^
geheime Versammlungen, an denen auch einige Ritter Theil nahmd
Hier beschlossen sie den Mord der Inquisitoren, wenn es nicht gt
länge, das Joch der Inquisition auf einem andern Wege abzuschütteii
^^^ Sie beschlossen also, den Petrus Arbues, den Martinas de Ü
nttenen r> . . . J
Ohri«. Raga, Assessor bei der Inquisition, und den Petrus Frances, Depatina
*J2|J^'de8 Königreichs, durch Meuchelmord aus dem Wege zu räumen. ^
•es tei- suchten nach Werkzeugen zur VoUbringnng des Mordes. ^
Ben
MorO.
') Aohnliob spricht sich Zurita aber die Thatigkeit des Arbate ans» Aoild
de Ara^n, t. IV, p. 341, 342. '
J
yenchwOrong gegen P. Arbnös 33
«steoerten sich selbst, nnd brachten eine bedeutende Summe Geldes zu-
ammeo, nm die Mörder ,,abzulohnen^S Sie hofften, dass nach Voll-
ringoDg des Mordes Niemand mehr ein Amt bei der Inquisition
bernehmeo, und der Konig selbst aus Furcht vor einem Aufstande in
ingonieu die Inquisition Sollen lassen wiirde.
Die Verschworenen legten auf alle Aragonier von judischer Ab-
Bnft eine Steuer. Es ist erwiesen ^) , dass Don Blasco von Alagon,
lerr von Sastago, 10.000 Realen in Empfang genommen, das Ergeb-
SB dieser Besteuerung, bestimmt, die Morder des Magisters Epila
1 besolden'}.
Nicht bloss die „neuen Christen^' in Saragossa trugen zu dieser
Bune bei. In einem Urtheilsspruche gegen einen Juan Perez aus
datayud vom 13. November 1489, gebürtig aus Ariza, wird gesagt,
18 derselbe mit den „neuen Christen^^ der Stadt Calatayud zu den
Kten des Meuchelmordes beigesteuert habe. In dem Processe des
in Pedro Sanchez, der am 30. Juni 1486 „im Bilde^^ verbrannt
vde, ist bewiesen, dass er Urheber der Verschwörung gegen Arbues
vesen, und dass er 500 Gulden in Händen hatte, um die Meuchel-
nder zu bezahlen.
Der schoD erwähnte Juan de Abadia, von mütterlicher Seite her
i jüdischem Geschlechte, übernahm den Auftrag, die Ausführung des i>i« s«-
vdes zu leiten. Die eigentliche Vollbringung des Verbrechens wurde ^J^^
B erwähnten Juan de Sperandeo, seinem Hausgenossen Vidal de><^'*i^>^-
uuo, aus der Gascogne, auch der „Franzose^' genannt, dem Matthäus
m, Tristan de I/eonis, Anton. Gfan, und Bernard. Leofante über-
gen^. Nach Gius. Cozza wurden Juan de Labadia für seinen
i^U 100 Gulden versprochen. Er war ein Mann, der in der Schule
I Verbrechens gross geworden. Derselbe erscheint überall als Vor-
nn der gedungenen Mörder, obgleich er selbst den Mord nicht
Dbrachte.
Die Morder suchten lange vergebens nach einer Gelegenheit,
reo Plan auszuführen. Sie wollten eines Tages sich auf den Assessor
>rtin de la Raga stürzen, und ihn in den Fluss Ebro werfen. Sie
o^ten aber von ihrem Plane ablassen, weil er eben mit dem Gober-
dor Lope Ximencs de Urrea, und mit Philipp de Castro zusammen-
Jfroffen war.
') Nach den Prozessen gegen Sancho de Patemoy, Juan de Abadia, d. a.,
« zn Sangosaa venutheilt worden.
') Uorenie. 11 est * en effet prouvö, que D. Blasco d' AJagon, seignour de
'B^, avait re^n dix mille reatix, proTenans de eette contribation, dcstinöe a
^Ittier les asauBins du Xaitre EpUa. — Bd. I, p. 190.
0 Diese Namen stehen gleichmäsaig bei Paramo, p. 182; lAorente, I, p. 190>
5^1; Gm, Cozza. p. 88 u. a.
^^ »pt«. KiRte. UI. ». 3
34 Dreizehntes Bnch. Erstes Kapitel.
Ihre Vergebens wurde Arbnds wiederholt gewarnt und gebeten, das
schiede- ^r fur die Erhaltung seines liebens Sorge tragen möge. Er überli«a
nenvor- alles der Leitung Gottes, und unterliess nichts von allem was er bisl
gethan. Die Morder waren öfters in die Elirche S. Eograda
S. Maria del Portillo gekommen, um ihren Plan auszuführen,
schlichen sich in einer Nacht in das Haus, in welchem Petras vohoti
Es war die Wohnung der Canoniker, welche an die Cathedrale a
stiess. Durch das Geräusch, das sie verursachten, indem sie bei di
Fenstern einsteigen wollten, wurden sie von dem Dienstpersooi
entdeckt , und mussten sich entfernen. — Um in die Cathedrale :
gelangen, durfte Petrus nicht in das Freie heraustreten*
Die Morder sahen sich also veranlasst, oder gezwungen, ib
Plan in der Kirche selbst auszufuhren. Sie schlichen sich wähn
der Nacht ein, zu der Stunde, in welcher Petrus zur Absingnngl
Psalmen der Matutin in die Cathedrale zu kommen pflegte. Io(
ersten Nacht entdeckten sie ihn nicht. In der kommenden N4
stellten sie sich bei den Pforten der Kirche auf. Sie wussten, A
Petrus , bevor er in den Chor trat , an einer einsamen Stelle in i
Kirche bete. Die einen traten durch das grossere Thor in die KM
ein, die andern durch eine Seitentbüre, genannt „Prevostia^S nod n
steckten sich hinter den Säulen und Mauern. Es war in der MitI
ueber- nacht vom 14. auf den 15. September 1485. Petrus trat mit et
Ermord. Laterne in die Kirche ein. Er näherte sich einem Altare, und U
nng dos an der untersten Stufe auf der Epistelseite nieder, um in der StiDe*
iigen. beten. Während der Chorgesang schon begonnen hatte, stürzten A
die Mörder auf ihr ausersehenes Opfer. Der Gascogner Vidal bnc|
dem Heiligen eine todtliche Wunde am Halse bei, Sperandeo
durchbohrte seinen Arm und seine Seite. Voll Ergebung nnd
muth sprach der Heilige: „Gepriesen sei Jesus, denn ich sterbe
den heiligen Glauben"^ und so sprechend fiel er zu Boden. S
holte zu einem dritten Stosse gegen das Haupt des Heiligen aas.
er aber den Vidal fliehen und den Heiligen in seinem Blute li
sah, hielt er ihn für todt, und ergriff die Flucht Im Chore
sie eben den Vers: Quadraginta annis proximus fui generationi
— 40 Jahre lang war ich ganz nahe diesem Volk (der Juden).
So lange Petrus noch lebte, hörte man aus seinem Munde m
anderes, als Worte zum Lobe Jesu Christi und der seligsten JongW
Er wurde in seine Wohnung gebracht, und konnte noch bei voDa
au* Ho*. B^wusstsein die heiligen Sacramente empfangen. In diesem ZosUb(
iigor. lebte er noch zwei Tage, stets betend und. gottergeben. Wiederha
sprach er , dass er allen seinen Feinden von Herzen vei^ben bt!j
Als der Arzt ihm die Nähe seines Todes ankündigte, spmcb a
Laetatus sum super his, quae dicta sunt mihi; in domam domis
Das Volk gegen die Mörder. Die Vorgänge nach dem Morde. 35
lijinas; ich frene mich über das, was mir gesagt worden; wir werden
D das Hans des Herrn eingehen. Er sprach noch aus die heiligen
üimeo JesDS and Maria — und sanft athmete er aus im Kusse des
leim Er starb am 17. September des Jahres 1485, in einem Alter
OQ etwa 43 Jahren *).
Als ein Heiliger hatte er gelebt, er starb wie ein Heiliger.
§. 15.
Auf die schreckliche Kunde von der tödtlichen Verwundung des ^^*
eiligen in der Gathedrale erhob sich das Volk von Saragossa, um ge^o äu
me Morder aufzusuchen. Alfons von Aragon, Erzbischof ^ 2U- ^^'<^^*
•ich Vicekouig des Reiches, trat dem Volke entgegen. Er erfreute
h der allgemeinen Hochachtung, besonders wegen seiner seltenen
icbstenliebe. Er versuchte alle Mittel, um den drohenden Ausbruch
a Anfstandes zu verhindern« Er versammelte um sich die Minister
I Königreichs, einerseits um die Schuldigen zur Strafe zu ziehen,
Jerseits um die Bewegung des Volkes niederzuhalten^). Er stieg
Pferde, und ritt, begleitet von seinem Hofe, durch die Strassen der
idt, und redete die Volksmassen mit sanften Worten an. Es gelang
0, der Bewegung Herr zu werden.
Der Leib des Märtyrers Petrus wurde mit grosster Feierlichkeit
igesetzt. Die Verschwomen aber hatten den weitem Plan, den
•oonikos Martin. Garcia, den innigsten Freund des P. Arbu&s, zu
norden, welcher Plan durch energische Maassregeln des Domcapitels ^^
reitek wurde*). Sowohl der Erzbischof als das Gapitel erstatteten ^^^
er diese Ereignisse Bericht an Papst Innocenz VIU. Der Archi- ^o^^«
tkon Petrus Olivar aber wurde zur Berichterstattung an diö „Konige^^ '^
gesandt
Zehn Tage nach dem Tode des Heiligen richteten die Deputirten ^^^ ^^•
i Königreichs ein Schreiben an König Ferdinand, das uns seinem ^\on°
'ortlante nach erhalten ist^). Die Stände sagen, dass einige diabolische Aragon
id ungläubige Menschen zwei Dolchstosse^) gegen P. Arbues aus- KOnig.
sfuhrt, den einen am Halse, den andern am Arme, während derselbe
i der Gathedrale gebetet habe, an deren Folgen er gestorben sei. Die
Hocken seien geläutet worden, grosse Volksschaaren haben die Waffen
0 Gfütt. Cozza, 1. c p. 93—106.
*) Zusrüa, Anales de Aragon, L XX, cap. 49; 65.
*) Lannaa, Tincent., de vita, morte et miracnliB Petri Arbuesii, Saragoss.
®3, Üb. V, cap. 16.
*} BeiiToa^fi Tomeo y Benedicto, Zaragoza, snhifitoria, desoripcion, glorias
tndicioiies, Tom. I, Zarag. 1859, p. 446, 447.
*) CaehiUadas.
8*
36 Dreizehntes Buch. Erstes KftpiteL
ergriffen, um sich auf die Juden und Mauren zu stürzen % Der Erz
bischof besonders habe diess verhindert, unterstüzt von den Edlei
Lopez Ximenez, Phelip. de Gastro, und Blasco de Alagon*), zagleid
mit vielen andern. Die Stadt habe sich beruhigt Alles erwarte di
strengste und genaueste Untersuchung gegen die Anstifter und Urheb(
der Missethat, wofür die Maassregeln ergriffen seien. Die Stadt bie
500 Gulden denen, welche sie entdecken würden^). Die Richter habe
zur Entdeckung der Verbrecher in das Ausland geschrieben. „Es i
Absicht und Wille Aller, sie mit aller Schärfe (auf das grausamst)
zu verfolgen und zu strafen, wenn es überhaupt gegen solche Mis«
thäter noch eine Grausamkeit gäbe^). Das Reich und die Stadt wol
alle daraus erwachsenden Ausgaben und Mühen gerne tragen. Dia
Anzeige erfolge so spät, weil die Stände geglaubt, dasa der Erzbiscb
und die Stadt ihnen hierin vorangehen werden. „Möge es der gü(
liehen Majestät gefallen, diess Verbrechen an das Licht zu ziehen, mq
zur Warnung und Strafe für andere an den Schuldigen eme soId
Execution vollbracht werden, dass sie dem Könige zu einiger Gen^
thuung gereiche.^' Demüthig bitten sie den Konig, seine Augen guid
auf dieses Königreich zurichten, das, erschüttert genug, auf dem Wq
des Unterganges sei, wenn der Konig nicht Rettung -schaffe, —i
schreiben von Zaragoza am 26. September 1485 — die Depntirten i
Königreichs Aragonien. — Ihre Sprache zeigt, dass sie den Zorn i
Königs fürchteten.
Die Untersuchung nahm, wie natürlich, lange Zeit in Ansprod
Die Inquisition selbst aber hatte durch diese Ereignisse die fest
Wurzeln in dem Königreiche Aragonien gefasst Jezt war kerne
mehr von ihrer Abschaffung oder Milderung des Verfahrens.
überschwänglichen Lobsprüche, in denen sich u. a. Hieran. Zurita
andere über sie ergehen, sind, falls sie ganz objectiv und aufiri
schreiben, eine beredte Apologie derselben. Zu leugnen aber ist ni
dass die alten Cortes und Freiheiten des Reichs mehr und mehr
die Defensive gedrängt wurden.
^^^^' Nur noch zwei Documente über die nächste Zeit nach dem Moid
. Jahre haben sich (nach Joaq. Tomeo) erhalten. Ein öffentliches Ausschreibe
i486, ein Bando erging im Juli i486. Darin wurde erklärt, dass als£eza
*} Se armaron infinitas gentes — toda aqnella genta, que staba irauMli, -
fablaba de matar e robar d'has gentea, 6 A mescla la jodeiia ^ moreria.
*) Sollte diess derselbe Blasco sein, der das Depositum der 10.000 Reil^
hütete? Dieser hatte allerdings allen Gnmd, seine Freunde vor der YolMJBSii|
KU schUzen.
*) OfiVecimientos de ein dentos fiorines & quien lo desenbriese.
*} Intencion y volontat de todos, perseguir e castigarlo emdeliaimeiMot li
res cruel ae pnede pensar contra tales delinqnientes.
Die YorgftDgc im Jahre 1 186. VereliruQg des P. Arba6s. 37
i(ifillige Jaden (jodaizantes) und Mitschuldige an dem Morde des
'. Arbaes verortheilt worden seien: Juan de Pero Sancbez, micer Juan
e Santangel; mosen Pero Manyos, micer Pedro Moffort, Pedro de
era y Garcia de Moros, beide Notarien, und sehr viele Personen von
srschiedenen Geschlechtern und Standen, welche sich in den Schuz
uger (neoen?) Christen, ihrer Mitschuldigen und Genossen, begeben
itten. Ausser der gewöhnlichen Amnestie wurden denjenigen, welche
i aosliefero wurden , die Güter der Ergriffenen versprochen ^). —
«e worden also im Jahre i486 zunächst in contumaciam verurtheilt.
) sie ausgeliefert oder entdeckt wurden, wird nicht gesagt^.
Bei Joaq. Tameo finden wir noch ein anderes Aktenstück. Es
ein Auszug aus dem Buche der Contos (Cuentas) der Cathedrale
I dem Jahre 1486. Der unbekannte Buchführer schreibt: „Item
ide mir am 13. Juli aufgetragen, einen Anschlag für das kleine
Jz der Schaffotte zu machen, als man den Vidal, den Franzosen,
t den Sperandeo , Mörder des Maestre Epila — aburtheilte. In
eord übernahmen es Cabanyas und ein anderer Geselle; ich gab
en 1 Sueldo (Sou), 6 Heller'). Darnach wurden die beiden Mörder
U mit einander hingerichtet.
§. 16.
Bald nach seinem Tode errichtete man dem P. Arbu6s ein pracht- ^®°^-
Monument, in welchem sein Leib am 8. December 1487 bei- p. Ar-
«zt wurde. Die Inschrift ^urde eingegraben : „Wer ist es, der in *»°^" *™
Sem Grabe ruht? Ein anderer felsenfester Mann ist es, dessen Tugend
} Joden von hinnen treibt. Denn der Priester Petrus ist der sehr
te Fels, anf welchem Gott sein Werk gegründet hat. Gluckliches
"^ossa! freue dich, an dieser Stätte den beigesezt zu sehen, welcher
der Ruhm der Märtyrer. Fliehet rückwärts von hier, fliehet schnelle.
Joden. Denn der kostbare Stein, der Hyacinth, vertreibt die Pest*).
'} Hachinmas persouas de diatintos sexos y clases, qua ae ampararon de
!V>oi (oaevoa?) cristianos, cömplices y companeroa auyos. Admäs de las indul-
Kus de costombre, promätese en esto bando al qne los entregue los bienea
') Ebenso könnte die Schwester des J. Labadia zwar zum Tode verurtheilt,
^ dodi nicht hingerichtet worden sein.
") libfo de cuentas de 1486. — Item a 13 de Julio me fuä mandado ficiese
^ U fosta de loa cadaholsos de cuando sentenciaron a Vidan, francös, y a
^*^deo, homidda (as?) de maestre Epila: puyironla Cabanyas y un otro peon;
^ 1 roeldo, 6 dineroa. — Archiv de la Cathedral. L c. p. 448.
OQniajaeet hoc tnmulo? Alter fortissimus lapis, qui arcetvirtute cunctos a
Joüaeos. Estenim Petrus sacer firmissima pctra supra quam Deue edlficavit opus:
38 Dreizehntes Bu:-b. Erstes Kapitel.
Ferdinand und Isabella Hessen dem Arbaes eine Statue tod Steia
errichten, mit der Inschrift: „Der ehrwürdige Magister Petms toi
Epila, Canonikus an dieser Cathedrale, wurde, während er nach setoa
Pflicht standhaft gegen die Häretiker inquirirte, hier, wo er begrat
ist, von denselben durchbohrt — am 15. September 1485*). Auf
fehl Ferdinand's und Isabella's, der Regenten „in beiden Spanien^^
Ein Basrelief unten an der Statue stellte einen Theil des Ereignu
dar. — In der Kapelle, welche den Namen des Heiligen erhielt,
au der Seite seines Grabes eine andere Inschrift: „Dieselbe KöDi(
Elisabeth von Spanien hat, zum beständigen Beweise ihrer froi
Verehrung, dem Confessor (vielmehr aber dem Märtyrer) auf
Kosten diess Denkmal errichten lassen^^').
In dem Processe der Seligsprechung des Petrus wird ein dop|
Wunder hervorgehoben, welches sich bald nach dem Tode dessc
wander ereignete. Darnach trat am 17. und 29. September 1485, genau
*° "** der Stelle, an welcher Petrus ermordet worden • das inzwischen
Grube, schwundcne Blut wieder hervor. Es war während der Vesper, aUj
Psalm gesungen wurde: Dens laudem meam ne tacueris. Der N^
Petrus Lalueza — nahm desswegen ein doppeltes Protokoll auf.
Protokoll ist unterschrieben von sieben und drei Zeugen. In dem
richte iür die Seligsprechung des Petrus lesen wir: Saragossa:
gelegenheit des Dieners Gottes Petrus de Arbu^, genannt Mi
Epila. „Auf den Bericht Seiner Eminenz des Herrn Cardinais Sac(
in der Angelegenheit der Seligsprechung des Dieners Gottes, Fe
de Arbues, hat die in Gegenwart seiner Heiligkeit Alexander
stattgcfundene Versammlung der Congregation der Riten erklart,
Wunder des Wiederhervorfliessens und der Vermehrung des Bi
sei bewiesen, welches ein und ein zweitesmal am zweiten und z(
Tage nach der Verwundung des Dieners Gottes aus dem Boden
Kirche hervorgetreten war. Am 17. Januar 1663').
Caesar augusta, gaude beata qnae MarUmm decos ibi sepoltum habes. Fngitel
retro, fogite cito Judaei. Nam fogat pretiosus pestem hyadnthaa lapis.
*} Der Wortlaut der verschiedenen Inschriften ist bei lÄarenU (I, S. Ido) n
bei Gius. Cozza (p. 120—140) keineswegs gleichlaatend, wenn auch im Gaioeo d
Sinn derselbe ist
*) UorerUe I, p. 193, 194. Nach Uarente bezieht sich .die VereiirnH' >
Arbnös, Dach Cozza (p. 140) auf Christas.
*) Sacra ritonm CoDgregatio habita coram Sanctissimo censmt eoitf<v*^
miracalo efferveseentiae et mnltiplicationiB sangoiniSy qni semel atqne itemm Beeo^
et duodecima (die?) post inflicta in Dei servom vnlnera e lateritio Eedeoic tä
eniperat. Die 17 Jannarii 1663. — S. das doppelte Notariata-ProtokoU - » A^'
Sanctor. 1. c., p. 735—787. — O. Cozza, p. 129—132; es steht aw* bei Barw
ADnales ad annom 1485 — nr. XI, welcher dass. ans Hieron, Bkmea Coaupen^
^ entnommen hat Dagegen sagt Mariana: XXIV, 8 •- qno tempore Arrere mp
Process der Seltgsprccbung. Die Vercbrang des Heiligen. 39
§. 17.
Es ist unbestreitbar, dass Petrus seit seinem Tode als Märtyrer
kI Heiliger verehrt wurde, wie der Process der Heiligsprechung
ichweist Weil viele Leidende und Kranke an seinem Grabe Heilung
fanden zu haben glaubten, strömte immer mehr Volk bei demselben
ssmmeo. Zahlreiche Votivtafeln wurden in dankbarer Erinnerung an
i dorch seine Färbitte erlangten göttlichen Wohlthaten an seinem
ibe angebracht. Nachdem die Cathedrale wegen des in ihr voll-
ichten Mordes ein Jahr lang unter dem Interdikte gestanden war,
ifde am 29. September des Jahres 1486 das Gedächtniss des Hei-
en mit grossem Glänze gefeiert An diesem Tage ruhten die Ge-
ttfte, wie am Feste eines Heiligen ').
Im Jahre 1490 verheerte eine furchtbare Pest das Land, welche
ii viele Bewohner Saragossa's hinwegraffte. Die Stadt nahm nun
e Zoflocht zu der Fürbitte ihres Martyrer's bei Gott; die Pest horte
d aaf, während sie noch in den angrenzenden Landstrichen wüthete.
s Manicipalbeamten der Stadt, Petrus Torelas, Lorenzo Molon und
bert von Oriola, beriefen eine Versammlung*) Sie beschlossen,
1 Märtyrer als ihren besondern Patron anzurufen. Eine silberne
Bpe, im Gewicht von 50 Unzen, sollte an dem Grabe des Heiligen ^"
chten. Der Quaestor der Stadt sollte dafür sorgen, dass auf deren Licht
an
«ten das Licht dieser Lampe am Tage wie in der Nacht nie er- *^^^^^
che. So wurde es gehalten, und so ausgesprochen, dass die Stadt
I aU Heiligen verehre*).
Im Jahre 1548 hiengen an dem Grabe des Heiligen schon sechs
berne Lampen, und zahlreiche Weibgeschenke. Sein Fest wurde
I 15. (später am 17.) September so feierlich, wie das der Märtyrer
ilerios und Vincentius begangen. Im Jahre 1535 (nach andern 1539)
{te Kaiser Karl V. dem Papste Paul 111. die Bitte vor, der Process
T Heiligsprechung mochte eingeleitet werden. Philipp IIL und
iulipp IV. wiederholten in den Jahren 1614 und 1G22 dieselbe Bitte.
«ttest, msi oculorum ludibria faerunt, and Joaq. Tomeo sagt im Jahre 1^59:
t «te prodigio tan decantado ni el menor rastro ni luz ha hallado el autor apesar
( NB etcmpiiloMS investigaciones (was freilich nichts dagegen beweist). — I. c.
► P 416.
*) Der Geriehtehof des Königreichs hatte an diesem Tage seine Siaungen ein-
ttteOt C<ma, p. 138 ans den «Processi'* der Heiligsprechung, fol. 1011.
*) S. Processi, fol, 72.
*) Manatuif XXV, 8. — Decreto Senatus aliqaanto post addita lampas sepulcro:
M usi ooiiBecnitis hominibns, coeloque dicatis non datur. — Acta Sanctor.,
' '»^. - Com«, p. 1 16.
40 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Es wurden nun sehr lange Untersuchungen und Verbandloogen
8eii^- gefuhrt, deren Ergebniss die Seligsprechung des Petrus im Jahre 1664
ung, war. Unter den zahlreichen Wandern, welche auf die Fürbitte des
1664. Heiligen geschahen, wurden gemäss der hierin bestehenden Gewohnheit
12 besonders geprüft. Die Congregation erklärte, dass das der Zahl
nach dritte und sechste Wunder besonders beglaubigt seien, ^ach
dem dritten wurde Maria de Ciria auf die Anrufung des Heiligen
plözlich von einer bleibenden Verrenkung des Gesichtes geheilt. Nmh
dem sechsten wurde Elisabeth von Andreas plözlich von dem Krel)sc
im Munde geheilt^). Wegen dieser und anderer Wunder, im Hinblick
auf das lieben , die Tugenden und den Martyrtod des Petras (auch
des Wunders der Aufwallung und Vermehrung seines Blutes), erklärte
die Congregation am 23. September 1663, man könne ohne Bedenken
zu der feierlichen Heiligsprechung des Petrus Arbu^s als eines Mär-
tyrers vorschreiten , da die Zeichen und Wunder erwiesen seien ^).
Dazu kam, dass Petrus seit seinem Tode als Märtyrer beständig ver-
ehrt wurde'). Am 17. April 1664 erliess Papst Alexander VII. das
Brcvc der Seligsprechung des Petrus Arbute*). Er erklärt, dass er
den Bitten des Königs, der Inquisitoren, des Domkapitels nnd der
Geistlichkeit von Saragossa, der Juraten und des ganzen Volks mit
diesem Decrete nachgebe. Nach dem Rathe und dem einstimmigeD
Gutachten der Cardinäle der Congregation der Riten erlaubt er, dass
der Diener Gottes, Petrus Arbute, in Zukunft mit dem Ehrennamen
eines Seligen (Beati) bezeichnet, dass sein Leib und seine Reliquien
zur Verehrung der Gläubigen ausgestellt (nicht aber in Processionen
getragen) werden dürfen. Am 17. September därfe jährlich sein Fest
mit dem OfBcium und der Messe eines Märtyrers begangen werden^)^
in der Cathedrale von Saragossa, in den Kirchen, die speciell der In-
quisition in Spanien unterstehen, in der Pfarrkirche zu Epila, in der
Kirche der Aragonier von Monserrat zu Rom. Am 20. April 1661
wurde das Fest der Seligsprechung in der Vaticanischen Basilica mit
grosser Pracht begangen.
Von da an ruhete die Angelegenheit zwei Jahrhunderte, vom Jabre
1664 bis zum Jahre 1864. Der Erzbischof Garcia Gil von Saragos$ai
Dominikaner, (Cardinal seit 12. März 1877), richtete mit seinem Capitel
*) Instantanea sanatio Mariae de Ciria ab ore torvo. (Elisabethae) ab oleere
cancri in ore.
*) attento, qnod agitor de Martyre cnm prodigüs et miracalis approbttis.
') D. h. der caltos immemorialis (oder die beständige Verehrang); oooit>i<
dicto Servo Dei cnltom exhibitum fuisse et ad praesens ezbiberi. — Decrete toib
23. Hart. 1662, 12. Dec. 1661, 17. Janoar 1663, 15. Sept. 1663, 19. Mart. 1664.
*) Es steht u. a. in Acta Öanctonun, p. 749 n. 760. — G. Cotza, p. 308-213.
*) Sub rita duplici, et Missa celebretar de Martyre non Pontifioe.
i
Seine Heiligsprechnng im Jahre 1867. Schriften fiM^r den lil. Petrus Arbn^. 4 t
im Jihre 1864 erneaerte Bitten am die Heiligsprechang (Canonisalio) ^<^^^^9'
des Seligen an Papst Pias IX. Am 23. Februar 1865 erging wieder „Dg.
ein Decret der Congregation der Riten, nachdem der heilige Vater
feierlich erklärt hatte: Man könne sicher za der Heiligsprechung des
Seligen Petras Arbofes Torschreiten '). — In dem Consistoriam vom
14. Mai 1866 Hess der Papst durch den Cardinal Const. Patrizi den
Cardinälen über den Fortgang des Processes der Heiligsprechung Be-
richt erstatten. Alle Cardinäle worden gefragt, welches ihre Ueber-
zeugaDg von der Heiligkeit des (Erzbischofs Josaphat Kuncewicz von
Poloc8k und des) Regularcanonikers Petrus de Arbute sei. Jeder
erkßrte, es sei seine Meinung und sein Wunsch, dass zu deren feier-
lichen Heiligsprechung geschritten werde. Die Cardinäle erklärten
dich einstimmig.
Am 8. December 1866 richtete Papst Pius IX. durch den Car.
dioal Caterini an die katholischen Bischöfe eine Encyclica, er sei ent-
schlossen, am 29. Juni 1867 den Seligen Petrus in das Verzeichniss
der Heiligen , welche von der Kirche als solche verehrt werden , auf-
ZQoebmcn. — Diess geschah auch an demselben Tage, an welchem zu
Rom die achtzehnte Saecularfeier des Martyrtodes der heiligen Apostel
Fetras und Paolos begangen wurde.
§. 18.
lieber das Leben des heiligen Petrus Arbote hat, soweit ans
bekannt, kein Zeitgenosse geschrieben* Erst im Jahre 1623 erschien
von Vineem Blaseo de Lanuza das Werk: Peristephanon, seu de Coronis 8«hrif-
Sanctoram Aragonensium, vita, morte, miraculis Petri Arboesii Canonici ^^^^^
Caesaraogostani et primi Inquisitoris, — in fanf Büchern — Caesarang.^
1623. — Ob das Werk des Lanuza: „La vida del primer Inqoisidor
Pedro de Arbote^' — damit zosammenfiille , weiss schon Nicol. An-
tonio nicht*)
Zur Zeit der Seligsprechong des Petrus Arbute erschien das
Werk von Didaeus Oarda de Tratmiera: Epitome de la santa vida,
y relacion de la gloriosa moerte del Venerable Pedro de Arbois , In- ^^^'^^'
qoisidor apostolico del reyno de Aragon., — es erschien zu Monreale ihn,
in Sicilien , und in zweiter Auflage zu Madrid im Jahre 1664—4®. *^^'
Der Verfiisser war als erwählter Bischof von Zamora im Jahre 1661 le^oi
in Madrid gestorben*)« — Um dieselbe Zeit erschien in Rom in *^^'
italienischer Sprache: „ein Compendium, oder ein kurzes Leben des
Um.
0 Tato procedi posae ad aolemnem Petri de Arboto canonizationem.
*) BiUioteca Nneva, t U, p. 323.
*) Niad, Anlonio I, p. 285.
42 Dreizehnfes Buch. Erstes Kapitel.
Seligen/^ welches in lateinischer Sprache bei den BoUandisten abge-
druckt ist.
Der Mercedarier Mich. Salaverte Hess im Jahre 1690 ein änderet»
Leben des Heiligen erscheinen, welchem er die einige Jahre früher
von ihm in der Cathedrale za Saragossa gehaltene Liobrede auf den-
selben anschloss'}.
Im Jahre 1729 erschien zn Valencia von Franc Fern, de Mar-
ManiUo: Vida del gloriose martir San Pedro de Arboes — kl. 4^ —
Gedichte. — Im Jahre 1755 erschien das Leben des Heiligen im
fünften Bande der Acta Sanctorum, — des Monats September; der
,,Commentarius praevias von Sticker (al, Suysken.) p. 728 — 752; die
Vita brevis aus dem Italienischen, p. 762 — 754.
Aus Anlass der Feier der Heiligsprechung erschien die Fest-
schrift: Della vita, miracoli e culto del martire S« Pietro de Arbues
Canonico regolare — di Saragozza. Narrazione di 2>. GiuBeppt
Cozza, monaco Basiliano, Roma, 1867, pp. 263. —
Dem Verfasser stand für seine Arbeit ein spanisches Manuscript
über das Leben des Heiligen zu Gebote. Mehr als dieses diente ihm
160^1« ^^°® authentische Gopie der „apostolischen Processe*, welche über das
ihn, Leben des Heiligen in verschiedenen Perioden eingeleitet wurden.
!!?!' Von dem kurz vorher verstorbenen General- Abt der Begular-Canoniker
vom Lateran, Giov. Strözzi, erhielt er diese und zahlreiche andere
Schriften im Umfange von mehr als 2000 Seiten, welche in der Bibliothek
der Basilica des heiligen Petrus ad vincula als Manoscripte aofbe*
wahrt werden.
Ferner erschienen zur Zeit der Heiligsprechung zwei Artikel in
der „Civiltä cattolica« vom 3. und 17. August 1867, und eine Abhand-
lung in den Historisch, polit. Blattern (von Prov. OrM in Passaa):
»der Märtyrer Pedro Arbues de Epila% 1867, H, S. 854—873, gegen
einige den Petrus Arbues angreifende Artikel in der Augsb. Allg.
Ztg. V. 6. Mai, 2. u. 3. August 1867. — Als sodann ein den Petrus
Arbues beschimpfendes Bild des Malers W. Kaulhach ausgestellt wurde,
secundirte dem Bilde der „Schriftführer" Eberh. Zimgibl, — 1870,
dessen Piöce ebenso richtig eine Widerlegung, als eine Bestätigung des
Katdbach'schen Bildes genannt werden kann; denn von dem Greisen-
alter, dem Blutdiust, und den Güterconfiscationen durch Petrus Arbne»
weiss auch Zimgibl nichts zu erzählen. Gegen (diesen und) das Kaid-
ftac&'sche Bild erschien wieder eine Widerlegung von einem unge-
nannten: Die Märtyrer der protestantischen Intoleranz im Vcigleicbe
iflnA iZ^!""** B'bliotheca nueva de los Esoritoies Aragoneses, t. IV, p. 16-17
low, Fsmiiloaa s. v. SaUberte.
Statatcn vom 29. Novenibcr 1 l^i. 43
m der spanischen Inquisition. Historische Sittenbilder, Herrn Direktor
TOD KoMach gewidmet. 2. Aufl. Augsb. 1870; p. p. 28 ').
■Amm-
20
§. 19.
Der Grossinqnisitor hatte am 29. November 1484 eine General-
versammlung za Sevilla veranstaltet. Derselben wohnten verschiedene
Inquisitoren und Mitglieder des königlichen Rathes von Castilien an«
Unter den Anwesenden erscheinen neben Torquemada: Fr. Johann von
S. Martin, Inquisitor der Stadt Sevilla; Johann £uiz von Medina, Prior
aod Canonicus von Sevilla, dessen Oehilfe, Pero Martinez von Barrio,
Canooieus und Inquisitor von Cordova; Fr. Martin de Casso, Franzis-
kmer, Assessor der Inquisition zu Cordova ; Franc. Sanchez de la
FoeDte, Canonicus von Bnrgos, Inquisitor in der Stadt Ciudad Real;
Johann Garcia von Canas, Scholasticus von Calahorra, königlicher
Caplan; Fr. Johann, de Yarca, Prior von Toledo, Inquisitor in Jaen; ^«^
AlfoDs Carrillo, erwählter Bischof für Mazzara auf Sicilien; Sanchoiupg
Velasqucz von Cuellar, Doctor beider Rechte; Micer Poner von Va- s«'*"».
lencia, Doctor beider Rechte, königlicher Rath; Johann. Gutierrez be7i4&i.
TOQ Lachaves, Licentiat; Tristan von Medina, Baccalaurens^. Torque-
mada legte hier den Entwurf der Regeln und Statuten des heiligen
OiBcinms, in 28 Artikeln geordnet, vor, welche einstimmig Annahme
fanden'). — In einer zweiten Versammlung, welche er zu Sevilla im
folgenden Jahre hielt, legte er einige neue Statuten vor^). In der
ersten Versanunlung wurde festgesezt, dass die Inquisitoren ein feier-
liches Edikt erlassen, und männiglich kundmachen sollten, dass eine
Gnadenfrist von etwa 40 Tagen ertheilt wurde, in welcher Alle, die
fiich selbst der Häresie, des Abfalls vom Glauben, und vom Christen-
thnm abweichender Uebungen bewusst wären, vor den Inquisitoren sich
steUen, ihre Schuld bekennen, reumüthig ihre Irrthumer abschwören,
and dadurch von der Strenge der Strafen befreit sein sollten. — In einer
znValladolid im 'Jahre 1488 gehaltenen Versammlung von Inquisitoren
Verden 15 weitere theils erläuternde, theils erweiternde Artikel ange- sutnten
nommen. Eine lezte Instruction erliess Torquemada von Avila aus in ^,'^^0*
16 Artikeln, im Jahre 1498, in welchem Jahre er daselbst starb.
') Des belligen Martjrrers Petrus von Arbu^ Leben, Tod, Wunder und Ver-
elmiDg, Manchen, 1877, p. p. 1'20 (anonym).
^ Bmus^ Sammlung, S. 3—4.
*) B€UM8, S. 5--36.
*) SpandaeuSy anuales eccles., ad annum 1478, nr. 17 — Quödf et Echard,
^enpt. ord. Pracdicatorum, 1719, I, p. 893.
44 Dreizehntem Blieb. Erstes Kapitel.
§. 20.
Dieselben Beweggründe, welche in den Jahren 1478 — 1482 zu der
Einführung der neuen Inquisition geführt, hatten im Jahre 1492, bald
nach Eroberung von Granada, die Verbannnng sämmtlicher Juden aos
Spanien zur Folge. Wenn zu dieser Verbannung auch Th. Torquc-
mada und andere Priester gerathen haben sollten, so bleibt die Ver-
bannung selbst eine rein politische Maassregel. Der Staat, und nicht-
dJn ver- ^'® Kirchc — Verbannten sie. Die Inquisitoren und Andere überzeogtta
Lannt. sich, dass die geheimen Juden so lange in Spanien nicht aufhoreo
würden, als es überhaupt Juden daselbst geben würde. Die JodeaS
waren von ihrem Plane nicht abzubringen, sämmtliche Spanier zu ihreia
Glauben zu bekehren'). Man fand, dass der Reichthum des Landet
mehr und mehr noch in den Händen der Juden sich ansammle uoi
die Christen von ihnen überall zurückgedrängt und übervortheilt würden«
Die Aufregung und der Hass gegen die Juden steigerte sich zusehendäii
je mehr sich Nachrichten verbreiteten, dass die Juden Racheacte gege
die Christen begingen. Sie sollten Crucifize verstümmelt, und geweib
Hostien entweiht haben.^ Sie sollten auch christliche Kinder g«
kreuzigt haben. Am meisten Aufregung verursachte der zu la G
in der Mancha im Jahre 1490 durch Ejreuzigung an einem Kinde to
brachte Mord.
Die Tbatsache selbst ist über jeden Zweifel erhaben*) Das Kind
wurde seiner blinden Mutter gestohlen, welche an der Pforte der Catbe-
drale zu Toledo zu betteln pflegte. Am 31. März 1491 kamen 11 „Be-
kehrte^ aus verschiedenen Ortschaften der Mancha zusammen, um das
Kind zu kreuzigen. Sie errichteten ein sehr hohes Kreuz, an das sk
das Kind annagelten. Einer der Grausamsten riss dem noch lebendeu
Kinde das Herz heraus. Gleichzeitig wurde eine consecrirte Hostie
entweiht. — In Toledo selbst war schon im Jahre 1485 eine Ver-
schwörung der Juden entdeckt worden, welche am Frohnleichnamsfeste
der Stadt sich zu bemächtigen und die Christen niederzomezeln ge-
dachten*).
Um die drohende Gefahr von sich abzuwenden, boten die Jaden
dem Könige Ferdinand noch zur Zeit des Maurenkrieges 30.000 Dacateu
0 Jose dem. Camtcero, Impagnaeion de la obra de D. Jtum. AsU. I/orenie:
Anales de la luqaisicion de Espafia, Madr. 1816, t. I, p. 101.
*) Historia d«l ODartirio del Santo Nifio de la Onardia, aacada de loi pro-
cesos . . . por el Dootor Martin MaHinez Moreno^ 188 p. p. - (zvcite Aosj)
1866. — Vic. de la Fuente, 1S74, t. V, p. 32-33.
•) Camieero, t. I, p. 90.
Verbannnng der Juden. 45
an. Torquemada habe, heisst es, die Annahme verhindert^). Bald
darauf, am 31. März 1492, wurde das Edikt der Verbannung gegen alle
Jaden erlassen, welche nicht vor dem 3K Juli d. J. sich taufen Hessen^).
Sie sollten ihre Habe verkaufen und den Erlös in Waaren und Wechseln,
nicht aber in Metall mitnehmen dürfen ^). Pässe und Schiffe wollten
die „Könige^ liefern. Wie viele die Taufe, zu der sie dringend er-
mahnt wurden, dem Ezile vorzogen, erfahren wir nicht, glauben aber,
es werde eine verschwindend kleine Zahl gewesen sein^).
Die meisten Juden wanderten in das -nächste Land, nach Por-
tugal aus. ^
Es ist eine „wilde*^ Uebertreibung, wenn «/. A. Uorente 800.000
Juden auswandern lässt. Er beruft sich auf Mariana als seinen Ge-
währsmann^). Dieser aber sagt, dass nur ein Schriftsteller diese hohe
Zahl angebe, an deren Wirklichkeit man kaum glauben könne.' Aus
judischen und christlichen Schriftstellern ist aber leicht zu beweisen,
dass die Zahl der nach Portugal auswandernden Jaden kaum
100.000 erreichte. Wir haben schon gehört, dass der Jude H, Oi*ätz
auf sichere Beweise (ihrer Abgaben an den Staat) gestüzt, die Zahl
der Juden in Castilien im Jahre 1474 auf 150.000 angibt^ — Bis
zum Jahre 1492 können sie unmöglich auf 800.C00 angewachsen zabi der
sein, um so weniger, als die Inquisition dazwischen trat, und vom j^^'^'^j^
Jahre 1480 an doch auch Viele, wenn nur zum Scheine, sich taufen Jaden.
Hessen.
Der Jude Kayserling stüzt sich auf die Angaben bei dem Portu*
giesen (und Juden) Cacteto, und dem Poilugiesen Damiao de Goes.
Jener sagt, dass in Portugal mehr als 20.000 Familien eingewandert
*) Kayserling, Gesch. der Joden in Portugal, p. 100: „Torqnemada's angeb-
liche Aetiflsemog ist — nicht historisch.*
*) Das Edikt der Verbannung s. u .a. bei Yanguas, Diccionario de Historia y
Antigaedades deNavarra. Pamplon. 1810, s. v. Jndios, t. II, p. 117, and bei LtTtdo,
— Hlstory of the Jews in Spain. 1848, p. 277.
•) Camicero, I, p. 273.
*) yNur wenige gingen zum Christenthom Ober*, Kayserling ^ Jaden v.
Portagal, p. 101. „Nar sehr wenige Jaden gingen im Jahre der Aasweisang aus
Spanien über*, Orätz, Bd. V, S. 856. — Barissimos o seqairan preferindo qaan
todos o desterro. iL Heradano, la Origem da Inqaisicäo em Porto^, t. I, Lisboa,
1864, p. 79.
'j lAorenie, I, p. 261, — IV, p.297. Zweimal sagt Llarenie dasselbe: 800.000
8*expatrient Mariana aber sagt (26, 1): Jadaeoram maltitadinem qai ex Hispania
disoesserant, ad certam nomeram revocare promptam non est Pleriqae scriptores
170 familiarnm millia abiisse confirmant, qaidam ad 800.000 capita penrenisse ait.
logens nameras ac vix fidem factoms . • Molti ex eo namero, ne patria carerent,
Christo dedere nomina, pars sinceris animis: aUi simulata pietate tempoii servientes
breW ad ingeniom, fiaades et mendada redieront.
•) S. S. 16.
fftl.
46 Droizchntos Bnch. Erstes Kapitel.
seien. Die Familie wird überall aof fünf Köpfe berechnet, also mehr
als ICO.OOO Personen. Wörtlich stimmt damit 2). de Goea überein').
Die genauesten Angaben finden sich bei Andr. Bemalde$^ und
Z>. Oo'es.
Von BeDftyente wanderten ans nach Braganza Ober 3.000 Personen {ftDimu}.
„ Zamora « « „ Miranda 30.000 ,
„ CiudadBodrigo « .. , Vlllar 35.000 ,
A«*- ^ Alcantara „ » » Marban 15.000 ,
Portn- Zusammen: 93.000 Personen.
Von den Juden^ welche im Nordosten wohnten , wanderten 2030
Seeleu nach Navarra aus^). Aus den Baskischen Landeni wanderten
300 Familien zur See aus. Aus Andalusien und dem MaestrazgQ
(Herrschaft) von Santiago wanderten über Cadix 8000 Personen aas.
Viele andere wanderten über Carthagena, und die Hafen von Aragoni
Aus Aragonien und Catalonien wanderten viele nach Italien, and
nach Mauritanien, Tunis oder Tlemecen u. s. w. ans^).
Ohne tüchtigen Beweis aber lässt H. Orätz im Jahre 14S|
300.000 Juden auswandern. Er sagt: „Die Gesammtsahl der Aa^
Wanderer ist viel calculirt worden. Die christlichen SchrifUteller habd
Abrabenels (des Juden) Angaben nicht berücksichtigt, der an zmi
Stellen die Zahl ganz bestimmt auf 300.(XX) anschlagt , and er wii
als Jude und Finanzmann am besten darin unterrichtet. Diese Zall
wird auch dadurch bestätigt, dass 1474 in Castilien noch 150.000 Judd|
wohnten; man darf wohl ebensoviel 0^?) auf Aragonien, Catalonien qüI
Valencia rechnen. Das gäbe also 300.0(X). Maria$uC9 (and Uorentef
Angabe (nach einigen Quellen auf 800.000 oder auf 170.000 Familien^
väter ist gewiess viel zu hoch gegriffen^), ebenso die 400.000 bd|
3
4
■) D. de Ghes: Segundo se aifinna entrarao nestes Regnos mais de vui
mil casaes. L X. c. 10. t
*) Historia de Femandez j Isabel, 1856, t I, ß. 255.
') dos mil Animas, sagt Bemaldez (I, p. 255). Dagegen fayseritn^ (die Jodet
in Navarra, S. 107) sagt: «gegen 12.000«. Ebensoviel Linda, p. 287 und 17<i>ird
Orät* V, p. 866 — etwa 12.000, welche sich anf jüdische SchriftsteUer berofes
^) //. Orätz, kommt mit sich seihst in Widerspriich, wenn er nn Jihre 1<74
150.000 Juden in Castilien wohnen, im Jihre 1492 aber 300.000 ans Spanien u»'
^vandcrn ISsst (V, p. S58). Es Ist gegen aUe historische WahrBcheinlicfakeif, des
Königreiche Arsgonien ohne Weiteres 150.000 Juden ansndichten. Wir theileo aixr,
die Note bei Oräit, (Y, p. 399) wegen ihrer sonstigen Wichtigkeit im Texte mit
•) iVstoott, spKilsche Uebenesong v. 1848, t IV, p. 70. — {Sehä/er, Ot-
•chic hto von Portugal, 1 11, S. 646,) spricht kdne Ansicht ans.) ~ Ersch und Gn^,
Knc)^)op«die, Sectio iL Bd. 27, Laps. 18:0, S. 225 n. 226 nimmt 300.000 P«»»«
an. Auch hier sagt Seiig Castel unrichtig, wenigstens mehr als miaBT6ntaiidlid|:
»Dto hCchito Angabo hat ifonoiMi'; er bat ue, aber gUubt nicht sn sie. AdoiJ^
Zahl der ausgewanderten Juden. 47
Zurüa und die mehr als 420.000 bei Aboab^). Die Zahl 170.000 bis
1 80.000 bei loa Bios und Modesto la Fuente ist aber viel zu klein^ weil
sie die 30.000 Hausväter (vecinos) bei Bemaldez zu gering berechnet
haben. Gibt doch Bemaldez selbst an, dass die Zahl der aus Castilien
allein Ausgewanderten weit 90.000 überstiegen habe'). Die Zahl
300.000 empfiehlt sich daher als die richtigste'*. Dagegen bemerken
wir: Die Angaben des Damiao de GoUa^ und A. Bernäldez sind
sehr leicht zu vereinigen. Es wanderten in Portugal über 20.000
Familien, nach Bemaldez aber 93.000 Personen ein, im Ganzen etwa
100.000 nach Portugal'); 2000 nach Navarra, etwa 1500 aus den
Baskenländem aus; 8000 über Cadix nach Marocco, eine unbestimmte
Menge wanderte über Carthagena aus — wir wollen annehmen 8000 ^•^^'^f
Personen. Nach Bemaldez hätten im Jahre 1492 in Castilien noch otsti-
etwa 135.000 Juden gelebt. Durch die Thätigkeit der Inquisition wäre "•" ""'*
ihre Zahl von 150.000 im Jahre 1474 auf 136.000 im Jahre 1492 ge- ^3
sunken. Gesezt aber den Fall, es hätte im Jahre l'^92 — noch
150.000 Juden in Castilien gegeben, so durfte Orätz am wenigsten dem
Königreiche Aragonien 150.000 weitere Juden zuschieben, da er sich
doch stets auf Bemaldez*) und Prescött bezieht. Nach Bemaldez
aber, welchem Preecott hierin folgt, betrugen die Juden im Königreiche
Castilien % Theile sämmtlicher Juden in Sjftanien^), nämlich 30.000
Familien in Castilien, 6000 in Aragonien, im Ganzen c. 160.000 Juden.
Lebten nun auch (nach Orätz') noch im Jahre 1492 150.0U0 Juden in
Castilien, so durfte er für das Reich Aragonien nur den sechsten Theil
davon, und im Ganzen nur 175.000 Juden in ganz Spanien annehmen.
de Castro^ Hisforia de los Jodios en Espafia, Cadix, 1847, p. 146. Amtidorde loa
Rioa^ Estndios ~ sobre los Judios de Espafia, 1843, p. 207—209. („Die Uoge-
nauigkeit bei loa Rioa überrascht Niemand , der sein Werk nach Verdienst wür-
digt", sagt der Jude Kayaerling, Jaden in Portugal, S. 112). Modest, de la Fuente,
Historia general deEspafia (26 Bde., Madrid 1860—1862), t IX, p. 413. — Colmeiro
berechnet die Zahl der Jnden auf 200.000 (s. oben, III, 1, S. 460).
') laaac Aboab, Nomologia, p. 290 n. 291. — Zurita, Anales, t V, 9.
*) Er sagt aber „änimas und nicht vecinos** (Seelen und nicht Familien),
I, p. 255.
'; Kayaerling nimmt 120.000 Seelen an, S. 115.
*) Orätz im Jahre 1B63, und Kayaerling im Jahre 1867 kennen den Bemaldez
immer noch als Manuscript und nach den Auszügen anderer, während Oscar Peschel
in seinem „Zeitalter der Entdeckungen* Stuttg. 1858 — schon die im Jahre 1856
im Druck erschienene Chronik von Bemaldez kennt {Oac. Peachel, Zeitalter
p. 148, 152). Inzwischen erschien zu Sevilla im Jahre 1870 eine zweite, bessere
and schönere Ausgabe.
*) Berruüdez, I, p. 254. Preacott, 1. c. IV, p. 70. Bemaldez berechnet nach
seinem GewShrsmanne, dem von ihm getauften Rab. Centollo von Vittoria —
36.000 Familien zu 160.000 Seelen: darnach wären etwa 133.000 Juden in Castilien,
c. 27.000 in Aragonien gewesen.
48 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Nach unserer Scbäzang (und nach Bemaldez) aber gab es im Jahre
1492 an 13'3.000 Juden in Castilien , etwa 27.000 in Aragonien,
zusammen 160.000, von welchen c. 100.000—120.000 nach Portugal,
^000 nach Navarra, 8000 nach Marocco, die Uebrigen nach Italien und in
andere Länder Europa's, nach Afrika und Asien auswanderten*), eb
kleinerer Theil sich taufen Hess. Dass die meisten Juden der Taufe die
Auswanderung vorziehen würden, hatte sicher Isabella nicht erwartet,
welche völlig von der Wahrheit des Christenthums durchdrungen war;
sicher ho£fte sie, dass die Mehrzahl der Juden sich taufen und dem Landi
sich erhalten würde. „Gewiss ist^ (sagt der Protestant Peschdjj „dass da
Elrone bei der Vertreibung der Juden und Araber , wie bei der In-
quisition, sich nicht durch niedrige fiscalische Motive*) leiten liess,
sondern recht glaubhaft, dass Isabella in ihrem Eifer sich verrechoet,
und nicht die Vertreibung selbst, sondern durch ihre Androhung «oc
rasche und allgemeine Bekehrung beabsichtigt habe*).
Die Juden, welche in Portugal einwanderten, muasten aber ihn
Zulassung daselbst mit theurem Gelde bezahlen. Gemäss eines U€be^
einkommens mussten 600 meist reiche Familien eine Summe toi
nie Jo- 60.000 Gold - Cruzados entrichten; alle anderen Einwanderer mnsste^
Portugal i^i^ Ausnahme der Säuglinge, jeder acht Gold-Cmzados in vier Te^
minen bezahlen. Sie ^durften aber überhaupt nur acht Monate ii
Portugal bleiben. Der König versprach , zu billigen Fahrpreisen 8»
an die von ihnen gewünschten Orte bringen zu lassen; sie wurden abc
von den Schiffsleuten unmenschlich behandelt. Die in Portugal noek
übrigen Juden blieben; sie wurden nach Ablauf der zur Auswandenuf
bestimmten Zeit sämmtlich zu Sklaven gemacht und verschenkt. Dili
Granden und Hof leute konnten sich Juden und Jüdinen nach Beliebe!
auswählen^). i
und Na- Die Juden in Navarra mussten im Jahre 1498 entweder aa»-
1498.' wandern oder sich taufen lassen. Weil die gegebene Frist za kot
*) Am nächsten komme ich der Schaznng bei KayserUng, anf 120.000 A»
gewanderte nach Portugal. Ferrera^ gibt die Zahl der Aoagewanderten tbeAu^
auf c 100.000 an. Bd. VIU, Th. 11., p. 250 flg., eine wohl sa niedrige Zahl -
Paramo sagt,* es seien 170.000 Seelen, (ut qaidam referant, vel, ex alionui sentoö»'
fiber 400.000 Juden ausgewandert (Paranu), p. 167).
*) »Die Finanzen des heiligea Amtes (der Inquisition) waren so fibel beiteüC
dass die Gehalte der Inquisitoren, welche aus den Confiseationen bestritten verda
sollten, gewöhnUch in Rfickstand bUeben« (Llorenie, Hlst de l*Inq. ton.!» p.^I^
') Diese neue Ansicht ist nSher begrfindet worden in EunstmoM'e Cotenod:-
ungcn .aber die Bechteverhfiltnisse der Juden in Spamen*. Hünehaer gelehite
Anzeigen, 18i8. S. 248). - OscPescÄrf, S. 152.
*) Kayeerting, Gesch. der Juden in Portugal, p. 112-115. - Cröfe, V.
p. 373-387.
Die Inquisition und die Moriscos. 49
war, 80 Dgingen die meisten zum Christentham uber^. „Jn der sonst
wegen ihrer Frömmigkeit so berühmten (jüdischen) Gemeinde von
Tndela liessen sich 180 Familien taufen.^ ^)
§. 21.
In Folge der Verbannung der Jaden aus Spanien wurden die
Arbeiten der Inquisition nicht vermindert, sondern vermehrt Tansende
der Ausgewanderten, besonders nach Afrika, kehrten im grossten Eilende
zurück, und Hessen sich nothgedrungen taufen. Diese, und jene, welche
vor dem 31. Juli 1492 die Taufe angenommen, blieben aber im Herzen
und im Verborgenen Juden, — und sie hielten die Inquisition in be-
standigem Athem*). In den Jahren 1492 — 1502 wurden auch die
Mauren, bald Moriscos genannt, allmälig in den Kreis der Thätigkeit
der Inquisition hereingezogen. Zwar wurde den Mauren in dem er-
oberten Granada die freie Ausübung ihrer Religion gestattet'). Es
schien aber keine Verlezung dieses Versprechens zu sein, wenn der
erste Erzbischof Talavera von Granada und Franc. Ximenes, seit 1495
Erzbischof von Toledo, die grossten Anstrengungen machten, die Mauren >><•
zum Christenthume zu fuhren. Die Mauren sahen in diesen Versuchen eine {„
Verlezung der ihnen gewährten Religionsfreiheit. Es brachen bedrohliche o»»*^
Aufstände in Albaycin, in den Alpujarras und der Sierra Bermeja aus. 1502, „.
Dadurch glaubten die „Könige^ ihres gegebepen Wortes entledigt zu^ncsu^-
sein, und als Sieger gegen besiegte Unterthanen verfahren zu dürfen, i^^^.
Es war den Mauren die Wahl gelassen, entweder sich taufen zu lassen,
oder, gegen eine Abgabe von zehn Goldgulden für den Kopf, auszu-
wandern. Die Meisten blieben, Hessen sich taufen, die Wenigem wan-
derten aus. Im alten Königreiche Granada war kein ungetaufter Maure
mehr zu finden. In den Provinzen Castilien und Leon dagegen lebten
noch ziemlich viele ungetaufte Mauren. Durch Edikt vom 20. Juli
1 501 wurde diesen jeder Verkehr mit den getauften Mauren in Granada
verboten. Durch ein neues Edikt vom 12. Februar 1502 wurde auch
den Mauren von Castilien und Leon befohlen« entweder auszuwandern
oder sich taufen zu lassen. Auch sie wählten in grosser Mehrzahl die
^) Orätz, V, 366. — Tanguas, DicoionariOi II, p. 120. — Kayserling, Ge-
der Jaden in Navarra, p. 108; 212. — Lindo^ History of the Jews In
Spain, 1848, p. 287.
«) A. Bemäldez, I, p. 254. lAarente, I, p. 262. — Ferreras, Yllf, 11, §. 252.
— HeftUy der Card. Ximenes, p. 275.
*) Kirchengeseb. Sp. III, 1, S. 444 n. 445.
Oaow, tpao. KIrciM. m, 8. 4
50 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.
Taufe* Der zweite Inquisitor^ Didacus Deza, soll za diesen strengen
Maassregeln gerathen haben ^).
§. 22.
Zur Zeit der Auswanderung der Juden aus Spanien und Portogii
war schon der Spanier Alexander VI. Papst (1492 — 1503). Von deo
nach Genua ausgewanderten Juden kam auch ein Theil im grösstoi
Elende nach Rom. Aber die Juden in Rom „verschworen sich gcga
sie, sie nicht zuzulassen, aus Furcht, dass der Zuwachs neuer Andiedief
dirvi ^^^^^ Gewerbe Schaden bringen mochte^. — Diese römischen Jod«
und die schössen also 1000 Ducaten zusammen , und boten aie dem Papste
Jaden, ^^xandcr VI. an, mit der Bitte, dass er den neuen Jnden nicht ge-
stalten möge, sich in Rom niederzulassen. Der Papst war über dies«
hohen Grad von Herzlosigkeit so aufgebracht, dass er sammtUdM
Juden aus Rom auszuweisen befahl. „Es kostete den Juden nock
2000 Ducaten, den Befehl rückgängig zu machen, und sie inusstai
es sich gefallen lassen, die Juden au&unehmen^*).
Unter diesem Papste, dessen Stellung Spanien gegenüber ei«
mehr als precare war, erlangten die „Konige" eine Menge von Prifi*
legien und Concessionen für ihre spanische Inquisition, durch weicht
dieselbe mehr und mehr eine Regierungsanstalt wurde. Wir bin
schon gehört, dass im Jahre 1498 230 Spanier in Rom abgewanddl
wurden, um nach Auflegung leichter Bussen nach Spanien zurückgesandt
zu werden — 29. Juli 1498. Aber schon am 2. August erliessa
Ferdinand und Isabella ein scharfes Edikt, welches diesen Spanien
die Rückkehr in ihre Heimath unter Todesstrafe verbot^. — Am 12. Au-
gust 1493 erliess Papst Alexander VI. ein Breve, in welchem er die
') Luis del Marmol Carvqjal, HiBtoria del rebelion y castigo de loaMoriictf
del reyno de Granada, Madrid 1797, t I, p. 83-*d8. Obraade Diego Eurtadoä
MendozGy Granada, 1864, t LGoerra de Gnmada Lib. I, Leyes contm loe ontuDoi
naevos, p. 78eq. — Fior. Janer, Condicion social de los Moriscos deEqMifia, Madr. K^i«.
p» 185, sq» Jos, Hefele, der Card. Ximenes, 8. Haaptsflck. Bekehrung der Miorei
S. 52, 66 ng. — S. 275—276. — JRochau, die Morisoos in Spanien, Leips. 1^
p. 156 flg. (Nach ihm sind die Maaren immer im Beehtc, ihre Sache ist die Sidie
der wahren Civilisation, die Christen sind immer im Unrechte; nur Schade, da» ük
Mohamedaner in Spanien mit den Christen in Spanien nicht »reinen Tisch' goaf^^
haben). — WULPrescoU, Hiatory of the Beign of Philip the aeocnd, kiog ofqniB,
New edition (in 3 Binden, reichoid tna 1580), Philadelphia, 1874, t llh V- ^
(the Moors of Spain, p. 1—272).
•) öräfa V, p, 373.
*) UartiUe, L p. 245—246. IV, p. 297. Am 12. Min 1499 erliett der I^
darQber ein weiteres nachgiebiges Schreiben an die .Könige".
Papst Alexander VI. and die InqnisitioD. 51
Too Sixtas IV. ertheilten Absolationen einiger Angeklagten von Sevilla Aiezan
als QDgütig erklärte, and die Inquisitoren beauftragte, auf das neue tlcb.
gegen die Angeklagten vorzuschreiten. giei>ig.
Die Inquisition wollte es nicht dulden, dass die Päpste einzelne
Processe an sich zogen, oder Angelegenheiten in Rom entschieden.
Der Papst sollte auf die Inquisition gar keinen Einfluss mehr haben.
Sie idagten also den Papst bei den „Konigen'' an. Diese schrieben
SD den Papst, er möge den Inquisitoren die ganze freie Aus-
obuDg ihrer Gerichtsbarkeit lassen , er möge nicht gestatten , dass
dieselbe durch die Umwege geheimer Absolutionen oder gewisse Ex-
emtionen und Privilegien für einzelne Personen geschädigt werde. Und
der Papst gab nach. In einem Breve vom 23. August 14St7 erklärte
er alle Absolutionen, welche nicht in der regelmässigen Weise (durch
die Inquisition) ertheilt worden, für null und nichtig, mit einziger Aus-
nahme der Absolution im Beichtstühle^). Das heisst, Alexander VI.
Terzichtete von nun an auf alle und jede Gerichtsbarkeit oder
Auctoritit über die spanische Inquisition, und überliess es dem
Staate, in Angelegenheiten der wahren Lehre und Häresie endgiltig zu
entscheiden. —
Th. Torquemada wurde wiederholt wegen harten Verfahrens bei
dem Papste icerklagt. Dreimal sandte er zu seiner Vertheidignng ^i^^«»-
se'men Gefährten, Fr. Alphons. Badaja an den Papst. Doch — er- und '
mädet durch die beständigen Klagen, die ihm zu Ohren kamen, wollte '^o'^^ue-
der Papst die Vollmachten zurücknehmen, mit denen er ihn ausge-
stattet Aber politische Erwägungen und die Schonung gegen die
.Könige^ hinderten ihn daran. Er betrat einen Mittelweg. Er fertigte
am 23. Juni 1494 ein Breve aus; erklärte, dass Torquemada sehr auf
Jahren und leidend sei, und dass er darum ihm als Coadjutoren den
Mariin Ponce de Leon, Erzbischof von Messina (1493 — 1500), der in
Spanien wohnte, beigegeben habe, den Bischof Jnictu Manrique von
CordoTa, Neffen des Erzbischofs von Sevilla gleichen Namens, den
Franz Sanchez de la Fuente, Bischof von Avila, und den Bischof
Alfcns Suarez de la Fuente von Mondonedo. Beide leztere waren
selbst Inquisitoren gewesen. Es ist nur gewiss, dass der Erzbischof
von Messina und der Bischof von Avila die Functionen von General-
inquisitoren verrichteten. Noch zu Lebzeiten Torquemada's dehnte die ^'^^'
Inquisition ihre Gerichtsbarkeit auf Gebiete aus, die mit dem Glauben ^ng dor
nnd der Häresie nur, sehr lose zusammenhingen. Am 22. August ^""^'^^^
U98 erlaubten die „Könige^ den Inquisitoren , von dem Verbrechen " ver-
0 Uarente , I, p. 247. IV, p. 297.
4*
52 Dreizehntes Bach. Eretes KapiteL
scbfe- der Sodomie Kennlniss zu nehmen'). Die Sodomie sollte gestraft
vetbro- ^^^^^"9 ^^^ ^^^ Häresie oder die Majestatsbeleidigung. — Die Namen
ctaen. der Zeugen durften hier den Angeklagten mitgetheilt werden. Ebenso
wurde später die Bigamie (und die Vielweiberei) von der Inquisition
gerichtet^. Von der Inquisition wurden gerichtet Priester und Mönche,
welche heirathetcn; Beichtväter wegen Missbrauchs des Beichtstuhls,
Lezteres geschah allerdings in Folge eines Breves Paulis IV. vom
18. Januar 1560 an die Inquisition von Granada, und vom 16. April
1561 an den Generalinquisitor Vald^s')ir Der Inquisition verfielen
Laien, welche geistliche Functionen sich anmassten, Diaconen, welche
Beichten abnahmen, natürlich auch solche^ welche fälschlich sich als
Beamte, Commissäre oder Diener der Inquisition ausgaben^). BI219-
phemieen wurden gleichfalls von der Inquisition gerichtet^).
Ferdinand V. hatte in dem Eide, in welchem er versprochen, die
Fueros des Reiches Aragon zu beobachten, auch gelobt, dass er den
weltlichen Richtern die Gerichtsbarkeit in Wucherklagen lassen werde.
Aus gewissen Gründen suchte er nach und erlangte von Rom am
14. Januar 1505 eine Dispense von diesem Versprechen, den Inquisi-
toren aber wurde die Vollmacht eingeräumt, auch über das Verbrechen
des Wuchers zu richten. Ein Breve Leo's X« vom 3. April 1513
(oder 2. September 1514?) dispensirte Ferdinand V. von dem Eide,
welchen er vor den Cortes in Aragon abgelegt, die Maassregeln is
Ausfuhrung zu bringen, welche in den Cortes beschlossen worden, mn
die Gerichtsbarkeit der Inquisition in Schranken zu halten^. Die tos
Rom erhaltene Dispense aber half Ferdinand V. nichts, er masste
seinem Eide nachkommen, und den Ständen Wort halten« £k waren
keine geistlichen, sondern rein ficalische Motive für ihn. Wacher and
Schmuggel der Gerichtsbarkeit der Inquisition unterstellen za wollen^
') lAorefäe, J, p. 340. II, p* 16. IV, p. 297 (hier nennt LlorenU das Jilir
1498, zweimal vorher das Jahr 1497). Befde, p. 325. Nach lAormte (I, p. 310:
wären im Jahre 1506 — sechs Personen zu Sevilla wegen Sodomie verbnont
worden.
*) Am 8. September 1560 wurden zn Mnrcia — 7 — Polygamisten venirtiieilc;
am 20. Mai 1563 — worden ebendaselbst 13 Polygamisten zu verschiedenen Btnia
vemrtheilt. Uarente, II, p. 338, 341. IV. p. 319.
•) Uorente, II, p. 344, 874—376. III, p. 26-28.
') Llorente, II, p. 246, 382—383, 891—892, 402. III, p. 481.
•) LlorenU, III, p. 56—67, 481.
•) Bei 8piUler — „Entwurf der Gesch. der span. Inqis.", Eeuss, p. IDL
— XIIIL, steht ein Auszug einer Bulle Leo's X. v. 2. Sept. 1514, wo gleicfatalli too
der Gerichtsbarkeit der Inquisition über den Wucher die Rede ist Danach hitt«
die Inquisitoren zu Barcelona eidlich versprochen, dass sie sieh hinlbrt nur tut
Glaubenssachen und Häresieen innerhalb gewisser Grenzen befrssen woUteo.
') Lhrente, I, p. 340, II, p. 394, IV, p. 302.
Die Inquisition als Staatsinstitttt 53
Am 12. Mai 1516 erliess Leo X. eine andere Bolle, in welcher er
die im Jahre 1513 (1514?) ertheilte Dispens von dem geschworenen
Eide znrfickrief, und die Beschlüsse der Cortes von Aragon bekräftigte. —
Damach wird man es begreiflich finden, dass auch Hexen, Zau-
berer, Bereiter von Liebestranken, solche, welche aus dem Aberglauben
der Leute Nnzen zu ziehen suchten u. a. m. der Inquisition zugewiesen
worden^). — Um so begreiflicher werden wir es finden, dass die In-
quisition der ausschliessliche Gerichtshof für ihre eigenen Beamten und
Diener war.
„Mit Untersuchung dieser so vielen und verschiedenartigen Ver-
brechen hatten die spanischen Herrscher ihre Inquisition zum Theil
selbst gegen den Willen der Grossinquisitoren*) beauftragt, und wer
sich erinnern will, wie viel nur Hexen in Deutschland verbrannt wur-
den, wird die Zahl der von der spanischen Inquisition ^um Tode ver-
Qitbeilten Ketzer, Zauberer, Hexen, Mörder, Wucherer, Sodomiten,
Barer, Schmuggler, Kirchenräuber und Verbrecher aller Art nicht
mehr for so ungeheuer erachten.^
§. 23.
Wiederholte Versuche, welche in den Jahren 1480 — 1522 'ge- Die
macht wurden, der Inquisition einen kirchlichen Charakter zu gebeuy Qo/dio
oder den Einflnss der Päpste und Bischöfe auf sie zu verstärken, inqaisi-
blieben ohne Erfolg. Die Könige wussten, was sie wollten, und han- ^^°'
dehen nach einem festen Plane. Als Papst Leo X. im Jahre 1519 zu
strengeren Maassregeln gegen die Inquisition schreiten wollte, war es
zo spät. Der spanische Episcopat war zu abhängig von der Elrone,
Ton ihr hoffte und f&rchtete er Alles; diess gilt besonders von dem
Episcopate in Gastilien, der zu einer kirchlichen Opposition gegen das
omnipotente Konigthum sich nicht aufraffen konnte. Der Cardinal
(Grossinquisitor seit 1507) Ximenes, der Ferdinand V. oft sehr un-
bequem war'}, wollte der Inquisition wenigstens eine mehr kirchliche
Form geben. Nach seinem Wunsche sollten bei dem Oberinquisitions-
nthe nur Geistliche angestellt werden. Er protestirte gegen die Er-
neoDQDg de Ordugno Ybanez de Aguirre als Mitglied des obersten
Inquisitionsrathes , weil er ein Laie sei — am 11. Februar 1509.
*) IJareiäe, U, p. 61—56. III, p. 431—461. Seote des Sorciers in Logrofio.
IV. IGO, H^feU, S. 908-294; 826.
^ Der GroBsinqnisitor Aveda z. B. wollte Niemand von der Inquisition richten
t«>eD, dessen Vergeben nicht die Religion betreffe. Hefde^ S. 326. Dieser Name
findet lieh Boost oicht.
>) Heftk, 8. 40a
Die
54 Dreizehntes Buch. ErsUs Kapitel.
„Wisset Ihr nicht, entgegnete ihm Ferdinand V., dass, wenn dieser
Ruth eine Gerichtsbarkeit hat^ der König es ist, von dem er sie hat*^?
So war es. Die Inquisition war ein königlicher, aber mit gast-
lichen Waffen ausgerüsteter Gerichtshof. Erstens — waren die Inquisi-
toren königliche Beamte. „Die Könige hatten das Recht, sie einzo-
sezcn und zu entlassen; auch die Inquisitionshöfe unterlagen den könig-
lichen Visitationen; bei denselben waren oft die nämlichen Männer
.suau- Assessoren, welche im höchsten Gericht von Castiiien sasseo. — Zwei-
inquisi. tens tiel aller Vortheil von den Confiscationen dieses Gerichts dem
Könige zu. Drittens — der König bekam ein Gericht in die Hände,
welchem sich kein Grande, kein Erzbischof entziehen durfte. Dieses
Gericht gehört zu jenem Spolien der geistlichen Machte darch welche
die spanische Regierung mächtig wurde, wie die Verwaltung der
Grossmeisterthjimer , die Besezung der Bisthümer^^ — i^Seinem Sinn
und Zweck nach ist es vor Allem ein politisches Institat. Der Pap^t
hat ein Interesse, ihm in den Weg zu treten, und that es, so oft er
kann. Der König aber hat ein Interesse, es in steter Aufnahme za
erhalten« 0-
Man sagt so oft, die Kirche sei oder wolle ein Staat im Staate
sein. Aber die spanische Inquisition war eine Kirche in der Kirche.
Cad V. fing bald an, dieselbe als Werkzeug seiner Hcrrschsociit
gegen die Kirche zu benüzen. Er war, so lange er regierte, der wahre
und einzige Grossinquisitor.
§. 24.
Dass Th. Torquemada durch die ihm gesezten Coadjutorcn sich
nicht in den Ruhestand sezen Hess, geht u. a. aus der Instmction mit
16 Artikeln hervor, welche er, der Prior zum heiligen Ejrenz inAvila,
von dort aus im Jahre 1498 ergehen Hess '). Darin wird o. a«
verordnet, dass alle Beamten der Inquisition täglich wenigstens
*) So Leop, Ranke, Fflreten und Völker von Südearopa im 16. and 17. JahriL^
Tbl. I, 183 ^ S. 242—248. — Vgl. Heinr. Leo, Weltgeschichte, Bd. U, S.48t -
Ouizot, Cours d' histoire moderne, Paris, 1828 — eile (l'lnquisition) ftit d^abord (wk
in der Folge) plus politique, quo religieose, et destioöe ä maintenir V ordie plutot
qa* ä döfendre la foi. <>
*) ReusB, S. 56-63. Copilacion de las InstrucioneB del Oficio de la Sastt
Inquiaion, hechas por el muy Reverendo Sefior Fray Tomas de Torqnoiada, (d*
Madr. 1576. — Havemann, Darstell, aas der innern Gesch. Spanieii*B, GdCtg. ISöO.
S. 106. Dass Torquemada der widerstrebendea laabella die Eunführong der Iiqui-
sition gleichsam abgerungen habe, lasst sich nicht einmal wahrscheialich laaebes,
viel weniger beweisen.
Das Ende Torqaemada's. bb
mhs Stunden in ihrer Amtsstube arbeiten, drei Vor- und drei Nach-
nittags. Die Inquisitoren sollen die falschen Zeugen züchtigen und
öffentlich bestrafen. Die Frauen sollen in den Gefängnissen gelrcnnt
^00 den Männern sein. Der Historiker Zwnta^ einer der grössten
jobredner der Inquisition, nennt den Th. Torquemada wiederholt einen
leiligen Mann, oder einen Mann von Heiligkeit Er versichert, dass
lie eingezogenen Guter der Verurtheilten auf die gewissenhafteste und
loeigennüzigste Weise verwendet wurden*) u. a. zum Baue verschie-
lener Kirchen und Kloster. Derselbe Zurita berichtet, dass^ vor der
rermählang der jungern Isabella mit' Manuel, Konig von Portugal (14 97),
iie spanischen Eltern der Braut u. a. die Bedingung gestellt hätten, dass
kfanoel aus seinem Königreiche alle spanischen Flüchtlinge vertreiben
Düsse, die von der spanischen Inquisition verurtheilt worden seien ^).
Wie wenig Papst Alexander VI. dem Torquemada geneigt war, ^•' ^°"
ubeo wir früher gehört. Damals war Garcilaso de la Vega, der Vater oarci«
les bekannten Dichters , spanischer Gesandter in Rom. Er schrieb ^^^ ^^
UD 2i. April 1498, kurz vor dem Tode Torquemada's, an die „Könige^, in Rom
lass Papst Alexander VI. Willens gewesen sei, der Macht der Inqui- ^*^®-
»itioo in den Weg zu treten. Im Auftrage der „Könige^ aber habe
T die Einmischaug des Papstes hintertrieben, und demselben die In-
loisition in einem günstigen Lichte dargestellt^).
Die Gegner Torquemada's werfen ihm vor , dass er auf Reisen
^t einer grossen Schuzmannschafl sich umgab , jedenfalls also sein
Leben einer Gefahr nicht anssezen wollte. Seine Leibwache auf Reisen
*) Zwita, Anales de Aragon, IV, p. 324: la religion y santetad de aquel
ueeleate vaion; — aqnello Santo varon Torquemada. — Bhi/eron mnchos loa bienes
7 hazieodas, que se aplicaran a la camara y üsco real y dellos se hizieron muy
<cß>l^a8 obras: y se fondaron diversas Iglesias y monasterios: porqae no dedi-
enia, uQo pari en cosas mny piadosas y santas y todo se ezpedio en esto (ausser
den Aoagsbea für die Besoldong der Beamten der Inquisition, die in der ersten
Zeit oft Noth litten) , y en los alimentos de los reos, que eran pobrcs. Unter den
frommen Sachen nennt er den Bau des Klosters von S. Thomas in Avila. Zurita
«V Nlbit Secretar bei der Inquisition.
*\ Zurüa, Anales de Aragon, Zarag. 1610, t. V, p. 124. — Von dieser Bc-
^^ogöDg sagt Heinr. Schäfer in seiner so genanen „Geschichte von Portugal''
M. »1, 1850, S. 10—11 kein Wort.
') tPor las cosas, que Vnestras Altezas me han escrito tocantes ä la Santa
loqnidcioD, he procurado, no solo de empachar que no se otorgasen aqui cobjs
^Dtn ella, mas que el Papa la favoresciese, y ayudase (Spanien von Rom zu trennen)
y pm esto ha Dies rodeado dispasicion en que se pudieso fazer.* Der englische
^cker Btfijamin B, Wissen war im Besize des Originals dieses wichtigen Briefs.
^ (Carta I los reyes D. Fernando y dofia Isabel, de su embajador en Koma en
^y^\ isödtta. Van adjnntos otros doenmentos diplomÄticos de aquella öpoca, tambien
jj^'tot, San Sebastian., 1842. (Dionig. Hidalgo, Diccion. - de bibliografia
wiÄfiola, Madr. 1862, I. p. 330. Ad. Wolf, 1. c, 1867, S. 49.)
56 Dreizehntes Bucb. Erstes Kapitel.
habe aus 50 Dienern zu Pferd, und 100 zu Fuss bestanden; bei Tische
habe er stets den Zahn eines wilden Thieres neben sich liegen g^abt,
der etwaiges Gift entdecken und unwirksam machen sollte'}.
Der gefurchtete Mann starb zu Avila in einem Alter von 78 Jahren
— am 16. September 1408.
§• 25.
Didacus Deza, aus Toro, der zweite Grossinquisitor, war gleich*
falls Dominikaner. Als Professor der Theologie in Salamanca erlangt«
er grosses Ansehen. Seine Schriften bekunden eine umfassende Ge-
^®' lehrsamkeit. Er wurde nach einander Bischof von Zamora, Salamanca
GroMin- (1496—1497), Jaen 1497—1600), Palentia, im Jahre 1505 aber En-
quiiitor. bischof von Sevilla. Als solcher starb er am 9. Juli 1523, nachdem
er noch vorher zum Erzbischof von Toledo ernannt worden war. Er
war Erzieher des Prinzen Juan, Thronerben von Spanien. Ihn schlogei
nun die Eonige dem Papste Alexander VI. als Grossinqoisitor tot.
Schon am 1. December 1498 wurde er vom Papste bestätigt, aber oor
als Grossinquisitbr von Castilien^. Es war diess offenbar wieder eia
schwacher Versuch, der Macht der Inquisition Schranken zu sezeo.
Deza war darüber unzufrieden , und nahm das Amt nicht an , bis der
Papst dasselbe auch auf Aragon ausgedehnt hätte. Denn auch di»
beiden oben erwähnten Coadjutoren hatten ihre Vollmacht ffir gaaz,
Äiexan. Spanien. Am 1. September 1499 erliess der Papst eine weitere —
und seine Vollmachten ausdehnende Bulle. Jezt nahm D. Deza an. Dnrcli
D.De». ein Breve vom 25. November 1501 erklärte der Papst, dass die Voll-
machten, in deren ßesiz Torquemada gewesen, auch auf seinem Nacb*
folger übergehen sollten. Durch eine um einen Tag firüher erlasseae
BuUe gewährte der Papst der Inquisition das bedeutende PrivilegioiD,
dass derselben an jeder Cathedrale Spanien's eine Piäbende znr Besezosg
mit einem der Ihrigen eingeiäumt werden müsse. Concession folgte
auf Concession, Privilegium auf Privilegium. Durch Breve vom I6. Mu
150i ertheilte der Papst dem Generalinquisitor die Vollmacht, über
die Beweggründe zu entscheiden, welche die Angeklagten hatten, toq
dem Gerichte der Inquisition befreit zu sein, d. h. der Papst sciuutt
die Appellationen an den Papst ab, oder stellte es wenigstens in dtf
Gutbefinden des obersten Inquisitors, ob appellirt werden dürfe, oder
nicht. Durch Breve vom 31. August 1602 erhielt Deza die VoUffl^^
') Uarente, I, p. 285. - Thom. M'Orie, Geschichte der BefonDttreo n
Spanien, deutsch v. Q. Plieninger., Stattg. 1,835, S. 115 (beruft defa uf Uort^h
*) Llorente, I, p. 289.
Did. Deza, GroBsinqaisitor. 1496—1507. Monstreproccss in Cordova. 57
sich Sabdelegateo (ohne Bestätigang durch den Papst) za bestellen.
Durch ein anderes Breve von demselben Tage erhält Deza die Voll-
macht, alle Fragen wegen Appellationen durch die von ihm ein-
gesezten Subdelegaten entscheiden zu lassen, um den Zeitaufwand
zu vermeiden, den das Einsenden der Processsacben nach Rom erfor-
dert hätte. Wahrlieh dieser Papst machte einen Terschwenderischen
Gebrauch von seinen Rechten; wahrlich, das spanische System, mit
Hilfe Rom's von Rom sich loszutrennen, stand in den lezten Jahren
dieses Papstes in der höchsten Blüthe. Derselbe starb am 18. August
1503, und darnach war es ihm nicht mehr möglich, dem unersättlichen
Könige Ferdinand noch weitere Privilegien zu ertheilen, die Ranke mit
Recht „Spolien^ der geistlichen Macht nennt
D. Deza erliess neue Statuten und Instructionen für das Verfahren
der Inquisition am 17. Juni 1500, am 13. November 1503 u. a.*).
Unter Deza wurde die Gerichtsbarkeit der Inquisition, ganz gegen
den ursprunglichen Plan bei ihrer Einfuhrung, auf die getauften
Morisco's ausgedehnt, um sie an dem Abfalle vom Christenthume zu
▼erhindern. Isabella gestand nur zu, dass der Gerichtshof von Cordova
— im Falle eines vollständigen Abfalls der Moriscos vom Christenthume,
seine Jurisdiction auf Granada ausdehnen därfe*). In ähnlicher Weise
wurde die Inquisition auch auf die Moriscos in Castilien, Leon und Aragon
ausgedehnt. Jene erklärten aber im Jahre 1524 dem (fünften) Gross-
inquisitor Manrique, sie seien von seinen Vorfahrem im Amte stets
mit Billigkeit behandelt und in Schnz genommen worden *)•
Die Amts Verwaltung Deza's ist durch .drei Processe in üblen
Ruf gekommen , gegen den Erzbischof Talavera von Granada, g%®^^?|^!!f'
den Gelehrten Aelius von Lebrija, und durch einen grossen Monstre- Lneero.
process in Cordova. Deza's Unglück war, dass er seinen Gehilfen
Diego Rodriguez de LucerOy Scholasticus von Almeria, und Inquisitor
des Tribunals von Cordova, ungehindert schalten liess^).
Einige der Häresie angeklagte Andalusier wollten sich dadurch
retten, dass sie eine ungeheure Menge Unschuldiger denuncirten. Sie
bofilen so eine allgemeine Amnestie für Alle, also auch für sie, die
0 8. Reu88 a. a. 0. — S. 63 flg. — Gopilacion de las Instnicoiones del Oficio
de U Santa Inquisidoiiy heohas eo Toledo ann. de 1561. — Madr. 1612. Erweiterte
Sammlang, im Auftrage des Alonso Manrique, Ersbischof v. Sevilla, Madr. 1630»
welche Anagabe der Instructionen der InqaiBition«/*JD.i?etiMQber8ezthat, Hannov.
1788. (LdorerUe, I, p. 330--331.)
*) LhrerUe, I, p. 383-331.
*) Lhrmte, I, p. 424—425.
*) Petras Martyr nennt ihn im Jahre 1506: severoa et iracandns a natura,
jndaico nomini et neophytis infensissimna (Epist 295); er nennt ihn statt Lucerius
— Tenebrerius.
58 DrcizehDtcs Buch. Erstes Kapitel.
Denuncianten. Tjacero und Deza gingen in die Falle. Den Bedrangteii
kam Ximenes zu Hilfe. Er bat den Konig, den Deza semes Amte«
durch den Papst entsezen za lassen. Bald darauf kam Eonig PUlipp !i
nach Castilien, und Ferdinand musste sich nadi Aragonien zorück
ziehen. Philipp suspendirte den D. Diego in seiner Thatigkeit al
Grossinquisitor, und verwies ihn in sein Erzbistbum zurück. Die Ge
schatte der Inquisition wurden dem königlichen Rathe ubeTtragen*]
Philipp I. starb schon am 25. September 1506. Jezt nahm Deza ohs
eine Ermächtigung sein früheres Amt wieder auf, und anch der gi
Process scheint wieder aufgenommen worden zu sein. Sicher ist,
am 6. Oetober 1506 zu Cordova eine Revolte ausbrach. Das Ge
der Inquisition wurde gestürmt, die Ge&ngenen durch den M
von Priego entlassen. Dieser, das Domcapitel und der Magistrat
langten Lucero's Absczung , welcher entflohen war. Deza gab ni
nach« Der Aufstand tobte durch ganz Andalusien'). Ferdmaod
seinen Freund und Beichtvater Deza fallen; dieser mnsste resi
und am 18. Mai 1507 trat Ximenes an seine Stelle.
Ximenes Hess den Lucero nach Burgos bringen, und in der
tigen Festung verwahren. Für die Revision des Processes selbst
eine Junta von 22 Mitgliedern eingesezt, worunter vier Bischöfe.
Prozess wandte sich zu Ungunsten des Lucero. Am 9. Joli 1
wurden die Angeklagten für unschuldig erklärt, die Gefangenen wn
freigelassen, und vollkommene Sühne des Unrechts befohlen.
1. August wurde der Beschluss zuValladolid mit grosser Feierlicl
in Gegenwart der Konigin Juana verkündigt Nach einjähriger
durfte Lucero nach Almeria heimkehren.
§• 26.
Didacus Deza hielt im Jahre 1512 zu Sevilla eine Synode,
einzige uns bekannte, welche zwischen den Jahren 1473 und 1529
Spanien gehalten wurde. — Die Acten dieser Synode sind vollstini
concii erhalten. Ihnen geht voran die einleitende Rede des Erzbisci
Ell ftn ^^
Till« Der Prolog sagt, dass die katholische Kirche den Erzbischöfen t
i**^"- schreibe, zu bestimmten Zeiten Provinzialconcilien zu veran^^
Das Concii nahm 65 Canones oder Capitel an. Es wird
Nachdruck auf einen genauen Unterricht der erst vor kurzem bekei
frühern Juden oder Mauren gelegt. Die Aerzte sollen die Er
anhalten, an das Heil ihrer Seele zu denken, d. i. die heiligen S^crt^
•) Zurita, T. VI, 1. VII, cp. U.
') Zurita, 1. c. cp. 42. — Lhrente, I, p. 316—348«
Concil zu Sevilla, 1512. 59
mente zu empfangen. Die Gläubigen wurden vor Wahrsagern und
Zauberern gewarnt, deren es in jener Gegend eine grosse Zahl von
beiden Geschlechtern gab« Es wird die Zahl der kirchlichen Festtage
angegeben, darunter war das Fest des heiligen Sebastian, des Evan-
gelisten Marcus, Kreuzerfindung, des Apostels Barnabas , der heiligen
Maria Magdalena, der heiligen Anna, die Verklärung Christi, des
heiligen Laurentius, „der Geburt unserer Herrin^ (8. Sept.), Fest des
heiligen Michael, des Evangelisten Lucas. Es sind 38 Feiertage und
Ö2 Sonntage; aber das Fest der heiligen Justa und Rufina und des
heiligen Isidor wird nicht angeführt, vielleicht weil diese nur in der
Stadt begangen wurden. Eine Procession am Feste des heiligen Isidor
wird angeführt. — Der Dreissigste bei den Seelengottesdiensten heisst: ^^J^^
„trigenarius^. Es sollen keine heiligen Messen ausserhalb deir Kirche coneu
gefeiert, und es soll hiezu keinerlei Erlaujbniss ertheilt werden. Eigene *°*g^®
Beichtstuhle und tragbare Altäre dürfen nur in den Häusern irgend
eines Herrn von Titel oder seiner Söhne') sein. Viele Leute haben
unter dem Vorgeben, von Stand und Adel zu sein, durch Betrug von
Rom sich Privilegien erschlichen. Ehen dürfen nicht ausserhalb der
Kirche geschlossen werden. In ^ den Kirchen und Klöstern dürfen keine
Fassionsspiele gegeben werden. Die Sacristane in den Kirchen sollen,
wo möglich, Priester sein. Die Priester sollen wenigstens an den drei
Hanptfesten beichten und communicireu. Es soll aus jedem Vicariate
(Decanate) jährlicher Bericht über das Leben der E^eriker erstattet
werden. Es dürfen die Befehle solcher, welche sich „apostolische
Richter^ nennen, nicht vollzogen werden, wenn der eigene Bischof
deren Vollmachten nicht zuvor approbirt hat Auch die ^apostolischen
Notarien^ sollen ihre Vollmachten zur Prüfung vorlegen. Es wird
verboten, dass in (oder bei) den Eorchen „Burgen^ (arces) errichtet
werden. Das „Buch der Constitutionen^ dieses Concils solle in jeder
Kirche aufbewahrt werden. Auch werden die von dem Cardinal und
frühem Erzbischof Didacus Hurtado de- Mendoza erlassenen Consti-
tutionen bestätigt. — Der Erzbischof beschloss das Concil mit einer
Anrede. — Wir erfahren aber nicht, ob und welche Bischöfe der
Kirchenprovinz dieser Synode angewohnt haben, nicht, wie viele Siz-
ungen gehalten wurden, und wie lange sie gedauert habe. Die sehr
gut redigirten Verhandlungen des Concils gewähren uns einen nähern
Einblick in die damaligen religiösen und sittlichen Zustände von
Andalusien*).
') alicujos domini titalati.
*) Aguirre-Catalani, Conoilia Hispaniae, t V, p. 361—881 — Tefada y Ramirot
Colcccion etc., tuio. V, Madr. 1855, p. 67—111.
60 Dreizehntes Buch. Eretes KspiteL
§. 27.
Man hat in Deutschland eine falsche Vorstellang von den s. (
Autodaft's und den Sanbenitos der Spanier. Aatodafes bedeutet wed(
Hinriehtangen noch Grausamkeiten, sondern einfach „Akte des Glaubeni
(bekenntnisses^) ').
Die „Autodafes^ waren öffentliche Bekenntnisse des katholisch
Glaubens, zugleich Abschworungen von Irrlehren. Solche Akt«: fand^
vom Jahre 1481 bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts in gross!
Zahl statt Die meisten verliefen unblutig. In einem Autodafe i
Toledo vom 12. Februar 1486 wurden 750 Personen gestraft; dieStd
bestand meistens in einer leichten Kircfaenbusse; nicht Einer erlitt M
Tod. Am 2. April 1486 wurden zu Toledo 900 Personen verortbal
und keine hingerichtet. Am I.Mai 1486 wurden wieder 7öO Fersooi
am 10. December 1486 — 900 Personen verurtheilt, keine aberi
den Flammen. 3300 Personen wurden — nach Horenis — die meiM
zu Kirchenbussen, 27 aber zum Tode verurtheilt. Paramo weiss fli
von vier Todesurtheilen der Inquisition zu Toledo gegen vier ,yErzkezer^'
— Die einzelnen Auto's, u. a. das Verzeichniss der abschwöremk
Personen enthaltend, erschienen später im Drucke, and es gibt nol
verschiedene Sammlungen dieser Autodafe's').
Die Beschreibung eines der lezten Autodafes, der „von dem
ligen Inquisitionsgericht am 9. Mai 1784 in der Kirche S. Doi
*> ICan denke an die so gefeierten: Autos sacramentales der SptBter,
Fronleichnamsspiele, ähnlich wie die Fkssionaspiele in Oberammergan, wdebe
bei Katholiken, Protestanten , und selbst Jaden solchen Anklang finden; i.
jene — Tkknor- Julius , Qesch. der schönen Literatur in Spanien, Himb. K
Bd. I, p. 612—620, besonders des Lope de Vega und Caldenm\ II, P- 1-
793. — Fr. Schock, Gesch. der dramat Literat, n. Kunst in Spanien (8. U) 1^
11, p. 102-105; 393— 41Ö u. s. w. — Äd. Wolf, (Naohtr. sn Ticknar^vlm, «
S. 99-100. Lope de Vega sagte sterbend, er bereue es, dass er nidit leio
Leben dem Schreiben von Autors und andern ähnlichen religiösen GedichteB
widmet habe, S. 118—120; 207—208.
•) Paramo, p. 170. — Uarente, I, p. 238—239.
') Ob es irgendwo eine vollständige Sammlung gibt, wissen wir niebt.
kleinere Sammlung, leider nur aus den Jahren 1720—1723, befand sich in der
bibliothek des unglfickUchen Kaisers Maximilian von Mexico. Nicht woiiger
39 Autodafes wurden in diesen Jahren gehalten, and iwar 3 in Madrid, i
Lissabon, 1 in Coimbra), 1 in Barcelona, 1 in Ck>rdova, 2 in Llerem, 3 ii Mi
4 in Sevilla, 4 in Valladolid, 4 in Toledo, 4 in Granada, 3 inCuencs, 1 «aSat
1 in Valencia, 1 in Zaragoxa, 1 in MaUorca. - x, B. Beladon de! Anto v^
ae Fä, que se celebrö en Madrid, el 22 Febrero de 1722. Madrid 1722 «<*
p. p. cart - cf. Catalogue de la bibliotfa^que de Jos. Mar. Andrade. L»!*. ^'
p. 100-102.
L _
Ein Antodafid 1781. 61
el Real öffentlich vollzogenen Execution^ findet sich im Anhange der
Sammlang der Instructionen der Inquisition (von Reusa). Darnach
gingen am 9. Mai 1784, nach acht einhalb Uhr Morgens^ aus dem
Inquisitionsgerichtshof zu Madrid ein Mann und zwei Frauen in
Bussldeidern; zwei davon mit dem San Benito und dem Andreas-
Krenz, die dritte ohne dieses. Alle drei mit grünen Kerzen, Stricken
um den Hals, und papiemen Kappen , worauf ihre Verbrechen ge-
schrieben waren. Vor dem Tribunal ging ein Zug von der Reiterei j^'Jj"!^'^^
und eine Compagnie Grenadiere, in zwei Reihen folgten die Diener des na«.
Gerichts, in ihrer Mitte die Verbrecher, dann die Censoren in Glaubens-
sachen, in ihrer Mitte ein geist- und weltlicher Bedienter, welche einen
mit carmosinrothem Sammt überzogenen Kasten, worin die Processakten
waren, trugen. Es folgten der Inquisitor, der allein ging, der oberste
Algnazil (von Madrid) und einige andere Dignitare. Zwei Reihen von
Hellebardieren deckten den ganzen Plaz ; es folgten wieder Grenadiere,
welche den Marsch spielten. Allen diesen folgte der Zug von Wagen
und Kutschen des Alguazils. Man zog in die Kirche Domingo el real, in
der wieder eine Grenadier -Compagnie aufgepflanzt war, „um Unord-
nung beim Zulauf des Volkes zu verhindern^. Die „Verbrecher^ er-
hielten auf einem erhoheten Gerüst in der Kirche ihre Plaze ange-
wiesen. EUnter ihnen stellten sich der Alcayde, der Vice-Alcayde, der
Gerichtsbote und der Chirürgus auf, die sie beobachteten. Der In-
quisitor hatte seinen Siz auf der Evangelienseite, vor sich ein Crucifiz,
das Ritual, die Stola, und ein Licht, um die Verbrecher zu absolviren.
Es begann die heilige Messe. Nach dem Introitus bestieg ein Secretar
des Gerichts eine Kanzel neben dem Gerüst, worauf die Verbrecher
standen, und las ihre Processakten vor, welche eine Menge von Schänd-
lichkeiten, Aberglauben, Abgotterei, Teufelsverbindungen, und andere
abscheuliche Verbrechen enthielten. Das Urtheil lautete: Der Mann
und eine der Frauen sollten „de vehementi^ abschworen, beide am
nächsten Tage auf den öffentlichen Plaz gefuhrt werden, der Mann, um
200 Stanpschläge zu erhalten, die Frau zur öffentlichen Beschimpfung.
Beide sollten dann auf fünf Jahre in das Zuchthaus wandern, und beide
für immer 40 Meilen von Madrid und den übrigen Hoflagem verwiesen
werden, und an dem Orte, wo sie später wohnten, sich der Aufsicht
der Inquisition unterstellen. Die andere Frauensperson sollte „de levi^
abschworen, und vier Jahre von Madrid und den königlichen Hoflagern
ferne bleiben. Alle drei Verbrecher sollten einen Monat lang in dem
Hause des Tribunals geistlichen Uebungen obliegen, dem zu ernennenden
Director eine aUgemeine Beicht ablegen, dann in das königliche Ge-
fängniss, aus dem sie gekommen, zurückgeführt werden, damit „ihre
hier anhängig gemachte Sache ausgemacht würde, nach deren Beendigung
sie zu ihren verschiedenen Bestimmungen abgeführt werden soUten'S
FoU«r.
64 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.
klagten zweimal yorgelesen, und deren Inhalt von ihnen als wahr an-
erkannt werden.
^'^ . Der Angeklagte konnte Zeagen zurückweisen) welche er für m
' Feinde hielt. Er konnte Entlastungszengen sich aasbitten, weldie
mfen werden mussten, wenn sie auch in einem andern Welttheile eidlj
befanden. Jeder Process wurde durch eine Keihe yon Instanzen \m
durchgeführt. Nur wenige Inquisitionsprocesse (in der Zeit nach 1507
hatten den Tod der Angeklagten zur Folge. Vergleicht man daoi
das gleichzeitige Gerichtsverfahren in andern Landern, so wird lü
überrascht von dieser Milde.
Wahr ist, dass auch bei diesem Gerichte die Folter angewendi
wurde. Aber kein weltlicher Gerichtshof hatte sie abgeschaffi. S
hörte bei der Inquisition , wie bei allen andern Gerichtshöfen, erst il
mälig um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts auf. Selbst Dam
sagt: es ist gewiss, dass seit langer Zeit die Inquisition auf die Fall
verzichtet hat, so dass man sie in der That als abgeschafft betradbl
kann*). Die Inquisition weiss nichts von all' den geschärften Tode
strafen, welche die peinliche Gerichtsordnung Carl's V. vom Jahre l&i
!><• kennt, nichts von Viertheilung, Raderung, Galgen, Wasser, Lebendji
begraben, Keissen mit glühenden Zangen, Abhauen der Finger, A|
schneiden der Zunge und Ohren, u. s. w«
In einem und demselben Process durfte die Folter nicht ad
als einmal angewendet werden. Ein anwesender Arzt musste jedeam
bestimmen, wann sie aufi:uhoren habe, um nicht das Leben zu gefahn]|
Zwar hatten die im Jahre 1484 erlassenen ersten Artikel eine wiedq
holte Tortur gestattet, aber sehr bald wurde davon Abstand genommen^,
Schon im Jahre 1537 verbot der oberste Inquisitionsrath fast alle il
Wendung der Folter gegen die Moriscos '). Bald darauf wurde d
schieden, dass nicht die Provinzialgerichtshofe, sondern nur der obeii
Bath der Inquisition die Anwendung der Folter erlauben durfte, ii|
erst, nachdem der Angeklagte zuvor zu seiner Entschuldigung Al|
vorgebracht hatte« Nach einer andern Verordnung sollten nur d|
Diöcesan - Bischof^ die Consultoren und der Inquisitor auf Tortor tf
kennen dürfen, und dieselbe nur in ihrer Gegenwart angewendet werden)
Die Gefangnisse der Inquisition waren selbst nach Uarmte gä
nuae. gewölbte, helle und trockene Zimmer, in denen man sich einige Be
wegung machen konnte^). Von Ketten, Handschellen, eisernen Bah'
*) Lhrenie, I, p. 805-^06.
•) Lhrente, I, p, 307. — Beuss, S, 23, Artikel 15.
») Uorente, I, p. 446.
') LhrerUe, U, p. 817—318.
*; Llorente, I, p. 300.
Die
CMKag
Die GtofIbigDiiise. Art dee Vorfahrena. 65
«Ddeni war keine liede'). — Die Kranken wurden gut behandelt.
)ie Gefangenen wurden gefragt, ob der Kerkermeister sie gut behandle.
Sohne und Tochter von Kezern unter 20 Jahren wurden auch
aeh at^laofener Gnadenfrist gern zu Gnaden angenommen*). Knaben
nrften nicht vor 14, Madchen nicht vor 12 Jahren die Häresie ab-
rkwören, um sie vor Gefahr des Bückfalls in dieselbe zu bewahren.
Der zweite GrossinquisitA* Deza liess am 17. Juni 1500 u. a.
ie Verordnmig ei^ehen, das Niemand wegen unbedeutender Anklagen,
xfa nicht wegen Gotteslästerungen, welche im Zorne ausgestossen
oideD, eingezogen werden dürfe ^. Das tolle, wahnsinnige Benehmen
ncher spanischer Häretiker, von denen z. B. nicht wenige bei oder
wh der hdligen Wandlung auf den Priester sich stürzten, und ihm
e oonsecrirte Hostie ans der Hand rissen ^)^ zeigt eben, wie bei diesen
iretikem Wahnsinn epidemisch war. Desswegen untersuchten die
qnisitoren genau den Geisteszustand der Angeklagten und lieber-
teenen, und bestimmten darnach ihr Verfahren^).
In sanen lezten Statuten vom 25. Mai 1498 verordnete Torqne-
ida, dass bei jedem Gericht ^n Jurist und ein Theolog, ersterer ge-
Ümlich auch ein Kleriker, Inquisitoren sein sollten. Sie dnrfi;en nur
meittschaftlich auf Verhaftung erkennen. Waren sie nicht einig, oder
r Angeschuldigte eine distinguirte Persönlichkeit, so konnte nur der
este Raul der Inquisition die Verhaftung anordnen*). Carl IV.
fbot der Inqnbition, Jemand zu Verhaften, ohne dass der Konig da-
B in Kenntniss gesezt worden^). Für die Verhafteten wurden be-
«dere Y^rwaltar ihrer Güter aufgestellt.
§. 29.
Den Inquisitoren waren die s. g. Qualificatoren an die Seite ge- Die
^Ut, Professoren, Theologen, die nicht zum Gerichte selbst gehörten, ß^^^^]
ker Gutachten abzugeben hatten, ob gewisse, seien es gesprochene reu.
dtr gedruckte Säze der Angeschuldigten, wirklich häretisch seien.
Veno sie diess verneinten^ so unterblieb die Verhaftung. Erst wenn
0 UarenU, I, p. SOI.
*) Reuu, S. 15-16.
*) Art. i. — Reuss, S. 66. — Lhrente, I, p. 2H, 380.
0 I)on Franeüco de Quevedo. Ein spanischea I^bensbild aus dem sieb-
«Ittteii Jthrfanndert v. Baumstark. Freib. 1871, S. 13G—143. Quevedo erklärt
lieu ftU Sucht, berQhmt zu werden, nnd meint, man solle Verbrecher dieser Art
bU Anäfichlnss aller Oeffentlichkcit hinrichten.
*; IJbrente, II, p. 148-149.
*) Uorenie, II, p. 9-10, 21)8,
') Uorenie, II, p. 471.
<>««, 9M. Urtke. in. 8, 5
66 DreisehnteB Bach. Entos KA|ritdl.
andere Qualificatoreii gefragt, ond anders entschieden haUen, doriti
eine Verhaftung stattfinden*).
Der achte Artikel der Statuten Tom Jahre 1498 verordnet, das
die als falsche Zeugen Ueberwiesenen öffentlich bestraft werden sollen*]
Bei einem Autodafö zu Sevilla im Jahre 1659 erhielt ein islacb
zoa^n Ankläger 400 Peitschenhiebe, und wurde vier Jahre eu den Gsleen
bettrao. verurtheilt^. Ja, Papst Leo X. wollte am 14« December 1518, im
falsche Zeugen mit dem Tode bestraft werden sollen^).
Zwei bei den Verhören anwesende Priester mossten üisshaij
lung und Willkuhr zu verhindern suchen^). Der dem AngAlagii
beigegebene Anwalt musste schworen, denselben standhaft nnd tieo i
vertheidigen. Bei armen Angeklagten bezahlte der Fiscos den Adt
caten'). Der Ankläger musste schworen, dass kein Privaüu» 1
treibe, dass er, wenn er verleumde, gewärtig sei, der schwerstes Stil
diesseits nnd der ewigen Verdammung anheimzufallen. Den Verkligl
Art do8 wurden in Gegenwart der beiden Priester die Protokolle nach dl
fabroDB. Verhöre und wieder nach vier Tagen zur Verifioirong vorgdeses*
Dem Angeklagten, der noch nicht 25 Jahre alt war, wurde ein eigcs
Gurator beigegeben^.
Fällung ^ (}|Q grosste Vorsicht war die Inquisition bei FUloiig 4
theiie. Urtheile gebunden. Das Urtbeil erhielt nur Kechtskraft durch Zi
Stimmung des Oberinquisitors und seines Käthes; froher war dii
nur bei den nicht einstimmig, später auch bei den einstimmig ge&ol
Urtheilen der Fall^. Die Urtheile mussten von den Gonsulentai, dl
Advocaten bei dem Obergerichte, die keineswegs Beamte desselben vnt
geprüft werden. Zum zweitenmale wurden die Qoalificatoren lui
dem Verhöre gefragt, ob nach den gegebenen ErläuteruDgen eil
Häresie vorliege, oder nicht. Ohne eigenes Geständniss war die Uebo
Weisung der Eezerei äusserst schwierig^®).
So leid es den Spaniern war, horten die Päpste doch nienll
auf, Appellationen gegen die Inquisition anzunehmen.
') Lhrente, I, p. 227; 297—299.
*) Heuss, S. 60. — LlorerUe, I, p. 232; 352.
») UoretUe, II, p. 271.
*) Uorefäe, I, p. 417.
*) Uorefäe, I, p. 283.
•) Reuss, S. 24; 154. —
^) Camicero, Jos, Clement,, la inqDisioion jnstamente restablaeid^ 6 inpnr
nacion de la obra de 2>. J. AnL Lhrente: Anales de la InqQisieioii de E^
Madr. 1816, T. II, p. 57—58.
') Eeu88, S. 156. — Uorente, I, p. 294; II, p. 806.
•) Lhrente, I, p, 221; — Reuas, S. 41.
'•) Reuss, S. 21—22. — Uorente, I, p. 227.
Die Zeogen. Art and Weise des Verfahrens. 67
Aber warom durften die Angeklagten nicht die Namen der Zeugen
l^en sie erfiihren? Schon im Jahre 1484 wurde geantwortet, weil
Irrere Zeugen von den Häretikern, oder ihren Anhängern, Verwandten,
lelodtct, oder verwundet und misshandelt worden*). Unter Carl V,
dangten die Cortes von ValladoHd, — Februar 1518, — dass die
ieogen genannt werden. Die Nennung sei ,Jezt nicht mehr gefährlich,
I sei denn, dass der Angeschuldigte ein Herzog, Markgraf, Graf,
lischof oder Pridat sei"*). Der Beklagte hatte femer das Recht, die
^nen zu nennen, welche er für seine Feinde halte, und deren
bgniss er verwerfe, und sie wurden als Zeugen ausgeschlossen. Bei
engen, welche er nicht ausgeschlossen, musste das Gericht untersuchen,
b sie nicht personliche Feindschaft treibe^).
Die neuen Statuten vom Jahre 1488 bestimmen zur Abkürzung
er Processe: der Process müsse sogleich instruirt werden, damit
ie GeGingenen nidit Grund zur Beschwerde hätten^). Dagegen durfte
m Prooess und keine Haft verlängert werden (Statut von 1488),
von ein Zeuge gegen den Angeklagten aus weiter Ferne berufen werden
jUte. Der Gefimgene sei nach Maassgabe dessen, was erwiesen worden,
1 beurtheilen, und dann freiansprochen. Ein neuer Process könne
sr beginnoi, wenn neue Anklagen vorliegen^).
Das Statut Torquemada's vom Jahre 1498, das auf einer Ver-
munlimg 2u Toledo berathen worden, verlangt Vorsicht und Kürze
er Processe. Wem aber einzelne Processe dennoch lange dauerten,
) lagen äossere Hindernisse vor, z. B. weite Entfernung der Zeugen.
Aweilen zögerte man auch, um dem Angeklagten Zeit zur Reue zu
ebeo. Nacb dem Bekenntnisse und der Rene tiher trat stets die Busse
18, welche im Allgemeinen in geistlichen Uebnngen bestand*).
Zu Zeiten Torqnemada's wurden wiederholt Klagen laut| dass
li'D Inquisitoren die ihnen schuldigen Gehalte nicht ausbe.zahlt würden,
iod sie darum am Nothwendigen Mangel litten. Später verstummen
Urse Klagen , ohne dass man Grund hat, von Ueichthümern der In-
IQisition zu reden. Vielleicht hängt dieses Verstummen zusammen mit
Icr Verleihung einer Canonicatspfründe jeder üathedrale an die In-
luisition').
') J^Mtf, 8. 23. Art 16 der ersten Statuten. — Ranke, FüTsten mü Volker ,
I, S 247.
") UßTaUe, I, p. 379.
*) Ltomäe, II, p. 29-30.
Ö RfM98, Sannluiig, S. 89, Are. 3.
') Reuss, S. 40.
*) ReMga, S. 18; 68.
') Uarente, I, p. 217. „Die Finanzen des heHigen Amtes waren so Qbel be-
stellt, dass die Qebalte der Inquisitoren, welche ans den Confiscnt tonen bestritten
5'
66 DreizehnteB Buch. Enlee K^tol.
andere Qualificatoren gefragt, and anders entadiieden hatten, darf
eine Verhaftung stattfinden^).
Der achte Artikel der Statuten Tom Jahre 1498 verordnet, di
die als falsche Zeugen Ueberwiesenen öffentlich bestraft werden aollen'
Bei einem Autodafö zu Sevilla im Jahre 1659 erhielt ein fidsdi
z^a^n Ankläger 400 Peitschenhiebe, und wurde vier Jahre su den Gileci
bettraa verurtheilt^* Ja, Papst Leo X« wollte am 14« December 1518, di
falsche Zeugen mit dem Tode bestraft werden soU^i^).
Zwei bei den Verhören anwesende Priester nmssten Hisshü
lung und Willkühr zu verhindern suchen^). Der dem AngAligt
beigegebene Anwalt musste schworen, denselben standhaft nnd treo i
vertheidigen« Bei armen Angeklagten bezahlte der Fiscos den Ad»
caten'). Der Ankläger musste schworen, dass kein Privathass i
treibe, dass er, wenn er verleumde, gewartig sei, der schwentea Stti
diesseits und der ewigen Verdammung anheimzufifülen. Den VerUa^
Art do8 wurden in Gegenwart der beiden Priester die Protokolle nach i
fabroDB. Verhöre und wieder nach vier Tagen zur Verificining vorgeleecf
Dem Angeklagten, der noch nicht 25 Jahre alt war, wurde ein dg«
Gurator beigegeben^.
Fällung ^ ^^ grosste Vorsicht war die Inquisition bei KDong i
theiie. Urtheile gebunden. Das Urtbeil erhielt nur Rechtskraft dnrcbZ
Stimmung des Oberinquisitora und seines Käthes; früher war dil
nur bei den nicht einstimmig, spater auch bei den einstimmig ge&fll
Urtheilen der Fall^. Die Urtheile mussten von den GonsnleDteii, i
Advocaten bei dem Obergerichte, die keineswegs Beamte desselben wal
geprüft werden. Zum zweitenmale wurden die Qualificatoren ni
dem Verhöre gefragt, ob nach den gegebenen Erlauterangen A
Häresie vorliege, oder nicht. Ohne eigenes Geständniss war die Uebf
Weisung der Eezerei äusserst schwierig*®). 1
So leid es den Spaniern war, horten die Päpste doch ni«
auf, Appellationeo gegen die Inquisition anzunehmen.
*) LhrenU, I, p. 227; 297—299.
*) keuss, S. GO. — Llarente, I, p. 232; 352.
•) Llarenie, U, p. 271.
') Lhrtnie, I, p. 417.
*) lAcrenie, I, p. 233.
*) Reuss, S. 94; 151 —
^ Camicero, Job. Clemeni.^ la inqmsieioB jastamenle restaUaeidft, 6 iam
nacion de la obra de 2>. J. AnL Uaremie: Asales de la laqnisieioB d6 E^
Madr. 1816. T. II, p. 67—58.
") Emus, S. 156. — LUmnie, I, p. 294; II, p. 806.
•) UorenU, I, p. 221; — Brnus, S. 41.
••) Reu9B, S. 21-22. — Uormie, I, p. 227.
Zahl der Opfer. 69
Wir haben aber die Aassagen dreier zur Zeit der Einführung der
pisitioD lebender SchrifisteUer, deren abereinstimmendes Zeugniss
ini gehört werden mnss.
Luc. Misrinms SietUus schrieb „de rebus Hispaniae", 22 Bücher, ^^^^^*'
bezeagt, dass in Folge der Inquisition in Andalusien etwa 17.000 Per- Sicuiu«.
KD ihre Irrthümer abgeschworen haben , dass sehr Viele geflohen,
1 man etwa 5000 leere E[auser gezählt habe« Von den Hartnäckigen
en im Laufe weniger Jahre 2000 Personen beider Geschlechter ver-
iDDt worden *)•
Uebrigens schiebt auch Marinem die Einführung der Inquisition
chlich dem Papste zu, der sie bloss concedirte*).
Heman del Pidgar, Chronist der ^^katholischen Konige", spricht ^**'«*''
1 in ähnlicher Weise aus^. Er sagt: „Von den Verurtheilten
tlen zu yerscfaiedenen Malen, und in einigen Städten und Orten
en 2000 Männer und Frauen verbrannt; andere wurden zu bestän-
tn Gefängnisse yerurtheilt, andern wurde als Busse aufgegeben,
1 sie alle Tage ihres Lebens einherwandelten, gezeichnet mit grossen
igen Kreuzen, die sie auf der Brust und an den Schultern tragen
Aas der gleichzeitigen Chronik dea A* Bemaldez will Uorente
m, dass von 1482 — 1489 jährlich 88 Personen in Sevilla verbrannt des.
den. Im Jahre 1818 (und 1851) war das Werk von Bemaldez
1 nicht gedruckt. Es erschien erst im Jahre 1856 zu Granada ^).
Btmaldez zählt vom Jahre 1481-- 1488 einschliesslich acht Jahre.
lieser Zeit, sagt er , verbrannten sie mehr als 700 Personen , ver-
iteo mit der Kirche mehr als 5000, schlössen (andere) in Gefang-
ne, in welchen sie vier oder fünf Jahre oder länger verweilten.
Andr.
Benuü-
') Quornm (obstinatomm) pancis annls utriusque sexus millia duo combusta
ut (Andere durften in den Gefängnissen fortleben.) Lue, Marin, SiciUuSf de
u His|Miniae memorabilibas 1. 22. — ap. Schott, Hispaniae illofitratae, t. I.
?.P. 483(p. 291— 518).
^ Ptpa — inquisitionem fieri diligenter et animadverti jabebat — Hex et
u sQctoritate jussuque Pontificio inquisitoribos hanc ordin0m et hanc legem
wnint (p. 4^-483.)
') Gortaica de 2>. Fernando y D. Isabel, Valencia l78D fol. sonst fälschlich
er dem Namen des Ael, Anton, v. Lebrija ci(,irt,' der das Werk herausgab, aber
il TcrfMite (oben 111, 1, p. 446).
0 Pulgar, Corönfca de los reyes CaföUcQS. -- P. segnnda, cap. 77, p. 137.
^ fii^ron qoemados en diversas veoes y en algunas cibdades 6 vtltas, fasta dos
bomes 6 mngeres: 6 ofros faeron condcDados i carcel perpetoa, 6 ä otros fuö
^ por penitencia, qne todos los dias de sn .vida andoviesen sefialados con cruces
D<ic8 cotoradas, poestas sobre sds ropas de vestir en los pechos y en las espaldas.
) In zwei Bänden und in schlechter Ausstattang. Andris Bemaldez, Historia
loi reyes Oatolieos D. Fernando y D. Isabel, ConJnica inödita del Siglo XV,
m^ Onaad. 1856.
68 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.
Dass das Vermögen der Verurthcilten confiscirt, und die Kinder
derselben ihres elterlichen Erbes beraubt wurden, war unstreitig eine
harte Maassregel der Inquisition. Sie wird etwas gemildert durch die
Erwägung, dass in Castilien schon vor Einführung der Inquisiticn die
Guter der überführten Kezer eingezogen wurden^). Bei den Moriscoi
dagegen fiel diese Harte weg. Das Vermögen der Verurtheilten blieli
deren Kindern^). Schon nach dem ersten Statut des Jahres 14S4
(Art. 22) wird verordnet, dass die Inquisitoren für die Waisen der Vei^
urtheilten Sorge tragen; sie sollen dieselben rechtschaffenen PersoM
empfehlen, welche sie erziehen, unterhalten, und in dem katholiscfaei
K?der ^^^^''^^'^ Unterrichten^. Sie sollen ein genaues Verzeichniss über diel
dorver- Waisen und deren Zustand halten, welche „die Könige'^ unterstüza
nrtheii- ^^^^ gj^ jj^ j^^ Stand sczeu, dass sie entweder heirathen, oder in eioti
Orden eintreten. In nicht seltenen I^en liessen „die Konige" di
Guter der Verurthcilten deren Frauen und Kindern*), oder sie vq
willigten ihnen Pensionen aus ihrem Vermögen, oder Anweisungai u
bestimmte Summen, bezalilbar dem, der diese Anweisungen prasentirti
§. 80.
Zahl der Opfer der Inquisition.
Durch einen ..frivolen ProbabilitätscalcuP^ kommt Lhrtnte dal
Zfthider^^ Zahl der Oj^er der Inquisition also zu berechnen:
Verurtheilte, die in Person verbrannt wurden: . • 081. 912
„ „ im Bilde „ „ . . 017. 659
Begnadigte mit schweren Strafen ... . . 291. 450
Total: 341.021*)
Durch die genaue Angabe der Zahlen will er die Leser glaoba
machen, dass er die Opfer gleichsam selbst gezahlt, dass ihm
redende Documente vorgelegen haben. Seine ganze Rechnung st
sich aber auf eine Angabe bei Mariana, dessen Worte er nicht so
missverstanden, als schmählich verdreht hat. Mariana lebte ein JaIit
hundert nach Torquemada, kann also in keinem Falle ein zon^
lässiger Zeuge sein.
werdet) sollten, gewOhnlioh im Rückstand blieben/ r- Q^c. Pesckd, ZoUlt i
Entdeck., S. 152. — Zam Ganzen s. Htfek, S. 304—322.
') Ordenangas reales, Lib. 8, tit. 4.
*) Llorente, I, p. 448-449. — Condicion moral de los Moriaeos de Es^
cansasde su expnlsion, y consecnencias qne esta prodnjo en el ördeo eoooootfi
y politico; P. D. Florencio Jantr, liadr. 1857.
») Reu8$, S. 31—32. — UorenU, I, p. 182.
^) UarenU, p. 216—217,
') Llorente, IV, p. 271.
Zahl der Opfer. 69
Wir haben aber die Aussagen dreier zor Zeit der Einführung der
hqaisition lebender Schriftsteller, deren übereinstimmendes Zeugniss
mni gehört werden mnss.
Lue. Marineus Sietdus schrieb „de rebus Hispaniae", 22 Bacher. ^^^;^*'
Er bezeagt, dass in Folge der Inquisition in Andalusien etwa 17.000 Per- sicnia«.
Kmen ihre Irrthumer abgeschworen haben, dass sehr Viele geflohen,
nid man etwa 5000 leere E[auser gezahlt habe. Von den Hartnäckigen
Kien im Laufe weniger Jahre 2000 Personen beider Geschlechter ver-
tont worden *)•
Uebrigens schiebt auch Marineus die Einführung der Inquisition
itechlich dem Papste zu, der sie bloss concedirte *).
Heman dd Pulgar, Chronist der „katholischen Konige", spricht ^***«"''
Ich in ahnlicher Weise aus*). Er sagt: „Von den Verurtheilten
iirden zu Yerschiedenen Malen, und in einigen Städten und Orten
«gen 2000 Männer und Frauen verbrannt; andere wurden zu bestän-
*fem Gefängnisse Terurtheilt, andern wurde als Busse aufgegeben,
ISS sie alle Tage ihres Lebens einherwandelten, gezeichnet mit grossen
irbigen Kreuzen, die sie auf der Brust und an den Schultern tragen
Jltcn*).
Aas der gleichzeitigen Chronik des A* Bemaldez will UoretUe g^nud-
tssen^ dass yon 1482 — 1489 jährlich 88 Personen in Sevilla verbrannt des.
vden. Im Jahre 1818 (und 1851) war das Werk von Bemaldez
9ch nicht gedruckt. Es erschien erst im Jahre 1856 zu Granada ^).
- Bemaldez zählt vom Jahre 1481 -- 1488 einschliesslich acht Jahre.
I dieser Zeit, sagt er , verbrannten sie mehr als 700 Personen , ver-
hütten mit der Kirche mehr als 5000, schlössen (andere) in Gefang-
iise, in welchen sie vier oder fünf Jahre oder länger verweilten.
Andr.
I) QoonuD (obstinatonim) paucis annis utriusque sexos millia duo combusta
KnnL (Andere durften in den Gefängnissen fortleben.) Lue. Marin. SiculuSj de
te HUpanue memorabilibns 1. 22. — ap. Schott, Hispaniae illustratae, t. I.
l?,p. 483 (p, 291—518).
0 Papa — inquisitionem fieri diligenter et animadverti jabebat — Bex et
^ anetoritate jnssnque Pontifido inquiBitoribns hone ordbäm et hanc legem
^ta«niDt (p. 4^-483.)
*} Corteica de 2>. Fernando y D. Isabel^ Valencia 178D fol. sonst falschlich
^ dem Namen des Ael. AnUm, v. Lebrtja citirt,' der das Werk herausgab, aber
«bt Tcrfiarte (oben 111, 1, p. 446).
*) Pulgar, Ck>rönica de los reyes Cafölicps. '— P. segnnda, cap. 77, p. 137.
^^^ fo^n qnemados en ^veraas veoes y en algunas cibdades 6 vtllas, faata dos
tf bomea ö mageres: 6 otroa fueron condenados & carcel perpetna, 6 ä otroa faö
^ por penitencia, qne todos los diaa de an vida andovieaen aefialados con cruces
^<Ie8 colorMha, puestaa sobre ans ropas de veatir en loa pechoa y en las eapaldas.
') In zwei Binden nnd in achlecbter AnSatattang. iln(2r& BemaldeZy Hiatoria
fc k» reyea Gatolieoa D. Fernando y D. Isabel, ConJnica inödita del Siglo XV,
2toB^Gnuuid. 1866.
68 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.
Dass das Vermögen der Verurihcilten confiscirt, und die Kinder
derselben ihres elterlichen Erbes beraubt wurden, war anstreitig mt
harte Maassregei der Inquisition. Sie wird etwas gemildert durch die
Erwägung, dass in Castilien schon vor Einfuhrung der Inqaisitioii die
Güter der überführten Kezer eingezogen wurden '). Bei den Moriscoi
dagegen fiel diese Härte weg. Das Vermögen der Verartheiltcn bliel
deren Kindern^). Schon nach dem ersten Statut des Jshres 14S4
(Art. 22) wird verordnet, dass die Inquisitoren für die Waisen der V«
urtheilten Sorge tragen; sie sollen dieselben rechtschaffenen Personi
empfehlen, welche sie erziehen, unterhalten, und in dem katholiscba
Khidor ^^*^^®° unterrichten^. Sie sollen ein genaues Verzeichniss über diei
der ver- Waisen und deren Zustand halten, welche „die Könige^ unterstuia
urtheii- ^Q^ g|^ ^ ^^j^ Stand sezen, dass sie entweder heirathen, oder in eiiM
Orden eintreten. In nicht seltenen Fällen liessen „die Könige^ dj
Guter der Vernrtheilten deren Frauen nnd Kindern^), oder sie t«|
willigten ihnen Pensionen aus ihrem Vermögen, oder Anweisungen m
bestimmte Summen, bezahlbar deni, der diese Anweisungen prisentiil)
§. 80.
Zahl der Opfer der Inquisition.
Durch einen .^frivolen ProbabilitätscaJcul^^ kommt Uormtt dfli
Zfthider^^ Zahl der Oj^er der Inquisition also zu berechnen;
Verortheilte, die in Person verbrannt worden: . 4 081. 912
„ „ im BUde „ n • • 017. 659
Begnadigte mit schweren Strafen ... . . 291. 450
Total: 341. 021*)
Durch die genaue Angabe der Zahlen will er die Leser glaobfl
machen , dass er die Opfer gleichsam selbst gezahlt , dass ihm idir
redende Documente vorgelegen haben. Seine ganze Rechnung st
sich aber auf eine Angabe bei Mariana, dessen Worte er nicht so
missverstanden, als schmählich verdreht hat. Mariana lebte ein J
hundert nach Torquemada, kann also in keinem Falle ein zuro«
lässiger Zeuge sein.
werden sollten, gewOhnJIefa im Rückstand blieben/ r- Ose. Pe$ekel, &Ht)t. i
Entdeck., S. 152. — Zam Ganzen s. Hefde, S. 30i~322.
') Ordenan^as reales, Lib. 8, tit. 4.
*) normte, I, p. 448-449. — Condicion moral de los Moriieos de E^
cansasde su expnlsion, y consecuencias que esta prodiija e« el i^rden eooiK)o«tj
y politico; P. D, Fhrencio Janer, Madr. 1857.
>) ReusB, S. 31—32. — LUrrente, I, p. 182.
') Llarente, p. 216—217.
*) Llarente, IV, p. 271.
LucMjt«
Zahl der Opfer. 69
Wir haben aber die Aussagen dreier zur Zeit der Einführung der
Inquisition lebender SchrifisteUer, deren übereinstimmendes Zeugniss
merst gehört werden muss.
hte. Marineus Siculus schrieb „de rebus Hispaniae'^, 22 Bucher. ^^^^^
Er bezeugt, dass in Folge der Inquisition in Andalusien etwa 17.000 Per- sicniua.
ionen ihre Irrthümer abgeschworen haben, dass sehr Viele geflohen,
lod mao etwa 5000 leere Häuser gezahlt habe» Von den Hartnäckigen
leien im Laufe weniger Jahre 2000 Personen beider Geschlechter ver-
boDt worden *).
Uebrigens schiebt auch Marineus die Einführung der Inquisition
(bchlich dem Papste zu, der sie bloss concedirte*).
Eeman dd Pulgar, Chronist der „katholischen Konige", spricht ^"*«*''
ich in ähnlicher Weise aus*). Er sagt: „Von den Verurtheilten
urdeo zu yerschiedenen Malen, und in einigen Städten und Orten
egen 2000 Männer und Frauen verbrannt; andere wurden zu bestän-
^em Gefängnisse verurtheilt, andern wurde als Busse aufgegeben,
tss sie alle Tage ihres Lebens einherwandelten, gezeichnet mit grossen
fbigen Kreuzen, die sie auf der Brust und an den Schultern tragen
Jlten«).
Aas der gleichzeitigen Chronik des A, Bernaldez will liaretUe s^nud-
i»seO; dass yon 1482 — 1489 jährlich 88 Personen in Sevilla verbrannt des.
arden. Im Jahre 1818 (und 1851) war das Werk von Bemaldez
)ch nicht gedruckt. Es erschien erst im Jahre 1856 zu Granada ^).
* Bemaldez zählt vom Jahre 1481 ^ 1488 einschliesslich acht Jahre.
) dieser Zeit, sagt er, verbrannten sie mehr als 700 Personen, ver-
Üioten mit der Kirche mehr als 5000, schlössen (andere) in Gefang-
m, in welchen sie vier oder fünf Jahre oder länger verweilten.
Andr.
*) QQonuD (obatinatoram) pancis annis utriusque sexns millia duo combasta
itnat (Andere durften in den Gefangnissen fortleben.) Lue. Marin, SiculuSj de
A(u Hiipaniae memorabilibus 1. 22. ^ ap. Schott,, Hispaniae illofitratae, t. I.
l?,p. 483(p. 291— 518).
0 Papa — inquisitionem fieri diligenter et animadverti jabebat — Bex et
^ aoctoritate jossnque Pontificio inquiBitoribos hone ordbäm et hanc legem
litMniDt (p. 482-483.)
') Corteica de D. Fernando y D. Isabel, Valencia 1780 fol. sonst falschlich
^Wr dem Namen des Ad» Anton, v. Lebrya citirt,' der das Werk herans^b, aber
W»l Terfiarte (oben 111, 1, p. 446).
*) Pulgar, Corönfca de los reyes CatölicQS. -- P. segnnda, cap, 77, p. 137.
)>ito6 fböron quemados en diversas veoes y en algunas cibdades 6 villas, fasta dos
iSbomes ö mon^res: 6 otros fueron condenados i carcel perpetua, 6 ä otros faö
^ por penitencia, qne tödos los dias de sii vida andoviesen sefialados con cruces.
ru<Ie8 coloradas, pnestas sobre ans ropas de veatir en loa pechoa y en las eapaldas.
*) In zwei Binden und In achlecbter Ausstattung. Andris Bemaldez, Hiatoria
fc los reyea Oatolieoa D. Fernando y D. Isabd, ConJnica inödita del Sigto XV,
2 W, GnuMd. 1866.
68 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.
Dass das Vermögen der Verurtheiltcn confiscirt, und die Kinder
derselben ihres elterlichen Erbes bei*aubt worden, war anstreitig eine
harte Maassregel der Inquisition. Sie wird etwas gemildert durch die
Erwägung, dass in Castilien schon yor Einführung der Inquisition die;
Güter der überführten Kezer eingezogen wurden^). Bei den Morisco«
dagegen fiel diese Härte weg. Das Vermögen der Verurtheiltcn bliel
deren Kindern^). Schon nach dem ersten Statut des Jshres 14)1
(Art. 22) wird verordnet, dass die Inquisitoren für die Waisen der Vee
urtheilten Sorge tragen; sie sollen dieselben rechtschaffenen Personei
empfehlen, welche sie erziehen, unterhalten^ und in dem katholisdui
K?d ^^^^'^^^ unterrichten^. Sie sollen ein genaues Verzeichniss über dm
der ver- Waisen und deren Zustand halten, welche „die Könige'^ unterstüzil
ortheii- QQ^ qIq ^ ^^ij Stand sezen, dass sie entweder heirathen, oder in ei
Orden eintreten. In nicht seltenen f^en liessen „die Konige"
Güter der Verurtheiltcn deren Frauen nnd Kindern*), oder sie
willigten ihnen Pensionen aus ihrem Vermögen, oder Anweisungen
bestimmte Summen, bezahlbar dem, der diese Anweisungen präseoti
§. 80. ^
Zahl der Opfer der Inquisition. '
Durch einen „firivolen Probabilitätscftlcul^^ kommt UormU <hi
^^^^®'die Zahl der Opfer der Inquisition also zu berechnen; I
Verurtheilte, die in Person verbrannt wurden: . « 081. 912 i
„ „ im BUde „ „ . . 017. 659 (
Begnadigte mit schweren Strafen ... . . 291. 450 |
Total: 341.021*)
Durch die genaue Angabe der Zahlen will er die Leser glao
machen, dass er die Opfer gleichsam selbst gezählt, dass ihm
redende Docnmente vorgelegen haben. Seine ganze Rechnung
sich aber auf eine Angabe bei Mariana, dessen Worte er nicht so
missverstanden,' als schmählich verdreht hat, Mariana lebte ein J
hundert nach Torquemada, kann also in keinem Falle ein zu
lässiger Zeuge sein.
TA.
werden sollten, gewöhnJiofa Im Rückstand blieben.* r- Ose. PucM» Zotilt. |
Entdeck., S. 152. — Zam Ganzen 8. Hefde, S. 30i~322.
■) Ordenan^as reales, Lib. 8, tit 4.
*) Llarente, L p. 448-449. — Condicion moral de les MoriiCM de EäfO^
cansasde su expnlsion, y consecnencias qne csta prodii}a e« el i^rden ecoiMM
y politico; P. D. Flarencio Janer, liadr. 1857.
') Reuss, S. 31—32. — Llarente, I, p. 182.
*) UorenU, p. 216—217.
*) Llarente, IV, p. 271.
LttcMa-
rinous
Zahl der Opfer. 69
Wir haben aber die Aussagen dreier zur Zeit der Einführung der
[oqaisition lebender Schriftsteller, deren übereinstimmendes Zeogniss
nierst gehört werden mnss.
Luc Marineus SictUua schrieb „de rebus Hispaniae'S ^^ Bucher.
Erbezeogt, dass in Folge der Inquisition in Andalusien etwa 17.000 Per- sicniai.
lonen ihre Irrthümer abgeschworen haben, dass sehr Viele geflohen,
md man etwa 5000 leere Häuser gezahlt habe. Von den Hartnäckigen
trien im Laufe weniger Jahre 2000 Personen beider Geschlechter vcr-
innni worden *).
Uebrigens schiebt auch Marinem die Einführung der Inquisition
ibcUich dem Papste zu, der sie bloss concedirte*).
Reman dd Pulgcvr, Chronist der „katholischen Konige", spricht ^"'«"*
icl in ähnlicher Weise aus*). Er sagt: „Von den Verurtheilten
urden zu verschiedenen Malen, und in einigen Städten und Orten
tgtVL 2000 Männer und Frauen verbrannt; andere wurden zu bestän-
^em Gefängnisse verurtheilt, andern wurde als Busse aufgegeben,
IS8 sie alle Tage ihres Lebens einherwandelten, gezeichnet mit grossen
xbigeo Sjreuzen, die sie auf der Brust und an den Schultern tragen
JltCD*).
Aas der gleichzeitigen Chronik des A. Bemaldez will Llorente _
isseO; dass von 1482 — 1489 jährlich 88 Personen in Sevilla verbrannt des.
uden. Im Jahre 1818 (und 1851) war das Werk von Bemaidez
xh nicht gedmckt. Es erschien erst im Jahre 1856 zu Granada ^).
' Bamaldez zählt vom Jahre 1481 » 1488 einschliesslich acht Jahre.
i dieser Zeit, sagt er, verbrannten sie mehr als 700 Personen, ver-
ümten mit der Kirche mehr als 5000, schlössen (andere) in Gefäng-
Mse^ in welchen sie vier oder fünf Jahre oder länger verweilten.
Andr.
Benud«
*) QoonuD (obstinatorum) paucis annis utrinsque sexns millia duo combusta
Knnt (Andere durften in den Gefängnissen fortleben.) Line, Marin. SictUm^ de
^ H]8]Muuae memorabilibas 1. 22. ^ ap. Schott, Hispaniae illostratae, t I.
15,P. 483(p. 291— 518).
*) Papa — inqnisitionem fieii diligenter et animadverti jubebat — Rex et
#tt ancforitate jnssiique Pontificio inquisitoribas hanc ordb^m et hanc legem
Waeront (p. 482-483.) • '
') Cor6nica de D. Fernando y D. Isabel, Valencia 178D fol. sonst fälschlich
to dem Namen des AeL Änion, v. Lebrija ci(;irt,'der das Werk herausgab, aber
•ekt ?erfante (oben III, 1, p. 446).
*) Pulgar, Corönfca de los reyes Catölicps« — P. segunda, cap, 77, p. 137.
^^(itos fodron qoemados en diversas veces y en algunas cibdades ö villas, fasta dos
d bomes ^ mngeres: 6 oiros fäeron condenados d carcel perpetna, 6 ä ofros faö
^ por penitencia, qne todos los dias de sn vida andoviesen sefialados con cruces.
^dea coloradas, pnestaa sobre aus ropas de vestir en los pechos y en las espaldas.
^) In zwei Binden und in schlechter Aosstattung. Andrfy Bemaldez, Historia
^ k)i reyes Oatolieos D. Fernando y D. /«a6el, Cor<5nlca inödita del Siglo XV,
2 iMD^ Gnud. 1866*
74 DrcizebnCes Boch. Erstes KapttoL
richtuDgen. In dieser Zahl begreift Uorente alle Kezer, Zauberer,
Hexen ) Gotteslästerer» Sodomiten, Vielweiberer, Wucherer, Schmoggler,
deren Verbrechen in gewissen Provinzen oder in ganz Spanien der Iiw
qnisition zugewiesen waren. Dem gegenüber steUen wir die Meinung
oder die Behaaptnng anf , die Zahl der Opfer der Inquisition toü
1481—1504 betrug etwa 2000, die Hälfte davon entfiel auf SctüI
die andere Hälfte anf die übrigen Gerichtshofe. Flir die Zeit t<
1601 — 1158 nehmen wir wieder nicht mehr als 2000 Opfer an,
nicht eingerechnet diejenigen, -welche wegen anderweitiger Verbrech
hingerichtet wurden. Denn dass man sogar den Wucher and
Schmuggel bei den Gerichten der Inquisition einschmuggelte, ist zm
wieder spanische Sonderbarkeit oder Eigenart
§. 33.
Hieran, Zurüa und LtuJ. Paramo lebten ein Jahrhundert
Einführung der Inquisition. Sie können nicht mehr als eig^tlii
Quellen oder Zeugen für die Geschichte dieser Einiuhnmg bei
werden; doch wollen wir auch ihr Zengniss anfuhren. Zwrita bat
Pcuraano geschrieben. Lezterer hat sich auf Zurka mehrfach bemi^
ihn auch vorkommenden Falles berichtigt^). — Zuriia war 8eII4
Secretär bei der Inquisition*), und erhebt, wie wir schon gehört, d«
selbe mit den grössten Lobsprüchen* Ueber die Zahl der Opfer seh»
er; „Die Strafe der Delinquenten war so exemplarisch, dass, wie m
schreiben, allein bei der Inquisition in Sevilla ^ s^tdem die gegebei|
Gnadenfrist verstrichen war, bis zum Jahre 1520 mehr als 4000 Fe4
sonen verbrannt, mehr als 30.000 mit der Kirche ausgesöhnt waiden
— Diess steht fast wörtlich so auch bei Paramo, — Da die erste
läge der Annalen des Zurita in den Jahren lößS-^lSSO gedruckt wni
so scheint mir, dass Paraimo auch diese Angabe über die 4000
Zurita entnommen; was dieser aber in unbestimmter Weise gewgt^
hatte, als bestimmte Tfaatsache ausgesprochen, dadurch aber mit si
p^l^^J^"; selbst in Widerspruch gek<»nmen, da er in demselben Oapitel
"" ''2000 Opfer der Inquisition nennt. Zuriia lügt noch bei: Bei er-
Schriftsteller, welcher in dieser Beziehung sehr fleissig ist, findet
die Versicherung, man dürfe für gewiss halten, dass bloss in dem
') Paramo, de origine, p. 140: Zuriia noo psram halladnatus est
') Uorente, 11, 135.
') £1 casügo fue tan exemplar en los delinqaentesi qae ee qacmaroB,
escriven, en Bola la Inquisicion de Sevilla , dcado qae paaaaron los teromoi d«
gracia hasta el «fio 1520, mas de quatro mit pcrsonas, y ee reconciliaroa b»
treiuta uiil. Zurita^ Anales de Aragon, t. IV, p. 324.
*) Scgun escriven — wie sie schreiben.
j
Die Aussagen Zurita*8 and P«ramo*s. 75
bistbome Sevilla, unter Lebenden, Todten and Abwesenden, mehr als
100.OOO Personen als jadaisirende Häretiker erfanden worden ^ sammt
deo mit der Kirche wieder Versöhnten*). Zurita nennt den Namen
seines Autors nicht, er nennt diejenigen nicht, welche 4000 (statt 2000)
sdireiben. Damm können wir auch seinen Aassagen keinen Glaaben
sdienken. Er hat wahrscheinlich nach der blossen Erinnerung ge-
adirieb^ and sich getanscht; möglich ist bei ihm aach, dass er mit
BewoMtsein die Zahl verdoppelt hat. Mit den Worten: „wie sie
direiben^ erklart er aber, wie Mariana mit den Worten: „wie sie be-
ddites", dass er selbst keine nähern Untersuchangen angestellt habe.
Zurita ist aach der einzige Schriftsteller, welcher bei dem Be-
iebt über die Thätigkeit des Petrus Arbuds von dem Vorschreiten
jtgeu „Viele^^ (Personen) redet, welche in üblem Rufe (der Häresie)
(mden*). Da er mit dieser Aussage allein dasteht, so darf seine Aus-
ige nickt maassgebend sein. Wir wollen hier nicht übersehen, dass
tkt mehreren Biographien des Heiligen, die um das Jahr 1664 aus
l&lass seiner Seligsprechung in Italien erschienen, eine derselben von"'-^^'
Tiden" Opfern der Inquisition unter Arbues redet'). — Diese Stelle but«.
kr wird neutralisirt durch die andere Stelle der Vita brevis: Pau-
omm supplicium multorum mentes percussit (s. oben S. 27). —
Haben wir oben — diese Worte auf die ähnlich lautende Stelle
ei Mariana zurückgeführt^), so fahren wir obige Worte auf Zurita
iruck^). Ohne Uebertreibung aber glauben wir sagen za därfen,
0 Halkise memoria de autor» en esta pai*te mny diligente, que afirma, que
ib tencr por cierto, que solo en el Arzob. de Sevilla, entre vivos y mnertos y
Mutes iueron oondenados por hereges, que jodayzavan, mas de eien mil per-
^ oon Vm reconciliados al greo^o de la Iglesia, IV» p. 324. Aus der Anführung
ite Worte bei Prescott^ (U, p. 111): otro autor, A qoien oita — könnte man
cioeD, dass Zurita den Namen dieses Autor's nenne.
^ Zurita^ IV, p. 342: proeeder al eastigo de muchas personas, que estavan
6iuda8, e convenddas de aver judayzado. (Seine Ungenantgkeit zeigt sich auch
kn, dass er den Petrus Arbnös am 14. September, statt am 17. des Jahres 1485
ttben lassL Uorichtig ist ferner, dass er einen Tag nach der Verwandung starb;
ISO er wurde in der Nacht vom U. auf den 15. verwandet» und starb am 17« Sept>.
*) In aasumpte monere et offida inqaisttoris adeo mirabiliter magna cum
Otttantia se gesait, ut palam omnibus accnratns aemulator exaltationis saactae
^ et acerrimus perseontor haeresum apparuerit, ejasque diligentia ac solicitndine
^ teoporo Bulti haeretici, apostatae et relapsi debitam suoram criminum poenam
Kriot,abenimam frnctnm et evidentem ntilitatem demonatrando, quae taue et in fiitorum
' ^e« eiereacere deboisset ex ipsa erectione tribnnalis sanctae inquisitionis in istis
Bgius. - Acta Sanctor. Septemb. t. V, p 738 (a Zimgiebl, l. c. a 29; MÜnch. 1870).
') Mariana: nonnulUs irrogata supplicia (XXV, 8). Die „Vita brevis*:
^aconm n^plicium*
*) Ziaita: d eastigo „de muchas personas* ^ das s. g. „Instrumentum* bei
c& BoOsndigtea; molti haeretici — poenam Inerint
76 Droizefaotes Buch. Eretes Kapitel.
dass Zuritaj der Secreiar nnd LobredDer der Inquisitioiiy in dieser An-
gelegenheit Neigung za Uebertreibnngen kundgebe.
§. 34.
Lud, Paramo endlich stimmt in der Angabe der Zahl der Opfer
zimächst mit Marintus , Pidgar und Mariana^). Er scheint aber deo
Widerspruch nicht zu fühlen, dass er wenige Zeilen später nur in der
Stadt Sevilla allein bis zum Jahre 1620 — 4000 Personen verbrenoei
lässt^. Er, ein Inquisitor, wie Zurita, scheint in der grossen Zahl der
Opfer ein besonderes Verdienst der Inquisition zu sehen, oder jeocr
„Abschreckungstheorie^^ zu huldigen , nach welcher die Inquisition !■
Anfange sehr streng vorging, um nachher Milde walten lassen n
können').
So glaube ich denn bei der Zahl der 2000 Opfer — für die JaU
1481 bis c. 1504, bei der gleichen oder geringem Zahl (nr die M
von 1604— 17Ö8 stehen bleiben zu sollen.
§. 35.
Niemand hat die Opfer gezählt, welche dem Hezenglaoben
Deutschland fielen. Aber dass es mehr als 4000 Geopferte v
werden wohl die Meisten zugeben. In der kleinen allzeit prot<
tischen, aber nicht allzeit aufgeklärten Reichsstadt Nördlingen ward<
in den Jahren 1590 — 1592 — 32 Hexen verbrannt, angeblich am
Hexerei mit Stumpf und Stiel auszurotten. Es wuchsen aber wie
andere Hexen nach. In der kleinen, allzeit katholischen, aber nit
allzeit aufgeklärten Reichsstadt Rottweil wurden im sechszehnteo M
hundert innerhalb 30 Jahren — 42, im siebzehnten Jahriiundert
') Lib. U, Tit II, cap. 4 — p. 139: Horum doo oirciter miliia diTersis
poriboB, civitatfbns, atque looto igni tradlti, ae etiam combuBti sunt, alii perp
caroeriboB maneipati, alii tandem saccis benedictis — induti. Es ist klar, daas
Paramo die Chronik Pulgar's vorgelegen. — In Betreff jener aber, deren G«l
ausgegraben wurden , sagt er, abweichend von BemaXdez : ,hi foerant oo
non pauoi.*
*) In Hispaleosi dnntaxat civitate nsque ad annmn 1520 sapra qoatoor
eremati essent — p. 140. Er combinirt hier die beiden Angaben bei Z^triU
in der a. g. Inschrift von SevilU vom Jahre 1624.
') Paramo: Sic enim Ulis tcmporlbaa snmmopere expedire videbatar, nt p
aeveriora in aüorum torrorem supplicia edorentar. Sicqne pii illi patres mi^tt«
poBt cdictnm haercticoram cdidorunt atragem , anornmqne aaaeaaonini coasiNo, q^
Jiiriaconsulti orant, juris limitca in proceaaibas faciendis adveraus reo» doo cx«-
debanl. Severe tarnen ao aancte chriatianam rempnblicam exporgannit, «e eti« '
expiarunt. P. 139.
Hexen bei Katholiken und Protestanten. 77
18 Jahren — - 71 Zauberer and Hexen verbrannt Bei einer Bevölkerung
100 nur 100.000 Seelen des Färstbisthnms Bamberg erlitten in den
Jahren 1627—1630 — 285 Personen aus allen Standen den Tod.
Sonst rülunten sich die Protestanten , jeden Wahn und jeden Aber-
gkaben abgeschüttelt zu. haben, dem die Katholiken huldigten. Aber
in ODseligem Wetteifer jagten sie diesem Wahne der Hexenverfolgnog
Bach*). (Dass Dr. Luther fest und standhaft an die Hexen glaubte, ist
ja allbekannt). In dem allezeit protestantischen, aber nicht allzeit auf-
geklärten Herzqgthum Braunschweig liegt die kleine Stadt Wolfen -
KueL Bei dieser Stadt stand der s. g. Hexenwald. Die zum Tod
ferartheilten wurden an einen Pfahl gebunden, und von unten herauf
iogsam verbrannt, wenn sie bekannten, oder wenn sie hartnäckig und
nbossfertig blieben, d. h. wenn sie standhaft genug waren, troz Fol-
en und Martern an dem Bekenntnisse ihrer Schuldlosigkeit festzu-
ollen. Jener Hexenwald war nichts anderes, als eine Unzahl von
.^len, welche von dem Feuer geschwärzt waren, in dem jene Armen
verbrannt wurden. Das au%eklärte Publikum in Deutschland möge der
inheuniscben Miserabilitäten eingedenk sein ; auch nicht vergessen,
ISS der Boden von Deutschland bis zum Morgengrauen des neun-
dmten Jahrhunderts mit hochragenden und weithinleuchtenden Galgen
edeckt war (gemäss der s. g. Abschrecknngstheorie), an denen gewisse
'ogel des Himmels Nahrung suchten*).
Während die Katholiken ond Protestanten Deutschlands, die
totestanten im Bunde mit dem Auslande, mit dem lutherischen
Ichweden und dem katholischen Frankreich — den dreissigjährigen
tfieg der Vernichtung ^egen einander führten , der Deutschland in
ke Waste verwandelte, horten auch in dieser traurigsten Zeit die Hin*
ichtnngen der angeblichen Hexen und Zauberer nicht auf. Geständ-
*) Der Protestant Schock sagt: Die Zahl aller je in Spanien hingerichteten
•^t Manien (?) ond Kezer (naeh IAorenie*8 Angabe 31.382) ist nicht so grofis
(tvesen, iHe die der nngfilckHehen Weiber, die in Deutscbland im siebaehnten
Jadeit vetbraant worden.
*) Doeh aleht jeden Wabq, dem die dentschen Protestanten huldigten nnd
■M%e&, haben ale von den Katholiken entlehnt Der Hexenwaid ist geßUlt und
SlfiOen. Aber die Stadt Wolfenbftttel hat einen nicht unverdienten Ruhm wegen
her BiblioOelL ' Bei einein Besuche dieser Bibliothek vor vielen Jahren wurden
^ (Mae Begleiter nnd ich) mit groaser Höflichkeit behandelt, and konnten mit
hm Toa Allem Einsicht nehmen. Wir sahen auch die an einer Kette befestigte
Kbd, nnd aaf miseie Frage: Was dieses bedeute? erhielten wir die Antwort: So
"^ün M eben die protestantiscben Herren nnd besonders die Damen haben ^ deren
^be, disB die Bibel für die Katholiken angescbmiedet gewesen^ oft fester ist,
ib ihr Qlsobe an den Inhalt der Bibel; man mOsse ihnen dieses Steckenpferd lassen,
Ziehen Mk diese angeschmiedet^ Bibel an, und wenden den übrigen Kostbar'
Uten der Bibliothek ein geringes Interesse zu.
78 DreiaBelmtea Buch. Erstes Kspttel.
nisse za erpressen , war eine leichte Sache. Denn die BeseholdigtoD
wurden so lange nnd so unmenschlich gefoltert , bis sie zn allen An-
klagen: Ja — sagten. Denn dann wurden sia von den Foltern befreiV
mit welchen verglichen der Feuertod ertraglich zu sein sdiien; jeden-
falls war die Qual bälder beendigt.
§. 36.
GcgDOT i Wer waren aber die ersten , welche gegen das Unwesen , geg«
lioxcMi ^^^ Grausamkeit der Hexenprocesse in Deutschland ihre wehekli^eoi
pro. und ihre anklagende Stimme erhoben? Es waren katholische Btschoi
ceiae. |.{|^[|q1^^[|q Pricster, und — es ist schrecklich anzuhören — es wti|
Ordenspriester, sogar Jesuiten waren es. -^ Die Herren von der
rechtigkeit, die Juristen kamen sehr langsam nachgehunken,
katholische Priester Cornelius Loos zu Mainz (f 1593), der J
Adam Tanner (f 1632), der Ohurförst Johann Philipp Schonlxurn
Mainz (f 1673) , besonders der Jesuit Friedrich von Spee (f 1
der liebliche Sanger der „Truz- Nachtigall'* standen in den n
dersten Rdhen der Kämpfenden, zu einer Zeit, wo derjenige
der Gefahr aussezte, selbst auf die Folter gespannt, and an lan
Feuer gerostet zu werden, der da behauptete, es gebe uberhsopt
Deutschland keine Hexen und keine Hexenmeister. Friedrich t.
hat mitten unter den Grreueln des dreissigjährigen Krieges sein li^
über, d. i. gegen die Hexenprocesse zuerst im Jahre 1631 ersebei
lassen*). Er klagt, dass seine Haare vor der Zeit ergraut seien, i
Anblicke dieser Oreud. Er hatte in den Jahren 1627—1638 —4
200 Personen von jedem Stande und Range zum Tode vorbereitet,
zum Scheiterhaufen geleitet, welche er alle als nnechaldig gefon
hatte. Der (spätere) Erzbischof Schonbom von Mainz, welchem
Spee als Verfasser dieser Schrift entdeckte, suchte in seinen
dem Unwesen abzuhelfen. Sonst wurde die Schrift des Fr. Spee
kalt aufgenommen. Wie hätte es in einem Jahrhundert anders
können, von dem der Protestant Horst^) sagt, dass damals in
Burgen der Ritter, in den^ Palästen der Grossen, in den Bibliotbei
Hexon. ^^^ Gelehrten, auf jedem Blatt in der Bibel, in den Kirchen, sof d
weson. llathhaus, in den Stuben der Rechtsgelehrten , in den Officmea
') Cantio eriminalis sen de processibus contra Sagas Itber ad D^iitntti
Gennanlae hoc tempore necestorias (anctore theologo romano) , Rfnteb, 1631. **
Badcer, (bibliotböqne des dcrivains de la Compagnie de Mus, Li«ge 1864) M
BochB Ausgaben an. Der protcstontlsche Pastor Johann ßeifftrt in Ufas gab I^r
der Pastor Hermann Schmidt in Nassan gab 1049 eine deutaehe üebemnnf ^
von heraus (Backer, II, p. 577).
•) O. üonr. Horst, genannt der „Damonolog*, t 18M.
Die sptnisohe Inquisition in Genf nnd Bern. 79
Aerzte und Naiurlehrer, in dem Kuh- oad Fierdestall, in der Sohäfer-
bütte, überall nnd überall der Tenfel war, wo jedes Donnerwetter,
jeder Hagel, jede Feaersbrnnst, Darre, Viehseuche u. s. w. dem Teufel
und den Hexen Schuld gegeben wurde, in einem Jahrhundert, das
dnrch die Schrecken und die Noth des dreissigjahrigen Krieges ver-
wildert war**?
§. 37.
Die 8. g. Reformatoren haben ihrerseits kein Bedenken getragen,
diejenigen, welche in ihren Augen Kezer waren, durch angezündete
Scheiterhaufen aus dem Wege zu schaffen. Michael Serveto (Servede)
wurde im Jahre 1509 zu Villanueva in Aragonien geboren, studirte
zuerst in Toulouse, dann in Italien und kam im Jahre 1534 nach Paris,
wo er sich dem Studium der Medicin widmete , und schon nach
zwei Jahren selbst Vorlesungen hielt Durch ein berühmtes Werk
über die Natur der Syrupe zog er sich die Verfolgung von Seiten
seiner Facultat zu. Er verliess Paris, und übte die Arzneikunst in
Vienne aus. Wegen seines Buches: Christianismi restitutio (Wieder-
herstellung des Christenthums) wurde er im Jahre 1553 gefänglich
eingezogen. Er entkam nach Genf. Da er aber die Ansichten Calvin's
bekämpfte, wurde er gefänglich auch hier eingezogen. Der Anklager
und der Richter war der „grosse Reformator.^' Sieben Jahre früher
hatte Calvin zu Servede gesagt , wenn er wieder nach Genf kommen
sollte, so werde er die Stadt lebendig nicht verlassen. Er hielt Wort.
Troz der Anstrengungen des Präsidenten der Republik erzielte Calvin
das erwünschte Todesurtheil. Servede wollte nicht widerrufen, vor
Allem nicht vor Calvin Abbitte leisten, der sich personlich von ihm
beleidigt fühlte. Auf dem Wege zur Hinrichtung rief er: O Gott, nor
rette meine Seele, o Jesus, du Sohn des ewigen Gottes, habe Erbarmen ^^"^^"^
mit mir. Als er den Scheiterhaufen anzünden sah , stiess er einen sorvoda
Schrei aas und endigte nach einer halben Stunde fürchterlicher Qualen *°^^r^."'
(26. Oct. 1653). Calvin, wie sein Schuler Theod. Beza verfochten in brannt.
Wort und Schrift die Hinrichtung der Häretiker; der sanfte Melanchton
aber sprach dazu sein Ja und Amen^.
Der Italiener Valentin Gentilis könnte nur durch die Flucht vor
Calvin dem Tode entfliehen. Auf die Kunde, dass Calvin gestorben
sei (1664), glaubte er in die Schweiz sicher zurückkehren zu dürfen.
Aber der Greist Calvin^s war nicht gestorben. Gentilis wurde vor den
■) AUx, Buäinnky , Die Uaiveraitfii Paris und die Fremden an ihr im Mittel-
alter, Bert. 1876, 8. 214-.21Ö.
64 Dreizehntes Boeh. Erstes KapiteL
klagten zweimal vorgelesen, nnd deren Inhalt von ihnen als wahr ao-
erkannt werden.
^'* . Der Angeklagte konnte Zeugen zurückweisen, welche er für seliM
«»«•n. p^j^^^ i^j^i^^ jgj^ konnte Entlastungszeugen sieh ansbitten, welche be-
rufen werden mussten, wenn sie auch in einem andern Weltthäle sid
befanden. Jeder Process wurde durch eine Reihe von Instanzen hin
durchgeführt. Nur wenige Inquisitionsprocesse (in der Zeit nach 1507
hatten den Tod der Angeklagten zur Folge. Vergleicht man dini
das gleichzeitige Gerichtsverfahren in andern Liandem, so wird ma
überrascht von dieser Milde.
Wahr ist, dass anoh bei diesem Gerichte die Folter angewendi
wurde. Aber kein weltlicher Gerichtshof hatte sie abgeschafllL Si
hörte bei der Inquisition, wie bei aUen andern Gerichtshöfen, erst al
mälig um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts auf. Selbst üoriü
sagt: CS ist gewiss, dass seit langer Zeit die Inquisition auf die Folk
verzichtet hat, so dass man sie in der That als abgeschafft betrachü
kann'). Die Inquisition weiss nichts von all' den geschärften Tod«
strafen, welche die peinliche Gerichtsordnung CarFs V. vom Jahre lut
I»* kennt, nichts von Viertheilung, Raderung, Galgen, Wasser, LebejMÜi
begraben, Keissen mit glühenden Zangen, Abhauen der Finger, AI
schneiden der Zunge und Ohren, u. s. w.
In einem und demselben Process durfte die Folter nicht mel
als einmal angewendet werden. Ein anwesender Arzt musste jedesal
bestimmen, wann sie aufzuhören habe, um nicht das Leben zu gefilinki
Zwar hatten die im Jahre 1484 erlassenen ersten Artikel eine wiedei
holte Tortur gestattet, aber sehr bald wurde davon Abstand genommeD^
Schon im Jahre 1537 verbot der oberste Inquisitionsrath fast alle it
Wendung der Folter gegen die Moriscos "). Bald darauf wurde ad
schieden, dass nicht die Provinzialgerichtshöfe, sondern nur der obers^
Rath der Inquisition die Anwendung der Folter erlauben durfte, abl
erst , nachdem der Angeklagte zuvor zu seiner Entschuldigang AlU
vorgebracht hatte. Nach einer andern Verordnung sollten nor «
Diöcesan - Bischof, die Gonsultoren nnd der Inquisitor auf Tortur 9
kennen dürfen, und dieselbe nur in ihrer Gegenwart angewendet werden^
i»o Die Gefangnisse der Inquisition waren selbst nach llvrf»^ g^
aiaM. gewölbte, helle und trockene Zimmer, in denen man sich einige B(^
wegung machen konnte^). Von Ketten, Handschellen, eiseinen Hal»^
') lAorenJU,
') lAorente
*; lAorente
I, p. 805— 806.
I, p. 80&— 306.
I, p. 307. — Reiua, S. 23, Artikel 15.
I, p. 415.
n, p, 817-^18.
I, p. 800.
Die Qeftngoiase. Art des Verfahrens. 6i)
btodem war keine Bede*). — Die Kranken wurden gnt behandelt.
Die Gefangenen wurden gefragt, ob der Kerkermeister sie gut behandle.
Sohne und Tochter von Kezern unter 20 Jahren wurden auch
oeh abgelaufener Gnadenfrist gern zu Gnaden angenommen*). Knaben
Ivften nicht vor 14, Maddien nicht vor 12 Jahren die Häresie ab-
rbwören, um sie vor Gefahr des Ruckfalls in dieselbe zu bewahren.
Der zweite Grossinquisitffr Deza liess am 17. Juni 1500 o. a.
k Verordnung ei^ehen, das Niemand wegen unbedeutender Anklagen,
ad) nicht wegen Gotteslästerungen, welche im Zorne ausgestossen
.-ordea, eingezogen werden dürfe ^. Das tolle, wahnsinnige Benehmen
meber spanischer Häretiker, von denen z. B. nicht wenige bei oder
ich der heiligen Wandlung auf den Priester sich stürzten, und ihm
k coDsecrirte Hostie ans der Hand rissen^), zeigt eben, wie bei diesen
Iretikem Wahnsinn epidemisch war. Desswegen untersuchten die
quisitoren genau den Geisteszustand der Angeklagten und Ucber-
ieseneo, und bestimmten darnach ihr Verfahren^).
hl seinen lezten Statuten vom 25. Mai 1498 verordnete Torque-
«da, dass bei jedem Gericht ein Jurist und ein Theolog, ersterer ge«
öhnlich auch ein ELleriker, Inquisitoren sein sollten. Sie durften nur
(meinschaftlich auf Verhaftung erkennen. Waren sie nicht einig, oder
er Angeschuldigte eine distinguirte Persönlichkeit, so konnte nur der
Wrste Rath der Inquisition die Verhaftung anordnen^). Carl IV.
rtot der Inquisition, Jemand zu verhaften, ohne dass der Konig da-
n in Kenntnias gesezt worden^). Für die Verhafteten wurden be-
Midere Verwalter ihrer Guter angestellt.
§. 29.
Den Inquisitoren waren die s. g. Qualificatoren an die Seite ge- nie
stellt, Professoren, Theologen, die nicht zum Gerichte selbst gehörten, ^^^^^,
iber Gutachten abzugeben hatten, ob gewisse, seien es gesprochene reu.
)dtr gedruckte Säze der Angeschuldigten, wirklich häretisch seien.
Wenn sie diess verneinten , so unterblieb die Verhaftung. Erst wenn
■) UorenU, I, p. 801.
•) EeuM8, S. 15—16.
") Art. 4. — Reuss, S. 66. — LlarerUe, I, p. 284, 830.
*) Don Francisco de Quevedo. Ein spanischea I^bensbild aus dem aieb-
ttb&teQ Jahiliinidert v. Baumstarh Freib. 1871, S. 136-143. QMevedo erklärt
<iie8flib Saebt, berühiDt za werden, and meint, man solle Verbrecher dieser Art
>ut Aasscfaluss aller Oeffeatlichkcit hinrichten.
'; IJorenie, II, p. 148-149.
") IMirente, II, p. 9-10, 208,
') UoretUe, II, p. 471.
0*w, ipM. Kifdie. m, «. 5
66 Dreizehntes Baoli. Erttoe Kapitel.
andere Qualificatoren gefragt, und anders cnteclueden hatten, datit
eine Verhaftung stattfinden^).
Der achte Artikel der Statuten vom Jahre 1498 verordnet, iu
die als falsche Zeugen Ueberwiesenen öffentlich bestraft werden sollen*^
Bei einem Antodafö zu Sevilla im Jahre 1659 erhidt m isiscfai
zon^^^n Ankläger 400 Peitschenhiebe, und wurde vier Jahre su den Galeen
beairaa verurtheilt^). Ja, Papst Leo X. wollte am 14« December 1518, in
falsche Zeugen mit dem Tode bestraft werden sollen^).
Zwei bei den Verhören anwesende Priester mnssten Misshni
lung und Willkühr zu verhindern suchen^). Der dem AngddigM
beigegebene Anwalt musste schworen, denselben standhaft nnd tieo t
vertheidigen. Bei armen Angeklagten bezahlte der Fisous den Ad«
caten^}. Der Ankläger musste schworen^ dass kein Privathus 1
treibe, dass er, wenn er verleumde, gewärtig sei, der achwerstea Slit
diesseits und der ewigen Verdammung anheimzufallen. Den Verkligl
Art des wurden in Gegenwart der beiden Priester die Protokolle nich k
fahren«. Vcrhörc uud wicdcr nach vier Tagen zur Verificirong vorgeleses'
Dem Angeklagten, der noch nicht 25 Jahre alt war, wurde ein eigei
Curator beigegeben^.
F&iinng ^ ^Q grosste Vorsicht war die Inquisition bei lillang I
tbeiie. Urtheile gebunden. Das Urtfaeil erhielt nur Rechtskraft dorch &
Stimmung des Oberinquisitora und seines Käthes; froher war üi
nur bei den nicht einstimmig, später auch bei den einstümnig ge&ok
Urtheilen der Fall "). Die Urtheile mussten von den Ckmsolenten, k
Advocaten bei dem Obergerichte, die keineswegs Beamte desselben mit
geprüft werden. Zum zweitenmale wurden die Qualificatoren m
dem Verhöre gefragt, ob nach den gegebenen Erläuterungen ei^
Häresie vorliege, oder nicht. Ohne eigenes Geständniss war die üebfl^
Weisung der Eezerei äusserst schwierig^®). I
So leid es den Spaniern war, horten die Päpste doch nieod
auf, Appellationen gegen die Inquisition anzunehmen«
') Llorente, I, p. 227; 297 --299.
*) Seu98, S. GO. -^ LUyrente, I, p. 232; 352.
») Lhrente, II, p. 271.
') Uorenie, I, p. 417.
') Uarente, I, p. 283.
*) Rtuss, S. 24; 154. —
0 Oamicero, Jas. Clement.^ la inqnisieion jnstamente re8tid>l6eidi, 6 iafV
nacion de U obra de D. J. AnL Uorenie: Anales de la InqnisieioB da £^
Madr, 1816. T, II, p, 67—58.
") Reuse, S. 156. — Uarente, I, p. 294; II, p. 806.
•) Uarente, I, p, 221; — Reitss, S, 41.
'•) Reuss, S. 21-22. — Uorenie, I, p. 227.
Huber über die Inquisition. 83
barsten, dringendsten Gefahr, sagt er; es handelte sich, wenn je, um
Sein oder NtchUein des christlichen Spanien's« Die Gefahr von Aussen
wir am 80 grosser, da das Gift gerade auf den materiell, geographisch,
itntegisdi gefldirlichsten Punkten, auch die tiefsten geistigen Elemente
ier Nationalitat am meisten angegriffen hatte. Die Reaction musste
ü demselben Maasse gewaltsam , tiefgreifend sein. Sie ging zunächst
06 Ton der neugestarkten königlichen Macht Die gi'osse siegreiche
tnft dieses rettenden reactionären Königthums bestand grossentheils
lirio, dass es auf das concentrirt Einlache recnrrirte, was znlezt dem
laDDigfalügen gegenüber, auch unter sonst gleichen Umständen, immer
legt — Man darf nicht vergessen, bis zu welchem Grade politischer
tA socialer Zerrüttung , neben allem Glänze eines geistreichen Hof-
beDs, Castilien unter der Regierung Heinrich^s IV. und Aragon unter
iboQ II. gesunken war. In Andalusien hatte sich im fünfzehnten
ilrhuDderte ein Zustand von sittlicher, religiöser, socialer und poli-
tther Auflösung gebildet, wie kaum anderwärts zu irgend einer an-
fD Zeit eine tiefere und grossere, bedenklichere nachzuweisen, unter
m Einflnsse aller Versuchungen der herrlichen Natur, des Klimans,
le Emancipation des Fleisches , eine chaotische gährende Fäulniss,
der Vermischung einer Masse schlechter Christen, schlechter Juden
id fthlechter Muhamedaner, und zwischen diesem in allem Schmucke,
Ier Zuversicht und Gewandtheit der damals modernsten Genussbildung
i spreizenden Wesen , die halb thierische Sinnlichkeit und Leiden-
kiitlichkeit des afrikanischen Blutes, durch Negersklaven bis in's
allgtham der Familien getragen — für die Gefahr nach Aussen be-
vfte es nur eines Blickes nach der afrikanischen Küste, wo der
rkbcbe Halbmond sich erhob, aut das Mittelmeer, unter türkischen
klten stöhnend, auf Granada und seine herrliche Vega, wo damals
i noch unabhängiger Kern muhamedanischer Macht den Millionen
n Morisken im Gebirge von Granada, Murcia und Valencia, als poli-
scher nnd militärischer Mittel- und Anhaltspunkt dienen konnte,
äreod die Häfen von Malaga, Almeria u. s. w, jeden Augenblick einer
irkischen Flotte sich zu öfinen bereit waren.
Dass unter diesen Umständen nur heroische Mittel retten konnten,
«gt aaf der Hand! Ein solches war die Inquisition, zunächst jeden-
ih als Cauterium gegen dieses entsezliche Geschwür. Mit dem Miss-
'^che, zomal hei der weitern und spätem Anwendung auf alle Fälle
flnlicher und manche anderer Art, haben wir es hier nicht zu thun;
^ &ber diess Rettungsmittel in äusserster Noth ein zu kräftiges Mittel
*»r, und am wie viele Grade es die rechte Mitte überschritt^ — das
Bogen die entscheiden, welche, — selbst thatenlos und ohne erheb-
'tbes Mitleiden bei der Noth des Vateriandes, das allein gültige feinste
Maass ffir alle Noth und alle Thaten der Rettung an der Spize ihrer
6*
84 Dreizehntes Bach Erstes Kapitel.
Zunge oder Feder za tragen vermeinen. So viel aber ist gewiss: di
Inquisition war eine im besten Sinne volksthümliche, eine Maas8reg<
im Sinne echt katholisch-castilischer Nationalität. Bald dann erhob sie
das Kreuz und das Banner von Castilien auf der Alhambra.
Diese Resultate waren um so ruhmvoller, da sie nur eine Seil
jenes Ausbruchs der katholischen Nationalitat bildeten. Die zwfii
Seite, in jeder Beziehung ruhmvoller and allgemein erfreulicher, zeij
uns Spanien nicht mehr als Vorkämpfer in dem Bruderkriege der eün
Hälfte der Christenheit gegen die andere, sondern als sieghaften Voi
kämpfer der ganzen Christenheit, der ganzen christlich-abendläodisibe
Civilisation gegen den Islam, gegen die türkische Barbarei. Fng^
wir aber , welches andere christliche Land war damals in der Vt|
fassung, diesen. Vorkampf zu übernehmen, so wird sich das Provideotiel
in jener reactionaren Stärkung der spanischen Nationalität wohl oicl
verkennen lassen, ohne welche Spanien am wenigsten dieser Aofgili
gewachsen gewesen wäre, welche doch die geographische Lage td
nöthigte. — Die Entscheidung jenes E^ampfes lag an der Donau an
im Mittelmeere; aber die Gefahr war hier viel grosser wie dort. 3
bildet denn mit Recht der Seesieg von Lepanto (1571) den Glanzpoo)
des Riesenkampfes, und hier trug Spanien unbedingt als Haupt, Fuhii
und Kämpfer den Siegespreis davon; und mit Recht nennt derSpaoil
jenen Sieg kurzweg emphatisch: Die Seeschlacht (lanaval)! Aberaod
an der Donau war es ein Arm der spanisch-österreichischen Macht, a
dem die türkische Ueberschwemmung sich brach, und der dann
sie iiber die Karpathen zurückwarft^
L.para- Unter den spanischen Schriftstellern, welche über die loquisit
loqut^^ geschrieben haben, sind A, Uorenie und Ludov. Paramo Antipodj
tion Jener malt sie möglichst schwarz, dieser stellt sie möglichst gläo]
dar ^). Paramo fuhrt die Einfuhrung der Inquisition auf Gott seil
zurück. Gott selbst war der erste Gross - Inquisitor im Paradiese^
') De origine et progressu oificii Sanotae Inqoisitionis, ejnsqne digoitit«
ntilitate, de Bomani Pontificis Potestate et delegata Inqniaitonim; Edieio fidei
ordine judiciario Sancti Offieliy quaestiones decem« Libri tres. Anctore
h Paramo Boroxensi Archidiacono et Ganonico Legionensi, re^iqoe äktl
(also nicht utriusque Siciliae) Inquisitore. Matriti, ex typogr. Begia, 159^ Pl^
(Klein -Folio;.
') S. 26. Dens ad ponitionem primoram hominnin ae aeeingii, et
forma procedendi. — S, 90. S. Officii Inqnisitores modiim procedendi a Deo
et eundem ohsenrant.
Parnmo Über die Inquisition. 85
Die Felle, mit denen Gott die Gefallenen im Paradiese bedeckte, waren
niciits anderes, als der „Sanbenito'^ (der Saccus benedictns), dessen
sirb die Inqaisitoren heute bedienen. Der Sanbenito ist so alt , wie
die Kirche, ja wurde schon in der Kirche des Alten Bundes gebraucht.
Die hiqnisitoren haben denselben nur aus einer unverdienten Vergessen-
kit wieder hervorgezogen. Weil Gott die Stammeltern , beraubt aller
krer Guter , aus dem Paradiese vertrieb , so folgen die Inquisitoren
fiesem göttlichen Vorbilde, und sprechen die Güter der Häretiker dem
?fecas ZQ*).
Weiter beschreibt Paramo die Entwicklung der Inquisition in
b Zeiten vor und nach der Sündfluth. Abraham war ein Inquisitor, ^^® ^"~
reicher die Chaldäer des Gözendienstes bezuchtigte. Sara, Abrahams üon so
Temahlin, vollzog das Officium einer Inquisitorin ^ indem sie den Is- *" **■
itel wegen Gözendienstes aus dem Hanse Abrahams vertrieb. Da- (nach
egeo war Esau kein Inquisitor, vielmehr ein Häretiker, ein profaner ^*'
leosch and Simonist, darum wurde er mit Recht der Erstgeburt und
eines Eigenthums beraubt. Rachel stahl dem Laban seine Gözen, um
» an dem Gozendiente zu verhindern. Natürlich war Jacob wieder
aquisitor, und auch Moses. Aber aus der heiligen Schrift will be-
nenn werden, dass Aaron der Urheber einer neuen Idololatrie ge-
ven*).
Gleichfalls waren die Juden Häretiker und Gözendiener während
er ganzen Zeit ihres Wohnens in der Wüste. So wird dann die Ge-
diicbte der Inquisition in allen fünf Weltaltern bis auf Christus ver-
))gt and dargestellt^.
Im Neuen Testamente erhielt Petrus der Apostel von Christus
ie ,.tiewalt, zu inquiriren"*). Dagegen wurde die „delegirte" oder
bertragene Inquisition erst durch Papst Innocenz III. eingeführt, aus
oilass der Häresie der Albigenser (p. 90). Der heilige Dominicus,
in Spanier, wurde im Jahre 1216 erster General-Inquisitor. Domini-
iner waren seine Nachfolger in diesem Amte*). Es wird weiter ge-
itndelt von der Verbreitung der heiligen Inquisition in allen Provinzen
l*r Welt, in Rom, Portugal, im Reiche des (fabelhaften) Priesters Jo- i>*« i»-
^^«nes, in den canarischen Inseln, in Italien, in Frankreich (S. 245), uonTcr-
^0 der Inquisition in Flandern, Arras und „den benachbarten Inseln" Ereilet
f. 247), von der Inquisition in Deutschland, Oesterreich, Ungarn und wii."
0 Paramo, S. 45—48.
TP. 56.
«) P. 48-87.
*) Potestatem inqnirendL
•) Paramo, p. 88— IH.
86 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Polen, Dalmatien, u. s. w., Armenien, von den InquisitioDen ia der
Lombardei, in Hetrarien, Mark Ancona, Venedig, dem übrigen hauen*).
Ueberall wird die Inquisition als kirchliches Institut betrachtet, und
dem Paramo dämmert keine Ahnung auf, dass die spanische ein StaaU-
institut, und dass sie von der der übrigen Länder, wo eine kirchliche
Inquisition bestand, ganz verschieden gewesen sei.
Von der Inquisition in Spanien und dessen Nebenländern wini
S. 130 — 226 gehandelt. Genau ist Paramo nur in der Angabe dci
Personals der einzelnen Tribunale. Dem ersten und zweiten Gro$si&-
quisitor Thomas Torquemada (1483 — 1498) und Didacus Deza (14S
— 1507) folgte der dritte, Cardinal Ximenes (1507, f 8. Nov. 151T)
Ihm folgte der Cardinal Hadrian von Löwen — 1518, der als Papi
im September 1523 den Erzbischof Alfons Manrique von Sevilla eb
sezte (t 28. September 1538). Im November 1539 folgte der Cardioi
Joannes Tavera von Toledo als sechster Grossinquisitor (f 1. Aiig«
1545). Im Februar 1546 folgte ihm Garcia de Loaysa, Erzbiscb
von Sevilla, der schon am 22. April 1546 zu Madrid starb. DerEia
D«^d de bischof von Sevilla , Ferdinand de Vald^s , wurde nach ihm achte
vaidi«, Grossinquisitor am 20. Januar 1547 (f 2. Dec. 1508). Zu seinei
GroMto. I^^"^® sagt Paramo: „Er ist des unsterblichen Andenkens würdig
qaiaiior. Niemand besizt solchen Rcichthum des Geistes, Keiner solche Kraft dl
o^ote- Sprache oder Darstellung oder solche Fälle, dass er im Stande wärt
iaquifli- seine herrlichen Werke, die Denkmale seiner ausgezeichneten Frömmif
ibTJ^^ keit auch nur aufzuzählen«).« Seit September 1566 hatte er in des
hundert Bischof von Siguenza, dem Cardinal Didacus de Espinosa^ eineo Coid*
jutor, welcher am 15. September 1572 starb. Zehnter General-lnqoisitoi
wurde Petrus Ponce de Leon — 30. November 1572, der am 13. JaDö«
1573 , vor dem Antritte seines Amtes, starb. Am 20!. April i5<3
wurde der (spätere) Cardinal Caspar de Quirogaj Erzbischof von To-
ledo, vom Papste bestätigt Er hielt im Jahre 1574 „das erste Coocit
der Inquisition/' In Madrid starb er am 20. November J6W. -
Hieronymus Manrique, Bischof von Avila, begleitete das Amt eine»
obersten Inquisitors nur vom 10. Februar 1595 bis I . September I69i»,
dem Tage seines Todes. Petrus Portocarrero , Bischof von Cuem^
wurde in demselben Amte am 1. Januar 1596 bestätigt*); er starb »«
20. September IGOO.
König Philipp III. nahm ihm aber bald nach seinem RegieruDgwn-
tritte, unter irgend einem Vorwande, sein Amt ab*). Am 1 1. Angtwtläl
m
') Paramo, p. 218— 2»jr..
•) Vir aetcina memtin» ( elebrandiis. Paramo, p. 160
•) So weit reicht Paramo, p. 158—162.
*) Nach dem Bache: los obispoa de Cuenca, par Trillon Munoz yÄ*««
Beihenfolge der General -loquisitoren. 87
warde der Cardinal Ferdinand Nino de Ouevcnra in Rom bestätigt.
Anch er mnssfe auf Befehl des Königs seinem Amt im Anfange des
Jahres 1602 entsagen; er starb am 1. Januar 1609.
Am 29. Juli 1602 folgte ihm in diesem Amte Juan Zunigoy Bischof ^**
▼on Cartagena; dieser starb am 10. December 1602 (1603?). — Juan qauito.
R. Azevßdo, Patriarch von Indien und Bischof von Valladolid, wurde als '^^ ^^
(16.) Gross-Inquisitor am 20. Januar 1603 bestätigt, und starb am 9. Juni hundert.
1 608. Bemard Sandoval j Roxas, Cardinal und Erzbischof von Toledo,
war vom 12. September 1608 bis zu seinem Tode — 7. December
1618 Gross -Inquisitor, Der Dominicaner Luis de Aüiagaj Beichtvater
Pbilipp's III., wurde am 4. Januar 16 19 bestätigt. — Kaum aber war
Philipp IV. an das Ruder gekommen — 1621, so sezte er denselben ab.
AUiaga starb am 3. December i 626. Sein Nachfolger Andreas Pacheco
wurde am 12. Februar 1622 zu Rom bestätigt, und starb am 7. April
1626. Der (20.) General-Inquisitor, Anton, de Zapo^a 7 Mendoza, wurde
von Rom am LO. Januar 1627 confirmirt. Er war Cardinal, Patriarch von
Indien und Erzbischof von Burjgos (bis 1605) gewesen. Er resignirte
als Inquisitor im Jahre 1632, „um den Befehlen Philipp's IV. nachzu-
kommen«'. Er starb am 23. April 1635*).
Der Dominicaner Anton, de Sotomayor, Beichtvater Philipp's IV.,
folgte ihm am 17. Juli 1632. „Auf Befehl des Königs resignirte anch
er im Jahre 1643, (f 1648). Didacus de Arce j Reynoso wurde vom
Papste am 8. September 1643 bestätigt. Er war Bischof von Placentia,
als welcher er im Jahre 1653 resignirte. Er starb als Inquisitor am
17. September 1665, an demselben Tage, wie Philipp IV., dessen ge-
treuer Diener er gewesen. Länger, als einer seiner Vorgänger, begleitete
er dieses Amt 22 Jahre. Die Königin Wittwe ernannte den Erzbischof
von Toledo, Cardinal Paschalis de Aragon, zu seinem Nachfolger.
Weil die Königin es befahl, dankte auch er wieder ab, bevor er seine
Functionen angetreten. Jo. Eberhard Nithardy der s. g. „deutsche
Jesuit^^, und Beichtvater der Regentin, erlangte seine Bullen am 15. Oc-
tober 1666. Er wurde nachher Erzbischof von Edessa und Cardinal.
Auf Befehl der Königin resignirte er im Jahre 1668, (f 1681). — Di-
dacus Sarmiento de Valladares, Erzbischof i. p. inf., wurde bestätigt
am 15. September 1669, und starb am 29. Jan. 1695. Er bekleidete
26 Jahre diese Stelle. Der Erzbischof von Valencia, Juan Thomas de
Hocaberti^ wurde am 18. Juni 1699 (1695?) bestätigt. Lhrente lässt ihn
CuencAy 1860, p. 265 — 257, w&re Portocarrero an dem Schmerze über den Verlast
der königlichen Gnade gestorben. Jedenfalls erhellt auch hieraus, dass die Inqui-
sition ein königliches, kein kirchliches Institut war.
*) Mioht 1639, wie LhrmU (4.263) sagt
»ition.
Die
88 Dreizehntes Buch. Erstea Kapitel.
fünf Jahre Inquisitor sein*). Er starb am 13. Jani 1699. Sein er
nannter Nachfolger starb am 19. September 1C99 vor ÄusfertigtiDj
seiner Bullen. Am 31. October 1699 folgte Balta$ar Mendoza )
Sandoval, Bischof von Segovia. In Kraft eines Befehls Phihpp^s V
verzichtete er im Anfange des Jahres 1705 (f November 1727). An
24. März 1705 wurde Vidal Marin^ Bischof von Ceuta, als seinNaeb
folger bestätigt (f 10. März 1709).
P®' Damals gab es 17 Gerichtshofe der Inquisition, nachdeni in Madn<
böte der ein eigener Hof, getrennt von dem zu Toledo , erri;jhtet worden. -
!"?"! VidaPs Nachfolger, Anton. Ibahez de la Uiva, Erzbischof von San
gossa, starb schon am 3. September 1710. Der Cardinal Frone. Giudkt
Italiener, bestätigt am 2. Juni 1711, resignirte im Jahre 1716 (f 10. Oc
tober 1725). Zwei ernannte Nachfolger traten nicht in Thätlgkcit
Didacus de Astorga y Cespcdes, Bischof von Barcelona, war Groi«
Inquisitor vom 26. März 1720; er resignirte noch im Jahre \1'X
luquUi- Am 18. Juli folgte ihm (34) Juan de CamargOj Bischof von Pamplon
tor«nim/i-24. Mai 1733). Llorente lässt unter ihm, ohne den Schatti^u am
18 Jahr- ^' , ' ' \ „ .
hundert. Beweises, 442 Personen verbrannt werden, nach der lächerlichen Ait
nähme, dass die Inquisition von c. löOO an bis zum Jahre 17Ö8 jedei
Jahr gleich viele Leute habe verbrennen lassen. — Andreas de Ork
j Larreategui^ Erzbischof von Valencia, trat am 28. Juli 1733 eia
er starb am 4. August 1740. Manuel Manrique de Lara, Bischof t
Jaen, nacher Erzbischof von Compostella, wurde am 24. Januar 17
bestätigt (t 12. Februar 1745). — Franc. Perez de Prado, Bih
von Teruel, folgte ihm am 22« August 1746, bis zum Jahre l7f)ö—
1757. Um das Jahr 1758 wurde Manuel QtitiUcmo Bonifaz, Erzbiscbof
von Pharsalus, Gross -Inquisitor, und blieb es bis 1774. (Unter iha
wurden zwei Personen verbrannt). Am 7. November 1781 worde ak
leztes Opfer der Inquisition die lezte Hexe zu Sevilla verbrannt *)»
unter dem Gross-Inquisitor Philipp Bdtran, — seit 1775, Bischof tob
Salamanca (f 30. November 1783). Der (41.) Grossinquisitor Aogostio
Rubin de Cevallos (f 1 792) liess nach Llorente Niemand, auch nich
„inctBgie^, verbrennen. Manuel Abad y Lasierra, Erzbischof von Selimbna
i. p. inf., folgte ihm im Jahre 1792, und musste im Jahre 1794 aof
Befehl Carl's IV. abdanken (f 12. Januar 1806). Der ErzbisdiofTOO
Toledo, Cardinal Lorenzana, folgte ihm im Jahre 1794, und maKt^*
auf Befehl desselben Königs (d. i. des Friedeusfiirsten Manuel Godoj)
') JJorente, 4, S. 265. Also wurde er 1695 und nicht 1699 erwabü
') Ob sie jung und schön, oder aU and häaslich gewesen ~ adbuesiibjBfiH^
lis est. — Trozdem lässt LhrerUe unter ihm jährlich zwei Personell wttxu^
werden, im Widerspruche mit sich selbst. Die Hexe von Sevilla wäre nach IJcr^
▼erachont worden, wenn sie ihr Vcrbreohen gestanden hätte (IV, p. 270).
iDqnisition in Italien. 89
ihdioken — 1 797. Manuel Godoy's Creatur, Ramon Joseph de Arce,
(Pfeodo-) Erzbischof von Bargos und Saragossa, trug den Titel des
\ti.) Generalinquisitors von 1 798 — 1808 '). Allmälig war die Inquisition
wiit bloss das purste Staatsinstitut, sondern auch das Staatsinstrument
ler jeweils herrschenden Giinstlinge am Hofe geworden , Günstlinge,
l(feo VoUziehnngsorgane die Könige waren.
§. 41.
Paramo erzählt (weiter), dass und wie die Neapolitaner sich die
fttoigche Inquisition nicht aufbalsen Hessen (lf)04 und 1546), was ganz
I der Ordnung war. Denn sie waren Italiener, und keine Spanier.
ie erklärten, die Ausrottung der Häresien gehe den Papst und die
iahlichen Richter, nicht die weltlichen Fürsten an. Auch Papst
iq1 III. erklärte, diese Angelegenheit gehe ihn, und keinen andern
i Als Kaiser Carl V., der die Inquisition als Regierungsinstrument
i^brauchte, Ernst machte, kam es zum Aufstande. Der mächtige
errscher hielt es für klüger, dem Sturme zu weichen'), imd auf
^K€re Zeiten zu warten. „Nach unverrichteter Angelegenheit, sagt
aramo, gewährte Carl den bittenden Neapolitanern nach seiner be-
uiDtcn Gute Verzeihung."
In Sicilien ging die Inquisition durch, mit grosster Anstrengung ^i«
ad durch mehrere Zwischenstadien. Noch im Jahre 1562 brach in ^^^^l^
ilermo ein Aufstand gegen die spanische Staatsinquisition aus. Hier die
V Paramo Inquisitor gewesen. Von Hinrichtungen erzählt er nichts, jn^i*!.
* Nach Sardinien wollte die Inquisition im Jahre 1492 importirt tionsn-
'^eo. Als der Inquisitor im Jahre 1494 einen gewissen Dominions
>t€r der Anklage der Häresie gefänglich einzog , befreiten ihn der
^cekSnig und der Erzhischof von Cagliari (es war der Dominikaner
Wo8 Klares 1483—1513) mit Gewalt. — Ferdinand „der katholische«
elrieb darüber sehr zornige Briefe. Was nun geschah, und über die
,'Mze Zeit von 1498—1590 gesteht Paramo nichts zu wissen. Doch
nirde im Jahre 1590 ein Lutheraner (vielmehr Calvinist) von Genf
;e£iogen, aber weder enthauptet noch verbrannt, sondern Katholik zu
werden vermocht.
Im Jahre lö6-i versuchte man die Inquisition in Mailand einzu-
iiureD. Aber die Bevölkerung leistete Widerstand, und die Inquisition
^fde „saspendirt". — Wie die Italiener, so Hessen sich auch die
*) Reüietifolge der Grossinquisitoreo (mit vielen Irrthttmern), bei lAorerUe,
1 213-271).
') Paramo, p. 218—223.
Hefele
wider«
OO Dreizehntes Buch. Erstes Kupitel.
Niederläbder die spanische Inquisition nicht gefallen. Der Yersocl
aber, sie daselbst einzufuhren, hatte bleibend tranrigere Folgen, al
in* Italien.
§. 42.
Liorenta D^g Werk AnL Uorente's über die Inquisition, welches zm
inquiii. grössern Theile aus ihm selbst widerlegt werden kann, hat das grosi
uon. Verdienst, spätem Forschern eine Menge von Material erhalteo s
haben. — Der Abschnitt in Prescott's „Leben Ferdinand's und Isa
bella's über die Inquisition beruht auf keinen selbständigen Stodieil
— In Spanien selbst hat J. Cl. Qxmicero das Werk Uorentet d
widerlegen gesucht^). — C J, Hefele hat in seinem Werke: Der Car
dinal Ximenes , nicht nur den Uarenie gründlich widerlegt, sonder
legt iha. auch fuT ciuc unpartheüschc Bearbeitung der Geschichte der Inqoisitio
die Bahn gebrochen '). Aber aus der neuesten Kirchengeschicbl
Spanien's von Vic. de la Fuente (Madr. 1873 — 1875) ersieht man, dii
diese Forschungen in Spanien selbst noch nicht bekannt, wenigste^
noch nicht verwerthet sind^). — Fr. Gare, Rodrigo gedenkt eine Gt
schichte der Inquisition in zwei Bänden herauszugeben.
inqaf«!- j^^ Portugal wurde die Inquisition besonders auf Betrei
Porta- Carl's V. (von Spanien) im Jahre 1536 eingeführt. A. HeretdoM i
'*^' Carvcdho hat in drei Bänden diese Einführung beschrieben^). Er is
ein Gegner der Inquisition aus Princip. Vor ihm hat H. Sekäf^
dieses Thema kürzer behandelt ^) , nach Herculano aber der Jadi
M. Kayserling mit grosser Ausführlichkeit und ziemlicher ünparteOiek*
keit*). — Die meisten Schriftsteller in England und Frankreich wanddi
bei diesem Thema im Schlepptau Harente's.
schrif. j)^j^ Aufsaz „Inquisition^ in der Encyclopaedie von Er^eh ood
die In' Gruber — Jahr 1840 — ist von B. Böse; dieser adoptirt ohoc B^
<i«i«i- denken Uorente'e Aoffaben. — Nie. Heinr. Jtdiue hat in seinen Zo-
tlOD. ^
*) Josi demente Camicero : La laqaisicioD jostamente restableeida, m^-
Dacion de la obra de D. Juan Antonio de Liorentei Anales de la inqniaieiofl de
Espafia. 2 tom. Madrid, 1816. — cf. Jos. de Maistre, Lettres k an genttlhofie Bm
aar T inqniaicion eapagnole. Lyon, 1837.
*) TQbmgen, 1846; (1851). 1^ Hanptotflok: Die apanisohe Inquisition oad
Uorente's geringe Glaabwürdigkeit (S. 241 — 360 — 368).
') Historia ecleaiaatica de Espafia, t, Y. Madr. 1874, p. 2a— 38.
^) Da origem e estabeledmento da Inqaisicao em PortogaL Teotatin
hiatorica por AUx. Herculano , Lisboa, 1864, 1865, 1857.
*) Heinr. Schäfer, Geschichte von Portugal, Bd. lü, Hamburg, 1850, S. 1^
— 34«.
') M, Kayserling^ Geschichte der Juden in Portugal. Berlin, 1867, S. 1^
-8«lt
Schriften aber die Inquisition. 91
mn zu: „6r. Ticknor^s Geschichte der schönen Literatur in Spanien
-Hamb. 18f)2^ — interessante Beiträge zarBeortheilung der Inquisition
nitgetheUt*). — Ueber die Inquisition auf den Baleareu handelt
M. Kojperling in seinem Buche über die Juden in Navarra, den
Baskenlaodem und den Balearen*). — Heinr. Grätz hat in seiner i^Ge-
khichte der Juden ^, die spanische Inquisition von seinem jüdischen
Elandponkte aus behandelt^). — Unsere Abhandhing über die Inquisition
ftv seit Jahr und Tag beendigt^), als uns im Jahre 1877 noch zwei
Mncre Schriften über die spanische Inquisition zugingen. Die eine
ächrift ist von Fridclin Hoffmann^). Der Verfasser will nicht bloss
■cb QueUen, sondern nach den besten Quellen gearbeitet haben.
)iese Quelle ist vorwiegend Llorente fi'ir Spanien. Hoffmann gesteht^
Itts er nicht Historiker vom Fach, sondern Publicist sei und es ihm
lomit im Blute liege, die Gegenwart nicht ungerupil zu lassen , auch
I, wo er die Leser in entlegenen Regionen umherfuhrt^. Der Publicist
It einen Tendenz- Roman für das gewöhnliche Publicum herausgegeben.
tiae Tendenz ist es demnach, die Zahlen der Hingerichteten möglichst
I steigern, er lässt den Mariana fälschlich sagen, dass im Bisthum
tnlla und Cadix allein im Jahre 1481 — 20Ü0 judaisirende Christen
{rbrennt worden. Er lässt im Jahre 1877 die im Jahre 1856 u. 1870
(dmckte Chronik des Bemaldez noch ungedruckt sein''). £r lässt den
L Torqaemada gewaltthätig gegen Ferdinand und Isabella auftreten,
i ihnen die Verbannung der Judep abzupressen, wogegen der Protestant
Md festhält, dass die Krone bei Vertreibung der Juden nnd Araber,
K bei der Inquisition, nicht durch niedrige fiscalisc4ie Motive sich
steo liess, sondern für recht glaubhaft hält, dass Isabella in ihrem
fe sich verrechnet , und nicht die Vertreibung (der Juden) selbst,
Adern durch ihre Androhung eine rasche und allgemeine Bekehrung
libsichtigt habe^.
') Ttdbior Julitts, Bd. 11, p. 721—729. Daza SapplementBand y. Äd. Woif,
^m,p, 196-198.
')B«riiD, 1861, S. 178-189.
*) Grätz. Geschichte der Juden, Bd. V, Leipz. 1861, S. 300-363.
Hr nennt Isabella die .Bigotte'' (S. 3ü]), und »igt, sie nnd Ferdinand
^ durch die SchOpfung des InqaisitionstribanalB Spanien'a Verkttmmemng und
Tfrwesimg« angebahnt
'/ Seit October — December 1876.
*) Geschichte der Inqaisition. Einrichtung und ThäHgkeit derselben in Spanien,
"^Italien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Süd -Amerika, Indien
*M:hioa. Nach den besten Quellen allgemein fafslich dargestellt ▼. ^. fT. Erster
*^» BoQD, 1878, p. 418. Ein zweiter Band soll dem ersten folgen.
') 8. 309.
*) Puchd, Zeitalter der Entdeck. 1868, 8. 152. (Nene Aufl. Stuttg 1877,
5- 120 (lg.)
92 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Nach Hoffmann fugte eich Spanien allein durch die JadooTei
troibuDg den Verlust von achthundert Tau«eiui fleissigen Menschen zu *
deren Verbrechen nur daiin bestand, dass sie festhielten ao dem Glaulx
ihrer Väter und den „katholischen Majestäten^ mehr Greld gelteh<
hatten , als diese zurückerstatten konnten oder wollten. Solches qi
Aehnliches berichtet der „Publicist^ „aus den besten Quellen". D
Zahl von 800.000 stammt von Mariana^ aber dieser spricht seio^
Zweifel an der Grosse der Zahl aus. Mit dem Brand tod Magdebo^
und selbst mit der Bartholomäusnacht kann man heute sein 61ä<
nicht mehr machen; aber die Blutgerüste und die Scheiterhaufen d
Inquisition ziehen noch.
Der Professor Juan Manuel Orti y Lara hat zu Madrid im Jan
1877 „die Inquisicion^ herausgegeben, ein Werk, das zuerst in dl
Zeitschrift „El siglo futnro^ in kleineren AbscLnitten erschien'}. ^
Nach den rühmenden Meldungen in katholischen Zeitschriften übl
dieses Werk durfte man etwas Tüchtiges erwarten. Aber es sind ei
gesammelte Zeitungsartikel ohne Quellenangaben'). Die Inquieiti
war, nach Orti, ein rein kirchliches Institut. In zwei Abschnitten
„Doctor Hefele^ abgewandelt , weil er die Inquisition ein staatlic
Institut fiennt^). Von dem Grafen de Maistre wird gesagt, er
in Moskau (?) fern von katholischen Kreisen geschrieben, and luk
nur einige englische Schriftstücke und die von den Cortes zn C^
publicirten Schriften über die Inquisition benüzt. Dagegen will
widerlegen die Behauptungen des „Alzog, Hefele, und im Allgemei
alle die katholischen liberalen Publicisten, welche niemals ebe Walv^
heit vertheidigten, ausser mit halb und halb^ and mit „wenn and aber^
und mit gefahrlichen Goncessionen^ ^).
Siehe da, wir befinden uns mitten in der Kezerei der „liberaki
Katholiken'', weil wir nicht durch „dick und dünn'' mit „den Ort
y Lara und Consorten" gehen. Das „Santo officio" war ja m
„wesentlich kirchliches Tribunal"*). Die Inquisitoren erhielten vA-
') S. 311.
*) La TnqaiBicion. Obra publicada por vez primera en el Siglo fotoro. P*
Don Juan Manuel Orti y Lara, Catedritico de Metafisiea de la Univerndad dalCuM
Edidon; corregida j aomentada. Madrid 1817, p. 315. Der Yerfuser hat nrii
andere Schriften erscheinen lassen. —
*) S. 74 wird citirt: Salgado, de Sapplicatione ad Sanctomm. Sa^odo nr
ein biziger Begalist, und schrieb (1639) de Supplicatione ad SanctisBimoiB et&
^) El Doctor Hefde, p. 64-69, und Kespnestas al Doctor Hffde, p. ^^-^
^) Como han asegnrado los Ahog^ Hefele y, por lo geneml, todm loi pobfi*
cistas catölicos hberales.
•) P. 81.
Neaere Schrifreo. 93
mehr ihre ganze Jurisdiction von dem Papste, der General -Inquisitor
durch die Bullen seiner Ernennung und Bestätigung, seine Gehilfen
durch den Tom Papste dazu bevollmächtigten obersten Inquisitor.
Darum waren die Inquisitoren nicht Beamte des Staates, sondern der
Kirche, die bei der Inquisition betheiligten Bischöfe aber Beamte Gottes.
Die rein weltlichen Befugnisse der Inquisition seien rein äusserlich und
nebensächlich, ihr kirchlicher Charakter sei die Hauptsache gewesen.
Man könne einen Mohren nicht darum weiss nennen, weil er weisse
Zähne habe, die Inquisition nicht darum ein Staatsinstitnt, weil etwas
Staatliches an ihr gewesen.
A.ber an dieser Inquisition war Alles staatlich. Die Kirche hatte
das Nachsehen, das Gehen- und Geschehenlassen. — Mit dem Tode
sollte jeder Spanier bestraft werden, befahl Ferdinand der Katholische,
der eine Einmischung des Papstes in den Lauf der spanischen In-
quisition provocirte. Ohne kirchliche Sendung imd Vollmacht kamen
die ersten Inquisitoren nach Sevilla, und begannen dort ihr Geschäft.
Die Regierung sezte die Inquisitoren nach Belieben ein und ab. Welcher
Papst hat denn einen Grossinquisitor eingesezt? Wie viele derselben
hat die Regierung abgesezt? (12.) Welchen abgesezten Grossmqnisitor
hat Rom in seiner Würde erhalten?') Es wurde einfach in Rom an-
gezeigt, dass — der oder jener Grossinquisitor geworden, und man
schickte ihm seine Bestätigungsurkunde zu^ gleichviel, ob sein Vor-
ganger mit Recht oder mit Unrecht abgesezt worden. Diese immer
und sicher erfolgende Bestätigung — diess waren des Negers weisse
Zähne. Damm war aber die spanische Inquisition dennoch schwarz.
Sie wurde vom Staate eingeführt, vom Staate regiert und dirigirt, sie
war ein Werkzeug in den Händen des Staates, sie wurde vom Staate
wieder abgeschafft Diess ist die Wahrheit der Geschichte, und es
ficht uns nicht an, ob uns auch OrÜ y Lara unter die Kezer, genannt
„liberale Katholiken^, verweist.
') 44 Qeneraliiiqoisitoren zfihlt UorenJte. Davon sezte Ferdinand V. ab —
den Did. Deza. Im Jahre 1599 wurde der Grosdnqaisitor Portocarrero von Phi
lipp HI. abgesezt; sein Nachfolger Ferd. Guevara wurde 1602 abgesezt. Philipp IV
Beste 1621 den Luis de Alliaga ab. Im Jahre 1632 sezte derselbe den Anton
Zapata ab; im Jahre 1613 sezte er den Ant de Sotomsyor ab. Zwei GroBsinquisi
toren sezte die Königin Maria ab. Philipp V. se^te zwei, Carl IV. gleich&lls zwei
Grossinqaisitoren ab; 12 von 44 sezte der Staat ab, und nur einen Papst Pins V.
Zweites Kapitel.
Die Spanier in AmerilLa (1402— 1542).
§. 1.
Nach der glücklichen Eroberung Granada^s gewährte IsabeDa dea
Genuesen Christoph Columbus (Colon) die längst erbetenen Mitu^
um auf dem Seewege nach Westen Ostindien anfzafinden. Coloo fah
am 3. August 1492 mit drei kleinen Schiffen aus dem andalosischei
Hafen von Palos aus. Am 12. October entdeckte er Westindien, (Li
die ostlichsten Inseln von Mittelamerika. Von da aus entdeckte er dit
grosse Insel Cnba. Er glaubte, in der Nähe China's, etwa 100 MeOa
von der Stadt Zaitun, sich zu befinden j und schickte sich an , eioei
Brief „der Könige'^ an den vermeintlich in der Nähe befindlicba
Gross-Chan der Mongolen abzugeben. An dieser Tänschnng hielt er
fest, so lange er lebte. Am 4. December 1492 gab er der Insel Gob|
zu Ehren des spanischen Thronerben den Namen Juana. Am 6. Ds^
cember erreichte er die Insel Haiti (Hayti). Wegen ihrer Aehnlichkdl
Bit- mit andalusischen Landschaften nannte er sie EJspanola (Hispanioli)*).
(8. Do- ^^ baute eine kleine Festung „Navidad^. Am 16. Januar 1493 wurde
ningoV die Ruckfahrt nach Spanien angetreten. Am 23. März erreichte Cola
wieder den Haftn von Palos ^). Am 31. März, dem Palmsonntag, biek
■) Hier hOrte er von den menschenfresseDden Gariben (Garaibes). CoIob vtt
stand aber Caniba (oder Cannibalea). Dnrch ihn kam der Ansdraek .Kaaaibiiei'
statt (menaohenfressende) Kariben in Umlauf. Er meinte, Caniba könne oidüi <s-
deres bedeuten , als Vollmer des Cbans (der Mongolen), also mflsae der CImb gafi>
nahe residiren.
*) Waah. Jrving^ A history of the life and voyages of Christ. Cdvm\i».
Lond. 1828, 4 vol. 6*. (Deatsch: Leben and Reisen des Colombns, Fnifc£ l^i
1832. 1, S. 264.)
Colon's erate Fahrt n. RQckketir. Papst Alexander VI. u. d. nene Welt. 95
«lombas seinen Einzug in Sevilla'). Auf die Einladung des Hofes ^^^^^
DD 30. März reiste er sogleich nach Aragonien. Sechs Eingeborne lo gp«.
KU Westindien) begleiteten ihn, vier liess er in Sevilla zurück. "*^^
§. 2.
In der Mitte des April erschien er vor den „Königen^ in Barce- ^*^^°*°
Bi Mitten auf dem Markte war der Thron aufgeschlagen. Auf dem lou»,
krooe Sassen die ^Könige^ und der Erbprinz, welche sich vor Colon ^^""^^
ixixai. Dem Colon wurde neben dem Throne ein Sessel zum Nieder-
lai geboten, die höchste Eäre, welche spanische Könige einem Unter-
iDen zQ erweiaen vermochten*). — Diess dürfte der schönste Tag
dem Leben Colones gewesen sein. — Eine neue Flotte wurde aus-
rüstet. Der Decan von Sevilla, Juan de Fonseca, später Bischof 1*^^*
aBadajoz, Cordova, Valencia und Burgos (1496 — 1524), sollte die coio.
istoDg und den Aufwand für dieselbe überwachen. Bald wurde er ^^^^^^'
, . nUter.
nuster der Colonieen oder Vorsizender des Rathes von Indien,
mig Jahre lang verwaltete er mit grossem Geschicke diesen Posten,
f) wie Loi Cascu sagt, eher einem Basken, als einem Geistlichen
bm. Ferdinand Colon, der Sohn des Christoph, hat den Ruf Fon-
2i'8 ftDgeschwarzt; andere suchen ihn zu vertheidigen. Er wahrte
tEoergie, vielleicht auch mit Harte das Interesse der Krone, und
i diram den übertriebenen Ansprüchen der Entdecker und £r-
(rer entgegen.
§. 3.
Durch Bulle vom 3. Mai 1 493 ertheiltc Papst Alexander VI. der
f^t Spanien die Herrschaft über die Inseln und Festlande im west-
«Q Theile des Ocean, nur mit dem Vorbehalte etwaiger früherer
^te eines christlichen Fürsten. Schon am 4. Mai 1493 erging eine .
^ Bolle. Der Papst zog, um jede weitere Streitigkeit abzuschnei- d>«
», eine Grenzlinie vom Nordpol bis zum Südpol. Der Krone Castilien iQQg,.
nieh er alle Gebiete, Inseln oder Festlande, westlich von dieser Linie, ^^^*
^ Indien oder sonstwohin gelegen. Dieser Meridian sollte von jeder ^i^nder^t
ET azorischen oder capverdischen Inseln einen westlichen und südlichen ^^
') Aadr. Bemaldez^ los reyes eatolicos, 1856, I, p. 277. Ausgabe von 1370,
I. p. 869.
') EfBk sp&ter kam dazu das Wappen mit der bekannten Inschrift: FUr Ca-
HieB and f(tt Leon- — eine neue Welt fand Colon (per CaatiiU y por Leon —
^0 Dondo hallo Colon). Die Erzählung von dem j,Bi des Colnmbus" ist ein
m\tea ohne seMOüchtiiche Grundlage.
96
Dreizehntes Bach. Zweites Kapitel.
Abstand yod 100 spanischen Meilen entfernt sein'). Am 25.
tember 1493 erliess der Papst eine dritte Bnlle. Er erw^ierte
Schenkung, die er zuvor den „Königen^ gemacht, auf alle neuen
deckungen, sie mögen Inseln oder Festland umfassen, welche berc
gemacht, oder noch zu machen seien, mögen sie auf der Fahrt ge<
Westen oder Osten sich finden, mögen sie im westlichen, oder b«
liehen und ostlichen Theile, und in Indien liegen^). Die beiden Eroi
Castilien und Portugal traten über die Theilnng der „neuen Wi
selbst in Unterhandlungen. Am 7. Juni 1494 wurde ein Vertrag
geschlossen, nach welchem ein Mittagskreis, nicht wie die Balle
xander's VI. es gewollt, 100, sondern 370 Leguas westlich von
Por- Inseln des grünen Vorgebirges als Grenzlinie (raya) (ur die £atd<
»Qgfti ungen der beiden Länder gezogen wurde. Alles Land westlich
eich. Castilien, alles Land ostlich sollte Portugal zufallen.
Spanien
§. 4.
Wenige Tage, bevor die „Könige '^ Barcelona wieder verii(
baten die Indier um die Gnade der heiligen Taufe, nachdem
den Unterricht in der christlichen Religion empfangen hatten.
Könige^ freuten sich sehr, dass sie Gott diese Erstlinge aus.der Beic
weit darbringen durften. Mit grosser Feierlichkeit wurden sie in
Chathedrale getauft* Die „Könige'^ und der Prinz Juan waren il|
Pathen«).
Bemard Boil^)j> aus Tarragona stammend, Benediktiner in
serrat, hatte das Ordenskleid vor dem Jahre 1481 genommen.
') Nay&rrete, Mart. Femandez , ColeccioD de Yiages j deeeabrimiestos
hicieron por mar los EspAfiolea desde fines del siglo XV, con TarioB d(
tos, etc., Madr. 1825—1829. — 37, 5 vol. 4». — t. U, n. 17; 18. — quacline»
a qaalibet insalarain, quae vnlgariter nuncnpantar: «de los Azores et Cibo Vi
ceotum leacis adversua occidentem et mendiem.
*) Ora esten en las partes Occidentales 6 Meridionales y Orientalea j
India. — Die zwei ersten Bullen stehen in dem Bnllarium, ed. Chernbioi, Lnn
1742, t. I, p. 453. t X, p. 3. In dem neuesten Tnriner Bollariam fiteht ov
zweite Bolle vom 4. Mai 1493, t. V, A. Taur., 1860, p. 361—364. — Die
Bolle steht nor in der spanischen Uebersezang bei NcLvarrete^ Viai^ tU,p^
— J, O. Kohly Die beiden ältesten Generalkarten von Amerika. AuBgtL io
Jahren 1527 ond 1529 auf Befehl Kaiser CarPs Y. Weimar, 1860, S. 11. - Fri*
Kunatmann^ znr Entdeckongsgeschichte Amerika's, in Histor. • Polit Butler, 1'
I, p. 76Ö— 779 (Bd. 47). — Ose, Peschel, Die Demarkationslinie des P. Alex««^
VI., Leipz. 1865. (Den. „in Zeitalter der Entdeckongen", 1858, S. 230—231,)
*) lUescas, Historla pontifical y catolica, 1564, (1652), t U, fib. 6, cp. ^
— (112).
*) Aooh Boyl, Boil, Baeil.
Der MissionSr B. Boil. Zweite Fahrt Colon'«. 97
■Uten die „Eonige'' als Haupt einer Gesellschaft von Missionaren
0, welche mit Columbus in die neue Welt ziehen sollten. Es wurden
im 12 Begleiter aus verschiedenen Orden, und auch Weltpriester,
pgegeben. Der Papst wurde von dieser Wahl in Eenntniss gesezt
BsschmückuDgen dürften es sein, dass B. Boil als ,,legatus a latere^
tt Papstes, oder als erster Patriarch von Indien nach Westindien ge-
ist sei ')• — In der Instruction der „Könige^ an Colon vom 29. Mai
113 sprachen sie von der Bekehrung der Indier; um diese zu fordern,
S^ ihre Hoheiten dorthin den gelehrten P. Fr. Boil, zugleich mit"-^^"-
ifcro Religiösen. In einem Schreiben an B. Boil selbst sagen sie :
h König und die Königin — dem frommen Bruder Boil: „Eben sind
tt Rom die Bullen angekommen, um welche Wir dahin gesandt
^ sowohl in Betreff dessen, was Euch angeht, als dessen, was in
1 Denen Inseln vorzukehren nothwendig ist"*).
Am 4 August schrieben sie ihm wieder von Barcelona aus, sandten
n eme Abschrift der Bulle Alexander's VI., und beauftragten ihn,
TOD Allem in Kenntniss zu sezen , was von da an sich ereignen
irde. Es scheint, dass B. Boil von Sevilla aus sich über das Be-
gen Fonseca's gegen Colon beschwert habe, denn die Konige sagen,
lei ihr innigster Wunsch, dass der „Admiral'^ so sehr als möglich
dirt werde.
§. 5.
Am 25. September 1493 ftihr die neue Flotte und mit ihr zweito
« B. Boil ans dem Hafen von Cadix ab. Am 3. November sah ^^^^^
tteine bergige Insel, welche sie dem Sonntag zu Ehren Dominica 1493-
feBten. Von da landeten sie auf der flachen Insel Marigalante. Am ^*^'
November sahen sie den berühmten Vulkan von Guadeloupe. Colon
ite den Mönchen von „Unserer Frau zu Guadeloupe^ in Spanien
viprochen, eine Insel nach ihrem Kloster zu benennen^. Hier
oluiten Caraiben. Vom 10. November an fuhr das Geschwader in
^ Richtung von Espanola. Am 15. November erreichten sie die
^ Paertorico , von Colon San Juan genannt. Am 25. November
dttgtea sie in die Bucht von Montecristi auf Epanola, und befanden
Kb Tor der Festung Navidad. Am 28. November stieg Colon an's
^, und fand nur Brandtrümmer an der Statte der Festung. Die
') Ntch Alf. SanoUores, Historia de la orden de S. Benito — wurde er zum
^«uur-Bischof ernannt
') Aaoorrete (U), Oocament., nr. 45 et 52.
") Bemoldes, I, p. 127.
98 DreizehnteB Baoh. Zweites Kapitel.
dort liegenden Spanier hatten in Kämpfen mit den Emgebornen ib
Leben verloren. Colon sab sich gezwungen, diese Gegend z
verlassen.
^^^ In der Nähe davon gründete er die Stadt Isabella. Das Fieber, i
dem aach er lange litt, hemmte den Fortban. Die Verlegenheiten mehit^
sieh. Die Lebensmittel für die Colonisten mussten ans Spanien he
beigeholt werden. Za einiger Entschädigung versprach Colon, Carail|
als Sklaven nach Spanien za senden. Er kam also einem ähnlichi
Plane des Barth. Las Casas zuvor. Der Unterschied war aber, (k
es sich dort nicht um die Erhaltung der Indianer, sondern um Gt
nnd Geldeswerth handelte^). Schon wurden Meutereien gegen i
Admiral angezettelt. Colon Hess den Zahlmeister Bemal de Pisa, i
ein Complott organisirt hatte, in Ketten werfen, um ihn mit Gelege
heit nach Spanien zu senden. Von jezt an verfiel der Adinirai di
allgemeinen Hasse, und galt für einen grausamen Mann, sowohl in I
Colonien, als in dem Mutterlande'). Von Isabella brach Colon I
12. März 1494 nach dem Goldlande Cibao im Innern von £6piai
auf. Auf dem Wege dahin liess er das Blockhaus San TomM I
festigen. In Isabella war die Lage trostlos. Ein Aufstand der 1
dianer brach zwischen Isabella und San Tomas aus. Colon sezte eü
Verwaltungsrath ein, der aus dem Benedictiner Fray Boil, — Fernad
Coronel als oberstem Vogt der Insel , nnd zwei andern Beamten I
stand. Präsident war sein jüngster Bruder Diego, der sich dem gA
liehen Stande widmen wollte.
Am 5. Mai 1494 wurde die Insel Jamaica entdeckt, am 8. M
lief Colon in den Hafen Puerto Bono ein. Das gesuchte Gold ab
wurde nicht geftinden. Am 18. Mai kehrte der Admirld nach Cd
zurück. Weder Colon, noch die Eingebomen wussten, ob CaU ci
Oab«, Insel sei. Colon glaubte immer, er befinde sich in Asien, uod ^
laad. nahe den chinesischen Städten Zaytnn und Shangai. Am 12.
liess Colon sämmtlichen Piloten und Matrosen vor dem Notar
Eid abnehmen, dass sie Cuba itir ein Festland, nnd nicht für
Insel hielten. Man sei der Küste in einer Länge von 335 sp
Meilen gefolgt^). Man dürfe schliessen, das asiatische Festland
sich zu haben. Wollten die Schwörenden ihre Aussagen wid
so würden die Officiere mit Verlust der Zunge, vom Bchifisvolk
') Memoria] pars los Reyes Catholicos, ap. Navarreie^ I, p. 385 tq.
*) Loa Casas in s. Brevisima reUdon de la destruycion de las loditf o^em
tales por los CasteUanos, Sevilla, 1552 — gesteht, dies« allgemeiiie Yonirtiieil v«
seiner Reise nach Westindien getheilt zu haben. Lib. I, op. 90.
*) Aber Colon hätte ja schon nach 1^2 Tagen das Cap San Aalomo, dM
westliche Ende der Insel, erreicht.
Xtackfahrt B. Boil's.
99
fe:
"^^4^^^
<?5
y^^^.
cn abgewandelt werden; 49 Personen be-
*d sei.
^<e Rückfahrt antreten, da es an Lebens-
' nach Hanse verlangte. Am 6. Juli,
«de (in Cnba) unter grossem Zo-
■balten. Die Spanier kehrten
'•ico zurück. Am 29. Sep-
^^ diese^ Zeit kam Bartholo-
'^^^hiffen aus Spanien an.
%^^^^
^^
Vf^r y^itär
>"-
/v eiche Bartholom^ an^s Land gesezt,
^entschaftsmitgliedy und der Obrist D. Pedro
and überliessen fahnenflüchtig die Colonie jhrem
-m 1494. Nach der Entfernung Margarit's brachen ®- ^"'^
^de der Eingebornen aus '). — Boil's Vertheidiger sagen, „qj
-o S- Tomas die erste katholische Kirche in der neuen Welt Gegner
^eli^hcr er den Namen: ^Unsrer Frau von Monserrat^ gab.
seine Predigt des Evangeliums habe er viel Volk bekehrt. Es
(sehr* viel spater) Kirchen errichtet, und diese barbarischen Na-
anterrichtet , getanfl und civilisirt (?) worden. „Derjenige^
am meisten an der Bekehrung der Gozendiener arbeitete, war
rontifis Beil''«).
^ re^dul, p. 361, 267.
)^ So berichten vorwiegend catalonische und aragonische Schriftsteller, wie
4le lOescas, (Ant. Herrera), H. B, Lanuza, Morula, besonders Ped.8erra
Historia de Ntra. Sra. de Monserrate, Bare. 1747 , p. 217. — Fei. Tarres
IMofsioDario de los Escritores Catalanes, Bare. 183H, p. 112—115, — Diesen
ncfa ein deatscher Benediktiner bei m. d. Werke: „Nova navigatio novi
bdie ocoidentalis B. P. D. BueUii Catalani, abbatis Montia Serrati (?), ae
monachorum 0. S. B. — afio 1498, fignris exomata a P. Honcrato Fluloppane
Linis, 1621 fol Der Verfasser wollte in dieser Schrift dem Orden der
die Ehre vindidren, daas seine Mitglieder zuerst das Evangelium in
Welt gepredigt haben. Die Thatsache läast sich nicht leugnen, doch
dim Erfolge nicht bedeutend gewesen zu sein. Das päpstliche Breve für
seine Genossen, die von den einen Benediktiner, von den andern Religiösen
. ^CiTBchiedenen Orden und Weltpriester genannt werden , steht bei Baynald.^
ad an. 1493, nr. 24. — W. Irving, Leben und Reisen des Columbus,
Bocb, Kap. B. — Nach Wadding hat der Franciscaner Juan Perez de Mar-
noter Boirs Leitung das erste christliche Kirchlein auf Hispaaiola erbaut.
infff afades Minor., t. XV, p. 18, nr. 2). Herrera, Decas I, lib. 11, cp. 12.
(flo^Modigten) Schriften des P. Caresmar und J, Villanueva über B. Boil
m uDgedxuckt geblieben zu sein.
7*
100 Dreizehntes Bach. Zweites Kapitel.
B. Boil 80II sich nach seiner Rückkehr den Gegnern Cdotf
angeschlossen haben. Ans seiner spätem Zeit erfahren wir nur noci
dass der König ihn (der ihm später diplomatische Dienste bei VH
handhingen mit Frankreich geleistet) zum Abte des Klosters S. Mign
de Cuxa im Bistham Perpignan ernannt habe, und dass er als %ol(k
um das Jahr 1520 gestorben sei.
§• 7.
Colon drang im Allgemeinen darauf, dass die Missionäre
Sprache der Eingebornen lernen sollten*). Einzelne Caziken,
Guarinver, zeigten sich der Annahme des Christenthums nicht
MisBi- neigt. Aber die Grausamkeiten und Laster der Spanier, zum
•Dche. Auch ^i® Unfähigkeit der ersten Missionäre, hinderten weitere
schritte. Wir wissen nur, dass der P. Roman Pane, Hieronymit,
der Franciscaner Juan Borgonon den erwähnten Kaziken mit
Unterthanen eine Zeit lang günstig gestimmt hatten. Aber die schlii
Einflüsse der andern Indianer und die Gewaltthätigkeiten der S|
bewirkten den Abfall derselben*).
§. 8.
Die Zahl der Gegner Colon's wuchs in den Jahren 1494— ij
in bedenklicher Weise an. Im Frühjahre 1495 schlug auch dieSi
ctogner Q^i^ng am Hofe gegen ihn um. Die entdeckten Lande kosteten
' viel, und trugen nichts ein. Der Admiral sollte alle Ansiedler,
auf 500 — nach Spanien zurücksenden , weil Sold und Kosten
Verpflegung zu gross seien. Von Westindien wurden auch
hundert gefangene Indianer im Jahre 1495 auf die andalasii
Sklavenmärkte gebracht. Die Konigin befahl aber am 16. Apnlli
den Verkauf zu sistiren , bis sie Geistliche und Juristen zu Käthe
zogen, und die Depeschen des Admirals gelesen hätte. — Um
Zeit glaubte Colon die Goldgniben des Königs Salomon im
Ophir entdeckt zu haben.
Am 11. Juni 1496 landete Colon wieder im Hafen von Cadiz.
23. April 1497 wurden seine Privilegien aufs Neue vom Hofe in B(
bestätigt, und er erlangte eine Menge neuer Begünstigungen. Doch
Kosten der Co'lonie wuchsen zusehends. Desswegen gerieth Colon
den unglücklichen Einfall, die neue Welt mit Verbrechern zn befölki
■) Herrera^ Decas I, Lib. III, c« 4.
') Herrera, 1. c. — TT. Irving^ XF, 2.
Colones dritte Fahrt, 1 498* 1 0 1
lie Gerichte erhielten Befehl, Verbrecher mit Abkürzani; der Hälfte verb«-
ober and
y Strafzeit nach Hispaniola zu verbannen. Las Casas sah noch skUren
iDche von diesem Gesindel, welche ohne Ohren hernmliefen ')• Es*"^***'
Ute an weitern Mitteln, die Golonisten zu versorgen. Colon be-
D(I sich in grosser Noth. Die „Konige'' waren durch wichtigere,
ihere Seiten in Anspruch genommen, n. a. den Tod des Thronerben
iJoan am 4. October 1497. — Colon hatte alle Fassung verloren,
ibella fühlte sich u. a. dadurch beleidigt, dass er einen Kronbeamten
pt Händen und Füssen misshandelt hatte.
I Am 30. Mai 1498 trat Colon mit sechs Schiffen und 200 Begleitern
JDe dritte fieise nach Westiudien an. Am 1« August erreichte er die
pei Trinidad , und sah die Küste von Südamerika. Das Land am
CQ8S des Orinoco zeigte sich. Der Admiral glaubte sich in der
des ^yirdischen Paradieses'' der Stammeltem zu befinden. Am ß*^^™®-
lÄogQst kehrte er nach Espanola zurück, das er seit zwei und
lern halben Jahre verlassen , und wo er am 10. März 1496 seine
iden Brüder mit unbegrenzten Vollmachten fi^elassen hatte. Barto- ^'^^ ®*
Be hatte im Jahre 1496 im Innern der Insel die Stadt S. Domingo go.
(rundet. Kämpfe gegen die Indianer, Kampfe der Spanier unter
^ hatten die Lage sehr verschlimmert. Die Spanier hatten sich,
kr -> mit einem Harem und mit Leibeigenen umgeben. Unerhörte
AQsamkeiten wurden begangen*). — Colon fand am 1 7. October 1498
•e organisirte Verschworung der Spanier gegen ihn vor. Am 18. Oc-
kr sandte er eine Ladung kriegsgefangener Indianer an die „Könige'^,
id verlangte von ihnen Priester , nicht so fast zur Bekehrung der ^**'" ^
Iraner, als zum Dienste der verwilderten Spanier, die keinen Fasttag gn^de.
Vb hielten, und in frecher Polygamie mit den Indianerinen lebten. Er
be bei: „Wenn eine Aussöhnung mit den Bebellen (Spaniern) nicht
■Qge, wäre es besser, mit Gewalt sie auszurotten". Dieses Wort
fcte besonders seinen späteren Sturz herbei.') Durch vieles Andere,
tt er in seinen grossen Verlegenheiten that, gab er seinen zahlreichen
^den Waffen gegen sich in die Hände.
0 NavarreU, t II, nr. 116. Garta patente cL d. 22. Jon! 1497. — Loa
«w, DeBtruycion, 1. I, cp. 112.
^) «Vor allen Dingen hat man steh zn hüten, im spanischen Blnte die Neigimg
^ MordloBt xn anchen. Die franzOsiachen nod englischen Golonisten des sechs-
"B^en Jahrhunderts haben die nordamerikaniscben Bothh&nte nicht menschlicher
I^BdeltV 8o der Protestant Peschel, S. 297. Damit übereinstimmend sagt der
^otettint 7. Huber im Jahre 18*>2: Ein Haufe Deutscher, darunter Fugger's und
^ein's genannt werden, welche unter Carl V. Golumbien za colonisiren suchten,
«Erboten »ehr Bchnell alle Greuel, welche den Spaniern gegen die Indianer vor-
««forfen worden {Huber, 1. c. p. 15).
*) La» Com«, Hiatoria general de his Indlas. Msc. (b. Peachet), IIb. I. op. 155.
102 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel.
Auf ähulichem Wege eutstanden im Jahre 1400 die berüchügU
Repwii- ^Kepartimientos" oder „Encomiendas" (Vertbeilnngen , Commend
öd^Vo'- ■1^^^^ Anzahl (412) Empörer i die im Jahre 1499 unter Bedingoo
comiftn- capitulirt hatten, erhielten nämlich Ländereien, und mit densel
Frobndienste der Eingebornen angewiesen. Diess war der Anfang
Sklaverei der Indianer im Grossen, welche die Bekehning dersel
unmöglich machte, oder nnr Scheinbekehrungen zuliess. Die S
erhielten als Geschenk je 10.000—12.000 Matri (Erdhügel) Mani
wurzeln. Der Kazike der einzelnen Bezirke war dann verpfli
diese Felder durch seine Leute bebauen zu lassen. Die Eingeb
wagten nicht, zu entfliehen; denn entweder wurden sie auf der Fld
ergriffen und getödtet, oder als Sklaven verkaoft'). I
Um diese Zeit erschloss sich auch der Metallreichthum der It
Espaiiola in einer Weise, welche den neuen Goldströmen in Califonj
und Australien glich. Das ungesunde Isabella war anfgegebeo, «
dem Klima fielen nun keine neuen Opfer mehr. Freilich hielt i
materielle Besserung der Ansiedler gleichen Schritt mit dem wHi
senden Elend der Indianer. Schon im achten Jahre nach der A
deckung herrschte die Ansicht vor, dass der weisse Mensch unter i
Tropen nnr durch die Dienstbarkeit niederer Menschenragen gedel
könne. Die Spanier zwangen die Indianer, das Feld für siezai
stellen. Sie hielten sich Sklaven zum Fischfange, zur Jagd, sie hiil
sich Indianerinen zum Kochen, Waschen, als Mägde und Concobia
Sie Hessen sich von ihren Sklaven in Hangematten durch das I4
tragen. Die Indianer zitterten nur noch vor den „weissen'^ Kazika
Die Spanier hatten den Beruf, die Indianer zu befreien, ood^
als Christen zur Freiheit der Kinder Gottes zu erheben. Statt defl
verfielen diese armen Indianer der geistigen und der leiblichen Sklavil
§. 9.
Americo Vespucci, ans Florenz gebürtig, weilte im Jahre \t
zu Cadix in Handelsgeschäften*). Er begleitete eine neue Ezped
unter dem Spanier Hojeda (1499—1500), welche das amerikani]
Festland am Amazonenstrom , sowie Venezuela (das kleine VenH^
entdeckte. Im Juni 1600 kehrten Vespucci und Hojeda nach S
Americo zurück. * Auch dicsc Seefahrer brachten u. a. 232 geraubte Indianer
Arne- ^'® europäischen Sklavenmärkte zurück. So gering war die Aosbei
ric». dieser Fahrt, dass nach dem Verkaufe der erbeuteten Sklaven
*) Ims Casas^ Historia ms. F. cp. «1.
*) Äug, Maria Bandini, Vida e lettere di Ameiigo Vespucci. Fiica»^^^'
TT
Schlimme Lage. Statthalter Franc, de Bobadilla, 1500. 103
KDiicateo reiner Gewinn jedem der Glacksritter zufielen. Darch
FvticklQDg seltsamer Zafalle erhielt die ganze neue Welt ihren Namen
m diesem Amerigo, der doch bei diesen Entdeckungen eine sehr
ilergeordnete KoUe gespielt hatte.
Die nächstfolgenden Seefahrer brachten^ da das ersehnte Gold und
eEdekteioe nicht gefunden wurden, meistens nur geraubte Indianer
liicic.
Ein Jahrzehent war seit der Entdeckung der neuen Welt vergangen,
kv Ton einer Bekehrung der Indianer war keine Rede. Es war hohe
i^ dass Dan die Kirche ihre Missionsthätigkeit eröffnete, sollten nicht
Intliche Eingebome aussterben, oder ausgetilgt werden.
Schon im Jahre 1495 hatte Isabella verboten, dass die Indianer^** '°'
pt Sklaverei verschleppt werden. Sie war darum auf das Höchste skuven.
j^nirt, als eine Schiffsladung unbekehrter Indianer nach der andern
'den andalusischen Sklavenmarkt geworfen wurde. Im Jahre 1500
pe eine neue Fracht von mehreren Hunderten von Indianern an^
ch deren Verkauf die Kosten der Entdeckungen bestritten werden
teo. Unmuthig fragte die Königin: „ Welche Vollmacht besizt der
Diral, meine Unterthanen an irgend Jemand zu verkaufen?^ Durch
inetsordre vom 20. Juni 1500 liess sie die auf Colones Befehl ver-
fien Indianer in Freiheit sezen. Sie sollten unverzüglich in ihre
ftat zurfickkehren^).
Ein Theil der Amerikafahrer war bettelhafl und siech heimgekehrt.
• halbes Hundert dieser Invaliden hatte sich in Granada angesammelt^
der Hof im Sommer 1600 wohnte. Ging der König vorüber, so
n de: „Zahle, zahle. ^ Wenn sie die königlichen Pagen Don Diego
ID. Fernando, die Söhne des Admirals, sahen, riefen sie: Seht die
lachen, die Söhne des Admirals, der die Lander des Trugs und der
kal, den Kirchhof castilianischer Hidalgo's, entdeckt hat
§. 10.
Der Bitter von Calatrava, Franc, de Bobadülaj erhielt die grössten
Dmachten, die neuen Besizungen zu leiten und neu zu organisiren.
B Colon nannten die Könige nicht mehr Vicekönig, sondern nur coionin
^ Admiral. Das Schreiben an ihn lautete kurz: mVfir senden den ^^'
bfrbringer dieses Briefes, den Commendador F. de Bobadilla, um
<^ iu anserem Namen mündlich gewisse Dinge mitzutheilen. Ihr
^et ihm Vertrauen und Glauben schenken, und seine Weisungen
öllen^'). Erst im Juni 1500 ging Bobadilla mit zwei Schiffen nach
*) NanarrtU^ L U, Doc. nr 1Ü4. — Leu Ccuas, Uistoria t I, cp. 176 ms.
") Der Brief ist vom 26. Hat 1499 von Madrid datirt Loa Caaas, I» c. 179 ma.
104 Dreizehntes Buch. Zweites Kupifel.
Westiudien ab. Colon Latte inzwischen durch eine Schretkeni^jas
seine Auctoritat über onbotmässige Spanier herzustellen gesucht Ki<
wenige wurden hingerichtet, andere wurden im Gefängnisse proces»
Boba- ^Q^ 23. August kam Bobadilla mit seinen Schi£Pen an. Elr erfahr, d
8. Do- in der vergangenen Woche fünf Spanier durch den Strang hingeriet
mingo. worden, fünf andere in der Festung ihr Todesurtheil erwarteten. B(
Einlaufen der 8chi£Pe sah er an beiden Seiten des flasses die Galg
an denen die ,,Verbrecher^^ noch hiengen. Am 24. August zog er i
seiner Mannschaft in Procession in die Kirche. Es kam sogleich f
Kampfe. Bobadilla liess den Colon ohne Verhör in Ketten schliett
Colon, sein Bruder Diego und die übrigen Gefangenen langten iml
vember 1500 in Cadix aa. Colon litt nicht, dass seine Ketten ibmi
genommen werden *)• Die „Konige^^ befanden sich in grosser T
legenheit. Colon wurde sogleich freigelassen, und ihm ein Gösch
von 2000 Thalem überreicht. Als er am 17. December zn Gm
vor den „Königen^^ das Knie beugte, erstickte Schluchzen seine SbiA
Die „Könige^^ leugneten jede Theilnahme an Bobadilla's Verfahreo, t
sicherten dem Colon den Genuss all' seiner Würden und Vorrechtt
Kicolaus de OvandOj Bitter von Alcantara, wurde am 3. Septerf
1501 zum Statthalter von Espanola ernannt*). Um Gold und ?4
zu finden, schifften sich mit ihm 2500 Spanier auf 23 Schiffen <
Am 13. Februar 1502 fuhr die Flotte von San Lucar aus, und erreil
noch im April Espanola. Unter den Ankömmlingen war BartkoL j
Casa8, der nicht Gold und Perlen, sondern das Heil der Seelen sod
Colon*! Colon selbst yerliess am 9. Mai 1502 mit vier Schiffen t
^^ 150 Matrosen Cadix, und erreichte Martinique am 15. Jani. i
150S--4. 29. Juni erschien er vor S. Domingo, aber der Statthaitor Ovando i
bot ihm zu landen oder seine Schiffe auszutauschen. Um diese 1
verlor Bobadilla auf der Rückfahrt nach Spanien durch einen S
sein Leben. Als Colon diess erfuhr, „glaubte er zu ei^grönden
eine höhere vergeltende Gewalt zur Vollstreckung einer Sühne an
Beleidigern sich erniedrigt habe^^').
Er erreichte auf dieser Fahrt die Halbinsel Yucatan. Er g«H
zur Landenge von Costarica und Panama. Er meinte, der Floss GtB|
sei von da noch 10 Tagereisen entfernt, indem er die Südsee tör (
') Er bewahrte sie als Reliquien, zagleieh als Andenken an den Vndvik
Könige. Sein Sohn Fernando sah sie stets in seinem Cabioete; Colon wollte »j
dass sie ihm in's Grab folgen sollten. (Vida del Almininte [•. Vater*»]; iöIieBi'
1571, cp. 86). »
*) Naivarrete, t If, nr. 138.
*) Oscar Peschd, S. 3G7. Er »chrieb an König Ferdinand: Gn«»« «^
ha, qne Dios nuestro Sefior no moströ milagro tan pnblioo. Las 0»««». '"
ms. II, 37.
Co1on*8 lezte Fahrt, soid Tod und seine PenOnlichkeit. 105
Meerbasen tod Beogalen hielt Diese vierte Fahrt war voll von Ge-
&hren and Nothen, ohne sehr erhebliche Resultate. Am 2* Januar
1501 brach eine neue Empörung gegen den auf Jamaica weilenden
„Admiral" aus. Nur wie zußUig erfahren wir, dass damals in S. Do-
mingo regelmässiger Gottesdienst und Predigt gehalten wurde '). Ovando
icbickte dem bedrängten Colon erst dann ein Schiff zu Hilfe, als die
Frediger von den Kanzeln herab ihn angriffen. Am 9. Mai kam es
nm Kampfe der Spanier auf Jamaica unter sich. Am 13. August ge-
Ingte Colon wieder nach S. Domingo, wo damals Heman Cortes
veilte, der künftige Eroberer Mexico's. i^Das aufgehende Gestirn wan-
derte an dem untergehenden vorüber'^ , ohne dass sie sich gegenseitig
kennen lernten.
Schon erkrankt reiste Colon am 12. September ab, und erreichte
B November den Hafen von Cadiz. Auch er brachte seinen Gegner
Fraoc de Porras als Gefangenen in Ketten nach Spanien. Porras und
lein Broder wurden zu Sevilla in Freiheit gesezt. Bis zur lezten Zeit
batte Isabella den ^ Admiral^ in jeder Weise unterstüzt. Für ihn . war
dvom ihr am '^6. November 1504 erfolgter Tod der schwerste Schlag.
Ton dem berechnenden und kalten Ferdinand konnte er weniger er-
varten. Im Mai 1505 kam er nach Segovia zu Ferdinand. Er wurde
iiotlich behandelt, und bezog, wie früher, den zehnten Theil der Kron-
finkänfte aus der neuen Welt. Aber die von ihm ersehnte Wiederein-
BezQDg als Vicekönig verschob der König bis zur Rückkehr seiner
Tochter Juana. Ferdinand bot ihm gegen Abtretung seiner Ansprüche
eine Grafschaft in Castilien. Colon nahm den Tausch nicht an. Auch *
>^ er weitere Einnahmen aus der neuen Welt in Anspruch. Im
^pril 1506 landeten Philipp von Flandern und seine Gemahlin Juana
tt Hafen von Coruna. Schon damals war Colon's Krankheit unheil-
kr. Am 17. Mai 1506, am Tage der Himmelfahrt des Herrn, starb
» in Valladolid. Seine lezten Worte waren: ,^In deine Hände, o Herr,
empfehle ich meinen Geist.**
Gott hatte ihn auserwählt, die neue Welt zu finden. Gott hatte z» >ei-
tt gefugt, dass diese neue Welt zunächst von einer Nation beherrscht r^^^rf.
werden sollte, die von der einen und wahren Kirche nicht getrennt sük.
Würde, von einer Nation, welche tausende muthiger und standhafter
GUobensboten, neben den goldsuchenden Abenteurern, in die neue Welt
sandte. In einer von Colon hinterlassenen Handschrift, genannt das
3uch der Prophezeiungen^, hatte er dafar die Beweise gesammelt»
<W die Erde im Jahre 7000 nach ihrer Schöpfung, nach alphonsistischer
Berechnung des Weltalters, im Jahre 1656 nach Chr. untergehen werde.*)
*) La$ Casas, Bistoria etc. 1. IT, cp. 86 ms.
*) NaoarMe, U, nr. 140.
106 Dreizehntes Bnch» Zweites Kapitel
„Seit wir, im Besiz seines schriftlichen Nachlasses, dem grossen Manne
menschlich näher treten dürfen, entdecken wir betrübt, dass ihm die
Achtung vor den Rechten seiner Mitgeschopfe fehlte. Er brachte oack
portugiesischem Vorbilde reissende Hände zur Menschenjagd nach der
neuen Welt, deren Urbevölkerung er als deii wahren Keichthom des
Landes '), deren Freiheit er, gleichsam wie ein unbesessenes Gut, alt
Eigen thum des ersten Finders ansah, die er zu Frohnden auf des
Pflanzungen und in den Goldlandern abrichtete, und deren völliges E^
löschen er dadurch verursachte. Schmerzlich ist es , dass er nickt i^
den Edlen seines Zeitalters zählte, die, wie Isabella und die wacka^
Dominikaner auf Espanola, für die Menschenrechte der Urbevölkerutf
sich regten und litten. Einer Verstimmung kann man sich nicht a|
wehren, wenn der grosse Mann auf jedem Blatte seiner GeschicbH
aus schwer zu sättigender Gewinnsucht immer von MonopoltriauMl
und fiskalischen Trugbildern gedrückt wird'^'). Er starb mit dem Gm
fühle, unbilligen Fürsten gedient zu haben. Er selbst hatte bis ■
seinem Tode keine Ahnung, dass er eine nene Welt entdeckt Dei|
Cuba^hielt er für eine Provinz von China, Elspanola aber för Japa^
Er meinte, die Erde sei lange nicht so gross, als der Pöbel glsobi
Seine Gebeine* in dem Carthäuserkloster zu Sevilla ehrte König Fei
dinand mit der Inschrift: „Castilien und Leon — Eine neoe Wef
gab Colon.^ Später wurden diese Gebeine in den Dom von S. Dtt
mingo übertragen. Seit der Abtretung der Insel Haiti ruhten sie -i
seit 19. Januar 1796 — unter einer einfachen Marmorplatte in (k|
Gathedrale zu Havanna.
§. 11.
Colon hatte zwei Brüder und zwei Söhne. Die Söhne w
D. Diego, genannt der zweite Admiral, und D. Fernando, der sp
Priester wurde, und zu Sevilla am 12. Juli 1539 starb, mit Hinterlass
einer Bibliothek von 12.000 Bänden. D. Diego zog am 9. Juli Is
als Vicekönig der Antillen in S. Domingo wieder ein. Aber er konnte
seiner Vollmacht keine Anerkennung verscha£Een. In den Jahren I51i
— 1520 weilte er in Spanien, um sich seiner Gegner zu erwehren. Im
Jahre 1520 kehrte er nach Espanola, und im Jahre 1523 wieder mA
Spanien zurück. Er erwarb sich hier die Gunst Carl's V. Er giof
von Toledo nach Sevilla, um sich in sein Vicekönigreich wieder em-
') liOB Jndios desla isla Espaüola eran y Bon la riquez« della. Desbchntt
vom Jahre 1505, bei Las Caaas, üb. i\, cp. ^7.
') Obc. Peschel, S. 396.
Aussterben der EiDgebornen, 107
nscbiffen, als ihn am 23. Februar 1526 zu Montalban der Tod ereilte.
>ein sechsjähriger Sohn D. Luis war sein Erbe« Durch die kluge
Snergie seiner Mutter D. Maria von Toledo wurde D. Luis zum Her-
oge TOD Veragua, zum Markgrafen von Jamaica, zum indischen Ad-
ural, spater noch zum Generalcapitän von Espanola ernannt, und
fbieit eine erbliche Abfindungssumme von 1 0.000 Ducaten. Die Apa-
Mgen für seine Geschwister übernahm der Staatsschaz. Man kann
Dcht sagen, dass Spanien undankbar an Colon und seiner Familie
bndelte. D. Luis starb im Jahre 1572. Im Jahre 1576 erlosch die
Ifitime männliche Linie des Entdeckers.
§. 12.
Bisher war für die Christianisirung der Indianer so viel wie nichts
Ittcbeken. Die Urbevölkerung Espanola's verschwand nach 150i mit
nchreckender Schnelligkeit. Bei der ersten genauen Zählung von
ÜC^ fand man noch 65.000 Köpfe. Im Jahre )5l0 fanden sich noch
6.00O Ureinwohner, im Jahre 1512 nur noch i^OSMO, im Jahre 1514
vr noch 13 — 14.000 Köpfe') Benzoni, der um das Jahr 1541 nach
Testiodien kam, glaubte nur noch an 150 Eingeborne auf der Insel
Q finden. Nach Oviedo wurden um das Jahr 1548 nur noch 500 Per-
Aen des alten Geschlechts gefunden. Mit Ausnahme der caraibischen
■ein war die Sterblichkeit auf den Antillen dieselbe, wie auf Espa-
öla*). Die Urbevölkerung Cuba's war im Jahre 1548 schon erloschen.
oo Cuba und den Incayischen Inseln verpflanzte man von 1508 an
finwohner nach Espanola*). Das allroählige Verschwinden der Urein-
Mkoer in Nordamerika und der Inseln der Südsee schuzt die Spanier
Ren den Vorwurf, dass lediglich oder doch besonders durch ihre
nmld die Eingebomen Westindiens so schnell ausstarben. Als Capitän
^k im Jahre 1779 die Sandwichinseln besuchte, schäzte er die Zahl
*) Las Caaas, lib. II, cp. 51. III, cp. 2, 85, 93.
^) Ft. Lopez de Oomara^ Historia de la Indias, 1563, cp. 51. •* Era Coba
nj poblada de iDdios ahora do ha sino Espafioles.
0 Wohl waren die ersten Entdecker and Ansiedler die Urheber (aber nicht,
^oObringer) dieses Volkertodes, doch trifft sie onr die sittliche Schuld, den Pro'cess
iQcbiaaügt so haben, denn wir gewahren jezt, erwärmt von einem mildem (I!) Zeit-
"^1 ^ beinahe ohne Grewalt (h5rt!) anf dem nordamerikaniscben Festlande, nnd
^ den Inaein des stillen Meeres, namentlich der S;indwicli8- und der Gesellschafts-
Knppe die UrbeTÖlkeraog unrettl>ar dem Grabe zueilt. Dieses Abschiednehmen
Pnzer Ra^n beim Erscheinen verfeinerter nnd stärkerer Völker erfolgt dort so
«tttbar und doch so geräuschlos, dass es uns an die Vorgänge geologischer Zeit-
^r naimt, wo die Natur mit bedächtiger Hand die verbrauchten Formen belebter
^«*n hinwegiiunto*' (Feachd).
108 Dreizcbotes Bncb. Zweites Kapitel.
'^^der Eanwohner aaf 400.000 Seelen. YaDCoaTer 8chäzte sie im Jahre
^Lm». 1792 auf 300.000 Seeleo. Im Jahre 1823 zahlte man 142.000 Be-
wohner. Im Jahre 1832 zahlte man noch 132.000, im Jahre 1836
100.000 Seelen. Im Jahre 1837 worden 3.335 geboren, iriJinad 6.838
starben. Im Jahre 1819 ergab die ZUiIoog nicht ganz 79.000. In
diesem Jahre waren 6500 mehr gestorben, als geboren.
Grand der Abnahme war theils der allgemeine, nach welchem die
Ureinwohner neben civilisirten Völkern fiberall schnell aassterben, theOs
die harte Religion der dortigen Methodisten. — Aach aaf Neoseeland
war das Ende der protestantischen Missionsrersache das nYölker-
grab** *).
Es ist aber anbestreitbare Thatsache, dass, wahrend aaf den In-
sein Westindien's die Ureinwohner rasch aasstarben, anter der Hen^
Schaft der Spanier, dieselbe UrbcTolkerong aaf dem Festlande Amerib's
nicht bloss fortbestand, sondern sich vermehrte« Warom? Ersten
starben zn einer Zeit aas, in der sich die erhaltende Macht der Kirche
in Westindien noch nicht zeigen konnte. Nicht die Spanier haben die
Indianer des Festlands erhalten, sondern die katholische Kirche. In
Nordamerika herrscht das traarige Sprichwort: „E^ ist die Bestimmoog
(the destin) der Wilden (darch die Coltarvolkcr) vom Erdboden hio-
wegcoltiyirt za werden.^ In Mittel- and Südamerika standen Einge-
bome ond Eingewanderte anter dem Einflasse derselben Kirche, ood
es war das Loos der von Califomien bis Patagonien wohnenden lo-
dianer, aaf dem Erdboden erbalten za werden.
Während man Mitleid hat oder heuchelt mit den Urbewobnen
der Antillen, betrachtet man den Untergang der Indianer in den Ve^
einigten Staaten als eine selbstverständliche Sache, über die man, als
eine Natamothwendigkeit, nicht traaem dürfe. Die ^Rothhäote^ fieieo
▼•r- ja zam Verschwinden vorherbestimmt. Wahr ist es, dass darch die
dMi der Crraasamkeit der Spanier in der ersten Zeit die Bewohner der Antilleo
K^- früher aasstarben, oder aasgerottet wurden, als es sonst geschehen wäre.
Denn jene Eingebomen halfen selbst dazu. Sie begingen an sich einen
„Ra^enselbstmord^. Die Frauen gelobten einander, unfrnchtbar lo
sein; durch die ihnen wohlbekannten Pflanzengifte todteten sie die
Leibesfrucht. Die noch lebenden verkürzten sich, oft in ganzen Gesell-
schaften, das Leben durch den Genoms des schnell todtenden Manioc-
*) AnBland, 1815, S. 988. Historisch polit. BlStt Bd. 37, 8. 291. Bd.$^.
S. 62—94; 187-202. The Island World of the Padfic, by Ä T. Cheeüer. Ncv
York, 1851. Dort worden die Mission&re «Landfresser* genannt Ein H. WilTitf»
beaass 11.245 Jaochcrt, oiu anderer 10.000, ein dritter r)0.000 Acres «nf Naw8«elM<<-
— Auf den Gesellsohaftsinsehi sind im Gefolge der Mission&re Trnnksndit, Triglteit,
and alle Laster eingesogen, welche die Völker hinsterben machten.
Die Domioikaner in S. Domingo 1611—1512. 109
•to, oder darcli die Dämpfe giftiger Pflanzenstofie, die man neben den
Biogematten anzündete. Anf Cnba wählten grosse Menscbenmassen
ka Tod darcb Erhängen. Nicht bloss Familien, sondern ganze Dörfer
bdeo sich zum Selbstmorde ein *).
Seitdem die vorher sorglos heitern Indianer für die Spanier ar-
beiten mossten, hatte das Leben keinen Reiz mehr för sie. Weniger
fdoch der Arbeit als dem Clima erlagen sie, da sie von der sonnigen
fjute weg nach dem rauhen Goldland Cibao versezt wurden. Wohl
IKcben mildere Tage für sie an. Aber die schwarzen Blattern rafflben
t Jahre 1518 den Rest der Ueberlebenden wog'). Von Espanola ver-
leitete sich die Seuche nach Cuba. Durch einen Neger kam sie nach
)aico, um die Zeit, als der Herrscher Montezuma ermordet wurde
HJQoi 1520).
§. 13.
•
So forchtbar rächte es sich, dass von 1492 — 1510 weder den Indianern
0 ETaDgelium gepredigt wurde, noch die Spanier regelmässigen Gottes-
Cfist hatten. Wohl waren ziemlich viele Franziscaner auf Espanola erschie-
i. Sie führten dort ein erbauliches Leben, aber waren weltlichen Dingen
m abgewendet. Erst am Ende des Jahres 1510 kamen Dominikaner').
^ sahen den Greuel der Verwüstung unter Spaniern und Indianern.
|k)D im Jahre 1511 gelobten sie einander, den Indianern zu Hilfe zu
Annen. Juan Garces hatte eine vornehme Indianerin geheirathet, sie
Xr aas Eifersucht erstochen. Die Angst vor den Gerichten trieb ihn
(die Gebirge, die Reue nach einigen Jahren zu den Dominikanern.
i^h emiger Zeit nahmen sie ihn an. Beredt schilderte er ihnen die
Imbtbaren Leiden der Indianer. — Die Dominikaner schlosaen unter sich
^ Vertrag, den alle unterzeichneten. P. Antonio Monterino wurde
IKrwahlt, den kühnen Feldzug gegen die Pflanzer zu eroffiien. Man
izn einer Predigt am ersten Sonntag im Advent (1511) ein. Mit
lohendem Feuer schilderte der Redner die Leiden der Indianer und
k Grausamkeit der Spanier. Als er aber geendet, war die Versamm-
lag mehr betroffen, als erschüttert. Unter dem laut werdenden Un-
nll^n konnte man kaum das heilige Opfer feiern. Die angeregte
(enge zog dann vor den Pallast des Yicekönigs Diego Colon, und
^erlangte die Bestrafung des verwegenen Mönchs. D. Diego unter-
') Las Casets^ 1. 111, op. 81 ms.
*) PäruB Mtartyr, de orbe novo Decad. IV, cp. 10.
') Las CataSf II, ep. 84 ms.
OC ßaluffi^ das vormals spanische Amerika, deatsoh , Wien, 1848, I,
i 101-103,
110 Dreizehntes Bach. Zweites Kapitel
handelte mit dem Vicar der Dominikaner; Zorn Widerrufe war Moo-
tcsino nicht zu bewegen, aber er versprach, dass er seine Predigt bei«e^
erläatem werde. Eine noch zahlreichere Menge kam in die Kirche
Er widerrief nicht , sondern wiederholte alle Behauptungen mit schh
genden Beweisen. Die Ansiedler wandten sich jezt an deu König
und bestürmten die Franciscaner, sich des Rechtes und der Ordnooi
anzunehmen. Diese sandten den Bruder Alonso de Espina zur Vi
theidigung der Ansiedier an den K5nig. Auf demselben Schiffe fi
auch Montesiuo nach Spanien.
Die Do- Djg Fortdauer der Kroneinkünfte hinir auch von der Fortd
ner der jezigen Zustände ab. Die Pflanzer hatten an dem Rathe too
^Bi^ dien eine starke Stüze. Mit halber Gewalt erzwang sich Moni
Gehör bei Konig Ferdinand. Es gelang ihm, denselben zu erschü
Ferdinand berief einen Rath seiner Theologen und Juristen. Di
erklärte zwar die Indianer als Freie, rieth aber, sie zu einer mässi
Arbeit gegen Taglohn anzuhalten. Schon Isabella hatte diess befo
(20. December 150ö). Je 8 — 9 Monate im Jahre sollten sie die
je 3^4 Monate durften sie zu Hause ihre Felder bestellen,
ö Monate im Jahre durften sie zu den schweren Arbeiten in den B
werken verwendet werden. Sei eine Züchtigung nothwendig, so m
man sich an den Viaitator wenden, welches Amt von der Krone
Schuze der Indianer eingeführt wurde.
Von jezt an wurden die s. g. Repartimientos oder Belehnangj
(üommenden) mit Leibeigenen ertheilt. Der Jahreslohn eines Indiaoi
war ein halber Gastellano (4 Gulden). Ein solches Formular der Ueb4
gäbe lautet: „Es werden Euch N. N. hiemit so und so viele iDditoj
in dem Dorfe N. als anvertrautes Gut übergeben, und Ihr erhaltet I
Vollmacht, derselben Euch zu bedienen in Eueren Bergwerken o^
auf Eueren Grundstücken, zur Gewinnung des Goldes and and
Betriebsarten (Metalle); nnter der Bedingung, sie in der christli«
Lehre und den übrigen Elementen des heiligen katholischen Glao
zu unterrichten. Hiemit entbinde ich das Gewissen S. M. an
Königs und das meinige von aller Verpflichtung'^ (i. e. Schuld),
anderes Patent vom Jahre 1514 sagt a. a.: „Ihr sollt wissen, dassE
diese Indianer im Fall der Nichtbeobachtnng der königliche^ Ver<
nungen weggenommen werden sollen; Ihr zudem den andern S
verfallen werdet, welche in der Verordnung (zum Schoze der Indi
ausgesprochen sind.'* Aehnlich hat auch Franc. Pizarro in Pera
Jahre 1641 die Indianer vertheilt. Es wird u. a. verlangt, dass Pries
berufen werden, zu denen die Kinder der Kaziken zu fuhreo m
») Las Caaas, U, cp. 14, IH, cp. 4 ms.
Westindien. 111
kmi sie in der Religion unterrichtet werden ^}« Es war eine Art von
ftlaTerei, der die Indianer durch diese Vertheilungen anheimfielen. Es
üg TOD der Menschlichkeit der Herren ab, ob die Indianer ganze
ider halbe Sklaven waren.
£twa ein halbes Jahrhundert lang gab es im spanischen Amerika p'*
IJBe doppelte Sklaverei , die gesezlich erlaubte Eriegsgefangenschafl, mendon
tod dea Missbranch mit den Repartimientos. Leu Ctucu nennt die in ^'^^ ^«
Icoselben befindlichen Indianer geradezu Sklaven. Der Dominikaner rei.
tiindez gesteht, dass ihr Leos wenig von dem der Sklaven ver-
laden war. Ja der Jesnit «/• Ccudani hält ihr Leos noch im sieben-
Anten Jahrhundert drückender, als das der Sklaven *). Die Regierung
ffte dorch die Einrichtung der Commenden die Bekehrung und Civili-
lug der Indianer zu erreichen. Die Commende war in den ersten
) Jahren von der Sklaverei wenig verschieden. Je mehr aber die
instlichen Elemente unter den Ansiedlem sich stärkten, je mehr Orden
id Priester sich de;i Missionen widmeten, eine um so humanere 6e-
ah nahm das Commendenwesen an. Die Eingebomen starben nun
cht mehr aus, sondern wurden erhalten. Noch im Jahre 1541 musste
IB den Verkauf der anvertrauten Indianer bei Verlust der Commende
rbieten'). Die Manner mussten in die Bergwerke wandern, wie einst
lilterthum die Verbrecher^ Weiber tind Kinder bestellten die Aecker,
kr mossten grosse I/asten tragen. Selten konnten die Getrennten
k wieder sehen. Die erste Zeit der Indianersklaverei endet mit der
Ben Colonialgesezgebung des Jahres 1542. — Die grosse Zahl der
negsgeCuigenen verschlimmerte damals noch die Lage der Indianer
I den Commenden, weil leztere zum grossen Theile wie die erstem
itttdelt wurden«
§. u.
Im Jahre 1500 waren sechs Missionare, unter ihnen der Francis-
ioer Juan Trassiera, im Jahre 1502 — 10 Franciscaner unter der
ttinng des P. Alfons del Espina nach Westindien gezogen. Ftir das
') Gegeben in der Stadt der Könige (Lima) am 23. Hai 1541. — lAorente,
itvRs de Iais CaaaSy 1821, 1, p. 179. — ^ Caj. Balujfi, das vonnala span. Amerika,
^ 1, 8. 95 — J, Margraf j Kirche und Sklaverei seit der Entdeckung Ameri-
h Tüb. 18^:5, S. 19.
') Juan MtUndez, TeBoroa verdaderos de las Indias, en la historia de la
OAproTioeia del Pem. Roma, 1651, 5 fol. T. I. 1. I, cp. 4: qne era tenerlos en
1^ menos qne esclavos. — Cassani, Jos., Historia de la provincia de la Com-
i&a de Jean del nnevo reyno de Oranada en la America, — de ans miaiones en
'Ryno -- y rio de Orinoco. Madrid, 1741, fol. p. 103.
*) Reoopilaelon de leyea de los reines de las Indiaa, 5 edic., Madrid, 1841«
t VI, üt IX, ley 1.
112 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel.
Zuätandekommen dieser Mission hatte sich der Cardinal Ximenes sehr
bemüht'). — In ihrem Testamente hatte Isabella ihren Nachfol
eingeschärft^ das Werk der Taufe und Bekehrung der armen Indiam
mit allem Eifer zu betreiben^ sie mit aller Güte zu behandeln,
Unrecht wieder gutzumachen, was sie an ihren Personen oder ihreJ
Eigenthum erlitten hätten. Aber unter den Statthaltern Diego Coki
und dessen Nachfolger Albuquerque machte die Bekehrung der Indiaac
eher Rückschritte^). Vergebens wurden Kirchen gebaut , vergeba
auch Bisthümer gegründet. Ein Kazike erklärte, er wolle nicht in dt
Himmel kommen, wenn auch die Spanier sich dort einfanden.
Nachdem die Dominikaner im Jahre 1513 sich der Indianerii
aller Kraft angenommen, erklärte Konig Ferdinand, die Repartimie4
seien u. a. gemäss einer Bulle Alexander's VI«, welche den „Köoigd
den Besiz der neuen Welt zusprach, in Uebereinstimmung mit dl
gottlichen uud dem menschlichen Hechte. Die Dominikaner mögen
Zukunft sich massigen'). Mit diesem Bescheide kehrte der Prior Ped
de CordoTa, der nach Motesino zu dem Könige gekommen, nach Wd
indien zurück. Vergeblich bat er für sich und seinen Orden um ei«
andern Wirkungskreis. Ihm selbst wurde erklärt, dass er für sei
Person nnentbehrlich in San Domingo^) sei. — Da aber die WilU
nicht nachliess, Hessen auch die Klagen der Dominikaner nicht nsck
§. 15.
Bartholomäus de Las Casas wurde im Janre 1474 zu Sevilla g
boren. Er war im Jahre 1502 nach S. Domingo gekommen, erlii
im Jahre löK^, 36 Jahre alt, die Priesterweihe, und war zuerst Sc
sorger von Zanguarama. Als Rathgeber des Statthalters Diego Veh
Die An- quez wirkte er kräftig zum Schuze der Indianer. Seine eifrigen A
des lm digten gegeh die neuen Vertheilungen durch Albuquerque und d
^*"* Nachfolger Ibarra (151Ö) hatten geringen Erfolg. Er selbst hatte
von Velasquez mit Indianern belehnen lassen, auf welche er jezt
zichtete. Mit D. Renteria beschloss er zum Schuz der Indianer an
Hof zu gehen. Troz der erhaltenen Verweise gingen ihm die Dorm
kaner hilfreich an die Hand. Der Vicar Gutierre de Ampudia w
') Eerrera, Hiatoria (Deseripcion) de ka Indtaa occideotalea, Deeas l
c. 1. — Waah. Irving ^ Leben des Columbna, XIII, 1. XVI, 3. — Waddii
annalea Minoram, t XV, p. 229, nr. 2; p. 247, nr. 8; p. 248, nr. 4. — Ä/efe, ^
Cardinal Ximenea, 2. Aufl., 1861, p. 483.
*) lVe«cott/Th. n, p. 365.
■) Herrera, Decaa I, Llb. IX, cp. 14.
*) Herrera^ l oit
^^^^
irw '
Los Casas in Spanien in den Jahren 1516 — 1517. 113
b oacb Spanien begleiten ^). Las Casas erschien noch 1515 in Sevilla.
iser nahm sich der Erzbischof Deza an, der sich auch Colon's an-
Bommen hatte. Auf dessen Empfehlung erhielt er eine Audienz zu
Menda. Ferdinand vertröstete ihn auf eine zweite Audienz in Se-
il, starb aber auf dem Wege dahin, 23. Januar 1516. Der Keichs-
nreser Ximenes liess sich von Loa Caaas Bericht erstatten. Ximenes
Ichied; dass nicht Beamte, sondern Mönche auf Espanola die Lage
r Indianer bestimmen und verbessern sollten. Zwölf der bewährtesten
pBoymiten wurden ihm zur Verfugung gestellt, von welchen Las
m drei der tüchtigsten auswählen durfte. Er wählte den P. Bernar-
de Manzanedo, den Prior Luis von Figueroa, und den Prior Juan
Drtega. Leu Casas erhielt den Titel eines „Beschuzers der Indianer"
Itioeni Gehalte von 100 Pesos. Den Commissären wurde der Li-
iit Älfons Zuazo beigegeben'^).
Gerade damals trafen 14 Franciscancr aus der Picardie, fromme ^''^"*^''
. . . caner-
gelehrte Männer, in Spanien ein, um sich den Missionen in West- mjssIo-
CD ZQ widmen. Sie standen unter dem P. Remigius, der schon °^^^^'
«r in Indien gewesen. Ein Bruder des Königs von Schottland reich.
unter ihnen. Ximenes sorgte für ihre Fahrt nach Espanola. — Er
U ferner, dass fortan kein Schiff auf Entdeckungen u. s. w. aus-
flD dürfe, das nicht von Priestern begleitet wäre.
§. 16.
Bereits waren Negersklaven nach Westindien verkauft worden,
Ae sehr gesucht waren, da ein Neger so viel als vier Indianer ar-
kt um diese Zeit wurde dem Cardinal der Vorschlag gemacht,
I Regerhandel zu erlauben. Las Caaas sprach sich erst im Jahr®
f dafür aus , als bereits zahlreiche Neger in Westindien waren.
lenes aber verbot unbedingt deren Einfuhr'). — Die Patres-
imissare reisten am 13. November 1516 ab, sie wollten aber nicht
laM Casas in einem Schiffe fahren, um unparteiisch zu erscheinen.
^ »Licenüat^ Las Casas kam 13 Tage später auf Espanola an. Die Hiero-
rooymiten, welche am 20. December 16 16 angekommen, nahmen bei^Y^'^^JI
i Franciscanem Wohnung. Zunächst zogen sie die B^partimientos miogo.
in Spanien abwesenden Pflanzer ein. Die Anwesenden sollten sich
Indianer wie bisher, unter der Bedingung gütiger Behandlung, be-
^. Eine plözliche Freilassung der Indianer hielten sie für schädlich,
*) Herrera, Decas I, 1. X. cp. 12. Decaa II, 1. I, cp. 11.
') Herrera, Decas II, 1. II, cp. 4—6.
') Herrera^ Decas II, Lib. II, cp. 8. — W. Irving, Anhang, nr. 26.
B««i iftt. Xiithe. ni. t. . 8
1 14 DreizehnteB Bach. Zweites Kapitel.
wegen der Trägheit und Indolenz der Indianer , die selbst ihrer I
kehrung zum Christcnthum im Wege stände. Mit aller Macht elf«
dagegen /^a« Casas, und weil er Angriffe befürchtete, zog er sich y
Nacht in das DomiDikanerkloster zurück *).
§. 17.
Um diese Zeit erschienen die ersten Bischöfe in Westiodi
Alejsander Gerardino aus Korn, vorher Lehrer am Hofe von Castfli
war erster Bischof von S. Domingo. Ximenes als Grossinqnisitori
nannte die neuen Bischöfe zugleich als Inquisitoren iur Westioi
Als ab^ dieses Gericht den Indianern furchtbar zn werden dro|
schränkte Carl V. im Jahre 1538 seinen Wirkungskreis auf die I
lebenden Spanier ein, und die Indianer blieben von demselben beM
lm Ca- ißj ^ai J517 reiste Las Casas wieder nach Spanien. Ximeoes^
der In schou SO erkrankt, dass er mit ihm nicht mehr verhandeln konnte. J
^P^Jf»» CasoA wollte nun in Valladolid die Ankunft CarFs V. erwarten*). 1
Hieronymiten sandten den P. Bernardin von Manzanedo zu ihrer Rij
fertigung gegen die Klagen des Las Casas nach Spanien*). Dil
unterhandelte nach dem Tode des Ximenes mit Job« Saavage, Ol
Kanzler, und andern Beamten desselben , die sich für Las (Jstaii
schieden. Die Hieronymiten und der Licentiat Zaazo wurden al
rufen, Koderigo de Figueroa zum Oberrichter ernannt.
Inzwischen betrieb Las Casas die Einfuhr der Neger, und bi
tragte, dass jeder Golonist zwei Neger und eine Negerin frei einßb
dürfe ^). Die neue Regierung ging, zur Schonung der Indianer,
diesen Vorschlag ein. Las Casas konnte die Folgen seines Bij
nicht ahnen. Ihm war es zunächst nm Rettnng nnd ErhaltoDgJ
schwachen Indianer zu thnn. Aber ihren Untergang konnte I
Maaesregel doch nicht verhindern. Ein Unrecht sollte das and(
seitigen helfen. Gott selbst aber lenkte das an sich Böse, den
samen Menschenraub zn dem Besten der Neger, indem es ihnei
möglich und vielfitch leicht war, in das Reich Gottes auf £rd(
zugehen. Sie mussten ihre Heimath verlassen, um Kinder Got
werden. Dem Vorschlag des Las Casas traten die ESeronymil
22. Juli 1517 und im Februar 1518 bei^). Am 22. Januar 1511
1517.
') Herrera^ Decas 11, 1. 11, cp. 15.
*} Hefehf 1. cp., Sorge des Ximenes Hir Amerika, S. 477—499.
') Herrera, Decas II, 1. II, cp. 16. — Llarente, oeuvrea de Lot Cc
p. XXIX.
*) Nach Navarrete, T. I, p. 204^ zwei Neger and zwei Negerinea.
') Navarreiej T. I, p. 293.
Die Einfahr der Neger. Gehilfen des Las Casas. 1 15
lagte Zqbzo von Espanola aus gleichfalls die freie Einfuhr der
fpr. Dasselbe verlaugte die Stadtbehorde von S. Domingo am i>*« No
Janaar 1527. Bis zum Jahre 1778 dauerte die beschränkte Neger- ^^^i^
nhr fort Entsprechend dem allgemeinen Verlangen wäre diese
fahr auch ohne Las Castu durchgedrungen. Diesen ergriff aber
ter bittere Reue bei dem Anblick des Schicksals der Neger — über
leo eigenen Vorschlag, „weil von den Negern dasselbe gelte, was
I den Indianern^ ').
Der neue königliche Commissär Uodr. de Figueroa trat im Jahre
18 mit dem besondern Auftrage in Thätigkeit, das Loos der Indianer
DÜdem. Gleichzeitig gingen königliche Commissäre nach Cuba,
^orico und auf das Festland von Amerika^). — Kräftige Hilfe fand
Casas damals bei den acht Hofpredigern, die ganz in seine Pläne
en. Nur der Bischof Juan de Fonseca machte eine traurige
iDahme; über dem Beamten der Krone vergass er den Bischof.
I er den acht Predigern sagte, sie seien vom Könige als seine Pre-
er nnd Beichtväter besoldet, erhielt er zur Antwort: „Wir sind
ler gekommen, ihr Herren, Euch zu ermahnen und aufzufordern —
Abstellung der schweren Fehler und Ungerechtigkeiten, welche in
ien zam Verderben so vieler Seelen und mit so vielen Beleidigungen
«Q Gott begangen werden. Wenn Ihr diese Dinge nicht abstellet,
lerden wir gegen Euch predigen, wie gegen solche, welche Gottes
lote nicht halten, und deren Handeln dem Dienste des Königs zu-
b ist Diese, ihr Herren, heisst das Evangelium predigen und es
dgen/' Die Prediger griffen besonders das Commendenwesen an.
fragten: „Welcher König hat je sein Volk gezwungen, mehr als
I Monate für ihn zu arbeiten?^ Man solle die Indianer unter der
kng eines Spaniers frei in Dörfern zusammenleben lassen. Ihr Rath
1^ gehört, nnd nicht ausgeführt.
• Einen Förderer seiner Plane fand Leu Cas€U auch an dem Cardinal
ian. Dieser hielt vor dem Könige eine Rede über die Freiheit der
r. Es wurde beschlossen, dass sie als Freie behandelt werden
n. Selbst Bischof Fonseca trat jezt za Las Casas über. Dieser
sich am 11. November 1520 mit 200 Ackerbauern ein. Aber
ColooisatioDsplan misslang, u« a. wegen des Eigennuzes der neuen
isten*) Gaius nneigennüzig waren nur die Mönche in den neuen
') Las Casas f Historia de las Indias, l lU, ep. 101 ms. {NaoarreU^ I,
^ Uontiie, oeavres de Las Casas, t II, p. 466.
') üoreate, 11, p. 488. — Arthur JSelps, the Spanish conqnest in Amerique,
itB lelatioiit to the history of slaveiy, aud to the government of oolonies. Lond.
3to1V t II, p. 202, 210.
8^
116 Dreizehntes Bach. Zweites Kapitel.
Colonien, vor allen die Dominikaner. Im Jahre 1522 trat I^ Caa
selbst in diesen Orden ein, 48 Jahre alt *). Von da an bis zum Jab
1530 tritt seine Persönlichkeit zurück.
§. 18.
^«' Am 1. August 1524 wurde der llath von Indien neu organiij
Indien" üntcr sciiieu acht Mitgliedern waren wenigstens vier Priester. Präsiil^
1524. wurde Garcia de Loaysuy Erzbischof von Sevilla, und (l524) Cardii
— Luis de Figneroa wurde Bischof von S. Domingo, zugleich Sl
halter von Westindien und Präsident des königlichen Gericht
Dieser Hieronymit starb aber schon 1525 vor Empfang der Bis
weihe. Seine Vollmachten übertrug Carl V. am 1. September
vorerst den Obern der Dominikaner und Franciscaner. BesondeH
Jahre 1520 ergingen eine Menge von Verordnungen zum Schozej
Indianer. Die Sklaverei derselben wurde unter Todesstrafe und 1
Ziehung des Vermögens verboten, ebenso das Einbrennen der Ml
(herrar) zum Zeichen der Sklaverei. Alle in Spanien weilendeo ,
dianer sollten als freie Vasallen der Krone zurückgesendet werde«!
Die Mönche und die „Conquistadoren'^ waren in diesem Km
gleichsam die gebornen Gegner^). Auf einer Junta zu Barcelona, j
halten 1529 vor dem Kaiser, erwirkten die Mönche den Beschlass, j
die Commenden und die Leibeigenschaft der Indianer aufhören, t
nur jene Sklaven werden sollten, welche nach empfangener Tadi
einem Aufstande Theil nähmen, und Kriegsgefangene würden. |
Dominikanern hatten sich in ihren Kämpfen jezt auch die Francisci
und Augustiner beigesellt. Vor dem Jahre 1529 war der Prorii
O. S. Fr. Anton, von Ciudad-Rodrigo nach Spanien gekommen, na.
die Freiheit der Indianer zu wirken. Carl V. hörte die KlagesJ
Mönche gnädig an. Er suchte den Uebeln dnrch entsprechende I
Ordnungen abzuhelfen. — Vielleicht, dasa ohne diese Thatigkeitl
Mönche die Indianer (besonders in Mexico) überhaupt ausgestoj
wären *). *
Sebastian Ramirez de Fvenlealy seit 1527 der dritte Bischof t
S. Domingo, war wie sein Vorgänger Präsident des Gerichts)«
und sehr thätig für den Schnz der Indianer. Im Jahre 1528 hatte
*) Navarrete, T. I, p. 166.
*) Ilerreraj Decas IV, 1. VI, cp. 11.
') Torqttemadaf Jnan de, Los veiote y an libros ritaalea j oourriiul
diana, con el ori|;en y gaerras de los Indios occidentalea, de ans poblieioo«^
conversion etc. Mndr., 172??. 5 fol. (Das vollständigste Werk Ober das ilre ^f^
frtthere Ausgabe, Madr., 1613, 3 vol. 2').
p^f «f ! ^9 ^ w -•*-
^^■^
HeilgamoB Wirken des Klerns. 1 1 7
i Failassaog der Indianer auf Haiti za überwachen. Er führte die
!^ze mit QDerbittlieber Str^ge durch. Mexico war in den Jahren
19—1530 durch Fern. Cortßs für die Spanier erobert worden*),
r Franciscaner Juan de Zumarraga war seit 1530 (1527) erster
lebof von Mexico. Die Bischöfe von Neu - Spanien (Mexico) rich-
^ an Carl V. die Klage, dass der Gerichtshof von Mexico unter
bVorsize des Laien Nuno de Guzmau, troz ihrer Mahnungen^ die
lue zu Gunsten der Indianer nicht ausführe. Man solle keine
Ifen mehr aus dem Lande wegführen lassen, den Indianern den
iiof ihrer Kinder verbieten; sie verlangten gute Beamte als Visita-
t^. Carl y. ernannte am 12. April 1530 den Bischof Ramirez
PDenleal zum Prslsidenten des Gerichtshofes von Mexico. Neue
Ker worden ernannt, das Gebot erneuert, in keiner Weise einen
Iner zum Sklaven zu machen. Uamirez erklärte in seinen Pre-
eo jede Missbandlung eines Eingebornen für eine Todsünde^). Bis
Mce 1532 schaffe er die Indianersklaverei völlig ab, auch die
Caraiben; selbst durch Krieg durften die Indianer nicht Sklaven
kin^). In diesem herrlichen Werke wurde er unterstüzt durch den
bot' Zamarraga, durch Vasco de Quiroga, seit 1Ö37 erstem Bischöfe
tiechoacan, durch die Prioren der Dominikaner und Franciscaner
(eiico, Mitglieder desselben Gerichtshofes, denen je zwei Ordens-
er beigegeben waren*). Vpn dieser Zeit an hat, nach Herrera's
mg;, die Sklaverei der Indianer in den spanischen Colonien auf-
tt Ramirez musste nach drei Jahren Mexico verlassen, war aber
in Spanien stets bemüht für den Schuz der Indianer, wo er n. a. )
iied des Käthes von Indien war.
§• 19.
Der Bischof Juan de Zumarraga von Mexico, seit 1528 zugleich Mexieo.
pctor^ der Indianer, fuhr mit grösstem Eifer für die Freiheit und
pkehruDg der Indianer zu sorgen fort. Er wirkte für die Ab-
') Prescott, Will.^ Histoire de la conquete de Mexique (Uebers.), Paris, 1846,
iL
*) Eerrera, Deoas IV, 1. VI, cp. 9. — Torquemada, 1. V, cp. 7.
*) Uorenie, t I, p. 274, 330.
*) Htrrera^ Decas IV, L IX, cp. 14. Decas V, 1.1. cp. 6^ — Torquemada^
q) 10.
') Htrrtra^ D. V. 1 I. cp. 6. — Qmz. Davila, TeÄtro ecWsiastlco de la
*» primitiyji des las lodias occldentales, 2 tom. 2*. Madr, 1649 --1655, t I.
)7~13S. — Ant. Alcedo, Diecionario de las Indias occldentales, 5 t, Madr.,
-n89.tIII,p. 137—143.
< 4
M
M
I
118 Drcixchnfes Buch. Zweites Kapitel.
Schaffung des Coromendenwesens, dieser Quelle des Uebels. Die I
sizer der Commenden sollten durch die Hälfte der Abgaben entschid
werden, welche die Indianer zu entrichten hätten ^). Zumarraga we
im Jahre 1532 in Spanien, wo er weitere Begünstigungen für
Indianer erreichte. — Noch 16 Jahre wirkte er rnit ungebeugter Ki
ßir die Freiheit und Bekehrung seiner Schüzlinge. Im Jahre il
wurde er mit dem Pallium geschmückt, als erster Erzbischof \
Mexico, und starb, im Alter von 80 Jahren, im Jahre 1548*). |
^•"'- Peru wurde in den Jahren 1529— 1541 durch die Brüder Fd
und Gonzalo Pizarro und Diego de Almagro erobert Als „Bedi
der Indianer^ wurde am 30. October 152U der Dominikaner Hoiv
de Lucque, und nach ihm Reginald de Pedraza — am 11. Hanf
— aufgestellt^). Aus dem gleichen Orden und in demselben M
^vi^' folgte ihm im Jahre 1534 Vincent. Valverde j erster Bischof des
vai- 4. September 1538 errichteten Bisthums Cuzco. Zum Schuze derl
▼erde, gebomeu reiste auch er nach Spanien , und wartete 3 — 4 Jahre \
gebens auf einen günstigen Bescheid. Aus seinem Bericht an Cad
ersieht man, dass die Eingebornen wirklich zu Sklaven gemacht wi»|
,^Eure Majestät^, sagt er, „braucht die Eroberer nicht dadurch si|
zahlen, dass Dieselbe Ihre Unterthanen zu Sklaven macht^^). V«l4
predigte im Jahre 1542 auf der Insel Puna. Die Wilden aber todi
ihn am Altare und verzehrten seinen Leichnam^). Aus Ankss
Angriffs auf Peru war auch Las Casasj der inzwischen in H^iti-
weilt, im Jahre 1Ö30 wieder nach Europa gereist. Die Feldherren Fo
Pizarro und D. Almagro erhielten den strengen Befehl , die hA
nach ihrer Unterwerfung im Besize ihres Eigenthums und ihrer I
heit zu lassen*). Mit zwei Ordensbrüdern ging Las C<isas selbst i
Peru^ um dort seinen Orden einzufuhren. Nachdem der Erlaas i
Königs dem Heere verkündigt worden, kehrte er zurück.
Buiham j)|^ Bisthum Nicaragua in Central-Amerika wurde am 26. F
gaa. 1531 errichtet. Didac. Alvarez de Osorio, als ^Beschüzer der Ind
aufgestellt, wurde erster Bischof daselbst. Dahin kam auch Las
um an der Bekehrung der Indianer zu arbeiten. Der Statthalter
drigo de Contreras stellte ihrer Freiheit nach. Leu Casa» aber
') Arthur Eelps, the slavery, t m, 1. XIV, cp. 6, c 8, p. 220.
•) ConciL provindal. lU Mexicanum, Mex. 1770 (cum Serie arohiöpiicopon!
— Torquemada^ monarchia Ind., t III, p. 466.
•) Melendez, Tesoros etc., T. J, 1. III, c. 2, 4, 7, p. 205.
*) Wilk, PrescaU, Eroberung von Peru (aas dem EngUach.), 1W7, v^
P. IV. cp. 7.
*) TouT&n^ Ant.^ Histoire gön^rale de l'Ameriqoe, t X, p. 46.
•) Melendez, t I, 1. I, cp. 6. — Eelps, voL III, 1. XV, cp. 6. - p. ®^
Vera-
pas.
Nicaragna; Las Casaa, 1530— lö'Ja. 119
b Soldaten desselben so lange in das Gewissen^ bis sie jenem den
lEJiorsam in diesem Pnnkte verweigerten. Es kam vor, dass von
KK) Indianern, die bei einer Expedition das Gepäck zu tragen hatten,
tr sechs lebend zurückkehrten '). Last- und Zugthiere konnte man
ifiugs in Amerika gar nicht haben. Erst der Präsident und Bischof
iMätian Itamirez in Mexico sorgte im Jahre 1532 für HerbeischafFung
iftiger Hanstbierc zum Tragen der Lasten.
Verklagt von dem Statthalter Rodr. Contreras kam Loa Caaaa zu
kr Vertheidignng wieder nach Spanien, kehrte aber in Bälde zn-
tL Er unternahm eine Mission unter den vnlden Indianern von
mladan im Gebiete von Mechoacan. Mit drei Ordensgenossen voll-
lebte er die Bekehrung dieser Wilden in den Jahren 1537 — 1Ö39.
f Land, von den Spaniern vorher „Land des Krieges^ (tierrä de
inn) genannt, erhielt jezt den Namen „Yerapaz^').
§. 20,
„Der Rath von Indien'^ entschied im Jahre 1533, dass die Ein-
tner von Trinidad, Caraiben, welche vom Glauben abgefallen, zu
iiTen gemacht werden sollten. Die Beschuzer der Indianer wandten
k jezt um Hilfe nach Rom.
Uoter den Bisthumern Mexico's war zuerst Tlascala oder Fuebla ^^^
los Angelos am 4. Januar 1519 errichtet worden. Erst im Jahre nmuiife
S trat der Dominikaner Julian Oarces als Bischof ein. Er, Lcts^^^'
feo.
iftw, und Domingo de Betanzos sandten den Prior Bernardin de
hayo nach Rom, wo er im Namen der Dominikaner die Sache der
lEuier vertreten sollte. Im Jahre 1536 sandte der Bischof J. 'Garces
Itn aosfuhrlichen Bericht an Papst Paul III. (1534— ,1549). Er
■mt die Indianer durchaus gegen die Vorwurfe der „Eroberer'* in
ihiz, welche sie mit den Thieren auf eine Stufe stellen, und sie wie
iiere behandeln. Wenn die Indianer nicht frei seien, so können sie
Kk nicht bekehrt werden'). Paul lU. schrieb am 29. Mai 1537 an
CA Cardinal von Toledo, Juan de Tavera, damit er^ bei Strafe des
*>iuie8, den nur der Papst, ausser in articulo mortis, losen könne, ver-
oete, Indianer zu Sklaven zu machen. Mit Eifer nahm sich der
ordinal der Freiheit der Indianer an. Am 2. Juni 1537 erliess der
^t die berühmte Bulle: „Veritas ipsa, quae nee falli nee fallere
0 ffrfpt, voL UI, l. XV, c. 5.
•) Bdpt, t ni, 1. XV, c. 6, 1, 9.
0 8. Condllos provindalefl celebrados in Mexico I— III, ed. Laremanaf
^ "69-1770, T. I, p. 19.
120 Dreizehntes Buch. Zweites KApilel.
potest^^ — an die gesammte Christenheit: ,,Die Wi^rheii selbst \
sandte die Verkündiger der Wahrheit — zu dem Werke der Predij
Gehet hin und lehret alle Volker. Alle, spricht er, ohne irgend d
Ausnahme, da alle der Zucht des Glaubens fähig sind. Als der Fei
des Menschengeschlechts diess wahrnahm, und die Menschen benei(
hat er eine bis jezt unerhörte Weise ausgedacht, damit er die Pi
zur Rettung der Heiden verhinderte; er hat einige seiner Gei
bewogen, welche ihre eigene Habgier befriedigen wollen, daas sie
Bulle wirken und lehren, dass die westlichen oder südlichen Indier und ]
^ lisi!^ dere erst in unsem Zeiten entdeckte Volker, unter dem Vorwande, ^
sie keine Eenntniss von unserem Glauben haben, wie vernunftlose Di
zum Dienste der Menschen verwendet werden sollen, welche sie b^
That zu Sklaven machten, und sie mehr misshandeln, als die Thid
Wir aber, die Wir Christi Stelle auf Erden vertreten, die I
die Schafe seiner Heerde, welche sich noch ausserhalb des SA
Stalles befinden, mit aller Mühe in denselben zu fuhren verlaDgeo.
Erwägung, dass die Indier selbst, als wahre Menschen, nicht bloes i
den christlichen Glauben empfanglich sind, sondern, wie uns beriel
wurde, auch eifrigst zur Annahme des Glaubens herbeieilen, eridi
hiemit Kratt apostolischer Vollmacht durch diesen ünsem Brief, (|
diese Indier, und alle andern Volker, welche hinfort von den Chrii
entdeckt werden sollten, wenn sie auch noch ausserhalb der christlid
Kirche stehen, im Besize ihrer Freiheit und ihres Eigenthums bldl
sollen, dass sie nicht zu Sklaven gemacht werden dürfen, dass, i^
immer dagegen geschieht, ungiltig und nichtig sei, dass die lodi
selbst, und andere Volker durch die Predigt des Wortes Gottes a^
das Beispiel eines guten Lebens zu diesem Christenglauben eiol
laden seien.^
Dieser apostolische Ausspruch' jrar entscheidend for die Freut
und Bekehrung der Indianer. Aehnlich entschieden und handelten j
Papste ürban VUI, Benedict XIV, Pins VU. Am 3. December 11
Schrei- erliess Papst Gregor XVI. ein apostolisches Schreiben, welcA« i
ore^r*t S^^^^i^b^^^^l dcu Katholikcu wiederholt untersagte. E!r gibt eifl
XVI. ▼. Rückblick auf iie Geschichte des Christenthums, dessen umwandeln
1839 ' Kraft vom Beginn an die Sklaverei gemildert und aufgehoben* AI
aber Indier und Neger zu Sklaven gemacht worden, haben sich o. i
die Papste Paul III. durch Schreiben vom 29. Mai 1537 und ürban VU
am 22. April 1639 dagegen erhoben. Ihnen folgte Benedict XH
durch Schreiben vom 20. December J741 an die Bischöfe von Bn
silien und anderer Gegenden; auch Pius VJI. wendete seinen Eioflas
bei den weltlichen Herrschern an, dass der Handel mit Negersklare/
unter den Christen ganz aufhöre! Aufs Neue verbietet Gregor X^
dass Niemand es wage , Indier , Neger oder andere Menschen dieser
Die PSps^e gegen die Sklaverei. 121
Irt zn unterdrücken , sie ihrer Guter zu berauben , oder zu Sklaven
I machen j oder dazu mitzuwirken. ,}AI1' Diess verwerfen Wir kraft
postolischer Vollmacht als des christlichen Namens durchaus un-
irdig, Wir verbieten und untersagen, dass Geistliche oder Laien unter
gend einem Vorwand oder einer Vorspiegelung diesen Negerhandel
\ SchDz nehmen oder sonst gegen das, was Wir durch diesen Unsern
^tolischen Brief vorgeschrieben haben, zu predigen, oder irgendwie
bntlich oder privatim zu lehren wagen^^ ^).
Es trat jezt auch in der Gesinnung der spanischen Laien weit
K heilsame Reaction ein. Die Mitglieder des indischen Itathes
vsten sich fugen. Aber es bedurfte noch einiger Jahre , bis durch
• neue Colonial - Gesezgebung vom Jahre 1542 eine durcbgrcifeude
rbcssemng eintrat.
') BuUarium Benedicti XIV, t. L Bullar. Gregorii XVI, Prato, 1857,
. 4*. — gCMmmelt (ausser dem Bericht des Bischofs Garcis) — bei Margrafs
«be nod Sklaverei, 1865, p. (20--88), 218--230.
Drittes Kapitel.
Von der Eroberimg Granada's bis inm Reglemngmtill
Carrs V. (I), (J. 1492-1517).
1
\
§. 1.
Die Eroberung Granada's war für die Königin Isabella keial
wegs der Anfang nenen Glücks und ungetrübter Ruhe. Die m«
Hoffnungen und Freuden wandelten sich in bittere Leiden om ßr 1
Sie hatte gehofft , dass die spanischen Juden ihr irdisches Vatefbi
so lieben würden, dass sie die Taufe der Auswanderang vortod
Es war eine schwere Tauschung. Sie hatte gehoffi, dass der m
deckung der neuen Welt die Einfuhrung ihrer Bewohner in die
Gottes sogleich folgen würde. Es war ihr nicht beschieden , die
kehrung derselben zu erleben. An der Entdeckung der neoen
erlebte sie wenig Freude, und viel, sehr viel Schmerz. — Die
des Spaniers Alexander YL zum Papst am 11. August 1492, obgl
sie den egoistischen Plänen Ferdinand's entgegenkam, war für
kein freudiges Ereigniss; ,,die Könige^ bezeugten keine Freude an
Wahl, welche ihnen eher neue Stürme als ruhige Zeiten in der
zu verkündigen schien *). — Die Hoffnungen, welche Isabella auf
um sie heranblühenden Kinder gesezt, sanken, die eine nach dernj
dem in ein frühes, trauriges Grab. Zuerst starb der Erbprinz D. 3^
*) Petrus MaHyr, op. Epist (I); Ep. GXVIII, Niülii8lnB^iuaBiaiiM<>
ad laetitiam, nalla frontis sereuitas. Tempeatatem potiua in orbe GhriiHaao^
tranquiUoa portns praesagire videntnr. (Ose Ptachd^ Zeitalter der Satdeeko^
p. 280).
lBabel]a*8 Tugenden nnd Verdienste. 123
19 Jahre alt, am 4. October 1J97*). Nach seinem Tode wurde die
bgere Isabella, Gemahlin Königs Mannel von Portugal, Thronerbin
I Spanien. Emmanuel liess sich am 11. Februar 1498 zu Toledo als
Ironerbe von Castilien huldigen*). Am 24. August 1498 wurde der
H)prmz D. Miguel zu Zaragoza geboren. Aber die Geburt des
obes kostete der Mutter das Leben; der Prinz selbst starb schon
n 22. Juli 1500 zu Granada.
Jezt war Erbe der spanischen Lander Carl (V.), geboren zu
itot am 24. Februar 1500, Sohn Philipp's des Schonen von Flandern,
id Jobanna's von Castilien. An diesem Philipp erlebte Isabclla und
ire Tochter Juana wenig oder keine Freude.
§. 2.
Isabella arbeitete mit ihren (4) Töchtern viel für den Schmuck ,''V.
n die Zierde des Hauses Gottes. Manche Kirche in Spanien freut xagen-
2h heute noch der Denkmale ihrer Frömmigkeit. Sie liebte die ^®°*
«rde des Hauses Gottes, den Ort, wo thronet seine Majestät, und
len freien Augenblick benüzte sie, um das Haus des Herrn zu
lunücken, nnd seine Zierde zu erhöhen. — Zu nicht minderem Ver-
eoste gereicht es ihr, dass sie in jener Zeit der Prunksucht und der
jKern Pracht, welche die Spanier überhaupt nnd besonders damals
ifalteten, sich der gr5ssten Einfachheit und Sparsamkeit in Kleidung
fohnoDg nnd Lebensart befliss. Sie war mit den Palästen zufrieden,
dche eine frühere Zeit gebaut, sie unterstüzte aber den Bau von
3rcbeD, Klöstern, von gottgeweihten Stätten jeder Art
Von ihrem Vater D. Juan IL hatte Isabella auch die Liebe zu
ID Wissenschaften, zu ernstem freilich^ als sie der , Schöngeist^
h Juan IL cnltvirte*), geerbt. Sie sammelte Bücher, und forderte
ie Gründung und Erweiterung von Bibliotheken^). Noch als Regentin
riemte sie die lateinische Sprache*). Sowohl in der Kenntniss dfr
0 & wurde geboren am 20. Juni lilS.
*) S. oben Bd. 3, l, S. 319— 350.
') V. G. 3, 1, S. 425.
*) H, Fhrez^ Reynas Catolicas II, p. 799. — Prescott, Histor. de los reyes
itoBcoe, Midr., 1848, t. 4, p. 102. — Havemann, Darstellungen ans der iDncni
leach. Spinien's; Göttingen, 1850, S. 135. — Hefele, Ximenes (2. Anfl.), S. 95.
*) Marineua Sieulus, 1. o., 1. 21 (ap. Schott, Hisp. illastr , t. I, p. 506). —
^^ttr, Croniea, I, p. 37: fablaba muy bien, y era de tan ezcelente ingenio, qne
A oommi de tantos 6 tan Ardaos negocios como tonia en la govemacion de aus
'^ofl» BS diö al trabajo de aprender las letras latinas; ^ alcanzo en tiempo de
tt >fio nber en ellas tanto, qne entendia qualqnier fabla ö escriptara latina (Part
߻ap.4).
^24 Dreizehntes Bach Drittes Kapitel
lateinischen Sprache als an geistiger Bildung überhaupt, überragte si
weit ihren Gemahl. Fremde und einheimische Buchdrucker wurde
ermuthigt und unterstuzt; Befreiung von Abgaben und andere V
thcile wurden ihnen zugewendet. Die Einfuhr von Buchern war
Gute Schriflcn liess sie wohl auch auf ihre Kosten drucken. Bo
drncker waren aus Deutschland eingewandert. Aus Italien kamen
lelirte an ihren Hof, u. a. Antonio und Alessandro Geraldino (spül
erster Bischof von S. Domingo). Petrus Martyr von Anghiera, der «
Arona stammte, kam im Jahre 1487 aus Rom, Lucio Marineo i||
kam aus Sicilien nach Spanien. Aelius Antonius von Lebrija (Nebrid
geboren 1442, zog, 19 Jahre alt, nach Italien, wo er die lateinia^
griechische und hebräische Sprache, und die Humaniora überfaai
studirte in dem berühmten Colleg. S. Clemente der Spanier zu B
logna. Auf den Ruf des Erzbischofs Alfons de Fonscca von Ser^
kehrte er nach zehn Jahren zurück. Arias Barbosa studirte in Flore^
und wurde Professor in Salamanca. Die beiden Geraldino waren 1^
zieher der Kinder Isabella's, welche für eine streng wissenschaltJiflj
Bildung derselben besorgt war. Erasmus bewunderte die Bildung dj
jüngsten Infantin Catharina, die au den Prinzen Arthur, und spii
an dessen Halbbruder Heinrich VIII. von England vermählt war!
Der Humanist J. Luis Vivis erzählt, dass selbst Johanna, genannt ^
Närrin'', lateinische Reden aus dem Stegreife hielt*). — Dem Peb^
Martyr wurde, nach der Eroberung von Granada, die Erziehung (i|
Jüngern Adels anvertraut. Eine mit dem Hoflager wandernde Acadeiail
gleichsam eine „schola palatina", wurde errichtet*). Petrus wiui
zwar Prior zu Granada, blieb aber am Hofe. Fast der ganze Ad^
verdankte ihm seine Bildung. — Lucius MarineuSj früher Professor^
Salamanca, kam um das Jahr 1500 an den Hof, und wirkte zor
dung des Adels mit Erasmus bezeugt von den Spaniern, sie
sich im Laufe weniger Jahre in den freien Wissenschaften aafei
so hohe Stufe erhoben, dass sie nicht bloss die Bewunderung
gebildeten Völker Europa's erregten, sondern ihnen auch zum Most
dienen könnten^). Männer aus den ersten Häusern waren Professor»
in Salamanca. Selbst Frauen hielten öffentliche Vorlesungen auf da
Hochschulen über Beredtsamkeit und classische Literatur*).
Salamanca soll damals 7000 Scudirende gezählt haben. Als dod
Petrus Martyr im Jahre 1^88 Vorträge über Juvenal hielt, naosfiteff
') Erasmi epistolae, l. U, 24. XIX, 81.
*) Viti^, de inatitutione feminae chmtianae, Üb. V, cp. 4, Antw., K^*
(geschrieben «uf Bitten Catharina'« von EnglandJ — PrtscoU, t IV, p. 10&.
•) Petrus Martyr, Opus Epiet, cp. 10?, 113, Uö.
*) Eräsmusy Ep, 977. — PrescoU, t IV, p. 107.
•) Prescott, IV, p. HO. - Htfeie, p. 98.
Isabella'B Sorge fttr Bildang nnd Wissonschaft Ihr Tod. 125
»chsam auf den Schultern der Zuhörer in den Hörsal boreinge-
ben werden ').
§. 3.
Der Erzherzog Philipp, Gemahl Johanna's, kam auf die Einla- ^^''^^J^p
lg der Eonige am 28. Januar 1502 zum erstenmal nach Spanien* dorn in
'Frankreich schwur er dem Könige Ludwig XII. den Lehenseid ^p-'"****
^a seiner Güter in Frankreich, Johanna aber Hess sich zu dieser
Isterniedrigung nicht herbei^). Von der Grenze bei Irun wurden
'fangen Könige'^ mit allen erdenklichen Ehren nach Madrid ge-
tt Am 2?. Mai empfingen sie die Huldigung der Cortes in der
Batialkirche zu Toledo. Von dem (jungern) Cardinal Diego de
kloza ond dem Primas Ximenes an schwuren alle Bischöfe und
) Granden des Reichs den Eid der Trene*). Aber den Philipp
kte die Nähe und Ueberlegenheit seiner Schwiegereltern, ihm
ifiel der Ernst der Spanier. Umsonst mahnte ihn Isabella an seine
cht, sein Volk nnd Land kennen nnd lieben zu lernen. Philipp
)Tor, seine Gesundheit und das spanische Klima könnten einander
bt Tcrtragen. Ihn beschwerte auch die gegründete Eifersucht seiner
maUin. Er habe seinen Belgiern eidlich versprochen, dass er in
iresfrist zurückkehren werde. Er wollte Friede zwischen Frankreich
1 Spanien vermitteln, den er auch am 5. April löOä zu Lyon zum Nach-
ileSpanien's schloss, sodass Ferdinand ihn verwarf. Auf's Neue brach
I Krieg zwischen Frankreich und Spanien aus, und endigte mit der
kerwerfung Neapel's unter Spanien durch den Feldherrn Cordova,
n grossen Capitan". Nach Philipp's Abreise fiel Johanna in tiefe,
bt unheilbare Schwermnth. Am 10. März 1508 gebar sie ihren
Men Sohn, den spätem Kaiser Ferdinand. Am I. März 1504 reiste
• Dach Belgien , war aber bei ihrem Gemahl noch unglücklicher,
'* ohne ihn.
§. 4.
Im Jali 1504 wurde Isabella zu Medina del Campo vom Fieber
pffen; im October stellte sich die Wassersucht ein. Am 26. No-
iniber 1504 verschied sie. Zu ihrem Ruhme sagt Petrus Mariyr:
^ der ganzen Geschichte findet sich keine Frau, welche hohe
0 Petnu Mariyr, Ep. 57.
^ üxor cautior patriae dignitatis memor onlla re priorea Gallo partes concc-
(re Visa est. Mariana XX VII, 11.
') Magno Dumero proc^res luzn et familtae splendore certantea. Mariana, L o.
126 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
Herrschergaben und Heiligkeit des Lebens in gleichem Grade Tcr«
einigt, und ausser der seligsten Jungfrau sei sie von keinem Weih
der Erde an Reinheit des Herzens übertrofFen worden/' Aebnlich sag
Ximenes: ,,Niema]s wird die Welt einen Regenten von gleicher Gröd
des Geistes, gleicher Reinheit des Herzens, gleicher Wärme der FroJ
migkeit, and gleicher Sorge für Gerechtigkeit sehen/' i
Alles, was zu ihrem Ruhme gesagt werden mag, bleibt w4
hinter ihr zurück. Diejenigen, welche zweifeln, ob es auch Gotte
Wille sei, dass Frauen Reiche regieren, müssen bei ihrem Al
blicke die Waffen strecken. Denn Spanien hat nie einen Hemeh
ihres Gleichen gehabt Ihr einziges Streben war das Reich 041
auf Erden. 1
In welche Tiefe des Unglücks war Castilien durch ihren Todi
plozlich gesunken? Zwei Augen hatten sich geschlossen, nnd di«l
Volk, jezt so glücklich nnd beneidet, war in einem Augenblick 4
unglückliches, ein verlassenes Volk geworden. Der Regent ?tiS^
hatte nur Gefühle der Abneigung für Castilien. Ueber seine (jemakl
senkte sich mehr nnd mehr die Nacht des Geistes herab, and oili
völligen Besiz von ihr. Sie war die Tochter der grossen Isabelli, ah
der Geist ihrer Mutter war erloschen in ihr. j
In Erwägung der Eigenschaften Johanna's und Philipp's hi^
Isabella die Regentschaft über Castilien ihrem Gemahle übertngl
In ihrem Testamente vom 12. October 1504 erklärte sie FerdiDaod I
alleinigen Regenten von Castilien, bis Carl (V.) das zwanzigste J4
erreicht hätte. — Nach ihrem Tode verzichtete Ferdinand auf k
Titel eines Königs von Castilien , da er bloss Verweser des Keick|
sei. Von Seiten vieler Granden Castiliens erhob sich Opposition ge||
ihn. Mit dieser verband sich Philipp von Flandern. Ferdinand, j|
53 Jahre alt, ging eine zweite Ehe mit der 18 Jahre alten G
de Foix, Nichte König Ludwig's XII., ein. Er schloss im Od
1505 einen für Spanien schimpflichen Vergleich mit Frankreich.
Am 2^. November 1505 kam zwischen Philipp und Ferdi
ein Ausgleich zu Stande, der die Frage der Regentschaft oitin^
Alle königlichen Erlasse sollten gemeinsam die Namen Fe
Fhilipp's und Johanna's tragen , die Regierung gemeinsam von
geführt werden. Am 28. April 1506 liefen Philipp und Johanns
dem Hafen von Coruna ein. Auf vieles Zureden kam Philipp
23. Juni mit Ferdinand zusammen. Philipp wollte, dass Fi
so bald als möglich Castilien verlasse. Ferdinand ging nach Angoni^
dann aber nach NeapeP).
•) Petrus Martyr, Ep. SOS, 306, 308-310, 316—317. — jZWte» A»i««*
Aragon, t. VI, L. VIT, c. 16-17—19. — HtftU, S. 187—214.
KOnig Philipp VI, f 1506. Xfmenes, Cardiniü, Grossioquiaitor. 127
§. 5.
Nach einem Gastmahle, welches der Gouverneur von ßurgos,
.Manuel, dem Konige gab, zog sich Philipp ein hiziges Fieber zu
19. September. £r starb am 2ö. September 1506 im Alter von
• Jahren.
Jezt trat ein Regentschaflsrath ein, an dessen Spize Franc. Ximenes
ai Im Oetober wurden die Cortes nach Burgos berufen, aber
fen Uneinigkeit wieder vertagt — Im Juni 1507 fuhr Ferdinand
a Neapel wieder ab , an Ostia vorbei , wo P. Julius II. ihn ver-
bens erwartete, und landete am 20. Juli zu Valencia, in seinem Erb-
ehe. Er wurde in Castilien glänzend empfangen. Am 29. August
D7 kam er zu Tortoles mit seiner Tochter Johanna zusammen, und
sroahm sogleich die Regentschaft über Castilien. Erst am 6. Oc-
cr 1510 holte er die Genehmigung des Cortes ein.
§. 6.
Ein papstliches Breve vom 17. Mai 1507 ernannte auf Bitten
rdinaod's den Erzbischof Franc. Ximenes von Toledo (seit 1495)
1 GardinaL Am 18. Mai 1507 schrieb ihm Ferdinand von Neapel
), nnd ernannte ihn anstatt des abgesezten Didacus Deza zum
neralinquisitor in Spanien. Kaum hatte Ximenes dieses Amt über- cardioai
Bunen, als Leben, Festigkeit und Sicherheit in das Amt der Inquisition ^"^
«kehrte; denn in den Jahren 1498 — 1507 war das „heilige Officium" o«^«««*»-
t ans Kand und Band gegangen. Es ist nicht wahrscheinlich,
li io dem Decennium voa 1507 — 1517 überhaupt Hinrichtungen
it&nden. Die erste Zeit des Schreckens war äberstandcn. LLorente
t keine Hinrichtung zu Zeiten des Ximenes nachzuweisen. Trozdem
st er gemäss seiner frivolen Schäzung unter ihm 2536 Personen in
irklichkeit, 1368 im Bilde verbrannt, 47.236 Personen zu verschie-
den Strafen verdammt, 51.667 Personen durch die Inquisition be-
nft werden'). Vielmehr brachte Ximenes Ruhe und Milde in
v Amt der Inquisition. Von nun an war sie nicht bloss ein Schrecken
er Schuldigen, sondern ein Schuz der Unschuldigen und Reumüthigen.
^ Ximenes können wir den zweiten Gründer der Inquisition nennen.
In dem Monate Mai des Jahres 1507 war der erste Erzbischof '^'*^*
Ml Granada, der Hieronymit Ferd. Mendoza de Talavera, gestorben« yeraTon
^ war Beichtvater der Konigin Isabella. So wohlthätig war er als ^^*'
') Uofrtnit 4, p. 256.
128 Dreizehntes Buch. DriUes Kapitel.
Erzbiscbof, dass er nicht selten sein eigenes Kleid mit den Armen
theilte. Er lernte noch in hohem Alter die arabische Sprache, und
drang auf dieselbe Erlernung bei seinem Klerus. Selbst die Manitn
liebten ihn, und nannten ihn den grossen Alfaqui der Christen. Ig
Jahre 1499 gesellte sich ihm Ximenes bei, und am 18. DeceroM
1499 konnte er 4000 Mauren an einem Tage taufen. Die M&onf
nannten ihn den Alfaqui Campanero (den Glocken- Prediger), weil dorck
ihn besonders die Glocken in Granada eingeführt wurden. Durch seiori
todesverachtenden Mutb dämpfte er Ende des Jahres 14U9 einen Atf
stand der Mauren gegen Ximenes, dessen Bekehrungseifer die Granfl
des Erlaubten überschritt. — Lucero, Dezas Gehilfe, und Deza streof^
im Jahre 1505 einen Proccss gegen Talavera, den vielleicht „heiligMJ
Mann'' von Spanien, wegen jüdischer Kezerei an. Sein Neffe, dessi
Schwestern und Mutter wurden sogar gefangengesezt Der ?vft
Julius II. aber zog die ganze Sache an sich; von Rom ans folgl
völlige Freisprechung. Aber die Freisprechung folgte am 21. Mi^
während Talavera schon am 14. Mai starb'). '
Perdi- ^Qg einem Briefe Ferdinand's an seinen Vicekonig in K(
na.nf1 V
wüuich^om Jahre 1608 entnehmen wir^ dass Ferdinand damals nichts
^^^ ringeres im Schilde führte, als eine Losreissuug von der romis
treunen. Kirche. F. Alcsaudcr VI. hatte sich in Goncessionen gegen Um
schöpft, während P. Julius II. eine unabhängige Stellung anzanebind
und Italien von der Herrschaft des Auslandes zu emancipiren 6t
Für Ferdinand handelte es sich un^ den gesicherten Besiz des Ki
reichs Neapel, über welches die Päpste die Oberlehensherm
Julius II. hatte ohne Anfrage bei Ferdinand ll. durch einen He
ein päpstliches Breve im Königreich Neapel verkünden lassen, vor
der Vicekönig Conde de Rivagorza an Ferdinand berichtete — 6.
1508. Am 22. Mai erliess dieser von Burgos aus einen sehr sei
Verweis an den Vicekönig; er fragt ihn, warum er den Courier
Papstes nicht habe aufknüpfen lassen; er befiehlt ihm, diess mc
träglich zu thun, unbekümmert darum, was man in Rom dazu
Er möge die Grenzen des Landes genau bewachen, und wenn A
„apostolischer Briefträger" (cursor) irgendwo sich betreten lasse, «^
gleich Hand an ihn legen. „Wir sind völlig entschlossen^ fugt er M
wenn seine Heiligkeit nicht sogleich das Breve und seine Erli^
') Vida del Ven. D. Fr, Hemando de TcUaverOy per P. Aledfiian Buam,
8* — 1866.
Ferdinand V. gegen P. Jnüus II. 129
widerruft, durch neue Erlasse, ihm den Gehorsam aller Reiche der
Kronen von Castilien und Aragonien aufzukündigen^'^). £& ist diess
ein Zeichen, wessen Ferdinand „der Katholische'^ im gegebenen Falle
fähig war. Er trieb die Politik der Selbstsucht und hängte eben nur
den katholischen Mantel um, wenn es in seinem Interesse lag (wie
wieder im Jahre 1511).
Im' Jahre 1505 sandte Ferdinand, nnterstüzt von Ximenes, eine
Flotte nach Algier, um den festen Seehafen Mazarquivir zu erobern,
was auch gelang. Des Ximenes grosser Plan für die Wiedereroberung
des heiligen Landes scheiterte. Sein Plan aber, wenigstens die Festung
Oran in Algier zu gewinnen , kam zur Ausfuhrung. Er selbst,
72 Jahre alt, wollte das Heer fuhren und lieh dem Könige das nöthige
Geld. Er brachte 10.000 Mann zu Fuss, und 4000 Reiter zusammen.
Am 16. Mai 1509 fuhr die Flotte von Cartagena aus, am 17. Mai
war sie an der Küste von Afiika. Die Truppen baten den Ximenes,
fem vom Elampfe zu bleiben. In der Kapelle des heiligen Michael zu
Mazarquivir betete er f&r den Sieg der Christen. Vor dem Anbruch
der Nacht — 18. Mai — war Oran erobert. An 4000 Mauren fielen,
5800 wurden gefangen. Die Spanier wollten nur 30 Mann vermisst
haben. Die Beute wurde auf 500.000 Goldthaler geschäzt. Ximenes
brachte die ganze Nacht in Preis- und Dankgebeten zu. Am 19. Mai
hielt er seinen Einzug in die Stadt, während ein Hilfsheer der Mauren ^'^^'
aus Tlemecen umkehren musste. 300 Christensklaven wurden fi:ei. — inAiHk«
Nach andern Berichten wurde durch Verrath einiger Einwohner Oran^*^-^®-
den Spaniern in die Hände gespielt. Unter diesen wird der Jude
Cattora, und selbst der Burgvogt Cedrinus genannt. Die Moscheen
-wurden als Kirchen eingeweiht; Klöster der Dominikaner und Francis-
caner gegründet. Ximenes schöpfte Verdacht, dass Konig Ferdinand,
dem er zu mächtig geworden, seinen Tod im heissen Clima von Afrika
wünsche und erwarte, fuhr schon am 23. Mai wieder von Oran ab,
und kehrte nach Alcala zurück.
Am 5. Januar 1510 wurde die wichtige Stadt Bugia in Algier
von Navarro erobert Algier, Tunis und Tlemesen wurden jezt den
Spaniern zmsbar. Selbst Tripolis eroberte Navarro im Juli 1510.
Zum Danke hielt P. Julius U. eine feierliche Procession in Rom. Oran
*) Estamos mny determinadog, si ao Saotidad no revoca luego el Breve y
loa Autos por virtnd de (1) fechos, de le quitar la obidiencia de todos losreynos
cle las Coronas de Castilla y Aragon. — Ueber 100 Jahre später fand Franc,
duevedo den Brief im Archive' zu Neapel, und publioirte ihn im Jahre 1621 zu
Madrid. — Franc, de Quevedo, OhroB, 11 tom. 4». Madr. 1792-1794, t XI, p. 8
— 9. — Franc de Quwedo, v. Reinh. Baumstark, Preib. 1871, S. 105—110. —
^d. Wo^f, Supplem. Bd. su Ticknor-Julius, Leipz. 1867, S. 86—37.
(Huni, »p9a. Kinhe. Wu % 9
130 Dreizehntes Buch. Drittes Rapitet.
blieb den Spaniern, bis es im Jahre 1790 darch ein Erdbeben v»
wüstet, im Jahre 1791 dem Dey von Algier übergeben werden mossk
Die Versuche, von Oran aus das Christenthnm weiter zu verbreita
misslangen, wie die frühern Versuche im dreizehnten und yierzel
Jahrhundert^).
§. 8.
Die Stiftung der Universität Alcala durch Ximenes nanntea
Spanier selbst das achte Wunder der Welt Zur Zeit Isabella's
eine Anzahl von Academien gegründet, die von Signenza durch
Archidiacon Juan Lopez de Medina Celi, die von Toledo darck
Scholasticus Franc. Alvaro, die von Ossuna durch den Grafen
von Urena, die von Onate durch Rodr. Sanchez de Mercado, Bu
von Avila, die zu Valencia durch P. Alexander VI.
Im Jahre 1498 begannen die Bauten fiir die Hochschule in
cala; im Jahre 1500 wurde der Grundstein des GoUeginms von S.
fonso gelegt. Im Jahre 1503 wandte Isabella der jungen Süf
grosse Privilegien zu, durch welche Lehrer und Studirende ang(
wurden; ebenso wurde sie von den Päpsten Alexander VL, Jolit
und Leo X. mit vielen Privilegien beschenkt^). Das Collegiom
S. Ildefonso, das Haupt der neuen Universität, wurde am 26. Joli
(al. 1510) zuerst von sieben CoUegialen aus SalamaRca bezogeo.
sollte, nach den Lebensjahren Christi, 33 Mitglieder aofiiehmeD,
der Zahl der Apostel 12 Priester zählen, welche den Gottesdienst
die Seelsorge an der Universität besorgen , die canonischen St
beten, die Almosen und Ueberbleibsel vom Tische an die Annen
theilen sollten. Die CoUegialen selbst, nur Theologen, hatten
Mehrzahl der Lehrstühle an der Hochschule inne, andere hatten
Aemter, oder bereiteten sich dazu vor. Diesen CoUegialen wir
ganze Verwaltung der Universität übertragen.
Für arme Studirende der Sprachen gründete Ximenes die
Convicte von S. Eugenio und S. Isidro, wo 42 junge Philologen je
Jahre lang frei verpflegt wurden. Alle 14 Tage £mden hier Di
tationen statt. Sechs (acht?) Professoren der Philologie lehrten,
welchem Fache Alcala nach Erasmua das Grosste leistete*). St
*) Hefekj die Erobenmg von Orao, and die dort vogegeibmea
S. 868—398. DazQ kommt: Gartas del Cardenal D. Fr. Jimmes, Madr. 1
von welchen 21 den Feldzng gegen Oran betreffen.
*) Constitiitiones insignis ooUegii s. Udefonsi Ck>mpliiti (pnUie. I51S) 1
Friedr, Kunttmann. (Münohner) Gelehrte Anseigen, 1846. Nr. 96.
*) Aeodemia ComplntenBis non alionde oelebiitatem nomiois mufMtk d
quam a oomplectendo lingnaa ac Omas literaa. Eramn. £p. pu 75&
Üniveraitilt Alcala de Henares. 131
Prafangen entschieden über das Vorrücken in höhere Klassen, oder zu
den 8. g. Fachwissenschaften.
In dem Collegium der heiligen Balbina, von welcher Kirche in zimene«
Rom Ximenes den Cardinalstitel führte, wurde zwei Jahre Dialectik^ \q ^^^
in dem Colegi oder heiligen Catharina zwei Jahre lang Physik und ^^^»
Metaphysik gelehrt. Jedes dieser CoUegien hatte 48 Zöglinge. Sie
hörten die Vorlesungen bei den Professoren der Philologie, hatten je
nach 14 Tagen strenge Disputationen und erlangten nach einander die
Grade eines Baccalaureus, Licentiaten und Magisters der freien Künste.
Für kranke Studenten wurde 1614 ein eigenes Haus hergestellt. Das
„kleinere Collegium" zum heiligen Petrus und Paulus sollte 12 stu-
dirende Ordensgenossen des Cardinal Ximenes aufnehmen. Viele Ge-
lehrte und Bischöfe gingen daraus hervor^). — Ein anderes Haus wurde
18 armen Theologen und 6 Medicinem zugewiesen. In dem Collegium
der drei Sprachen oder des heiligen Hieronymus^) studirten 10 Zög-
linge die lateinische, griechische und hebräische Sprache. Die ver-
schiedenen Orden, mit Ausnahme der des heiligen Benedictus') und Hie-
ronymus, gründeten für ihre Studirenden eigene Häuser in Alcala.
Im Jahre 1508 wurde Petrus Campo erster Rector. Der Kanzler
hatte die academischen Grade zu ertheilen. Als erster Kanzler wurde
Petrus Lerma aus Paris berufen, und zugleich zum Abte von S. Justus
und Pastor erwählt^). Am 18. October wurde die Universität eröffnet«
die meisten Lehrer waren aus Salamanca oder Paris berufen, 6 für die
Theologie, 6 für das canonische Recht, 4 für Medicin, 1 für Anatomie,
1 für Chirurgie, 8 für Philosophie, l für Moral, 1 für Mathematik,
6 für Grammatik, 4 für Rhetorik, 4 für die griechische und hebräische
Sprache, im Ganzen 42. Die erste Anstellung war nur für ein Jahr,
dann sollte eine neue Bewerbung eintreten. Wer keine Zuhörer
bekam, erhielt auch keine Lehrerbesoldang, sondern war auf seine
Pfründe oder seinen Plaz im Collegium beschränkt. Alcala ertheilte
die academischen Grade in der Theologie, Medicin und Philosophie.
Ein Doctor der Theologie musste dieses Fach 10 Jahre studirt haben.
Die Einkünfte der Universität betrugen im Anfang 14.000 Du-
caten, im Jahre 1600 — waren sie schon auf 30.000 gestiegen. Alle
Stiftungen hatten sich erhalten. Salamanca entführte aber Alcala manche
tüchtige Lehrer, und damit viele Studirende. Als König Franz I. nach
Alcala kam, sagte er: Euer Ximenes hat ein Werk unternommen und
ausgeführt, das ich selbst zu vollbringen nicht gewagt hätte. Die
>) Wadding, annal. Minor., t. XV, p. 143.
*) Der sich selbst „homo trilinquis^ nannte.
*) Die Benedictiner hatten n. a. ihre Gollegien in Yalladolid nnd Barcelona.
*) Das Weitere s. Kirchengesoh. I, S. 333—334.
9*
132 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
Pariser Universität, der Stolz meines Landes, ist das Werk ritk
Konige. Ximenes hat allein Aehnliches vollbracht.
Aicau ^ig (Jas Concil von Trient die Abschaffung der Exemtionen
Hen«- Collegiat-Capitel beschloss, so legte der Bischof von Leon, Andr. Co
"■• (1558 — 1Ö64), Fürspraohe für die Collegiatkirche in Alcala ein. Fi
alle Bischöfe stimmten ihm bei. Sie erhoben diese Kirche mit gr<
Lobsprüchen, wegen ihrer eigenen Würde, besonders wegen des
liehen Collegiums und der Universität, von welcher nach den S
Doctoren der Theologie und Magister der freien Künste Canooi
und Präbenden an dem Coilegiatstiil erhielten; „aus der auch
die gelehrtesten und besten Männer hervorgehen, welche den £
des Christentkume weithin verbreiten, wie Wir es selbst erfahre
so vielen hochgelehrten Männern jener Schule, welche dieser heü^
Synode von Trient angewohnt haben." Es wurden dem Decrete
Worte beigefügt: „Unbeschadet der Privilegien, welche den Uni
täten und deren Mitgliedern bewilligt wurden, vorzugsweise, am
Collegiatkirche von Alcala zu ehren"'). — Die Lieblingsstiftung
Ximenes dauerte drei Jahrhunderte, bis zum Jahre 1807 fort Sei
ist Alcala verlassen und verödet^).
§. 9.
Den frühem Universitäten gesellten sich im sechszehnten Ji
hundert eine Anzahl neuer bei. Nachdem die Hochschule von
im Jahre 1508 eröffnet worden, stiftete schon im Jahre 1509
Rodrigo Fern, de Santaella die Universität von SeviUa. Er war
nicus daselbst und Achidiacon von Reina , starb aber noch im h
der Eröffiiung der Schule, welche den Namen „Golegio des Magi
Rodrigo^^ erhielt.
Onate, Die Universität zu Granada gründete Konig Carl V. im Ji
^^' 1531; die sämmtlichen Lehrstühle wurden aber erst im Jahre
besezt. — Rodrigo de Mercado, Bischof von Avila (1530— t^«
stiftete im Jahre 1543 die Universität zu Oiiate in Guipüzcoa,
Vaterstadt« Die Bestätigung Papst Paul's III. erlangte er im Jahre li
Das Colleg: „del Espiritu santo^' trat 1542 in's Leben. Bei
Tode hintcrliess er reiche Mittel für die Fortfuhrung des W(
doch wurde hier nur lateinische Sprache und Philosophie gelehrt']*
') £a verba decreto addidenmt: ,Salvis privilegiis UniversiiiUibiii i^
nun personis concessis, ejus (GomplatensiB) ecoleaiae potissimnm oanaa." Qoie
verba Patres omnes — libentissime snnt amplexi, (Trident 6. Decenber li
ap. Vic. de la Fuente, t. V, Madr. 1874, apend. 11.
») Hefele, S. 99—112.
'} MinanOf Dicclonario de
£8pafia, t VI, tfadr. 18&7, p. 827.
Nene UniTerBitaten. 133
Die Universität Osma wurde im Jahre 1550 durch den Bischof
Petrus Alvarez de Acosta (1539— f 1663) gegründet. (Im Jahre 1552
wurde zu Almagro eine Universität im Kloster der Dominikaner del
Rosario errichtet). — Die Universität Bc^a wurde im Jahre 1533 durch
Fr. Juan de Avila gestiftet, als Collegium, welches D. Kodrigo Lopez
im Jahre 1562 erweiterte.
Die Universität von Murcia entstand und bestand aus 2 Collegien,
dem der Dominikaner, welches schon 1310 in das Leben trat, und
dem der Jesuiten, das im Jahre 1563 durch den Bischof Stephan de
Almeida, einen Portugiesen, (wie Bischof Petrus von Osma) gegründet
wurde. Er vereinigte beide CoUegien zu einer Universität. — Die
Universität zu Avila wurde 1576 durch Bulle Papst Gregorys XIII. im
Dominikanerkloster St. Tomas bestätigt. — Die Universität Omedo
wurde durch Ferdinand de Vald6s, den Grossinquisitor '), gestiftet.
Er war 1532—1539 Bischof von Oviedo, und starb als Erzbischof
von Sevilla im Jahre 1568. Er stammte aus dem Bisthum Oviedo.
An der von ihm gestifteten Universität dotirte er 19 Lehrstühle, 4 der
Theologie, 5 des canonischen Rechtes, 5 des Civilrechtes u. s. w. Die
Eröffiiung fand aber erst im Jahre 1608 statt, gemäss folgender In-
schrift: Jahr 1568. Diese Schulen und diese Universität gründete und
dotirte D. Fernando de Vald^s, glorreichen Andenkens, Erzbischof von
Sevilla, Präsident des obersten Rathes dieser Reiche, und General-
Inquisitor in ihnen, der frommste und wachsamste Yertheidiger des katho-
lischen Glaubens, und strengste Verfolger der häretischen Verkehrtheit.
Er starb im Jahre 1568. Man fing an, in diesen Schulen zu lesen im
Jahre 1608"«).
Die Universität Santiago wurde durch Vereinigung mit dem Colegio üniver-
von Monforte de Lemos im Jahre 1595 von dem Cardinal D. Rodrigo la at»-
de Castro, Erzbischof von Sevilla, in's Leben gerufen. In dem Eonig- s^iüeii.
reiche Aragon wurden die Studienanstalten zu Gandia auf Bitten des
(heiligen) Franc. Borgia, der die Lehrstühle dotirte, im Jahre 1546 zu
einer Universität erhoben. — Ferd. de Loazes, Erzbischof von Tarra-
gona und Valencia, stiftete das Dominikanerkloster zu Orihuela und
daraus um 1555 eine Universität. — Die Universität Saragoza, wurde
auf Grundlage firüherer Studienanstalten im Jahre 1541 von Carl V.
errichtet, von Papst Paul IV. im Jahre 1555 bestätigt, kam aber zu keinem
Aufschwünge, bis Bischof Petr. Cerbuna von Taarazona (1585 — 1597) sie
restaurirte, dotirte und Gebäude für sie herstellte. — Die Universität
von Gerona wurde im Jahre 1561 durch Eonig Philipp II. gegründet.
Die Universität Tarragona stiftete im Jahre 1570 Erzbischof Casp.
*) 8. oben S. 86.
*) Espafia sagr. t 39, p. 114-115.
134 Dreisehntes BooL Drittes Ki^iteL
Cervantes, CardinaL — Die Universität zn Estella in Navam wurde
im Jahre 1565, die Universität za Pamplona im Jahre 1608 gegründet
§. 10.
Ans früherer Zeit stammen die Universitäten von Palencia, Salt-
manca, Valladolid. Die Bluthe der erstem dauerte nur wenige Jahre
(1212—1228—1246). Salamanca bestand etwa seit dem Jahre 1200:
schon Papst Alexander IV. erklarte sie im Jahre 1255 als eine da
vier General-Stodien- Anstalten (neben Bologna, Paris ond Oxford)')
Der Kirchenzehnt des Bisthums war, bis Aufbebung des Zehntens ii
Spanien überhaupt am 29. Juli 1837, die Hanptquelle ihrer EinnahmeiL
Weltberühmt wurde das Coll^um San Bartolomeo, genannt ,,dij
alte^^ , welches der Erzbischof Didacus de Anaya gestiftet, und ?9^
Martin V. am 28. April 1418 bestätigt hatte*). In seinem OUegino
vmrde der Stifter begraben (f 1437). — Das CkJlegio von Monte Olirete
wurde im Jahre 1490 von dem Domherrn Gonzalo Canamares geatifU
Diego Ramirez, Bischof von Astorga, Malaga (1498 — löOO— 1518) rd
Cuenca (1518—1536), stiftete im Jahre 1506 das „Colegio majof
von Cuenca. Er war Grosscaplan der D. Juana, und taufte deren la
24. Februar 1600 gehörnt Sohn Carl Y.
Cardinäle, viele Bischöfe und Staatsmanner gingen aus diefieo
CoUegium hervor. Man »Uilt 4 Cardinäle, 29 Bischöfe, 10 PrwidenteD,
2 Vicekonige. — Didacus de Velasco, Bischof von Galipoli, gründett
im Jahre 1510 das C^llegium des heiligen Thomas von CaDtert)Qry'
— Im Jahre 1518 vmrde das O>legio von San Millan (Aemilian) g^
gründet, aus welchem u. a. 6 Bischöfe hervoi^ingen. — Im 3^
1522 gründete der Erzbischof (von Santiago und Toledo) Alfoos it
Fonseca das berühmte Collegium, das von ihm den Namen: ,M
Arzobispo* — hat Elr führte eines dar prachtvollsten Gebäude nü^
einer herrlichen Kapelle in Salamanca auf, in der er begraben uX^
— Im Jahre 1522 inirde von einem Domherrn zu Saragossa du
Collegium der heiligen Maria g^;ründet, das wegen Armotb sp^^
mit dem des heiligen Thomas von Canterbury vereinigt wurde« ^
Domherr Juan Onizares stiftete im Jahre \5J6 das Cx>Iegio vom hei-
ligen Kreuz, gewohnlich Coleg. de Canizares genannt. Aus ihm gu%^
■) Stndk genenlia.
^ Historia del Colegio de San Baitoloaiö, por Yeisaia y el Marqsef ^
Aheatoa 1766, S Ibl — ^. Dorado, OfHapeadio Mstor. de Salamaaet, p. 290'SBi
*) Ad paopenim aobiliiiB iagenia aablevaada» ad Gleri angmentom — ^V^^
de fbnMea — boe tarn felix qaam namm OoDegiui et inaignem O^ienia &"
eoiavH, quod ipse viveas iachoavit, el nortnas perfid nandavit Oiwl
5u Febraar. — 1531. — Aas der GnJwelaift, h»> Dorado, p. 9€9.
Gollegien in Salamanca, 1526-«1592. 135
u. a. 4 Bischöfe, 10 Professoren herror. — Später wurden auch noch
CoUegien far die Ritterorden gegründet, 1532 für die Johanniter, für ^'^
den Orden von Santiago, für die Orden von Alcantara und Calatrava ^*^
im Jahre 1552.
In den Jahren 1538 — 1545 Hess der Domherr D. Martin Gasco
von Sevilla das berühmte Colegio der heiligen Magdalena herstellen.
Er war Gesandter König Carl's Y. bei Papst Clemens VIL Im An-
fange hiess es: Jnsigne, und auch „Mayor". Aber in Folge der Oppo-
sition der schon bestehenden sechs „grossen CoUegien^^ musste es auf diese
Ehrennamen Terzichten, Es galt aber nach den sechs grossem als das
siebente Colegio in der Rangordnung. Es vergab sieben Lehrstühle
an der Universität, die fast immer mit seinen CoUegialen besezt waren.
Viele Prälaten, Schriftsteller, königliche Rathe u. a. gingen aus ihm
hervor. — Um das Jahr 1538 — 1545 gründete Franc, de Solls Quinones,
Bischof von Bagnorea (f 1545) das Colegio für studirende Waisen
„zur unbefleckten Empfangniss'^ Nur in diesem und dem s. g.
;,Drei8prachen^^- Colegio bestand die Clausur, und überhaupt die Ordens-
Kegularitat. Auch aus diesem Collegium gingen Erzbischöfe, Bischöfe,
Präsidenten, Räthe u. a. hervor. — Im Jahre 1563 stiflete Geronimo
de Arce, Professor an der „Sapienza^^ zu Rom, das Colleg der y,heiligen
Maria zu den £ngeln^% ans dem gleichfalls Bischöfe, Gesandte ü. a.
hervorgingen.
Um das Jahr 1670 gründeten die Norbertiner für ihren Orden Ooiie-
das Collegium „der heiligen Susanna^', das einen grossen Aufschwung ^^^^
nahm. Ihnen nachfolgend stifteten die Hieronymiten im Jahre 1572
das Colegio von Guadeloupe für ihre Studirende. Grosse Gelehrte
gingen daraus hervor'). Im Jahre 1577 (?) gründete der Erzbischof
Ferdinand Yaldes^) das Colegio de „San Pelayo^^ auch „die Grünen^^
(Verlies) genannt, und dotirte es mit einer Rente von 6000 Ducaten
für 25 Pläze'), darunter für 12 Asturier und 4 Sevillaner; auch aus
ihm sind viele Bischöfe, Domherrn, u. a. m. hervorgegangen. Die
reformirten Carmeliten, welche im Jahre 1572 in Salamanca sich nieder-
liessen, gründeten einige Jahre später ihr Colegio des „heiligen Elias^^^).
— Berühmt sind die Werke über Moral und Scholastik, welche die
Carmeliten in Salamanca herausgaben. — Im Jahre 1592 stiftete König
Philipp II. auf seine Kosten das Colegio der „adeligen Irländer'^ zum
heiligen Patricius, für Irländer bestimmt, die um des Glaubens willen
0 Haviendo salido de este celebre Colegio grandes sugctos en toda eradicion.
Dorado, p. 421.
') Er starb schon 1568.
*) Bursen, Becas.
0 Dfyrado, p. 430.
136 Dreizehntes Bnch. Drittes Kapitel.
.* . ... «
auswanderii massten. Die einen kehrten in ihre Heimath zoräck, ^
dere begleiteten verschiedene Aemter in Spanien. I
Geetüzt anf solche Gollegien und Stiftungen konnte Salainai4
seine hervorragende SteHung in der Reihe der Universitäten Euro]
unschwer behaupten. Es war die eigentliche .Musenstadt Spani
Heute ist sie, wie Alcala und Toledo, eine verlassene und trsnei
Wittwe, — Denn „La Universidad Central^^ von Madrid hst
blühenden Hochschulen der frühem Zeit verdrangt. — Neben
üniyer- uiauca uud Alcala stand die gefeierte Universität von Valladolid, w«
viail^o- ^^^^ rühmte, die Fortsezung der von Palencia, und so alt, wie die
lid. Salamanca zu sein. Unter Ferdinand dem Heiligen sei sie nach Vi
dolid übertragen worden. Das Dunkel, in welchem diese Uebertnigl
liegt, bewog Schriftsteller, wie Mariana, Colmenares und Alf. Gt
Matamarosj die Uebertragung in der Absicht zu leugnen, um der
versitat von Salamanca, wohin nach ihrer Ansicht die von ?t
verlegt worden, ein höheres Alter zu geben ^). Die Grunde aber^
VaUadolid für sich vorbringt, sind nicht überzeugend, für unsere Zi
sicher ohne Belang. Aus einem Schreiben Königs Sancho IV.
20. Mai 1293 erhellt aber, dass es damals schon ein „Stadinm^l
Valladolid gab, das sich durch die oftmalige Residenz des Hofe«
selbst hob. Am 21. Mai 1304 wies Ferdinand IV. dieser Schale
Einkünfte zu. Alfons XI. sorgte so sehr für dieselbe, dass ihn
für den Gründer der Universität halten. Auf seine Bitte erbob
Papst Clemens VI. am 30. Juli 1347 zu einer päpstlichen UniTc
Von da an war der Abt der CoUegiatkirche daselbst ihr best«
Kanzler. Der Eonig wies 20.000 Maravedis als Besoldung für
Lectoren, Magister und Baccalauren an*). Es waren besonden
Benedictiner, die unter dem Namen der Congregation von Vall
bekannt sind, welche ihre Studienanstalt in Valladolid hatten.]
§. 11.
Die Universität von Toledo gründete im Jahre 1490 der Dombei
Franc. Alvarez de Toledo, nachdem er am 7. Mai 1485 eine Be
stätigungsbülle von Papst Innocenz erlangt hatte, und stellte die$e»
unter, den Schuz der heiligen Catharina von Alexandrien. Er stift^
12 Lehrstühle. Papst Leo X. bestätigte dieses Colegio akUnirensti
>) Historia de la Ciadad de Valladolid, p. Matias Sangrodor FtXmt
tom. I, Val. 1851, p. 190.
•) Vitorea, I, p. 186—196.
Universitfiten ValUdolid, Toledo, Osod», Lerida, Hnesca, Valencia. 137
im Jahre 1620, wie auch Carl V. ihre Constitationen confirmirte; doch
konnte Toledo neben Alcala nicht zu Kräften kommen').
Juan Tellez Gironj erster Graf von Urena, gründete im Jahre
1449 die Universität von Osuna; sie war blühend n. a. zu Zeiten des
Cervantes. Durch königliches Decret vom Jahre 1824 wurde sie unter-
drückt — Die Universität Lerida rühmt sich, schon vor dem Jahre
1300 gestiftet zu sein. Es bestanden dort Lehrstühle ftir das canonische uuiver-
und Civilrecht, für die Medicin , Philosophie , Künste und Wissen- ■"***'^
Schäften. Der Unterricht in der Theologie war der Cathedralkirche
und den Klostern der Dominikaner und Franciscaner zugewiesen. —
D. Pedro IV. „el Ceremonioso^^ stiftete durch Privilegium vom 12. März
1354 die Universität Huesea, für den Unterricht in der Theologie, Hue^Ä
beiden Kechten, Medicin, Philosophie und den andern Wissenschaften
und Künsten. Er bewilligte Huesca die Vorrechte der Universitäten
von Toulouse^ Montpellier und Lerida. Bischof und Kapitel jlotirten
sie durch Einverleibung einiger Beneficien. Während sie sich hob,
ging die Hochschule von Lerida zurück. — Der Bischof Raimund
Gaston von Valencia (1312 — 1348) stiftete im Jahre 1346 an seiner
Cathedrale Lehrstühle ftir Theologie, welche Dominikanern anvertraut
wurden. Den Sorgen des heiligen Vincent. Ferrer aus Valencia gelang
es, die zerstreuten Studien zu vereinigen und um das Jahr 1412 eine
Universität zu Stande zu bringen. Papst Paul II. bestätigte sie im
Jahre 1470, Ferdinand V. ertheilte ihr grosse Privilegien. — Die
Universität Barcelona entstand unter Konig Alfons V. um 1450, und
wurde von Papst Nicolaus V. bestätigt. Erst im Jahre 1507 erhielt sie
entsprechende Räumlichkeiten. Sie wurde von Beginn an auf Staats-
kosten unterhalten. Carl V. und Philipp II. wandten ihr Privilegien za^
Philipp V. aber versezte sie nach dem spanischen Erbfolgekriege im Jahre
17 16 nach Cervera (von wo sie wieder nach Barcelona zurückkehrte)').
§. 12.
Unter Anregung und Leitung des Cardinais Ximenes erschien
zu Alcala die s. g. Com plutenser Polyglotte der heiligen Schrift. Den
hebräischen und chaldäischen Text besorgten gelehrte Convertiten aus
dem Judenthum, Alfons von Alcala, Alfom von Zamora, Pavl. CoroneU
von Segovia, den griechischen und lateinischen Text besorgten Antonius
») Sisto Ramon Parro^ Toledo en la mano, tom. II, Toi 1857, p. 449—461.
^ Antolin. ManesciUo, Suplemento al Dicdonar. de Teofogia del Ab. Bergier,
Madr., 1867, ^.üniveraidades EBpafioles«, p. 902 — 905. — Floranes , Origen de los
estndios de CastiUa» especial. los de Yalladolid, Palencia, y Salamanca in : Coleccioa
de docomentos ineditos, t XX, Madrid, 1852.
138 Dreiselmtes Baoh, Drittes Kapitel
NebriasensUj Demetriiis Ducaa aas Greta, Lopez de Zmiga, Am
^'* 10. Januar 1514 war der Druck des neuen Testaments, und damit
tensar zugleich die erste gedruckte Ausgabe des neutestamentlichen Urtexta
P0I7- ToU endet'). Früher waren nur unbedeutende Versuche mit kleiM
Abschnitten gemacht worden. Am 10. Juli 1517 war auch das ahi
Testament^ und damit die erste gedruckte Ausgabe des alttestames^
liehen Urtextes durch Christen voUendet. Als dem Cardinal der ItfW
Druckbogen übergeben wurde, rief er freudig aus: Ich danke Di^
Herr und Christus, dass Du dieses schwere Werk glücklich zu YM
kommen liessest*}.
^t11° ^^* ilntonttis von Lebrija lehrte mit grossem Rahme zu S^
Lebrijft. mancä, u. a. auch über die christlichen lateinischen Dichter. Er xn*
zichtete im Jahre 1488 auf das Lehramt. Spater wnrde er Erzidu^
des Erbprinzen D. Juan, und Reichshistoriograph. Nach IsabelUl
Tode kehrte er im Jahre 1505 nach Salamanca zurück. Im Jahre ISOI
aber folgte er dem Rufe des Ximenes nach Alcala, and für dess^
Polyglotte. Er kehrte nach Salamanca, und zum zweiten Male um
Alcala zurück, 1513, wo er bis zu seinem Tode — am 2. Juli iSfll
— blieb. — Da Lebrija Uebersezangsfehler der Vnlgata offen arf*
deckte, zog er sich Vorwürfe der Theologen zu, und Didaa De» ak
Grossinquisitor Terbot die zwei ersten Quinquagenen der biblischd
Untersuchungen Lebrijds» Unwahr ist, dass Deza ihn yerfolgte. Seiw
zahlreichen Schriften theilt Nie. Antonio in sieben Klassen ein, H
grammatische, philologische, poetische, geschichtliche^ zam Rechte, zsj
Medicin und zur Theologie gehörende. Das historische Haoptwobi
Decades duae remm a Ferdinande et Elisabetha Hispaniamm regiH
gestarum — ist nur eine lateinische Uebersezung der Chronik dfll
Fern. Pulgar% aber ohne Schuld des Lebrija diesem zogeschriebeD'^
§• 13-
Dem Alfons Carrillo (f 1. Juli 1482) war der Cardinal von
„Spanien^, Petr. Gonz. de Mendoza im Jahre 1483 als Erzbiscbof ft»
') Noynm Testamentam graece et /atine in Aeademla Complateosi Bovi"'
Impreeaum, 1514.
*) Hefde, Die Stiftang der Universität Alcala, und die Compinteiiier Poly-
glotte, Tttb. Theol Quartalschrift, 1844, S. 222 - 2»3. - Der Card. Xumms, 1 Abä,
Tob. 1851,8.99-113-147.
•) Kirchengesch. 3, 1, S. 440.
r « *) -^»co«. Anionio, Bibl. Hisp. nova, t. I, Madr. 1783, p. lö-l» '
ift ^^2?*' Memoriaa de U real Academia de la Hiatoria, T. HI, Msdr, 1%
p. lö. — Heftle, Ximenes, S. 109-110, 116; 858-859; 432-438.
Ximenes als Erzbischof. RefoiiDen des Ximenes, 139
Toledo gefolgt'); diesem aber (f 11. Januar 1495) Franc. Ximenes.
In den ersten drei Jahren seiner Regierang hielt er zwei Synoden,
deren Acten nicht erhalten sind ; die erste zu Alcala, wohl im Jahre 1496.
£r befahl u. a., Tauf- und Beichtregister in den Pfarrkirchen anzulegen.
Die Pfarrer sollten über jedes schwere Vergehen sogleich berichten.
Diese Einrichtung wurde auch in andern Bisthumern eingeführt Ver-
gebens suchte er ein Fest Julian's von Toledo einzuführen; es zog
beim Volke nicht'). — Im Sommer 1498 hielt er seine zweite Synode
in Talavera. Dort zeichnete sieb besonders Gregor. Castello durch
seine Predigten und Vorträge aus. Es sollte hinfort jedes Jahr eine
Diöcesan- Synode stattfinden^).
Schon vor seiner Erhebung zum Erzbischofe wandte Ximenes
seine Thätigkeit der Reformation seines Ordens der Franciscaner zu.
Isabella aber hatte den Plan einer Reformation der Orden überhaupt.
In den meisten Klöstern der Franciscaner hatten die strengem Obser-
ranten den Conventualen weichen müssen. Unterstüzt von der Königin
führte Ximenes die strengem Obserranten wieder in die Klöster ein, und
nahm denselben ihre regelwidrigen Güter. Die bessern Mönche nahmen
die Reform an, die schlimmsten wurden verjagt. Durch ein Breve
Alexander^s VI. vom 23. Juni 1497 erlangte Ximenes die Aufhebung
der Exemtionen aller Kleriker seines Sprengeis, wären sie auch päpst-
liche Ofificialen. Eine andere Bulle gab ihm die Vollmacht zur Refor-
mation aller Orden. Dem widerstrebten seine eigenen Franciscaner,
unterstüzt von vielen Adeligen, die ihre Todtengrüfte und zahlreiche
fnndirte Jahrtage in den Kirchen der Franciscaner hatten. Durch
Breve vom 9. November 1496 verbot Alexander VI. die Fortsezung
der Klosterreformen. Ximenes wusste dieses Breve rttck^Lngig zu
machen. Ihm und den Bischöfen von Jaen und Catania wurde aufs
Neue die Reformation der Klöster übertragen. An lOOO Conventualen
sollen nach Afrika ausgewandert, und sich dem laxem Islam in die
Arme geworfen haben ^). Von den übrigen Orden unterwarfen sich
die Cnrmeliter, Dominikaner und Augustiner am willigsten der Reform.
Gemäss der Bulle vom 23. Juni 1497 wollte Ximenes im Jahre ^*»«"
1503 sein eigenes Kapitel durch zwei Delegirte visitiren lassen; jenes tirt «ein
appellirte nach Rom. Ximenes liess drei Domherrn, Sepulveda, Ortiz xmpiteL
und Barzana in den Alcazar einsperren; die andem klagten bei der
Königin, bei welcher — in Medina del Campo — eben Ximenes war-
■) Kirchengesob. 3, 1, S. 432—437.
*) Es hatte nie ein Fest desselben gegeben.
*) Hrfekf nach den Berichten bei Robles und Oomez, S. 174 — 177.
*) Raynald., annales 1499, nr. 34 (nach Petrus Delphinus).
140 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
Dieser lenkte ein , und versprach , das Kapitel in eigener Person zq
visitiren. Sofort stand er auf gutem Fusse mit seinem Kapitel.
^•*° Zum Schuze armer Mädchen fifründete er zu Alcala ein Kloster
Nona6ii- , ,
kioit«r zum heiligen Johannes, und dabei ein Haus y,zur heiligen Isabella" for
zu AI- arme Mädchen, wo sie unter guter Aufsicht so lange bleiben konnten.
bis sie die Ehe oder den Schleier wählten. Diese Anstalt erblöhti;
Ximenes dotirte sie reichlich in seinem Testament. Konig Philipp H'
vermehrte ihre Einkünfte. Selbst Mädchen von Stand, besonders Töclriet
königlicher Beamten, wurden dort erzogen.
Ximenes speiste täglich 30 Arme, besuchte die Spitaler, steoefli
arme Mädchen aus, kaufte Gefangene los'). Er gründete 12 Kirchea,
8 Kloster, 4 Hospitäler. Dass er dabei seine eigene Cathedrale, da
grossartigen Bau seines grossen Vorgängers Ximenes de Rada, nidt
vergass, lässt sich erwarten. Nicht nur stiftete er dort im Jahre 1501
die mozarabische Kapelle, sondern Hess den Kapitelsaal, in weichet
die Bilder der Erzbischöfe von Toledo gesehen werden, herstellen osl
ausschmücken; er stiftete und vermehrte die Bibliothek der Catb^
drale, und schenkte derselben die grosse Custodia (Monstranz) m
vieles Andere.
§. 14.
In den Jahren 1506 — 1510 war das Yerhältniss Ferdinand's T«
und des Papstes Julius II. ein sehr gespanntes. Am 22. Mai 150t
schrieb Ferdinand den erwähnten Brief an seinen Vicekonig in Neapdl^
dem er befiehlt, Träger päpstlicher Briefe (ohne staatliches Fbc4
ohne Weiteres aufzuhängen , und worin er mit der Losreissung 8eiitf|
Staaten von Rom droht. Vic. de la Fuente hält es fttr nnmöglicii
dass dieser „ungemessene" Brief Ferdinand „den Katholischen" zum Vtf-
fasser habe , und hält ihn fttr das Machwerk eines Protestanten roa
Ende des sechszehnten Jahrhunderts. Wir meinen, dass dieser Bris
der im Grunde wenig katholischen Stimmung und Gesinnung FerdioanA
genau entsprach* Er ist auch nicht bloss „ab irato^ oder im Zorne g^
schrieben. Denn dieselbe Anschauung von seinen unverlezlichen Kros»
rechten tritt überall bei Ferdinand hervor.
') R. S. Parro weist noch im Jahre 1857 eine ganz erstannliehe ZaU vos
Spitaem and Wohlthätigkeitsanstalten aller Art in Toledo nach. Toledo en li
mano, I, p. 855—448. Es gSbe diess ein prächtiges Kapitel za dem mwnes Wi«»
noch nicht geschriebenen grossen Buche: „Die christliche Barmheriigkeit, mwi <öe
Güter der todten Hand.« Die von Ximenes unterstüzte „Casa de caridsd' berti**
noch u. d. N. „Hospital del Refiigio-, im Jahre 1857 - s. Parro, p. 431 -44v
Hefek^p. 184-186.
Ferdinand V. und Jnlias IT. Das kOnigl. Placet (Pase). 141
Schon im Jahre 1423 verbot König Alfons V. von Aragonien, ®"
päpstliche Ballen ohne sein Placet (^Pase^) bekannt zn machen, oder
Lndwig XI. von Frankreich und Ferdinand V. von Aragonien han- »p*^"
delten hierin gleichmässig. Vergebens beschwerte sich Papst Sixtus IV. nien.
bei der Königin Isabella, dass seine Ballen nicht beachtet würden —
1483. Da manche derselben Pensionen und Commenden an Ausländer
vergaben, oder die königlichen Rechte zu verlezen schienen, so wurden
die Klagen der Päpste wenig beachtet. Besonders suchte Papst
Alexander VI. mehrere seiner Günstlinge spanischen Bisthttmern ,,als
Administratoren^ aufzudrängen. Darin^ dass die „spanischen Könige^
diese nicht zuliessen, scheinen sie uns kirchlicher gehandelt zu haben,
als die betreffenden Päpste^ welche das unkirchliche Institut der s. g.
„Administratoren^ in Aufnahme brachten. Am 26. Juni (1. August?)
1493 erliess Alexander VI. eine Bulle, worin er keineswegs den spa-
nischen Königen das Recht des „Placet^, d. i. die päpstlichen Bullen
zurückzuhalten, ertheilt, sondern ein beschränktes Recht, von den Bullen,
welche Indulgenzen verliehen, Einsicht zu nehmen, um zu prüfen, ob
sie acht oder falsch seien. Diess gewährte der Papst auf Bitten der
y^önige^^*). Die spanischen Regalisten nahmen von dieser Bulle An- ^^'^^
lass, zu lehren, dass das Recht, päpstliche Bullen zurückzuhalten nach qnator".
königlicher und päpstlicher Concession, von dieser Zeit an datire, eine
Behauptung, an deren Wahrheit sie (nach V. Fuente) selbst nicht
glauben. ^>Auf einem so kleinen Fundamente erhob sich das mächtige
Gebäude des „königlichen Exequatur^^ ^). Aber Ferdinand V. griff mit
beiden Händen nach dieser scheinbaren oder doch nicht wesentlichen
Concession. Im Jahre 1508 erliess er ein Decret, wodurch er eine
Indulgenz-BuUe zu Gunsten der Kirche von Monserrat cassirte. Diess ^^"^
wurde einige Male zu Gunsten der s. g. „Bulla de la Cruzada^^ wiederholt ^), omsada.
') Ftc. de La Fumte^ V, p. 78. — Parece imposible, qae el Ray Cat61ico
escribiera tal coaa (nämlich: Per quo no fecistais tämbien de fecbo mandando
ahorcar al oorsor, qae vos la presento?). Crtolo mäs bien una sopercberia protes-
tante, inventada i fines de aquel siglo oomo otras per el estilo.
*) No8 omnes et singolaa indolgentias concessas et oonoedendas in posternm
soapendirnnB et suspensas esse decemimtifl donec per loci ordinarinm prios, deinde
per — noBtram — Nuntiam ac Capellanum majorem Begis et Beginae consilio
assiatentem per eos ad id deputandos bene et diligenter aut (an?) sint verae Litterae
ApoBtolicae viaae et inspectae faerint Das Breve steht bei La Fuente^ V, p. 581
— apend. nr. 1. cf. Im Fuente, La retencion de Bolaa en Espafia ante la Hiatoria
7 el derecho, Madr. 1865, 2 t 4*. — pp. 180 et 300.
*) Sobre tan pequefio fundamento vino a anrgir laego la peaada mole del
.Exeqnatiir regium.'^ Fuente^ V, p. ^78.
*) Zaertt gewShrte Papst Innozenz III. den Königen von Castilien die Indul-
genz, die Gelder, welche für den Krieg gegen die Maaren in Spanien eingingen, za
verwalten, und für gewiase Zeiträume fftr sich zu verwenden. Allmälig bildeten
142 Dreisdnitea Bneli. Drittei KmiNtel.
Besonders hütete Ferdinand sein Schoosskind, die spanische In-
quisition gegen jeden sie mildernden, ihm aber unbequemen Einfloss
der Kirche. In diesem Punkte war er „katholischer als selbst der
Papst^* Am 31. August 1509 erliess er ein Decret, womach jeder, der
▼om Plaste oder seinen Legaten eine Bulle oder sonst eine Urkunde
zu Ungunsten der Inquisition erwirken wurde , mit dem Tode bestraft
werden sollte ')• Zuerst müsse der königliche Sath entscheiden, ob die
Bulle publicirt werden dürfe, ob nicht« Leider gab auch Ximenes dem
Könige den Rath, sich alle papstlichen Bullen vor ihrer Publicining
▼orlegen zu lassen').
§. 15.
Als Konig Ludwig XII. yon Frankreich jene Trennung Ton Rom
wirklich dnrchföhren wollte, welche Ferdinand am 22. Mai 1508 nur
angedroht, finden wir Ferdinand wieder an der Seite des Papstes
Julius n. Der Ejuser Maximilian I. und Konig Ludwig XIL im
Bunde mit einigen Cardinalen , besonders mit Bemard Garvajal aus
Spanien, schrieben eine Synode nach Pisa auf den 1. September 1511
aus. Hier sollte Papst Julius II. abgesezt werden, denn er habe den
Frieden unter den Christen gestört, sei durch Simonie Papst geworden
und habe sein im Conclave gegebenes Wort nicht gehalten, ein all-
gemeines Concil zu berufen. Durch Brief vom 18. Mai löll wandte
sich Julius II. um Hilfe an Ferdinand. Ferdinand machte sich eine
Ehre daraus, den heiligen Stuhl zu beschüzen, wenn er seine eigene
Rechnung dabei fand ^. £r berief den Cardinal Ximenes, alle Grranden
und Bischöfe, die eben in Sevilla weilten, zu sich. Auf ihren Rath
beschloss er, seine Streitkrilfte ftlr Italien zu verwenden. Ximenes sandte
dem Papste eine bedeutende Summe zu Bestreitung der Kriegskosten*).
diese Hilfsgelder einen Theil der königlichen Einkünfte. In dieser Kasse des bd-
iigen Kreozznges tritt uns eine ähnliche Yermengiing der geistliehen nnd weltHeboi
Macht entgegen, wie bei der Inquisition. Der (königliche) CommissSr der «Ssntt
Crozada'' beanspruchte das Recht, zn Gunsten seiner Kasse päpetlloben IndidgeBs-
briefen dskB nPase" zu verweigern. Dieser Stand dir Dinge hat bis auf die neueste
Zeit die Verbreitung des grossen (Lyoner) Vereins zur Verbreitung des Glaubens in
Spanien verhindert. ^Das katholische Spanien liest nach eigenen Heften«* ^ Cf.
Bulla de la S. Oruzada in dem Suplem. al Diceionario del ab. Bergier, Madr. 1857):
p. 100—103.
>) Uotente I, p. 368 — 969. — HeftU, 8. 363— -864. Was sagt dasn fieiT
Orti y Laraf
*) Hefde, S. 433—434.
') Hefele, 8. 410.
0 Hefele, S. 411.
Lezte Jakre Ferdinand*8 V. and sein Tod 1516. 1^3
— Im November 1511 kam ein Liegat des Papstes zam Reichstag
nach Bargos, der meldete, dass Julias IL am 4. October d. J. einen Ver-
trag mit Venedig geschlossen, dem auch Ferdinand V. beitrat, and
der die Bulle der Berufung der fttnften Synode im Lateran verkünden
sollte. Kaiser Maximilian, damals Wittwer, trug sich mit dem Plane,
nach Absezang des Papstes Julius IL, selbst Papst zu werden. Er
berief darum die deutschen Bischöfe nach Augsburg. Aber keiner
derselben fand sich in Pisa ein. Nur Matthaeus Lang, damals Bischof
▼on Gurk, begünstigte seine Plane. Maximilian, wetterwendisch, wie
er war, sandte nach Pisa keinen Legaten, wo, unter Carvajals Führung,
7 Cardinale und nur 20 Prälaten, meistens Franzosen, sich stellten.
Diese flohen schon nach 15 Tagen nach Mailand. Sie suspendirten
hier den Papst, wurden aber vom Volke ausgezischt
Mit grosser Feierlichkeit wurde am IG. November 1511 durch
den Nuntius Wilhelm Cazador die päpstliche Bulle in der Cathedrale
von Bnrgos verkündet^ vor Ferdinand, seinen Käthen, vielen Bischofen
and Grossen').
§. 16.
Aus Anlass der bestehenden Wirren mit Frankreich rüstete
Ferdinand zum Eoiege gegen Navarra. Eonig Jean d' Albret wurde
von Julius IL u. a. als Verbündeter Ludwig's XIL excommunicirt
Als die Spanier einrückten, überliess der Franzose d' Albret das Land
seinem Schicksal. Im März 1513 huldigten die Stände von Navarra
Ferdinand V. Auch aus Italien wurden die Franzosen vertrieben.
Im März 1613 erkrankte Ferdinand durch den Genuss einer gewissen
Speise, die ihm seine Gemahlin bereiten Hess, nm ihrem Manne die
verlorne Manneskraft wieder zu verschaffen. Er zählte 61 Jahre. Im
November 1514 sagte Petrus Martyr bestimmt voraus, der Konig sei
nicht zu retten, wenn er nicht der unmässigen Jagdlust^ und dem un-
jnässigen Umgange mit seiner Frau entsage*). Die Unruhe trieb ihn
von Ort zu Ort. Im Mai 1515 machte er zu Burgos sein Testament.
Troz des Abmahnens des Ximenes wollte Ferdinand nach Sevilla reisen.
Aaf dem Wege erkrankte er lebensgefahrlich. Er ernannte nach einigem
Widerstreben den Ximenes zum Reichsverweser, empfing die heiligen
Sacramente, liess sich das Kleid des heiligen Dominikus anziehen und
starb am 23. Januar 1516, im Alter von 64 Jahren, im 4L Jahre
seiner Regierung in Castüien.
*) BtmKMM, n, p. 188—191. Der NontiuB wollte Ferdinand sogar die
Hand kfissen, was dieser aber nicht zugab.
") Pdrw Mariyr, Episi 5i2. — H^tU; 8. 484-436.
144 Dreizehntes Buch Drittes Kapitel.
Sieber war er ein grosser Staatsmann und tüchtiger Regent
Aber neben der grossen Isabella scheint er ein kleiner Mann za soa.
Perdi- £)j^ Glück verliess ihn selten oder nie. Aber er verfolgte doch im
die Cor- Ganzen eine egoistische Politik. Kirchlich war ei' , wenn er dabd
^"* sein Interesse fand. Er ist der Yormann jener Regenten, welche doickj
Concentrirang aller Gewalt in einer Hand zwar for die nächste Zd|
die Staaten stärkten, for die spätere Zeit aber den Keim des Yer«
der Staaten legten. Sie wollten ihren Nachfolgern eine starke und m^
heitliche Gewalt hinterlassen, vermochten ihnen aber nicht ihren eig»4
Geist und ihre Geisteskraft zu hinterlassen. — Die Cories waren il
Ferdinand gerade gnt genug, ihm Geld za verwilligen. WoUten ol
an ihren eigenen und verbrieften Rechten festhalten, so waren sie oidl
seiner Meinung Attentäter gegen die allein berechtigte koniglictl
Gewalt. Wie sein Enkel Carl V., machte er dann karzen Process ni
ihnen. Als im Jahre 1515 die za Calatayad versammelten StinH
Aragon^s die begehrte Kriegssteaer ablehnten, Hess er ihren KanzI^
Anton. Augastin verhaft;en. Da sie noch nicht nachgaben, jagte er dj
auseinander , and „kehrte höchst missstimmt im October (lölö) dhI
Castilien zurück^'). Unser Urtheil wird vielleicht Manchem zu m
erscheinen. Vielleicht hätten auch wir in die Lobgesänge anderer m
gestimmt; aber wir schreiben zu einer Zeit, wo die von Ferdinfl^
inaugurirte Regierungsweise eine Probe von bald vier Jahrhnndem
bestanden, und sie hat diese Probe sehr schlecht bestanden. Das ^
Ferdinand eingeleitete absolute Königthum ist in Spanien seit bald M
Jahrhunderten von einer Ohnmacht in die andere gefallen. Isabell
der Ersten ist Isabella die Zweite nachgefolgt.
\
4
Als Ximenes die Zügel der Reichsregierung ergriff, zählte m
80 Jahre, (er war geboren im Jahre 1436), war aber im vollen Bd»
seiner geistigen und selbst seiner körperlichen Krafte. Die ihm •*
gebome Energie schien sich gesteigert zu haben. Aber aach er ^
einer der Staatsmänner, welche das Feudalsystem des Mittelalters tf
brechen, und alle Staatsgewalt in der Hand des Monarchen za ^^
einigen suchten. Er gehört zu den Staatsmännern , welche , in ^^
loblichen Eifer, einem Uebel abzuhelfen, ein anderes herbeiführten
Er selbst ist gar sehr entschuldigt durch die zahhreichen Ve^scbwö^
nngen und Aufstände, welche verschiedene Granden gegen ihn an-
') Hefele, 8. 436.
Ximenes als fieiehfircgent und desden Tod. H5
zettelten, und die ihm obliegende Pflicht, das JKeich ungefährdet
dem Könige Carl V. za hinterlassen.
Dem Papst Julius II. (f 21. Februar 1513) war im März 1513
Leo X. nachgefolgt. Er sezte die fünfte Synode im Lateran fort.
Da Ximenes in Rom nicht erscheinen konnte, so erbat sich der Papst zimenas
seinen schriftlichen Kath in den wichtigsten Dingen. Ximenes suchte situt p.
die Beschlüsse des Concils noch vor dessen Schluss in seinem Sprengel ^^ ^'
auszufuhren. Er liess sogleich die Reformdecrete der achten und
neunten Siznng vollziehen. Dagegen war Ximenes ganz gegen den
Ablass, welchen Papst Leo X. auPs Neue (1514 — 1516) für den
Weiterbau der Peterskirche ausgeschrieben, obgleich Ferdinand V. dazu
seine Einwilligung gab. Er meinte, solche Ablässe dienen gar sehr
zur Entnervung der Kirchonzucht. Die Protestanten konnten sonach
den „Grossinquisitor^ Ximenes in die stattliche Reihe „der Refor-
matoren vor der Reformation^ aufnehmen.
Am meisten beunruhigten den Ximenes die Beamte, welche Konig
Carl V. aus Belgien sandte. Sie waren seine naturlichen Gegner.
Ihre Habsucht erschwerte die Bemiihungen des Ximenes für Konig K^^k-
Carl gar sehr. Sie arbeiteten auch beständig an seinem Sturze. Im Tod de«
Sommer des Jahres 1517 sandte Ximenes eine stattliche Flotte nach ^^'^^'
nos«
Belgien, unter deren Schuz Carl ungefährdet nach Spanien kommen
konnte. Im August reiste Ximenes nach Aranda del Duero, um dem
ankommenden König näher zu sein. Er erkrankte im Kloster Aguilera.
Carl V. landete Mitte September in Asturien. Bei ihm waren u. a.
seine Schwester Eleonora und seine zwei einflnssreichsten Räthe, der
Kanzler Sauvage (Selvagio), und Wilhelm Chi&vres, Herzog von Croy,
CarFs Erzieher und Vertrauter. Dieser war entschiedener Gegner des
Ximenes; ebenso der Kammerherr La Chaux. Die Belgier hintertrieben
eine Zusammenkunft des Königs mit Ximenes.
In seinem Testamente sezte Ximenes zu seinem Haupterben die
Universität Alcala ein. Am 17. October begab er sich in das Kloster
ßoa. Hieher sandte ihm Carl seine Entlassung als Reichsverweser,
und zugleich seine Entfernung von den Geschäften des Reichs, wegen
schwerer Erkrankung aber verschonte man den Cardinal mit dieser
Nachricht.
Als er seinen Tod nahen fühlte, umschlang er mit seinen Händen das
Zeichen des heiligen Kreuzes, bat unter Thränen Gott um Verzeihung
aller seiner Sünden, rief die Fürbitte aller Heiligen Gottes an, und empfing
die heiligen Sacrameute der Sterbenden. Unter den Worten: „In te, Do-
mino, speravi** — verschied er am 8. November 1517, 82 Jahre alt')
•) Hefele, S. 630—631.
Ouu, ipaa. Kirch«. HL >• IQ
146 Drelzehnies Bneh. Drittes Kiq^itel.
Er war einer der grössten Mäniier, welche Gott dem christlich
Spanien geschenkt, von einer staunenswerthen Vielseitigkeit d
geistigen Gaben. Seine Herbe oder Harte findet ihre ErUärnng in d
Energie seines Wesens*). — In den Jahren 1650 and 1655 leg
Philipp IV. die Bitte um die Einleitung des Proceases seiner Hdl^
sprechung dem romischen Stahle vor. {
§. 18.
sohrif- Aus diesem Anlasse erschien die Schrift seines Ordensbi
tan Qb«r
ihn. Pedro de QuintanUla y Mendoza: Archetypo de virtudes, Espejo
Prelados, el venerable padre y siervo de Dios Fr. Francisco Xi
de Cisneros. Palerm. 1653, 2®. — Die Angelegenheit blieb in
ruhen. In manchen Gegenden Spanien's wird er aber wirklieb
Heiliger verehrt, an seinem Gedächtnisstage wurde nicht mehr für
gebetet^). In sieben spanischen Martyrologien kommt sein Name
Wetteifernd mit den Spaniern haben französische, italient
deutsche und englische Schriftsteller das Leben des grossen C
beschrieben. Zuerst erschien das Werk des Spaniers Alvarui
Diesem folgte Eugen, de Roblea mit seinem Abrisse des Lebeoi
Cardinais Ximenes. Nach diesem erschien das Werk QaintaiiiiUi%
ein ihm ähnliches zu Rom 1654^). In Deutschland erschien anoo;!
Historie von dem Staatsministerium des Cardinal Ximenes, Hi^
1719, 8^ — Don Franc. Ximenes, Leipz. 1796. — Von Hmmä
erschien Don Fr. Ximenes, Götting. 1848 (eine Skizze). Das Wq
Befele^s über den Cardinal ist eine erschöpfende Staats- and KircM
geschichte Spanien's in der Blüthezeit spanischer Macht und Gi
in den Jahren 148Ü — 16 17^). — Der Engländer Barrtt hat im
1813 ein Leben des Cardinal Ximenes herausgegeben^.
*) Seine Grabflcbrift in der Kirche S. lldefonso in Alcala Uatot:
rnnsis Franciscus grande lycenm, Condor in exiqno nnnc ego Btreoi^ui^.
textam junxi sacco, galeamque galero, Frater, dox, praesul, Cardinensqne
Quin virtnte mea janetnm est diadema cacallo, com mihi regnaoti panut B
') Quintaniüaf in apendioe; anch bei FUchier^ vle de Ximenefl, p
656. HefeU, S. 534.
'} Qomecii de Castro, ToUtani (Alvari)^ de vita et rebus gestu < ^
menio archiöpiscopo toletano, libri VIII, Complati, 1569. 2*. — FriDCofiirti, !>'
Es steht auch bei Schott, Hispania iilustr., Francof., 1603, t I, p. 927- ü'^
*) Eugenio de Roblea, Compendio de la vida y hazafias del Cirdefiil
Fray Francisco Ximenez de Cisneros, y del ofioio y Miaa Mntarabe, lV)ledo^ 1^
') Panegiricoe del canL de CiBneros. Rom, 1654, 4*.
') «Obra importante" nennen es die Heraasgeber der Briefe des Xi"
Orti y Lara aber, „obra renomada**.
^ Hieher gehören die betreffenden Abschnitte in dem Lebes CuT« ^
RoberUon, and Prescotfa in dem Leben Ferdinand's and Isabella'i,
Schrifiten fiber Ximenes. Briefe desselben. 147
Nicht gering ist die Zahl franzosischer Schriften über den grossen
Cardinal. Im Jahre 1G31 erschien das Werk eines Ungenannten;
Bodann im Jahre 1635 eine Schrift von Baudier, Marsollier liess im
Jahre 1694 eine ^Geschichte des Ministeriums des Cardinais Ximenes^
erscheinen, und fand im Jahre 1708 einen literarischen Gegner. Von
Richard erschien im Jahre 1704 eine ^Parallele des Cardinals Ximenes
und des Cardinal Richelieu." — Bedeutender war das Werk des
Bischofs Esprit FUchier über den Cardinal, 1693<). Im Jahre 185G
erschienen nicht weniger als drei Uebersezungen des Werkes von
Hefde fiber Ximenes^). Die Spanier selbst scheinen an den frühern
Schriften über Ximenes sich haben genügen zu lassen*). — Wir kennen
nur eine historische Lobrede von dem Academiker F. O. Arvao^) auf
Ximenes. Dagegen ist Ximenes selbst erst vor wenigen Jahren^ durch
Panqual Gaynngos und Vic. de La Fvente^ welche seine Briefe
herausgaben^ unter die spanischen Schriftsteller eingeführt worden.
£& sind 129 Briefe , die meisten gerichtet an Diego Lopez de Ayala^ menes.
Domherrn von Toledo. Die Briefe reichen vom 1. September 1508
bis 27. October 1517. Sie sind alle kurz; mehr für die Persönlichkeit
des Ximenes, als für die Geschichte der Zeit von Wichtigkeit. 20 — 23
Briefe
*) Histoir. dacard. Ximenös. Paris 1631. — Baudier, Htst de 1' administration
du Card. Ximea^, Pnru^ 1631. 4*. — MarsoUier^ Hist. du miDist^re du caid. de
Simenös, Toulouse 1691, und: Marsollier döcouvert et confondu dans ses contra-
dietioDs äcrivant rhistoire du card. Ximenös. Par. 1708. — Richard y Parallöle du
Card. Ximente et du card. de Richelieu. Trevoux, 1701. Rotterdam, 1705. — Auch
HefeU hat eine historiBche Parallele dieser zwei Cardinäle (S. 535 — 552), sowie
Isabelia's mit Elisabeth von England (S. 83 — 94) gezogen.
*) An dem man jedoch auasezt, dass er Ober dem Gelehrten den Minister
and Staatsmann nicht gebührend gewürdigt habe: Histoire du Cardinal Ximenes,
1693, 4« und wieder 2 t. 12«. — Das Werk von Mich. Baudier (f um 1645) er-
schien wieder im Jahre 1852 und 1855 u. d. Titel: Histoire de la vie et de Tad-
ministration da cardinal Ximenes. Aiiotde et pr^cödöo d* nne introduction et d* une
Notice aar Michel Baudier et ses diverses ouvrages, par. Edm. Baudier, Paris,
1&^2, 1855.
") Die erste Uebersezung ist von Charles SaitUe-Foix et P. A. de Bermond,
aveo des notes des traductenr*s, 1856. — Die zweite ist: traduit snr la 2 ödition
par M, Vabhi, A, Bissen et M, VahhS A, Orampon, Lyon, 1856. — Die dritte
iBt von M. V cJM Toumai 1856.
%) Nie Antonio sagt zum Lobe des Werkes von Alv, Oomez: quo opere in
eo genere an praestantins aut perfectins esse possit, non immerito saepe dubitavi.
NicoL Antonio^ Nova Bibliot. I, p, 59.
^) t im Jahre 1845; in tom. IV de las Hemorias de la Real Academia de
Historia, Madr. 1636.
*) Cartas del Cardenal Don Fray Francisco Jimenez de Cisneros, dirigidas &
Don Diego Lopez de Ayahi (s. General vicar in Toledo), publicadas por Don Pas-
cual Oayangos y Don Vic, de La Fuente^ Madr. 1867, p. 271.
10*
1
148 DreisehoteB Buch. Drittes Kapitel. Briefe des Ximeiei.
handdn von dem Feldzoge gegen Oran. Aus dem lezten Lebeafr
jähre des Cardinais, 1517, stammen 38 Briefe, der lezte ist eUf Tagi
vor seinem Tode geschrieben. Ein Brief vom 8. October 1517 m
Aguilera ist an das Colegio von San Udefonso in Alcala gerichul
Obgleich er Stifter desselben und Verfasser seiner Constitutionen m^
so richtet er doch die Bitte an es, die Amtsgewalt des g^nwi
Rectors um ein Jahr zu verlängern*). Als sechster Anhang ist
schon bekannte Brief an den „sehr hohen und sehr mächtigen
lischen Eonig (Carl I.) und Herm^, ohne Datum beigefugt, worin i
das Verfahren der Inquisition, die Mamen der Zeugen oder Ask&f
geheim zu halten, sehr energisch vertheidigt*).
*) Oarta, 120, p. 229.
*) CariOM, p. 261- 26 J. Hefele hat eine Uebefsesung dieser Danki^nft 4
Carnicero (U, p. 289—293) gegeben (S. 365—366).
I
I
i
\
(
Viertes Kapitel.
e Urehe In Spanien unter der Regiemng Carl's V. (I).
mi—tm.
§. 1.
Nach dem Tode Ferdinand^s L am 23. Januar 1516 bestätigte
rl in einem sehr wohlwollenden und staatsklugen Schreiben vom
Februar 1516 den Cardinal Ximenes als Ueichsverweser *). — Carl
r schon von Papst Leo X. und Kaiser Maximilian I. als ^onig^
^st worden, während ihm zu Lebzeiten seiner Mutter nur der
me eines Prinzregenten zukam. Da er sich dennoch Konig von
iDien nannte, so vermittelte Ximenes awischen ihm und den Spaniern,
l er übte einen starken Druck auf die Spanier aus, und liess zu
idrid, das er zu seiner Residenz gewählt, Carl am 3L Mai 1516
t grosser Feierlichkeit als Konig ausrufen, das Volk jubelte, die
schöfe widerstrebten nicht, der Adel gab nach. Die Aragonier da-
"gen weigerten sich, CarFn den Königstitel zu geben^ bis ihre Cortes
Uchieden hätten. Erst nach seiner Ankunft erkannten sie ihn auf
m Reichstage zu Saragossa an*).
Papst Leo X. kam dem neuen Konige in jeder Weise entgegen.
I seiner Bulle vom 1. April 1517 sagt er: Schon vor langem hat
ipet Alexander VI., mit Rücksicht auf die herrlichen Tugenden und
erdienste Ferdinand's und Isabella's, auf die ungeheuren Anstreng-
Dgen bei der Eroberung des Reichs von Granada, — auf die Aus-
*) Sandaval, la Vida y hechos del emperador Carlos V. Pamploaa 1618,
foL - üb. 11. Hefele, S. 445—446.
*) Peirus MaHyr, Epp. 668, 672, 690, 603, 617—618, 624, 655. — Arvao,
^caifiUs, t IV, p. 21. - HefcU, S. 4*9.
150 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
treibang der Jaden, von welchen dem christlichen Glauben so viele
Gefahren drohten, auf die Reform der geistlichen Orden beider Ge-
schlechter, ihnen zum Lohne far ihre Verdienste den Ehrentitel der
katholischen Konige verliehen. „Er bewilligte und wollte, dass sie von
nun an Ferdinand der Katholische, und Isabella die Katholische ge-
nannt wurden/' — Indem Wir hoffen, dass Unser geliebtester Soho in
Christus, Carl, K5nig von Spanien, welcher im 18. Jahre seines Le-
bens steht, mit Hilfe der Gnade Gottes in die Fusstapfen seiner Gross*
eitern eintreten, ja sie noch übertreffen werde, ertheilen Wir ans eignem
Antriebe, sicherm Wissen, und in der Fülle der Gewalt dem Könige
Carl und seiner rechtmassigen Gemahlin den Namen und Titel der
katholischen Konige — in dem Namen Gottes').
§. 2.
Nach dem Tode des Ximenes wollte der Erzbischof Alfons von
Saragossa den Primatialstuhl von Toledo besteigen. Schon im Jahre
1509 hatte Ferdinand V. dem Ximenes zugemuthet, dass er zu Gunsten
seines Sohnes abtrete. Ximenes entgegnete: „Niemals werde ich meine
Braut wechseln, und lieber in mein Kloster zurückkehren. Meinen
Besiz aber werde ich Niemand in der Welt, als der Kirche selbst ond
den Armen übergeben.^^
Auch nach dem Tode des Ximenes konnte Alfons nicht durch-
dringen* Der Kanzler Chievres wünschte von dem Primatialsize selbst
Besiz zu ergreifen. Auf sein Betreiben schlug Carl V. den Belgier Wil-
Dercar- heim vou Croy , den Neffen des Kanzlers, als Primas vor. Dieser
^11. war zugleich Bischof von Coria, und wurde gleichzeitig Cardinal. Das
beim ▼. Kapitel von Toledo, dem am 13. April 1518 die Bestatigungsbullen
^^^' vorgelegt wurden, stellte dem König vor, wie unpassend es sei, einem
Ausländer eine so wichtige Stelle zu übergeben. Es half nichts. Die
Belgier behandelten Spanien wie eine eroberte Provinz. Papst Leo X.
fertigte am 23. Juli 1518 neue Bullen zu Gunsten Wilhelm's von Groy aus.
Das Capitel musste nachgeben. Der junge Belgier kam nie nach Spanien.
Am 11. Januar 1Ö21 starb er in Lüttich an einem Sturz vom Pferde.
— Auch der Erzbischof Alfons starb schon am 24. Februar 1520, erst
48 Jahre alt. Dennoch war er 42 Jahre Erzbischof gewesen, da sein
Vater Ferdinand V. ihn als sechsjähriges Kind in das Erzbisthnm ein-
geschoben hatte.
Am 18. November 1518 hielt Carl V. seinen Einzug in Valladolid,
') Bullar. Roman, ed. Taurin., t. V, 1860, p. 691—692. — Vicdela Fuente,
V, p. 589.
Die
Stände.
Corte« ZQ Valladolid, 1518. Carl V. im Jahre 1519 - 1520. 161
wohin Ximenes die Gortes berufen hatte. Mit ihm zog u. a. der
Decan Hadrian von Utrecht ein, dem wenige Tage nachher der König
den Gardinaishut übergab. Im Februar 1518 traten die Gortes zu-
sammen. Sie machten ans ihrer Abneigung gegen die Belgier kein
Hehl. Der Deputirte von Burgos protestirte im Namen Aller gegen idVaiia-
die Beleidigung, die den Gortes durch den Eintritt von Ausl^dern ^^^"^^^
angetban worden, die einen Posten (des Vorsizes) inne hatten, der nur i5i8
Castilianem gebühre. Die Gortes erklärten am 5. Februar, dass sie
den Eid der Treue nur dann schworen würden, wenn „Seine Hoheit^
gleichfalls schwören würde, die Privilegien, Gewohnheiten, Freiheiten
und guten Gebräuche der Gemeinden^), besonders die Geseze zu
halten und zu schüzen, welche Ausländern Aemter und Beneficien zu
übertragen verböten. Die Mehrzahl der Gortes weigerten den Schwur,
bevor der König geschworen hätte. — In derselben Form, wie die
Deputirten, schwur Garl Y. den allgemeinen Eid, die Geseze des
Königreichs zu halten, zu schüzen und zu respectiren. Zumiel, Sprecher
der Gortes, bat, dass der KOnig speciell schwören solle, Fremden keine
Aemter zu übertragen. Garl war wegen der vielen Belgier in Ver-
legenheit, aber Zumiel drängte so lange, bis er sagte: „Ich schwöre es^
(esio juro). — Diese Formel war dem D. Zumiel zu vieldeutig; er
Hess nicht nach, bis er ein klares Versprechen des Königs erlangt;
und jezt schwuren Zumiel und die übrigen Deputirten, die sich bis
jezt zurückgehalten, freudig den Eid*).
Die grossen Kosten der Reise des Königs nach Spanien, und die
enormen Ansprüche seiner Belgier, hatten schon den reichen Schaz er-
schöpft, den der Gardinal Ximenes gesammelt hatte. Garl wandte
sich an den Edelmuth der Gortes, welche ihm ein „Service^ (Geschenk)
von 200 Guentos Maravedis machten, zahlbar im Laufe von drei Jahren.
Die Gortes benüzten den Anlass und reichten Garl am 16. Februar
eine Supplik ein, welche 88 Vorstellungen oder Bittgesuche enthielt.
Garl gab eine befiriedigende Antwort, und die Gortes lösten sich auf.
Im April ging Garl nach Aragonien, um auch dort sich huldigen
zu lassen. In Barcelona erhielt er die Nachricht von seiner am 28. Juni
IÖ19 geschehenen Wahl zum römischen Kaiser. Die Spanier waren
damit unzufrieden; sie sahen voraus, dass von nun an ihr Gut und
Blut in fremden Kriegen würde verzehrt werden, und dass seine Ent-
fernung aus Spanien das Land in grosse Unruhen stürzen würde. Ver-
gebens baten sie ihn, das Land nicht zu verlassen. Als er am 5. März
1520 Valladolid wieder verliess, strömten 5000 Mann in Waffen zu-
*) De los paeblos.
*) Prestaron gustosos el joramento.
152 Dreizehntes Bucb. Viertes KupiteL
sammen , um ihn mit Gewalt festzahalten. Die Menge wurde dordi
die grosse Garde der Belgier zerstrent. Die Schuldigen worden schvfr
gestraft, n. a. drei Kleriker, weil sie das Laoten der Glocken ntcki
verhindert. Carl hatte die Cortes auf den April 1520 nach Saotiagi
berufen. Es handelte sich um nicht«, als um weitere Hilfegeldeit
Nur einige Deputirte gaben entgegen den ihnen gewordenen Aaftr
nach, und bewilligten ein Geschenk (servicio) von 200 Coentos II
vedis, in zwei Jahren zahlbar. Am 20. Mai 1520 fahr Carl aas
Hafen von Coruna nach Belgien ab.
§. 3.
Nicht bloss der Staat, auch die Kirche Spanien's hatte die 8ch«a|
Hand des jungen Königs zu fahlen. Die ^katholischen Könige^ batt4
Ausländer, die, mit päpstlichen Bullen versehen, sich „als Administi^i
toren^ in spanische Bisthümer eindrängen wollten, nicht zogelass^
Jezt war mit päpstlicher Genehmigung der 20jährige Wiihdm n|
Croy „Administrator^ von Toledo und Coria geworden, der CBrdid
Matthaeus Lang, seit 1519 Erzbischof von Salzburg, wurde »Admii^
strator^' von Murcia. Statt dem Papste dankbar zu sein, sezten atli
diese Hofbischof e sogleich in Opposition gegen Rom, indem sie dd|
Cardinale Hadrian, dem vierten General- Inquisitor in Spanien, hif4
nachgaben. Am l^.December 1518 richtete Papst Ijeo X. anHadri^
ein Breve; er sagt, dass in Spanien manche verworfene Menseben W
kennen, dass sie mit Wissen und Willen um Geld, aus Hsss odtf
Furcht gegen Angeklagte vor der Inquisition, falsches Zengniss fk^
gelegt. So seien Unschuldige verurtheilt worden, die falschen Zeog«t
aber straflos ausgegangen. Diese müssten strenger gestraft werden
als andere falsche Zeugen, da es sich um den Glauben handle. Hadriii
möge sie zur Strafe ziehen, besonders wenn durch ihre Schuld Jevom
hingerichtet, oder verstümmelt, oder seiner Güter beraubt, oder ckrloi
geworden. „Damit beschweren Wir dein, und das Gewisseo dmf.
welche du mit diesen Geschäften betraut hast^, damit die Scholdigea
bestraft, „und auch dem weltlichen Arme übergeben werden*. ^^
ertheilt er Hadrian die „volle und unbeschrankte Freiheit". Der Pap*
sieht also die Inquisition (tir ein kirchliches Gericht an , was sie m
und nach dem Tode des Ximenes noch weniger war. Die nene K^-
gierung wollte dieses mächtige Regiernngs- Instrument noch fe^^^'^ |^
ihren Händen halten und jeden Einfluss des Papstes auf es thschm-
den. Mochte auch Leo X. den Inquisitoren in Toledo mit dem Bm^
drohen; es half nichts.
Die General vicai^ von Toledo und Murcia verboten nofl d^^
Papst Leo X. im Gonflikt mit seinem Nachfolger; Leo X. u. Carl V. 1 53
Verkündigung päpstlicher Bullen, die nicht vorher das „Vidimus" oder
Placet der Bischöfe oder ihrer Stellvertreter erhalten hätten. Dagegen
erliess Papst Leo X. die apostolische Constitution, welche das Datum
des 1. März 1519 trägt. Der Papst müsse sorgen, dass von allen
Katholiken, besonders den Bischöfen, dem apostolischen Stuhle die ge-
bührende Ehrfurcht erwiesen werde. Das Gegentheil gereiche unzäh-
ligen Seelen zum Aergemisse. Dagegen habe sich schon Papst
Bonifaz IX. erhoben. Neulich seien ihm einige Bittschriften vorgelegt
worden, womach in den Sprcngeln von Toledo und Cartagena, unter
dem Verwände, Fälschungen zu begegnen, Synodal -Constitutionen er-
lassen worden, welche verbieten, dass Referendaere und Notare^)
apostolische Briefe keineswegs annehmen dürften, wenn sie nicht vorher
durch den jezigen Erzbischof von Toledo und den Bischof von Carta-
gena (Crojr und M. Lang) oder deren Officiale geprüft worden, von
Uns aber die Bestätigung dieser Constitutionen erbeten wird. Solches
Ansinnen an den Papst sei unschicklich, widersinnig, verwegen. Die
dem Papste vorgelegten Bittschriften, wornach er die ihm Untergeord-
neten als seine Vorgesezten anerkennen solle, habe er zurückgewiesen»
und die Schriftstücke vor seinen Augen zerreisseu lassen. Die Syno-
dalbriefe von Toledo und Cartagena hebt er auf und vernichtet sie.
Die Richter , Notare u. a. sollen , ohne Erlaubniss einer kirchlichen
oder weltlichen Person, die päpstlichen Schreiben annehmen und voll-
ziehen. Unter Strafe der Exconmiunication und des Bannes, dem sie
durch die That selbst verfallen, und wovon sie nur der Papst lösen
kann, verbietet er allen kirchlichen und weltlichen Würdeträgern,
Richter oder Vollzieher päpstlicher Briefe an deren Verkündigung und
Ausführung zu hindern, seien sie auch Patriarchen, Erzbischöfe oder
Primaten, seien sie Kaiser, Könige, Königinen oder Herzoge '*). Unter
den gleichen Strafen befielt er denen, in deren (Kirchen-)Büchern solche
Constitutionen von Sprengel- oder Provincialsynoden eingetragen sind,
sie so auszulöschen und zu vernichten, dass sie nicht mehr gelesen
werden können^. Ob diese Bulle dem Kaiser Carl V., und den beiden
Cardinälen, die sie zunächst anging, direct zugesandt worden, wissen
wir nicht. Eine Besserung trat nicht ein. Carl sandte vom Zorne
dictirte Briefe an seinen Gesandten in Rom, worin er mit Feuer und
Schwert den päpstlichen Boten und Mandataren droht, wie ihnen Fer-
dinand mit dem Stricke gedroht hatte*).
Diess war der Dank, den Leo X. jezt für seine grossartigen
') Tabelliones et Dotarii.
') £tiam imperial!, regali, regioali aut ducali vel alia praefulgeant dignitate.
') Ita deieri et cassari faciant, nt amplius legi non possint.
*) Bullar. Roman. Taurln. V, p. 713 — 714 — 717.
1 54 DreizehoteB Bach. Viertes Kapitel.
Goncessionen an Carl V. erntete. Er hatte im Jahre 1518 Carl dnca
Zehent anf alle Einkünfte des Klerus bewilligt* Die Kirchen in Gaa*
tilien, besonders die reichsten, verweigerten die Bezahlung. In Co^
duba legten der päpstliche Legat , Cardinal Fr. Aegidins y der die
Zehnten einzutreiben hatte , im Bunde mit dem Cardinal Ebdrim aal
dem Bischof von Badajoz, das Interdikt auf die Stadt und auf aodeiL
Orte, wo der Klerus widerstrebte. Gegen das Interdikt appellirte im
Kapitel von Cordova vergebens an den Papst Es lastete auf der SMJ
vom Feste der Himmelfahrt bis zum Monate August 1518; selbst d4
Fronleichnamsfest wurde nicht gehalten. — Der Klerus der Beidl
Castilien und Aragon hielt zu Calatayud eine Versammlung, um im
wegen des Zehnten zu vereinbaren; sie wollten statt desselben
Könige ein bedeutendes „Subsidium^^ in aragonischer Münze geben^
§.4. ;
CarPs Verweser in Spanien war Cardinal Hadrian, der am 5. Jtrf
1520 in Valladolid seinen Siz nahm. In diesen Tagen brach weg«
Auf- der Erpressungen der Fremden der Aufstand der Städte (CommooeM
dir Co- Comuneros) aus. Er begann in Segovia, wo das Volk seinen Pip
>°^°0' curator Antonio de Tordesillas erhängte, weil er gegen sein Maodi|
dem Könige zu Compostella die verlangten Subsidien bewilligte. Voi
Segovia und Medina del Campo verbreitete sich der Aufstand oi4
Toledo, welche Stadt ihm in der Person des Juan de Padüla dt
Haupt gab, nach Madrid, Avila, Burgos, Valladolid, Soria, Sigaeni^
Leon, Palencia^ Sevilla, Murcia, Valencia, Zaragoza, Ciodad-Bodrigo»
Zamora, Salamanca. Auch der turbulente Bischof Ant. de Acona toi
Zamora schlug sich zu den Aufstandischen*). Dieselben bracfata
kaum 20.000 Mann schlechtgeübter und schlechtbewaflheter Tmppei
zusammen. Sie wurden am 23. April 1621 bei Villalar auf dasHwiit
geschlagen. Von jezt an hörte jede aufrtlhrerische Bewegung in S]»*
nien auf. Carl V. verfügte unbedingt ttber Gut und Blut dieses Volb^
Der Adel drängte sich an seinen Hof; der Klerus diente ihm. Wa»
je einmal Widerspruch erfolgte, wie im Jahre 1538 , wo Adel ucd
Klerus nicht geben wollte , was der König verlangte, so jagte er »"
mit Schimpf und Schande auseinander'). Im Jahre 1522 kehrte Csri V.
ros.
') Un sQbsidio de ans gnin cantitad de florines de Aragon. Vie^debi
JPWi»'«, V, p. 109—110.
|) Er wurde fan Jahre 1522 abgeaezt, am 23. MIrs 1526 hingetMloC.
•) üeber den Aufataud der Comoneroa — a. n. a.: Sangradar Fito«»»
HUtoria de Valadolid, Val. 1851, 1 1. p. 337—378. — Adolf Eberi, QyeUanibifcfti^
Papat Hadrian VI. und Kaiser Carl V. 155
nach Spanien zaräck, und vollzog ein strenges Gericht an den
„(Jomaneros^.
§. 5.
Am 1. December 1521 starb Papst Leo X. ^ Am 9. Januar 1522 ^f^^]]^
wurde Hadrian von Utrecht (Hadriau VI.) zum Papste gewählt, ohne vi.
ersichtliches Einwirken Carl's V. Am 9. Februar erhielt er die Nach-
richt von seiner Wahl, und schrieb dem Kaiser n. a., dass er bereit
sei, sich für ihn „martern^ zu lassen. Sicher war er vorzugsweise
Papst für Kaiser Carl *). — Am 6. August schifile sich Hadrian in
Taragona ein ; am 30. August wurde er in Rom gekrönt. Eine grosse
Menge von Gesuchen aller Art richtete Carl an seinen Erzieher; die
wichtigsten gewährte ihm dieser. Durch Bulle vom 4. Mai 1523 ver-
leibte er die Grossmeisterwürden der Ki-iegsorden vom heiligen Jacobus
vom Schwerte, von Calatrava und Alcantara für alle Zeiten der Elrone von
Spanien ein'). Was viel wichtiger ist, er crtheilte ihm das Patronat aller
Bisthumer und kirchlichen Würden in Spanien. Die Konige Spanien's
ernannten von nun an alle Bischöfe und kirchlichen Würdeträger über-
haupt in Spanien'). Freilich hatte Leo X. in seinem Concordate vom
Jahre 1517 den Königen von Frankreich dieselbe Concession gemacht.
In allen Landern, wo die Regenten Katholiken sind, verloren die Dom-
kapitel von jezt an das Wahlrecht der Bischöfe.
Nach vielem und langem Drängen von Seiten CarPs V., der diesen
Papst ganz für sich ausnüzen wollte, schloss Hadrian am 3. August
1523 mit Carl, Heinrich VIU. von England, Ferdinand von Oester-
reich und fünf italienischen Staaten eine Defensiv- Alianz gegen Franz L
von Frankreich. Damit war Carl nicht zufrieden. Er bedrängte nun
den armen Papst zum Abschluss einer Offensiv- Allianz. Der Vater
der Christenheit, der Stellvertreter Christi bei allen Völkern der Erde
sollte wie ein weltlicher Fürst die Waffen gegen die politischen Gegner
Carl's tragen. Napoleon I. muthete dem Papst Pius VU. eine solche
Allianz gegen England zu. Dieser weigerte sich beharrlich, verlor
aus der Geschiclite Spanien's, Kassel 1849; (Histor.-polU. Blätter, Bd. 28, S. 333
— 354). Heinr. Bauer, „Hadrian VI.** Heidelb. Ib76, S. 27-40. Historia de las
comanidades de Castilla, Madrid ISiU i\
') Dieser schrieb naoii der Wahl an seinen Gesandten in London: Er könne
ttber Hadrian verfügen, wie ftber einen in seinem Hanse erzogenen Mann. Histor.-
polit. Blätter, Bd. 46, S. 622.
'; Bfdlar. Roman. Taurin, V, p. 13-24.
*) Mariana, l 26, cp. 5. IjaFuenie, V, p. 139. — Dieser nennt es: «grande
Y predosa
ir>6 Dreiz«.*hntc8 Buch. Viertes Kapitel.
den Kirchenstaat, und wnrde in die Gefangenschaft abgeführt Got
«her befreite Hadrian VI. ans der grossen Noth, in welche ihn seh
Zögling Carl gebracht, indem er ihn unerwartet schnell ans dieses
Leben rief (f 14. September 1523)').
Höfler schliesst seine jüngst erschienene Schrift nber Hadrian Yl
mit den Worten: |,Es ist so oft behauptet worden, dass Spanien unta
Ferdinand und Isabella vereinigt worden und die drei Grossmcists^
thumer unter Ersterem der Krone zugewendet worden wiiren. Dil
Vereinigung der spanischen Königreiche erfolgte erst nnt^ Elisa
Carl und die Incorporation der drei Grossmeisterthämer donl
Papst Hadrian VI. zu Gunsten seines Zöglings. Jezt erst erlangte dij
spanische Konigthnm seine Einheit und Abgeschlossenheit, and v«
bisher den catolicos rcyes ("Ferdinand und Isabellen) zugeschrieba
wurde, muss in erhöhtem Grade Kaiser Carl und dem ehemalige
(jobernador Spanien^s, Papst Hadrian VI. zugeschrieben werden, d
mehr als jeder Andere die wunden Seiten Spanien's im Aufstande d
Comunidades kennen gelernt hatte. Kein Wunder, wenn König Fi
Ton Frankreich über diese Stärkung der königlichen Macht von S
ungehalten war. Aber welch' ungeheurer Zuwachs dem französisch»
Königtbum durch das Concordat Papst Leo's X. zugefallen %
brachte König Franz freilich nicht in Rechnung** ^. Wir können di
Worten beistinunen, mit dem Unterschiede jedoch, dass, was Eoj'Ui
ein Glück für Spanien und wohl auch für die Kirche zu sein scbeoL
nach unserer Ansicht ein unermessliches Unglück für Spanien ond A^
die Kirche war. |
Nicht so fast die Niederwerfung des Aufstandes der Comonero^
als die reactionären Maassregeln in ihrem Gefolge hatten für Spania
traurige Folgen. Die Städte verloren ihre Freiheiten und Vorreclt^
sie verloren aber auch ihren Handel und ihre Bevölkerung. Als C»n
am 16. August 1522 wieder in Valladolid erschien, war dieKcTolötw»
auf allen Punkten unterdrückt').
*) Casp. Burmann, Adrianus VI., sive snslecta historica de Hidriino Seit?
Traiectino, Papa romano. Trajeoti ad Rhen. 1723. V. — Gorrespondaoee de Chtfirt^-
ot d* Adrian VI., publica - par M. Oaehard, Brnxell, 1«>9 (und damicfcH«^
pt>Ht. Bl&tter, Bd. 46, S. 017—635). — Syntagma doctrinae thefAog. AdriimVL
cd, Reustns, Lovanii 18«i2. — Reiisens, Anerdota de vita et ser'ptts A<lffi«,J^
vanil 1862. — Canst Höfler, WhW und Thronbesteigung dos Iciteo *atod»
Püpstes Hadriaii's VI, - 1522. — Wien. I^72, p. 98. - C. HöJUr.dtiM^
Kaiser nnd der teste dentsobe Papst. C«ri V. nnd Hudrian VI. Wieo 18W, P ^^
— UadHan VI. Ein Ubensbild aiia dem Zeitalter der Beformatiun« V. Dr. B«^'
Bauer, Pfarrer in Frankf. a. IL — Heidelb. I87r., p. 16 X
') Höfler, S. 81.
•) In Mpdina del Campo wnrdcn sieben Procnmtorcn 'derStSdte) •rdro*^"
Carl in den Jahren 1522—1524. Die Monacos in Spanien nnbeicehrbar. 157
Im Juli 1523 versammelte Carl allgemeine Cortes in Valladolid.
Auf diesen erschienen die Flamänder nicht mehr. Carl verlangte
wieder ein ^Servicio*^ für die Kosten seiner Kriege, die Cortes präsen-
tirten ihm 155 Bittgesuche. Alles wurde unterbrochen durch die
plozliche Abreise Carl's zum Kriege gegen Frankreich. Am 1. August
1&24 fanden neue Cortes daselbst statt, welche wieder am 13. August
aufgelost wurden I unter dem Verwände, dass Carl Wichtigeres za
thun habe.
Die Zahl der Mauren, genannt Moriscos, war besonders gross in ^i«^-
den Königreichen Valencia und Granada und in der Mancha« Es lebten ten mo-
auch viele Moriscos in Nieder - Aragon. Da sie aber Vasallen der ^®^''
Kirchen und Adeligen waren, so wurden sie von diesen geschuzt, und
schienen wenig gefährlich zu sein, obgleich sie später Aufstände ver-
suchten. Man sollte meinen, dass da jeden Tag neue Missionäre nach
West- und Ostindien abgingen, man zuerst die Ungläubigen im eignen
Lande hätte bekehren sollen. Diess war aber schwer, wenn nicht un-
möglich. Die Moriscos waren verhärtet im Irrthum, und sezten Allem
einen unbezwinglichen Widerstand entgegen, was ihre Besieger auf
dem Wege der Gewalt ihnen auflegen wollten. Ximenes hatte tausende
derselben in Granada getauft, aber die von ihm angewendeten Mittel
führten nicht zu einer innem Bekehrung, und gereichen dem berühmten
Franciscaner nicht zum besondem Kuhme. Die Leiber der Mauren
wurden abgewaschen, ihre Seelen nicht belehrt und nicht bekehrt. Ge-
wohnlich zog man die Mittel des Schreckens vor, um mehr auf die Ein-
bildungskraft, als auf die Vernunft zu wirken.
„Der spanische Charakter, über die Maassen gewaltthätig, neigt
immer dazu, seine Ansicht andern lieber durch die Gewalt, als durch
die Ueberzeugung beizubringen*^ ^). — Die bekehrten Mauren wurden
von den Spaniern selbst mit Misstrauen und Geringschäzung behandelt.
imd als endlich am 1. November 1522 d[e Amnestie verkündigt wurde, waren
270 Personen davon aasgeschlosBen, die Adeligen cur Enthauptung, die BQrgerlichen
zum Gnlgen verurtheilt worden. — Petrus Martyr, opus epist nr. 771. — Hqfler,
Wahl -- Hadrian's VI., p. 77 (H, Bauer^ S. 40. Sangrador Vitorea, p. 374 — 375.
Tomeo y Benedicto, Zaragoza, 1859, p. 460 — nennt die Besiegten „die Märtyrer
von Villalar."
') Vie, de La Ftiente, Y, p. 391. „El ear^ter EspaSiol, demasiado impe-
tnoso, propende aiempre ä imponer su ppinion mas bien por la fnerza, que por la
oonviccion." Dieser Spanier bestätigt vollkommen unsere Ansicht, dass die spanische
Staatsinquisition Im Grunde aus dem Charakter des spanischen Volkes hervorge-
gangen sei. — S. oben — S. 15 — 18. — Die Schattenseiten in dem Wirken des
grossen Ximenes, Gewaltthatigkeit| rücksichtsloses, stürmisches Vorgehen sind auch
Seht spanische Eigenschaften; s. Hefele, S. 55—63 Aber den Bekehmngseifer des
Ximenes,
158 Dreizehntes Bach. Viertes Kapitel.
Auch sie biessen „neue Christen** '). Ihnen blieben Aemter und Ehrea-
Btellen yerschlossen, ebenso die Kloster und geistlichen Worden, ihnen
und ihren Söhnen bis zu der yierten Generation; öffentliche Unglücb>'
falle wurden ihnen als Schuld angerechnet Diese Abneigaog dauerfi'
im sechszehnten und siebzehnten Jahrhundert fort. Kein Morisco ▼»'
langte Christ zu werden, denn er würde von den Seinigen als ReiK|l
gehässig von den Christen mit Geringschazung behandelt worden s|f
Dazu kamen die schlimmen Beispiele der Christen aus dem Laien- 4
Priesterstande. Die Moriscos^ besonders die in Valencia , hatten ibi
während des Kriegs der ^Comuneros" grosse Proben der LoyaSl|
gegeben, sie schlugen sich als treue Kampfer der Krone gegen i
▼erbündeten Demokraten*). Anderseits wurden sie von den ^^Conannei«!
grausam behandelt, als treue Vasallen ihrer Lehensherm. Ein geidd
Mercadillo hatte in Cazorla, Baza und Huescar einen Aufstand 4
gönnen, welchen der Marquis von Mondejar mit 4000 Moriscos m
einigen alten Soldaten leicht niederschlug.
Nachdem Carl l. am 10. März 1526 zu Sevilla seine Ehe 4
Elisabeth von Portugal geschlossen, kam er im Juni nach Granil
Auch die Moriscos nahmen ihn mit grossen Ehren auf. All
der Bischof von Guadix, der Klerus von Granada, und andere il
gesehene Personen brachten schwere Anklagen gegen sie vor, ^viM
die Moriscos ihre Seelsorger wegen Erpressungen anklagten. BeiJ
Parteien hatten leider Becht. — Um die Wahrheit zu erforschen, a
nannte der Kaiser Visitatoren, n. a. den erwähnten Bischof Didiul
de Avalos, den Canonicus von Granada, Petrus Lopez, seinen Chifl
nisten Anton. Guevara, Franciscaner, der im Jahre 1528 Bischof ii
Guadix wurde, und die Doctoren Quintana und Utiel. Guevara m
Avalos visitirten in Valencia. Die Berichte lauteten dahin, die Morisfll
seien nur dem Namen nach Christen. Carl sezte nun eine
„Junta'' von Prälaten, Inquisitoren, Theologen^ Auditoren and
ein. Vertreten waren in ihr der Erzbischof Alfons de Manriqn^
Sevilla, General- Inquisitor, der Beichtvater des Kaisers, Garcii
Loaysa, vorher General der Dominikaner, die Bischöfe von Santi
Guadix, Almeria, der Präsident des königlichen Rathes, und and
Diese hielten sieben Sizungen in der Kapelle „der katholisdbeD Koni
Noch im Jahre 1626 erging der Erlass Carl's, der den Mo
Verzeihung anbot , aber sie ermahnte , den alten Gebrauchen zn eal
sagen, aber ohne Erfolg. Denn die „Conversos^^ leisteten hartniclig^
') CristiuMM nnevos.
V Die man in Valeneia wegen ihrer VerbindaageD („66^llaDi«s^^ ,>^
ttanadoa" nunnte.
Die Monacos. Joan de Avila. 159
Widerstand, und bestachen mit schwerem Gelde einzelne Visitatoren ').
— Es hiess anch, dass ein Theil dieses Geldes für den Bau des
Palastes verwendet wurde, den Carl V. (seit 1529) auf der Alhambra
herstellen liess. Es sollte damit der weltberfihmten Alhambra ein i'^i'^^ta
Seitenstück errichtet werden, aber der neue Palast blieb sehr weit ^^^^^
hinter den alten Wunderbauten zurück. Wirksamer für die Bekehrung
der Moriscos war die Gründung neuer Schulen, Collegien und Uni-
versitäten.
Dem ersten Erzbischof von Granada, Talavera, folgte im Jahre ^''*''
1507 — Anton de Rojas, vorher Bischof von Majorca, der im Jahre vonOra-
1524 nach Palencia versezt wurde. Im Laufe von vier Jahren folfrten ^*^^
° 1507 — .
einander Franc, de Herrera (Nov. 1524 — f Dec. 1524), Petrus Porto- 1545.
carrero^ der im Jahre 1526 vor der Besizergreifung starb, und der
Hieronymit Petrus de Alda (1526, 4. Dec. -- f 21. Juni 1528),
diesen aber der mehrerwähnte Caspar de Avalos (1529, 2. April —
f 2. November 1545). Sobald er Erzbischof von Granada geworden,
sorgte er in jeder Weise für den Unterricht. Er gründete die Uni- ü»iver.
versitat und das CoUegium des heiligen Cäcilius. Die päpstlichen .ji^.t,
Ballen wurden im Jahre 1531 erlassen, Carl V. aber unterstüzte ihn gross-
müthig. Für den Bau der Schulen und des „königlichen (Kollegiums''
wurden mehr als ÖO.OOO Ducaten verwendet.
§. 6.
Der ehrwürdige Juan de Avila, der „Apostel von Andalusien'',
studirte die Theologie zu Alcala unter Dominikus Soto. Er wollte als
Missionär nach Westindien gehen. In Sevilla brachte der Priester
Ferdinand a Contreras im Verein mit dem Erzbischof Manrique ihn
von diesem Plane ab, da es nothwendiger sei, Andalusien zu bekehren. .Der
Dreissig Jahre alt begann er seine Thätigkeit als Prediger und Lehrer ^^^^^J.
ZQ Sevilla. Bei der Inquisition daselbst verklagt, sagte und that er luafen«.
nichts zu seiner Vertheidigung. Die Anklage fiel zu Boden. Er zog
nun als Missionär durch ganz Andalusien. Viele Schüler sammelten sich
um ihn. Bis in die unwegsamsten Gegenden führte ihn sein glühender
Eifer, mit dem er nicht bloss lehrte, sondern zahllose Werke der
Barmherzigkeit vollbrachte. Im Jahre 15j3 stiftete er die Universität
zu Baeza, zu dem Zwecke, Mitarbeiter fttr sein Werk zu erziehen. Er
eiferte besonders gegen die Ausartungen des Luxus. Wunderbar war
') Hlstoria de los Morisos de Oranada, por Luis de MarmoL Malaga,
1600 fol. — Caap, Escolano^ Historia de — ciudad y reyno de Valencia, Val.
1610—1611. 2 fol. — Fr, Jayme de Bleda, Coronica de los Moros de Espafia.
Valenc, 1618 — fol.
1 60 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel
soioe Beredtsamkeit. Er hatte die Gabe, wie der FraociBcaiier AUoos
Lopc, durch ein einziges Wort oder einen einzigen Ruf Feuer in d»
Herzen seiner Zuhörer zu entzünden. Seine Jünger waren n. a. Jo*
hann von Gott, Saneia Carilla aus Astigi, Anna Ponoe, Gnfin i«
Feria, Franc. Borgia, Herzog von Gandia, die heilige Theresia im
Jesus. Viele seiner Schüler traten in die verschiedenen Orden, Wt
sonders in die Gesellschaft Jesu — die er sehr hoch schäzte, nnd diA
deren Ankunft in Spanien er die Gesellschaft seiner Missionare m
löste. Er gründete viele Collegien für die Erziehung der Jugend, vi
Seminarien für Bildung des Klerus. Von seinem fünfzigsten Lebe»
jähre an waren seine Kräfte fast erschöpft, mit himmlischer GtHt
aber ertrug er alle Schmerzen. Gefesselt an das Krankenlager fall
er durch seine Rathschläge an Anwesende, durch seine Briefe an Ak
wesende zu wirken fort. Er starb zu Montillo, an 70 Jahre alt, li
lO. Mai 15G9, und wurde im Collegium der Jesuiten begraben. I
wird als „ehrwürdiger" verehrt Zehn Jahre nach seinem Tode 4
schienen seine „geistlichen Briefe'^ '). Seine Abhandlungen über Selb^
erkenntniss, über das Gebet, 27 Tractate über das heiligste Alta^
Sakrament, 5 über den heiligen Geist u. s. w. sind Zeugnisse seU
Geistestiefe ^) und Wohlredenheit. Als „Apostel von Andalusien" wid4
er indirect auch für die Bekehrung der Moriscos. *
Im Jahre 1525 war zu Valencia eine grosse Anzahl Mauren M
mit Gewalt getauft worden. Es erging ein Edikt CarPs, wornadiäl
und ihre Kinder von dem Tage ihrer Taufe an als Christen zu N
trachten seien, und unter der Inquisition stehen. Der erwähnte ädUm^
de Guevara hatte Antheil an dieser Gewaltthätigkeit.
§. 7.
Carl V. kehrte von Sevilla und Granada im November laM
nach Valladolid zurück, damals der gewöhnlichen Residenz des Bofc
Seine Gemahlin Isabella gebar hier am 2U Mai 1527 Philipp (Uk
den Nachfolger CarFs (I.) in Spanien. Gross war die Freude d*
Spanier; von dieser Zeit an stellte sich ein besseres VerfailtoiBS x^
sehen dem Kaiser nnd den Spaniern ein, woza Isabella selbst; ^
Carl V. vpn mütterlicher Seite eine Enkelin der grossen Isabella, v»
beitrug. Während der Vorbereitungen zur feierlichen Taufe kam e«
Courier von Rom mit der Trauerbotschaft, dass der Conetable, Bertoj
') Caitas espiritaales, Comploti» lr~>79, 4*.
*) Vida y obraa de Juan de Avila, predicador aposlolieo de TAudiioik
Madr. 1618, 2 vol. A\ - p. Martin Ruü, Madr. 1575. S. Briefe aach » *»
Blblioteca Eapafiola v. Rivadeoeira, 1846-I8G2, t XIII.
£1 Sacco de Roma, Mal 1627. 161
von Bourbon, Führer der Trappen CarPs in Italien, Rom erobert —
6. Mai 1527, daas er den Papst Clemens VIL nnd 13 Cardinäle in
der Engelsburg gefangen genommen habe. Ein grosser Theil des
Heeres bestand aus deutschen Protestanten nnd Keisläafem aller Art.
Die Yerwtlstung Rom's war schrecklicher, als die unter Alarich und
Genserich. Auf die Kunde davon erhob sich ein allgemeiner Aufschrei
der Entrüstung gegen Carl in ganz Europa. Ob und welche Schuld
der Kaiser, der bisher mit Clemens VII. nicht auf gutem Fuss ge-
standen, u. a. im Jahre 1625 das Tribunal (zur Prüfung) der Breven
eingesezt hatte, ist hier nicht zu erörtern. Carl leugnete allen An-
theil an dem Geschehenen. Der Kaiser, welcher überaus politisch war,
und vom Verdachte einer Schuld sich möglichst rein waschen wollte,
befahl die Suspension aller Maassregeln fiir die feierliche Taufe seines
Sohnes; er liess in seinem Reiche „Bittandachten^^ halten, damit „der
Himmel dem heiligen Vater seine Freiheit wiedergeben möchte, welche
ihm zu geben in der Hand des Kaisers lag*).'^ Er befahl sofort, den
Papst in Freiheit zu sezen. — Am 5. Juni fand dann die Taufe Phi-
lipp's statt. Die Taufe vollzog Alfons de Fonseca, Nachfolger Wil-
helm's von Croy in Toledo (1624 — t 4. Februar 1534). Die Stadt
Überbot sich in Festlichkeiten, wobei es natürlich ohne Stiergefechte
nicht abging.
Am 27. Juni fand zu Valladolid unter dem Vorsize des Erz-
bischofs Manrique eine grosse Junta statt, welcher 32 Theologen an-
wohnten. Man verhandelte aber gewisse Säze, welche sich in den
Schriften des Erasmtts fanden, Säze, die von den einen vertheidigt,
von den andern mit der grössten Hize bekämpft wurden. Zwei Monate
dauerten die Sizungen. Da sich die Streitenden nicht einigten, so
lÖBte Manrique die Junta auf. — Im Jahre 1628 wurde Carl'n ein
zweiter Sohn geboren, D. Juan, der schon am 29. März 1628 starb.
§. 8.
Carl V. hatte eingesehen, dass er besser fahre, wenn er in Frie-
den, als wenn er in Feindschaft mit dem Papste lebe, und näherte
') Charles Quint fei^it alors de reasentir one vive doulenr. Didot-Höfer,
Nouvelle Blogr, nnivers.. t. IX, Paris 1854, p. 774 (s. v. Charles). — Sangradar
Vitores, t I, p. 376. £1 emperador, demasiado politico, con el fin, de evitar la
nota de empiedad, ete. —
^) Para pedir al cielo coDcedlese al Santo Fadre ona libertad qae estaba en
M mano ooaoederle.
Otma, ipaii« Kiroh«. m. S. IX
162 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
sich dem Papste Clemens VII. (1623 19. November — 25. Sep«
tember 1534). In CarFs Interesse lag die Herstell ang einer stäadigoi
^<® Nuntiatur, welche die zahlreichen Appellationen der Spanier nach Soa
tur. yerhindern sollte. Es ging nicht an, diese Berufungen absolat zu t
bieten. Es ist wahr, dass die Cortes, n. a. die von Segovia — 1
die von Madrid im Jahre 1552, gegen diese Appellationen Beschwe
erhoben. Der Kaiser kam mit dem Papste überein, dass dessen N
in Madrid über die nach Rom zu bringenden Appellationen entscbeii
solle. Vorher hatten die Nuntien nur den Charakter von Botschafi
und sehr beschränkte Vollmachten. Es war üblich, dass der heil^
Stuhl einen spanischen Bischof beauftragte^ über einzelne Appellationen
entscheiden, u. a. ob sie nach Rom gebracht werden sollen, oder nii
Im Jahre 1528 kam über diese und andere Fragen eine Convention
Stande. Der Auditor der neuen Nuntiatur müsse stets ein geboi
Spanier sein, weil Fremde „keine Gerichtsbarkeit in Spanien ans
können.^' Man wollte die Nuntiatur, wie die Inquisition, zq ei
spanischen Staatsinstitute machen. Die Nuntiatur wurde in
Sectionen getheilt, die erste für blosse Gnadensachen, an deren S
der „Abbreviator" stand, die zweite für die Rechtssachen, an i
Spize der Auditor. Die erste entschied über die dem Papste ?<
haltenen Gnaden und Dispensen, soweit der Papst seinen Kd
delegirt hatte, über die Vergebung der in den papstlichen Moi
erledigten Beneficien, deren Ertrag nicht 500 Realen (de veli
übersteige.
In der Scction der Gerechtigkeit wurden sechs apostolische
tonotarien angestellt, mit dem Charakter von „Richtern in Curia")
mussten aber Spanier sein. Diese Section nahm Appellationen ge^
Entscheidungen der Ordinarien oder Metropoliten an. Der Kud
übertrug die Untersuchung über jede Angelegenheit einem Proton
mit der Vollmacht, die zur Entscheidung nöthigen Befehle zu erlas
und über die Angelegenheit bis zur definitiven Sentenz zu entschei
im Falle seine Sentenz mit jener der Ordinarien gleichförmig
deren Ausfuhrung zu veranlassen. Anfangs gaben die Nuntien Audie
an einigen Tagen der Woche, — zugegen war der Auditor in
Eigenschaft eines Assessors. Als aber die persönlichen Audienien »
hörten (weil sie der absoluten Regierung unbequem wurden), so v
um so mehr die Macht des Auditors, während der Nuntius thunlic
von dein Verkehre mit den Spaniern abgeschlossen wurde. Es wu
ihm alle äussern Ehren erwiesen. Diess war aber Alles. DerAodi
der Nuntiatur, der Spanler, entschied Alles.
Johannes Poggio war der erste Nuntius — bis 1544. Ke Mi*
brauche, über die man sieh beschwerte, wurden durch ihn eher r^
mehrt. Er begann in allen geistlichen Sachen mit solcher LeicbtiglfÜ
Die Nuntiatur. 163
zu dispensiren, dass er zu zahlreichen CoDcessionen Thür und Thor
eroffiaete, welche bis daher unbekannt waren ^).
Carl y., der die Auditoren zu ernennen das Recht hatte, während
der Papst sie nur bestätigen durfte, fuhr fort, die Erweiterung der
Befugnisse der Nuntien ^on Rom zu verlangen. Joh. Poggio schon
hatte die Gewalt eines ,, Legaten a latere')^^ Er und seine Nachfolger
übten viele Rechte des romischen Primats aus, und bedurften darum
vieler Gehilfen. Die Auditoren übten ausgedehnte Jurisdiction in kirch-
lichen Rechtssachen aus; ihr Tribunal war ja Appellationsinstanz.
Der Nuntinsb verlieh die in die päpstlichen Monate fallenden
reservirten Pfründen, welche den Ertrag von 24 Goldducaten nicht
überstiegen, jedoch nicht bei Erledigung des päpstlichen Stuhles^).
Unter ihm standen die CoUectoren und SubcoUectoren der Einkünfte ^"°'
tiatar
der päpstlichen Kammer'*). Unter ihm stand das von dem Nuntius,
spätem Cardinal (1594) Philipp Sega zu Madrid gestiftete Pilgerhaus
und Hospital für die Italiener — 1579, mit der italienischen National-
kirche, S. Piedro et Paolo*). — Der Nuntius schlichtete als Legatus
a latere Zerwürfnisse und Streitigkeiten von kirchlichen Personen und
Instituten. Diese Macht kam aber selten zur Ausübung und wurde
immer mehr beschränkt. Carl V. bat Papst Paul III. wiederholt,
seinem Nuntius in Madrid ausgedehntere Gewalt zu geben, damit
seine Unterthanen nicht an den Gerichtshöfen Rom's Processe führen
müssten. In Spanien sorgte man dafür, dass die erweiterte Jurisdiction
der Nuntien nicht ausgeübt wurde. Papst Gregor XIII. ertheilte am
20. October 1584 dem König Philipp II. ausgedehnte, bald aber will-
kührlich erweiterte Facultäten, zu Beilegung von Differenzen zwischen
Bischöfen, Capiteln, und andern kirchlichen Personen und Corpo-
') In dem Archiv der Universitfit von Salamanca befinden sich Dispensen von
Lehrcursen, die Poggio solchen ertheilte, die sich fUr academische Grade vorbe-
reiteten. In dieser Weise begann er von Allem zu dispensiren, bei Besezung der
Stellen an Cathedralen, Collegien und Klöstern, Vermächtnisse anderweitig verwen-
den zu lassen, was den Ordinarien Anlass zu schweren Klagen gab. £r war der
ers'e, welcher Renten von (erledigten) BisthUmem einsammelte, und er widmete
Bich vorwiegend diesem Geschäfte {Vic. de La Fuente, V, p. 176).
*) Thamcuain, de n. et v. discipl. P. I, L. II. o. 117, nr. 13, cp. 119. nr. 7.
') Melehor Macanaz, (Memorial), Pedimento v. 1713, nr. 15^19. — Coleccion
de Concordatos. p. 57. — Oarcias, de benef., P. V. c. 1. nr. 84. — Rigantius,
in regnl. IX. Cancellariae. P. I, §. 4. nr. 24—28. t. II, p. 117. — nr. 80—34.
P. 118-119.
*) Barbosa, 8amma apost. Decis. V. Snbcolleetor, nr. 1. — Ferraris^ prompta
WbUoth. Paris, l^ö8, t VII, p. 665—666, nr. 4. 8.
*) Moroni, Diccionsrio, Spagna, p. 37. — BuUarii Roman, Oontinuat., ed.
^ndr, Barberi, t. XVI, Rom 1851. Conat. „Extat" vom 28. Juni 1826, p. 461
-462.
11*
164 Dreizehntes Bach« Viertes Kapitel.
rationen^). Im Allgemeinen schien die von dem Spamschen Bote
selbst gewünschte Einrichtung der Nuntiatur demselbea in vielen Filla
unbequem zu sein« Der Konig dehnte sein Placet auch auf je«
apostolischen Erlasse aus, in denen die Facultaten des Kantios ver;
zeichnet waren, damit der Nuntius wisse, welche Facultaten er zo g»
brauchen habe, welche nicht ^), was man mit verschiedenen Gründei
besonders aber mit der ähnlichen Praxis in Frankreich zu bes«
nigen suchte.
Der gewaltige Unterschied zwischen Frankreich und Spanien
aber der, dass troz aller Gallicaner der franzosi^sche fipiscopat
Klerus eine starke Stüze des t^apstes und der kirchlichen Frei
war, während in Spanien der Klerus den „katholischen Königen^
zu Willen, und bei Conflicten zwischen Rom und diesen Königen
ihn kein Verlass war. „Man sah in Rom, dass der spanische
vom Hofe fast ganz abhängig geworden war.^^
Für seinen Plan, die kirchliche Gewalt in seiner Hand zo
centriren, Spanien zu „einer Kirche in der Kirche" za machen, be&i
Carl y. das in seiner Art vortreffliche Mittel, die höchsten Aemter;
Staate Bischöfen, hohen kirchlichen Würdeträgem zu übertragen,
machte sie dadurch von sich abhängig, und wahrte den aussein Sei
der Kirchlichkeit. Diess war nicht bloss bei der Inquisition der
Wenn Bischöfe Präsidenten der höchsten königlichen Bathe und C<
gien waren, so war ja die Kirche in Spanien geehrter und einflossrek
als sonstwo in der Welt. Man findet darum die Bischöfe immer
Gefolge der „katholischen Könige'^ Von der Sonne des Hofes
schienen zu werden, war ein absonderliches Glück für sie. Seit
Gründung des Rathes von Castilien, und besonders seit dem Aof
des fünfzehnten Jahrhunderts waren fast alle Gobemadorea
Präsidenten desselben hohe geistliche Würdenträger gewesen,
die Besezung der geistlichen und kirchlichen Aemter bildete Carl
innerhalb des Rathcs von Castilien eine besondere Section, beste!
aus dem „Gobernador^^ und einigen Räthen. Sie erhielt den Nai
„königliche Kammer^'; sie entstand im Jahre 1518, und erhielt
■) Papst Pias VII. Const 577 d.d. 28. November 1814. BuUar. Rom.
t XUI, p. 337—338.
•) Philipp's II. Gesez vom Jahre 1593. L. II, tit Novis. — Didac Cc
ruvias ap. TkomassinF, I. L. 11, cp. 119, nr. 7 sagt: Sicnt apod Hispanoa po<
legatoram sen Nuntiornm Apost Sedis examinatur, nt admoneri poaaint a snmDo]
praetorio, quibus nti conveaiat dispensationibas et commiBsionibiiB, ne qmd fittin.-.
publicae diapendium (die respnblica Philipp's II. — ü), cum pleramqne Noatii «P^
ezteri sint, aee satis növerint, qoae sint omnino praeoavenda, ne faltts pndhmm
•nggestionibns decipiantar: ita et idem fieri solet apad Galloa, teste Carolo Mobfiifl
in reg. Canoell. de infirmis resignantibos, nr. 189 - Hergmraiher, p. 80-»
Abhängigkeit des Klerus vom Hofo. Die geistliche Kammer. 165
weitere Ansbildung im Jahre 1523'). (Schon seit dem Jahre 1387
bedienten sich die Könige von Castilien vier gelehrter Gehilfen, welche
^„Silentiarii^^ [geheime Rathe] hiessen.) Durch Erlass vom 6. Januar
15S8 übertrug Philipp II. der „königlichen Kammer^^ alle Angelegen-
heiten, welche Streitfragen über das kirchliche Patronat, Gnaden und
Gerechtigkeit beträfen. Präsident und Gobemador des Rathes von
Castilien mussten den Sizungen anwohnen. Im achtzehnten Jahrhundert
war die Gewalt dieser „königlichen Kammer^^ so gestiegen, dass der
Konig, auf den Bath der Consulta, mehr als 60.000 kirchliche und
staatliche Aemter vergab. Bis zum Jahre 1707 umfasste sie die Reiche
Castilien, Navarra und das Baskenland; im Jahre 1707 kam auch noch
die Krone von Aragon hinzu. Die vor ihr verhandelten Sachen be.
trafen vor Allem das königliche Patronat.
Mit Recht beschwerte sich Papst Clemens VII. darüber, dass alle
päpstlichen Bullen von dem königlichen Rathe von Castilien geprüft
würden. Neu waren diese Maassnahmen nicht, neu aber war die Aus- ^'^
dehnung derselben und die Form, in der sie vorgeschrieben wurde, ueho
Früher hatte es sich nur um Abweisung von Missbräuchen gehandelt.
Jezt war' man weiter gegangen , und behandelte den römischen Stuhl
wie eine feindliche, wenigstens eine verdächtige Macht, man verdäch-
tigte jeden Gebrauch der päpstlichen Rechte, und schuf einen grössern
Missbrauch, um den kleinern zu verhindern. Als der Kaiser aus den
Kämpfen in Italien als Sieger hervorging, so war seine Uebermacht
dem Papste noch drückender. Das Heer^des „Liga^ müsste vor den
Spaniern weichen, und der Papst wurde ein Gefangener. Die Schuld
des Kaisers war es, dass er an die Spitze seiner Truppen einen Mann,
wie Bourbon stellte, der zum Verräther an seinem eigenen Lande ge-
worden, einen ebenso guten Soldaten als schlechten Christen') (der
am 5. Mai 1527 beim Angriffe auf Rom fiel). Die Deutschen in seinem
Heere wollten den Papst als Gefangenen nach Deutschland fuhren;
dem widersezten sich die Spanier, und es kam zu schweren Streitig-
keiten. Jezt näherte sich Carl dem Papste. — Er zog alle seine
Truppen aus dem Kirchenstaate zurück. Der Papst Hess dem Kaiser
mittheilen, dass er ihn selbst als Kaiser zu krönen wünsche. Ein
Vertrag wurde im Jahre 1529 zu Barcelona^ wo Carl weilte, ratificirt.
D. Margaretha, Carl's natürliche Tochter, sollte mit dem Neffen des
Papstes, Alezander de Medicis, vermählt, dem Papste alle noch von
den Kaiserlichen bcsezten Pläze zurückgegeben, der Kaiser mit dem
Kam-
mer.
*) Novisima Becopilacion^ lib. I. tit« 17. — Jo8e Oarma y Sakedo, Teatro
onivenal de Espafia, t. IV, cp. 16. p. 210 seq.
*) Vic.de La Fuente, V, p. 174. 182.
166 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
Königreiche Neapel investirt werden. Der Kaiser erhielt das PrWi-
legium, in allen seinen Staaten zu den Bisthümem and Erzbisthämen
zu ernennen, und gab das vieldeutige Versprechen, für die Zurück
führung der Häretiker Deutschland's in den Schooss der Kirche sorga
zu wollen. Auch mit Franz I. von Frankreich wurde im Jahre 15fl
der Friede von Cambrai geschlossen.
Carl wurde am 22. Februar 1530 zu Bologna von Clemens Y|
gekrönt'). Im Mai 1530 kam Carl zu dem Reichstage nach Aogsb«^
— Carl V. liess sich auch von Clemens VII. in dem Besize der dti
grossen Ritterorden bestätigen')
§. 9.
Admini- Troz sciucr wiederholten Verbote, dass keine spanischen Biv
*nn thümer an Fremde vergeben werden sollen , prasentirte Carl V. d<4
durch 'den Cardinal Lorenz Campegio als Administrator auf das Bisthn
^4g«,'Huesca — 1530. Die Stände des Königreichs Aragon protestirten m
Mx^ ihrem Justicia. Der König erkannte sein Unrecht an, und bat S
dieses Mal um Genehmhaltung seiner Wahl. Die Cortes gaben ootti
der Bedingung nach , dass der Kaiser das Gesez (fuero) wieder ht
stätige: dass die Fremden keine Prälaturen erhalten sollen'). M
Jahre später wurde erklärt, dass diejenigen nicht Fremde seien, vddl
aus irgend einer Gegend der Lande des Kaisers stammten. Campegii
war in den Jahren 1530 — 1532 Administrator von Haesca. Im JaM
1533 wurde der Cardinal Hieron. Doria von Genua, dessen FamÜi
der Kaiser verpflichtet war, Administrator von Hnesca^ im Jahre l5Sf
wurde er Administrator von Tarragona. Er erschien nicht inSpaoi
sondern blieb in Genua, wo er im März 1558 starb. So übertrat
seine eigenen Geseze, wenn sie ihm unbequem waren. Der italieoif
Generalvicar Doria's trieb in Tarragona so starke Simonie and
brauche aller Art^ dass die allgemeine Stimme sich gegen diese F'
herrschaft eiiiob. Das Kapitel verlangte, dass das alte Statut
in Kraft trete, wornach die Vicarien der Bischöfe dieser Kirchenproi
immer Eingeborne sein müssen^). — Troz dieser Uebelstände
fünf Concilien gehalten, deren Akten nicht auf uns gekommen,
die erste Sammlung der bis jezt gehaltenen Concilien veranstaltet, «
•) Buttar. Rom„ ed ^ti^. TVmrtn., t VI, p. 132—134; 137—139.
p Die Balle vom 13. Man 1530 bei FwaOt, im Anhange, nr. 10, p. 3«>-'
') De paelataris ab alienigenia non obtineodis. — Ramoa dt Hoflieit T«
historico de las iglesias de Aragon, t VJ, p. 330 (cf. IV, 73).
*) */. VUlanueva, Viage literario, t XX, p. 24—25.
i
Concilien von Tarragona, 1517, 1529. 167
schiedene Ritualbücber gedruckt, und das Amt des Camerarius mit
den EiDkünilen des Kapitels gestiftet.
Dem Erzbischof e Petrus de Urrea (f 9. September 1489*) folgte
Gonzalez de Heredia, am 13. Juni 1490 von Barcelona hieher versezt.
Er war gerade damals Gesandter Ferdinand's V. in Rom. Er weilte
bis c 1500 in Italien. Er starb in Tarragona am 21. November 1511.
Er machte mehrere fromme Stiftungen. Im Juli 1513 wurde der schon
bejahrte Alfons de Aragon von Tortosa hieher versezt, der schon am
26. August 1514 mit Tod abging. Petrus Folch de Cardona war bis
zum 23. März 1515 Bischof von Urgel gewesen. Er war Kanzler der
Konige Ferdinand V. und Carl, Vicekönig und Generalcapitän von
Gatalonien, welche Aemter in seiner Person zum ersten Male vereinigt
wurden. Er feierte zwei Provincial- Concilien, deren Constitutionen
sich zum Theil erhalten haben. Das Concil von 1517 handelte u. a.
über die Frage, ob und wie die Provinz den dreifachen Zehent, wel-
chen die lezte Sizung der fünften Synode im Lateran ausgeschrieben,
entrichten könne. Es schien unmöglich, da die Flotten der Türken
die Seegegenden verwüsteten, epidemische Krankheiten herrschten, und
eine lange Unfruchtbarkeit das Land heimgesucht hatte. König Fer-
dinand „unsterblichen Andenkens^ habe sie in den Cortes seiner lezten
Jahre als exemt von solchen Lasten erklärt. Sie bitten den Cardinal
Ximenes, er möge sich an den König wenden, dass er bei dem Papste
für sie intercedire, damit dieser Zehent sie „nicht ergreife, nicht er-
reichet^). Aber schon im Jahre 1518 wurden sie von einem andern
Zehent „ergriffen und erreicht^, welchen ihnen ihr König Carl durch
Papst Leo X. auflegte, und den sie wenigstens theilweise entrichten
mussten.
Eine zweite Synode berief Petrus Cardona im Jahre 1529. Er oonou
sprach von der grossen Missethat, den Papst in der Engelsburg ge- ^'
fangen zu halten, von der Plünderung Rom's durch des Kaisers Trup-
pen, wenn es auch, wie anzunehmen war, ohne Wissen des Kaisers
geschah. Carl V. verlangte, wie immer und überall, Hilfsgelder unter
schweren Bedingungen. Die Aebte erschienen zwar, aber erklärten,
dass sie exemt von solchen Versammlungen seien. Sie erhielten die
Antwort^ wie sie die Privilegien des Concils genössen, so mussten sie
auch dem Concil anwohnen. Weiteres theilt Tejada über seine Ver-
handlungen nicht mit^). — Dem Erzbischof Petrus de Cardona
■) Kircheogeach. III, 1, S. 313.
') Der Brief an Ximenes ap. La Fu/enie^ V, p. 568. Das Concil wurde in
Barcelona gehalten {Obras del anob. Costa y Borras ^ tom. V. Barcelona 1866,
p. 6&3— 554).
*) Tejada y Bamiro, Goleodon, VI. p« 115.
168 Dreizehntes Bach. Viertes Kapitel
(t 11. April 1530) — folgte im Mai 1531 Ludwig de Cärdona, TorW
Bischof TOQ Barcelona (f 13. November 1532^); diesem eodaim der
erwähnte „Administrator^ Dona.
Es ist sicher, dass vom Jahre 1517 — 1564 — 13 Provincial*
concilien in dieser Kirchenprovinz gehalten wurden, nämlich I5l7,i
1523, 1524, 1529, 1530 bei erledigtem Size, 1534, 1536. Im J
1539 berief der Generalvicar Franc Soldeovilla ein Concil nach Ba
lona. Die Concilien von 1541, 1543, 1546, 1554, fanden statt unter d
Generalvicar BarthoL Fuques; endlich im Jahre 1560 unter dem ErH
bischof Ferd. de Loazes.
Tarragona scheint die einzige Provinz in der Kirche gewesen tä
sein, in welcher die Concilien, vor und nach der Synode von Tricin
in fast ununterbrochener Regelmässigkeit gehalten wurden. 4
I
§. 10.
Die beständige Geldnoth des Kaisers lag als beständiger hi
Druck auf der Kirche von Spanien. Im Jahre 1523 gewährte Pa|
Hadrian VI. dem Kaiser för seine Kriege gegen die Türken und
Häretiker ein volles Viertel der kirchlichen Renten; für Castilien Tei^
Beiasi- einbarte man sich auf ein Subsidium von 210.000 Aragonischen Gdi
Kienu. gülden. Im Jahre 1532 gewährte Papst Clemens VII. dem Kaiser
Hälfte des Zehentertrages eines Jahres. Die Aufregung dariiber
am stärksten in Toledo und Cordova. Alle Kapitel erklarten „die U
möglichkeit, das Verlangte zu leisten.^ Das Kapitel von CordortV
klagte bei dem Papste; denn diese Beschwerung trat za den gewöluhl
liehen Subsidien an den Kaiser noch hinzu, welche Subsidien beretH
gewöhnliche und vorgeschriebene Abgaben waren. Die Pribendatd*
waren entschlossen, sich von dem Chor und den fibrigen kirchliclei
Diensten fem zu halten. Am 26. Juni 1533 erhielt das Kapitel tob
Cordova Briefe vom königlichen Rathe. Der eine befidil ihm ooter
schweren Strafen , dem Chore anzuwohnen *). Ein anderer Brief dei
Bischofs Franz Mendoza von Zamora, Commissärs in dieser Sachen ^
befahl dem Kapitel dasselbe unter Strafe des Bannes. Das Kapitel
appellirte an den Papst Da der Corregidor der Stadt wusste, diÄ
die Canoniker nicht nachgeben würden, so drohte er, er werde du
') Unter ihm wurde am 4. December 1530 das Domkapitel sieidaiivt. £>
icab damals 23 Gaooniker. Die Bulle vom 4. December 16S0 — ap. Vülamf^
t. XIX, p. 252—259, Apend. XIV.
*) Die alte apaniache Vermeogang des Weltlichen mit dem Geiatüebea.
Der Kaiser als Verkiufer kirchlicher Gfiter. 169
Volk gegen sie aufbieten, und durch Menschenmassen mit Gewalt sie
zwingen. Am 27. Jnni bescfaloss das Kapitel, nm Gewalttfaätigkeiten
zu Termeiden, den Chor zu besuchen. Es schrieb aber an den Papst
and den Kaiser, dass es ihm nicht zustehe, so grosse Concessionen zu
fordern, und der Kaiser gab nach'). — Auch die Kapitel von Toledo
nnd Palencia weigerten sich, zu bezahlen. Der Kaiser befahl, dass die
Gorregidoren bei der Einsammlung der Zehnten mitwirken sollen. In
Palencia war der Gottesdienst 50 Tage eingestellt. Da aber die Cäno-
nicer sahen, dass sie nichts ausrichteten, gaben sie nach*).
Der Kaiser erlangte von den Päpsten Clemens VII. und Paul III.
die Erlaubniss, die Guter der Kriegsorden, deren beständiger Admini-
strator er war, zu verkaufen. Damals kaufte Anas (Ares) Pardo, Neflfe
des Cardinais Joann. Tavera, dem Kaiser die Yillas von Malagon und
Paracuellos am Jarama im Erzbisthum Toledo, mit allen Ländereien,
Vasallen, Schlössern und Gerichtsbarkeiten ab. Die eine Besizung
gehörte dem Orden von Santiago, die andere dem von Calatrava.
Diese Ankäufe, sagte man, bezahlten sich gut und dienten dazu, dem
Hause der Medinaceli mit den übrigen Gütern und Stiftungen der
Familie der Tavera's aufzuhelfen. — Im Jahre 1541 verkaufte der Kaiser
an seinen Secretär und Günstling, Juan de Samano, um 1 7.566 Ducaten
zwei Drittheile der Primicias (kirchlichen Einkünfte) der Stadt Alfaro
und seiner Kirchen, sowie die Zolleinnahmen von dem Uebergang über
den Ebro. Das Kapitel von Alfaro bewies, dass die Erträgnisse des
Verkauften ein Kapital von 51.515 Ducaten repräsentiren , und der
Kaiser, wie die Kirche, durch den Verkauf enorm beschädigt werde,
ohne Erfolg. Denn der Kaiser, „verwickelt in seine beständigen Elriege,
erschöpft von stetigen Schuldforderungen an ihn , und umringt von
Gewinnsüchtigen", konnte diese Schäden nicht mehr gut machen, und
die Kirche von Alfaro verfiel auf klägliche Weise*).
§. 11.
Nicht selten zogen die Könige unter gewissen Vorwänden die
Güter verstorbener Piulaten an sich. Für den niedem Klerus traf die auf
den Cortesvon Valladolid — 1523 beantragte, im Jahre 1566 von Phi-
lipp II. bestätigte Verfügung ein, wornach deren Güter ohne Unterschied
an ihre testarischen oder Intestat- Erben fallen sollten, wohl in Folge der
*) Ocmez Bravo, Obispos de Cotdovs, I, p. 4d4. — Fuenie^ Y, p. 198.
^ Raynald. annaL ad ann. 1533. ~ Femandez PuHgar^ Historia de Pa-
leDcU» 3 tom., Madr. 1679—1680. t H, §. 3, p. 173.
'j Eapafia sagrada, t. 50, Madr. 1866, p. 109.
170 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
Annahme, dass die Kleriker zu Lebzeiten genügend die überschüssigen
Renten ihrer Beneficien zu frommen Zwecken verwendet, und man
eine complicirte Untersuchung über ihre Vermögenstheile nicht an-
stellen könne ^).
Der Druck auf das Kirchen vermögen nahm unter Carl V. immer
mehr zu. Klerus und Adel konnten die harten Abgaben, worco If-
sonders die Alkabala verhasst war'), nicht mehr abwenden. Dieia
Jahre 1538 zu Toledo versammelten Cortes verweigerten die Annahai
Carl v. (Jer auf Nahrungsmittel gelegten Steuer. Der Adel berief sich vi
cortei. seine Vorrechte, welche ihn von jeder Auflage (taxo) freispracboi
Voll der Entrüstung jagte Carl die Cortes von Castilien und Leon tw
einander. Er rächte sich an dem Klerus und dem Adel. Von nnn m
wurden die Adeligen und die Prälaten nicht mehr zu den Cortes bft»
rufen, nur die Vertreter der Städte wurden zugelassen').
Diess war die Hand der Revolution von oben herab, welche«
den Grundsäulen der ruhigen Entwicklung der mittelalterlichen V»
fassung Spanien's rüttelte. Nachdem die zwei Stände des Adels aal
Klerus beseitigt waren, sanken mehr und mehr die Cortes zur \l^
bedeutendheit herab. Es lag im Belieben der folgenden Könige, 4
gar nicht mehr zu berufen, und ohne sie zu (miss-) regieren. Um 4
mehr wurde von nun an das Kirchengut von den Königen heimgesudt
Nach einer Berechnung des Cardinais Arn, d' Ossat bezog der KoBJ|
am Ende des sechszehnten Jahrhunderts von dem Kleros jabrlkk
drei Millionen Golddukaten. In keinem Lande war die Erpressung H
furchtbar^). Der grösste Theil des Einkommens des Klerus «tf
Zehent. In allen Kämpfen und Conflikten Kora's mit der spaniscbei|
Regierung aber hatte dieser Klerus, besonders der von Castilien, es bib
vermocht, eine Stellung einzunehmen, dass sich der römische Stahl m,
ihn stüzen und verlassen konnte. Eine kirchliche Opposition geg»
seine eigne Regierung konnte er nicht erschwingen. Daram zoa
grossen Theil wurden ihm stets neue und unerschwingliche Lftsto
') Ley 12, tit 20. L. L Novls. Recopil. ~ Coleccion, p. 249.
') Decima pretit pars omniom rerom, quae vendantnr publice vel priuQX.
Bive Bint immobiles sive mobiles. Covarruvias, P. II. Relect c. Peceat de Beg. J«^
in 6, §. 5.
') Manuel de Colmeiro , Constitucion y gobiemo de los reines de Lc^»^ f
Castilla, Madr. ia55, t. I, p. 388 — sagt, wenn der Adel mit den Stidte^ sich «r-
bnnden, so hätte der Kaiser Frieden schliessen mQssen. ,E1 dero y !• «obk»
faeron despedidos con enojo de loa Cortes, para no volver k entrar üomo ^^*
del estado en las juntas generalea del reino. Moroni, Diccion. t 68, p. 1*^ -
Hergenröther, 1. c., p. 23.
*) Nee toto orbe christiano esse Clerum ullnm gravioribna exaetionümi if^
sum Card, d» Ossat, epist. 10. 81 , ap. nomassin, Vetna et N. elo, ft», U^ ^ ^
C 44 — nr. 6. —
Die BasUlaner; Capuziner. ' 171
aufgelegt. Davon scheint nur das neunzehnte Jahrhundert eine Aus-
nahme zu machen. Die angeblichen Keichthümer der Kirche in Spa-
nien waren für den Klerus von geringem Werthe. Der eigentliche
Nazniesser war der Konig und seine Günstlinge.
§. 12.
Die Basilianer wurden im Jahre 1540 in Spanien eingeführt '),
nicht ohne Widerstreben des Raths von Castilien und einiger klöster-
licher Institute, welche sich auf päpstliche Entscheidungen beriefen,
wornach die Mönche des Morgenlandes die Regel des heiligen Basilius» ^**^^'
die des Abendlandes die Regel des heiligen Benedictus annehmen 1540.
sollten. Franz de Mendoza, Bischof von Jaeu (1538 — 1543) gab die
Regel des heiligen Basilius Einsiedlern in seinem Sprengel. Ihr Führer
war Matthaeus de In Fuente, Schüler des Juan de Avila. Sie schlössen
sich später an die Basilianer in Italien an, und erlangten in drei Pro-
vinzen in Spanien eine weitere Verbreitung^). Später wurden die
Capuziner in Spanien eingeführt. Von Neapel kam Fray Angel Alarcon
mit fünf Gefährten im Jahre 1578. Sie fassten zuerst festen Fuss in
Catalonien. Es ging hier leichter, weil die beschränkenden Verord- ^"p"'**
nnngen des Rathes von Castilien nicht eintraten. In den Jahren 1602 1578.
und 1618 wurden auch die Capuzinerinen zugelassen. Nicolaus Factor ^
der die in Valencia ihm angebotenen Ehrenstellen floh, trat zu Barce-
lona in den Orden, und starb in dem von ihm gegründeten Kloster
der strengen Observanz am 23. December 1583 zu Valencia, ^ius VI.
hat ihn „selig" gesprochen — 1786^). — Von Aragonien verbreiteten
sich die Capuziner nach Castilien — 1606.
Der heilige Franc, von Caracciolo führte seinen Orden der regu- »nnder«
lären mindern Brüder selbst in Spanien ein. Er kam (lf)94) nach'*^^^''
Madrid in Begleitung des P. (Lorenzo) Aponte. Er gründete ein
eigenes Kloster daselbst; später gründete man Studienanstalten zu Alcala
und Valladolid*).
') Oarma, Teatro, tit. 2\ p. 191.
') Der heilige Franc Xaver trat Dm diese Zeit seine HiBBionsreise in Spanien
an. Wie wir aber von den Dominikanern in Spanien nicht im Besondern gehaa*
delt, weil sie der allgemeinen Rirchengeschichte angehören, der Orden auch in
Frankreich und Italien, wie die Gesellschaft Jesn, gegründet wurde, so handeln wir
hier nicht über die Gründung der Gesellschaft Jesa.
') Sein Leben schrieben Fr» Cristdval Moreno (Complati 1588, Roma 1&90,
Barcelona 1618); Joaef Ximenez (Barcinon. 1618) und Joaquim Company (s. Va-
lencia, Erzbischöfe).
') Eua^. Quintana, Vida de San Franc. Caracdolo (t 1608 in Neapel).
Pias yil. hat ihn 1807 heilig gesprochen.
172 Dreizehntes Buch. Vierte» Kupitel.
§. 13.
Im Auftrage seines Ordens war Las Quas im Jahre 1539 mh
zwei Ordensgenossen wieder nach Europa gereist Der s. g. Indischt
Ratb war jezt seinen Vorschlägen viel zugänglicher, dessen Frisidnl
damals Garcia de Loaysa, selbst Dominikaner, Cardinal und Erzbiscboi ;
von Sevilla war ^). Damafs schrieb Las Casas sein berühmtes YTeA:
„Die Zerstörung von Indien'^*). Das Buch wurde dem Kaiser, derui
Deutschland zurückgekehrt war, und seinen Ministem vorgelegt, aal
frühe in verschiedene Sprachen übersezt. Dadurch kamen die Spanier
im Auslande in einen schlimmen Ruf. Von den Verdiensten der llisoo-
näre wusste das übrige Europa wenig oder nichts. Man suchte Dtck
Kräften die Darstellung des Las Casas als Uebertreibungen erscbeiooi
zu lassen'), der allerdings ^,wild^^ übertrieb, wenn er Hispaniola toi
3 — 4 Millionen, statt von — 300.000 Menschen bewohnt sein la«L
Auf Wunsch CarPs verfasste er auch eine Schrift über das Comme»»
L«s Ca- denwesen in Westindien. — Im Jahre 1542 wurde der Licentiat Jnm
Jahre. ^^ FigueToa als Visitator nach Westindien gesandt. Las Casas imi
die Dominikaner Juan de Torres, Mathias de Paz und Petrus de At-
gulo wirkten auf das Gewissen des Kaisers ein. In Valladolid woidi
eine grosse Versammlung von Theologen und Juristen gehalten, dera-
Präsident der Erzbischof von Sevilla, zugleich Prasident des Bsäts
von Castilien, war. Eine neue Berathung hielt Carl V. zu Barceloni,
der die Cardinäle Loaysa und Granvella, sowie des Kaisers Beichi^i
Vater, Anton, de Guevara, anwohnten. Der Kaiser und Granvella tratet
den Vorschlägen des Las Casas bei*). Es wurden nun die nencnGfr
seze erlassen, welche im Allgemeinen die mildere Behandlung d«f
Indianer zum Zwecke hatten^). Unbedingt wird die Sklaverei dtf
Indianer, ihre Verwendung zur Perlenfischerei wird bei Todesstxtii
verboten. Diese Arbeit blieb den Negersklaven vorbehalten. D*
■) Er folgte als solcher dem Cardinal Alfons de Manrique (1584 — 13. Vii
— t 28. September 1^38), der selbst dem mehrgeDannten DidacasDesa gefolgt vir
Er war Erzbiscbof vom 11. Juli ir>39 an, und t zu Madrid am 22. April 164«. li»
folgte der gleichfalls mehrgenannte Grossinqnisitor Ferdin. Yaldte (1516, 2a ^
tember, f in Madrid 9. December li^öd), der, neben seinen fibrigen granrti^
Schöpfnogea, im Jahre 1568 ku Sevilla eine Anstalt iUr aosgeaeste Kinder grfiHi(<<*-
') Brevisima rehicion de la destmyoion de laa Indias occideatalei por ^
Castellauor. Sevilla 1652.
*) Juan Nuix, S. J., Beflexiones imparciales sobre la hnmanidad de kw £■?«•
fioles en las Indias eontra los pretendidos filcVaofos etc., Madr. 1782. — Ose P^tM.
Zeitalter der Entdeckungen, S. 546.
') Büps, vol. IV, L 18. cp. 1.
•) fferrera, Decas VII, 1. 6, cp. 10.
Die neuen Geseze von 1542—1543. Die Dominikaner. 173
Commenden sollten baldmoglich an die Krone zurückfallen, gegen
Entschädigung an die Besizer oder ihre Erben. Neue Belehnungen
sollten nicht mehr stattfinden. — Der Widerstand gegen die Aus-
führung war natürlich sehr gross. Eine Deputation von Mexico,
welche den Kaiser im Jahre 1646 in Regensburg traf, erlangte die
Concession, dass die Commenden für zwei weitere Generationen fort-
bestehen sollten. Aber unter dem Vicekönig Velasco (1561 — 1564)
wurden mehr als 150.000 Indianer, Weiber und Kinder nicht einge-
rechnet, die in den Minen arbeiteten, freigelassen. Schlimmer ging es
in Peru. Hier brach Bürgerkrieg aus; der Vicekönig verlor im Kampfe
das Leben. Der EQeriker Petrus de la Oasca, Präsident des Gerichts-
hofes von Lima, schlug den Aufstand nieder, und verschaffte den
neuen Gesezen Eingang. Das Commendenwesen nahm überhaupt eine ^«'^-n-
mildere Form an. Das Princip der Freiwilligkeit und der Bezahlung
der Indianer trat immer mehr an die Stelle der Sklaverei. Der Ein-
fluss der Kirche wurde mächtiger; die Lage der Indianer wurde eine
bessere. Sie wurden von den Bischöfen und dem Klerus überhaupt in
Schnz genommen. Ihr Loos war nun nicht mehr, wie in den ersten
Jahrzehnten, durch die Spanier von dem „Erdboden hinwegcultivirt zu
werden^% sondern durch die wahre Gultur des Christenthums auch
wahrhaft gebildet und erhalten zu werden. Wie aber in Europa die
Sklaverei aus der heidnischen Zeit nicht auf einmal , nicht durch eine
äussere Umwälzung, sondern, durch eine innere Umwandlung allmälig
und fast unbemerkbar aufgehoben wurde, so waren es nicht einzelne
Geseze oder Akte, welche die Sklaverei der Indianer aufhoben; diese ^^^
Authebung voUzog sich vielmehr durch das stiUe und verborgene ku^
Wirken jenes christlichen Geistes , der wehet , wo er will , dessen *'" ^^'•
kräftige Organe aber die katholischen Bischöfe waren. — Dass die ^^^
Bischöfe aus dem Orden des heiligen Dominikus den übrigen voran-
gingen, muss man voraussezen. Dieser Orden hatte ja die Befreiung
der Indianer zu seiner Lebensaufgabe sich gesezt. Neben dem ge-
nannten Julian. Garcte, Bischof von Puebla (1529 — 1542) und dem
Barth. Las Casas, der von 1644 — 1550 Bischof von Chiapa war^ ragt
hier der Dominikaner Thomas del Toro, im Jahre 1532 erster ernannter
Bischof für Cartagena, hervor. Gebrochen von den Leiden und Ver-
folgungen gegen die Indianer, starb er um das Jahr 1536, in der
Blüthe der Jahre, noch vor Empfang der Bischofsweihe. Hieron. de
Loaysa, aus demselben Orden, war zwei Jahre lang Bischof von Carta-
gena (1538 — 1540), und wurde dann erster Erzbischof von Lima. Er
bat sich vor Annahme seines Amtes die königliche Gnade aus, die
Indianer beschüzen zu dürfen, um sie so leichter zu bekehren^). Zu
*) Ä. Touren, histoire gönörale de V Amerique, T. II, 1. 4«
174 Dreizehntes Boch. Viertes Kapitel.
diesen Bischöfen gehörten ferner Franc. Marroqain von Goatemilt
(lf)37 — 1563) nnd Anton. Valdivicso von Nicaragua, gleichfalls eis
Dominikaner. Dieser reiste noch als Missionar zam Schnze der In*
dianer zn Kaiser Carl V., der ihm Hilfe versprach, und ihn zum Bisch4<|
ernannte (I5<i4}. Fünf Jahre lang kämpfte er unermüdlich für sei
Schüzünge. Er schloss zulezt die Hartnäckigen von der Kirche a
Der Statthalter Rodrigo de Contreras erhob mit seinen beiden Söh
die Fahne des Aufruhrs gegen den Konig. In seiner eigenen Wobo
wurde der Bischof von Contreras ermordet — 26. Februar 1549,
starb so als Märtyrer für die Freiheit der Indianer^).
Als L(X8 Casas im Jahre 1543 bei dem Kaiser zu Barcelona
so schlug er das ihm angetragene reiche Bisthum Cnzco ans, i»1
aber das neugegründete arme Bisthum Chiapa an, in welches er
24 Dominikanern im Jahre 1544 sich begab. Zu S. Domingo
er schlecht behandelt; er war ja den Spaniern der verhassteste M
in der ^neuen Welt.'' Wie Pestkranke wurden er und seine Gefahi
geflohen. — In Chiapa selbst trozte er muthvoll allen Sturmes.
Jahre 1Ö47 reiste er wieder nach Spanien zurück, um den Rest se
Tage dort zum Schuze der Indianer zu vollenden. £r zählte her
77 Jahre, und in Spanien war seine Wirksamkeit viel omfassen
Bei dem spätem Konig Philipp IL fand er sehr grosse Unterstüzu
— Noch nach seiner Abdankung nahm sich auch Carl V. aas sei
Einsiedelei in S. Tust seiner an. Die Commenden blieben in
Hand der Regierung, wurden aber erst unter Konig Carl VI. g
abgeschafft. In dem Kloster seines Ordens zu Madrid starb Las C
am 31. Juli 1566, U2 Jahre alt<).
§. 14-
CarPs einziger legitimer Sohn, Philipp, wurde sehr frühe zo
Staatsgeschäften gezogen. Als er erst zehn Jahre zahlte, musste
mit seiner Mutter den Cortes zn Valladolid prasidiren, in welchen
') Damla, Teatro eelesiaitieo de las ladiaa, L p. 236. - Tawrw» KJ
cp, 63.
*) S. aber iho die erwilmteD Werke von UorenU (1822). — i/aa. Jas. Qui^
tma, Vidas de Espaflolea edebm, Madr. 1807 — 30 - 33, Paris 1H45. - Ka
rti€. Coleeoton de via^es, 5 t, Madr. 1825 — 1837 (Webe, Ober Las Ca»»,
Uigm't Zeiteebrift Olr die hiator. Theologie, 1834, S. 166—219). — PraMy ^^
qMit of Mexico, New-York, l&W, 2 t.— ArOmar Hdp$, tbe spanisch Cooqi
{^9A coloBiiatioi) in America, 4 voL, Load. 1^55—1861 (bes. über Jju Ca^^
Miirsf^f, Kirche aad Skkvcra ia Anerika. T&b. 1865. -> (hc Feaekd, l^
(aad 18^7), besolden 2. B^h, 10, Km^ 3. Buch, 8 Kap. — Petehd tbeOt rtkk-
Hebe AunAge aaa der duMl« noch aicht gcdnicktea GeMhiehte von WetüKli«« ■"'^
Phnipp*8 IJ. Anmnge. 17b
Procuratoren der Städte 151 Petitionen vorbrachten. Philipp's Mutter
starb zu Toledo schon am 1. Mai 1539^). Ihr Leichnam wurde durch
Franc. Borgia nach Granada gebracht. Der Anblick ihrer durch den
Tod entstellten Züge erschütterte den jungen Mann derart, dass er
der Welt innerlich entsagte, später in die Gesellschaft Jesu eintrat,
und in ihr zum Heiligen heranwuchs. Carl Y. vermählte sich nicht
mehr. Philipp wurde um so bälder in den Ernst des Lebens einge-
führt. Mit hoher Verehrung und Liebe hing er stets an seinem Vater.
Als Carl im Jahre 1641 von seinem unglücklichen Feldzug nach Algier ^^*'
zurückgekehrt, schrieb ihm Philipp einen ebenso zärtlichen als ernsten jagen«.'
Trostbrief. Im Jahre 1542 schon rückte er zum Schuze Spanien's
gegen die eingefallenen Franzosen in das Feld; seine feste und kluge
Haltung erwarb ihm die Verehrung des Heeres wie des Volkes. Im
Jahre 1542 traten die Cortes von Castilien, welche ihm schon im Alter
von eilf Jahren gehuldigt hatten, wieder in Valladolid zusammen. Die
Deputirten brachten hier 16 Gesuche vor. Nachher traten die Cortes
von Aragonien in Monzon zusammen, und huldigten Philipp als künf-
tigem Eonige von Aragonien. Im Jahre 1543 verliess Carl V. das
Land auf mehrere Jahre. Philipp wurde Regent, unter einem Regent-
schaftsrathe, an dessen Spize der Herzog von Alba stand. Schon am
12. November 1543 ging Philipp seine erste Ehe mit der Infantin
D. Maria von Portugal ein. Am 8. Juli 1545 gebar Maria den In-
fanten D. Carlos, traurigen Andenkens. Vier Tage nach der Geburt
ihres Sohnes starb D. Maria, und hinterliess Philipp als Wittwer mit
achtzehn Jahren*).
Philipp fahrte die Reigentschaft in Spanien, bis er im Herbst
1548 zu seinem Vater nach Belgien reiste. In seiner Abwesenheit
führte Maximilian (H.) von Oesterreich, Gemahl Maria's, der Tochter
des Kaisers, die Regentschaft in Spanien. Die Reise Philipp's ging über
Italien, wo ihm Papst PaulJII. das geweihte Schwert der Kirche über-
reichte, über München und die Reinpfalz nach Brüssel. Da er die Sprache
des Landes nicht kannte, auch sehr ernst und zurückhaltend war, gefiel
er den Belgiern nicht. Seine durchaus spanische Art machte ihn
populär bei den Spaniern, unbeliebt bei den Niederländern'). Im
') Florez^ Keynaa Catholicas, D. Isabel Emperatriz, t. If, p. 865—877. —
Plorez führt zwei ^Amigas" des Kaisers an, Margarita Vangeat, die ihm im Jahre
1522 seine Tochter Margaretha gebar, nnd Barbara Blomberg, die am 24. Febmar
1545, an des Kaisers eigenem Geburtstage, den D. Joan d*Auatria gebar.
*) Der Leichnam wurde nach Granada, im Jahre 1574 aber durch Philipp IT.
in den Escurial znrückgeföhrt. Florez II, S. 883—889.
') Rarisaime volte va fnora in Campagna, ha piacere di staral in Camera, co
Bnoi favoriti, a ragionare di coae private; et ae tall* hora Tlmperatore lo manda
la Tiaita, ai acnaa per godere la aolitü qniete. — Relatione di Marino Cavalli , ap«
176 Dreizehntes Bach. Viertes Kapitel.
Herbst 1550 giug er mit seinem Vater zum Reichstage nach Aogabnrf.
Sehr früh trat dieser Unterschied von seinem Vater in dem Wesea
Philipp's II. hervor. Carl V. war bei den Belgiern ein Belgier, bei
den Deutschen ein Deutscher, bei den Italienern ein Italiener, bei
Spaniern ein Spanier, er war von der seltensten Vielseitigkeit
Geistes. Philipp war ein exclusiver Spanier. „Er war in jedem I)
ein Spanier*). Er redete von nichts, und schien an nichts zu denl
als an Spanien.^' Auch seine Rathgeber und Begleiter waren exdadl
Spanier. Die Belgier fürchteten, wenn er zur Regierung käme, wthif
er die wichtigsten Stellen in Flandern ebenso mit Spamem besextf
wie sein Vater die wichtigsten Aemter in Castilien mit Flamlandifl
besezt hatte ^). Der Kaiser schien von der Unpopularitat seines SoIa#
nichts zu ahnen. Auf dem Reichstage zu Augsburg im Aogust IM
wollte er die Reichsfursten zu Philipp's Wahl zum romischen KOm
bewegen. In seinem Gesuche oder Vorschlage sagt Carl V., er scM
sei kränklich, fühle täglich die Abnahme seiner Kräfte and werde sMi
an seinen nahen Tod erinnert. Sein Bruder, obwohl damals romistM
Eonig, sei kaum drei Jahre jiinger und ebenso den Gesezen der Nitfl
unterworfen (er zählte aber erst 47 Jahre und lebte bis zom Jal^
1564). Sein Sohn Philipp aber, Prinz von Spanien, überrage weitii
die übrigen Fürsten des Reichs an Macht und Gewalt, alle andern m
Reife des Geistes, Glück und Geschick in Führung der Geschäfte, •
sei an Fülle der Tugenden und Gewandtheit des Geistes ganz vm
kommen. Niemand sei darum geeigneter, die Zügel der Regierung M
römischen Reiches zu ergreifen und zu fuhren. „Den deutachen A»
gelegenheiten habe er sich mit besonderem Eifer zugewandt, da a
gleichsam, einem Drange seiner Natur folgend, oft mit aller Enei^fl
sich mit denselben befasse ^).^ Er mahne und bitte nun die ChariurM
in feierlicher Weise, ihn zu ihrem Könige zu wählen, damit nid|
seinem Tode keine Uneinigkeit über die Wahl entstehe^). Obgkidl
dieses Document den Namen CarFs und Ferdinand's an seiner Stim
trägt, so war Ferdinand doch mit seinem Inhalte nicht einverstandca
Will. PreacaU, History of the reign of Philip the Second, King of Spain, (3 tm\
Philadelphia, 1874, I, p. 58.
') He was in every thing a Spaniard.
*) TT. PrescoU, I, p. 59 — alla qnal natioae (der Spanier) h inelittto ptt <
qaello che si convenga a preacipe che voglia dominare a diveru. Xar. Cavaffi, L a
*) Remm germaDicaram imprimia stodiosam esse , nt vdoti aadvae doett
sponte ad iUamm vebementem cogitatioDem sepenamero rapilnr (?). D^g^g^ >^
der Spanier Sepulveda: Philippns ipae Hispaniae desiderlo magBopere aeiteibi^
neo aliad quam Hispaniam loqnebator. Sepnlv. opp. t II, p. 401.
') Dminger, Docamente sor Geseh. Carrs, HilUpp's IL nad ihrer Zeit A«
•panischen Archivea (voa Heim). Regensb. 1662, p. 168—169.
Philipp and Cari V. in Dentaehland. 1660—1551. 177
Er wollte weder selbst verzichten, noch Philipp als seinen Erben adop-
tiren. Die väterliche Liebe aber blendete den Kaiser derart, dass er
in seinem Sohne Eigenschaften sah, die Niemand sonst in ihm ent-
deckt Die Deutschen wollten mit Recht einen Deutschen zum Kaiser
haben. Philipp und die Deutschen gefielen sich noch weniger, als sich
Philipp und die Niederländer gefielen. — Philipp musste den Fürsten
in lateinischer Sprache sich verständlich zu machen suchen. Wenigstens
die Fiirsten bewegten sich schwer in dieser Sprache. So wurde denn
za Augsburg am 9. März 1551 eine Kapitulation zwischen Ferdinand
und Philipp geschlossen, nach welcher Philipp auf Ferdinand in der
Eigenschi^ als deutscher Konig, auf Philipp aber Ferdinand' b Sohn,
Maximilian, folgen sollte ')• Es war diess mehr ein anständiger Ruck-
zog für den Kaiser. Denn abgesehen von den Reichsfursten , waren
auch Ferdinand und Philipp für die Ausfuhrung dieses. Abkommens
nicht begeistert. — Die Reichsfursten wollten Philipp auch darum
nicht, weil sie, wie sie meinten, nS^^^fL ^i^^^r dem despotischen Tempera-
mente Carl's V. gelitten hätten'), und sie fürchteten, dieses Tempera-
ment mochte in der Person seines Sohnes nicht gemässigt sein. Die
protestantischen Reichsfursten hofften besonders von Maximilian, dass
er ihren Bestrebungen günstig sein, wenn nicht gar zu ihrer Religion
übertreten werde. Von Philipp konnten sie solches nicht hoffen^).
Im Sommer 1551 kehrte Philipp mit Freuden nach Barcelona zurück —
2. Juli 1551, und übernahm wieder die R^entschaft von Spanien, nachdem
Bammtliche hochfliegende Pläne seines Vaters mit ihm zerronnen waren.
§. 15.
Nach einem Wittwenstande von acht Jahren sollte Philipp ge-
mäss dem Willen seines Vaters eine zweite Ehe eingehen. Diese
zweite Frau war aber nicht die Auserwählte seines Herzens, sondern
die Auserwählte seines Vaters, der vor allem an die Vermehrung seiner
*) S. die Kapitulation ap. DöUinger, 1. e. p. 169-173. Dazu eine ErkISruDg
Philipp'a vom gleidies Tage, dasd er die Kapitulationspunkte halten wolle, S. 173
—115. In einem weitem Doenmente (alle drei in spanischer Sprache) verspricht
Philipp, dass, wenn er seiner Zeit von Ferdinand sa seinem Stellvertreter in Italien
enannt werden sollte, er dort seinen Pflichten entsprechen werde, p. 175—177.
*) PrtseM, I, p. CO. m1*^^7 ^^^ saffered enough from the despotio temper
of Charies the Fifth; and this temper they had no reason to thisk would be mitiged
in the person of Philip.
*) Fa poco grato a Italiani, ingratissimo a Fiamengfai et a Tedeschi odioao.
ReUtione di Micheh Süricmo^ M. S. ap. PrtBcott^ p. 61. — Phelipe segnndo,
rey de Espafia (hasta 1583) , poor Lnis Cabrera de Cordova. Madr. 1619, foL —
Üb. I, ep. 3. — Oe. Leti, Vita di Filippo IL, t. I, p. 195 — 198. — Sepulvedae,
Joannis Oenerii (f 1571), opera, t. IV, 4*. Madr. 17S0. t. II, p. 399-401.
Oaat, ipu. KIreh«, m. a. \2
Phl.
178 Dreisehntes Bach. Vlertea KapiteL
Macht in Europa dachte* Maria, genannt die ^Katholische*, wnidi
im Jahre 1553 Konigin von England* Sie war die einzige Todtie
Heinrich's VIIL und Gatharina's von Aragonien, sie war also Gioi»
tante Fhilipp's IL, und zählte schon 38 Jahre, Philipp erst 25 Jahre
Sie war von schwacher Gesundheit, und von frühem Kummer ahg»
zehrt. Ihre geistigen Gaben und Eigenschaften waren sidier antg^
zeichnet Gern willigte sie in die von Carl V. ihr TorgeachliM
Heirath ein* In dem Heirathsyertrage waren alle Bechte und in
Sprüche England's sorgsam gewahrt. Im Juli 1654 begab sich Pluii||
nach England; am 25. Juli wurde die Vermahlung gefeiert. Phiii||
gab sich die grosste Mühe, das Vertrauen und die Liebe der &f <
lander sich zu erwerben, und schien bei ihnen auch Aneikennnag Si
finden. Als Legat des heiligen Stuhles erschien der Cardinal ItBgiwi
jj '^^ PoUj eine Zierde der Kirche wie der englischen Nation« Die Stimmm
In Eng. in England war im Ganzen diese: „Man war in die neuen Leial
'^^' ohne Prüfung bineingerathen, auf Königsbefehl , grossen Th^h ol||
innem Drang, viele wider Willen. Wenige waren durch eigenes Na4i
denken so sehr darin zu Ebuse, dass sie sich ihrer nicht Ukk^i
Kaufes hätten entschlagen mögen.''
Das Parlament stellte vor Allem die Ehe Heinrich'a VUL i^
Catharina wieder her; gab dann seinen Willen dazu, dass der Kdl^
den Laien entzogen, dass der Cölibat der Geistlichkeit wieder cÜ
gefuhrt werde. Als Elisabeth von England in eine Versdiwöi^
gegen Maria yemnckelt zu sein schien, erwirkte ihr die FörspnAi
Philipp's Leben und Verzeihung. Ganz anders dachte himn sa|
Vater, der aus politischen Gründen auf die Hinrichtung der Thnm
praetendentin Johanna Gray drang.
Im November 1554 erschien Cardinal Pole vor dem Parlamerili
und ermahnte es zur Aussöhnung mit der Kirche. Er braohte «9|
Rom das Zugestandniss, dass die jezigen Besizer eingezogener Kircbi^i
guter in deren Besize nicht gestört werden sollten. Diese war bei dl
Mehrzahl der Deputirten die Hauptfrage. Am 18. November fiuid dil
feierliche Aussöhnung statt. Der Antrag ging bei den Lords oIm
Widerspruch durch. Das Unterhaus zahlte etwa 320 — 330 Mitglicdee
Hier erhoben sich nur zwei Stimmen dagegen, die auch bald ?c^
stummten. Es hiess in dem Parlamentsbeschlusse: „Bfan gedaH
mit Reue und Leidwesen des Abfidles^. In feierlicher Sizung haitt
Häuser und in Gegenwart des Königspaares löste nun der pipstlidt
Legat das Königreich England von dem Fluche der Kezerei (30. Kot«
1654). Den Schluss machte ein Te Deum in der PalaatcapeUe '>
0 Also der Protestant Dahlmann in: Gresch. der englischen BefonutioB,
L, 1848^ S. 80-^1 (6. Anfl. 1853, S. 74). — «7. LingcavL Gesekidite von Eagiaä.
Endo Carra V. 179
Die Hoffnungen der Katholiken gingen nicht in Erfullong. Die
Ehe Philipp's nnd Maria's blieb kinderlos. Die Opposition gegen die
Konigin wnchs. Philipp kehrte, yon seinem Vater abberufen, nach
Belgien zarück — September 1Ö55.
§. 16.
Niedergebeugt durch körperliche Leiden und beständige Miss-
geschicke in den lezten Jahren wollte der Kaiser der Regierung ent-
sagen. Am 25« October 1555 trat er zu Brüssel die Herrschaft über
die Niederlande an seinen Sohn ab *). In seiner Abschiedsrede sprach
der Kaiser u. a. gegen seinen Sohn den frommen Wunsch aus: ,,Mogc
der Allmächtige dich mit einem Sohne segnen, welchem du, wenn du
einst alt und von Krankheit heimgesucht sein wirst, deine Königreiche
mit der nämlichen Gesinnung zu übergeben vermagst, mit welcher ich
dir jezt diese Niederlande übergebe.^ Dieser fromme Wunsch ging
in keiner Weise in Erfüllung. Don Carlos wuchs nicht zum Tröste,
sondern zum bittersten Herzeleid seines Vaters heran. Die Augen
Philipp's (HI.) aber schauten ängstlich umher, ob nicht Jemand da
sei, dem er gehorchen konnte. Wenn aber ein unbeschränkter Mo-
narch nur gehorchen, nicht befehlen kann, so gehet sein Volk und Land
den Krebsgang. Da Philipp II. des Flämischen nicht mächtig war, so
sprach er nur einige franzosische Worte zu den Vertretern der 17 Staaten pi^pp
der Niederlande, und liess statt seiner den Gardinal Granvclla eine ^^^^
wohlgesezte Rede halten^). — Am 16. Januar 1556 übertrug Carl zu
Brüssel seinem Sohne die Reiche Castilien und Aragonien, nebst deren
Nebenländern, in Gegenwart von Mitgliedern des spanischen Adels.
Am 15. September lö56 schiffte sich der Ex-Kaiser nach Spanien ein,
um den Rest seiner Tage im dem Hieronymiter-EJoster S. Just bei
fibera. von Salis, Bd. VU, Frankf. 1828, S. 203—212, — Prescott, L c. t I,
p. es— 130.
') Coleccion de Documentos indditos para la historia de Espafia, t VII,
Madr. 1845« — Forme de qae nsö el emperador cnando hlzo oesion de los Paises-
Ba)08 en la persona del rey Felipe II, p. 534 sq. — Oachard, Analectes Belgi-
qaes, Paris 1830, p. 75--81. — Weiss, Charles, Papiers d'£tat du cardinal de
Granveila, Paris 1843, t. IV, p. 486. ~ Prescoit, U c, I, p. 2—24.
*) Wamm auch, fragt Baumstark, hatte Carl seinen Sohn nicht französisch,
oder fi&miBch, oder Beides lernen lassen? Hatte er es selbst doch auch gelernt
(8. 29, Philipp II. König von Spanien, Freib. 1875). Der berUhmte Donoao Cortes,
. mehrere Jahre spanischer Gesandter in Paris, war durchaus nicht im Stande, die
französische Sprache zu erlernen. Philipp 11. stand eben an geistiger Begabung
viellaicht so weit hinter Carl V. zurUck, als Philipp IIL hinter Philipp II. zurückstand.
12»
180 DrelzehnteB Boch. Viertes Ktpitel.
Flacentia zu verleben* Er zog sich keineswegs, wie min fr^
geglaubt hat, und wie es yielleicht sein Vorsaz war, von allen ndl-
liehen Angelegenheiten zurück , lebte aber dennoch in ernster Vorbe-
reitung auf die Ewigkeit In seiner Einsamkeit starb er am 20.Sep>
tember 1558.
„Am 20. September^, schreibt der Reformator iMancbon, .»
diesem Jahre 1558 ist Carl V., römischer Kaiser und Eonig in Spanii%
nachdem er grosse Dinge ausgerichtet, selig entschlafen in Spa&ii%,
im Kloster, darin er RuHe halber entwichen , und fiist zwei Jahre al
Beten und Liesen zugebracht hat , wie er denn sonderlich gern ii
Bernardo gelesen.
Im Jahre 1521 forderte er die deutschen Fürsten gen Wor^
Damals sagte sein Kanzler Mercurinus, ein weiser und yortrefflid«
Mann, zu dem Kanzler des Herzogs und Curfursten Friedrieb iH
urtheiio Sachsen : ^^Die deutschen Fürsten haben wohl daran gethan , dass «j
Carl V. (^^rl zum Kaiser gemacht haben; denn er wird ein weiser und fromo^
Herr werden. Dass aber diese, eines solchen Mannes Worte ni4
aus Heuchelei, sondern aus der Wahrheit und wohlbedachtem Gefflädl
hervorgegangen sind, hat der Ausgang bezeuget.^ Ueber sein Betrag^
, gegen Franz I. von Frankreich und den Papst sagt er: „Diese HüA
lungen, darinnen sich der Kaiser gar bescheiden gehalten, zeigen gl,
nugsam an, dass er ein weiser, glimpflicher und gutthätiger Herrgjk
wesen ist.^ Er lobt auch den grossen Muth des Kaisers. Es sei tfl
Anfang an der Wille' des Kaisers gewesen, die Sache der Reformatio
gütlich auf einem Concile auszutragen. Diess habe ich, schlieflstfl;
an dem Orte von dem Kaiser Carl anzeigen wollen, dieweil es in tt*
dem Historien ausgelassen ist '). Es sind viel herrliche, grosse Togci*
den in ihm gewesen. Denn für sich selbst war er ein eingezogeotff
massiger Herr. Im Regimente aber sind viele Anzeichen emer höbet,
grossen Weisheit. Und dass er in dieser Regierung Gerechtigketf
und Gelindigkeit gehabt und gebraucht, weiset seine ganze Histoi*
aus, als dass er so viele gefangene Fürsten hat wieder los geltti<%
nämlich Franz, Konig von Frankreich, Papst Clemens, Herzog JobisB
Friedrich, Curfursten von Sachsen, und Philipp, Liandgrafen r«
Hessen«").
Ein anderer seiner Zeitgenossen, der Venetianer CacaUi^ sagt m
Jahre 1551 über ihn: „Die Lebensweise des Kaisers ist die eioea
Christen und eines Privat- Cavaliers. Er sucht sich frei zu erhalt«
') Dis ist: 10 SUidamu, Jo., De sUta relis^ionls et leipiitaieM^ Ciiob qoit»
Caessre, oommeiitarii, Argeotonti, 1555, 1659, 2*.
") Corpiw BefonnatonuD, opp. MeUmMonii, IX, p. 762—708 (et tt Ö0>
r
Urihdle Aber Carl V. 181
Ton allen Fehlern , und ich weiss an ihm keine Unvollkommenheit.
Tielmehr ist er in allen seinen Handlangen, bis zu den geringsten
herab, so ruhig, so besonnen, so umsichtig, in Geberden und Worten
so maassvoll, dass er die allgemeine Bewunderung verdient Er ist
immer leutselig, wallt niemals auf, wird niemals ungestüm, sondern
redet so überlegt, so sachgemäss, so voll Gottvertrauens, dass man
sagen darf, er spreche weder ein Wort, das an sich Tadel verdient,
noch ein solches, das seiner Sache schade" ^). Ein anderer Venetianer,
Omtarini, sagt über ihn: „Der Kaiser ist ein tief religiöser Mann,
durchaus gerecht, frei von jedem Laster, in keiner Weise dem Ver-
gnügen ergeben, wie gewohnlich die Leute seines Alters (der Bericht
ist aus dem Jahre 1525 — 1526), noch hat er Gefallen an Irgend-
welchen Spassen. Er ist ein Mann von wenig Worten und von sehr
bescheidenem Wesen* Er erhebt sich nicht sehr im Glücke, noch
lässt er sich niederbeugen im Unglücke. Freilich ist er empfanglicher
für Traurigkeit, als für Heiterkeit, gemäss der Beschaffenheit seines
Charakters, den ich als zur Schwermuth neigend bezeichnet habe.
Wahrlich nach jenem so grossen Siege über den König von Frankreich
(1625) benahm er sich mit solcher Mässigung, dass es wie ein Wunde^
war. Man sah in ihm kein Zeichen der Ueberhebung, weder in
Worten, noch irgend welchen Geberden. Jedoch hat er eine nicht
sehr lobliche Eigenschaft. Gemäss dem nämlich was mir sein Beicht-
vater sagte, der Franciscaner , der in Valladolid starb, mit dem ich
ziemlich vertraut war, ist der Kaiser von Natur der ihm angethanen
Beleidigungen eingedenk, und kann sie nicht so leicht vergessen^^').
— Die Schwermuth, welche ihm anhing, hatte er eben von seiner
Matter Johanna geerbt ^ und vererbte sie auf seinen Sohn Philipp.
') Berichte der venetianischen Gesandten: Relazione degü ambasdatori veneii
al Seoato, raccolte ed edite da E. Albert. Firenze, 1839—1862, 15 vol. in 8*. —
Serie I. BelazioDe degli stati Europei trafie Italia; 2 Serie Belazione d*Italia; 3 Ser.
Relazione degli Statt Ottomani (Serie I, tom. II, p. 195).
*) £ natnndmente Cesare memore delle injarie fattegli, nö le pnö dimenticare
faoilmente (Relazione, Serie 1, t. 2, p. '62 sq. In seinem Werke: Carl V. und die
deataehen Protestanten 1545—1555, nebst einem Anhange von AetenstQoken aus
dem spanischen Staatsarchiv von SimancaSf Dfisseld. 1865 — hat Wilh. Mauren^
breeher diese Worte ans Ihrem Zusammenhange gerissen, und sagt n. a.: .Leiden-
sohafUieh schimpfend nnd tobend fuhr er (Carl V.) ofl seinen Gegner an; and da-
bei war er eigensinnig, und hielt zäh an dem einmal ergriffenen (bedanken fest.
Eine empfangene Beleidigung vermochte er nicht zn vergessen, seine Rachsacht
war von nachhaltiger Dauer (Contarini 62). Und im Grande war er doch ein
dnrohans ernster Charakter, dem Tiefe des (Gefühls und Tiefe des (Gedankens nicht
abzusprechen ist Bei aller Leidenschaftlichkeit, die in spätem Jahren allerdings
durch seine Kränklichkeit noch gesteigert wurde, war doch der Geist des Fürsten
■^ts auf ernste Aufgaben gerichtet (1. c, S. 171).
1
182 Dreizehntes Buch. Viertes Kapitel.
Aber er wusste sie mehr, als dieser, zn beherrschen. Tiefe Rdigi(
war es, welche ihn, als er zum lezten Male die Erde Spanien's
treten, drang, niederzoknieen und zu sagen: Nackt bin ich h(
gegangen aas meiner Matter Schoosse, and nackt werde ich
kehren in den Schooss der Erde. Das Kloster San Jeronimo de Yi
in welches sich der Kaiser zoriickzog, lag bei Plasentia^).
In Spanien hat zuerst als Lobredner GarPs Peiru$ de
herausgegeben: Coronica del Emperador Carlos V. en la qoal
') In der vortrefflichen Literatargeschichto der Orte Estremadnra's, in vric
Provinz San Yaste liegt (Catalogo razonado y critico de los libros, Biemoriis|
pspeles ImpresoB y mannscritos, que tratan de his provinclas de Estieaadi
compnesto pör Vieente Barrante8^ 4', Madr. 1865), findet man noter dem
S. Yaste die Literatur Aber das Klosterleben CarPs V. (p. 231 —242) reoeiii
Schriften nämlich, daronter mehrere M. S., namentlich von dem gieidneit
Hieronymiten, Fray Martin de Angtdo und einem Ungenannten um 1580.
Jahre 1578 liess Philipp II. den Leichnam seines Vaters in den Escorial briogts.^
Lettres de Quill, de Male sor la vie intörienre de V emperenr Chirlea
pnbL poor la premiäre fois par le baron de Reiffenberg, Bmzell« 184S.
Cloister-Ufe of tfaeemperor Charles V., by WiU. Stiriing, 3 edition
London, 1853. ~ (Wilh. Stirling, das Klosterleben Carl's V., ans dem
von Lindau, Dresd. 1853). — Rötraite et mort de Charles - Qniot an moDaitäe
Saint-Tuste. Lettres inödites pnbliöes par M. Oachard. BmzelL 1854—1856. 3
in 8'. — Relation des ambassadenrs Vönitiens snr Charles -Qoint et Philippe
pnbL par L. P. Oaehard. BmxelL 1856. — Charles - Qoint, son abdieatiot,
söjour et sa mort an monastöre de Joste, par F. Ä. Mignet, 3 Mit Par. 18&i.
W* Preecott, Klosterleben CarFs V., aus dem Englischen, Leipz. 1857. (W,
t 1859, hat eine neae Ausgabe der Geschichte CarFs von W. Roberimm
und ihr beigef>: An acconnt of the emperor's lifo after his abdicatioo ,
1856. (1^57, 3 voL 8*.) Des Kaisers Carl V. Correspondens. Ana dem k(
Archiv und der Bibliothek von Bourgogne au BrQssel, mitgetheüt von Carl
(1513—1556), Leipz. 1844—1846. 3 voL 8*. — Cartas al emperador Cirioi
eseritas en loa afios 1530—1532 por su oonfesor (Oarda de Loayea) tn
Arohiv von Simancas, publ. par C. Heine. Berlin 1848. Dieselben Brief«
in: Colecoion de documentos inMiios, t. XIV, Madrid 1849 (CorrespoDdeada
Cardenal de Oama (Loagea^ Cardinal 1530, Bischof von Osma 1525—1532,
Siguensa 1532—1539, sniert Ersbiaehof von Sevilla) oon Carlos V.). —
dance of the emperor Charies V., and his ambasaadots at the ocoit of
and France, from the original letters in tiie imperial fiunily archives at
publlshed by WOk BratJML Lond. 1850, 2 voD.
Mit Besag auf das genannte Werk von Mamrenbreeher vom Jshrs 1^
erschien cum: .Studie über den KaiserCariV^ von dnem protestantisdiea
In Historisdi-polit Blittar, Bd. GO, 8. 1—17, 109—131. 213-233, 345-»i'
433--45K
Kmrvffn de LetfenAeu«, EGstoirede FlaaAra (792—1792), BmxelL 1847-18^
6 ToH. (Desselb. ComsMutare Gaifs V.) — Lee gnmdes et soteaseUei po^^
nrnebrt^ Hutes k Bnixdle poor le aerviee de Charies- einqnlteoM, IWi, 1569-^'^
Will Roberieom. HisCoiy of die Emp. Chariea V», Lond. 1769, 3 t 4*. {D^
von Aaner, Biannsch. 1798; 3 Bde^ neue Ausgabe von iVeaoo«, Boston. 1656-i^^
f
Schriften ttber Carl V. 183
trata la jastisima gaerra, que 8u Magestad moviö contra los Luteranos
y rebeldes del Imperio, y los sucesos que tuvo. Hispali 1552; (Italie*
nisch, Neapoli 1548. fol.) Gegen dieses Werk erschien, als Mann-
script, eine Satyre: Epistola Bachalauri Arcadis, von DidacuM Hurtado
de Mmdoza *). Eine sehr unparteiische Geschichte des Kaisers schrieb
der Zeitgenosse und Augenzeuge Joann. Oenerius Sepulveda aus
Cordova: De rebus gestis Caroli V* Imperatoris. Aber dieses
Werk blieb, vielleicht gerade wegen seines Freimuths, ungedruckt.
Andr* Schott (in seiner Bibliotheca Hispana) sagt: „Es werde von
ansem Eonigen aufbewahrt') (d. i. unter Verschluss gehalten). Nicolaus
Antonio vennuthet nur, es sei lateinisch geschrieben. Erst im Jahre
1780 erschienen: Sepulvedae Cordubensis Opera tum edita tum ine-
dita, accur. regia histor. Academia (edente Fr. Cerda y Rico), Matriti
1780, 4 vol. in 4®., wovon die zwei ersten Bände die bis dahin un-
gedruckte Geschichte Carl's V. enthalten.
Carl V. war in Spanien zu Lebzeiten nicht populär. Das Blut
der Spanier floss in Strömen in seinen auswärtigen Ejriegen. Seine
beständige Gieldnoth zwang ihn zu beständigen Erpressungen. Dazu
kamen die Erinnerungen an die ersten Jahre seiner Regierung, die
harte Behandlung der niedergeworfenen „Comuneros^, und die Miss-
handlung oder doch Missachtung der Cortes. Das Angesicht des
grossen Kaisers, das freundlich erschien den Belgiern, den Deutschen,
den Italienern und den Bewohnern der „neuen Welt^, es leuchtete nicht
holdselig den Spaniern. Sie mussten immer zahlen und immer bluten.
Erst nach seinem Tode, unter Philipp IL, und noch mehr unter
Philipp III., wurde Carl V. populär auch in Spanien, wegen des Glanzes
seiner Regierung, deren Druck nun nicht mehr gefühlt wurde, und erst
so spät konnten Lobwerke über ihn erscheinen, unter denen das des
Bischofs Prudent. de Sandoval hervorragt: La vida y hechos del empe-
rador Garlos V.")
•) Tieknor ' JuKu8, II, p. 769—760.
') Vtlladolid, 1604; Pamplona, 1618, 1634; Antwerpen, 1681. ^
Fünftes Kapitel
Frühere Zeit der Regiemng PhUipp'8 IL (155t -INI)
§. 1.
PhUipp blieb im Jahre 1556 in Flandern zarfick. Noch osomI
kam er zo seiner Gemahlin nach England aof knrze Zeit — IKL
Diese starb zwei Monate nach Carl Y., am 17. November 1558, oai
die Gewalt fiel in die Hände Elisabeth'sO* Die Mntter dea Kiisaii
D. Juana, war in Tordesillas am 11. April 1555 gestorben. Geboret
am 6. November 1479 hatte sie ein Alter von 76 Jahren erreicht, eä
höheres Alter, als irgend ein Mitglied ihrer Familie. Ihre Tocbtir
Bleonora, Gemahlin des Königs Emmanuel von Portugal (f 1525), m'
Franz I. von Frankreich (f 1547), äberlebte den einen und anden,
und kehrte mit ihrem Bruder Carl Y. nach Spanien zurück ^ 1566.
Ihre Tochter Maria war mit dem Infimten Sebastian von Portugal ver-
mählt. Nachdem sie diese ihre Tochter besucht hatte, starb sie n
Talavora de Badajoz, im Februar 1558, und wurde zu Merida b^
graben, von wo ihr Leichnam im Jahre 1574 nach dem Escorial ober-
tragen wurde.
So lebten am Ende des Jahres 1558 nur noch Philipp IL ^
sein Sohn Don Carlos, sowie Ferdinand von Oesterreich, ans der F«-
miiie des Kaisers.
p. 890—893. Sie war geborea& Mr-
FhrtB, Reynaa cattolieas. II. p. 890-898. Sie war jrebom& Mr- '^^^
PMHpp'8 II. Krieg Bit Papat Paid IV., 1656. 185
§. 2.
Ganz gegen sein Erwarten wurde Philipp IL znerst in einen
Krieg mit Papst Paul IV. (1555 — lö59) verwickelt. Dieser Papst
sah in der Ausdehnung der Herrschaft und der Besizungen Philipp's
IL eine Gefahr für die Unabhängigkeit des Kirchenstaats und Italien's,
und schloss mit Heinrich IL von Frankreich ein Bundniss gegen
Philipp — 17. December 1555. — Frankreich sollte das Königreich
Neapel unter päpstlicher Lehensoberhoheit erhalten, Italien in einem ge-
wissen Sinne den Herrn wechseln. Einige Wochen später schloss
Frankreich einen fünfjährigen Waffenstillstand mit Philipp IL, handelte
also treulos an Papst Paul IV. — Zur Entschädigung sollte ein Theil
des Königreichs Neapel mit dem Kirchenstaat vereinigt werden. Frank-
reich suchte zugleich ein Bundniss mit dem Sultan Soliman. Papst
Paul IV. liess gegen Philipp IL den Process wegen Vorenthaltung der
Lehensieistungen instruiren; Neapel, wurde erklärt, sei an den Papst
zurückgefallen, weil der Vasall seinen Pflichten sich entzogen. Der
jüngere Herzog von Alba, damals 49 Jahre alt, führte die spanischen
Truppen zum glänzenden Siege. Er drang bis zu den Thoren Bom's ^^^
vor, schloss sodann einen Waffenstillstand mit dem Papste, und kehrte Pap^
nach Neapel zurück — 1556. Philipp IL wollte den Papst in jeder '*"''^-
Weise schonen. Da kam, gerufen von dem Papste, ein französisches
Heer unter dem Herzog von Guise, in den Kirchenstaat, um Neapel
zu erobern. Alba vertrieb die Franzosen aus Neapel, und stand wieder
▼or Rom. Die Römer verlangten nach Frieden, Frankreich's Hilfe war
ohnmächtig. Nach dem Siege der Spanier bei Set. Quentin — 10. Au-
gust 1557, wurden die Franzosen aus Italien zurückgerufen, und Papst
Paul stand allein. Philipp IL bot dem Papste einen sehr billigen Frieden
an. Das spanische Heer musste den Kirchenstaat räumen, Alba öffent-
liche Abbitte leisten, weil er gegen den Papst die Waffen getragen;
Spanien behielt Neapel als Lehensträger des Papstes — 1657 ')•
Einen neuen Sieg über die Franzosen erfocht der Graf Egmont
bei Gravelines — 1558. Als die Königin Maria gestorben, und Phi-
lipp IL die Feindseligkeit ESlisabeth's voraussah, verlangte er einen für '''''^*
beide Theile ehrenvollen Frieden mit Frankreich zu schliessen. Warum mok-
sollten sich die zwei einzig übriggebliebenen katholischen Mächte der ^^}^
Welt in nuzlosen Kämpfen aufreiben? Im April 1559 wurde der
*) Pruooit, Philip de Secoad, oh. V— VI. t I, p. 131—189. — Giafione
Ittoris di Rapoli, t X (von welchem Werke anch eioe deutsche Uebeiaesnng
snehisD).
186 Dreizehtttea Bnch. Ffinftes KapitoL
Friede von Chateau - Caoibresis geschlossen. Philipp IL bcUoii
seine dritte Ehe mit der 15 Jahre alten Elisabeth von Yalots. B«i
einem Turnier, das znr Feier der Hochzeit gehalten wurde, wurde ihr
Vater, Konig Heinrich H., durch den Splitter einer Lanze am Kopfe
getroffen, und starb am 9. Juli 1559').
Am 2^. August verliess Philipp Belgien, und erreichte am 8. S^
tember die Küste von Spanien, um seine Heimath nicht mehr zu TCf^
lassen. Zur Feier seiner Ankunft wurde u. a. zu Valadolid ein AtM
dafe gehalten, wo kurz zuvor eine protestantische Gemeinde entdectf
worden war. Schon am 21. Mai war ein erstes Antodafi gehw
worden, in Gegenwart des Infanten D. Carlos, wo u. a. zwei Lotb«
raner verbrannt wurden« Dem weitern Autodafe vom 8. OctoM
Philipp wohnte Philipp und sein Sohn bei. Achtzehn Personen wurden ^
in gpa- urtheilt, von denen drei wegen Hartnäckigkeit den Feuertod litteD^
Dien. _ ^nj 12. Februar 1560 kam Elisabeth von Yalois in Toledo fli
Am 22. Februar empfing D. Carlos in der Cathedrale zu Toledo m
Huldigung als Thronerbe.
f
I
§• 3* I
Die Verdienste der Spanier um das Zustandekommen und dU
glückliche Beendigung des Concils von Trient sind allgemein aotf"
kannt. Viele durch Gelehrsamkeit und Tugenden ausgezeichnete m
nische Kirchen försten wohnten demselben bei*). j
Nach ihrer Rückkehr veranstaltieten die spanischen Prilaten am
Anzahl von Provincialconcilien zur Bekanntmachung and Ausiuhrw
der Beschlüsse des Trienter Concils. Am 8. September 1565 woral
in der Cathedrale zu Toledo ein Provincialconcil eröffnet, ond la
15. Mai 1566 geschlossen, dem sechs Bischöfe, n. a. der gelebrtfl
■) Pre$eoU, I, p. 190—269. (War whit, Fraaoe eto.)
*) Llorente, Inquis. d'Espagoe, II p. 220; 233—231. - Äteie, di> B«Ar
matten in Spanien, (deatsoh von PUeninger), 1835, p. 290-* 331. — Pn$eiU, I>
p. 380-411.
') Ein kflrzeres Veneichnias steht bei A^rro-Catalani, t VI, p. Jl-^
— Pedro SaJinz de Baranda hat einen aosfUhrlichen Gatalog mit konen Biogn
phioen der einseinen Spanier, (and Portngtesen) in: ,DoenmentosinMitos p. li kiitvü
de Espafia. t IX, Madr. 1846, erscheinen lassen: .Noticia de los Efl|Mlioiei| ^
asistieron al concilio de Trento*'. — Diese .Nottda* ist wieder abgedradrt io t IV
der ConoiliensammlnDg von Tejada y Ramiro, Hadr. 1869, p. 520—510. Ib J«^
1787 hatte der Portugiese Anion, Pereira de Figueiredo endieiaaB Ut^'
Portngueaes nos Concilios geraSs (oder Bericht über die portogiaiiidM* ^
sandten, Prilaten und Doetoren, weldie den allgemeinen Coneilien, von d«B entca
Lalenaensisohen Us com lesten Tridentinisehea, angewohnt (Lisboa, pp^ 134 4*); tt
hatte im Anhange aneh «los CastelhanoB no Concilio de Trento* wa^gdUut
Concil Yon Trient; Proyineid-Coiidlien yon 15B5— 156G. 1B7
Didacos Covamivias vod Segovia (f 27. September 1577), der im Jahre
1569 selbst eine DiöcesaDsynode hielt, anwohnten*). — Es folgte das
Frovincialconcil von Valencia, welches der Erzbischof Martin, de Ayala
am 11. November 1565 eröffnete, nnd am 24. Februar 1566 mit der
fünften Sizung schloss. Der Erzbischof und zwei Bischöfe wohnten
demselben bei*). — Das Provincialconci) von Compostella warde in
der Cathedrale von Salamanca am 8. September 1565 eröffnet. Die
zweite Siznng fand am 25. April, die lezte am 28. April 1566 statt.
Der Synode wohnten neben dem Erzbischof zwölf Bischöfe bei'). —
Das Provincialconcil von Zaragoza wurde im Jahre 1565 eröffnet. Der
Infant nnd Erzbischof Ferdinand von Aragon berief es. Der Cardinal
Aguirre hatte vergebens gehofft (1693 — 1694), die Akten dieses Con-
cils zu erhalten. Er und nach ihm Catalani roussten sich mit einer
kurzen Notiz über dieses üoncil begnügen. Tejada y Ramiro dagegen
erhielt auf seine Bitten die lateinischen Akten von dem Canonikus
Benito Garrido*). Fünf Bischöfe wohnten dem Concile an. Es wurde
vom September lf-65 bis 17. Februar 1566 gehalten. Auch zu
Granada hielt der gefeierte Erzbischof Petrus Guerrero, im Jahre 1560»
ein Provincialconcil, dessen Akten der Cardinal Aguirre nicht ent-
decken konnte. Nach den Mittheilungen, welche Tejada von dem
Canonikus Kafael Barea y Avila erhielt, konnten die Akten des Con-
cils, wegen starker Opposition des Domkapitels, nur theil weise ver-
öffientlicht werden^) Das Concil beschäftigte sich u. a. mit den Un-
gerechtigkeiten und dem Drucke gegen die Moriscos, die ein schweres
Hindemiss ihrer Bekehrung waren. Das Concil richtete auch eine
Supplik an den Papst, er möge den Priestern in Deutschland nicht
gestatten, zu heirathen*).
In den Jahren 1564, 1565, 1566, 1567, 1569, 1572, 1574, 1577
a. s. w. wurden regelmässig wiederkehrende Provincialconcilien für die
Kirchenprovinz Tarragona gehalten. Aguirre wusste nichts von diesen <^^'
Concilien. Dieselben sind erst in neuester Zeit theilweise bekannt ge-
worden, durch den Erzbischof Josd Costa y Borrä$ (f 1864), und in
der Conciliensammlung von Tejada y Ramiro'^).
*) AguirreCaialani, t. Y, p. 890-411. — Tejada yBanUro, t. V, p. 217-260.
») Aguirre 'Catalani, V, p. 411-436. — Tefada, V, p. 261—313.
*) Ibid., V, p. 445-4G0-462; Tejada, V, 314-346.
*) Per ciiyo acte lo estaremos etemsmente reoonoeidos, Tefada, V, p. 347.
*) In den Gonstitaciones sinodales, welche Gueirero auf der von ihm im
Jahre 1572 gehaltenen DiOceaansynode vefiflndigte.
•) Tefada, V, p. 3r,l -400.
^ Es war höchste Zeit; denn P. Botoall in Barcelona bat mir en&hlt, daaa
das Archiv der Cathedrale von Tarragona zum Theil durch NaohlSsaigkeit seiner
Hfiter mehr oder weniger vom Fener zerstört woiden sei.
188 Drelsehntes Buch. Fttnftos Kapitel.
Tsjada erklärt, dass nach seinen Nacbforschnhgen Tom Jahre
1564 an bis zum Jahre 17d7 nach und in Folge der Decrete des
Concils von Trient 36 Provincialconcilien gehalten worden. Die Con-
cilien der Jahre 1564 — 1566 wnrden dnrdi den Erzbischof Ferdinand
Ton Loazes berufen.
Er folgte im Jahre 151^0 dem ^Admtnistrador^ Doria, wurde im
Jahre 1566 Patriach von Antiochien, im Jahre 1567 Erzbtsdiof von
Valencia, nachdem er von 1542 — 1660 nach einander Bischof von
Perpignan, Lerida und Tortosa gewesen war. Bei erledigtem Size
berief der General vicar das Concil im Jahre 1567. Das Concil von
1569 berief Wilhelm Cassador, Bischof von Barcelona, im Auftrage
des Oardinals und Erzbischofs von Tarragona, Caspar Cenrantes de
Gaeta, der zwar im Jahre 1568 von dem Size von Salemo auf das
Erzbisthum Tarragona befordert worden, sich aber damals noch in
Born befand. Das Concil von 1572 (und 1574) wurde durch den
Cardinal selbst berufen, welcher für seinen Sprengel auch ein Semi-
narium Tridentinum in's Leben rief.
Bei allen oder fast allen diesen Concilien war ein weltlicher
Commissär Philipp's zugegen*). Philipp II. legte den Concilien auch
die Punkte vor, welche er verhandelt wissen wollte. — Wie das Concil
von Granada, so richtete auch das Concil, das im Jahre 1564 zu
Tarragona begonnen, im Jahre 1565 zu Barcelona fortgesezt wurde,
eine gelehrte Bittschrift an den Papst, er möge die für Deutschland
gestellte Bitte um Aufhebung des Cölibats der Geistlichen nicht ge-
währen. Es war Philipp II., schon damals „päpstlicher als selbst der
Papst^, welcher durch seine „Cedulas^ an die Bischöfe diese Bitt-
schriften an den Papst zu Stande brachte.
Philipp II. hielt das königliche Placet in der strengsten Weise
fest. Nachdem er am 12. Juli 1564 das Concil von Trient in feier-
licher Weise acceptirt*), dessen Protector zu sein er vorgab, liess er es
mit der Clausel verkundigen, dass diese Decrete zu vollziehen seien,
soweit sie den königlichen und den Landesrechten nicht präjudicirten').
Viele sehr heilsame Beschlüsse des Tridenter Concils blieben anans-
') Durch Breve vom 4 /Nov. 16()7 warden zwar verschiedene »CorrectioneB*
an dem Concil von Valencia angeordnet, aber von der Anwesenheit eines köoi^-
licben Commissärs ist keine Rede. BuLUxr. Roman, ed, Taurin^ T. VII« 186S,
p 631—633. S. daselbst Breven vom 27. December 1567 und 12. October lö69ftber
die Ck>ncilien von Toledo und Santiago, dem Wortlaute nach siemiich gleich.
*) L$y 13, tit 1. L. 1. Novisima Becopil.
') Jo. Covarruoiat, Mazimas sobre los recnrsos de fuena, tit 19. — Colee-
don de Conoordatos y demas convenios oelebrados despnes del oonoUio TVideatiBO
entre los reyes de Espafia, y la Santa ^Sede, Hadr. 1848, p. 262.
Philipp IL wacht über den ConcUien. Toletaner Ck>ncil von 1582. 189
gefohlt, weil sie dem Könige nicht convenirten '), worüber sich nachher
diese Könige am meisten beklagten. Der Absendang weltlicher Com-
missare zu den seit 1ÖG4 gehaltenen Concilien suchten die Päpste
Plus IV. und Pins V. vergebens entgegenzutreten. Nur bei dem im
Jahre 1565 zu Zaragoza gehaltenen Concil werden diese Commissäre
nicht genannt, woraus nicht folgt, dass sie nicht erschienen. Einem
Conflikte zwischen liom und dem Könige suchte man auf künstliche
Weise auszuweichen. Der Nuntius hatte das Verbot der Anwesenheit
königlicher Commissäre zu intimiren. Die Concilien wurden darum,
früher als das Verbot mitgetheilt wurde, in Gegenwart dieser Com-
missäre gehalten.
Im Jahre 1582 berief der Cardinal Caspar Quiroga wieder eine
Synode nach Toledo. Am 8. September 1582 wurde die Synode er«
Offiiet. Der Erzbischof trat hervor aus seinem Palast, begleitet von
seinen Suffiraganen, und dem D. Gomez von Avila, Marquis de Velada,
dem Legaten des Königs an das Concil. Zum Voraus hatte Papst
Gregor XIII. Kenntniss davon erhalten, und am 30. October 1581 an
den Cardinal Quiroga geschrieben, und ihn gewarnt, er möge nicht
zulassen, dass bei diesem Concil die Freiheit (der Kirche) durch
königliches Einmischen verlezt werde. Näheres werde er durch den
Nuntius in Madrid erfahren. Trozdem fand das Concil in Gegenwart
des königlichen Legaten statt. Am 8. September 1582, am 9. und
12. März 1583 wurden drei Sizungen gehalten. Das Concil ist nach
dem Cardinal von sieben Bischöfen und dem Abte von Valladolid
unterschrieben. Die Akten wurden nach dem Gebrauche zur Genehm-
haltung nach Rom gesandt. Die Congregation des Concils wollte sie
nicht eher bestätigen, bis der Name des königlichen Commissärs ge-
tilgt sei. Der Cardinal suchte durch den Nachweis einer alten Ge-
wohnheit sein Vorgehen zu vertheidigen. Vor der weltliehen Gewalt^ '>m
die er fürchtete, bewies er Feigheit, der kirchlichen Gewalt, die er ^"a
nicht fürchtete, gegenüber bewies er Troz — oder Unwissenheit. Car- >m3.
dinal Philip Boncompagni schrieb ihm im Jahre 1584 u. a.: „Es wird
niemals gefunden, dass weltliche Fürsten oder deren Nuntien Concilien
angewohnt haben, ausser den allgemeinen, wo es sich um den Glauben,
die Beformation und den Frieden handelt'). Nach langen und hizigen
') Salgado de Somozc^ Frane,f Tractatns de Bapplicatione ad Sanetissimum
a bnllis et literis Apoatolicis aeqnam et importane impetratis in pernieien rei-
pnbücae, regni, aat Begia, ant juris tertii praejadieium, et de earnm retentione In-
terim in Senata. Hatriti, 16^9 — 2*. — Lngdnni, 1664 — 2*. - Pars I, op. 2. 2.
43* 134 seq. (Diess das Werk , welches Orti y Lara .de snpplioatlone Sanctonun'*
— handeln Usst).
^ ViUanunOf Soma^concil Hispaniae, T. H, p. 232.
190
Dreiiehntes Buch. Fflnftes Kapitel
Streitigkeiten über diese Sache befahl Papst Gregor XIIL durch Brere
vom 26. Januar 1585, dass der Name des königlichen Abgeordoetfa
aus den Akten der Synode auszulöschen sei*). — Der Papst boft,
dass der Cardinal seinen und des apostolischen Stahles BcfeUeo, wn
hillig, gerne gehorchen werde*).
Man darf sich nicht wundem, dass von nun an, ausser der Kirtlx^
provinz yon Tarragona, die Provincialconcilien in Spanien ganz i^
horten. Das Concil des Jahres 15^2 war das lezte, welches zo ToMi^
aber auch in den Kirchenproyinzen von Valencia, Zaragoza (?), Com]*
Stella, Burgos, Sevilla und Granada gehalten wurde — bis tum b»
tigen Tage. Mit ihm schliesst die Conciliensammlung von ÄgHim k
Spanien ab. Diocesansynoden wurden auch im siebenzehnten and yM
achtzehnten Jahrhundert gehalten, sie brachten aber bei der Aligtvd
des Staates wenig Frucht'). Philipp IL war auch der Todtcngrikc
der Conciüen von Spanien. Das allmälige Erloschen derselben «f
die folgende Uebersicht:
Jahr der Con-
oilieii:
Ort:
BemCnider:
1513
10 Sevilla
Dtdaens Deza
1517
. Barcelona
Cardona
15W9
, Tamgona
9
1513
• •
Doria
1552
« Lima
ZweifelhaH
1555
. Mexico
Hoirtnrar
155^
, Tamgona
Doria.
1564
9 •
Loases
1565
, Toledo
Rojas
ZaU nd Jnhalt dar B9td»m
Ordnoog derDisdplüi^MCH
Erlass von («enfgstsiis 6) Gl
atitiitiooes.
WoB%Btens I CaBon.fiberZeM
Anordnoiig von GonadüttkeH
Die Aatheneitit wird bezveifii
93 CSanoaei.
Annahme des Trienter Goicfli I
cret V. d. Revdeu.
In 3 Sisongen — 59 CiBoMi
>> Fittanufio, II, p. 250.
*) Aguirrt, Coneil. t IV, p. 224. (Lib.4 Deeret Congregmt Oooe., p. 18-1)
Agmrr^Caialami, VI, p. 20-24. Benedict XIV, de syn. dioeeesana, illt<f
nr. 6. — H^rgetti^üher, L c, p. 29.
*) Speramu»^ te Nostris atque apoatolieae Sedis mandatis iibenter, nü M,
obtemperatomm esse. — Äguirre-Caüdani, VI, p. 21. Siehe die Aktes <1«^
cils nnd die Nachtrage dam, ibid. VI, p. 1 -26. - Tefada y Eamiro, M
p. 400—485. Aus den weitem hier mitgethetiteo Verhandlungen swiseha ^^
ttud dem Könige, dem jeder dnielne Antrag des Coneils, bevor er BeieUmivp
vorfel«fi weiden muasto, ogieioh Philipp 11. damals in Lissabon weilte, ge^ ^
vor, dass nie ein Papst ein Coneil so sehr ttberwaehte, teilst«, ooaip^i ^ *
KWasIs aoieehtwies, wie dieser Papst- KOaig.
') ÄnL AUns SckuM, W» Bisthnmssynode, II, 2 Abth , BegsMbeiy, 1^
i 152. %. 191-193. 8. 64 flg. S. 2G3.
Ende der Concilien.
191
liIrderCoB-
eOien:
Berufender:
Zahl und Ldialt der Besehlftflse:
1565
in Valencia
Ayala
1565
, Salamanca
Znfiiga (v. Santiago)
1565-1566
„ Granada
Ouerrero
1565
„ Zaragoza
D. F. de Aragon
1565
, Mexico
Mootnfar
1567
0 Lima
1582
. Toledo
Quiroga
1584
0 Tarragona
Agnstin
1585
0 Mexico
Moya
1587
0 Tarragona
Tere«
1591
n Lima
Mogrovejo
1591
0 Tarragona
Terea
1598
n •
n
1601
, Lima
Mogrovejo
1602
. Tarragona
Terea
1607
^ n
Vieh y Manrique
1613
« •
Moncada
1614
.Zaragoza
Manrique
' 1618
0 Tarragona
Monoada
1625
• »
Hozea
1635
» s»
Perez
1654
II n
Rojaa
1659
■ •
«
1664
II »
Eapinosa
1670
» «
•
1678
• •
»
1685
0 II
Sanchez
1691
II »
•
1699
« II
Llinaa
1712
« •
Bertran
1717
« II
fi
1722
II II
Samaniego
1727
II II
•
1733
% »
Copona
17J8
» «
II
1745
II n
s
1752
« »
*
n57
» «
Gortada
"57-1878
1
1771
, Mexico
Lorenzana
1772^1773
n Lima
Parada
In 5 Siznngen — 102 Canonea.
In 3 Siznngen 87 Canonea.
Drei Conatitntionen (Sizangon).
28 Canonea.
Die Akten aind nicht vorhanden.
In 3 Siznngen 61 Canonea.
Anordnung von Conatitntionen.
21 Canonea.
Ordnung der Cnrie. 2 Canonea.
Ordnung dea Stilea der Decretalen.
5 Siznngen.
In 2 Siznngen 6 Canonea.
In 38 Siznngen 4 (?) Canonea.
Mehr ala 32 Siznngen. Reine
Canonea.
13 Siznngen.
Nicht gedruckt
8 Siznngen; ohne Conatitutionea.
12 Siznngen.
In 52 Siznngen 6 (bekannte) Ca-
nonea.
Man weiaa von 8 Siznngen.
In 21 Siznngen 1 Canon (bekannt).
dl Siznngen. Litnrgiache Conati-
tntionen.
In 31 Siznngen7(bekannte) Canonea.
In 33 Siznngen 10 Canonea.
In 31 Siznngen 13 Canonea.
In24 Siznngen 4 (bekannte) Canonea.
(Ba wird belbhloa, dMs der Ersbliehof aleh
ianMr aFrimaa" Ton Bpanlea nemi«.)
In 23 Siznngen 7 Canonea.
Ende der Concilien von Spanien.
Die Akten in Madrid aequeatrirt.
Die Akten in Madrid aequeatrirt
192 DrateokUea ÜMh. Fhiln KapitaL
§• ^
Die oDheObare Leidenscliaft Philipp'« II., die Kirche wie den
Staat in*8 Kleinste zu regieren, Papatkonig seiner Lande und Völker
ZQ sein, brachte ihn in beständige Gonilikte mit den ]n4isten seiner
Zeit; nnd mit den ansgezeichnetsten dieser Pipste in die heftigsten
Conflikte. Mit Papst Pins IV. (löo9— 1565) hatte er Conflict wegen
der Concilien. Mit Papst Pins V., dem Heiligen, hatte er denselben
Conflict. DazQ kamen noch mehrere andere Differenzen, sowie über-
haupt die Grosse dieses Papstes anch in seinen Verhandinngen mit
Spanien sich zeigt.
HotpHir £g gpi^ Jq Spanien zn viel Hospitaler, die in schlechtem Za-
stande waren. In manchen Städten zahlte man Spitaler zn Duzenden,
nnd die Armen worden doch nicht nnterstüzt Manche Spitaler dienten
nur dazu, gewisse dort Angestellte zn unterhalten, wdche das Got
der Armen Terzehrten. Die Cortes beschwerten sich bei Philipp IL
über den schlechten Zustand der Spitaler. Der König schritt zur
Redoction und Reform der Spitäler, gemäss einer Bulle Papst
Pins V. Tom 6. December 1566, nnd einer erläuternden Bulle vom
9. April 1567. In Madrid wurden eilf Hospitäler in eines, ge-
nannt Hospital „General^, Terschmolzen ')• Daneben blieben ver-
schiedene Spitäler bestehen , besonders wenn sie auf besondem Stift-
ungen beruhten.
Der ehrwürdige Obregon, aus Burgos, Hauptmann in dem Heere
in Belgien, hatte einst in der Aufregung in einer Strasse von Madrid
Jemand einen Schlag auf die Wange versezt Der Geschlagene bat
ihn um Verzeihung, nnd reichte ihm die andere Wange dar. Von
dieser Demuth wurde Obregon so ergriffen, dass er ein neues Leben
begann. Er gründete ein kleines Spital in da* Strasse von Fuencaml,
welches bald darauf mit dem allgemeinen Hospital vereinigt wurde.
Er stiftete die nach ihm genannte Congregation für den Dienst der
Armen in diesem Spital. Dort lebte und starb er. Statt der
unterdruckten Spitäler wurden in Madrid bald neue gegründet, einige
durch verschiedene Bruderschaften, andere durch Angehörige der ver-
schiedenen Länder, die zu Spanien in engem Beziehungen standen,
Flamänder, Irländer, Italiener, Einwanderer aus Aragon, Navarra nnd
andern Provinzen errichteten viele Spitäler.
In Sevilla gab es 16 Hospitäler; nach längern Kämpfen und Ar-
beiten, nachdem man noch andere päpstliche Bullen erlangt hatte.
') I^ 11, tit 38, lib. VIII, NoU I der Novisims BeoopOaeion.
Der heilige Johann von Gott 193
wurden sie auf zwei reducirt, das vom „heiligen Geist", und von
,,der Liebe Gottes". In Salamanca gab es 22 Hospitaler, fast alle
gegründet von Bruderschaften oder Privatpersonen. In Kraft der Bulle
Pius V. wurde die Vereinigung im Jahre 1581 durchgeführt. — Sie
wurden von einer Junta geleitet.
§. 5.
Johann von Gott, geboren zu Montemayor in Portugal im Jahre Johann
1495^ kam, neun Jahre alt, nach Spanien. Nach vielen WechselßJlen Qo"t,
eines unruhigen Lebens kam er nach Granada. Hier horte er eine
Predigt des ehrwürdigen Juan de Avila, und wurde so ergriffen, dass
er seine geringe Habe den Armen gab, durch die Strassen lief,
und sich wie ein Thor geberdete^ um verspottet und misshandelt zu
werden. Juan de Avila lenkte ihn auf vernünftigere Bahnen, und
empfahl ihm die Werke der Barmherzigkeit, in d^ren Ausübung Joannes
sein Leben hinzubringen versprach. — • Er sammelte zu Granada die
Armen in einem Hause, und pflegte sie leiblich wie geistlich. Dieses
kleine Spital wurde die Wiege eines Ordens. Der Erzbischof von
Granada nahm das Institut unter seinen Schuz. Er und seine Ge-
fährten erhielten eine besondere Ordenstracht, und den Beinamen Brü*
der der Barmherzigkeit. Am 1. Januar 1572 bestätigte Pius V. die
^Congregation der Brüder des Johann von Gott^ ^). Johann von Gott
war am 8. März 1550 gestorben. Der ehrwürdige Rodrigo de Siguenza,
nach Johann von Gott „grösserer Mitbruder^, d. h. Vorsteher der Ge-^
Seilschaft, bat um die Bestätigung des Ordens. In dem Hospitale zu
Granada waren damals etwa 18 dienende Brüder, und etwa 400 Kranke,
darunter viele Unheilbare, für deren Pflege jährlich über 16.000 Ducaten
verwendet wurden. Aehnliche Spitäler bestanden schon in Cordova,
Kadrid, Toledo und de Lucema (bei Ck)rdova). Der Papst gab ihnen
die Regel und das Kleid des heiligen Augustinus, mit besondern Ab-
zeichen. Der Orden verbreitete sich in Bälde über ganz Spanien, und
in andere Länder. Johann von Gott wurde im Jahre 1630 von Ur*
ban YIU. selig-, von Alexander VIH. im Jahre 1690 heiliggesprochen*).
■) Btdlar. Roman. (Tourin.), t VII, p. 959—962.
^ Franc de Caatro^ Hiracnlosa vida y santas obras del b. Juan de Dios.^
Granada, 1588; 1613; Borgos, 1624, lateinisch in Acta Sctor., 8 Hart I, p. 809 —
814 --835. — Ans Anlaas seiner Seligsprechung erschien von Anton, v. Oovea,
Bischof von Gyrene: Historia de la vida, y muerte, y milagros del gloriose Patri«
archa, y Padre de pobres San Juan de Dies fandador de la orden de la Hospitalidad,
Madrid, 1624, 4* nnd 1632. — Cadiz, 1647. — Erweiterte Ansgabe, Matr. 1669;
daselbst 1674. — Lateinisch in Acta Sctor. , Mart. I, p. 835—868. — H. Per-
Chuna, fpao. Kirche. III. S. 13
194 Dreizehntes Buch. Ffinftes Kapitel.
Ausser Rodrigo ragten in der ersten Zeit des Ordens kemr
Sebastian. Arias, nnd der gefeierte Anton. Martin. Er YeniA seb»
gedemüthigten Gegner, und erhielt von Gott dafür die Gnade, dii
Welt zu verlassen, und sich in das Spital zurückzuziehen, das er
Madrid in seinem Hause gründete, und das heute noch seinen Ni
tnigt. Alle überragte der Bruder Pedro Pecador, Zeitgenosse Jol
von Gott, und Stifter des Hospitals in Sevilla. Er hatte lange
Leben eines Einsiedlers gefuhrt, gesellte sich dem neuen Institate
und starb zu Sevilla — 1580.
ordon ju Mexico stiftete Bernard. Alvarez, in Verbindung mit
ken- frommen Personen, ein dem heiligen Hippolytus geweihtes Hospital
pfl«ffo* um das Jahr 1585, zur Erinnerung an den 13. August 1521, an weit
Tage, dem Feste des heiligen Hippolyt, Mexico durch Ferdinand
für die Christen erobert wurde. Die Päpste Sixtus Y. und
mens YIU. stellten den Orden dem des heiligen Johann tod
gleich. Papst Innozenz XH. durch Bulle vom 20. Mai 1700
die Constitutionen des Ordens; Clemens XL durch zwei Ballen
20. Juni 1701 fügte weitere Privilegien und Bestimmungen hinzn.
Brüder vom heiligen Hippolyt haben mit jenem Statuten und Ta
gemein« Nur das braune Gewand unterscheidet sie von jenen.
Congregation hatte ihren eigenen General, der von den 24 alt
Mitgliedern gewählt wurde« — Der ehrwürdige Petma von
aus Teneriffe stiftete um 1653 in Guatemala die CongregatioQ
Betlehemiten , die sich über Amerika verbreitete. Sie pflegte
Ejranken und Wiedergenesenden, und unterrichtete die armen
in dem Katechismus und den ersten Schulkenntnissen.
Als die Inseln „Philippinen^ entdeckt worden, gab PhUipp
dem Vicekonig von Mexico den Auftrag — 1564, für ihre B^
eine starke Flotte in Stand zu sezen. Fray Andrees UrdaneU,
beschuhter Augustiner und geschickter Cosmograph, nnd einige
giosen sollten zur Bekehrung der Einwohner die Expedition begleit
Die vier ersten Missionäre waren Augustiner. Am 21. November li
Verliese die Flotte unter dem Capitan MichaSl Lopez de Legaspi
dtooro, Vita di s. Giovafii di Dios, Pklerm. 1666, V. — J. Oirard, de fi^
Mierry, Tie d« «. Jean de Dieu^ InsHtateor et patriarehe de Fordie des rell^
de la Charit^ Paris, 1691 — 4*. — Wässerbwrger, Pür. — In 1000 Sii^g«»»
verfassia Lebensbesehrabmig Joannis de Deo. . . Wien, 1767 -> 8*. — Wümti*
Lehen des heiHgea Johann von Gott Ana dem FruiiOa. >- Regeasbois:» 1^-
Die
Die Philippinen. Hl. Petras von Alcantara. 195
Hafen von Natividad. Am 27. April 1565 ankerte die Flotte im Hafen
von Gebü. Hier griindeten die Angustiner ihr erstes Missionshaus
und Kloster. Im Jahre 1571 legte Legaspi den Grund der Stadt
Manila auf der Insel Lu9on. Durch Breve vom 6. Febraar 1579 wurde
das Bisthnm Manila errichtet, und am 21. December 1581 dem Erz-
bisthnm Mexico unterstellt. Im Jahre 1581 nahm der Dominikaner
Dominicus de Salazar Besiz von dem Bisthum. Durch Breve Cle-
mens VIU. vom 14. August 1591 wurde Manila Erzbisthum, unter J,^^^y,^^
dem Namen der unbefleckten Empfangniss. Am 13. August 1595 pinen.
wurde das Bisthum „Nominis Jesu^ für die Insel Gebü, an demselben
Tage das Bisthum Nueva Caceres oder Camarines^ am 14. August das
Bisthum Neu-Segovia oder Ilocos errichtet, und damit die neue
Kirchenprovinz für die Philippinen hergestellt. — Im Jahre 1575 kam
der Augustiner Alfons Gutierrez de Yeracruz^ und 24 andere Ordens-
genossen mit ihm an. Der Franciscaner Petrus Alvaro langte gleich-
falls mit vielen seiner Ordensbrüder an. Mit dem ersten Bischof
Salazar waren 5 Minoriten, 3 Dominikaner und 3 Jesuiten ange-
kommen. Der erste Erzbischof starb zu Madrid am 4. December ]5U4.
Es waren fast ausschliesslich die religiösen Orden, die Dominikaner,
Angustiner, Franciscaner^ Jesuiten, welche in die Bekehrung der
Einwohner sich theilten, die mit grosser Willigkeit den Glaubensboten
entgegenkamen^ vielleicht weil sie das Kreuz früher, als das Schwert
sahen. Die Eingebomen wurden nicht von dem „Erdboden hinweg-
cultivirt'', sondern die Bevölkerung erhielt sich und wuchs bis zum
heutigen Tage. — Erst spät kamen auch Weltpriester an, und wurden
die Sohne der Eingebornen zu Priestern geweiht'). Von den Philip-
pinen aus verbreiteten sich die Missionäre nach und über Japan,
China, und Tonkin. Die apostolischen Yicariate Ost- und Central-
Tonkin, und das Vicariat Fokien in China werden auschliesslich mit
Spaniern, meistens mit spanischen Dominikanern besezt').
§. 7.
Durch fast unglaubliche Strenge des Lebens und bestandige
Busse gelangte Petrus von Alcantara, geb. 1499, zur höchsten Voll-
*) S. meine Series episeopomm — S. 113 — 115, und die auf S. 115 ange-
führte LJterator. — Diecionario geogr&fico estadisticOy histörico de las Islas Fili.
pinas, von den Aagnstinem Fray Manuel Buzeta, und Philipp Bravo, Rector
des Goliegiams (der Augustiner) in Valladolid, Madr. 1850. 2 t. 4*.
'} Missions dominieaines daus V extreme Orient, par Fr. Andri Maria^ 0. S. D.,
2 t. Lyon, 1865.
IS*
196 DreizehnteB Buch. Ffioftes Kapitel.
B«for- kommenheit. Seit dem Jahre 1538 fahrte er unter den Franciscanem
Orden. ^^ Strengere Regel ein. Seit 1555 entstand der Zweig des Ordeu
der Alcantariner, welcher im Jahre 1561 zn dber eigenen ProTinz er-
hoben wurde. Am 18. October 1562 starb dieser Mann der wunder*
baren Thatkraft und Selbstabtodung. Auch der heiligen Theresia stand
er bei ihrem Werke hilfreich zur Seite. i
Am 2. December 1566 erliess Pius V. auf Anregung Philipp's ft
ein Decret über die Reformation der Conventualen des heiligen Fntv
ciscus in Spanien. Sämmtliche Bischöfe in Spanien werden anfgefa^
dert, mit Hilfe der Provinciale der Minoriten von der Observanxni
einem andern Mitgliedevon der strengem Obserranzdie Conventnaloifl
reformiren. Von nun an sollten alle Obern der bisherigen ConTeDtoU
strenge Observanten sein, die bisherigen Conventualen aber sollten in ol
unter die Erlöster der Observanten vertheilt werden. Die Widersifl»
benden sollen in Gefangnissen festgehalten werden« Durch lke4
vom 12. December 1566 wird Aehnliches für die Frandscanerinenvotfl
geschrieben; in allen ihren ESostem soll die strenge Observanz «4
geführt werden. — Auch die Reform der übrigen Orden soll bill
möglich in Angriff genommen werden ')• — Eine Bulle vom 18. Mäfl
1568 befiehlt, die Praemonstratenser sollen nach der strengen BcgJ
ihres eigenen Ordens , keineswegs nach der Regel des heiligen Hb
ronymus reformirt werden. ^« Mehrere Decrete erliess Papst Pioi V;
far seine Ordensbrüder, die Dominikaner in Spanien. Am 23.
tember 1568 bestätigte er die Statuten des Collegiums des Pi
Ordens in Tortosa, welches Carl Y. für den Unterricht der bekehrtd
Mauren gestiftet, Philipp U. aber mit dem Collegium der Dominike
*) BuUar. Soman., ed« Taurin, t VII, p. 494-497 (ex Bnllario OitL fi^
Praedlcatomm , t Y, p. 146). Daaelbst BuUe vom 16. April 1567, p. 565-^
— Ueber den heiligen Petras von Alcsntara: Annales IGnonun, eondnnati a F '
J. de Luca, t XVm. — Juan de San Bemardo, Chronica de U vida d« F'
de Aloantara, Napoles, 1667. ~ Frandeeas deaeahoa en C€utiüa la vieja, p. ^
de S. Antonio^ Salam. 1728, 2 foL — Vie et oeuvres spiritaeUes de a P^
d*Alcantara. Trad. du R. P. Takm, Paris, 1670. -- San Bemardo, Mm»^
Vida de s. Pedro de Alcantan. Madr., 1783. — Bku. de ManoMores, epitoae i
la vida y milagros de s. Pedro de Aleantara, Madr., 1786. — J. A. SUtig, ^
Leben des heiligen Petras von Aleantara, Begensborg, 1857. — Otto Zo^t
Petrus von Aleantara, Teresia nnd Johannes v. Krens. Beitrag rar Geflchiehle ^t
nOnehisohen Contnurefbnnation Spanien's im aecfassehntai Jahrii. Leipt 1^
(Zeitaehr. ftr lather. lIieoL v. Rmddbach). — Aota Sanctorom, t Yni(I9.)0<«>t>'
PMia» 1866, p. 628—657—799—809). Die BoUe der Heiligaprechong Oeoesi*^
vom 18. Uta 1669.)
«) BMaT.Rümm. Tkmrin, t VU, p. 661-663. Lesteies iiatta derF^pB^ »
isiMr Balle vom 16. April 1567 verordnet
Ordensrefonnen. 197
daselbst vereinigt hatte ^). — Nach dem Breve vom 11. Juli 1569
sollten in der Provinz Aragonien die Predigerbrüder nicht Baccalaoreen
werden, wenn sie nicht Philosophie oder Theologie vier Jahre ge-
lehrt hätten*).
Ludwig wn Oranada, (geb. 1604), war ein Ordensmann von aus- ^^* *•
gezeichneter Tagend und Erbauung; 19 Jahre alt, nahm er das Ordens- ^m.
kleid des hl. Dominicas, und wohnte in dem CoUegium des heiligen Gregor
zu Yalladolid. Seine grosse Beredtsamkeit, seine herrlichen Schriften, sein
musterhaftes Leben, sein Gebetseifer, machten seinen Namen in Bälde
gefeiert. Er erneuerte das Erlöster „Scala Dei'' in dem Gebirge von
Cordova. Der Cardinal - Infant Henrique nahm ihn mit sich nach
Portugal. Dort gründete er viele Kloster von grosser Strenge, und
reformirte andere, u. a. das von Lissabon, in dem er am 31. December
1588 starb. Von seinen zahlreichen Schriften nennen wir das Leben
des ehrwürdigen Bartholomäus de Martyribus, Erzbischofs von Braga
und Dominikaners , welchen er diese Würde anzunehmen gezwungen
hatte, sowie das bei uns vielverbreitete Werk; ,,Dic Lenkerin der
Sünder^ »).
§. 8.
Durch Breve vom 1. November 1567 verbot Papst Pius Y« die
Stierkämpfe. Wer bei denselben sein Leben verliere^ dürfe nicht
kirchlich begraben werden. Leider erlaubte Clemens VIII. im Jahre
1596 dieselben Kämpfe mit gewissen Cautelen. Heute ist dieselbe
Leidenschaft tief gewurzelt im Herzen der Spanier, und werden fort
and fort die Spiele gefeiert, welche Pius Y. nicht „Spiele der Men-
schen, sondern der Teufel^ nennt^)«
Dagegen gelang es diesem Papste, die Abschaffung der grau-
samen Gewohnheit anzubahnen , nach welcher den zum Tode Yer-
artheilten in Spanien die lezte Wegzehrung nicht gereicht wurde').
') BuUar., ram.^ t vn, p. 714—719.
') L. c. p. 760—761 (ex Bullario Ftaedicatomm, t. V, p. 217).
*) Qranada, Luis de^ Obras, mit s. Leben v. Luis Munoz, 6 vol. 2*. —
Madr. 1788—1800. ap. i^orro. — Die nLenkerin derSflnder«* (laGoia de pecadorea)
4« AniL, Aaclien. 1847 — a. Leben bei Tauran, hiatoire des homeailluatr. de Tordre
de St. Dominique, t VI. —
*) BuUar. Roman. Tour. VII, p. 680 — 681. -C G. II, S. 126 - 127. — Graf
FaUonx, Leben Pina V., S. 197. — Wir lesen, daaa am 26. Januar 1878 zur Feier
der Heiiath Alfon'a XII. mit D. Meroedea von Orleana den Neaverm&blten ein
Stiergefecht znm Beaten gegeben wurde. Leider iat die Königin achon am 26. Juni
geatorben.
*) K (?. 2, 8. 85. FaUouXj S. 196—197. Der Brief Piua IX. iat vom
25. Januar 1568.
198 Dreizehntes Buch. Ffinftes Kapitel.
Freilich ging es sehr langsam mit Abschaffang dieser Unsitte; so da«
Benedict XIV. in der Mitte des vorigen Jahrhunderts sie als eine in
Spanien noch fortbestehende betrachtet.
§. 9.
Auf dem Primatialstuhle von Toledo sassen nach dem Cardiri
Wilhelm von Oroy Alfons von Fonaeca^ am 26. April 1524 vod Sia-
tiago hieher versezt. Zehn Jahre war er Primas (i* 4. Febr. \^&f^
Sein Nachfolger, der Cardinal Johann. Tabera^ kaoA gleich&lb vd
Santiago — 13. Mai 1534^ und starb am 1. August 1545. Im folgii^
von Murcia hieher befordert, der Lehrer und Erzieher Philipp's IL -^
1546 30. Januar, der Cardinal Johann. Martinez SUieeo, der M[
31. Mai 1557 mit Tode abging. An seine Stelle trat am 5. Min l&M
der Dominikaner Bartholomaeus Ccurranzaj gegen den der dandU
General- Inquisitor, Ferd. de Valdes, den bekannten Prooess wefM
Valdig ^^^^''^^ anstrengte. Valdes lief durch viele Bisthfimer hindorch, viM
QroM- der üblen spanischen Sitte der unmotivirten Yersezongen, er «4
inqui8i. Bischof von Eka, Orense, Oviedo, Siguenza, 1546 Erzbischof y^
Sevilla, zugleich General- Inquisitor. Man sagte von ihm, dus er^
selbst die Ratten ezcommunicire. Didacus Perez war sein StdIT^^|
treter in Oviedo. Als dort Ratten das Land verheerten, und vor dtf
Beschworungen nicht weichen wollten, vielmehr die Bauern fonnM
dieselben anklagten^ so stellte der Bisthnmsverweser ihnen ein^ AdfO-
caten auf, der sie nach Exäften vertheidigte , aber der Verwehr ex«
communicirte sie, und sie flohen in die Berge von Astorien. Des
Valdes wurde vorgeworfen, er habe sein Leben lang seine EirciMii
Sevilla nicht gesehen, welche er indess reichlich beschenkte. Er stiflütB
die Universität Oviedo, und das CoUegio des heiligen Gregor, m
Salamanca, das Collegium der „Grünen*^, sorgte för dörftige MUcbal
in Siguenza, Sevilla, und in seiner Vaterstadt Salas, wo er die gross-
artige Kirche baute, in der er begraben ist. Auf alle diese S
verwendete er mehr als 1.383.000 Ducaten.
Valdes gab im Jahre 1559 den ersten Index der (durch die I
qnisition) verbotenen Bücher in Spanien heraus, als das Concil
Trient an einem solchen Index erst arbeitete. — Unbeschadet sei
grossen Eifers urtheilt La Fuenie über sein Vorgehen: „wie vielen bei
vorragenden Männern, wie Valdte war, hat es geschadet, d$ss ei
nicht die Eigenschaften der Güte und Sanftmnth, der Tochter der her
ligen Demuth, besassen, ohne welche zwar der katholische Sinn seif
feurig, aber doch jenem Eifer der Apostel ähnlich eein wiid, iw'^*«
den Herrn baten, er mochte Feuer vom Himmel herab&llen lassen.* -
Ferd. de Vald^ Barth. Garraoza. 199
In dem Processe der Protestanten zu Sevilla wurde das erste
Antodafö am 24. September 1559 auf dem Plaze des heiligen Fran-
ciscas gehalten; 21 Personen worden dem Arme der weltlichen Ge-
richte übergeben, 80 zu geringem Strafen verurtheilt Ein zweites
Autodafö wurde am 22. December 1560 gehalten, wo 14 Lutheraner
in Person, 3 ipx Bilde verbrannt, 34 (37) aber gewissen Bussen unter-
worfen wurden')* — Die vier Autodafes der Jahre 1559 und 1560 sind
überhaupt die bekanntesten von der ganzen Geschichte der Inquisition.
Die Opfer derselben werden von den Protestanten als vollendete Mär-
tyrer verehrt, von den Katholiken als verstockte Häretiker betrachtet«
Barth. Carranza wurde als Professor der Theologie zu Valla- ^'^'^^*
dolid von Carl V. im Jahre 1545 nach Trient gesandt Er stand auf >«.
der Seite der Spanier, welche die Lehre vertbeidigten, dass die Residenz-
pflicht der Bischöfe gottlichen Rechtes sei^ und machte sich durch
eine am 14. März 1646 über „die Rechtfertigung^ gehaltene Predigt
bemerklich. Er musste im Jahre 1564 den Konig Philipp IL nach
England begleiten, und sollte an der Befestigung der katholischen
Kirche in England arbeiten helfen. Zum Xiohne für seine in England
geleisteten Dienste ernannte ihn Philipp II. im Jahre 1558 zum Erz-
bischofe von Toledo; er wurde am 27. Februar zu Brüssel consecrirt.
Dem sterbenden Carl Y. ertheilte Carranza die lezte Wegzehrung und
Oelung. Bald darauf hörte man, Carranza habe in seinem Katechismus
Kezerisches gelehrt^, und den sterbenden Kaiser mit seiner Häresie ange-
steckt Er wurde auf Befehl Philipp's IL zu Yalladolid verhaftet, und der
Inquisition übergeben — 21. August 1559. Die Bischöfe zu Trient baten
den Papst, den Process in seine Hand zu nehmen. Pius IV. erklärte,
er habe wiederholt darauf gedrungen, aber Philipp U. sei unnach-
giebig. Carranza's Katechismus wurde in Trient geprüft, und approbirt
— 1568. Graf von Luna, spanischer Gesandter in Trient, protestirte.
Man entzog, um einen Bruch mit Spanien zu vermeiden, dem Kate-
chismus die ertheilte Approbation wieder. Endlich sezte es Pius V«
durch, dass Carranza, nachdem er in Spanien acht Jahre lang im Ge-
fangniss gesessen, im Jahre 1567 nach Rom ausgeliefert wurde.
Philipp II. war lange starrkopfig. Aber der Papst drohte ihm, er
werde ihn excommuniciren, sein Reich aber mit dem Interdikt belegen.
Pins y. zwang auch im Jahre 1566 den In(]^uisitor Yald^s, auf sein
Amt za verzichten und sich mit seinem Erzbisthume zu begnügen.
Aus Rücksicht auf Spanien wurde Carranza in der Engelsburg
■) Llorente, II, ohap. XXI, p. 265—278—295. — Themas M Orie (deatsoh
von Hieninger), S. 309 — 331. — Vic. de La Fuerde, V, 238—240.-45.
') Gommentarios sobre el catechismo christiano. Antwerp., 1558 — • fol.
200 Dreizehntes Bach« Fünftes Kapitel.
in einer milden Haft gehalten. Im April 1576 entschied Gregor XIU^
dasa keine Häresie bewiesen sei, weil aber doch Verdacht Toiliege, lo
solle er gewisse häretische Size feierlich verwerfen, weitere fünf Jthi«
von der Verwaltung seines Erzbisthums ausgeschlossen sein, asd
in einem Kloster zu. Rom Exercitien halten. Sein Katecbiamos wurden
in den Index gesezt. Er starb schon am 2. Mai 1Ö76, 72 Jahre ilU
vom romischen Volke als Märtyrer verehrt Papst Gregor XHL mM
ihm ein Grab-Denkmal. Seine ,,Summa Conciliomm^ ist in zahlreidM}
Aasgaben bis zum heutigen Tage in Umlauf').
§. 10. •
Lou de L^jg Ponce de Leon (fray Luis de Leon), geb. im Jahre li
bezog, 14 Jahre alt, die Universität Salamanca, und trat wenige
nate später in den Augustinerorden ein. Er wurde Lioentiat
Doctor der Theologie. Im Jahre 1561 erhielt er in öffentlicher
Werbung den Lehrstuhl des heiligen Thomas von Aquin, 8i»t»
10 Jahren auch noch den Lehrstuhl der Biblischen Literatur.
Gegner verklagten ihn zunächst wegen einer Uebersezting des
liedes bei der Inquisition, sowie dass er behauptet, die Volgata
der Verbesserung fähig. Auch fliesse jüdisches Blut in seinen Ad<
Am 6. März 1572 wurde er vor die Inquisition in Valladolid geb<
und wegen seiner Uebersezung des Hohenliedes verhört. Am 27.
wurde er verhaftet^ und in die Gefängnisse der Inquisition zu Vall
dw L^a ^^^^^ gebracht. Mehr als 50 Mal wurde er verhört Erst am 28.
deLeoa. tembcr 1576 erfolgte der Spruch der Richter. Vier von ihnen stimmt
für die Folter, zwei für einen öffentlichen Verweis. Aber der
der „Suprema^ in Madrid ging mit Stillschweigen über diese AdI
hinweg, und beschloss am 7. December 1576 durch einen fe»
Befehl, den Angeklagten völlig freizusprechen, mit der Wamong nur k
Zukunft vorsichtig zu sein. Seine Uebersezung des Hohenliedes sol
unterdruckt werden. Vom Gefängnisse kehrte er sogleich auf seinen
stuhl zurück. Seine erste Vorlesung am 20. December 1Ö76 b^^ann er
den Worten: „Wir haben bei unserer lezten Zusammenkonft beoMib,'
0 Die Sltero ftbeireiche Literatur über ihn findet man bd NieoL iato«^
-;- Lhrente, Hlst de 1* Inquisition III, p. 184-315. ^ Bemard de Oattro, Kits-
dioB historicos sobre — Bart de Cananza, in: Iris, 1841. Coleedon de doenMt-
tos ineditoB, p. ßalva y Baranda t. V, Madrid, 1846, p.5389 — 584. — Hmae, - «
DdUingef^B Beiträge, t. I, 1862. Langwitz, Barth. Gammsa, EnK t. TM^^
^^' ^^^0- -Faüoux, Leben des Papstes Pias V., Beg. 1878, a 1»-1S^
— Wuh. MoiKrenbrechisr, Stadien und Skizsen zur Geschiohte d. BefonatiaBsseiL
Wpi., 1874^ 8. 25-.2e.
Luis de Leon. 201
und ging mit Stillschweigen über die fanf bittern Jahre seiner Haft
hinweg. Im Jahre 1580 gab er in lateinischer Sprache eine Erklärung
des Hohenliedes heraus. Im Gefangnisse schrieb er das Werk —
Los Nombres de Christo (Die Namen Christi), von dem er 1583 bis
1585 — drei Bucher herausgab, es aber nie ganz vollendete. Sein
Werk: „Die vollkommene Hausfrau^ (la perfecta Casada) — wurde im
Jahre 1583 zum erstenmal gedruckt. Sein Werk in zwei Bänden
„Erklärung des Hiob,^ erschien erst im Jahre 1779 im Drucke. Sein
„Bericht von der heiligen Theresia^ ist niemals vollendet worden. Er
starb im Jahre 1591. Seine gesammelten Gedichte hat erst Quevedfo
40 Jahre nach seinem Tode herausgegeben. Sie wurden wiederholt,
und erst im Jahre 1816 wieder neu gedruckt Seine eignen Gedichte
darf man an die Spize der spanischen lyrischen Gedichte stellen.
Als seine beste Ode gilt „die Prophezeiung des Tajo^; als seine beste
Dichtung gilt die Hymne auf die Himmelfahrt Christi !
') Obnw de M. Fr. Luis de Leon, Madr. 180i— 1816, 6 tom, t 6 seine Ge-
dichte. ^ Biblioteca de autores Espafioles, impr. de Rivadeneyra, Madr. 1846 —
1862, t 37, Madr. 1855.
Obras poSticas — reeog. y traduddas eo Aleman per C. B. ScMüter y TT«
SUyrk, Münst, la'^S.
üeber Lois de Leon und seinen Process s. Ck>leccion de docmnentos ineditos.
t 10—11, Madr., 1847—1848 (mehr als 900 p. p., ans den Archiven der Inquisition
von ValladoHd {Viüanueva^ Vida, t. I, Lond. 1825). Semanario pintoresco, 1844,
p. 374. — Jo94 OomdUz de Tejada, Vida de Fr. Lnis de Leon, Madr. 1863. 4*.
(„lUostranla notidas, y docnmentos ineditos hallados recentiemente en las aniversi-
dades central y de Salamanca, y nn catilogo de edidones y mannsoritos de aquel
autor.'' — Ticknar ' Julius^ I, p. 469— 4S0. Ticknor^ Aasgabe von 1863, II,
p. 75—89. — IHeknor- Julius- Wolf, p. 77—79. — Wühms, Fray Luis de Leon,
1866. — ReuBchf Lnis de Leon nnd die spanische Inquisition, Bonn, 1873.
Sechstes Kapitel.
Die Kirehe im spanisclien AmeriiLa (1542 bis & 1600).
Am 25. Juli 1513 richtete Ferdinand Y. an Papst Leo X. die
Bitte, er mochte den mehrgenannten Vorsteher des i^Rathes tod In-
dien^, den Bischof Juan de Fonseca, damals Bischof von PsleDca,
zugleich Administrator des Erzbisthnms Kossano (1511 — 1524), vm
„Universal -Patriarchen^ von Westindien, einsezen*)« Aber erst ia
Jahre 1524 erscheint der erste Patriarch von Indien. Das Patriarcbt
selbst blieb ein leerer Ehrenposten, dessen Trager auf die ameriki-
nischen Angelegenheiten keinen Einfluss hatten. Grewohnlich wäret
die Trager dieses Titels zugleich Bischöfe anderer Size in Spanien.
Paul ni. erhob im Jahre 1543 (al. 1547) San Damingo zum En-
bisthum, die Bisthümer Cbrocco«, Ouba und Puertorieo waren seioe
Suffi-aganate. — Mexico, Bisthum seit 1525, wnrde Erzbisthnm im
uium Jahre 1534. Seine Suffi-agane wurden die Bischöfe von TIascak,
Mechoacan oder Valladolid, Antequera oder Oajaca, Gnadalaxara,
Yucatan oder Merida, Dorango oder Nueva- Vizcaya. Der erste Eß-
bischof Juan de Znmarraga erhielt das Pallium erst im Jahre lö&
Von ihm wird noch erzählt«), dass ihm im Jahre 1531 die »Matter
Gottes von Guadaloupe^ erschien, dass er ihr die erste Eremitige
geweiht, und dass er in vier Tagen 14.500 Indianer gefirmt habe -
Mexico
ErxhU
1594.
2 per Brief des Königs - ap. Vie. de La Fuente, V, 687 - •!»««*
•)S. 0.8. 117-118.
I
Biathümer In Mexico. 203
— Die Cathedrale des im Jahre 1525 gestifteten Bisthums Puebla
de los Angdos gehört zu den reichsten und am besten mit Kirchen-
geräthen aasgestatteten Cathedralen. Erster Bischof war der er-
wähnte Dominikaner Jaan OarcA ans Aragon, Prediger GarFs V.;
erwählt im Jahres 1527, starb er im Jahre 1542. M&duMcan wurde
am 11. August 1 36, mit der Cathedrale von S. S. Salvador, errichtet;
auch sie ist sehr schon. Der Franciscaner Luis de Fuemtdida wurde
zum ersten Bischöfe (nur) ernannt, einer der ersten Glaubensboten,
welche nach Neu -Spanien, wie Mexico früher hiess, gelangten. Er
war Guardian in dem Convent von Tezcono, als Carl V, ihn im Jahre
1536 als Bischof ernannte; aber er lehnte diese Würde standhaft ab,
und nun folgte ihm als zweiter Bischof Vasco de Quiroga, im Jahre
1537 prasentirt, welcher in einem Alter von 95 Jahren — am 14. März
1556 starb. — Am 21. Juli (Juni?) 1535 wurde durch Faul IIL das
Bisthum Antequera errichtet Seine Cathedrale trägt den Titel der ^*^|^'
Himmelfisdirt'Maria's. Sein erster Bischof war Juan Lopez de Zdraie^ quer«.
welcher auf dem Wege zu der ersten Synode zu Mexico im Jahre
1554 starb. Er organisirte die P&rreien seines Bisthums, und berief >
Mönche aus der Provinz Mexico als Curaten, weil er nicht genug-
Priester in der eigenen Diocese hatte.
Das Bisthum Guadalaxara wurde am 31. Juli 1548 errichtet, f"*^**
Seine Cathedrale ist der seligsten Jungfrau, und dem heiligen Jacobus
von Compostella geweiht. Seit 1570 ist sie Suffiraganbisthum von
Mexico. Pedro Gomez Maraverj auch er ein apostolischer Mann, war
erster Bischof. Er bekehrte viele Indianer, u. a. einen Caziken, von
dem die Indier, genannt Maraveres^ abstammen. Er starb im Jahre
1552. — Die Stadt Merida auf der Halbinsel Yucatan wurde im Jahre
L542 gegründet. Der erste Bischof, der Franciscaner Franc de Toraly
trat im Jahre 1562 ein. Seine Cathedrale ist eine der schönsten in
Amerika. Im Jahre 16Ö4 ging er zum zweitenmale als Missionär ^"'^*'
mit 34 Gefährten seines Ordens nach Amerika. Er wohnte, obgleich
184 Meilen von Mexico entfernt, den beiden ersten dort gehaltenen
Concilien im Jahre 1555 und 1565 an. Er visitirte sein Bisthum
dreimal. Er starb im April 1571 zu Mexico. Das Bisthum Durango
wurde am 11. October 1620 von Papst Paul Y. errichtet, d. i. von dem
Bisthume Guadalaxara dismembrirt. Seine prächtige Cathedrale ist
dem Apostel Matthaeus dedicirt. Das Bisthum Monterey oder Linares ^i"*'^«*'
auch Nen-Leon wurde erst am 15. December 1777 gestiftet; auch es
hatte einen Franciscaner zum ersten Bischof. Im Jahre 1787 wnrde
das Bisthnm Sonora errichtet ^"""^
Der zweite Bischof von Mexico, der Dominikaner Alfons de
Montufar^ (1551 — 1569) berief die beiden ersten Concilien seiner
Kirchenprovinz, nachdem schon im Jahre 1524 die erste ,|aposto-
204 Dreizehntes Bach. Sechstes Kapitel.
lische Junta" zu Mexico voraDgegangen war^). Dem ersten ConcU
wohnten fünf Bischöfe, darunter der von Chiapa, an. Die 93 Kapitel
des üoncils wurden am 6. nnd 7. October 1555 bekannt gemacht.
conei- Diese Synode erschien im Dmcke zu Mexico im Febraar 1556. —
Mexico Das zweite Concil trat im Jahre 1565 zusammen. Hauptgrund der
1&55— Berufuncc war die Annahme des Concils von Trient Es worden
1 'WSS nnd
1585. 28 Kapitel vero£EentIicht Die Bischöfe von Chiapa, Tlascala, Yncatan,
Guadalaxara und Antequera waren zugegen. Die Akten des Concils
wurden erst im Jahre 1769 gedruckt, durch die Sorge des Erzbischofs
Lorenzana "*). Der Erzbischof Montufar starb 80 Jahre alt, am 7. März
1569. Sein Nachfolger Petrus Moya de Contreras wurde im Juni
1573 ernannt. Er feierte im Jahre 1585 das dritte Provincialconcil
zu Mexico. Die Bischöfe von Guatemala, Tlascala, Mechoacan, Yncatan,
Guadalaxara und Antequera waren anwesend. Dominicus de Salazar^
erster Bischof auf den Philippinen, wurde berufen, sandte aber wegen
der weiten Entfernung nur Stellvertreter.
Pedro de Faria, Bischof von Chiapa, gelangte bis Oajaca, mnsste
aber hier, weil er sich ein Bein gebrochen^ zurückbleiben. Das ConcU
wurde in Ausfuhrung der Beschlüsse der Synode von Trient gehalten.
Die Beschlüsse sind eingetheilt in fünf Bücher , je mit einer An-
zahl von Titeln. Sie umfassten alle Bestimmungen des kirchlichen
Lebens. Es war an zwei Jahrhunderte die Norm nnd Regel für die
kirchliche Disciplin in diesen L&ndem. Es wurde der Congregation
der Goncilien „für das Concil von Trienf* zur Prüfung vorgelegt, und
am 21. October 1589 von derselben mit Zusäzen und Verbesserungen
genehmigt» Der Erzbischof Juan Perez de la 8«ma gab das Concil
im Jahre 1622 zum erstenmale heraus. Dasselbe ist abgedruckt in
der Sammlung der spanischen Concilien von Aguirre, nnd wieder auf
Kosten des Bischofs Juan Gomez Parada von Guadalaxara zu Paris
im Jalu-e 1725 gedruckt, im lezten Bande der Concilien von Labb^.
Der Abdruck bei Aguirre- Catalani ist derselbe wie bei Aguirre,
und beruft sich auf die Ausgabe von 1622 nnd deren Abdruck im
lezten Bande der Conciliensammlung von Labbe') (1672). — Auch
■) T^ada y Bamiro, i. V, p. 111—115.
*) ConcilioB provinoiales primero y segnndo, celebradoB en la dudmd de
Mexico en los afios de 1555 y 1565. Da los ä Im Franc Ani. Lorenzana,
Mexico, 1769, fol. — Daraus ap. Tefada, V, p. 123-179; 207-216.
*) 8. Aguirre — im Register zu diesem Werke. Bei Aguirre^Catakad,
t VI, Bom. 1755, p. 78 — 193. Die erste Ausgalie der GoncilienBammlang tob
Aguirre ist vom Jahre 1693 — 1694. — il^trre bemühte sich, etwas Niheres Aber
die Bieben Bischöfe zu finden, welche der Synode von 1585 erw&hnten. Er sagt
u. a. : „Subscribit Didacas Episcopus TlaxcaleDsis, de quo naila mihi prorsos notitU
pecttliaris est*^. — Wir wissen wenigstens, dass Didacns Romano im Jahre 1578 tarn
RircheDprovinz vom Mexico; von Guatemala. 205
diese Synode gab der Erzbischof Fr. AnU Lorenzana im Jahre 1770
ans den Akten nen und correcter heraus, unter dem Titel: Concilium
Mexicanum provinciale tertium celebratum Mexici anno 1585, confir-
matum Romae 1589, demum (iterum?) typis mandatum^ Mexici, 1770, fol.
Die neueste Ausgabe des Concils erschien in der grossen Sammlung
der spanischen Concilien von Tejada y Ramiro (tom. Y, Madr. 1855)
Concilio III Provincial de Mejico anno 1585 (V, p. 522 — 636) mit
kostbaren Zusäzen. Um das Jahr 1622 waren Zweifel aufgetaucht, ob
die Sazungen dieser Sybode noch binden und verpflichten, zu der
Zeit, als der Erzbischof Sema die Akten derselben drucken liess. Der
Licenciat Z>. Juan de Cevicoe kam auf der Reise von den Philippinen
nach Spanien — zu Mexico im Anfang des Jahres 1623 an, und fand
hier, dass verschiedene Religiösen behaupteten , dass die Synode sie
nicht verpflichte. J. de Ceoicoe kam im Jahre 1626 zu Rom an, mit
dem Auftrage des Erzbischofs von Manila, für die Bestätigung des
Concils von 1585 zunächst für die Philippinen zu wirken. Er fand
dort das (im Jahre 1622 zu Mexico nicht bekannte) Breve der Be- ^^^*
statigung des Concils des Papstes Sixtus V. vom Jahre 1589 vor, und ^riu«
erlangte ein neues Breve vom Papst Urban VIII,, womach die Sta- Sy^odo
tuten desselben auch für die Bisthümer auf den Philippinischen Inseln Mexico.
verpflichtend seien. Im Jahre 1626 präsentirte er diese Breven dem
königlichen Rathe von Indien zu Madrid, welcher das Breve vom
Jahre 1589 drucken Hess. Im Jahre 1628 wurde «7. de Cevieoe
Racionero an der Cathedrale von Fuebia, wo er das päpstliche Breve
mittheilte« Die Praebendaten daselbst aber waren unzufrieden hiemit,
weil sie im Jahre 1623 Widerspruch erhoben hatten, als der Erz-
bischof de la Sema die Synode von 1585 einschärfte. Damm ver-
fasste Cevicoe eine ausfuhrliche Denkschrift zur Vertheidignng der
verpflichtenden Kraft des Concils von 1585 für Mexico und die
Philippinen. Seine Arbeit aber gelangte nicht zum Dmcke, sondern
blieb als Manuscript in der Staatsbibliothek von Madrid liegen').
Dort fand sie Tejada y RamirOj und liess sie zum erstenmale im Jahre
1855 dmcken, sieben Menschenalter, nachdem sie geschrieben worden*).
Bischof von Pnebla ernannt, im Jahre 1585 consecrirt, und als solcher am 12. April
1606 gestorben ist — Ifan sieht, wie es auch einem Spanier am Ende des sieb-
zehnten Jahrhunderts schwer oder unmöglich war, Näheres Aber die Bischöfe des
spanischen Amerika zu eifahren. Äguirre'Catalani^ VL p. 193). Aguirre sagt
darüber: quoniam Romae nemo ad mannm mihi est, a quo lUam (notitiam) mutoare
possim (p. 192). Also fanden sich wenigstens damals zu Born die Materialien fUr
eine voilstfindige pSeries episcopomm*' nicht beisammen, oder Aguirre wnsste sie
nicht aufzufinden, wie auch C, Moroni in unsem Tagen nicht.
') ManuscritoB de la biblioteca nacional de Madrid, codiee J. 36,
') 2V«to,V,p. 523-636.
2i)G Dreizehntes Bach. Secbstea Kiipitel.
Die Arbeit zerfallt in acht Propositionen, und tragt das Datam: In
Paebla de los Angelos am 24. April 1629. =3 Dr. D. JwmCeoim^)
§. 2.
Bitthum Das Bisthum Ouatemdlaj mit der Cathedrale des heiligen J»»
maxl, bas, warde am 18. December 1531 errichtet, nnd stand zwei Jale-
honderte unter dem Erzbisthame Mexico. Erster Bischof wir Fnsc
Marroquin (1537). Er bekehrte anzählbare ' Indianer , und starb ia
Rufe der Heiligkeit am 19. April 156^. Im Jahre 1742 (aL 174.;,
16. Dec.) wurde es zum Erzbisthume erhoben. Ihm worden &
cbiap«. Bigthümer Chiapa, Honduras und Nicaragua zugetheilt. Chiapa wurde
am 11. April 1538 errichtet Sein zweiter Bischof war Barthol. ik
Las Casas (1544 — 1550). Es stand bis zum Jahre 1743 unter HexiiA
Hondtt- ffofidfirtu, ajjich Comayagua genannt, erhielt im Jahre 1539 seiDa
Ntcarag- crsteu Bischof. Nicaragua wurde durch Bulle PauFs IIL vom 3. Ko*
^^ vember 1534^) errichtet. Didacus Alvares Osorioj sein erster Bisdit
(1531 — 1542), war ein geborner Amerikaner. In neuester Zeit sini
dazu noch die Bisthümer San Josö de Costarica (1850) und San Sat
yador (1842) für die gleichnamigen Staaten gekommen.
§. 3.
sadu Das fiisthum Sante Fe de Bogota wurde am 11. September l5fi
^ ^ errichtet, und schon am 22. März 1664 zum Erzbisthum eriiobeo. &
lag im Reiche Neu -Granada« Ihm waren die Bislbumer Pansio^
Panama, g, Marta, Garthageua und Popayan zugetheilt. Das Bisthum Pa»H%
auf der glächnamigen Halbinsel, bestand seit 1 1 . Februar 1534. Seitt
Cathedrale, unter der Anrufung ,,unserer Frau^ oder ,|Unserer Benifl*
von Darien ist von Stein, und Ton grossartiger Bauart Die Kirck
der heiligen Maria Ton Danen war die erste ehriatliche Crche vi
dem Festlande von Amerika. Vom Jahre 1533 — 1537 werden w
Bischöfe genannt, bis zum Jahre 1558 sieben, erst der Dominiboer
'} Unter den spanischen Sehriftstellem bei Nieol. ÄnUmio kornnt der Nas»
Juan Ceoieos nicht vor. — - Die beiden Aosgaben des Condla vom Jahie l^^ '
Mexico, 1623 y nnd Paris 17S5, ^ sind sehr selten geworden, beAndeo sich aber
in der Bibliothek des J, M. Andrade — im Jahre 1869 (Condlinm nnrtoD ^'
Vinciale, Mexid cdebratom anno 1586» praesideate Petro Mo)a de Cootrens lrtfci^
piscopo Mezicano. Mexico, 1622. — Statuta ordmata, a saocto coocilio pn>vit^
Mexlcano III. anno 1585. ~ ibid. fol. — Condlium mexicannm proTiDctak, eele-
bratnm Mexid anno 1585. Parisü (!) 1725 in — 12. d. reL (Andrade, 1^ P" ^^^>
*) Alias: 26. Febr. 1531.
Die Kirohenprovinzen in Sfidamerika. 207
Paul, de Torres um das Jahr 1560 scheint wirklich eingetreten zn
sein. Da man bis zum Jahre 1875 — 46 Bischöfe zählt, so ergeben
sich für jeden im Durchschnitte nur sieben Jahre der Regierung.
Man muss aber noch wenigstens 100 Jahre der langen Sedisvacanzen
abrechnen, so dass sich nur fünf Jahre far einen Bischof ergeben. —
Das Bisthum Cartagena (in Indiis) wurde von Papst Clemens VU. ^^^^'
am 24. April 1534 errichtet; seine Cathedrale, ,,Nuetra Senora^, wurde
im Jahre 1538 eingerichtet, (d. i. die schon bestehende Kirche zur Cathe-
drale erhoben). — Im Jahre 1535 wurde das Bisthum Santa Marta ^^^
errichtet; es wurde im Jahre 1562 supprimirt, und im Jahre 1577
wieder hergestellt. Sein erster ernannter Bischof war der Dominikaner
Thomas de Ortiz. Das Bisthum Popajan wurde am 22. August 1546, ^'!J^'"'
die Cathedrale zu „Unserer Frau^ im Jahre 1547 errichtet. Die Bis-
thümer Antioquia, (Medellin, seit 1804), Neu-Pamplona (1835), und
Pasto (1859), stammen aus dem neunzehnten Jahrhundert.
Oestlich schliesst sich die Kirchenprovinz von Vene^uda an. Am
4. Juni 1532 wurde ein Bisthum in Coro errichtet, welches im Jahre
1736 nach Caraccas übertragen wurde. Es stand unter dem Erzbis- ^*^^'
thum San Domingo. Erst am 24. November 1803 wurde es selbst
zum Erzbisthume erhoben. Unter ihm stehen die neuern Bisthümer
(Galabozo, Coro (1868), Guayana (1790) und Merida (de Maracaybo
seit 1777).
Am 3. Juli 1552 wurde das Bisthum Charcas errichtet, welches
auch den Namen La Plaia und Chuquisaca de Plata triigt. — Die ^^'^'^'^
Cathedrale, welche den Namen „St. Maria" trägt, hat drei Schiffe, und ist ruu.
sehr reich geschmückt mit ausgesuchten Gemälden. Seit dem 2. Juli
1609 besteht es als Erzbisthum. Der erste Bichof war der Domini-
kaner Thomaa de Set. Martin — 1553, welcher zu Lima im Jahre
1559 starb. — La Plata hat heute noch drei, früher hatte es sechs
Suffragane. Das Bisthum „Unserer Frau de la Paz" wurde im Jahre
(1605) 1608 errichtet, und unter la Plata gestellt. Seine schone
Cathedrale trägt den Titel ^Mariä Geburt''. Ein von Kaiser Carl Y.
geschenktes Bild „unserer Frau del Pilar'' wird sehr verehrt. Das
Bisthum Cordow» in der Provinz Tucuman wurde im Jahre 1570 er- ?^^^*
, ^ deTnca-
richtet, steht aber seit neuester Zeit unter dem Erzbisthum Buenos man.
Ayres. — Das Bisthum S. Cruz de la Sierra wurde am 6. Juli 1606 b- ^^*
errichtet. Seine Cathedrale tragt den Namen zum „heiligen Kreuz'^ Sierra.
— Früher gehorte auch das Bisthum Paraguay oder S. Assumcion,
gestiftet im Jahre 1647, in diese Kirchenprovinz. Die Hauptstadt der
Provinz, wie die Cathedrale trägt den Namen; „Himmelfahrt^' (Maria's).
guay
208 Dreizehntes Bach. Sechstes KapiteL
Der Franciscaner Juan de los Barrios y Toledo war der erste (er*
F«r«- wählte) Bischof. Das Bistham Salta de Tacninan wurde erst im Jahr
1806 errichtet. Buenos Ayres oder das Bistham der ,,keilig9t«i
Dreieinigkeit^^ warde zwar im Jahre 1582 gestiftet, trat aber ers
im Jahre 1620 mit der Cathedrale des heiligen Martin, mid dem erste
Bischöfe, dem Carmeliter Petrus de Carranza, in das Leben. — Die«
Bischof wohnte im Jahre 1629 einem zu Charcas gehaltenen Coi^
an, dessen Akten uns (bis jezt) nicht bekannt sind.
§, 5.
Eizbii- Erst im Jahre 1866 wurde Buenos Ayres zum Erzbistfaom i
^iuqZb ^^^ Argentinische Republik hergestellt Unter ihm stehen die Bii
Ayres. thümer Cordova in Tucuman, Paraguay, Salta und die neuem Bi^
thümer San Juan de Ouyo und Parana.
Die Stadt Lima wurde am 6. Januar 1535 von dem „Cc&qii
stador^ Franz Pizarro gegründet; Carl V. gab ihr im Jahre 1&37 di
Titel „Stadt«^ Papst Paul III. errichtete hier ein Bistham am 19. Mi
Erzbis- 1539^ ^Q^ Ij^ Februar 1546 wurde das Bisthum zum Enbistfaia
thnm
Lima, erhoben. Die Cathedrale wurde in den Jahren 1541 — 1543 eingi
richtet. Sein erster Bischof war der Dominikaner Franc. HieroDjmi
de Loaysa^). Loaysa wurde im Jahre 1540 Ton dem Bisthume Ca
tagena in Indien hieher yersezt, am 22. August 1543 trat er an,
Pallium aber erhielt er am 9. September 1548. In den Jahren 1
und 1567 hielt er zwei Concilien, deren Akten jedoch (noch) nicht i
uns gelangt sind. Obgleich Erzbisthum, war Lima noch nicht Metro
pole, stand vielmehr unter der Metropole Ton Sevilla. ESrst im J^
1571 wnrde es Metropole; sein Patron war der heilige Joannes dt
Evangelist In der schonen Cathedrale wurden fünf Concilira gefekii
die zwei schon erwähnten, und drei von dem heiligen Toiibiaa in de
Jahren 1582, 1591 und 1601 gehaltene, Lima erlangte im La^
der Zeit 10 Suffiragansize, von denen es aber mehrere an xwei i
unserer Zeit errichtete Elrzbisthumer abtreten musste*
uiMhii» Di^ Bisthum Ouzeo wurde schon am 6. September 1538 erricbtd
Sein erster Bischof war der schon erwähnte Dominikaner Vincest
Valverde; der zweite Bischof war Juan Solano, gleichfidls Dominibnff
der im Jahre 1544 eintrat, im Jahre 1561 resignirte, und am 14. Janoq
1580 ZQ Kom starb. Die grosse, schone nnd reiche Cathedrale ßb^
') Ein sehr .anggeprSgter*, imd dämm der efawialigen spaniaebeii Henfeb«^
in Fem ahgeneigter Pemaner hat mir doch gestanden, dass die spsmsAei En-
MseliOfe von Lima fast lanter HeiUge gewesen aalen.
Kirchenprovioz Quito, Santiago de Chile. 209
den Titel: zur „Himmelfahrt Mariä^^ Cnzco galt nach Lima als die be«
deutendste Stadt Peru's; sie war die Residenz der alten Herrscher
(der Incas). — Die Stadt Arequipa gehorte zuerst zum Bisthume ^'®*i*'-
Cnzco, bis dieselbe am 15. April 1577 zur Bischofsstadt erhoben
wurde. Das Bisthum selbst trat erst im Jahre 1611 in das Leben.
Der Dominikaner Christoph Rodriguez wurde als erster Bischof er-
nannt, starb aber schon im Jahre 1612 in dem Orte Cnmana, bevor
er Besiz von dem Bisthume ergriffen. Die Cathedrale trägt gleichfalls
den Namen zur „Himmelfahrt Mariä^^ — Die Stadt Truxillo wurde Troxiiio.
im Jahre 1536 von dem Eroberer Franz Pizarro gegründet, nach dem
Namen seiner Vaterstadt Truxillo in Estremadura. Truxillo wurde
im Jahre 1577 (nur), und wieder am 20. Juli 1609 als Bisthum er-
richtet. Der erste Bischof traf erst im Jahre 1616 ein, und starb nach
drei Jahren.
Quito in der heutigen Republik Ecuador wurde am 1. August ^^^^*
1546 als Bisthum errichtet. Seine Cathedrale, eine der reichsten und
prächtigsten in ganz Amerika, ist „Unserer lieben Frau'^ (Neustra Senora)
gewidmet. Die sog. „Plaza mayor" in Quito ist in der Mitte der
Cathedrale, des Bischoflichen Palastes, des Palastes des Präsidenten
oder Gobernadors und des Stadthauses oder des Ayuntamiento der
Stadt Der erste Bischof von Quito war Garcias Diaz Arias, 1545
zu Lima geweiht, gestorben im Jahre 1562. Unter Gregor XVI.
wurde Quito ein eigenes Erzbisthum — 1837, mit den neuem Bisthü.
mern Cuenca, Gnyaquil , Ibarra, Loja, Riobamba und Portoviejo. —
Das Bisthum Guamanga wurde am 20. Juli 1609 errichtet. Unter oaa-
dem Bischof Cyprian de Medina aus dem Predigerorden — seit 1660 "*"*f**
— wurde die grossartige Cathedrale des heiligen Johannes des Täu-
fers YoUendet.
Das Bisthum Santiago de Chile wurde am 27. Juni 1561 er- sanuago
richtet, und erhielt in demselben Jahre als ersten Bischof Roderich ^®^"^'
Gonzal. Marmolejo. Er zahlte zur Zeit seiner Ernennung 70 Jahre,
und starb im Jahre 1565. Die bisherige Pfarrkirche wurde Cathedrale
des heiligen Jacobus. Eine zweite Cathedrale „zur Himmelfahil
Maria's^ wurde im Jahre 1667 eingeweiht. Den Bau einer neuen
Cathedrale begann der Bischof Joannes Gonzalez Melgarejo (1743 —
1754), welche im Jahre 1830, mit Ausnahme der Giebelseite, vollendet,
dagegen schon unter dem Bischof Emmanuel de Altai (1754 — 1788) ein-
geweiht wurde. Als Hauptstadt eines besond^m Staates wurde San-
tiago am 21. Mai 1840 zum Erzbisthume erhoben« Unter ihm stehen
die neueren Bisthumer Serena und S. Carlo de Ancud, sowie das altere
Bisthum Concepcion de Chile. Dieses wurde am 22. Mai 1563 er-concep-
richtet. Sein erster Bischof war der Franciscaner Anton, de San^'^°,J^^
ICiguel (Solier); seine Cathedrale trägt den Namen des Erzengels
Garn*, spu. Kirch«. IIJL S. 14
210 Dreizehntes Buch« Sechates Kapitel
Michael. — (Von Bisthfimern aus neuerer Zeit stehen noch unter dem
Erzbisthume Lima — Maynas oder Chacapoyas, Huanuoo und Pooa)
§.6.
i
Der zweite Erzbischof tod Lima war der heilige Turibius. Tom
bius Alfons , der Sohn eines £2delmanns von Mogroyejo , wurde i^j
16. November 1638 geboren. Er studirte zu Yalladolid und SiW
manca; später begleitete er fünf Jahre lang mit Anszeidmong St
Stelle eines Pnlsidenten von Granada. Philipp II. wählte den Im|
Toribio zum Erzbischof Ton Lima — 1578 , welche Würde er umV
Der hei- lanirem Sträuben annahm. Er war ein zweiter Ambrosius von UM
ribioB. land. Nach Empfang der heiligen Weihen eilte er nach Lima, vo ^
am 24. Mai 1581 eintraf. Schon im Februar 1582 hielt er in Li
),der Stadt der Könige'^, seine erste Diocesansynode, als Yorberei
zu einem spätem Provincialconcil. Er beruft sich auf die Anordni
des Concils von Trient, nach welcher jährliche Diocesansynoden
Einschärfung und Erneuerung der Eorchenzucht gehalten werden 6ol
Die Synode besteht aus 29 Kapiteln oder Constitationen; di
s-syno- ^iqirden ^an 10. März in der Cathedrale feierlich verkündigt —
demselben Grunde berief er eine zweite Diocesansynode auf das Fe
des heiligen Andreas im Jahre 1583. Die hier gefasaten BescU
oder Constitutionen wurden am 9* Februar 1584 Yon der Kanzel
Cathedrale yerkttndigt. — Es sind 1 1 kurze Eoipitel *)•
Das Erzbisthum erstreckte sich 130 Stunden entlang der Ki
Während die wildeste Unordnung, Mord und Baub unter den S
herrschten, schmachteten die Indianer unter dem härtesten Dm
Durch Klugheit und Energie brachte Turibius Ordnung in das
Chaos. Er arbeitete mit Erfolg an der Ausrottung der öffeni
8. apoa- Aergernisse. Auf einer Reise durch seinen Sprengel unterzog er skÜ
Wirken. Unglaublichen Mühen. Ohne Unterlass lehrte, betete and fiistete eff
zur Bekehrung der Indianer sezte er überall tüchtige Seelenhirten dir
Unerbittlich war er gegen die Sünden des Clerus. Wie er ein B^:
schüzer der Unterdrückten, so war er eine Greissei der offe
Sünder. Kein Wunder also, dass er von einigen Statthaltern in Feit:
verfolgt wurde. Er stiftete Seminarien, Kirchen und Spitäler. Nebet <
der schon bestehenden Universität von Lima wurde durch pipstlici»
Bulle vom 20. August 1586 eine Universität in der Stadt Quito
errichtet^). — Als eine Fest ausbrach, so gab er Alles hin und fancbte
*) Aguirre-Caialani, t VI, p. 64— 71.
•) BuUarium Born. Taurin. 1863, t Vni, p. 733—735.
DiOcesaiiBynoden des fd. Taribias. 211
taglich sein eigenes Leben zum Opfer. Drei Male visitirte er sein
ganzes Bisthnm. Die erste Reise dauerte sieben Jahre, die zweite fiinf
Jahre, die dritte etwas weniger. Er bekehrte eine unzählbare Menge
von Heiden. Er hätte, obgleich an Jähren vorgerückt, die verschie-
denen Sprachen der indianischen Stamme erlernt. Er traf im Allge-
meinen die Bestimmung, dass je nach drei Jahren eine Diöcesansynode,
je nach sieben Jahren ein Provincialconcil gehalten werden sollte. Auf
das Fest der heiligsten Dreieinigkeit des Jahres 1585 berief er seine
dritte Diocesansynode in die Stadt San Domingo de Yangay. Es
wurden 93 Kapitel oder Constitutionen erlassen, welche am 17. Juli
1585 publicirt wurden. Eine neue Synode wurde gleichzeitig auf den
25. JuK 1586 ausgeschrieben, von der wir wissen, dass sie gehalten
worden. Die Constitutionen der Synode von 1585 werden als bestän-
dige Synodal-Constitutionen des E^zbisthums erklärt, welche alle geist-
lichen und weltlichen Personen in Händen haben sollen^). — Die für
das Jahr 1586 ausgeschriebene vierte Diocesansynode fand wirklich in
der Stadt Santiago de Yaural-Camba statt. Sie erliess 30 Kapitel,
welche am 7. September publicirt wurden. Papst Gregor XHI. hatte
am 12. Juli 1584 dem Turibius gestattet, nach je zwei Jahren seine
Synode zu berufen. Desswegen beruft er eine weitere Synode auf den
7. September I988. Die Säumigen werden mit einer Strafe von
100 Pesos (Silber) belegt^).
Die angekündigte fünfte Synode wurde in der Stadt St. Ghristoval
de Yuanes am 7. — 20. September 1588 gehalten. Es wurden 30 Kapitel
festgesteUt, und verkündigt, am 16. October aber in der Cathedrale zu
liima pnblicirt'). Die sechste Diocesansynode wurde in der „Stadt
der^Konige^' selbst am 11. October 1590 begangen. Es wird den
Priestern nnd Klerikern n. a. verboten, spazieren zu reiten, Maulthiere
mit Tüchern zu behängen n. s. w. Es wurden 11 Kapitel erlassen^).
Am 21. October 1592 wurde die siebente Dioä^sansynofie ^u Lima
gehalten, d. i. geschlossen, mit 90 Kapiteln. Darin. wift fh a. gefor-
dert^ dass die Beschlüsse der beiden in den Jahren 1567 und 1583 zu
Liima gefeierten Provincialconcilien beobachtet werden sollen.
Von dem Concil von 1567 wissen vrir nur, dass dort die An-
nahme der Decrete des Trienter Concils Gegenstand der Verhand-
lung war. Die Akten des Provincialconoils vom Jahre 1583 finden
sich bei Tejada im Auszuge unter der Ueberschrift: „Concilio I. Pro-
>) ÄguirreCcUalani, VI, p. 193—208.
') Aguirre-Catalani, VI, p. 208—215.
') Aguirre-Catalani, TI, p. 215~ 200.
0 Aguirre-CatdUmi, VI, p. 220—222/
14
212 DreizebntOB Bach. Sechstefl Kapitel.
vincial de Lima ano 1582^^ '). Das Coocil hielt nämlich fünf SiznngeB,
die erste am 15. August 1582, welcher fünf Bischöfe anwohnten. Im
October kam der Dominikaner Petras de la Pena, Bischof toq Qpito,
an, welcher am 7. März 1683 zu Lima an Altersschwäche staih. Die
zweite Sizong fand erst am 15. Aagnst 1583 statt. Aach Sebsstiu
de Lartaon, Bischof von Cnzco, starb aaf der Synode am 9« Ociober
1583. Die fanfte and lezte Sizong fand am 18. October statt Der
lateinische Text der Synode wurde, mit Zusäzen, zu Rom im Jahn
1610 approbirt, und zu Madrid im Jahre 1614 gedruckt (woraus die
Auszüge bei Tejada genommen sind). Tejctda hat aber zum eistauul
eine sehr interessante Denkschrift yeroffentlicht, welche der Licenäit
Falcon im Interesse der unterdrückten lAdianer an die Synode ricbteie^
und welche sich als Manuscript in der National-Bibliothek zu Madrid
erhalten hatte').
Nach der damaligen kirchlichen Verfassung mussten zehnDioces»*
Bischöfe auf diesem Concil erscheinen. Das Bisthum, d. i. die Stidt!
Quito war 200 Leguas Ton Lima entfernt, der Bischof von Poppt
300, der von üuzco 150, der Bischof von Paraguay 600 Meilen, dtf
von Santiago de Chile 400, der von der Stadt „La Lnperial", m
dessen Stelle später Concepcion de Chile trat, war 500 Meilen, da
Bisthum Panama 400, das von Nicaragua mehr als 600 Meilen, das w
„los Charcos'^ , heutzutage Buenos- Aires, 800, das von Tucuman 401
spanische Meilen entfernt. Troz dieser Entfernungen, und der
fehlenden oder lebensgefährlichen Wege fehlten von den zehn Bu
nur der von Panama, das eben erledigt war, der von Nicaragna,
zwar 1580 ernannt, vielleicht aber 1582 noch nicht eingetroffen
und der Augustiner Augustin de Coruna (1563 — 1590) genannt
heilige Bischof', von Popayan, der wegen der Grerechtigkeit zweii
verbannt wurde. Er wurde auf dem Wege nach Lima durch
Unglücksfall zurückgehalten ^).
Sein« awSite Jrrovincialsynode. hielt Turibius zu Lima im
1591. Ton dieser Synode hat Ant. Montalvo nur Bruchstücke, eot-
haltend 20 Kapitel, aufgefunden. Sie sind nur von dem EteI
') T^ada, V, p. 486—522.
*) L. c, p. 488— 50e.
') Lima limata condlUs constitationibns • . • . qniboa Toribins Alph. Mogio^
vejns provinciam Limensem sea Bemvinnm imperiun limavit^ latino reddidii, ett^
Haroldus. Romae, 1678 — fol. — Haroldua hat die Ausgabe von 1614 abdneki
lassen. Aguirre und (Äguirre-) Caialani haben den Text des HarMm
dndrt (VI, p. 27—51—65). li^ada hat nur einen Anssng gegeben. (Bei Baroi*
dm finden sieh die drei Provincial- und die zehn DiOeesaasynodeBy vakba M
Aguirre t IV, and bei Äguirre-CaUUanif t VI reprodacirt werden.)
Synoden des heiligen Toribios. 213
und dem Bischof Gregor de Mantalvon von Cuzco onterzeichnet. Ob,
und welche andere Bischöfe zugegen waren, wissen wir nicht').
Am 31. October 1592 schloss Tnribins zu Lima seine siebente
Diocesansynode, in welcher 30 E^apitel erlassen wurden*). Zugleich
wurde die achte Synode auf den 31. October 1594 berufen. Dieselbe
wurde am 24. November 1594 in der Stadt S. Pedro y Paolo von
Piscobamba geschlossen. Es wurden 48 Kapitel erlassen^, und die
nächste Synode auf den 24. November 1596 berufen, deren Akten
sich nicht mehr vorfinden. —
Seine dritte Provincialsynode konnte Turibius erst im Jahre 1601
halten, welcher nur die beiden Bischöfe von Panama und Quito an-
wohnten ^). Zwar hatte Turibius dieses Concil schon auf den 3. März
1598 ausgeschrieben. Damals hatten sich nur zwei Bischöfe auf die
Reise begeben^ der von Paraguay, welcher noch nicht consecrirt war,
und der auf der Reise starb, der von Tucuman aber erkrankte so
schwer, dass er umkehren musste. Als am 11. April 1601 keine an-
dern Bischöfe mehr erwartet werden konnten, eröffnete' der Erzbischof
das Concil. Die zweite Sizung wurde am 17. April gehalten. Es
wurden fünf Decrete erlassen. Am 18. April wurde das Concil ge-
schlossen*). — Am 16. Juli 1602 hielt Turibius seine neunte uns be-
kannte Diocesansynode , in der 49 Kapitel erlassen wurden. Am
31. Juli 1604 hielt er seine zehnte und lezte uns bekannte Bisthums-
synode, sie erliess 43 Kapitel*). — In dem Leben des ,^Heiligen^' von
Änianitu a Leon Pinelo wird gesagt, dass Turibius 3 Provindal- und
13 — 14 Diocesansynoden gehalten habe.
In Santa, 110 Stunden von Lima, erkrankte Turibius, er Hess
sich zum Empfang der heiligen Wegzehrung in die Kirche tragen, und
verschied unter den Worten: „In manus tuas, Domine, commendo spi-
ritum meum" — am 23. März 1606. — Man brachte im folgenden
Jahre seinen noch unverwesten Leib nach Lima; im Jahre 1679 wurde
er selig-, im Jahre 1726 heiliggesprochen. Er habe einen Todten auf-
erweckt, mehrere Kranke geheilt^.
') Agmrre ' OcUälani, VI, p. 895—898. — Hier sind den 20 Gapitola — die
Regula oonsaeta oder Institationes consnetadinales Ecdes. Metr. Limensis beige-
fttgt» p. 898—420. Tejada y Bamiro, VI, p. 686—647, weloher den 20 Capitnia
zwei wiohtiji^e Doeumente vonnssohickt, danmter den Brief des Taribins an KOnig
FUUpp n. vom 16. Uta 1591.
«) Ägwim-CaiakuU, VI, p. 420-4S8.
*) Agmrr&'Oatalani, p. 499—440.
0 JFVano. Ant. MowkUvo^ „Novos mundos*.
») Aguirr^^Caiakmi, VI, p. 477-480. T^ada, VI. p. 647-648.
*) Aguirr^CaJtalaai, VI, p. 485—490.
*) S. Urkunden b. Ganonisation« — AnJUmius de Lmi Pindo, Vida del
214 Dreizehntes Buch. Sechstes Kapitel.
§. 7.
Die heilige Rosa, ,,die erste Bliithe der Heiligkeit im südlichen
Amerika^^, warde zu Lima am 29. April 15^6 geboren. Von fröhester
Jugend bewies sie eine wunderbare Stärke in Ertragung aller geistigen
und leiblichen Leiden, iur welche Leiden sie wie Yorherbestimmt
schien. Obgleich sie taglich wohl 12 Stunden im Gebete zubrachte,
arbeitete sie doch mehr als alle andern. Ihren in Armuth gerathenen
Eltern erwarb sie den Lebensunterhalt. Sie trat in den dritten Orden
des heiligen Dominikus zu Lima. Sie lebte ein abgeschiedenes Leben
in einer Zelle im Garten ihrer Eltern. Oft blieb sie acht Tage lang
ohne Nahrung. Bei dem Empfang der heiligen Communion nahm sie
die Gestalt wie eines Engels an. Die heilige Communion stärkte and
^^'^^"^ belebte auch ihren Leib. Es war ihr dann nicht möglich, irdische
1586 — Speise zu gemessen. Sie übte ganz unglaubliche Abtodtungen. Ihr
^^^^* Lager bestand ganz aus Glasscherben und andern spizigen Gegen-
standen. In den lezten 16 Jahren ihres Lebens — führte sie der Herr
in eine bittere Leidensschule — er überliess sie langer Trostlosigkeit
und innerer Verlassenheit , die peinvoller war , als alle körperlichen
Leiden, aber auch ihre Heiligkeit vollendeten. Am 24. August 1617
ging sie ein in die Freuden ihres Herrn. Sie wurde im Jahre 1668
selig-, im Jahre 1671 heiliggesprochen. Sie ist Hauptpatronin des
Reiches von Peru*).
Ilostrissimo y Beverandissimo D. Toribio Alfonso Mogrove|o, Arzob. de Limti Um.
1653. Italienisch von Jlfte^. Äng. Lapiy Rom., 1656, i\ Oyprianua de HenerOy
Mirabilem vitam et mirabiliora acta Y. Servi D. A. Toribii Mogrovejü Limtni
archipr., ex actis legitimis de maodato Sacrae Bitaum Congregationis oonfeetifi)
Romae, 1670 — 4*. — (Benedict. XIV., de Servis dei canonis., t IV, tnet de
mirac., cp. 16.) BuUer, Leben der Heiligen, von Raesa und Wets, IV, p. 196-
206. Nebstdem schrieben Aber sein Leben: Nieol Äni. Ouerrero; Anada»^ Nico-
eeUi; Jacob. Laderehi; Fr. Anton, de Lorea; Franc. Maoeda, Vita 8. Toiibii de
Mogrovejo, arch. Limani, Venet, 1668 — 4*. — 0abriüMari4k Vaknxuela; FraM.
de Montalvo.
') Ihr Leben in Aeta Sotor. — 26. Aug. t. V; p. 90S)— 981, aaetore Lernt,
Haneen, 0. S. D. — ex edit 8 — Lovanii, 1668 ünpressa. — Gnperi Commentir.
praev., p. 892— 902. — Gloria posthmna, p. 984— 1029. — - Ihr Leben von Hffocinthn
de la Parra, Matr. 1668 (tlbers. d. lat. Lebens von L. Honten, Andreai Furttr
de Valdeeebro, liatrit, 1666, 4*. — Änt. OonsuUez de Acuna, 0. S. IX, Conpea-
dinm admirab. vitae B. Bosae, Bomae 1665 fauoh spanisch gesehrieben); jFV. l^
Antonio de Oviedo. Das Leben von Oonuiku erschien auch in Warvclm« Abodtv
erschien ihr Leben zu Augsburg, 1670, französ. von Jean Andri Fawr% Bordeinzi
1668, und J. B. Feuitet, Paris, 1669. QumagnoU, Ant. Fr., Vita dl s. Bm di
Lima, Bom., 1768. — Bussierre, Mar. Thiod. Benoual de (f 1865), Le Peron et
B. Böse de lama» PariSi 1868. 8*.
Die Bischöfe ans den geistlichen Orden. 215
Maria Anna a Jesu de Paredes^ genannt die ^Lilie von Qnito^^,
wurde am 30. September 1618 in dieser Stadt geboren. Zehn Jahre
alt, legte sie die drei Gelübde der Kenscbheit, Armuth and des Ge-
horsams ab, ohne in einen besondem Orden zu treten. Sie fühlte den
tiefsten Schmerz nnd das innigste Mitleid mit den Völkern , die noch
in der Nacht des Heidenthnms sassen, nnd wollte auf den Flügeln
der Liebe zu ihrer Bekehrung dahineilen. Da ihr diess nicht gelang,
so ergab sie sich in den Willen Gottes, und bewohnte eine einsame
Zelle in ihrem elterlichen Hanse, wo sie ein wahrhaft himmlisches
Leben führte. Den grossten Theil des Tages und der Nacht widmete
sie dem Gebete und der Betrachtung. Sie erreichte nur das 27. Jahr
ihres Lebens, und starb am 25. Mai des Jahres 1644. Nach ihrem
Tode wurde sie durch viele Wunder verherrlicht, und der Kuf ihrer ^«"'k®
Heiligkeit wuchs immer mehr. Papst Pius VI. erklarte am 16. März seiigo.
1776, dass ihre Tugenden heroische gewesen. — Nachher wurde die
Untersuchung über die auf ihre Anrufung vollbrachten Wunder ein-
geleitet Zwei Wunder waren besonders beglaubig^, und wurden durch
Decret Pius IX. am 14. Januar 1847 als wirkliche bestätigt Am
7. October 1850 sprach Papst Pius IX. die Dienerin Gottes, genannt
„die Lilie von Quito^% selig. Diess geschah auch in Folge der
frommen nnd instandigen Bitten der Bewohner von Quito, so dass in
der Stadt und Diöcese von Quito ihr Fest am 26. Mai — „ritu duplici^'
begangen werden möge »)•
§.8.
Die Kirche von Spanien, ans welcher so viele Heilige dem Him-
mel entgegenreüten, ist besonders wunderbar durch die erstaunlich
grosse Zahl von Glaubensboten, welche sie bis zum heutigen Tage
nach Westindien, wie nach Ostindien entsendete. Im edelsten Wett-
eifer rangen hier in der Missionsthätigkeit die verschiedenen geist-
lichen Orden um die Palme. Ueberans gross war das Gebiet der
Missionen, aber auch überaus gross die Zahl der Missionare, die zur
Bebauung desselben jedes Jahr aus Spanien auszogen. Voran gingen
den andern die Dominikaner und die Franciscaner , und gründeten
überall EJoster. Es folgten die Augustiner, Hieronymiten, Minimen,
Norbertiner , Benedictiner, Oisteroienser, Trinitarier, Mercedarier, später
die Jesuiten nnd Carmeliten. Die Geschichte ihrer Wirksamkeit ist
in besondem grossen Werken beschrieben worden* Uns fehlt hier der
■) Fit IX. F. M. Acta, i 1, Rom. 1854, p. 217—250. — Oama, Kirchengesch.
des neniiiehnteD Jahrb., BcL III, 1856, B. 705—706.
216 Dreizehntes Buch. Sechstes Kapitel.
Baum, näher auf dieselbe einzugeben. Wir wollen nur aaf eine Er-
scheinung hinweisen, auf die zahlreichen Bischöfe aus den verBchte-
denen Orden, welche die neugegründeten Bisthümer in Amerika über-
nahmen und leiteten. Nach einer ungeßhren Berechnung zählen wir:
Bi«ah8fe Jm J^igthnm Antequera — Bischöfe aus dem Weltklerus 15, aus
Orden, geistlichen Orden — 9, 4 Dominikaner, 2 Benedictiner, 1 Cistercienser,
1 Augustiner, 1 Mcrcedarier.
Bei dem Bistbum Arequipa zählen wir in der Zeit der spanischen
Herrschaft 14 Bischöfe aus dem Stande der Weltpriester, 2 Domini-
kaner, 3 Augustiner, 1 Trinitarier, 1 Mercedarier, 1 Gapuciner.
In dem Erzbistbum Santa F6 de Bogota zählen wir 20 Erzbischofe
aus dem Weltklerus, 6 Dominikaner, 2 Franciscaner, 1 Hieronymiten,
1 Minimen, 1 Norbertiner, 1 Augustiner. — Das Bistbum Buenos
Ayres hatte 9 Bischöfe aus dem Weltklerus, 2 Dominikaner, 2 Francis-
caner, 1 Benedictiner, I Carmeliten, 1 Augustiner, 1 Trinitarier. —
Das Bistbum Cartagena zählte 18 Bischöfe aus dem Weltlkerns,
10 Dominikaner, 4 Franciscaner, 2 Hieronymiten, 1 Trinitarier, 1 Cis-
tercienser, 2 Bäsilianer. Das Bistbum Maynas (seit 1805) zahlte
einen Franciscaner zum ersten Bischof. In dem Bisthume Chiapa zählten
wir 7 Bischöfe aus dem Orden des heiligen Dominikus, unter ihnen
den grossen Barthol. Las Casas, 3 Franciscaner, 1 Benedictiner,
2 Augustiner, 1 Hieronymiten, 3 Mercedarier, 18 Bischöfe aus dem
Weltclerus. Das Bistbum Santiago de Chile hatte 17 Bischöfe ans
dem Weltklerus, 1 Dominikaner, 5 Franciscaner, 1 Augustiner. Das
Bistbum Concepcion de Chile hatte in der spanischen Zeit 25 Bischöfe,
von ihnen waren 13 Weltpriester, 6 Franciscaner, 1 Doi^inikaner,
1 Cistercienser, 3 Augustiner, 1 Ton unbekanntem Orden. Das Bis-
tbum Cordova in Tucuman hatte vom Jahre 1570 — 22 Bischöfe,
12 aus den Beihen der Weltpriester, 3 Franciscaner, 3 Dominikaner,
3 Augustiner, 1 Carmeliten. S. Cruz de la Sierra hatte von 1605 —
1820 23 Bischöfe, von denen 15 Weltpriester, 4 Dominikaner, 1 Francis-
caner, 1 Augustiner, 1 Carmelit, 1 Mercedarier war. — Das Bisthnm
Santiago de Cuba hatte 34 Bischöfe, darunter 4 Dominikaner, 4 Francis-
caner, 1 Carthäuser, 2 Mercedarier, 1 Trinitarier, 1 Cisterciaiser,
1 Basilianen Das Bistbum Ouzco hatte bis zum Jahre 1821 —
24 Bischöfe, 16 aus dem Weltklerus, 3 Dominikaner, 1 Jesuiten,
3 Augustiner, 1 Franciscaner. Das Erzbistbum San Domiiijfo hatte
vom Jahre 1525 an bis zum Jahre 1817 — 36 Bischöfe und Erz-
bischofe, 5 waren Dominikaner, 1 Franciscaner, 1 Benedictiner, 1 Cis-
tercienser, 1 Norbertiner, 2 Hieronymiten, 4 Augustiner, 1 Mercedarier,
1 Trinitarier. Das Bistbum Dtiranjfo hatte von 1620 — 1816 — 22 Bischöfe,
darunter 1 Franciscaner, 1 Augustiner, 1 Benedictiner, 1 Minimen,
1 Carmeliten. Onadalaxara hatte von 1553 — 1819 — SO Bischöfe.
Die Bischöfe aas den geistlichen Ofden. 217
Von ihnen waren 20 aus dem Weltkleras, 4 Franciscaner, 2 Domini-
kaner, 2 Benedictiner, 1 Augustiner, 1 Mercedarier. Ouamanga hatte ^^^^^
von 1612 — 1818 — 26 Oberhirten, davon waren 2 Dominikaner,
'6 Augustiner, 1 Basilianer, 1 Mercedarier. Guatemcda^ Erzbisthum seit
1743, hatte von 1533— 187Ö — 24 Oberhirten, — 18 waren Welt-
priester, 1 Dominikaner, 1 Hieronymit, 1 Benedictiner, 1 Franciscaner,
2 Augustiner. — Das Bisthum Verapaz hatte überhaupt nur 5 Bischöfe,
von welchen die 3 ersten Dominikaner waren. Im Bisthum Honduras
zählt man bis 1817 — 23 Bischöfe« Weltpriester waren 11, 3 waren
Dominikaner, 3 waren Franciscaner, 3 Hieronymiten, 1 Benedictiner,
1 Basilianer, 1 Norbertiner. Nueva Leon, gestiftet im Jahre 1778,
hatte 2 Franciscaner als seine 2 ersten Bischöfe. — Lima zahlte bis
zum Ende der spanischen Herrschaft 18 Erzbischofe. Der erste war
ein Dominikaner, der zweite, der heilige Turibius, ein Weltpriester,
dann noch 14 aus dem Stande der Weltpriester, 2 Trinitarier. Das
Bbtbum Santa Maria hatte bis 1817 — 33 Bischöfe, wovon allerdings
nicht alle das Bisthum antraten, 6 waren Dominikaner, 6 waren Francis-
caner, 1 Hieronymite, 1 Augustiner, 1 üistercienser, 1 Trinitarier.
Mechoaean hatte vom Jahre 1536 an — 30 Bischöfe. Davon waren
18 Weltpriester, 1 Dominikaner, 2 Franciscaner, 5 Augustiner, 2 Merce-
darier^ 1 Hieronymite, 1 Minime. — Das im Jahre 1782 gegründete
Bisthum Merida de Maracaybo hatte zur Zeit der spanischen Herr-
schaft 2 Dominikaner, und 1 Franciscaner zu Bischofen.
Das Erzbisthum Mexico hatte 23 Oberhirten bis zum Jahre 1820,
16 davon waren aus den Reihen der Weltpriester, 2 waren Francis-
caner, 2 Dominikaner, 1 Benedictiner, 1 Augustiner, 1 Hieronymite.
— Das Bisthum Nicaragua hatte von 1Ö31 — 1817 — 32 Bischöfe; bucm^
13 derselben waren aus dem Stande der Weltpriester, 19 waren ^q*^^^]*
Mönche, und zwar 4 Dominikaner, 5 Franciscaner, 2 Hieronymiten,
3 Augustiner, 1 Benedictiner, 1 Norbertiner, 1 Trinitarier, 2 Merce-
darier. Es zeigt sich auch hier, wie sonst, dass die abgelegeneren und
kleinem Bisthümer vorzugsweise mit Mönchen besezt wurden. So
hatte Panama unter etwa 40 Bischofen — 20 aus Orden, 6 Domini-
kaner, 4 Franciscaner, 1 Benedictiner, 1 Hieronymiten, 3 Augustiner,
1 Norbertiner, 2 Carmeliten, 1 Trinitarier, 1 Mercedarier. In dem
Bisthum Paraguay werden bis zum Jahre 1816 — c. 31 BischSfe ge-
zahlt; 4 waren Dominikaner, 7 Franciscaner, 4 Augustiner^ 1 Benedic-
tiner, 2 Mercedarier. — Lia Paz hatte von 1608 — 1818 — 21 Bischöfe,
3 waren Dominikaner, 3 Franciscaner, 1 Augustiner, 1 Trinitarier.
La Flata^ Erzbisthum seit 1605, hatte von 1553 — 1818 33 Oberhirten,
davon 4 Dominikaner, 1 Franciscaner, ö Augustiner, 2 Benedictiner,
1 Cistercienser, 1 Trinitarier, 1 Carmeliten.
Papayan hatte von 1547—1816 — 27 Bischöfe; 2 waren Domini-
lo.
218 Dreiaehntes Baoh. Sechstes Kspitel.
kaner, 1 Franciscaner, 4 Aagastiner, 1 Jesuit, 1 CanDelit. — Das
^®'*^' heute noch spanische Bisthum Pumiarieo hatte Ton 1512— -18S4
Haa
43 Bischöfe, unter ihnen 3 Dominikaner, 4 IVanciscaoer, 1 Capncincr,
2 Augustiner, 1 Hieronymiten, 2 Carmeliten, 1 Trinitarier, 1 Merce*
Pnebi«. darier, 2 Bcnedictiner, 4 Basilianer. — Das Bisthum PuMa nhke
seit 1527 — 1 Dominikaner, 1 fVanciscaner; es hatte nur 2, und nack
1557 keinen Mönch mehr. Es gehörte zu den reichsten und eintii^!
Qoito. lichsten Bisthümem Amerika's. — Quito zählte bis 1818 unter seiiret;
Bischöfen 3 Dominikaner, 2 Franciscaner, 1 Augustiner, 1 Cisterciei
auch es gehörte zu den reichsten Bisthümem, 4 Franciscaner leitete
nach einander das im Jahre 1780 — gegründete Bistbnm Sonora,
Tiyxii. TrtixiUo hatte bis 1825 — c. 30 Bischöfe, darunter 2 Dominil
1 Franciscaner, 1 Hieronymiten, 1 Trinitarier, 1 Mercedarier, 1 Bei
dictiner, 1 Jesuiten. — Venezoela hatte bis zum Jahre 1803, wo
Erzbisthum wurde, 6 Dominikaner zu Bischöfen, 1 Fraocisci
2 Mercedarier, 2 Minimen , 1 Benedictinen — Endlich hatte Yo<
unter 27 Bischöfen 2 Dominikaner, 6 Franciscaner, 3 Augasth
1 Hieronymiten, 2 Benedictiner ')• —
§. 9.
Allerdings trat nach der neuen Colonialgesezgebnng von 1
eine Milderung des Looses der Lidianer ein*); aber nicht für
Zeit. Wie überhaupt schon in der zweiten Hälfte der Begi<
Philipp's n. in Spanien selbst im Kirchlichen und Politischen
Rückschritt begann, so auch in dem spanischen Amerika, Der
liehe und politische ZerfiEill Spanien's seit der spätem Z^eit Philipp's
im ganzen siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert masste auch
das Volk und die Kirche in Amerika zurückwirken. Wie Spami
erlahmte und zerfiel , so das spanische Amerika. Diese am so mi
da auch die Eingebomen selbst, sodann die yerschiedenen Arten
Mischlingen, die Mestizen, Creolen u. s. w. wohl die schlimmen, aber
nicht die guten Eigenschaften der gebomen Spanier anzunehmen ge-
neigt waren. Unter diesen Mischlingsra^en herrschte eine sittlicb«
Ungebundenheit, unter deren vergiftenden Einfluss auch die iditcQ
Spanier fielen« D. Jorge Juan und D. Antonio de Ulloa, ßenerak
der spanischen Marine, wurden im Jahre 1737 von ihrer A^eroog
0 Die Zahl der emiehien Bischöfe ist flberhanpt nicht leicht totsoitoOeo.
weil manche derselben ihre Btsthflmer gar nicht sahen, andere resigurtca odff
.^ a. .. K. .. & _ • a _
stirbon, bevor sie eintraten.
•) S. 178-171.
Der Zerfall Sttdamerika'B. 219
beauftragt, genaae Beriohte über die Zostände Sudamerika's einzaeen-
den. Sie bereisten Pera, Bolivia, Ecuador und Columbia — drei
Jahre lang. Ihr Bericht wurde erat zur Zeit des Abfalls Anicrika's
Ton Spanien gedruckt*) zur Rechtfertigung des Abfalls Sudamerika's
von Spanien. Die Verachtung der Geseze, die Raubgier der Be-
amten, die Habsucht der Besizer und Eorafleute, die PflichtTcrgessen-
heit des eingebornen Klerus und die allgemeine Unsittlichkeit hatten
Zustande geschaffen und befestigt, welche die spanische Regierung
auch bei dem besten Willen nicht mehr bessern konnte. Es herrschte
die druckende Mita. Alle Indianer mussten den Landgütern und
Bergwerken ihrer Bezirke eine gewisse Anzahl Leute stellen, welche
die harten Arbeiten ToUbringen mussten. Alle Indianer mussten die
ihnen nothigen Waaren von den Gorrcgidorcn um enorme Preise kaufen.
Der Welt-, und Ordensklerus war gar sehr gesunken. Aber so gross
war die allgemeine Unsittlichkeit, dass die Laien daran keinen An-
stoss nahmen, denn sie waren ebenso und noch schlimmer, Weiber
wie Männer*).
Bis auf die neueste Zeit war man überzeugt, dass die von den
Jesuiten geleiteten Indianer von Paraguay in der zweiten Hälfte des
achtzehnten Jahrhunderts so musterhaft waren, wie zur Zeit ihrer Be-
kehrung. Wenn wir aber das Werk des deutschen Jesuiten Flor.
Baucke lesen, so werden wir eines andern belehrt ^. Es wird von den
beständigen gemeinsamen Trinkgelagen und der Trunksucht der In-
dianer Erstaunliches erzählt. Wenige, sagt F. Baucke, habe ich im Zu-
stande der Trunkenheit lustig gesehen, sondern fast alle grimmig und
blutgierig. Sie weinen dann aus lauter Zorn, schreien und schimpfen
auf ihre Beleidiger, auch wenn diese nicht zugegen sind. Die Weiber
wurden barbarisch misshandelt. Die Reductionen der christlichen In-
dianer waren beständigen Ueberfällen der heidnischen Indianer aus-
gesezt. Den christlichen Indianern musste man gar viele Concessionen
machen, um sie vor dem Abfalle zu bewahren, u. s. w. — Auch in
unserer Zeit sind jene Indianer- Stämme, die P. Smets in Nordamerika
>) Notidas secretas de America, sobre el estado naval, militar, y politico de
los reynos del Peru, y provincias de Qaito, costas de Nneva^Granada y Chile,
gobiemo y regimen particalar de los pneblos de Indios: cmel opresion y eztor-
aiones de bqb eorregidores y cnras: abasos eseaodalosos entroducidos entre estos
habitantes por los misioneros; cansas de sa origen, y motivos de so contiDnaoion
por el espacio de tres sigloB ^ sacadas ä Inz — por i>. Damd. Barry^ Lon-
dres, 1826. —
*) B. Aasstlge aas obigem Werke — in Histor. polit. BUttter, Bd. 71,
S. 383-400, 618—639 (»die Ursachen vom VerfaU Spanien's«).
*) Pater Floriaa Baucke, ein Jesnit in Paraguay (1748—1766). Nach dessen
eigenen Aufzeichnungen, von A* £o6Zer, Priester S. J., Begensburg, 1870.
220
Dreisehntes Buch. Sechstes Kapitel. Der ^erfidl S&damerika's.
bekehrte, nicht standhaft gebtieben; sie sind in ihre alte Wildbett
znrnckgefallen.
Anders aber ist die Schildemng, welche Franc AnL de Lofrwzm^
Erzbischof Ton Mexico (1766 — 1772), aus Anlass des von ihm ge-
haltenen vierten Proyincialconcils von Mexico gibt. Darnach bczw<
der Kirchenfurst, ob je ein anderes Volk seine Golonieen so ci
und christianisirt habe, wie die Spanier ihre Golonieen. Yiello
dass die Mexicaner besser regiert und behandelt vnirden, als die fi»
gebomen in Peru und den angrenzenden lAudem^.
') LoTtmanck^ Concilios provineiales Mexicanos, I, II and III, Meiioo, Ii
1770. — Concilio IV. iVov. Mejicano^ celebr. en el anno 1771 (snent faeni
geben von Ty'ada y Ramiro, t, VI, s. Golecdon. Madrid, 1859, p. 177—313}.
Siebentes Kapitel.
Die Reglemi« PUlIpp's II. Im Niedergänge (ISM - ISM).
§. 1.
Das erste Decenniain der Regierung Philipp's II. verlief in fisist
angetrübtem Glücke ; Erfolg reihte sich an Erfolg. Die erste
grausame Trübung und Täuschung trat ein in der unversöhnlichen
Feindschaft, welche der Thronfolger D. Carlos gegen seinen Vater an
den Tag legte. — D. Carlos, Fhilipp's einziger Sohn, von Natur aus
ein Krüppel an Geist und Leib, wuchs allmählich zu einem sittlichen
Ungeheuer heran, das vielleicht seines Gleichen nicht hatte unter den
damals lebenden Spaniern diesseits und jenseits des Weltmeeres. Unter
den wildesten Leidenschaften, von denen er ganz beherrscht war,
ragen besonders Troz^ Tücke, Rachsucht, Tyrannei, Grausamkeit, Ge-
frassigkeit — hervor. Schon im Jahre 1664 schrieb über ihn der Ge-
sandte Oesterreich's, Dieiriehiiein^ „sein Vater sei halb verzweifelt, es P^
sei auch viel versäumt worden, dass er nicht anders erzogen '^^). Er
sei ein presshafier, schwacher Herr, aber wiederum eines mächtigen
Königs Sohn (es handelte sich um die Vermählung mit einer Habs*
bnrgerin). — D. Carlos zog Abends und Nachts mit seinen Spiess-
gesellen in den Strassen der Residenz umher (ganz wie Nero in Rom),
und übte Bübereien jeder Art Damen der höchsten Stände wurden
bald mit frechen Küssen angefallen, bald mit den gemeinsten Schimpf-
') Sein Vater war vollauf bescfaSftigt mit der Regiemng der Kirche.
222 Dreizehntes Bach. Siebentes Kapitel.
Worten überschüttet. Ein Franzose, der nach Madrid kam, nennt ihn
,,einen entsezlichen Menschen^. Seine maasslose Gefrassigkeit Ika
auch die beste Gesundheit untergraben. Er verlangte mit allem IV
gestümm , Statthalter der Niederlande zu werden. Sein Hass geg»
seinen Vater führte ihn zu den grossten Exceasen. Er konnte nicLt
müde werden, über seinen Vater zu schimpfen, und ihn lacherlich n
seino machen. Gegen die, welche er hasste, wie. selbst den Cardinal Eh
pinosa, zückte er den Dolch, oder traktirtc sie mit Faustachlagen oder
Fusstritten. Am Ende des Jahres 1566 drang er plozlich in den Stil
der eben versammelten Cortes ein, schimpfte sie aus, und drohte, sav
Widersacher als seine Todfeinde zu betrachten, welche zu vernichtet
er alle denkbaren Mittel anwenden würde. Die Pferde seines Vatoi
quälte er zu Tode, besonders dessen Lieblingspferd. Auch g^n da
Herzog von Alba zog er den Dolch, rufend: |,Ihr geht nicht Dxk
Flandern, oder ich bringe Euch um^, und er wollte ihn umbrioga^
aber er war zu schwach. — Gerade um diese Zeit überhäufte ibo dv
Konig mit neuen Beweisen seines Wohlwollens und Vertrauens , qIn^
gab ihm den Vorsiz im Staatsrath und im Eriegsministerium; ahff
er brachte Verwirrung in alle Geschäfte. Viele Abscheulichkeiteo, &
er beging, lassen sich nicht erzählen. Er trieb sich nächtlich an da
verrufensten Orten umher. Im December 1567 schrieb er an da
Papst, an den Kaiser, alle Potentaten einschliesslich seinen Vater, la
alle Granden, Behörden und Städte des Landes, er müsse der Tynoas
seines Vaters sich entziehen, der ihn nicht einmal heirathen lasse, äl
sollen ihm als rechtmässigen Thronerben treu bleiben. Seinem Ohdifi
D. Juan d'Austria, versprach er am 23. December 1667 — i^
Königreich beider Sicilien, wenn er ihm seine Pläne aosfuhreD helfei
D. Juan theilte dem Konige Alles mit PhiKpp „sah seinen einzigen Sek
als den schwersten Verbrecher des Reichs^ '). D. Carlos war anch B
entschlossen» seinen Vater zu ermorden. Am 18. Januar 1568 wölk
er entfliehen , um in Belgien die Fahne der Empörung gegen saaei
oi"^ ^A^r zu erheben. In der folgenden Nacht wurde D. Garlos gefiuiger
fon^n. genommen. Bei diesem Akte war Philipp II. selbst zug^eo. Br
tehaft. trug einen Panzer unter der Kleidnng, ein Schwert in der Hand, fd
einen Helm auf dem Haupte, als zöge er zur Schlacht ans. In semea
Geleite waren 12 Männer der Palastwache, ihr OfEoier, sowie acU
andere Personen, so dass Philipp U. mit seinem Panzer, Helm vsi
Schwert uns fast wie ein Donqoixote erscheint. Zudem hielt oA
Phüipp sehr im Hintergründe. D. Carlos bat um den Tod, - c
wollte sich in's Kaminfeuer stürzen. Philipp sagte zu ihm: »Voo niu
*) Baumstark, S. 87.
i
Don Carlos Ende. 223
an werde ich dich als König behandehi, nicht als Vater.'' D. Carlos
wurde wie ein Gefangener bewacht« — In einem achtstündigen Mi-
nisterrathe vom 20. Jannar berieth Philipp die durch die Umstände
gebotenen Schritte. — Die Konigin Elisabeth horte zwei Tage lang
nicht anf zu weinen, bis der Konig es ihr Terbot, mit Unrecht, wie
mir scheint. Als sich D. Juan d'Anstria öffentlich in tiefster Traaer-
kleidung zeigte, verbot ihm diess der Konig, mit Kecht, wie mir
scheint Nur der Conetable von Castilien schrieb an den König, er
habe es auffallend gefunden, dass vor der Gefangennehmung des
Prinzen, dem als Thronfolger bereits gehuldigt worden, die Granden
Castiliens nicht gehört worden seien. Aber Philipp II. wollte keinen
Rath, und bedurfte keinen. Nach seiner Auffassung von der Monarchie
haben die Unterthanen nur zu huldigen und zu gehorchen. Die Gross-
mutter des D. Carlos wurde zu ihm nicht zugelassen. Der portu-
giesische Gesandte wünschte ihn zu sehen, und wurde abgewiesen.
Papst Pius y. schrieb an Philipp in dieser Angelegenheit einen zweiten
Brief — 9. Mai. In einem zweiten Brief an den Kaiser schrieb Phi-
lipp, dass die gegen D. Carlos ergriffenen Maassregeln unwider-
ruflich seien').
Am 21. Juli bat D. Carlos, der sein nahes Ende fühlte, seinen
Beichtvater Diego de Chaves, den KGnig für ihn um Verzeihung zu
bitten; Philipp gewährte ihm seine Bitte. Am gleichen Tage -erhielt
D. Carlos die lezte Oelu^ig, und dictirte sein Testament. Am 24. Juli
1568 starb er christlich und gottergeben. — Selbst Uorente sagt: „Ich
bin fest überzeugt, dass der Tod dieses Ungeheuers ein Glück für
Spanien war*).
§. 2.
Zu Zweiten CarPs V. wurden allmälich alle Mauren getauft; aber
sie behielten ihre Religion, ihre Sprache, ihre Tracht, ihre Gewohn-
heiten, ihre unversöhnliche Feindschaft gegen die Spanier bei. Es
waren „Regierungs-Christen^, deren innere Bekehrung man nicht hoffen
konnte, erstens, weil sie Muhamedaner, zweitens weil sie Spanier waren.
') Der Wiener Hof hatte .mit anglaablicher Bomirtheit' immer noch an
dem Gedanken einer VermShlong der Erzherzogin Anna mit D. Carlos festgehalten.
Baumstark, S. 103. Llorente, HI, S. 127—182.
*)'Belacion de la mnerte y honras fimebres del principe D. Carlos . . . por
«7. Lopez de Hayos, Madr., 1568. — Don Carlos et Philippe II, par M, Ghichard,
Bnuell, 1863, 2 voll — Don Carlos, von TT. Maurenbrecherj ein Vortr., Leipz.,
1869. - Faltoux, Leben Uns V., 1873, S. 198-207. — Baumstark, Philipp IL, 1875.
224 DreisehnteB Buch. Siebentes Kapitel.
Die Piraten aus der Türkei und Berberei plünderten stets die Kosten
DteMo- gpanien's; die Moriscos drohten stets, sich mit ihnen zn TerbindeiL
Am 13. August 1552 schrieb der Erzbischof Thomas von VillaiioTa
an Philipp, eine Flotte der Türken stehe in der Nähe; er möge schnell
12.000 Castilianer zu Hilfe senden, denn die Christen im Königreid
Valencia seien ungeübt im Elriege ^). Die Spanier selbst be&nden sick
im eigenen Lande in bestandiger Gefahr vor den Moriscos. Die
Mauren hofften, zum zweitenmale Herr von ganz Spanien zu verdo.
Ihre Hoffnung steigerte sich mit dem Wachsthome der Macht i&
Türken« Wie ehedem die Jaden, waschen sie ihre nengetaaAen Kin-
der sogleich nach der Taufe von den angeblichen Makeln dersdbca
ab, beschnitten sie, und gaben ihnen arabische Namen. Aeholkk
machten sie es bei den Ehen. Sie arbeiteten an den Sonn- und Ees^
tagen, feierten aber die Freitage, Sie nahmen Türken and Berbern ■
ihre Häuser und Landgüter auf, gaben ihnen Nachrichten , dass ai
(als Seeräuber) Christen todten oder als Gefangene fortscUeppei
mochten. Selbst dem heiligen Thomas von Villanova wollte die B^
kehrnng der Mauren nicht gelingen, wie vorher dem Franciscud^'
Bartholomaeus de los Angelos und dem Bischof Ramirez de Haro t<a
Die Mo- Segovia nicht. Die Geschwader Barbarossa's erschienen immer viedtf
v*i«n- AQ den Küsten Spanien's, besonders von Valencia und Morcia, nal
<^^* ermuthigten die Moriscos zum Widerstände. Wegen Unsicherttfk
konnten die Pfarrer nicht in ihren Gemeinden wohnen. Die OfEdakf
des Erzbischofs (von Valencia) visitirten die Diöcese nicht* DiePolf-
gamie fand auch unter den Christen weitere Verbreitang. Die B^
sizer der Moriscos (als Vasallen) gaben die schlechteaten Beispiel^
und liessen die Moriscos in Allem gewahren, um nicht so nuzli^
Vasallen durch deren Auswanderung zu verlieren. Troz der BescUim
des Provincialconcils zn Valencia im Jahre 15G5, obgleich im Octobcr
1565 verschiedene Bischöfe eine neue Versammlung hielten, besserte
sich nichts in der Lage der Dinge. Der Weihbischof Segrian*) be.
hauptete , dass nach 40 Jahren des Unterrichts und der Predigt &
Moriscos von Valencia, „Mauren wie vorher^ blieben.
n. Qr«- Wo möglich schlimmer stand es mit den Moriscos in Granads*
Hier hatte der harte Druck der Christen nicht aufgehört. Beanrabi^t
und verfolgt warfen sie sich in die Gebirge, und überfielen von (U
aus die Christen. Den andern Moriscos wurden schwere Tribute acf-
gelegt, und mit grosster Härte eingezogen. Soldaten durchzogen (bs
') Der Brief — bei Janer, Gondidon social de los Moriseoi» Kidr^ IfiS7.
p. 244 - apendice 61.
*) Oder Sebrian von Valencia, Bisohof von Chryaopolis l p. laf.
Die Moriscoa. 225
Gebiet von Granada , um die Schuldigen aufzusuchen, aber die Ver-
brechen, die sie begingen, waren zahlreicher, als die Delinquenten,
welche sie einfingen.^ Von den Sierraa um Guadir, Baza, Almeria,
machten die Moriscos Ueberfalle nach allen Seiten. Sie sezten sich
u. a. in der Vorstadt von Granada, Albaicin, fest, machten nächtliche
Ausfalle, todteten die Männer, schleppten Weiber und Kinder fort, und
verkauften sie als Sklaven nach Afrika.
Die Cortes von Castilien brachten im Jahre 1560 die Beschwerde
an den Konig, dass die Moriscos Negersklaven aus Afrika einführten,
sie zu Muhamedanem machten, und so die Zahl der Ungläubigen ver-
mehrten. Darauf verbot eine königliche Pragmatik den Gebrauch
afirikanischer Sklaven durch die Moriscos von Granada. Die Ordo-
nanz vom Jahre 1563 erneuerte das Gesez, dass die Mauren keine
Waffen besizen dürften, wenn dieselben nicht den Stempel des General-
capitäns trugen ^). Die Uebertreter soUten sechs Jahre auf den Galeeren
dienen; den Tod sollte erleiden, der den Stempel fälschte. Die Moris-
cos verschafften sich nun heimlich Waffen, was zu häufigen Con-
flikten fährte.
Nach einer Zählung vom Jahre 1563 ergab es sich , dass im
Königreich Valencia 9000 Familien der Moriscos^ etwa 45.000 Kopfe,
wohnten. Papst Pius V. machte Philipp II. verschiedene Mittheil nngen
über die Pläne der Moriscos*). Eine Junta unter dem Vorsize des
Ministers und Cardinais Espinosa beantragte entscheidende Maass- ^^^'
regeln, welche Philipp genehm hielt. 1) In drei Jahren sollen alle Moris-
Moriscos die castilianische Sprache erlernen. Alle nach dieser Zeit in ^''
arabischer Sprache geschriebenen Contracte sind nichtig. 2) Die
Moriscos sollen sich wie die Christen tragen, ihre Frauen ohne Schleier
ausgehen. 3) Bei ihren Hochzeiten und andern Festen müssen sie sich
aUer ihrer frühem Gebräuche enthalten, u. a. der nationalen Tänze und
Gesänge. Statt der arabischen Namen werden sie christliche annehmen.
Die Bäder sind in allen Häusern abzuschaffen. 4) Ihre Negersklaven
müssen das Königreich verlassen.
Im Beginne des Jahres 1567 wurden den Moriscos diese Verord-
nungen mitgetheilt: „Bald aber erzitterte der Thron Philipp's II. troz
seiner festen Stüzen unter der gewaltigsten Empörung seiner Vasallen. Emp<$r-
Denn ein Volk, also angegriffen in seinem Leben und seiner Lebens- ^^[ben^
art, und sogar in seinen häuslichen Gewohnheiten, wie die Moriscos, ^'<^-
konnte erliegen unter der Last tyrannischer Unterdrückung, vorher
*) MarmoL^ Rcbclion y CAStigo de los Moriscos del royno de Granada (1600),
Madr., 1797, t 1, p. 135. — Alb. de Circourt^ Ilistoire des Arabes d' Espagne,
Par., 1816, t II, p. 267 — 2G9.
*) FaUoux, Leben Pius V., S. 218.
0«mf, spAo. Kirch«. IIL S. 15
226 Dreizehntes Buch. Siebentes Kapitel.
aber musste es sich erheben mit verzweifelter Aiistrengnng*^). Di^
Mauren ho£%en, das ganze Reich Granada von Spanien 1
und wollten sich der Hauptstadt durch einen Handstreich bemichti
Sie griffen während der Nacht vom 25. December 1568 die V
Albaicin an; sie wollten 8000 Mann hineinwerfen, welche sich 4)ei
in der Nähe angesammelt hatten. Die Christen sollten ermordet,
Stadt eingeäschert werden. In derselben Zeit wurden die 01
Diego de Herrera, und Juan Hurtado, welche mit 500 Soldaten
Cadiar übernachteten, in ihren Quartieren ermordet. Das Land
fast von Truppen entblosst; die Heere und Flotten des Königs bei
sich in entfernten Ländern. Aber frischgefallener Schnee in den
birgen verhinderte die rechtzeitige Ankunft der Moriscos am 24.
cember. Nur der Häuptling Farag drang mit wenigen UebeHen
den Albaicin ein. Die Bewohner erwachten unter dem Feldg<
^Es ist nur ein Gott, und Muhamed ist sein Prophet^ 'X °°^
dem Getöse maurischer Eriegsfanfaren. Aber die Christen
die kleine Schaar durch das Läuten der Glocken, und die
zogen sich aus der Stadt. Der Hauptplan war missluDgen*).
Marquis von Mondejar, Statthalter in Granada, rief seine w
Leute zu den Waffen, befestigte und verproviantirte die
Fläze« Die Mauren erwählten sich einen König, einen jongen
der sein Geschlecht von den Omajaden herleitete, der mit dem N
Ferdinand de Valor getauft war, bei den Manren aber Aben-H
hiess. Diese Wahl fand (nach Mendoza) am 24« September 1
statt ^). Er ernannte den Farag zu seinem obersten Gommand;
Während der junge König das Leben der Christen schonen
war Farag ein Tieger, der nach dem Blute der Christen lechite.
Krieg der Vernichtung gegen die unter den Moriscos lebenden ,
Christen^ begann. Unter den ausgesuchtesten Qualen worden
Christen, Priester, Alcalden, wehrlose Jungfrauen and Kinder
mordet Schonung sollten nur die Verleugner ihres Glaobens
Alle Spanier zogen den Tod der Verleugnung vor; sie starben den
der Märtyrer. Die Hilfe, welche die Türken und Berbern verspi
nährte den Au&tand. Da Alba sich in den Niederlanden be&nd,
gab Philipp U. den Oberbefehl seinem Halbbruder, D. Juan d' A
*) So der Spanier ^ Janety 1. e., p. Sa.
*) Historia- de Granjida, ap. La FuenU Alcäniara, Gran., 1848.
') No hay maa Dioa qae Dioa y^Mahoma es aa profeta.
*) Diego Iluriado de Mmdota^ Goerra de Graoada, hecha por el rrj IX
Fdipo IL, Granad., 1661, p. 10 aeq.
*) l 0,, p. 12. . Anders enShlt Marmol (üb. 4, cap. 7) die Ervakhmff dft
vKOnlga*.
Aa&tand der Moriscos, 1568—1569. Die Maaren müssen answandom. 227
Dieser, von Philipp wie vom Volke geliebt, hatte im Jahre 1567 einen
glficklichen Zug gegen die Berbern in Afrika gemacht Am 6. April
1Ö69 reiste er von Aranjnez ab, and gelangte in drei Tagen in die '
Mähe Granada's. Die Stadt athmete wieder auf; 18.000 Mann Fuss-
volk standen ihm zn Diensten*). Mehr als 4C0 christliche Frauen
ans den Alpnjarras, welche die Ihrigen verloren hatten, riefen: „Ge-
rechtigkeit, Gerechtigkeit, o Herr, ist es, um was' diese armen Wittwen
und Waisen, deren Gatten and Väter getodtet worden sind, bitten.^
Die Stadt selbst bot eher den Anblick der Freude, als des Schmerzes
dar; die Häuser waren mit kostbaren Stoffen von Oold und Seide geziert.
Mit ihrer beweglichen Habe hatten sich die Mauren in die Ge-
birge zoräckgezogen. Ihr Konig sandte seinen Bruder Abdala um
Hilfe nach Algier. Der Sicherheit wegen verbannte D. Juan d'Anstria
alle Mauren aus der Stadt Granada« Wegen eines Liebeshandels wurde
der Manrenkönig von Leuten aus seinem eigenen Volke ermordet Aben-Abo
wurde als sein Nadifolger erhoben. Er verstärkte sein Heer mit Türken und
Berbern, belagerte mit 8.000 Mann das Fort Oijiva, schlug den zum
Entsaz kerankommenden Herzog von Sesa zurttck, und nahm die
Festang. Die Mauren durchstreiften siegreich die ganze Vega von
Granada. Dem D. Juan gelang es inzwischen, durch kluge Maass-
regeln und Versprechen die Spaltung in das Lager der Feinde zu
tragen, die sich als Anhänger und Gegner des neuen Königs, der nur
seinen Freunden Stellen und Aemter äbertrng, feindlich gegenüber-
traten. Der Herzog von Sesa nahm die Forts von Velez, Benaudalla
und Lenteji. Die Mauren wurden von dem Meere abgeschnitten, und
in das Innere des Landes gedrängt Es wurde beschlossen, dass alle
Mauren aus dem Reiche Granada auswandern mussten. Sie sollten
für ihre Güter entschädigt, und mit möglichster Schonung in das
Gentrum der Mancha und beider Castilien verpflanzt werden. Der
grössere Theil liess sich in der Gegend von Castellao, Villamanrique, si« wer-
Valdepenas, Almagro und Ciudad real in der Mancha nieder. Aben- ^^^^ '
Abo blieb hartnäckig, und liess den Habaqui, Vermittler zwischen den
Christen und Mauren, ermorden. Seine Krieger waren noch zahlreich,
aber auf ein enges Gebiet eingeschränkt Viele wanderten in die
Berberei aus, andere schwuren Philipp U. Gehorsam. Die Verwandten
des Aben-Humeya wollten dessen Tod durch den Tod des Aben-Abö
rächen, und liessen ihn tödten. Sein Leichnam wurde nach Granada
gebracht, sein Haupt daselbst, nicht nach christlicher Sitte, ausgestellt.
Die Thäler der Alpujarras, die Sierra von Ronda und von Bermeja
wurden ganz von den Spaniern besezt, welche von da alle Moriscos
») Marmol, II, p. 17-18.
16'
323 Dreizehntes Buch. Stebentes Kapitel.
austrieben, sie mochten an dem Aafrahr Theil genommen haben oder
nicht. Die Maaren ans der Stadt Granada und seiner Ebene, der
. Sierra von Bentomiz, Ajarquia, aus der Hoya von Malaga, von Mar-
bella und der Herrschaft von Ronda, mussten den Wanderstab nach
Cordova ergreifen ^ und wurden bald darauf über die Provinzen von
Estremadura und Galicien zerstreut. Die Mauren von Baza, Huescar,
Guadiz und dem Bio Almanzora wurden in die Mancha und nach
Alt^Castilien verwiesen« Die Mauren von Almeria, Tabemas und der
Umgegend wurden zur See nach Sevilla gebracht, und mussten sich
westlich vom Guadalquivir niederlassen. — Das Reich Granada wurde
sehr menschenleer; es herrschte in ihm gleichsam die Stille der Wüste.
Handel und Industrie verschwand aus diesem Lande. Heute noch ist
dem Lande das Gepräge der Noth und Armuth aufgedrückt. Wie im
zwölften Jahrhundert die mozarabischen Christen fliehen mussten tof
den Mauren, so mussten jezt die Mauren vor den Christen fliehen.
Die Exclusivitat des spanischen Charakters, seien die Spanier Maaren
oder Christen, zeigte sich aufs Neue. Tolerant sind die Spanier erst,
wenn ihnen jeder Glaube gleichgiltig geworden ist
Marmoi Die Geschichte dieses Krieges haben die Zeitgenossen Marmol
3^n und Diego de Mendoza geschrieben. Ludwig de Marmol Caraoajal
Krieg, stammte aus der Stadt Granada, stand in Diensten Cari's V., und weilte
seit 1535 — 22 Jahre lang in Afrika. Er befand sich in Guinea and
Aegypten, und auch einige Monate lang in der Gefangenschaft 2a
Marocco. Aus diesem Aufenthalte in Afrika entstand sein Werk: „Ia
Descripcion general de Africa", in drei Banden. Der erste Theil er-
schien zu Granada, 1573, fol. Der zweite Theil zu Malacca, 1099, foL
Der dritte Theil desselben ist das berühmte Buch: „Historia del re-
belion y castigo de los Moriscos del reino de Granada" (Geschichte
der Rebellion und Züchtigung der Moriscos des Königreichs Granada),
Malacca, 1600 •)•
Didacus Hurtado de Mendoza, aus Granada, geboren 1503, Sohn
des Statthalters Marquis de Mondejar, des Lateinischen, Griechischen
und Arabischen kundig, diente im Kriege und Frieden unter Carl V.
in Italien, und verwendete seine ireie Zeit zu Studien. Er war a. &•
CarFs Gesandter zu Venedig 1538, bei dem Concile von Trient, und
in Rom. In Venedig gelang es ihm, griechische Classiker und Kircbeii-
väter sich zu erwerben. Andere griechische Codices liess er aas der
Bibliothek des Cardiuals Bessariou und andern Bibliotheken für sieb
') Eine französische Uebersezang, mit geographischen Karton von if. Sonson^
erschien zu Paris — in drei Bänden. 4*. MarmoVs Schrift über den Krieg von
1569 erschien als ^segnnda impresion** in 2 t 4*., Madrid, 1797.
Did. Hurlado de Mendoza. 229
abschreibeD. Auch von dem Berge Athoa verscbaffite er sich kostbare
Handschriften. Ans seiner Sammlung von Manuscriptcn wurde der
Geschichtschreiber Josephua Ftavius zuerst vollständig gedruckt, sowie
einige griechische Kirchenväter. Er hatte dem Sultan Soliman einen
grossen Dienst erwiesen, för welchen ihm dieser einen Gegendienst ^^'^'*^°'
leisten wollte. Er erbat sich nur die Schenkung einer Anzahl grie- ub. den-
chischer Handschriften; er erhielt sechs Eisten kostbarer Manuscripte. '^^^^°*
Mitten unter diesen gelehrten Arbeiten berief ihn Carl Y. zu der Stelle
eines Kriegsbefehlshabers von Siena. In dieser Stellung sollte er zu-
gleich den Papst und die Florentiner im Zaume halten. In Trient
glänzte er besonders durch seine Beredtsamkeit. Von Trient kam er
in ausserordentlicher Mission nach Rom, um den „Papst (Paul III.) in
seiner Hauptstadt zu bewachen und zu bedrohen.'' Dem Papste Ju-
lius IIL (15"-0 — 15Ö5) trat er bei einer grossen Berathung scharf ent-
gegen. Er galt sechs Jahre lang als Haupt der kaiserlichen Partei
in ganz Italien, ja wurde fast als Yicckönig CarPs V. angesehen. Da
der Kaiser aber eine andere Haltung annahm, und Europa vor seiner
Abdankung zu versöhnen beschlossen hatte, so kehrte Mendoza im
Jahre 1555 nach Spanien zurück. An Philipp's IL Politik fand Men-
doza kein Gefallen. Beide Männer passten nicht zusammen. Mendoza
kam selten an den Hof; Philipp beobachtete ihn scharf, und Mendoza
glaubte sich von ihm beleidigt'). Mendoza gerieth im Palaste mit
einem Höfling in Streit. Lezterer zog einen Dolch, den Mendoza ihm
entriss, und in die Gänge des Palastes schleuderte, ^ja, wie einige sagen,
ihn (den Höfling) selbst hinterdrein.'' Mendoza zählte damals 64 Jahre.
Ein solcher Streit war in den Augen des förmlichen und genauen
Philipp's IL ein Todes vergehen. Er betrachtete Mendoza als einen
Wahnsinnigen, verbannte ihn als solchen vom Hofe, gegen „welche
Ungerechtigkeit Mendoza zuerst Einwendungen machte, darauf aber
mit würdevoller Treue sich unterwarf." In seiner Verbannung schrieb
er Gedichte. Er Hess sich in bescheidener Stille zu Granada nieder.
Hier schrieb er die Geschichte des Krieges von Granada in den Jahren
1568 — 1570. Das Buch ist so parteilos geschrieben, dass es erst
viele Jahre nach seinem Tode und der Vertreibung der Mauren aus
Spanien gedruckt werden konnte. Sailust und Tacitus haben dem
Mendoza zum Vorbilde gedient. Der „Krieg von Granada" ist eine
kleine Schrift, aber ihr Styl ist reich und kühn. Lange Stellen sind
dem Tacitus nachgebildet, aber ganz ungezwungen^). Nach Been-
*) NavarreUf M. F., Vida de Miguel Cervantes Saavedra (mit Docnm. z.
Gesch. und Literatur (b. Zeit), Madr. 1819, p. 441.
*) Etwa so, wie Stdpicius Severus in seiner „Historia sacra'^ den Tacütis
nachnhint
230 Dreizehntes Bach. Siebentes Kapitel.
digUDg dieser Arbeit war Mendoza mehr als 70 Jahre alt« JSr sam-
melte nan seine Bücher, die er mit solcher Muhe erworben, sowie die
aelteoen arabischen Werke, die er in Granada gefunden hatte, nnd
überreichte sie dem Konige für dessen Bibliothek im Escurial, unter
deren Schazen Mendozas Sammlung immer noch eine hervorragende
Stelle eiimimmt. Philipp IL gestattete ihm wieder, an den Hof za
kommen. Er kam, aber wenige Tage nach seiner Ankunft in Madrid
ergriff ihn eine heftige Krankheit, an der er im April 157Ö starb ^).
MarmoVB Werk über den Aufstand der Morisco's ist eine weit-
läuBge Chronik des Krieges, von dem Mendoza mehr eine kühne Skizze
gibt. Marmcl'ß Stil ist weitschweifig und ermüdend, Mendoza' s Stil
ist vielleicht geistreicher und gedrängter, als der irgend eines castili-
anischen Schriftstellers*).
§. 3.
Der Niederwerfting des Aufstandes der Morisoos*) folgte der
glänzende Sieg der christlichen Flotte über die türkische Flotte bei
Lepanto. Als die Türken im Jahre 1565 Lepanto belagerten, war es
D. Garcia de Toledo, Vicekonig in Sicilien, der die Türken zur Flacht
zwang. Zum Kampfe gegen die Türken rief nun Pius V. alle
christliehen Fürsten auf, und sandte einen eigenen Legaten an Phi-
') Mendoza sehreibt am 1. Deoember 1573 an den Historiker Zurüa: Der
ventorbene Doctor VeUueo schrieb mir, es wflrde S. M. Vergnfigea machen, se
(meine Bücher) zn sehen, nnd vielleicht auch sie in den Escnrial zn Terseien. leb
meine^ der König bat Becht, denn da er das prachtvollste Gebäade ftlterer oder
neuerer Zeit ist^ das ich jemals gesehen (Mariana nennt den Eseorial, erbaut seft
1563, „insana atqne regia substmctio ejus templi, qaod a Lanrentio martyre DomeB
habet **: De Rege 1599, p. 340), so denke ich, es sollte nichts darin fehlen, nod es
mttsse auch die schönste Büchersamminng der Welt In sich schliessen. {Domer,
Progresos de U Historia de Aragon. Sarag., 1680 — 2*. p. 601. PreseoU, t Ol,
p. 409 — 427. — Die Baukosten betrogen c sechs IGllionen Dneaten. — Jos. (^
vedo, Historia del real monasterio de San Lorenzo — dei EscnriaL Xadr^ 1849.
') Zaerst im Jahre 1610 erschien: Gnerra de Granada, por D, Hurtado d€
Mendoza, Madrid. Lisboa, 1627. 4*. — Valencia, 1730, 1766, besonders 1776, 4*. -
(mit s. Leben); Valeno., 1830; abgedruckt in: Tesoro de historiadores espaftole^
chez Baudry, Paris, 1840. — 8*. — Mendoza^s gesammelte Wei^e befinden sieh
in der: „Biblioteca de Antores espafioles, v. Bivadeneyra, Madr«, 1846^1863; t ^i
1852. — £ine Sammlang yon Mendoza's Werken erschien in der „BIK^oteca de
CBcritores granadinos, Tomo I, Obras de Mendoza, Granad., 1864, 4*. — of« NkoL
Antonio, I, p. 290—292. — Tieknor- Julius, Bd. I, p. 898— 411, If, p. 286; 756
— 760. r»cibk?r- JWit«- Fb//, p. 46; 64— 66.
*) Janer, Condicion social de Monacos, p. 21—41; nnd die ^ApendiceB*,
nr. 62— 8ö. PrescoU, t. III, p. 17 — 272.
Schlacht bei Lepanto. 231
lipp II. Es wurde eine Allianz geschlossen zwischen dem heiligen
Stuhle, Spanien und Venedig — im Frühjahr lölO. — Bald darauf
fiel Nicosia, die Hauptstadt von Cypern, in die Hand der Türken.
Oberster Feldherr der Liga wurde D. Juan d'Austria. In der ewig
denkwürdigen Schlacht bei Lepanto, 7. October 1571 — wurde dief^^^^
Seemacht der Türken und deren Herrschaft über das Mittelmeer pMto
vernichtet '). "^*'
Aus der Ehe mit der Königin Elisabeth von Valois hatte Phi-
lipp IL zwei Töchter, Clara Engenia, geboren am 12. August 1566,
spätere Statthalterin der Niederlande, und im Jahre 1598 Gemahlin
des Erzherzogs Albert von Oesterreich; am 10. October 1567 erblickte
die zweite Tochter Catharina Michaela das Licht der Welt Sie hei-
rathete im Jahre 1585 den Herzog Carl Emmanuel von Savoyen, und
starb am 6. November 1597, noch ein Jahr vor ihrem Vater. — Ver-
gebens hoffte das Land von Elisabeth eine männliche Nachkommen-
schaft. Der König war auf Jahren und hatte nach dem Tode des
D. Carlos keinen männlichen Thronfolger. An den Folgen der un-
glücklichen Frühgeburt eines Sohnes starb die Königin selbst am
8, October 1568, beweint von dem ganzen Volke, das ihre Frömmig-
keit, ihre Herzensgüte und ihren spanischen Patriotismus anerkannte^).
Sie hatte nur ein Alter von 22% Jahren erreicht. Sie wird als eine
der weisesten und tugendhaftesten Fürstinen ihrer Zeit bezeichnet; sie
vereinigte in ihrer Person fast alle guten Gaben und Eigenschaften der
französischen Nation. In Toledo stiftete sie ein Kloster vom dritten
Orden des heiligen Franz von Paul, und machte verschiedene andere
Stiftungen ^.
Die lezte Gemahlin Philipp's II. war Anna von Oesterreich. Der
König brachte es über sich, diese Ehe einzugehen, obgleich Anna di^
Braut seines unglücklichen Sohnes gewesen war. Man entschuldigt
ihn n. a. mit dem grossen Mangel an katholischen Fürstinen in jener
Zeit. Ihr Vater war Kaiser Maximilian II., ihre Mutter Maria, die
Tochter Carl's V. Sie selbst war bei Valladolid am 1. November 1549
geboren. Im Jahre 1569 erhielten die Cortes Mittheilung von der Ab-
sicht des Königs, sie zu heirathen. Da die Sache sich verzögerte, so
baten die zu Cordova im Jahre If 70 versammelten Stande, der König
') Rosell, Cajetan^ Historia del Combate naval de Lepanto, Madr., 1853. —
Falloux, Leben des Papstes Pins V., 1873, S. ^38- 347. — Prescott, 1874, t III,
p. 237-357.
^ Bei der famosen Znsammenkanft mit ihrer Mutter Catharina von Medio!
in Bajonne sagte ihr diese im Tone des Vorwurfs: Du bist ja eine ganze Spanierin
geworden.
») Morez, reynas catholicas, II, p. 895—903.
232 Dreizehntes Buch. Siebentes Kapitel.
möge seine Heirath nicht länger verschieben. Am 3. October lag^e
Anna in Santander an; am l*^. November fand die VermiUaiig zq
Segovia statt Die Königin gebar am 4. December lö71 ihren erst»
Sohn Ferdinand. Philipp IL schenkte allen Gefangenen in Sptni»
und Indien einen Generalpardon. Schon am 31. Mai 1573 empfiif
iipp^n ^^i^ii^&Q<^ ^8 Prinz von Asturien die Huldignng der Stande zn Hadni
Kben. Er Starb aber am 8. October 1578. Am 12« Angnst 1573 hatte dk
Königin ihren zweiten Sohn Carlos Lorenzo geboren, der scboo in
Jnli 1575 zu Madrid starb. Am 12. Juli 1675 gebar die Köoigii
ihren dritten Sohn Diego. Am 1. März 1580 erhielt er die Hddigof
als Prinz von Asturien. Auch er starb, an den Pocken, am 21. Ko»
vember 1582. Der lezte Sohn, Philipp, welcher allein seinen Vattr
überlebte, erblickte das Licht der Welt am 14. April 1578. Aixk
eine Tochter Maria wurde dem Könige geboren. Im Jahre 1580 reiite
die Königin mit Philipp II. nach Radajoz, nachdem der lezte Konf
von Portugal gestorben. Philipp erkrankte gefahrlich; sie aber opfate
im Geiste Gott ihr Leben, damit er ihm das Lebtn erhalte^ Ajm
hatte noch nicht das 31. Jahr ihres Lebens vollendet, als sie am 2& Od*
tober 1580 starb. Der König blieb Wittwer^). Da bald nadi dff
Mutter auch deren einzige Tochter gestorben, so blieb Philipp II. mk
Philipp (III.) allein übrig. Auf diesen beiden Augen (Pbilipp's IIL)
ruhte die Zukunft Spanien's. Wahrlich, die Völker sind übel gdiettct,
deren Zukunft, deren Gluck und Unglück lediglich von den Geborts^
und Todesfällen in der Familie ihrer Fürsten abhängt.
§. 4.
Nach der Schlacht von Lepanto and der Geburt des Infiutttf
Ferdinand — 1571 hatte der König den Höhepunkt seines Gliozff
und Glückes erreicht. Die düstere Wolke, welche das traurige fiidt
des D. Carlos auf dieses Glück geworfen, hatte sich wieder ver»^-
Pht- Aber wie den „unbesiegten^ Carl Y. das Glück in seinen lezten Jahres
"?*'■"• im Stiche Hess, und nicht mehr zu ihm zurückkehrte, so wurde Flu*
Stern |. -»t . - t
neigt lipp II. vom Glücke, das ihn so lange begleitet, verlassen, ond h
^^' kehrte nicht mehr zu ihm zurück. Das Meiste von dem, was er be-
gann, misslang, und zulezt wurde er so unmuthig und verzagt, dtf«
er auch das nicht mehr wagen wollte, was nothwendig war. Voll von
Misstrauen wollte er sich Niemand anvertrauen, mit Ausnahme Einiger.
*) Zimiga, Anales de Sevilla, anno de 1580. Ebenso PreheM, lU, p.^
ohne eiaen Zweifel aa der Thatsache aiiBzadrüeken.
•) Fhrez, II, p. 905-913.
D. Juan d*Aa6tria. 233
Da begegnete es ifam, dass er gerade von den Wenigen am meisten
missbrancht wurde. Unter diesen Giin^tl]ngcn ragt Antonio Ferez
hervor. Geboren im Jahre 1539, naturlicher Sohn des Gonz. Ferez,
Staatssecretär Carl's V. und Philipp's II., wurde er frühe in die Ge-
schäfte eingeweiht. Nach dem Tode seines Vaters 1567 wurde er
besonders mit der Branche des ,,Despacho universal'^, der Gegenzeich-
nung der Befehle des Königs, betraut. Philipp II. schenkte ihm un-
bedingtes Vertrauen.
Nach dem Siege von Lepanto erhob sich der Geist des Siegers,
den damals die christliche Welt, wie 100 Jahre später den König Johann.
Sobieski, mit den Worten pries: „Erat homo missus a Deo, cui nomen
erat Joannes^^ , zu nnermesslichen Hoffnungen und Entwürfen. Er
wollte der Gründer und Beherrscher eines selbstständigen Reiches sein.
Von Philipp II. beauftragt, Tunis zu erobern, machte er sich zum
Herrn dieser Stadt, und der umliegenden Häfen — 1573. Er fasste
den Plan, auf den Ruinen von Carthago ein neues Reich zu gründen,
welches ein Bollwerk der Christenheit gegen die Uebermacht der
Türken sein sollte. Troz der Fürsprache des Papstes Gregor XIII.
(1572 — 158Ö) verweigerte es Philipp II., dass D. Juan sich als König
von Tunis proclamiren lasse; bald darauf fiel Tunis in die Hände der
Türken — 1573.
Im Jahre 1565 war der Aufstand in den Niederlanden ausge- ^^'
brochen. — Papst Pius V. Hess zuerst durch seinen Nuntius in Madrid den Nie-
Philipp U. aufibrdern, sich persönlich in die Niederlande zu begeben.
Philipp II. hatte so oft an seinem Vater getadelt, dass er überallhin
sich begebe, und dadurch seiner Würde schade, und selbst sein Leben
gefihrde. Die Bitten des Nuntius vermochten ihn nicht von einem
Entschluss abzubringen, bei welchem die eigene innerste Abneigung
mit dem Grundsaze (nicht zu reisen) zusammentraf. Er machte zwar
Miene, als wollte er gehen, es war ihm aber nie Ernst. Da schrieb
ihm Pius V.: „Euere Majestät hat es noch in der Gewalt, diese
Provinz zu retten; geht Sie aber säumig und lässig zu Werke, so wird
— jedes Heilmittel zu spät sein. Kommen Sie wenigstens nach Mai-
land, dort werden Sie mit mehr Müsse die Reise nach Flandern be-
sprechen können und bis diese beschlossene Sache ist, wird schon das
Gerücht von Ihrer Ankunft allein die Aufständischen in ihren Plänen
stören, und die Lauen ermuthigen. Gebe Gott, dass Ew. Majestät
doch so klar, wie Wir, das Verderben erkänneten, welches herein«
brechen wird, wenn Sie nicht rechtzeitig Gegenmaassregeln ergreifen.^
Der Papst ging noch weiter. Er Hess Philipp wissen, dass die
s. g. Ereuzzugsbulle, vermöge deren die spanischen Könige den Kirchen-
zehnten för sich einzogen, in Spanien nicht publicirt werden dürfe, bis
er sich wirklich nach den Niederlanden begebe, um dort die Religion
derUn«
den.
334 Dreizehntes Buch. Siebentes Kspitel.
2a Tertheidigen. Zudem sandte er den Erzbischof von Sorrento,
Jul. PaTcsi, als seinen ansserordentlichen Legaten nach Spanien, um
den Konig zu treiben. Philipp blieb unbeweglich. Statt seiner kam
der „eiserne* Herzog Alba, liess n. a. die Grafen Egmont und Hom
hinrichten, nnd stiess alle Parteien von sich und von Spanien zu-
rück. — Philipp II. sah sich gezwungen, denselben abzurufen — 1573,
war aber weit entfernt, selbst sich nach den Niederlanden zu begeben.
Nach dem baldigen Tode von Alba's Nachfolger, Requesens
(f 5. März 1576) brach ein Aufstand unter den spanischen Truppen
aus, denen der Sold lange Zeit nicht ausbezahlt worden. Troz des
Zuflusses edler Metalle aus Amerika versank Philipp II. in immer
tiefere Geldnoth. Diese Geldnoth, nicht aber seine Arbeitskraft, ver-
erbte er auf alle seine Nachfolger. Die Truppen warfen sich plün-
^^^^^ demd und sengend auf die dem Konige treuesten Provinzen, Flandern
wegifch. und Brabant. Der Prinz von Oranien, das Haupt der Aufständischen,
forderte die Stände dieser Provinzen auf, sich mit den nördlichen
Staaten zum Kampfe gegen Spanien zn vereinigen. Diess geschah
durch den Frieden von Gent — 1576. Philipp sandte nun seinen
Bruder D. Juan d'Austria als Statthalter in die Niederlande, der sich
zum Beitritte zum s. g. Frieden von Gent gezwungen sah, den er
auch ^ine Zeit lang hielt. Am 4. November 1576 zog D. Juan in
Luxemburg ein, während die spanischen Truppen an demselben Tage
Antwerpen plünderten. Er konnte aber in Brüssel nicht früher ein-
ziehen, als er die den Flamändem verhassten spanischen Truppen ent*
lassen hatte. In Brüssel verkündigte er das s. g. „Bdit perpetoel"
oder den Friedenstractat mit den Provinzen. Nur die Stände von
Holland und Seeland wollten sich von dem Oranier nicht trennen,
und nahmen das Edict mcht an. Durch List zwar bemächtigte sich
D. Juan der Festungen von Namur und Charleroi. Er erfocht am
31. December 1577 bei Gemblours einen Sieg über die Bebdien. Aber
von Philipp II. mehr und mehr im Stiche gelassen, fehlte es ibm an
Geld und Truppen. Philipp IL hatte den Verdacht des Abfalls gegen
ihn gefasst. D. Juan war von Mitleid gegen die gefangene Konigin
Maria Stuart von Schottland erfüllt. Er fasste den Plan, sie zu be-
freien, und den Thron mit ihr zu theilen. Der Papst zeigte sich
diesem Plane geneigt, nicht aber Philipp IL
Dieser hatte* seinem Bruder den Spanier Eiscobedo als Secretar
an die Seite gegeben, um mässigend auf denselben einzuwirken. Juan
Escobedo aber liess sich für die Pläne D. Juan's gewinnen. Derselbe
schrieb wiederholt an Antonio Perez, er möge auf den Eonig einwirken,
dass er die Pläne D. Juan's begünstige. Perez theilte die Briefe des
Escobedo, wie die von D. Juan in derselben Absicht geschriebenen
dem Eonige mit, welcher, ohne direct einzuwirken, dem Perez nach
Philipp. IL and Anf. Perez. Tod D. Joau'b d* Ausfria. 236
eeiDen Absichten m antworten befahl*. Perez schrieb demnach an
D. Juan, er möge Flandern nicht verlassen, den Escobedo aber bei
sich behalten. Zum Erstaunen Philipp's kam Escobedo aber im Juli
1577 nach Spanien zurück. Philipp fürchtete Verrath, und beschloss
des Escobedo sich zu entledigen. Vorerst verhinderte Perez noch den
beabsichtigten Schlag. Durch seine Unbesonnenheit aber überwarf
sich Escobedo mit Perez. Er entdeckte, dass Perez der Geliebte der
Fürstin Eboli sei, welche als Maitresse des Königs galt, und drohte,
seine Entdeckung dem Könige mitzutheilen. Perez, gereizt und von
der Fürstin gedrängt, fasste den Plan, den Escobedo zu beseitigen.
Es gelang ihm leicht, den Verdacht des Königs zu erwecken. Dieser
befahl ihm, den Escobedo zu tödten. Die Art der Ausführung über-
liess er ihm, nur müsse der Mord Geheimniss bleiben. Zweimal ver-
suchte Perez es vergebens mit Gift. Dann dingte er 'Meuchelmörder,
welche den Secretar des D. Juan am 31. März 1578 tödteten. Grosse
Aufregung entstand wegen dieses Mordes in Madrid; die AJcalden
fahndeten nach den Mördern. Diese aber, beschuzt und reichlich
belohnt, retteten sich durch die Flucht. Obgleich die Familie
Escobedo's Verdacht gegen Perez schöpfte, so glaubte dieser doch
durch den Schuz des Königs gesichert zu sein.
§. 5.
Philipp IL hatte seinen Bruder, troz langen Bittens und Flehens,
ohne alle Unterstüzung gelassen; D. Juan befand sich in der ver- ,
zweifeltsten Liage. Er verfiel in eine langwierige Krankheit, welche »oa
ihn dem Grabe entgegenfahrte. Er starb am hizigen Heber und am ^,"^/.
gebrodienen Herzen in seinem Lager vor Namnr am 1. October 1578, tri« Tod.
33 Jahre alt. Nicht Philipp II., sondern D. Juan war das Ebenbild,
war der Erbe der Vorzüge seines Vaters. Sein früher Tod war ein
grosser Verlust für die katholische Sache. Aber seine Pläne giengen
in*8 Weite und Ungemessene. An dem Plane, ein christliches Reich
in Afrika zu gründen, scheiterte und gieug zu Grunde in derselben
Zeit König Sebastian von Portugal. Der Plan D. Juan's, die .Türken
aus Europa zn vertreiben, war schwieriger, als es D. Juan sich dachte.
Die Eifersucht Frankreich's gegen das Haus Habsburg hatte schon
Franz I. von Frankreich zu einem Bunde mit den Türken getrieben.
Der Vertreibung der Hugenotten aus Frankreich wäre wahrscheinlich sein
die französische Eifersucht im Wege gestanden; endlich den Plänen ^^ '
mit England und Schottland der geschlossene Widerstand der Schotten
und Engländer. Wir haben erst in nnsem Tagen wieder erlebt, wie
weitschweifende Pläne einen andern edeln und hochherzigen Sprössling
236 Dreizehnfes Buch. Siebentes Kapitel
der Habsbarger in's Verderben gestürzt haben. Tranrtg aber ist —
nach so glorreichen Anfangen dieses Ende; seinem Vater war das
Loos doch anf das Lieblichere gefallen, der in der Emsieddei Ton
S. Jnst seine Tage im Frieden boschliessen durfte^). — Man darf
sich nicht wnndem , wenn die Zeitgenossen auch diesen friihen Tod
des D. Juan einer Vergiftong zuschreiben*), (worüber wir kein ür-
theil haben); die Haut desselben war nach seinem Tode wie die eines
Menschen, welcher verbrannt worden.
§. 6.
^^^' Seit dem Jahre 1578 schöpfte Philipp U. Verdacht gegen Anton.
liMtden Perez, während dieser sich in der Gunst seines Herrn noch ganz sicher
v*tTP% fühlte. Philipp II. fürchtete den zügellosen Ehrgeiz des Staatssecretars,
und seine Vertrautheit mit der Fürstin von Eboli weckte seine Eifer-
sucht. So entschloss er sich denn, seinen Günstling fallen zu lassen,
ohne dass dieser etwas ahnte. Am 28. Juli 1581 wurden Perez nnd
die Fürstin von Eboli arretirt. Perez wurde anfangs in milder Hafl
gehalten , und erlangte sogar eine theilweise Freiheit Aber mit be-
rechneter Langsamkeit stillte Philipp II. an ihm seine unversöhnliche
Rachsucht. Im Mai 1582 wurde eine lange und strenge Untersuchnng
gegen Perez begonnen. Es wurden viele Acte der Bestechlichkeit und
Bestechung nachgewiesen. Im Januar 1585 wurde Perez zu zwei
Jahren Strafhaft, zu zehn Jahren Verbannung und einer enormen
Restitutionssumme verurtheilt. Diese Sentenz wurde so strenge ans-
gefuhrt, dass sie sich auch anf die Gemahlin des Perez, Juana Coello,
und dessen sieben Kinder erstreckte, die ihn zwingen sollten, ver-
schiedene den Konig compromittirende Papiere herauszugeben« Er gsb
einen grossen Theil heraus, behielt aber die wichtigsten zurücL Als
der König alle Beweise seiner Theilnahme an dem Morde des Esoo-
bedo in seinen Händen zu haben glaubte, so liess er der Gerechtigkeit
ihren Lauf gegen den Vollbringer des Verbrechens. Der Minister
Vasquez, Nachfolger des Perez, zeigte sich besonders strenge gegen
') Laurent. Van der Hamen et Leon, Historfa del Sefior Jaan d'Aostria,
Madr., 1627. (Von ihm ist auch: Epitome de la Historia del rey D. Felipe II, wel-
cher aber wenigstens an seinen Lebaeiten nicht gedruckt wmde.) — Brudi di
Montpleinchamp, Vie de D. Juan d' Antriebe. Amsterd. IGi^O. — Banke^ Fttrsten
und Völker in Sttdenropa im aecbszehnten und siebzehnten Jahrhundert (die otto-
manischen und spanischen Reiche). — Coleccion de documentos ineditos (Brief-
wechsel von 1671 ^15T7 etc.). Madr., 18i3 (bes. Über die Schlacht von Lepanto).
*) Ott croit g^n^ralement, qn'il moumt empoisonnö. Biographie aniTerwlle,
p. Didot — Hö/er, U 27; p. 115. Paris, 1858.
Proceas gegen Ant. Peres. ^ 237
Perez. Obgleich der Sohn des Escobodo seine Klage gegen Perez
zurückgezogen — 1589, so wurde Perez doch aufs Schärfste verhört,
und, da er nicht antworten wollte, auf die Folter gespannt — 22. Fe- ^^Jj'^'"*
bruar I5d0. Noch erschöpft von dieser Marter, gelang es ihm, durch isoo.
eine List seiner Gemahlin, am 18« April zu entfliehen. Er erreichte
Aragonien und stellte sich unter den Schuz der privilegirten Gerichts- ^atfliaht
barkeit dieses Kelches. Die öffentliche Meinung hatte längst für ihn, ^ngo-
als ein Opfer der Kachsucht Philipp's II., Partei genommen. Philipp n*«°«
hatte den Perez in Calatayud ergreifen lassen. Als Perez sich auf das
Privilegium der „Manifestados^^ berief, so wurde er nach Saragossa ,
gebracht, und dort in das Gefängniss des Königreichs oder der
„Freiheit^ ') eingeschlossen. Die dort Gefangenen hingen nur von
dem „Jnsticia mayor'^ des Königreichs ab. Der König konnte sich
hier nur durch einen Fiscal oder Commissär vertreten lassen. Perez
stellte sich unter den Schuz der Privilegien „des Königreichs'^. Philipp
IL sezte es nicht durch, dass Perez wieder nach Madrid gebracht
wurde. So liess er denn die Akten des Processes nach Saragossa
schicken, und verklagte durch seinen Fiscal-Procurator den Perez als
schuldig, falsche Berichte an den König gemacht zu haben, nach
welchen der König die Hinrichtung des J. Escobedo angeordnet habe,
Cabinetsbriefe gefälscht, und Geheimnisse des Staatsrathes verrathen
zu haben. Nun vertheidigte sich Perez durch Auszüge aus den eigen-
händigen Billeten des Königs. Erchreckt über den Scandal erklärte
Philipp am 18. August 1590, dass er auf die weitere Anklage ver-
zichte. Er glaubte dadurch der Schande zu entfliehen, dass Perez
durch einen definitiven Entscheid des Gerichtshofes freigesprochen
würde. Auf Kache verzichtete darum der König nicht; er erklärte,
dass er in geeigneter Weise gegen Perez vorgehen werde. Damit er
nicht ganz in Freiheit gesezt würde, leitete er vor dem Regenten der
königlichen Audienz von Aragon einen andern Process unter der Form
„der Inquisition" wegen Missbrauchs seiner Amtsgewalt ein. Im
Februar 1691 wurde Perez dem Gerichte der Inquisition überliefert, ^••«s
weil er in Verdacht der Häresie gekommen, wegen unüberlegter mqu,,!.
Aeusserungen, die er im Verlaufe seines Processes geUian, z. B. „Gott ^t«»«
schläft, oder: Alles ist Täuschung, was man in Betreff seiner sagt,
oder: ist es denn vielleicht falsch, dass es einen Gott giebt^')? Troz-
dem beschloss der Kath der „Suprema^^ in Madrid am 21. Mai Iö9(,
dass Perez in die Gefangnisse der Inquisition gebracht werden solle.
') Auch Gteföngniss de nFaero de Aragon*; do jFuero*, oder de „Maoi*
festados*.
*) Das Statut Deza*8 vom 17. Jani 1500, art 5, verbietet ausdrQcklich, im
Zorne oder in der Uize gemachte Aensserangen als Häresieen za behandeln.
238 Dreizehntes Buch. Siebenfes Kapitel
Als Gefangener der Inquisition war Perez in der Gewalt des Komgs,
da die Inquisition ihre Gerichtsbarkeit auch ober Aragonien ansbratete.
Am 24* Mai be&hlen die Inquisitoren den Beamten des „Josticn .
mayor'' unter Strafe der Excommnnication, einer Busse von 1000 Dn-
caten, und mehreren andern Strafen, in Zeit von drd Standen da
San- Perez auszuliefern; denn es handle sich um das Verbrechen derKezot^
^^^t'^in deren Verfolgung kein weltliches Gericht das „heilige Tribod'
■t<h. hindern könne. Der „Justicia mayor^^, Juan de Nuza, gab den hm
herads. Aber das Volk, besorgt um seine Privilegien, erhob sidt so-
gleich unter dem Rufe: „Verrathl Es lebe die Nation! Es lebe die
Freiheit I Es leben die FuerosI Tod den Verrikthem!'< Der Anfttani
wurde so gefahrlich , dass Peres in sem voriges Gcfängniss zariid^
gebracht wurde. Die Inquisitoren flohen zum grossen Theile oacb
Mfidrid. Aufs Nene sollte Perez am 24. September der Inqoisiti
ausgehändigt werden. 3000 Soldaten waren bereitgehalten! und
Grehilfen der Inquisition. Ein neuer Aufstand brach aus, und
Soldaten zogen den Kurzem. Perez wurde unter dem Rufe: „Es l
die Freiheit! Es leben die Fueros von Aragon^' — durch die Strai
der Stadt geführt. Eine Armee ruckte gegen Saragossa an. P
wollte fliehen ; aber die Passe der Pyrenäen waren besezt. Er hi
Poras sich verborgen in Saragossa. Die Inquisition liess alle ihr belieb
Todo Häuser durchsuchen. Durch (Madrids) Sentenz vom 1. Jnli 1
mor. ^ar Perez zum Tode vemrtheilt worden, und diese Sentenz sollte
ihm vollzogen werden. Am 11. November 1581 floh Perez in
Er est. Richtung der Pyrenäen. Auf seine Bitte nahm ihn Catharina, Sdi
Heuuich's IV., im Lande Beam auf. Verfolgt von 300 Soldaten,
langte er am 26. November nach Pau. Statt seiner mossten
Frau und Kinder zu Madrid gefangen sein. Noch im Jahre 1
Hess Perez zu Pau zwei Schriften über seine Verfolgung erscheinen.
„Philipp II. und die Inquisitoren boten Amnestie allen zun T
Verurtheilten , versprachen Aemter, Greld und EhrensteUen j
Schuldigen (vor Gericht), welcher d^i Ant Perez ermorden oder
als GeiSuigenen zurückfuhren vriirde^*). Perez ging nach London,
ihn Königin Elisabet und Graf Leicestor mit Freuden aufnahmen. Vi
dort kehrte er nach Paris zurück^ und liess sich hier bleibend niedeiii'
stets senfieend nach seiner Frau und seinen Kindern. Am 15. Febrn«]
1598 forderte die Inquisition ihn auf^ in Monatsfrist sich vor ihr uf|
stellen. Denn da er mitten unter Kezera lebe, sei er selbst ein Keser*
Lange Untersuchungen wurden gepflogen, ob Perez nicht vwi einem
0 So sagt LionnU, HI, p. 345^ and beraft sidi dabei aaf dieBp&enSdinn
des IVret: .RcUtioas«.
Perez und die InqaiBitioD. 239
Juan Perez abstamme, der aus Anlass des Mordes des heiligen Petrus
Arbues am 13. November 1489 als rückfälliger Jude verbrannt worden
war. Alle Aussagen der 2jengen waren verneinend. Dennoch strengten
die Inquisitoren eine Anklage in 43 Artikeln gegen Perez an, u. a.
weil er gesagt habe, ' es sei eine Ungerechtigkeit, die Ausfuhr der
Pferde nach Frankreich (daa damals sich im Kriegsstande gegen Spa-
nien befand), als eine Kezerei zn bestrafen; denn die Franzosen seien
ja keine Kezer; weil er harte Beden gegen den Konig ausgestossen,
,,mit Verachtung der Lehre der Kirche, welche befiehlt, den Souverän
zu achten und zu ehren*' ')•
Am 7. September 1592 wurde Perez „als Verdächtiger in dem
höchsten Grade^ zu der Strafe der „Relaxation in effigie^ verurtheilt,
„als formeller Kezer, überwiesener Hugenott, verhärteter ünbussfer-
tiger.^ Seine Güter vnirden confiscirt, seine Kinder und Enkel in der
männlichen Linie als ehrlos erklärt. Am 20. October wurde ein grosses
Autodafe gehalten, und darin auch Perez „in efifigie^ abgewandelt, ^i^d
Sein Bild trug die Inschrift: „Anton. Perez, Secretär des Königs, un- *'
▼emr«
seres Herrn; geboren zu Montreal de Ariza, wohnhaft zu Saragossa; ^o"*»
überwiesener Kezer, Flüchtling und Rückfälliger.^' Damals war Perez
in London. Nach Uorente entdeckte man sowohl zu London, als
später in Paris eine von Spaniern gegen sein Leben angezettelte Ver-
schwörung. Der Baron Bodiigo de Mur habe gestanden, dass Juan
Idiaquez, Minister Philipp's, ihn gesandt habe, um den Perez zu er-
morden*). (Die blosse Aussage LhreaUe's aber beweist nichts.) -»
Nach Philipp's II. Tode erlangte Perez die gehoffte Amnestie nicht;
denn die Inquisition hatte gesprochen. Im Jahre 1610, nach der Er-
mordung Heinrich's IV., seines Beschüzers, sehnte er sich aufs Neue,
seine Familie wieder zu sehen, doch vergebens. Perez starb zu Paris s^in
am 3. November 1611. Seinen Kindern gelang es, daa gegen ihn ge«
iallte Urtheil der Inquisition rückgängig zu machen. Sie brachten
u. a. ein Breve des Papstes vom 26. Juni 1607 vor, worin Perez „ad
cautelam*^ von kirchlichen Censuren wegen seines Umgangs mit Kezern
absolvirt wird, sowie verschiedene Zeugnisse, nach denen er zu Paris
als guter und frommer Ejitholik gelebt, und als solcher gestorben sei.
Zwar die Inquisition von Saragossa wollte ihr Unrecht nicht zuge-
stehen. Aber über dem Gerichte der Inquisition, die sich in diesem
Processe als reines Werkzeug der weltlichen Gewalt, vielmehr als
Organ eines erbosten, nach Rache dürstenden Königs erwiesen, stand
der oberste Gerichtshof der „Suprema^', welcher damals anders als im
Tod
1611.
') Aber nicht, durch ihn das aichtbaro und unsichtbare Oberhaupt der Kirche
in den Hinlergrund zu dr&ngen.
») LhrenU, lU, p. bö6— 367.
240 Dreizehotes Bach. Siebenti« RApitel.
Jaihre 1592 zosammengesezt war. „Die politischen Grunde, welche im
Jahre 1592 den Ant Perez hatten verartheilen lassen, ezistirten jezt
nicht mehr/' Er cassirte das frühere Urtheil, ,,in Ansehung neuer
Dm An- im Proccss erschienener Documente hob er die Sentenz anf, welche den
dM p«- ^ Perez verurtheilte;'' er erklarte den guten Bnf desselben wieder her^
resrah*- gestellt; sciue Kinder und Nachkommen wieder fähig, Ehrenämter zu
m^ bekleiden — 1615« Philipp lU. schrieb an den Rand des ihm vor-
gelegten Decrets: ^^Man vollziehe, was in gegenwärtigem Decret ent-
halten, weil es, wie man sagt, der Gerechtigkeit entspricht.'^ Am
2. Mai 1615 wurde die Inquisition von Saragossa angefordert, dieses
Decret zur Ausfuhrung zu bringen. Noch im Jahre 1654 kommen
Spuren von diesem Processe vor. Auch Rom nahm sich in diesem
Processe der Familie des A. Perez*) an.
Das £!nde des D. Carlos, und der Process gegen Perez und die
Fürstin Bboli haben am meisten dazu beigetragen, den guten Ruf
Philipp's auch bei den Katholiken ausserhalb Spanien's zu schädigen.
— Die Verhöre der Eboli Hessen „keinen Zweifel über die Natur der
Beziehungen zwischen ihr und Perez, und ihrer Theilnahme an dem
Morde EscobedoV. Aber die Richter waren erklärte Feinde der An-
geklagten. Die Thatsachen, welche der Fürstin zur Last fielen, waren
wenige. Sie wurde nach einiger Zeit entlassen. Die BUstoriker sind
über ihre Schuld nicht einig. Leop, Ranke spricht sie frei von Schuld,
Mignel behauptet, sie sei Maitresse des Ant. Perez gewesen. Dieser
fasst sein Urtheil über Perez also zusammen:
cjrtbeiie ,,Ohne einer der grossen Minister Philipp's II. zu sein, bcsass
er doch eine Zeit lang die ganze Gunst dieses Fürsten, und war die
mächtigste Person der spanischen Monarchie. Nachdem er allzuleicht
zur Gewalt gelangt, wusste er sich selbst nicht zu beherrschen, und
benahm sich, nachdem er gleichsam auf dem Wege der Erbschaft Mi-
nisier geworden, als einen wahrhaftigen Abenteurer. Leidenschaitlich,
geizig, ein Verschwender, zugleich gewaltthätig, Intriguant, indiscret,
bestechlich, brachte er sein unordentliches Leben an einen Hof von
strengem Aeussem, störte er mit seinen Agitationen einen Forsten, der
an eine stille Würde gewöhnt war, beleidigte er durch die Rivalität
res.
') Las obras y reboiones (Memorial et RelacioneB) del hecho de sa Cousa —
p. D. Ant Perez; Paris, 1598; Geney., 1631. 8*. Lhrente, Histoire de rinqm-
sition, III, p. 816—875. — Antonio Peres, Secretario de Estado del rey Felipe II
Estndios histöricos per D. Salvador Bermudez de Castro^ Madr., 1841. — Antonio
Perez et Philippe U, par A. M, Migntb, 1845. Paris, 1854, ^Madr., 1852). — Co-
leecion de docamentos ineditos, Madr., 1812, t. I (Prision de Antonio Peres y de
la princesa de Evoli). — Pliilipp sah von der Vorliaile einer gcgenaberatehenden
Kirche so, als und wie die Eboli arretirt wurde. — A. Peres ist auch dramatisch be-
handelt worden.
Portagal herronloB* KOnig Sebastian von Portugal. 241
seiner Liebschaften und die Frechheit seines Vorgehens einen heuch-
lerischen , rachsüchtigen und absoluten Herrn« Aber durch die reichen
Hilfsquellen seines Geistes, die er in der Zeit seiner Verfolgung ent-
wickelte, entwaffnete er seine Gegner und erlangte die allgemeine
Sympathie. Doch seine alten Fehler begleiteten ihn auch in die Ver-
bannung, und er starb arm und verlassen.'^
§. 7.
Seit dem Tode des grossen Königs Emmanuel (13. December
1521) schwand auch die Grosse Portugal's dahin. Manuel hatte von
52 Lebensjahren 26 regiert. Sein Sohn Joao HI. regierte 36 Jahre;
seine lange Regierung war aber keine glückliche. Er starb, erst
55 Jahre alt, am 11. Juni 1557. Sechs Sohne und drei Tochter giengen
im Tode ihm voraus. Von seinen Söhnen starb zulezt Joaö, der Erbe
des Thrones, Vermählt mit Juana, der Tochter CarPs V., starb er am
2. Januar 1554, erst 167^1 Jahre alt. 17 Tage nach seinem Tode
wurde ihm ein Sohn geboren, SebcuHan. Die Konigin- Wittwe Catha-
rina war Reichsverweserin bis zum Jahre 1562; nach ihr führte der seiMu-
Cardinal - Infante D. Henrique die Regentschaft von 1562 — 1668. lm*^'^J."
Jahre 1568 übernahm Sebastian die Regierung, nicht um im Frieden »ig von
Portugal zu regieren, sondern sogleich seinem abenteuerlichen Plane ^^'
eines Feldzugs nach Afrika zugewendet Ebenso wenig liess sich
Sebastian von dem Entschlüsse abbringen, keine Ehe zu schliessen.
Denn die Ausfuhrung desselben musste das Ende des Königreichs
Portugal herbeifuhren, sowie den Anfall an Spanien. Sebastian be-
tete stets zu Gott, dass er ihn keusch erhalten möge; als ob es
im Ehestande keine Keuschheit, und als ob es nicht viele heilige Ehe-
männer und Ehefrauen gäbe. Schon im Jahre 1574 machte er mit
geringer Macht einen Feldzug nach Afrika, von dem er voll Kriegs-
lust zurückkehrte. Es half nichts, dass seine Grossmutter Catharina
(f 12. Februar 1578) sterbend sprach: „O dass seine Hoheit nicht
nach der Berberei übersezel Rathet ihm, dass er nicht dahin gehe, wie
ich es immer gethan habe, und jezt thue. O, er gehe nicht, es
frommt nicht.^
Dennoch gieng er. Aber wie bei Philipp U., der troz des Rathes
Aller nicht nach den Niederlanden ging, so traf bei Sebastian, der troz
des Abrathens Aller nach Afrika gieng, das Wort zu: „Wem nicht zu
rathen, dem ist nicht zu helfen.^ Philipp U. wies die Einladung Se- j
bastian^s, mit ihm zu ziehen, von sich, und soll ihm personlich gerathcn
haben, den Feldzug nicht selbst mitzumachen. Doch versprach er ihm
ein Hilfscorps von 5000 Mann. Sebastian hoffte so fest auf die
Eroberung von Fez und Marokko, dass er sich in Portugal Scepter
QanB, span. Kirc3ie. ni. S. X6
242 Dreizehnte Buch. Siebentes KApitd.
^^^^h' and E[rone für die Eaiserkr5nnDg hatte anfertigen lassen. Nor etwa
Marok- 9000 Mann brachte er zusammen, nnd diese waren ungeübt nnd nn-
^^' erfahren. Dazn kamen etwa 1000 CastUianer, 3000 deutsche Reisläufer,
700 Italiener, etwa 500 Freiwillige, und 1000 Beiter. Am 4. Angost
1578 kam es bei Alcacer am Flusse Macazem zur Schlacht. Die Porta-
giesen wurden von dem viermal starkem Heere der Maaren ganz um-
ringt, und von ihnen blieben nicht 100(> Mann übrig. Wie ein Löwe
kämpfte Sebastian, er wollte sich zulezt gefangengeben, wurde aber
von den Mauren niedergehauen. Auch zwei Konige der Maaren ver-
loren das Leben'). —
König Der Cardinal -Infant Henrique wurde nach Sebastian Konig. Er
1578 -! ^Ai* 67 Jahre alt, kränklieh, und entsprach nicht den Hoffnungen, die
1S80. Manche auf ihn sezten. Ein Vermählungsplan desselben misslang.
Jezt wollte er Philipp II. zu seinem Nachfolger erwählen lassen. Der
Klerus stimmte bei, der Adel zur grossem Hälfte, die Städte wider-
sprachen. Ohne Entscheidung erlebt zu haben, starb der Konig am
31. 'Januar 1580, an demselben Tage, und zu derselben Stunde, an
der er vor 68 Jahren geboren worden. Mit ihm starb das alte Konigs-
geschlecht von Burgund aus, das mit dem Grafen Heinrich nicht so fast
den Thron Portugal's bestiegen, als diesen Thron erst begründet hatte ^).
^**^" Als Philipp U. sah, dass er auf dem Wege der Succession kaum
a. Por- Konig von Portugal werden dürfte, beschloss er, seinen Rechten durch
tagfti. (jje Gewalt der Waffen Anerkennung zu verschaffen. Die Leitung des
Heeres übergab er dem „eisernen'^ Herzog von Alba, der von 1573
— 1580 auf seinen Belgischen Lorbeeren geruht hatte. Die Theologen,
welche Philipp befragte, stimmten ihm alle bei, dass, wenn die Portu-
giesen ihm sein Thronrecht streitig machten, er zu den Waffen greifen
dürfe. Der Papst habe hier nichts darein zu reden, da die Sache rein
weltlich sei. Philipp II. vereinigte Milde mit Strenge. Wir selbst
') Manoel de MenezeSf Chronica do principe den Sebastiao rey de Portugal.
Lisboa, 1730, 2*. — Ibid., (unter anderm Titel) 1737.
*) Die erwähnten Werke von Dam, Ghea, Sousa, Osorius etc. Canestaggio,
Jeronimo de Franchi, DelT unione del regno di Portogallo alba Corona di Ca-
stiglia hi8tor]a.;Genoa, 1585. 4*. (verfaast von Joad de Silva, Graf voa Portalegre);
Genua, 1589; Venedig, 1592; Milano, 1616: Florenz, 1642.) Spanisch: Hiatoria de
la Union etc., por Luis de Batna, Barcel, 1618, 4*. — Lateinisch: de Portogaliac
conjunctione cum regno Castillae; Franoof., 1602; 1610. Französisch: von O/L
Nardin. Besanc, 1596; Arras, 1600; Paris, 1680.
Damit steht im Znsammenhange das Werk (Qb. die Schlacht v. 4. Ang. 1578):
Jornada de Africa, por Jeron, de Mendoza, en qnal se responde a Jeron, Franqui,
o a outros, e se trata do successo de Batalha, et Cativeiro, e dos qne seile pere-
cerao por nao sercm Mauros, con outras cousas dignas de notar. Liaboa, 1607.
4*. •— Bibeiro, Disscrtacoes chronologicas etc., t. I, Liab., 1810, p. 334 sq. —
Heinr. Schäfer, Gesch. von Portugal, 8. Bd., 1850 (von 1495—1580).
Annexirnng von Portugal. 243
glauben, dass ihm gemäss der Verwandtschaft die Regierung über
Portugal gebührte , betrachten aber die Vereinigung von Spanien und
Portugal als ein grosses Unglück für die beiden feindlichen „Brüder**-
Volker, wie der Erfolg in Bälde zeigte. Alba hatte fast 20.000 Mann,
10.000 Spanier, 4500 Italiener, 3500 Deutsche, 1500 Reiter. Philipp II.
wusste« dass die Portugiesen Hilfe gegen ihn bei andern Fürsten, u. a.
bei Frankreich gesucht, und entschloss sich zu schnellem Vorgehen.
Ein neues Gutachten von 30 Theologen der Hochschule Alcala, deren
theologische Facultät damals die erste in Spanien war, welche von
dem frühem Gutachten nichts wussten, lautete einstimmig, dass Phi-
lipp II. Portugal erobern dürfe. Die Festung Elvas ergab sich frei-
willig, wo Philipp II. am 5. December 1581 seinen Einzug hielt').
Es ergaben sich die Städte Olivenca, Serpa, Moura, Arronches und
Portalegre, auch Montemor und Evora. Das Land südlich vom Tajo,
mit Algarve, fiel ohne Schwertstreich dem Konige zu. Das feste Setuval
übergab sich Alba ohne einen Kanonenschuss. Als aber Alba nach seiner
in den Niederlanden angenommenen Sitte, mehrere Heerführer der
Portugiesen hinrichten liess, so schlug die Stimmung der Einwohner
von Lissabon in Schrecken und Abscheu um. Alle Spanier, die sich
entfernt vom Heere treffen Hessen, wurden grausam ermordet. Land-
leute, Mönche, Weiber und Kinder wetteiferten in Steinwürfen und
Stossen. Ein Heer von c. 10.000 Mann hatte sich unter dem s. g.
Prior Antonio^ der, wie Philipp IL, ein Recht an die Krone zu haben
glaubte, bei Alcantara nahe bei Lissabon gesammelt. Es kam zum
Kampf. Die Portugiesen flohen gegen Lissabon. Die Flotte der
Portugiesen musste sich den Spaniern ergeben. Auch Antonio floh
in die Stadt, und liess die Gefängnisse eroffnen, aus welchen nicht
bloss die Verbrecher, sondern auch die gefangenen Anhänger Phi-
lipp's n. hervorgiengen*). Lissabon ergab sich, unter Gewälirleistung
der Sicherheit der Personen und des Eigenthums. Doch wurde der obert.
grossere Theil der Stadt drei Tage lang geplündert.
Philipp IL berief die Cortes nach Thomarj wo er sich und
seinem Sohne huldigen Hess. Er ertheilte eine sehr beschränkte Am-
nestie. Am 19. April 1582 wurden die Cortes eröffnet. Der König
beschwor die Rechte der Portugiesen, versprach ziemlich dasselbe, was
Konig Emmanuel im Februar 1499 beschworen hatte, als er und sein
Sohn Michael präsumtive Thronerben von Spanien waren'). Sollte
aber der Fall eintreten, erklärten die Cortes, dass Philipp IL oder seine
LiMa-
*) Conestaggio, Lib. V. — Lutz de Menezes, Portugal, rcstaurad, 1. I.
') Quasi post tantam hominum stragem in pauculis maleficls aliquid spei
naperedsety Thuanus, histona sni temporis, 1. 70, p. 558. ConestaggiOj p. 195.
*) KircheDgesebichte von Spanien, III, 1, p. 350.
16*
244 Dreizehntes Boefa. Siebentes KApitel.
Nachfolger nicht Alles, was versprochen und beschworen worden, genao
beobachteten, so würden die drei Stande des Reichs nicht Terpflichtet
sein, das Uebereinkommen zu halten und konnten frei die Unterwerfoog
und den Gehorsam verweigern, ohne desshalb in das Verbrechen der
verlezten Majestät oder in einen andern Schaden zu verfallen').
Philipp II. hielt am Feste der Fürsten der Apostel — 1582 seian
LiMabo- Einzug in Lissabon, unter dem Zudrange und Jubel einer zahlloses
ner Ja- Menge, empfangen vom Magistrat der Stadt, unter einem goldge
iipp II. stickten Baldachin begab er sich zu Pferd zuerst in die Cathednk,
■»• von da in den Palast, wohin ihn der ganze Adel zu Fuss begleitete.
Portugal hatte innerhalb weniger Jahre fünf Eonige gehabt, und jubeki
dem neuesten mit firohen Hoffnungen entgegen. „Alle fünf richtetet
ihre Unterthanen zu Grunde (sagt Conestaggio)^ Sebastian durdi Vo»
wegenheit, Henrique durch Unentschlossenheit , die Govemadores
durch Furcht und Sondervortheile, Antonio durch Tyrannei und Phi-
lipp mit den Waffen. Allein damals, als er (in Lissabon) eis{0(.
während fast Alles ruhig war, glaubte man, dass die frühem Bekümsi»
nisse und Drangsale in Heiterkeit umschlagen würden.^
^■inkr' Aber Portugal verlor mit seiner politischen Unabhängigkdt i»
gleich seine Macht; das Ansehen des Volkes in Europa sank schaji
dahin; man redete nicht mehr von Portugal, nur noch von Spsoiefc
Beraubt ihrer eigenen Schwungkraft, siechte die Nation traurig dsUn
Die Nation verarmte, wurde gepitmdert und herabgewürdigt, ihr Wokt
stand und ihre Würde verschwanden. Von Lissabon aus bemiilii
sich Philipp um die Unterwerfung der portugiesischen Colonieen, cflt
sehr mühsame und blutige Arbeit Trozdem fand Philipp in lisstlM
Zeit, sich um die kleinsten Einzelheiten der Synode von Toledo in
Jahre 1582 zu bekümmern, und über kanonische Stunden und sh
Formen des Gottesdienstes seine Aussprüche zu thun. £r war mii
Ejrchenfurst, als Staatsmann, mehr Sacristan als Finanzmann. Lezteitf
.war seine wundeste Seite. In Strömen floss das Gold ihm zu, nut,
sein Staatsschaz war allzeit leer.
Philipp's Plan, mit der Wittwe des Herzogs von Braganza a(
zu vermählen, scheiterte an deren unbesiegbaren Widerwillen.
Sohn Theodoaio würde, so hoffte sie, einst Konig von Portugal w<
Philipp U. liess bei seiner Abreise — 11. Februar 1Ö83 — die Pc
tugiesen in der grössten Unzufriedenheit zurück, welche der Si
Cardinal Albert von Oesterreich, noch vermehrte. Mehrere
„Sebastiane^^ traten auf, und weckten und täuschten die Hoffiii
des Volks*). Sechs Portugiesen wenigstens sahen Sebastian*« n
') Comstaggio, lib. 8. — Thmnus, IIb. 81. —
') ConfossQB est (Sebastianns), praesente Nimlo Masearegna, penes qn» m
rei fides erat, Thuan., lib. 65.
Die .fal-
schen
Die Sebastiane. 245
stümmelten Leichnam. Derselbe warde nach Genta ' gebracht , dort
yof einem Notar und vor Zeugen dem Commandanten von Genta
übergeben. Phijipp IL liess* den Leichnam in der königlichen
Gruft zu Belem beisezen. Trozdem glaubten alle Portugiesen, diess
sei die Leiche eines -andern. Ihre sehnsüchtige Liebe zu dem Könige,
ihr Widerwille und Hass gegen die Herrschaft der Spanier trieben sie
dem „falschen Sebastian^^ in dritter und vierter Auflage in die Arme. Bebu-
Im Jahre 1585 trat der Sohn eines Ziegeldeckers als König ,,Se- ^^"®'
bastian^^ auf, er wurde durch die Strassen von Lissabon gepeitscht, und
büsste lebenslang auf den Graleeren. Dann trat der Sohn eines Steinhauers
als „Sebastian^^ auf. Er bekannte seine Betrügereien, und wurde zum
Galgen verurtheilt Im Jahre 1595 begann ein Zuckerbäcker von Toledo
dasselbe Spiel, und dabei ein Liebesabenteuer mit einer Nonne. Ihn und
den Beichtvater der Nonne, der dazu geholfen hatte, traf die Todesstrafe.
Aber im Jahre 1598 trat der relativ wahrscheinlichste unter den
falschen „Sebastianen^^ zu Venedig auf, der durch seine Angaben in
ganz Europa grosses Aufsehen machte. Er wurde endlich vom Vice-
könig von Neapel arretirt, auf die Galeeren gesezt und nach Spanien
gesandt, wo er sein Leben im Gefängnisse schloss« Um so fester glaubten
die Portugiesen an seine Aechtheit und thaten beim Papste und bei An-
dern alle möglichen Schritte, damit ihr König ihnen ausgeliefert werde.
Zwei Mönche endeten dafür am Galgen. Die Portugiesen waren über-
zeugt, dass er der wirkliche Sebastian gewesen. „Philipp's Behörden
vermochten den Gefangenen nicht des Betrugs zu überfuhren, und so
brachte ihn Philipp (III?) im Kerker zum Schweigen." — Philipp
hielt die wenigsten der von ihm zu Thomar beschwornen Punkte. Nicht
von Lissabon, sondern von Madrid aus wurde Portugal regiert. Por-
tagal's Waffenvorräthe wurden nach Spanien gebracht. Die Justizstellen
wurden nur in Madrid, und zwar um theures Geld erworben. Viele
wurden insgeheim hingerichtet, d. i. in's Meer gestürzt, das die Leichen
wieder auswarf*). — Arzilla in Afrika trat Philipp II. gegen 200.000 Cru-
zados an Marokko ab.
Die Prediger weckten stets den Unabhängigkeitssinn der Portu-
giesen. Der Jesuit P. Luiz Alvarez predigte einst vor dem Cardinal
Albert und sprach aus Anlass des Evangeliums vom Gichtbrüchigen
zu ihin: „Surge^ tolle grabatum tuum, et ambula. — Serenissimus
Prinz'^ Diese Worte wollen sagen: „erheben Sie sich schnell, nehmen
') In einer Anmerkung sagt Schäfer: Portng. reßtor., I, p. 89. Brandaö,
ly p. 22.) lieber 2000 Geistliche nnd Ordenspersonen sollen damals in Portugal
und auf den Inseln im Geheimen hiogericfatet worden sein. Nach Thoan. IIb. 78.
Spondani annale, ann. 1683, nr. 4. Lezterer sagt nur: On en fit mourir plusienrs
antres, et la peste emporta bien deuz mille Prestres et Heynes dans le Portogale
dans ces mesmes Isles.
246 * DrcizeliDtes Buc^. Siebentes Kupitel.
Sie ihr Bettgeräth und gehen Sie nach Haase/^ Sebastian kehrte luchl
wieder, aber Portugal's Losreissnng von Spanien erfolgte €0 Jahne
nach seiner Angliederung an das ,,stammverwandte^' , aber tob den
Portugiesen tödtiich gehasste Spanien^).
§. 8.
m
Am 8. Februar 1587 war die unglückliche Maria von Staart i
ihrem Gefängnisse zu Fotheringhay enthauptet worden, im zwölften
Jahre ihrer Gefangenschaft, im fnnfundvierzigsten Jahre ihres Lebens
Sie starb mit Ergebung , und treu ihrem Ghiuben. In der Zeit tod
1558 — 1587 war ein protestantisches Geschlecht in London heraoge-
wachsen. Seine Freude über Maria's Hinrichtung war so unbiodig,
dass man in London 24 Stunden mit allen Glocken lautete,
Freudenfeuer vor den Hausthüren anzündete, wie am Set Johaoni»*
Abend. Der Protestant Dahlmann nennt diess eine „gemeine Thit
und ein gemeines Behagen daran/^ In Folge davon, und ans anden
Pbi- gewichtigen Gründen rüstete Philipp II. zum Krieg gegen Elisabeth;
u!*Eiisa. 1^35 Eriegsschi£Pe mit 8000 Matrosen und 19.000 Mann LaDdoogi*
beth von truppen sammelten sich in Lissabon — 1588. Alexander Famese^ da
Bngund. gi^^^jj^i^^j. ^gj. Niederlande , solUe auf flachen SchiflTen 30.000 Mua
aus Flandern an die Küste von England fuhren. Die Flotte der Ecg-
länder war an sich der spanischen überlegen, und stand unter gefeiertoi
Admiralen. Lord Howart, der die Flotte führte, war zwar KatboGL
„Aber der katholische Theil der Bevölkerung fühlte weit mehr vc«
') Chronica de principe D. Sebastlano, pur Menezea (Jo$. PereifaBiaan
Lisboa, 1730, 2*. — Historla sebastica; contem a vida de D. Sebastiaoo, rer*
Portugal, e os saccessos memoraveis do reino e conquista no seu teoipo, pof ^*
Manoel dos Santos, Lisboa , 1735 — in fol. (darin aoch die Schrift dea t/^mt.
Almeida über die Todtenfeier des D. SebastiaD, 1582). — Memoriaa para a biitt^
de Portagal, qoe comprehendem o' govemo del rey D. Sebaatiano . . • do anso ^
1551 atö ao anno de 1561 (1578), per D. Diego Barbosa Maehado. UM
1736—1739, 4 vol. 4*. — Chronica de el rey D. Sebastiao, per Bern, da Ort,
public, por A. Hercidano e o Dr. A, Pagva^ Lisboa, 1837, 8*. Poitogalcoi^
do80 e llastimado com a vida, e perda do Sr. rey D. Sebaatiao, pelo P. i^
Pereira Bayao. Lisboa, 1737, 2*. — Jornada y muerte del rey D. Scbaaöan d«
Portugal, por Ant, de San Roman; Vallad., 1603. 4".
Historia de Portugal, y conqnista de las ialas de loa Aeores, eDl5{äK
1583, 1^. Ant de Herreras. Madr., 1591. 4*. — Invasion et oecapation do rojaav
de Portugal en 1580, par L. A. RebeOo de Silva. Par., 1864, t L - Briewe»
sommaire descripcion de la vie et mort de D. Antoine I, rey de Portapl (pv^
priDce Christophe, aon fils), Par., 1629. — Histoiie de D. Antoine, loy * Por-
tugal, tiröe des mömoires de 2>. Oomez VasconceUos de Figueredo^ Anafieri, 1^
— E. Schäfer, Gesch. von Portugal, Bd. IV, 1852, p. 833-422.
Die »blatige* Elisabeth von England. 217
^^ •
Engländer, als vom Papisten in sich/^ Am 10. Juli 1588 langte Phi-
lipp's ^jArmada^^ im Kanal an. Mächtige Stürme bekämpften und
iiberwanden die spanische Armada. In einer Seeschlacht bei Grcvelingen
am 30. Juli verlor die Armada 13 — 14 ihrer schönsten Schiffe. „Die
sinkende Sonne sah die Niederlage der Spanier entschieden.'^ Ungefähr
die Hälfte der Schiffe kehrte nach Spanien zurück. Schwer habe sich
ein Höfling gefunden, der Philipp IL die Hiobspost bringen wollte.
„Er findet den Philipp am Schreibtische (wie immer); der legt die Feder
nieder, vernimmt, was geschehen, dankt Gott, dass es nichts Schlimmeres
sei, und (ihrt zu schreiben fort'^^).
,, Wirklich heillos aber war es, sagt derselbe DaJdmannj dass nach
solchen Be^hrungen eines wahrhaft königlichen Verhaltens in Glaubens-
sachen jezt Elisabeth die Untersuchungen gegen Katholiken wieder
anhob, und die Strafen gegen ihre s. g. Recüsanten, wollten sie nur
bloss die Gotteshäuser der Staatskirche nicht besuchen, oder sogar
den Supremat (der Königin) verwerfen, recht eigentlich als Finanz-
quellc benüzte, gleich als gälte es nur auf jede Art die Kriegskosten
wieder einzubringen. Ihre Taxe war 20 Pfund monatlich von jedem
katholischen Kecusanten, und sie trieb unbarmherzig ein von Allen,
die in dem Verzeichnisse standen, welches in jeder Grafschaft gefer-
tigt werden musste. Einem Edelmanne rechnete man 69 Monate
nach, in welchen er die Kirche nicht besucht hatte, deren Gebräuche ttgo"
mit seinem Glauben stritten, und er musste 1380 Pfund büssen. Zwar ^''^'
erklärte er, die Königin sei allen Excommunicationen zum Troze seine
rechtmässige Gebieterin, und er sei stets bereit, sie mit Gut und Blut
gegen alle Fürsten, Päpste, Potentaten, Pralaten und sonstige Feinde
zu vertheidigen. Manche fanden sich darum lieber mit einer ermäs-
sigten jährlichen Zahlung ab; die unvermögenden erlitten Leibesstrafen.
Auf das Anhören einer Messe standen 100 Mark Brüche und ein-
jähriges Gelängniss. Ertappte man bei den häufigen Haussuchungen
einen katholischen Priester in einem Hause, so verwirkte der Hausherr
sein ganzes Vermögen. Aber zu der Habsucht gesellte sich bald die
Gransamkeit, „Unvermeidlich war, dass der entdeckte Priester noch
schwerer büssen musste als sein Hehler; es blieb nichts übrig, als ihn
zu tödten. In den 14 Jahren von der Bezwingung der Armada bis
auf den Tod der Königin erlitten über 100 Katholiken den Tod,
Gl Priester, 47 Laien und 2 Edelfrauen. Mit diesem Verfahren war
der greise Minister Burleigh ganz einverstanden; er sagte, kein katho-
lischer Priester ertheile Absolution, ohne sein Beichtkind von dem
Gehorsam gegen die Königin abwendig zu machen; „doch sei mit dem
Hängen der Priester genug gethan, das Schleifen zum Richtplaze und
Die
blu-
botU
*) Lingard, VllI, p. 288. DaMmann, p. 128.
248 Dreizehntes Buch. Siebentes Kapitel.
das Viertheilen unterbleibe besser.^ Den PuritaDern ergieng es mcfat
besser, als den Katholiken').
§. 9.
■
Im Verlauf der Jahre wurde Philipp II. immer argwöhnischer, j
abgesphlossener, unzugänglicher, unentschlossener, schwermüthiger onij
mürrischer. Es lag auf ihm eine Centnerlast, und er wollte oder|
konnte sie nicht abwälzen. Er schien das Mitleid der Mensche uh|
zurufen, aber es war ihm nicht zu helfen. Schon um das Jahr 15^ J
sagte der Cardinal Granvella sehr bezeichnend von ihm: „Sm eis-j
ziger Entschluss in allen Dingen ist es, beständig unentschlossen n'
bleiben/' So mussten alle Angelegenheiten des Reiches in's Stocka!
gerathen. Indem er sich mit dem Kleinen und Kleinsten abquält^
zerfloss und zerfiel das Grosste. Er handelte, wie einer, der gkkit
Gott, Alles weiss und für Alles zu sorgen hat. Weil er für AF
sorgen wollte, sorgte er im Grunde für gar nichts; denn es war
zufällig , worauf gerade seine Thätigkeit sich richtete. Er war
leicht der fleissigste Arbeiter in seinem ganzen Jahrhundert AI
beim Anblick des unendlichen Details, in das er sich verlor, mnss
fragen: ad quid perditio haec? Die Konige sind nicht da, um zo
walten, sondern um zu regieren, d. L andere in ihren
zu leiten.
Der Ludwig XIV. war, verglichen mit Philipp II., darum eingros»rl
Pbi.* Regent, weil er für jeden Plaz den besten Mann ausfindig machte, m]
"pp n. ihn dann seinem Wissen und Gewissen überliess. Philipp IL sdol-i
meisterte seine Minister, wollte Alles besser wissen als sie, zankte sei i
aus, wenn sie zufällig etwas nicht mehr wussten, woran er sich e^
innerte. Vergebens stellte ihm Granvella vor, dass er dorch seoi
Weise, zu arbeiten, und die Unmasse seiner Arbeiten nur die KnI
seines Korpers und Geistes aufreibe. Philipp war so eigensinnig, ^
ein verzogenes Kind und hielt sich in Allem für unfehlbar.
Dieses ewige Zögern und Zaudern, der Mangel an Entschlosaeo-
heit und frischer Thatkraft, der Wahn, die lebensvolle Welt wie eioi
Anzahl von Drahtpuppen an den lahmen Stiften seiner Staatsdepescbea
von seinem Zimmer aus regieren und lenken zu können, ist auch in Bavar
starKs Augen Philipp's allerschlimmste, wahrhaft verhängnissvoUe Eigen-
schaft, deren Grund er in dem Mangel des eigentlichen Her^8ebe^
Genius findet, deren Grund wir in Philipp's Eigensinn und nnbindi^
Herrschsucht finden, in der er Gott und dem Volke gar nichts über-
0 Joh. Lingard, Gesch. v. England, Bd. 8, Frankf, 1828, a 296-305,
aUgner, Memoirs of missionary priests, eto. — (Deatseh, Bageasb^ 1®^)
Der aUm&chtige Lerraa. 253
Le roi rtgne, et ne gouverne pas — ist ein sehr gotes Wort.
Philipp II. hatte nur Terwaltet nnd nicht regiert« Seine Nachfolger
regierten nicht nnd verwalteten nicht Sie giengen meist ihren Privat-
vergnügen nach« Schon Philipp III. vergeudete die schönste Zeit auf
der Jagd • . • • Er hatte einen Herrn über sieh , bevor er zur Re-
gierung kam.
Franz de Kozas de Sandoval Lerma war als Marquis von Denia
Oberstallmeister des Infanten Philipp geworden, und gewann Einfluss
aof den Prinzen. Als dieser Konig geworden , machte er ihn zum
ersten Minister, nnd zum Herzog von Lerma. Auch Lerma war, wie
Philipp, ruhig und gemässigt, aber er hatte die Gaben nicht, Spanien
ZQ regieren. Auch er hatte wieder seine Günstlinge; er theilte sich
io die Regierung Spanien's mit Rodrigo Calderon , welcher sein Page
gewesen war. Diese beiden mittelmässigen Staatsmänner suchten in
dem hohen Stile Philipp's II. fort zu regieren. Schon im Anfange
seiner Herrschaft liess Lerma 50 Schiffe zum Kampfe gegen England
aosrüsten — 1599. Auch diese Flotte unter Martin de Padilla wurde
Ton Stürmen zerstreut, bevor sie den Feind in Sicht bekommen hatte ').
§. 2.
Im Jahre 1699 heirathete Philipp IlL die Erzherzogin Margareta^
Tochter Carl's von Steiermark, und der Maria von Bayern. Geboren
m Gratz am 25. December 1684 war die Braut damals 15 Jahre alt
Am 10. Februar 1599 schiffte sie sich zu Genua nach Valencia ein,
wohin der Konig am 14. Februar zu ihrem Empfange kam. Am
18. April fand die Vermählung in der dortigen Kathedrale statt.
Die Aragonier fühlten sich unter Philipp II., dem exclusiven
Casülianer, sehr zurückgesezt. Lerma suchte sie zu begütigen, indem
die Neuvermählten sogleich von Valencia aus nach Barcelona zogen.
Bis hieher hatte Maria, die Mutter der Königin , ihr das Geleit ge-
geben. Bevor der Konig nach Saragossa kam, befahl er, die annoch
ftosgesteckten Häupter derer zu entfernen, welche in Folge des Auf-
standes wegen Ant. Perez hingerichtet worden, deren Häupter zur Er-
innening an Philipp's IL Seelengrösse hier seit sieben Jahren para-
dirten. Philipp lU. ertheilte allen in diesem Aufstande Verurtheilten
völlige Amnestie. Darum war auch die Aufnahme in diesen beiden
Städten eine sehr herzliche. Der Konig bestätigte feierlich die Bechte
0 TTotfoit, Bohert, History of Philip the third, Basel, 1792, I, p. 43.
254 Drelxehntes Bocb. Adites KspiteL
nnd PriTilegien der Aragonier'). Am 24. October 1599 zogen die
Neuvermählten in Madrid ein*).
§. 3.
Lerma musste im Jahre 1608 die Unabhängigkeit von Holland
nach einem vergeblichen Kriege von 40 Jahren anerkennen. Von da
an blieben die spanischen Niederlande katholisch, wahrend die katho-
lische Kirche in Holland kaum sich erhielt
Durch königliche Ordonnanz vom 11. September 1609 wurde die
Austreibung der Moriscos aus Spanien angeordnet Im Jahre 1599
ermahnte Philipp III. die Bischöfe, sich der Bekehrung der ,|neueD
Christen^ zu widmen. Am 6. August 1599 erliess er von Denia ans
ein neues Gnadenedict für sie. Die Moriscos fuhren fort, mit den
Türken sich zu verbinden, und zeigten sich dem Christenthum absokt
feindlich. Sie begannen den s. g. „kleinen Kriegt, nnd todteten viele
Christen. Dazu kamen erneuerte Uebcrfalle der Küsten durch die
Corsaren. Es kam zu vielen kleinen Seegefechten zwischen Maures
und Spaniern.
Der „selige'^ Juan de Rivera, Erzbischof von Valencia, Patiiardi
von Antiochien, sah selbst keinen andern Ausweg aus dem Elend nnd
den" Gefahren, als die Verbannung der Mauren. Er scbrieb am
23. August 1609 an Philipp III., und dankte ihm für den gefassten
Entscliluss , das Land von den Gotteslästerungen und Sacrilegien zn
befreien, welche die Moriscos gegen den Glauben der Spanier be-
giengen. Es handle sich schon nicht mehr um die Bekehrung der
Mauren, sondern um Glauben und Leben der Christen. Die Christen
mussten gegen die Mauren geschüzt werden.
Am 22. September wurde in Valencia die Ordonnanz des Königs
vom 11. September öffentlich durch den Vicekonig Luis Carrillo de
Toledo verkündigt. Alle Moriscos dieses Konigsreichs , Manner,
Frauen, Kinder, sollten nach drei Tagen auswandern, nnd, mit ihrer
beweglichen Habe, an den bezeichneten Hafenpläzen sich einschiffea
') Davüa, Oil OonzaUz, Historia de la vida y hecfaoa del — D. Felfppe
tereero, IIb. IL, cp. 8 (nur H. S.). — Watson^ I, p. 41.
*) FUyrez, Beynas cat, II, p. 915— 92i— 930. Zn MargaieU*8 Lobe tMfi
Florez: Alle Nonnen behandelte sie derart, dass ihre Besuche vielmehr die elsei
reformirenden Prälaten, als die unschuldige Unterhaltung einer Königin so tdn
schienen, p. 923—924. Sie Labe, sagt er, das Kloster der Aagustinerinen sab»
dem Palaste zn Madrid errichtet, um ihr Dienstpersonal zu vermögen, in das Kloiter
zn gehen. Sie war eine würdige Tochter jener bayerischen Maria, deren Andeoken
Hurter in uosem Tagen emeacrt hat
Der aUm&chtige Lerma. 253
Le roi r&gne, et ne goaverne pas — ist ein sehr gntes Wort,
hilipp II. hatte nur verwaltet und nicht regiert. Seine Nachfolger
gierten nicht und verwalteten nicht Sie giengen meist ihren Privat«
»gnügen nach. Schon Philipp III. vergeudete die schönste Zeit auf
er Jagd • • • • Er hatte einen Herrn über sich, bevor er zur Re-
ierung kam.
Franz de Kozas de Sandoval Lerma war als Marquis von Denia
^berstallmeister des Infanten Philipp geworden, und gewann Einfluss
of den Prinzen. Als dieser Eonig geworden , machte er ihn zum
reten Minister, und zum Herzog von Lerma. Auch Lerma war, wie
%ilipp, ruhig und gemässigt, aber er hatte die Gaben nicht, Spanien
a regieren. Auch er hatte wieder seine Günstlinge; er theilte sich
D die Regierung Spanien's mit Rodrigo Calderon , welcher sein Page
gewesen war. Diese beiden mittelmässigen Staatsmänner suchten in
lern hohen Stile Philipp's U. fort zu regieren. Schon im Anfange
seiner Herrachaft liess Lerma 50 Schiffe zum Kampfe gegen England
iQsrüsten — 1599. Auch diese Flotte unter Martin de Padilla wurde
fOQ Stürmen zerstreut, bevor sie den Feind in Sicht bekommen hatte ')•
§. 2.
Im Jahre 1599 heirathete Philipp III. die Erzherzogin Margareta^
Tochter Garrs von Steiermark, und der Maria von Bayern. Geboren
za Gratz am 25. December 1684 war die Braut damals 15 Jahre alt.
Am 10. Febroar 1599 schi£fte sie sich zu Genua nach Valencia ein,
wohin der Konig am 14. Februar zu ihrem Empfange kam. Am
18. April üernd die Vermählung in der dortigen Kaüiedrale statt.
Die Aragonier fühlten sich unter Philipp II., dem exclusiven
Ca&tilianer, sehr zurückgesezt. Lerma suchte sie zu begütigen, indem
die Neuvermählten sogleich von Valencia aus nach Barcelona zogen.
I^W hieher hatte Maria, die Mutter der Königin , ihr das Geleit ge-
;eben. Bevor der König nach Saragossa kam, befahl er, die annoch
»gesteckten Häupter derer zu entfernen, welche in Folge des Auf-
ides wegen Ant Perez hingerichtet worden, deren Häupter zur Er-
'cning an Philipp's IL Seelengrosse hier seit sieben Jahren para-
irten. Philipp HI. ertheilte allen m diesem Aufstande VerurtheUten
völlige Amnestie. Darum war auch die Aufnahme in diesen beiden
i^ten eine sehr herzliche. Der Konig bestätigte feierlich die Kechte
■) Wirfwn, Robert, History of Philip the third, Basel, 1792, I, p. 43,
256 Dreisehntes Buch. Achtes Kapitel
nach Afrika gebracht wurden. Kinder anter sieben Jahren wurden
den Soldaten als zeitweilige Sklaven übergeben. Die Entwertkong
des Eigenthnms und die Entvölkerung des Landes traten sehr fuUbtr
hervor^). Bezeichnend ist es für die Lage der Dinge, dase der Patrivrh
J. de Ribera erklärte, wenn die Moriscos oder nur ein Theil deradbco
in Spanien blieben, so würden sie nach 2 — 3 Menschenaltem Jk
Yalencianer vom Kreuze zum Halbmonde verkehren*).
^*® Es folgte die Vertreibung der nodi übrigen Moriscos in Audi»
An- lusien, Alt- und Neucastilien, Axagonien und Gatalonien. Ein Amee-
ani
Morii
daiQBien corps wurdc in Sevilla zusammengezogen , und ein Greschwader be*
i>«nnt. ordert, die noch übrigen Moriscos in Murcia, Granada, Jaen, G>rdon
und Sevilla fortzuschaffen. Juan de Mendoza, Marquis von San Go^
man, machte ak königlicher Commissar am 12. Januar 1610 zuSe^
seinen Auftrag bekannt. Den Moriscos wurden die Verbrechen dal
Ungehorsams, der Verschwörung, der Häresie, des Mordes, der Vo^
bindung mit den Türken, schuldgegeben; sie mussten in 30 Taget
Spanien verlassen, durften nicht über Valencia oder Aragonien re»€%
nicht Gold, Silber, Edelsteine, Münze oder Werthbriefe mit skl
nehmen. Sie durften nur Waaren, welche sie von den £2in wohnen'
des Reichs gekauft, und das für die Ueberfahrt nothige Geld mit sid'.
nehmen, konnten aber nach Belieben zu Land oder zur See reiste.
Giengen sie in Länder der Christen, so durften sie ihre Sohne nit
sich nehmen; giengen sie anderswohin, so mussten sie ihre Söiaf
unter sieben Jahren zurücklassen« Sie gaben nun vor, sie woUtcf
nach Frankreich oder Italien gehen, und verhandelten mit den See*
fahrem, damit sie sie in die Berberei oder nach Afrika neben liesseo^
Die Moriscos beeilten sich, das Land zu verlassen; nicht wenige vc^
loren in Spanien das Leben. Diesem Schicksale unterlagen die roi^
nehmsten Moriscos der Villa Homacho$^)j welche nicht weniger V(^
brechen und Scandale überwiesen waren. Es schien unglaoblich, äM
den sonst so scharfen Augen der Liquisition so viele Jahre lang eiae
Bande von Mördern hatte entgehen können. Einige wurden hinge*
richtet, andere zeitlebens zu den Graleeren verurtheilt, — In dei
Wohnungen aller Vertriebenen fand man viele Bücher ihrer moilIlfl^
dänischen Religion. .
^ Die Moriscos von Andalusien zogen in der Zahl von SOlOOO forfl
Deputirten der Provinz Mnrcia baten den Konig, die doi
>nigm
0 Kiiehengeseiiiehte von Spaaieo, III, 1, & 469. 1
•) ITotem, I, p. 3S0~37&
*) JfarcHt de Gmadaiaacara, CSvaeL, MenMxaUe expolM» j jaaääm
desUeno de los Moriseos de Bqnfia. PnpeL, 161S.
*) Iq Ealrtauidaia.
Die
Aostreibnng der Moriscos. 2o7
Maaren im Lande zn lassen, da sie für den Ackerbau wie für die *°'
Künste nothwendig seien. — Lnis Fajardo war Commissär für die yer.
Vertreibong derselben; 16.000 Personen wanderten von dort ohne ^*°"'
weitere Hindemisse ans. Diese Auswanderer nahmen meistens den
Weg nach Afrika ^). — Nun beauftragte Philipp III. den Marquis
von Aytona, Vicekonig von Aragonien, dass er sich bei dem Erzbischof jj^^,^^^^
von Saragossa über die Lage und die Verhaltnisse der dortigen Moris- in An-
C08 erkundige. Man möge dieselben ermuthigen, dass sie sich i^icht ^^^^|^^,
über das Schicksal ihrer Glaubensbrüder beunruhigen ^). Der Marquis lonten.
befestigte die Grenzen Aragonien's gegen Valencia hin, um das
Eindringen der in den Gebirgen zurückgebliebenen Moriscos zn
verhindern. Trozdem hielten die Moriscos in Catalonien und Ara-
gonien ihre Sicherheit für gefährdet, und verkauften zu den
niedrigsten Preisen ihre Habe^ obgleich ihre Herren sich um deren
Bleiben sehr bemühten. Die wenigen Mauren Catalonien's hörten auf,
die Felder zu bebauen. Aus politischen Erwägungen, mit Rücksicht
des von Frankreich her drohenden Kriegs, wurde auch ihre Austrei-
bung beschlossen. Die „alten Christen^ in Aragonien sahen darin den
Ruin ihrer . Heimath, feierliche Gesandtschaften an Philipp UI. gingen
ab, um ihm die bevorstehenden ungeheuren Verluste vorzustellen. Sie
wiesen in einer Denkschrift u. a. auf die geringe von ihnen drohende
Gefahr hin, auf die Möglichkeit, sie zu bekehren, auf die Schwierigkeit,
das Land wieder zu bevölkern. Deputirte waren Franz von Aragon,
Graf von Luna, und Martin. Carrillo, Domherr von Sasagossa. Am
Hofe waren gleichzeitig auch Deputirte aus andern Königreichen. Es
half nichts. Die Moriscos verkauften ihre Landgüter, um sich einige
Mittel zu verschafifen. Angeblich wegen drohender Gefahren von ihnen
wurde eine grosse Wa£fenmacht entfaltet. Augustin Mejia, der die
Austreibung der Mauren in Valencia überwacht hatte, kiun nach Ara-
gon, und dislocirte die Truppen, wahrend die Galeeren in den Ge-
wässern von Tortosa erschienen.
„Unzählbare Familien sollten auswandern, deren Verbrechen kein
anderes war, als die ewige Feindschaft gegen die Christen und die
Entschlossenheit, dem Glauben ihrer Väter zu folgen.'' Am 23. Mai
1610 ergieng der Befehl der Auswanderung. Commissäre erschienen^
und führten die Moriscos an die für sie bestimmten Hafenorte. War
ein Morisco mit einer „alten Christin** verheirathet , so konnte er
Weib und Sander zurücklassen, falls sie zu bleiben wünschten. Die
Barone und Herren ergaben sich in ihr Schicksal. „Einige wollten
*) ExpnLiion justificada de los Moriscos espafioles, por Pedro Aznar de
Cardona^ y soma de las ezeelencias del rey D. Phelipe III^ Haesoa, 1611.
*) Carla (inedita) del rey, fecha 20 de Oct. 1609.
Ount, ipan. Klrehe. III. 2. 17
Achtes Kapitel.
Die Zeiten PliUipp'8 III. (1S98— 1621) und PhUipp^s IT
(1621—1665).
§. 1.
Die meisten Thronerben oder •Pratendenten erwarten mit Ung^
duld die Zeit, in der sie selbst die Zügel der Gewalt ergreifen könneii.
Philipp« III. sah mit Unbehagen der Zeit entgegen, in welcher er die
Regierung übernehmen masste. Er wollte nicht regieren, und er
Philipp konnte nicht regieren. Er war ein sehr guter Katholik, ein zärtlicher
^^'^^^' Familienvater , ein sittenreiner Christ, von einem Regenten bitte er
nichts in sich. Hätten sich die Cortes in ihrer alten Bedentoog er*
halten, so hätte Spanien troz eines unßlhigen Regenten gedeihen konoeiL
Da aber die absoluten Herrscher des sechszehnten Jahrhnnderts, be-
sonders Philipp II., die Stände zu blossen Figuranten und Zahlen
degradirt hatten, so fiel die höchste Gewalt in die Hände desjenigeo«
der sich zufällig in die Ounst und das Vertrauen des nominelleD
Königs eingeschmeichelt hatte. Ein solcher Günstling schrieb daoo
vor, der König schrieb nach, was ihm vorgeschrieben wurde; er w
das Werkzeug, durch welches der Günstling seinen Willen in dtf
Werk sezte. Der Schatten- König gewöhnte sich an das GehorcbeOf
der Minister, d. i. der erste Diener aber an daii Herrschen, bis aoch
dieser durch einen andern Glückspilz gestürzt und beseitigt warde.
Diess ist im Grossen und Ganzen, mit sehr geringen ünterbrechiugefl
(etwa unter Ferdinand VI.), die politische Lage Spanien's vom Jahrc
1598 bis zum Jahre 1878, seit drei Jahrhunderten, weniger 20 J»hreo.
Der allmficbtige Lenaa. 253
Le roi rigne, et ne goüYerne pas — ist ein sehr gates Wort.
Philipp II. hatte nar verwaltet und nicht regiert. Seine Nachfolger
regierten nicht nnd yerwalteten nicht Sie giengen meist ihren Privat-
Tergnügen nach. Schon Philipp lU. vergendete die schönste Zeit auf
der Jagd • • • • Er hatte einen Herrn über sieh , bevor er zur Re-
gierung kam«
Franz de Kozas de Sandoval Lerma war als Marquis von Denia
Oberstallmeister des Infanten Philipp geworden, und gewann Einfluss
aaf den Prinzen. Als dieser Konig geworden, machte er ihn zum
ersten Minister, und zum Herzog von Lerma. Auch Lfcrma war, wie
Philipp, ruhig und gemässigt, aber er hatte die Gaben nicht, Spanien
ZQ regieren. Audi er hatte wieder seine Giinstlinge; er theilte sich
in die Regierung Spanien's mit Rodrigo Calderon , welcher sein Page
gewesen war. Diese beiden mittelmässigen Staatsmänner suchten in
dem hohen Stile Philipp's II. fort zu regieren. Schon im Anfange
seiner Herrschaft liess Lerma 50 Schiffe zum Kampfe gegen England
aosnisten — 1699. Auch diese Flotte unter Martin de Padilla wurde
Ton Stürmen zerstreut, bevor sie den Feind in Sicht bekommen hatte *).
§.2.
Im Jahre 1599 heirathete Philipp III. die Erzherzogin Margareta^
Tochter Carrs von Steiermark, und der Maria von Bayern. Gaboren
zu Gratz am 25. December 1684 war die Braut damals 15 Jahre alt.
Am 10. Februar 1599 schiffte sie sich zu Genua nach Valencia ein,
wohm der König am 14. Februar zu ihrem Empfange kam. Am
18. April fand die Vermählung in der dortigen Kathedrale statt.
Die Aragonier fühlten sich unter Philipp II., dem exclusiven
Caslilianer, sehr zurückgesezt. Lerma suchte sie zu begütigen, indem
die Neuvermählten sogleich von Valencia aus nach Barcelona zogen.
Bis hieher hatte Maria, die Mutter der Konigin , ihr das Geleit ge-
geben. Bevor der Konig nach Saragossa kam, befahl er, die annoch
iiQsgesteckten Häupter derer zu entfernen, welche in Folge des Auf-
standes wegen Ant. Perez hingerichtet worden, deren Häupter zur Er-
innerang an Philipp's IL Seelengrosse hier seit sieben Jahren para-
dirien. Philipp lU. ertheilte allen in diesem Aufstande Vemrtheilten
▼oUige Amnestie. Darum war auch die Aufnahme in diesen beiden
Städten eine sehr herzliche. Der Konig bestätigte feierlich die Bechte
*) WaUofif Soberi, History of Philip the third, Basel, 1792, I, p. 48,
Achtes Kapitel.
Die Zelten PliUIpp'8 III. (1S9«-1621) nnd Pldll|ip*8 IT.
(1621—1665).
§. 1.
Die meisten Thronerben oder -Pratendenten erwarten mit Unge-
duld die Zeit, in der sie selbst die Zügel der Oewalt ei^eifen können.
Philipp« III. sah mit Unbehagen der Zeit entgegen, in welcher er die
Regierung übernehmen musste. Er wollte nicht regieren, imd er
pbiupp konnte nicht regieren. Er war ein sehr guter Katholik, ein ärtlicher
^®'^^^' Familienvater, ein sittenreiner Christ, von einem Regenten liatte er
nichts in sich. Hätten sich die Cortes in ihrer alten Bedeatnng er-
halten, so hätte Spanien troz eines unfähigen Regenten gedeihen kSomoL
Da aber die absoluten Herrscher des sechszehnten Jahrhunderts, be-
sonders Philipp II., die Stände zu blossen Figuranten nnd ZaUeni
degradirt hatten, so fiel die höchste Gewalt in die Hände desjenigen,
der sich zufällig in die Ounst und das Vertrauen des nominellefi
Königs eingeschmeichelt hatte. Ein solcher Oünstling schrieb dann
vor, der König schrieb nach, was ihm vorgeschrieben wurde; er war
das Werkzeug, durch welches der Günstling seinen Willen in da«
Werk sezte. Der Schatten- König gewöhnte sich an das Gehorchov
der Minister, d. i. der erste Diener aber an das Herrschen, bis auch
dieser durch einen andern Glückspilz gestürzt und beseitigt wnrde.
Diess ist im Grossen und Ganzen, mit sehr geringen Unterbrecfamigen
(etwa unter Ferdinand VI.), die politische Lage Spanien's vom Jahre
1598 bis zum Jahre 1878, seit drei Jahrhunderten, weniger 20 Jahren.
Der allmficbtige Lenaa. 253
Le roi rigne, et ne gouverne pas — ist ein sehr gutes Wort.
Philipp II. hatte nur verwaltet und nicht regiert« Seine Nachfolger
regierten nicht und yerwalteten nicht Sie giengen meist ihren Privat-
Tergnfigen nach« Schon Philipp UL vergeudete die schönste Zeit auf
der Jagd « • • • Er hatte einen Herrn über sieh , bevor er zur Re-
giemng kam.
Franz de Kozas de Sandoval Lerma war als Marquis von Denia
Oberstallmeister des Infanten Philipp geworden, und gewann Einfluss
aof den Prinzen. Als dieser König geworden , machte er ihn zum
ersten Minister, und zum Herzog von Lerma. Auch Lerma war, wie
Philipp, ruhig und gemässigt, aber er hatte die Oaben nicht, Spanien
za regieren. Auch er hatte wieder seine Günstlinge; er theilte sich
io die Regierung Spanien's mit Rodrigo Calderon , welcher sein Page
gewesen war. Diese beiden mittelmässigen Staatsmänner suchten in
dem hohen Stile Philipp's II. fort zu regieren. Schon im Anfange
seiner Herrschaft Hess Lerma 50 Schiffe zum Kampfe gegen England
aosnisten — 1699. Auch diese Flotte unter Martin de Padilla wurde
Ton Stürmen zerstreut, bevor sie den Feind in Sicht bekommen hatte *)•
§. 2.
*
Im Jahre 1599 heirathete Philipp III. die Erzherzogin Margareta,
Tochter Carl's von Steiermark, und der Maria von Bayern. Geboren
ta Gratz am 25. December 1684 war die Braut damals 15 Jahre alt.
Am 10. Februar 1599 schiffte sie sich zu Genua nach Valencia ein,
wohm der Eonig am 14. Februar zu ihrem Empfange kam. Am
18. April üeuid die Vermählung in der dortigen Kathedrale statt.
Die Aragonier fühlten sich unter Philipp II., dem exclusiven
Caslilianer, sehr zuruckgesezt. Lerma suchte sie zu begütigen, indem
die Neuvermählten sogleich von Valencia aus nach Barcelona zogen.
Bb hieher hatte Maria, die Mutter der Königin , ihr das Geleit ge-
geben. Bevor der Konig nach Saragossa kam, befahl er, die annoch
iiQsgesteckten Häupter derer zu entfernen, welche in Folge des Auf-
standes wegen Ant. Perez hingerichtet worden, deren Häupter zur Er-
innening an Philipp's IL Seelengrosse hier seit sieben Jahren para-
dirteo. Philipp HI, ertheilte allen in diesem Aufstande Vemrtheilten
▼oUige Amnestie. Darum war auch die Aufnahme in diesen beiden
Stadien eine sehr herzliche. Der König bestätigte feierlich die Bechte
*) Waiion, Robert, History of Philip the third, Basel, 1792, I, p. 48.
Achtes Kapitel.
Die Zelten PhUIpp's III. (1S98— 1621) und PhUIpp^ IT
(1621—1665).
§. 1.
Die meisten Thronerben oder •Prätendenten erwarten mit Unge-
duld die Zeit, in der sie selbst die Zügel der Oewalt ergreifen koniKn.
Philipp« III. sah mit Unbehagen der Zeit entgegen, in welcher er die
Regierung übernehmen musste. Er wollte nicht regieren, und er
Philipp konnte nicht regieren. Er war ein sehr guter Katholik, ein zirtlicber
^^'^^^^' Familienvater , ein sittenreiner Christ, von einem Regenten hatte er
nichts in sich. Hätten sich die Cortes in ihrer alten Bedentong er-
halten, so hätte Spanien troz eines unHlhigen Regenten gedeihen kSnnen.
Da aber die absoluten Herrscher des sechszehnten Jahrhunderts, be*
sonders Philipp II., die Stände zn blossen Figuranten und Zahlern
degradirt hatten, so fiel die höchste Gewalt in die Hände desjenigen,
der sich zufällig in die Ounst und das Vertrauen des nominellen
Königs eingeschmeichelt hatte. Ein solcher Günstling schrieb dann
vor, der Konig schrieb nach, was ihm vorgeschrieben wurde; er war
das Werkzeug, durch welches der Günstling seinen Willen in dtf
Werk sezte. Der Schatten- König gewöhnte sich an das Gehorcben,
der Minister, d. i. der erste Diener aber an das Herrschen, bis aoch
dieser durch einen andern Glückspilz gestürzt und beseitigt wurde.
Diess ist im Grossen und Ganzen, mit sehr geringen Unterbrecbiuigen
(etwa unter Ferdinand VI.)» die politische Lage Spanien's vom Jalire
1598 bis zum Jahre 1878, seit drei Jahrhunderten, weniger 20 Jahren.
Der allmfichtige Lenaa. 253
Le roi rigne, et ne gouyerne pas — ist ein sehr gates Wort.
Philipp II. hatte nur verwaltet und nicht regiert« Seine Nachfolger
regierten nicht und verwalteten nicht Sie giengen meist ihren Privat-
rergnfigen nach. Schon Philipp lU. vergeudete die schönste Zeit auf
der Jagd .... Er hatte einen Herrn über sieh , bevor er zur Re-
gienmg kam.
Franz de Kozas de Sandoval Lerma war als Marquis von Denia
Oberstallmeister des Infanten Philipp geworden, und gewann Einfluss
aof den Prinzen. Als dieser König geworden , machte er ihn zum
ersten Minister, und zum Herzog von Lerma. Auch Lerma war, wie
Philipp, ruhig und gemässigt, aber er hatte die Oaben nicht, Spanien
zn regieren. Auch er hatte wieder seine Günstlinge; er theilte sich
in die Regierung Spanien's mit Rodrigo Calderon , welcher sein Page
gewesen war. Diese beiden mittelmässigen Staatsmänner suchten in
dem hohen Stile Philipp's IL fort zu regieren. Schon im Anfange
seiner Herrschaft Hess Lerma 50 Schiffe zum Kampfe gegen England
aasrasten — 1699. Auch diese Flotte unter Martin de Padilla wurde
Ton Stürmen zerstreut, bevor sie den Feind in Sicht bekommen hatte *)•
§. 2.
*
Im Jahre 1599 heirathete Philipp HL die Erzherzogin Margaretaj
Tochter Carl's von Steiermark, und der Maria von Bayern. Geboren
za Gratz am 25. December 1684 war die Braut damals 15 Jahre alt.
Am 10. Februar 1599 schiffte sie sich zu Genua nach Valencia ein,
wohin der Konig am 14. Februar zu ihrem Empfange kam. Am
18. April fand die Vermählung in der dortigen Kathedrale statt.
Die Aragonier fühlten sich unter Philipp IL, dem exclusiven
Casülianer, sehr zuruckgesezt. Lerma suchte sie zu begütigen, indem
die Neuvermählten sogieich von Valencia aus nach Barcelona zogen.
Bis hieher hatte Maria, die Mutter der Konigin, ihr das Geleit ge-
geben. Bevor der Konig nach Saragossa kam, befahl er, die annoch
aasgesteckten Häupter derer zu entfernen, welche in Folge des Auf-
standes wegen Ant. Perez hingerichtet worden, deren Häupter zur Er-
innerung an Philipp's IL Seelengrosse hier seit sieben Jahren para-
dirteo. Philipp lU, ertheilte allen in diesem Aufstande Vemrtheilten
▼öUige Amnestie. Darum war auch die Aufnahme in diesen beiden
Städten eine sehr herzliche. Der Konig bestätigte feierlich die Bechte
0 WaiMon, Robert, History of Philip the third, Basel, 1792, I, p. 48,
264 Dreizehntes Buch. Achtes Kiipitel.
Er vollendete die Wiedererobernng Spanien's von den UnglinbigeQ^\
gebot Einhalt den Plänen Savoyen's, demüthigte Venedig; gegen die
Ueberfluthung der Eezerei liess er die Katholiken wieder fm woi-
athmen^). Der Unterthan verfehlte sich schwer gegen die Ehrfordit
vor seinem König, der diese edlen nnd einsichtsvollen Staatshandlnog«
unter dem Namen geleisteter Dienste sich anmaassen wollte (Lerma ni
Uceda sind gemeint). Man kann von seiner Gemäthsart nidit sprecka,
ohne die zu vernrtheilen, welche ihn irrefahrten. Ueberschaat du
seine Handlangen, so verlezt man ohne vorwurfsvolle Absicht sein ge
heiligtes Andenken, und ehrt zu wenig seine Wünsche, die immer m
waren, voll von Güte und Gerechtigkeit Statt Crehorgam zu jUoi,
war er beständig belagert; fremde Verschlagenheit verstand es, seoen
Gesichtskreis zu beschranken, und sein Ohr zu verschliessen').
Der Vater wollte Alles und Alles allein thun, vras er sollte xd
was andere sollten; der Sohn wollte nichts thun von Allem, was v
sollte. Viel strenger lautet über ihn das Urtheil des jezt lebeoda.
Vic. de La Fuente^y Ein Konig, welcher nicht herrscht, nnd aofboiti
seinem Günstling zu befehlen, ist kein wahrer Konig, sein Namebe»
gleitet nur den Namen seines Günstlings. So war ea mit Philipp DL;;
er entwindet sich den Händen eines Günstlings, um einem andern ■■
die Hände zu fallen; aber sein vornehmster Günstling ist der Heiifl| .
von Lerma. Wie erklärt man, dass von einem so thatigen und elM^
gischen Vater, vne Philipp U., welcher sogar die Ueberschrifien <k
Correspondenz revidirte, und der seine Thätigkeit vom Hochsta |
bis zu den kleinsten Dingen herab ausdehnte, ein so flauer ni
sorgloser Sohn abstammt, wie Philipp HI? Es ist diess ein Flii'
nomen, das vnr nicht zu erklären vermögen, obgleidi wir es tUe
Tage sehen. Nicht als ob es Philipp lU. an den schönsten figei' i
schaden gefehlt hätte. Einige seiner Biographen (wie VbrgU MakteA
versichern, mit Rücksicht auf seine Beichtväter, dass er in seinea
ganzen Leben keine Todsünde begangen. Aber troz aller Biogn{)iKB
und Beichtväter, ist es denn eine so kleine Sache für einen Ffiistai,
sich nichts zu kümmern um seine Creschäfte , die Regierung aof da
Schultern eines unfähigen Favoriten liegen zu lassen , und den Ti$
hinzubringen mit Besuch von Plauderstuben, während die Nation ibrcfl
Ruine entgegengieng? Die Tugenden Philipp's waren die eines Frint-
') D. i. er nntenohrieb das Deoret der Vertreibung der Maaren.
') Also unter seinem Vater konnten sie nicht frei aufatfamcn?
'} Fram Queoedo, v. Bcnmstark, 1871, S. 120—121.
') Historia edes. de Espafia, 1 edicion, t III, p. 222. — 2 edietoa, t V.
p. 388—390. Oü. Gonzalez DavUa, 1. c. — Juan ramies, Memori» pm 1»
historia de D. FeUppe UI, Madrid, 1723, 4*.
Uriheile ttber Philipp HJ. Philipp IV. vor der Regierung. 265
manns, es fehlten ihm die Tagenden eines Königs, und auch jene ver-
unstaltete er durch seine Willenslosigkeit und seine Abneigung gegen
die Arbeit"
Lerma hatte, meint derselbe, eine viel härtere Strafe verdient,
aber der Cardinalshut habe ihn vor ihr geschäzt '). Aber auch Lerma's
Sohn, und des Königs Beichtvater, Alliaga, waren so einfältig, dass
sie Lerma's Regierung in gutem Lichte erscheinen Hessen.
§. 7,
Aas der Ehe mit Margareta von Oesterreich hatte Philipp III.
eine Tochter, Anna Mauritia, geboren am 22. September 1601, welche
im Alter von 14 Jahren mit Ludwig XIII. vermählt, und Matter
Ludwig's XIV. von Frankreich wurde'). Am 8. April 1605 wurde der
Infant Philipp geboren. Er empfing die Huldigung der Stände und
Grossen in der Kirche S. Geronimo zu Madrid am 13. Januar 1608,
Die dritte Tochter, Maria, wurde am 3. September 1628 mit Ferdi-
nand (IIL) von Oesterreich vermählt.
Philipp IV. trat am 31. März 1621 die Regierung an. Er hätte
auch bei der besten Erziehung und Leitung im Alter von 16 Jahren
sich für die Regierung kaum vorbereiten können. Aber sein Vater,
der von den Staatsgeschäften nichts wissen wollte, konnte und mochte
auch seinen Sohn nicht in dieselben einfuhren. Wie konnten aber
Lerma oder Uceda ein Interesse daran haben, dass ein Prinz heran-
gebildet werde, dessen Wissen und Wirken sie überflüssig machen
würde? So war Philipp sich selbst überlassen. So unterschrieb denn
auch er die Decrete derer, die statt seiner regierten. Viele wollten in
ihm die Eigenschaften seines Grossvaters finden; aber gerade die
gleichmässige und beharrliche Arbeitsliebe fehlte ihm.
§. 8.
In den ersten Jahren seiner Regierung sezte der Streit über das^^^'^
Patronat der Heiligen in und über Spanien die Gemüther in Bewegung upp*.
IV.
') Darauf wurde das Couplet verfasst:
£1 ladron mas afumado
For no morir degoUado
8e vifltio de Colorado.
Und der Schurke, weit verschriecD,
Eilt* den Pnrpar anzuziehen,
Um dem Galgen zu entfliehen.
*) Diesen nennt der Spanier Fhrez noch im Jahre 1775 Ludwig den Grossen.
266 Dreisehntes Bach. AchteB Kapitel.
Es handelte sich daram , ob Jacobos der Aeltere der einzige Patroa
Spanien's bleiben, oder ob mcbt die heilige Theresia oder der heilige
Franciscos Xaver za der Ehre eines Mitpatronats erhoben werdea
sollten. Der heilige Jacobus fand tapfere Vertheidiger seines alt»
Rechts. Es erschien eine grosse Anzahl von Schriften, welche, vm
seine Stellang als einziger Patron von Spanien zu befestigen, seiie
personliche Anwesenheit und Predigt im Lande zn beweisen sticlita.
— Die heilige Theresia wurde im Jahre 1622 canonisirt. Ihre Vet-
ehrer waren nicht damit zufrieden, sie wollten sie als Patronin Spa-
nien's eingesezt wissen. Darüber wurde ein heftiger Wort- und Feder-
krieg in Scene gesezt Die Anhänger der heiligen Theresia hatten d<r
Natur der Sache nach den schwereren Stand. Sie waren so zn siga
die Angreifer, jene die Vertheidiger einer schon gesicherten Positkm.
p»tronrt g^jjQjj jjjj j^jjj.^ jgjY jj^^^ ^j^ Carmeliter-Barfusscr an die
der Hei'
iigcn. Cortes von Castilien den Antrag gestellt, die heilige Theresia mi>ge
als Schnzpatronin Spanien's erklärt werden. In jedem andern Laodi
hätten die Stände erklärt, dass diese Streitfrage ausserhalb des Ereisa :
ihrer Thätigkeit liege. Aber die Spanier waren damals eine Katif»
von Theologen. Am 16. November 1617 beschlossen die Cortes ii
Sinne der AntragsteUer , und am 18. August 1618 genehmigte de.
Eonig den Beschluss der Stände '). Mit allem Rechte erklärte Pbili|f '
de Tassis, Erzbischof von Granada (1618 — 1620), dass die Corta die
Grenzen ihrer Macht überschritten, dass in dieser Frage nur der PapM
entscheiden könne. Der gefeierte Erzbischof von Sevilla, Petras ii
Castro, schloss sich dieser Erklärung an. Die heilige Theresia sel!^
wurde erst am 12. März 1622 canonisirt
Im Jahre 1624 starb der Erzbischof von Sevilla, einer derao-
gesehensten Prälaten von Spanien, im Alter von 102 Jahren, mcbdea
der Erzbischof von Granada schon im Jahre 1620 gestorben i^%
Die Angelegenheit des Patronats wurde jezt aufs Nene betrieben, vxl
Philipp IV. far diesen Plan gewonnen.
Die heilige Theresia wurde im Jahre 1515 zu Avila geborea
Als sie die Lebensgeschichte der Märtyrer gelesen, entfloh sie >!i
Kind mit ihrem Bruder aus Avila, um nach Afrika zu ziehen, ofld
dort ihr Blut für den Herrn zn vereiessen. Durch die Dazwischcß-
Kunit ihres Oheims wurde sie zurückgeführt, ergoss ihren ScIunffT
darüber in den heissesten Thränen, und suchte ihn durdi Almosö
und andere Werke der Frömmigkeit zu mildem. Im Alter tob
20 Jahren trat sie in den Orden von Garmel, und legte die Gelübde
') Act» Setomm, t VII, Oetober, Pteis, 1809, pag. 765.
•) Oonz, de Cespedes, Historia de FeUpe IV, Usb. 1631, Bh. V, fl^ ^
IP 86i), (Ifarqaes Virgilio Malveizi).
Leben der heiligen Theresia. 267
ab. An 18 Jahre lang wurde sie durch die schwersten Krankheiten
und Versuchungen aller Art geprüft, und von keinem h5bern Tröste
erquickt. Unbesiegten Geistes trug sie alle diese Leiden, und erlangte
am Ende dieser PrüfuDgen wunderbare Tröstungen. Den im heiligen
Sacramente gegenwärtigen Heiland schaute sie wie mit ihres Leibes
Augen, und konnte sagen, dass sie jene um nichts zu beneiden brauche,
die den Herrn mit ihren leiblichen Augen geschaut. Ihre Liebe zu
Gott war nicht, wie die eines Menschen, sondern wie der „Cherubin^'),
und diese Liebe erhöhte der Herr durch viele ihr gewordene Gesichte
und Offenbarungen. Sie sah zuweilen einen Engel, der ihr Herz mit
einem feurigen Speere durchbohrte, und in ihr die Liebe in mächtigen
Flammen entzündete. * Sie machte in dieser Liebe das Gelübde und
hielt es, immer das zu thun, was das Vollkommenere wäre, und zu
Gottes grösserer Ehre gereichte. Erglühend in inniger Nächstenliebe
beweinte sie das Elend der Ungläubigen und Häretiker mit nie ver-
siegenden Thränen; für deren Bekehrung brachte sie Gott stets Fasten,
Gcisseluugen and andere Abtödtungen des Fleisches dar. Keinen Tag
Hess sie vorübergehen, ohne Werke der Liebe vollbracht zu haben.
Für ihre Feinde hörte sie nicht auf zu beten. Weise Männer pflegten
zu sagen: Wer von Theresia geliebt zu werden wünsche, der müsse
ihr Schaden und Unbilden zufügen. Unglaublich waren die Werke ihres
demüthigen Gehorsams. Auf Verlangen ihres Beichtvaters warf sie das
schöne Buch, das sie über das hohe Lied verfasst, in die Flammen.
Sie führte die Reformation ihres Ordens, sowohl in den Männer- Reform
als Frauenklöstem , unter den grössten Schwierigkeiten siegreich meiiten.
durch, unterstüzt hierin von dem heiligen Johannes vom Kreuze.
Diese Reform breitete sich fast über alle katholischen Länder aus.
Ohne Geld, ohne Einkünfte, führte sie die Errichtung so vieler Erlöster
in und ausserhalb Spanien^s durch, meistens unter dem Widerstreben
der weltlichen Grossen. In ihrem Leben schon verherrlichte sie Gott
durch viele Wunder (von welchen die Bulle der Heiligsprechung einige
anfahrt). Nach so vielen Werken starb sie in ihrem Kloster zu Alba
am 4. October 1582. Ihr Leichnam athmete den süssesten Wohlgeruch
aus. Die Wunder, die auf ihre Anrufung vollbracht wurden, mehrten
sich. Auf Bitten Philipp's HI. wurde die Frage ihrer Heiligsprechung
in Rom eifrig betrieben. Auch Kaiser Ferdinand IL fügte seine Bitten
denen Philipp's III. bei. Am 12. März 1622 wurde sie als „Heilige""
der Kirche erklärt; ihr Fest auf den 15. October, als auf ihren Todestag
angesezt^).
*) So beisBt es in der herrlichen Canonisationsballe.
*) S. die Balle in BuUar. Roman. Taurin, 1867. t XII, p. 673- 682 ^ und
in Acta Sanctor., 15. October, YXI, Paris, 1869, p. 538—725 — wo ihre Acta aact
268 Dreisehotes Buch. Achtes Kapitel.
Kaum war Theresia als ^^Heilige erklärt, so wollten ihre Verehrer
mit neoem Eifer sie zur Patronin Spanien's erklärt wiss^, ak ob
die Heilige nicht ohne diese Erklärung liebend vom Himmel her sd
ihr Vaterland geblickt hätte^^). Philipp IV. schrieb im Febmar 1626
von Saragossa aus an den Präsidenten von Castilien, Franc de Con*
trcras, und dieser wandte sich aufs Nene an die Cortes. Die Coitei
von Castilien erneuerten ihren frühem Beschluss. Das ganze Ijd
gerieth in hizige Bewegung. Man wandte sich nach Born, ii
2L Juli 1627 erklärte Papst Urban VUI., Theresia von Jesus seh
Schuzpatronin von Castilien sein, aber mit Vorbehalt des FatroBaii
des heiligen Jacobus'). Aber die Kirche von Compostella und einige
andere waren damit sehr unzufirieden, nicht mit Unrecht, wie qd§
Franc, de Hibera, S. J., libr. 5 sind; cf. andere ,»Vitae* v. Didae. Yeptgmi\
MaUh. Martinez, p. 725—741. (741—743). Gloria posthnma, p. 745—790. (Sepn»
abdnick mit dem Commentare VaDdermoere's), Acta Set, p. 109—537, BnueiL, M^
Historia de la reforma de Us descalzos de nnestro Sefior del Carmen. I»'
drid, 1644 — 1710. 6 vol. 2*. — Escritos de Santa Teresa, 2 tom., Madr., 1861-19%:
por Vic de La Fuente (tom. 53 et 55 der Sammlong: Biblioteea de antorei e^i^
iEioles desde la formacion del lengnaje haata nnestros dias. Madr., 1816-1^
impr. de Rivadeneyra, dämm Bibliothek von Rivadeneyra genannt)« DasLebaiij
heiligen Theresia, von ihr selbst geschrieben, nach dieser Ausgabe flberseii ^
Ida Hahn- Hahn, Mainz, 1867. — Leben der heUigen Theresia, von ihr selbst^,
schrieben etc., Aachen, 1868. — Schriften der heiligen Tlieresia von Jesu, 6 Bds,
heraosg. von Oaü. Sdiwah (Bd. I, Leben, von- ihr selbst beschrieben. Bd. 0, te
Buch der (ihrer) Klosterstiftangen. Bd. III, Weg zor Vollkommenheit Bd.nr,
Seelenburg. Bd. V, Kleinere Schriften. Bd. VI, Sapplementband). — Die wa^
liehen Werke der Heiligen, nach den Sammlungen des Bischoft D. Juan dt Mä-
fox, Sulzbach, 1831—1833. — Auserlesene Schriften, von Bath. Fr, iScfttor,
2 Bde., Frankfürt, 1827—1882. — SfimmÜ. Schriften, herausg. von OiOL 8ck«^
revid. von Magn. Jocham, 2. Aufl., 6 Bde., Sulzbach, 1851— 185a — Wafc^
flbers. von L. Clarus, 5 Bde. , Begensburg, 1851 — 1855. Jocham, die Sekrite
der heiligen Theresia im Auszuge, Begensburg, 1863. —
Zahhreiche .Leben" der heiligen Theresia m allen lebenden Si»adieB, b. k
von Yepes' (BracciniJ, Rom, 1623, Vie, Lyon, 1670; ViUefare, Pari», H^»
Marckhovitsch, Wien, 1718, 2 Bde ; P. Cl Duret, Lyon, 1718; J. A. Emery, Ltoc,
1775; J. B. A.Boucher, Paris, 1810, 2 t ; Ä Buehf einer, Angab., 1826; J. Cffff
Prag, 1830; F. B. Collombet, Lyon, 1837; »Leben«, Cöhi, 1841 ; Leben YwFr.Poi
Regensb., 1847; Hennea, 2. Aufl., 1866; PauL Bausaeia, Pteis, 1867, vad n*
andere.
*) Vie. de La Fuenie, Hist ecl V, p. 422, Madr. 1874.
•) Acta Sctor., Paris, 1869, 1. c, p. 765, (nicht 1628, wie in »AnnoTei«»».
t II, p. 149 steht). Es war ein Breve, nicht eine Bulle, die der P^wt eiüe«; a
steht Acta Sctor., p. 765-766. Die wichtigste SteUe des Breve lautet: .Inpo-
sterum eadem S. Teresla cum omnibus et singulis privilegUs, giatna et to^
gcntiia aimUibus Patronis eompetentibus seu alias eoncedi soBtis, rine tmm pufj^
dioio et ifiovatione vel diminutione aliqua patronatusS. Jacobi i^iostoU fa mnm
aispaniarmn regna haberi et reputari
Compatronat der heiligen Theresia. 269
scheint, obgleich die heilige Theresia nicht als Patronin von ganz
Spanien, sondern nur des Königreichs Castilien erklärt worden. Aber
die Provinz Galizien bildete von jeher einen integrirenden Theil des
Reichs von Castilien. Sie gehorte weder zn Portugal, noch bildete
sie für sich ein Königreich. Nach dem Breve aber wäre die heilige
Theresia wenigstens in Castilien dem heiligen Jacobns vorgezogen
worden, dieser aber oberster Patron in Aragonien, Navarra, Amerika
u. s. w. geblieben. Die Carmeliten vertheidigten ans allen Kräften die
heilige Theresia, n. a. erklärend, dass nicht sie, sondern alle andern
es gewesen, welche ihr so hohe Ehrentitel erworben, die man ihr aber
jezt nicht mehr rauben diirfe.
Wegen der grossen daraus entstandenen Bewegung der Geniüther
suspendirte Philipp IV. am 22. November 1627 den Vollzug des päpst-
lichen Breves, das er doch vor Allen verlangt hatte, bis eine Entschei-
dung des Papstes über den Grund der Opposition ergangen sei.
Franc. QuevedOy Ritter des Ordens des heiligen Jacobus „vom Schwerte^ ^^°^
(de spada) verfässte seine „Denkschrift für Santiago's Patronat^, welche fur set.
im Februar 1628 erschien. Er lehrt, dass das Patronat des heiligen ^*"^^^'
Jacobus über Spanien eine Sache gottlicher Anordnung sei, und dass
Cortes (und auch Konige) hierin nichts ändern können. Er erzählt
n. a., was Konig D. Ramiro über die ihm gewordene Erscheinung des
heiligen Jacobus berichtet habe'). Am 26. Februar 1628 wandte sich
Quevedo an Papst Urban VIII., mit der Bitte, er möge den Apostel
Jacobus in seinem überlieferten Rechte lassen. Ein längeres Gedicht
in derselben Streitfrage gab er heraus. Gegen ihn schrieb u. a. der
Sevillaner Franc. Morovdli^), „nicht ohne einige Eingenommenheit gegen
den heiligen Jacobus, den bis jezt einzigen Patron von Spanien''.
Ganz Spanien gerieth in Feuer und Flammen. Der Bischof von
Cordova, Didacus Mardones, ein Dominikaner, war erglüht für die Ehre
des heiligen Jacobus. Er widmete ihm ein Bild in seiner Cathcdrale
mit der Inschrift: ^B« Jacobo Hispaniarum unico certissimo antiquis-
simoque patrono^. Er starb im September des Jahres 1624^ 96 Jahre
alt'^. Er hatte zum Nachfolger den Bischof Cristobal de Lobera y
TorreSi den feurigsten Anhänger der heiligen Theresia. Ueber ihn
sagt Ocm. Bravo*): „Damals befand sich die Prätension, dass die hei-
lige Theresia als die Mitpatronin der Reiche von Castilien erklärt
') Kirchengesch. II, 2, p. 870—374.
*) Franc. Morooeüi de Puebla defiende el Patronato de Santa Teresa de
Jesus, y responde a D. Franc de Q^eüedo ViUegas, a D. Franc, de Mdgar Ca-
nonieo Dotoral de Sevilla, y a otros qae han escrito contra €i. Malaca. 1628. 4*.
*) Der Enbischof de Castro von Sevilla starb in demselben Jahre, 102 Jahre alt
') Obispos de Cordova, 1777, II, p. 610.
270 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel.
werden solle, in ihrer stärksten Stromong. Diese Erklanmg wnrde
vom Hofe sehr begünstigt, und in Rom mit grosser Hize TentUirt,
nuigA di^ ^QY Papst am 21. Juli (1627) sein Decret erlassen hatte. Aa
fQr nnd 3. October erklärte der Bischof seinem Kapitel, er sei entschlofisefl,
wider In ^gu 5, October als Festtag za begehen. So that er; er be&hl, d«i
y^ das Fest der heiligen Theresia mit einer Octave in seinem gttza
Bisthum begangen werde. Das Kapitel machte Vorstellangen, ili
weder es noch die Stadt die hiezn nothige Genehmigung ertbeilt habt
Am 4. October wurde beschlossen, dass das Fest als „Semidaplex' b^
gangen werde, wie es in Rom bestimmt worden. Der Bischof Iit$i
ein Manifest für das Patronat der heiligen Theresia dmcken,
sandte es am 27. November an das Kapitel. Das Kapitel appelline
den Konig „de abasn^ ^), in seinem nnd dem Namen des ganzen Klei
Leider legte der Klerus selbst. Alles vom Konige hoffend, und
von ihm fürchtend, bei jedem Schritte alle kirchliche Gewalt in
Hände der weltlichen, mittelst des „Exequatur^, nnd wegen ^
bi*auchs der geistlichen Gewalt, ohne dass die Regierang es verlao^
Das „ruere in servitutem^' (regis) trieben diese spanischen Priester
harrlich fort. Der Bischof entsezte einen Domherrn seiner SteUe,
geblich wegen langer Abwesenheit, in Wahrheit, weil er ein fe
Anhänger des heiligen Jacobus war.
Die Ejrche von Santiago, die von Cordova, and einige
ergriffen nun den Recors an den Papst, welcher im November 1
ein neues Decret erliess, worin er das frohere fast aufhob. Er
klärte, dass das neue Patronat bloss für die Orte und Diocesen
solle, wo der Bischof, der EJerus und das Volk gemeinsam
bitten würden*). Das Kapitel und das Municipinm yon Cord
wollten dieses lezte Decret mit besondem £bren aofbehmen, nnd
schlössen in Folge desselben eine grosse Wallfahrt nach Santiago
veranstalten. Dem widersezte sich der Bischof, und man bescbi
zu warten, bis er abgereist mre. Ein anderer Streit kam in
Quere. Der obige Domherr, zugleich Magistrat, Lucas Gonzalez
Leon, predigte am Feste des heiligen Jacobus (2ö. Juli) 1630;
Bischof fühlte sich durch seine Rede sehr beleidigt, fing eben Pr^
cess an, und yerhängte über den Magistrat die Exoommanicatfo^
Dieser protestirte gegen den Sprudi als eine Anmassung, da i^
Bischof ganz einseitig yoi^gegangen, er auch in seiner Rede oicbtti
Personliches vollbracht habe. Das Kapitel liess die Predigt dnuM '
*) Reearrio al Real amdlio de la fiierza.
*) Novam patrodail grmtiam singiilis dvitatibiu et Dioeeestbiis dmtaxat, (^
ram Efiiaeopiit, Gtons et iK^iohB eonjonetim piaedictam Saactun TherHnm jntn»-
aam habei« elegerial, ae a Nobis depotvi eoaseaflerint
Der heilige Johann vom Krense. 271
und 88 fand sich nichts Verfängliches darin. Man Yerglicb sich« Da
der Bischof für Palencia ernannt war, „so endigten diese Wirren,
welche aas der Andacht des Bischofs für die heilige Theresia und
der Verehrung des Magistrals gegen den heiligen Jacobus erflossen
waren; da aber da und dort die Discretion und die Klugheit fehlten,
so waren daraus schwere Scandale erwachsen^ ').
§. 9.
Der heiligen Theresia stand in der Beform ihres Ordens der hei-
lige Johannes vom Kreuz zur Seite, erster unbeschuhter Carmelit.
Geboren im Jahre 1542 zu Hontiveros bei Ävila, — wurde er erzogen
zu Medina del Campe, wo er bei den dortigen Jesuiten studirte, die
übrige Zeit aber dem Dienste der Kranken widmete. Mit 21 Jahren
trat er daselbst in den Orden vom Berge Carmel. In Salamanca sezte
er seine Studien fort, und unterzog sich den grossten Abtodtungen«
Mit 25 Jahren wurde er zum Priester geweiht* Schon in Me-
dina hatte ihn die heilige Theresia kennen gelernt. Von Salamanca ^^^^^'
zog er nach Durvelle, wo sie das erste Männerkloster der strengem cms n.
Beform gegründet hatte. Am ersten Sonntage des Advents 1568 er- ^'® ^^'
neuerte er mit seinen Mitbrüdern die Gelübde. Johannes a Cruce
wurde Prior des erneuerten Ordens. Später wurde er im Kloster zu
Pastrane Novizenmeister. Verfolgt von den Carmeliten der laxcrn
Observanz, wurde er neun Monate gefangengehalten. Im Todesjahre
der heiligen Theresia (1582) war die strengere Begel in 15 Männer-
(und 17 Frauenklöstem) durchgeführt. Im Jahre 1579 stiftete Jo-
hannes das Kloster von Baeza; 1581 wurde er Prior des Klosters in
Granada. Im Jahre 1585 wurde er Provincial-Vicar von Andalusien,
im Jahre 1588 erster Ordensdefinitor. Auf dem Ordenskapitcl zu
Madrid im Jahre 1591 siegten seine Gegner, und er wurde aller seiner
Stellen entsezt. Nachdem er als einfacher Ordensmann sich in das
Kloster von Pegnuela zurückgezogen, vollendete er hier seine mysti-
schen Schriften. Krank — liess er sich in das Kloster you Ubeda
bringen. Nach den Worten: i^Herr, in deine Hände empfehle ich
meinen Geist'', starb er am 14. December 1591. Er wurde am
27. December 1726 heiliggesprochen*). — Seine Schriften (Subida ^<a«
del monte Carmelo — 3 Bücher; Noche oscura del alma — 2 Bücher;
Llama de amor viva; Cantico espiritual entre la Alma j Christo su
■) Oimez Bravo, II, p. 614. — Ftc. de La Fueräe, Y, p. 423—426.
*) Die Bolle vom 27. December, Heiligsprecbang in Bvüar. Rom, ed. Aug,
Taunn., 1871, t 22, p. 480-483.
272 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel.
esposo con 8U declaraoion), erschienen za Barcelona — 1619 4* and
1635; ZQ Madrid 1629 und 1672; Obras, 12. Ausgabe, Sevilla, 1703
— 2^ ; ferner in latein., franzos., Italien. Uebersezungen. Deutsch —
hl. Joh. V. Kreuz christl. Mystik v. Sim. Buchfdnerj 1841; simmt-
liehe Schriften, mit einer Einleitung v. Gaüus Schwab, 2 Thle., SnlzL
1830. — Uebersezt und als zweite Auflage der Sekwabisehm Ueber-
sezung herausgegeben v. Magn, Joeham. — Werke, übersezt 2 fi<L
Snlzb., 1858. — Leben und Werke des heiligen Johannes vom Kreoz^
Von P. Lechner, 3 Bde., Regensb., 1858 — 1859. Sein Leben schrieben
die Carmeliten Hieronymua de S. Joseph, Madrid, 1641; QaspariiU
Anundacion, Josef, a Jesu Maria, c. 1615, Josef von der htiifa
Theresia, c. 16 «0, u. a. ^ (F. J. Schermer^), die klassische ascetscbe
Literatur Spanien's in „Chilianeum^, Bd. II— III, 1863—1864*).
§• 10.
nl**d« ^^" dieser Zeit an mehrten sich die s. g. „Patronate" der Ha-
Belli- ligen, keineswegs aber die Frömmigkeit und die wahre Nachfolge der
'"°' HeiligeUi Bei fast jeder Bedrangniss und Noth sah man sich lai
neuen Patronen um, ohne daran zu denken, den sinnlosen Luxns, &
Profanationen des Heiligen, die Laster überhaupt abzustellen. — Dff
Hof hatte viele Jahre gewaltig für das Patronat der heiligen Tberesii
geeifert, so dass die Gegner desselben gemaassregelt wurden. Die
Feinde Quevedo's klagten bei Hof über den harten Ton seiner Sol^!^
Schriften , und dass derselbe in seiner frühem Schrift: „Die PoH^
Gottes und die Regierung Christi^% den König und den Hof uge-
griffen^). Er wurde darum im April 1628 vom Hofe Terbaont, osd
nach Juan Abad intemirt Der BÜm lag etwa acht Monate aof üa
Am 29. December 1628 erhielt er die Erlaubniss zur Rückkehr,
seiner Verbannung im Mai d. J. , arbeitete er eine nene Schrift «
„Santiago für sein Schwert^' ^, worin er eine sehr scharfe S|
redet. Er macht es dem Olivares zur Pflicht, den jungen König
Bessern zu belehren. In sechs Abschnitten widerlegt er seine G(
und deren Angriffe auf ihn, der heiligen Theresia aber sollt er
glänzendsten Tribut der Verehrung. Die Schrift konnte damald ni
gedruckt werden, und erschien erst im Jahre 1852 in der
*) Schermer hat auch die Werke des Juan de Aviia (s. oben S. 169) s
3 Bden. io's Deutsche Qbersezt, Regensbnrg, 1856 •- 1809.
*) PoHtica de Dies y gobiemo de Christo, sscada de la SagrMia fm^^
1625 (1620).
') Santiago por so Espada.
Spätere Patron Ate. 273
Ausgabe der Werke Qiievedo^a^). Das Patronat der heiligen Theresia
wurde wieder im Jahre 1700 durch das Testament Carl's II., beson-
ders aber durch die radikalen Cortes von Cadiz angeregt , welche am
28« Juni 1812 die heilige Theresia als y^Compatronin Spanien's'% zu-
gleich mit dem heiligen Jacobus, erklärten*^.
§. 11.
Da es mit dem Patronate der heiligen Theresia nicht vorangieng,
so begeisterte sich der Hof für das Patronat des heiligen Erzengels
Michaä. Im Jahre 1643 schrieb Philipp IV. an den Bischof Dom. P"*«'»"«'
Pimente! (1638 — 1649), das Kapitel und die Stadt von Gordova, nach- Micha^i.
dem schwere Unfälle das Reich betroffen, dass alle diese Unfälle der
lauen Verehrung gegen den heiligen Erzengel Michael zugeschrieben
wurden, dass man öffentliche Akte der Verehrung desselben begehen,
und dass er als Patron des Königreichs angenommen werden möge.
Am 6. Februar 1643 schrieb darüber die Stadt an das Kapitel. Es
wurde vereinbart, eine sehr feierliche Procession zu Ehren des heiligen
Michael in die ihm geweihte Kirche zu halten, der heilige Jacobus
möge aber einziger Patron von Spanien bleiben'). Am 8. Mai 1643
fand diese Procession statt. Die Frage wegen des neuen Patronats
aber ruhte.
Im Jahre 1678 richtete König Carl II. die Bitte nach Rom, es ^^^^
möge der heilige Joseph als Patron von Spanien erklärt werden. Das te.
gewünschte Breve wurde erlassen, aber Weiteres geschah nicht Im
Jahre 1702 bemühte sich der Erzbischof Jacob Cantelmi von Neapel,
dass der heilige JantuiritiSj zugleich mit dem heiligen Jacobus, als
Patron von Spanien erklärt würde. König Philipp V. war damit ein-
verstanden. Die heilige Theresia, der heilige Michael und der heilige
Joseph wurden fallen gelassen. Auf Bitten Philipp's V. erliess Cle-
mens XI. eine Bulle, jedoch mit der Beschränkung, dass Januarius der
kleinere, Jacobus der grössere Patron sein sollte. Also hatte man
den Unterschied zwischen grössern und kleinern Patronen. Das Ka-
pitel von Santiago, und das von Cordova^ die in dieser Angelegenheit
stets Hand in Hand gegangen, wendeten sich beschwerend an den
König, und die Publication der Bulle unterblieb.
Carl lU. erlangte am 8. November 1760 die Erklärung des all-
') Biblioteca de Rivadeneira, tom. 23 et 48.
») Acta Sctor., Oct. t. VII, Paris, 1869, p. 766-767. — Baumstark, Franz
Quevedo, ld71, S. 148-160.
•) Bravo, 11, p. 641— 612.
Qant, span. Kirche, III. 2. ]^g
274 Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel.
gemeinen Patronats der „nnbefleckten Empfangniss'* von Papst Cle-
mens XIII. in allen seinen Reichen, cnm ritu daplici der ersten Khsse,
und einer Octave, mit eigenem Officiam und eigner Messe. Die Cort»
endlich des Jahres 1812 stellten das Patronat der heiligen Theredi
wieder her. Wenn Konige und Staatsmänner sieh so sehr mit dv
Theologie beschäftigen, nnd die Rangordnung der Heiligen festseo,
so pflegt etwas faul zu sein ,,im Staate Dänemark^.
In Navarra verlangte das Königreich zu seinem Patron den k»
ligen Franc. Xaver, die Cathedraie aber and der Klerus den beliga
Firmin. In Madrid verlangte man nach dem Patronate des häfiB^
Isidor von Madrid').
§. 12.
Philipp IV. figurirt^ wie sein Vater, nur seinem Namen
unter den Königen von Spanien; er regierte nicht und verwaltete
In der frühern Zeit regierte der Graf- Herzog von Olivares, io
spätem Zeit desselben der Graf Haro. -^ Philipp III. hatte dcb
müht, von der Gesellschaft seines Sohnes einen ehrgeizigen und
Jüngling zu entfernen, den (Grafen) Gaspar Guzman. Derselbe
zu Rom am 6. Januar 1587 geboren. Als der jüngste seiner
milie war er zum geistlichen Stande bestimmt, und soUte seine
Gas- in Salamanca fortsezen. Als (dritter) Graf von Guzman wurde
out«. ^"™ Rector der Universität erwählt, vom Konige erhielt er die C<i
'^ mende von Veteras im Orden von Calatrava. Nach dem Tode
altern Bruders Geronimo kam er. Erbe grosser Güter , selbst ao
Hof. Nach dem Tode seines Vaters trat er mit dem ganzen Gltfllj
seines Ranges auf. Von einem Ehrgeize ohne Maass eifuUt, wv
verschwenderisch, um Anhänger zu werben. Ein feiner Hcüosano,
wann er die Gunst der Palastdame Agnes von Zuniga y Velasoo,
er im Jahre 1607 zur Ehe nahm, und erlangte dadurch die Gnost
Königin Margareta. Philipp III. versprach ihm die Würde
Granden , die er seinem Vater verweigert hatte. Da er ihn aber rc
seinem Sohne entfernen wollte (vielleicht wegen der Eifersacht
ma's auf dessen wachsenden Einfluss), sandte er ihn als ausserordc
liehen Gesandten nach Rom. Der Konig fürchtete mit Recht,
Guzman die ohnedem stürmischen Leidenschaften seines Sohnes
würde; dieser aber wollte von Guzman nicht lassen. Cruaman w(
') Genannt Labrador (der Bauer). Er starb im zwölften Jahrii. h ^bätH
Sein I^ben beschrieben Jac, Bleda, Alf<m8 de Viliegas, Cfregor de Ar^att, ]
'Nicolaus Jos, de la Cruz^ u. a.
Der Graf Olivnrcs 275
auch der VermählaDg Philipp's (IV.) mit Elisabeth von Boarbon im
Jahre 161Ö an. Er galt allgemein als Nebenbuhler der Macht Lerma's.
Mit seinem Reichthnme befriedigte er die kostspieligen Neigungen des
Infanten Philipp. Nach dem Tode Philipp's III. war er unumschränkter
Herr der Situation. Der Jesuit P. Florencia galt damals als der beste
Prediger am Hofe. Kurze Zeit nach Philipp*s III. Tode predigte er
Tor Philipp IV. über die christliche Sanftmuth und Demuth. In Er-
wägung, dass Florenoia uns die Demuth einschärft, sagte Philipp IV.,
8o wollen Wir eine Probe derselben ablegen ^ indem Wir befehlen,
dass der Graf von Olivares bedeckt werde, (die Granden haben das
Recht, vor dem Könige ihr Haupt zu bedecken). Niemand konnte an
eine solche Wirkung der Predigt denken. Von diesem Tage an hielt
Gaspar de Guzman 20 Jahre lang die Zügel der Gewalt in seinen ^^'^""^^
Händen. — Er erliess zwar im März 1623 strenge Edicte gegen den ung
Luxus, sowie gegen die ausschweifenden und tollen Trachten, worin ^^^^"
die Spanier stets das Mögliche geleistet haben. Aber der Hof gieng kon
von nun an selbst mit dem sohlechten Beispiele voran. Während der
Anwesenheit der Prinzen von Wales bei seiner „Brantfahrt'^ (1621 —
1623) wurde in Luxus und Verschwendung alles Frühere überboten.
Seit Olivares die Gewalt hatte, änderte sich das Angesicht des Hofes.
Gallafeste , Zerstreuungen , Schauspiele , musikalische Productionen
wechselten ab. Der König, wie sein Vater den Geschäften abgeneigt,
aber ohne die Tugenden desselben, lebte in Vergnügungen und Zeit-
vertreib didiin. Körperliche Rüstigkeit und liebenswürdige Laune
werden an ihm gerühmt. Die Dichter verheiTlichten seinen Hof. Sie
erhielten oder sie verlangten einen Antheil an seinen Genüssen. Ein
neuerer Schriftsteller sagt, dass die hundert Günstlinge Philipp's IV.
das Mark des Landes verzehrt haben ').
Der Herzog von Uceda war in den Process seines Vaters wegen Kndo
Betrug verwidkelt worden. Er wurde gerichtlich verurtheilt, von Phi-^n'"**
lipp IV. aber begnadigt. Sein Vater war edel genug, ihn in seinen ucodas.
Trübsalen zu trösten. Aber dem Sohne gieng sein Sturz tiefer zu
Herzen, als dem Vater; er wollte sich nicht trösten lassen. Er starb
im April LG24 zu Alcala, sein Vater aber im Jahre 1625 zu Valladolid.
Im Jahre 1626 reiste Philipp IV. zu den Cortee nach Saragossa.
Die üortes kamen erst unter Carl II., der sich persönlich nirgends
zeigen konnte, gafiz ausser Gebrauch. Dass er auch frommen Aspi-
rationen zugänglich war, bewies er gerade damals, als er von Sara-
gossa ans die Frage des Patronats der heiligen Theresia wieder in
Flass brachte. Aber es giebt auch, sagt der Spanier Vie. de La Fuente^
m
') jMomeo, Historia de Zaragoza, 1859.
18
276 Dreizehntes Bach. Achtes Kapitel.
Anaart- [^ j^m Leben Philipp's IV. Parthien von der tiefsten UnsitUichkeit,
pu. von denen zu wünschen wäre, dass sie sjch bis «o den leiAea Sparco
Upp'siv. verloren hätten. Solche seien u. a. die Gewaltthatigkeiten gegen dir
Inquisition gewesen, um seine Reputation in der scandal&sen Aoge*
legenheit des Protonotars Villanueva zu salviren, nachdem der Köoif
mit schlimmen Absichten in ein Frauenkloster eingetreten, d^ies
Patron Villanueva war. Von seinen Kindern ausser der Ehe habe (^
nur den D. Juan de Austria (U.) anerkennen wollen, welchen ihm äe
Schauspielerin geboren. Diese Frau, von seltener Schönheit^ bereete
ihren Fehler, und trat in ein sehr strenges Kloster eio, wo sie mnia-
bafl lebte.
Wie in dem Leben 'des Königs, gab es in dem Leben deiOlk»
vares zwei Perioden. Sobald ßv sich in dem Vertranen des Kinip
befestigt sah , ohne Rivalen in der ganzen Nation , so suchte er die
Missstände und Schäden , die er angerichtet, wieder gut zu maciA
Aber die Lage der Pinge war stärker, als seine Kräfte* Das Uogliid
stürmte von allen Seiten herein, und die Monarchie drohte aus du
Fugen zu gehen« Schliesslich gieng auch das annexirte Portugal vo^
loren, dessen Besiz und Verlust Spanien tiefe Wunden schlug. B**
sonders die finanziellen Maassregeln des Olivares machtai ihn m*'
hasst Wie in andern Tagen der so genannte „Milliardensegen^* ^:
sehr zum Unheil des ganzen Volkes ausschlug, wie Wenige dir«
viel sich bereicherten, und die Andern verarmten, so war auch der GoUp
^^,Q°' Strom, der von Amerika her nach Spanien strömte, der Anlassder
Geld Im Verarmung. Die ohnedem nicht grosse Arbeitslust der Castiliutf
wurde dadurch noch' mehr herabgestimmt. Spanien bezog Aoch ii
Folge der Vertreibung der Moriscos seine Waaren und Fabrikate am
dem Auslande um sehr theures Geld. Die Fremden liessen sich ik
Gewerbs- und Kaufleute nieder und bereicherten sich. Wie damil^ |
so ist es heute noch im Reiche Castilien. Schon Philipp IL iu^v
durch Verordnungen den Werth verschiedener Miinzen willkähmj
erhöht; Philipp III. erhöhte den Werth des Kupfergeldes. Das übn|^
Europa sandte nun sein Kupfergeld nach Spanien, und zog i^ik
Gold und Silber aus dem Lande« Zur vermeintlichen Remedor tct
bot Philipp's IV. Regierung unter Strafe die Einfiihr von Kupfer, ov
die Ausfuhr von Gold und Silber. Im Jahre 1626 wurde verordo^
dass in den nächsten 20 Jahren kein Kupfergeld geprägt werden düHe.
Eine Verordnung vom 13. September 1627 wollte die P«««
der Lebensmittel und Arbeitslöhne zwangsweise anordnen. Di^ ^
durch entstandene allgemeine Verwirrung zwang dazu, diese Mtf^
rcgel aufzuheben. Am 7. August 16^8 wurde der Werth des Kopfer-
geides wieder auf die Hälfte herabgesezt; am 16. September 1628
wurden geschärfte Strafen auf die Einfuhr von Kupfer, ood ao/d'«'
Misswirthschaft nnter Olivares. 277
Ausfahr von Gold und Silber gesezt, Nnr auf besondere Erlaubniss
des Finanzministeriams für bestimmte Fälle und einzelne Seehäfen
sollte die Erlaubniss zur Einfuhr von Waaren gegen Ausfuhr edler
Metalle gestattet werden. Dass diese Notizen nicht in eine Kirchen-
geschichte von Spanien an sich gehören, leuchtet ein. Hier aber
fliessen sie ein, um an einem Beispiele zu zeigen, dass, wenn eine
Regierung zu viel in Theologie, in Eirchenpolizei und Kirchenregimeut
macht, das von ihr regierte Land um so mehr herunterkommt Eben ^'«*«®"
zur Zeit der Herrschaft des Olivares wurde die Freiheit der Kirche am " **
meisten unterdrückt. Die Niederlagen, welche diese Regierung auf
allen andern Gebieten erlitt, wollte sie durch scheinbare Siege auf dem
kirchlichen Gebiete aufwägen.
Diese Misswirthschaft stammte schon aus den Seiten Carl's V.
her, und Philipp H. gieng mit dem Gelde um wie ein Kind ohne Er-
fahrung. Quevedo nennt den Bau des Escorial in jenen Zeiten der
Noth eine „Kinderei^, d. i. eine kindische Vergeudung von Geld. undver-
Troz aller Finanznoth verschlangen die noblen Passionen Philipp's IV., "al*'"
besonders seine Theater, und das, was darum und daran hieng, ganz
enorme Summen. Es wurden am Hofe Theaterstücke aufgeführt,
welche ein Hohn auf alle Moral, u. a. auf die Treue des Ehe-
standes waren. — Die Theater begleiteten den König auch auf seinen
Reisen, z. B. im Jahre 1633, als er wieder zu den Cortes nach Ara-
gonien reiste.
§. 13.
Seit dem Jahre 1635, als Frankreich Spanien den Krieg erklärte
giengen die Dinge zum Schummern. Aller Handel und Verkehr
stockte; die Unzufriedenheit gegen Olivares, wie gegen den Hof, stei-
gerte sich. Eine anonyme Bittschrift vom December 1639 an Phi- -
lipp IV. lautete u. a.: „Katholische, geheiligte, k5nigliche Majestät, die
Gott als Gottheit uns auf Erden sezte (diess meinte eben Philipp 11.^
aber diese Meinung war Spanien's Anfang zum Falle), ein armer Greis
spricht auf seinen Knieen zu Euch. — Von Allem, was Gott wachsen
lässt auf Erden, von Allem, was des Menschen Kunst erfindet, zahlt
man in Spanien mehr Steuer, als die steuerbaren Dinge selbst werth
sind. Hundert Konigen zusammen hat Spanien nie die Summen ent-
richtet, wie Eurer Regierung. Schon beginnt das Volk zu fiirchten,
man werde ihm auch noch eine Steuer auf das Athmen legen; und die
Reichen wiederholen es immer lauter; Es ist doch Alles verloren, darum
lasset uns Alle stehlen." Wer immer diese Schrift verfasst hat, sie
war der Ausdruck der wirklichen traurigen Lage.
Im Jahre 1640 brach die Revolution in Catalonien aus. Es hatte '^*^:
•land
278 Dreizehntes Buch. Acbtea Kapitel.
In cau-^urcii (Jen Krieg mit Frankreich (1634— 1640) gar sehr getitten. D<
i&io/ Schaz war leer. Mail wollte Catalonien zwingen, die Trappen, di
dort lagen, selbst zu unterhalten, und ihnen Lebensaiittel und Founi;
zu liefern. Philipp IV. sandte scharfe Befehle, welche mit einer a
cessiven Strenge ausgeführt wurden. Das Volk Ton Barcelona «
mordete den Yicekonig Graf von Santa- Coloma, sowie alle castilificii
Beamte. Die ganze Provinz erhob sich, und constitnirte sich als Bi
publik unter dem Schuze Frankreich's. Angegriffen Ton dem Marqd
de los Velez und grausam behandelt, riefen die Catalonier den Sdn
Frankreich^s an, erkannten Ludwig XIII. fiir ihren SosYerain, m
widerstandenden Angriffen der Castilianer« Sie kämpften bis zum Jab
1653, und hielten einen grossen Theil der Streitkräfte Spanien's bA[
§. 14.
•
Am 1. December 1640 brach die Revolution in Lissabon itf
Die Spanier hatten unter Olivares das Ihrige gethan, die Lage (h
Portugiesen zu verschlimmem. Diese riefen Johann, Sohn des Tbc«
tonins , aus dem Hause Braganza , zu ihrem Konige ans. Sie fsak
bei Frankreich, England, Holland, den deutsehen Protestanten, m
überall Hilfe, während Spanien auf sich selbst angewiesen blieb, o^
schon dem Kriege mit Frankreich und Catalonien nicht gewachst
PortDgai war. Die Zahl der Truppen, die es gegen Portugal stellen konnte, a
^dotu' reichte darum nicht oder kaum die Zahl der Soldaten PortogaTi
welch' leztere gute Führer hatten. Im Grunde kämpfte nicht SpaniQ
gegen Portugal, sondern Castilien kämpfte gleichzeitig gegen Porti^
Catalonien und Frankreich. Es ist kein Wunder, dnss es erlag.
Die Lage der Monarchie war sdu-eckUch. AragcmieD groDi
und drohte. Die Holländer plünderten die spanischen Goloaieen. bi
lien, (besonders Nei^>e]) eriiob sich gegen die spanische flerrscktfl
selbst der Papst war mehr auf Seite der Gegner. I
Bo- Olivares verbarg die Wucht der harten Schläge lange unter oM
"^niMT äusseriichen Heiterkeit, die er auch dem Hofe mitsntheilen wom
spa- Er fuhr fort, den König zu beherrscheli, ond ilm durch gehiofte Tf
gnügungen und Feste zu zerstreuen. In dem kostbaren Pahst
„Buen Betiro^, geiNnit im Jahr^ 1^3, ungeben von Dichten
hübschen Frauen, sollte der König zieh zerstreuen, und alles
vergessen. Schon wusste die ganze Welt von der Revolotion in
tugal. Olivares hinterbrachte endlich die Thatsache dem Kön^
0 Melo (MeUo)^ Franc. Manod^ Hlstoria de los movimientos, y .
de Catalufia; y gnerra entre Felipe y la Catalnfia, Lisboa, 1645, 1696; Madrid, I!
Paris, 1827.
Olivares io Noth. Philipp IV. will selbst regiereo und wird fromm. 270
den Worten: ^Der Herzog von Braganza hat sich als König krönen
lassen; diess ist ein Wahnsinn, welcher Euerer Majestät 12 Millionen
Einkünfte rauben, aber derselben mehrere Provinzen verschaffen wird.^
„Gut so,^ erwiederte der indolente Fürst; |,Ihr seid der Herr, bringet
es in Ordnung.'^ Die Noth der Dinge konnte aber bald auch dem
Könige nicht mehr verborgen werden. Der Herzog von Medina-Sidonia,
Statthalter von Andalusien, suchte diese Provinz von Spanien loszu-
reissen, und sich als Herrn derselben aufzuwerfen. Seine Schwester
Anna von Guzman war an Johann von Braganza vermählt, und trug
viel dazu bei, dass ihr Mann endlich in die Pläne der Portugiesen mit
ihm eingieng. Sie stachelte auch ihren Bruder auf, sich von Castilien
loszureissen. Aber die Bevolution Andalusien's wurde im Blute ihrer
Urheber erstickt, während die Portugal's Erfolg hatte.
Der zunehmenden Noth und Zersplitterung der Kräfte konnte
Olivares nicht mehr Stand halten. Seine staatsmännischen Talente
waren nur oberflächlich, er wurde mehr und mehr verschlossen und
einsilbig und warf sich jezt im Stande der Noth der Frömmigkeit in
die Arme. Der Tod seiner Tochter, der Gräfin von Heliohe, machte
ihn vollends hypochondrisch. Er stand im Winter um 5 Uhr des oiivarM
Morgens auf, communicirte wenigstens zweimal in der Woche, und f^J^^
gab manchen Tag Audienz bei künstlichem Lichte. Er dotirte mehrere ^^^ ▼«'•
Kirchen, dictirte Vorschriften gegen die Immoralität, die er selbst be- ^ ^^^'
fordert hatte, und baute ein kostspieliges Kloster für nnbeschuhte
Dominikaner. Diess rettete ihn nicht mehr. Am 17. Januar 1643
schrieb ihm der König, er wolle von nun an die Geschäfte selbst
leiten. D. Luis de Haro genüge ihm für die Ausfahrung der Befehle.
Olivares durfte vor dem Könige nicht mehr erscheinen, er erhielt den
Befehl, sich nach Loeches zurückzuziehen. Man fürchtete, dass das
Volk bei seinem Weggange ihn insultiren werde, und bediente sich
einer List, um die Neugierigen zu täuschen.
Der König regierte wirklich eine Zeit lang selbst. Er befahl in
Saragossa den P. Castro zu bestrafen, der in einer Rede ihn ermahnt
hatte, sich tapfer zu erweisen. In der Ungnade seines Königs starb ^ l^^
Olivares zu Toro am 21. Juli 1645. Luis de Haro kam mehr und
mehr in den Besiz der Gewalt Es gelang ihm, Spanien aus der be-
drängtesten Lage zu retten. Der König aber suchte in der zweiten
Hälftie seiner Regierung in der Religion den Trost, den ihm weltliche
Vergnügen und Genüsse nicht verschaiSen konnten.
§. 16.
Luis Hendez de Haro. Sohn des Didacus de Eiaro, und der^°^° ^^
, Haro.
Francisca de Guzman, Neffe des Olivares, war geboren im JahrQ 1599.
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278 "^^^ • Dreizehnte ßKk Acka
In cu- durc ^^^^^ ^^'^ ^'^°°S ®^'°^ ®'*^^""« wimfc er a & Stats^ieka
mo°' Seh: eiogcweiht Er war io dem Grade ganisagt, i gern Obrimä
dort ^!^^^ °°^ lierrscbficlitig gewesen, und eriangte om imer gK«
EMusBy obne scheinbar nach demselben zn streben.
Die Losreiflfioiig Portagal's hatte schwere kiitUdie Cocfc .
iQO Gefolge, immeiitlich die Befestigung emer Bom Candsdigeo iixii
Be io <ieD regierenden ond einflassreichcn Erasen PcrtagsTi Kit:: ■'
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megOy stand an der Spize der portugiesischen Gesandten, & n <'
tober oder November 1641 in Kom ankamen. Zu^eich ba dr -^
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Schritte der Portugiesen durchkreuzte. Er führte dne ir'ta
Sprache gegen den Papst Alles Maass fiberschreitend, sk»- •'
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den Spaniern y und den Franzosen und Portugiesen aDda9& b
fielen 4 Portngiesen, 8 Spanier, und 20 wurden verwundet Ite' '
zürnte mit fiecht über die Insolenz des Spaniers, der io d«
eines Andern, dem sichern Zufluchtsorte aller Kathohkes, c^*^
achtnng der päpstlichen Heiligkeit eine Person angq;riffen,dka
der Zasichernng des Schozes der Kirche in Kom weilte, I^^äj
fand der Bischof von Lamego bei dem Papste weniger Gü^^}
Eine lezte VonteUung blieb unbeachtet Die CongregatioD ßff fe
dinäle bnite beschlossen, dass die Gesandtschaft nidit mJ»
werde. Nach einem Jahre vergeblichen Mühen reiste sie ab - )•
Papst ürban VlII. starb am 2d. Juli 1644, und hatte InnoKS
zum Nachfolger. Er war als Cardinal Pamfili for Zulassm«^'^
öftndtschaft gewesen, wenn Joao" IV. etwa vier Jahre reglet ü«^^
joraußgesezty daas er „Usurpator« sei. Als Papst war er anderer
4y 5* •'^«ö IV. schickte seine zweite Gesandtschaft nach Bom. f
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*«« allen K-^^'^ «panischen Aßnistem milgctheilt Diese protffC^'
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Sämint-
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Notbstand der Kirche in Portugal. 281
zahmen Löwen nicht reizen. Die Spanier waren ja Herrn von Sicilien,
Mailand und Neapel« Gesandte Porlngal's wurden in Rom nicht zu-
gelassen; die Agenten Portugal's und die Franzosen , ihre Beschüzer,
richteten nichts aus.
Es handelte sich besonders darum, die erledigten Bisthumer zu
besezea. Der Papst schlug vor, er wuUe, ohne Erwähnung des Königs»
die Bischöfe »motu proprio^ präconisiren , welche ihm der König
Joaö IV. vorgeschlagen habe. Der Cardinal Mazarin brachte den
König von der Annahme dieses Vorschlags ab. Die Päpste könnten
Bonst in Zukunft den Königen das Präsentationsrecht rauben. Im Jahre
1652 waren erledigt die Erzbisthümer Braga, seit 1641, Lissabon^ seit
Janaar 1643, Evora, seit September 1643; die Bisthumer (Portugal, »1«^^-
Bischof von Lamego starb im Jahre 1644); Coimbra, seit Juli 1646^ ^^^i^^i^'
Guarda seit November 1640, Leiria, seit 1647; (der lezte Bischof hatte
sich aber nach Ausbruch der Revolution nach Spanien zurückgezogen ;)
Miranda, seit 1634, Faro, seit 1649; Portalegre, seit 1638; Porto, seit
1640; Visen, seit 1639. Im Jahre 1658 starb auch der Bischof von
fiivas. Seit dieser Zeit hatte Portugal keinen einzigen Bischof. Von
einer Unterstuzung oder Hilfe durch spanische Bischöfe konnte keine
Kede sein'). Aehnlich war es in den Colonieen»
Im Jahre 1652 ermannte sich die Ejrche Frankreich's, und legte
Fürbitte ein für Portugal's verwaiste Kirche. Die zu Paris versam-
melten Bischöfe richteten ein nachdrückliches Schreiben zu Gunsten
PortDgal's an den Papst Innozenz X.^)
Umsonst befahl der französische Klerus seinem Agenten in Rom,
die Interessen Portugal's, wie die eigenen, zu vertreten. Vergebens
wandten sich die von Joaö ernannten Bischöfe mit der Bitte an den
f^psiy dass sie ihr Amt verwalten durften. Vergebens gaben sich die
franzosischen Cardinäle die äusserste Mühe, der Kirche von Portugal
') Ribeiro, Dissertades, t V. Lisb. 1836, p. 142 — 223, P. Oama, Series
epiacoponun, 1873, p. 93 — 112.
*) Es steht in: Historia de Portugal restanrado (an. 1640—1668) p. Luis de
Mtnezes, conde de Ericeyra, Lisb. 1679 — 1698, 2 t. 2*. — (Bd. 1 wieder abge-
druckt- 1710; Bd. IetII,Li8boa, 1751 — 1759. 2 t in 4 vol. in 4». — t. II, p. 393,
Awg. V. 1751.
14a restanrado de Portugal prodigiosa, p. Gregor, de Almeida (F. Joam de
Vasconeellos). Lisboa, 1641. 4*. Fem, Menezes, historiamm Lnsitanar. libri X,
1640^1657; Uliaipp., 1734^ 2 vol. in 4*. — Historia deUa disunione del regno
de Portog«llo della Corona de Castiglia, Bcritta da (?. B. Birago, corretta, emen-
data ed ilinstrada dal P. Ferd. Hehvo, Amsterd. , 1617 — 4\ — Histoire de la
nvolation de Purtogal, par R. A. de Vertot, la Hayc, 1734. — Bellum Lasitannm,
^joaqise reg^i separatio a regiio castellensi , cum abrogatione superadjecta Alfonsi
regia lositani; auth. P. Cajetano Passareüo. Lugd. 1684 2K — H. Schäfer,
^5e«cb. TOD Portugal, IV, p. 452—539.
280 « Dreizehntes Bucb. Achtes Kapitel.
Unter der Leitung seines Oheims wurde er in die Staatsgeschifte
eingeweiht. Er war in dem Grade gemässigt , als sein Oheim slär-
misch und herrschsuchtig gewesen, und erlangte einen immer grossem
Einfluss, ohne scheinbar nach demselben zu streben.
Die Losreissung Portugal's hatte schwere kirchliche Conflikte in
Gefolge, namentlich die Befestigung einer Rom feindseligen StimmiiDi
in den regierenden und einflussreichen Kreisen Portngal's. KSnigJiK
hann (Joao) IV. verlangte als solcher von Rom anerkannt za wedf&
Diess suchte Spanien aus allen Kräften zu verhindern. Joao IV. bofia
Porta- u, a. auf Papst Urban's VIII. bekannte Abneigung gegen die Sjiuiia]
ver. ei" hoffte auch auf die Unterstnzung Frankreich's in Rom, das daniili
suche io im Kriege mit Spanien war. Miguel de Portugal , Bischof voo La
mego, stand an der Spize der portugiesischen Gesandten, die im Ok-
tober oder November 1641 in Rom ankamen. Zugleich kam der }iw
ques de los Veles als ausserordentlicher Gesandter Spanien's, da
Schritte der Portugiesen durchkreuzte. Er führte eine droh
Sprache gegen den Papst. Alles Maass überschreitend, sammelte
200 Banditen um sich. Es kam zum blutigen Handgemenge
den Spaniern , und den Franzosen und Portugiesen ando^ts.
fielen 4 Portugiesen, 8 Spanier, und 20 wurden verwandet Der F
zürnte mit Recht über die Insolenz des Spaniers, der in dem Ha
eines Andern , dem sichern Zufluchtsorte aller Katholiken , mit \
achtnng der päpstlichen Heiligkeit eine Person angeg^ffen , die m
der Zusicherung des Schuzes der Kirche in Rom weilte. Trozd
fand der Bischof von Lamego bei dem Papste weniger Grehor ab jei
Eine lezte Vorstellung blieb unbeachtet. Die Congregation der Cir>
dinäle hatte beschlossen^ dass die Gesandtschaft nicht zugdaesa
werde. Nach einem Jahre vergeblichen Mühen reiste sie ab — liÜ*
Papst Urban VUI. starb am 21). Juli 1644, und hatte InnozewI
zum Nachfolger. Er war als Cardinal Pamfili für Zulassung der G»
sandtschaft gewesen, wenn Joao IV. etwa vier Jahre regiert bitte, ^m
vorausgesezt, dass er „Usurpator" sei. Als Papst war er anderer An*
sieht. Joaö IV. schickte seine zweite Gesandtschaft nach Rom. Di^
wurde angenommen unter dem Vorbehalt „ohne Nachtheil ein«!
Dritten*'. Dieser Beschluss wurde aber nicht Portugal, sondern dort*
den Nuntius den spanischen Ministem mitgetheilt Diese protestirtei
aus allen Krafl;en, erklärend, der Papst wurde dadurch die Emponif
gegen die rechtmässige Obrigkeit sanctioniren und legitimiren. > ^'^
gebens wies der Nuntius auf die Worte Papst Pius IL Wn: ,Es b^
Sitte des apostolischen Stuhles, denjenigen König zu nennen, welchtr
das Konigthum besizt." Die Spanier untermischten nun Schmeicbf-
leien mit schweren Drohungen, deren Sinn war: Wir sind die Starken,
der Papst und Portugal sind die Schwachen. Der Papst möge den
S&mmt-
llche
Nothstand der Kirche in Portugal. 2S1
zahmeo Löwen nicht reizen. Die Spanier waren ja Herrn von Sicilien,
Mailand und Neapel. Gesandte Porlugal's wurden in Rom nicht zu-
gelassea; die Agenten Portagars und die Franzosen, ihre Beschüzer,
richteten nichts aus.
Es handelte sich besonders danim, die erledigten Bistbumer zu
besezen. Der Papst schlug vor, er wolle, ohne Erwähnung des Königs»
die Bischöfe ,,motu proprio^ präconisiren , welche ihm der König
Joaö IV. vorgeschlagen habe. Der Cardinal Mazarin brachte den
König Ton der Annahme dieses Vorschlags ab. Die Päpste könnten
sonst in Zukunft den Königen das Präsentationsrecht rauben. Im Jahre
1652 waren erledigt die Erzbisthumer Braga, seit 1641, Lissabon^ seit
Januar 1643, Evora, seit September 1643; die Bisthümer (Portugal, bi«^^-
Bischof von Lamego starb im Jahre 1644); Coimbra, seit Juli 1646, '^^^igj'
Guarda seit November 1640, Leiiia, seit 1647; (der lezte Bischof hatte
sich aber nach Ausbruch der Revolution nach Spanien zurückgezogen ;)
Miranda, seit 1634, Faro, seit 1649; Portalegre, seit 1638; Porto, seit
1640; Visen, seit 1639. Im Jahre 1658 starb auch der Bischof von
Elvas. Seit dieser Zeit hatte Portugal keinen einzigen Bischof. Von
einer Unterstuzung oder Hilfe durch spanische Bischöfe konnte keine
Rede sein'). Aehnlich war es in den Colonieen.
Im Jahre 1652 ermannte sich die Kirche Frankreich's, und legte
Fürbitte ein für Portugal's verwaiste Kirche. Die zu Paris versam-
melten Bischöfe richteten ein nachdräckliches Schreiben zu Gunsten
Portugal's an den Papst Innozenz X.^)
Umsonst befahl der französische Klerus seinem Agenten in Rom,
die Interessen Portugal's, wie die eigenen, zu vertreten. Vergebens
wandten sich die von Joad ernannten Bischöfe mit der Bitte an den
Papst, dass sie ihr Amt verwalten dürften. Vergebens gaben sich die
französischen Cardinäle die äusserste Mühe, der Kirche von Portugal
■) Ribeiro, Dissertades, t V. Lisb. 1886, p. 142 — 223, P. Oama, Series
episcoponim, 1873, p. 93^112.
*) Es steht in: Historia de Portugal restaurado (ad. 1640 — 1668) p. Luis de
MeneaeSj conde de Ericeyra, Lisb. 1679—1698, 2 t. 2*. — (Bd. 1 wieder abge-
druckt— 1710; Bd. IetII,Li8boa, 1751 — 1759. 2 t. in 4 vol. in 4«. — t. II, p. 393,
Ausg. V. 1751*
La restanra^o de Portugal prodigioBa, p. Gregor, de Almeida (F. Joam de
Vasoonoellos). Lisboa, 1641. 4*. Fem, Menezes, historiarnm Lnsitanar. libri X,
1640—1657; Uliaipp., 1734^ 2 vol. in 4*. — Historia della disunione del regno
de Portogallo della Corona de Castiglia, scritta da O, B, Birago^ corretta, emen-
data ed illostrada dal P. Ferd. Helevo, Amsterd., 1617 — 4*. — Histoire de la
revolntion de Portogal, par R. A, de Vertotf la Haye, 1734. — Bellum LoBitanum,
ejnsqne regni separatio a rcgiio castellensi, cum abrogatione superadjecta Alfonsi
regia Insltani; aiitb. P. üajeiano PassareUo. Lngd. 1684 2K — IT. Schäfer ^
Gesch. von Portugal, IV, p. 452—539.
280 • Dreizehntes Buch. Achtes Kapitel.
Unter der Leitung seines Oheims wurde er in die Staatsgeschifte
eingeweiht. Er war in dem Grade gemässigt , als sein Oheim star-
misch und herrschsüchtig gewesen, und erlangte einen immer grossen)
Einfluss, ohne scheinbar nach demselben zu streben.
Die Losreissung Portugal's hatte schwere kirchliche Conflikte im
Gefolge, namentlich die Befestigung einer Rom feindseligen StimmoE^
in den regierenden und einflnssreichen Kreisen Portngal*8. König Jo-
hann (Joao) ly. verlangte als solcher von Rom anerkannt zu weitko.
Diess suchte Spanien aus allen Kräften zu verhindern. JoaoIV.bofie
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suche lo im Kriege mit Spanien war. Miguel de Portugal , Bischof voo La-
megOy stand an der Spize der portugiesischen Gesandten, die im 0^
tober oder November 1641 in Rom ankamen. Zugleich kam der Mar*
ques de los Veles als ausserordentlicher Gesandter Spanien's, der die
Schritte der Portugiesen durchkreuzte. Er führte eine drohende
Sprache gegen den Papst. Alles Maass überschreitend, sammelte er
200 Banditen um sich. Es kam zum blutigen Handgemenge zwiscbei
den Spaniern , und den Franzosen und Portugiesen anderseits. Si
fielen 4 Portugiesen, 8 Spanier, und 20 wurden verwandet Der FipA
zürnte mit Recht über die Insolenz des Spaniers, der in dem Haw
eines Andern , dem sichern Zufluchtsorte aller Katholiken , mit W
achtnng der päpstlichen Heiligkeit eine Person angeg^ffen , die unter
der Zusicherung des Schuzes der Kirche in Rom weilte« Troidea
fand der Bischof von Lamego bei dem Papste weniger Gebor ab j&
Eine lezte Vorstellung blieb unbeachtet. Die Congregation der Cif-
dinäle hatte beschlossen, dass die Gesandtschaft nicht zugelaisa
werde. Nach einem Jahre vergeblichen Mühen reiste sie ab ^ 1641
Papst Urban VUI. starb am 21). Juli 1 644, und hatte Innozenz I
zum Nachfolger, Er war als Cardinal Pamfili für Znlaasong der G«*
sandtschaft gewesen, wenn Joaö IV. etwa vier Jahre regiert hatte, aock
vorausgesezt, dass er „Usurpator^ sei. Als Papst war er anderer Ab*
sieht. Joaö IV. scbickte seine zweite Gesandtschaft nach Rom. Diese
wurde angenommen unter dem Vorbehalt „ohne Nachtheil eiiK$
Dritten^^ Dieser Beschluss vnirde aber nicht Portugal, sondern dvdi
den Nuntius den spanischen Ministem mitgetheilt Diese protestirtffl
aus allen Kräfl;en, erklärend, der Papst würde dadurch die Empörtus^
gegen die rechtmässige Obrigkeit sanctioniren und legitimiren. Ver-
gebens wies der Nuntius auf die Worte Papst Pius IL hin: »Es »**
Sitte des apostolischen Stuhles, denjenigen König zu nennen, wekbtr
das Konigthum besizt" Die Spanier untermischten nun Schmeicbf-
leien mit schweren Drohungen, deren Sinn war: Wir sind die Starker..
der Papst und Portugal sind die Schwachen. Der Papst möge den
SUmmt-
llche
Notbstand der Kirche in Portugal. 281
zahmen Löwen nicht reizen. Die Spanier waren ja Herrn von Sicilien,
Mailand und Neapel. Gesandte Porlugal's wurden in Rom nicht zu-
gelassen; die Agenten PortagaFs und die Franzosen , ihre Beschüzer,
richteten nichts aus.
Es handelte sich besonders danim, die erledigten Bisthfimer zu
besezen. Der Papst schlug vor, er wolle, ohne Erwähnung des Königs»
die Bischöfe ,,motu proprio^ präconisiren , welche ihm der König
Joaö IV. vorgeschlagen habe. Der Cardinal Mazarin brachte den
König von der Annahme dieses Vorschlags ab. Die Päpste könnten
sonst in Zukunft den Königen das Präsentationsrecht rauben. Im Jahre
1652 waren erledigt die Erzbisthumer Braga, seit 1641, Lissabon^ seit
Januar 1643, Evora, seit September 1643; die Bisthumer (Portugal, siauia.
Bischof von Lamego starb im Jahre 1644); Coimbra, seit Juli 1646, ™^^,g^J
Guarda seit November 1640, Leiria, seit 1647; (der lezte Bischof hatte
sich aber nach Ausbruch der Revolution nach Spanien zurückgezogen ;)
Miranda, seit 1634, Faro, seit 1649; Portalegre, seit 1638; Porto, seit
1640; Visen, seit 1639. Im Jahre 1658 starb auch der Bischof von
Elvas. Seit dieser Zieii hatte Portugal keinen einzigen Bischof. Von
einer Unterstuzung oder Hilfe durch spanische Bischöfe konnte keine
Uede sein'). Aehnlich war es in den Colonieen.
Im Jahre 1652 ermannte sich die Kirche Frankreich's, und legte
Fürbitte ein für Portugal's verwaiste Kirche. Die zu Paris versam-
melten Bischöfe richteten ein nachdrückliches Schreiben zu Gunsten
Portugal's an den Papst Innozenz X.^)
Umsonst befahl der französische Klerus seinem Agenten in Rom,
die Interessen Portugal's, wie die eigenen, zu vertreten. Vergebens
wandten sich die von Joao ernannten Bischöfe mit der Bitte an den
Papst, dass sie ihr Amt verwalten dürften. Vergebens gaben sich die
französischen Cardinäle die äusserste Mühe, der Kirche von Portugal
■) Ribeiro, Dlssertades, t V. Lisb. 1836, p. 142 — 223, P. Oama, Series
episcoponun, 1873, p. 93 — 112.
*) Es steht in: Historia de Portugal restaurado (an. 1640—1668) p. Luis de
MtMMSj conde de Ericeyra, Liab. 1679 — 1698, 2 t. 2*. — (Bd. 1 wieder abge-
dnickt— 1710; Bd. I et 1 1, Lisboa, 1751 — 1759. 2 t. in 4 vol. in 4*. — t. II, p. 393,
Ausg. V. 1751.
La restanra^o de Portugal prodigiosa, p. Gregor, de Almeida (F. Joam de
Vaiconcellos). Lisboa, 1641. 4*. Fem. Menezes, historiamm Lnsitanar. libri X,
1640—1657; Uliaipp., 1734$ 2 vol. io 4*. — Historia della disunione del regno
de Portogallo della Corona de Castiglia, Bcritta da O, B, Birago^ eorretta, emen-
daCa ed illnstrada dal P. Ferd. Helevo, Amsterd., 1617 — 4*. — Histoire de la
revolntion de Puriogal, par E. Ä. de Vertot^ la Haye, 1734. — Bellum Ltuitanom,
ejasqoe regni eeparatio a rcgno castellcnsi, cum abrogatione suporadjecta Alfonsi
regia luaitani; aiitb. P. Cajetano PassareUo. Lngd. 1684 2K — H. Schäfer,
Gesch. von Portugal, IV, p. 452—539.
280 « Dreizehntes Bucb. Achtes Kapitel.
Unter der Leitung seines Oheims wurde er in die Staatsgeschifte
eingeweiht. Er war in dem Grade gemässigt, als sein Oheim siar-
roisch und herrschsüchtig gewesen, und erlangte einen immer grossen)
Einfluss, ohne scheinbar nach demselben zu streben.
Die Losreissung Portugal's hatte schwere kirchliche Confiikte im
Gefolge, namentlich die Befestigung einer Rom feindseligen Sümoniy ^
in den regierenden und einflussreichen Kreisen Portugal*8. Konig Jo- r
hann (Joao) IV. verlangte als solcher von Rom anerkannt za werdo. :
Diess suchte Spanien aus allen Kräften zu verhindern. JoaoIV. hofici
Forta- u. ^, ^uf Papst Urbau's VIIL bekannte Abneigung gegen die Spanier; ;
ver. er hoffte auch auf die Unterstuzung Frankreich's in Rom, das damalij
Buche in im Kriege mit Spanien war. Miguel de Portugal, Bischof von 1a*[
mego, stand an der Spize der portugiesischen Gesandten, die im
tober oder November 1641 in Rom ankamen. Zugleich kam der Mat-j
qnes de los Veles als ausserordentlicher Gesandter Spanien's, der
Schritte der Portugiesen durchkreuzte. Er führte eine drol
Sprache gegen den Papst. Alles Maass überschreitend, sammelte
200 Banditen um sich. Es kam zum blutigen Handgemenge zwiscl
den Spaniern , und den Franzosen und Portugiesen anderseits,
fielen 4 Portugiesen, 8 Spanier, und 20 wurden verwundet Der Pa
zürnte mit Recht über die Insolenz des Spaniers, der in dem Ha
eines Andern , dem sichern Zufluchtsorte aller Katholiken , mit T<
achtnng der päpstlichen Heiligkeit eine Person angegriffen, die
der Zusicherung des Schuzes der Kirche in Rom weilte« Trtndoi
fand der Bischof von Lamego bei dem Papste weniger Grehor wisfi.
Eine lezte Vorstellung blieb unbeachtet. Die Congregation der Car«
diuäle hatte beschlossen^ dass die Gesandtschaft nicht zogelasgei
werde. Nach einem Jahre vergeblichen Mühen reiste sie ab — 1&(2«
Papst Urban VUI. starb am 2U. Jnli 1 644, und hatte Innozenz X.
zum Nachfolger. Er war als Cardinal Pamfili für Znlassnng der Ge-
sandtschaft gewesen, wenn Joad IV. etwa vier Jahre repert hitte^ ao^
vorausgcsezt, dass er „Usurpator^ sei. Als Papst war er anderer An-
sicht. Joaö IV. schickte seine zweite Gesandtschaft nach Rom. Di^;
wurde angenommen unter dem Vorbehalt „ohne Nachtheil eiod,
Dritten^^ Dieser Beschluss wurde aber nicht Portugal, sondern dnrck
den Nuntius den spanischen Ministem mitgetheilt. Diese protestiitea
aus allen Krafl;en, erklärend, der Papst würde dadurch die Emporoog
gegen die rechtmässige Obrigkeit sanctioniren und legitimiren. \€i*
gebens wies der Nuntius auf die Worte Papst Pins IL bin: .Es u*
Sitte des apostolischen Stuhles, denjenigen König zu nennen, weWhir
das Konigthum besizt.^' Die Spanier untermischten nun Schmeicbf-
leien mit schweren Drohungen, deren Sinn war: Wir sind die Starken,
der Papst und Portugal sind die Schwachen. Der Papst möge den
8&mmi-
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Notfastand der Kirche in Portugal 2Sl
zahmen Löwen nicht reizen. Die Spanier waren ja Herrn von Sicilieni
Mailand und Neapel« Gesandte Portagal's worden in Rom nicht zu-
gelassen; die Agenten Portogal's und die Franzosen, ihre Beschüzer,
richteten nichts aus.
Es handelte sich besonders darum, die erledigten Bisthümer zu
besezen. Der Papst schlug vor, er wolle, ohne Erwähnung des Königs^
die Bischöfe „motu proprio^ präconisiren , welche ihm der Konig
Joaö IV. vorgeschlagen habe. Der Cardinal Mazarin brachte den
König von der Annahme dieses Vorschlags ab. Die Päpste könnten
sonst in Zukunft den Königen das Präsentationsrecht rauben. Im Jahre
1652 waren erledigt die Erzbisthümer Braga, seit 1641, Lissabon, seit
Januar 1643, Evora, seit September 1643; die Bisthümer (Portugal, Buthu-
Bischof von Lamego starb im Jahre 1644); Coimbra, seit Juli 1646, ™^^ig^J
Guarda seit November 1640, Leiria, seit 1647; (der lezte Bischof hatte
sich aber nach Ausbruch der Revolution nach Spanien zurückgezogen ;)
Miranda, seit 1634, Faro, seit 1649; Portalegre, seit 1638; Porto, seit
1640; Visen, seit 1639. Im Jahre 1658 starb auch der Bischof von
Eivas. Seit dieser Zeit hatte Portugal keinen einzigen Bischof. Von
einer Unterstüzung oder Hilfe durch spanische Bischöfe konnte keine
Rede sein'). Aehnlich war es in den Colonieen.
Im Jahre 1652 ermannte sich die Kirche Frankreich's, und legte
Fürbitte ein für Portugal's verwaiste Kirche. Die zu Paris versam-
melten Bischöfe richteten ein nachdrückliches Schreiben zu Gunsten
Portugal's an den Papst Innozenz X.^
Umsonst befahl der französische Klerus seinem Agenten in Rom,
die Interessen Portugal's, wie die eigenen, zu vertreten. Vergebens
wandten sich die von Joaö ernannten Bischöfe mit der Bitte an den
Papst, dass sie ihr Amt verwalten dürften. Vergebens gaben sich die
französischen Cardinale die äusserste Mühe, der Kirche von Portugal
■) Ribeiro, DiBsertsdes, t V. Lisb. 1886, p. 142—223, P. Oams, Series
episcoponuD, 1873, p. 93 — 112.
*) Es steht in: Hlstoria de Portugal restanrado (an. 1640—1668) p. Luis de
MtnexeSy ooDde de Ericeyra, L»b. 1679 — 1698, 2 t. 2*. — (Bd. 1 wieder abge-
druckt - 1710; Bd. letll.LiBboa, 1751 — 1759. 2 t. in 4 vol. in 4*. — t. II, p. 393,
Äntg. V. 1751.
L^ restaara^o de Portugal prodigiosa, p. Gregor, de Almeida (F. Joam de
VucoDcenoa). Lisboa, 1641. 4*. Fem. Menezes, historianim Lositanar. libri X,
1640—1657; Ulisipp., 1734^ 2 vol. in 4*. — Historia della disnnione del regno
de Portogallo della Corona de Gastfglia, scritta da O. B, BiragOy corretta, emen-
data ed illnstrada dal P. Ferd. Helevo, Amsterd., 1617 — 4*. — Histoire de la
revolotion de Portagal, par E. A. de Vertot^ la Haye, 1734. — Bellum LuBitanum,
ejoaqoe regni Boparatio a rcgno castellcnsi, cum abrogatione aupcradjecta Alfonsi
regia lositani; aiith. P. Cajeiano PaesareUo. Lagd. 1684 2^ — H. Schäfer y
Gesch. von Portugal, IV, p. 452—539.
288 Dreizehntes Bach. Neuntes Kapitel.
die Zügel der Regierang in seine Hände. Nach dem Tode des Cai-
dinals Bemard Moscoso y Sandoval') von Toledo, der an demselbeo
Tage, wie der Konig, gestorben war (f 17. September 1C65), ernannte
die Begentin den Cardinal (seit 16ö8) und Grossinqnisitor Faschalu j
de Aragon zu seinem Nachfolger*), sezte aber demselben za, sdtK
Würde als Grossinquisitor niederzulegen. Es geschah; P. Hithaid
folgte ihm in diesem Amte , »gegen die päpstlichen ConstitotioneB, ;
und die Geseze des Reichs, welche verboten , dieses so wichtige AdA
einem Ausländer und vollends einem Convertiten zu geben^^'). So
war diese hohe Gewalt, welche sogar Bischöfe erzittern machte, ii
den Händen des Fremden, wogegen Klerus und Volk laut morrteo.
Die Regentin ergriff nun den Ausweg, den P. Nithard als Sptnicf
naturalisiren zu lassen.
Spanien fand sich im tiefsten Verfall, regiert von zwei Frcmdei,-
ohne Hilfsquellen, ohne Schaz, ohne Armee; die kirchlichen Angc
legenheiten lagen, wie die staatlichen, tief darnieder. — Juan d»i
ju*n de ^^^j-^ ^ Sohn Philipp's IV., und der Schauspielerin Calderona, trtlj
(ir.) naturgemäss an die Spize der nationalen Partei. Er war geboren aj
7. April 1629. Im Jahre 1647 übernahm er die Führung der spi-;
nischen Truppen in Italien, und brachte die (unter Masaniello) abge^
fallenen Neapolitaner wieder zum Gehorsam. In den Jahren iG52--|
1664 hatte er die Leitung des Krieges gegen die Franzosen und dii{
aufständischen Catalonien Im Jahre 1656 übernahm er die Fuhn]]f .
deb Krieges in den spanischen Niederlanden gegen die Frauzo6«&:
Anfangs glücklich, erlag er, als Marschall Turenne ihm gegenüber uaU •.
am 14. Juni 1658 verlor er die Schlacht bei Dunes. Auch sein Fekl* ,
zug in Portugal endete mit einer schweren Niederlage. Nach PhOippi -^
Tode musste er zuerst der Regeutin weichen. Die Intrigoen dd
P. Nithard brachten es dabin, das er nach üonsuegra verbannt wurde, 'j
^-^— — — — ^— ^— . '
') Erzbischöfe von Toledo seit Bart Carranza, f 2. Mai 1576, waren: 15'4 <
October, Cardinal Caspar de Qairoga, f 20. November 1591; Albert, von Oetto^
reich, 1695, 3. April — resignirte 9. Juli 1598; 1598, 18. Aogust, GarcU Lot}»
Giron, f 22. Febroar 1599; 1599, 23. Juni von JaSn transferirt der beffllmte ('«
dinal Bernard Sandoval y Roxas, f 7. Deeember 1618; 1620, 5. Mai, Fefdtaaod ü.
Infant von Spanien, Cardinal im Jahre lOiO, bestfindiger Adminiatraior da £r
biathums, starb in Brfissel am 9. November 1641; Balthasar Moacoao wurde ^t^
fallB von Ju6n transferirt am 7. October 1646.
*) Er trat ein am 3. März 1666, und f anr 2& September 1677, woran/ der
Cardinal Portacarrero folgte.
') Nithard war bis zu eeincm 14. Jahre Lutheraner gewesen. -> Hiitom
general de Espafia (v. Mariana), üustrada con notas historicas y criUeaB j ooeTi«
tablaa oronologioas y critieas hasta la muerte del rey D. Carlos Ilf., p. ^ «^^
Sabau y Bianca, Madrid, 1817 — 22. — 20 t> in 4», — (t 20, p. 3).
D. Juan de Anstria, der JflDgere. 289
Da er aber auch hier von der Regentin bennrnhigt wurde, so flachtete
er nach Saragossa. Dort Hessen sich die Studenten und verschiedene
Einwohner zu Ezcessen gegen die Jesuiten fortreissen, um den Justiz- p- »*»-
mord eines Aragoniers Namens Jos^ Malladas, Agenten des D. Juan, ^ 'jo»n
zu rachen. Man behauptete, die Konigin habe ihn heimlich durch ^'^^•'
eine Oarrotte hinrichten lassen, ohne ihm kaum Zeit zur Beicht zu ^'*'
lassen, und mit oder ohne Grund, wurde P. Nithard beschuldigt, dazu
gerathen zu haben. D. Juan selbst klagte in seiner Vorstellung an
die Königin — von Torrejon aus — 4. März 1669 — den Bischof
von Plasen^ia, Diego Valladares, Präsidenten des Raths von Gastilien
und Creatur des P. Nithard, dieses Mordes an^). — Um die Fort-
schritte des D. Juan zu durchkreuzen, wurde die Inquisition gegen
ihn aufgeboten. In einem Briefe sollte er kezerische und staatsge-
fabrliche Ansichten ausgesprochen haben. Ein kleiner unblutiger
Burgerkrieg spielte sich ab. D. Juan rückte mit seinen Leuten bis ^"*»^""*
Torrejon de Ardoz, drei Leguas von Madrid, vor. Bei seiner An- *^gei/
näherung erhob sich Madrid gegen die Fremden. Die Regentin miihte ^^^^*
sich ab, ihren Beichtvater in seiner Stellung zu erhalten. Vergebens
versuchte der päpstliche Nuntius eine Vermittlung zu Stande zu
bringen*). Endlich entschlossen sich einige Granden, in dem Rathe
der Regentin auf ihre Trennung von ihrem Beichtvater hinzuarbeiten.
Allerlei Reden liefen um, dass z. B. P. Nithard zu den Granden ge-
sagt: Habt Achtung vor mir , der ich Gott in meinen Händen , und
die Konigin zu meinen Füssen habe. Der Rath der Konigin stellte
ihr also die Noth wendigkeit einer Trennung von P. Nithard vor: die
Obern der Gesellschaft Jesu ermahnten ihn zur Nachgiebigkeit, weil
sie selbst unter der gespannten Lage litten.
Man fürchtete Angriffe des Volks auf den P. Nithard; der Car-
dinal von Aragon führte ihn in seiner eignen Chaise aus Madrid fort
— 23. Februar 1669. Man bot ihm verschiedene Pensionen und Ge-
schenke an; er entgegnete: „Als armer Religiöse bin ich gekommen,
ebenso will ich das Land verlassen^ ^). Die Konigin ernannte ihn zum
ausserordentlichen Gesandten in Rom, und bat für ihn mit Beharr-
') Semanario enidito qne comprehende varias obras ineditas eriticas morales,
instmctivaSy politicas, histöricas, satiricas y jocosas de naestros mejores aatores an-
tignoB j modernos, dalos a luz D. Ant de Vallidarea y Sotomayor. Madr., 1784
— 1791, 34 vol. 4». — t. IV, p. 57 sq. p. 168. — t X, p. 244 sq. — t. XIV, p. 16.
') Papst Clemens IX. habe seinem Nuntios geschrieben, den P. Nithard zu
bewegen, Madrid freiwillig zu verfassen, sagt J. Sabau^ Mariana' 8 Fortsezer, Hi-
Btoria general de Espafia, t. 19, Madr. 1821, p. 20; p. 24 — der Papst habe aber
auch an D. Juan geschrieben, sich der Königin za unterwerfen.
') Semanario enidito, IV, p. 235. üabau, XiX, p. 26.
Oama, ipaii. Kirche. III. S. J^Q
290 Dreizehntes Bueh. NemiteB Kapitel.
Jichkeit um den für einen Spanier vorbehaltenen Cardinalshot, den er
im Jahre 1672 erhielt. Der General seines Ordens aber habe ihn bei
seiner Ankunft in Bom mit einiger Härte empfangen, da er die ihm
gegebenen Mahnungen, er möge durch seine Einmischung in die Politik
die Gesellschaft Jesu nicht compromittiren, in den Wind geschlagen habe.
§. 2.
D. Juan d'Austria wurde im Jahre 1669 Vicekönig von Ara-
gonien, welche Stellung seinem Ehrgeize eine Zeit lang genügte. Am
7. Juni (1669) war er kühn genug, an Papst Clemens IX. zo schrei-
ben, er möge den P. Nithard zwingen, allen seinen Aemtern zu ent-
sagen. Im Jahre 1675 ernannte ihn die Konigin zum Vicekönig aUer
Besizungen Spanien's in Italien, u. a., um ihn so aus Spanien zu ent-
fernen. Es gelang nicht. Der Beichtvater und der Erzieher CarPs IL
überredeten diesen, er möge, wenn er mit 15 Jahren grossjährig ge-
worden, seinen Oheim D. Juan als Bathgeber annehmen^). D. Juan
durfte zwiEtr nach Madrid kommen, sollte aber sogleich über Barcelona
nach Sicilien abreisen.
D. Juan verzögerte seine Abreise. Am 9. November 1675 sollte
D. car- D. Carlos U. die Regierung antreten. Dieser schrieb dem D. Juan,
KSnig, ci* möge in Spanien bleiben. Der junge König wurde in der nächsten
1675. 2eit durch die Partei seiner Mutter und des D. Juan hin- und her-
gezerrt» Am 27. December 1676 schrieb er dem Vicekönig von Ära-
gonien, er möge nach Madrid kommen, und ihn mit seinem Käthe
unterstüzen. Die Königin Mutter schrieb gleichzeitig an D. Juan einen
sehr freundlichen Briefe). Mit grossem Heeresgefolge machte sich
D. Juan im Januar 1677 auf den Weg. Am 14. Januar 1677 gab der
König seiner Mutter zunächst Hansarrest im königlichen Palast.
Marquia gi^ hatte ciueu Mann ihres Vertrauens, Fernando de Valenzaela«
Valen - ,
zueia. AUS dem niedersten Stande zum Granden erster Klasse von Spanien
Q^rhoben. Die Granden wie dos Volk murrten, und fanden es unbe-
greiflich^ wie sie nach den Vorgängen mit P. Nithard wieder die
öffentliche Meinung reize. Die Granden riefen: „Venezuela ist Grande^ !
O tempora, o mores! — Er war aber auch erster und einziger Mi-
nister. Es regnete Satiren und Pasquille in Rede, Schrift und Bild
gegen die Regentin und ihren Günstling. Der Marquis Valenznela
führte den jungen König in allerlei Vergnügen und Zerstreuungen ein,
u. a. in das Vergnügen der Jagd. Carlos IL wurde vermocht, einess
*) Sabau, XIX, p. 79.
') Sabati, p. 100.
Der Marquis Valenzuela; D. Juan rächt sich. 291
Haftbefehl gegen ihn zu erlassen, als Valenznela sieh im Escorial be-
fand. Antonio de Toledo, Sohn des Herzogs von Alba, und der Herzog
von Medina Sidonia worden mit 200 Reitern abgesandt Valenznela
flüchtete sich durch den Garten in das Erlöster, und bat den Prior
um ein sicheres Versteck. Hier erkrankte er, nachdem man ihn ver-
gebens gesucht. Der gemfene Chirurg verrieth, troz geleisteten Eides,
das Geheimniss dem Ant. de Toledo. Dieser brach am 22. Januar
wieder im Kloster ein. Valenzuela wurde ergriffen, und in das Schloss
von Consuegra gebracht. Später wurde er in einem Castell zu Cadix
strenge eingeschlossen. Als Staatsgefangener wurde er nach den Phi-
lippinen abgeführt. Auch sein Weib, eine Deutsche, und seine Kinder
wurden in ein Nonnenkloster zu Talavera eingeschlossen. Niemand
durfte mit ihnen reden.
Der Papst Innozenz XI. (1676 — 1689) ezcommunicirte auf Klagen
des Priors diejenigen, welche den Valenzuela den geweihten Räumen
des Klosters, welches das Asylrecht hatte, entrissen. Die Schuldigen
baten um die Absolution , welche ihnen der Nuntius Mellini mit
grosster Feierlichkeit unter den Thoren der Kirche des ,|Kaiserlichen
Colegio^ ertheilte.
Am 23. Januar kam D. Juan mit Carlos U. in Buen-Retiro zu- n. jaan
sammen« D. Juan aber erschöpfte sich in Handlungen kleinlicher ^J^^.
Rachsucht. Durch Decret vom 27. Januar liess er den Valenzuela ^'^^^
aller Würden und Ehrentitel entkleiden. Dann confinirte er die Königin
in Toledo, und gab ihr den Alcazar zur Wohnung. Bald verglich
man ihn mit Valenzuela und P. Nithard, ja gab diesen noch den Vor-
zug, weil sie keine so unbändige Rachsucht an den Tag gelegt, und
Nachsicht und Schonung gegen D. Juan bewiesen, obgleich er die
Königin stets krankte und beleidigte. „Die grossen Hoffiiungen, die
man auf ihn gesezt, zerflossen, wie der Rauch.^ Die fremden Ge-
sandten behandelte er mit GeringschäzungO- Vergebens strebte er
nach dem Titel eines Infanten, der ihm nicht zukam, und hoffte, nach
des Königs kinderlosem Tode selbst einst den Thron zu besteigen.
Den jungen König wollte er allein in seiner Hand haben, und hielt
ihn in einer Art von Gefangenschaft. Man nannte ihn „den Sohn
einer miserablen Comödiantin^. Auch gegen ihn regnete es Pasquille
jeder Art. Sein Stolz war sehr gereizt, und er liess seinen Zorn an
einigen Granden aus, denen er ohne Beweis die Angriffe auf ihn zu-
schrieb. Auf blossen Verdacht hin wurde der Admiral von Castilien,
der Herzog von Ossuna, der Fürst von Stilano, der Marquis von Man-
sera und der von Mondejar, die Grafen von Humanes und Aguilar,
*) Er bot ihnen bei Audienzen nicht einmal Size an.
19*
292 Dreizehntes Buch. Neuntes Kapitel.
und mehrere andere verbannt, wobei man härter verfahr, als es je tob
Seiten der Königin geschehen war. So worde ihre Regentschaft bo^
zurückgesehnt. Den Grafen Monterrey liess er nach Cataloni»
6chicken, weil der König Wohlgefallen an ihm hatte. Auch gega
den Nuntius und den Papst kehrte D. Juan die rauhe Seite heruij'
auch der Nuntius Mellini durfte weder in der Wohnung noch in im\
Secretariate des D. Juan auf einem Stuhle sich niederlassen, wl\
unterzog sich dieser Demüthigung. D. Juan sah, dass der Kleros ikif
überhaupt abgeneigt sei, und bezahlte ihn mit gleicher Abneigoi^.
Dem Nuntius zürnte er besonders wegen der Vor^nge nach der Si»f
haftung des Valenzuela.
„Die mindern Brüder^ vom heiligen Franc. Caracciolo woHm
con- zur Wahl eines Provinzials schreiten. Der Nuntius protegirte öd«
mit dem Caudidateu, während der Präsident von Castilien einem anders Va^
NantioB. Schub leistete. In dem s. g. Vertrag mit dem Nuntios Fachineti
Jahre 1640 war bestimmt, dass sich die Nuntien nicht in dk
gierung, also auch nicht in die Wahl der Vorsteher der Orden mi
sollten. Der Präsident, damals Domherr Juan de la Fuente von M
ledo, sandte dem Nuntius eine königliche Cedula, die ihm ?
dem Wahlkapitel anzuwohnen. Der Nuntius wollte nicht gehoi
(In der That war die Convention mit Fachineti in Kom verw
worden). Man legte ihm nun eine Strafe von 1000 Thalem aaf, o:
bar eine Beleidigung gegen den Papst. Der Nuntius klagte htÜ
Papste und König. D. Juan widerrief kmt vor seinem Tode Si
Strafe, und Carlos II. schrieb einen sehr demüthigen Brief aa i^
Papst. Aber nicht zufrieden mit dieser Genugthunng, verlangte te
Nuntius die Absezung des Präsidenten von Castilien , ond dass die^
in Person die Absolution bei dem Papste nachsuchen soUe. M-
Herzog von Medinaceli, der Nachfolger D. Juan's als erster Hini«
weigerte sich, dem Nuntius so weit nachzugeben. Doch wurde, W
sonders aus politischen Gründen, in einer hiefiir eingesezten Jaota m
Absezung und Verbannung des Präsidenten von Castilien bescfalosä«
— 12. April 1680. Er wurde aber, troz des Andrinigens desNootia^
nicht zur Busse nach Born geschickt^)«
D. Juan war seinem Sturze nahe, als ihn der Tod ereilte. Dv
Königin Mutter sollte n. a. wieder an den Hof zurückkehren. Ütf
König sagte zu den Gegnern D. Juan's: „Es bedeutet wenig, d«i
D. Juan (der Riickkehr der Verbannten) sich widersezt, ich will ^
und das genügt^*). D. Juan sah mit bitterm Herzen setnen Sten
•) ^abau, XiX, p. 174-176. ^ Vül de La FnaUe, V, p. 611-51?.
V Importa poca, qoe D. Joao se opooga; yo lo qniero j basta. Sabm, p. 1^
D. Juan'fi Fall und Tod. Cardinal Nithard. 293
erbleichen. Alle Verbannten kehrten zurück. Es wurde berathen, wie
man den D. Juan von der Leitung der Geschäfte entfernen könnte.
D. Juan erkrankte lebensgefährlich.
Am 7. September 1679 erfahr der König, dass D. Juan rettungs-
los verloren sei. Er sandte den Cardinal Portocarrero , ihn zu be-
suchen und zu trösten. D. Juan war aber gottergeben, und tröstete
selbst die Freunde , die um ihn waren. Mit der grössten Andacht
empfing er die heiligen Sacramente. Der König besuchte ihn wieder- rr. ^ ^ ^
holt. Er starb am 17. September, an demselben Tage> wie sein Vater, d. jaan
er starb mit den Worten: »Ave maris Stella". Er wurde feierlich im
Escorial begraben, sein Herz aber (nach seinem Wunsche) in der
Kapelle del Pilar in Saragossa beigesezt.
„Die Fremden, (sagen u. a. Sabau und F. Fvsnte) haben vielfach
seine' Tugenden, seine Talente, seine Geschicklichkeit in der Kunst
des Krieges und der Kegierung gerühmt. Sie stellen ihn uns (Spaniern)
dar als einen Helden von einer grossen Seele, edlen Gesinnung, und
als den lezten der grossen Männer der Dynastie Habsburg. Diese
Lobsprüche scheinen übertrieben zu sein. In Portugal, Neapel und
Flandern gab er wenige Proben seiner Geschicklichkeit. In Spanien
gab er sich, so lange er an der Spize der Geschäfte stand, nur mit
Intriguen des Hofs ab, und die öffentliche Verwaltung in allen Zweigen
kam herab, so dass, wenn er zum Unglück länger an der Gewalt ge-
blieben, er die Nation sicher zu Grunde gerichtet hätte. Er starbt
von seinen Freunden wenig bedauert, und verwünscht von seinen
Feinden. So kam es, dass P. Nithard zehn Jahre nach seinem Sturze,
und dass selbst Valenzuela dem D. Juan vorgezogen wurde ^).
P. Nithard wurde auf Andringen der Königin Mariana Erzbischof p j^^^
von Cäsarea, Cardinal im Jahre 1672, und starb als solcher zu Bom ^^r^*-
am 30. Januar 1681, 73 Jahre alt. Seine Bibliothek vermachte er dem
Collegium der Jesuiten zu Linz. Verschiedenes an ihm wird gelobt,
u. a. dass er den Streitigkeiten und der Abneigung der Universitäten
Castilien's gegen die Gesellschaft Jesu ein Ende machte. Statt die
Universität von San Isidro in Madrid auf Kosten der andern zu fär-
dern, suchte er die übrigen Hochschulen zu heben, gründete an ihnen
fixe Lehrstühle für die Schule des Snarez, und dotirte sie auf dem-
selben Fusse, wie es Philipp III. und der Herzog von Lerma auf den
Hochschulen von Salamanca, Valladolid und Alcala in Betreff der
Schule des heiligen Thomas gethan. — An Nithard wird ferner der
Gehorsam gerühfnt, mit dem er nach seiner Ankunft in Rom den
Weisungen seiner Obern sich unterwarf. In Spanien gab er einige
«) Sabau, XIX, p. 1 — 157. — La Fuenie, V, p. 506—512.
294 Dreizehntes Bach. Nenntes KapiteL
Schriften über die unbefleckte Empfängniss und yerwandte Materien
heraus *)•
§. 3.
In seinem Testamente hatte Philipp IV. verordnet, dass seiaei
Wittwe die ganze Regierung des fieichs in Händen haben sollte, bis m i
Nachfolger das 14. Lebensjahr zurückgelegt hätte. Am 6. If ovembe ISB 1
übernahm Carlos II. die Regierung. Seine Mutter sollte von da an, daA |
dem Testamente, jährlich 300.000 Thaler ,,Nadelgeld^ erhalten. WoDlt
sie sich freiwillig in irgend eine Stadt des Königreichs zurnckzieheD, s»
sollte die die Verwaltung und Gerichtsbarkeit über diese Stadt neUt
ihrem Gebiete erhalten. Freiwillig verliess die Königin Madrid nickt
im Jahre 1676; sie wurde entfernt. Sie lebte zu Toledo und An^
^°J*"**f' juez, und kehrte zu Lebzeiten D. Juan's nicht zu ihrem Sohne znmk
Königin * , • , • ■
Marian«. Als D. Juau am 17. December 1679 gestorben, ging ihr der Kuiv
entgegen, und empfieng sie am 27. September za Aranjuez. ^d
folgenden Tage zogen Mutter und Sohn unter vielen Bei&llsmfen ir
Madrid ein; die Stadt wurde drei Tage beleuchtet. Diess war id
Triumph einer Fürstin , die eine Reihe von Jahren , ja während dff
ganzen Zeit ihrer Regentschaft, so gründlich und so allgemein gehaMf[
war. Sie nahm ihren Wohusiz in dem Schlosse „Bnen - Retiro', ii^
sie die Begrüssungen entgegennahm*).
Als bald darauf Carl IL heirathete , zog sie sich am 26. Ko»
vember 1679 in den Palast der (königlichen) Räthe zurück. Sr
überlebte die erste Gemahlin ihres Sohnes, und erlebte noch deM
zweite Vermählung. Sie starb nur vier. Jahre vor ihrem Sohne,»
16. Mai 1696.
Erste Gemahlin CarPs II. war D. Maria Louise, älteste Tocbtff
Philipp's, Herzogs von Orleans, Bruders Lndwig's XIV. von Fraak
reich. Sie zählte 17 Jahre ^. Sie reiste über Imn und Burgos, «
Carl sie erwartete*). Der feierliche Einzug in Madrid war erst aa
*) Sie stehen bei Baeker, Bibliographie, i. IV (der fiHhem Anpbe).
p. 468—470.
Relation des difförends arrivös en Espagne entre D. Juan d*Ailiidie
Cardinal Nithard, jösulte. Paris, 1676; Cologne, 1677. 2 touL — P.
(S. J.), Relation de la sortie d* Espagne, du P. Everard Nitard, Jösnite,
de la reine; en espagnol et en fran^ais., Paris, 1699. — EggMy Pnipoxa doct«» L
p. 508—514.
*) Fhrez, H, p. 966 — alU redbio los besamanoa.
*) Ans Anlass der Vermählung sagt Florez: .Der ChristUehste* (
tanzte mit der .Katholiachen» (Mar. Loniae). U, p. 974.
') In BiirgoB Bohaate die Königin zum erstenmale «Stiere* (-GeMteJ^
sie .manifestirte dabei viel Vergnagen«* — la Reyna manifestö macbo pbeer, ngt
sogar ein Mann, wie Florez, II, p. 976.
Marie Louise, erste Gemshliu Carl's ir. 295
13. Janaar 1680. Nach alF den traurigen Erlebnissen eines ganzen
Jahrhnnderts mit seinen Konigen und Koniginen jubelte das Volk in
seliger und unsäglicher Freude den Neuvermählten entgegen, als sollte
der Himmel jezt sogleich auf diese Erde herabsteigen , und bleibend
sich auf ihr niederlassen. Voraus zogen sechs Trompeten und mit
martialischen Tönen verkündeten sie dem ganzen Volke Frieden und
Freude. Es folgten die Alcalden „des Hofes^^ (Madrid) j alle auf
schonen Rossen, aber in moderner Tracht. Es folgten eine grosse
Zahl Bitter der Eriegsorden , die Edlen des königlichen Hofes , die ^^® ^^'
Titelträger und Granden, welche mit einander an Pracht der Bedienten, ?. «rie
der Livreen und Galakleider rivalisirten. Es folgten die Beamten des '^*^^*
königlichen Marstalles, und des der Königin, welche der Königin voraus-
giengen, die auf einem reichen und schönen Zelter ritt; die Schleppe
trugen die Regidoren von Madrid. Die Oberkammerfrau folgte auf
einem Maulthier, ebenso die Ober-Schlüssel-Dame, dann das statt-
liche Gefolge der Ehrendamen der Königin, alle auf r^ich geschmückten
Zeltern*); jede hatte ihr zur Seite zwei Reiter, ihre Verwandte. Es
kam die grosse Zahl der Palast- Bediensteten u. s. w.^).
Die Geschichte Spanien's zeigt, dass nach dem Maasse des ab-
nehmenden Wohlstandes und National -Reichthums der Luxus und die
Verschwendung zunimmt. Diese Pracht- Entfaltung, diese Verschwen-
dung ist eine der spanischen National -Krankheiten').
Die Königin war liebevoll gegen das Volk, und wurde von ihm
geliebt. Ihre Frömmigkeit war gross; wenigstens zweimal in der
Woche beichtete und communicirte sie. „Das Reich war aber ohne
einen Thronfolger, und alle seufisten darnach, dass Gott ihn schenken
möge. Ein Jahr vergieng und wieder vergieng ein Jahr, und er wurde
nicht geschenkt^). — Sie gieng einem frühen Tode entgegen. Als sie
ihr nahes Ende fühlte, sagte sie zu dem Prior an der Kirche von
Atocha: „Padre, es ist heute der lezte Tag, dass wir uns hier sehen.^
So war es. Gottergeben sah sie dem Tode entgegen; sie sprach zu
*) Der Einzug Alfons XII. nnd der Donna Mercedes am 23. Januar 1878
war ziemlich nach demselben Zuschnitte arrangirt.
') Deren es im Jahre 180S noch 2000 waren.
') Sempere y Guarinos^ Historia del Luxe de Espafia, Madr., 1788, 2 t.—
TidcnoT-Julius^ I, p. 291. Ticknor-Wolf^ p. 188: „the Conde de Andere, who is
Supraintendlente de las Bentas, declares he is not able to find money for hia
Majestys suhsistence (aus einem Briefe Madrid d. 26. Mai 1698).
*) Ein Dichter sang damals:
Paris, bella Flor de Lis
£n afliccion tan estrafia :
Si pariB, paris k Espa&a
Si no paris, k Paris.
296 Dreizehntes Buch. Neuntes Kapitel
ihrem Beichtyater: ^Ich befinde mich im guten Frieden, und bin sehr
erfreut zu sterben.^ Sie erreichte nicht das 28. Jahr ihres Lebens, imd
starb am 12. Februar 1689, zum tiefsten Leide alles Volkes, ^dessen
einziger Trost es war, dass der Konig Nachkommenschaft haben wenie
von einer zweiten Gemahlin^'). Schon im April 1690 heirathete Carl E
seine zweite Gemahlin D. Mariana von Pfalz -Neabai^. Auch (Ücr
zweite Ehe war kinderlos, und keine Seitenlinie vrar da, welcher £e
Krone Spanien's zufallen mnsste*).
§. 4.
In der Kirchengeschichte des Spaniers Ftc de La FuenU findet
man ein Kapitel (Bd. V, §. 175): „Die Behexung Carl's IL«*). Gi»
Madrid, ja ganz Spanien glaubte nicht anders, als dass Carlos IL
durch eine ihm angethane Behexung durch die franzosische Partö
kinderlos geblieben sei. Schon der Herzog von Olivares war der Be>
hexting beschuldigt , und dieser Behexung die Unfmchtbarkeit (kr
Konigin Elisabeth schuldgegeben. Je „mehr die Nation ihrem Verfalle
entgegengieng, und die kirchlichen Studien in einen leeren Casoisma
ausarteten, verbreiteten sich solche aberglänbige Meinungen, die du
auf SteUen der heiligen Schrift stuzte, welche man willkührlich va-
legte, und auf die Aussagen von Schriftstellern , von denen die eoa
die andern citiren"*).
Der üanonicus Sabau beschuldigt den Cardinal- Erzbischof na
Toledo, Portocarrero, und den General -Inquisitor Bocaberti, Enbis^iiof
von Valencia, dass sie dieses Gewebe von Lugen angezettelt, ^wekhei
bloss in einem Lande von Wilden mit einigem Ernste habe koDoen
aufgenommen werden." Man behauptete, der Konig sei behext; ff
habe die Dämonen in seinem Leibe, und seine Gegner haben ihn is
diese klägliche Lage versezt*). Der P. Froylan Diaz*), neuer Beicht-
vater des Königs, habe diese Idee adoptirt. Er Hess den Konig darck
•) Horez, Reynas, II, p. 971—983.
•) Ibid. .II, p. 984-995.
(* Hechizamlento de Carlos II.
*) F. FumUy, p. 516.
*) Sabau- Mariana, XIX, p. 893—394. La FumJU dagegen Btgt, es tei
schwer zu glauben , dass ein solcher Diplomat und Kirchenf&rst, (wie Portocantro)
an Hexen gegUubt habe. V, p. 518.
*) Nach dem Sturz des P. Nithard bekleideten Dominikaner diese Stella
Den ersten, P. Belnz aus Salamanca — flUirte D. Juan d' Aostria ein. Er warde
abgesezt, nahm aber das Bisthum Avila nicht an. An seine SteUe kam P. B*yoiit.
Professor in AlcaU -• 1684; nach ihm kam P. Madila (Semanario erodito» t XIV.p. 5U
HexereieD; Aufläufe der grossen TheueruD>?. 297
einen deutschen Kapuziner F. Maoras Tenda*) exorcisiren. Die schreck-
lichen Anathemas, die schaurigen Vorrichtungen zu dieser heiligen
Ceremonie flossten dem Konige die tiefste Melancholie ein, welche ihn
innerlich verzehrte; seine geistige Niedergeschlagenheit schwächte die^**^^ ^''
Kräfte seines Leibes, und führte ihn dem Grabe entgegen^ ^). Der
franzosische Gesandte bediente sich dieser Lage der Dinge für seine
Pläne^ und streute, reiche Ströme von Gold unter das Volk. Die Konigin
Hess den Beichtvater verbannen, vergebens '). Unter demVorwande der
grossen Theumng wurde ein Aufstand in Scene gesezt. Das Volk erhob
vor dem Palaste des Königs drohenden Lärm, nur die französische Partei
befand sich in dem Geheimnisse. In Strassen und Häusern wiederhallte
der Uuf: ^^Es lebe der König; es sterben jene, die ilm betrügen.^
König und Königin verbargen sich. Der König sollte sich auf dem
Balcon zeigen. Man entschuldigte ihn, sagend: ^Der König schläft.^
Der Pöbel rief: „Er schläft schon lange; es ist endlich Zeit, dass er
aufwache.^ Endlich musste er sich dem Volke präsentiren und fragte,
was es wolle? Sie riefen: Brod wollen wir. Sie wurden an den Grafen
•
Oropesa, Verwalter der Proviantvorräthe, verwiesen. Wüthend langten
*) Der Name klingt nicht dentsch.
') Sabau, XIX, p. 894.
*) Nach idatiüa wnrde der Dominikaner Froilan Diaz, Professor in Alcala,
Beichtvater, der mit seinen Ezorcismen in gutem GUiuben handelte. Anf Betreiben
der Königin wnrde auch er entlassen, (es gieng das Gerücht, dass sie den König
behext habe) und der Provincial des Ordens P. Nicolaus Torres Padmota, wurde
Beichtvater des Königs. Verfolgt von dem neuen Grossinqnisitor, dem Bischof
Mendoza, flfichtete der P. Froilan nach Bom. Aber Mendoza erlangte es, dass der
königliche Hof ihn von dort reclamirte. Er wurde von Rom als Gefangener nach
Murcia geschickt. Aber die dortige Inquisition erklärte, es sei kein Grund zu seiner
Verhaftung da. Mendoza liess ihn nun nach Madrid bringen, wo er drei Jahre in
dem Kloster des heiligen Thomas von Aquin confinirt war. Die französische Partei
hatte sich seiner bedient , und liess ihn dann fallen. Der Grossinquisitor aber,
immer mehr gereizt, wollte sich an allen Bäthen de la Suprema, die sich der Ver-
haftung Froilans widersezt, rSchen, liess drei derselben ergreifen wegen Mangels an
Respekt gegen ihn; zwei Hess er pensioniren, und verbannte den dritten. Der
Rath ,|de la Suprema* klagte gegen seinen PrSsidenten. Es wurden verschiedene
Junten gehalten. Zulezt wurde die Entscheidung am 24. December 1703 dem
obersten Rathe von Castillen fibergeben. Dieser beschloss vollzählig und einmüthig :
es sei das Vorgehen des General -Inquisitors notorisch ungerecht, nichtig und ge-
waltthätig. Der Bischof Mendoza musste erliegen; als er nicht freiwillig gieng,
zwang ihn Philipp V. im Jahre 1705 zu gehen. Er kehrte in sein Bisthum Segovia
zurfick. Er starb erst im Jahre 1727, und wenigstens ihn hat, wie so manchen
Andern, die königliche Ungnade das Leben nicht gekostet Er war vielmehr ,,der
Decan* der Bischöfe Spanien's seiner Zeit. — Nach seiner Absezung brachten ihn
dio Inquisitoren in ihr Verzeichniss der Personen, welche der Häresie verdSohtig
wären. Id&rente, l'histoire de Tlnquisition, chap. 26, t II, p. 525^526, chap.
39—40 (t. IV, p. 1—46; s. oben, S. 88).
298 Dreizehntes Bach. Nenntes Kapitel.
sie bei seinem Hause an, planderten nnd yerwüsteten es; mit Hnb^
rettete Oropesa sein Leben. Als 200 Reiter in Madrid einzogen , zer
stob der Pöbel nach allen Winden. Aber auch die Hänser d
Minister , die als Anhänger Oesterreich^s galten , waren geplündert
worden. Insulten wurden gegen die Konigin und den BeichtTa&r
des Königs ausgcstossen. Die Anstifter der Bande aber eiiangts,
was sie wollten; der Graf von Oropesa und der Admiral von C«>
lien, welche als Häupter der österreichischen Partei galten, wurdts
vom Hofe verwiesen.
§. 5.
Carl 11. Portocarrero, jezt Führer der französischen Partei, gewann die
Krben. Oberhand. Es gelang ihm aber iioch nicht, des Königs Zuneigung z»
Oesterreich zu überwinden. Er schlug einen sehr schhiuen Weg eiiL
Er machte den König glauben, dass ein so delicates Geschäft, vir
die Wahl eines Nachfolgers, durch den Papst entschieden werk
müsste , und dass hiebei sein Seelenheil in Gefahr stehe. Carl IL
sandte den Grafen Uceda nach Rom. „Obgleich ich,*' sagt« id
König, „meinem Stammhause zugethan bin, so ist doch mem ewige»
Heil in meinen Augen kostbarer, als alle Familienbande^ ^). Schetnlir
mit Widerstreben nahm Papst Innozenz XH. (1691 — 1700), von (i«a
man glaubte, dass er dem Hause Oesterreich abgeneigt sei, diese i^i-
gelegenheit an, und überwies dieselbe den Cardinälen Albano, &r^
nola und Espada, welche alle drei Frankreich ergeben waren. Kk^
einer Verhandlung von 40 Tagen gaben sie ein Frankreich güitftg^
Gutachten« So entschied auch der Papst ^ welcher n. a. an Carl IL
schrieb : „Eurer Majestät kann es nicht unbekannt sein , dass dir
Söhne des Dauphin von Frankreich die legitimen Erben der Krcoe
^«' (Spanien's) sind, und weder der Erzherzog (Carl), noch ii^d ^
soll ent- Individuum des Hauses Oesterreich darf ihnen das mindeste Hiodo^
■^•*' niss in den Weg sezen. Je wichtiger diese Thron -Nadifolge ist,
um so schmerzlicher wäre die Ungerechtigkeit, die legitimen Erb«
auszuschliessen , und dadurch die göttliche Bache auf Euer BaQ[<
herabzuziehen'^ *).
Diese Entscheidung — war für den ebenso furchtsamen, *^
religiösen König — entscheidend. Der Staatsrath wurde zu Kalk
*) AuDqne afectö a mi casa, mi salvacion etema es k mis ofo« maa pado»
que todos loa vinculos de mi familia. Es giebt in der Geaehidite eineo Carl do
Dicken und einen Carl den Einfältigen. D. Carloa U. iat zugleich Oari dar So-
müge IL
*) Atrayendo sobre vaestra frente la venganza Celeste.
Testament CarFs IL 299
gezogen, und sprach sich in seiner Mehrheit für das Haus Bourbon
aas. Nur zwei von den Stimmberechtigten schhigen zur Losung des
Problems die Berufung der Cortes vor. Aber seit 1665 hatte es keine
Cortes mehr gegeben. Wie sehr war in Spanien Alles zuriickge-
gangen seit den Zeiten des berühmten Compromisses von Caspe (1412? ')
Unter diesen Eindrücken, und mit Zurücksezung der Königin und der
österreichischen Partei formulirte Carl IL sein (drittes) Testament,
worin er das Haus Ocsterreich ausschloss und die Krone von Spanien
dem Hause Bourbon vermachte. Eine ganze grosse Nation wurde, niesp»-
ohne vorher im Mindesten gefragt worden zu sein, testamentarisch ver- krank-
macht, und sollte von nun an Gut und Blut für das Haus Bourbon ^^^^^
verschwenden und versprizen. Es war mit Ruthen geschlagen worden, „^j^t.
es wurde nun mit Scorpionen gezüchtigt.
Da wir einer vollendeten Thatsache gegenüber stehen, so wollen
wir hier auf die rechtlichen Ansprüche des Hauses Oesterreich und
Bayern nicht eingehen. Ohnedem entschied nicht das Testament, son-
dern die Waffen zu Gunsten Ludwig's XIV. Wenn aber auch der
Erzherzog Carl als Carl UI. den Thron von Spanien bestiegen, so
hätte er doch nach dem frühen Tode seines Bruders Joseph I. nach
Oesterreich zurückkehren, und Spanien hätte einen neuen König
suchen müssen.
Das Testament Carl's IL ist aus Madrid vom 21. October 1700
datirt^. Am 26. October trat ein neuer schwererer Krankheitsanfall des
Königs ein. Am 29. October wurden für den Fall seines Ablebens
als Mitglieder der Kegentschaft — der Cardinal Portocarrero, die
Präsidenten der Bäthe von Castilien , Aragon , Italien und Flandern,
D. Manuel Arias, der Herzog von Montalto, der Marques von Villa-
franca, der Graf von Monterey, und der mehrerwähnte Generalinquisitor
Balthasar Mendoza gewählt Später kamen noch die Grafen von Bena-
vente und Frigiliana dazu. Die Königin erlangte nichts, als einfaches
Stimmrecht im Staatsrath. Die Beschlüsse sollten gemäss der Mehrheit
der Stimmen gefasst werden. Aus ihrer Verbannung sollten die Grafen
von Monterey, von Banos, der Admiral von Castilien, der Herzog von
Montalto, der Graf von Oropesa zurückkehren. Lezterer aber war
dem Cardinal unbequem, und er hintertrieb seine Zurückberufung. Am
1. November 1700 starb Carl 11. im Alter von 39 Jahren, sanft und
gottergeben. Er wurde beklagt von seinem Volke, .dessen Lasten er
stets zn erleichtern strebte, dessen Abgaben er verminderte. Hätten
nicht die Kriege ihn verhindert, dem Drange seines Herzens zu folgen,
') JaneTf £1 Compromiso de Gaspe, Madrid^ 1851.
') Eb steht vollständig bei Sabau , Testamento de Garlos IL, XIX,
p. 401-424.
398 Dreizehntes Buch. Nenntes Kapitel.
sie bei seinem Hause an, plünderten und verwüsteten es; mit Mühe
rettete Oropesa sein Leben. Als 200 Reiter in Madrid einzogen, zer-
stob der Pöbel nach aUen Winden. Aber auch die Häoser der
Minister, die als Anhänger Oesterreich's galten, waren geplündeft ,
worden. Insulten wurden gegen die Konigin und den Beichtfttr {
des Königs ausgcstossen. Die Anstifter der Bande aber erlaogtai, :
was sie wollten; der Graf von Oropesa und der Admiral von Casb-
lien, welche als Häupter der österreichischen Partei galten, wmda '.
vom Hofe verwiesen.
§. 5.
Carl II. Portocarrero, jezt Führer der französischen Partei, gewann diij
i^iMn. Oberhand. Es gelang ihm aber noch nicht, des Königs Znneigang
Oesterreich zu überwinden. Er schlug einen sehr schlauen We^
Er machte den König glauben, dass ein so delicates Geschäft,
die Wahl eines Nachfolgers, durch den Papst entschieden wei
müsste, und dass hiebei sein Seelenheil in Gefahr stehe. Carl
sandte den Grafen Uceda nach Rom. „Obgleich ich ,^^ sagte
König, „meinem Stammhause zugethan bin, so ist doch mein ewig(
Heil in meinen Augen kostbarer, als alle Familienbande^ *). Schon!
mit Widerstreben nahm Papst Innozenz XH. (1691 — 1700), von di
man glaubte, dass er dem Hause Oesterreich abgeneigt sei, diese
gelegenheit an, und überwies dieselbe den Cardinälen Albano,
nola und Espada, welche alle drei Frankreich ergeben waren, ^*i
einer Verhandlung von 40 Tagen gaben sie ein Frankreich güi
Gutachten. So entschied auch der Papst, welcher u. a. an Carl
schrieb : „Eurer Majestät kann es nicht unbekannt sein , dass
Söhne des Dauphin von Frankreich die legitimen EIrben der Eroi
^«' (Spanien*s) sind, und weder der Erzherzog (Carl), noch irgend
soll ent- Individuum des Hauses Oesterreich darf ihnen das mindeste
*^^^' niss in den Weg sezen. Je wichtiger diese Thron -Nachfolge i
um so schmerzlicher wäre die Ungerechtigkeit, die legitimen
auszuschliessen , und dadurch die göttliche Kache auf Euer Ha*
herabzuziehen^' *).
Diese Entscheidung — war für den ebenso furchtsamen,
religiösen König — entscheidend. Der Staatsrath wurde zu
*) Annqne afectö a mi casa, mi salvaoion etema es k mis ofot mas
que todoB los vinculos de mi familia. Es giebt in der Geschichte einen Carl
Dicken und einen Carl den Einfältigen. D. Carlos II. ist zugleich Gari der Ei^
fEltige IL
*) Atrayendo sobre vaestra fronte la venganza Celeste.
NicoUoa Antonfo. 301
§. 7.
Nicolaas Antonio, geb. zn Sevilla am 28. Juli 1617, studirte in Sala-
manca besonders Geschichte und canonisches Recht. Nach seiner Rückkehr
nach Sevilla — lebte er wie vorher, im Benedictinerkloster, angezogen
durch die reiche dort befindliche Bibliothek, ohne jedoch selbst in den
Orden einzutreten. Erst im Jahre 1659 trat er mit der Schrift: „Ueber
die Verbannung als Strafe^) hervor. Philipp IV. sandte ihn in dem-
selben Jahre als seinen ersten Geschäftsträger nach Rom. Dass er
entschiedener Regalist (d. i. antirSmisch) wurde, mag zum Theil daraus
sich erklären. In Rom war er an 20 Jahre. Er sammelte dort eine
Bibliothek, besonders spanischer Werke, die gleich nach der vaticani-
sehen genannt wurde. Um das Jahr 1679 kehrte er nach Madrid
zurück, wo er noch mehrere ehrenvolle Aemter bekleidete, und da-
selbst am 13. April 1684 starb. Im Jahre 1649 begann er an seinem
grossen Werke der „spanischen Bibliographie" zu arbeiten. Er ar-
beitete daran zu Sevilla, zu Madrid und besonders zu Rom. Zu seinen
Lebzeiten wurde nur derjenige Theil seines Werkes gedruckt, welcher
später „Bibliotheca nova^^ hiess. Sie enthält die Biographien, besonders
die Werke und Ausgaben der Werke der spanischen Schriftsteller,
welche in den Jahren l&OO — 1672 gelebt und geschrieben haben. Das
Werk ist alphabetisch geordnet, aber nach der spanisch- portugiesischen
Unsitte, nicht nach den Familiennamen, sondern nach den Taufnamen.
Wer also einen Schriftsteller finden will, muss seinen Taufnamen
wissen. Das Werk selbst aber ist ausgezeichnet; ja es ist fraglich,
ob die Literatur irgend eines andern Volkes vor dem Jahre 1672 ein
ähnliches Werk aufzuweisen hat. Dass aber jezt 206 Jahre verflossen
sind, ohne dass in Spanien ein Fortsezer dieses Werkes aufgestanden
wäre, das presst uns den Ausruf ab: O tempora, o mores!
Die Bibliotheca Hispana nova erschien zu Rom 1672 2 t. —
fol. — Erst zwölf Jahre nach dem Tode des Antonio erschien gleich-
falls in 2 t. 2® „die Bibliotheca vetus^. Dieselbe enthält die
spanischen und auch die portugiesischen (etwa 1300) Schriftsteller, von
der Zeit des Elaisers Augustus an bis zum Jahre 1500, nicht alpha-
betisch, sondern nach der Zeitfolge dargestellt Dieses Werk wurde
gleichfaUs zu Rom in zwei Folianten gedruckt — 1696, besorgt von
Emmanuel Marti, Decan von Alicante, auf Kosten des Cardinais
Aguirre, Zöglings und Freundes des Antonio. — Hundert Jahre später
erschien eine neue prachtvolle Ausgabe der vier Bände; der „alten
*) De ezilio sive de ezilii poena exnlainqtie conditione et jariboB. Ant-
werpen, 1659, 2\
. <
398 Dreizehntes Bach. Neuntes Kapitel.
sie bei seinem Hause an, plünderten und verwüsteten es; mit Muhe
rettete Oropesa sein Leben. Als 200 Keiter in Madrid anzogen, zer-
stob der Pöbel nach allen Winden. Aber auch die Häoser der
Minister y die als Anhänger Oesterreich's galten, waren geplüodot
worden. Insulten wurden gegen die Konigin und den Beichtnir
des Königs ausgostossen. Die Anstifter der Bande aber erlangto,
was sie wollten; der Graf von Oropesa und der Admiral von Ctfb-
lien, welche als Häupter der österreichischen Partei galten, woida
vom Hofe verwiesen.
§.5.
Cftri II. Portocarrero, jezt Führer der firanzösischen Partei^ gewann d
i^ben. Oberhand. Es gelang ihm aber noch nicht, des Königs Zuneigung
Oesterreich zu überwinden. Er schlug einen sehr schlauen Weg
Er machte den König glauben, dass ein so delicates Geschäft,
die Wahl eines Nachfolgers, durch den Papst entschieden we
müsste, und dass hiebei sein Seelenheil in Gefahr stehe. Carl
sandte den Grafen Uceda nach Rom. „Obgleich ich,^' sagte
König, „meinem Stammhause zugethan bin, so ist doch mein ewig
Heil in meinen Augen kostbarer, als alle Familienbande^ *). Schml
mit Widerstreben nahm Papst Innozenz XU. (1691 — 1700), von d
man glaubte, dass er dem Hause Oesterreich abgeneigt sei, diese
gelegenheit an, und überwies dieselbe den Cardinälen Albano,
nola und Espada, welche alle drei Frankreich ergeben waren. N
einer Verhandlung von 40 Tagen gaben sie ein Frankreich güosi
Gutachten. So entschied auch der Papst, welcher n. a. an Carl
schrieb : „Eurer Majestät kann es nicht unbekannt sein , dass
Söhne des Dauphin von Frankreich die legitimen Erben der
^®' (Spanien's) sind, und weder der Erzherzog (Carl), noch ii^end
soll ent- Individuum des Hauses Oesterreich darf ihnen das mindeste
■^«^' niss in den Weg sezen. Je wichtiger diese Thron -Nachfolge
um so schmerzlicher wäre die Ungerechtigkeit, die legitimen
auszuschliessen , und dadurch die göttliche Rache auf Euer Um
herabzuziehen^' *).
Diese Entscheidung — war für den ebenso furchtsamoi;
religiösen König — entscheidend. Der Staatsrath wurde zu
') Annque afectö a mi casa, mi salvaeion etema es k mis o{off noB pi
qne todos los vinoulos de mi familia. Es giebt in der Geachiofate einen Cari
Dicken und einen Carl den Einfältigen. D. Carlos II. ist zogleieh Gvl der
föltige IL
') Atrayendo sobre vnestra fronte la veoganui Celeste.
Der doppelte Nicoisns Antonio. 303
tafeln geschehen. Feind der Pseudo- Chronisten nnd Freund der Blei-
tafeln von Granada zn sein, waren Dinge, welche sich gleichmässig
mit der Moral des N. Antonio vertrugen, welche, wenn man sie nach
dieser Thatsache beurtheilt, allzuweitherzig war^ '). Es scheint über-
haupt, dass die römische „aria cattiva^ (schlechte Luft) einen sehr ver-
schlimmernden Einfluss auf Geist und Herz der spanischen Geschäfts-
träger in Rom ausübte.
*) Ser enemigo de los cronicones y protector de los plomos granadinos,
erao cosas que parece cabian dentro de la raoral de don Nicolas Antonio, que k
iozgar per este hecho, debia de ser un tanto demusiado latitudinaria. — J, Oodoy
Mcatäara, p. 278.
398 Dreizehntes Bach. Neuntes Kapitel.
sie bei seinem Hause an, plauderten und Terwüsteten es; mit Muhe
rettete Oropesa sein Leben. Als 200 Beiter in Madrid anzogen, zer-
stob der Pöbel nach allen Winden. Aber auch die Häuser der
Minister j die als Anhänger Oesterreich's galten , waren gepIöodM
worden. Insulten wurden gegen die Konigin und den Beichtn^
des Königs ausgestossen. Die Anstifter der Bande aber erlangio,
was sie wollten; der Graf von Oropesa und der Admiral von Caeo- j
lien, welche als Häupter der österreichischen Partei galten, wnideij
vom Hofe verwiesen.
i
I
§.5. 1
I
Cftri II. Portocarrero, jezt Führer der französischen Partei^ gewann diij
i^ben. Oberhand. Es gelang ihm aber noch nicht, des Königs Zuneigung
Oesterreich zu überwinden. Er schlug einen sehr schlauen Weg
Er machte den König glauben, dass ein so delicates Geschäft,
die Wahl eines Nachfolgers, durch den Papst entschieden wer
müsste, und dass hiebei sein Seelenheil in Gefahr stehe. Carl
sandte den Grafen Uceda nach Rom. „Obgleich ich,^' sagte
König, „meinem Stammhause zugethan bin, so ist doch mein ei
Heil in meinen Augen kostbarer, als alle Familienbande^ *). Schont
mit Widerstreben nahm Papst Innozenz XU. (1691 — 1700), von d<
man glaubte, dass er dem Hause Oesterreich abgeneigt sei, diese
gelegenheit an, und überwies dieselbe den Cardinälen Albano,
nola und Espada, welche alle drei Frankreich ergeben waren, h
einer Verhandlung von 40 Tagen gaben sie ein Frankreich güi
Gutachten. So entschied auch der Papst, welcher n. a. an Carl
schrieb : „Eurer Majestät kann es nicht unbekannt sein , dass
Söhne des Dauphin von Frankreich die legitimen EIrben der
^^^ (Spanien's) sind, und weder der Erzherzog (Carl), noch irgend
soll ent- Individuum des Hauses Oesterreich darf ihnen das mindeste
schei. nigg IQ Jen Weg sezen. Je wichtiger diese Thron -Nachfolge
um so schmerzlicher wäre die Ungerechtigkeit, die legitimen
auszuschliessen , und dadurch die göttliche Rache auf Euer Hai
herabzuziehen^' ^).
Diese Entscheidung — war für den ebenso furchtsamea,
religiösen König — entscheidend. Der Staatsrath wmtle zu
') Annqne afectö a mi casa, mi salvaeion etema es k mis ofo« mts ^ndf^
qne todos los vinoulos de mi familia. Es giebt in der GeBddohte einen Ciri <)
Dicken und einen Carl den Eiofaltigen. D. Carlos IL ist zogleieh Gvl der Ea-
faltige IL
*) Atrayendo sobre vaestra freute la veoganza Celeste.
Der Legat Petras von Foix. 303
6 Solidi. Der Bischof von Gerona mit seiner Diocese wnrde taxirt
1 22,397 Pfand, wofür er 2239 Pftind, 14 Solidi bezahlte. Der von
ATcelona sollte für 16,437 Pfand, 10 Solidi, 1645 Pfund, 16 Solidi
stahlen. Der von Lerida bezog 13,717 Pfiind von Jacca'). Dafür
sahlte er in MSnze von Barcelona 1641 Pfund, 18 Solidi. Der Bi-
faof Ton Valencia bezahlte für 19,256 Pfand, 8 Solidi — 1927 Pfund,
) Solidi. Der Bischof von Urgel zahlte für 10,368 Pfund — 1927
hnd, 10 Solidi*). Die Abtei von Ager mit ihren Unterthanen wurde
I 2500 Pfand geschäzt , und bezahlte 260 Pfund. Der Bischof von
allorca zahlte für 9730 Pfand, 10 Solidi — 973 Pfund. Der Bischof
n Eloa — bei 22,402 Pfund, 8 Solidi — bezahlte für Zehnten 2240
Qod, 4 Solidi, 2 Pfennige *).
Der Synode von Tarragona vom Jahre 1424 folgte im fünfzehnten
hrhonderte keine weitere nach. Ueber ein Jahrhundert, bis 1529,
irde hier kein Concil gehalten. Ein neues Zeitalter der Tarraconen-
chen Synoden wurde aber erst mit dem Concil von Trient im Jahre
64 erofihety ein Zeitalter, das an zwei Jahrhunderte fortdauerte, am
on einem neuen Jahrhunderte und darüber der Unthätigkeit Plaz zu
ichen.
Bis jezt hatte man den entscheidenden Antheil nicht gekannt,
Ichen die Bischöfe Cataloniens an der Ausrottung des langen Schis-
1*8 hatten. Das Hanptverdienst hatte man dem Papste Martin V.,
m Eonige Alfons V., und dem päpstlichen Legaten Cardinal Peter
n Foix, der seit 1425 in Aragonien weilte, zugeschrieben. Durch die
node von 1424 wissen wir, dass das Schisma weder beim Clerus
ch beim Volke die mindeste Unterstfizung fand, dass Aegidius Munoz
«nso vereinsamt war, als isolirt das Felssennest Penniscola ist, auf
m er sass.
Fast das ganze Jahr 1425 weigerte sich der Konig, den Cardinal
m Foix, der zudem sein Verwandter war, als päpstlichen Legaten in
ragonien zuzulassen. Erst am 2. November 1426 wurde er anerkannt.
*afar verlangte aber Alfons V« sogleich verschiedene Gegengaben, die
1 TerwiUigen der Legat nicht die Vollmacht hatte. Alle Schritte des
«gaten blieben anfruchtbar, und derselbe kehrte am 1. Mai 1427 in
^ine Heimath Foix zurück.
0 W/ras Jaquesas,
*) debe haber equivoeacian, eagt Tejada. VI, 113, vielleicht 1027 Pfund.
*) TgadOy VI, 103^118, Uebersezung aus dem Berichte des Dalmatiiis Ra-
^ über die Syaode von 1424.
OuM, tpftn. KIreli«. III. 1, 20
306 Zwölftes Bach. Erstes Kapitel.
Jczt berief ihn der König wieder, erklärend, er möchte ihn ediei
DerCar- Und er zichc es vor, mit ihm eher als mit jedem Anderen über die An
F^trui gcI^g^^^^^^^Q ^^^ Kirche zu verhandeln. Am 14. Angoat 1427 wa
V. Foix der Legat in Tortosa, am 23. kam er nach Valencia, wo der Köoi
^^' damals weilte. Der Erzbischof von Tarragona, die Bischöfe Ton (k
rona, Catania ^auf Sicilien) und Perpignan, sehr viele Aebte, Doctore
der Kirche huldigten dem Legaten. Selbst der Konig, begleitet to
dem Erzbischof von Lissabon, Petrus de Noronha, der damals zogege
war, gieng ihm mit seinem Hofstabe entgegen. Der Konig gieng zb
Linken des Legaten. Alles schien vortrefflich zu verlaufen. Weil abe
der Legat anschlagen Hess, dass er allen es Wünschenden Audienzen er
theilen würde, war der König hochlich beleidigt, und er Hess mitkli
Trompeter und Herold in der ganzen Stadt ausrufen, keiner seiner Vi
sallen solle es wagen, in Gerichtssachen Recurs bei dem apostoliscka
Delcgirten zu ergreifen, oder sich nach Entscheidungen dessdbeon
richten, unter den schwersten Strafen. Die Bischöfe und PriUateo mg
ten den Legaten gar nicht mehr zu besuchen. Durch sein kluges mi
festes Benehmen gelang es aber diesem, den Zorn des Königs allaa^
zu besänftigen. Zulezt schlössen der Konig und der Legat einen V»
trag, des Inhalts: 1) Der Konig verspricht, den Aegid Munoz undseoi
Anhänger zur Unterwerfung unter die Kirche zu bringen, oder mit G»
walt gegen sie einzuschreiten. 2) Der Konig will alle seine Edicte 0.I1
gegen Papst Martin V« und den Legaten desselben anfheb^i, anch du
zu Valencia unter Trompetenklang ausgerufene Edict. 3) Er eriuM
den Sammlern der apostolischen Kammer ungehindert alle Fruchte oni
Einkünfte der apostolischen Kammer in seinem Reiche zu bezidies.
4) Er verspricht, die kirchlichen Freiheiten und Immunitaten unangeti«!
zu lassen. — Auch der König stellte seine Gegenforderungen, ofitei
anderem wollte er die Einkünfte der eben erledigten Bisthümer YaleBcii
und Segorve beziehen. Er verlangt, dass ihm für seine Auslagta >■
die Ruhe der Kirche eine Summe von 150,000 aragonischen 6oIdgal<M
gegeben werde. Er verlangt, dass der Papst den Orden von Uootesi
nach Sicilien übertrage. Der Papst möge zwei von dem Konige t«»
geschlagene Personen als Cardinäle erwählen. Der Cardinal gieog ni
diesen Vorschlägen nach Rom, wo er am 7. Januar 1488 ankam. iM
28. Januar 1429 wurde der Cardinal mit erweiterten Vollmachten x^
ruckgesandt. Am 1. Mai 1429 kam er in seiner Heimath Foix an. Aa
Vor- 12. Mai wurde er in Barcelona von dem Konige mit allen Ehren eiitf
^hand^ Legaten, wie vorher in Valencia, empfangen. Der Konig sandte d«
mit Don Alfons de Borja, nachmals Papst Calixt III., und seinen Secre^
Äf!fn^ ^^^"C" Ariüo, um mit Aeg. Munoz über ihre Vereinigung mit ift^
Kirche zu verhandeln. Am 10. Juni begab sich der Legat nacb Cak'
tayud. Am 15. Juni wurde hier eine neue „Concordia" gescblossc*
noi.
I
Ende des Schisma, Juli — August 1429. 307
Aber der Konig machte wieder die grossten Schwierigkeiten, nnd der
Legat wollte nach Foix zurückkehren. Die ganze Nacht vom 16. bis
17. Juni brachte der Legat im Gebete zu. Noch einmal suchte er den
Konig auf, und der Konig zürnte und trozte. Da aber (auch) das
Herz der Konige in der Hand Gottes ist, so gab derselbe plozlich
nach, „indem Alle, und auch der Konig, dieses einem grossen Wunder
und dem Dazwischentreten des Himmels zuschrieben.^
Am 27. Juni ergieng der gemessene Befehl des Königs an Aegid.
Mnnoz und die Seinigen, sich zu unterwerfen. Am 26. Juli entsagte
Munoz seinem Titel als Papst Clemens VIU. Diess geschah mit aller
Feierlichkeit. Er sass auf seinem angeblichen päpstlichen Stuhl; um
ihn seine vier Cardinäle und sein Hofstaat. Zwei seiner Cardinäle hatte
er einsperren lassen, angeblich, weil sie ein neues Schisma gegen ihn
selbst planten.
Am 26. Juli also sprach der „Papst^ mit lauter Stimme, „dass
er zur Beruhigung seines Gewissens, und des Gewissens aller derer, U'>^<^'-
welche ihm gehorchten, alle Processe, Urtheilssprüche, jeden von ihmai^^^n
geschleuderten Bann, alle Censuren, Absezungen, Unfahigkeits-Erklä- P»pita.
rungen, verkündigt von seinem Vorgänger Benedict XHl, und ihm
selbst, besonders gegen Otto Colona (Martin V.) widerrufe. In einer
feierlichen Urkunde verzichtete er auf sein „Pontificat.^ Je klarer seine
Rechte seien, um so loblicher erscheine es ihm, für die Einheit der
Kirche auf sie zu verzichten. „Aus der Fülle seiner apostolischen Ge-
walt^ verzichtet er auf sie, in Gegenwart seiner Cardinäle, in Gegen-
wart des Alphons von Borja, Käthes des Königs von Aragonien, und
des Pontius von Ponce, der Gesandten des Königs, vieler Prälaten und
angesehener Männer.
Sogleich traten jezt die Cardinäle Julian de Loba, Bischof von
Ostia, Franz Rovira, Cardinalpriester vom heiligen Clemens, und Aegi-
dius Munionis, Cardinaldiakon der heiligen Maria in Cosmedin, welche
zusammen das heilige CoUegium der Cardinäle bildeten, in Folge der
Erledigung des päpstlichen Stuhles durch die Abdankung des Aegidius
Munoz, zu der Wahl eines neuen Papstes in das Conclave ein, ver-
schlossen dasselbe, und Hessen es mit Wachen umgeben, und machten
einstimmig den Herrn Odo von Columna, von seiner Obedienz Martin V«
genannt, zum romischen Papste; sie sezten voraus, dass er die auf ihn
gefallene Wahl annehmen werde, und Martin V« genannt werden wolle.
Die Burg Pcnniscola horte nun auf, Siz des Schisma zu sein.
Aegid. Munoz und die Seinigen stiegen von ihr herab, und kamen in
die Villa San Mateo — 13. August'). Im Palaste des Magisters von
*} Das alte Intibilis, im Bisthamo Tortosa«
20
308 Zwölftes Bach. Entes Kapitel.
Montesa traten sie am 14. August vor den Legaten. Aegidios Mnnoa
erklärte dem Cardinal, dass er und die Seinigen hieher gekommen, oni
ihm, als dem Stellvertreter ihres Herrn, des Papstes Martin Y., Ehr-
furcht, Gehorsam und Treue zu erweisen. Der Legat nahm die Hiad<
des Aeg. Munoz in seine eigenen, und fragte: „Versprecht ihr in meim
Hand, fortan dem Papste Martin V. und seinen rechtmassigen Nach-
folgern treu zu sein?'' Die Gefragten antworteten: Sic ero — wir wer-
den treu sein. Der Legat absolvirte nun den Munoz and die Uebrigea
von allen Strafen und Gensuren, und nahm sie wieder in die
Kirche auf.
Der Der Legat begab sich jezt nach Tortosa, wohin er auf dea
Legat In ^Q^ September eine aragonische Generalsynode berufen hatte. Der
1429. ' Cardinal eroffiiete das Concil am 19. September in der Cathedrale.
Der Legat erklärte, er sei aus vier Gründen nach Spanien gekommeA,
zur Austilgung des Schisma, der Versöhnung des Königs mit dem
Papste, zur Wiederherstellung der kirchlichen Freiheit, ond zur Kefor«
mation des kirchlichen Lebens. Die ersteren drei Aufgaben seien ge-
lungen. Die Synode möge sich nun mit Eifer der Befonnatioo der
Sitten widmen.
In der zweiten Sizung, wahrscheinlich am 26. September, wordeo
Commissionen zur Prüfung der Vorschläge far die Reform gewiUi
Die dritte Sizung, am 11. October, musste wegen Krankheit des Lc*
gftten im Speisesaale des Bischoflichen Hauses gehalten werden. Die
ohne Entschuldigung Ausgebliebenen wurden als Widersiwnstige er-
klärt. Der Legat sagte, dass er fünf Jahre an der BeendigoDg de;
Schisma, und der Aussöhnung des Königs mit Papst Martin V. gear-
beitet. 'Er habe dem Könige eine Summe von 150,000 Goldeo ifl
Namen des Papstes versprechen müssen. Der Papst sei aber doncL
den Krieg in Böhmen und wegen Bologna, das abgefiülen war, selr
in Anspruch genommen. Das Concil möge nun die Summe rot
150,000 Gulden geben. Der Legat habe durch eigne Bulle des Papstes
die Vollmacht, den Clerus zu besteuern. Die Prälaten mögen nun fren
willig thun, was sie sonst gezwungen thun m&ssten.
Synode -^^ ^" Novcmbcr erklärten Deputirte des Concils dem vma
▼on noch kranken Legaten, sie wollen, troz der schweren Zeiten and der
"*' Armuth des Clerus, dem Papste mit 50,000 Gulden beispringen, delBL^
gaten aber für seine langen Mühen und Auslagen 23,000 Goldgoldeo
geben Mit Dank nahm der Legat das Anerbieten an.
Am Samstag den 6. November war im Saale des Biscbofebaosci
die vierte Sizung. Derselben wohnten die Bischöfe von Tarazona, te-
rida, Gerona, Huesca, Tortosa, Vieh, Elna und Valencia an, die Acbte
und andere, im Ganzen an 300 Notabein. Es wurden acht offene ü-
uigliche Briefe vom 12. October verlesen, im Ganzen jene Forderoflgen
Concil zu TortoM, 1429. ^09
bewilligend, welche im Jahre 1427 zu Valencia im Namen der Kirche
an den Eonig gestellt worden. In dem Archiv jeder Cathcdrnle sollten
die beglanbigten Urkunden niedergelegt werden. 1) Der König vcr-
spricht nnd schwort , keine Edicte gegen die Freiheit der Kirche zuVerspre-
erlassen; weder die Giiter der Kirche noch die Einkünfte der apostoli- Königt.'
sehen Kammer anzatasten. 2) Der Konig verbietet seinen Beamten, die
Geistlichen der Falscfamfinzerei und anderer schwerer Vergehen mit
Unrecht zn beschuldigen, sie vor die weltlichen Gerichte zu citiren, um
ihnen Geld abzupressen. S) £r verbietet seinen Beamten unter schwe-
ren Strafen, die Cleriker einzusperren, sich in die kirchlichen
Gerichte zu mischen, mit Gewalt von kirchlichen Personen sich
etwas anzueignen. 4) Keine weltliche Person solle mit Gewalt auf ihren
Schlossern oder Gutem solche geistliche Personen aufnehmen, welche
von den kirchlichen Gerichten vorgefordert werden, bei einer Strafe von
10,000 Gulden. 5) Bei einer Strafe von 3000 Gulden wird verboten,
die kirchlichen Gerichte in Processen zu verhindern, welche gegen
Bauber von Kirchengut geführt werden. 6) Bei derselben Strafe wird
verboten, Cleriker, die nicht in königlichen Diensten stehen, dem or-
dentlichen kirchlichen Gerichte zu entziehen. 7) Die Herzoge, Grafen
und weltlichen Herren sollen die kirchlichen Richter in ihrem Vorgehen
gegen Wucherer, in ihren Schritten zur Ausfuhrung des frommen Wil-
lens der Erblasser, und überhaupt zur Durchfuhrung der nöthigen Unter«
suchungen unterstüzen. 8) Die Herren nnd Beamten sollen in ihren
Bezirken keine Almosensammler dulden, welche die Erlaubniss des Bi-
schofs nicht vorweisen können^).
Zulezt liess der Legat durch einen Notar zwanzig Decrete über zwaoBig
Reform der Sitten verkündigen. 1) Canon 1 handelt von dem ehrbaren ^^^
Leben der Cleriker, verbietet, weltliche nnd eitle Kleider zu tragen,
erlaubt nur Elleider von Wolle oder Kammwolle. Wer dagegen han-
delt, dessen Kleid werde ihm abgefordert; giebt er es nicht her, so
werde er auf drei Jahre von seinem Beneficium suspendirt 2) Jede
kirchliche Person, die notorisch im Concubinat lebt, ist von Amt nnd
Cinkommen suspendirt, nnd unfähige ein anderes zn erhalten. Nur nach
langer Busse nnd Besserung kann er sein Amt wieder erlangen. Rück-
fallige verfallen strengerer Busse; zum zweiten Male rückfällig verlieren
sie alle Beneficien, nnd werden eingesperrt Die Obern, welche nach-
lässig sind, oder gar Geschenke von den Sündern annehmen, verfallen
der Strafe. 3) Jedes Mitglied eines Ritterordens, das im Concubinate
lebt, verfallt der Exconunnnication. Der Bischof soll ihn öffentlich be-
zeichnen. .Die Rückfälligen verlieren alle Aemter und kirchlichen
0 Eip. tagr^ t 60^ p. 70^71.
310 Zwölftes Buch. Erstes Kapitel.
Beneficien. Sämmtliche Mitglieder der Ritterorden sollen anständige
Kleider tragen. 4) Jeder Träger der höheren Weihen nnd Beneficiat
habe sein eigenes Brevier, das er recitirc, wenn er auch nicht in die
Kirche kommt. 5) Nar Würdige sollen die geistlichen Weihen em-
pfangen. 6) Jeder Gläubige muss den nothwendigen Unterricht em-
pfangen. Die Bischöfe und Prälaten sollen kurze Compendien, Gate-
chismen, verfassen lassen, die so eingetheilt sind, dass deren Inhalt in
6—7 Lectionen vorgetragen werden kann. Die Seelsorger müssen diese
Erklärungen mehrmals im Jahre an den Sonntagen wiederholen. Laien
dürfen nicht über Glaubenspnnkte disputiren. 7) Nur die Kranken
dürfen in den Häusern oder in Capellen communiciren. Taufen, Hoch-
zeits- und Trauermessen dürfen nicht in den Häusern gehalten werden.
8) Der Bischof darf die Stiftung eines Beneficiums nicht ohne das zu-
reichende Auskommen für einen Priester genehmigen. 9) Juden nnd
Heiden, welche Christen geworden, sollen ihre Kinder binnen acht
Tagen nach deren Geburt taufen lassen. 10) Nur Priester können
Generalvicare und oberste Officiale der Bischöfe sein. 11) Cleriker,
welche sich Urkunden verschaffen, dass sie königliche Diener seien
(und es nicht sind), um sich den kirchlichen Gerichten zu entziehen,
verlieren ihre Beneficien, oder werden drei Jahre unfähig für E^
langung eines Beneficiums. 12) Das Statut Papst's Bonifaz YIII.
Qui ut tnteUeximua^ gegen die, welche Cleriker unter dem Verwände
der „miserahilitaa und oppressio^ vor weltliche Gerichte ziehen wollen,
werde von den Bischofen eingeschärft. 13) Cleriker, welche weltliche
Herren gegen die Rechte und Freiheiten der Kirche aufreizen, oder
zum Schaden der Kirche mitwirken, werden der Einkünfte ihres Bene-
ficiums auf drei Jahre beraubt, oder drei Jahre zur Erlangung eines
solchen unfähig. 14) Die Obern der Orden sollen die Fehler ihrer
Untergebenen züchtigen. 15) Die vom Papste bestellten Richter und
Conservatoren sollen ihre Vollmachten nicht überschreiten. 16) V^er
ohne Erlaubniss des Bischofs als Quästor predigt oder sammelt, ist
durch die That ausgeschlossen und auf drei Jahre von seinen Beo^
fielen suspendirt. 17) Wenn ein Cleriker oder Mönch kirchliche Obern
öffentlich verleumdet, Schmähbriefe gegen sie verfasst, vorliest, anheftet^
so ist er durch die That ausgeschlossen. Bevor er absolvirt wird, masB
er öffentlich widerrufen und demüthig abbitten« Die Weltpriester be-
dürfen zum Beichthoren der Erlaubniss der Bischöfe und Pfarrer. Die
Erlaubniss muss unentgeltlich ausgestellt sein und die Reservatfalie
anzeigen. Mönche dürfen die Beichten von Laien nur dann hör^
wenn sie von ihren Obern dem Bischöfe präsentirt und von dieseo
zugelassen sind. Das Statut 18 handelt von der Hinterlassenschaft dei
Religiösen und Weltgeistlichen. 19) Ein Arzt darf bei Strafe der Ans-
ssung einen Kranken nicht mehr als drei Male besuchen, der niclit
ErEbiachOfe von Zaragoza (1318—1420). 311
beichten will. 20) Die Verordnung des Papstes Clemens V. „über die
Jaden und Saracenen (Clementin. 1. V, tit. 2), und die Statuten der
Frovinzialsynoden über denselben Gegenstand müssen genau beobachtet
werden ').
Mit grosster Höflichkeit nahm der Cardinal Petrus de Foix Ab- ^q^«
schied von der Synode, bat um Verzeihung, wenn er Jemand beleidigt Qy^wie.
hätte. Solche Höflichkeit fand Erwiderung. Alle Bischöfe, Prälaten,
Aebte und die Uebrigen erhoben sich, beugten in Demuth die Knice,
baten ihrerseits um Verzeihung, und baten, Jeder für sich, um den von
dem Papst verliehenen vollkommenen Ablass in articülo mortis. Die
Versammelten wurden mit dem Segen des Legaten entlassen. Die Sy-
node fand das ersehnte glückliche Ende. Alles und Alle waren zu-
frieden; aber wir finden nicht, dass im funCsehnten Jahrhundert weitere
Synoden gehalten wurden.
§. 53.
Dem ersten Erzbischof von Zaragoza, Petrus Lopez de Luna, der e».
am 22. Februar 1342 starb, folgte Petrus Aznar de Rada (1345—1347); ^^^
diesem der Clnniacenser Wilhelm Agrifolio (Aigrefeuille). Er war vor- goM.
her Prior von S. Pierre von Abbeville. Als Clemens VI., sein naher
Verwandter, im Jahre 1342 Papst geworden, gab er ihm zuerst das wu-
Erzbisthum Zaragoza; im Jahre 1360 wurde er Cardinal, verzichtete auf ^^'"^ ^'
sein £i*zbisthum, und wurde zu wichtigen Geschäften berufen. Urban V. feaiiie.
machte ihn nach seiner Rückkehr nach Rom zum Legaten in Neapel.
Wilhelm starb zu Viterbo am 4. October 1369.
Femandez de Luna, vorher (1349—51) Bischof von Vieh, weilte Lop«
am Hofe zu Avignon, bis er im December 1351 zum Erzbischof von^*^*^'
Zaragoza ernannt wurde. Er regierte seinen Sprengel durch seine Ge- Lmuu
neralvicare, deren er zu gleicher Zeit fünf hatte. Er war zugleich Pa-
triarch von Alezandrien. Er hielt im Jahre 1352, dem ersten seiner
Regierung, ein Provinzialconcil^ dessen Acten noch nicht gedruckt sind.
Wieder hielt er im Jahre 1355 zu Zaragoza ein Provinzialconcil, von
dem zwei Canones bekannt sind. Nebstdem hielt er vier Diöcesan-
synoden*). Er starb im Jahre 1382. Im Jahre 1383 folgte ihm Garcia
Hernandez de Heredia. In seiner Zeit fand man die Graber des heiligen
') Harduin, VII, 1061^1086. - ManH, t. 28, p. 1117^1158. - Äay-
fuM. ad ann. 1429, wr. 1^6; 12. — Htfele, VII, 417^24. — AguirTe-CcAa-
lani, V, 321^-340. — T^ada y Ramiro, Cima dd Occidente, III, 6Ö3--736. —
CanciKo de TMo§a, 029, p. 736'-767.
*) Egp. sagr., t 60, p. 63S4.
312 Zwölftes Buch. Erstes CapiteL
Gaioi» Lupercius und Gefährten, mit den Märtyrern, welche man ^Saniu
^^^°^^\Ma8as^ nennt« Er starb durch Meuchelmord am 1. Juni 141 P). -
redta. Erst im Jahre 1415 kam hieher Franc. Clement, Bischof von Barcdooa,
FnDo. and kehrte im Jahre 1420 als solcher zurück. Der Franciscaner Al-
ciement^^^g dc ArgucUo (O.S.D.?) wurdc im Februar 1429 in dem Kloster dd
Aifont Carmen heimlich hingerichtet. Jezt wurde Dalmatius de Mur von dem
Argnei. j;j.2bisthume Tarragona hieher versezt. Er wohnte der berühmten Sy*
Daima- uode vou 1429 nicht an. Er starb am 12. September 1456. Der In-
tin«de f^j^i Johannes von Aragonien, Sohn des Königs Juan U., nannte eidi
Administrator des Erzbisthums, nahm die Priesterweihe nicht, und b^
Infanten zog das Einkommen bis zu seinem Tode — 19« November 1475. -
n^Aifons Alfous, Infant von Aragonien, natürlicher Sohn Ferdinand's des Katho-
Admfni- lischen, hatte nicht mehr Beruf zum geistlichen Stande, als sein Vor-
''^!r g^gcf* ^f hielt fünf Synoden. Er starb am 24. Februar 1520^.
Ten,
§.64.
En- Gonzalo de Izar wurde durch Papst Eugen IV. am 1 8« April 1431
tI^t^f- ^^^ Dalmatius de Mur auf dem Size von Tarragona zum Nachfolger
ragona, gegeben. Schon am 11. November 1433 starb er an den Folgen emes
^"^ Sturzes vom Pferde, auf der Jagd»).
Ihm folgte der Cardinal — seit 1430 — Dominions de Kam, seh
Domini- dem Jahre 1415 Bischof von Lerida, noch früher (1410) Bischof tos
Ram! Huesca. Als Bischof von Lerida hatte er der Synode von G)nstaiiz
angewohnt. Die grossten Verdienste erwarb er sich um dieB^ilegoo;
des Schisma, besonders auch auf der Synode zu Tortosa im Jahre 1429.
Er war gleich hervorragend durch Wissenschaft wie Tugend. Er war
bemüht, die Mauern der Stadt Tarraco herzustellen und zu schliesseo.
Er wurde auf die Synode von Basel, nach der Verlegung derselbeo
nach Ferrara eingeladen. Alfons V. sandte ihn als seinen L^ten nacb
Rom. Am 6. März 1443 wurde er Cardinalbischof von Porto. Er staii
zu Rom, in einem Alter von wohl hundert Jahren, am 25. April 1443<
Er wurde begraben in Sanct Johann vom Lateran*).
Petrus de Urrea trat am 19. Mai 1446 als Erzbischof in Tarragoi»
') S. 296.
*) Lambert, de Zaragoza^ Teatro kUtorico, t. IV, p. 6—66.
*) Necrologium: qui venando cecidU de eguo, et rupto coüo expirami^
viUam de VaUs in campo Tarrachone. — ViUanueva^ XX, 16.
*) In seiner Grahschrift heisst es: qui obiit^ awno aetoHa suae eenien^ ^
circa. — Fittoniieva, XX, 16--17. — of. über ihn: Ramm de Hueeca, Tf^
Mstar., t. Fi, p. 294-97. — Bsp, sagrada, t 47, p. 66-77. — ViUaKm
XX, 16^17.
König Alfons V. 313
ein. Vorher war er Prior von Zaragoza gewesen. Er war im Kriegs- P«triu
wesf n sehr erfahren, nnd gewandt in seiner Politik nnd Haltung. Papst u^^
Calizt III., der Aragonier, vorher Staatsmann am Hofe Alfons V., er-
nannte den Erzbischof Petras de Urrea zam General der Galeeren,
welche er zu einem Feldzuge gegen die Türken ansrüstete. Zum An-
denken daran stellte Petrus in der Cathedrale der heiligen Thecla die
Standarte auf, deren er in jener Expedition sich bediente, und welche
noch Villanueva sah. Der Papst belohnte seinen Eifer mit der Würde
eines Patriarchen von AJexandrien. Konig Juan IL machte ihn zu
seinem Elanzier und Generalcapitan des Kriegswesens« Im Jahre 1479
liess er das Schnizwerk des Chores der Cathedrale herstellen. Er gab
eb verbessertes Brevier heraus« Er führte sein Amt 44 Jahre. Dass
aos dieser langen Zeit keine Kunde einer von ihm gehaltenen Synode zu
ons gelangt sei, findet auch J. Villanueva auffiillend« Petrus starb am
9. September 1489 '>
§. 55.
Nach einem Kriege von 22 Jahren zog Konig Alfons V. am ^öoig
22. Febraar 1443 als Sieger in der Hauptstadt des Königreichs Neapel y.
ein. Durch seine seltenen Eigenschaften befestigte er seine Herrschaft
ober dieses Land. Nachdem er Eugen IV« als einziges und wahres
Oberhaupt der Kirche anerkannt hatte, ertheilte ihm der Papst am
15. Juli 1443 die Belehnung mit dem Königreich Neapel, unter den-
selben Bedingungen, wie sie zwei Jahrhunderte früher dem Carl von
AnjoQ ertheilt worden« Alfons' V« Sohn, Ferdinand, vorher schon Her-
zog von Calabrien, wurde als dessen Nachfolger in Neapel anerkannt.
Die lezte Zeit seines Lebens brachte er fast ausschliesslich in Italien
ZQ, fast bestandig in Kriege verwickelt. Er starb 27« Juni 1458*). Er
war einer der ersten Kenner der dassischen Schriftsteller in jener Zeit«
Cäsar's Commentarien führte er auf seinen Ejriegszfigen mit sich; Ci-
cero's Werke las er gern; Seneca's Briefe ubersezte er sogar. Dichter
nnd Gelehrte suchte er nach Neapel zu ziehen. Unbegrenzter Ehrgeiz,
Beine Zerwürfnisse mit den Päpsten, ungeregelte Lebensweise, und ein
&Uzn kostbarer Hofstaat werden ihm zum Vorwurfe gemacht. Neapel
binterliess er seinem natürlichen Sohne Ferdinand, die übrigen Länder
seinem Bruder Juan (IL), Konig von Navarra.
') Vtüanueoa, t XX, 17^20.
0 Zn seinen^ Lobe sagt Aeness Silviui (Papst Pins II.): Masemu» e< da-
niiimt» resB, nostri $widi decuBf cmiua egregta facinora totus orbis decantatj
^uem victumfortuna vincere non potuii^ sed cofUra ipsa victa est (Hiitoria de
vUa ä rdn$s gesHs Friederici IIL, Arg. 1668, p, 84).
314 Zw5lfte0 Bncb. Erstes Kapitel
§. 56.
König I^on Juan II. (1458 — 1479) zählte damals schon sechzig Jahre ^.
Juan IL Er liess von den Cortes zu Fraga und Lerida die Königreiche Sicilien
und Sardinien zwar als integrirende Theile des Reiches, gegen Aller
Erwarten aber seinen Sohn Don Carlos nicht als Nachfolger im Belebe
erklären, Hess ihn vielmehr auf Antreiben seiner zweiten Gemahlin Joana
gefangennehmen, als hätte er ihm nach Krone und Lieben gestrebt. Die
Catalonier erhoben sich in Waffen für Don Carlos. Juan II. mneste am
1. März 1461 den Don Carlos ausliefern. Aber Don Carlos starb 8choo
im September 1461. Es kam zu langen Bürgerkriegen. Don Jaan II.
erblindete. Doch seine Gemahlin und sein jüngerer Sohn Ferdinaod
halfen seiner Sache auf. Ferdinand wurde Konig von Sicilien und Mit-
regent seines Vaters in Aragonien. — Im October 1472 wurde Friede
zwischen Don Juan II. und der Stadt Barcelona geschlossen.
Don Juan II. starb am 19. Januar 1479. Durch seinen Sohn ond
Erben Ferdinand aber wurde Aragonien mit Castilien vereinigt
§. 57.
K«Tarrft Am 4. April 1305 war Ludwig Hutin seiner Mutter Johanna in
dem Königreiche Navaira gefolgt. Im Juli 1307 liess er sich in der
König Cathedrale von Pamplona krönen. Im Jahre 1314 folgte er Philipp
Hntin.' ^^™ Schönen als Konig von Frankreich, und starb im Jahre 1316.
Sein Bruder Ludwig der Lange verwaltete das Königreich Na?am
PhUipp als Vormünder seiner Nichte Johanna^ geboren im Jahre 1312, Tochter
^ Ludwig's Hutin. Durch Vertrag vom 27. März 1318 wurde er König
von Navarra. Er starb am 3. Januar 1322 ohne männliche NachkommeD.
CMTidcrCarl der Schone, Bruder Philipp's des Langen, folgte ihm als König
seh8o«. ^^^ Frankreich und von Navarra. Auch er starb ohne männliche Nach-
kommen am 1. Februar 1328.
Somit fiel das Königreich an die erwähnte Johanna und ihren
Gemahl, Philipp von Evreuz, genannt der Weise. Beide wurden in
Fhuipp Jahre 1329 zu Pamplona gekrönt Im Jahre 1331 sezte Philipp Gortee
Evrrax. ^^ Navarra ein. Im Jahre 1343 eilte er dem Konige Alfons XL too
Castilien im Kampfe gegen die Mauren zu Hilfe. Während der Belage-
rung von Algesiras erkrankte er, und starb zu Xeres im September 1343»
KSaighi erst 38 Jahre alt Er hinterliess drei Sohne. Zunächst aber kam die
Regierung in die Hände seiner Wittwe Johanna. Erst als diese an
>) Ueber ihn: Zurüa, 1. 16, 51 bis 1. 20, 27. - AI Schmidt, p. d64-7&
Könige von Navarra ( i 35 1 - 1 390). 315
8« October 1349 mit Tod abgieng, folgte sein Sohn Carl II., geboren
im Jabre 1332. Er wurde am 27. Juni 1350 zu Pamplona gekrönt. Im
Jahre 1353 heirathete er Jobanna von Frankreich, die älteste Tochter
Konig Johannas IL Carl IL heisst „der Böse**. Schon am 8. Januar C"» "•
1354 Hess er Carl von Spanien, Sohn des Don Alfons de la Cerda, ^bsso.*
Grafen von Angouleme, und Connetable's von Frankreich, meucheln,
und verband sich dann mit den Engländern. Den Dauphin Carl ver-
leitete er zu einer Verschworung gegen seinen Vater Johann IL In
Folge derselben wurde Carl IL Gefangener Johann's II. Lczterer fiel
im Jahre 1356 iu der Schlacht von Foitiers in die Hände der Englän-
der, während Carl IL im Jahre 1357 aus seiner Haft entfloh, und nun
gegen den Dauphin Carl Krieg begann. Erst am 6. März 1365 schloss
er gezwungen Frieden mit Carl V. von Frankreich. Am 3. December
1373 verlor er seine Gemahlin Jobanna durch plozlichen Tod; man
hatte ihn im Verdacht, dass er sie durch Gift aus dem Wege geräumt.
Sie wurde in der Cathedrale von Evreux beigesezt. Im Jahre 1384
suchte er Carl V. von Frankreich mit seiner Familie zu vergiften. Carl IL
floh in sein Königreich Navarra. Er starb nach schwerer Krankheit
am 1. Januar 1387, im Alter von 55 Jahren.
§. 58.
Sein ältester Sohn, Carl III., genannt „der Edle**, folgte seinem
Vater Carl IL, dem „Bösen'', am 1. Januar 1387. Er war seit dem
27. Mai 1375 mitEleonora, Tochter Königs Heinrich IL von Castilien, c«ri
vermählt. Nachdem die Exequien für seinen Vater gehalten, verlangte ^'^i^.?
er, dass die um ihn versammelten Cortes den Gegenpapst Clemens VIL
von Avignon als wahren Papst anerkennen sollten. Nach dem Vorgange
von Aragonien hatten sich die Navarresen bisher neutral gehalten.
Carl IIL wurde beschuldigt, dass er in dieser Sache dem Einflüsse
Castiliens und Frankreichs nachgegeben habe'). Nach Fem. Perez er-
liess Carl III. erst am 6. Februar 1390 einen offenen Brief zu Gunsten
Clemens VIL, hiezn besonders gedrängt durch Martin von Zalva, Bischof
von Pamplona, der selbst Cardinal Clemens VII. war. Acht Tage nach obi-
ger Erklärung wurde Carl IIL in der Cathedrale von Pamplona gekrönt,
13. Februar 1390, mit einer bisher nie gesehenen Pracht. Zugegen waren
die drei Stände des Königreichs, die fremden Gesandten und viele aus-
wärtige Prälaten. Zugegen waren die beiden Cardinäle Peter von Luna
•) Mariana, XIII, 11. - MoMi, i. 26, p. 734. — AguirreCatalani, V,
296. — T^ada, III, 609. — Greg. Ferti. Perez, Hxstoria de los obispos de
Pamplona, 21, 105- 6.
Jobana
316 ZwOliles BqcIl Entes Kapitel.
und Martin Ton Zalva^ die Bischöfe von Calahorra, Tarazona, Viel
Peter, Bischof von Ampnrias (i. pari. inf.)y Johann, Bischof von D;
und der Bischof von Bayonne, Garcias von ESngny, Beichtvater des Köi
die Aebte von Hirache, Leyre, Oliva, Iranza, Fitero und Urdax*).
Carl III. regierte fast vierzig Jahre mit Glück and vielem Frieda
Er starb am 8. September 1 425, in einem Alter von 64 Jahren. — C«
überlebte seine beiden Söhne; darum folgte ihm Johann IL, SohnF«
II. dinand's L yon Aragonien, welcher im Jahre 1419 Bianca, die TocbtJ
CarPs IIL, geehelicht hatte. Am 16. Mai 1429 wurde Johann 11. n
Pamplona gekrönt.
Der Konig und die Konigin leisteten den herkömmlichen iSd. Ai
3. April 1441 starb die Konigin Bianca und hinterliess, da sie Throoerbu
war, die Krone ihrem Sohne Don Carlos; aber Johann II., am Vattf
wollte nicht verzichten. Es kam za wechselvollen Kriegen zwisd»
Vater nnd Sohn.
Nachdem Johann II. Konig von Aragonien (1458) geworden, Da
Carlos aber gestorben war (23. September 1461), wurde rane Schwestä
Bianca Herrin von Navarra. Ihr Vater Johann II. liesa sie aber m
Schlosse von Orthes einsperren, wo sie am 2. December 1464 stari). -
Johann II. aber blieb auch Eonig von Navarra bis zu seinem Tode ia
Jahre 1479. — Nach einer kurzen Zwischenregierung kam Navam m
den Franzosen Johann d^ Albret, den Gemahl der Catharina, Erbin i«
Navarra; in dem Hause der d' Albret wurde nun die Krone von Narim
ein Vasallenstaat von Frankreich*).
') Kloster, die wiederholt in dieser Gesobicbfte voikommen. — ^. /Vre, U
II, 106^108.
«) Zur Literatur, s. R-G^ II, 2, S. 413-16. — Ul, I, 8. 188-«6; »a
Zweites Kapitel.
Das Kftnigreieh Portugal (1245— ISOO).
§. 1.
t^ortugal entwickelte sich als besonderer Staat and als getrenntes
Volk seit dem Ende des eilften und der ersten Hälfte des zwölften
Jabrhnnderts. Im Jahre 1139 schon war Staat nnd Volk von Port agal
so aosgebOdet nnd ausgeprägt, dass die Portugiesen den Gedanken an
eine Vereinigung mit Castilien nnd Leon nicht mehr ertragen konnten ').
— Schon im dreizehnten Jahrhundert erreichte Portugal durch die Er-
oberung Ton Algarvien die ihm erreichbare Ausdehnung zu Lande. Ca-
stUien hatte um dieselbe Zeit Estremadura, Cordnba, Sevilla und Cadix
erobert , damit das Meer und die Mündung des Guadalquivir er-
reicht, während Portugal die Mundung des Guadiana erreichte. Die-
ser Fluss bildete in seinem unteren Laufe die Grenze der beiden
Königreiche. Um so mehr war Portugal auf die Herrschaft zur See
angewiesen.
Der Eonig Sancho U. von Portugal hatte die weltlichen und
geistlichen Stände seines Beiches sich zu Gegnern gemacht. Die smcHo
Grossen des Landes boten die Krone seinem Bruder Alfons IH.,
Grafen von Boulogne. Er wurde zunächst ,,Reichsverweser^; Sancho
musste sich nach Castilien zurückziehen, und starb zu Toledo im Jahre
1248.
Alfons lU. (1245 — 1279) führte eine lange und glückliche Regierung.
0 S. oben, S. 67.
318 Zwölftes Buch. Zweites Kapitel.
ILin gelang es, die lezten Pläze, die den Manren in Algaire gebliebc
waren, dauernd zu erobern^).
Im Jahre 1249 belagerte er, von einer Flotte unterstüzt, ^eFestoi
KSnig Faros. Unter günstigen Bedingungen übergaben sich die Mauren. Ai
]J°' Ende des Jahres zogen die Portugiesen in die Stadt ein. Das Fa
Albufeira wurde dem Orden von Avis wegen seiner Theilnahme an i
Eroberung desselben übergeben — März 1250. — Auch die Sxm
Loule und die umliegenden Orte wurden erobert — In den Jahn
1251 — 52 wurden Arouche und Aracena in Andalusien den Saraccoe
entrisssen. Diese Orte, sowie Ayamonte, und die früher schon eroberte
Moura und Serpa lagen jenseits des Guadiana«
Krieg Durch diesc Eroberungen aber glaubte Castilien beeintnchti|
"luifeiT' zu sein. Nachdem dort Alfons X. im Mai 1252 die Regierung angc
treten, kam es darum zum Kriege zwischen ihm und Portugal. De
Krieg dauerte etwa ein Jahr. — Papst Innocenz IV. suchte zo t«
mittein. Früher schon hatte er auf die seit dem Jahre 1 144 bestebesi
Verpflichtung hingewiesen, gemäss welcher die Herrscher von Portofl
dem Papste jährlich vier Unzen Goldes entrichten sollten^. Didfl
Schreiben, erlassen am 4. Januar 1253^ ist nicht an Alfons IIL, sot
dern an alle Christgläubigen gerichtet. Am 13. Januar 1253 bot ■
den beiden Konigen seine Vermittlung an. — Am 29. Mai 1254 mm
er seinen Ponitentiar, den Minoriten Valascus, mit geheimen Aafinge^
(in Betreff des Krieges?) an Alfons UI.*) Am 30. Juni 1254 enmU
er den König Alfons X., er möge jezt die seinem Vater Ferdioand lU
von dem Papste geliehene Summe Geldes durch den Legaten des hjr
stes, den „Bruder^ Valascus, zurückbezahlen ^).
') Zu Lebzeiten seines Bmdera flllirte er den Titel: ComeM Bohmemk /^
curator regni Portugaliae per Summum PanHficem^ ei Dtfen$or^ aodi Ftsi^
R^gni per Dominum Papam, Procuraior Fratris tui et Cornea Bokmit^siS'
Hibeiro, Disserta^ea, t II, IV, 128. Nach dem Tode seines Braden otnteff
sich Rex Portugaliae et Algarbiu — Sein Brader Sancho IL hatte kflbe "^
kommen, und war wahrscheinlich nie ▼erheirathet In seinem Testamente Wi*
er: Et $t filiufn legitimum, vel fiUam legitimam non habuerOj mando qnodfräf
meus Inf ans D. Alphonaus habeat metim Eegnvm integre et in pact. — ^«'- ^'
Souaa, Provaa de hiatoria — da Caaa real Portuguexa, 1739^ 1 1, p- ^ ^
Alfons III. hatte sich vor dem Tode seines Bmders nicht des kOniglichco, fos<?^
nar des Siegels der Grafen von Bnrgnnd bedient. Nach dem Tode Sank's H« *^
berief er die Stfinde des Reiches nnd liess sich als König holdigett.
*> a oben, S. 69. - EayntMi attn., ad an. 1253, nr. 4$ (PMiad, ^
nr. 14824).
») Wadding, Annal. Minor., III, p. 619, - Sbaralea, BnüarifM Pwf-
7, 738 (Potthaat, nr. 15405).
*) SbaraUa, BuUarium, 7, 746 (Potthast, fir. 15437, et daaelbit iWi «
denselben Valascus^.
Krieg und Frieden mit Castilien (1252-51). 319
In dem Frieden, der schon 1253 geschlossen wnrde, erlangte AI-
fons X. die Einkünfte Algarvicns anf Lebenszeit, dem Könige von
Portugal aber sollte das Land als Eigen thnm bleiben. — Am 1. Oc-
tober 1254 erklärte der Papst, dass ihm der Gedanke ferne liege, die
Unabhängigkeit des Königs von Portugal oder seines Reiches irgendwie
zu beeinträchtigen^).
Gegen den Versuch des Königs von Castilien, einen Bischof für
Faro zn ernennen, erliess Alfons III. am 22. Janaar 1254 einen feier- ^i-^^*i">
liehen Protest in der« Cathedrale von Lissabon. Der König von Por-
tugal sei der wahre Herr und Patron der Stadt und Diöcese Faro; er
habe den Bischof zu prasentiren und zu dotiren. Der König von Ca-
stilien sei nur der Nuzniesser, nicht der Herr. Jener ernannte Bischof
war „Bruder^ Robertus.
Alfons III. hatte zwar zur Besiegelung des mit Alfons X. im Jahre
1253 geschlossenen Friedens dessen natürliche Tochter Beatrix (Brites)
geheirathet, obgleich er schon mit der Gräfin Mathilde verheirathet war.
Aber er war entschlossen, von seinen Rechten auf Algarve nichts anButbum
den König von Castilien abzutreten. — Er hatte den Erzbischof von ^"^*''
Braga, die Bischöfe von Coimbra und Lissabon, viele Prälaten und
Herren seines Landes berufen, um seinem Proteste vom 22. Januar
1254 einen grössern Nachdruck zu geben. — „Bruder^ Robertus wird ^i>»<^<t
nur am 20. August 1253 und 22. Januar 1254 als (erwählter) Bischof 1353.^!,
von Faro genannt. Er hat sicher Portugal bald verlassen. Im Jahre
1255 und 1256 weilte er in Castilien, später wird er nicht mehr
erwähnt^.
Aber noch am 18. October 1256 schreibt Papst Alezander IV.
an Bischof Lupus von Marocco, da König Alfons X. die drei Bisthü-
mer Cartagena, Badajoz und Silves begründet habe, möge er die Gren-
zen derselben näher bestimmen'). Darnach betrachtet der Papst Silves
als ein zu Castilien gehöriges Bisthum, was keineswegs der Fall war*
Mathilde, die von Alfons III. verstossenc Gemahlin, klagte bei
dem Papste über ihren Gemahl. Dieser war nicht zu bewegen, die
Brites zu entlassen. So ward er von dem Papste mit dem Banne be-
legt, in welchem er zwei Jahre blieb. Die Gräfin Mathilde starb im
*) Bzovius, ad an. 1253 , nr, 8 — weist anf einen Brief des Papstes vom
18. Januar 1253 hin. — c/ Brandao — Monarchia iMsit, l. 15y 15. — «7. B.
da Silva Lopez^ Rispado do Algarve (Lisboay 1848), p, 143.
•) Silva LapeSj Bispado do Ossonoba, p, 159^61. — hoperraXz, Dtacrip,
Hiator. du Obispado de Oitma, Afadr. 1788. Colecc. dipltim. p. 79,
83, 185.
*) Raynaldi, antuU. 1255, nr. 51. — Sbaralea, II, 80. — {Potihaat,
16066).
320 Zwölftes ßocb. Zweites KapItoL
Aifons Jahre 1262. Die Bischöfe Tersammelien sich nun in Braga, nnd Uta
m. im ^Ijq^ ]j^j 1262) den Papst ^ ,,den König, welcher bei Lebseiten sauer
' Gremahlin, der Grafin von BoolognCi mit Brites, der Toditer des Kö-
nigs von Castilien, sich vermählt habe, die das zor Ehe erfoitier-
liche Alter noch nicht gehabt, und mit der er im vierten Grade
verwandt sei, von dem Banne, in welchen ihn Papst Alexander lY.
gethan, loszusprechen, damit auch ihre Kinder nach dem Tode
des Vaters zur Thronfolge berechtigt seien^*). Die Ehe Alfons IIL
mit Mathilde war kinderlos geblieben. Beide Bitten gemhrte Papst
Urban IV.
Nach langen Verwicklungen wegen der Grenzen Portngals odI
Castiliens wurden am 8. Juni 1264 diese Grenzen endgiltig festgestellt,
und die betreffenden Patente zu Sevilla ausgewechselt*). Die beidet
Konige gelobten sich Freundschaft und gegenseitige Hilfe. Damit rer«
zichtete Alfons X. fiir alle Zeit auf Algarve und selbst auf den Eii-
fluss, den er nach dem Frieden des Jahres 1253 aaf das Land batt^..
Dagegen sollte Alfons IIL seinem Schwiegervater fünfzig Landers oder«
Reiter stellen. Mit Rücksicht auf seinen Enkel Diniz, den Alfons L '
im Jahre 1267 in Sevilla zum Ritter schlug, wurde auch leztere ye^;
pflichtung Alfons IIL nachgelassen. ,
Als „Bruder** Bartholomäus im Jahre 1268 zum Bischöfe m-;
Silves ernannt worden, und Besiz von dem Bisthum ergriffen bttff,
niAihum stellte er am 5. April 1270 mit seinem Capitel eine Urkonde ms, ii
^"^^' der er den Konig von Portugal als rechtmässigen Herrn von Algirtc
und Patron seiner Kirchen anerkennt^ und zugleich die Rechte, welcbe
von Alfons von Castilien seinen beiden Vorgängern Robert und Garda |
(welcher in den Jahren 1261 — 1267 als Bischof genannt wird) veriiebei
worden, als nichtig erklärt*). Dieser Bischof wohnte dem im hbt
1274 zu Lyon gehaltenen Concil bei.
') Das Schreiben in Monareh. Liuü.^ l 15, 27.
*} Litera super partitüme Eegnorum Portugaüiae ei LegunUa proftfr
eoniendam (i, e, coräeniianem) , quae erat in aliqwibwt foet«. — MoMmii
Lusit L 15, 30.
*) Jo. B. da Silva Lopes, l c, p. 169—185. — Monarth. Lm., /. iJ'
Append. Escrit 32.
Alberoni arm von Piacenza, reich von Maluga aus. 321
wurde, brachte es Alberoni auf einige Stimmen'). Der nene Papst
erwies sich ihm nicht nngttns.tig, nnd wählte ihn in mehrere wichtige
Congregationen. Von Haus aus ein armer Bettler, hatte er von Spanien j
aus so viel Geld in's Trockene gebracht, dass er zu Rom ein sehr I
grosses Haus arrangiren konnte. Obgleich eine Congregation von fttnf
Cardinälen dem Cardinal Zondadari, der als Nuntius in Spanien schwere
pecuniäre Opfer gebracht, die Hälfte der Einkünfte des Bisthums Ma-
laga, das jährlich 60.000 Ducaten trug, zugesprochen hatte, behielt der
schlaue Alberoni doch diese Gelder für sich allein, und wurde ausser-
dem vom Papste am 18. November 1725 zum Bischof von Malaira ^^•'^^
geweiht'). * Doch fiel er auch bei diesem Papste wegen Ungehorsam ^on
in Ungnade, und zog sich nach dem 25. December 17^9 auf sein neu''^^^
erkauftes Landgut Castel Romano zurUck. Da der Papst schon am
21. Februar 1730 starb, kehrte er zum Conclave nach Rom zurück, geine
in welchem Clemens XH. am 12. Juli 1710 gewählt wurde. Grosses >^«""'
Lob erwarb sich Alberoni durch seine milden Stiftungen in seiner etifum-
Ueimath Piacenza. Er errichtete herrliche Gebäude in San Lazaro, ^^ ^^
worin junge Edelleute unentgeltlich erzogen wurden. Am 17. Januar .*.
1735 wurde er päpstlicher Legat zu Ravena. Bei seiner Ankunft ^'*^''*
Hess er gleich drei Personen aufknttpfen, und befahl, dass Morder
mit Gewalt aus den Kirchen geschafft würden. An den Strassen liess
er Galgen errichten, wobei er sprach: Weniger Sbirren, aber desto
mehr Galgen. Sein Regiment war sehr gefflrchtet, aber auch geachtet.
Als er sogar verbot, Niemand dürfe ein päpstliches Decret gebrauchen,
das er nicht vorher unterschrieben, erhielt er einen verdienten Verweis.
Der Provinz Ravena erwies er die grossten Wohlthaten. Die beiden
Flüsse Itonco und Montone vereinigte er in einem Bette. Der
Kath der Stadt errichtete ihm im Jahre 17;J7 eine Denksäule in dem
Saale des öffentlichen Palastes. Lobreden und (60) Lobgedichte anf
ihn erschienen gesammelt im Drucke. — Im October 1739 eroberte
*) Es wurde das Spottgedicht in Umlaaf gesezt:
Der Himmel will den Orsini.
Das Volk will den Corsini,
Die Fraaen den Ottoboni,
Der Teafei den Alberoni.
*) Wenn diess wirklich geschah, so war Alberoni nor einen Tag wirklicher
Bischof von Malaga. Denn schon am 19. November 1725 wurden die Ballen für
den Bischof Didacas Gonzalez Toro Villalobos aupgefertigt. Da aber Alberoni ans
den Einnahmen des Bisthnms bis zu seinem Tode eine jährliche Rente von 17.500 Du-
caten bezog, so mag dadurch seine Bischofsweihe motivirt gewesen sein. Nach
Zjena, Conversaciones histor. Maiaguefias, Malaga, 1794,, t. IV, p. 240—211, erhielt
Alberoni wohl die Bullen für Mahiga, aber nicht für Sevilla. — Auch die Einkünfte
des Erzblsthums Tarraco bezog er l&ngere Zeit, —
QAmt, spfto. Kirch«, in. t. 21
322 Vierzehntes Buch. Eratee Kapitel
Alberoni die Republik San Marino , mnsste sie aber auf Befebl d
Papstes wieder fahren lassen. In demselben Jahre schenkte er sei
Stiftung S. Lazaro die Herrschaft Castel Romano, die er um 95.000 Sc
gekauft hatte. Nach dem Tode des Papstes Clemens XII. am f>. Feb
1740 trat Alberoni zum viertenmal in das Conclaye, worin er sich
stille hielt. Erst am 17. August wurde der grosse Papst Benedict XI
gewählt, der Mann der eisernen Arbeitskraft. Er ernannte den Albei
zum Legaten von Bologna, und zum ersten Cardinalpriester. S
Legation gieng im Jahre 1743 zu Ende. Er zog sich in seine Hb
math zurück. Schon 80 Jahre alt, redete er mit gleicher Leicht
italienisch, franzosisch, spanisch und lateinisch. Bis an sein Ende
Alberoni er frisch und fi:esund. Am 26. Juni 1762 starb er in seinem
+ 88 J.
alt, 1752. 2U S. Lazaro, 88 Jahre und 26 Tage alt. Diesem Seminar vei
er alle seine Güter in der Lombardei, im Werth von 600.000 Tblt
Sein Neffe Caesar erhielt die Güter im Kirchenstaate, im Wertbe
" 17s Millionen Dncaten, welche, falls Cäsar ohne rechtmässige
sterben würde, dem Seminar S. Lazaro zufallen sollten. Em
Neffe, Abbe Alberoni, erbte einen grossen Theil seiner Baa
auch seine Memoiren und Schriften. Als dieser dem Papste die K
von dem Tode des Cardinais brachte, bezeugte Benedict XIV..
er den Verstorbenen wegen seiner grossen Eigenschaften stets
geschäzt habe, dass Alles an ihm ausserordentlich gewesen sei, tfl
(niedriger) Stand, sein Glück, sein Geist, sein Alter und sein Aosehfo^
Der unter oder von Alberoni gemachte Entwurf eines CoDCOftÜ
zwischen Rom und Spanien blieb historisches Material, und werde M
den Akten gelegt.
§. 11.
Im Jahre der Verbannung Alberoni's aus Spanien wurde ta
ein Process gegen den Bischof von Oviedo gefuhrt, der mit
Absez- Absezung endete. Jos. Femandez de Toro hatte am 2. Joli !<
Bischofs Besiz von diesem Bisthume genommen; vorher war er Inquisitor
▼on Mnrcia gewesen. Schon im Jahre 1709 leitete die spanische loq^
' sition gegen ihn einen Process wegen Molinistischer YerirruogeD
') Lebcnsgeschichte aller Cardinäle (des achtzehoten Jahrh.) von M. M. l
— Regensb., 1788, Bd. III, S. 75 •— S. 126: «Mit emem Worte: der Cardiiali^
beroni war ein grosser Staatsmann, und ein rechtes Wunder unserer Zeitn' ^
La vie d* Alberoni, par J. Rotisset, La Haye, 1719. — Storia del CardecilA^
beroni, par el marchese Ottteviy Borna, 1756. „Alberoni*' in Ncovelle Bio^n^
universelle p. Höfer (-Didot), Paris, 1852, t T, p. 543— 666, mit zwei Scbmsetni^
Alberioni's vom Jahre 17^0 und 1721 („Nihil eo fuit excellentins, vel is vitüs, ^
in virtatibus*').
Der Bischof Toro von Oviedo; Primas Valero von Toledo. 323
Man sandte die Processakten nach Rom. Dahin wurde auch der Bischof
gebracht, und am 9. Juli 1716 in die Engelsburg eingesperrt. An den
Papst hatte er appellirt. Am 27. April 1719 gaben die Consultoren
ihre Voten ab. Nachdem der Papst das Gutachten von acht Cardi-
nälon gehört, gab er am 4. Mai die Sentenz: dass Fem. Toro als
formaler Kezer zu erklären, dass er als solcher den durch die Canones
verhängten Strafen und Censuren verfallen sei. Er sollte abschworen;
für alle Zeit sollte ihm die Ausübung seiner Weihen, und die Spendung
des heiligen Sacraments der Busse, sowie jegliche Leitung der Gewissen
untersagt sein. Er verlor sein Bisthum und alle seine andern Bene-
ficicn, und wurde verpflichtet, die noch nicht verzehrten Früchte der-
selben zurückzuerstatten. Zu seinem Unterhalte sollte er eine Pension
ans den Einkünften seines Bisthnms (4000 Ducaten) erhalten. Er
sollte in einem Erlöster Busse thun. Am 27. Juli führte man ihn von
der Engelsburg in den Vatican, wo er, vor dem Papste nnd den Car-
dinälen knieend seine Irrthümer abschwur, und schluchzend seine Schuld
bekannte. Er wurde in ein romisches Kloster gebracht. Im Jahre
1728 legte er Papst Benedict XIIL die Bitte vor, von allen gegen ihn
verfügten Strafen befreit zu werden. In Anbetracht seines Alters, seines
Betragens, und seiner langen Reue gestattete ihm der Papst, zu wohnen,
wo er wolle *).
§. 12.
Nach dem Tode des Cardinais Portocarrero (1709), der seitdem
Jahre 1695 auch Suburbicar- Bischof von Pracneste gewesen war*),
blieb das Erzbisthum Toledo bis zum 7. Mai 1715 erledigt. Franc. Valero eix-
y Losa^) stammte aus Villanueva (bei Cuenca). Er wurde Pfarrer p^^^'
daselbst. Als solcher ernannte ihn Philipp V. im Jahre 1T07 zum Vftiero
Bischöfe von Badajoz^ von welchem Bisthum er am 12. Mai 1708 Besiz ^®^^J**'
nahm. Er führte nüzliche Iteformen unter dem Klerus und dem Volke
durch, und gründete oder verbesserte kirchliche Institute. Im Jahre
1709 gab er einen kurzen Abriss alles dessen, was jeder Christ wissen
*} Espafia sagr., t. S9, p. 181—185. — Picot, Mömoires t. II, Paris, 1853^
p. 5J — 54 (WO der Bischof Tozo, statt Toro heisst).
*) Leben aller Cardinäle des achtzehnten Jahrhanderts, t. I; p. 119 — 134.
Za seinem Lobe ist n. a. za sagen, dass er die Kirchen von Palestrina mid Maria
Maggiore za Rom vor seinem Tode reichlich beschenkte. Dem heiligen Hause zu
Loreto schenkte er 20.000 Scndi.
*) YOora sagt F. Fuente^ t. VL p. 24; richtiger dagegen, t. Vi, p. 284 nnd
297: Losa«
21*
324 Vierzehntes Buch. Erates Kapitel.
und glauben muss^, heraus *)• Das Buch schweigt von den „Antons'
oder y^misterios sacramentales^, welche damals schon ihre Würde uud
ihren Ernst verloren hatten. Wenigstens eiferte Valero gegen dif*-
selben^ sowohl in seiner Pfarrei als in seinem Erzbisthnme, was die
Aatoi Ansicht bestätigt , dass diese Art von Zerstreuungen in den Klöst«
menta- ^01^ Estrcmadura wenig Eingang fand, welche unter dem Verwand w
!«•• Ehrbarkeit Gefahren und Unordnungen im Gefolge hatten, Unordnoogia^
die seit dem fün&ehnten Jahrhundert vergebens von allen geistlicba.
und weltlichen Auctoritäten gerügt worden waren'). Dreimal badr
Valero das Bisthum Badajoz niederlegen wollen. Daiur ernannte h
Philipp V. zum Primas von Toledo. — Nachts schlich sich Vildt
in Toledo ein. Er lebte ärmlich in seinem Gemache. Die Veik»
Balle de diguug der Bulle de la Cruzada vom Jahre 1719 bereitete ihm schwem
cAda \, Verdruss. Nachdem diese Verkündigung durch den General-Commisfl|
1719. der Cruzada, der ebenso ein königlicher Beamter war, wie der GeoerJj
Inquisitor, geschehen war, glaubte der Erzbischof, es sei nicht m
passend, wenn er sie selbst in seinem Sprengel verkünde. Er eil4
aber von dem Minister Alberoni „einen Verweis wegen dieses Vori
gehens^, nachdem der Papst alle der Krone gewährten Gnadeo dl;
Regalien suspendirt hatte. Alsbald schrieb er an den König uidfli
den Cardinal Alberoni, dass er nicht anders, als dem Papste geLon^-
könne. Bei dem Papste entschuldigte er sich demüthig, mit der Vo^
Stellung, dass, weil der vom heiligen Stuhle delegirte General-Gomim^
(so gehandelt), er ein Recht gehabt habe, annehmen zu dürfen, djtf
derselbe im Einvernehmen mit Seiner Heiligkeit vorgegangen. AK
man ihm bemerkte, dass Alberoni seinen Brief übel aufiiehmen werd^
antwortete er: „Wir wollen ohne Gefahr aus dieser Affaire herrof*!
gehen, mehr noch, wir werden gesichert hervorgehen^'). Der EÖ14
der ihn hoch ac^htete, befahl ihm, seine Visitationen der Diocese äc^
zuschieben, und den Bescheid zu hören, welcher in einer Coos-^?
(des Staatsraths?) gefasst worden. Man verglich sich. Der Pap^e^]
neuerte die Bewilligung, und^ der König befahl, dass der Erzbisdif
von Toledo diessmal es selbst allen Bischöfen mittheilen solle. BiU
nach diesem starb Franc. Valero, 23. April 1720. — In ihm siod vf
endlich auf eineii Bischof gestossen, der bei Conflikten zwischen Eo<
und Spanien sich offen auf die Seite des Papstes stellte^).
0 Breve Compendio de lo qne debe saber y creer todo chriatiana Bad, T^-
') Catalogo razonado etc. p. Vic. Barrantes, liadr. 1866, p. 49.
') Inzwischen war Albdroni, der Stein des Anstossea, gefallen.
*) Vida ejempiar del — Franc Valero y Losa, obispo intea de Badajox. ;
despues Arzobispo de Toledo, Primado de Espaüa. p. Ant. de los Re^t Camd
— Pamplon., 1792. i*.
Die B. g. „Traditionen^ der Spanier. 325
§. 13.
„Die Leichtigkeit, mit i;?elcher man in Spanien jede geschichtliche
Behauptung als Kezerei anklagt, welche den Meinungen des Volks,
oder von Personen, die im Rufe der Frömmigkeit stehen, nicht conform
ist, und die Verfolgungen, welche sich gegen jeden Kritiker erheben,
der' mit einiger Unparteilichkeit vorgehen will, und sich zuweilen etwas
von dem breitgetretenen Wege entfernt, veranlassen mich, hier auf das
Verbot der „Acta Sanctorum** von Papebroch und Henschen in Spanien
zu sprechen zu kommen^*'). Dieses offene Geständniss eines Spaniers
ist aller Anerkennung würdig. Die Censur der spanischen Inquisition
war schärfer, als die romische. Die Spanier haben in Rom nicht ge-
ruht, bis die Nachricht von der personlichen Fredigt des Apostels
Jacobus in Spanien wieder in das romische Brevier kam. Sie haben
bei jeder Gelegenheit geschichtliche Untersuchungen oder Behaupt-
ungen dadurch beseitigen wollen, dass sie sagten, sie Verstössen gegen
den Glauben und die Tradition. Zu der Tradition aber haben sie all'
das gerechnet, was eine Zeit lang fromme Meinung in Spanien war,
selbst die schrecklichen Geschichtsfälschungen am Ende des sechs-
zehnten, und im siebzehnten Jahrhundert. Sie haben sich bei ihren An-
nahmen stets auf die „Verjährung^ berufen; als ob etwas dadurch sp*-
Thatsache würde, weil es viele Jahrhunderte lang in Spanien für wahr ^y^.
gehalten wurde. Sie haben die Zweifel und Bedenken der Ausländer J^'j
aus den niedrigen Motiven des Neides und der Eifersucht gegen die
Grosse und Herrlichkeit der spanischen Kirche hergeleitet. Gross und
herrlich bleibt sie, wenn auch manche Annahmen einer spätem Zeit
sich als „Missverständnisse^ erweisen.
Als Manud Risco leugnete, dass Athanasius und Theodor die
ersten bekannten Bischöfe von Saragossa seien, so sagte er mit Recht,
dass Saragossa trozdem überschwenglich reich an Ruhm und Grösse sei,
da es (den Bischof Felix im dritten), den Bischof Valerius, den Le-
viten Vinzenz, und so viele Märtyrer im Anfang des vierten Jahr-
hunderts unbestritten besize. Nach ihm kam Fr. Lambert Zaragoza,
und wollte herbe Kritik an Risco üben"), hat aber doch nichts be-
*) Ftc de La Fuenie, VI, p. 25. Möge sich diess aein verkezemder Collega
Orti y Lara zn Herzen nehmen.
*) Man. Bisco, Esp. sagr., t. 80 — 31, Madr, 1775; Ausgabe von 1859,
p. 97—98. Dagegen: Teatro historico de las iglesias del reine de Aragon, por
Fr. Ijamb. de Zaragoza^ t. I. Zarag., 1780. Dagegen achrieb wieder Risco im
Anhang zu Band 33 der Espafia sagr., Madr., 1781 — eine Abhandlung: „Juicio 7
convencimlento de la obra, que el — Fr, Lamb, de Zaragoza (Kapuziner) publicö
el afio ^de 1780 — contra t. 30 de la Esp. sagrada, p. III ~ XXXVII, wo er den
Unterschied zwischen wahren und falschen Traditionen ausefnandersezt.
326 Vierzehntes Buch. Erates Kapitel.
wiesen, nicht einmal wahrscheinlich gemacht, dass Athanasios, Theodor
und Epictet die ersten Bischöfe von Saragossa gewesen. Während'.
Bisco diese drei fallen Hess, glaubte Florez im Band 15 (der Espant
sagr., 1759), bei dem Erzbisthnm Braga noch den Petras Bathcnsk
als Schüler des heiligen Petras und Jacobus, und ersten Bischof tci
Braga aufrecht halten zu können. Was er aber als Beweise beibric!
sind leere Behauptungen. Mit Recht sagen die Bollandisten: ^ob d(
Petrus mit Recht der Titel eines Bischofs beigelegt werde, dan.Ui
wollen wir nicht streiten. Wir wollen es der Leichtgläubigkeit d:
Bracarenser zugeben, welche ihn als solchen verehren, und dem hemi^i]
romischen Martyrologium, worin er als solcher steht^*). Gegen
und ähnliche Eingriffe der Bollandisten in die s. g. Traditionen
Spanier, zunächst wegen der Frage des Ursprungs der Carmeliteo
dem Propheten Elias auf dem Berge Carmel, erhob sich die vfvm
Inquisition. Spanische Carmeliten baten im Jahre 1691 und 1694
Inquisition um Schnz ihrer „Traditionen". Das „heilige OfEcioi
verdammte 14 Folianten der Bollandisten durch Decret vom 25.
tober 1695. Dieser „terrible Schlagt wiederhallte in ganz Earo^
Denn diese 14 Folianten vollbrachten unter allen Volkern nngehinii
ihren Lauf. „Man kann behaupten," sagt obiger Spanier, „daf^
kaum einen Gelehrten von bedeutendem Rafe gab, von dem Papebr^
nicht Briefe erhalten, die ihn in seinem Missgeschicke trösten und ü
ermuthigen sollten, heiterere Tage auch für sich vom spanischen Hii
mel herab zu erwarten^. Besonders die Dominikaner bezeugten
ihre Theilnahme. Papebroch bat die Inquisition, ihm die Irrthäi
näher zu bezeichnen, damit er sie im Nothfalle widerrufen könne.
General -Inquisitor Rocaberti befahl, dass den Wünschen Papebrod
entsprochen werde. Aber die „Qualificatoren^ verschoben die Antv£
Dia Die Ankläger der Bollandisten hatten schon früher auch in Rom Kli
«Act» gestellt, aber kein Gebor gefunden. Es erhoben sich vielmehr stifl
rnm« Vertheidigcr, wie die Cardinäle Albani (Papst Clemens XI.), de Kw^*
cenro- Aguirrc, Sfondrati, Barberini, Petruchi, Carpegna, Coloredo; besoiKi<
der Mauriner Mabillon, der zur Vcrtheidignng Papebroch's an alle scii
Freunde in Rom schrieb; ebenso der Benedictiner Bened. Bacbini (16l*^
Nach wiederholten wüthenden Delationen und wiederholten rti
liehen Untersuchungen wurden die 14 Bände, enthaltend die Moo:
März, April und Mai, freigesprochen. Die politischen Wirren rwisil«
Rom und Spanien hinderten Papst Clemens XL, sich um Aofhebcs
des Verbots an die spanische Inquisition zu wenden. Der Genertt"]
') Detnr hoc sane Bracarensium credolitati , qui eum sie colunt, et kKÜerto
Martyrologio, cui »ic est inBcriplus. Acfa Sancf., April (t 111; Ü6, p. ICOl-Iw^
BollandiBten; der Historiker J. Ferreras, 327
luqoisitor Vidal Marin erklärte in Folge einer eingereichten Denkschrift^
dass die „Acta Sanctornm^ nicht in das Yerzeichniss der in Spanien
verbotenen Bacher gesezt werdeiL sollen , welches im Jahre 1707 er-
schien. Er bestimmte 17 Qualificatoren ans der Zahl der angesehensten
Theologen, welche die censarirten 14 Bände wiederholt prüfen sollten.
Sie legten sehr bald ihr Gutachten „dem Kath der Suprema^ vor,
aber die Entscheidung verzögerte sich acht Jahre. Am 20. December
1715 erklärte der General-Inquisitor Cardinal Franc, de Giudice:
Nachdem die Werke der P. P. Henschen und Papebroch reiflich
geprüft worden, hebe er das absolute Verbot derselben auf; nur leichte
Verbesserungen sollten nachgetragen werden. Es bleibe verboten der
zweite Theil der „Conatus critici historici^' zu dem Cataloge der ro-
mischen Päpste, der nicht zu den ,,Acta Sanctorum'^ selbst gehörte,
wegen des Unpassenden gewisser Erzählungen darin. Man sollte
denken, dass man dieses „Unpassende^^ in Rom mehr, als in Spanien
empfunden hätte. Von den 14 Bänden wurden 7 ganz untadelig be-
funden; alle Correcturen fallen auf die 7 noch übrigen; auch hier war
die Zahl der „Corrigenda^^ gering; es sind mehr Nachlässigkeiten der
Verfasser, die gerügt werden. Das Decret solle am 20. December
1715 im ganzen Reich bekannt gemacht, und während des Januar 1716
an allen Kirchenthüren angeschlagen werden*).
§. 14.
Ein ähnliches Schicksal, ähnliche Angriffe wegen seiner Ortho-
doxie erfuhr der Historiker Juan de Ferrerca. Geboren den 7. Juni J"*« <*«
1652 zu La Baneza bei Astorga, studirte er auf den hohen Schulen r««.
von Valladolid und Salamanca. Er wurde Pfarrer von Santiago de
Talavera, wo er durch seine Predigten sich auszeichnete. Im Jahre
1681 kam er nach Alvares; hier regte ihn der berühmte Marques
Caspar de Mendoza Jbanez de Segovia zum Studium der spanischen
Geschichte an. Im Jahre 1685 wurde er Pfarrer zu Camarma bei Alcala,
wo er besonders Theologie studirte. Von da berief ihn der Cardinal
Portocarrero nach Madrid, übergab ihm die Pfarrei S. Pedro, und
später San Andres, und nahm ihn als seinen Beichtvater an. Ferreras
vertheidigte mit grossem Eifer die Sache Philipp's V. Er ist Verfasser
mehrerer hieber gehöriger Schriften. Auch bei dem Nuntius Aquaviva
') Ueber Dan. Papebroch, der den Ausgang des Processes nicht mehr erlebte,
(geb. 1628, t 28. Juni 1714), s. Acta Eruditorum, annus 1715. — Vita Papebrochii,
in Acta Sanctoram, t. VI, Juni. Ntceron, Memoiren t. II. Vic. de La Fuente, VI,
p. 25 — 29 ;anB einer Denkschrift des achtzehnten Jahrb.)
326 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
wiesen, nicht einmal wahrscheinlich gemacht, dass Athanasias, Theodo^
und Epictet die ersten Bischöfe von Saragossa gewesen. V^ährcod
Bisco diese drei fallen liess, glaubte Florez im Band 15 (der Espan^
sagr., 1759), bei dem Erzbisthum Braga noch den Petrus Rathcn«
als Schuler des heiligen Petrus und Jacobus, und ersten Bischof vc
Braga aufrecht halten zu können. Was er aber als Beweise beibriD:*,
sind leere Behauptungen. Mit Recht sagen die Bollandisten: „oh dcB
Petrus mit Recht der Titel eines Bischofs beigelegt werde, darfl*r
wollen wir nicht streiten. Wir wollen es der Leichtgläubigkeit dir
Bracarenser zugeben, welche ihn als solchen verehren, und dem heotlvc
römischen Martyrologium, worin er als solcher steht^*). Gegen die^
und ähnliche Eingriffe der Bollandisten in die s. g. Tradiücneo der
Spanier, zunächst wegen der Frage des Ursprungs der Carmeliteo titd
dem Propheten Elias auf dem Berge Carmel, erhob sich die spanisck
Inquisition. Spanische Carmeliten baten im Jahre 1691 und 1694 dk
Inquisition um Schuz ihrer „Traditionen". Das „heilige OfEciasi'
verdammte 14 Folianten der Bollandisten durch Decret vom 2a Ik^
tober 1695. Dieser „terrible Schlagt wiederhallte in ganz Eoroj«,
Denn diese 14 Folianten vollbrachten unter allen Volkern nncrehiikk
ihren Lauf. „Man kann behaupten," sagt obiger Spanier, „das» a
kaum einen Gelehrten von bedeutendem Rufe gab, von dem Papeb(i)(l
nicht Briefe erhalten, die ihn in seinem Missgeschicke trösten und IIa
ermuthigen sollten, heiterere Tage auch für sich vom spanischen BId-
mel herab zu erwarten^. Besonders die Dominikaner bezeugteo ilm
ihre Theilnahme. Papebroch bat die Inquisition, ihm die Irrtbümfr
näher zu bezeichnen, damit er sie im Nothfalle widerrufen könne. Ptf
General -Inquisitor Rocaberti befahl, dass den Wünschen Papebrock'f
entsprochen werde. Aber die „Qualificatoren^ verschoben die Antvoii«
Dia Die Ankläger der Bollandisten hatten schon früher auch in Rom Elagi]
«Acta gestellt, aber kein Gehör gefunden. Es erhoben sich vielmehr starb'
Vertheidiger, wie die Cardinäle Albani (Papst Clemens XL), de Kori«i
Aguirre, Sfondrati, Barberini, Petrnchi, Carpegna, Coloredo; besond«!
der Mauriner Mabillon, der zur Vertheidignng Papebroch's an alle sei»
Freunde in Rom schrieb; ebenso der Benedictiner Bened. Bachini (I6l^'*'
Nach wiederholten wüthenden Delationen und wiederholten reif-
lichen Untersuchungen wurden die 14 Bände, enthaltend die Moostc
März, April und Mai, freigesprochen. Die politischen Wirren zwisiln*
Rom und Spanien hindeiien Papst Clemens XL, sich um Aafteboit;
des Verbots an die spanische Inquisition zu wenden. Der Geoersr
nun'*
censu
rirt
') Detnr hoc sane Bracarensium credalitati , qui eum sie colont, et bipdkrct
Martyrologio, cui sie est inscripfuß. Acta Sanct., April (t III; *2(J, p. I(OI-l<Xi
Cardinal U Belluga, 1719. 329
^. 15.
Von Schwermuth getrieben übertrug Philipp V. durch Decret
vom 14. Januar 1724 seinem ältesten Sohne Ludwig die Krone; er p^i- «
wollte sich ausschliesslich seinem Seelenheile widmen. Ludwig war ^,,^{^^1.
geboren am 25. August 1707, wurde Konig am 15. Januar 1724. Der
Tod raffte ihn schon am 31. August 1724 hinweg, und Philipp V.
kehrte zur Regierung zurück.
Unter den Bischofen Spanien's in jener Zeit ragte Lud. Belluga »«»«»»oi
y Moncada hervor. Er wurde zu Motril am 23. November 1662 ge- von
boren, und studirte in Granada und Sevilla. Er wurde Canonicus und ^^^^^^^
Professor der Theologie zu Cordova. Der Cardinal Salazar, damals Cftrdinai
Bischof daselbst, bewog ihn , in die Gesellschaft der Oratorianer zu *»^»"«'-
treten. Durch dessen Vermittlung wurde er im Jahre 1705 Bischof
von Murcia, welche Provinz er (wie wir horten) in der Treue gegen
Philipp V. erhielt. Mit den Ausschreitungen des Königs und Hofs
gegen Rom in den Jahren 1709 — 1719 war er unzufrieden'). Durch
eine von ihm zu Gunsten Rom^s herausgegebene Schrift kam er bei
Ilof in Ungnade, und musste sich in seinem Bisthume zurückgezogen
halten. Philipp V. trug ihm seinen Zorn viele Jahre nach. Als er
hörte, dass Papst Clemens XI. ihn zum Cardinal ernennen wolle, be-
fahl er seinem Gesandten in Rom, Cardinal Aquaviva, sich dieser Er-
hebung aus allen Kräften zu widersezen. Aquaviva erfuhr, dass Belluga
am 24. November 1719 Cardinal werden sollte, eilte am Abend vorher
zum Papste, hoffie, ihn durch furchtbare Drohungen einzuschüchtern,
und schlug den Jesuiten P. Aubanton, Beichtvater Philipp's V., als
Cardinal von
Clemens XL erhob am 24. November 1719 den L. Belluga unter
vielen Lobsprüchen zur Cardinalswürde, nannte ihn den grössten Eiferer ^"°f*
für den wahren Glauben^ den unerschrockenen Vertheidiger der päpst- nai,
liehen Auctorität, den tapfem Vorkämpfer der kirchlichen Freiheit, eine ^^'^'
grosse Leuchte und Zierde der frommen spanischen Nation. Trozdem
brachte es Aquaviva dahin, dass der Cardinalshut eine Zeit lang in
Rom zurückbehalten wurde. Belluga wollte diese Würde gar nicht
annehmen , und der Papst befahl ihm mit Strenge , sich zu fugen.
Vergebens wandte sich Belluga auch an das Collegium der Cardinäle.
Mömoires de Tiövoux, März, Juli, August, 1743; Mai, Juli, 1752. — Retratos de
los Espafioles ilustres oon nn epitome de aus vidas, Madr., 17d1, 2^ — Ferd.
Wolf, b. Ersch. und Oruber, Encycl., Leipzig, 1846. — Ticknor-Julitis, 1851, 11,
p. 352. Ticknor-Wolf, 1867, p. 197.
') Abo wieder ein wirklich rOmisch- katholischer Bischof.
326 Vierzehntea Buch. Erstes ElapiteL
wiesen, nicht einmal wahrscheinlich Seemacht, dass Athanafiioe, Theodot
und Epictet die ersten Bischöfe von Saragossa gewesen. 'WährcDij
Bisco diese drei fallen Hess, glaubte Florez im Band 15 (der Espani
sagr., 1759), bei dem Erzbisthum Braga noch den Petrus Ratbcnsu
als Schuler des heiligen Petrus und Jacobus, und ersten Bischof res
Braga aufrecht halten zu können. Was er aber als Beweise beibrio^,
sind leere Behauptungen. Mit Recht sagen die Bollandistcn: „ob des
Petrus mit Recht der Titel eines Bischofs beigelegt werde, daii^
wollen wir nicht streiten. Wir wollen es der Leichtgläubigkeit ii:
Bracarenser zugeben, welche ihn als solchen verehren, und dem beotiitc
romischen Martyrologium, worin er als solcher steht^*). Gegen die^
und ähnliche Eingriffe der Bollandisten in die s. g. Traditionen der
Spanier, zunächst wegen der Frage des Ursprungs der Carmeliten toq
dem Propheten Elias auf dem Berge Carmel, erhob sich die spanisclM
Inquisition. Spanische Carmeliten baten im Jahre 1691 und 1694 dk
Inquisition um Schuz ihrer „Traditionen". Das „heilige Officioa*
verdammte 14 Folianten der Bollandisten durch Decret vom 25. 0>
tober 1695. Dieser „terrible Schlagt wiederhallte in ganz Eoron.
Denn diese 14 Folianten vollbrachten unter allen Völkern uncrehiiKk
ihren Lauf. „Man kann behaupten," sagt obiger Spanier, „da^ «
kaum einen Gelehrten von bedeutendem Rufe gab, von dem Papebfod
nicht Briefe erhalten, die ihn in seinem Missgeschicke trösten und ibn
ermuthigen sollten, heiterere Tage auch für sich vom spaniscben HiiD*
mel herab zu erwarten^. Besonders die Dominikaner bezeugten iiiQ
ihre Theilnahme. Papebroch bat die Inquisition, ihm die Irrtbüm^
näher zu bezeichnen, damit er sie im Nothfalle widerrufen koone. Htf
General -Inquisitor Rocaberti befahl, dass den Wünschen Papekocki
entsprochen werde. Aber die „Qualificatoren^ verschoben die Antvcrl
Dia Die Ankläger der Bollandisten hatten schon früher auch in Rom Elijl
«Acta gestellt, aber kein Gebor gefunden. Es erhoben sich vielmehr stark
Vertheidiger, wie die Cardinäle Albani (Papst Clemens XI.), de Kcri
Aguirre, Sfondrati, Barberini, Petruchi, Carpegna, Coloredo; besoDderi
der Mauriner Mabillon, der zur Vertheidignng Papebroch's an alle ?tiK
Freunde in Rom schrieb; ebenso der Benedictiner Bened. Bacbini (I6'>''-
Nach wiederholten wüthenden Delationen und wiederholten nf-
liehen Untersuchungen wurden die 14 Bände, enthaltend die MonV^
März, April und Mai, freigesprochen. Die politischen Wirren z?ristktB
Rom und Spanien hindeiien Papst Clemens XL, sich um Aafbebüiu'
des Verbots an die spanische Inquisition zu wenden. Der Geoe:^
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') Detnr hoc sane BracareDsium credalitati, qui eum sie coluot, et Iwdien«
MartyrologiOy cui »ic est inscrlpfuß. Acta Sanct., April (t III; 26, p. ICOI-l^^
Versuchte «Befonnen*. Reformbiüle vom 13. Hai 1723. 331
ausgegangenen Manifeste Glauben schenken darf, so hätte sich Bellaga
bloss von Gründen der Etikette, vielmehr des Vorranges leiten lassen.
Da er als Bischof unter dem Primas von Toledo stand, so habe er
auf die ältesten Jahrhunderte der Kirche recnrriren wollen, in welchen,
wenigstens bis zum Jahre 400, die Bischöfe von Cartagena als Metro-
politen vor denen von Toledo den Vorrang gehabt*). Damit Belluga
nicht einem zu Toledo gehaltenen Concil hätte anwohnen mässen, habe
er Philipp V. dahin gebracht, sich die Reform von Rom aus zu er-
bitten. Dieser Vorwurf scheint uns, in Anbetracht der Persönlichkeit
Belluga's, niederträchtig zu sein. Der Weg der Verhandlungen mit
Rom schien ihm der kirchlichere und wirksamere zu sein.
§. 16.
Nach dem Tode des Papstes Clemens XI. (f. 19. März 1721)
begab sich Belluga, mit dem Cardinal Borgia, zum Conclave nach
Rom. Die Regierung wies Jedem zur Bestreitung der Kosten 6000 Dub-
lonen an. Von Alicante fuhren sie mit drei Fregaten nach Civita
Vecchia, Bei ihrer Ankunft in Rom (nach dem 8. Mai) war Inno-
zenz XIII. schon gewählt. Am 10. Juni empfingen sie aus seiner
Hand den Cardinalshut, am 16. die Titel ihrer Kirchen. Belluga weilte
iiber ein Jahr in Rom. Auf sein Betreiben erliess der Papst die Bulle: ^'*"* ^-
Apostolici muneris, 13. Mai 1723, worin die Grundsäze einer Reform i-m,
der Kirche in Spanien ausgesprochen sind. Sie enthält 20 Punkte zur
Reform des Welt- und Ordens -Klerus, und weitere vier Artikel über
die Beobachtung dieser Bulle. Sie handelt von der Tonsur der Kle-
riker, der Vorbereitung zum Eintritt in den Klerus, von der Residenz der
Kleriker bei ihren Kirchen, von dem Predigtamte der Pfarrer, von der
Weise, diesen Coadjutoren zu geben, von der Verminderung der Bene-
ficien ohne die Congrua, von dem Vorrange der Bischöfe, welcher in allen
Fällen aufrecht erhalten werden sollte, um die lächerlichen Missbränche
zu verbannen, die sich in vielen Kirchen Spanien's zum Schaden der
Würde der Bischöfe eingeschlichen hatten. Die Reform der Regularen
umfasst sechs Punkte. Der Nuntius möge sorgen, dass in .den Klostern
nicht mehr Mönche und Nonnen aufgenommen werden, als die Ge-
nossenschaft unterhalten könne. Sie handelt über die Weihen, die
Cura der Mouche, worin sie den Bischofen unterstellt werden; über
die Beichtväter der Nonnen. Die Bischöfe sollen die Missbräuche ab-
') DiesB ist eine Best&tigung dessen, was wir stets behauptet haben, dass
Bischof Hikritts Im Jahre 400 Metropolit von Cartagena und anch Aber Toledo ge-
wesen, Kirchengesch. II, p.p. 177 — 178; 395— 39G; 442—144; eine Bestätigung,
lieblich zu hören aus dem Munde der Toletaner selbst
326 Vierzehntea Buch. Erstes Kapitel.
Tviesen, nicht einmal wahrscheinlich gemacht, dass Äthanasias, Theodor
und Epictet die ersten Bischöfe von Saragossa gewesen, ^^ahrend
Bisco diese drei fallen Hess, glaubte Florez im Band 15 (der Espana
sagr., 1759), bei dem Erzbisthum Braga noch den Petrus Rathensl«
als Schüler des heiligen Petrus und Jacobus, und ersten Bischof tcb
Braga aufrecht halten zu können. Was er aber als Beweise beibricjr,
sind leere Behauptungen. Mit Recht sagen die Bollandisten: ^ob dtr.
Petrus mit Recht der Titel eines Bischofs beigelegt werde, darfJ*'
w^ollen wir nicht streiten. Wir wollen es der Leichtgläubigkeit dir
Bracarenser zugeben, welche ihn als solchen verehren, und dem heotiga
romischen Martyrologium, worin er als solcher steht'*). Gegen £ae
und ähnliche Eingriffe der Bollandisten in die s. g. Traditionen der
Spanier, zunächst wegen der Frage des Ursprungs der Carmeliten toq
dem Propheten Elias auf dem Berge Carmel, erhob sich die spanisd«
Inquisition. Spanische Carmeliten baten im Jahre 1691 und 1694 dii'
Inquisition um Schuz ihrer „Traditionen^^ Das „heilige Officiaai*!
verdammte 14 Folianten der Bollandisten durch Decret vom 2o. Oe-
tober 1695. Dieser „terrible Schlag' wiederhallte in ganz Eorop^
Denn diese 14 Folianten vollbrachten unter allen Völkern ungebinddt
ihren Lauf. „Man kann behaupten," sagt obiger Spanier, „dass a
kaum einen Gelehrten von bedeutendem Rufe gab, von dem PapebocV
nicht Briefe erhalten, die ihn in seinem Missgeschicke trösten und üb
ermuthigen sollten, heiterere Tage auch für sich vom spanischen Bio*
mel herab zu erwarten^. Besonders die Dominikaner bezeugten iim
ihre Theilnahme. Papebroch bat die Inquisition, ihm die Irrthämer
näher zu bezeichnen, damit er sie im Nothfalle widerrufen könne. Her
General -Inquisitor Rocaberti befahl, dass den Wünschen Papehrocli*i
entsprochen werde. Aber die „Qualificatoren^ verschoben die Antircit
Die Die Ankläger der Bollandisten hatten schon früher auch in Rom Klifl^
^Acu gestellt, aber kein Gehör gefunden. Es erhoben sich vielmehr starb;
mm« Vertheidiger, wie die Cardinäle Albani (Papst Clemens XL), de Ncri
eensu- ^guirrc, Sfoudrati, Barberini, Petrnchi, Carpegna, Coloredo; besond«»
der Mauriner Mabillon, der zur Vertheidignng Papebroch's an alle seac
Freunde in Rom schrieb; ebenso der Benedictiner Bened. Bachini (16^'''*
Nach wiederholten wüthenden Delationen und wiederholten reif-
lichen Untersuchungen wurden die 14 Bände, enthaltend die Mocat(
März, April und Mai, freigesprochen. Die politischen Wirren zwisiI»iT
Rom und Spanien hinderten Papst (])lemens XL, sich um Aafbeba^:
des Verbots an die spanische Inquisition zu wenden. Dar Gcner?"
*) Detar hoc sane Bracarensium credalitati, qui eum sie colnst, et üudieni
Martyrologio, cni sie est inscriptUB. Acta Sancf., April (t 111; i:(>, p. ICOl-l'AJ-
Belluga bleibend in ftom, 1724-1743. 3Si
sich ziizog. Als er im Jahre 1724 sieh zum zweiten Conclave nach
Rom begab, hielt er es für gerathen, seioem Bisthume zu entsagen.
Bei dem nenen Papste Benedict. XIII. stand er in hoher Gunst, der
ihn immer in seiner Nähe haben wollte. Beide waren vereinigt durch
ihren brennenden Eifer für die Verbesserung der Kirchenzucht, und der •
Sitten des Klerus. Sogleich sezte der Papst eine Commission ein,
welche aus den hiefur eifernden Cardinälen Belluga, Tolomei und Zon-
dadari bestand, die über eine allgemeine Reform des Klerus berathen
sollte. Belluga wohnte dem Lateranconcil von 1725 an, und gab sich
viele Mtlhe zu beweisen, dass es ein allgemeines sei, als welches er
freilich nicht anerkannt wurde '). Der Erhebung Coscia's zum Cardinal
widersezte er sich nach Kräften, was ihn bei Papst Benedict XIII. eben
nicht empfahl. Im Jahre 1733 wurde er an der Stelle des Cardinais
Cornel. Bentivoglio spanischer Minister in Rom^.
§. 17.
Neue Conflikte brachen zwischen Rom und Spanien vom Jahre ^«°«
COD«
1734 an aus. Der lezte Grund davon war der Ehrgeiz der Konigin, f^-^y^^
welche zu Lebzeiten einen ihrer Sohne als König, den andern als "'*'
Cardinal sehen wollte. Bei dem Ableben des lezten Herzogs von ■T6A.i7.
Parma, Anton. Farnese, sollten diese Herzogthümer an Spanien fallen.
Anton. Farnese (seit 1727) starb ohne Erben den 20. Januar 1731.
In Folge des Wiener Vertrags vom September 1731 nahm der Infant
D. Carlos Besiz von den Herzogthümem. Im Jahre 17L'3 erklärte
Philipp V. dem Kaiser den Krieg, und sandte eine Armee nach Italien,
deren Anführer D. Carlos, damals 17 Jahre alt, am 14. März 1734
wurde. Carlos drang in das Königreich Neapel ein; er vnirde am
15. Mai 1734 in der Hauptstadt selbst als Konig proclamirt. im Jahre c«riTTt
1735 eroberte er auch die Insel Sicilien. Am 18. November 1736 f",^*
b«!der
wurde ein neuer Vertrag zu Wien geschlossen, durch welchen Spanien sieiuen.
im Besize beider Sicilien bestätigt wurde, während es auf Toscana,
Parma und Piacenza zu Gunsten des Hauses Habsburg verzichtete.
Belluga wurde im Jahre 1 734 beauftragt, auf den freien Durchzug
der Spanier durch den Kirchenstaat zu dringen. Papst Clemens XII.
gab nach. Aber die spanischen Officiere und Beamten hoben mit mehr
oder weniger Gewalt Soldaten im Kirchenstaate aus. Durch solche
Gewaltthätigkeiten kam die Wuth des Volks zum Ausbruche — März
') Concilinm Bomanam in basil. Lateraneasi celebratom — Romae, 1725;
Monachii, 1726. Dasselbe iu: Conoilioram receatioraiii collectio Lacensis, Fribar^,
t. I, 1870, p. 341—466.
*) Lebens^scb. aller Cardinale des achtzehnten Jabrbanderts, II, p. 411-419«
334 Vierzehntes Bnch. Erstes Kapitel.
1 730. Spanier wurden in Rom und Ostia ermordet. Andere flobeo in
Klöster. Der „instinktive Hass^ der Einwohner des Kirchenstaats gegra
die gewaltthätigen Spanier brach wieder einmal in hellen Flammea am.
Das Volk, andere sagen der Pobel, machte einen Angriff aof die pa-
nische Gesandtschaft. Im Jahre 1735 war der Cardinal AqnaTiniii
^^^'^'^ spanischer Minister an die Stelle Belinga's getreten. Mit 50 spanisAei
Soldaten vertheidigte er sich in dem Gesandtschaftspalast. Da Pipi
Clemens XII. keine den Ansprüchen genügende Satisfaction leistt«,
so wurde der Intemuntins des Papstes wieder eiamiil sos S|iiii^
ausgetrieben, wieder einmal das Tribunal der Nuntiatur gesperrt, G
nach Rom za senden verboten, und dem neuen Nuntius, Valent.
zaga, der Eintritt in das Land verweigert. Aehnlichcs geschah
Neapel. Alle Spanier jeden Standes und Geschlechtes mussten Rc
verlassen. Mit den übrigen Spaniern retirirte der Cardinal Belli
nach Neapel, wo sie bis März ] 737 blieben. Das spanische Heer
in den Kirchenstaat ein*). Veletri suchte vergebens Widerstaixl
leisten. Die Spanier errichteten Galgen auf den Marktpläzen
Städte, wo ßie Viele von denen aufhingen, die Theil an dem Aofet
genommen. Die Stadt Veletri musste 18.100 Scudi als Strafe bei
Gleiche Contributionen zogen sie von Ostia und andern Orten,
grossere in Palestrina ein. Der Papst musste nun auf alle Forden
des spanischen Hofes eingehen.
Er musste auch dem Infanten Luis Bourbon den Cardii
geben. Er war am 25. Juli 1727 als jüngster Sohn Philipp's V.
boren. Der Cardinal (seit 1727) Didacus von Astorga, Nachfel^
Fr. Valero's als Erzbischof von Toledo, war am 9. Februar IVÜ
i>«r Tode abgegangen. In dieser Würde sollte ihm nun Luis Bourbon,
Loii\t sieben Jahre alt, folgen. Dieses Erzbisthum hatte jährlich viele T
Boar- Goldes Einkünfte, und die Konigin trug kein Bedenken, solches il
jungen D. Louis „zuzuschanzen^. Sie verlangte durch ihren Minister,
durch den Cardinal Belluga, dass ihn der Papst als EIrzbischof
tigen solle''). Clemens XIL wollte nicht ein Kind al» Erzbischof
sczen. Die Konigin suchte nun aus dem Kirchenrecht und der Kirel
geschichte, d. h. aus frühem kirchlichen Missbräueben, ihre Aospro«
zu begründen. Endlich am 12. Juli 17^5 gab der Papst nach*). ^
der Prinz (sagt obiger Lebensbeschreiber, III, p. 161) den geistlic
Ilabit anlegte, empfand die Mutter ein solches Vergnügen darüber,
sie überlaut ausrief: «O Ludewig, o Ludewig, fahre fort, da
') Sabau, X2, 826—329.
*) Lebensgesoh. aller Gardinäle des aohtzehatea Jahrhonderts, in, M^^"^
") Anderswo ist der 13. Februar 1736 und 1. December 1737 als Aafu^ ^
iiAdministration*^ de« Luis Bourbon bezeiobnet.
£in achtjähriger Cardinal. Neaea Concordat B'df)
höher steigen, und einmal die dreifache Krone erlangen, ob sie gleich
bisher keinem Äasländer (?) zn Theil geworden; dein Bruder Don
Carlos kann dir, nebst andern Prinzen, die mit uns in Freundschaft
leben, dazu behilflich sein/^ Prinz „Ludewig'' aber zog den Ehestand
der dreifachen Krone vor. Die Mutter Hess nun auch um den Cardinals-
hot durch Aquayiva werben. Da der Papst in Bedcangniss war, so
gab er nach. Der Infant wurde am 19. December 1735, ganz allein,
zum Cardinal ernannt. In der ganzen katholischen Kirche war man
über diesen ^,kindischen'' Cardinal verblüfft ').
Diese Regierung, welche solche Missbräuche förderte, ja mit Ge-
walt sie vom Papste erzwang, hatte beständig den Mund voll über die
Missbräuche der römischen Curie in Spanien«
§. 18.
In Madrid hatte man Materialien gesammelt, um das unbeschränkte
königliche Patronat über fast alle Kirchen Spanien's nachzuweisen.
Der Abt von Vivanco, Secretär der (konigl.) Kammer, hatte dem Konige
ein Memorial über diese und andere angebliche Rechte der Krone über-
reicht — 1735, deren Bestätigung von Rom man verlangte. Dem
widersezten sich der Bischof von Avila, Internuntius, sowie die Vor-
steher der Benedictiner, welche leugneten, dass der Konig das Patronat
über ihre Consistorial-Abteien habe. Der Minister Josö Patino wollte
in einem gelehrten Foliobande das allgemeine Patronat des Königs
beweisen'). Der Abbate Guiccieli, geheimer römischer Agent am Hofe
von Madrid, sandte heimlich Breven an Bischöfe, mit der AufTorderung,
weder das gegen Rom geschleuderte (staatliche) Interdict, noch das
(allgemeine) königliche Patronat anzuerkennen; er erklärte als null und
nichtig alle von der Regierung in diesem Sinne genommenen Maass-
regeln. Die Regierung Hess diese Breven einsammeln, und verschiedene
Agenten, welche heimlich Bittgesuche nach Rom gerichtet und Ant-
wort von dort erhalten hatten, wurden mit schweren Strafen heimgesucht.
Eine neue Regierungsjnnta wurde eingesezt, an ihrer Spize Caspar
von Molina y Oviedo, Bischof von Malaga, Präsident des königlichen
Rathes, fünf Räthe, und die Theologen Fr. Juan Raspeno, Fr. Matias
') Der rOmische Pasquino stellte eine Person dar, welche in der einen Hand
einen Cardinalshut, in der andern ein Backwerk hielt, und beidos dem Infanten
präsentirte, welcher seine Hand nach dem Gebackenen aasstreckte. — Dierönsele
ttdemas, con escindalo de todas las personas de virtnd, los arzobispados de Toledo
y Sevilla (lezteres seit 1742). Fuente, VI, p. 38.
^ PropognAculo histörico canönico, politico y legal dcl Real y universal
patronato; Madrid, 1786 — in fol. — (v. Patifio),
o3C Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
Teran, Fr. Antonio Gotierrez und Fr. Domingo Losado. Dio Jantt
sollte die Aufträge formnliren, welche für die Unterhandlung über tm
neues Concordat dem Cardinal Aquaviva zu ertheilen seien, und Vor«
schlage machen , was die Regierung tbun solle, wenn Rom das ug»*
botene Concordat zurückweisen würde. Daraus schon sieht man, inr ^
es mit dem neuen Concordat gemeint war. Rom sollte Alles cok^ .
diren, Spanien Alles erhalten. Schon als der KOnig am 23. Deoeob^
(1735?) im Staatsrathe neue Verhandlungen mit Rom ankündigte, bHi
zeichnete er das am 24. October erlassene Decret, welches die Vor)ijil[
aller päpstlichen Breyen, Rescripte, mit Ausnahme der Elrlasse M
Pönitentiarie, an den Staatsrath verlangte^), als das beste Mittel, M
seit Jahrhunderten von Rom Verlangte zu erlangen *). Vor den Vd^
handlungen starb der Minister Jose Patino (f 5. Nov. 1736). Sdv
Nachfolger Sebast. de la Cuadra war ihm weder an Kenntnissen
an Energie ebenbürtig. Anderseits wünschte Molina den
zu sehen, der ihm, nach dem Abschluss des Concordats, in Anssi«
stand ^). — Die Regierung aber wünschte, da Clemens XIL
83 Jahre alt war, bei der bevorstehenden Sedisvacanz Einfluss anf
Papstwahl zu erhalten. In Rom war päpstlicher Bevollmächtig
Cardinal Firrao, spanischer der Gesandte Cardinal Aquaviva^).
brachten das Concordat am 26. September 1737 zum Abschlass;
wurde von Clemens XII. am 12. November genehmigt. Es richtet
vielfach nach dem Entwurf eines Concordats vom Jahre J 717—17!
Artikel 1) Es wird der Verkehr mit dem heiligen Stuhle vollkoo
Concor- ^icdcr hergestellt; wie vorher, sollen die apostolischen Bullen nod &
data von BuUeu in Ehesachen ausgeführt werden; der Nuntius und das Tri
^^^^' der Nuntiatur, wie vorher, in Thätigkeit treten. 2) Die Miss
des Asyls sollen beschränkt werden. 3) Beschrankung des AsyU
s. g. „Iglesias frias^. 4) Die Einsiedeleien und Landkirchen, in w
das Sanctissimum nicht aufbewahrt, in denen kein Priester wofaot
auch nicht häufig celebrirt wird, besizen kein Asylrecht 5) GcfA
die allzugrosse Zunahme der Kleriker mit höhern und niedem Weki
werden die Beschlüsse des Concils von Trient eingeschärft Es werdi
Vorsichtsmaassregeln getrofien, dass der Fiscus nicht in Betreff
Privatvermögens der Kleriker betrogen werde. 6) Die Sitte, kircU
Beneficien nur für eine beschränkte Zeit zu errichten, wird gaozi
') Wodurch die Pragmatlca vom 16. Juni 1768 anticipirt wurde.
^) Colcccion de los Conoordatos y demas CSonvenios celebndoe despoei <^
Goncilio Tridentino^ entre los reyes de £spafia y la Santa Sede, per un GiUedrttk^
Madr., 1848, p, 85 — 36.
*) Supplement, ad historiam ecdes. Natalis Alexandri, t II, p. 266-^^
Bingii ad Rhenam, 1791.
*) CoIeccioD, p. £6.
Das Concordat von 1737. 337
abgeschafft Artikel 7 handelt von den Beiträgen der Kirchen und
Kleriker za den StaatsJasten. Der Papst ertheilte dem König ein In-
dult von fünf Jahren, kraft dessen der Klerus die neue Auflage von
4V.J Millionen spanischer Ducaten (mit-) bezahlen soll, und den Tribut
für die 8000 Soldaten, gelegt auf Weinessig, Fleisch, Essig und Wein;
in derselben Weise, in der er schon die 19 7^ Millionen Abgaben
(mit-) bezahle, so jedoch, dass die Bezahlung der 4'/, Millionen auf
sechs Jahre sich erstrecke. 8) Die Güter, welche Klerus und Kirche ^ ^^'
seit 1700 erworben hat, und in Zukunft erwerben wird, sollen den- Concor*
selben Lasten unterworfen sein, wie die Güter der Laien. 9) Die^^^^<^"
1737
Kleriker soUen nach Empfang der Tonsur — zur rechten Zeit die
hohem Weihen erhalten, sonst sind sie nicht befreit von den öffent*
liehen Lasten. 10) Die kirchlichen Censuren sollen mit Maass an-
gewendet werden. 11) Die Klöster sollen wegen etwaiger Missstände
darin visitirt werden. 12) Li Dingen von grosserer Bedeutung darf
nach Rom appellirt werden; kleinere sollen durch Richter in partibus
entschieden werden. 13) Die Pfarreien sollen nach vorangegangenem
Concurs besezt werden. 14) Da die Pfarreien in Spanien nicht „fett''
sind, so wird man sie nicht mit Pensionen belasten, ausser im Falle
der nothwendigen Pensionirung eines frühem Pfarrers. Artikel 15
handelt von den Pensionen, welche auf andere Beneficien gelegt werden.
16) üeber alle früherh und zufalligen Einkünfte der Präbenden und
Beneficien soll eine genaue Berechnung (Fassion) angefertigt werden.
17) Stellen von Coadjutoren an Dom- und Collegiatkirchen dürfen
ohne Zeugnisse der Bischöfe nicht vergeben werden. 18) Die Nuntien
dürfen in Zukunft keine Dimissorien ertheilen. 19) Da die Nuntien
Beneficien vergeben dürfen, deren Einkommen nicht 24 (E^mmer-)
Dacaten übersteigt, so sollen die Erträgnisse solcher Beneficien genau
berechnet werden. 20) Der Nuntius soll zu Richtern in „Curia'' nur
solclie bestellen, welche von den Synoden als ,judices'' ernannt sind,
oder an den Cathedralen eine Dignitat haben. Artikel 21 handelt von
der Ermässigung und Feststellung der Kosten und Sportein bei dem
Gerichte der Nuntiatur. 22) Von den Spolien und Einkünften aus
vacanten Beneficien soll in Zukunft stets der dritte Theil zum Besten
dieser Kirchen selbst und der Armen verwendet werden, nach Abzug
der auf diese Beneficien gelegten Pensionen. 23) Wegen der grossen
Streitfirage des königlichen Patronats soll eine genaue Untersuchung
angestellt werden, durch eine Commission, deren Mitglieder der Papst
und der König, jeder zur Hälfte, erwählen. 24) In den Punkten, über
die man nicht übereingekommen ist, solle die frühere Praxis bestehen.
^5) Wenn sich künftig Streitfragen erheben, so sollen sie das jezige
XJebereinkommen unangetastet lassen. 26) Der Vertrag soll beiderseits
Oams, spftn. Kirche. lU. S. 22
338 Vierzehntes Bach. Erstes Kapitel.
in zwei Monaten besiegelt und ratificirt werden^). In Rom beeilte
man sich, die einzelnen Stipulationen des Concordats in Ausfuhrong
zu bringen. Circularschreiben ergiengen an die Bischöfe, ein besou-
deres Breve an den Könige ein Breve an die Erzbischöfe über die
Visitation der Klöster, nebst Instruction für dieselbe, ein Breve wegen
des Asylrechts. Um dem König zu schmeicheln, wurde am 1. De-
cember 1737 der Infant Luis zum Administrator Toledo's in spiritualibas
ernannt, wie im Juli 1735 in temporalibus. Als Coadministrator wurde
ihm der Erzbischof Bernard von Larissa beigegeben*). Auch der neue
Nuntius, Erzbischof Silvius von Nicaea, erhielt genaue Instructionen.
Er wurde ehrenvoll in Madrid aufgenommen. Aber das Concordai
DÄsCon- ijggg jjj^jj jjijji ijg einfaches Decret circuliren; Der königliche ßaii
oordftt
nicht scheint das „Pasc" verweigert zu haben. Der Cardinal Aquaviva, soit
^' ein extremer Spanier, wurde beschuldigt, die spanischen Interesse:
verrathen zu haben. Was den Spaniern zusagte, das führten sie ac;
z. B. in Betreff der Asyle, vor Allem das Indult über die BelastcL
des Klerus mit neuen Abgaben. Dieses Indult wurde im Jahre Ht
noch erweitert, indem Clemens XII. dem Könige wieder zwei Mililoüc
aus den Einkünften der Kirche bewilligte^). Auch eine neue Centrt>
sation der geistlichen Orden in der Hand und zum Vortheile Qt i
Königs wi^rde von Clemens XIL am 22. Mai 1739 genehmigt.
Im Jahre 1738 wurde die königliche Akademie der Geschicli'^
in Madrid errichtet. Die Portugiesen waren hierin den Spaniern nc
17 Jahre vorangeeilt*).
«Utl
fdhrt.
') Das Concordat steht u. a. spanisch bei Tejada y Ramiro: Coleccton cj>=
pleta de Concordatos Espanoics, Madrid, lh62 (t. VII der Conciiien8amiiiIun<r ^
jada's), p. 100 — 106, mit dem päpstlichen Brevo der Bestfitignng vom 14. Novcicli
l'iS;, p. 108 — 112. Bei Ftc. de La Fumte, Apendice, nr. 4, p; 337—313, uiitd
Real Cödala zar Ausftlhruog des Concordats an die ^Audiencia von Aragon^ viv
10. Mai 1741. Apend. nr. 5, p. 343 — 346. — HergenrötJier , Archiv für Kircl^i
recht, 1864, X, pp. 1—45, 185 — 214.
*) Gommentar/Jn Regulas, constitutiones et Ordinationes Concellariac Ap^«:
licae. Op. posth. Joh» Rigantii. t. II — 2" — Romae, 1744. — NoL ad R^
XXIV Cancell. § 2. nr. 35 (t. II, p. 373).
*) Moroni^ Diccionario, t. 68, p. 148.
*) Die Liss&boner Akademie wurde errichtet durch Decret des KOnigsJua^*^
vom 8. December 1720. Der König erklärte sich zu ihrem Protector, and en»Dt:'
50 Akademiker, welche sich in die Bearbeitung der Kirchen- und ProfangescbicU-
Portugard und seiner Colonieen theiien sollten. — J". P, Ribeiro, Indice chroc>
logico de legislagao portugneza (ann. 1603 al 1819) 6 vol. 4*. Lisb. 1805—1^-
t. I. p. 310. — Heinr. Schäfer, Geschichte von Portugal, Bd. V, 1854, p. 177-:'*
Differenzen über die Ausführung des Concordats. 339
§. 19.
Von dem Concordate des Jahres 1737 wurde zunächst die Be-
schränkung des Asylrechts ausgeführt. Dasselbe gab zu vielen Miss- ^*y''
ständen Anlass. Im Jahre 1742 flüchtete sich ein Mörder in das ^^
Kloster der Capuciner zu Pamplona, und wurde mit Gewalt heraus-
gezogen. Es kam zu schweren Conflikten zwischen dem Bischöfe und
dem königlichen Rathe von Navarra. Der Bischof excommunicirte die
Behörden; diese vertrieben den Provisor des Bisthums. Es kam fast
zur Schlacht zwischen den Anhängern des Bischofs und den Truppen').
Im Ganzen herrschten über 11 Artikel des Concordats Differenzen.
Es sollte über die Frage des königlichen Patronats in Rom, über die
andern Punkte in Madrid verhandelt werden. Rom bequemte sich zu
mehreren ihm ungünstigen Modificationen des Concordats. Papst
Benedict XIV. (1740 — 1758) wollte dem Madrider Hofe alle ihm nur
möglichen Concessionen machen. Der Erzbischof Ludwig Salcedo von
Sevilla starb am 3. Mai 1741. Auf Andringen des Hofes gab der
Papst am 19. September auch dieses Erzbisthum „in Administration"
dem Cardinal-Infanten Luis, von welchem derselbe am 7. Januar 1742
Besiz ergriff^. In spiritualibus sollte der Erzbischof von Mitylene,
Gabriel Torres y Navarra, sein Coadjutor sein; im Weltlichen ad-
ministrirte er allein im Alter von 15 Jahren die beiden Erzbisthümer.
In den Jahren 1741 — 1742 arbeiteten die beiden Cardinäle Bel-
luga und Aquaviva an einem neuen, oder an Verbesserung des alten
Concordats im Sinne der Spanier. Gabriel de la Olmeda, damals
Fiscal der königlichen Kammer, hatte gemäss Auftrag vom 18. Sep-
tember 1741 eine Denkschrift über das allgemeine Patronat des Königs
verfasst, welche den beiden Cardinälen am 20. November als Grund-
lage ihrer Verhandlungen zugesandt wurde. Bei der grössten Nach-
giebigkeit des Papstes kam man im Jahre 1742 in dieser Frage nicht
weiter. In Spanien wies man die römischen Verbesserungen der Denk-
schrift Olmeda's zurück. Den beiden Cardinälen wurde von Seiten
des Papstes eine ,,Dimo8trazione^^ übergeben. Olmeda aber schrieb
ein neues Memorial. Rom schlug den Ausgleich vor, der König möge
für die in den acht Monaten der päpstlichen Reservation erledigten
Stellen, welche streitig waren, dem Papste je zwei Personen zur Aus-
wahl vorschlagen. In Madrid wollte man alle Stellen allein besezen.
') Oreg. Fem. Perez, Historia de los obispos de PamploDa, 3 tom. (1822—
I824)r t. III, p. 157.
») Rigant, t, II, p. 373.
22*
340 Vierzehntes Bach. Erstes Kapitel.
Card. lieber die fruchtlosen Verhandlungen starb der Cardinal BeUo^nk
fi7^. am 22. Februar 1743, im Alter von 80 Jahren. Er genoss dieHocIn
achtung aller Gutgesinnten, besonders der vier I^pste, unter denen tr
Cardinal war. Benedict XI V., der ihn überaus schäzte, bedute den«
selben durch eine würdige Grabschrift:
,,D. O. M. Ludovico Belluga, Hispano, qui ex Episcopo
nensi invitus et renuens a Clemente XI. S. M« in S. U. E.
Collegium coaptatus, Hispaniarum apud S. Sedem Protector, J
Romanae Ecclesiae Vindex hoc unum curavit, ut Deo, non homii
placeret; vir Apostolico propagandae fidei zelo flagrantissimus, «^tb*|
siasticae disciplinae assertor, de alimonia pauperum, de insti
Clericorum, de educatione juventutis sollicitus, Collegta, sebolas, (i
domns aere suo fundavit. Benedictus XIV. P. M. perene hoc
sui monumentum P. C. Vixit anos LXXX. Mens. IL Dies
Obiit IX kal. Martias Ano 1743. Hie ex Testamento nna cum S.
lippi Nerii^ Filiis ipse et Congregationis Propagator resurrecti
expectat^ *).
§. 20-
Nach dem Tode Kaisers Carl VI. 1740 wollte Philipp T.
Gelegenheit zu neuen Eroberungen in Italien ausnüzen. Im Jahre 1<
sandte er seinen Sohn Philipp mit einer Armee unter den Beftl
des Grafen de Glimer ab. Savoyen fiel zuerst in seine Gewalt,
aber zwang ihn der König von Sardinien zum Rückzug. Im h
1744 wurde diese Armee, verbunden mit der französischen, aos
Gebiete von Mailand zurückgeworfen. Es handelte sich wieder d:
auch dem Jüngern Philipp einen Thron in Italien zu verschaffen.
selbe war zu Madrid am 15. März 1720 geboren. Er sollte sicL
Jahre 1742 den Thron von Parma erobern. Zweimal musste er
den Armeen Oesterreich's und Sardinien's in das ihm verbi
Frankreich retiriren. Sein Vater erlebte das Ende des Krieges
Erst durch den Frieden von Aachen erhielt Philipp die Herzogthi
Parma, Piacenza und Guastalla — 1748; er nahm am 7. Man 1
*) Seine L^bensgeschichte s. Leben aller Card. III, p. 419, und ^Bibliothöqoe
von Richard et Oiraud, Par., 1824, 1 17, p. 144 (Art Monoada). Bei Biehard
auch die grossen und zahlreichen Lobsprflche der vier Päpste s. Zeit anf Bd
gesammelt, sowie die Titel seiner zaUreichen Schriften, leider ohne Asfabe
Dnickortes nnd Jahres ihres Erscheinens, L c., p. 134—144. — in dem . Dictjotfi'
des Gardinanx, pnbl. p. Tabbö Migne, 1857 — art. „Moncada" ist hfngewiese: <'
Moröri, grand Dictionnaire historique, Paris, 1759, nnd den dort steheadeo C^t^i
seiner gedruckten und nicht gedruckten Schriften.
Philipp*8 V. Tod nnd Charakter. 341
Besiz von seinen Staaten, nnd beschäftigte sich mit dem Glücke seiner
Unterthanen.
Philipp V. starb am 9. Juli 1746, im Alter von 63 Jahren.
Neben grossen Fehlern, der Unfähigkeit zu den Geschäften, der Leichtig-
keit, sich von andern regieren zn lassen, der Leidenschaft ftir die Jagd,
fehlte es ihm nicht an guten Eigenschaften. Seine Frömmigkeit war
aufrichtig. Er hatte einen Sinn für Gerechtigkeit, und eine Liebe zu
seinem Volke« Unter ihm erschien die neue Sammlung der spanischen
Geseze ').
Bei seinem Tode wurde Philipp V. von seinem Volke betrauert.
Ungeachtet der Fehler, die er begieng, ist doch unter ihm auch Blei-
bendes gegründet worden. Unter ihm wurde die kriegerische Tugend
der Spanier erneuert, die Disciplin der Armee verbessert. Die Flotte
wurde in tüchtigen Stand gesezt. Oran, das die Mauren genommen,
wurde wieder erobert. Die Gerichtshofe wurden reformirt. Der König
drang auf Beschleunigung des Verfahrens der Gerichte. Den Handel
und die Industrie suchte er zu heben. Den Wissenschaften wendete
er Schuz und Ermunterung zu. Er gründete die Akademie der Ge-
schichte, wie der castilianischen Sprache an der Bibliothek zu Madrid.
Aber anstatt seinen Unterthanen Institutionen nach dem Charakter
des Landes und Volkes zu geben, anstatt die Freiheiten der Nation
wieder in das Leben zu rufen, welche mit einer festen Regicrungs-
gewalt und einer regelmässigen Verwaltung wohl vcreinbarlich waren,
sezte er einfach die despotische Regierung der Könige aus dem Hause
Habsburg, und jene elende Günstlingswirthschaft fort, unter welcher
Spanien seit dem Jahre 1598, theilweise seit dem Jahre 1517, dar-
niederliegt').
') Recopiladon de las leyesdestosreynos, faecfaa por mandado del rey Felipe V.
Madrid, 1723, 4 vol. 2*. — Saplemento k la coleccion de pragmaticas etc., publi-
cadas en el reynado de Carlos IV. Madrid 1799 — 2^ — Novisima Kecopilacion de
las leyes de Espafia. Paris, 1832. 4 vol. 4* — ed. par Vincent Salvd, Paris, 1845,
— 5 voll. — 8».
*) Belando, Jesus (Fr. Nieolaus deX Historin civil ^e Espafia, sncesos de
la guerra y tratados de Paz desde el afio 1700 asta 1733, Madrid, 1740—1741,
3 vol. in 2*. — Der dritte Band dieses Werkes worde im Jahre 1744 von der In-
quisition eingezogen und verboten, und war noch im Jahre 1789 verboten, ist darum
nicht zn finden. — Bacallar y ISana, marques de San Phelippe, (D, Vicente),
Comentarios de la guerra de Espafia e historia de su rey Phelippe V, desde el
prineipio de su reynado hasta el afio de 1725. Genova (ohne Datum), 2 vol. 4*,
auch in 2*. ~ Als Fortseznng erschien: Memorias politicas y militares para servir
de continnacion a los comentarios. Madrid, 1756 — 1763, 2 vol. in 4*. FranzOs.:
Mömoires pour servir ä Thistoire d'Espagne sous Philippe V, par le cheval. de Man-
dave. AmstenL, 1756, 4 vol. in — 12*.
Die schon erwähnten Werke von W. Coxe und «7. B. Targe, Avtoement
des Boarbons au trone d'Espagne, Paris, 1772, 6 vol. in 12*. —
342 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
Saint 'Sinum^ Cresandter am spanischen Hofe, als Fbilipp V.
38 Jahre alt war, schildert ihn also: „Er war keineswegs mit höhenr
Einsicht and mit nichts von dem, was man ESnbildongskraft d
begabt. Er war kalt, schweigsam, traarig, von keinem Vergnügen
herrgchtj ah von der Jagd, furchtsam vor andern, sich selbst furcht
wenig hervorbringend, einsam und abgeschlossen aus Keigang
Gewohnheit, selten durch andere gerührt, dennoch von guter nnd
rechter Gesinnung, mit genügender Erkenntniss der Dinge, eigen
wenn er sich für etwas einsezte, oft ohne dass man ihn davoD
bringen konnte, und dennoch war er vollkommen geeignet, von
hingerissen und regiert zu werden. Wenig besorgt wegen der
die er fnhrte, liebte er dennoch die Unternehmungen, und seine
Schaft war es, respectirt und gefürchtet zu werden, tind eine e
Figur in Europa zu spielen '). Leztere Eigenschaft hatte er von se
Grossvater.^ Die andern Eigenschaften erklärt Stramberg so: „Er
in seiner Jugend ein Idiot, und desshalb ungemein hartnackig in
Beibehaltung eines Gedankens, der ihm hatte beigebracht
können. Zeitlich aber verwandelte sich dieser Idotismos in eme zi
ausgebildete Verrücktheit, die bis zu seinem Ende der Konigin
wenig zu schaffen machte. Jeden Augenblick hatte Elisabeth
wiederholte Abdankung zu befurchten und zu bestreiten. Hit
frühzeitigen Verfalle der spärlichen Seelenkrafte war der Ver&Q
Körpers gleichen Schritt gegangen. Mit 38 Jahren war er
ein ganz verfallener Greis; nur wenn er tanzte, war er wie ein
jüngter Mensch.^
Seine Wittwe lebte nunmehr im Schlosse San Ddefonso.
unter Philipp V. mit einem Anlande von etwa 45 MüUoneo
erbaut worden, wo sie auch am 11. Juli 1766 starb*).
Saint- Simon f Louis de, Memoires complets et aatenthiqnes da ät
S. Simon, sur lo siöde de Loais XIV et la rögence, par M. Cheruel, Pam. V
— 1858, 20 vol. in — 8'. — Saint-Simon {le M«« de), Histoire de la gnwff
campagne de 17U, py les armöes combintes d'Espagne et de France eoi
par rinfant D. Philippe et le prince de Conti. Amsterd. 1769—1770. 4*.
Violht, Histüiro des Boarbons d:Efipagne, Paris, 1843—8*. La Espafia <!<
Borbones. Historia documental desde antes de la muerte de Garlos IL hasta i\
p. D. Josi Gonzalez Canrajal, Madrid, 1842—1814, 3 t. in 4* (ist bot dae
beituDg des Werkes von Coflce, und reicht nur bis zam Jahre 1753). — F.^* ^
Elogio de Felipe V; Madr., 1779, ^•. — J. de Clavijo, Elogio de Fdipe
Madr., 1779, in — 8*. Paris, 1780. Historia del daqae de Riperda, piimer
de Espafia, en el reynado de Felipe V., segnnd. edicion, afiadida e ilostrMU
por D. Salvador Josi Manner. Madr., 1796, — in V.
0 De figarer grandement en Europe.
') F. Stramberg, über Philipp V., in Ersch und Orvber EDCydom HI ^
22. Thl, Leipz., 1846, S. 446-462.
Ferdinand VI. Freimaurerei in Spanien. 343
§. 21.
Ferdinand VI., Sohn Philipp's V. und der Lnisa Maria von Sa- Ferdu
voyen, geboren am 23. September 1713, folgte am 10. August 1746°*^^''
s( inem Vater in der Regierung. Er brachte eine schwächliche Ge- i769.
snndheit auf den Thron. Abgeneigt den Kriegen und Eroberungen,
begann er seine Regierung mit Werken der Wohlthätigkeit. Zwei
'' Tage in der Woche bestimmte er, um die Klagen seiner Unterthanen
! ZU boren. Mit seinem Minister La Ensenada bemühte er sich, die
Lasten seiner Unterthanen zu erleichtern. Durch die Unterzeichnung
des Friedens von Aachen — 28. Juni 1748 — half er Europa wieder
den Frieden geben. Die beiden Sicilien, sowie die Herzogthümer,
sollten nicht mehr mit Spanien vereinigt werden. Zum erstenmal seit
Jahrhunderten war Spanien sich selbst wieder gegeben. Jenseits der
Pyrenäen besass es nichts mehr.
Ferdinand VL war — seit 19. Januar 1729 mit D. Barbara von
Portugal vermählt, blieb aber ohne Nachkommen. An seinem Hofe
war — vor 1745 — eine starke portugiesische Partei, an der Spize
. der Carmelit Manoel de San Jos6, der als Cavallerie-Hauptmann unter
dem Namen Manoel Freire da Silva far Carlos III. (von Oesterreich)
l gekämpft hatte. Ensenada suchte besonders die Marine zu heben. An
f dem Hofe war auch eine starke englische Partei, unter dem Minister
r Wall, und dem englischen Gesandten Eeene. Beichtvater des Königs
; war der Jesuit P. Ravago. um diesen zu discreditiren, erdichteten jene
eine Correspondenz zwischen ihm und den Jesuiten in Tucuman, wor-
nach die Jesuiten es auf Herrschaft und Unabhängigkeit des Landes
von Spanien abgesehen hätten. — In dieser Zeit drang auch die Frei- J^*-
maurerei in Spanien ein. Die ersten Logen entstanden auf englischem
Gebiete, in Gibraltar, und in Mahon, eingeführt von den Protestanten
und den Juden (1725 — 1729). Um das Jahr 1739 drangen die Logen
nach Cadix, und die andern Seepläze. Um das Jahr 1748 zählte eine
(zweite?) Loge in Cadix an 800 Affiliirte'). Am 2. Juli 1751 sah die
Kegierung sich veranlasst, die Verbindungen, der Freimaurer unter der
Strafe der königlichen Indignation, und der Ausstossung aus dem
Heere und der Flotte zu verbieten. Im Jahre 1752 schrieb der P.
Fr. Jo86 Turibia schon mit grosser Genauigkeit über die „Arbeit* und
die Gebräuche der Freimaurer, die besonders unter den Kaufleuten
und Reisenden Propaganda machten*). Diese Gesellschaften halfen
niAiiror.
') Siehe des Jesuiten Hervaa y Panduro : Causas morales de la revolacion
francesa.
') «/. TumUna, Gentinela contra francmasones, Madr., 1752 — 8* Vic. de
La Fuenie, Historia de las Sociedades secretaa eu Espafia^ 3 tom., Madr., 1870,
Ver-
hand-
344 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
mit Eifer zu dem Kriege gegen die katholische Kirche rüsten, vcld»
unter der Regierung CarFs III. zum vollen Ansbroche kam.
§. 22.
Seit dem Jahre 1749 wurden wieder Verhandlungen mit K»
hingen eingeleitet. Der Minister Carvajal zog darüber hervorragende Jareli
™74g_^ zu Rathc, u. a. den Marques de los LIanos, den D. Blas Joreri
17 3. Alcäzar, den Abt von la Trinidad in Orense, und besonders des Dt
Hyacinth Latorre, Canonicus von Saragossa, angesehen wegen wm
Kenntnisse und grossen Erfahrung. Anderseits verfasste der Cancan
Doctoral D. Manuel Ventura de Figueroa, „im Auftrage des Küpt
und zu Händen des Ministers eine Abhandlung über das Con
des Jahres 1737, welche in drei Theile zerfallt: 1) Ueber die &I
schlossenen Punkte, und (die Punkte), welche eine nähere Erkl
bedürfen. 2) Ueber die Punkte, für welche noch Conferenzen in Atf
sieht genommen werden. 3) Ueber die in dem Concordate nicht W
rührten Punkte '). Der Canonicus H. Latorre redigirte die Instrocti«
welche an den Cardinal Joach. Ferd. Portocarrero (den jungen))
sandt wurden. Er war im Jahre 1747 Protector der Krone Spani«
im Jahre 1749 ordentlicher Minister Spanien's.in Born geworden
Die Härte Carvajal's und andere Gründe brachten die Verhandl
zum Stocken. Man griff nun zu dem Ausweg einer doppelten Ti
handlung, welchen Figueroa empfohlen hatte. Er hatte gewinn
äussere Formen« Man übertrug ihm die Stelle eines AnditoR i
Rom, mit dem Auftrage, eine geheime Verhandlung anznspinnen, d
Fäden der Minister Ensenada und der P. Ravago in Händen iuttci
Er sollte sich direkt mit dem Papste in's Benelunen sezen, ohne m
der Cardinal Portocarrero und der Minister Carvajal Kenntniss dM
erhielten.
Diess war die „doppelte*' Diplomatie, es waren die gehfl**
Agenten, die hier verhandelten. Benedict XIV. überzeugte sich d«8
die von Figueroa gegebenen Daten von dem rechtUohen Bestände dtf
königlichen Patronats, sowie dem Wnnsche vieler Kirchen in Spvo^
es möchte' diese Streitfrage zu Gunsten der Krone entschieden verda
Er redigirte selbst das Document, welches im Namen des Pap^
der Cardinal Valenti Gonzaga, für die Krone von Spanien MuhkI
') Escrito de orden de S. M. per el canonigo doetoral — Fi^erot uafi ^
1749. Dieser ^Discarso'' ist gedmckt bei l^ada, t YII, p. 118-16S. M ^'
Schrift ist aus Madrid vom 4. October 1749 datirt, und wurde demlCiustff*
Carvnjal y Lancaster übergeben.
') Lebensgesch. aller Cardinale des achtzehnten Jahrh*, III, p. 390^-^
Concordat von 1758. Sif>
Figueroa unterzeichnete. Dieser vnirde später Governadore des (kgl.)
Rathes, Commissär der Cruzada, und im Jahre 1782 Patriarch von
Westindien (f 1782); er war zugleich Erzbischof von Laodicaea.
Benedict XIV. machte durch dieses Concordat nicht so fast den
Reservaten, als deren Missbräuchen ein Ende* Der heilige Stuhl aner-
kannte das kSnigliche Patronat, nicht als ein beschränktes fiir gewisse
Kirchen und Benefi den, sondern anfalle Pfründen und Würden, mit Aus-
nahme der besondern Patronate. Die Coadjutorstellen, die Pensionen,
die der apostolischen Kammer vordem zufallenden Spolien und Vaca-
tnren wurden abgeschafß;. Unter der Leitung des Königs und des
Ministers Ensenada hatte Spanien in wenigen Jahren an Wohlstand
sehr zugenommen. Philipp V. hinterliess 42 Millionen Realen Schulden,
Ferdinand VI. einen Staatsschaz mit 40 Millionen. Darum war es
jezt Spanien leicht, Rom für die entfallenden Einnahmen zu entschä-
digen. Rom erlangte als Entschädigung iiir seine Verluste in Spanien
in runder Summe 1.143.333 romische Scudi*). Diese Summe mit
drei Procent vom Hundert berechnet, konnte eine Rente von 34.000
römischen Scndi abwerfen zur Bezahlung der an der Datarie und an-
dern Posten in Rom Angestellten. Zur Verfügung des Papstes sollten
5000 Scudi ausgeworfen werden, entnommen dem Fond der Cruzada,
welche zum Unterhalt des Nuntius in Madrid verwendet werden konnten.
Das Concordat vom 11. Januar 1753 wurde von Ferdinand VI.
am 3L Januar bestätigt. Der ^önig erhielt das Recht, 12.000 bisher
streitige Pfründen zu vergeben. Dem allgemeinen Uebereinkommen
folgten acht nähere Bestimmungen über die Besezung vacanter Bene-
ficien. 1) Die Bischöfe sollten, wie vorher, in den vier Monaten März, Nihere
Juni , September und December die erledigten Pfründen vergeben, „^gen
2) In Folge des bisher üblichen Tridentinischen Concurses. 3) Bei ^ea
Stellen, zu welchen Laien-Patrone vorschlagen, sollte dem Ordinarius ^^'^r-
die Wahl zwischen drei Priestern gelassen werden, welche gehörig geprüft, data.
und von dem Patron präsentirt worden. 4) Die Bestätigungsbullen
sollten, wie bisher, nachgesucht werden. 5) Die päpstlichen acht Monate
sollten dem Könige ganz zufallen, die bischöflichen aber bei Erledigung
der Bisthümer oder aqs besondem Rechtsgründen. 6) Der Universal-
Fatronat des Königs sollte durch etwaige Indulte und Reservate von
Cardinälen, Bischöfen und Nuntien nicht mehr geschmälert werden.
6) Die Ordinarien sollten die vom König Providirten ohne Ausferti-
gung einer päpstlichen Bulle instituiren — 7) und sollten durchaus im
Besize ihrer kirchlichen Jurisdiction bleiben. Denn der König hat
nur das Nominations- und Präsentationsrecht, aber keine geistliche
■) Etwa 26'/, Millionen Realen.
«'46 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel.
Gerichtsbarkeit über Kirchen und kirchliche Personen. — Auch die
52 Stellen, welche der Papst noch vergiebt, stehen unter den kirchlicheD
Ordinarien. — Neben den Exemtionen und Spolien werden auch die
8. g. Bankzettel abgeschaffi;, über welche sich schon die Cortes von
1632 beschwert hatten*). Von jezt an wurden durch königliches Decret j
diese Bankzettel abgeschafft').
§. 23.
Das Concordat von 1753 brachte eine fast vollständige Uisi^
staltung in der Disciplin der Kirche von Spanien hervor. Viele ^ '
trachteten dasselbe als einen Akt der Schwäche und Nachgiebigk'i
ßom's gegen die weltliche Gewalt. Thatsache ist aber, dass die Mi;»-
brauche existirten, dass die eifrigsten Männer, ja selbst die Eeilig;^
seit Jahrhunderten gegen sie ihre Stimme erhoben, warum also hkte
man ihnen nicht abhelfen sollen? „Durch dieses Concordat warde d»
Regalisten Anlass und Vorwand zu ihren lautesten und häa6gstes
Anklagen abgeschnitten. Was man bestimmt behaupten kann, ist, di«f
die Krone viel gewann, aber die reinere Disciplin der Kirche SpaoiiD«
sich nur wenig besserte^').
Von jezt an wurde das Kirchengut den Staatszwecken mehr rsA
mehr dienstbar, während die Einkünfte ßom's aus Spanien ganz cd-
bedeutend waren. Die Anaten^ die bei den Päpsten so sehr gtiiitX
wurden, nahm der Staat allenthalben für sich in Ansprach.
*) Cedulae bancariae, ColecdoD, p. 295. Benedict XIY. erklSrt dkselbeti i,
seiner Bestätigangsbulle so: Consuetado a longo tempore vigens ot in benefidor
collationibus et provisionibaB, qnae per S. Sedem fierent, qoaedam penriooes vni
super eoramdem beneficioram fractibaB et proventibus reservarentor , et pro tr
certiori solutione publicarum Ärgentariorum cantiones sen cedulae Bi&e:iiu?<|
provisis Beneficiatis exigerentur.
*) Novisima Recop. Ley 14, tit, 22, — L. I, — Coleccion, p. 24a — Sieh« in
Text dieses Concordates ap. Tejada 7 Ramiro, YII, p. 16i— 170; apud La Fv>r^-
VI, p. 347—358. cf. Münch, Sammlung aller Concordate, 2 Bde., Leipi. 1830-K''
I. p. 413—487, nach dem Madrider Abdruck von 1764, sowie in Coleccioa de Ci>-j
cordatos, 1848, p. 172 — 19}.
Jose del CaatiUo y AyenacLy Hlstoria critica de las negoeiaciones con Bco^j
desde la muerte del rey D. Fernando YII, Madrid, 1859, 2 tom. 1 1. apendice or- :•'• .'
p. 252—254. — Hergenröther, t XII, S. 252—263. Die sehr regalistiscbe cti
kirchenfeiDdliche Schrift des Oregor Mayans: Observaciones legales, histonc» y
criticas sobre el Goncordato de 1753, Madrid, 1753, ist wieder abgedruckt ip.>^
Tejada, VII, p. 171—258. — Mayans macht .Observaciones XXXVII«, wotob i«
letzte von p. 234—258 reicht.
Die ConfirmatioDsbulIe des Papstes vom 9. Juni 1753 aus Csstd-Gtsdo:-)
steht u. a. spanisch bei Tejada, p. 258—265. Dieser folgt ein Breve des F^ps»
vom 12. September (qua aclare y explica el conc. de 1753), ebendas., p. 265-26..
») La FuenU, VI, p. 53.
J
König Fotdinand's VI. Tond.
§• 24.
König Ferdinand VI. war steta von schwacher Gesundheit. Er
ilt an einer unheilbaren Melancholie, die seine Kräfte um eo balder
rerzehrte. Aber die Liebe za seinem Volke erfüllte seiu ganzes Herz.
Sei mittelmäeeigen Geistesgaben wirkte er darum dennoch Grosses und
jegensreicbes. Er war sehr sparsam, und hinterliess seinem Nachfolger
allen bedentenden Staatsschaz. Im Jahre 175S verlor er seine Ge-
nahlin durch den Tod. Darch den Verlust derselben wurde des Königs
Uelancholie anfs höchste gesteigert, und artete in Trübsinn aus. Am
lO. Aagust 17l9 erlöste ihn der Tod von seinen Leiden. Vic. De La
Puente sagt von Ferdinand VI., dass, seit den Zeiten Ferdinand*» V.
lod Isabella's, Spanien keine so glückliche Zeit, wie unter ihm (lt4G
L759), erlebt habe ■).
WÜl. Coxe, Eapjigne mub Ibb loia de la maisoo de BourboD (1700— IT^.s),
. IV, PiriB 1827, p. 1—413. (Fuente, V, 8).
Zweites Kapitel.
Kircbe und Staat von Spanien unter den grossen kftnigliel«
Jägern Carl III. (1759—1788) und Carl I?. 1789—1807).
§. 1.
Carl III., von Natar mit den herrlichsten Anlagen ansgest&tM,
hatte als König von Neapel (1735 — 1759) die Liebe seiner Unterthan«
im hohen Grade verdient und erlangt Namentlich zeigte er eioei ;
religiösen Sinn^ und Liebe zu kirchlichen Dingen ^). Nach dem Tode
Ferdinand's VI. holten ihn 16 Linienschiffe ab« Sein Abschied vn
Neapel wurde von der Theilnahme des ganzen Volkes begleitet, 'em
Theilnahme, in welcher Freude und Leid vereinigt waren, Freude ubfr
seine Erhöhung, Leid über seinen Verlust. In vier Tagen gelangte er
nach Barcelona. Der ihm entgegenjubelnden ersten Ebmdelsstadt Sp^ .
nien's bestätigte er ihre alten Municipal- und Handelsprivilegien, welche •
sie in Folge der Kriege von 1640 und 1705 — 1714 verloren hattet j
lieber Saragossa reiste er nach Madrid, wo er am 9. December VX ■
anlangte. Sogleich zeigte er grossen Eifer und grosse Theilnahme a
den Angelegenheiten der Regierung. Noch war die Gewalt in dn
Händen des Ministers Ensenada. Aber bald wurde dieser und sein
Vertrauter Ordenanza entlassen. Sie erhielten nur die Erlaubniss, wieder
am Hofe zu erscheinen — 13. Mai 1760. Der General Wall blieb Minister.
Sein« Valparaiso wurde entlassen, und statt seiner der Marquis von SqniUct
^^. den Finanzen vorgesezt, welchen Carl von Neapel mitgebracht Erst
■chAf. nachdem die Aemter besezt und vertheilt worden, hielt Carl am 16. JoK
1760 seinen Einzug. Troz der liberalen neuen Aera — durften die
toB
') Er schämte sieb nicht, mit dem kirchlichen Gewände unter den CiioriiefTa
zu stehen, und mit ihnen zn pBalliren.
') WiU. Coxe, IV, p. 421.
Carl ill. als Jäger. 349
„Stiere^ nicht fehlen. Tags darauf war Huldigung. Carl's ältester
Sohn wurde als epileptisch und geisteskrank von der Regierung aus-
geschlossen, sein zweiter Sohn Carl als Prinz von Asturien anerkannt.
In den ersten Jahren wendete Carl seine Sorgen auf Hebung des
Handels und der Finanzen. Maassregeln zur Tilgung der frühem Schul-
den wurden ergriffen. Schon in Neapel war Pflege des Ackerbaues
CarPs besonderes Bemühen gewesen. Der englische Gesandte, Graf
von Bristol, schildert den König also: Er hat grosse Talente, ein
glückliches Gedächtniss, bei allen Gelegenheiten eine grosse Herrschaft
über sich selbst, (welche später in eine grosse Unterwürfigkeit unter
den Willen der andern übergieng). Da er oft betrogen worden, ist er
misstrauisch (vielmehr ängstlich) geworden. Er behandelt alle Ange-
legenheiten mit Sanftmuth; er hat die Geduld, seine Ermahnungen
lieber zu wiederholen, als sich, selbst für unbedeutende Dinge, seiner
Autorität zu bedienen. Dennoch, mit seinen feinen Manieren und seiner
Höflichkeit, hält er immer seine Minister in Respect, vielleicht auch in
Furcht. Seine Hauptsorge ist, seinen Sohn Ferdinand im ruhigen Be-
size beider Sicilien zu erhalten ').
Aber in dem Grade, als die Jagdlust die herrschende Leidenschaft
in ihm wurde, Hess das Interesse an allem andern, auch an den Staats-
geschäften, nach. Es war das kleinere, dass seine Jagden enorme Aus-
gaben veranlassten, sie hielten ihn ganz ab, seinen Pflichten nachzu-
kommen. Die Nachricht, dass in der Nähe von Madrid ein Wolf sich
habe blicken lassen, oder gar ein Eber, sezte den ganzen königlichen
Hof in Bewegung. Unter dieser Eigenschaft entartete der Charakter die er
des Königs derart, dass der sonst sanftmüthige und schüchterne Fürst j,*"^^j[
ungerecht und grausam wurde. Ein armer Bauer nahm einst in den uert
königlichen Revieren einige Eicheln als Nahrung für seine arme Familie
weg. Ein Wächter ergriff ihn, und fand bei ihm ein halbes Duzend
Eicheln. Dem König wurde Bericht erstattet. Vor ihm war es ein
schweres Verbrechen, die seinem Vergnügen geweihten Oertlichkeiten
zu entweihen. Der Verbrecher musste so viele Jahre in den feuchten
Kerkern von Centa büssen, als er Eicheln genommen hatte. Gegen
alle Vorstellungen und Bitten blieb Carl unerbittlich. Denn es war
eine schauerliche Sache, sagte er, die armen Thierchen ihrer Nahrung
zu berauben. Er scheint gemeint zu haben, dass es ein Vergnügen
für diese Thierchen sei, von königlicher Ebmd erschossen zu werden.
Der Bauer blieb sechs Jahre in seinem feuchten und dunkeln Kerker.
Nach seiner Heimkehr trieben ihn Verzweiflung und Wuth zur Rache;
in einem Hinterhalt tödtete er seinen Ankläger. Er wurde nun selbst
hingerichtet.
') Der Bericht ist vom August 1761.
3Ö0 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
Der englische Beisende J. Town&^ind beschreibt CarVs Jagden
also^): Der Konig bringt den grössten Theü geiner ZeU auf der Jagd
zu. Am Mittag kommt er, nach einer kurzen Excursion, zum Eüesei
heim, hält Besprechung mit den fremden Gesandten, zieht sich an*
einige Minuten mit seinem Beichtvater zurück; er verlässt gewohnU
vor drei Uhr, oft früher, den Palast, und macht 20 —30 Meilen, berjr
er zu jagen beginnt. Wenn es Nacht wird, so sezt er sich in seica
Wagen und kehrt zurück. Keine Zeit kann ihn zurückhalten; er
furchtet weder Donner noch Bliz, noch Hagel, noch Regen, noct
Schnee. Ist sein Kleid beschmutzt, so nimmt er ein anderes, ^oa
darch seine Begleiter über das Wetter sich beklagen, sagt er ganz kalt: ,0^
Jäger- Kegen bricht die Beine nicht. ^ Die Festtage halten ihn nicht ab^ s^^
leiden- geinem Vergnügen hinzugeben, ausser zwei Tage in der Chamrocbt
Obgleich von Natur von sanflem Charakter, sagt man, dass er dam
in so üblem Humor ist, dass sich ihm Niemand nahern mag. Ab
einer seiner Söhne schon fast in den letzten Zügen lag, gieng er vir
gewöhnlich aus, und sagte wiederholt: Es wird gewiss wieder besiar
werden. Als man ihm meldete, er sei gestorben, antwortete er mi
seiner gewöhnlichen Ruhe: Wohlan denn, weil man nichts mehr tl»
kann, muss man seine gewöhnliche Partie machen. In seinem G(*
leite befindet sich gewöhnlich der Prinz von Asturien, der Capitan der
Ein« Garden, sein erster Stallmeister, sein erster Kammerherr, sein Arzt oni
ptfti« ^^^^ Chirurg. All' diese Personen occupiren fünf Wagen; ein anderer
dewei-' Wagen ist bestimmt für Medicinen, andere für die Gewehre, &
^^°' Munition, die Jagdkleider. Jeder Wagen ist mit sechs Maalthiar»
bespannt Da es aber auf dem Wege mehrere Posten für Pferde iioJ
Wächter giebt, so braucht man taglich an 200 (Manlthiere). Die«
Thiere müssen in der Stunde 12 Meilen zurücklegen; desawegen gkfct
es häufige Unglücksfälle für Menschen und Thiere.
„Wenn der König jagt, hängt er nicht ausschliesslich Ton soi»
Hunden ab; gewöhnlich beschäftigt er 200 Menschen als Treiber ia
Wildes, die es auf passende Pläze in seiner Nahe bringen mfisseo, ^
er und sein Sohn es erwarten, mit den Bedienten, welche die Geweise
laden und sie präsentiren. An sich hat jedes Wild gleich viel llfeitk
für den König. £s schmeichelt ihm aber ganz besonders, das Lu<
von den Wölfen zu befreien, über welche er genaue Rechnang hält Ab
Carl in. ich im Escnrial war, belief sich die Zahl der von ihm getödteten Wölfr
wt./*'' auf 818 Stück. Sieht man einen Wolf in einer entsprechenden EbJ-
fernung , so werden zwischen 1600 und 2000 Personen, je nach äff
Ausdehnung des Gebirgs, au%eboten, um das Thier zu überwacbes.
es einzuschliessen, und es an einen Ort zu bringen, wo der König 0^
^) Joarney trongh Spain, London^ 1792, 2 vol., par J, Townsend,
Carrs liL Treibjagen (Catida) 351
Leichtigkeit es tödten kann. Jede Person erhält 6 Realen (1 V« Francs);
tödtete er aber einen Wolf, so wird der Lohn verdoppelt *). Diese
Ausgabe ist überflüssig; denn wenige Bauern würden dazu hinreichen.
„Aber wenn ein guter Fürst darin ein Vergnügen findet, dieses wilde
Thier zxx tödten, so werden seine Unterthanen die lezten sein, zu
denken, dass er vielleicht dieses Vergnügen zu theuer erkauft.^
Glücklich noch wäre es fiir Spanien, wenn alle Kosten darauf i>ieKo«.
sich beschränkten; diess ist aber sicher nur ein sehr kleiner Theil der/J^^g,®'^
Totalsumme, welche diese Wuth zu jagen der Nation raubt. In weiten
Kreisen um die „sitios'' oder königlichen Residenzen sind die Ländereien
unaugebaut. Der Forst der „Pardo'^ hat einen Umkreis von 30 Meilen;
wenn man dazu alle unbebauten Ländereien bei Aranjuez, San-Udefonso,
und dem Escurial rechnet; wenn man ferner erwägt, dass die Hirsche
unbeschränkte Freiheit geniessen, und ungehindert alles dazwischen-
liegende Land durchstreifen, wie hoch wird sich nicht dann der vom
Volke erlittene Schaden belaufen? Es ist wahr, dass der König den
Gutsbesizern den von ihnen erlittenen Schaden bezahlt; aber der Scha-
den, welchen die Gesammtheit erleidet, kann nicht so leicht gutgemacht
werden; denn das Land entvölkert sich, weil es der Nahrung beraubt
ist, und die Dörfer fallen in Ruinen.
Der König hatte in seiner Jugend Geschmack für die Wissen-
schaften« Er wurde aber davon abgebracht. Dann beherrschte ihn
die immerhin noch edle Sorge für seine Familie. Dann beherrschte
ihn allein die Liebe zur Jagd. Sie hat ihn vielleicht vor sinnlichen Aus-
schweifungen bewahrt. Denn obgleich er viele Jahre Wittwer war, ist
niemals ein übles Gerücht über ihn gegangen^).
Jedes Jahr gab es viermal eine „Batida^ (Jägertreiben), oder eine
königliche Jagd. Bei einer solchen Jagd waren neben dem Könige
seine drei Söhne. Drei Tage vorher waren 2000 Treiber aufgeboten
und ausgesandt worden, um das Wild an den bezeichneten Ort zu
treiben; sie mussten Tag und Nacht auf ihren Posten stehen. Von J^ger*
einer Anhöhe aus sah Townsend die Hirsche aus weiter Ferne und von *^^
allen Seiten herankommen an den Ort ihres Todes. Man hörte das
Knallen der Gewehre. D^ Wild suchte sich nach allen Richtungen
hin zu retten; es half ihm nichts. Eine doppelte Mauer von Treibern
schloss sie ein, und zwang sie, sich vor die königlichen Jäger zu
stellen. Da begann das Blutbad; während einer Viertelstunde war
das Feuer ununterbrochen. Einige Hirsche, wie ihr Schicksal ahnend,
weigerten sich durchaus^ vorwärts zu gehen ^ troz des Geschreies der
*) 818 Wölfe kosteten demnach etwa 1'/, Millionen Francs, ein sehr theures
Vergnflgen.
») Coxe, V, p. 400.
3Ö2 Vieraehntos Bach. Zweitea Kapitel.
Treiber und des Feaers der Wächter, sprangen sie in gewaltigen Bogen
über die Doppelreihen der Treiber hinäber and entwischten m die I
Waiden
Als das Feuer aa%ehort, kam der Konig mit seinen Söhnen, oa
das Schlachtfeld zu inspiciren« Die Jäger kamen zurück, beladen nl '
den Hirschen, welche todtlich verwundet auf der Flucht ihren Yfunkk
erlegen waren, sie legten die Beute nieder zu den Füssen ihres köof- .;
liehen Herrn. Totonsend zählte 145 getodtete Hirsche, mit einem Efas. :
„Indem ich meine Schritte nach dem Orte, wo ein Gedring wir, .
richtete, sah ich in einiger Entfernung Leute, welche einen Eber ha^ ,
brachten, den Hals und die Füsse an einander gebunden, den siea
einem starken Stocke aufgehängt trugen. Als sie näher gekomo«,
stellten sich der König und seine Sohne aufs Nene bewaffnet in Schoa^
linie auf. Die Träger legten ihre Last nieder; die Stricke wortb :
abgehauen, und das arme verstümmelte Thier suchte sich zu bewegen;
aber eine gut gezielte Ladung befreite es von seinen Qualen.
Die Ausgabe für die „Zerstreuung^^ dieses Tages wurde vA'
300.000 Realen (76.000 Francs) oder 3000 Pfund Sterling gesdil
Abends wurde, nach dem Gebrauche, alles Wild in dem Genuin
niedergelegt, wo der König speiste, und wohin die vertrauten Gesante
ihm folgten, um ihn zu becomplimentiren. Diese Gesandten wka
die von Neapel, Portugal und Frankreich, welche es in ihrem Intereüi
fanden, allen den Dingen Beifall zu schenken, an denen der König ek
Vergnügen findet. Sie beglückwünschen ihn nicht nur bei feierlicbei |i
Gelegenheiten, sondern sie kommen jeden Abend beim Souper zu üui %
nnd fragen ihn, was er heute getodtet hat, um dann ihren FreoDdaji
davon Nachricht zu geben.^^ i
So musste alle Welt sich dazu bequemen, mit dem Köi^l
Heuchelei, eigentlich das Gespötte zu treiben, mit dem grossen W6U^ >
todter zu heulen. Er selbst hüllte sich in einen Dunstkreis if
Heuchelei und Selbstverblendung ein. Er schäzte sich glncklidi, te
Ctfiiii. er, weil er nicht selbst regierte, auch für seine Fehler als Regent keioe
det »Ich Verantwortung vor Gott habe. Er bedauerte seine Minister wegen dff '
strengen Rechenschaft, die sie vor Gott ablegen müssten. So koonti
jeder Familienvater sich entschuldigen, der sich um die Kinder niciits
bekümmert, die Gott ihm anvertraut hat, und sie in die Hände fremde
Leute giebt. Carl sorgte auch dafür, dass sein Sohn als Carl H«
keine Verantwortung vor Gott habe. Denn wie der Vater 30 hiat
jagte bis zu seinem Ende , so jagte auch der Sohn 20 Jahre bis vx
seiner Absezung.
Carl UI. war ein completer Bedienter seiner Minister gewordc«.
ja ein Sklave, der ihnen nicht einmal eine Bitte, einen Wunsch T0^
zutragen wagte. Einer der Minister war überzeugt von der gntti)
Carl, Sklave seiner Gewohnheiten. 353
Beßhigniig einer Person, die der König hoclisclüizte, oder er suchte als
guter Hofmann den persönlichen Neigungen des Königs zu schmei-
cheln, und schlug dem König einmal jene Person für einen unterge-
ordneten Dienst vor. Der König hörte den Vorschlag mit ebenso viel
Erstaunen als Freude an. Er fragte den Minister, ob jene Person
wirklich alle zu dem Amte erforderlichen Eigenschaften besize. Es
wurde bejaht, und der König erwiederte: Ich bin Ihnen vielen Dank
schuldig, dass Sie an diese Beförderung gedacht haben; denn niemals
hafte ick es gewagt, darüber mit Ihnen zu reden,
„Stolz lieb' ich den Spanier," sagt ein wohlbegründetes Spri'ich-
wort. „Denn der Spanier ohne Nationalstolz ist kein ächter Spanier
mehr." Dieser König der Spanier aber war gar nicht stolz.
Bruiler
SebÄi-
Joflii.
§. 2.
Carl war ein Sklave seiner Gewohnheiten, von denen er gar nicht
abgieng. Alles musste zur bestimmten Stunde geschehen. Der Tag,
die Stunde, die Minute der Abreise des Hofs nach dieser oder jener
Residenz waren stets dieselben, ohne dass die mindeste Veränderung
gestattet war. — Der Laienbruder Sebastian von Sevilla trug immer ein
Bild des Kindes Jesu bei sich, und stand bei einigen Frommen im tHuJ
Rufe der Heiligkeit. Er hielt sich selbst für inspirirt, und verfasste einige ^inde
Gebete. Carl, noch als Kind, fasste plözlich eine grosse Zuneigung zu
dem Bruder Sebastian „von dem Kinde Jesus^^ Der Bruder schenkte
dem Infanten einige von ihm geschriebene Gebete, und sagte zu ihm
mit einer geheimnissvollen und heiligmässigen Miene, es sei gewiss,
dass der Prinz einst König von Spanien werden würde, zum Lohne
iür die Frömmigkeit und die Geduld, die er jezt schon zeige. Diese
Worte machten tiefen Eindruck auf Carl. Er trug das Manuscript
des Bruders Sebastian allezeit bei sich. Er liess es nie im Palaste,
oder auf einem Landsize zurück. So lange er ausser dem Bette war,
trug er es stets in seiner Tasche; wenn er sich schlafen legte, bekam
das Manuscript seinen Plaz unter seinem Ohrläppchen, und blieb da,
so lange er schlief. Als er wirklich König von Spanien geworden,
hatte die Handschrift einen noch viel grösseren Werth*in seinen Augen.
Er hielt jezt den Bruder Sebastian für einen wahren Ausbund jeder
Heiligkeit. Als der ("spätere) Bischof Eleta von Osma sich sehr für
die Heiligsprechung des Bischofs Joh. Palafox von Osma (f 1. October
1659) in Rom bemühte, ertheilte Carl III. seinem Gesandten in Rom
den Befehl, daselbst auch die Heiligsprechung des Bruders Sebastian
zu betreiben. Der ungläubige und satyrische Azara war damals Minister
in l^m. Das Gesuch wurde nicht rundweg abgeschlagen. In Rom
a«mM, ipan. Kirche, m. i, 23
354 Vierzehntes Baob. Zweites Kapitel
leitete man lange Verhandlungen ein aber die Tagenden und die Hei-
ligkeit des Bruders Sebastian, ohne alles Ergebniss* Man yerkogti
in Rom u. a. das Büchelcfaen, das der Bruder dem Könige geschi
Darüber zogen sich die Verhandlungen in die limge. Carl wollte
von seinem Schaze nicht trennen. Anderseits konnte man za Rom
Process nicht fortsezen^ för dessen Fortführung alle Vo
fehlten. Im Eifer für die Ehre ,,seine8 Heiligen" entschloss eick
König, sich von seinem Schaze eine Zeit lang zu ^trennen. Eis C
sollte das Manuscript nach Rom tragen, und nachdem dort
davon genommen wäre, es sogleich zurückbringen. Für den
Weg waren die Umspannpferde bestellt. Eigenhändig gab Cut
Handschrift dem Courier, dem er am meisten vertraute. Oft usd
grösster Angst beschwor er ihn, es wohl zu verwahren ood b«i
Reise hin und her auch keinen Augenblick Zeit zu verlieren.
In der Zwischenzeit stand und lag Carl wie auf Domen,
liehe Träume quälten ihn und raubten ihm den Schlaf. Er wollte
keine Nahrung zu sich nehmen. Das Vergnügen der Jagd, das mcht
Krankheiten und selbst nicht der Tod seiner Kinder hatte unterbi
können, wurde jezt unterbrochen, weil ja die Handschrift des Bi
Sebastian ihn auf seinen Reisen in die Wälder nicht begleiten
Carl stellte sich unter das Fenster seiner Wohnung, und zählte
Wassertropfen, welche der Regen auf die Strasse fifidlen liess; roo
. zu Zeit entrangen sich ihm tiefe Seufzer. Die Geschäfte, die V
gungen, die Gespräche, die Mahlzeiten wurden unterbrochen.
Als es aber mit der Heiligsprechung des Palafox und des
ders Sebastian nicht vorwärts gieng, geriethen der Beicht?ater
und der König in eine bitterböse Stimmung gegen Rom. Efl f<
nicht an Feinden der Jesuiten, die dem Könige geheimnissToll
deuteten, dass hier die bösen Jesuiten im Spiele seien. Inxwi
brach zu Madrid die Emeute des Jahres 1766 aus. Das Volk
sich gegen die Ordonnanz der Polizei, durch welche das Traget
grossen Hüte') und der langen Mäntel verboten wurde, welche
Verbrechen und besonders den Mord begünstigten, und den Scholi
ein Mittel boten, sich zu verbergen, und nicht erkannt zu w
Diese und andere ähnliche unliebe Maassregeln wurden auf
des Marquis von Squilace gesezt, welcher als Fremder und 6ä
des Königs verhasst war.
itaiie- Nach der Entfernung des Ministers Wall — 1764 — wurde
^^en^ Departement des Auswärtigen dem Italiener Grimaldi übergeben. I
spa- Italiener hatten eine Zahl anderer Italiener in ihrem Gefolge. Zwisok*
°'*°* diesen brachen Streitigkeiten, zwischen Grimaldi und Squilaoe bi«:^
*} Ckambergos, runde Hflte mit nledergestUIpten Rindern.
Der Mioister Sqnilace. 355
Eifersüchteleien ans (ähnlich der Eifersucht, welche unter Ferdinand VI.
zwischen 'den Ministern Carvajal und Ensenada geherrscht). Keiner von
Beiden wollte dem Konige missfallen, also auch nicht widersprechen.
Grimaldi hatte vornehme Manieren, und machte ein grosses Haus. —
SquUace war nnpolirt in seinem Wesen ^ und fast grob in seinem ge-
wohnlichen Verkehr, ohne den mindesten Anflug von Literatur oder
Wissenschaften. Er war weniger ein leitender Minister, als ein Gommis.
Er war verschlossen, und voll Angst, die Gunst seines Herrn zu ver-
lieren. Stets an die strengste Sparsamkeit gewohnt, haschte er uner-
sättlich nach Geld. Er wollte seine Zukunft in Sicherheit bringen,
und handelte eben um den £[auf einer prächtigen Besizung in Sicilien,
welche dem Hause Alba gehorte. Als Finanzminister hatte er Abscheu
vor Krieg, aus Furcht, dadurch die Quellen vermindert zu sehen, aus
denen er seinen besondem Profit schopfl;e' und wohl auch aus Sorge
für den (Staats-) Schaz. Er war streng und unbeugsam, hatte keine
Achtang vor der öffentlichen Meinung, in Gesinnung und Lebens-
weise war er völlig ein Neapolitaner^ also in Spanien ein Fremder
geblieben*
Seine Maassregeln hatten den allgemeinen Hass auf ihn gezogen. ^^^^^^^'
Er war zur Auflegung neuer Taxen und Bewilligung verschiedener uce.
Monopole geschritten. Verdienste erwarb er sich um die Entwicklung
der Manufacturea, um die Verschönerung und die Sicherheit Madrid's.
Das Tragen verborgener Waffen wurde verboten. Aber das Tragen der
breiten Hute und der langen Mäntel *) mochte noch so gefährlich, noch
so polizeiwidrig sein; es war einmal die spanische Nationaltracht, welche
sich mit Polizei und Gkwalt nicht abschaffen liess.
Der Volkshass hätte ihn vielleicht nicht gestürzt Aber er hatte
gegen die Eifersacht der andern Minister und den Neid der Hofleute
zu kämpfen. Den Klerus hatte er sich durch Eingriffe in seine Rechte
abgeneigt gemacht. Auch der Hof von Frankreich war ihm feindlich,
und hoffte dnrch seinen Sturz die Macht des ihm ganz ergebenen
Grimaldi zu erhohen.
Am 26. März 1766 brach der Aufstand aus. Die Volksmassen Aar-
v?älzten sich gegen das Hotel Squilace's, die Fenster wurden einge- gegen
worfen, die Thore angegriffen. Die Wallonen-Garden trieben die Massen *^"'
zurück, die sich unter dem Rufe durch die Strassen vertheilten: Es nee.
]ebe Spanien! Es lebe der König! Es sterbe Squilace! Das Volk griff
nur die Wallonen an, von denen mehrere, wahrend sie die Menge be-
rabigen wollten, niedergemezelt wurden. Am 27. März erreichte der
Aufruhr seinen Höhepunkt. Die fremden Gesandten umgaben den
König. Dieser schritt zu Unterhandlungen. Die Unterhändler waren die
■) Oapas.
23*
356 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
Herzoge yop Medinaceli und von Arcos. Die Menge verlangte stürmisc
den Kopf des Squilace. Nach drei iJhr liess sich der König zu ei
Ausgleich mit dem Volke herbei. Er erschien aaf dem Balcon
Schlosses, versprach den Squilace zu entlassen, einen Spanier ihm
Nachfolger zu geben, das Verbot wegen der Hüte und Mäntel zori
zunehmen, den Preis des Brodes, des Oeles, der Seife and der
herabzusezen, das von Squilace vergebene Monopol, die Stadt
Lebensmitteln zu versorgen, aufzuheben, und — den Aofstandis
zu verzeihen. Ein Mönch, das Kreuz in der Hand, las die
des Ausgleichs dem Volke vor, und der Konig gab jedesmsi
Zeichen seiner Zustimmung. Am Abend wurde eine allgemeine
nestie verkündigt. Sogleich kehrte die grosste Ruhe zurück -
nicht lange.
Der Konig und seine Familie verliessen, aus unbegründeter
um Mitternacht den Palast, nur begleitet von einigen Garden,
obersten Bediensteten am Hofe, und von Squilace. Sie gieogcr.
zum nächsten Thor zu Fusse, von wo sie eiligst nach Aranjaez hl
Auf die Kunde davon erhob sich das Volk mit neuer Wuth, di
den Vertrag für gebrochen hielt. Sie raubten Waffen, beseztto
Thore von Madrid, und Hessen Niemand sich entfernen. Die s|
sehen Truppen kämpften nicht gegen das Volk; die WaUonen v
in Aranjuez, Madrid war 48 Stunden in der Gewalt des Volks.
Niemand wurde misshandelt. Nur an den Leichen der erm
Wallonen Hess der Pobel seine Wutb aus. Sie riefen stets: &
der König, es sterbe Squilace. Ein Hauptfuhrer, ein Kutscher, «
nach Aranjuez gesandt, um die Kückkehr des Königs zu fordern,
antwortete, der Konig sei in Folge doppelten Aderlasses allzu scfa^i
Squilace sei entlassen und Michael de Muzquiz zum Finan
ernannt. Alles sei verziehen. Wenn das Volk die Waffen n
lege, werde der Konig sogleich wiederkehren. So geschah e».
wenigen Stunden war Madrid ruhig. Von den Leitern der Be
wurde aller in Schenken und an Gebäuden angerichtete Schaden
kommen ersezt.
Dem Squilace gelang es kaum, der Volksrache zu entflielid
Durch leichte Cavalerie wurde er von Aranjuez nach Cartagena csod
tirt Er schiffte sich dort mit seiner Familie nach Italien ein. P^
bekleidete er später den Posten eines spanischen Gesandten in Venedi;^.
§. 3.
Diesen Aufstand konnte Carl HL nicht verwinden, nicht vergeäi&
Seine sonst so friedliche Natur wurde ganz verändert Er scbäzte tf
Squilace derart, dass er öffentlich sagte, wenn er nur noch einen Bi>?*
Aufstand tod 1766* 357
Brod hätte, würde er ihn mit Sqailace theilen. Er glaubte, dass der
Anfstand von verborgener Hand angesponnen, and gegen ihn selbst
gerichtet sei. Vorher waren kleinere Revolten in verschiedenen Städten
ausgebrochen, und es war Blut geflossen '). Carl IIT. wurde mehr und
mehr argwohnisch, nachdenklich, ein Träumer, schweigsam — and mür-
risch. Zuerst kehrte sich sein Verdacht gegen die Franzosen. Davon wurde
er abgelenkt; Verdachtsgründe gegen die Jesuiten wurden ihm bei-
gebracht, mit welchen sich einige höhere Uofbeamte, besonders Ense-
nada, verbunden hätten. Dieser wurde vom Hofe verbannt, kehrte nicht
mehr zurück, und wohnte in Medina del Campo, wo er in hohem
Alter starb.
Aranda, damals Gouverneur von Valencia, wurde an Squilace's
Stelle nach Madrid berufen. Ein Corps von 10.000 Mann wurde um
die Stadt zusammengezogen, und die äussere Ruhe bleibend hergestellt.
Doch Maueranschläge, wie:
Si volvieran los ValoneB
No reinaran los Borbones.
(Wenn wiederkehren die Wallonen, sind ausgetrieben die Borbonen),
zeigten das Fortglimmen des Feuers. Der Konig blieb längere Zeit in
Aranjuez, und wollte sogar die Residenz nach Sevilla verlegen. Zu-
lezt sagte ihm Grimaldi, die königlichen Schlosser in Castilien hätten
immense Summen verschlungen, zum Baue neuer Schlösser in Andalusien
fehle das Geld, und der König blieb in Castilien. Aber erst nach
acht Monaten kehrte er nach Madrid zurück.
Grimaldi, durch das Schicksal Squilace's erschreckt, überliess die
innere Verwaltung dem Aranda^ und begnügte sich mit dem Aeussern. ^i^n^^^«'^
Er entging so dem Argwohn des Königs und dem Hasse des Volkes.
Nach ihm erhielt kein Fremder ein Ministerium. Die Finanzen erhielt
M. Muzquiz, welcher erster Commis unter Squilace war. Aranda
wurde Präsident von Castilien und General -Capitain. Viel Volk wurde
aus Madrid verwiesen, auch die nicht angestellten Priester. Um die
Ordonnanz über die Hüte und Mäntel durchzusezen, befahl man dem
Scharfrichter, den grossen Hut und den Mantel zu tragen.
Bei der argwöhnischen Stimmung Carl's HI. war es nicht allzu-
schwer, seinen Verdacht auf die Jesuiten zu lenken. Wegen angeblicher
Verschwörung gegen den König Josef — 4. September 1758 — wur-
den die Jesuiten im Jahre 1759 aus Portugal vertrieben. Am 1. Sep-
») Cax€, IV, p. 556— B71.
358 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
tember 1764 wurde die Gesellschaft Jesu in Frankreich aufgdiobea.
Was Pombal, Choiseul und die Pompadour dnrchgesezt, das getnnli
sich auch Aranda zu yollbringen« Aber Carl IIL hatte PombiS|,
Tyrannei gegen die Jesuiten bitter getadelt
Aranda verband sich mit Roda. Diese Beiden ▼erbreiteteo k
damals gegen die Jesuiten circulirenden Gerüchte weiten Es
sie hätten den Aufstand in Madrid bezahlt und geldtet. Mehrere
selben seien, troz ihrer Verkleidung, unter den Tnmnltanten
worden. Man nannte den P. Ignaz Lopez aus Asturien, eines der
flussreichsten Mitglieder der Gesellschaft.» Man habe ihn mitten
dem Volke, und von Strasse zu Strasse eilend, gesehen. DsaV
habe ja den Ensenada als Nachfolger des Sqnilace genannt, der
klärter Beschüzer der Jesuiten unter Ferdinand VI. gewesen,
war richtig, ebenso, dass er sich durch seine Verwaltung io
Andenken erhalten hatte. Wenn es nicht, sagt W, CoxSj
Anklagepunkte gab, so fehlte es doch nicht an scheinbaren
gegen die Jesuiten.
Unter dem Verwände, die Ursachen des lezten An&tandes
zu erforschen, sammelten Aranda und Boda alle Berichte, welche
eignet waren, die Stimmung Carl's III. gegen die Jesuiten zq
schlimmem. Man legte dem Konige und dem Volk den Streit
ehrwürdigen Bischofs Palafox sowie dessen Briefe vor, worin er
die Umtriebe der Jesuiten in Amerika klagt; dass diese Briefe
Madrid öffentlich verbrannt worden, galt als Beweis der SchaU
Jesuiten. Damit allein drangen Aranda und Roda nicht durch,
zogen den Grafen von Campomanes in ihren Bund, der damals
und (provisorischer) Präsident des Raths von Gastilien war. Er
als unfehlbare Auetoritat in allen Fragen der innem Verwaltung,
ihm stammt die Sammlung der Aktenstücke über die Vertreibnog
Jesuiten aus Spanien^).
Es wurden dem Könige Documente vorgel^, um zu bewi
dass P. RavagO| Beichtvater Ferdinand's VI., die Jesuiten in
ermuthigt, sich der Ausführung des Grenzvertrags mit Portugal
Jahre 1750 und der Abtretung der Mission von Paraguai gegen Ti
mit der Colonie von Sacramento zu widersezen. Man warf ilmeD
das Monopol des Handels mit Südamerika zum Nachtheile des Sttfü
') Goleccion de Providendaa ionutdu por el gobiemo sobre el
y ooupacion de las temporalidadea de los reguläres de la Gompania (in ^i^
hiessen die Jesuiten die „Gesellschaft^ (Jesu). Die Sammlung ist gadraekts*
Lettres from Spain by Lencadio Doblado, Loodres, 1822. Der Verftsier ^
Schrift, Blanco (oder White, Weiss), war Hagistral-Ganonieos von Sia Sttni^
in Sevilla. Die Ereignisse von 1808 trieben ihn nach £nglaad| wo er apcstaartt.
Austreibung der Jesuiten, 359
und der Primaten yor. Ein Bericht des Vicekonigs von Peru, Manuel
Damas, behauptete, sie besässen Handelshäuser in Lima und andern
Städten, unterhielten grossen Handel mit den Indianern, bezahlten keine
Handelslicenzen, wodurch sie die andern Kaufleute erdrückten.
Bei dem P. Payons, Rector des Collegs zu Saragossa, fand man
mehrere tausend Exemplare eines geheim gedruckten Werkes, über die
Vertreibung der Jesuiten aus Frankreich, worin die Magistrate mit
Vorwürfen überhäuft, und die Person des Königs selbst angegriffen
wurde. Um die Gerüchte ihrer Conspiration gegen die Regierung
Spanien's wahrscheinlich zu machen, fingirte man einen Brief, den an-
geblich der General des Ordens zu Rom an den General-Provincial in
Spanien gerichtet, dem er befohlen, Aufstände in Spanien hervorzurufen.
Der Brief war so adressirt, dass er aufgefangen werden musste. —
Die Jesuiten verloren ihren Einfluss auf Carl UI., weil sie beschuldigt
wurden, sich der Heiligsprechung des Bischofs Johann von Palafoz,
von Pnebla und dann von Osma, zu widersezen, und den lezten Auf-
stand in Madrid angezettelt zu haben, ja, neue Machinationen gegen cari in.
seine Familie, und selbst gegen den König im Schilde zu führen. ^Tj^
Vorher ihr Beschüzer, wurde er allmälig ihr unversöhnlicher Feind, der je-
und war nach dem Vorgange Frankreich *s entschlossen, sie auszu- '^^'
treiben.
Die Ausführung wurde in die Hand des Grafen Aranda gelegt,
der alle dazu nöthigen Eigenschaften besass. Als Präsident von Ca-
stilien entwarf er den Plan mit dem König allein. Man wusste, dass
der König gewöhnlich nur die von den Ministern vorgelegten Schrift-
stücke unterzeichnete. Aranda brachte zu dem Könige ein Taschen-
schreibzeug und Papier, damit die Jesuiten oder ihre Freunde, wenn
sie etwa ein Schreibzeug aus einem Bureau beim Könige sähen, nicht
Verdacht schöpften. Der König schrieb mit eigener Hand das Decret,
und sandte Circulare an die Statthalter der Provinzen, mit dem Auf-
trag, zu einer gewissen Stunde und an einem bestimmten Orte sie zu
eröflhen.
Als der bestimmte Moment gekommen, wurden die sechs CoUegien
der Jesuiten in Madrid um Mittemacht durch Truppen, unter Anfuhrung
von OfBcieren der Polizei, umringt. Sie drangen ein und bemächtigten
sich der Glocken« An jede Zjelle wurde eine Wache gestellt Man
befahl dem Rector, die ganze Genossenschaft |im Speisesaale zu ver-
sammeln. Hier wurde ihnen das königliche Decret ihrer Austreibung
kundgegeben. Jedes Mitglied durfte ein Brevier, Wäsche, Chocolade,
Tabak, und was sonst zu ihrem Unterhalt noth wendig war, sowie ihr
Geld, falls sie den Betrag desselben schriftlich angaben, mitnehmen.
Die Thüren wurden geschlossen, und sie wurden in Abtheilungen von
je 10 Personen zu den Wagen, und in denselben, die einen von den
360 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
andern getrennt, zu der Küste geführt. Die Laienbrüder und indere
Dienstleute der Jesuiten, wurden eine Zeit lang festgehalten, and dum
entlassen. Alles war so geschickt geleitet und schnell ausgeführt, im
die Einwohner von Madrid erst am andern Tage, als die Jesoit«'
schon weit entfernt waren, erfuhren, was in der Nacht geschekaV
Diess geschah am 31. März 1767, während das Decret ihrer Verb»
nüng am 2. April (unterzeichnet), und durch den öffentlichen Ausnir';
vor dem königlichen Palaste, vor den liieren von Gnadalaxara, üdIv
Trommelschlag und Trompetenstössen ausgerufen wurde.
In den Provinzen wurden am 2. April alle CoUegien der Jesiat»'
auf dieselbe Weise überfallen. Die Jesuiten wurden an die Käst« gt- ;
führt, und zu Schiffe gebrächt, sie wussten nicht wohin. Auf mehum
Fregatten wurden sie nach Civita Vecchia gebracht, und dort ausgeschiSiV:
§.5.
Da Granganelli besonders durch den Einfluss Spanien's Papst f^
worden (19. Mai 1769), so suchte er sich Carl III. auf allen Wq^
dankbar zu erweisen. Der Bischof Palafox wurde als ehrwürdig {f9t,
rabilis) erklärt, was sonst die Einleitnng zur Heiligsprechung ist I^
sonders auf Andringen des spanischen Gesandten Monino (nscUi
Florida Bianca) hob der Papst am 21. Juli 1773 die GesdkdidCi
Jesu auf^). ;|
Da Carl III. allen über die Jesuiten verbreiteten Tendenzlom
ein williges Gehör geschenkt, und von ihnen immer noch em
Ruhestörung in Spanien gefürchtet hatte, so war er über ihre Aoi*
hebung sehr erfreut, und seine natürliche Milde steUte sich wieder «&
Der Orden hatte zur Zeit seiner Aufhebung und kurz zuvor nekj
durch Gelehrsamkeit hervorragende Mitglieder, wie Andres, Aitap*
■) Franc. Beeatini, Storia del regne di Carlo IIL, de BoriKHie, re deb
Spagne; Veneria, 1790 — 8«. p. 238—289. -« W. Coxe, V, 6— 10. — Dm Dw*
der WegfÜhnmg wurde vor dem der Verbannung nnteraeichnet
') Für das Uebrige, was ausserhalb Spanien's geschah, besonders di« Arf-
heboDg der Gesellschaft Jesu, müssen wir anf die allgemeine Kirdiengesebiete iv
weisen. Ich berichtige hier meinen Irrthnm in Möhler^s KirdiengesehichCe, dt» ^
s. g. Aufstand der Hüte gegen Aranda (and Alba), statt gegen Sqailaoe, genck»
gewesen. Die dort angeknüpfte Verrnnthong über den eigentliehen Grand derV»
bannung scheint eben nur eine Hypothese zu sein. . Die oben angegebenen Gi^
waren wohl hinreichend, um den EOnig zQ seinem EntschloBBe au briDgen. T^
die verschiedenen Schicksale der Jesuiten in Spanien seit 50 Jahren (1766— l^j
8. Am. de la Religion et du Roi — nr. 8(X), daraus in: der Katholik, 18S3, 64. V.
Beilage nr. IX.
') Journal historique et politiqne de 1788, voll. II, p. 87, ann. 1784, h P- 1'^
Vorbnniiuiig der Jesaiton. 361
Aymerich, Burriel, Gerda, Colomes, Eximeno, Isla, Lampillas, Lasala,
Masdeu, Montengon, Nuiz, Serrano^).
In der pragmatischen Sanction vom 2. April 1767, welche die
Vertreibung der Jesuiten und die Einziehung ihrer Güter verordnete,
erklärt der Konig, dass die Beweggründe zu diesen Beschlüssen in
seinem königlichen Herzen verborgen bleiben, eiüe Geheimnissthuerei,
worüber selbst d'Alembert in einem Briefe an Voltaire vom 4. Mai d. J.
spottet. Carl verbietet, für oder gegen das Edict zu schreiben oder zu
reden. Er legt seinen Unterthanen Stillschweigen auf. Die Uebertreter
sollen als Majestatsverbrecher bestraft werden (Art. 16). Er erklärt, dass
er bei der getroffenen Maassregel nur dem Drange seiner königlichen Milde
folge (Art. 2). Wer immer den Anschlag machen würde, dass die
Jesuiten nach Spanien zurückkehrten, würde als Storer der öffentlichen
Ruhe behandelt werden.
Den Priestern des Ordens wurde eine Pension von 100, den Brü-
dern von 90 Piastern zugewiesen. Sie würden die Pension verlieren,
wenn sie den Kirchenstaat verliessen, sich durch Reden oder Schriften
verfehlten. Ja — sie sollten alle zugleich ihre Pension verlieren, wenn
eines ihrer Mitglieder, unter dem Vorgeben einer Apologie, Schriften
ausgäbe, welche dem Respecte vor dem Willen des Königs zuwider
wären. Der Briefwechsel der Spanier mit den Jesuiten wurde aufs
Strengste verboten. Die Uebertreter sollte schwere Ahndung treffen*
Selbst ein säcularisirter Jesuit dürfe ohne Erlaubniss nicht zurückkehren;
wer sie erhielte, müsste versprechen, mit den Jesuiten keine Gemein-
schaft zu unterhalten. Selbst in diesem Falle sollte er keine geistliche
Handlung vollziehen dürfen. Die Novizen, welche den Professen folgen
wollen, erhalten keine Pension.
Joachim Navarro, Rektor des kaiserlichen CoUegiums, wurde ge-
fragt, ob er sich den Befehlen des Königs unterwürfe. Er antwoitete:
,,Wir sind bereit, nicht nur die Landesausweisung, sondern noch weit
grössere Leiden, zum Beweise unserer Ehrerbietigkeit und Unterwerfung
gegen den König, zu erdulden.^
Unter den Verbannten befand sich Peter von Calatayud, ein in
ganz Spanien bekannter* Missionär , ein apostolischer Mann , schon
78 Jahre alt Er hatte viele Andachtsbücher geschrieben. Neben ihm
ragten hervor Franc. X. Idiaquez, Herzog von Granada (Gandia?), ein
Mann von grosser Gelehrsamkeit, Josef Pignatelli, Graf von Fuentes,
Anton. Mourino, der Mann des Vertrauens bei König Ferdinand VL,
Gabriel Busemart, 80 Jahre alt.
Es gab in Spanien 118 Häuser. Auch die Jesuiten in Amerika
*) Sempere, Biblioteca de los majores escritores del reynado de Garlos III.,
Madr. 1785-1789, 6 vol. 8*.
^^2 Vierzehntea Buch. Zweites Kapitel
und Indien traf später gleiches Schicksal. EHe Missionen in PaU-
gonien und Paraguai zerfielen. Man schäzte die ganze Zahl der sp»-
nischen Jesuiten auf 5000.
Den 13. Mai kam das erste Schiff mit 860 Jesuiten zu Civiu
Vecchia an. Die Bepublik Genua bot sich an, sie in Corsica ani» *
nehmen. Sie segelten dorthin ab, nachdem sie sechs Monate auf da 'i
Meere herumgeirrt waren. In Ajaccio erhielten sie das bischöffick f
Seminar als Wohnung. Auf das rührende Schreiben Clemens M ;i
vom 16. April gab Carl III. am 2. Mai eine kurze abweisende A«- '
wort. Ein Beriöht des Raths von Castilien wurde gedruckt, w» ■
u. a. gesagt wird; „dass der Papst, indem er für die Jesuiten Fürbidp ■
einlege, sich in eine Sache mische, die ihn nichts angehe; das8, weta '
der König Seiner Heiligkeit die gegen die Jesuiten ergriffene Mai^*.
regel mitgetheilt, diess bloss ein Act der Höflichkeit gewesen sei, rai !
dass das Breve vom 16. April verdient hätte, zurückgeschickt zo werdo.
Diese Sprache war in Spanien neu. Aber vom Jahre 1766 m
hatten die Kirchenfeinde Oberwasser, und mit geringen ünterbreA
ungen seit einem Jahrhundert die Gewalt Am 16. September and j
21. October 1767 erliess der Rath von Castilien zwei Befehle. Nick ;
dem ersten sollten die Jesuiten^ welche sich in Rom hatten sacularisi«
lassen, dann aber aus Corsica nach Spanien zurückgekehrt waren, aafi
Neue verhaftet und an die Grenze geführt werden. Würden sie obe
Erlaubniss zurückkehren , so seien sie als Staatsverbrecher zu bchandet
Nach der zweiten Verordnung, welche öffentlich ausgerufen wurde, soB»
jeder Jesuit, der ohne Erlaubniss des Königs Spanien wieder betrite.
als Verwiesener, wenn er die Weihen noch nicht empfange, mit de«
Tode, im anderen Falle mit ewigem Gefängnisse bestraft werden, tt«.
welche ihm zur Rückkehr verhalfen, und Andere, welche um die Roc^
kehr gewusst, sie aber nicht angezeigt hätten, sollten als öffentlicb
Ruhestörer behandelt -werden.
Im Kirchenstaate befanden sich bereits die Jesuiten aus Porta^
Wie sollten die 5000 Jesuiten aus Spanien dort Nahrung finden? D<fr
noch zwang die Noth, sie aufzunehmen, und sie wurden in die T«r-
schiedenen Städte vertheilt, wo sie sich die Anerkennung aller StiA
erwarben. Durch ihre gelehrten Arbeiten thaten sich hervor: Job*».
Andres, Faustin Arevalo, Franc. Gusta, Laurent Hervas, Franc Jo«f
Isla, Johan. Franc. Masdeu, Johann von Ossuna, Josef Pons, Cari<ie
la Serna Santander u. a. m.
Die Verbannung der Jesuiten aus Spanien dauerte 30 Jahre; dif
Meisten derselben waren gestorben. Die noch Uebrigen erfaielteo i>
Jahre 1799 die Erlaubniss, zurückzukehren; unter ihnen waren Ha^dtn
und Serna-Santander. Fast alle kehrten zurück. Sie mussien iltr0>
unversöhnlichen Feinden zum zweiten Male weichen. Man sckieo ste
Die Jesuiten im oeuuzehoten Jahrhundert. 363
nur daram zurückberufen zu haben, um sieb das Vergnügen zu machen,
sie wieder zu vertreiben.
Durch Decret vom 29. Mai 1815 erklärte Ferdinand VII., dass
er, um den Wünschen vieler Stände und Städte zu entsprechen, den
Jesuiten ihre CoUegien, Hauser und Missionen zurückgebe. Ihre Auf-
hebung sei nur eine Folge der Eifersucht und des Parteigeistes ge-
wesen; sie hätten nur die Feinde des Staats und der Obrigkeit zu ihren
Gegnern; sie hätten besonders in der Erziehung der Jugend unschäz-
bare Dienste geleistet. Mehrere Jesuiten, u. a. der gelehrte Faustin.
Arevalo, kehrten damals zurück. Im Anfange des Jahres 1817 hatten
sie schon 43 Häuser. Am 29. Mai 1816 wurden sie mit grosser
Feierlichkeit in Mexico wieder eingeführt.
Durch Beschluss der Cortes vom 15. August 1821 wurden die
Jesuiten auf das Neue unterdrückt. Sie besassen damals 12 Collegien
und 16 Convente. Bei den folgenden Revolutionen waren sie gewöhnlich
unter den Ersten, welche vertrieben wurden.')
§. 6.
Konig Carl UI. war nach dem Aufstande des Jahres 1766 ein
ganz anderer gegen die Kirche, als er vorher gewesen. Schon am
18. Januar 1762 waren zwei pragmatische Sanctionen erlassen worden,
welche die Privilegien der religiösen Institute sehr beschränkten und
den Rechten des romischen Stuhls nahe traten. In der ersten be-
schwerte sich der Konig, dass die Verkündigung von Bullen und
Rescripten Rom's allzuoft die öffentliche Ruhe gefährdet hätte. Er
gebietet , keine Bulle und kein Bescript von Rom vor deren Prüfting
durch seinen königlichen Rath anzunehmen. Auch die Rescripte, welche
an Privatpersonen ergiengen, sollten ebenso behandelt werden, mit Aus-
nahme der Breven und Dispensen der Poenitentiarie. Die zuwider-
handelnden Prälaten und Priester würden ihre Temporalien und ihr
Heimathsrecht verlieren und unfähig sein, ein anderes Bisthum zu be-
sizen. Die schuldigen Laien sollten eine Geldbusse von 2000 Ducaten
bezahlen, und ihr Amt verlieren, konnten sie nicht befahlen, so sollten
sie vier Jahre in einer Festung Afrika's büssen. Die Beamten, welche
sich der Ausfuhrung dieser Pragmatik widersezten, sollten die Hälfte
ihres Vermögens verlieren, und zehn Jahre Gefangene in Afrika sein.
Der Konig behielt sich vor, nach seinem Wohlgefallen jeden Einwohner
jeden Banges zu verbannen, der ohne erhaltene Erlaubniss eine Bulle
0 Ami de la BÄig., nr. 800 -> .KathoUk«* v. 1832, nr. IX. BeU., p. 34-41.
röliiZ' Zimmer, Weltgeschichte, 111, Abth. 3, 8. 31.
364 VierzehntcB Buch. Zweite» Kapitel.
oder ein Breve in Vollzag gesezt. Die Bischöfe , Richter, Statthalter,
müssen sogleich diese Pragmatik beobachten, welche am 21. Jaonar
1762 zu Madrid verkündigt wurde. Das Gesez ist vom Secretar
TiTTgu ^^°'88 "nd ßnf Rathen unterzeichnet. Unter diesen Käthen fignrirt
ßeamia. Dldacus dc Koxas y Contreras, Bischof von Cartagena (1750—1772).
So weit kommen Bischöfe als hohe königliche Beamte, dass sie dem
Könige geben, was Gottes ist. „Es scheint, dass ein Bischof sich
wohl davon hätte dispensiren können^ seinen Namen unter ein Gesez
zu sezen, das mit solchen Strafen droht.*") — Der zweite Erlass,
genannt „Cedula'*, verbietet dem Generalinquisitor, irgend ein Edikt
in Folge einer Bulle oder eines Breves von Kom zu verkündigen, ohne
die Kenntnissnahme desselben durch den Konig oder Staatssecretar.
Handle es sich um das Verbot von Büchern, so dürfe man das Breve
durchaus nicht beifügen. Man dürfe kein Decret des Index ohne die
Erlanbniss des Königs kundgeben. Vor der Verurtheiltmg eines Boches
müsse der Verklagte gehört werden.
Der Jansenist Fr. Phil. Müengui hatte zuerst im Jahre 1744 seine
„Exposition de la doctrine chretiene'^ herausgegeben. Durch Decret des
römischen Index wurde das Werk im Jahre 1757 verworfen. Da das
Buch weiter verbreitet und übersezt wurde, so wurde es durch Brcfe
vom 14. Juni 1761 feierlich verboten.«) Man sagt, dass Carl III. durch
dieses Decret sehr beleidigt war, weil er gewollt, dass man sich de»
Katechismus von Misengui zum Unterrichte seines Sohnes Garlos be
dienen solle. Das Breve vom 14. Juni 1761 war durch den Gross-
inquisitor Manuel Quintano Bonifaz am 9. August publicirt worden.
Erbittert darüber verbannte ihn Carl UI. auf ein Jahr. Der König
wollte nicht zugestehen, dass er für den Unterricht seines Sohnes ein
häretisches Buch bestimmt habe.*) So entstand die „Cedula^ vom
18. Januar 1762.
§• 7.
Di« droi Nachdem Papst Clemens XIII. Kenntniss von diesen Elrlassen er-
!!Lien ^^^>^9 so schrieb er am 15. Januar 1763 an die drei spanischen Gardioale,
cardi- L. Ant. Fem. de Cordova , den Erzbischof von Toledo , Bonav. de
"jiu»r!r I-'ftcerda, Patriarchen von Westindien, und Franc. Solis Folch, Erzbischol
i7<9. von Sevilla. Er erinnerte sie an das im Jahre 1737 geschlossene Cod*
cordat, das durch diese neuen Pragmatiken vernichtet worden, welche
') Pieoi, mömoires. IV, p. 127.
») Bullar. Clementis XIIL, t II, p. 132. — Picot, IV., p. 67-70.
*) Gazette de Madrid, v. 8. Dec. 1761; Gazette de Franoe, v. 26. Deeeober.
Konvellet ecclösiastiqnes, vom G. Februar 1762.
Clemens XUI. und Carl 111. im Jahre 1768. 365
die wesentlichen Rechte des heiligen Stuhles antasteten. Sie mögen
dem Könige und den Ministem Vorstellungen machen und ihnen zeigen^
dass sie durch die Feinde des heiligen Stuhls betrogen worden. Der
Nuntius L. Op. Fallavicini, Erzbischof von Lepanto, sollte sich mit
ihnen darüber verständigen *}. Der Papst schrieb selbst an den König
(und dessen Mutter?) — am 2. Juni 1763. Sicher ist, dass leztere
dem Papste meldete, Carl III. habe durch ein Decret vom 5. Juli 1763
seine Ordonnanzen zurückgenommen. Es wäre darum nicht nothwendig
gewesen, dass sie als Vermittlerin in dieser Sache Dienste geleistet;
der König sei durch eigne Bewegung zu seinem Entschlüsse gekommen.
Der Papst dankte durch ein Schreiben vom 4. August 1 763; er bezeugt
seine Freude über diese Zurücknahme, und spricht herzliche Wünsche
für das Wohl der Königin und ihres Sohnes aus'^). Durch seinen
damaligen Gesandten ^ D. Manuel de Roda, liess Carl III. ein sehr
ehrerbietiges Schreiben übergeben. Am 28. Juli 1763 antwortete
Clemens XIII. u. a.: „Wir haben keinen Augenblick zögern können,
Eurer Majestät Unsern lebhaftesten und grössten Dank für eine solche
Wohlthat auszusprechen, die Sie der Kirche und mithin Uns, die Wir
ihr vorstehen, erwiesen haben. Könnten Wir bei Eurer Majestät sein,
um Sie zu umarmen, und tausendmal zu segnen wegen Ihrer heroischen
Frömmigkeit und Religiosität, da Sie, in Unserer armen Person die
apostolische Stimme des Fürsten der Apostel achtend -^ Unsern Bitten
vorgekommen sind, Unsre Besorgnisse beruhigt, die Kirche mit Jubel,
mit Glanz und mit Ruhm erfüllt haben. Gestatten Sie somit. Eure
Majestät, dass Ihr geistiger Vater und Oberhirte in den liebevollsten
Worten seiner väterlichen Zärtlichkeit ausrufe, und gestehe: Sie sind
seine Freude und seine Krone; in Ihnen findet er seinen Trost und
seine Stärkung in jenen stürmischen Fluthen, von denen sein so be-
drängtes Pontificat bewegt ist." In einem Handschreiben vom 16. Au-
gust versicherte Carl III. in ähnlichen zärtlichen Ausdrücken den Papst
seiner ganzen Anhänglichkeit und Verehrung').
§. 8.
Die Königin Elisabeth starb nach einem Wittwenstande von
20. Jahren zu Aranjuez am 11'. Juli 1766, in dem 74. Jahre ihres
') BuUar. Clemeniis XIIL^ t. II, p. 330. Roscovdny, Monamenta catholiea
pro independentia potestatia eccleaiaaticae ab imperio dvili, 2 1, 1847, 1 1. p. 300—301.
«) BuUar. U, p. 890.
') Picoty mömoires. t. IV, Par., 1853^ p. 126—128. — Theiner, Geschichte
des PoDtificats Clemens XIV., Leipz., 1853, I, p. 42—43. — Weder Picot noch
Theiner theilen das köaigliche Edict vom 5. Juli 1763 mit.
366 Vierzehntem Buch. Zweites Kapitel.
Alters. Sie sah zwei ihrer Söhue auf dem Throne von Spanien, eina
auf dem Throne von Neapel, einen als Herzog von Parma, einen Enkel
anf dem Throne beider Sicilien. Sie sah aach einen ihrer Soime als
Cardinal. Ihre Hoffnung, ihn anch als Papst za sehen, wurde durch
ihn selbst vereitelt« Obgleich er viele Jahre Cardinal, und Erzbiscbof
von Toledo und Sevilla gewesen, empfing er die heiligen Weihen nicht
Darum weigerte sich Papst Benedict XIY., ihm noch femer die Ein-
künfte beider EIrzbisthQmer zu lassen, und er musste resigniren. Im
Kin Ex- Jahre 1754* schrieb der „Cardinal^ Luis Bourbon dem Papste u.a.:
Mrdinai. ^1^^ es Gott Wohlgefällig ist, dass ich ihm in dem weltlichen Stande
den schuldigsten Dienst und Gehorsam leiste, so folge ich meinem Be-
rufe, und bitte Eure Heiligkeit, mir die nothige Dispensation zu er-
theilen, und zu erlauben, dass ich Ihnen den Hut, womit Sie (?) mid
beehrt haben, zurücksende.^ etc.
§. 9.
Der Papst hielt ein geheimes Consistorium am 18. Decemkr
1754. Der Minister Cardinal Portocarrero fuhr mit vielen Bedienten
und einem Gefolge von 28 Priüaten nach dem Quirinal. Darunter war
Negroni, der in einer prachtigen Chaise den Cardinalshut auf einer
silbernen Schale trug. Der Hut wurde im Quirinal auf einen kleinen
Tisch gelegt. In Gegenwart von 30 Cardinälen sass der Papst ao:
seinem Throne, und hielt eine Ansprache. Der ConsistorialadTOcat
Negroni bat um die Erlaubniss, den Hut sammt den beiden Erzbis-
thümem niederlegen zu dürfen. Der Papst fragte die Cardinale: Wi!
dünket Euch? Dann nahm er die Verzichtleistung an, and ernannte
zugleich den L. A. Femandez de Cordova zum Cardinal und Erz*
bischof von Toledo.
Der Infant erschien am 2. Februar 1755 in weltlicher Kleiden^
am Hofe, den Degen an der Seite. Er erhielt von seinem Bruder holK
Ehrenämter.') Er heirathete am 28. Januar 1776 eine Norwegerin.
Maria Teresa de Villabriga y Drummond. Bfit dieser unebenbürtigen
Ehe war Carl III. unzufrieden. Er verbannte seinen Bruder nach Arena:
de S. Pedro in Estremadura. Er verbot, dass seine drei Kinder, ein
Sohn und zwei Tochter, den Namen „Bourbon^ fuhren; sie wurden
, also „Villabriga'^ von der Mutter genannt. Carl IV. erlaubte ihnen,
den Namen Bourbon anzunehmen. Sie wurden unter der Aufsicht des
Cardinais Lorenzana in Toledo erzogen, der Sohn in dem erzbiscboi-
liehen Palast, die Töchter in dem Kloster von San Clemente. Jener
*) Lebensgesohiehte aller CardinSle des achtzehnten Jahrhnnderti, Ul
p. 169 — 170.
Conflikte in Folge der Verbannung der Jesuiten« 367
wurde Cardinal von Toledo, war also Luis IL de Bonrbon als Car-
dinal und Erzbischof. Eine Tochter heiratbete den Friedensfnrsten,
die zweite den Herzog von San Fernando. Der Ezcardinal starb zu
Arenas am 7. Aug. 1785.^)
§. 10.
Carl III. selbst war seit 9. Mai 1738 mit der Prinzessin D. Maria
Araalia von Sachsen verheirathet. Aus dieser Ehe giengen u. a. die
Infanten Philipp Caspar, geb. 1 747, und D. Carlos, geb. 12. November
1748 hervor. Da jener von der Thronfolge ausgeschlossen wurde, so
empfing D. Carlos (IV.) am 19. Juli 1760 die Huldigung als Prinz
von Asturien. — Der Infant Ferdinand wurde Konig von Neapel. Im
Ganzen gebar die Konigin sechs Sohne und sieben Tochter. Kurze
Zeit nach ihrer Ankunft in Spanien verfiel sie einer unheilbaren Krank-
heit. Sie starb schon am 27. December 1760, bevor das erste Jahr
ihrer Ankunft in Spanien vorüber war, noch nicht 36 Jahre alt.')
Carl III. aber blieb im freiwilligen Wittwenstande vom Jahre 1766 bis
1788, wie versichert wird, aus Liebe zu seiner ersten und einzigen
Gemahlin.
§. 11.
In Folge der Austreibung der Jesuiten entstand unter dem SLlerus,
und selbst dem Episcopate nicht geringe Zwietracht. Die einen stellten
sich auf die Seite der Verfolgten, die andern auf die Seite der Re-
gierung. Es zeigte sich hier, was wir mehrfach angedeutet, dass der
spanische Episcopat und Klerus der weltlichen Regierung als einer
unfehlbaren überall zu secundiren pflegte, und dadurch die Unabhängig-
keit der Kirche aufheben half. Nach der Vertreibung der Jesuiten ^^^^^
wurde eine besondere Staatsjunta eingesezt, um die ans der Vertreibung ru mr
resultirenden Maassregeln zu berathen. In ihr sassen Erzbischofe und ^^ s*'
Bischöfe , u. a. der Erzbischof Rodriguez de Arellano von Burgos jemiton
(1764—1791), Saenz de Burruaga von Saragossa (1768 — 1777), die
Bischöfe Jos. la Plana j Castellon von Tarazona (1766 — 1795), Josef
Tormo von Orihuela (1767 — 1790), und der Bischof Josef Molina von
Albarracin (1765 — 1776). Bischöfe in andern Landern wären vielleicht
um ihres guten katholischen Rufes willen nicht in einer solchen (Kommission
gesessen. Man versuchte es eine Zeitlang, die Jesuiten als Jansenisten
') Mariana- Sabau, XX, p. 433. ~ ParrOj Toledo en la mano, I. p. 848.
*) Flarez, Reynas, 11, p. 1041 — 1056.
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Ifli AilTenK^a««! war d:*^ Afco:iz~3.z ^^eg<ea die J^soMem m Abctx
woL! ^rA^^, 2!% 15 i^pacirs fw^Ib^t. Siratl^küses, welcbe durch c
Er3rf>ts<clMff L^üceszaika voa Mexi.o. vnt-l der Bkcbof Fabiu j Fbct
Too Poehla /"I«'^ — 177?; Wirten in irir-^s HL-ten^'rkÜEii bcsandets ci:
barUr Spracb« g«gö» öi*- Je^ahen- — Die Otera d«ir Orden exliii^/. .
ftcf'-bly d^ No&o^D ZQ beätraxeiu wcI*.L«r a^^olk-lie O&ntnnii^eii '.•
dut baldige Knckkelkr der J^r^iiura rerbrchcien. Jesaitenfreande virt.
*Aer galten als §olcfae, a. a. der Canlloal ron Toledo, liodwig t.
Cordora, and «ein GeDeralri^ar.
Ao seineiii Gebnrt&tage (2^). Janoar 176^) ersdiien Carl HL ^■
defu Balcoo seined Schlosses za Madrid, bereit, dem Volke irgend eu
roo ihin erbetene Gnade zu gewähren. Als das Volk mit laoter Stima.
die Eackkefar der Jesuiten beehrte, zag sich der hierin ganz dc .
bfttlicbe Carl HL Terbläfi in seine innem Gemacher zoröck. M-
redete ihm dn, der Cardinal too Toledo und sein GeneialTicar hil^
das Volk anlgehezt; diese erhielten Befehl, Madrid sofort zo Terlasse!
Als Anhanger der Jesuiten galten noch der Erzbischof Joan« Lario ;
Lancia ron Tarragona (17C4 — 1777) and dessen Crenerahricar. — A*
die Nonnen aber den Verlast der Jesuiten, ab ihrer Beichtrater klagte:
iio erhielten sie die eifrigsten Anhänger der Jesoiten ans ^em Vfäi
kleros als Beichtvater. Die Aafr^;ang in den Franenkloetem stie£.
ood Tcrbreitele sich aber dieselben hinaas. Die B^ierung schritt m:
') La FuenU wirft dem berahmten Bexr. Hartz vor, er habeeme .Dekriii
de la doetrioa de los intitiüados Jesaitis oontm el dogma y la mofal por r.
D. Fernand^} Huidobro y Vekueo* (es war diesa seiii zweiter Name imd l-
naoe?; Madr, ]7f>8, ben&iiBg?gebeD, and verweist dabei auf dessen Biogra^^i«
TOO P, Franc» Mendez.
') FuenU, VI, p. ^0.
*) ^aviso dcl recibo* geben.
*) Theiner, I, p. 06—67.
Aufregung in Folge der Verbannung der Jesuiten. 369
schaifen Drohangeo und Maassregeln ein. Die angedonnerten Nonnen
lenkten ein; sie kehrten (nach Theiner) ohne Schwierigkeit zu ihrer
frühem Einfalt und Nüchternheit zurück, „und ihre Oberinnen ent-
hüllten selbst in ruhrenden und interessanten Geständnissen der
Regierung alle — — Eunstgri£fe, womit diese unwissenden Priester
das Gewissen derselben getauscht, ihren Aberglauben genährt und
; ihre Phantasie erhizt hätten.^ ^) Auf solche Geständnisse hin er-
hielten natürlich die Nonnen, die doch mit ihren Prophezeiungen
die Leute aufgeregt hatten, den Generalpardon der ßegierung, die
Freunde der Jesuiten vom Weltklerus mussten als Sündenbocke
' figuriren.
Isidor de Carvajal y Lancaster, Bischof von Cuenca (1760 — 1771), ^^»^^^^
trat als eifrigster Vertheidiger der Jesuiten und der kirchlichen Interessen y Lan-
überhaupt hervor. Namentlich wegen des neu eingeschärften könig- *"**®'
liehen „Pase" für die päpstlichen Erlasse schrieb er einen Brief an j^sni.
den Beichtvater Carl's III., Jo. Eleta, worin er u. a. sagt, dass das Reich ^^'^
verloren sei, dass es kopfüber seinem Ruine entgegenstürze, wegen der
Verfolgung, welche die Kirche erleide. P. Eleta zeigte den Brief dem
Konige. Der schlaue Manuel de Roda rieth dem König, er möge den
Bischof fragen, welches die Verfolger unter den Ministern, welches die
geplünderten Kirchen, und die über den Haufen geworfenen Immuni-
täten seien. Der Bischof merkte, wohin die Fragen zielten, und ver-
schob die Antwort — wegen seiner bösen Gesundheit. Der Konig aber
drang weiter in ihn, und der Bischof führte als Beschwerdepunkte die
vielen Lasten an, die dem Klerus aufgebürdet seien^ die Beschränkung
des kirchlichen Asyls, die Versuche, die Zunahme der kirchlichen Ein-
künfte und den Zuwachs des Klerus überhaupt zu verhindern, das
Decret, womach jede Bulle dem königlichen Rathe vor ihrer Verkündi-
gung vorgelegt werden müsste, zulezt die Geringschäzung, mit der man
in einigen damals erschienenen Schriften von dem Papste und den
Jesuiten redete. Ueber diese Briefe des Bischofs sass der Rath von
Oastilien zu Gerichte. Geriehts-Fiscale waren Campomanes und Florida-
bianca. Ihre Instruction des Processes enthielt die fortgeschrittensten
Doctrinen des Regalismus, sie war gleichsam das „Vademecum^ der
regalistischeu Schule. Der Rath nahm ihre Vorschläge an, man befahl,
es sollen die Briefe des Bischofs und deren Abschriften saisirt werden, ^ir^vor
Der Bischof wurde vor den hohen Rath citirt, um wegen seiner Invec- denRati
tiven Verweise in Empfang zu nehmen. Eine königliche Cedula er- ^l^^^^^^
gieng an alle Bischöfe, die sie von dem unklugen Vorgehen des Bischofs ciürt.
von Cuenca in Kenntniss sezte, welches, wie man erwartete, bei allen
') Theiner, I. p. 66.
Oaias, «^pfto. Kirctk^. III, 9, 24
364 Vierzehnte» Buch. Zweite» Kapitel.
oder ein Breve in Vollzug gesezt. Die Bischöfe, Richter, Statthalter,
müssen sogleich diese Pragmatik beobachten, welche am 21. Januar
1 762 zu Madrid verkündigt wurde. Das Gesez ist vom Secrctar de«
fuTg? ^^°'g8 "nd fanf Rathen unterzeichnet. Unter diesen Käthen figurirt
Beaniio. Didacus dc Koxas y Contreras, Bischof von Cartagena (1750 — \Tifi.
So weit kommen Bischöfe als hohe königliche Beamte, dass sie d« ?
Könige geben, was Gottes ist. „Es scheint, dass ein Bischof sA *
wohl davon hätte dispensiren können^ seinen Namen unter ein Geici
zu sezen, das mit solchen Strafen droht."*) — Der zweite Erl», "
genannt „Cedula**, verbietet dem Generalinquisitor, irgend ein Edib j
in Folge einer Bulle oder eines Breves von Rom zu verkündigen, ob
die Kenntnissnahme desselben durch den König oder Staatssecre^.
Handle es sich um das Verbot von Büchern, so dürfe man das Ertw
durchaus nicht beifügen. Man dürfe kein Decret des Index ohne ik \
Erlaubniss des Königs kundgeben. Vor der Vemrtheilung eines Bock«
müsse der Verklagte gehört werden.
Der Jansenist Fr. Phil. Mesmgui hatte zuerst im Jahre 1744 se«
„Exposition de la doctrine chretiene" herausgegeben. Durch Decret fe
römischen Index wurde das Werk im Jahre 1757 verworfen. Da cm
Buch weiter verbreitet und übersezt wurde, so wurde es durch Breit
vom 14. Juni 1761 feierlich verboten.«) Man sagt, dass Carl III. dan*
dieses Decret sehr beleidigt war, weil er gewollt, dass man sich d«
Katechismus von Mesengui zum Unterrichte seines Sohnes Carlos !«•
dienen solle. Das Breve vom 1 4. Juni 1 761 war durch den Grtw-
Inquisitor Manuel Quintano Bonifaz am 9. August publicirt worfa
Erbittert darüber verbannte ihn Carl IIL auf ein Jahr. Der K«
wollte nicht zugestehen, dass er für den Unterricht seines Sohnes m
häretisches Buch bestimmt habe.«) So entstand die „Cedula* wa
18. Januar 1762.
Di« droi Nachdem Papst Clemens XIII. Kenntniss von diesen Erlassen ff*
'J^n lial*€ö, so schrieb er am 15. Januar 1763 an die drei spanischen Cardinik.
cardi- L. Ant. Fern, de Cordova , den Erzbischof von Toledo , Bomt. it
"jlüirr Lacerda, Patriarchen von Westindien, und Franc Solis Folch, ErzbiscW
17W. von Sevilla. Er erinnerte sie an das im Jahre 1737 geschlossene Coa*
cordat, das durch diese neuen Pragmatiken veniichtet worden, wdcke
*) Picot, mömoireB. IV, p. 127.
») Bullar. ClemetUis XIIL, t II, p. 132. — -ftco^ IV., p. 67-7a
') Gazette de Madrid, v. 8. Dec. 1761; Gszette de Frimce, v. 2& DeeeaNr
Koavellet ecciösiastiqnes, vom C. Februar 1762.
Monino als Graf von Florida- Blaooa. 371
Franc. Fabian j Faero, der Bischof von Cartagena, Manael Rubin de
Celisi sowie der Bischof Lac. Ramirez Galan von Tay, bis 1771 Erz-
bischof von Bogota, aus *).
§. 13.
Neben dieser grossen Concession an Carl III. concedirte ihm
Papst Clemens XIV. mit vollen and offenen Händen noch manches
Andere. Ein concordirtes Breve vom 26. März 1771 stellte bei Er-
richtung des Tribunals der Rota der spanischen Nuntiatur den Grund-
saz auf, dass kirchliche Rechtssachen in Spanien selbst entschieden
werden mussten. Carl III. erlangte auch den entscheidenden Einflnss
auf die Bestellung der Richter der Rota. Es war also, wie die In-
quisition, ein königliches Gericht mit kirchlichen Formen. So hatten
es die Regalisten Dom. Pimentel und Joan. Chumacero im siebzehnten
Jahrhundert gewollt*). Die bisherige Gerichtsbarkeit des Auditors der ^
Nuntiatur horte damit auf. Die Rota der apostolischen Nuntiatur war
vom Nuntius durchaus unabhängig. Die sechs Richter der Rota wurden
vom Könige präsentirt. Auch der Uditore der Nuntiatur soll künftig
ein Spanier und dem König angenehm sein, ebenso der Fiscal und der
Abbreviator. Der Nuntius war so ein Fremdling unter seinen Leuten.
Das Breve wurde erst am 26. October 1773 promulgirt'). Der
königliche -Rath sollte die dienlichen Maassregeln fiir die Einrichtung
des Tribunals treffen. Für diese gefährliche Neuerung, welche den
kirchlichen Einfluss ganz verdrängte, sprach Clemens XIV. am 8. Sep-
tember 1774 dem Könige seinen innigsten Dank aus^), vierzehn Tage
vor dem Tode des Papstes. Er hatte das Seinige gethan, um den
Primat der Jurisdiction des römischen Papstes in Spanien zu einem
Primat der Ehre zu degradiren.
Auch ein concordirtes Breve über die Reduction der Asyle hatte
derselbe Papst am 12. September 1772 erlassen^), nachdem die frühem
Päpste schon die grössten Concessionen hierin gemacht. Von nun an
sollten in jedem Bisthum nur noch ein, höchstens zwei heilige Orte
das Asylrecht haben. So war dieses Recht auf ein Minimum reducirt.
') Den Hirtenbrief des ieztem vom 26. Ootober 1773 im spanischen Original
theiit Theiner mit, 11. p. 388 —389.
') Goleccion, p. 2^9—290. — Das Breve spanisch and deatach bei Hergen-
röther, Arcliiv, XL, Beil B, p. 395—401.
') Ley I, tit. ö, L. II, Nov. Recop. Coleccion, p. 279—280, 291.
') Theiner, Epistolae Giement XiY., nr. 283, p. 325. — Dersolb., Oeschichte
Clemens XIV., t. II, p. 450—452.
*) BuUar. Rom.^ Cent t. IV, p. 4S8— 102 — Aossuj^ in der Coleec. de los
ConoordatoB, p. 298 sq.
24»
]
366 Vierzebntea Bach. Zweites Kapitel.
Alters. Sie sah zwei itirer Söhne auf dem Throne von Spanien, eiMn
auf dem Throne von Neapel, einen als Herzog von Parma, einen EobI
auf dem Throne beider Sicilien. Sie sah auch einen ihrer Sohne al*
Cardinal. Ihre Hoffnung, ihn auch als Papst zu sehen, wurde dcnl
ihn selbst vereitelt Obgleich er viele Jahre Cardinal, und Erzbisckt
von Toledo und Sevilla gewesen, empfing er die heiligen Weihen oivk
Darum weigerte sich Papst Benedict XIV., ihm noch femer die Eo-
künfte beider Erzbisthumer zu lassen, und er musste resigniren. b
Kin Ex- Jahre 1754 «schrieb der „Cardinal^ Luis Bourbon dem Papste a.L:
Mrdinai. ^^^ ^ q^^ Wohlgefällig ist, dass ich ihm in dem weltlichen Stanfk
den schuldigsten Dienst und Gehorsam leiste, so folge ich meinem B^
rufe, und bitte Eure Heiligkeit, mir die nothige Dispensation n o
theilen, und zu erlauben, dass ich Ihnen den Hut, womit Sie (7) mi
beehrt haben, zurücksende.^ etc.
§. 9.
Der Papst hielt ein geheimes Consistorium am 18. Decem
1754. Der Minister Cardinal Portocarrero fuhr mit vielen Bedi
und einem Gefolge von 28 Prälaten nach dem Quirinal. Darunter
Negroni, der in einer prachtigen Chaise den Cardinalahut auf
silbernen Schale trug. Der Hut wurde im Quirinal auf einen
Tisch gelegt. In Gegenwart von 30 Cardinalen sass der Papet $d
seinem Throne, und hielt eine Ansprache. Der ConsiatorialadTocit
Negroni bat um die Erlaubniss, den Hut sammt den beiden Enb-
tbümem niederlegen zu dürfen. Der Papst fragte die Cardinale: Wa
dünket Euch? Dann nahm er die Verzichtleistung an, und enuun»
zugleich den L. A. Femandez de Cordova znm Cardinal and Ia«
bischof von Toledo.
Der Infant erschien am 2. Februar 1755 in weltlicher Kleidaf
am Hofe, den Degen an der Seite. Er erhielt von seinem Broder 1k>W
Ehrenämter.*) Er heirathete am 28. Januar 1776 eine Norwegtm.
Maria Teresa de Villabriga y Drummond. Bfit dieser unebenbörtiga
Ehe war Carl III. unzufrieden. Er verbannte seinen Bruder nach Areuf
de S. Pedro in Estremadura. Er verbot, dass seine drei Kinder, fia
Sohn und zwei Tochter, den Namen „Bourbon^ fuhren; sie wnrda
. also „Villabriga'^ von der Mutter genannt, Carl IV. erlaubte üueo,
den Namen Bourbon anzunehmen. Sie wurden unter der Aufsicht dt*
Cardinais Lorenzana in Toledo erzogen, der Sohn in dem erEbiscböi*
liehen Palast, die Tochter in dem Kloster von San Clemente. hsa
') Lebensgeschiehte aller Gardinäle des achtsehnten Jabrhniiderti, Hl
p. 169—170.
Conflikte in Folge der Verbannung der Jesuiten. 367
wurde Cardinal von Toledo, war also Lais II. de Bourbon als Car-
dinal und Erzbischof. Eine Tochter heiratbete den Friedensfiirsten,
die zweite den Herzog von San Fernando. Der Ezcardinal starb zu
Arenas am 7. Ang. 1785.')
§. 10.
Carl III. selbst war seit 9. Mai 1738 mit der Prinzessin D. Maria
Amalia von Sachsen verheirathet. Aus dieser Ehe giengen u. a. die
Infanten Philipp Caspar, geb. 1 747, und D. Carlos, geb. 12. November
1748 hervor. Da jener von der Thronfolge ausgeschlossen wurde, so
empfing D. Carlos (IV.) am 19. Juli 1760 die Huldigung als Prinz
von Asturien. — Der Infant Ferdinand wnrde Konig von Neapel. Im
Ganzen gebar die Konigin sechs Söhne und sieben Tochter. Kurze
Zeit nach ihrer Ankunft in Spanien verfiel sie einer unheilbaren Krank-
heit. Sie starb schon am 27. December 1760, bevor das erste Jahr
ihrer Ankunft in Spanien vorüber war, noch nicht 36 Jahre alt.^)
Carl m. aber blieb im freiwilligen Wittwenstande vom Jahre 1766 bis
1788, wie versichert wird, aus Liebe zu seiner ersten und einzigen
Gemahlin.
§. 11.
In Folge der Austreibung der Jesuiten entstand unter dem Klerus,
und selbst dem Episcopate nicht geringe Zwietracht. Die einen stellten
sich auf die Seite der Verfolgten, die andern auf die Seite der Re-
gierung. Es zeigte sich hier, was wir mehrfach angedeutet^ dass der
spanische Episcopat nnd Klerus der weltlichen Regierung als einer
unfehlbaren überall zu secundiren pflegte, nnd dadurch die Unabhängig-
keit der Kirche aufheben half. Nach der Vertreibung der Jesuiten abehöfe
wurde eine besondere Staatsjunta eingesezt, nm die aus der Vertreibung ru nr
resultirenden Maassregeln zu berathen. In ihr sassen Erzbischofe und ^^^ >*'
Bischöfe, u. a. der Erzbischof Rodriguez de Arellano von Burgos jemuton
(1764—1791), Saenz de Burruaga von Saragossa (1768 — 1777), die
Bischöfe Jos. la Plana j Castellon von Tarazona (1766 — 1795), Josef
Xormo von Orihuela (1767 — 1790), nnd der Bischof Josef Molina von
^Ibarracin (1765 — 1776). Bischöfe in andern Landern wären vielleicht
um ihres guten katholischen Rufes willen nicht in einer solchen (Immission
gesessen. Man versuchte es eine Zeitlang, die Jesuiten als Jansenisten
*) Mariana' Saöau, XX, p. 433. — Parro, Toledo en la mano, I. p. 848.
*) Flarez, Eeynas, II, p. 1041 — 1056,
368 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
zu verdächtigen. Flugschriften gegen die Jesuiten, geschrieben tog
geistlicher und weltlicher Hand, durchflogen Spanien.') Verschiedeoc
Bischöfe gaben „terrible" Hirtenbriefe*) gegen die Jesuiten htrm.
wiederholten die pragmatische Sanction (vom 2. April 1767) und lobt«
sie. Die Bischöfe (und Ordensobem) erhielten aber von der Regicmic
am 23. October 17()7 den strengen Befehl, die Widerspenstigen /«e-
sonders die Nonnen, zum stricten Gehorsame gegen die Erlasse if>
Staates zurückzufuhren. Sie mussten den Empfang dieses Befehles *k
Regierung anzeigen^), und ihr eine Abschrift ihrer hierüber erlasse^n
Hirtenbriefe und Ermahnungsschreiben einsenden. Die Unterlasse!:
dieser Pflicht, hiess es, werde nicht mit Gleichgiltigkeit hingenoouut
werden, da hiebei die Religion ebenso wohl, als der Staat, betheiligtsä*].
Im Allgemeinen war die Abneigung gegen die Jesuiten in Amenka
wohl grösser, als in Spanien selbst. Streitigkeiten, welche durch d«
sum- Exemtionen derselben entstanden, hatten Missstimmung erzeugt. Ds
^^ü Erzbischof Lorenzana von Mexico, und der Bischof Fabian y Fa«
die Je- von Puebla (1765 — 1773) führten in ihren Hirtenbriefen besonder eix
'^^J*^*" harte Sprache gegen die Jesuiten. — Die Obern der Orden erhiel«
ka. Befehl, die Nonnen zu bestrafen, welche angebliche OflTenbarungen übef
die baldige Rückkehr der Jesuiteu verbreiteten. Jesuiteofrennde wsl*»
oder galten als solche, u. a. der Cardinal von Toledo, Ladwig r««
Cordova, und sein Generalvicar.
An seinem Geburtstage (20. Januar 1768) erschien Carl IIL i4
dem Balcon seines Schlosses zu Madrid, bereit, dem Volke irgend d»
von ihm erbetene Gnade zu gewähren. Als das Volk mit laater Süa»
die Rückkehr der Jesuiten begehrte, zog sich der hierin ganx vit:-
bittliche Carl UI. verblüfft in seine innern Gemächer zurück. Mr.
redete ihm ein, der Cardinal von Toledo und sein Generalvicar hifiia
das Volk aufgehezt; diese erhielten Befehl, Madrid sofort zu verlaäso.
Als Anhänger der Jesuiten galten noch der Erzbischof Joan. Larr}
Lancis von Tarragona (1764 — 1777) und dessen Generalvicar. — A*
die Nonnen über den Verlust der Jesuiten, als ihrer Beichtväter klagtet
so erhielten sie die eifrigsten Anhänger der Jesuiten aas ^em VifSi-
klerus als Beichtväter. Die Autregung in den Franenklosteni sti^'
und verbreitete sich über dieselben hinaus. Die Regierang schritt bä
*) La Fuente wirft dem berühmten Henr. Marez vor, er habe eine .DeUff«
de la doctrina de los intitulados Jesaitas contra el dogma y la monl r^' •'
V. Fernando Huidobro y Velasco* (es war diesa sein zweiter Name tad U-
narne?) Madr., 17G8, herausgegeben, und verweist dabei auf dessen Baofra;'^
von P, Franc Mendez.
«) Fuente, VI, p. i^O,
'') „aviso del recfljo** geben.
') Theiner, F, p. 65—67.
Clemens XIII. and Carl III. im Jahre 1768. 365
die wesentlichen Rechte des heiligen Stuhles antasteten. Sie mögen
dem Konige und den Ministern Vorstellungen machen und ihnen zeigen^
dass sie durch die Feinde des heiligen Stuhls betrogen worden. Der
Nuntius L. Op. Fallavicini, Erzbischof von Lepanto, sollte sich mit
ihnen darüber verständigen*}. Der Papst schrieb selbst an den König
(und dessen Mutter?) — am 2. Juni 1763. Sicher ist, dass leztere
dem Papste meldete, Carl IIL habe durch ein Decret vom 5. Juli 1763
seine Ordonnanzen zurückgenommen. Es wäre darum nicht nothwendig
gewesen, dass sie als Vermittlerin in dieser Sache Dienste geleistet;
der König sei durch eigne Bewegung zu seinem Entschlüsse gekommen.
Der Papst dankte durch ein Schreiben vom 4. August 1763; er bezeugt
seine Freude über diese Zurücknahme, und spricht herzliche Wünsche
für das Wohl der Königin und ihres Sohnes aus^). Durch seinen
damaligen Gesandten D. Manuel de Roda, liess Carl III. ein sehr
ehrerbietiges Schreiben übergeben. Am 28. Juli 1763 antwortete
Clemens XIII. u. a.: „Wir haben keinen Augenblick zögern können,
Eurer Majestät Unsern lebhaftesten und grössten Dank für eine solche
Wohlthat auszusprechen, die Sie der Kirche und mithin Uns, die Wir
ihr vorstehen, erwiesen haben. Könnten Wir bei Eurer Majestät sein,
um Sie zu umarmen, und tausendmal zu segnen wegen Ihrer heroischen
Frömmigkeit und Religiosität, da Sie, in Unserer armen Person die
apostolische Stimme des Fürsten der Apostel achtend -^ Unsern Bitten
vorgekommen sind, Unsre Besorgnisse beruhigt, die Kirche mit Jubel,
mit Glanz und mit Ruhm erfüllt haben. Gestatten Sie somit. Eure
Majestät^ dass Ihr geistiger Vater und Oberhirte in den liebevollsten
Worten seiner väterlichen Zärtlichkeit ausrufe, und gestehe: Sie sind
seine Freude und seine Krone; in Ihnen findet er seinen Trost und
seine Stärkung in jenen stürmischen Flnthen, von denen sein so be-
drängtes Pontificat bewegt ist." In einem Handschreiben vom 16. Au-
gust versicherte Carl III. in ähnlichen zärtlichen Ausdrücken den Papst
seiner ganzen Anhänglichkeit und Verehrung').
§. 8.
Die Königin Elisabeth starb nach einem Wittwenstande von
20. Jahren zu Aranjuez am IL Juli 1766, in dem 74. Jahre ihres
«
') BuUar. ClemerUis XIIL^ t. II, p. 330. Roscovdny, Monnmenta catholiea
pro independentia potestatia eccleaiasticae ab imperio civili, 2 1, 1847, 1 1« p. 300—301.
«) BuUar. U, p. 890.
') Picot, mömoirefl, t. IV, Par., 1853^ p. 126 — 128. — Theiner, Geschichte
des PoDtificats Clemens XIV., Leipz., 1853,' I, p. 42—43. — Weder Picot noch
Theiner theilen das königliche Edict vom &. Juli 1763 mit
370 YiersehiiteB Buch. Zweite« Kapitel.
Bischöfen MissbilliguDg finden werde. Der König werde die Vor-
stellungen der Bischöfe wohlwollend anfnehmen, wenn dieselben w»lir-
heitsgetreu, gemässigt, mit gebührendem Respecte Torgebracht wni^
Kein anderer Bischof wollte sich nunmehr der bitiem Censur öatt
Fiscals aussezen; sie schwiegen.') Die Frommen betracht^en im
Bischof von Cnenca als einen Bekenner des Glaubens, and seine
galt als Vorbild für katholische Bischöfe.
§. 12.
Als besonders durch das gewaltthätige Eingreifen Garl's lU od
seines Gesandten Monino die Jesuiten am 21. Joli 1773 anigehoM
wurden, muthete der König seinen Bischöfen zu, das Geschehene f#
beloben — durch passende und beistimmende Hirtenbriefe. Am 2.
tember (1773) erhielt er das Anfhebungsbreve und j,wmr vor Fi
spani- ^Qss^i^ sich.^ Es wurdc im lateinischen Texte mit spanisclier U(
»che jo- sezung kundgegeben. Am 16. September befahl Carl III^ es in
'^m° Staaten seiner Monarchie zu verkünden. Am 1. October worde
Kirchen- päpstliche Brcve an die Bischöfe versandt — Von jezt an
■taatp. ^«^ 1^ Kirchenstaate wohnenden spanischen Jesuiten eine reg<
Pension, mussten aber vorher die Annahme des Breve ihrer Aoihel
unterzeichnen. Viele, die diess zu thun verweigerten, erhielten ii
Pension *).
In Folge seiner diessfalsigen Verdienste wurde Monino, der
1772 — 177^ in Rom gewesen, Rath am Gerichtshofe von Castilia ni
Graf von Florida -Bianca. Die spanischen Bischöfe (sagt I%einer) ^
eilten sich, das Aufhebungsbreve bekannt zu machen, and ^begleiteki
es mit wahrhaft ruhrenden Pastoralschreiben ^. Am meisten zeiduMMi
sich hierin die Gardinäle Solis und Lacerda, der Erzbischof von ValeBi%
') La Fuente, VI, p. 81 - 83. — 'Priüon Munnoz, Obispos de CaeBa» it
1860, sagt, er habe troz allen Nachsucheas die gediegene DenkschriA dei B^rb'A
für die Jesniten nicht auffinden können, p. 386.
') CretxTieaU'JoUy^ Clemens XIV. and die Jesniten. Hiatoire deUC<«-
pagnie de Jösus, t. I, p. 145—413, Paris, 1845. — Theiner, 1. e. t. 1. ptssii?. -
Ficot, M<imoires, t. IV, 18ä5, p. 236— 24 1. — C Rißü, die Aofhebim^ des Jcftii»
Ordens, 3. Anfl., Mainz, 1855, S. 172, 179 sq* — TT. Coxe, IV, 185 sq. - Jvk
imparcial sobre el extrafiamiento de los Jesuitas, v, AhaJte Bermo8o (war 1SI5 vci
nicht edirt). Im Jahre :8j7— I8(>8 edirte Fuente eine Reihe von Artikeln, sniip-
sie gesammelt heraas. Ihm antwortete jPerrer dd Rio^ woraaf jFVien^ rti^siff
in : La oorte de Carlos III. — Er selbst lässt in seiner Kirchengesebidife, t^ j
p. 71-79, den Engländer \V. Coxe reden. — Aug. Carayon, S* J., Ctoiei ü» !
9tl98 Jesnitea .... docaments inöd., Paris, 18G8.
Conflikte in Folge der Verbannnng der Jesuiten. 367
wurde Cardinal von Toledo, war also Luis II. de Bourbon als Car-
dinal und Erzbischof. Eine Tochter heirathete den Friedensfursten,
die zweite den Herzog von San Fernando. Der Excardinal starb zu
Arenas am 7. Aug. 1785.^)
§. 10.
Carl in. selbst war seit 9. Mai 1738 mit der Prinzessin D. Maria
Amalia von Sachsen verheirathet. Aus dieser Ehe giengen u. a, die
Infanten Philipp Caspar, geb. 1747, und D. Carlos, geb. 12. November
1748 hervor. Da jener von der Thronfolge ausgeschlossen wurde, so
empfing D. Carlos (IV.) am 19. Juli 1760 die Huldigung als Prinz
von Asturien. — Der Infant Ferdinand wurde Konig von Neapel. Im
Ganzen gebar die Konigin sechs Söhne und sieben Tochter. Kurze
Zeit nach ihrer Ankunft in Spanien verfiel sie einer unheilbaren Krank-
heit. Sie starb schon am 27. December 1760, bevor das erste Jahr
ihrer Ankunft in Spanien vorüber war, noch nicht 36 Jahre alt.')
Carl III. aber blieb im freiwilligen Wittwenstande vom Jahre 1766 bis
1788, wie versichert wird, aus Liebe zu seiner ersten und einzigen
Gemahlin.
§. 11.
In Folge der Austreibung der Jesuiten entstand unter dem Klerus,
und selbst dem Episcopate nicht geringe Zwietracht. Die einen stellten
sich auf die Seite der Verfolgten, die andern auf die Seite der Re-
gierung. Es zeigte sich hier, was wir mehrfach angedeutet^ dass der
spanische Episcopat und Klerus der weltlichen Regierung als einer
unfehlbaren übendl zu secundiren pflegte, und dadurch die Unabhängig-
keit der Kirche aufheben half. Nach der Vertreibung der Jesuiten ^^^^^
wurde eine besondere Staatsjunta eingesezt, um die aus der Vertreibung ^m rar
resultirenden Maassregeln zu berathen. In ihr sassen Erzbischofe und °°^ >*'
Bischöfe , u. a. der Erzbischof Rodriguez de Arellano von Burgos jemiten
(1764—1791), Saenz de Burruaga von Saragossa (1768 — 1777), die
Bischöfe Jos. la Plana j Castellon von Tarazona (1766 — 1795), Josef
Tormo von Orihuela (1767 — 1790), und der Bischof Josef Molina von
Albarracin (1765 — 1776). Bischöfe in andern Landern wären vielleicht
um ihres guten katholischen Rufes willen nicht in einer solchen Commission
gesessen. Man versuchte es eine Zeitlang, die Jesuiten als Jansenisten
*) Mariana* Saöau, XX, p. 433. — ParrOy Toledo en la mano, I. p. 848.
*) Fl<yrez, Reynas, II, p. 1041 — 1056,
372 yiensehntes Buch. Zweites Kapitel.
Später — am 11. November 1800 — gab die Uegienmg noch be-
sondere Regeln für die Entfernung der Verbrecher aus den Asyles
und das Verfahren gegen sie')
§. 14.
Am Ende des Jahres 1776 trat Monino in das Ministeriam. Sm
Nachfolger in Rom wurde Grimaldi, dann Azara. Auch too Pap«
Pins VI. (seit 1775) erlangte Carl III. verschiedene Indulte.
Noch in den Jahren 1778 — 1779 drang Carl III. in den Pap^t,
die Lehre von der unbefleckten Empfangniss der seligsten Jungfran als
Glaubenssaz auszusprechen. Eis wurde die Seligsprechung des Biscbok
Palafox aufs neue, und der im Jahre 1665 gestorbenen Maria Agredt
betrieben. Am 28. Januar 1777 sprach sich die Congregation d^ Riui
gegen die erstere aus. Der Botschafter Juan Nie. Azara erlies« da-
gegen eine derbe Denkschrift*). Wegen dieser und anderer (in Ron*
noch schwebenden Seligsprechungs-Processe wurden die Bischöfe lu
31. August 1778 aufgefordert, genaue Berichte dem königlichen Radr
zu erstatten.
§. 15.
Der Graf Aranda war im Jahre 1773 als Gesandter nach Paru«
von da nach Rom versezt worden. Vom Jahre 1777 — 1788 herrscbtr
Florida- Florida -Bianca unbedingt über die spanische Monarchie. Carl III.
Bianca y^^^ y^^ Jahre 1766—1788 in der Hand der unerbittlichen KircbrD-
herrccbt
von 1777 feinde. — Dem Konige wurde das Recht vindicirt, Pensionen bb tim
-i78e. dritten Theile des Ertrags auf die ohnedem schwer belasteten BeneficM
in Spanien zu legen. Einerseits wurde Rom mit immer neuen GesocL^a
um Concessionen und Indulte drangsalirt, anderseits wurden die Recome
der Spanier nach Rom durch Erlasse vom 15. September 1778 s<kr
erschwert. Ein eigener spanischer Agent wurde in Rom angeblid ;'i:
Verhütung von Missbräuchen, in Wirklichkeit, um alle Recurse zu tc^-
hindern, aufgestellt'). Die Bischöfe waren fast nur noch Beamte der
Regierung. Die Regierung mischte sich sogar in den Katecbtsnus
Durch Gesez vom 16. Juli 1784 wurde den Bischofen unter Binugei
Strafen befohlen, ihre Generalvicare von der Regierung genehmigco H
lassen. Statt dessen stellten die Bischöfe nur Provisoren auf, die df^
Genehmigung nicht unterlagen. — Viele andere Gesuche wurden ^<3
*) Coleccion, p. 302. Ley, 6, tit. 5.
*) Le Brei, Mag^azin der neuen Klrchengesch., VII, pp. 353— S<<I, 383—^'
•) Le Bret p. 386 — 3^2.
Amortisafion des Kirchenguts. 373
Piu8 VI. genehmigt. In Rom wnsete man, dass man ohne diese Be-
willigungen in Spanien eigenmächtig vorgehen werde, und wollte darum
^on zwei Uebeln das kleinere wählen. — Aach ^Ordensreformen^
wurden versucht. Am 12. Mäfz und 12. Mai 1786 wurden die von
lern päpstlichen Nuntius revidirten Statuten der unbeschnhten Carme-
iter und Carmeliterinen bestätigt'). Am 24. August 1787 wurde der
3rden des heiligen Antonius für Spanien aufgehoben*).
§. 16.
Neben den Planen einer immer schrankenlosem Ausbeutung des
'Circhengutes zu Gunsten des Staates, giengen jezt die Plane der Ein-
ziehung oder Amortisation desselben. Die Güter ,,der todten Hand^
tollten dieser entzogen, und dem s. g. Volke nnzbringend gemacht ^^^®>
Verden. An der Spize dieser Bestrebungen stand der berühmte Pedro dM xir-
iodriguez Campomanes, aus Asturien, geb. 1. Juli 1723. Er wurde ^*°s''*-
l^iscal des königlichen und obersten Bathcs von Castilien — 1762,
päter Graf und Staatsminister. Als Fiscal legte er dem Konige seine
»conomischen Pläne vor. Auf seinen Antrag verbot Carl IIL am
.O.März 1763 die weitern Erwerbungen der ^^todten Hand^^, und leitete
lamit die spätere Säcularisation ein. — Schon der Franzose Orry hatte
inzelne Versuche der „Amortisation^ gemacht. Das Concordat von p. R.
737 hatte die von der „todten Hand^ erworbenen Güter allen Lasten ^^^g'
ind Tributen des Staates unterworfen (Art. 8). Nur sollten Geistliche
ticht durch die Beamten der weltlichen Gerichtshofe, sondern durch
[ie Mandatare der Bischöfe zur Zahlung verhalten werden. Aber in
[er von Carl III. im Jahre 1760 erlassenen Instruction für die Ein-
iehnng der Abgaben war diese Bestimmung schon weggelassen, wie
o manche Clausel, von deren Beobachtung man sich stillschweigend
ispensirte *). Am 10. März 176J wurde der „todten Hand^ Güter zu
rvrerben verboten, auch wenn diese Erwerbung sich in das Gewand
er Frömmigkeit oder Nothwendigkei^ kleiden wollte^).
Das Werk des Campomanes über die „kirchliche Amortisation
Is Kcgalie^ war bahnbrechend *). Es verräth eine umfassende Gelehr-
') BuUar. Rom. Cantinuai. t VII, p. 491—588; Canst. Pii VI — 598.
») t. VIII, p. 78-81. Const, 668.
') Novis. kecop, Ley 17, tit. 5. L. I. — CastiUo y Ayensa^ II, p. 274.
.eztcrcr nonot dieses und die fihDlicheD Gesezc: diBpo&iciones atentatorias al derecho
o propriedad.
*) Ley 15, tit. 1, L. I.
•) Ley 17, t. I.
") La rogalia de aircrthacion eclcBiäatic«, Madr., 1764.
374 Viensebntes Blieb. Zweites Kapitel.
samkeit, und ein tiefes Stndiam. Er brachte es dahin, dass mebrert
Professoren der Theologie nnd des canonischen Rechts es reTidirtes
und billigten, sowie verschiedene andere Geistliche von Ansehen. Unter
diesen waren Isidor Arias, Professor der Theologie, General der Congre*
gation der Benedictiner, später Bischof von Guamanga *) , Juan Perez,
Provincial der Dominicaner von Castilien, P. Jo86 Leon, vom Ordeo
der „Ägbnizanten^, und der P. Basilius de S. Jnsta y Rufina, r*ya
Orden der Piaristen.
Der Graf Aranda gewann iür die gleichen Plane die Universititet«
ehedem kleine Republiken, von jezt an durch das absolute System is
allmächtigen Minister durchaus abhängige Corporationen. Wdcbr
Professor hätte sich weigern können , dem Elaborate eines Uscals d^s
Rathes von Castilien seine Billigung zu versagen? Man sorgte »cc!i
für die Verbreitung des Werks jenseits der Pyrenäen. Im Jahre iT&i
wurde es in Madrid gedruckt, im Jahre 1765 auch in Venedig «raO
Mailand. Das Werk wurde erst im Jahre 1825 auf den Index gefeit.
§. 17.
Schüler und jüngerer Freund des Campomanes war Caspir
O.M. Melchior JoveUanos, im Jahre 1744 zu Gijon in Asturien geborti
(t 27. November 1811). Er stodirte die Rechte, und wurde Assessor
am Criminalgerichtshofe von Sevilla. Hier trat er zuerst als Dichte
mit Erfolg auf). Im Jahre 1778 wurde er Assessor am koniglicbo
Gerichtshofe zu Madrid. Im labre 1780 wurde er Mitglied des Bathi '
des Ordens von Calatrava. Auf seinen amtlichen Reisen sammelte er
den Stoff zu seiner „Anleitung zur Gesezgebung über den Ackerbao^l
In diesem Gutachten suchte er zu beweisen, dass die Krone ein ob-
veräusserliches Recht habe, abgeleitet aus dem ^jus cavendi'', die L^-
werbnngen der „todten Hand" zu beschränken^). Campomanes ver-
sicherte im Jahre 1761, der Klerus besize mehr als den sechstel Tfaeil
alles Grundbesizes in Spanien. Auf seine Aussage wurde diess bu
jezt als sichere Thatsacbe angenommen; man sprach sogar von einen
Fünftel und selbst Viertel alles Grundvermögens im Besize der ^todtts
Hand^. Dagegen wies der Senator Santarella in der Siznng tmi
J0T«11»
DM
*) Vielleicht Comayagua (Hoadaras), wo wir einem Isidor Bodrigoes be^e^ae.
spftterm Erzbischofe von S. Domingo.
') Sein : El Delinquente honrado — der Verbrecher in Ehreo — warde ^
die Mehrzahl der europäischen Sprachen übersezt. Seine Tragödie .Peisio* mtät
im Jahre 1790 im königlichen Theater aufgefiihrt.
*) Informe en el expediente de la Icy agraria -* las qaesdoaea nai ib?^
tantes de economia politica, adaptadas al estado presente de la Eapalla.
*) Coleccion de loa Concordatoa; p. 142—143.
Mooino als Graf Ton Florida «Blaaoa. 371
Franc. Fabian y Foero, der Bischof von Cartagena, Manael Rubin de
Celis, sowie der Bischof Lac. Ramirez Galan von Tay, bis 1771 Erz-
bischof von Bogota, aus ').
§. 13.
Neben dieser grossen Concession an Carl III. concedirte ihm
Papst Clemens XIV. mit vollen and offenen Händen noch manches
Andere. Ein concordirtes Breve vom 26. März 1771 stellte bei Er-
richtang des Tribanals der Bota der spanischen Nuntiatur den Grund-
saz auf, dass kirchliche Rechtssachen in Spanien selbst entschieden
werden müssten. Carl III. erlangte auch den entscheidenden Einfluss
auf die Bestellung der Richter der Rota. Es war also, wie die In-
quisition, ein königliches Gericht mit kirchlichen Formen. So hatten
es die Regalisten Dom. Pimentel und Joan. Chumacero im siebzehnten
Jahrhundert gewollt*). Die bisherige Gerichtsbarkeit des Auditors der ^
Nuntiatur horte damit auf. Die Rota der apostolischen Nuntiatur war
vom Nuntius durchaus unabhängig. Die sechs Richter der Rota wurden
vom Könige präsentirt. Auch der Uditore der Nuntiatur soll künftig
ein Spanier und dem König angenehm sein, ebenso der Fiscal und der
Abbreviator. Der Nuntius war so ein Fremdling unter seinen Leuten.
Das Breve wurde erst am 26. October 1773 promulgirt'). Der
königliche -Rath sollte die dienlichen Maassregeln für die Einrichtung
des Tribunals treffen. Für diese gefährliche Neuerung , welche den
kirchlichen Einfluss ganz verdrängte, sprach Clemens XIV. am 8. Sep-
tember 1774 dem Könige seinen innigsten Dank aus^), vierzehn Tage
Tor dem Tode des Papstes. Er hatte das Seinige gethan^ um den
Primat der Jurisdiction des römischen Papstes in Spanien zu einem
Primat der Ehre zu degradiren.
Auch ein concordirtes Breve über die Reduction der Asyle hatte
derselbe Papst am 12. September 1772 erlassen^), nachdem die frühem
Päpste schon die grössten Concessionen hierin gemacht. Von nun an
sollten in jedem Bisthum nur noch ein, höchstens zwei heilige Orte
das Asylrecht haben. So war dieses Recht auf ein Minimum reducirt.
') Den Hirtenbrief des leztern vom 26. October 1773 im spanischen Original
theilt Theiner mit, U. p. 388—389.
*) Goleccion, p. 2')9— 290. — Das Breye spanisch and deatsch bei Hergen-
r'öther, Archiv, XL, Beil B, p. 395 — 40L
•} Ley I, tit. 5, L. II, Nov. Becop. Colecdon, p. 279-28Ö, 291.
') Theiner^ Epistolae Clement. XiV., ur. 283, p. 825. — Dersolb., Geschichte
Clemens XI V^ t. 11, p. 450—452.
') Buüar Eom.j Cent i. IV, p. 4S8— 192 — Auszog: in der Colecc de los
ConcordatoS; p. 298 sq.
24#
3^6 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
§. 19.
criiv. Carl IV. wurde zu Neapel am 14. November 1748 geboren. Er
1308? erbte von seinem Vater nur die Gutmuthigkeit, und die Leidensckut
der Jagd, der er sich jeden Tag, wie Carl IIL, hingab. Er wedt
frühe mit Maria Louise von Parma, seiner Cousine, vermählt. Im Lask ■
der Zeit gewann sie solche Gewalt über ihn, dass sie sich die gr6«t>i£i '
Zeichen des Vertrauens von ihm geben Hess, ja dass Carl IT. de
einzige Mensch in seinen Staaten war, der nicht die Verirrongen der
Königin sah , die sonst Jedermann in die Augen fielen. Der Kösif
hat bis zum Ende seines Lebens ein Vertrauen ohne Grenzen in ck
Tugend seiner Gemahlin gesezt«
Im Anfange seiner Regierung wurden für einen bestimmten Zvak
, die Cortes berufen, welche unter Carl UI. gänzlich vergessen wordi«i|
und huldigten dem Konige. Als sie sich aber ihrer alten Rechte c^
innern wollten, wurden sie in Ungnaden entlassen, ond nicht isdf
berufen. •
In den ersten Jahren der Regierung Carl's IV. behauptete ski
zwar Florida- Bianca noch in seiner Stellung, doch wurde dieselbe mk
und mehr erschüttert und untergraben. Im Jahre 1 792 wurde cf, der
Florida- vormals allmächtige Regent von Spanien, gestürzt. Im Schlosse tdj
gcBittTBt, Pamplona, seinem Gefängnisse, befand er sich in einem solcbeo Zs- i
1792. Stande der Entbehrung, nach 15 Jahren seiner Regierung (1777— 17S)lj
dass sein Bruder Franc. Monino ihn mit Geld nnterstuzen mossse.
Nach eiiiiger Zeit durfte er nach Murcia zurückkehren, wo er bis zss
Jahre 1808 lebte. Nach dem Ausbruche der Insurrection gegen Kapo-
leon wurde er an die Spize der Generaljunta des Königreichs bcrof«
Aber gebeugt unter der Last der Jahre (er wurde zu Mnrcia im J^
1728 geboren), starb er zu Sevilla im Anfange des Jahres 1809. ^
wurde dort in der Cathedrale beigesezt, und ihm ein Mausoleom vn
Marmor errichtet. ]\
Aranda war zum erstenmale im Jahre 1773 gestürzt word<^* ji
erhielt aber zur Entschädigung die Gesandtschaft in Paris. Im Jsl-r* |i
ArandA 1792 crseztc er den Grafen Florida- Bianca wieder im Ministeriom, qd' II
wilder ^^^^^ scheinbar die höchste Gewalt, aber nicht für lange Zeit Er «' !l
Minister, der Königin zu strenge. Sie, ihr Günstling Manuel Godoy, und l3^^
alle Hofleute bildeten eine mächtige Coalition gegen ihn. M:io ^ 1
schuldigte ihn, die Ideen der revolutionären Franzosen zu theilea.
Am 1 4. März 1 71)4 war grosser Rath zu Aranjuez über die Fn^
des Kriegs gegen, oder des Friedens mit Frankreich. Als God?}
glaubte, so viel, wie Aranda, zu verstehen, entledigte er sich saue
Gqdoy stimmte für den Krieg gegen Frankreich, Aranda ior bewafiK^^
PalMt-
roYoltt"
Godoy stürzt den Aranda. Der «Glückspilz'' u. „FriedeDsfUist'' M. Godoy. 37 7
Neutralität. Als Aranda nach beendigtem Rathe in seine Wohnung
surackgekehrt war, so erschien der Oommandant des Plazes, nahm tionsa
$eine Papiere in Beschlag, wie Aranda die Papiere der Jesuiten hatte ^^^°'
n Beschlag nehmen lassen; er befahl ihm barsch, sogleich in ein Ge- i4.MSrs
fährt einzusteigen, ohne dass er vorher Nahrung zu sich nehmen konnte, ^''^'
wie er es mit den Jesuiten gemacht. Man führte ihn schleunigst in Ver-
bannung (nach Jaen), wie er den Jesuiten gethan. Von da kehrte er in
seine Heimath Aragon zurück, wo er fast vergessen im Jahre 1799 starb*).
§. 20.
Vom Jahre 1794 bis 1808 herrschte Godoy, (oder Godoi), un- ^;j^^|
iimschränkt. Manuel Godoy, Friedensfurst, Herzog von AIcudia, war Herr-
am 12. Mai 1767 zu Badajoz geboren. Sprosse einer armen ade- ^!^^^
ligen Familie kam er im Alter von 17 Jahren nach Madrid, wo isos.
er in eine Compagnic der Leibgarde eintrat, in der seit 1784 auch
sein älterer Bruder Luis Diego diente. Seine schone Haltung , die
Llegelmassigkeit seiner Züge, seine sanften und feinen Manieren, sein
liebenswürdiges Wesen erwarben ihm die Gunst der Frauen selbst •
am Hofe. Die Konigin Louise Marie bemerkte ihn; Carl IV. aber
fasste eine solche Affection zu ihm, dass sich ihm der Weg zu allen
Ehren und Würden crschloss. Einige meinten, dass seine Fertigkeit
im Spielen der Guitarre sein Glück begründet habe. Er wurde bald
General der königlichen Leibwache, und bald auch in den Staatsrath
berufen. In dieser Stellung zeigte er eine Sicherheit, die weit über
sein Alter war. Er zeigte ein gesundes Urtheil, ein glückliches Ge-
dächtniss, einen ausgesuchten Tact und eine scharfe Gabe der Auf-
fassung. Der Geist der Intrigue, der sich so leicht am Hofe bildet,
balf zu dem Weitern. Er wurde erster Minister statt des Grafen
Aranda. Der Krieg gegen Frankreich endigte unglücklich. Der am
22. Juli 1795 zu Basel geschlossene Friede verschaffte dem Godoy,
vorher schon Herzog von AIcudia, den Titel eines Fürsten des Friedens, ^^J^
Lind eines Granden erster Klasse. Carl IV. gab ihm ferner den Orden dena-
des goldenen Vliesses, und eine Domaine mit einem Einkommen von ^^^
l30.000 Piaster. Troz der mächtig sich erhebenden Opposition schloss
Godoy am 16. August 1796 das Offensiv- und Defensivbündniss mit
der franzosischen Republik zu San Ildcfonso. — Das Königspaar wollte
ihn auch noch durch die Bande der Ehe mit der königlichen Familie
verschwägern. Er sollte eine der Töchter des Infanten und Excardinals
Don Luis heirathen. Er selbst scheint diese Ehe nicht sehr ernst
') Er war geboren am ;8. Decembcr 1718. Den Tag seinca Todes finden
(vir nicht.
378 Vienehnies Bneh. Zweites Kapitel.
genommen za haben. In einem Briefe vom 15. Aogofit 1797 an den
Präsidenten des Käthes , Bischof Ant. Tayira Ton SaUmanca, bittet er
diesen, den Gobernador des Erzbisthnftis von Toledo m ersuchen, zuerst
die ältere Tochter des Infanten zu fragen, ob sie ihn heiratfaen wolle,
wenn nicht, die jüngere Tochter ^). — Doch wnrde er am diese Zetf
josefa scheinbar gestürzt Er hatte seine Blicke auf D. JosefSa Tudo geworfa.
Tado. j^^^ Vater dieser jungen Person, ein Militär, der seit langem eine Stdk
suchte, erschien mit seiner Tochter vor Godoy, um Hilfe bittend. So-
oodoy gleich wurde er zum Verwalter des königlichen Schlosses ^el Betirc*^
!]^.r geuiacbt , wo sich nun Godoy häufig zu Besuchen einfifund. Josefii
Tudo wollte von galanten Abenteuern nichts wissen, Godoy aber volit«
Ton ihr nicht ablassen. Er schloss eine geheime Ehe mit ihr. Wedtr
die Eifersucht der Königin, noch die glänzenden Eigenschaften itx
D. Teresa de Bourbon, mit der Godoy öffentlich sich vernrnhlte, Ter*
mochten die Verbindung Godoy's mit der Tndo zu trennen. Alle Wek
redete von dieser Doppelehe, die Inquisition wollte den Process wefft
Bigamie gegen Godoy anstrengen. Carl IV. war wie taub, nnd bM
seinem Günstling treu ergeben. Vergebens wurden einige seiner Gegnei
verbannt; die Zahl der Feinde wuchs. Godoy musste (in Folge eioer
Intrigue des französischen Cabinets) am 28. März 1 798 das Ministeriiia
wird verlassen. Als Minister foli^n ihm Franc, de Saavedra and Heick
1798 vor-
Ober- Casp. Jovellanos. Lezterer war im Jahre 1790 in Ungnade gefiüIoL
gehend jm jahrc 1794 erhielt er wieder den Titel eines Rathes von CastUkn.
Im Jahre 1797 liess ihn Godoy zum Gesandten in Petersburg emeniML
und als er die Annahme verweigerte, wurde er Minister der Gmdea
und Gerechtigkeit Bald darauf zog er sich den Haas Godoy*« vk
der ihn im Jahre 1798 nach Grijon verbannen liess. Im Jahre IM
liess er ihn in die Carthanse von Valdemuza auf Majorca, im Jahre
1802 aber in das Staatsgefängniss von Bellver bringen.
joTeii«. In Bellver schrieb Jovellanos seine berühmten Briefe: «Ueber da«
stamte« zurfickgezogene Leben und über die eitlen Pläne und Bestr^nngen der
mmnnn. Meuscheu.'' Erst im Jahre 1808, nach dem Einzug der Franzosen, er-
i^u J. ^^^^ ^^ seine Freiheit und kehrte nach Gijon zurück. Nach Wechsels-
den Schicksalen, worin er sich als entschiedenen Gregner der Franro§tii
bewies, starb er in seiner Heimath am 27. November 1811*).
') Der Brief bei Barrantes, Catalogo msonado, 1865. p 56.
') Noticias hi8tori<»i8 de don G. M. Jovellanos; Palma, I8I2. — I'. -
J. Cea Bermudez, Memorias para la vida de Jovellanos y noticias de nm obrt«^
Madr., 1H14.
Oodoy wieder auf der Bübpe und im pZenith* seiner Macht S79
§. 21.
Der scheinbar gestürzte Godoy war in der That nicht gestürzt;
er hatte sich nur etwas zurückgezogen. Jovellanos und Saavedra wurden
in demselben Jahre (1798) gestürzt. Urquijo, der ihnen gefolgt, übrigens
der franzosischen Revolution sehr günstig war, wurde bald verbannt,
und der Friedensfarst erschien wieder offen auf der Bühne. Er wan-
delte von nun an ganz und gar im Schlepptau des „ersten Consuls^
Napoleon, welchem er Spanien zu Füssen legte. In einem kurzen
Feldzug gegen Portugal, an dessen Spize Godoy selbst sich stellte, er-
oberte er einige Pläze^ wurde Grosskreuz des Ordens Carl's III. und
von Malta, und erlangte, als Graf von Evoramente, eine jährliche Steige-
rung seiner Einkünfte um 100.000 Realen. Carl IV. gab ihm zudem
zwei Fahnen, die er seinem Wappen beifügen sollte, und einen Ehren-
säbel, den er ihm eigenhändig umgürtete.
Der Freiherr von Vincke, später Oberpräsident in Münster, sah
im Jahre 1802 den Godoy auf dem Höhepunkte seiner Macht. „In dic^^^*°^
Bibliothek des Friedensförsten,^ schreibt er, „haben lediglich die Granden, nsbo.
Erzbischofe und königlichen Adjutanten Zutritt 0- Hier fanden wir p°°^J^«
den grossen Mann, diesen Potemkin II, im seidenen, mit vielen Sternen Macht.
geschmückten Schlafrock, unter den Händen des Barbiere. Als dieser
fertig war, wurde der Waschtisch in die Mitte des Zimmers gesezt,
(es waren sogar drei Damen im höchsten Staate zugegen). Dann wur-
den wir beide (der preussische Gesandte und Vincke) allein in das
elegante Schlafgemach genothigt^ wo sich der Fürst mit uns eine ge-
raume Zeit äusserst artig unterhielt, und uns seiner mächtigen Unter-
stüznng versicherte.
„Der Fürst ist ein sehr schöner Mann, von sehr einnehmendem ^^^^^^*'
Aeussern. Auch an gesellschaftlicher Politur scheint es ihm nicht zu ^vnr-
fehlen. Weiter kann ich ihn nach so kurzer Unterhaltung nicht beur- '^'''
theilen. Nach der öffentlichen Meinung soll es ihm aber sowohl an
natürlichen Anlagen höherer Art, als an gründlicher Bildung durchaus
fehlen. Wie sich die stolzen Spanier, die ihn vom Grunde der Seele
verachten, wie sich die so weit über ihn erhaben dünkenden Granden
so sehr vor diesem Günstling des Glücks demüthigen können, ist mir
ganz unbegreiflich. Dieselbe Scene wiederholt sich tagtäglich, und ist
selbst tür die wenigen rechtlichen Leute zu einer Art von Nothwendig-
keit geworden, diesem Courgeschäft viele Stunden aufzuopfern, weil
dessen Vernachlässigung augenblickliche Entfernung von Amt und
*) Leben des OberpriUidenten von ViDckc, nach seinen Tagebüchern bear-
beitet von BodeUehtoingh, I. llieil: Das bewegte Leben, 1774—1816. Berlin, 1853.
380 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
Würden unausbleiblich nach sich zieht. Es ist diess — ein zareicbeii'
der Beweis j dass der Mann, welcher so auf seine Conren halt, c'n
sehr kleinlicher Geist sein muss.^
Am 8. Mai 1802 gieng Vincke mit dem Gesandten Rhode b dtc
königlichen Speisesaal, wo sie den Monarchen an einer grossen ^M-
besezten Tafel mit grossem Appetit speisen sahen ')• Der Wein wan2«
ihm mit allerlei Ceremonien credenzt. Der Patriarch von Indien, ix-
mals Ant. Senmanat y Cartella, sprach das Tischgebet Ansser Yisckt
war kein einziger Fremder anwesend, aber eine Menge Spanier, wdcbt
für erhaltene Wurden knieend die königliche Hand kässten. Dann
gieng es zum Prinzen von Astnrien, dem selbst die gewöhnlicha
Courfragen noch nicht geläufig schienen (der in demselben Jahre hti-
rathete), endlich zur Konigin. ^Der Konig hat etwas sehr GoUnütbig'«
in einer sehr unbedeutenden Physiognomie. Er scheint sehr abgdthtM
und schwach, und hat fast das Aussehen eines alten prenssisdien Dtpot-
Die Kö- Bataillonscommandeurs. Die Konigin macht noch Anspräche auf Sdk'C-
'*^°* heit, tragt aber vollständig das Gepräge des Lebens, welches sie fr
fuhrt hat; ihr frecher malitioser Blick war mir, bei aller aflTectinefi
Freundlichkeit, höchst widerlich. Der Prinz, welcher einst das lUiik
beherrschen soll, hat eine äusserst dumme Physiognomie. Nach dts.
Essen und der Cour gieng es auf die Promenade. Hier fahrt jedei
Mitglied der königlichen Familie, bis auf die kleinsten Prinzen her&K
einzeln in einer altmodischen Carosse spazieren, und ein oder mebrtrr
leere Wagen folgen. Ausser den königlichen Equipagen war die Pronie-
nade leer, da die vornehme Welt den Hof eher flieht als snchf
König Um diese Zeit machte Carl IV. eine Randreise durch cinto
reiu '^^®il des Landes. Er kam u. a. nach Valencia und Barcelona. Pi
xum er aber mit seinem ganzen Hofe reiste, so war die Reise dne La^i
ckra P^^^ ^^ ^^6 getroffenen Gegenden. Vincke sagt, dass das GefoL
seiner sich auf 10.000 Personcn belaufen habe. Der Konig föhrtc seio*?
thrnes. ß^^^^^ Hofstaat mit sich, ebenso die Konigin, ebenso der Prinz n^;
Asturien, die Prinzessin von Asturien, ebenso alle Infanten und la-
fantinnen des königlichen Hauses. Auch der Friedensfurst Prinz Godoy.
der natürlich die Reise mitmachen musste, schleppte seinen eigeo^
Hofstaat mit sich herum. Mundköche des Königs waren es n. a. 4'.0,
worunter 18 Fcderrupfer, bei deniAnfsaz- und Desertamt waren ts-l.
dem Betten- und Meubliramt 37 Personen. Bei der Obeikammtn:
waren 201 Personen. Beim königlichen Marstall waren zusammcc
') Anch Ferdinand*8 VII. Appetit stach in die Augen. Diesen , aber t^
don Geist seiocs Vaters konnte er erben. Denn an Geist hatte Cari IV. hkhu i
vererben.
') Er zählte erst öl Jahre.
Ein Besuch des Hofes. 381
896 Personen; bei der königlichen Jägerei u. a. 15 Aufspürer, 23 Nez-
halter, 34 Treiber, im Ganzen 202 Personen. Die königliche Leib-
garde bestand aus 385 Personen. Hellebardiere waren es 64« General-
summe 2-^91 Personen. Rechnet man nnn die königlichen Fussgarden,
den Bediententrain der Excellenzen und Granden, die Staatsminister
mit ihren Bureau's, den Friedensfursten mit seiner Leibgarde und Hof-
haltung, so wird annähernd eine Summe von 10.000 Personen heraus-
kommen^). Es war ein wahrer Heuschreckenzug, der sich verheerend
und verzehrend über das Land lagerte, ein unübersteiglicher Wall, der
jede Annäherung zwischen dem Monarchen und seinem Volke, was
doch der ostensible Zweck der Reise war, unmöglich machte. Als
Vincke kurz darauf nach Barcelona kam, fand er die bitterste Stimmung
über die eben genossene Ehre des königlichen Besuches vor. Am
8. Januar 1803 traf der König mit seiner Familie, dem Hofe, und
dem unvermeidlichen Friedensfursten wieder in Aranjuez ein. Man
schlug die Kosten dieser Reise auf 15 Millionen Piaster an^).
§. 22.
Ferdinand, Prinz von Asturien, wurde zu S. Ildefonso am 13. Octo- jerdi-
her 1784 geboren. Von der Natur war er sehr stiefmütterlich bedacht, '**"^^"'
Man wusste nicht, ob seine Schweigsamkeit auf Berechnung^ Schüchtern- von a«-
heit oder Unwissenheit beruhe. Seine äussere Erscheinung war eher ^'*^°*
abstossend, als einnehmend. Die Gutmüthigkeit im Gesichtsausdrucke
seines Vaters und Grossvaters suchte man bei ihm vergebens. Sein
Auftreten und seine Manieren waren linkisch, plump und brüsk. Sein
Erzieher war der Herzog von San Carlos, sein Lehrer der Canonicus
Esquiroz (Escoiquiz). Obgleich er die besten Instructoren hatte, zeigte
pr doch wenig Geschmack am Studium. Dass er durch die Natur
ier Verhältnisse dahingedrängt wurde, Gegner des Godoy, und damit
Anhänger der englischen Partei zu werden, ist natürlich. Denn da alle
^panier in dem Verhältnisse der Knechtschaft zu Frankreich eine Er-
liedrigung und eineu beständigen Knechtsdienst sahen, warum hätte
1er Thronfolger allein die Sache anders ansehen sollen? Schon am
? I • August 1802 wurde er mit seiner Verwandten, Maria Antonia Theresia
jTon Neapel, vermählt. Diese trat von selbst an die Spize der englischen
/^ÄfteL In der Schlacht bei Trafalgar — am 21. October 1805 —
') Allgemeine Zeitang — 18. Januar 1803.
*) AllgeioeiDC Zeitnng vom 25. Februar 1803. — Zum Andenken an diese
Ceise wurden Guldstflcko von 320 Realen im Werthe geprägt. Es ist diesa das
rOaate Goldstilck, das ich je gesehen, von dem ich zu Madrid voritberg^ehend ein
;xemplNr beaeseen babe.
mlat
378 Vierzehnies Bneh. Zweites Kapitel.
genommen za haben. In einem Briefe vom 15. Aogast 1797 an den
PnUtidenten des Käthes, Bischof Ant Tayira ron Salamanca, bittet er
diesen, den Gobernador des Erzbisthuftis von Toledo za eranchen, tottm
die ältere Tochter des Infanten zu fragen, ob sie ihn beiralfaen vollr^
wenn nicht, die jüngere Tochter *). — Doch worde er am diese Zti
Josef« scheinbar gestürzt Er hatte seine Blicke auf D. Josefs Tndo gewofiet
Tado. p^^ Vater dieser jungen Person, ein Militär, der seit langem eine Stde
suchte, erschien mit seiner Tochter vor Godoy, um Eülfe bittend. So-
Oodoy gleich wurde er zum Verwalter des königlichen Schlosses ^el Betiro'^
^*^'^'^' gemacht, wo sich nun Godoy häufig zu Besuchen einfimd. Josäi
Tudo wollte von galanten Abenteuern nichts wissen, Godoy aber volltt
Ton ihr nicht ablassen. Er schloss eine geheime Ehe mit ihr. Vitätt
die Eifersucht der Königin, noch die glänzenden Eigenschaften dtf
D. Teresa de Bourbon, mit der Godoy öffentlich sich vermihite, rcr-
mochten die Verbindung Godoy's mit der Tudo zu trennen. Alle VTdt
redete von dieser Doppelehe, die Inquisition wollte den Process wegn
Bigamie gegen Godoy anstrengen. Carl IV. war wie taub, und blüb
seinem Giinstling treu ergeben. Vergebens wurden einige aeiiier Gcgaei
verbannt; die Zahl der Feinde wuchs. Godoy musste (in Folge eioer
Intrigue des französischen Cabinets) am 28. März 1798 das Ministeniia
wird verlassen. Als Minister folgten ihm Franc de Saavedra und Mel<^
«Jr- Casp. Jovellanos. Lezterer war im Jahre 1790 in Ungnade gefalksL
gehend X|q Jahre 1794 erhielt er wieder den Titel eines Rathes ron CsstilieB.
Im Jahre 1797 Hess ihn Godoy zum Gesandten in Petersburg ernoma.
und als er die Annahme verweigerte, wurde er Minister der Giu<h
und Gerechtigkeit Bald darauf zog er sich den Haas Qodofs i&.
der ihn im Jahre 1798 nach Grijon verbannen Hess. Im Jahre läi'l
Hess er ihn in die Carthanse von Valdemuza auf Majorca, im Jah^
1802 aber in das Staatsgefängniss von Bellver bringen«
joTeiia. In Bellver schrieb Jovellanos seine berühmten Briefe: „Ueber di£
stamt«« zurückgezogene Leben und über die eitlen Pläne und Bestrebungen dtr
mann«. Meuscheu.'' Erst im Jahre 1808, nach dem Einzug der Franzosen, er-
i^uar. ^^^^^ ^ ^^^'^^ Freiheit und kehrte Aach Gijon zurück. Nadi wechseb-
den Schicksalen, worin er sich als entschiedenen Gregner der Franzo^
bewies, starb er in seiner Heimath am 27. November 1811*).
*) Der Brief bei Barrantes, Catalogo rasonado, 1865, p. 56.
^) Noticias historicas de don G. M. Jovellanos; Palma, 1812 — 4*. -
«7. Cea ßertnudeZj Memorias para la vida de Jovellanos y notictas de iob obiv
Madr., 1814.
Ferdinand VII. 383
Willens stellte Carl IV. Napoleon ein Corps von 16.000 Spaniern
zur Verfugung, welche nach Dänemark versandt wurden, damit sie
nicht für die Unabhängigkeit Spanien's kämpfen konnten. Die Fran-
zosen, welche angeblich wegen Portugal in Spanien eingerückt waren,
richteten ihren Marsch auf Madrid. Der Friedensfurst beschloss, mit
dem Königspaare sich nach Andalusien zurückzuziehen, und im Noth-
falle den Hof nach Amerika überzufuhren. Auf die Nachricht davon
brach der Aufstand in Madrid aus. Godoy verkroch sich. Carl IV.
fühlte sich verlassen, wurde noch verzagter durch die Angst der
Konigin, und obgleich ihm kein Leid geschah, zitterte er für sein Leben.
Als er sah, dass das Volk seinen Sohn als König verlangte, so
legte er die Regierung nieder — 19. März 1808, und war bloss be-
sorgt, seinen Günstling und den Buhlen der Königin zu retten. Aber
sogleich bereute er seine Abdankung. Er richtete an Joachim, Gross-
herzog von Berg, welcher Madrid schon besezt hatte, eine Protestation
gegen seine Abdankung, weil man ihn dazu gezwungen habe — 26. März.
— Napoleon, der im Jahre 1806 die Bourbonen von Neapel entthront
hatte, war entschlossen, den Bourbonen Spanien's dasselbe Loos zu
bereiten. Diese Entthronung sollte aber möglichst wenig Blut, Geld
und Mühe kosten, und ihn in dem Lichte eines Retters in der Noth
und eines Befreiers von Spanien erscheinen lassen. Die Sache war
nicht allzuschwer. Den alten König konnte er durch Godoy ohne
Mühe dahin bringen, zu seinen Gunsten auf Spanien zu verzichten.
Vorher aber musste Ferdinand zu Gunsten seines Vaters auf die Re-
gierung verzichten. Napoleon brachte Vater und Sohn nach Bayonne
— Mai 1808, und liess sich zum Könige von Spanien durch Carl IV.
einsezeu.
370 Vierzehntea Buch. Zweites KApitcl.
Bischöfen Missbilligang finden werde. Der König werde die Vor-
stellungen der Bischöfe wohlwollend anfnehmen, wenn dieselben wahr-
heitsgetreu, gemässigt, mit gebührendem Kespecte Torgebrtcht würden.
Kein anderer Bischof wollte sich nunmehr der bittem Censur tm
Fiscals aussezen; sie schwiegen.*) Die Frommen betrachtetes da
Bischof von Cuenca als einen Bekenner des Glaubens, and seine Baks;
galt als Vorbild für katholische Bischöfe.
§. 12.
Als besonders durch das gewaltthatige Eingreifen Garl's IE wi
seines Gesandten Monino die Jesniten am 21. Juli 1773 an^ebobn
wurden, muthete der König seinen Bischöfen zu, das Geschehene n
beloben — durch passende und beistimmende Hirtenbriefe. Am 2. Se^
tember (1773) erhielt er das Aufhebungsbreve and j,war vor Freofc
sniini- ^^886^ sich.^ Es wurde im lateinischen Texte mit spanischer Uetxr-
•eba Jo- sezung kundgegeben. Am 16. September be&hl Carl III^ es io «Ha
"^m^ Staaten seiner Monarchie zu verkünden. Am 1. October wnrtk d«
Kirchen- päpstliche Brcve an die Bischöfe versandt« — Von jezt an eriueiki
•raatp. j>^ «^ Kirchenstaate wohnenden spanischen Jesniten eine regelnittid
Pension, mussten aber vorher die Annahme des Breve ihrer Aofhebcii
unterzeichnen. Viele, die diess zu thun verweigerten , erhielten iem
Pension *).
In Folge seiner diessfalsigen Verdienste wurde Monino, der osj
1772 — 1774 in Rom gewesen, Rath am Gerichtshofe von Castilieo m
Graf von Florida -Bianca. Die spanischen Bischöfe (sagt Theüur) l^
eilten sich, das Aufhebungsbreve bekannt zu machen, und „begleitea
es mit wahrhaft rührenden Pastoralschreiben^. Am meisten xeichiKtii
sich hierin die Cardinäle Solis und Lacerda, der Erzbischof von Valeno^
') £ai Fuente, VI, p. 81 - 85. — Trill^m Munnoz, Obispos de Coeoei ('j
18G0y sagt, er habe troz allen Nacbsacheos die gediegene Denkschrift dei Kick-1
für die Jesniten nicht auffinden können, p. 386.
*) CretineaU'Jolly, Clemens XIV. und die Jesniten. Histoire deU0.2|
pagnio de J6sus, t. I, p. 145—413, Paris, 1845. — Theiner, 1. c. t. L ptttiB--
Ficot, Mömoires, t. IV, 1855, p. 236— 24'>. — C. Riffel, die AafhebnngdesJefcJ«
Ordens, 3. Aufl., Mainz, 1855, S. 172, 119 sq. — W. Caxe, IV, 185 iq. - JiÄ'
imparcial sobre el extrafiamiento de los Jesnitas, v. AbcUe Hermo90 (wv 1S45 tn^
nicht edirt). Im Jahre :8j7— I8UH edirte Fuente eine Reihe von Artikehi, ^^v^
sie gesammelt heraus. Ihm antwortete Ferrer dd Rio^ woraof .FWnte rr(2:^-'
in: La oor^e de Carlos III. — Er selbst läast in seiner Kirchengesefatditf , 0*
p. 71-79, den Engländer W. Coxe reden. — Äug. Carayon, S. J., ChirittlU^
Qt l^^ Jesnites .... docaments in^d., Paris, 1868.
Die Bischöfe in diesem Zeifraum. 3B5
geschah viel für Unterstüzang und nüzliche Beschäftigung der Bettler
und Hilflosen überhaupt. Unglückliche Frauenzimmer, die vorher von
der Prostitation gelebt, wurden in den Gefangnissen „de la Galera"
bei Madrid untergebracht, sie wurden an die Arbeit gewöhnt, und
lernten, ein regelmässiges Leben zu fuhren. Es gelang dem Eifer und
den Mühen eines Priesters, einen Verein von Damen zur Unterstüzung
und sittlichen Hebung dieser Personen zu stiften, den Carl lU. unter
seinen besondera Schuz nahm.
§. 2.
In dem Rechenschaftsberichte, welchen der Graf von Florida-
Bianca am 6. November 1788 an Carl HI. (einen Monat vor dem
Tode des Leztern), richtete, sagt derselbe insbesondere zum Lobe des
Klerus: „Ich muss einem grossen Theile des hohen Klerus und seinen
Prälaten Gerechtigkeit widerfahren lassen, welche, mit meiner lieber-
einstimmung, zur Verwirklichung der Absichten Eurer Majestät bei-
getragen haben, mit einem Eifer und einer Freigebigkeit, welche die
höchsten LobsprUche verdient. Sie haben Hospitäler und Kranken«
häuser gegründet und mit sicherm Einkommen ausgestattet; sie haben
verschiedene ofientliche Werke mit grossen Kosten unternommen und
verbessert, um der unbemittelten Bevölkerung Unterstüzung zu ge-
währen, und um den Nothleidenden während der lezten Jahre des
Mangels zu Hilfe zu kommen«
Ich kann nicht umhin, Eurer Majestät einige dieser Prälaten zu
nennen, die sich am meisten ausgezeichnet, und die ich um so weniger
mit Stillschweigen übergehen kann, da ich ihnen sehr verpflichtet bin,
sei es persönlich, sei es als Minister Eurer Majestät.
Den ersten Plaz verdient der Erzbischof von Toledo, Don Francisco
de Lorenzana. Er hat sich ausgezeichnet, indem er das erste Beispiel
durch die Gründung der beiden Häuser der Wohlthätigkeit in Toledo
und in Ciudad Real gab, indem er mit grossen Kosten den herrlichen
Palast oder Alcazar zu Toledo wiederherstellte, der in Trümmer zu
fallen drohte, und welchen Eure Majestät für den Zweck der Wieder-
herstellung an ihn abtrat. Die übrigen öffentlichen Arbeiten, welche
dieser würdige Erzbischof unternahm, sind die Wiederbevölkerung
mehrerer öder und verlassener Orte, die Erklärung und Erhaltung der
alten Väter der Kirche von Spanien, von denen er auf seine Kosten
eine herrliche Ausgabe veranstaltete, die Verschönerung der Hauptstadt
seines Sprengeis mit nüzlichen Gebäuden, mit belehrenden Denkmalen,
und mit den Bildsäulen der berühmtesten Könige von Spanien, welche
£ure Majestät ihm gab. Er hat endlich tausend andere Dinge, deren
X*^uzen in die Augen fällt, vollbracht, welche würdig sind des Glanzes
Q«ia9| ipaa. Kirch«. III. %, 25
372 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel.
Später — am 11. November 1800 — gab die Uegiemog noch be-
sondere Regeln für die Entfernung der Verbrecher aus den Asylco
und das Verfahren gegen sie*)
§. 14.
Am Ende des Jahres 1776 trat Monino in das Ministerium. Srä
Nachfolger in Rom wurde 6rimaldi| dann Azara. Aach tod Pa[«i
Pius VI. (seit 1775) erlangte Carl III. verschiedene Indulte.
Noch in den Jahren 1778 — 1779 drang Carl III. in den Papst,
die Lehre von der unbefleckten Empfangniss der seligsten Jungfrao at
Glanbenssaz auszusprechen. Es wurde die Seligsprechung des Bischofs
Palafox aufs neue, und der im Jahre 1665 gestorbenen Maria Agreda
betrieben. Am 28. Januar 1777 sprach sich die Congregation der Riuc
gegen die erstere aus. Der Botsehafter Juan Nie. Azara erliesa da-
gegen eine derbe Denkschrift'). Wegen dieser und anderer (ioRooi-
noch schwebenden Seligsprechungs-Processe wurden die Bischöfe aa
31. August 1778 aufgefordert, genaue Berichte dem königlichen Ratl»
zu erstatten.
§. 15.
Der Gmf Aranda war im Jahre 1773 als Gesandter nach Pari«,
von da nach Rom versezt worden. Vom Jahre 1777 — 1788 herracki-
Florida- Florida -Bianca unbedingt über die spanische Monarchie. Cari III
Bianca ^^j. ^^^ j^j^j.^ 1766—1788 in der Hand der unerbittlichen Kircbto-
herrieht
von im feinde. — Dem Könige wurde das Recht vindicirt, Pensionen bis tm
-178?. dritten Theile des Ertrags auf die ohnedem schwer belasteten Bene6cif9
in Spanien zu legen. Einerseits wurde Rom mit immer neuen OesocLfü
um Concessioncn und Indulte drangsalirt, anderseits wurden die Recar^
der Spanier nach Rom durch Erlasse vom 15. September 1778 s^l:r
erschwert. Ein eigener spanischer Agent wurde in Rom angeblich zrr
Verhütung von Missbräuchen, in Wirklichkeit, um alle Recurse zo vei-
hindern, aufgestellt'). Die Bischöfe waren fast nur noch Beamte der
Regierung. Die Regierung mischte sich sogar in den KatecbisioaN
Durch Gesez vom 16. Juli 1784 wurde den Bischofen unter sireagea
Strafen befohlen, ihre Generalvicare von der Regierung genehmigen n
lassen. Statt dessen stellten die Bischöfe nur Provisoroi auf, die dtr
Genehmigung nicht unterlagen. — Viele andere Gesuche wurden rvä
*) Coleccion, p. 302. Ley, 6, tit. 5.
') Le Brei, Magazin der nencn KIrchenffesch., VII, pp. 853— S<»l, 383— 5S\
■; Le Bret p. 386 — 35<2.
Die Bischöfe in diesem Zeitnam. 387
§. 3.
Nachfolger des „resignirten^ Cardinal -Erzbischofs von Toledo Luis I.
de Bourbon, wurde der Cardinal Ludwig Ant. Femandez de Cordova.
Er war Sohn des Herzogs von Feriai war Graf von Teva, Domherr,
später Domdecan in Toledo. Da sein Vorgänger stets abwesend war,
und am Geschäfte sich nicht bekümmerte, so regierte er schon damals
das Erzbistbum. Gern bestätigte ihn Papst Benedict XIV. als Nach-
folger des Luis Bourbon, und ernannte ihn zugleich zum. Cardinal').
Als Erzbischof wurde er am 4. August 1765 bestätigt, nachdem der
Cardinal Portocarrero das ihm angetragene Erzbisthum ausgeschlagen.
Im Jahre 1758 und im Jahre l76i) wurde er vergebens zum Conclave
in Rom erwartet. Im Jahre 1769 zählte er bereits über 74 Jahre«
Seine Wohlthätigkeit war unerschöpflich. Er beschränkte seinen eigenen
Tisch auf ein bescheideneres Maass, und mied alle nicht durchaus ge-
botenen Ausgaben. Was er dadurch ersparte, floss in den Schooss
der Armen, der Wittwen und Waisen. Er starb am 26. März 1771,
im Alter von 75 Jahren (geb. 22. Januar 1696)'). — Sein Nachfolger
war Fr. Lorenzana.
Franc. Anton. Loremana, geboren am 22. September 1722,
Canonicus von Siguenza und Toledo, war ein Jahr lang Bischof von
Placentia (1765 — 1766), darauf fünf Jahre lang Erzbischof von Mexico
(1766 — 1771). Dort versammelte er im Jahre 1770 ein Concil, dessen
Acten in Madrid sequestrirt, d. i. nicht zur Bestätigung nach Rom
gesandt wurden, bis sie Tejada zum ersten Male im Jahre 1859 heraus-
gab^). Die drei ersten in den Jahren 1555, 1565 und 1585 gehaltenen
Concilien gab er zu Mexico 1769 — 1770 heraus. — Im Jahre 1769
erschienen seine musterhaften Hirtenbriefe und bischoflichen Verord-
nungen. In der „Historia de Nueva Espana^ — Mexico 1770, gab er
die Berichte und Briefe des Fern. Cortez an Carl V. heraus. Seine
Ciukünfte verwendete er auf Anlagen von Strassen und Wasserlei-
tungen, auf Gründung woblthätiger Stiftungen, u. a. eines grossen
') Der Abbate Scotti, der ihm das Birrett flberbringen solUe, ertrank auf der
Seereise. Ein anderer Prälat muaste es ihm nan fiberbringen. Da er aber nie
Dach Rom kam, erhielt er weder den Hnt noch einen Prieatertitel.
*) Leben aller Cardinäle des neunzehnten Jahrhunderts, Bd. IV, Regeneb.,
1773, S. 129—131 und 2. Abth., S. 320-324. - Pardo, Toledo en la mano, I,
1. 848.
•} S. oben, 8. 280,
2ö^
3S8 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Waisen- und Findelbauses, welchem er bei seiner Abreise nach Spa&u l
den Rest seiner Habe hinterliess. Die Reise nach Spanien machte u
mit erborgtem Gelde.
Am 12. März 1772 ergriff er Besiz von seinem Erzbistbame. h
Toledo stellte er den Alcazar wieder her, der in dem Erbfolgekrit^^^t
zerstört worden« Er errichtete ein grosses Gast- und ein nenes Armes-
haus^ ein Kloster der barmherzigen Brüder, eine Caseme für die B«*
sazang, die prächtig ausgestatteten Gebäude der Universität und ät*
Irrenhauses, die allein mehr als P/s Millionen Realen kosteten. S^ü-
viele Pfarrkirchen Hess er renoviren oder neu bauen. Mit Hilfe dn
ersten Künstler Spanien's schmückte er die Cathedrale and &su.
Toledo mit den Werken der Architectur^ Malerei und Scnlptur. I^l
alten Palast der Könige verwandelte er in ein grosses Arbeits- m^
Versorgungshaus, und nannte es das Haus der Nächstenliebe. D^r.
legte er die berühmten Seidenfabriken an» In demselben Palaste gri:-
dete er eine Anstalt zur Versorgung von Greisen und armen Frani.
Er liess daselbst 200 Kinder erziehen. Seine eigene Tafel und seir-
Wohnung waren aufs Einfachste eingerichtet Indem er den 1^
dürftigen nicht so fast Brod^ als Arbeit geben wollte, liess er Wi-^i.
Brunnen, Gebäude und Anderes errichten. Er fand leider nar Wm^r
die in seine Pläne eingehen wollten.
Im Jahre 1775 liess er seine Pastoralbricfe erscheinen. Im Jubn
1779 gab er das gothische Brevier neu heraus. Auf seine Kasten üvs*
er die Kirchenväter von Toledo in drei Folianten erscheinen, 17^ lif
1793*). An der Herausgabe der lateinischen christlichen Dichter q!4
der Werke des Isidor von Sevilla durch P. Faustin. Arevalo hat^
er hervorragenden Antheil.
In Toledo gründete er die grosse erzbischöfliche Bibliothek*),
die heute noch besteht. — Am 30. März 1789 wurde er zur Wunk
eines Cardinais erhoben. Im Jahre 1794 wurde er Staatsrath nait
General -Inquisitor. Als solcher musste er in Madrid seinen AnfeDthJi
nehmen. Diesen Stellen entsagte er im Jahre 1 797 anf Befehl ; <
Königs, hinter dem der „Friedensfurst^ stand. Der Eirzbischof Jv *-
de Arce von Burgos, auf den sich Godoy als auf seine Creatur ? '
lassen konnte^ sollte Grossinquisitor, und dadurch die Inquisition L'^
„Friedensförsten^ g<^^*ig werden. Lorenzana selbst musste in «i-
Loren- ehrenvolle Verbannung gehen. Als im Jahre 1797 fi'anzÖ8iscbeT^]]|^:
nuBSTor den Kirchenstaat beseiten, verkündigte man in Spanien und Italh*
oodoy (jarl IV, habe durch Absendung der hervorragendsten Bischöfe cii:i
eben. Papste seine Tbcilnahme und Hilfe zu Theil werden lassen. !*•-
•) Kirchengeschichte, If, 2, p. 133, 178.
^) Ich konnte sie im Jahre 1865 nur von Aussen sehen.
Godoy wieder auf der Bühpe und im „Zenith* eeiner Macht 379
§. 21.
Der Bcheinbar gestürzte Godoy war in der That nicht gestürzt;
er hatte sich nur etwas zuräckgezogen. Jovellanos und Saavedra worden
in demselben Jahre (1798) gestürzt. Urquijo, der ihnen gefolgt, übrigens
der französischen Revolution sehr günstig war, wurde bald verbannt,
ond der Ftiedensfurst erschien wieder offen auf der Bühne. Er wan*
dclte von nun an ganz und gar im Schlepptau des „ersten Consuls^
Napoleon, welchem er Spanien zu Füssen legte. In einem kurzen
Feldzug gegen Portugal, an dessen Spize Godoy selbst sich stellte, er-
oberte er einige Pläzc, wurde Grosskreuz des Ordens Carl's III. und
von Malta, und erlangte, als Graf von Evoramente, eine jährliche Steige-
rung seiner Einkünfte um 100.000 Realen. Carl IV. gab ihm zudem
zwei Fahnen, die er seinem Wappen beifügen sollte, und einen Ehrcn-
säbel, den er ihm eigenhändig umgürtete.
Der Freiherr von Vincke, später Oberpräsident in Münster, sah
im Jahre 1802 den Godoy auf dem Höhepunkte seiner Macht. „In dic^^®*"J^
Bibliothek des Friedensfursten,^ schreibt er, „haben lediglich die Granden, nsbo.
Erzbischöfe und königlichen Adjutanten Zutritt '). Hier fanden wir ^""^J'j®
den grossen Mann, diesen Potemkin II, im seidenen, mit vielen Sternen Macht.
geschmückten Schlafrock, unter den Händen des Barbiers. Als dieser
fertig war, wurde der Waschtisch in die Mitte des Zimmers gesezt,
(es waren sogar drei Damen im höchsten Staate zugegen). Dann wur-
den wir beide (der preussische Gesandte und Vincke) allein in das
elegante Sohlafgemach genöthigt^ wo sich der Fürst mit uns eine ge-
raume Zeit äusserst artig unterhielt, und uns seiner mächtigen Unter-
stüznng versicherte.
„Der Fürst ist ein sehr schöner Mann, von sehr einnehmendem ^^^^^'
Aeussern. Auch an gesellschaftlicher Politur scheint es ihm nicht zu ^FOr-
fehlen. Weiter kann ich ihn nach so kurzer Unterhaltung nicht beur- '^'^''*
theilen. Nach der öffentlichen Meinung soll es ihm aber sowohl an
natürlichen Anlagen höherer Art, als an gründlicher Bildung durchaus
fehlen. Wie sich die stolzen Spanier, die ihn vom Grunde der Seele
verachten, wie sich die so weit über ihn erhaben dünkenden Granden
so sehr vor diesem Günstling des Glücks demüthigen können, ist mir
ganz unbegreiflich. Dieselbe Scene wiederholt sich tagtäglich, und ist
selbst für die wenigen rechtlichen Leute zu einer Art von Nothwendig-
keit geworden, diesem Courgeschäft viele Stunden aufzuopfern, weil
dessen Vernachlässigung augenblickliche Entfernung von Amt und
*) Leben des OberpriUidenten von Vincke, nach seinen Tiigebflchem bear*
beitet von BodtiUchwingh. L llieil: Das bewegte Leben, 1774—1816. Berlin, 1863.
390 VicrzehnteB Buch. Drittes Kapitel.
Godoy gebeirathet hatte; musste auch er za Ehren und Wurden ge-
langen. — Anton. Despuig y Dameto war kurze Zeit nach änandcr
Bischof von Orihnela 1791, Erzbischof Ton Valencia, 30« Joli 1793,
und von Sevilla — 2. Februar 1796, geworden, und wurde bald daraof
nach Madrid berufen. Er und Lorenzana weigerten sich, Godoy's Ehe
mit der Schwester des Luis de Bourbon einzusegnen, weil Godoy, ohm
dass die Konigin es wusste, schon heimlich vermählt war. Dansi
segnete der Patriarch von Westindien, Ant. Sentmanat (1784 — 1Ä)6>
diese Ehe in der königlichen Kapelle ein. Godoy wurde nun bei der
Inquisition formlich verklagt als Bigame, sowie dass er seit acht Jalmm
die heiligen Sacramente nicht empfangen habe. Lorensana, daouls
Grossinquisitor, wurde von A. Despuig, und dem Erzbischof Muzqnlz
von Seleucia, dem Beichtvater der Königin, zum Einschreiten aii%i-
fordert, war aber nicht dazu zu bringen. So entschloss sich iem
A. Despuig, darüber nach Bom zu berichten, von wo der Befehl tr-
gieng, die Sache zu verfolgen. Aber das Breve, welches diesen Bei'tU
enthielt, wurde von dem General Bonaparte aufgefangen, and an Godo;
gesandt.
Um sich selbst zu sichern, sandte Godoy die drei Erzbiscb^t
nach Rom, und machte seine Creatur, den Erzbischof Arce y Keinen}
von Burgos, zum Grossinquisitor, von dem er nichts zu besorgen hatte.
Despuig blieb in Bom bis zur Fortfuhrung Pins VI. von Rom. Er
trennte sich zu Siena von dem Papste, und kehrte nach Spanien zurnck.
Im Jahre 1798 wurde er zum Staatsrathe ernannt, dann wurde er
Präsident einer Junta, die beauftragt war, Mittel und Wege zu soch^s.
um die Guter der Hospitäler und frommen Stiftungen zu verkanki.
Er wurde vermocht, auf das Erzbisthum Sevilla Verzicht zu let&teaL
und erhielt, zur Entschädigung, reiche Benefioien, und den Titel eme»
Patriarchen von Antiochien, als welcher er am 14. Mai 1799 bestätigt
wurde. Luis de Bourbon erscheint schon am 26. März 1799 als Erzbistboi
von Sevilla. Despuig wurde mit dem Titel eines spanischen Gesandtft
beim heiligen Stuhle abgesandt, und wohnte als solcher dem zu Ve-
nedig gehaltenen Conclave (1799 — 1800) an. Er kehrte von Venedu
nach Rom zurück; am 14. Juli 1803 wurde er selbst zum Cardm.*!
ernannt; als solcher wurde er Pro-Präfect der Gongregation der Bbchöt
Im Jahre 1806 kehrte er nach Spanien zurück, wurde aber im ishp
1807 nach Rom zurückberufen, und zum Provicar der Stadt emanot
Als Luis de Bourbon am 22. October ISOO zum Cardinal er-
nannt worden, erhielt er, vrie vordem sein Vater, den Titel der Kinl'
der heiligen Maria della Scala. Am 22. December 1800 wurde ersuch
noch als Erzbischof von Toledo in Rom bestätigt, so dass er C-
Aemter und Würden seines Vaters besass, deren er genau so unwürdv^L
wie sein Vater, war. In den 23 Jahren, in denen er den Titel eiiH>
Die Cardiuälo Lorenzann, Despuig, Bourbon. 391
Erzbischofs trug, reihte er eine Thorheit an die andere, er gieng mit
Godoy und der Konigin, er gieng im Jahre 1808 mit Napoleon, er
gieng später mit der siegreichen Junta von Sevilla, und gieng wieder
mit der siegreichen Revolution von 1820. In der Zeit von 1814 bis
1820 Hess er es an Velleitaten zum Bessern nicht fehlen. Von Werken
der Wohlthätigkeit oder frommen Stiftungen desselben erfahren wir
nichts. Im Ganzen wandelte er immer im Schlepptau der liberalen
Parteien.
§. 6.
Der Cardinal Lorenzana aber verwandte das ganze Einkommen,
das ihm noch übrig geblieben war^ theils zu Werken der Wohlthätig-
keit, theils zur Unterstuzung der Wissenschaften. Einer seiner Neffen,
Canonicus zu Toledo, hatte ihn zu seinem Ek'ben eingesezt, während
er in Florenz wohnte. Der Cardinal theilte alsbald das grosse Erbe in
zwei Theile, den einen bestimmte er zur Ausstattung von armen Mäd-
chen, den andern für das Hospitium zu Madrid. Auch seinem geliebten
Toledo wendete er stets noch seine Wohlthaten zu. Die muzarabische
Kapelle daselbst schmückte er mit einer kostbaren Mosaik, die er in
Uom gekauft, vielleicht der grössten, die es gibt. Aus dem Nachlass
des spanischen Cardinais Fr. X. Zelada (f 29. December 1801) kaufte
er herrliche Codices in hebräischer, chaldäischer und chinesischer
Sprache, und schenkte sie der Bibliothek des Kapitels zu Toledo. Als
leztes Werk Hess er erscheinen: Gothisches Missale nach der Kegel
des heiligen Isidor Hir den mozarabischen Kitus, Bom, 1804. — Kaum
war ihm die Correktur des lezten Bogens vorgelegt, so schlössen sich
seine Augen, ohne Krankheit, ohne Kampf. Am Morgen des 16. April
hielt er noch eine Anrede an Klosterfrauen. Abends unterredete er
sich mit seinen Freunden über neue Pläne zu Werken der Wohlthätig-
keit. Er wollte, um mehr geben zu können, seine Equipage verkaufen.
Mit solchen Plänen und Gedanken schlief er ein, um nicht mehr zu
erwachen (f 17. April 1804). Sein Grab in der Kirche von S. Croce
(lo Jerusalem trug die bescheidene Inschrift: „Hier ruhet der Vater
der Armen"').
') NotiziH biografica buI Cardinale (de) Lorenzana — in Baraldi, Memoria dl
religione, III, 1^21, p. 477. — B. Wagner, Biographieen denkwürdiger Priester
und Prälaten, 181(>, I, S. 1—10, nach dorn Ami de la Religion v. 1820, 12. Aug.
und nach M, Magan in Seminario pintoresco Espafiol, 1841. — Neueste Kirchen-
Geschichte, 8. 240—244. — Gottesreichsgcschjchte vou Wittmann, Angab. 1823
bis 1830, 9 Bde., Bd. Vlll, S. 526-530. — Bornfac, Garns, KircheDgeschichte des
neunzehnten Jahrhundert?, II, l^ö*^, S. 49 — 56. — Religions- und Kirchenfreund,
392 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
§. 7.
Dem Cardinal Luis Bourbon I. folgte am 27. December 1T^^.
^^' Franc. Solis Folch als Erzbischof von Sevilla, von Cordova hirh.T
Foioh d« versezt. Gr wurde am 5. Apnl 1 756 zum CardmaJpricster ernannt.
öoi ■. £j. j^jim ßj.g|; jjum Conclave von 1769 nach Rom. Er nnd sein Bf-
gleiter, Cardinal de la Cerda, vereinigten sich mit dem Cardinal «:•
Bernis, und sezten die Wahl Ganganelli's, Papst Clemens XIV., durd.
Nach dem Tode dieses Papstes — am 22. September 1774 — miss-u
er auf Andringen des Hofes sogleich nach Rom reisen. Auf Solis Be-
trieb (sagt ein Biograph), bekam Cardinal Braschi 27 Stimmen, qc<1
war allem Anscheine nach Papst. Portugal Hess sich bewegen, d-
demselben gegebene Exclusive zurückzuziehen. Obgleich man dtui
Cardinal Migazzi (von Wien) vomemlich verdanken musste, dass du
Conclave endlich ein Ende nahm, so hat doch Pius VL seine Erhebno:
vorzüglich dem Cardinale Solis zu verdanken'). Solis starb zu Kcd
den 22. März 1775. Sicher ist, dass die spanische Regierang fii
um die Wahl Pius' VI. bemühte. In seinem erwähnten Berichte tcc
6. November 1788 an Carl III. rühmt sich aber Florida -Bianca, l'-
hebcr der Wahl Pius' VL zu sein: ^Die meisten Erfolge,^ sagt *r.
„welche wir am römischen Hofe auf unsere Bemühungen erlangt, t«t*
danken wir dem Einflüsse, den Eure Majestät bei dem Conclave »i'
die Wahl des jezigen Papstes hatte, und dem Einfluss, den £n>
Majestät am päpstlichen Hofe erlangte.^ Er erwähnt dann seine dic^^•
falsige Thätigkeit bei dem Conclave, seine Verhandinngen mit dtt
s. g. Krön« und mit andern Cardinälen. Er habe mit dem französisclM'a
Minister eine Partei im Conclave gebildet, die stark genug gewes<'£.
jeden ihm missliebigen Papst auszuschliessen. Es sei nothwendig ;;■*-
wesen , diese Partei von 16 — 17 Stimmen fest znsammenznbaltft
,Jch kann Eure Majestät versichern, dass ich hierin eine be8tändi<:^
Sorgfalt anwendete, dass ich die Grösse meiner Mühen, und der as
entgegentretenden Schwierigkeiten dabei nicht genug zn schildern ic
Stande bin. Die französischen Cardinäle Bemis und Loynes, Coot:
der Mandatar Portugals, und Orsini, der von Neapel, anteratüzten mk\
aus allen Kräften. Der Cardinal de Soli$ kam znlezt in das Conclart
1842, 8. März, nr. 19, S. 151 flg. — Dictionnaire des Cardinaax, 1857, s. t. Lora
zana. — Parro^ Toledo en 1» mano, 1857, I, p. 849 — 850. En ciunto k ofecv
pablicas, buen guesto para las artes y esplendizez en sds constmecioDea do ^>
faabido qaien le esceda nt aun iguale. — In Madrid nnd Aloala stellte er dk oi-
bischöflichen Cnricn neu her.
') LebcDSgeschichte aller Card'inälo des neunzehaten JahrfaondertB, IV, p. l^i
-133, 324-327.
Die Wahl Papst Piuß* VI. - 1775. 393
und obgleich er sich dort sehr gut benahm, so hat doch seine Unbe-
kanntschaft mit den localen Verhältnissen, und mit dem Charakter der
Personen 9 sowie sein Mangel an Kenntniss der (italienischen) Sprache
ihm die grossten Schwierigkeiten bereitet. Er aber habe den Cardi-
nälen erklärt, wenn sie einen Papst wählten , der den Fürsten als den
Repräsentanten des christlichen Volkes (das will heisscn, der dem
Florida- Bianca) unannehmbar wäre, sie ein Schisma in der Kirche
hervorrufen wurden.
So habe denn das ganze CoUegium der Cardinäle sich herbei-
gelassen, das Princip anzunehmen, den Papst nur im Einvernehmen mit
den beiden Kronen von Frankreich und von Spanien zu wählen. Er
selbst habe früher Beziehungen zu dem Cardinal Braschi als päpst-
lichem Schazmeister gehabt, und habe ihn hochachten gelernt. Er habe
für seine Wahl die Einwilligung seines Königs Carl III., und aller
Gesandten in Rom erlangt. „Sie überliessen es mir völlig, zu handeln
nach meinem Gutbefinden; das heilige Collegium folgte ohne Mühe
ihrem Beispiele. Demzufolge schrieb ich am Morgen den 14. Februar
1775, Billete an die Cardinäle de Solls, de Bernis, Orsini, Conti und
Migazzi, welche die Stimmen von Spanien, Frankreich, Portugal und
Wien besassen, und meldete ihnen, man sei übereingekommen, zu der
einstimmigen Wahl desjenigen zu schreiten, der sich nachher Pius VI.
nannte"*). Die Cardinäle hätten bei dem nächsten Wahlgange ihre
Voten offen in die Wahlurne gelegt. Solis sei aber zu spät gekommen,
und habe seinen Beitritt verweigert, da er das Billet Monino^s noch
nicht erhalten. Er habe vielmehr gegen diese Wahl protestirt, und
die Cardinäle seien zu einem andern Scrutinium geschritten. „Indess,
am Ende desselben , als die Cardinäle aus der Kapelle heraustraten,
erhielt Solis mein Billet, und ohne Verzug eilten alle, um einmüthig
den Braschi als Nachfolger des heiligen Petrus anzuerkennen, und ihm
an demselben Abende zu huldigen. Sie proclamirten Tags darauf
die Wahl"«).
Diese Grosssprecherei Florida- Blanca's erinnert uns an den grossen
Bramarbas, Herrn von ChcUeaubriandj im Jahre 1829 franzosischen Ge-
sandten in Rom, der nach der Wahl Pius' VIII. (Castiglioni), an den
er vorher gar nicht gedacht hatte, am 31. März 1829 triumphirend
nach Paris schrieb; „Victoria! ich habe einen zum Papste^ den ich auf
meine Liste gesezt hatte, gerade den Cardinal, welchen ich im Jahre
1>23 für das Papstthnm vorschlug, als ich noch Minister war, gerade
>) En leur annongant quMI ötait convenii de procödcr k V election UDAuime
ie celoi qui depuis s^appcllait Pie VI.
') W. Coxe, VI, p. 426 - 435.
S94 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
denjenigen^ welcher mir lezthin im Conclave von 1829 auf meine Ktdi
antwortete, und mir dabei gewaltige Lobsprüche erthcilte*' *)•
Wenn irgend eine Papstwahl geschehen, so pflegt jeder Gesandte
bei seiner Regierung seine Verdienste um diese Wahl besonders her*
vorzuheben.
§. 8.
Dem Cardinal Solis Folch folgte als Erzbischof von Sevilla FraiK
Xav. Delgadoj von Siguenza hieher versczt (1776 — t 10- Decemhcr
1781), auch Patriarch von Indien, diesem aber Alfons MarcoB Llam^.
von Segovia hieher berufen. Er gründete eine Bibliothek^ und er-
öffnete sie dem Publicum im Jahre 1792. — Auch in Cordova W-
stand noch im Jahre 1865 eine solche Bibliothek, welche mehr aU
15.000 Bände enthielt«).
Diesem Erzbischofe (f 7. Januar 1795) folgte der Cardinal Äi.t
Despuig (1795 — 1799). Anton. Despuig y Dameto wurde zu Faloa
am .^1. März 1715 geboren. Als Canonicus an der Cathedrale daseiet
erhielt er von seiner Regierung den Auftrag, um 1775, Studien uUf
die Städte des Abendlandes zu machen, wo die beriihmtesten Coo*
cilien stattgefunden. Er reiste durch Frankreich, Deutschland, DolUßi
und England. Im Jahre 1778 kam er nach Rom. Von da durchreit'
er das Königreich beider Sicilien, Malta und die venetianischen Staaito.
und kam im Jahre 1 785 als Auditor der Rota (für Aragon) nach Kiiu
zurück. Im Jahre 1791 wurde er Bischof von Orihuela^. — In seio-i
Eigenschaft als Provicar des Papstes in Rom, und als Pins VII. afl>
5. Juli 1809 in seinem Palaste ein Gefangener wurde, war er ui^i
Barth. Pacca die einzigen Cardinälc, die in seiner Umgebung »<!
») Chateaubriand, Mömoires d'outre tombe, Paris, 1850, 1 10, et 12. — G<m
Rircheugeschichte des nennzehnten Jahrhunderts, II, p. 480—4^1.
*) In einem eigenen Gcbäade, ich konnte sie aber, sowie die erahisch^^lic^
Bibliothek von Toledo, nnr von Aussen sehen und bewundern. Ob die enralmi«
Bibliothek in 8evilla heute noch besteht, ist mir nicht bekannt Die vonfigüdiite:
Bibliotheken daselbst sind die des Ferd. Colon, oder Bibliothek des DoiDcapifeli
Ein neuerer Schrifts^tcller giebt die ursprüngliche Bändezahl der .Biblioteca Ctl^«^
bina" auf mehr als 20.000 an. Colon habe dem Domcapitcl einen reichen Foad im
Erhaltung und Vormehrung der Bibliothek vermacht, welche hente mehr als TS^^'
Bände umf^tsse, und in einem Nebenbau der Cathedrale steht. Sie ist den PbMkzx
an allen Werktagen von 10—2 Uhr geöffnet^ im Sommer von 7—10 Uhr des Ikt
gens. — Die Universitäts- oder Provincial- Bibliothek ist neuem Urspnngs; ^
wurde aus den Bibliotheken der aufgehobenen Jesuiten - nnd anderer KIMer »*
gelegt, und erreichte in Bälde die Zshl von 70.0 0 Bänden. - Gnla de St^^ii
Sevilla, 1865, p. 81-^83. — Indicador Cordobcs, Cord. 1837, p. 60.
') Das Weitere siehe oben, §. 5.
Cardiuai Dcapuig. 39&
befauden. Als der Pnpet den Dcspuig sab, sagte er: „Eminenz, so sind
Wir hier.* Darauf erwiederte Despuig: „Eure Heiligkeit bedarf nicht,
dass ich Sie daran erinnere, dass wir heute die Octave der heiligen
Apostel feiern, und da$8 die ganze Welt von Eurer Heiligkeit ein
Beispiel des Muthes und der Geduld erwartet;^ worauf Pius VIT. er-
wiederte: „Eure Eminenz haben Recht.'' Despuig begleitete mit Pacca
den Papst bis zum Wagen, bat dann um den päpstlichen Segen, um Abso*
liitioQ und geistliche Gnaden; diese Scene wurde später im Bilde dar-
gestellt Despuig wurde einige Monate in das „Collegio romano'^
verwiesen, im Winter aber (1809) in der strengsten Kälte nach Paris depor-
tirt. Er lebte hier zurückgezogen, hielt sich fem von dem sogenannten
Natioualconcil des Jahres 1811, fem von der Hochzeitsfeier Napoleon's,
und der spätem Taufe des „Königs von Bom.*^ Auf Vermittlung des
Cardinais Fesch erhielt er von Napoleon, wegen seiner Anfälle der
Epilepsie, die Erlaubniss, nach Italien zurückzukehren, wo er einige
Monate in den Bädern von Lucca verweilte. Hier starb er, 69 Jahre
alt^ am 3« (al. 31.) Mai 1813, und wurde mit grossen Ehren in der
Cathedrale beigesezt. Nach seinem Willen wurde sein Herz nach
Spanien zurückgebracht, und dort in einer von ihm eigens der unbe-
fleckten Empfängniss geweihten Kapelle beigesezt Wie die Römer,
so waren die Bewohner von Lucca Zeugen seiner hervorleuchtenden
Tugenden. Wegen der seltenen Gaben, die ihn schmückten, wirH sein
Andenken im Segen fortleben. In ihm sind wir wieder einem wahrhaft
römisch-katholischen spanischen Cardinal begegnet*).
Vom Jahre 1799 bis zum Jahre 1816 führte Luis de Bourbon II.
den Titel eines Erzbischoiis von Sevilla. Dieses Erzbisthum warf ein
Einkommen von 400.000 Scudi ab. Damit mussten die Kosten der
Unterhaltung des Seminars, des Spitals der alten Leute und der Findel-
kinder bestritten, sowie 95 Bedienstete unterhalten werden. Der Cardinal
Despuig erhielt aus diesen Einkünften eine Jahresrente von 40.000 Scudi.
Luis Bourbon Hess sich ein Jahr später, als er Napoleon I. einen
untcrthänigsten Brief, ohne dazu aufgefordert zu sein, geschrieben, und
Joseph Napoleon den Eid der Treue geschworen hatte, zu der Würde
eines Präsidenten der Regentschaft (von Sevilla, dann von Cadix)
commandiren. Wie Ferdinand VII. in ähnlichen Lagen, that er Alles,
was man von ihm verlangte. Er verkündete alle Decrete der Cortes,
besonders die radikale und kirchenfeindliche Verfassung von 1812.
Als die Regentschaft die Inquisition abgeschafil, und der Nuntius Petr.
Cvravina einige Vorstellungen dagegen gemacht, so schleuderte Bourbon
gegen ihn ein Decret, das ihn zwang, Spanien zu verlassen.
0 Moroni, Dizionario, t 19, Rom., 184'j, p. 258—259. - Dictionnaire des
CardiuHUx, Paris, 1857 • p. 791-792.
396 Vierzehntes Bach. Drittes Kapitel.
^*'^' Gravina war seit 1802 Nuntias in Spanien. Von Madrid an<«
Peir. begleitete er die Regentschaft nach ScviUa und Cadix. Ans Spnnit-n
aravin«. vertrieben, begab er sich nach Portagal. Er hielt sich za Tavira au!,
und erlicss dort am 4. Januar 1814 ein historisches Manifest mit
27 Documenten, um seine Haltung zu vertheidigen ^).
König Ferdinand VII. war von 1808 — 1814 Gefangener NapoleooV
in Valencay gewesen. Im Anfang des Jahres 1814 masstc er ihn frei-
lassen. Luis de Bourbon erwartete ihn an der Grenze von Spaoirn
um ihm den Eid auf die neue Verfassung der Cortes von Cadix aU
zunehmen. Der König wich ihm aus. Dennoch holte ihn der Cardix»!
ein, fand aber einen möglichst frostigen Empfang, und musste liiKr
gezwungenen Aufenthalt in Toledo nehmen (1814 — 1820).
Dagegen berief der König am 21. Mai 1814 von Madrid aus d<i
Nuntius sehr ehrenvoll zurttck, und hob den auf sein Einkommen s:*-
legten Sequester auf. Gravina wurde Cardinal am 8. März 1816. -
Bis zum Ende des Jahres 1816 durfte Luis Bourbon die reichen Eil
künfte des Erzbisthums Sevilla, neben denen von Toledo, einstreichts
Am 16. November 18:6 nahm er Besiz von dem Erzbisthum Romoald
Anton. Mou y Velarde, vorher Erzbischof von Tarragona. Nach seiotü!
baldigen Tode (f 16. December 1819) blieb der Siz von Sevilla er-
ledigt bis zum Jahre 1825.
Troz alledem , was Luia Bourbon II. that, oder vielmehr \bnn
Hess, nennen ihn verschiedene Schriftsteller einen frommen ond togcod-
haften Prälaten. „Dieser harmlose Prälat,^ sagt ein Franzose, „vi!
von Frömmigkeit, und von guten Intentionen, that vielleicht kein xa-
deres Unrecht, als dass er sich aus seinem Wirkungskreise herauf-
ziehen licss^^). Der Toletaner Kamon Sisto Parro aber sagt: „er v^'
von sanftem Charakter, liebenswiirdigem Wesen, und sehr einiacbt'>
und unschuldigen Sitten;^ er nennt ihn einen tugendhaften Pralakc
Er findet an ihm so zu sagen gar nichts zu tadeln. Er meint nc.
die politischen Wirren jener Zeit hätten ihm viel Verdruss and viel.
Reibungen mit seinem Neffen Ferdinand VII. bereitet^).
§. 9.
Kti;b. Iia[)hael de Mmquiz y Aldunate, gebürtig von V^iana in Nawn,
^mm-^* wurde Caiionicus von Valencia, Erzbischof von Seleucia i. p. infid. ai-
quiz. Beichtvater der Königin Maria Luisa von Bourbon, und Abt von Graiijx
*) Davun giebt es 2 spanische, und cids italicuischc Ausgabe, Rom, l*-l
') Dict. des Cardiuaux, p. 58^.
^) PardOf Toledu ea la mano, I. p. 851 ~ diegustos y aina^bores.
Bischöfe jener Zeit. 39V
Er musste iin Jahre 1797 mit Lorenzana und Despaig die Reise nach
Rom machen, um den Arm der Inquisition gegen den Friedensfiirsten
zu lähmen. Nach Spanien zurückgekehrt, erhielt er am 15. April 1799
das Bisthum von Avila, wurde aber schon am 24. Mai 1801 Erzbischof
von Santiago. Die Domherrn von Avila wollten ihm ihre Dankbarkeit
für die Wohltbaten, die er ihnen spendete, dadurch beweisen, dass sie
in der Cathedrale zu Ehren seines Namenspatrons, des heiligen Raphael,
einen Altar errichteten. Sein Nachfolger war Emmanuel Gomez de i'uchof
Salazar (1801 — f 3. November 1815). „Unvergesslich wird dessen saia^^r
Name den Abulesen sein,^ denn als die Franzosen einfielen und die ^0°
Stadt betraten, wollten sie dieselbe plündern, anzünden, und die Ein- ^*^'
wohner ermorden, aber der Bischof warf sich, begleitet von zwei Priestern,
dem erzürnten General Lefevre zu Füssen, und sie boten ihr eigenes
Leben als Opfer dar ; der General schonte der Einwohner, liess jedoch
die Stadt plündern — am 5. Januar 1S09^).
Der Erzbischof Raphael Muzguiz war entschiedener Gegner der
napoleonischen Invasion — 180^. Er wurde von Napoleon wegen
seiner Anhänglichkeit an Ferdinand VIL in die Acht erklärt, und
gezwungen, nach Portugal zu entfliehen. In dem Unabhängigkeits-
kriege brachte er die grösstcn Opfer für die Ausrüstung des Heeres.
Für die Ausschmückung der Capilla mayor der Cathedrale von
Santiago übernahm er grosse Kosten. Er starb am 11. Mai des
Jahres 1821«)
Der berühmteste seiner Suffiragane war der Bischof von Orense,
Petrus de QnLevedo j Quintano. Geboren am 12. Januar 1736 zu cardinai
Villanueva del Fresno , studirte er bei den Jesuiten in Badajoz und Q"*^«^«
Granada, an der Universität von Salamanca erlangte er den Grad eines oranae.
Baccalanreus der Theologie, wurde dort und in Zamora Domherr, und
Doctor der Theologie. Am 14. Juli 1776 wurde er in Madrid als
Bischof von Oiense geweiht. Während des Unabhängigkeitskrieges
war er llegent des Königreichs, aus dem er nachher verbannt wurde.
Kr weigerte sich (im Jahre 1816), das ihm angebotene Erzbisthum von
Sevilla anzunehmen. Am 28. September 1816 wurde er als Cardinal-
pricster verkündigt. Er starb am 28. März 1818, im Alter von 82 Jahren,
von denen er 42 Jahre Bischof gewesen war. Die Zeitgenossen sind
voll seines Lobes. Seine Grabschrift, die sein (zweiter) Nachfolger,
Bischof Bedoya, verfasste, nennt ihn: den unermüdeten Prediger des
Evangeliums, den Yertheidiger der Hechte (der Kirche), die Säule des
*) Juan Martin Carramolino^ Hiatoria de Avila, bu provincia y obispado,
t. III. Madrid, 1873, p. 118- il9.
^jZepedano, Basilica Compostelana, Comp 1^69, p, 27r>.
400 Vierzehntes ßnch. Drittes Kapitel.
Bischof von Segovia, nennt der Graf Florida-Bianca in seinem Bericht«
vom Jahre 1788 als Gründer wohlthätiger und gemeinnüziger Werke. Bt^i
der grossen Zahl von Bischofen , die uns in dieser Zeit als Urheber wohl-
thätiger Stiftungen begegnen, drängt sich uns wiederholt der GedaDkv
auf, dass diese Bischöfe, wie im Gefühle, dass sie in der Hingebaiu
' an die Intentionen der (unter Carl III. und Carl IV.) kircbenteiud-
lichen Regierung die Grenzen des Erlaubten überschritten, diesen FtLltf
auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit und frommen Stiftungen aus-
gleichen wollten« Es waren so zu sagen „überverdienstliche Werk«,*'
die sie hier vollbrachten^).
cuencÄ. Der Bischof Anton. Palafox y Croy von Cuenca (1800 — f 9-^
cember 1802) war sehr bemüht für eine mit strenger Disciplin tk*
bundene Bildung des Klerus. Er gründete schon seit dem Jahre IT^^s
als vieljähriger Archidiacon von Cuenca, unentgeltliche Schulen f'j
Knaben und Mädchen, auf seine Kosten errichtete er im Centnim de:
Stadt ein solides Gebäude, mit grossen Sälen für den Unterricht, oml
sechs besondern Wohnungen, je für drei Lehrer und Lehrerinnen, dir
er aus seinen Mitteln besoldete. Er selbst überwachte und leitete dnE
ganzen Unterricht. Den Sporn der Prämien für strebsame Schüler veo-
dete er im reichsten Maasse an. Auch auf dem Lande stiftete er osj
dotirte er viele Schulen. Er wollte dadurch namentlich dem Bettel drr
Kinder steuern. Die Schulen hiessen die der „Gesellschaft^*). Pal&:wi
war auch ein fruchtbarer Schriftsteller^).
') Wir haben oben gesagt, dass die bedentendsten in den Jahren IG60— IT**
in Spanien verfiissten Werke im Aaslande, besonders in Rom, erscheinen dd&sT'I.
wie die Conpiliensammlung des Cardinais Aguirre, und die „Bibliotheca Hi^Mua* v^
Nie, Antonio. Diesen fügen wir den Erzbischof von Valencia, Juan. Thoa c
Erzb. üoccaberti, bei. Er war Duminikaner, und von 1G76 bis zu seinem Tode (f IX Ju;-:
Rooca- 1099) Ei'zbischof, die lezten vier Jahre seines Lebens auch spanischer Oestro-
' Inquisitor. Genau in diesen lezten Jahren erschien zn Rom in 31 Folfacteo »''c
grosses Werk : Bibliotheca Pontificta maxima in qua autores melioris notae, «,&
liactenus p. S. Romana sede scripsernnt, fere omnes continentur, Bomae, 1€95^1<'*^'
Das Werk Ut ganz vollendet; der t 21 enthält die volltttändigen IndJces. l'*^
Gallikaner brachten es dahin, dass dieses Werk durch ParlamentsbeschloaB r. a
20. December 1605 für ganz Frankreich yerboten wurde. Wer das Boch ke>äy.
dürfe es nicht behalten, weil es sei ein Buch von grossem und maasigem Cffl£u>Li-.
angcltillt mit vielen Säzen, die sich auf keinen Beweis stOzten, gegen den Sinn «^'^
katholischen Kirche, die heiligen Traditiouen, und die gemeinsame Lehre der H*^
und Theologen klingen , und klärlich nur zur Schmähung des ^galliacben Nai»»**
aufgestellt sind. Roccaberti musste das Werk auf eigene Kosten bertnf'gebea -
Siehe darUber: Alb. Weiss, in: Historisch - politische Blätter, Bd« 71, (li^^
S. Ö2-64.
') Sociedad economica de Aroigos del Pais.
') Trillern Munnoz y Soliva, los obispos de la Diocesis de Cuenca, Cut»*
tQar^ ^ 409 — 475.
ErzbischOfe von TarragODa. 401
§. 11.
Der Erzbischof von Tarragona, Joachim de Santiyan y Valdivielso Tarr».
(1779 — t ö. Juli 1783) bewies in den wenigen Jahren seiner Amts- ^'*°*"
führung, was ein Bischof vermag , der seine Heerde liebt Er Hess
die Strassen, Mauern, und Spaziergänge Ton Tarragona ausbessern.
Sein Hauptwerk war aber die Wiederherstellung der alten so berühmten
römischen Wasserleitung, Wie die alten Mauren durch das System
ihrer Berieselung und Bewässerung, so haben die Kömer durch Her-
stellung von Brücken, Strassen und Aquaeducten Spanien das Ge-
präge ihrer (hierin wohlthätigen) Herrschaft bis zum heutigen Tage
eingedrückt. Der Fortbestand dieser Wasserleitung war eine Lebens-
frage für die Stadt. Der Bischof erlebte nicht die Freude der Vol-
lendung seines Werkes. Zum Zwecke dieser Vollendung hinterliess
er 48.000 Ducaten.
Sein Nachfolger, der Augustiner Franc, de Armahaj war vom
Jahre 1768 bis 1785 Bischof von Lugo gewesen. Als Erzbischof lebte
er arm für die Armen. Seine Cathedrale stattete er mit kostbaren
Zierden aus, er dotirte seinen Klerus, forderte den „Monte pio^ für
arme Priester, gab grosse Summen für den Bau des Hafens, und für
den jeden Tag mehr verarmenden Staat. Mehr als 100.000 Duros ver-
wendete er auf solche Werke. Er vollendete auch die romische Wasser-
leitung. Am 3. December 1798 gelangten die Wasser zum ersten-
male in die Stadt, eine Wohlthat^ welche die Namen der Erzbischöfe
Santiyan und Armana verewigen wird. Er selbst lebte in Allem wie
ein strenger Mönch, und legte das linnene Gewand seines Ordens nicht
ab. Er predigte häufig, und sandte Missionäre auf das Land, Gelehrte,
wie er selbst war, unterstüzte grossartig die öffentlichen Schulen,
dotirte seine Lehrstühle reichlich, gründete einen Lehrstuhl für die
heilige Schrift. Er starb am 4. Mai 1803, 85 Jahre alt. Seine Pastoral-
briefe wurden gedruckt, zwei Bände 4®, ferner drei Bände Predigten über
die Moral, einen Band über die Heiligen. Anderes hinterliess er im
Mannscripte oder unvollendet'}.
§. 12.
Asensio Sales, Bischof von Barcelona (1755 — f 17. Januar 1766), conci
betrieb auf dem lezten Provincialconcil von Tarragona — 1757 — die
lien von
Tarrft-
Heransgabe der Concilien der ii-ühem Zeit. Erst im Jahre 1857 wurde gon«.
dieser Wunsch durch Tejada y Ramiro erfüllt. Aber auch der vorlezte
*) VillaDueva, Viage lit., t 20, Madrid, 1851, p. 62-67.
Oamt, ipan, Kirch«. lU. S. 26
402 Vierzehntes Buch. Drittes KapiteL
Erzbischof Dom. Costa y Borras (f 1864) sammelte die Gonstitataoneo
jener Concilien, welche im fanfben ond sechsten Bande seiner nacL
dessen Tode edirten Werke erschienen (Tarragona, 1866). Der Bischer
»»'•^e- Josef CZmen« von Barcelona (1766— f 28. November 1781) ist Trapf
eines berühmten Namens. In ihm verbanden sich die Gelehr»aa>tf;i
mit der Frömmigkeit und Wohlthätigkeit. In 10 Klöstern der
errichtete er 10 Freischulen. Er war ausgezeichneter Prediger, vaA
bildete eine Schule von Predigern. Von seiner, von ihm selbst b
das Catalanische besorgten Uebersezung der Rhetorik des Ludwig too
Granada wurden in 10 Jahren fünf starke Auflagen vergriffen.
Predigten über die Sittenlehre und die Heiligen kamen in sechs
(in 4°) heraus. Ebenso erschienen seine Edicte und Hirtenbriefe. A»
allen seinen Schriften leuchtet eine grosse Kenntniss der heiligen a&l
Profangeschichte hervor, und eine allgemeine Kenntniss der Literatur.
Er war das leuchtende Vorbild aller Tugenden eines Bischo& Ais
ihn Carl HI. zum Bischöfe von Malaga im Jahre l77ö ernannt, lehue
er diese Ernennung ab, verzichtete aber zugleich auf sein bisberiges
Bisthum, und verlebte seine übrigen Jahre in seiner Heimath CastcUcA
de la Plana (heute dem Size des Bisthums Segorbe). Er grondek
u. a. noch zwei Freischulen in Valencia. In seiner Heimath stiitck
er ein Haus fiir Waisen beider Geschlechter').
Geiona. "^^ schliesseu diesc Skizze mit Thomas de Lorenzana y Butrox
dem Bruder des Cardinais, und Bischöfe von Gerona (1775 —
f 21. Januar 1796). Er errichtete neben dem Haus der Barmberzigkai
zum grossen Theile auf seine Kosten das Haus des „Hospicio*, a
dem er die Seidenweberei mit bestem Erfolge einführte« Eimsa
unterstüzte er andere Fabriken in der Stadt und dem Bisthiune. A'J
seine Kosten errichtete er ein Haus für die aus den Spitälern ts:*
lassenen Reconvalescenten. Für die verschämten Armen und ander.
ähnliche Bedürftige gründete er Vereine der Barmherzigkeit, an dtrccs
er selbst stets Theil nahm. Er stiftete viele Armenschulen. In if.
reichen Villa Olot errichtete er von Grund aus ein grossartigea Hosjir
tium, mit Schulen der Grammatik und Rhetorik, und erbaute anfs Kty
die Kapelle des heiligen Narcissus^), und vollendete dieses Werk.
Beständig visitirte er sein Bisthum. Seine besondere Sorge war ihm scs
Seminar; er vermehrte die Lehrstühle an ihm, eröffnete die Bibliotliek;
nach königlicher Cedula vom 10. November 1795 sollten die Stadif-
an demselben für die Grade an allen Universitäten befähigen, fi^
•) Viüanueva, t 18, p. 76—83.
') Nach nnserer Meinung des ersten uns bekannten Bischo& von Aagite?'
nicht aber von Gerona. Dennoch irenen wir uns der Yerherrliehnng eines destviM
Bischofis auf Bpanischem Boden.
Hervorragende Bischöfe. 403
täglich besuchte er selbst die ClasseD, — Für seine Person lebte er
äusserst arm*).
Wir sind weit entfernt, zu meinen, in vorstehender Skizze alle,
oder auch nur die Mehrzahl der Bischöfe genannt zu haben ^ virelche
unter dem Gesichtspunkte der guten oder nüzlichen Werke (oder
auch als Schriftsteller) ervirähnt und gerühmt zu werden verdienen^).
Dazu fehlt es uns an den Quellen, vor allem an dem Räume. Es ist
auch zu beachten, dass die vorhandenen Werke über die einzelnen
Bisthümer in Spanien nicht bis zum Jahre 1800 reichen, oder nur die
dürftigsten Notizen über die einzelnen Bischöfe geben').
') Espafia aagrada, t. 44, Madrid, 1826, p. 207—211.
*) Fic. de La Fuente ist in diesem Kapitel noch kQrzer als wir.
*) Die Fortsezer des Florez reichen nur bei den Bisthümern Lerida und
Gerooa über das Jahr 1800 hinaus. Vülanueva reicht im Allgemeinen zum Jahre 1800.
2G*
Viertes Kapitel.
Blüthe der Literator (1747—1808). AilnUiffer Verfall.
§. 1.
Die im sechszebnten Jahrhundert so blühende spanische Litentrr
konnte seit dem Verfalle des Staates and Volkes im siebzehnten Jab*
hundert auf ihrer Hohe sich nicht erhalten. Langsam, aber do^i
unverkennbar, erlahmte sie. Die kriegerische und im Ällgemeic!
unruhige Regierung Philipp's V. förderte ihren Aufschwung nirl).
Doch trat eine allmälige Besserung ein, seitdem das Volk tod dtn
Schlägen des langen Erbfolgekrieges sich zu erholen begann. Er^*
seit der friedlichen, den innern Angelegenheiten zugewendeten, Regie-
rung Ferdinand VI. trat ein Um- und Aufschwung zum BesseroH.
Bezeichnend für die neue Lage der Dinge ist es, dass schon im hkt
1747 der erste Band des klassischen Werkes der „Espana sagnds*
erschien.
Henrique Florez wurde am 21. Juli 1702 in Villadiego gebortt.
trat zu Salamanca in den Orden des heiligen Augustin, erlangte Ct
Grad eines Doctors zu Alcala de Henares, und wurde später Profe5> •
daselbst. Zur Einleitung in sein Hauptwerk erschien: Clave Bistor^^
con qui se facilita la entrada al conocimiento de los hechos ocartd- -
desde el nascimiento de n. S. Jesuchristo hasta nuestras dias, Hadm:
1743, oft abgedruckt, und wieder im Jahre 1817, eine Art vcrgldclM
der Chronologie der Geschichte seit der christlichen Zeitrechnung.
Der I. Band des Hauptwerkes hat den Titel: Espana sagrai-
Theatro geographico historico de la Iglesia de Espana. Origen. Di^^
siones y Limites de sus Provincias, Madr. (1747 und 1754). ' *
n.Band erschien gleichfalls im Jahre 1747 (und 1754) und enthält eifi:*
Fiorea. alte spauischc Chroniken, deren genauer, oft erster Abdruck etuer C'
r
Die »EBpafia 8agrada^ Bd. I — Xlll. 405
JHaaptvorzüge des grossen Werkes ist, und es vortheilhaft vor ähn-
lichen, in Frankreich, Italien n. s. w. erschienenen Werken unterscheidet.
Der III. Band (1748, 1754) behandelt die Einführung des Christen-
ihams in Spanien, und die Geschichte der sogenannten mozarabischen,
oder in Spanien ursprunglichen Liturgie (Misa). Der IV. Band
(1749, 1756 — dritte Aufl. 1859), handelt weiter von dem Ursprünge
der Bisthümer und Metropolen in Spanien. Vom V. Bande an (1750,
1763, 1859) geht Florez zu den einzelnen Bisthümem der Provinz
Carthaginensis über, welche aber überall nur bis zu der Zeit der
Maarenherrschaft behandelt werden, in der die alten Bisthümer er-
loschen. Dieser Band handelt von den beiden Metropolen Garthago
nova and Toledo, und behandelt jene Streitfragen, die in unserem Werke
ausführlich behandelt wurden. Band VI (1751, 1763) handelt von
den Goncilien von Toledo, und bringt verschiedene Chroniken und
Docamente. Band VII (1751, 1766) handelt von den unter Toledo
stehenden Bisthümem : Acci (Guadiz), Arcavica, Basti, Beacia, Gomplu-
tom, Osma und andern. Von den 13 hier behandelten Bisthümem sind
nicht weniger als 11 eingegangen, und nur die Diocesen Guadix und
Osma wieder hergestellt worden. Band VHI (1752, 1769, 3. Aufl. 1860)
handelt von den Bisthümem Palencia, Saetabis, Segovia, Segobriga,
Segoncia, Valencia, Valeria und Urci. Von diesen acht Bisthümem
bestehen heute noch sechs, wenn man Segorve als Fortsezung von Se-
gobriga betrachten darf. Dass aber Almeria an der Stelle des alten
Urci liegt, davon hat uns eine im Jahre 1872 gefundene Inschrift über-
zeagt ').
Mit dem IX. Bande (1752, 1777, 1860) geht Florez zu der Das hei
Kirchenprovmz Baetica oder Sevilla über. Der X. Band (1753^ «gospa-
1775) behandelt die Bisthümer (Abdera = Adra, dessen Existenz
Florez auf Grund einer einzigen Unterschrift annimmt), Asido oder
Xeres, Astigi oder Ecija, und Cordova. Hier finden sich die interes-
santen Untersuchungen über die Herrschaft der Mauren, über die
Schicksale, die Erfolge und die Verfolgungen der Christen von Cor-
dova im neunten und zehnten Jahrhundert. Ebenso interessant ist der
XI. Band (1753, 1775), der ausschliesslich von den berühmten Män-
nern von Cordova und ihren Schriften, besonders von Alvarus von
Cordova, handelt. — Der XU. Band (1754, 1776) beschliesst diese
Kirchenprovinz mit der Darstellung der ältesten Geschichte der Bis-
thümer Eliberis, Malaga, welche fortbestehen, und Egabro, Elepla,
Italica, und Tucci, welche nach der Zeit der Mauren nicht wieder in
das Leben traten.
Mit seinem XIIL Bande (1756, 1782, 1816) geht Florez über
") Tic de La FueiUe, I, p. 160.
406 Vierzehntes Bach. Vlertea Kapitel.
za der Kirchenpro vidz Lnsitania, die grossentheils im
Portugal lag, deren politische und kirchliche Metropole das seit des
Tagen der Maaren völlig verfallene Emeriia war. Band XIY (175P.
ProviDs 1786) handelt von den unter Merida gestandenen Bisthumem, kvk
nu. Coria, Coimbra, Ebora, Egitania, Lamego, Lisboa, Ossonoba, Paceak
Salamanca, Viseo, Zamora, die alle, theilweise mit veränderten Kamo,
heute noch fortbestehen oder wieder hergestellt wurden, sowie von den
eingegangenen Bisthume Caliabria. —
provin. Band XV (1759, 1787) führt uns hinüber in die alte Prorm
Aitorga. Galicien, und handelt von seiner Metropolis Bracara im Besonderes.
— Der XVI. Band (1762, 1787) führt den Titel: „Von der heilig«
Kirche von Astorga in ihrem alten und ihrem gegenwärtigen Stande.^
Es ist das erste Bisthum, dessen Geschichte Flcrez von seiner Grns-
dung an bis zu seiner Zeit, bis zum Jahre 1762, fortführt In kurzes,
aber doch dankenswerthen Umrissen hat & Baranda die Geschicbtt-
der Bischöfe Astorga's vom Jahre 1762 bis 1852 fortgefnhrt *). Der
XVII. Band (1763, 1789) handelt in ähnlicher Weise von dem Bis-
thume Orense bis zum Jahre 1763, und wird von 8. Baranda bis ziub
Jahre 1852 fortgesezt^). — Der XVIII. Band erschien im Jahre 1761
(und 1789) und handelt von den alten Bisthümem, genannt Britoob
oder Dumium^ und von dem spätem Bisthum MondoMio^ deeseo
Bischofscatalog Baranda vom Jahre 1764 — bis zum Jahre 1852 fort*
führt^). Im Jahre 1765 (und 1792) erschien der XIX. Band, der dtf
.Heilt. Bisthum Iria und Compostella bis zum Jahre circa 1150 behandelt, \k
^^^ zu der Zeit, in welcher Compostella Erzbisthum wurde. An die Bear-
Bd. 14- beitung der spätem Zeit wagte auch Florez nicht heranzotrelen, nod
*'* bis zum heutigen Tage fehlt uns eine kritische und zuverlässige G^
schichte der Erzbischofe von Santiago. Der XX. Band erschien m
Jahre 1765 (und 1791) und enthält zum erstenmale die „EBstorii
Compostelana (hasta hoy no publicada), über welche wir früher b^
richtet haben*).
Mit dem XXI. Bande kehrt Florez nach Portugal zarfick; der-
selbe erschien im Jahre 1766 (und 1797). Die Geschichte der Bisdiäk
von Oporto wird bis zum Jahre 1766 gefuhrt, von Baranda aber too
') Baranda, Coleccion de documentos inMitos para la Hittoria de
per 2>. Miguel Solvay y D. Pedro Sainz de Baranda^ tom. 22, Madrid, ISSS
p. 63—68. Für die Zeit von 1^53 bis 1879 kOnnte ich anf das Sapplemeatia I
za meiner „Series episeopornm*' — (1879), hinweisen, wenn zwei Anfr^ges, die k*
in Astorga gestellt, noch rechtzeitig beantwortet würden.
') Baranda, t. 22, p. 98—104.
') Baranda, p. 95—97. Ffir die Zeit von 1852—1879 siehe nein .Svppk^
mentnm**, für weiches ich Beiträge aus Mondofiedo erhalten habe.
') Klrchengeechichte II, 2, p. 367 sq.; besonders HI, 1. 8. 101—107.
Lezte Arbeiten des H. Florez. Heiliges Spanien. 407
Jahre 1766 bis 1^52 fortg^hrt >). — Der XXII. nnd der XXUL Band
(1767 und 1798, 1767 und 1799) enthalten die Geschichte der Bischöfe
von Tuy in Galicien — bis zum Jahre 1767, welche Geschichte von
Baranda von 1767 bis 1852 fortgesezt wird« Der XXIV. Band
(1769, 1804) enthalt die romischen Alterthumer von Tarragona; der
nächste Band (1770, 1859) handelt von der Kirchengeschichte Tarraco's
bis zu der Wiederherstellung der Metropole — 1137. Band XXVI
(1771 in zwei Auflagen) handelt von dem alten Stande der Bis-
thumer Auca (= Oca), Valpuesta und Burgos, bis zum Jahre 1579,
oder bis zur Erhebung des Bisthums Burgos zum Erzbisthume, während '^^g"^.
der XXVII. Band (1772, 1824) von den Kirchen, Klöstern u. s. w. nien«.
des Bisthums Burgos handelt Der XXVIII. und XXIX. Band er-
schienen nach dem Tode des H. Florez. Jener (1774) handelt von ^o'<>'
dem Bisthume Ausona (Vieh) in „seinem alten Bestande^^ der Band
XXIX (1775) handelt von dem alten Stande der Kirche von Barcelona,
giebt einen Catalog der Grafen von Barcelona, und enthält die Samm-
lung der Schriften „der Väter von Barcelona^.
Florez hatte vor Beginn seines grossen Werkes fänf Bände Schriften
über Theologie herausgegeben. Ferner gab er neben dem „heiligen
Spanien^ einen Band über das Land „Cantabria^ heraus*). — Gleich-
zeitig mit der „Espana sagrada^ Hess er seine drei Bände „über die
alten Münzen in Spanien" erscheinen — „Medallas de las colonias,
municipios y pueblos antiguos de Espana^, Madrid, 1757 — 1773, ein
noch heute sehr geschäztes Werk, in dessen „Medallas^ Bilder der
Kaiser neben Bildern von (zum Kampfe auf Leben und Tod sich in
Position stellenden) Stieren mit einander abwechseln. Er schrieb femer
das oft von un^ angeführte Werk: „Memorias de las reynas catolicas,
historia genealogica de la casa real de Castilla y Leon (Madrid, 1761,
2. Ausg. 1770, 3. Ausg. 1790)'), und „Elogios del santo rey Fernando,
Liobsprüche auf Konig Ferdinand den Heiligen , welche in hebräischer
und arabischer Sprache auf seinem Grabmale in Sevilla stehen: „zu-
gleich Tabellen der Hegiras oder Jahreszahlen der Araber ,^^ Madrid,
1752—1764.
Im Ganzen sind von Florez unter seinem Namen circa 42 Bände
erschienen. Was ich im Jahre 1868 über die „Espana sagrada^ ge-
urtheilt, wiederhole ich im Jahre 1879: „Nicht England, nicht Frankreich,
') Bixranda, p. 110— 113. Die vier nach 1863 lebenden Bischöfe In meinem
Supplementom, p. 90.
*) La Gantabria , Disertadon Bobre el sltlo y extendon qae tnvo en tiempo
de los BoDMuioB etc., Madrid, 1768 — 4*.
') Diese dritte, von Eibert dtirte Ausgabe ist, nach dem Manuel de Brunei
6 ödit., t II, p. 1806, von zweifelhafter Existenz. Aber gerade diese «Tercera Edioion*,
die ich in Cadix gefunden, habe ich in Händen.
408 Vierzehntes Buch. Vierles Kapitel.
Italien oder Deatschland hat ein ähnliches Werk anfznweieen, das so
gediegen gearbeitet, so reich an den wichtigsten Docnmenten wirc
Es ist ein wahrhafter Schaz für die Kirchengeschichte'''). Daoft
stimmt auch Emü Hübn^ überein, der, Alles in Allem gerediK;
H. Florez für den ersten' Historiker der Spanier betrachtet*).
Florez starb zn Madrid am 5. Mai 1773 in seinem Kloster San
Felipe el Real. Sein Ordensgenosse Franc^ Mendez^ geboren 25. Uln
1725, warde dem Florez als „Amanncnsis^^ zur Seite gestellt, wdcbrr
seine Entwürfe^) und Documente in's Reine schrieb. In dieser Eigt>
Schaft war er an seines „Meisters^* Seite vom 2. November 1749 bis zs
dessen Tode. Niemand war aus diesem Grunde auch geeigneter, dse
Leben des „Maestro^^ zu schreiben. Es erschien unter dem Titd:
Noticias sobre la vida, escritos y viajes de R. P. Fr. Enrique Flora,
de la Orden de S. Augustin, primer escritor de la E^pana sagnik
p. Fr. Mmdez, Madrid, 1780 — 4«*).
Mendez hat auch den ersten Band der „Tipografia EspanoU^
oder „der Geschichte der Einfuhrung, Verbreitung, und den Fcri-
schritten der Buchdruckerknnst in Spanien,'* Madrid, 1796 — 4* -
geschrieben. Der zweite Band dieses wichtigen Werkes ist nicht ei*
erschienen^).
*) Kirchengeachichte Ton J. A. Mäkler, a. Bd., 1868^ S. 548.
*) Hübner, lacript. Hispaniae latinae, 1869.
') Borradores. So was kommt in UDserer Zeit nicht mehr vor,
*) Segunda edicion, qne con notas y adiciones publica la real Acadeoii^
la htstoria. Madrid, 1860, 4*, p. 446.
Eine genaue Analyse s&mmtlicher Schriften des Florez findet man bei Jwa
Sempere y Ouartnos, Ensayo de una Biblioteca Espafiola de loa mejoreB eteriiani
de! reynado de Carlos 111., (6 tum.) t. 3, Madrid, 1786, p. 62—84, wo nod n^
schiedene andere Schriften des Florez, Schriften Anderer, von ihm heraoflgegete
und Manuacripte desselben, angeführt werden. Neben einer kostbaren MfinsenisE»
Inng und Bibliothek hatte er auch ein sehr werthvoUea Natnralieneabinet gen»
melt — Die ansftlhrlichste Analyse über den Inhalt der Espafia sagnda findet 00
bei Sainz Baranda in dem mehrerwfihnten Bache, Madrid, 1853, welches auch deoM
führt: Glave de la Espafia sagrada (.Schlüssel aum heiligen Spanien*) cnyo objrtB
es dar k conocer esta importante obra y fiicilitar su uso, p. 5—607; enthält &.«.
eine Angabe aller der zahlreichen in der Espafia sagrada erschienenen Docobs^
*) Wohl aber im Jahre 1864 eine zweite Auflage: Tipografia £q»fioii «
historia de la introduccion, propagacion y progresos del arte de la impreaü ea &
pafia 2 edic; corregida y adioionada por D. Dion, Hidalgo, Madr. 1861 (iBLiei^
rung). Dieser Band enthält nur das fünfzehnte Jahrhundert; der zweite Band, daf
seohszehnte Jahrhundert, wurde, als autographes Manusoript des VerfiuBers, in dff
Catalog von Salva um 80 livr. angeboten.
Manael Bisco, Fortsezer der Espafia sagrada. 409
§. 2.
Manud Bisco sezte nach dem Tode des H. Florez „Das heilige ^'"'">
Spanien fort^^ Geboren zn Haro am 1. Juni 1735, trat er m das
AugQStinerkloater ,,Un8erer Frau del Risco^' im Bistham Avila ein, von
welchem er auch seinen Beinamen Risco annahm. Er studirte zu Sala-
manca. Schon in den ersten Jahren nach Beginn der ,,Espana sagrada^^
wünschte Florez ihn als Fortsezer derselben zu gewinnen. Er aber
entschaldigte sich wegen seines angeblichen Mangels an Fähigkeiten
und Kenntnissen. Nach dem Tode des Florez wurde er aber zu dessen
Nachfolger ernannt, zu der Zeit als er Regent der Studien in dem
Kloster ,,Dona Maria de Aragon^ war. Im Jahre 1775 liess er den
XXX. Band der „Espana sagrada^^ erscheinen, enthaltend die Kirche
von Saragossa in ihrem alten Stande, mit einer Sammlung sämmtlicher
Briefe des heiligen Bratdio von Saragossa, die bis dalin nicht er-
schienen waren. Der XXXI. Band (1776) enthält die „Denkwürdig-
keiten der berühmten Männer von Zaragoza, die Geschichte Zaragoza's
in den vier Jahrhunderten der Gefangenschaft (circa 7 18 — 1118), sowie
die Werke des bertthmten Bischofs Tajo (651 — bis vor 683), „bis
heute noch nicht publicirt^' Band XXXII. (1779), genannt ,Ja Vas-
conia^^ oder das Land der Basken, ist zugleich Einleitung zu der Ge-
schichte der Bisthümer Calahorra und Pamplona. Band XXXIII (1781)
enthält die bürgerlichen und kirchlichen Alterthümer von Calahorra, so-
wie die Denkwürdigkeiten der kurze Zeit bestandenen Bisthttmer Nagera
und Alava. Die Bände XXXIV — XXXVI enthalten die Geschichte der
(exemten) Bischöfe von Leon (1784, 1786, 1787). Der XXXVU. Band
enthalt die Geschichte des alten Königreichs Asturien, Gründung der
Stadt und Kirche von Oviedo. Der nächste Band handelt von den
zu Oviedo gehaltenen Concilien, der XXXIX. Band aber von den
(exemten) Bischöfen Oviedo's bis zum Jahre 1795 (1789, 1793, 1795).
Sainz Baranda sezte den Cfttalog dieser Bischöfe von 1795 bis 1852
fort, wie er den Catalog der Bischöfe von Leon vom Jahre 1787 an
fortgesezt hatte I). Band XL und XLI (1796, 1797) enthalten die Ge-
schichte der Bischöfe von Lugo, welche Baranda von 1798 — 1852 fort- Loge.
geführt hat"). Im Jahre 1801 gab Rüco seinen lezten Band, „die
bürgerlichen und kirchlichen Alterthttmer^' der Städte Dertosa, Egaraund
Ampnrias heraus. Damit ruhte die Fortsezung des „heiligen Spaniens^^
bis zum Jahre 1819. Im Jahre 1800 erlangte Bisco auf seine Bitte
Bnthebung von dieser Arbeit, weil er krank sei, er vollendete seine Tage
<) B. Baranda, t. 22, p. 87 — 9! (Leon), p. 105—108.
•) F. 92-98.
410 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel.
in dem Kloster San Felipe el Real zu Madrid am SO. April 1801 • Ee
scheint mir, dass seine Arbeiten nnd Leistungen nicht sehr w^t binter
denen des Meister Florez zaräckstcben *).
§. 3.
Ein Seitenstück öder ein durch die Espana sagrada herroig«-
rufenes Nebenwerk ist das „Teatro eclesiastico de las Iglesiaa de
Aragon^' (,,kirchlicher Schauplaz der Bisthümer von Aragon^'), welches
von zwei Capucinern bearbeitet wurde* Die vier ersten Bande, enfthahod
die Geschichte der Bischöfe von Zaragoza, gab Fray LanAerto Zaro-
goza heraus. Er gerieth wegen der Bischöfe der ersten Jafarhondote,
deren Existenz er nach den sogenannten spanischen Traditioaen ver-
theidigen wollte, in eine literarische Fehde mit Manud Rigoo. Yiei
solider gearbeitet ist die Fortsezung des Werkes durch JPV. iZcmcm de
Huesca; Band 5— 7, Pamplona, 1792 — 1797, handelt von den Biscbola
von Huesca. Der achte Band erschien im Jahre 1802 in PmmploDi,
und handelt über das Bisthum Jacca. Im Jahre 1807 erscliieii zo
Zaragoza ein neunter Band, welcher von den Bisthiimem Roda ood
dessen Fortsezung Barbtutro handelt. Wegen der folgenden Kriegt
konnten die weitem Bande nicht erscheinen. Fr. Bamon de Hiieso
musste den zehnten und eilften Band, enthaltend die Geschiichte der
Bisthümer Albarracin und Teruel, im Manuscripte hinterlassen.
Die Bis- Neben dem Werke dieser beiden Capuciner erschienen von den
in Ära- Fiaristcu Joaq. Traggia de S. Domingo zu Madrid 1791 — 1792 zvei
^®" Bände: „Apparat zu der Kirchengeschichte von Aragon/^ Dieser
Apparat holt aber in der mythischen und politischen Greschidite nn
Spanien so weit aus, dass er aufhört, bevor die Kirchengeschicbte t<oa
Aragon anfängt. Es sollte eher heissen: „Das romische Aragon (ieo)*''
Band 3 — 5 liegen als Manuscript in der Academie der Gesdiichte u
Madrid. Band 4 — 5 handeln erst von der Geschichte des y^YoIkes
^^' Gottes^^ (der Juden), und von den Anfängen der Predigt des Ena-
geliums in Aragonien. In derselben Academie befindet sich eine giosst
Sammlung von Manuscripten desselben Verfassers. Von EliDceIweii&
über die Geschichte der Bisthttmer jener Zeit wollen wir nur Tier ai*
B.Dor«. fahren. Im Jahre 1766 gab Bemard. Dorado „ein historisches Con-
pendium der Stadt Salamanca, ihres Alterthums, nnd ihres Bisdiamr
') In der Efnlelttuig oder dem Prolog des XLIU. Bandes der
sagrada** findet mao, p. V — VII einen Bericht Ober das Leben nnd die V«
dienste ' des Risco an diesem grossen Werke des ^heiligen Spaniens', das
nach 131 Jahren seit seinem Beginne, kaom sor Hilfte voUendel i^. Kllncr
über ihn Baranda, p. 12—13 i. o.
r« *-
Benediodner. 411
»DS. — In Tier Bänden gab in den Jahren 1789—1793 ChriHof.
iina Conde unter fingirtem Namen die interessanten „geschichtlichen
nversationen über die Civil«, Natnr- nnd Kirchengeschichte der Stadt
i des Bisthnms Malaga^^ heraus. Wahrhaft classisch an Form und ^^^^
lalt, und auch in der äussern Ausstattung ist das in drei grossen
taybänden erschienene Werk ttber das Bisthum Osma: Descripcion ^^^^
torica del obispado de Osma, mit drei Dissertationen über die Lage
alten Städte Numantia, üzama und Clunia, von Juan Loparraez
noalon, Canonicns von Cuenca, Madrid, 1788.
Der Jesuit Maithäus Aymeriehj geboren bei Gerona, 27. Februar »*"•*<>•
[5, lehrte in seinem Orden Philosophie und Theologie, war auch k^|]j^
nzler der Universität Gandia. Neben vielen andern Werken schrieb Ayme-
rinh
Nomina et acta episcoporum ßarcinonensium, das. 1760. Er schrieb
Werk auf Bitten des Bischofs Sales. um die Geschichte des Bis-
ms von den falschen Fabeln zu reinigen. Nach der Vertreibung
Jesuiten lebte er viele Jahre zu Ferrara, wo er Verschiedenes, be-
ders über lateinische Literatur, herausgab. Er starb daselbst im
ire 1799*).
Bei Arbeiten über die Geschichte der Bisthiimer hofit man vorzngs-
ise den Arbeiten der Benedictiner zu begegnen. Diess ist in Spanien
' in beschränktem Maasse der Fall. Einer der gefeiertsten Benedictiner
er Zeit war Benito Oeranimo Feyiaö y Montenegro, auf welchen die Spa-
r grosse Stücke halten*). Er wurde geboren am 8. October 1676 und
rb am 26« September 1 764 zu O viedo^ wo er Abt des Klosters zum
ligen Vincenz gewesen. Berühmt ist sein „Teatro critico, sopra los
ores comunes^. Madrid, 1726 — 1746, ]6vol.8^ Diesem folgten seine:
rtas eruditas y curiosas, gelehrte und interessante Briefe), 1742 bis
50—8 Bde. 8*. — „Feyioö fürchtete sich nicht,^ sagt ein Biograph, FeyioA.
e Unwissenheit der Mönche, die Ungebundenheit des Klerus, die
herlichen Privilegien, den Hissbrauch der Wallfahrten, der Exor-
men, der angeblichen Wunder und Anderes anzugreifen.^' Naturlich
tanden ihm daraus viele Gegner. Es ist schon bedenklich, dass
Liberaler, wie Campomanes^ das Leben des Feyioö schrieb und seine
') Juan Sempere, Ensayo etc., t I, p. 171—176 — Felix Tarres y Atnat,
xitores Catalsnes, 1^86, p. 66—68.
*) Als loh im Jahre 1865 in Barcelona war^ sagte mir ein dortiger Schrift-
ier, er habe den ganzen vierten Band eines dort erscheinenden biographischen
ücons ;mit dem Artiiiel über Feyioö angefflllt — Sein „Teatro critico* ist, an
sdüedenen Orten, (ÜnfiBehnmal wieder abgedruckt worden.
412 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel
gesammelten Werke herausgab *). Dagegen sagt freilich Semfere: ,»Dif
ganze Nation verehrt den Namen des vorzäglichsten Wiedeiheratdkrs
ihrer Literatur. ^^Der Ruf des so gelehrten Fmfioöj^ sagt der Graf
CampomaneSj „wird unter uns fortdauern, so lange die Nation mt
cultivirte sein wird/^ — Noch viele andere seiner Werke aiad hd
Sempef*e verzeichnet^). Feyioö vertheidigte u. a. die richtige Aoeik,
dass Spanien nie bevölkerter gewesen, als zu seiner Zeit, und dsa
namentlich seit Philipp II. die Zahl der Einwohner nicht bedeotoid
abgenommen habe. Der Convertit Clarw dürfte nicht Unrecht h^wa»
wenn er sagt, dass Feyioö gar viel lauwarmes Veratandeswianr
destillirt habe'). Diess wäre verdienstlicher gewesen, wenn er»
„kritisches Theater^^ der Geschichte der Erzbischöfe von Santttp
hinterlassen hätte.
Mart. Martin Sarmiento^ sein Ordesgenosse , gab schon im Jahre 179
mfento ^^^^^ '^^ Superlativ lobpreisenden Apologetisus des kritischen Theuoi
FeyioiFs in dessen vier ersten Bänden heraus. Er war damals Lecad
der Thologie bei S. Martin in Madrid. Nach dem Tode de« P. «S«^
miento gab das Kloster San Martin seine „Obras posthnmas*' heraos, ^ %ä
eine „Geschichte der spanischen Poesie und der spanischen Diditer^^i
— In dem Sammelwerke des „Semanario enidito'^ ist von ihm gedrockl:
„Ein Gommentar von interessanten und anserwählten Bnchem.'^
Der Benedictiner Bamaald EsedUma, Chronist der CongregM
des heiligen Benedictus von Spanien, gab die „Historia del Beal Mfloa-
sterio de Sahagun^^ — Madrid, 1782, in fol., heraus, nach den kii»
lassenen Mannscripten des JPV. Jos. Perez, durchaus gestüzt auf Origiaip|
emaIo- Documente aus dem Archiv von Sahagun, durch weiche viele Inthoatfi
"^^ in der Chronologie berichtigt, und viele wichtige Thatsachen der weh^
liehen und Eirchengeschichte von Spanien bestätigt werden* 326 liad
mitgetheilte Urkunden aus dem dortigen Archiv gehen vom Jahre W
bis zum Jahre 1475^). I
Manuel Der sehr gelehrte Benedictiner Manuei Abad y hanmra v«ii|
^^^f am 24. December 1729 im Bisthum Lerida geboren, stndirte in HoM
ra. trat in das berühmte Kloster San Juan de la Penna ' ein , worde AU
von S. Maria de Meya, am 18. Juli 1783 erster Bischof des oeso^
richteten Bisthums von Ivipa; von hier wurde er am 28. Juli 1787 •!<
>) Madrid, 1780, 33 vol. 8*.
•) EMayo, t m, p. 19—46.
') 2VcA9ior-<7«{tt», II, p. 350.
0 -Efwayo, V, p. 110-114. — Madrid, 1775.
*) Historia del Beal Monaaterio de Sahagnn, sacada de b qoe deso sMtfi
P. Jlf. Fr, Joseph Perez, Catedratico — de Salamanca, anment. eon arocfeii
morias muy cooduoenteB k la hiatoria genenl de Eipafia. Madrid, 1782, f^
Sempere, Ensayo. Ill, p. 1—2.
Abad y Lasierra, 0. S. B. Franc. Perez Bayer. 413
•
JBischof nach Astorga versezt. Nach drei Jahren, im Jahre 1790, ent-
sagte er dieser Wärde, wurde zum Director der königlichen Stadien
von Madrid ernannt, zum Erzbischof von Selimbria i. p. inf., and zam
Gross -Inquisitor — 1792, anf welche Stelle er im Jahre 1794 auf
Befehl Carl's IV., d. i. Manuel Godoy's, verzichten musste. Er zog
sich in seine Heimath zurück, und starb zu Zaragoza am 12. Januar
1806. Er vermachte der königlichen Academie der Geschichte seine
uverthvollen Handschriflen, sie aber bezeichnete ihn in ihrem Nachrufe
als einen „sehr gelehrten und achtenswerthen Prälaten, als ungemein
bewandert in unserer alten Diplomatik und Paläographie, und sehr
verdient um unsere Academie"'), Seine Werke sind aber leider bis
heute „Mannscripte" geblieben. Er schrieb über die Kapellen der
Könige von Spanien, u. a. übbi: die Kapelle von Alquezar bei Huesca,
über das alte Kloster Fonfrida in :A.ragon*), über das Kloster Meya
in Catalonien, dessen Prior er gewesen^), über den alten Bischofssiz
von Hictosa (heute Tolva), mit dem Cataloge seiner Bischöfe^); er
verfasste eine Geschichte und Beschreibung des „alten und neuen
Pantheon" (der ELirche) seines EJosters S. Juan de- la Pena^). — Er
schrieb über die Inseln Ivipa und Formentera, sowie die anliegenden
kleinern Eilande, deren Bischof er gewesen war. Das Manuscrii)t
trägt das Datum: Ibiza, am 6, September 1786. — Wir bedauern,
dass alle diese gelehrten und gründlichen Forschungen nicht gedruckt
worden sind.
§. 5.
Die nun folgenden Schriftsteller wollen wir nach der alphabetischen
Reihenfolge ihrer Namen anfuhren. Franc, Perez Bayer, wurde im Jahre Peres
1711 zu Valencia geboren , war Professor der orientalischen Sprachen "■^"'
zu Salamanca; er wurde nacheinander Archidiacon von Valencia, Er-
zieher des Infanten Gabriel, und Conservator der königlichen Biblio-
thek zu Madrid. Er erhielt mit zwei Genossen im Jahre 17Ö0 von
König Ferdinand VII. den Auftrag, zu einer „literarischen Keise^, um
die hebräischen Inschriften und Documente zu copiren und in eine
genaue Ordnung zu bringen. Daran arbeitete er zu Toledo bis zum
0 Memorias de la r. A. de la historia, t. V. Baranda, 1. c. t. 22, p. CA.
^) Latassüy Btblioteca aueva Aragonös, t VI, p. 308.
') M* a, in t. XVIII seiner Manoscripte in der Academie de la Historia.
*) In dem sehr genauen Verzeichnisse der alten spanischen Bisthümer bei
Baranda, (1. c. t 22, „Cätaiogo de las sillas antignas y modemas de 1. IgL £s-
pafiola, p* 59 — 12i — kommt letosa nicht vor, aber bei Munoz, Diccionario. s. V«
Tolva. Latasaa, Bibl. nneva, t. VI. p. 807.
*) Mufioz, Pefia, nr, 8,
414 Vierzehntes Bach. Viertea Kapitel.
Jahre 1162. ESr erhielt sodann eine Dommhermstelle zn Bs
und den neuen Auftrag zu einer Reise nach Italien, um Mannt
Münzen und andere alte Denkmale (mit Beziehung auf Spanien)
durchforschen« Er besuchte die ersten Bibliotheken Italiens, und
mit Fielen Gelehrten, u. a. dem Cardinal Querini, in Verbindung,
sammelte die seltensten Münzen. In Rom legte er eine toIIsI
Sammlung der Inschriften, Grabschriften und Erinnerungen an
vielen von alter Zeit her dort anvresenden Spanier an, wo er auch
Jahre 1756 die erwähnte Schrift über die Spanier, die heiligen
und Damasus, herausgab*). Mamachi nennt ihn einen Gelehila
der lateinischen, griechischen und hebiuiachen Literatur, einen berr«
ragenden Kenner der Geschichte und der Alterthümer. In Rom
er das Arabische so schnell erlernt, dass er seinen Lehrer nicht so
eingeholt, als überholt habe. Er kann die Schrift über Damasus
genug bewundem, in der er seine Gegner völlig entwafihet habe. U(
seine Schrift: „De alphabeto y lingua de los Fenices y de sns coloniJ
Madrid, 1772 — foL, wurde in romischen Blättern geortheilt, dass
Verfasser, besonders in diesem Gebiete der Literatur, nicht leicht
seines Gleichen habe. Diese Dissertacion wurde der Ausgabe
Sallustius für den Infanten Gabriel, einem Meisterwerke der Bi
druckerkunst, die damals zu Madrid in höchster Blüthe stand,
gegeben. Er legte eine kostbare Sammlung von hebräisch-samaritai
Münzen an; darauf gestüzt, gab er die berühmte Schrift heraus:
Nummis Hebraeo-Samaritanis,^' Valencia, 1781. Ein Kenner in
literarischen Efemeriden von Rom — vom Juli 1781 — sagt: b
Schrift von gleicher Sach- und Formvollendung in diesem Gebiete
sehen zu haben. Da aber das Werk doch einigen Widerspruch
so gab Bayer j schon 79 Jahre alt, seine „Nummorum Hebraeo-i
norum Vindiciae'% 1790, fol., heraus. Mit und neben CaHri arl
er in 8 t. fol. einen Catalog der castilianischen, lateinischen and gn<
sehen Werke im Escurial aus, mit vielen interessanten Noten
Schriftproben. Er nahm auch an der Widerlegung der erdicbl
Alterthümer von Granada den lebhaftesten Antheil*). P^rez
hatte die Materialien zu einem grossen Werke: „Antiguedades
panoles^^ gesammelt, und Materialien zu vielen andern Werken. —
war ein Gelehrter von europäischem Rufe, und hat gezeigt, wjü
gelehrten Spanier bieten könnten, wenn die äussern Verhältnisse
sie nicht gar so ungünstig lägen. Aber in Beziehung auf die Liten:
auf die Möglichkeit, die Literatur der andern Völker benüzen zu k<
■) Kiroheogeschichte II, 1, 8. dd0-33l.
*) Die Schrift, Kirohengescbichte I, S. 182, Anm. i, ist zum groMea Aei
sein Werk.
Philipp Beitran; ßocanegra. 415
hre eigenen Manuscripte in anständiger Form and ohne allza grosse
^ecaniäre Opfer heranszageben, scheint Spanien heute mehr, als zn
Bayerns Zeit, das „Ultima Thnle^^ zn sein. (Seine Verdienste um die
9eraasgabe der Bibliothek des Nie, Antonio sind früher erwähnt.)
Schade war/dass er ihn nicht für die Zeit von 1680 — 1790 fortgesezt
lat*). Bayer starb zu Madrid am 26. Januar 1794, 83 Jahre alt.
Phüipp Bdtran, (von 1763 — f 23. November 1783) Bischof von p»»»»pp
Jalamanca, und Grossinquisitor (1775 — 1783) war einer der gelehr-
esten Bischöfe seiner Zeit. Er gab heraus: „Coleccion de Cartas
Pastorales y Edictos^^ (Madrid, 1783, 2 t.). In ihnen zeigt sich eine
^majestätische Beredtsamkeit, grosse Kraft und Beinheit des Styles.
3e8onder8 die Briefe über die Ausübung des Predigtamtes, über die
Jnterstüzung der wirklichen Armen, über den Charakter der wahren
ieue — sind Muster der heiligen Beredtsamkeit«" Im Jahre 1778
^rundete er das Seminar von San Carlos^ und gab im Jahre 1783
nusterhafte Constitutionen für dasselbe heraus^).
Franc, ßocanegra, Bischof von Guadiz (1757 — 1773) und Erz-
)ischof von Santiago (f April 1782) gab zu Madrid 1775 — zwei
3ände „Sermones" heraus, welche im Jahre 1783 in zweiter Auflage
irschienen, worin er einen Fortschritt der geistlichen Beredtsamkeit in
Spanien vom Jahre 1755 — 1775 mit Freuden constatirt').
Andreas Marc. Bur(r)iely (geb. 1719), trat in die Gesell- ^^J^J^p
ichaft Jesu ein. Wie Perez Bayer, wurde er im Jahre 1750 nach Barriei.
Toledo gesandt, um die dortige Bibliothek zu reorganisiren, und die
Vrchive zu durchsuchen. Er arbeitete dort von 1750 bis 1755.
Zahlreiche andere Gelehrte erhielten ähnliche Aufträge für andere
Städte Spanien's; sie hatten ihre Manuscripte an Burrid einzusenden,
lieser aber sie zu ordnen, und an das Ministerium zu berichten. Er
ollte eine allgemeine Sammlung aller alten, die Kirchengeschichte
$panien's betreffenden Documente herstellen, besonders über die Con-
ilien und die Literatur. Schon im Jahre 1752 war er weit vorge-
chritten. Er hatte 2000 authentische Documente von der Eroberung
on Toledo an — gesammelt. Er studirte genau die altgothische Liturgie.
Cr handelt auch von andern Sammlungen der liturgischen Bücher in
Spanien, von denen er genaue Abschriften nahm. Er spricht mit Recht
*) Für die Zeit von 1738— 1788 tritt iSempere er^nsend ein. I, p. 189-202.
•} Sempere, I, p. 202—212.
*) dempere, I, p. 216— 217,
416 Vierzehntes Bach. Viertes Kapitel.
von den spanischen Litnrgieen, in allen ihren Verzweigungen^). Er
meint, man müsse alle drucken: ,,prout stant'S Die im elften Jihr-
hnndert in Spanien eingeführte romische Litnrgie sei, zwar nicht in
Wesen, aber doch in bedeutenden Formen, von der ersten romifokfl
sehr verschieden gewesen. Er beschwert sich über die unverscikk
Verwegenheit des spanischen Martyrologium's von Tamai/o y SdoB»
— 6 tom. fol., and wünscht ein gereinigtes Martyrologinm zn sekä,
(was meines Wissens bis jezt nicht erschienen ist») beklagt, dass a
ganz Toledo nicht ein Exemplar der Bollandisten oder der ,^tesis
Martyracten^^ des Rainart sich befinde^ oder eines neoern äholidn
Werkes *). — Er spricht auch einige Conjecluren über das dem bmr
von Sevilla zageschriebene Werk: „de ortu et interito patrnm^' (deer.
Aechtheit wir angezweifelt haben) aus.
Keine der von P. Burrid herausgegebenen Schriften ersekin
unter seinem Namen. Als seine Schriften sind aber a. a. anerbnet
„La Paleografia Espanola^'^), „Abhandlung über die Gleichformigkft
der Gewichte und Maasse'', Madrid, 1758. „Noticia de la CaliforaüS
3 t. 4® — Madrid, 1757; Vorrede zu der wahrhaften Sammlung öer
/Canones der Kirche von Spanien, nach dem heiligen IndoTj edirt na
Sema-Santander — Brüssel — an. VIII (der Republik im Jahre l^t*
Burrid starb am 19. Juni 1762, erst 42 Jahre alt. — Wir stscta
über seine riesenhafte Arbeitskraft und umfassende Gelehrsamkeit, cal
bedauern lebhaft^ dass die meisten seiner Schriften ungedmckt gebliet«.
dass namentlich seit 120 Jahren das Studium der „CoUectio Canoaca
Ilispana^' so zu sagen nicht „vom Flecke gekommen^' ist Erst ««a
alles handschriftliche Material gedruckt vorliegt, wird man über -ie
Zeit und den Ort der Abfassung besser urtheilen können^).
cabad^« Der Merccdaricr August. Cabadis Magi, Professor der TbeoL^
^^' in Valencia, hat daselbst im Jahre 1781 den ersten Band: „InstitutiocA
Theologicae in unsum tyrouum adorn.'' heransgegcben , welche t^
gerühmt werden, weil sie den Intentionen der damaligen Zeit und G^
gierung entsprachen^).
BiBchot Der Licentiat der Theologie, Ramon Cabrera schrieb eine ^
cano.' "ehrte Schrift: „über die verschiedene Disciplin der Kirche von Spuues
über den Ort der Begräbnisse®).
Alfons Cano, Trinitarier, aus La Mota, bekleidete verschiedcfii
ehrenvolle Aemter in seinem Orden; am 22. Juni 1770 wurde er tan
') Man kann hier an die Liturgie von Sevilla, und von Bracara denkei.
*) So gross war nnd ist der Maogel an nichtspanischer Literatur in SptsH
') Erschien 1755 und 1758.
'} Sempere, I, p, 233—245. — Backer, ^crivains, V, p. 106— liO.
^ Sempere, II, p. 1—4.
•) Sempere, II, p. 18 — 21.
Der Bischof Alfons Cano von Segorve. 417
ßiscbof yon Segorve ernannt. Seine erste Sorge war die Errichtung
eines „Seminario Conciliar^^ (von Trient), nnd er arbeitete eifrig an
der Reform des Elems. Bei dem Baue neuer Kirchen drang er auf
einen strengen und reinen Styl. Er forderte den Ackerbau, und die
Cultur der Oelbäume, für jeden neu gepflanzten Olivenbaum bezahlte
er 3—4 Realen; er gründete an vielen Orten Volksschulen. Er stiftete
eine öffentliche Bischöfliche Bibliothek, um die Kenntnisse in seiner
Stadt und Diöcese zu verbreiten. „Dieser grosse Prälat'' starb am
17. April 1780'). Er schrieb „Metodo de estudios monasticos'' (welche
in den Provinzen seines Ordens von Gastilien, Leon und Navarra ein-
geführt wurde, und Einiges über Landwirthschaft"),
§. 7.
Im Jahre 1772 ergieng eine Verordnung ^der königlichen Eam-
mer^f es solle ein „Haus der Studien'' für den Unterricht der Francis-
caner , in der arabischen und griechischen Sprache errichtet werden,
welche sich den Missionen im heiligen Lande und in Asien überhaupt
i?vidmeten. Der Pater Franc. Cahea vom Orden der unbeschuhten ''"*•
Franciscaner hatte 16 Jahre in den Missionen von Asien in der arabi- der Ara-
schen Sprache gepredigt und Beicht gehört ^ und war später Lector ^>'^'
der arabischen Sprache gewesen. Er veriasste nun eine; ,,6ramatica
Arabigo — Espanola", mit einem Wörterbuche, und dem Texte der
„christlichen Lehre*^ im Arabischen^).
Anton Capmani hat im Jahre 1779 ein wichtiges, mit Documenten ^°^
belegtes Werk ,,über die Marine, den Handel, und die Künste der nani.
<en Stadt Barcelona" herausgegeben, welches für das Studium der
Greschichte der Missionen, besonders in Afrika, von Bedeutung ist,
iiv^ozu später das Werk kam : „Alte Vertrage zwischen den Königen von
%.ragon und verschiedenen ungläubigen Fürsten in Asien und Afrika,
Madrid, 1786. 302 Documente sind dem Werke beigegeben; das Werk
t^adelt z. B. über die zu Barcelona seit dem sechsten Jahrhundert
rebaltenen Concilien. Derselbe gab im Jahre 1777 eine „Philosophie der
ieredtsamkeit" heraus; dazu „historisch-kritisches Theater der castiliani-
ohen Beredtsamkeit*' vom dreizehnten bis zum achtzehnten Jahrhun-
lert^). Capmant wurde geboren zu Barcelona 24. November 1742, lebte
;& Jahre in Madrid, war seit 1790 „beständiger Secretär" der Aca-
0 Vülanuem, t 3, p. 108—111.
') Ant. PonSj Viage de Espafia, t 10, Carta 7. ^ Sempere, 11. p. 117—123.
*) Sempere, II, p. 130—131.
*) Madrid, 1786-1794, 6 toro. in 4%
Clamt, tpan. Kirche. III. S, . 27
418 Yienehotet Boeh. Viertes Kapitel
demie der Geschichte. Zor 2ieit des Eänfidls der Fruuosen floh er
nach Sevilla am 1. Januar 1809, stand an der Spiee der Veithddiger
des Vaterlands, worde Depotirter von Gatalonien für die Coites b
Cadix, und starb am 14. November 1813. ^Seine literarischen Werke»
und seine Anstrengungen für die Unabhängigkeit nnd den Rnhoi in
Nation werden sein Andenken nnsterblich machen* — lantet s»
Grabschrift. — Viele Werke von ihm blieben nngedrockt ')•
MiebASi Der Maronit Michaä Catiri, Bibliothekar n. s. w., ist bekaiMi
^^ geworden durch seine; „Bibliotheca Arabico > Hispana Escnrialawu.*
Madrid, 1760, 2 fol. Er giebt Notizen von 1805 Codices. Damstcr
ragte ein um 104tf in cufischen Buchstaben ver&sstes Buch herver
„CoUectio sacrorum Canonnm^, verschieden von dem Codex Aemüift-
nensis und Vigilianus derselben Sammlung im Escurial, das leider ifv-
loren gieng^).
Bodr. jQg^ RodriguBz Ccutro, Official an der königlichen Bibliothek, lie«
^^^' die: Biblioteca Espanola, T. I, Madrid, 1781, foU — Rabbinisdk
Schriftsteller in Spanien — erscheinen, welche bis cum funfiEehntet
Jahrhundert reicht. Der zweite Band, 1786, handelt von den had*
nischen und christlichen Schriftstellern in Spanien bis zum dreizehnua
Jahrhundert, so dass das Werk lange nicht vollendet ist^).
Franc. Cerda y Rico gab eine grosse Anzahl von Werbo
Sepoi. früherer Schriftsteller, u. a. des Oenestua Sepulveda^ der Chronik AJ-
^'''^*' fons VIII., 1783, Alfons des Weisen von Caspar Ibannez de SegoM,
die wir zum Theil schon erwähnt haben, heraus; er schrieb ferner dir
Reden berühmter Spanier auf dem Concil von Trient u. b.*},
Dter Ex-Jesuit Ant. Eximeno Hess zu Rom im Jahre 1774 fici
Werk: »Von dem Ursprünge und den Gesezen der Musik , der Ge-
schichte ihres Fortschrittes, ihres Verfalls und ihrer EdmeaemoT
drucken. In Spanien war er Professor der Artillerie so S^^i*
gewesen*).
§. 8.
Der Ez -Jesuit Jos, Franc, de hla^ geboren 1703, war scboo si:
24 Jahren ein beliebter Prediger. Seine zwischen 172U — \llyk gf
Bcbriebenen Predigten sind von grosser Reinheit und Eindringlichkdt
Gegen die falsche Predigtweise seiner Zeit schrieb er: j^Geschicitu
•) Bempere, II, p. 132 -- 144; Amat y Tortes, p. 115—152.
•) Sempere, II, p. 155—158.
*) äempercj II, p. 1 61— 166.
*) ßempere, II, p. 173—185.
•) Sempere, III, p. 5 — 11. — Ba4sker, IV, p. 203.
Fray Oernndio; P. Joeö lala. 419
es berahmten Predigers, Bruders Gerundio de Campazas oder Zotos.
\$ ist ein satyrischer Roman. Das Buch ist ernst nnd schneidend
eschrieben. Er schildert seinen fiogirten und dennoch wirklichen
ray Gerondio u. a« also: Er war im vollsten Besize seiner Ejraft,
twa 33 Jahre alt, schlank, stark und kräftig, von wohl sich an-
ihliessenden und wohl gebildeten Gliedmassen, männlicher Haltung,
im Fettwerden sich neigend, das Ebupt aufrecht tragend, und den
reis der Haare um seine Tonsur sorgfältig nnd genau geordnet und
ikammt haltend. Seine geistliche Tracht war immer sauber, und fiel
weiten und regelmässigen Falten an ihm herab. Seine Schuhe
lasten ihm aufs Vollkommenste, sowie hoch oben sein seidenes Barett,
elches mit seltener Stickerei und einer reichen Troddel geschmückt war,
les die Arbdit gewisser andächtiger Frauen, die Tor Bewunderung ihres
ieblingspredigers starben. Kurz, er sah recht jung und liebenswürdig
IS, and fugte hiezu eine helle yoUe Stimme, ein leichtes, beliebtes
ispeln, eine besondere Anmuih bei Erzählung einer Geschichte, Ge-
irdensprache, leichte Bewegungen, eine einnehmende Weise, erhaben
ingende Worte, nicht geringe Dreistigkeit, und dabei vergass er niemals
seine Reden Scherze, Sprüchworter und gebräuchliche Redensarten
sserst geschickt einznfiechten, wodurch er denn bei seinen öffentlichen
'edigten allgemein beliebt wurde, und in den von ihm besuchten
Jen der Vornehmen Alles mit sich fortriss ')• Isla giebt verschiedene p. i.ia.
äispiele dieser manierirten, yielmehr widerlichen Predigtweise seiner
nU Ohne Wissen IskCs erschien der erste Band des Romans,
Jö8; in 24 Stunden waren 800 Exemplare verkauft. Isla musste der
iqoiaition Red' und Antwort stehen, sein Buch wurde 1760 verboten;
tch dem „Indioe^^ von 1790 wurden auch Schriften für und gegen das
ach verboten. Ida wurde mit seinen Mitbrüdem nach Italien depor-
*t; der zweite Band des y,Oerundio^ erschien zuerst englisch 1772;
ild erschien das ganze Werk spanisch zu Bayonne, welchem viele
oilagen an verschiedenen Orten folgten^). Im Jahre 1813 wurde der
rack in Spanien erlaubt, 1814 verboten. Aber „Bruder Gerundio^
iirde ein Spizname für diejenigen, welche in jener niedrigen Weise
edigten, und ein Priester, von dem man glaubte, dass er ihn ver-
ene, vermochte nicht länger andere Zuhörer um sich zu sammeln,
s solche, aus denen der Pöbel öffentlicher Pläze besteht.^ In seinem
I^icero^, der in 16 Gesängen über 12.000 Verse enthält, geisselt er
e Lebensweise der damaligen modischen Damen und die herrschende
0 Don Franc Lohen de Salazar, (psendonym), Historia del famose Pre-
cador Fray Oerundio de Campazas — 4 Bde., Madrid, 1813, 12*.
»y Wieland, DeaUcher Mercur, 1773, UI, p. W6. — Roh. Watt, Bibllotheoa
ritdiinica, 1824, 8. V« Isla.
27*
420 Vierzehntes Bach. Viertes Kapitel.
verkehrte Erziehung. Der Druck des Werkes wurde Terboten^ To
seinen Predigten wurden sechs Bände, ebenso seine j, Carlas friniliara*
Madrid, 1798, in 6 yoL gedruckt Seine ,, Ausgewählten Werke* ersdiieu
in der grobsen Sammlung von Rivadeneyra — 1 tom., 18&0 uateriin
spanischen Classikem'). Viel Aufsehen machte seine im Jahre ]>!
erschienene Uebersezung des „6il Blas" von Le Sage, welches ITni
er auf dem Titelblatte bezeichnet: als „aus dem Spanischen gestoUe,
imd jezt seinem Vaterlande und seiner Sprache durch rinen Spt»
zurückgegeben, der es nicht dulde, dass man mit seinem Volke Scks
treibe^'). A. LlorerUe hat im Jahre 1822 zwei Denkschrifken dendbe
Inhalts herausgegeben , wobei er sich aber vorwi^end aof iu»
Grunde stüzt
Isla' 8 Aufgabe bestand in der Satyre, und er hat sraiem Tsicr
lande den grossen Dienst erwiesen, aus dessen ehrwürdigen KirdRo£
niedrige Predigtweise zu vertreiben, welche sie schon lange nrmm
hatte. Der Bruder Gerundio erfüllte diese seine Angabe fiut ebcoi
vollständig, als der Don Quixote die seinige, die unsinnige Leidessdii
für Ritterromane, welche im siebzehnten Jahrhundert herrschte, taBi
auszurotten*^ (Isla f 2. November 1781) ^).
Der Ex-Jesuit Xaver Lampülas Hess in den Jahren 1778— IiÜ
zu Genua in 6 Bänden „einen historisch -apologetischen gSaggio'
spanischen Literatur gegen die voreingenommenen Meinungen et
neuem Italienischen Schriftsteller^ erscheinen^). Aus diesen und
Arbeiten sieht man u. a., mit welcher unauslöschlichen Liebe diese
ihrer Heimath schmählich ausgestossenen Jesuiten an ihrem Vaterim
auch in der Fremde hielten und hiengen, während andere Flochiff
nach dem Grundsaze lebten: „Wess' Brod ich ess', dess' Lied ich
Eugen Uaguno y Amirola gab 1779 die Chroniken der Ei
von Castilien, D. Pedro, D. Enrique II., D. Juan I, D. Enriqne
von dem Grosskanzler von Castilien D. Pedro Lopez de Ayab,
mit den Verbesserungen des Secretärs Hieron. Znrita heraus — 2t.<
ferner: die Chronik des D. Pedro Nino, Grafen von Bodos,
Gutierre Diez de Gomes — Madrid, 1782, sowie ein „Somario*
Konige von Spanien. Er hat den Druck all' dieser Weike mit
falt geleitet und überwacht*).
*) Das Manoscript ist seit 1844 im Besiz des ^Athenaeum* so Boaton*
') Obras escogidaa del padre Jos^ Francisco de Isla, tom. 15^ 186a
*) 6 Bde., Madr. 1787, und seitdem oft gedruckt
') Sempere, IH, p. 123—131; Ticknor- Julius, Id&O, II, p. M-^
Backer, Ecrivaina, IV, p. 309—317,
*) Sempere, lll, p. 161—166.
•) Sempere, III, 188—197.
Schriftsteller dieser Zeit. ^^1
§. 9.
Gregor Mayans y Siscary geboren zu Valencia 9. Mai 1699, war Gregor
D vielseitiger Schriftsteller, und in vielen Gebieten des "Wissens be- ^''J^»°**
auderter Gelehrter. Er schrieb u. a. das Leben des heiligen Abts
jil« — 1724; Leben des heiligen Ildefons, 1726 und 1727; Ideal
^ christlichen Redners, in drei Dialogen, 1733; edirte das Buch des
ic. Antonio gegen die „Historias fabulosas^, mit dem Jieben des-
Iben — 1742; er gab die „chronologischen Werke des Caspar Ibariez
\Segovia^ auf Kosten der Akademie von Valencia, heraus, Valencia,
i44, fol. Im Jahre 1746 gab er in fol. desselben Verfassers: „An-
erkongen zu der Geschichte des F. Juan de Mariana" heraus. Schon
i Jahre 1756 erschien das Leben des „Gregor. Mayansius^ angeblich
)D dem Rector zu Osnabrück, Johann Christoph Strodimannj Wolfen-
Utel, 1756 — 8^1 man glaubte aber allgemein, dass Mayans sein
genes Leben geschrieben und herausgegeben habe. Denn veie er
n Universal- Genie sein wollte, so v^oUte er auch in aller Herren
ander bekannt sein. Es ist erstaunlich, wie viele von ihm ge-
'iiriebene Briefe er drucken liess. Im Jahre 1782 gab er das Leben
id die Werke des Joh. Ludov. Vivls heraus. Er starb zu Valencia,
1. December 1781 '}. Sein Bruder Juan Ant Mayans gab im Jahre Anton
i71: „Ilici, hoy villa de Elche*, mit dem Cataloge der dortigen ***y""-
iechöfe, heraus.
§. 10.
Die Tertiarier von Granada, Raphad und Petr. Bodriguez Mohe- ^oheda-
mo, Bruder, gaben eine sehr weit ausholende: „Historia literaria de
spana, von der Urzeit bis auf unsere Tage,^ heraus, 9 t» 49, Madrid,
766 — 1779. Erst der vierte Band handelt von den romisch-spanischen
chriftatellem unter Kaiser Augustus; der ganze sechste Band handelt
3n dem Spanier Seneca; der achte Band von Columella; der neunte
&nd von Janius Galion, Vater und Sohn, und von Pomponius Mela.
He natürlich, blieb das Werk im Sande stecken^).
Der Ex-Jesuit Joh. Franc. Masdeu, geboren zu Palermo, 14. Oc- Masdeo.
)ber 1744 (t zu Valencia 11. April 1817) lebte nach der Vertreibung
er Jesuiten zu Foligno. Vom Jahre 1782 an erschien seine: Historia
') Fusier, Biblioieea Valendaoa, 1827— 18d0, t II, p. 98. — Sempere^ IV,
4-50. — Ticknor- Julius f II, p. 269 und paasim.
*) Bemperef IV, p. 66— 72.
i22 Yienehotefl Bach. Vierte« Kapitel.
critica de Espana, zuerst italienisch, dann spanisch, Madrid, 1783 bb
U05, 20 vol. 4®; Bd. 4 — 8 handelt von dem romischen Spanks,
Bd. 9 — 11 von dem gothischen Spanien, Bd. 12 — 15 von dem anUscks
Spanien, Bd. 16 — 19 enthalten Sapplemente. Mit Band 20 aob
„Espana restauradora^ beginnen. Dieser Band enthielt ,Vorlfa£^
Illustrationen gegen die Patres Florez und Risco.^ Weiteres ersdje
nicht Es ist klar, dass bei dieser Weitläufigkeit mehr als 50 Bi»V
nicht ausgereicht hätten, das Werk zum Jahre 1800 zu fuhren. Die
Hyperkritik dieser ,)kritischen Geschichte^ nnd MatdeiiB faispi
Temperament Hessen ihn troz seines erstaunlichen Fleisses nidtds
erwarteten Wirkungen seiner Arbeit sich erfreuen'). Aach traten &
innern Wirren des Landes dem weitem Erscheinen des Weikei ■
den Weg. Sein spanischer Patriotismus liess ihn n. a. das Boc^
lein herausgeben : „Spanischer Ursprung des Papstes Pios TIL,
Madrid, 1805.«
Ant. Pom gab in dreizehn Bänden seinen n^i%® ^^ Espana', 177!
folg., heraus, „Reise durch Spanien, in welcher über die wichtigf^
und wissenswürdigsten Dinge in diesem Lande berichtet wird;' da
ersten zehn Bände wurden wieder gedruckt, von dem ersten ^^ •
drei Abdrücke. In zwei Bänden gab er auch eine „Reise aosacfbiä
Spanien's* heraus').
Ant. de SoUmayor y Valladare» gab das „Semanario eraii»*
heraus, welches zu Madrid 1784 — 1791 — in 34 voL ersdueo, tmi
eine interessante Sammlung verschiedener unedirter Werke ist —
Maiih. VtUanuno hat in vier Bänden eine „Summa* Goncifiona
Hispaniae, Madr., 1781 — 1785, erscheinen lassen. — Der AofrcfavoBC
den die Literatur unter Carl III« genommen, wirkte anch tmtcr GsH W
noch. Aber es trat von nun an die Unterstfizang von oben heni
zurück, llan wendete die Gunst andern Dingen zo, nnd branchte uA
das Geld zu andern Dingen. Doch ist es merkwürdig, wie nock n
den Jahren 1807 und 1808 wichtige Werke erschienen. Aber mit des
') Maadeuy Bespuesta a so erudito oensor Joaqiiin Tnggia, Madrid, 1^^
— Caaans y Torrea, BespüCsta & algimos pontos de la H. crit de Matin,
Madrid, 1^06; — Amat. y Torres, Escritorea Catalanea, 1836, p. 397-406. — iWr.
EcrivaiDS de la Compagnie de Jösoa, 4 Ser., 1858, p. 397— 40a — Audi B^
sagt, daas Matdeu cor Vollenduiig seines Werkes wenigateos fO Binde i^^'^f
b&tfce and sagt gleiohfalla: ,,Man kann ihm auch vorweifeo, dass er die
Nation zu sehr erhebe.**
') Swnpere, IV, p. 361—259.
r
Geldnoth in Spanien. Die religitts^ Orden. 423
knfalle der Franzosen traf das Wort za: ,inter anna silent mnsae.^
Ib ist schwer zu sagen, was das grossere ünglöck war, die schranken-
pse Fortdaoer der Herrschaft des Manuel Godoy, oder dieser in-
nre Krieg.
Carl IV. jagte, während Godoy alle Fäden der Gewalt, auch der
jeistliehen, in seinen Händen zn concentriren snchte. Er bediente sich
(er Inquisition als eines Instrumentes der Gewalt. Er behauptete, die
üoster reformiren zu wollen, d. i. er nahm das Recht in Anspruch,
leliebig viele derselben aufzuheben, und deren Einkünfte för andere
iomane Zwecke zu verwenden. Man liess sich von Rom möglichst
iele Indulgenzen für den Eonig ertheilen, und wirkte die Erlaubniss
US, nber eine grosse Anzahl von geistlichen Gutem und Einkünften
u Gunsten der Krone zu yerfugen*).
§. 12.
Ein päpstliches Breve vom 15. Mai 1804 sagt, der König habe
Q Rom dringende Vorstellungen gemacht über Missbräuche bei den
Vahlen von Obern, dass darum ein Generalvisitator aller Erlöster ein-
usezen sei. Als diesen Visitator ernannte Godoy seinen Schwager^ Geld-
len Cardinal Luis Bourbon. Der Cardinal und der König verlangten ^^^,
on dem Papste, die spanischen Klöster aus ihrem Verbände mit ihrem gut.
)rdensgeneral in Rom zu entlassen, und sie General vicaren zn unter-
ferfen^ die in Spanien residirten. Das Wohl der Orden und deren
(Visitation durch den Cardinal erfordere diess. Wenn die Orden von
iom gelöst waren, dann konnte Godoy nach Herzenslust Erlöster auf-
leben, trennen, verbinden, suspendiren und reformiren. Der Papst
ichlug den Ausweg vor und ein, dass, weil kein Land so viele Ordens-
personen hätte, bei jeder zweiten Wahl eines Ordensgenerals ein Spanier
^wählt werden sollte. In diesem Falle sollte die Wahl in Spanien,
K)n8t aber in Rom oder anderswo stattfinden zu der Zeit, in der der
Ordensgeneral kein Spanier wäre^ sollten doch die Spanier ihren eigenen
Ordenageneralvicar haben; wenn aber der General ein Spanier wäre, Befor-
K> sollten die übrigen Länder ihren eigenen Ordensgeneralvicar in Rom ^^^^^^
iiaben. Alle in Spanien bestehenden Orden wurden ermächtigt, vouKiMer.
aun an frei über ihre GHiter zu verfügen; sie dürften nicht mehr zum
Unterhalte ihrer Orden in andern Ländern beitragen*). So erhielt
Grodoy ein fiist unumschränktes Recht über Sein und Nichtsein der
0 Braven vom %. April, 18. Jnni 1802, 10. Mai 1803, 22. Jaonar, 26. Man
[806 — in BuUar. Roman. Contfamatio, t XI, p. 819-820, 845-347 et t. XII,
p. 13-14, 267-258, 275-277.
*) Ctmt BuOar. Rom. XU, p. 164 - 168.
424 Vierzehntes Bach. Viertes Kapitel.
Kloster in Spanien. Aehnlich war in Frankreich die Beformation d»
Klöster vor der Revolution, durch den Cardinal Briene, nichts ander«»,
als deren Aufhebung gewesen. Dass das Recht, die Klosi» zq n-
formiren, nur die Ankündigung ihres bevorstehenden Untergang« g«>
wesen, erzählt ausfuhrlich, der Cardinal Pacca in seinen „Denkwürd^-
kciten über Portugal^ ')• Aber die Geldnoth wurde in Spanien ivbb«
grösser, weil die Verschwendung immer grösser wurde. Carl IV.
musste dem Papste vorstellen : „alle öffentlichen und besonderen Ao-
gelegenheiten seien gleichsam unter der Wucht eines Druckes tcs
Unfällen in seinen Staaten dahin gelangt, dass kaum je vorher schlimmar
Zeiten hereingebrochen; Pest, Theurung, Erdbeben, dazu lange Knes?.
haben dem Reiche solche Wunden geschlagen, dass, wenn man nick:
schnelle und die kräftigsten Gegenmittel anwende, fiir das Ganze dtr
Untergang drohe. Der königliche Schaz sei ganz leer, und man habt
zu Papier seine Zuflucht nehmen müssen, das, in grossen Massen ir
Umlauf gesezt , mehr und mehr allen Werth verloren habe. Cm da
öffentlichen Credit nicht ganz zu untergraben, müsse man mit de
Hinausgabe von Papiergeld innehalten^ und das hinausgegebene iT-
mälig zurückziehen. Der König wisse aus dieser Noth keinen Ao^
weg, als die Kirchengüter. Der Papst möge ihm erlauben, dieselbe:
zu verkaufen, um aus dem Erlöse Papiergeld zurückziehen, und fir
andere dringende Dinge Vorsorge treffen zu können. Aus apostoliscker
Kirchen- Fülle der Gewalt ertheilt der Papst denf Könige die Vollmacbt, f
i;nt ein- ^^^|^ Kircheucrüter zu verkaufen, dass deren Erlös eine jährliche Eis-
gesogen. "^ ' •' ,
nähme von 200.000 Ducatcn in Gold erreichte. Sollen Bischöfe, Obm
von Klöstern und Andere sich vridersezen oder sie reclamiren, so m^
der König nach Belieben sie mit Geld- oder andern Strafen belegcc;
der weltliche Arm könne gegen Alle in Anwendung gebracht werden
welche sich diesem Verkaufe oder den neuen Besizem der ehemalig
Kirchengüter widersezen würden'').
Allein wer hatte denn Spanien in diese Tiefe des El^ids g^
stürzt, wer den Staat an den Band des Bankerotts gebracht, als i^
Königin, Godoy und der Jäger Carl IV.? Wie konnte ein noch »c
colossaler Verkauf von Kirchengütem jenen unersättlichen ScfahüC
ausfüllen, der an dem Marke Spanien's zehrte? Kaum hatte msD die?;;
günstige Antwort von Bom erhalten , als die Regierung aufs Kern
den Papst bestürmte, ihr Kirchengüter zur Verfügung zu steUen; der
Verkauf der früher ihr überlassenen Güter habe sich verzögert, od«
sei unthunlich gewesen, auch reiche derselbe keineswegs hin, „um i»
.0 Deutsche Ausgabe, S. 30— 37.
^) Breve vom 11 Joni 1805 in BuUarii Romani Continuaif t JXL$ P> ^''
bis 324.
Allgemeiner Verfall. ^25
Wanden tu heilen, welche die Unglücksfalle der lezten Zei^ dem
Reiche geschlagen. Alles liege so darnieder, dass es einer gewaltigen
und einer schnellen Hilfe bedürfe, das Papiergeld sei ganz entwertbet, ^lli^'
die SchiffTabrt mit Jndien nnterbrochen, Alles im grössten Elende."
Durch Breve vom 1 :-. December 1806 bewilligte der Papst dem Konige
die liegenden Güter der Kaplaneien in seinem Reiche, soweit sie aus
kirchlichen Mitteln gestiftet worden, oder nnter kirchlicher Auetoritat
stehen, für die Krone einzuziehen, so, dass der Staatsschaz von dem
Erlose dieser Güter in Zukunft drei Procent an die bisherigen Nuz-
niesser jährlich zu bezahlen habe. Den Ertrag aus den eingezogenen
Gutern der Kaplaneien sollte der König zu frommen Zwecken und
zur Abhilfe der Nothstände des Reiches verwenden '). Hätte die
Wirthschaft Godoy's noch länger gedauert, so hätte sie schon damals
alle Kirchengüter verschlungen. Der Bund mit Napoleon gegen Eng-
land brachte immense Nachtheile, und keinen einzigen Vortheil. Er
machte das Land zur Annectirung an Frankreich reif, und er hatte
den Abfall der Colonieen in Amerika in seinem Gefolge. Die spanisch-
franzosische Flotte war bei Trafalgar vernichtet worden; der ganze
Atlantische Ocean in der Hand der Engländer«
Schon vor dem Jahre Vid-y hatte die Königin, als sie erfahren, ^*f P'
dass die Mercedarier grosse Summen Geldes für den Loskauf von nimmt
Christensklaven in Madrid deponirt hätten, diese Summen in mehreren ^^^^*
Wagen nach Hofe bringen lassen, unter der Firma eines Anlehens
und Versprechen von Vergütung. Der Orden und andere Leute
schwiegen, oder raunten sich die Sache in's Ohr. Mehrere Mönche
hatten die Wirthschaft bei Hofe mit dem wahren Namen bezeichnet.
Sic wurden nnvermuthet arretirt, escortirt, und mussten im Kerker
büssen*).
Am 24. November 1803 erhob der Papst Santiago de Cuba und
Venezuela zu Erzbisthümem, weil die Insel S. Domingo von Spanien
in Frankreich gekommen war*).
Die Völker sind in der Hand Gottes, der sie heimsucht und zuch-
igt, nm sie zu heilen. Manches Unglück, das sie trifit, trägt den Keim
Ics Glückes und besseren Zeiten in sich. Die Unterwerfung Spanien's
lurch die Mauren im Jahre 712 erwies sich im Laufe der Jahr-
lunderte als Glück und Gnade. Die spanische Nationalität ist in
lern sieben Jahrhunderte dauernden Kampfe herangewachsen und
Tstarkt. Spanien wurde durch den Ein£Eill der Franzosen im Jahre
.808 von jener elendesten Regierung erlöst, unter der das Land und
') BvU. Rom. Cont., t XIU, p. 74-- 78.
') Neueste Weltknnde von Posselt, 13 - 16 Jan. 1798.
*) Btiüar. R. Omi. XU, Born, 1847, p. 96-99.
426 Vierzehntes Bach. Viertes Kapitel. AUgemelner VeriUl.
Volk 20 Jahre lang dahingesiecht war, und die es nicht abschötteb
konnte. Aber gegen die Franzosen stand das Volk auf wie ein Msdb.
Ohne die Engländer hätte es nicht obgesiegt; aber anch die Eng.
länder ohne die Spanier nicht. Sicher ist, dass die Spanier die enta
waren, welche über den anbesiegbaren Napoleon die ersten Siege «r-
fochten, welche zuerst zeigten, dass, „wenn das Volk aoiiteiit,*
wie ein Mann, die schlagfertigsten nnd schlachtgewandteaten Heo« &
„Schlacht verlieren^^ können.
Fünftes Kapitel.
Vom Jahre 1808 bis rar Ctegenwart.
§. 1.
König Carl IV. verzichtete zd Bayonne, wohin er von Napoleon
sich hatte locken lassen^ auf sein Königreich. Zuerst wurde Ferdinand
gezwungen, zu Gunsten seines Vaters zu resigniren — 6. Mai 1808,
— dann trat der Vater sein Reich und Volk an Napoleon ab. „Der
Nachkomme Ludwig's XIV., der Sohn CarPs IIL, überlieferte ans Blass
gegen seinen Sohn — seinen Thron ^ seine Volker, die Ehre seines
Hauses, die Freiheit seiner Kinder dem Manne, der den iezten Conde
(Bourbon) hatte erschiessen lassen. Ewige Schmach anf so viel Feig-
heit und Ehrlosigkeit«' ^).
Carl IV. liess seinen Sohn nicht zu Worte kommen, überhäufte
ihn mit Schimpfworten, schrie, dass Ferdinand ihn habe ermorden
wollen, und erhob sich, um seinen Sohn körperlich zu züchtigen. Wie
eine rasende Furie unterbrach ihn plozlich Ferdinand's Mutter, warf
ihm ihre Entthronung vor, und forderte von Napleon, dass er ihren ^'*
Sohn auf das Schaffet bringen lasse. Selbst Napoleon zitterte vor bonen'
dieser Mutter. „Welches Weib" rief er nachher, „welche Mutter, sie ^•»'•*-
hat meinen Abschen erregt, sie hat mich mit Mitleid für Ferdinand gpaoira.
erfüllt." — Diess Mitleid aber hinderte ihn nicht, Ferdinand als
Staatsgefangenen zu verwahren, und Besiz von Spanien zu ergreifen.
*) Also der Franzose Ltfebwre^ Gesehichte der Cabinete Europa*8 während des
CoDsBlats and des Kaiserthnma, 1800 — 1816, 8 Bde., Leipzig, 1847, 8. 421—4^9.
M^okes bistoriqaes snr la revolntion d'Espagne, par abM de Pradt, Paris, 1816,
p. 406 -- de Pradt, dannd» Biaehof von Poitien, war von Napoleon so dem Con-
grease in Bayonne ttitgenommen worden. — BaumgarUn, Gesehlohte Bpaaien's
(von 1789-1837), Band I, Leipiig, 1866, 8. 181 -- 219.
428 Vierzehntes Buch. Fttnftea Kapitel.
Ferdinand erhielt als Jahresgehalt eine Million Franken. Sein Vater
wurde in Compiigne confinirt. Josef Napoleon wnrde als Konig tob
Neapel nach Spanien gesendet. Am 12. Jnli 1808 zog er in Madrid
joaef eiij, j^Q diesem Tage schrieb er an Napolen: „Niemand hat bis jezt
leon, Enrer Majestät die ganze Wahrheit gesagt. Es ist Thatsache, datf
Köaig ^gjij einziger Spanier isich für mich aosspricht.^^ Spater schreibt er:
Spanien. 9}Ich bin nicht erschreckt über meine Lage, aber sie ist einzig in der
Geschichte; denn ich habe hier nicht einen einzigen Anhänger*'*). —
Später schrieb er, dass 2000 Bedienstete auf einmal ihn verlassen, troz
der hohen Gehalte, die er ihnen gab. Zwar hatte Napoleon za dem
Canonicus Escoiqoiz, dem Erzieher Ferdinand's, gesagt. „Glauben Sie
mir, die Länder, wo viele Mouche sind, sind leicht zu unterjochen.
Ich weiss das aus Erfahrung"*). Umsonst befahl Napoleon die Auf-
hebung eines Dritttheils aller Kloster, die Aufhebung des Tribunals de:
Inquisition. Umsonst hob Josef Napoleon später durch ein Decrei
« vom Jahre 1809 mit einem Schlage alle regulären und Mendikanten-
klöster, alle Bruderschaften vom dritten Orden auf, confisoiite ihre
Güter, verbannte und confinirte die Mönche.
Von dem ganzen Klerus untei*warf sich nur der Cardinal Bourboi)
von Toledo durch einen sehr unterthänigen Brief vom 22. Mai 180^«
worin er Napoleon „die Huldigung seiner Liebe, seiner Treae uod
seiner Ehrerbietung zu Füssen legt, und bittet: „Geruhen Eure kaiser-
liehe Majestät mich als Ihren getreuesten Unterthanen anzusehen, ood
mich Ihre souveräne Willensmeinung wissen zu lassen, um m^e ben-
liehe und eifrige Unterwürfigkeit auf die Probe zu stellen« Sire, vi
den Füssen Eurer Majestät deren treuester Unterthan Ludwig tos
Bourbon, Cardinal, Erzbischof von Toledo"*). — Neben diesem ud-
ebenbnrtigen Bourbon war es noch AnU UorefUe der im Gefolge
Joseph Napoleon's seinen Einzug in Spanien hielt Die übrigen Kschöft,
der ganze Welt- und Regulär- Klerus stand auf der Seite des spani-
schen Volkes«
§. 2.
DteSpA- Ganz Spanien erhob sich gegen die Fremdherrschaft. Seit des
"*"j^*"24. September 1810 fährte die Junta von Sevilla, später to
■leb. Cadix, das Staatsruder im Namen Ferdinand's VIL Die Mdirlieit
der Mitglieder der Junta war aber radikal. Man richtete vA
0 Mteoires et Correspondaooe poUtique et mililaire da Boi Josapb etc.
Paris, 1858 -- 1851, t IV, (Allg. Ztg. vom 20. Januar 1854).
*) Storia della rivoloz. di Spagaa, trad. dsl' Ingl., Pisa 1817.
•) Allg. Ztg. V. 27. JaDi 1808.
Die Cortes zn Ciidiz. Die Zeit von 1814 -- 1820. 429
Bach der Masterverfassung Frankreicli's vom Jahre 1789 — 1793, nahm
das Einkammersystem an, und machte den König zn einer politischen
NolL Spanien hatte keinen Sinn nnd kein Oedächtniss mehr für seine
eigene grosse Vergangenheit. Das Franzosenthnm herrschte über die
Geister, ob anch die Franzosen selbst zam Tode gehasst waren. Troz-
dem erklärten die zn Cadix versammelten Cortes die katholische Religion
als die allein in Spanien herrschende nnd einzig znr Aasnbnng be-
rechtigte. Ja — diese Cortes stellten Spanien sogar anter den Schnz
der heiligen Theresia. Sie hoben femer die Inquisition auf, nnd be-
schlossen die allmälige Verminderung der Kloster beider Geschlechter,
wollten alle Güter der „todten Hand'^ einziehen, nnd dem E^erus nur y^rfM-
so viel lassen, als zur Bestreitung der Cultkosten, nach ihrer Meinung "»^ ▼•
genügend wäre; Am 19* März 1812 wurde die Verfassung verkündigt, [^^^^
im September 1813 losten sich die Cortes auf^).
Spanien hätte aber, ohne die Englander nnd ohne Wellington^ wei-
das Joch Napoleon's wohl nicht abgeschüttelt^ wenigstens viel später, '°^°*
als es geschah«
Ferdinand Vil. wurde ans seiner Gefiingenschaft von sechs Jahren
befreit. Er gieng gebrochen und zermalmt von dem Angesichte Napoleon^s
hinweg, um nie mehr zu erstarken.
§. 3.
Am 14. Mai 1814 zog Ferdinand als Konig wieder ein in Madrid.
In den Jahren 1814 — 1820 wurden unglückliche und ohnmächtige
Versuche gemacht, um den Staat und die Kirche zu restauriren. Mit
endlosen Ministerwechseln wurde das Land bescheert; von 18H — 1819
folgten sich 25 Ministervariationen. Das Land seufzte unter der auf
ihm liegenden Schuldenlast. Die Männer der rettenden That liessen
sich nicht finden. Die ohnedem beraubte und ausgezogene Kirche
Spanien's wurde mit endlosen Ansuchen bestürmt, der Finanznoth des
Landes abzuhelfen. — Maassregeln der Strenge und der Schwäche
wechselten mit einander ab'). Der Verfall war ein allgemeiner. Das
im Innern angesammelte Gift brach hervor in der Revolution vom
L Januar 18^20. Kiego erhob die Fahne der Empörung in Cadix. Er ^^^bo.
und die übrigen Soldaten wollten nicht nach Amerika gebracht werden, ^^^ ^
sondern sie wollten in Spanien nach ihrem Geschmacke leben. Ob Reao-
darüber Südamerika für Spanien verloren gieng, kümmerte sie blut- ^^^[^^
wenig. Sie riefen: „die Constitution oder der Tod^', und ihre ganze laeo, u.
') Die Ck)ii8titation des Jahres 1812 steht in „Allg. Ztg.* v. l'«20, Nr. 45 flg.
der Bellagen. — Herrn. Baumgarten, I, S. 500—577.
') H. BaumgarUn, £d. II, 1868, S. l--33i.
430 Vienehntea Boch. Ffinftes Kapitel.
der &8- Thätigkeit bestand im Schreien, Rauben ond If orden. Die Kevolotioik
1820 bh zeigte alsbald ihren kirchenfeindlichen Charakter« Schon am 9. Min
1829. ^arde die Inquisition wieder aufgehoben. Konig Ferdinand mosste
einen neuen freisinnigen Beichtvater sich gefidlen lassen; denn „Ge-
wissensfreiheit^^ sollte ja herrschen« Der Zehent wnrde au%ehoben;
den Mönchen alles Unterrichten Tcrboten. Die ELirchengfiter wnrda
▼erkauft und yerschleudert, die Priester in grossen Massen als Ver-
gchworer gefangen gesezt.
Nachdem der bereits willenlose Eonig das Decret der Unter-
drückung aller Kloster unterschrieben, wurde es am 27. October n
Madrid unter grossem Volkszulaufe ausgerufen. Eb wurde Terboto,
irgend ein klösterliches Gelübde abzulegen, oder vollends irgend m
Kloster zu gründen. Als der Erzbischof von Valencia gegen das
Decret protestirte, so wurde sein Haus umringt. Kaum konnte er rar
See entfliehen. . Der Bischof von Cadix entfloh nach Medina. — Bald
musste Ferdinand wieder einen andern Beichtvater annehmen, da der
vorige nicht zuverlässig genug war. Der neue Beichtvater vrar ein Ex*
Mönch, der die Aufhebung der EÜoster ganz in der Ordnung gefunden^.
Alles schwärmte jezt für die „Gonstitution^% als für das un£dil-
bare Heilmittel gegen alle Leiden Spanien*8, aber nicht für die ahn
Fpero's und Cortes Spanien's')^ sondern für die Constitution nach dan
Zuschnitte der franzosischen Bevolution, deren gewaltthatige Natur deo
DieSpa- d^imaligen Herrschern in Spanien besonders zusagte. Diese „Coosb-
gefaiieii tution*^ tröstctc für den Verlust eines halben Welttheils in der neneo
\^. Welt Jede Stadt und jedes Staddem wollte ihre „Plaza de la Coosti-
geab6it.tnzione^* haben.
Schon waren dnrch die Behörden eine Anzahl von Priestern uote
den scheinbaren Formen der Justiz zum Tode verurtheilt worden, als
der blutdürstige Pöbel selbst als Richter sich aufwarf. Der Erzdiaeos
Mathias Vinuesa von Tarazona, einer der verdientesten PHester da
Landes, wurde am 29. Januar 1821 als Feind der Ver&ssung
unter den Insulten des Pöbels durch die Strassen von Madrid ge-
schleppt. Der Gerichtshof verurtheilte ihn am 8. Mai zu 10 Jahmi
Gefangenschaft in Afrika. Diese Milde empörte den Pobd; er bracb
in das Gefangniss ein und ermordete den Vinuesa auf die grausamste
Weise; sein Leichnam wurde namenlos misshandelt und entehrt*).
*) Es war der Benediktiaer Veiemimd Alias Tejeiro.
^ Einftltig dem Worthrate nach, aber dorehaoa wahr dem Shine iia^ aad
die Worte, welche Kaiser Franz I. in dieser Zeit zu den Ungarn sprach: Tot»
mnndas stoltizat, et novas valt habere oonstHationea, vos habetia unam.
*) Das «Leben* des Vinneaa, (naeh Oradon fAnebre qne en las «zeqv«
eelebradaa el 92. Jnlio 1893 pronnncio el Dr. Eduardo Jo$i B^drigitm OaroMi itokt
Conflikt mit Bom. 4dl
§. 4.
Im Jahre 1821 brach aach der Conflikt zwischen Rom und Sjpa-
ien ans« Am 28. März theilten die Cortes dem Nantias mit, die
K^iten haben sich geändert, die Geseze über die Säcularisation der
loDche müssten befolgt werden, und die Bischöfe seien die natür-
ichen Kichter in diesem Geschäfte. Am 14. April wurden alle Geld-
endungen nach Rom wegen Dispensen u. a. verboten, doch wiesen sie
:em Papst ein freiwilliges Geschenk von 10.000 Realen an, um zu
lern Glänze desselben beizutragen, d. i., sie wollten dem Papste einen
'usstritt geben. — In drei Tagen sollten alle Bischöfe Hirtenbriefe ^^""^^
rlassen, um das Volk zum Gehorsam gegen die Constitution zu er- uvm.
lahnen, diese Hirtenbriefe aber an die Cortes einsenden. In vielen
itädten wurden grosse Massen von Priestern eingesperrt oder fort-
;ejagt. Wer einen Priester, der gegen die Constitution gepredigt, ein-
iefem wurde^ sollte 1500 Realen Lohn erhalten. Die geistlichen Zehenten
wurden um die Hälfte herabgesezt, wogegen der Klerus 30 Millionen
lealen jährlich zahlen sollte. Im Juni 1821 waren von 1700 Klöstern
chon 800 aufgehoben; man zählte aber noch 19.000 Mönche. Sie
Dussten sehen, wie sie vor dem Hungertode sich schüzten. Nach
indem Angaben blieben nicht einmal 14 Erlöster im Lande bestehen,
— Das Kapitel von Santiago erklärte, es werde demnächst die Kathedrale
ichliessen müssen, weil es an Mitteln zum Ankaufe von Hostien fehle.
Die ernannten, aber noch nicht bestätigten Bischöfe sollten vor-
erst als jiGobemadoren^ die Bisthümer verwalten. Die Regierung
voUte, wie einst Napoleon L, die Bischöfe durch die „Metropoliten'^
>cstätigen lassen, und ^ich völlig von Rom lossagen.
Aus dem ganzen Lande wurde der König mit Adressen über-
chüttet, und ihm die Guillotine Ludwig's XVI. in Aussicht gestellt.
Sr erklärte, dass er, mit den Waffen in der Hand, den Tod an der
>pize seiner Garden, erwarte. Die am 1. März 1822 eröffneten Cortes Perdi-
raren so radikal, dass sie den berüchtigten Don Riego zum Präsidenten ^^^
^wählten. — Die Feiertage wurden aufgehoben. Den Priestern undLeboDi>
ilönchen in ganz Spanien wurde verboten, ihre Wohnungen zu ver- '*^^'^'
aasen. Am 7. Jali 1822 kam es zum Kampfe zwischen dem Heere
ind der Garde. Diese unterlag und wurde aufgerieben. Die Ge-
andten der Mächte erklärten nun, dass sie das ACnisterium und ganz
Spanien verantwortlich machten für jede Misshandlung des Königs
m Bemh. Wagner: Biographieen donkwürd. Priester und PrSlaten, welohe in
iosereiii Jahrhunderte gestorben sind, 1846, p. 428^437 (Allg. Ztg. vom K nnd
19. UtA 1^2!).
482 Vierzehntes Bneh. Fünftes Kspitel.
and seiner Familie, deren Leben bedroht war. Der Eonig wir ein
Gefangener in Mitten seines Volkes« Er mnsste Alles thon, nnd Hat
Alles, was seine Feinde wollten«
Im September 1822 wurde der radikale Canonicns J. Lorenz
ViUanueva zum Gesandten in Bom ernannt« Da er als Mitglied in
Gortes gegen die Eircbe gesprochen nnd gewirkt nnd a. a. beantragt hatte,
den Papst und die Bischöfe abzuschaffen, weil sie in der UrkiitLe
nicht gefunden würden, so konnte er in Rom nicht angenommen werden
Dennoch reiste ViUanueva ab, und gelangte am 13. November lif2
nach Turin, wo man ihm mittheilte, dass der Papst ihn nicht u-
nehmen kOnne^). Auf die Erklärung der spanischen Regierung, d^
auch sie den papstlichen Nuntius ausweisen werde, antwortete Cardkai
üonsalvi am 3. Januar 1823 sehr ausführlich. Die Regierung über-
sandte am 22. Januar dem Nuntius Giustiniani seine Passe, der nan
einem Proteste am 28. Januar Madrid verliess*).
Die Regierung hob nun auch die andere Hälfte der geistlicLea
Zehent auf, weil ja doch „Niemand mehr denselben entridite.^ Zz
Sehr«. d^Q 30 Millionen der gewohnlichen ordentlichen Steuer sollte difir
ReToia- der EJerus den Cortes« 20 Millionen ausserordentliche Steuer entrichten.
tfoD. Schon wurden auch die „überflüssigen^^ Kirchenschäze eingezogen.
Im Anfang des Jahres 1823 waren neun Bischöfe vertrieben, xli.
Raphael Velez, damals Bischof von Ceuta, dessen berühmte Schrift:
„Apologie des Altars nnd des Throns" — (1818) die neue Regiems;
verboten hatte. Schaaren von Priestern flohen nach FrankreicL Dtr
75 Jahre alte Franciscaner, Raimund Strauch , Bischof von Vieh,
schmachtete lange in den Gefängnissen von Barcelona und Madnl
wurde vor Gericht gestellt^ aber im April 1823 freigesprochen. M.:
zwei Priestern erhielt er Pässe nach Tarragona. Er wurde aber z3
Ordalt bei Barcelona angehalten, zeigte dem Commandanten dasell::
seinen Pass; dieser las ihn, und todtete den Bischof durch eiod;
Pistolenschnss ; ebenso die zwei ihn begleitenden Priester. — In Barcc*
lona wurden beständig Mönche und Priester erschossen,
omrdinai Der Cardinal Luis von Bourbon war im Jahre 1808 ,^ de
^^^" Füssen Napoleon's I. erstorben", hatte die Revolution von 18lO— ISli
1683. mitgemacht, und am 19. März 1812 als Präsident der Regentschaft ok
radikale Verfassung von Cadix verkündigt, war in den Jahren 161«
bis 1820 aus dem politischen Leben verschwunden , und leistete i^^
der neuen aus der Revolution von 18£0 hervorgegangenen Regierosg
*) Er achrieb seinerseits: Despedida de Roma (Abschied von Bom).
*) Siehe die Aktenstücke in dem „Diario romano* vom 22. Febnur 1^
damua in der AUg. Ztg., nr. 41—49 der „Beilagen*, nnd im Aaaza^ in KAikä
von 1823, Bd. 8. Heft 4, S. XI -XIV.
1
Blutige Revolntion; Ende derselben. 433
seine gehorsamsten Dienste. Sein Benehmen bei der Vertreibung des
päpstlichen Nuntius im Januar 1823 gefiel mehr in Madrid, als in
Korn. Er erlebte nicht mehr den Sturz der Regierung, die er mit
allen Kräften hatte bauen helfen. Nach langer Krankheit starb er, erst
45 Jahre, am 19. März 1823.
Kaum hatten sich seine Augen geschlossen, als der rettende Engel nie
heranzog, der Spanien von der Gewalt dieser revolutionären Bande g™*^
befreite. Dieser rettende Engel war der Prinz von Angouleme, der Retter
mit einem franzosischen Heere am 7. April die Grenze überschritt,
ond^ ohne Widerstand zu finden, Madrid am 24. Mai besezte. Vier
Tage vorher hatten die Cortes den König mit sich nach Sevilla ge-
schleppt. Sie suspendirten ihn, aber sezten eine Regentschaft ein,
schleppten ihn am 14. Juni auf ihrer weitem Flucht mit sich nach
Cadix, (in die Stadt, wo die spanischen Revolutionen gewohnlich an-
fangen oder verenden), und hoben dann die Suspension wieder auf.
Als die Franzosen schon vor Cadix standen, lieferten sie ihnen den
Konig aus. Tausendmal hatten die Cortes beschlossen und geschworen:
Siegen oder sterben, die Constitution oder der Tod. Als sie aber
dicht siegten, beschlossen sie, auch nicht zu sterben. Sie bestiegen
die rettenden Schiffe, und wollten ihr Leben für bessere Zeiten dem
Vaterlande salviren.
§. 5.
Am 26« Mai hatte sich zu Madrid eine „Regentschaft^' gebildet, ^'®
ivelche n. a. Wiederherstellung der Klöster und der Jesuiten heschloss. gent-
Perdinand VII. erklärte alle Akte der sogenannten constitutionellen '®^*^
Regierung vom 7. März 1820 bis I. October 1823 für ungiltig. —
4m 6. October verordnete ein königliches Dekret, es sollen Missionen
gehalten werden, um die irrigen, verderblichen und kezeriscben Lehren
m besiegen. Siehe da! Schon will die Regierung wieder thnn, was
dlein Sache der Bischöfe ist, und was die Bischöfe sich nicht entwinden
assen dürfen. — Die Mönche und Priester, welche an den Wagen
1er Revolution sich angespannt hatten, sollten in Klöstern der strengsten
Observanz büssen. Wer durch die Flucht sich retten konnte, rettete
üch, wohl die Meisten nach England.
Unter denen, welche den Staub Spanien's von ihren Füssen d^
schüttelten, waren die beiden Brüder Villanueva. Joaquin Lorenzo yma-'
Villanneva wurde im Jahre 1757 zu Jativä geboren. Er wurde Hof- nueva.
orediger, Beichtvater an der Hofkapelle, und Canonicus von Cuenca.
Als die Revolntion von 1808 ausbrach, so erklärte er sich sogleich für
iieselbe. Von Valencia wurde er als Depntirter zu den ausserorden^-
.iebcn Cortes des Jahres 1810 , sowie zum Suppleanten für die des
Oamtf «PAP* Klrchf. III« 9. 28
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^ I
434 Vierzehntes Buch. FQnftcs Kapitel.
Jahres 1813 gewählt. Er wurde nach Fcrdinand's Rückkehr imJabr^
1814 in das Kloster la Saiceda verwiesen'), im Jahre 1820 wiedir
entlassen. Wieder wnrde er in die Cortes von 1820 gewählt« Er
hatte längst die Grenze iiberschritten, die den Kegalisteo von Aui
Jansenisten scheidet, und war ein erbitterter Kirchenfcind grwunltn.
^°^' Schon im Jahre 1791 hatte er seine Schrift: „Von dem Lesen der li*i
ligen Schrift in den neuern Sprachen^' (de la Leccion de ia Sagiac.
OTA.
Bscritura en lenguas vulgares) herausgegeben*). Er galt unbestriitA
als Verfasser der giftigen „Briefe" unter dem Namen des D. fit^p
Lleal (1820), welche ein Hauptgrund seiner Zurfickweisong in K«»ii
waren. Das Motto, das er diesem Werke voranstellte, war eine rr-
stünimelte Stelle aus einer Decretale des Papstes Gelasius'). — Es T<r-
räth wenig Muth, dass er diese Schrift pseudonym herausgab zu ci&tr
Zeit, wo seine Richtung in Spanien unbedingt herrschte. — Nach iir:
Restauration des Jahres 1823 floh er mit seinem Bruder nach Engbno.
— Bald darauf Hess er eine ausführliche Selbstbiographie an dasLnl.
treten, in der er sich selbst reichlich Weihrauch streut*).
* Das Werk des Jaime Villanueva, „Viage literario," kam in du\
verschiedenen Zeitabschnitten heraus. Es zeichnet sich, wie die .X*-
paüa sagrada'^, durch solide Forschungen, besonders durch Hittk-il'/:
einer Anzahl interessanter, völlig unbekannter Documentc ans*). I'«'
erste Band „literarische Reise zu den Kirchen Spanien's"*), erKlüa
unter dem Namen des Joaquin Villanueva, der seinen jungem Km^»''
eva a. 8. gleichsam unter seine Flügel genommen und ihn diese „literaris i'
^litera- J^eise" hatte machen lassen. Das Werk besteht , ausser den 1)"^ -
rffltlie
Kel9o^ menten, nur aus Briefen Jatme's „an seinen geliebten Bruder.^' b'
') Cartas sobre los apantes publicados por J, L, Villanueva^ reUdn^ •
arresto de varios voc«aIc8 de Cortes, ojecntado cd inayo de It^li^ Madrid, l''.''
(v. Ant. AlccUa Oalianof).
') Valencia, 1791, fol. — Dazu crechicn: Afio chriatUno de Espaoa, Mj<L->.
1791—1803, 19 vol. in 8*.
') Cartas de D. Roque Leal 4 nn amigo suyo sobre la representieit« •
Arzobispo de Valencia ä las Cortes, fecha & 20 de Octobre de IHVO (gegeo die A
hebung der Orden), Madrid, ls30.
*) Villüfiuevaf Jo, Ijor.^ Vida literaria, o memoria de sos cscritos y de
opiniones cclcsiilsticas, y poHticas, y de aignnos siicedos notables de so tin;
con un apendice de documentos relatives a la historia dcl concilio de Trinf«*. •
crita per el miemo, London, 1825 — 2 vol. Später gab er in Dablin, «ro er a
(1837) starb, heraus: „Ibernia Phoenicea, sen Pboenicnm in Hibemia inc«>bn*
Dablin, 1821 (Po<^sias escogidas, London. 1833).
•) Zum Lobe Villanueva's sagte mir Archivar Bofarull in ßartek>Di: Vr
einmal Villanueva in einem Archive gearbeitet hat, so darf ein anderer nicfet^?'
hoffen, etwas Nones zu entdecken.
•) Viage literario h las iglesias de Espiifia: le publica con .ifguM^
vaciones Don Joaquin I^renzo Villanueva, Madrid, IfcOi.
„Vinge liternrio" des J. Villanneva. 435
I, Band erschien zu Madrid im Jahre iS^:?. Er handelt über das alte
ßisthum Saetabis (San Felipe), und das Erzbisthnni Valencia mit einem
Behr lüükeu- und skizzenhaften Verzeichnisse der Erzbischöfo, und sehr
interessanten Untersuchungen über die Liturgie und verschiedene Fest-
lichkeiten in Valencia. Das II. Bändchen, Madrid, 1804, (denn
alle 22 Bde. sind nur Bändchen) handelt weiter von den Festen und
Proocssionen in Valencia, von einigen kostbaren Reliquien, enthält
Notizen über die gelehrten Schulen Valencia's seit seiner Wiederer-
obeinng, Notizen über kostbare Manuscripte und anderes sehr In-
teressante.
Der III. und IV. Band erschien zu Madrid in den Jahren
1804 und 1806. Jener handelt über das Bisttium Segorbe, und giebt
sinen ausführlichen Catalog über die Biscliöfe von Segorbe, spricht
i'iber die dortigen Synoden, theilt alte unbekannte Inschriften mit, han-
Jelt von dem „Wunder" *) der Taufquellen von Ossen, und von dem o««««
iterarischeu Leben des gelehrten Bischofs Juan Bapt. Perez, (1591 —
\ 8. November 1597), der zu einer Zeit durch gesunde und nüchterne
iistorische Kritik sich auszeichnete, in welcher die „falschen Chroniken"
jas Licht der Welt erblickten und fast zwei Jahrhunderte die Ge-
schichte Spanien's in Verwirrung brachten. Band IV bandelt von
verschiedenen Klöstern und Oertlichkeiten der Bisthümer Segorve,
Kativa (= Saetabis) und des Erzbisthums Valencia.
Der V. Band, Madrid, 1806, handelt von dem Bisthum Tor- Tortoia.
:osa seit seiner Wiederherstellung im Jahre ll5i. Am Schlüsse des
Jatalogs der Bischöfe sagt er: „Wenn keiner von den vielen Forschern
ind arbeitsamen Männern in diesem Kapitel sich die Mühe nehmen
vird, genau den Catalog der Bischöfe dieser Kirche fortzusezen, so
vird eine Zeit kommen, in der man kaum wissen wird, dass einige von
liesen Bischöfen ezistirt haben^'). Wie oft habe ich selbst mit Schmerzen
erfahren ^), dass man gerade über die unmittelbare Vergangenheit der
iisthümer am schwierigsten Nachrichten erhalten kann. Im fünften
iaude befindet sich auch die Bulle vom 22. März 1312 über die Auf-
icbung des Templerordens, welche ich auf Anregung BofarulFs im
^ahre 1865 nach einer Veiborgenheit von GO Jahren aus der „literari-
clien Reise" hervorgezogen habe*), wie lief de im Jahre 1858 und
lelfferich im Jahre 1860 die Ilaeresie der Migetianer aus dem
Heiligen Spanien", in der sie HO Jahre lang zwar gedruckt, aber
') „Milagro'^ im Spanischen bedeutet alles Seltsame, Rätbaelhafte, u. e w.
») V, p. 119.
*) Und erfahre es heate noch in Betreff der Bistlifimer Astorga, Cadix,
anariae, Orense, Osms, Placentia, Ciudad-Real, Urgel etc.
') Bd. III, l, 8. 272-273.
28*
436 Vierzehntes Boch. Fünftes Kapitel.
doch verborgen geblieben war, an das Licht der OeffcntlicLkeit §
zogen hatten^).
Der VI. Band der ^^literarischen Reise*^ erschien zu Valeui
erst im Jahre 1821. Er enthält den Bericht über die im Jahre 1.^
nach Vieh (= Viqae) unternommene „literarische Reise^ Jaimt Y'u
ntieva's, unter dessen Namen erst dieser sechste Band erschien. S
Bruder Joaquin war in den Jahren 1821 — 1823 damit beschäfitigt, (
revolutionären spanischen Staats wagen in den Abgrund fuhren zo hell
j. viiiA- Band VII erschien im gleichen Jahre zu Valencia nnd handch glti<
Porach- falls vom Bisthume Vieh. Band VIII, Valencia 1821, beschreibt
uDgen. Reise zu den Kirchen von Vique und Solsona — Jahr 1806 undl'
Der IX. Band, Valencia, 1821, beschreibt die Reise nach Sok
Ager und Urgd. Der X. Band, 1821, giebt den Catalog derBisoL
von Urgel bis zum Jahre 1075. Im Anhange findet man den [
gehegten und erst 1859) ausgeführten Plan zu einer Gesammtansgn
der Concilien von Tarraco.
Unter- j^^t trat eine neue Unterbrechung in der Herausgabe di«
nng von Werkes von 1821 bis 1850 ein. „Die politischen Umstände" zwar;
*^*— im Jahre 1823 den gelehrten Verfasser zur Flucht. Er übergab.
die Entwürfe^) für die noch übrigen J3ände dem gleichfalls aos ^
Orden des heiligen Dominions getretenen Ignat H&rrero, der sti:
Zeit mit ihm die Kirchen und die Archive besucht und dnrck i
hatte; Jaime Villanueva starb zu London schon am 14. Noven'
1824. Herrero aber bewahrte seine Manuscripte auf — zur Verfaß
der Regierung, mit deren Hilfe und Unterstüzung VtUanuecü sä
,ßeise" ausgeführt hatte. Wie die „Akademie der Geschichte'' i
der Regierung den Auftrag erhielt, die „Espaüa sagrada^' der AogQSii|
Dms fortzusezen , ebenso erhielt sie den Auftrag , „die literarische m
J|.' Villanueva'a fortzuführen. Mit Hilfe einer kleinen ihm bewill|
«cheint Pension ordnete und schrieb Herrero die noch übrigen Band«!
weiter
1850
_ Reine. Mitten in dieser Arbeit traf ihn der Tod am 1. Januar
1852. und seine Erben übergaben alle seine Papiere der Akademie. M
Lopez Santaella, General- Commissär der Cruzada, gab die ootl
digen Gelder für die Herausgabe der noch übrigen Bände. So
die „Academia", (ohne einen speciellen Namen eines Herausg<
im Jahre 1850 zu Madrid den XI. Band an das Licht, der die
nach Urgel enthält. Der Catalog der Bischöfe wird fortgesczt,
es ist auffallend nnd schmerzlich zu sehen, wie Villanneva das Ts
jähr von drei Bischofen, die von 1763 — 1 797 regierten, inUrgd*
') Kirchengcschiclite, II, 2, S. 2^4.
*) Borradores = nicht zum Drarko fertige Handschrift.
„Viage literario" des Villanueva. 437
nicht erfahren konnte*). Der XII. Band hat den Titel: Reise nach
ürgel und Gerona. Der XIII. und XIV. Band handelt ausschliesslich
vom Bisthnmc Gerona. Der XV. Band, Madrid, 1851, handelt von
Gerona und Koda; Band XVI von Lerida, wohin das Bisthum von Koda
Überträgen wurde. Der folgende Band fuhrt uns von Lerida nach
Barcelona. Der XVIII. Band handelt nur von Barcelona. Der XIX.
und XX. Band behandelt die Geschichte des Erzbisthums Tarragona. Die
zwei K'zteu Bände, (Band XXI erschien 1851, Band XXII erschien 1852)
handeln von dem Bisthum Mallorca oder Palma.. Die Briefe tragen
ülle den alten Eingang: „Mein geliebter Bruder'^, wir erfahren aber
nur seltener, wann sie an den „geliebten Bruder" geschrieben worden
sind. Wir erfahren, dass Villanueva mit dem Bischöfe Bern. Nadal
Y Crespi (1795 — f 12. December 1818) nach dem Schlüsse der
Uortes von Cadix am Ende des Jahres 1813 von Cadix nach Palma
fuhr, und dass die Schiffiahrt 73 Tage dauerte'). Der betreffende
Brief ist aus Palma den 1:6. März lfi\4 datirt. Die folgenden bis
sum lezten und 154. Briefe schliessen nur mit: A Dios; Palma etc.
Nr. 14 der „Apendices" enthält einen, bisher sicher unbeachteten Brief-
►vechsel zwischen Bern. Boily der hier „Apostolischer Vicar" für Indien
genannt wird, und einem Gelehrten auf Majorca, Arnold. Descos.
§. 6.
Mit den übrigen Vertriebenen kehrten im Jahre 1823 — 1824 auch
lie Jesuiten nach Madrid zurück. Unter ihnen war der berühmte
uiustin Areoalo^ Uerausgeber der „christlichen lateinischen Dichter^*, und
er Werke des Isidor von Sevilla. Nach der Wiederherstellung der Jesuiten
1 Spanien war er im Jahre 1813, troz alles Abmahnens, in seine
[eimath zurückgekehrt. Man wusste nur noch, dass er im Jahre
8lG in Spanien lebte. Die Brüder Backer in ihrem grossen Werke:
Schriftsteller der Gesellschaft Jesu'^, wussten nichts über seine späteren
eit ^). Er musste, wie die andern Jesuiten, vor der Revolution des
•) T. XI, p. 16-4- 163.
') ViUanueoa, XXII, p. 161.
*) Ich erkundigte mich bei Jesuiten in Barcelona und Madrid über ihn; sie
»er erklärten, dass sie auch nichts finden könnten. Kurz nach meiner BÜckkehr
18 Spanien — 28. Mai 1865 — durchblätterte ich eine seit der Restauration Fer-
Dand*B VII. erscheinende religiöse Zeitschrift in Madrid, in welcher ich die Nacliricht
»n dem am 7. Januar 1^21 zu Madrid erfolgten Tode Arevalo's fand. In dem
irzen Nekrologe werden seine uns schon bekannten Schriften angeführt. Es geht
raus hervor, dass in den Jahren 1813—1821 seine schriftstellerische Thätig-
\t ruhte.
438 Vierzehntes Buch. Fünftes Kapitel.
1. JdDuar 1820 fliehen, kehrte am Ende des Jahres 1823 nach Madrid
zurück, und starb nach wenigen Togen am 7. Janaar i8::?4, im Alur
von 77 Jahren.
§. 7.
Samniei- Der (spätcrc) Bischof von Menorca, der Dominikaner Juan Am.
(iTn ^^^ Merinoy gab die „Coleccion Ecclesiastica Elspanola'* heraus, dk
Diaz Sammlung aller päpstlichen Breven, Noten des Nuntius, Emgabeo (kr
Merino, ßig^^-i^öf^ an die Cortes, Hirtenbriefe und Edicte derselben mit anden
V» SS* Dt
Aktenstücken, betreffend die von den Constitutionsmänncm in kini-
liehen Angelegenheiten gemachten Neuerungen, angefangen vom 7. Mari
1820. — Madrid, 1823—1824. Die Sammlung erschien in 14 Bindet,
meist kleinern Umfangs. Aus den Briefen des Papstes an den Cir-
dinal Luis (II.) de Bourbon sieht man, wie wenig derselbe mit de$^.3
nachgiebiger Haltung zufrieden war. Er treibt ihn dringend an, ia^
er durch irgend ein Pastoralschreiben sich gegen die gefährlicbti
Schriften ausspreche; er schreibt ihm wieder, nachdem er erfahreo, ii&
er die Jurisdiction über die Mönche an und über sich genommen, mf
damals nichts anderes bedeutete, als dass er ihnen zu der von d<T
Regierung verlangten Säcularisation verhelfen wolle. Aber Luis Boorbot
fürchtete oder respectirte die Männer, die riefen:» „Die Constituticc
oder der Tod^, viel mehr, als den fernen Papst. Weil die BisdK'k
kein Haupt hatten, so war Jeder für sich gezwungen, in den alli^-
meinen Aiillegen der spanischen Kirche an den Papst sich zn wenden ^;
— Im Zusammenhange mit dieser Sammlung steht: „Coleccion Cx
documeutos, quc manifiestan la conducta del obispo de Urgel, ic--
Bezug auf die von den Cortes in dem zweiten Zeitraum des cosst.'
tutionellen Regiments in kirchlichen Dingen gemachten Nenenmgea."
Madrid, 1823.
Bernard Franz Caballero, der als Bischof von ürgel (1817 k.-
1824) an der Spize der sogenannten „apostolischen Junta von U^gi^
gestanden war, wurde am 27. September 1824 als ErzbiscJwf ^j:
Saragossa bestätigt.
Der Dominikaner J. Merino gab auch die „Biblioteca de ReligioD"^'
heraus, eine Sammlung von Uebersezungen verschiedener Schriften znc«*
aus dem Französischen u. s. w. Der I. und IL, X. und XI. Bar-^
') Eine ausführliche luhaltsangubo der 14 Baodo, leider ofaoe ZiaUfif «i*
siehe in Hidalgo' s „Diccionario general de Bibliografia Espafiola (des ocacsebir
Jahrhunderts), 1W2, I, p. 18*2— 1?6.
') Biblioteca de religiun, ö sea Coleccion de obras contra la incrtdufol»^' .-
errorcs de cstos nlrimoB ticmpos, Madrid, 1826 — 1829, 25 toni.
Die ReBtauration von 18-^3-1829. Neue Bischöfe. 439
euthalten den „Vecsuch des AbbiS de bi „Mennais über die Indiffetenz
in Sachen der Keligion"; Band HI — VI -den philosophischen Kate-
chismus, oder Bemerkungen zur Vertheidigung der katholischen Reli-
gion. Band XXV bandelt über die geheimen Gesellschaften, und
enthält einen „Index'^ über sämmtliche Bände, an denen vielleicht nur
auszusczen ist, dass zu viel Französisches, und zu wenig Spanisches
darin enthalten ist. Denn der Unglaube kam nicht bloss aus Frank-
reich nach Spanien, und die Freimaurer kamen zunächst aus England ').
— Im Jahre 1831 wurde Merino Bischof der kleinen und abgelegenen
Diöcese Menorca. An dem berühmten politisch -religiösen Zeitblatte:
„El Rcstaurador'^ nahm er tbätigen Antheil.
In -der Zeit von 1821— 182Ü erfreute sich die Kirche von Spanien 2«'*^^"
1824—
der viclverheissendsten Bl&th'e, die bald wieder von neuen noeh grössern 1829.
Stürmen zerknickt wurde. Die aus der Verbannung heimkehrenden
Bischöfe predigten überall Mässiguug und Versöhnung. Die ueuge-
wäbltcn Bischöfe waren ausgezeichnete Männer. Am 27. September
iS'24 wurde Peti-us Inguanzo y Ribera Primas von Toledo (geboren l76i
zu Slanes in Asturien). In dem Jahrzehent von 1814 — 1824 war er
Bischof von Zamora gewesen. Die erwähnte „kirchliche Sammlung"
brintrt eine grosse Anzahl von Actenstücken aus den Jahren 1820 bis ^^^
1823 von ihm. Durch seine Thatkrafl und Todesverachtung war er inBiscböf«
diesen Jahren der Verfolgung Haupt fast des gesammten spanischen ^'
Episcopates gewesen* Ihm gebührte darum auch die Ehre, nach der
Verfolgung mit der ersten Würde der Kirche Spanien^s geschmückt ^'*™^_
zu werden. Am 20. Deccijnber 1824 wurde derselbe auch als Car- zo.
dinalpriester ernannt.
Neben ihm und JB. Fr. Caballero von Saragossa wurde in dem
Consistorium vom 27. September auch der Oratorianer Simoii Lopez
von dem Bisthume Orihuela auf das Erzbisthum Valencia befördert.
Er starb schon am 3. September 183!. Am 20. December 1824 wurde
der berühmte und viel verdiente Kapuziner Raphael VeleZy früher Bischof ^**>*
von Genta (1817 — 1824), im Jahre 1824 ernannter Erzbischof von Burgos, veio«,
als Erzbischof von Santiago präconisirt. Er war am 17. October 1775 Kmpua.
im Erzbisthume Granada geboren. Er verfasste die Schrift: „Ver-
wabrungsmittel gegen die Gottlosigkeit''*^), von welcher in den Jahren
1812 — 1813 zwei Ausgaben veranstaltet wurden. Sein berühmteres,
von ihm als Bischof von Genta geschriebenes Werk war: „Apologie
des Altars und des Thrones''^), 1818. Er wollte darin die Religion
yoD 1824
1825.
') Hidalgo, DiccioDario, I, p. 254—256.
*) Preservativo contra la irreligion, por el P. Rafael Velez, Madrid, 1813.
') Apologia dcl Altar y del Trono, 6 historia de las reforinas hechas en
Espaua en tlenipo do las llaroadas Cörtes, ö impugnacion de algunas doctrinaa
440 Vierzehntes Bnch. Füoftcs Kapitel.
gegen die Angriffe vertheidigen, welche sie durch die gottlosen Schriften
der Iczten Zeit erlitten hatte, die gesunde Lehre einprägen, den ans
ihr flicssenden Nuzen zeigen, den Schleier der eitlen Versprechen zer-
reissen, womit die Neueren die Unvorsichtigen verfuhren wollten, er
wollte die so sehr verherrlichte Volks« Souveränität bekämpfen, die
verderblichen Systeme der Constitutionisteni ihre Absichten, ihre Hal-
tung, ihre aufrührerischen Pläne enthüllen, ebenso die verderblichen
Folgen der Constitution, die Identität der leztern mit der „assemblu
nationale^ in Paris, endlicb will er die Einigkeit der Gemüther imd
den Frieden befestigen, welchen uns unser geliebter Souverain (Fertlh
nand VII.) gab. Gegen Angriffe auf sein Werk Hess Vdez zwei
„Anhänge^ erscheinen, Madrid, 1825; die Angriffe rührten von einem
gewissen C Fem. . • und von dem „illustren Collegium der Advocatec
in Madrid" her').
§. 8.
bu^fe ^^^ Erzbischof von Tarragona, Bamucdd Mon y Vdarde (1804
Y.TarraF bis September 1816) verliess wegen der Kriegsschrecken im Jährt
i80i~ '^^^ Tarragona, und zog sich mit den ande;rn Bischofen Catalonien'?
1854. und mit dem grossem Theile seiner Domherrn vor den Franzosen nach
^^^^^ Majorca zurück, wo sie bis zum Ende des Kriegs verweilten. Nacb
seiner Rückkehr war der erzbischofliche Palast so zerfallen, da» a
nicht mehr bewohnt werden konnte. Im Jahre 1815 beschloss er ihn
von Grund aus neu zu bauen, und gab au« seinen Mitteln dazu una
freiwilligen Beitrag von 82.000 Liras catalanischer Münze. Als er im
Jahre 1816 nach Sevilla versezt wurde, so befidbl er, dass das be-
gonnene Werk auf seine Kosten vollendet werde. (Doch starb er in
Sevilla schon am 16. Dccember 1819)').
BergoM ^j^f^ Bergosay Jordan war vom Jahre 1801 bis zum 15. November
dan. 1817 Bischof von Antequera in Mexico gewesen. Erst am 2. Min
1817— ]3|3 ergriff er Besiz von dem Erzbisthume Tarragona. Er bescfaenktt
seine Cathedrale mit reichen Paramenten, wie sein Vorgänger, besoo-
ders für die Pontificalämter, und für die feierliche Procession am Feste
publicadas en la Constttncion, diarios y otroe escritos coDtra la religion y el esti^o,
por D. J^. Rafael de Velez^ del örden de capachinoa, obispo de GeaU, lUdiü
1818 — 2 t. 4« (pp. 4*^0 et 318).
') Ap^ndices a las apologiaa del altar y del trono» lladrid, \b2'). — Hidclgi
1, 115, 129.
*) Ibi tandem gloria decorus die ir». Decembris 1819 vitae aicuDem fdkiicf
consiimiusvlt, sagt sein Nachfolger J. 2>. Costa y Borrds in 8 .Obr»a", V, l^
p. 46.
ErzbiBchöfe von Tarragona. 4*^1
dir Protomartyrin, der heiligen TliecJa. Er starb auf dem Wege in
tin Ueilbad am 18. Juli 1819.
Jacob. G'ßus y Marti stammte aus Matarö bei Barcelona; er war jae.
Canonicus an der Cathedrale von Urgel, als welchen ihn Ferdinand VII. ^^"^
im Jahre 1814 zum Bischöfe von Menorca ernannte; derselbe ernannte
ihn noch im Jahre 1819 zum Erzbischof von Turragona, und er
wurde am 29. Mai 1820^ in liom bestätigt. Als er aber ans Menorca
im Januar 1820 in Barcelona landete, so fand er ganz Spanien in
höchster politischer Aufregung. Er konnte darum erst nach Bewälti-
gung der Revolution von 1820 — 1823 durch die Franzosen — am
1^. November des Jahres )823 Besiz von seinem Erzbisthume ergreifen
Isssen. Erst am 18. April J824 zog er in feierlichem Aufzuge in
Tarragona ein, fünf Jahre nach seiner Ernennung. Es war ihm nur
uoch ein Jahr zu leben beschieden. Es liess Missionen sowohl in
seiner Cathedrale, als in andern Pfarreien halten. Während er seine
Diöcese visitirte, war er nnermüdet in Verkündigung des Wortes
Gottes. Aber schwer erkrankt, musste er seine Visitation unterbrechen.
Er kehrte nach Tarraco zurück, und starb nach fünf Tagen am 13. Sep-
tember 1825.
Ihm folgte Anton. Echanove y Zaldivarj geboren im Jahre 1767,
im Jahre 181V Abt von San Ildefonso, im Jahre 1818 Erzbischof von
Leucosia i. p. Am 25. Juni 182G nahm er Besiz von dem Erzbisthum
Tarragona. Sogleich begann er die Visitation seines ganzen Sprengeis,
und führte sie zweimal durch. Als die Cholera im Jahre 1834 die Stadt
Tarraco heimsuchte, trug er eifrige Sorge für das geistige und leibliche
Wohl der Erkrankten und theilte grosse Summen au die Armen aus.
Nach dem Tode Fcrdinand's VII. suchten ihn die Aufrührer auf, um
ihn zu todten. Kaum entgieng er ihren Verfolgungen. Er entfloh nach
Menorca, von da nach Toulon, lebte eine Zeit lang in Frejus und
Nizza, und gelangte im Jahre 1839 nach Rom, wo er an sechs Jahre
verweilte").
Vor und besonders in den Jahren 1820 — 1823, wo die Liberalen
in Spanien „Constitution oder der Tod^' heulten, rissen sich die spa-
nischen Colonien in Amerika los, und constituirten sich als besondere
— kleinere — Staaten. Noch zu Zeiten Pius* VII. suchten sie Unter-
handlungen mit Rom anzuknüpfen. Um die Kirche in diesen Ländern
*) Im idmischen „Annuario^ und darnach in meiner „Series episcoporum^
heiBSt er „Ferdinand".
•) ^Obras" del arz. Costa y Borras, V, p. 45 — 50.
444 Vierzehntes Buch. Fünftes Kapitel.
schon iu Madrid weilenden Nuntius, zurückzukehren. Die neue Re-
gierung aber zeigte sehr bald, doss Papst Gregor XVI. ihre Plioe
durchschaut hatte.
§. 11. ,
Eioege- Am 22. April 18''^4 verfügte der Justizminister Gardlyy Mitgikd
Tunto* ^^® Ministeriums Martincz de la Rosa, die Errichtung einer aus libenlto
Prälaten und hohen Beamten bestehenden geistlichen Junta, welche die
neue Organisation des Klerus vorbereiten sollte. Auf Grund der Herstel-
lung einer neuen kirchlichen Statistik sollte eine neue kirchliche Eintb^asg
und Dotation des Klerus durchgeführt werden Aber schon am 22. April
1834 verbot die Regierung allen Mönchsklöstern die Annahme tod
Der ]^ovizen. Als im Jahre 1834 die Cholera in Spanien wüthete, so worden
gegen dem Pöbel die Mönche als Vergifter (der Brunnen?) vorgeworfen; de
^ Pöbel ermordete erst einzelne Religiösen, erstürmte dann die Klöster'
' raubte sie aus, und erwürgte, was in seine Hände fiel. 160 Kapuziner
und 18 Jesuiten verloren in Madrid ihr Leben'). Ueber ganz Spanien
ergoss sich die gleiche Wuth. Obrigkeiten oder Gerichte schien e
nicht mehr zu geben; es gab vielmehr blutige Gerichtsferien.
Durch Decret vom 4. Juli 1835 wurden die Jesuiten auigehobeo.
Am 15. Juli wurde die Inquisition aufgehoben, ihre Güter wurden itt
Staatsschuldentilgungscommission zugewiesen. Ein Decret vom 2&. Joi^
Die verordnete die Aufhebung aller Klöster der Mönche, in denen nickt
aofgeho- wenigstens 12 Mitglieder sich befanden, welche die Gelübde abgelegt.
^«° So sollte das Eigen thum von 1848 Klöstern vom Staate eingesackt werdea
1836. Dieses Decret Hess nur die Häuser der frommen Schulen, die Uegular-CW>
nicer und die CoUegien der Missionäre für die Philippinen ausdruckli^
bestehen. Die Mönche der aufgehobenen Klöster sollten sich in die nocl
bestehenden zurückziehen. Die lezten Schläge gegen die Klöster fvbni
der Jude, Fiuanzminister MendizabaL Ein Decret vom 11. October
1835 verfügte wieder die AufhcbuQg vieler Orden und Klöster, der
regulirten Chorherrn von Set Benedict von der Congregation too
Saragossa, der Augustiner und Priimonstratenser, und kündigte die Axti-
hebung aller noch übrigen Klöster an. Dnrch Kegierongsbesdils'
vom 18. Januar 1836 wurden 37 Mönchsklöster in Madrid geschlosKB.
Die Mönche wurden mitten in der Nacht ausgewiesen, und ihrem Elende
preisgegeben. Als die Gläubigen am andern Morgen an die Klo6te^
kirchen kamen, fanden sie Alles geschlossen.
Mittlerweile wüthete der, wenn er gereizt wird, stets nach Blot
') Baumgarten, Geschichte Spanien's (von 1789—1837), in drei Biadei
III. Band, Leipzig, 1871, p. 280.
Greuel in Saragossa ISSii. 445
durstende Pobel Spanien's im ganzen Lande gegen die Mönche, die
Bischöfe nnd den Klerus äberhanpt.
Am 24. Juli 1834 waren die Cortes eröffnet worden. Der Cardinal Cardina
Inguanzo von Toledo trat in diese Cortes nicht ein. Er wurde znlezt '"*"""'
ö ^ ^ ÄO t CO.
in seinem eigenen Palaste confinirt, von dem Verkehre mit der Aussen- junaar
weit ganz abgeschlossen, und er starb daselbst schon am 30. Januar ^^^'
1830, 72 Jahre alt»).
Die Ungestraftheit, deren sich die Madrider Mörder des 17. Juli
1834 eriireuten, reizte zur Nachahmung. Unter dem Vorwande, dass
der Erzbischof B. Fr. Caballero den als liberal geltenden Priestern
ihre Vollmachten entzogen habe, stürmten Pöbelhaufen durch die
Strassen von Zaragoza, unter dem Rufe: Tod dem Erzbischof, und Tod
dem Kapitel! sie ermordeten mit entmenschter Wuth den Canonicns
ilarco, den Bruder des römischen Cardinais (1828 — f 1841) Marco y
Catalan, troz seiner Popularität, und obgleich er für liberal galt; ferner
einen Privatgeistlichen, zwei Mönche in dem Kloster von San Diego,
und einen Franciscanerlaienbruder. Der Buchhändler Pardo, ein durch-
aus friedliebender und harmloser Mann, wurde an der Thüre seines
Hauses ermordet Ein bösartiger Mönch, ein Organist, führte die Meuchel-
mörder in sein eigenes Kloster de la Victoria, wo vier Religiösen in der
Kirche vordemSanctissimum ermordet wurden; ein anderer Mönch wurde
schwer verwundet, sowie zwei andere in dem Kloster San Diego
(3. April 1835). Der Organist von la Victoria, der Militär geworden,
wurde in Unter- Aragon erschossen.
An demselben S.April 1835 schrieb der Generalcapitän dem Erz- Der En.
bischof , „dass wichtige Gründe der Ruhe und Ordnung, worüber er ^*^*'?^
der Regierung Rechenschaft geben werde, ihn zwängen, den Erzbischof leroyer-
zu ersuchen, ohne Verzug nach Barcelona abzureisen**^). Sein Leben ^^"^
war aber in Barcelona nicht weniger gefährdet als in Zaragoza. — Er
blieb bis zum 11. August in Lerida. Als aber eine drohende Volks-
bewegung ausbrach, musste er in das Arranthal fliehen, dessen Gouver-
neur ihn mit sich nach Frankreich nahm. Er wohnte in Toulouse,
Tours, zulezt im grossen Seminar von Bordeaux. Doii starb er in
der Verbannung am 16. December 1843, nachdem er noch eben das
Aufleuchten einer bessern Zeit für Spanien gesehen hatte.
') Parro in s. „Toledo in der Hand^ wirft ihm Ilarte nad Bitterkeit vor,
wahrend er den Luis II. Bonrbon gar sehr erhebt, troz aller „sinsabores* mit seinem
Oheim nnd Souverän. — Pardo^ I, p. 851—852 (Sn instruccion, rellgiosidad, severi-
dad de costnmbres y caridad para coii los pobres, eran notorins, pero sn genio
acre y desabrido trato deslucieron mucho aqnellas brillantes cualidndes. Piiblico
aignnos cscritos muy apreciables).
% Caballero*s Leben in: Bemh. Wagner, Riographieen denkwürdiger Priester
and Prälaten (im neunzehnten Jahrhundert) 184(>; S. (ri—bO,
440 Vierzehntes Buch. Fünfrca Kapitel.
Neue» j^m 6. Juli 1835 brach ein neuer Sturm in Zaragosca los, Diesd-
zara°o- ^»1 gcnugte der Mord von 1 1 Mönchen nicht. Die Kloster der Angu-
■*' stincr und Doniiniknner wurden niedergebrannt. Am 7. wurde die Kalte
durch die Miliz wiederhergestellt, ja sogar zwei Rädelsführer erdrosselt,
was sonst sehr selten in Spanien geschah').
Nun hatte der Pöbel Blut gekostet, und er lechzte nach mek
Blut. ,,Nieder mit den Mönchen'', hatten die Exaltados tod Calalooi»
schon lange gerufen. Es hiess, dass einzelne Abtheilnngcn der Car-
listen in Catalonien von Mönchen gefuhrt werden. Eine Abtheilong
der Miliz von Kens, der stets revolutionären Stadt, wurde von CarlisteB
überfallen, und sechs Mann ermordet. Einer der Städtischen, Vater
.' von acht Kindern, sei, hiess es, auf Antrieb eines Mönches gekreozigt,
orenei und ihm die Augen ausgerissen worden. Am 22. Juli brach die Wotb
in Renn, j^^ Volks iu Kcus los. lu dcr Nacht wurden die Klöster erstürmt, io
Brand gesteckt, und alle Mönche, die gefunden wurden, ermordet.
Schon am 2~J. Juli wusstc man in Barcelona, was die „PatrioteD*
in Heus vollbracht. Die Wühler erzählten, man habe in einem Kloster
Barcelona's Waffen für die Carlisten gefunden. Zur Feier des NamoiS'
festes der Königin- Mutter war am 25. Juli ein Stiergefecht ammgirt
in B«r- Wenn die Stiere schlecht kämpfen, keine Pferde niederbohren, and dem
MaI AVI A
Mordstahl des Matador ausweichen, gcrathcn die Zuschauer in die
höchste Wuth. An diesem Tage aber kämpften die Stiere nnerbert
schlecht. Wohl 10.000 Zuschauer waren da, unter ihnen nicht wenige
Wühler, welche die Gluth schürten. Wüthend begann das Volk, die
Size zu zertrümmern, und warf sie auf die Stiere hinab. Vergcbei^
erscholl der Ruf: bessere Stiere! Als auch der lezte Stier sich sehen
benahm, stürzte sich ein Haufe auf ihn, erschlug ihn, und schlepptf
ihn unter cannibalischem Geheul durch die Strassen der StadL IH^
schwache Garnison vermochte keinen Widerstand zn leisten. Sitit
wilder ertönte der Ruf: Tod den Mönchen. Zuerst warf man dec
Augustinern und Franciscanem nur die Fenster ein. Bald stand dj5
Carmeliten-, und in Kurzem standen sechs Klöster in Flammen. Pk
Mönche, welche den Mordbrennern in die Hände fielen, wurden graosaic
ermordet; 32 wurden, die einen erschossen, die andern mit Stöcken
und Steinen erschlagen, die andern in ihre brennenden Wohnungen
zurückgetrieben. Andere wurden von Mitleidigen mit eigener Litbeas-
gefahr gerettet. Grosse Schäze der Kunst und der Literatur giengeo
an diesem Schreckenstage verloren*).
0 Pirala, Gnorra civil, II, p. 51 — 117 sq. — Baumgarten, 3, S. 382—381
*) In dem Werke von Amat y Torres: Escritorcs Catalanes — IHOG, fiesS
man oft: dieses oder jenes Werk befand sich vor dem i^5. Juli 1835 in dieseo i4fs
jenem Kloster; in jener Nacht aber (rieng es zu Grande.
Die blutige Uovolution. Allocution vom 0. Pcbriiar ISSG. -147
Wie eine Epidemie verbreiteten sich die Klostcrbrände und
Monclisniorde über ganz Catalonien, von da giengen sie nach Valencia
und Murcia über. In Marcia allein wurden vier Klöster in Asche
gelegt. Von neuem wurde Aragon Scbauplaz dieser Greuel. Der
Stnltbalter Llauder von Catalouien hob alle Klöster auf, weil er doch
nicht im Stande sei, sie zu schüzen^).
In Murcia brach der Sturm schon am G. April 1835 aus. Der
Bischof musste fliehen, um sein Leben zu retten. Der Bischöfliche
Palast wurde gepliindert und dem Erdboden gleichgemacht. Am
31. Juli wurden sodann die vier Klöster der Dominikaner, der Francis-
caner, der Trinitarier und der Mercedarier angezündet. Angeblich wegen
politischer Vergehen wurde zu Valencia der Decan von Murcia, Blas.
Ostolaza, welcher einst Beichtvater des Don Carlos gewesen war, er-
schossen. Alle Klöster dieser Provinz wurden unterdrückt. Dasselbe
geschah in Mallorca, angeblich weil ein Kleriker und einige Mönche
am Bürgerkriege Theil genommen. Die Junten, die sich in den ver-
schiedenen Provinzen unter dem Vorwande gebildet, die Constitution
zu verkündigen, nahmen das Geschäft auf sich, überall mit den Klöstern
fertig zu werden. In Salamanca wurden sie am 20* August (1835) j^^^^^^
geschlossen, am 23. August wurden die Mönche in Malaga kopfüber nberaii
ausgetrieben, und anderwärts folgte man diesem Beispiele. ^p^^rt.
Der Monat Juli wurde verhängnissvoll auch für die Klöster
der Nonnen. Nachdem dieselben meist thatsächlich unterdrückt wor- Nonnen
den, gaben ihnen die Cortes am 29, Juli 1837 vollends den Gnadenstoss.
Der Monat October des Jahres 1833 war reich an Decreten gegen
den Klems. Alfons Gomez Becerra war Minister der Gnaden und
der Justiz. Im October wurden die Güter aller Klöster dem Staats-
schaze zugesprochen, auch derjenigen, deren Erhaltung ausdrücklich
ausgesprochen worden. — Der Minister bestimmte nach seinem Gut-
dünken den Gang der Studien in den Seminarien; dieselben wurden,
ohne Rücksprache mit den Bischöfen, in kleinere und grössere getheilt.
§. 12.
In dem geheimen Consistorium vom 1. Februar 1836 hielt Papst p«pst
Gregor XVL seine erste Allocution über die Verfolgung der Kirche ^^y^'"^
in Spanien. Er beklagt und verwirft die Angriffe auf die Kirche, i. Fcbr
„dass man die Censur der Bücher den Bischöfen grösstentheils cnt- *'^*'
') Pirala^ Giierra civil*, t. II, passim — Llauder^ Moinorlns docnmeiifadas,
i, p. 120 aq II, p. 71. — Anales del reinudo de Dofia lsabel II, o1)ra [»osthmna de
D. Javier de Burgos, Mtidr'id, 1850-1851, 6 vol. 4". — II. p. 16^ pq. — Baum-
gaiien, ül, p. 382-3S9. Vic De IxiFuente, VI, p. 217 — 2.0.
448 Vierzehntes ßach. FQuftes Kapitel.
zogen, die Berufung von ihrem Ansprüche an ein weltliches Tribonal
gestattet, dass man eine Junta niedergesezt habe, nm die Nonnen
einer allgemeinen kirchlichen Reform zu entwerfen; dann jenes Ge*
sez, durch welches man zuerst die Aufnahme von Novizen verhoteo,
bald darauf die meisten Kloster aufgehoben, und ihre Güter den
Staatsschaze zugeschlagen habe, wobei man die Mönche entweder ihr»
geistlichen Vorgesezten entzog, oder sie in die Welt hinaastrieb.
Dazu kommen die gewaltsame Entfernung der Seelenhirten von ihroi
Diöcesen, die Vertreibung der Pfarrer, die gransame UnterdräckoiiC
des ganzen Klerus, da den Bischofen sogar fortan nntersagt wmde,
Kleriker zu den heiligen Weihen aus freier Machtvollkommenheit m
führen. All' dieses wahrhaft Schreckliche und nie genug zn Verwerfende
geschah unter den Augen eben dieses Erzbischofes von Nicia (Amar
di Sorso), ohne dass ihm erlaubt worden wäre, dnrch pflichtscholdife
Beschwerde die Sache dör Kirche und dieses heiligen Stahles zu Ter-
theidigen, zum grossen Aergerniss für alle Guten, welche ans sodcd
Stillschweigen, wo nicht auf eine Nachsicht, so doch anf ein ruhige?
Gewährenlassen von Seite des apostolischen Stuhles schliessen konnten.
Darum also, da es mit der Heiligkeit Unseres apostolischen Amte«
allzu unverträglich gewesen wäre, eine solche Schmach f&r die Kird)e
länger zu dulden, befahlen Wir demselben ehrwiirdigen Bmder, das
Gebiet von Spanien zu verlassen'^').
§. 13.
Um diese Zeit schon wurden, wie es mit dem Erzbischofe n«
Zaragoza geschehen war, jene Bischöfe gewaltsam vertrieben, welche
man nicht einschüchtern zn können hoffte« Eines der ersten Opftr
der Gewalt war der Cardinal von Sevilla. Franc. Xav. Cienfwgas nsr
in den Jahren 1819—1824 Bischof von Cadiz. Als dort im JaLrr
18 i 9 das gelbe Fieber heiTSchte, brachte er sein Leben stets ztx.
Opfer für seine Heerde. Am 20. December 1824 wurde er Elrzbischcf
von Sevilla^), am 13. März 1826 auch Cardinal. Er genoss die höchste
Achtung bei allen Ständen. Der Justizminister sandte ihm den Befehl
seiner Ausweisung nach Alicante zu. Am I. März 1836 reiste er ia
aller Stille ab'), und Hess das Volk in der grossten Bestürzung zariick.
Er wurde verbannt, weil man seinen Widerstand fürchtete. —
Der Bischof Jo. Ant. Diaz Merino von Menorca war (1831— 1834'
ein leuchtendes Vorbild aller bischof liehen Tugenden. Er wollte liebei
') Die Allocation in „Allg. Ztg.* vom 18. Febraar 1836.
') Siehe oben, S. 396.
'; Katholik von 1836, Heft V. - Katholik vom 17. AprU 1846.
Bischof
Die Bischöfe verbannt , confinirt und deportirt 449
sein ganzes Hausgeräthe verkaufen, al» einen einzigen Leidenden darben
sehen. Im Jahre 1837 erachtete er es für seine Pflicht, seine Bei-
stimmang zu den gottlosen Maassregeln der Regierung zu verweigern.
^,Ieh habe^, sagte er, „meine Ueberzengung als Bischof der Regierung
vorgelegt Will sie mir meine Temporalien sperren, will sie mich
verbannen, lässt sie mich deportiren, ich werde mich gern unterwerfen,
und miQh nicht anders vertheidigen, als dnrch Geduld.^ Er rousste
Spanien verlassen und zos sich nach Frankreich zurück. Hier fühlte
Msrino
er bald den grossten Mangel. Das Klima war ihm zu rauh; seine Ge- ver-
sundheit litt darunter. Sein Gehör wurde sehr schwach. Der Staar '»*'*°*
1837 —
beraubte ihn beinahe des Augenlichts. Dennoch bewahrte er die Heiter- 1344.
keit des Gemüthes. So lebte er sieben Jahre in der Verbannung.* Als
er die heiligen Sacramente der Sterbenden empfangen, sprach er mit
sichtlicher Freude: »Ach, ich sehe sehnsuchtsvoll dem glücklichen
Augenblicke (des Todes) entgegen.^ Er nahm Abschied von seinem
Beichtvater, und sagte: „Ich gehe, ich gehe in den Himmel.^ Ruhig
gab er seine Seele seinem Schöpfer zurück. Er starb zu Marseille am
16. April 1844. Feierliche Ezequien wurden für ihn zu Marseille,
Toulon, Madrid und Cadix gehalten. Als sein Leichnam in Menorca
ankam^ kannte der Schmerz des Volkes keine Grenzen. Die feierlichen
Exequien wurden am 18. Juli 1844 zu Ciudadela, seiner bischöflichen
Residenz, gehalten *).
Der vortreffliche Bischof von Avila, Raimund Maria de Adurriaga^
geboren 1755, wurde, obgleich schon 82 Jahre alt^ im Jahre 1837
nach einem afrikanischen Presidio deportirt, wo in der Regel nur
Galeerensklaven weilen, wohin das Trinkwasser aus Spanien gebracht
werden mnss, das Klima tödtlich ist, und eine Pflege für sein Alter
ganz unmöglich war. Der allgemeine Schrei der Entrüstung zwang
die Regierung, nach zwei Jahren ihn wieder zurückzurufen. Er Jebte
noch weitere zwei Jahre, und starb am 2. Februar 1841, im Alter von
86 Jahren.
Der Bischof von Placentia, Cyprian. Sanchez. Varda (1826 — 1848),
wurde nach Cadix verbannt. Dort an das Krankenbett gefesselt,
machte er zur Vertreibung der Langeweile Rosenkränze, die er an die
Armen verschenkte. Sieben Jahre war er verbannt, und nie Hess ihn
die Liebe der Gläubigen im Stiche. — Judas Romoj Bischof von
Canarias, war nach Sevilla verbannt. Dort verfasste er mehrere Werke,
und ert heilte statt des vertriebenen Cardinais die heiligen Weihen und
die Firmung.
') Elogio fonebre per Josi Marques y Oener , und daraiu bei Nicol. Wise-
man, Gesamm. Abhandle Bd. I, 1854, S4I— 88. — Bernh. Waffner ^ Biographien,
S. 353—356.
Garns, apan. Kircbe. III. 9. 29
460 Yienehntea Bach. Ffinftea KApitoL
An die Stelle der verbannten oder gestorbenen Bischöfe driii^
die Regierang den Kapiteln sogenannte ^yAdministratoren" anf; in
Toledo zuerst den liberalen Canonicas Vallejo, dann nach dessen Tode
den Golfanguer (Wolfganger). Von lezterm hielten sidi die Kitlic-
liken in Toledo nnd Madrid ferne. — Der Eindringling Valc^
Ortigosa in das Bisthum Malaga im Jahre 1836 erlangte eine tnorige
Berühmtheit.
Im Jahre 1837 sezten die constitnirenden Gortes eine Junta nieder,
welche eine Art „Ci^constitntion^ des Klerus entwerfen sollte. Sie
legte ihren Entwurf den Gortes am 19. Mai 1837 vor. Sie meiotr
gemäss den Grundsäzen der alten spanischen Kirche, müsse der sfA-
nische Klerus von dem Papste, als dem Mittelpunkte der Einheit, ab-
hängig bleiben. Doch sei der Papst nur der Erste »inter pares'.
der nur einen Vorrang der Ehre, nicht der Gewalt habe. Kein anderes
Patronatsrecht, als das der Krone von Spanien, sollte von Dan u
gelten, kraft der Erlaubniss der Regierung sollten die Bischöfe foitc
in ihren Sprengein die Dispensationen und Absolutionen ertheilen, &
bis jezt dem Papste zugekommen. Die Festtage sollten aof die kleioTi;
Zahl beschrankt werden. Der Gerichtshof der apostolischen Nontiabr.
die Ritterorden, die Gruzada u. a. sollen aufgehoben werden. Siebzxb
Bisthümer sollen aufgehoben, fünf neue errichtet werden. Die Nat»A
solle, nach den Vorschlägen der Gortes, die Ausgaben für den Kien;
und den Gottesdienst tragen. Die Gortes nahmen diese „Cirilvfr-
fassung'' der Kirche in Bausch und Bogen an. Viele Bischöfe, i'
meisten Kapitel und andere Korporationen erhoben Beschwerde isr
gegen. Die Gortes aber wurden vor der definitiven Bestätigung ditfer
neuen Kirchenordnung von der Begentin aufgelöst. — ^ne aoder^
zebent. Junta der Gortes beauftragte die Aufhebung aller Zehenten nnd andere:
Primicien, und die Erklärung der Güter des Weltklems als National-
gut. Ein Theil ihres Ertrages solle als Dotation des Klenis dieoefl:
zur Deckung der übrigen Kosten des Gultus und Klerus solle e»
Gultussteuer aufgelegt werden. Die Gortes beschlossen, der Zeta
solle vorläufig noch ein Jahr bestehen. Im Jahre 1838 betrog im
Zehent 122, im Jahre 1839 — 145 Millionen Realen*). Vom Jakr
1839 wurde nur die Hälfte des Zehent erhoben.
§. 14.
Diecar- Vom Ende des Jahres 1837 bis zum September 1840 nahm (k
Verfolgung einen milderen Gharakter an. Das Ministerium Ofiüia —
seit Ende 1837 — warf seine Augen auch auf die bedrängte Lage tie»
') An 36 Millionen Franken.
Fühlung
mit
Kildere Zelt von 1837— 184Ö. 451
darbenden Klorns. Eine Junta sollte über Heretellang der Verbindung
mit Rom berathen. Alle Mitglieder derselben hielten die Zeit dazu
noch nicht für gekommen. Nur Calatrava meinte, man solle dem Papste
mittheilen ^ wie sehr die spanische Kirche durch das gegen sie von
Rom eingehaltene Verhalten leide. Im Jahre 1839 gieng der so-
genannte ^siebenjährige £rieg^ zwischen den Carlisten und den
^Christinos^ zu Ende. Don Carlos musste weichen — 15. September
1839. Durch die sogenannte Convention von Vergara verrieth und
lieferte sein General Maroto ein Heer von 20.000 Mann in die Hände
der „Christinos^^ Jezt wurde D. Julian ViUalba als Agent der Re-
gierung nach Rom gesandt, um die laufenden Geschäfte zu führen, und
mit Rom wieder Verbindung anzuknüpfen. Von Frankreich hiebeiRomge-
lebhaft unterstüzt, wurde Villalba vom Papste empfangen, und als i'^7_
spanischer Agent anerkannt. i^o*
In Spanien selbst erschienen neue tüchtige Zeitschriften, z. B.
),Der Prophet^S „Die Religion^^, „Der Katholik von Madrid". Damals
wurde der Name des Jaime Bcdmea zum erstenmale genannt. Er wurde ^»^^^
im Jahre 1810 zu Vieh geboren, studirte theils in Vieh, theils in ^^^^
Cervera, wurde im Jahre 1834 Priester, arbeitete von 1834 — 1839 zu i»»»-
seiner weiteren Ausbildung theils in Vieh, theils in Cervera, und trat
im Jahre 1839 mit der Schrift hervor: „Ueber den geistlichen Cölibat",
wofür er in Folge eines Concnrses den Preis erhielt. Im April 1840
erschienen seine „Sociale, politische und ökonomische Bemerkungen
iber die Guter des Klerus"'), mit welcher Schrift er seinen literarischen
ßubm begründete. Schlagend zeigt er, wie die Güter in der „todten"
Sand zugleich dem ganzen Volke den sichersten und allgemeinsten
jrewinn bringen. Er siedelte nach Barcelona über, und gab dort „Die
>olitischen Betrachtungen über die Lage Spanien's heraus'). Es war
grosser Muth, diese Schrift erscheinen zu lassen, die dem Verfasser
las Leben kosten konnte.
§. 15.
Im September 1840 wurde die Regentin durch Espartero, den Nene
lerzog von Vittoria, zur Abdankung gezwungen. Don Baldemero ^^^^
Ispartero wurde im Jahre 1792, als neuntes Eünd eines Wagenmachers — ims.
*) Siehe fiber das Becht von Don Carlos — RadamiZy gesammelte Schriften,
Bd., 1853, S. 1—160. — Fölitz (Bülau-Zimmer), Weltgeschichte, 1853, Bd. ni,
bth. II, S. 221.
*) Baltnes^ Observadones sociales, pditicas y economleas aobre los bienes,
)1 Clero. THeh, Abril de 1840 — siehe «7ae. BahnsSf sein Leben und seine Werke
m A. V. Blanckt'Raffin^ Begensbarg, 1852, p. 35. ^
*) CoDsideraciones politicas sobre la sitaacion de Espafia; agosto de 1840.
29*
■
452 Viereehntes Bach. Pfinftea Kapitel.
za Granatula, in der Provinz la Mancha, geboren, und zam Geist
lieben bestimmt. Bei dem Einfall der Franzosen im Jahre 1808 tn
er als Freiwilliger in das Heer ein. Im Jahre 1811 noch Secod<^
Lieutenant, trat er 1815 als Hauptmann in das Heer, das zur Ucff-
drückung des Aufstandes nach Südamerika zog. Er wurde bald Major.
im Jahre 1817 Oberst-Lieutenant^ 1821 Oberst. Die Kapitnlatioo rr^
Ayacucho (1827) brach die Herrschaft Spanien 's in Amerika. Espan^'
kehrte, als sehr reicher Mann, nach Spanien zurück. Bald darauf mirdc
er Brigade -General. Nach dem Tode Ferdinand^s VII. erklirtt' rr
sich sogleich für die ^^Regentin^^. An den Kämpfen gegen die Carlteta
Gspaiv nahm er hervorragenden Theil. Bald sah sie sich zur eigenen Sidier*
heit genöthigt, den bereits zum Herzog von Vittoria ernannten Lsps-
tero auch zum Minister - Präsidenten zu erheben. Als CkrihCM
gestürzt wurde, ernannten ihn die Cortes „zum Kegenten und V-y-
mund der Königin^^ Isabella IL, und ihrer Schwester, der lufama
Louise.
tero.
I
•"».
§. 16.
Im September 1840 musste die „Regentin" abdanken und Spas»^
verlassen. Mit dieser sogenannten September- Revolution beguui c-i
Sturm gegen die Kirche aufs Neue, und heftiger, als zuvor. In a!!d
Provinzen hatten sich „Junten^^ gebildet, welche Bischöfe und Puttt
vertrieben, an ihre Stelle radicale Priester sezten, neue Eintheiloi^
der Pfarreien machten, überhaupt schmähliche Gewaltacte gtgen'y»
Klerus begiengen. Die Junta von Madrid suspendirte die mebH
Assessoren des Gerichts der Rota in Madrid. Dieses Gericht, <^
unabhängigste und am besten organisirte in Spanien , entschied b
Namen des Papstes über Civil- und Criminalprocesse des Klerus, Jj
fungirte als Appellationsgericht über die Entscheidungen der £rebie<l
und Bischöfe. Der Cardinal Carl Tiberi, der Madrid im April
verlassen, übertrug, mit Genehmhaltung der Regierung, die Erledig
der dem Nuntius zukommenden Geschäfte dem Assessor der Nontu*
Am 30. Juni 1835 zeigte der Nuntius Amat di Sorso der R^erong
dass der Papst, mit Rücksicht auf die schwache Gesundheit desAssti^'
Campomanos, den Fiscal der Nuntiatur, D. Jose Ramirez de Areü^r
als seinen Stellvertreter bestimmt hätte. Die Regierung genehiBi:
diese Uebertragung. Als Campomanos am 12* Juli 1838 gestört
zeigte Ramirez der Regierung an, dass er die Geschäfte eine» ^^^
gerens (der Nuntiatur) übernommen. Als solcher protestirte <f
der provisorischen Regierung von 1840 gegen viele von den i^'-'
der September- Revolution begangenen Gewaltacte. Die Begem^
•'erwies seine Klagen an den obersten Gerichtshof Spauien's, der c^i
Alloculioii vom 1. MSrz 1841. 45^5
US SeptembermaDnern bestand , dessen Präsident Calatiava , dessen
^eieizer D. Antonio Gonzales, dessen Fiscale der Kirchenfeind Jose
Llonso und der Deputirte Lopez waren. Nach seinem Ausspruch hob
ie Kcgentschaft das Gericht der Rota auf, übertrog seine Geschäfte
em obersten Gerichtshof, und liess den Vicegerens über die Grenze
ringen — 29. December 1840.
Am 1. März 1841 hielt Papst Gregor XVI. seine zweite AUo- Zweite
ution über die Noth der Kirche in Spanien. Als neue Acte der Ge- »che ai-
iralt werden bezeichnet das Dccret vom 10. December 1840, welches *<»®**"**°'
lea Magistraten die strenge Einhaltung der Decrete von 1835 gebot,
las den Bischöfen, mit Ausnahme gewisser seltener Fälle, die Beförde-
ungen auf geistliche Stellen verbot, das Dccret vom 6. und 13. De-
zember 1840, das die Verordnung über die Aufhebung und Seques-
rtruDg der Klöster auf die jüngst unterworfenen Provinzen ausdehnte,
las Decret vom 9. December, das den schleunigen Verkauf aller Kloster-
kirchen im öffentlichen Aufstreich befahl, das Decret vom 31. Januar
1841, dass die Weltgeistlichkeit allen Besiz der Kirchengütcr verlieren,
ind mit einer bettelhaften Besoldung abgefunden werden sollte, das
Qresez vom 30. November 1840, das allein die verbannten Geistlichen
7on der allgemeinen Amnestie und Rückkehr nach Spanien ausschloss.
Ausfuhrlich wird die Angelegenheit des Eindringlings Valentin Ortigosa
besprochen. Der Vicegerens Ramirez de Arellano habe dagegen am
20. November 1840 bei der Regierung protestirt; ferner am 5. und
17. November wegen eines andern Eingriffs und wegen schmählicher
Misshandlung und Vertreibung des Bischofs (Joann. Anton, de Lillo)
von Neu-Caceres und einiger Geistlichen; sodann wegen einer neuen
Bintheilung der Pfarrkirchen in Madrid, und sei dann mit Gewalt über
die Grenze geschafft worden* Indem er Himmel und Erde zu Zeugen
anruft;, erhebt der Papst seine Beschwerden gegen alle diese und die
[ruhern Gewaltthaten, verwirft sie und abrogirt deren Folgen*).
Gegen diese Allocntion erliess der Minister Alonso am 28. Juni
?ine strenge Verordnung. Alle, welche sie oder ein anderes päpstliches
Manifest, Breve, u. dgl. einbringen oder ausführen würden, sollten den
schärfsten Strafen unterliegen. In einem Berichte des Ministeriums an
den Regenten Espartero wird die Allocntion als Attentat auf die höchste
Autorität des Reichs, als die Ordnung, die Ruhe und den Frieden
störend bezeichnet, gemäss der Sentenz des obersten Gerichtshofes.
Weiteres sollten die Cortes beschliessen*).
Am 29. Juni legte der Finanzminist^r einen Gesezesentwurf vor^
nach welchem die Güter des Klerus vom Staate eingezogen werden
*) Die AUoootion in: AUg. Ztg. vom IL and 12. März 1841.
') ,8lon« vom 14. — 18. Jnli 1841.
454 Vierzehntes Bach. FttnfteB Kapitel.
sollten. Der Entwarf wurde am 21. Jnli mit 109 gegen 8 Stimmeo
angenommen*).
In Spanien wurde „das Werk der Verbreitang des Glanbens*
verboten, weil der Glaube im Lande schon verbreitet sei. Em Bisdwf
wurde verbannt und seiner Güter beraubt, weil er einem Minister me
Meinung gesagt, das Kapitel von Toledo wurde der Vermessenheit od
Unrnhestiftung bezüchtigt, weil es eine demüthige Vorstellong ein-
gegeben«
Neue Iqi Januar 1842 legte der Minister Alonso ein Gesez vor, welches
gegen ^^ päpstlichcn Beservatrechte aufhob, und die factische Trennung tod
die der romischen Kirche aussprach. Darauf erschien am 2S. Januar 184!^
-iull* Vallejo, ernannter Erzbischof von Toledo, ein grosser Liberaler, der
]842. anter Ferdinand VIL zehn Jahre verbannt gewesen, vor dem Regent»
Espartero^ und übergab ihm eine Denkschrift, worin er seine Wnid^
niederlegt; er habe das Kapitel aufgefordert, einen neuen Administrator
zu wählen. Er sagte zu Espartero: j^Ich und Alonso gehen nidit ia
einen Sack.*^ Er wollte Spanien verlassen. Auch der zum En-
bischof von Valencia ernannte Bischof Posada von Mnrcia dankte at.
Ebenso protestirten die Kapitel von Zaragoza, Oviedo, Toledc,
Lugo, und hatten den Zorn der Gewalthaber zu fühlen. Selbst dei
berufene Ortigosa von Malaga dankte ab. Vallejo starb schon an
30. Aprü 1842«).
§. 17.
Am 22. Februar 1842 erliess Papst Gregor XVI. seine heirlidir
Encyclica über die Kirche Spanien's an die katholische Christenheit:
Der „Zum ewigen Gedächtniss. Die Unserer Niedrigkeii von den
im* die ^^^^^^^ Fürsten der Kirche und dem erbarmungsvoUen Erloser d»
kathoi. Menschengeschlechts anvertraute Sorge fnr die katholische Beligic*
tenheit. ^^^ J^^® Liebe mit welcher Wir alle Geschlechter, Nationen und Völker
Fobroar empfangen,' machen es uns zum dringenden und innerlichsten Bedarfiiits^
^^^ nichts ausser Acht zu lassen, was von Uns zur unverlezten Bewahnmc
der Hinterlage des Glaubens und zur Abwehr des Verderbens der
Seelen als nothwendig erkannt wird. Allgemein ist es bekannt, u
welcher Lage sich die Angelegenheiten der Kirche in Spanien befind^c^
') Slon vom 4. Aagiist; Beilage nr. 15; die Verhandlaogea im BtStt
nr. 16—17.
*) Mao sieht, welche Energie in dem spanischen Kleras nihl, wenn dcoc^
in die Opposition bineingestossen wird, und wenn er die ,kaftliolisclie Ib^jcs^
aaofa nioht mehr dem Namen nach sich gegenfiber hat
Pfipsfliche Eneydiea vom 22. Febraar 1842. 455
und wie echmerzlich Wir von den traurigen Wechseln berührt werden
mussten, die seit mehreren Jahren über die Kirche daselbst ergangen
sind. Zwar ist jenes Volk dem orthodoxen Glauben zu sehr ergeben,
als dass es je abtrünnig werden könnte von den hochheiligen Ueber-
lieferungen seiner Väter; unverdrossen zum grossten Theile schlägt die
Geistlichkeit die Schlachten des Herrn; die heiligen Vorsteher, obgleich
den kläglichsten Plackereien ausgesezt, oder selbst vertrieben und unter
den härtesten Bedrängnissen, lassen sich die geistige Pflege ihrlr
Heerden nach Kräften angelegen sein. Doch sind ebendaselbst, und
zwar in nicht geringer Zahl, auch verlorne Menschen zu finden, die
in frevelhaftem Verein gleich Fluthen des wilden Meeres ihre Ver-
wirrungen ausschäumend den abscheulichsten Krieg gegen Christus und
seine Heiligen fuhren, die der katholischen Kirche bereits den grossten
Schaden zugefügt haben, und deren gottloses Trachten ist, wenn es
möglich wäre, sie ganz und gar auszurotten. Indem Wir nach Beruf
Unseres Amtes Unsere apostolische Stimme erheben, haben Wir wahrlich
dicht unterlassen, die von der Madrider Regierung der Kirche ge-
schlagenen schweren Wunden öffentlich zu beklagen, und alle den
Kechten und Gesezen delr Kirche zuwiderlaufenden Elrlasse der Staats-
gewalt sind von Uns fbr null und nichtig erklärt worden. Ueberdiess
haben Wir Uns über die grässlichen Beleidigungen und Drangsale,
die Unsem ehrwürdigen Brüdern den Bischöfen, und den geheiligten
Personen, der Welt- und Klostergeistlichkeit jenes Königreichs wider-
fahren sind, über die greuelvolle Entweihung heiliger Stätten, die
^empelräuberische Plünderung der Kirchengüter, ihre Veräusserung und
Einziehung für den öffentlichen Schaz mit jedem Ausdruck des Schmerzes
lachdrucksam beschweH, und zugleich die Strafen und Censuren in
Erinnerung gebracht, welche die apostolischen Constitutionen und die
Jlgemeinen Concilien als unmittelbar verwirkt über diejenigen ver-
langen, welche sich nicht scheuen, solche Missethaten zu begehen«
^ir haben dieser Pflicht Unseres apostolischen Amtes einmal und
übermal gewaltet in zwei Allocutionen, die Wir an IJnsere ehrwürdigen
Brüder die Cardinäle der heiligen römischen Kirche in dem Consi-
torium vom 1. Februar 1836, und vom 1. März 1841 richteten, und
m Drucke erscheinen Hessen als ein öffentliches dauerndes Denkmal
Jnserer apostolischen Bekümmemiss und Missbillignng. Wohl hatten
A^ir uns zu der Hoflhung aufgerichtet, dass diese Unsere Stimme,
v-elche aus dem betrübten Herzen des gemeinschaftlichen Vaters aller
gläubigen hervorbrach. Gehör finden und auf Unsere wiederholten
ilahnungen und Vorstellungen diese grausame Verfolgung der katho-
iscben Religion ein Ende nehmen vrürde. Tag und Nacht haben Wir,
iedergeworfen zu den Füssen des Gekreuzigten, unter reichlichen
7hränen nnd Seufzern tu Unseres Herzens Demuth nicht angehört zu
456 YierzehDteB Buch* Fftnfltes Kapitel.
beten, dass er nach seiner unendlichen Barmherzigkeit der leidenden
spanischen Nation die helfende Rechte reichen, und den Inrenden das
Licht seiner Wahrheit zeigen möge zur Rückkehr auf den P&d der
Gerechtigkeit. Noch ist nach dem unerforschlichen gottlidien Bitk-
schloss kein Erfolg da, der Unserer Hoffimng entspricht, ja Wir scks
die Uebel in jenen weiten Landen von Tag zu Tag dermassen »-
wachsen, dass die katholische Religion gleichsam formlich mit dem
Untergang bedroht ist. Wenn Wir auch vieles Andere, was offenkoodig
genug ist, was gegen die heiligen Geseze der Kirche und die Recht?
dieses apostolischen Stuhles kürzlich beschlossen oder auch schon aot-
gefuhrt worden ist, mit Stillschweigen übergehen, so haben Wirjeztda;
Schmerz, dass die Gottlosigkeit so weit gekommen ist, dass ans emn
wirklich teuflischen Bosheit ein verfluchenswerthes Gesez den oberbtct
Reichscomitien vorgelegt wurde, das geradezu den Zweck hat, Unsere
rechtmässige kirchliche Gewalt ganzlich abzuschaffen, und die gottlos«
Meinung aufzustellen, dass der weltlichen Gewalt in ihrem höchstes
Recht die Herrschaft zustehe über die Kirche und deren AngelegeD-
heilen. Und zwar wird in diesem Geseze erklärt, dass die spanis^U
Nation sich um diesen apostolischen Stuhl nichts zu bekümmern habe;
dass jeglicher Verkehr mit demselben in Betreff aller and jeder gern-
liehen Gnaden, Indulte und Concessionen einzustellen , nnd die solcher
Vorschrift Zuwiderhandelnden unnachsichüich zu bestrafen seien. Ebeos»
wird darin festgesezt, dass apostolische Briefe und andere von diesfc
heiligen Stuhle ausgegangene Verordnungen nicht allein ohne dass .^v
von Spanien verlangt sind, unbeobachtet und überhaupt ohne Wiiios:
bleiben, sondern auch von denen, an die sie gelangen, nnverzngik:
der bürgerlichen Obrigkeit und durch diese der R^ening angezetr
werden sollen, gleichfalls unter Androhung einer Strafe im Unter
lassungsfalle. Auch wären nach diesem Geseze Ehehindernisee m
noch so lange der Jurisdiction der Bischöfe zu unterstellen, bis d»-
Civilgesezbuch den Unterschied zwischen der Ehe als Vertrag nnd il^
Sacrament bestimmt haben würde. In religiösen Dingen sich aa*
Spanien nach Rom zu wenden, solle gänzlich verboten, nnd zn kebfi
Zeit mehr ein Nuntius oder Legat dieses heiligen Stuhls zogelas^
werden mit der Ermächtigung, Gnaden und Dispensationen, wenn aocfc
unentgeltlich, zu ertheilen. Noch mehr; — das geheiligte Recht dc>
romischen Papstes, die in Spanien gewählten Bischöfe zu bestitigr
oder zu verwerfen, wird gänzlich ausgeschlossen, ja mit Strafe de?
Exils sollen belegt werden sowohl Priester, die zu einer bischofficheR
Kirche ernannt, bei diesem heiligen Stuhl die Bestätigung oder eii
apostolisches Breve nachsuchen würden, als Metropolitane, welche tf
das Pallium einkämen. Nach diesem Allem ist es in der That ^
zum Verwundern, dass in diesem Gesez versichert werden mag, dff
Rom und die Regierang von Madrid. 457
römische Papst werde als der Mittelpunkt der Kirche angesehen, da
ioch mit ihm kein Verkehr stattfinden soll, ausser mit Erlaubniss.
§. 18.
Die Re-
Min
1848.
Die spanische Regierung wollte dieses allgemeine Gebet der ge-
sammten Christenheit einfangen und in Bande legen. Schon am ksmpft
13. März erliess der berüchtigte Alonso an die Bischöfe und die obersten ^'^
Gerichtsbehörden ein Ausschreiben, das u. a. lautet: ,,Die romische aiobso
Curie, welche seit dem Anfang des nun glucklich beendigten Bürger- *JJ^"
krieges kein Mittel spart, um die legitime Regierung Spanien's anzu- p«p8t,
feinden, hat ihre lezte Zuflucht dazu genommen, sie im Angesichte der
Welt als Feind der Religion des Gekreuzigten darzustellen. Die Re-
gierung weiss recht gut, dass diese vergeblichen Versuche dahin ab-
zielen, die Spanier aufzureizen, damit sie gegen den Gehorsam sich
verfehlen^ welchen den Lehren des Evangeliums gemäss die Hirten und
die Heerden gegen die bestehenden Obrigkeiten zu beobachten schuldig
sind. Beständig wurde die Absicht kundgegeben, den von der Nation
energisch zurückgewiesenen Rebellen Don Carlos zu begünstigen, die
in Kraft befindlichen Geseze zu bekämpfen, welche mit dem Verkauf
der Nationalgüter zahlreiche Interessen geschaffen haben, und die Doc-
trinen zu verdammen, welche den materiellen Interessen des romischen
llofcs zuwider sind, der, trozdem dass er unser Geld für die Bewilligung
der apostolischen Gnaden empfängt, die Mehrheit der Spanier der
Gottlosigkeit anklagt, und so die Ruhe der Gewissen, und die Ehr-
furcht, welche sie für den gemeinsamen Vater der Gläubigen bekennen,
zu gefährden strebt.^ Den Bischofen wird befohlen, das Schreiben
vom 22. Februar, wenn es ihnen zukäme, an den Minister einzusenden;
die Civilbehörden sollen den Umlauf und den Vollzug des Breve
hindern, und von Amts wegen alle Exemplare desselben hinweg,
nehmen *).
Die Regierung nahm einen ungewöhnlich katholischen Anlauf,
um sich Rom gegenüber vor der Nation in die Brust werfen zu können.
Sie forderte alle Bischöfe durch Rundschreiben auf, die Festlichkeiten
der Osterzeit mit allem möglichen Glänze zu veranstalten, gab aber ^'^^"^
der mittellosen Kirche keinen Piaster dazu aus ihren eigenen Mitteln.
Die Ceremonien wurden nun zwar in Madrid wie in Sevilla mit grossem
Glänze gefeiert, aber die Kosten bestritten durchaus fromme Privatleute.
Für die Feier der heiligen Woche wurden dem Klerus von Sevilla
76.000 Realen tibergeben.
') Sion, 30. März 1812.
4Ö8 Vierzehntes Bnch. Ffinfltes KspitoL
Ein Mittel, den Klerus an sich zu auehen, und ihn gegen Korn
zu gebrauchen, war die scheinbare Sorge für seinen Unterhalt. Durch
Schreiben vom 15. März befahl der Finanzminister allen Beamten, for
yoUstandige Tilgung (Entrichtung) der für den Klerus nnd den Grottee-
dienst bestimmten Steuer zu soi^en. Es sei der Wille des Begaito,
auf reichliche Weise für die Bedürfoisse der Kirche zu sorgen.
Zum Schrecken der Regierung nahmen die Spanier stets esv
schiedener Partei für die verfolgte Ejrche. Die romische Encydiea
vom 22. Februar circulirte in einer Menge von Abschriften, und wurde
DieRe-QjQ gQ eifriger gelesen, weil sie verboten war. Fast Niemand ant-
iiourt wertete auf die Frage: hast du die Encyelica gelesen, mit: nein! Die
•ieh. Presse führte eine freimüthige Sprache. — In der Commission, wdcbe
den Gesezesentwurf über die Lostrennung der spanischen Kirche ?<»
Kom berathen sollte, sprachen sich von sieben Stimmen sechs gegen
den Entwurf des Alonso aus. Der Bischof von Tuy protestirte bei
den Cortes gegen diesen Entwurf'). — Der apostolische Bischof Silos
Moreno von Gadix protestirte am 9. October 1841 bei dem Minister
Alonso gegen die Einziehung und den Verkauf der Güter des Weh-
klerus in Spanien.
Durch Urtheil vom 14. Juli 1842 wurde der Bischof Yareb tqd
Placentia zu zweijähriger Confinirung innerhalb des Bisthums Cadix
verurtheilt. Um diese Z^t wurde auch das Werk der „frommen
Stiftung für Jerusalem^ unterdrückt, und die Almosen Spanien's Ar
die Franciscaner im heiligen Lande hörten auf.
Diehan- Die Nonueu in Sevilla, denen man 21 Monate ihre Pension nicht
Nennen! bezahlt hatte, erhoben ihre Stimme, weil sie, wenn sie Hungers sterben
sollten, wenigstens noch einmal sprechen wollten. Statt sich ihrer anzo-
nehmen, erliess die Kegierung neue strenge Geseze womach kein Priester
Beichte hören, oder eine seelsorgerliche Function vollziehen dürfe, der
certifl- nicht ein Certificat über seine Liebe zur Constitution und zur besiriieD-
^iervT d®^ Regierui^ vorgelegt hätte. Die Mehrzahl brachte dieses Zeugnies
▼er- nicht bei, weil sie nicht lügen, und nicht die Einmischung des Staates
^ ' in die Kirchenfreiheit anerkennen wollten. Diesen allen wollte (b
Regierung die Erlaubniss zur Seelsorge entziehen.' — Da dieselbe
davon abstehen musste, den erwähnten Gesezesentwurf durch die Cortes
zu bringen, so suchte sie ihn durch einzelne Verordnungen zu erseieiL
Sie verbot u. a. bis auf weiteres, eich mit Gesuchen om Dispenses
nach Rom zu wenden. Die vor diesem Erlasse schon erlangten Dis*
pensen sollten an das Ministerium der Gnaden und Justiz eingesandt
werden. Nach dem Rücktritte der Herrn Becerra nnd Alonso w
dieses Ministerium jezt in den Händen des Zumalacarreguy. N>f
') Slon vom 17. April 1843.
Die verwaisten Biethfimer. 459
Ehedispensen, nnd Dispensen, die von der Poenitentiarie . ansgiengen,
dürften noch in Rom erholt werden.
Damals befanden sich in ganz Spanien nnr noch wenige Bischöfe nte^er.
(yoq 56) im Besize ihrer Amtsgewalt, welche canonisch vom Papste BUttiu?
eingesetzt worden (die Bischöfe von Astorga, Barcelona, Tuy, Valladolid). nwnnd
Die Uebrigen waren entweder Tertrieben oder gestorben. Nor ^,10^,
noch der dritte Theil der Pfarreien des Landes war regelmässig mit
Pfarrern besezt, die von anerkannten Bischofen eingesezt worden. Man
beschied z. B. den Bischof von Valladolid njach Madrid zor Verant-
wortong, weil er, schon im Jahre 1838, zwei jungen Mannern aus
Toledo die Weihen ertheilt habe, welche päpstliche Dispense er-
halten. Der in Sevilla confinirte Bischof von Palma, Judas JosSumt bi-
BomOj wurde zur Verantwortung nach Madrid berufen, weil er eine^*^**^'^
Denkschrift an den Regenten eingeschickt hatte. In dieser Zeit der nari««.
Noth liess er seine berühmte Schrift erscheinen: ,,Bestandige Unab-
hängigkeit der spanischen Kirche, und Nothwendigkeit eines neuen
Concordats^ '). Dafür wurde er zu zwei Jahren Verbannung verur-
theilt Ein Pfarrer hatte im Jahre 1841 über das Werk der Ver- '
breitung des Glaubens gepredigt. Dafür wurde er in den Gefangnissen
so misshandelt, dass er wahnsinnig wurde, und in das Irrenhaus ge-
bracht werden musste. — In der Stadt Bilbao hörte am 12. October
1842 aller nnd jeder Gottesdienst auf, weil die Priester sich weigerten.
Certificate ihrer Anhänglichkeit an die Regierung beizubringen. —
Vier Priester von Barbastro^ welche diese Zeugnisse nicht beibrachten,
wurden in ihre Heimatsorte verwiesen. Eilf Priester in Saragossa,
welche den unrechtmässigen Administrator La Rica nicht anerkennen
wollten, wurden zwei Jahre lang auf eine Entfernung von 15 Stunden
von Saragossa verbannt').
') Independencia constante de la tglesia hispana' y necesidad de nn nnevo
ooneordato, por el llmo Sn. Obispo de Canarias, Madrid, 1842, 420 pp. — Eine neue
ioflage encbien daselbst im Jahre 1843, worin sich der Bischof als D. Judas Jos6
RomOf HauspriUat Sr/Heiligkeit und Assistens am pi4)8tUcheu Throne, nennt. Diese
vermehrte Aosgabe hat 482 pp. (Dion. Hidalgo, t III, 1868, p. 292.)
') Sion vom 9. nnd 16. Oetober, 13. nnd 15. November 1842. — Die „Sion*
erwarb sieh durch ihre Berichte ans Spanien verdiente Anerkennung. Ihre Artikel
worden in das Spanische flbenetzt. In der Sion vom 20. April 1842 steht der
srwihnte Protest des Bischofs Merino, welchen er selbst an die „Sion* gelangen
liets, indem er ihr fUr die Vertheidignng der Kirche in Spanien herzlich dankte. —
^gl. auch: .Spanien nnd der Herold des Glaubens*', von Patriz WUtmann (damals
Bedaktenr der Sion). — Pfeüschifter hatte in seinem „Herold* den traurigen Muth
Bpefonden, auf den geschlagenen spanischen Klerns noch weiter loszuschlagen, weil
ar ans Spanien mit ungflnstigen Eindrücken über und von diesem Klerns heimge-
kehrt war.
460 Yierzehotes Bach. FOnftes Kapitel.
§. 19,
Im Jahre 1843 brach der Krieg zwischen Espariero und NarvaÄ
aas^ welcher die Interessen der Königin Mutter und der Konigin h»r
bella II. vertheidigte.
Espartero der ^Siegesherzog'' wurde diessmal geschlagen, mid
jnusste sich zum Abzüge entschliessen. Umsonst bombardirte er bei
seinem Rückzuge nach Andalusien im Jahre 1843 die offene Stadt
Sevilla^). Er musste fliehen — 28. Juli, und die Befreiungsarmee Ter
folgte ihn. Auch er entkam, wie so viele Kirchenfeinde vor ihm, nach
Espar- Cadiz, auch er bestieg das rettende Schiff, er retirirte nach England,
fl,X und kehrte im Jahre 1848 ungefährdet nach Spanien zurück. Mit seiaein
U84S. Sturze aber hatte die Kirchenverfolgung ihr Ende erreicht, 17 Monate
nach der Verkündigung des spanischen Jubiläums vom 22. Fe*
bruar 1842.
Die Kirche Spaniens aber konnte sich von ihrem Elende nur all-
mälig erholen. Das Kirchengut war verkauft und verschlendert. Ba
der ^nzlichen Erschöpfung des Staatsschazes wurden die dem Klent
und den Ordensleuten versprocheneYi Pensionen nicht ausbezahlt* Die
eingezogenen Güter kamen nicht dem ganzen liande und Volke, sofi-
dern einzelnen Speculanten zu Gute. Gegen Ende des Jahres 1844
war man den armen Klosterfrauen sieben Jahrgänge ihrer Pensico
schuldig. Was half es ihnen, dass man sie auf die Grossmath de:
Nation angewiesen hatte, da diese „Nation^ selbst immer mehr vemnnte
und darbte')?
i>io Während des harten Winters von 1844—45 zahlte man dies»
^^^^ armen Klosterfrauen aus Gnade vier Monate aus dem Rückstände de$
Nonnen. Jahres 1837 ans. Trozdem wurden von diesen Armen alle Commnnal-
und Staatsabgaben ohne Nachlass erhoben. Es bildeten sich all^t-
halben Vereine, um dieselben von dem Hungertode zu retten. Ux^
Konigin Mutter stellte sich selbst an die Spize eines solchen Verein»
in Madrid.
*) Sieho oben Kirchengeschichte, 1, S. 288, nach Wisemanj AbhandlnngeD fiber
verschiedene Gegenst&nde, Bd. 3, 8. 68—73.
') Im Febraar 1865 hat mir gegenüber FY. X Simonet in Oianada mm
Meinung dahin ansgesprochen, dass nur etwa V, Million Spanier wohlhabende Le^-
die grosse Masse aber armes Volk sei. Diess gilt kanm von den nordösäicta
Provinzen.
Mildere Zeiten. 461
§. 20.
Nach dem Sturze des Espartero (Juli — August 1843) folgten die
Ministerien Lopez, Olozaga und Gonzalez Bravo einander in schneMem ^^^ ^'i-
Laufe (1843 — 44). Dann kam Narvaez an das Ruder, das er zweimal ^^^^^^
verlassen musste (1844 — 46)^). — Das Ministerium Gonzalez Bravo i»*»^**
rief die verbannten Bischöfe und Erzbischofe wieder zurück, welche,
wie der Cardinal von Sevilla^ und der Erzbischof von Santiago, mit
hohen Ehren gefeiert wurden, Andere^ wie der Bischof Talayero von
Albarracin (f 1839), die erwähnten, der Erzbischof Caballero von Zara-
goza, und der vielverdiente Bischof von Menorca, waren in der Ver-
bannung gestorben. — Den Geistlichen wurde die Beibringung von
Certificaten ihrer Anhänglichkeit an die Verfassung erlassen« — Der
Gerichtshof der Rota wurde wieder eröffnet.
Die Königin Mutter hatte schon während ihrer Verbannung die ^'® ^^'
Versöhnung mit dem heiligen Stuhle auf das Eifrigste betrieben. Sie Matter,
liess auf Antreiben Papst Gregor's XVI., dem sie sich persönlich vor-
stellte, ihre vieljährige wilde Ehe mit dem frühern Sergenten Munoz,
dem spätem Herzog von Rianzares, kirchlich einsegnen. Narvaez aber
schickte bald nach seinem Amtsantritt den Privatsecretär der Königin
Matter, Castillo y Ayensa. nach Rom, der daselbst auf ofBciösem Wege
Verhandlungen einzuleiten suchte. Den (langsamen) Gang der Ver-
handlungen hat er selbst in dem oben angeführten Werke in das Ein-
zelnste geschildert, und J* Hergenröther hat darüber den deutschen
Lesern den genauesten Bericht erstattet. Uns gebricht der Raum,
darauf näher einzugehen. Wir wollen aber gern die hohen Verdienste
des Unterhändlers anerkennen, der seit langer Zeit zum erstenmale in
llom eine Haltung einnahm, die sehr vortheilhaft von der Haltung
seiner spanischen Vorgänger abstach, welche auf dem Wege des Drohens
und Säbelklirrens in Rom mit ihren Forderungen durchzudringen suchten.
Castillo y Ayensa trat als Bittsteller auf, der Papst aber und der Car-
dinal Lambruschini beobachteten eine würdevolle Haltung. In Spanien
sollte man fühlen, dass der Papst und die Kirche auch ohne Spanien
leben könne. Einen relativen Vortheil gewährte die jezige Lage der
Dinge. Man konnte nun den Papst nicht mehr mit beständigen Ge-
suchen um materielle Hilfe aus den Kirchengütern bestürmen. Diese Güter
"wsLten von den nimmersatten Männern der Revolution verschlungen worden.
Die erste Frucht der Verhandlungen mit Rom war das Decret
vom U. August 1844, welches die Einstellung des Verkaufs der (wenigen)
*) SpaDien seit dem Sturze Espartero^s bis auf die Gegenwart, Leipzig, 1853
(anonym), S. 108—146.
462 Vierzehntes Bach. FQiiftes Kapitel.
noch unverkauften Guter des Weltklerus und der FraaenUosto bis
zur definitiven Entscheidung der Cortes darüber verfugte. DieBesizer
der ehemaligen Klostcrguter fürchteten dadurch in ihrem Besizstande
gefährdet za sein. —
- Die Unterdrückung des Ordens von den frommen Scboloi odff
des heiligen Josef von Galasanz wurde in ganz Spanien scbmerzlid
gefühlt. Von allen Seiten und ohne Unterschied der Parteien gelangtai
Bitten an die Regierung, diesen Orden wieder herzusteUen. Denelb«
wurde im Anfang des Jahres 1845 durch einen Beschluss der Corto
wirklich wieder hergestellt').
Die Cortes traten den Beschlössen des Ministeriums in Beireff
der Kirchengüter beL Der Finanzminister legte den Entwurf eines
Dotationsgesezes für den Klerus vor. Darnach sollte dem Klerus der
Rest der Kirchengüter, allerdings nur ein kleiner Theil von hochstais
1000 Millionen Realen, und nicht mit Selbstverwaltung, gelaasen werdes.
Die Debatte führte so heftige Auftritte zwischen Mon and der katho-
lischen Fraotion Viluma's herbei, dass Viluma und seine 17 Anhiogv
sich für beleidigt erklarten und ihre Mandate niederlegten — 28. De
cember 1845, jedoch fast sämmtlich wiedergewählt wurden.
Zu Ende des Januar 1846 kam Castillo unerwartet von Bos
nach Madrid. Der Regierung lag Alles daran, die Anerkennung Ist-
bella's IL durch den heiligen Stuhl und ein Concordat za erlangeo
Sie concedirte also, was sie vor zwei Monaten abgeschlagen, die Vff-
waltung des Restes der Kirchengüter durch den Klerus selbst Am
17. März 1846 nahmen die Cortes diesen Antrag mit 126 gegen V.
Stimmen an, der Senat aber am 1. April mit 76 gegen 4 Stimmes.
Castillo war inzwischen nach Rom zurückgekehrt. £r wurde
nun von dem Staatsecretar Lambruschini als bevollmächtigter ICnister
Isabella's IL empfangen. In dem Consistorium vom 19. Januar wurdes
wieder die ersten Bischöfe für Spanien präconisirt Der Papst sagte, e
wünsche gar sehr, dass die Regierung die Stimme des nach Rom seise
Hände ausstreckenden Volkes recht bald verstehen lernen mochte. Er
selbst sei dem Wunsche der Königin entgegengekommen, indem er die
für Spanien ernannten Bischöfe bestätigt habe*).
') Wiaeman, a. a. 0., III, S. lOB— 104 (nach PenstmieDto de la Naeion, voL H
p. 136.). Die erste Namer dieses vortrefflichen Blattes enchiiva am 7. Febcv
1844 und war im Anfang ein Wochenblatt von je 16 Seiten. ,Es schant am (agt
Wiseman, S. 16) das Muster eines kirchlichen Journals zo sein; es steht nter der
Leitung des D. Jaime BdlnUs". Vom 1. MSn 1843 liess derselbe sa Bmiat
die Zeitschrift: ^La sooiedad' erscheinen, welche mit dem zweltea Bande »
September 1841 achlosa.
') Allgemeine Zeitung vom 28. Januar n. 10. Febr. 1816.
Die VerwaisuDg der BfsthOmer. 463
§. 21.
Die Verwaisung der Kirche Spanien^s hatte den höchsten Grad
erreicht.
JoBef Petrus Talayero, seit 1829 Bischof von Albarracin, Domi-
nikaner, wurde aus seinem Bisthume und Vaterlande vertrieben, und
starb in* der Verbannung zu Marseille am 7. December 1839. Er war
auch theologischer Schriflsteller. Er stiftete die Bruderschaft der
Bischöfe Spanien's, welche den Zweck hat, sich gegenseitig, jeder mit
dem Opfer von 100 Messen, nach dem Ableben jedes Einzelnen zu
unterstüzen. Mit ihm schloss auf würdige Weise die Reihe der Bischöfe
von Albarracin, das am 22. Juli 1577 errichtet, durch das Concordat
von 1861 aufgehoben wurde.*)
Das Bisthum Älmeria hatte im Jahre 1833 seinen Bischof ^n/on Aimeru.
Perez Minayo durch den Tod verloren. Es blieb verwaist bis zum
Jahre 1848. ^
Astorgaj Bischof von Astorga, war seit dem Jahre 1834 der als Attorg».
Schriftsteller verdiente Fdix Torres Amtxt. Er war der einzige der FeUx
spanischen Bischöfe, welcher durch dick und dünn mit der Regierung j^^"
gieng. In einem Hirtenbriefe vom 6. August 1842 stellte er die Aucto-
' rität des Staats der der Kirche gleich, und sogar noch über sie'); er
ist sehr ängstlich bemüht^ seiner Ueerde beizubringen, dass sie zwischen
dem Haupte der Kirche und dem Könige von Rom unterscheiden lerne.
' Dem Konige von Rom wirft er die Verdammung einer Schrift seines
Oheims Fdix Amat, des Erzbischofs von Palmyra, vor, der meines p^u^
- Wissens der einzige Spanier war, welcher „eine allgemeine Kirchen- Amat.
geschichtet (in 12 Bänden) herausgab.^ Fdix Amat wurde geboren
bei Barcelona am 10. August 1750. Er stiftete, mit dem Erzbischofe
von Tarragolka, die GeseUschaft der „amigos del pais''. Er wurde
Beichtvater Carl's IV., im Jahre 1803 Abt von Sanlldefonso und Erz-
bischof von Palmyra* Seine „Sechs Briefe an einen Friedfertigen^,
und seine „Pflichten des Christen zur Zeit der Revolution^ wurden
' von seinem Neffen herausgegeben^. — Seine „Bemerkungen über die
kirchliche Gewalt^ erschienen in den Jahren 1817 — 23 unter einem
■) Sein Leben bei Bemh, Wagner (i. e. lyeUschifter), Biographieen etc.,
1846, S. 87—91.
*) Paatoral del Obispo de Astorga, Madrid, 1842.
') Tratado de la Iglesia de Jean Cristo. (Sehr magere Eircheogeschichte bis
zum Ende des 18. Jahrhunderts, Madrid), 12 vol. 179^—1803.
*) Seis oartss k Jrenico, Barcelona, 1817. — Deberea del Gbriatiano en tiempo
de revolncion, Madrid, 1817. Observacionea aobre la Poteatad eeleaiaatica, Bar«
celona, 1817-»182d, 8 voL in 4', unter dem Namen des Don Macario Padoa Melato,
464 Vierzehntes Bach. FQnftes Kapitel.
falschen Namen. Sie kamen in den Index wegen eines Dnickfehlers.
wie sein Neffe meint , der von seinem Oheim verbessert worden sei
Dieses Verbot brachte den Neffen dabin, zwischen dem Könige toq
Rom und dem römischen Papste einen Unterschied zu statoiren. D^
ältere Amat starb in dem Kloster der Franciscaner bei Sallent, le
28. September 1824, im Alter von 74 Jahren'). Sein Lieben nnd sffie
Schriften hat sein Neffe in dem oft genannten Werke ,,Ueber dk
Schriftsteller von Catalonien^ dargestellt. Es dürfte diess^die tk-
dienstvollste Arbeit des Jüngern Torres Amat sein.
Im Jahre 1849 erschien dazu ein werthvoUes „Suplemento'^, y(t
dem Canonicus Juan Corminas von Burgos. — DerBiscbof von Astorfi
ver- starb zu Madrid am 29. December 1847. Das Bisthum Avila war $er.
tt*ttü. 2. Februar 1841 erledigt. Am 16, Februar 1841 war auch dcrBisckti
mer. Mattliacus Delgado y Moreno von Badajoz (seit 29. December 18(1'
gestorben. Der Erzbischof von Burgos Ignatius Rivas y Major, seit
25. Februar 1832, war am 31. October. 1840 gestorben. Das En-
bisthum Saragossa war seit dem 15. December 1843 erledigt Ik
Bischof von Cartagena (= Murcia), Joseph Anton, de Azpeitia Sati*
de S. Maria (seit 13. Mai 1825) war am 1. November 1840 mit TsC
abgegangen. —
Lezter Bischof des afrikanisch^ Bisthums Ceuta war seit 15. Mb
1830 Joannes Sanchez Barragan y Vera, der in seiner BischofssUdt
am 14. August 1846 gestorben war. Durch das Concordat von lS-^1
wurde dieses Bisthum aufgehoben. Bischof von Guenca war seit dec
21. Mai 1827 Hyacinth. Ramon Rodriguez Rico, ulessen Siz am 12. Ji*
nuar 1841 durch seinen Tod erledigt wurde. Da der Bischof pes
Gerona, Dionys. Castano y Bermudez, seit 27. Juni 1825, schon i£
24. April 1834, d. i. nach dem Tode Ferdinand's VII., gestorben wv.
so blieb dieses Bisthum 14 volle Jahre, von 1834 bis 1848 vervii^
— Laurent. Ramo de San Blas, Bischof von Hnesca seit 15. Apn.
1833, starb am 15. September 1845. Das Bisthum blieb sechs J&l>^
erledigt. Schon am 28. August 1836 war Didacos Hartinez Carik^
y Teruel, Bischof von Jaen seit 23. Februar 1832, gestorben; toc
Jahre 1836 bis 1848 blieb das Bisthum verwaist. Der Bischof t^
Leon, Joachim Abarca y Blanque, wurde am 20. März 1825 geweiht. L
musste, da er Don Carlos dem Aeltem diente, fliehen und wobo^'
in dem Kloster der Carmeliter von de Lanzo bei Tarin, wo er ic
21. Juni des Jahres 1844 starb. Der Bischof Jnlian. Alonso von Leri<i>-
') Torres ÄmcU, Diccionarlo critico de los eaeritores eatalaoefi, Btfi^^
p. 16—34. Ein „ Apendioe" zu seiDem im Jahre 1835 heraiiagegebeQen Lek» <^
schien im Jahre 1838, beide von seinem Neffen; cf. die Zeitschrift JEfF^
nr. 2i;9— 230, 241, v. Juni 1836.
Verwaisung der ßisthttmer. 465
aas dem Fraemonstratenserorden, geweiht als Bischof von Lerida am
25. Jnli 1833, war zwar ein treuer Anhänger der minderjährigen Isa-
belia II. Dennoch wurde ihm der Process gemacht, er wnrde mit dem
Verluste aller seiner Ehren, Würden und Güter ans Spanien als
Rebell verbannt, 7. October 1840, Der Bischof zog sich nach Nizza
zurück, und starb daselbst am 18. Februar 1844, als er schon, wie
man sagte, die Erlaubniss erhalten, nach Spanien zurückzukehren, und
wieder sein Bisthum zu regieren'). Dasselbe blieb verwaist bis zum
Jahre 1848. — Das Bisthum Lugo wurde durch den Tod des am
]8. December 1824 von Maynas in Peru hieher versezten Franciscaners
Hippolyt. Sanchee Rangel y Fayas am 29« April 1839 erledigt. Er
starb in seinem Bisthume, das nach ihm neun Jahre verwaist blieb.
Bischof von Maynas war er seit 1805 gewesen. Er wnrde 78 Jahre alt.
Zwei Bischöfe von Majorka starben im Jahre 1842, der eine
war der sehr „fortgeschrittene^ Petrus Gonzalez Vallejo, seit dem
27. September 1819, der mit der Revolution voüi 1. Januar 1820 Hand
in Hand gieng, darum im Jahre 1824 seinem Bisthume entsagen musste.
£r war am uO. April 1842 gestorben. Sein Nachfolger war Anton.
Perez Hirias, seit 27, Juni 1825, durch dessen am 18. December 1842
erfolgten Tod das Bisthum der Insel Majorka fünf Jahre erledigt blieb*).
Das Bisthnm Malaga war durch den am 26. December 1835 erfolgten
Tod des Bischofs Josef Gomez y Navas verwaist, bis zum Jahre 1848,
QDd fiel in die Hände des „vielgenannten^ Administrators Valentin.
Drtigosa, der in der spanischen Kirchengeschichte neben dem Bischöfe
llostegesis (845 — 864) berufenen Andenkens figurirt.
Der Bischof Franc. Lopez Borricon war am 25. Juni 1827 für
&fondonedo praeconisirt worden, und war am 12. December 1839 in
(emem Bisthume gestorben. Der Siz blieb bis zum Jahre 1850 erl-
edigt — Am 14. März 1819 wurde der Bischof Damasus de Igle-
»ias y Lago von Orense geweiht, und starb am 13. November 1840,
In dem iV., VII. und IX. Bande der erwähnten „Coleccion eclesia-
;tica^ finden sich nicht wenige Documente, welche seine Erleuchtung
ind seinen Eifer beweisen). Der Bischof Joan. Cavia y Gonzalez von
3snia, am 26. September 1814 bestätigt, war am 23. Dec. 1831 ge-
torben. Im Jahre 1833 wurde als sein Nachfolger Josef Sabau Blanco
rnannt, Canonicus von Saragossa, der berühmte Fortsezer der spa-
liscken Geschichte von Mariana. Er starb aber noch in demselben
^ahre, und so fiel das Bisthum einer langen Verwabung heim vom
>) Espafia sagrada, t. 47, Madrid, 1860, p. 147-49.
*) Von dem im Jahre 1844 gestorbenen Bischof Merino von Menoroa haben
ir gesprochen.
a»iii«t ipui Kirche. III. >• SO
466 Vierzehntes Bach. Fünftes Kapitel.
Jahre 1831 bis zum Jahre 1848. Zwölf Jahre blieb O^iedo erledigt,
durch den am 26. März 1836 erfolgten Tod des Bischofs Gregor.
Ceruelo de la Fuente (seit 23. September 1815). Giadad Bodrigo vir
seit dem Jahre 1835 erledigt, und blieb erledigt für alle Zeit
Der Bischof Philipp Gonzalez Abarca war am 28. September
1829 von Ivi9a nach Santander versezt worden; mit seinem Todeic
12. März 1842 war das Bisthum verwaist und blieb es sechs Jak»
lang. . Der Bischof Julian. Sanz et Palancö von Segorve, seit 21. Hin
1825, starb am 30, April 1837. — Der Dominikaner Joachim Biii,
seit 24. Februar 1832 Bischof von Segovia, war am 23. Januar VSl
gestorben. Der Siz blieb 11 Jahre erledigt GleichfiJls 11 Jahre mr
das Bisthum Siguenza verwaist, durch den am 8. Januar 1837 erfolgtes
Tod des Bischofs Emmanuel Frayle (seit 29. März 1819). Solsona hatte
seinen lezten Bischof, den Mercedarier Joannes Josef de Tejada, toc
2. Juli 1832 an. Der Siz war erledigt im Jahre 1840, das Bistknc
selbst aber hörte mit ßem Jahre 1851 auf, zu existiren. — Der Bisdoi
Hieron. CastcUon y Salas, Bischof seit 10. Juli 1815, zugleich de:
lezte Generalinquisitor in Spanien, war schon am 20. April 1835 ^
sterben; 13 Jahre, bis zum Jahre 1848, blieb nach ihm das Bisüic
Tarazona erledigt. Durch den Tod des Bischofs Josef Asensio in
Ocon (1832, 24. Febr. — t 2. Dec. 1833) wurde das Bisthum Tim
erledigt, und blieb es 17 Jahre lang, bis zum Jahre 1850. Der Pn-
matialstuhl von Toledo war nicht besezt von 1836 — 1847. Vicur
Damian Saez, Bischof von Tortosa, 3. Mai 1824 Minister ooti:
Ferdinand VII.; war am 3. Februar i8ü9 gestorben; der Siz bht:
9 Jahre lang verwaist. — Vierter und zugleich lezter Bischof von Tadü
war Kamon Maria Azpeitia Saenz de S. Maria — seit 1819, weicht!
am oO. Juni 1844 starb. Der Erzbischof Joachim Lopez Sicilia tci
Burgos, am 24. Februar 1832 hieher versezt, war am 24. August )^ '
gestorben. Es trat eine Sedisvacanz von 10 Jahren ein. Nach dem Toec
des Bischofs Paul de Corcuera y Caserta (1*^25, 20. Dec f 3Jc:
1835) blieb das Bisthum Vieh 13 Jahre unbesezt. Endlich nach de&
Tode des Dominikaners, Thomas de la Iglesia, war das Bisthom U
mora 14 Jahre verwaist (1834 — 1848.)
Zur Zeit des Todes Gregorys XVI. — 1. Juni 1846, waren tofi
59 Bisthümern 38 erledigt. Dazu kam noch im Jahre 1847 der To«i
des Bischofs von Astorga. Am 21. Juni 1847 starb zu Alicaote -
der Cardinal von Sevilla, Franc. Xav. Cienfuegos.
Es lebten noch die Erzbischofe und Bischöfe von Barbastrv
Barcelona , Cadix , Calahorra , Canarias , Compostella , Cordon.
Coria, Granada, Jacca, Ivi^a, Orihuela, Palentia, Pamplona, Hi-
centia, Salamanca, Tarragona, Tuy, Urgel, und Valladolid, Z««»
Dritttheile des Episcopats von Spanien waren ausgestorben. £» ^^
Neue Bischöfe 181G-1848. 467
•
dieses, abgesehen von den Zeiten der Mauren, die grosste und. am
längsten dauernde Verwaisung der Bisthümer Spanien's.
In der Verbannung starben die Erzbischofe von Saragossa und
Sevilla, die Bischöfe von Albarracin, Leon, Lerida und Menorca. —
Jahre lang verbannt waren die Erzbischöfe von Compostella und Tar-
ragona, die Bischöfe von Avila, Flacentia, (Cadix), Canarias, Calahorra,
Plasencia, Valencia, Barbastro, Urgel, Pamplona u. a. — Die Regierung
hatte eine Anzahl von Bischöfen ernannt, welche aber in Rom nicht
bestätigt worden«
Am 4. October, 17. und 24. December 1847 wurden nach langer
Verwaisung der Bisthümer wieder zahlreiche spanische Bischöfe prae-
conisirt, Manuel Lopez Santisteban für Avila, der schon am 30. April 1852
wieder verzichtete, Eman. Maria Gomez Rivas für das Erzbisthum Sara-
gossa (t 17. Juni LSÖ8), Bonaventura Codina für Canarias, während der
bisherige Bischof Judas Thaddaens Romo nach Sevilla versezt, und
schon im Jahre 1850 Cardinal wurde« Bischof von Carthagena wurde
Uarian. Barrio Fernandez. Der Bischof von Corduba Joan. Josef
Bonel y Orbe wurde am 4. October 1847 Erzbischof von Toledo, —
Uardinal im Jahre lb'50, und erhielt an demselben Tage zu seinem Nach-
folger in Cordova den Joachim Tarancon. An demselben 4. October 1847
vrurde der bisherige Bischof Raimund Montero von Coria Erzbischof
ron Burgos, starb aber shcon am 30. März 1848 zu Madrid. In Coria NoneBi-
folgte ihm Eman. Anselm. Nafria (f 18Ö1). Auch Cuenca erhielt am ^ ^^
17. December 1847 nach langer Verwaisung einen Bischof, der aber i^is.
»chon am 9. October 1848 starb« An demselben Tage erhielt Gerona
n der Person des Florent. Llorente y Monte einen neuen Bischof
[t vor Febr. 186:^). Den Stuhl von Granada bestieg im Jahre 1848,
ron Teneriffe hieher kommend, der Erzbischof Ludov. Anton. Folqueras
f Sion (f 28. OcL 1850). Josef Escolano y Fenoy wurde am 23. April
1848 zam Bischöfe von Jäen berufen (f 21. Juli 1854). Zu derselben Zeit
erhielten die langverwaisten Bisthümer Leon und Lerida, Lugo, Ma-
orka^ Malaga, Orense, Osma, Oviedo, Sautimdcr, Segorve, Segovia,
Jiguenza, Tarazona, Teruel, (Tortosa), Valencia, Vieh und Zamora ihre
leuen Oberhirten. — Diese neuen Bischöfe trafen sehr zerrüttete Zu-
itande in ihren Kirchen. Sie sollten alles neu ordnen, neu schaffen;
« fehlte aber gar sehr an materiellen und sonstigen Mitteln. Die
ilrche war verarmt, der Staatsschaz war leer, das Volk war zum grössten
Cheile verarmt Wir begegnen der auffallenden Erscheinung, dass von
len ueaen Bischöfen viele im Laufe weniger Jahre dahinstarben. Von
468 Vierzehntes Bach. Fünftes Kapitel.
den Bischöfen, die im Jahre 1848 Besiz von ihren Kirchen nahmeo,
lebt schon längst keiner mehr. Vielleicht dass das Elend, das sie
fanden, nnd dem sie nicht abhelfen konnten, ihnen das Leben Dieb
wenig verkürzt hat.
Am 50. September 1850 wurden wieder neue Cardinäle for Spucrt
ernannt, die Erzbischofe von Sevilla nnd von Toledo. Unier ihnen nr
der Glaubensbekenner Baphael Velez von Compostella nicht Alstr
aas seiner langen Verbannung auf Menorca von 1835 — 1844 zoröck-
kehrte — Juli 1844, wurde er im Triumphe aufgenommen. Er dorcb-
eilte seinen grossen Sprengel, und suchte überall die durch den laDgfs
spanischen „Culturkampf' geschlagenen Wunden zu heilen. Aber sm
Tage waren gezählt. Er starb am 3. August 1850, im Alter von 7ö Jakrto,
von welchen er 34 Jahre lang Bischof gewesen war. Er starb, inL-
rend er, nach seiner täglichen Gewohnheit, die Litanei zu allen Hei-
ligen betete; er starb eines ruhigen und heiligen Todes, sowie scio
ganzes Leben gewesen war. ')
§• 23*
Die Grundlage der jezigen kirchlichen Ordnung in Spanien k
Nene« das am 5. September 1851 geschlossene Concordat in 46 Artikeln*-
^^°j^^^' Nach ihm ist die katholische Religion die einzige in Spanien. Di
bestehenden Erzbisthümer Toledo, Burgos, Saragossa, Compostdk
Granada, Sevilla, Tarragona und Valencia bleiben bestehen. Ein nemtir
Erzbisthum, Valladolid, wird für die Provinz Altcastilien erricbtrt
Aufgehoben werden die Bisthümer Albarracin, Barbastro, Cindad E>
drigo, Ceuta, Ivi^a, Tudela und Teneriffe. Leztcrcs hatte seinen erst»
Bischof vom Jahre 1825 bis 1848. Es hat aber hm 20. März l^T'
in dem Benedictiner Ildefons Infante y Macias seinen zweiten Biseho'
erhalten. Es heisst auch S. Christoforo di Laguna — auf der lost
Teneriffe.
Drei neue Bisthümer sollten in Spanien errichtet werden, M>
drid, Ciudad Real nnd Vittoria. Warum Madrid bisher nicht erridibc
wurde, haben wir früher gesagt. Ciudad Real kommt zum leztenoait
in dem römischen „Anuario^ vom Jahre 1878 mit den Wortai Tor:
„Errichtet von Seiner Heiligkeit (Pius IX.).^ In dem „Anuario IL*
des Jahres 1878 ist es ausgelassen. Madrid aber blieb stehen, ^
wenn es verwaist wäre. In der That, es ist verwaist von se'oer
') Pedr. Oreajo, Historia de la Catedral de Bargos, 1856, p. 175— K6. - 2tf^
dano, Catedral de Compostella, 186D.
•) Acta Pii IX, t. 1, p. 311—341.
T. J.
1851.
Kiroblicbe Literatur. ^69
Gründung an. Nachdem das Erzbisthum Toledo im Laufe der Jahr-
hunderte 60 viel verloren hatte, wollte es nicht auch noch die Haupt-
stadt Madrid verlieren. — Das Bisthum Vittoria wurde zum erstenmale
im Jahre 1861 besezt.
Unter Toledo stehen nun die Bisthümer: Coria, (^uenca, Placencia, ^^J^
Siguenza, (Ciudad Real, Madrid). — Unter dem Erzbischofe von k!rcii-
Burgos stehen die Bischöfe von Calahorra, Osma, Palencia, Santander, ^^^^^,
Vittoria, und Leon. Leon, das allzeit exemte Leon, ist endlich lang
Suffraganbisthum geworden. Unter Saragossa stehen nun Huesca (Bar-
bastro), Jacca, Pamplona mit Tudela, Tarazona, Teruel mit Albar-
racin. Tarragona hat unter sich die Bisthämer: Barcelona, Gerona,
Lerida, Tortosa, Urgel, Vieh mit Solsona. Valencia hat unter sich
die Bisthümer: Orihuela, Segorve, Majorka mit Ivi^a, Menorca.
Der Erzbischof von Granada hat zu seinen Suffraganen die Bischöfe
von Cartagena, Jaen, Guadix, Almeria und Malaga. Unter dem
Erzbischofe von Sevilla stehen die Su&aganbisthümer von Oordova,
Badajoz, Cadix mit Ceuta, Canarias und Teneriffe. Unter dem neuen
Erzbisthum Valladolid stehen Astorga, Avila, Salamanca mit Ciudad
llodrigo, Segovia und Zamora. Der Erzbischof von Compostella
hat zu seineu Suffraganen Lugo, Mondonedo, Orense, das nicht mehr
exemte Oviedo, und Tuy.
Es bestehen 9 Erzbisthnmer und 45 Bisthümer. Dazu kommen
4 (5) Bisthümer in den Philippinen und 3 in Westindien. ^)
§. 24.
In Folge des neuen Concordats begann ein neues Leben für die
Kirche in Spanien, daö freilich schon wieder im Jahre 1854 durch
neue Stürme unterbrochen wurde. Die beständigen politischen Umwäl-
zungen in Spanien ziehen stets auch die Kirche in Mitleidenschaft. —
treuere Seminare traten in das Leben. Der Zugang, vielmehr der
i^udrang zum geistlichen Stande trat auffallend hervor. Im Jahre 1854
cam vorübergehend wieder Espartero zur Gewalt. Der Papst musste
)ich über Verlezungen des Concordats beklagen. Doch dauerte dieser ^q,^.
Sturm nicht lange. ^^^^
Auch die kirchliche Literatur trieb neue Blüthen. Die vom Jahre ^„^
Llton-
851 neu erschienenen Werke haben wir fast alle genannt, es ist die
Jonciliensammlung von Tejada j Kamiro, 1851 — 62, das ^Suplemento^
') Das Ck)QOordat bei Tejada y Bamiro, t. VII, p. 1. — enthält zugleich ein
^erzeicbniss aller in Folge desselben emanirten Erlasse vom Jahre 1851 bis zam
ahre 1862, deren Zahl gross ist. — dutülo y Ayensa und Hergenröther 1. c.
470 VierzeliDte« Bach. Fanftee Enpltel. KircLlicbe Litmhir.
zu dem Diccionario der Theologie, von Bergier^ Madrid (tSol), to
welchem die meisten Bischöfe mitarbeiteten , die in zwei Auflages
(l^o4 — 1858, 187.^ — 1875) erschienene Kirchengeschicbt^ Spanien'» toh
Vic de La Fuente (4 und 6 Bände), die in 6 Bänden erschieooe
Sammlung der Werke des Torlezten Erzbischofs von Tarragona, Co$li
y Borras (f 1864), Barcelona 1805 — 1866, die Fortsezung der Efpaa
sagrada vom Bande 43^—50 in den Jahren 1849 — 1865, enthaltend iv
Bisthümer Gerona (t. 43, 44, 45), Lerida (t. 46—47), Barbastro (t.4>.
und Tarazona (t. 49 — 50), Seit dem Jahre 1865 „ruhet" das Werk, aoc
es ist keine gesicherte Hoffnung, es wieder in Gang zu bringen.
Im Jahre 1868 musste die Königin Isabella II. ihren Gegnen,
den gegen sie verchwomen Serrano, Prim und Topete, weichen. Narra«
starb am 23. April 1868 als Ministerpräsident. Auf ihn folgte Gon-
zalez Bravo« Die Flotte unt^r Topete empörte sich, zu Topete schlugen
sich Prim und Serrano. An demselben Tage und in derselben Stande
musste Isabella Spanien verlassen, an welcher ihr Vater 35 Jahrr
früher das Leben verlassen hatte (20. Sept. 1833 und 186*^). Zvt
Jahre lang versuchten es die Spanier mit dem Piemontesen Priu
Amadeo, 1870 — 72, der freiwillig abdankte — Januar 1873; äisc
kam wieder eine Scheinrepublik unter Serrano. Der General Martinez
Campos rief im December 1874 den Sohn Isabella's als König AlfonsXIl
aus, der im Januar 1875 nach Madrid kam. Ein päpstlicher Nautisf
folgte bald* nach. Die Beziehungen mit Rom gestalteten sich freood-
lieber. Unter dem tüchtigen Minister Cänovas del Castillo traut
ruhigere Zustände ein. Leider wurde die Ehe Alfon's XII. mit sei»r
Cousine D. Mercedes von Orleans — 23. Januar 1878 — schon »a
26. Juni 1878 durch den Tod der Königin gelöst.
Gott schüze Spanien, und lasse es im möglichst engen Ancblosit
an seine glorreiche katholische Vergangenheit eine bessere Zeit erlebec
als es unter der langen Herrschaft der Revolution (1TG2 — 1^75) (t-
lebt hat.
Rccapitulation des ganzen Werkes.
Von diesem Werke erschien der erste und zweite Band in den
Jahren 1862 and 1864; der dritte und vierte in den Jahren 1874 und
1876. Der Grund des langen Zwischenraums von 10 Jahren war vor-
wiegend die Bearbeitung „der Series episcoporum Ecclesiae catbo-
licac/' welche ich im März 1865 zu Barcelona begann, und an der ich
acht. Jahre arbeitete. In der langen Zeit von 1862 bis 1879 hat auch
die Literatur Fortschritte gemacht. Ueber die meisten der von mir
in diesem Werke behandelten historischen Fragen sind inzwischen
neue Schriften erschienen; die Resultate derselben haben mich zu
wiederholter Prüfung der von mir vorgeschlagenen Losungen der Streit-
fragen veranlasst. In der nun folgenden Zusammenstellung des In-
lialts meines Werkes will ich die von mir behandelten Fragen in Kürze
wiederholt darlegen.
Erstes Kapitel
Erster Band, 1862.
Die Missionsreise des Apostels Paulus nach Spanien, nach dem
Knde seiner ersten römischen Gefangenschaft im Jahre 63, wird wenig-
stens von katholischen Schriftstellern ziemlich allgemein zugegeben.
Die beiden Hauptgründe, das Zeugniss des Clemens von Rom und das
/^eugniss des Verfassers des sogenannten Codex Muratori N. T. scheinen
Ane andere Erklärung nicht zuzulassen, als dass Paulus von Rom nach
Spanien gereist sei. Im Besondem habe ich aus Profan- wie aus kircfa- niodrei
ichen Schriftstellern nachgewiesen, dass im ganzen Alterthum rd rigfia '^^'
:^g 8vc€wg oder „ultima Hesperia'^ nie etwas anderes bedeutet habe, arundo
472 Becapiialatlon des gaozen Werkes. Erstes KftpiteL Erster Band, 1862.
^' <i*« als Spanien, dass man die Worte weder von England, Irland, GsHien,
bLTau^ Italien, noch von Mauritanien verstehen könne. Clemens, der Zeit-
itu n«ch genösse des Paalus, konnte, ja musste wissen, ob Panlos die beabsirb-
c. 63. B. tigte Reise nach Spanien gemacht habe, oder nicht Die Apostd-
civ. geschichte wnrde von Lucas in Rom während der 2ieit der ersten G^
fkngenschaft des Apostels in Rom in den Jahren 61 — 63 verfasst, noi
Lucas konnte nicht Ereignisse einer spätem Zeit erzählen. Er schwort
über Pauli Reise nach Spanien, wie iiber d^s Martyrium des Apostek
Petrus, weil beide Ereignisse damals noch nicht eingetreten waren.
Nach meiner Kenntniss der Literatur bin ich der erste Schrift-
R*«*»*- steller, der den Versuch gemacht, die Richtung der Reise des Aposteb
Reise in und durch Spanien selbst zu erforschen, oder zu errathen. Ich habr
durch ^jg Vermuthung aufgestellt, er sei von Cad;x über Sevilla, Aitigi
Ga. (Ecjia), üorduba, über den Mons Marianus, über Lamininm, Libi-
von
den nach g^g^^ XativE odcr Sätabis, Valencia, Dertosa nach Tarragona gereist
CO? Es bestehen schwache Local-Traditioned, dass der Apostel in Astigi,
Laminium, Lezuza, Sätabis, Dertosa und Tarragona geweilt habe. Ditst
Traditionen gewinnen aber einen beachtenswerthen Halt nnd Zosas-
menhang durch die Thatsache, dass alle diese Orte an der grosso
^Strasse lagen, welche von Gades nach Tarraco, von Tarraco nict
Rom führte.
Als der erste Band meines Werkes im Jahre 1862 erschien, w
die Richtung der Strasse von Castulo nach Sätabis noch keineswe^
festgestellt. Ja nach einer Aeusserung Strabo's, dass dieser V^
wegen seiner allzu grossen Steile oder Härte verlassen nnd die ocor
Strasse in der Richtting von Cartagena, Acci und Castulo gebaä
worden sei, und wegen des Stillschweigens, wenigstens der Terwir-
renden Angaben der Stationen des Weges in dem Reichswegweistt
Honen ^^® Sogenannten Antonin konnte man überhaupt bezweifeln, ob daal
inAtu- die Sierra Morena noch eine im Gebranch befindliche Strasse geiakri
8^' ^^ habe. Man entdeckte aber im Jahre 1 852 die sogenannten Vasa Apol-
XAtiTa, linaria, (eine Entdeckung, von der ich im Jahre 1860 noch ak'h»
Derto0«. ^Qggte), welche die Mansionen oder Haltstellen der Strasse von Gafc
nach Rom in drei Variationen, oder in einer dreifachen „Receoooi"
angeben, mit der Ueberschrift: Itinerare a Gades usque Roma (Rei^
Stationen von Gades naöh Rom. Das Latein ist nicht klassisch, tka
doch verständlich). Hier sind von Castulo nach Sätabis neun Statiooce
angegeben, von \irelchen früher nur zwei, Mentesa (dessen Lage nicbt
sicher gestellt war) und Libisosa, bekannt waren. An der Anleito»^
dieser neuen Entdeckung, und aus Anlass des Baues der Eiscnbab
durch die Sierra Morena wurde nun auch die Lage der sieben übrig«
Mansionen untersucht, und mit grosser Wahrscheinlichkeit festgcstefe
Da nach den ortlichen Traditionen der Apostel einerseits in A#*
Der heilige Paalas in Spanien. 473
anderseits io Libisosa gepredigt habe, so kann man nicht mehr dagegen
einwenden, dass diese beiden Orte in keiner Verbindung mit einander
gestanden, und man von dem einen höchstens auf grossen Umwegen
z^ dem andern habe gelangen können. Vielmehr führte die direkte
Strasse von Gades nach Hispalis, von Hispalis nach Astigi, von hier
über Corduba nnd Castulo, vorüber an den Stationen: Ad Morum,
II Solana nach Mariana am nordlichen Rande der Sierra Morena, von
da nach Libisosa, von hier über Parietinae, Saltigis — , vorbei an den
Hansionen: Ad Palcm und Ad Aras nach Sätabis (Xativa), und weiter
über Valencia nach Dertosa und Tarraco. Diese spätem oder mir erst
später bekannt gewordenen Entdeckungen haben also zur Verstärkung
der von mir beigebrachten Grunde über die Richtung der Reise Pauli
durch Spanien beigetragen.
Ich habe einen dritten , bisher nicht beachteten Beweis für eine Ent« u.
doppelte Gefangenschaft Pauli in Rom, im Jahre 61, und um das^'^^J^^
Jahr 66 — 67 beigebracht; denn, wenn Paulus nur einmal in Rom ge* fmüi
fangen war, so bleibt f&r eine Reise desselben nach Spanien keine Zeit *" ^^'
und kein Raum. Nun feierte die älteste römische Kirche nach dem
sogenannten Romanum Parvum des Ado, d. h. dem ältesten uns be-
kannten römischen Festkalender, dessen Spuren sich schon bei Gregor
dem Grossen finden, am 6. Juli:
Das Fest der Oktave der (Fürsten der) Apostel, Et Primus in-
gressns apostoli Pauli in urbem Romam. Einem ersten Eintritte muss
wenigstens ein zweiter gefolgt sein, der Apostel also aus seiner ersten
römischen Gefangenschaft um das Jahr G3 befreit worden sein. Franz
Werner in ScL Polten hat fast gleichzeitig mit mir eine Abhandlung über:
„die Reise Pauli nach Spanien nnd dessen zweite romische Gefangen-
schaft" (in oesterreich« Vierteljahrschr. f. kath. Theologie, von Theodor
Wiedemann, Wien, 1863, S. 321— 3J6; 1864, S. 1—52) erscheinen lassen,
deren Resultat mit dem meinigen übereinstimmt, nur sagt er nichts
von der Richtung der Reise des Apostels durch Spanien. Am Ende
seiner Arbeit kam ihm meine Abhandlung noch zu Gesichte, und er
bezeichnet es als von „Verdienst, auf jenes Fest in dem Romanum
Farvum hingewiesen zu haben^ (1864, S.49), adoptirt demnach meinen
Beweis. Auch Dr. Hefele weist denselben nicht ab (Tübinger Quar*
talschr. 1863, S. 522.) — Im Jahre 1862 habe ich es als wahrschein-
lich bezeichnet, dass der heilige Paulus auch nach Dertosa (und Tar-
raco) gekommen. Jedenfalls fordert die unbestreitbare Thatsache, dass ^^®
die heilige Thecla, die gefeierte Schiileriu des Apostels, von jeher Pa- TamuM
tronin der Kathedrale und des Erzbisthums von Tarraco war, eine *""* ^*
liolUffo
erschöpfende historische Untersuchung. Wo die heilige Thecla ver- Theeu,
ehrt wird, wird überall auch ihr Bekehrer, der heilige Pauhis, verehrt.
Im Jahre 1867 habe ich sowohl im ersten Band von MöJdef^s Kirchen-
474 Recapitulation des gnnzen Werkes. Erstes Kapitel. Enter Band, U€l
gescbicbte, als in der Festschrift: ,,Da8 Jahr des Martyrtodes der
Apostel Petrus und Paulus'^ aufs Neue, und besondei's die Frage ddUt-
sucht, ob man, sei es auf der Hinreise, oder Bückreise des Apostek
aus Spanien einigen Grund habe anzunehmen, dass er durch das sei-
liehe Gallien, etwa nach Narbonne, Arles und Vienne, gekommen ae').
Ich habe gesagt, dass wir Grund zu der Annahme haben, dass Tro-
phimus von Arles und Crescenz von Vienne von den „Aposteb^ oadi
Gallien gesandt worden. Bisher glaubte man allgemein, Crescenz sei
von Rom nach Galatien gereist. (I Timoth. 4, 10.) Aber Dio Camui
nennt „Galatien und Gallien^' neben einander als dasselbe Li&d
(53, 12 [7]; 54, 4 [7]. Bei den Griechen bedeutet überhaupt Gsli-
tien auch das westliche Gallien. Der griechische Irenaeus nennt „Gsl-
^"•' lien" auch „Galatien." Eusehius von Caesarea sagt bestimmt: (Kircheo-
reifltTon gcschichte 3, 14) Crescenz ist nach Gallien gereist. Hieronymm sagt
^®™ (de viris illustr. append. I): „Crescens in Galliis praedicavit**, ebenso d»
GaUieu Chrouicou paschalc, Epiphaniua und Theodoret. Dazu kam nenestens iu
(Vien- entscheidende Zeugniss des sogenannten Codex Sinaiticns, der dos
vierten Jahrhundert angehört, und mit dem Text der ältesten latei-
nischen Uebersezung der Bibel (nach Tisehendarf) harmonirt. Dieser
Codex nun sagt: „Crescenz reiste nach Gallien"').
Nach allen vorliegenden Zeugnissen kann es keinem Zweifel mds
unterliegen, dass der Apo^telschüler Crescenz von Kom nach Gsllieo
reiste; da man auch allgemein annimmt, dass Trophimus im ersten Jab-
hundert von Kom nach Arles gesandt wurde, so gewinnt dadurch dif
Annahme einer Reise des hedligen Paulus durch das südliche GaDia
(nach meiner Annahme bei seiner Rückreise in den Onent) an Wahr-
scheinlichkeit.
§. 2.
Das zweite Buch behandelt „die Sendung und Thätigkeit der
sieben Apostelschüler in Spanien." Sie wurden von den „Aposteb" tob
Rom nach Spanien gesendet. Kach der Annahme der meisten iltm
Spanier landeten sie in Cartagena. H. Florezy der sie von Südostea
her, von ürci, kommen lässt, steht mit seiner Hypothese allein dt.
Nördlich von Acci , welches auf der linken oder westlichen Seite d^
') Sowohl MöMet^s Eirchengeschichte als die Schrift Ober Pelnu sad Ptti»
wurden von Abbö Belet zu Besan^on in das Französische fiberaezt (was ieb ficffici
erst aas Zeitschriften und auf dem Wege des Buchhandels erfuhr)
*) Phil. Bttttmann, Kecensus omnlum lectionum quibus Codex Stnaiticsi ät
crepat a textu editionis Novi Testamenti, cui titalas est: N testamentum gnm^
fidem potiss. codicis Vaticani; recensuit etc. BuUmann, edit. 3, 1^65, p. I'^<
raXKap anstatt: TaAaWar.
Die stehen ApostelscLüler etc. in Spanien. "^^^
Flusses von Guadix lag und liegt, ruhten sie von der Reise aus, und ^*«»s«'
wollten Nahrangsmittel zu sich nehmen. Das heidnische Volk stürmte tihapo.
auf sie ein. Sie flohen über die Brücke zurück, Vielehe durch ein ■*<*"**'
Wunder der Macht Gottes einstürzte, so dass ihre Verfolger sie nicht — c. C5.
mehr erreichten. Darauf hin bekehrte sich die fromme Luparia. Ein
Oratorium virurde gebaut. Torquatus, der Führer der Siebenmänner,
jchlag als erster Bischof seinen Siz in Äcci auf, und wirkte hier und
ron hier aus bis zu seinem Tode. Dass er, oder einer seiner Ge-
lahrten Märtyrer gev^orden, wird durch die alte spanische Liturgie
licht bestätigt.
In allen Jahrhunderten hiess Acci die „apostolische Kirche^S
A'eil sie von einem Apostelschüler gegründet wurde. Am Festtage des
Heiligen, am ersten Mai, trieb, nach dem Zeugnisse des Usuard und
ido, der Olivenbaum am Grabe des Heiligen, das in einiger Ent-
ernung von Acci gezeigt wird, neue Blüthen. Als ich im Jahre 1865
D Granada und Guadix war, erzählten mir die Herren Man, Oongora
md Torcuato Tarrago in Guadix, dass gerade in jenem Jahre der
ange verdorrte Olivenbaum neue Blüthen getrieben habe'). Damals,
m Jahre 1865, waren nach meiner Annahme c. 1800 Jahre (65 — 1865)
ergangen, seitdem Torquatus mit seinen Gefährten in Acci angelangt ^^
?ar. Dass ferner im Jahre 1865 eine neue Brücke über den Fluss dix},<iie
;e8chlagen wurde, konnte ich mit eigenen Augen sehen, habe aber ^y^^'
Leine Meinung darüber, ob in der ganzen Zeit von 65 bis 1865 der Kirche«.
Hubs brückenlos war.
Die Festmesse der altspanischen Liturgie am Tage des heiligen
Porquatus (erster Mai) stammt aus der Stadt Acci. Dieses geht deut-
ich aus den Worten der Fräfation (lUatio) hervor: „Da die „Sieben^'
'Männer) in der Nähe dieser Stadt (in vicinitate hujus civitatis => Acci)
hre Schüler aussandten, um einige Lebensmittel zu kaufen, so voll*
trachten die Begleiter, was ihnen aufgetragen worden."
Der zweite der Siebenmänner Hess sich in ,,Abvla*^ nieder. Dass
Lbula das heutige Avila in Altcastilien sei, dafür spricht nichts. Avila
liess bei den Spaniern Obila, Abela, Abila, erst im Mittelalter und in
Frankreich kommt der Name „Abula" auf. Der Ort „Abula", sechs
jeguas südöstlich von Acci, heisst heute „Abla." Das U fiel aus, Abu
Feil es kurz gesprochen wurde. Das alte Abdera bei Almeria heisst ^^m^*^
eute verkürzt: „Adra^, Libisosa heisst Lczuza n. s. w. Es ist wahr^ seenn-
ass sich in Abla keine Erinnerungen an den heiligen Secundus finden, "'
nd es nachweisbar niemals Bisthum war. Man kann aber sagen, dass
Acci
') Dhbs der bekannte Bosenstock an der Mauer des Doms za Hildesheim
shoD über 1000 Jahre stets neue Blüthen treibt , gesteht selbst AI. Humboldt in
ainen „Ansichten der Natur.'*
476 Becapieultftion des ganzen V^erkes. Erstes KapUef. Enter Band, 18G2.
das Bisthum Abla in die nahe und grossere Stadt Basti, die Haopt-
Stadt des Gebietes der Bastitaner, in dem auch Abla lag (vor dem
Jahre 306), zaruckverlegt wurde. Da man aber oberhaupt kdne Tn-
ditionen über den Ort Abla hat, so kann man ans deren Kidihw-
handensein anch nichts gegen die Gegenwart des heiligen Secimd«
daselbst schliessen.
Jr^von ^^^ dritte Apostelschüler, Indaletins, Hess sich in Urei — niedei.
urci. Er wird überall der erste Bischof von Urci genannt Man kann weder
beweisen, noch mit Grund bestreiten, dass von dem unbekannten Jahn
seines Todes an es fortwährend Bischöfe von Urci gegeben habe. !■
Jahre 306 erschien zn Elvira CantoniuSf der zweite nns bekannte Biscboi
von Urci,
Bis zam Jahre 1872 glaubte man, und mit den andern glaobte
i(;h es, dass Urci an der Mündung Mes Flusses Almanzor, ziemlich k
der Mitte zwischen Almeria und Cartagena, gelegen habe. Dabei er-
regte es allerdings Bedenken, dass man den Leib des heiligen Indi-
letius im Jahre 1084 zu Paquena nordlich von Almeria suchte ofri
fand, und ihn von da in das neugegründete Kloster San Juan deL
Pena brachte. Doch meinte man', bei dem Zerfalle von Urci bätt'::
die Christen seinen Leib nach Paquena gebracht. Heute ist aber er-
wiesen , dass das alte Urci identisch mit Pechina oder Pasquena ist
8. Richard, Sctem Santa Maria fand die darüber entscheidende Inschrül
für welche er von der Academie der Geschichte zn Madrid eine
Preis erhielt — im November 1872,') welche nöthigt, Urci an dieser
Stelle zu finden, wo sich die Reliquien des heiligen Indaletins noii
uroi boi jm Jahre 1084 befanden. Wohl nennt Ptolemaeus Urci eine am Mecn
AI1D6*
lia. gelegene Stadt, aber entweder heisst diess, nahe dem Meere, oder,
was viel wahrscheinlicher ist, das Meer hat sich hier zuruckgezofen
und Raum für die Stadt Murgis oder Almeria am Heere geschaffeo.
Schon zur Zeit des Theodosius war Urci verödet. Die Pfiurkirck
von Pechina, dem alten Urci, trägt den Namen des heiligen Indale-
tius. Die Erinnerung an die Lage des alten Urci war nie oDter*
gegangen, sonst hätten die Christen im Jahre 1084 an dieser Stelle
nicht nach seinem heiligen Leibe gegraben.
Bis zum heutigen Tage kommen die nenerwählten Bischöfe tcc
Almeria zuerst nach Pechina, nehmen dort Besiz von ihrem Bistbos.
und ziehen dann in die Cathedrale von Almeria. Wir können daher sagen'
Das Bisthum hiess zuerst Urci, dann Paschena, hierauf Almeria. i^
wurde so wenig verlegt, als Acci nach Guadix, oder Elvira nach Gre-
nada verlegt wurde. Nicht die Lage, sondern die Namen änderten ü
*) Ftc. de La Fuente, Distor. ecles. t. 1. Madr. 1873, p. 160.
Der beilige Otestphon von Vergiam. Der heilige Caecilias fn Illiberis. 477
»
Der vierte der SiebenmäDner, Ctesipbon, Hess sieh nicht weit -
festlich von ürci (= Almeria), in Vergi(um), heute Berja, nieder. Der
)rt liegt zwei Legaas nordostlich von Adra (Abdera), nicht weit vom
kleere. Vergi warde am Anfang des fünften Jahrhunderts durch ein
Erdbeben zerstört. Am 11. Mai 1596 veranstalteten die Einwohner
verschiedene Andachten za dem heiligen Ctesiphon, um durch seine
rürbitte von schweren Landplagen befreit zu werden. Am 25. August
804 zerstörte ein Erdbeben die Kirchen und viele andere Gebäude;
17 Personen verloren das Leben. So erklärt es sich, dass die heutigen
leuen Kirchen in Berja keine Reminiszenzen an den heiligen Ctesiphon ^^' ^^
inthalten. Doch trägt eine Einsiedelei in der Nähe seinen Namen. — pbon t.
Dazu kommt, dass kein anderer Ort in Spanien sich rühmt, der °*'^*'
^ischofssiz des heiligen Ctesiphon zu sein.
Flarez hat nachzuweisen sich bemuht, dass Abdera einst cin^**^'*'
Bisthum gewesen sei (Espana sagr., 10, p. 1 — 14), und hat den heiligen Abder«?
Ctesiphon den ersten Bischof von Abdera genannt. Aur, Fem, Overra
tritt ans geographischen Gründen dieser Ansicht bei,') welche ich
lachträglich adoptire. Ich glaube, dass nach dem Zerfalle Berja's das
Bisthum des heiligen Ctesiphon nach Adra verlegt, aber zur Gothen-
seit eingegangen sei, sei es, weil die Landplagen und Erdbeben wieder-
bolt eintraten, sei es wegen der allzu grossen Nähe der Bisthümer
Urci und Malaga. Es traf hier die Verordnung des sechsten Canons
ier Synode von Sardika ein, dass man keinen Bischof in einer „Villa^
oder einer unbedeutenden Stadt einsezen soll, damit nicht der Name
und das Ansehen des Bischofs Schaden leide. Derselbe Grund ver-
anlasste wohl auch das Eingehen des Bisthums Ab(u)la.
Der heilige Caecilius „ruhte^, d. i. starb in „Illiberis''. Die
Spanier Mariana, Mendoza, Murüloj der Conde de Mora^ der Bischof
Perez, neulich noch der Spanier Tejada y Ramiro (1859), der Hol-
lander 22. Doxy (18G0), und der Deutsche Emilr Ilübner (1861) be-
banpteten, dass Elvira an der Sierra de Elvira, 1 7« Leguas von Granada ^^""^^
entfernt, gelegen habe« Im JahrQ 1862 habe ich die Gründe für diese hi. cm-
Annahme zu widerlegen gesucht, und die Gründe für meine lieber- ^*""**
Zeugung dargelegt, dass Elvira und Granada dieselbe Stadt sei.
Im Jahre 1860 — 62 befand sich diese Ansicht noch in der Mino-
rität Im Jahre 1879 aber befinden sich die Anhänger der andern
Ansicht theils auf dem Rückzüge, theils sind sie hinter dem Stande
der neuesten Untersuchungen zurückgeblieben. Als ich im Februar
1865 selbst in Granada war, zeigte mir der Professor Man. Gongora,
in solchen Fragen wohl die erste Auctorität, von seiner Wohnung aus
die Lage des alten romischen Municipium Illiberris auf dem Hügel
') Murioit, Diceiosario — 1858, p. b\
478 ßecapitniation des ganzen Werkes. Erstes Kapitel. Erster Band, 18GL
Albaycin; später erweiterte sich Illiberris, und stieg in die westirärts
gelegene Ebene herab. Im Jahre 1860 legte Reinh, Dozy noch ebe
Granft- mächtige Lanze für die Lage des alten Elvira an der Stelle des spiteni
\i^ 'Medina Elvira ein. Die Identität der Namen Elvira und MediDi&
Eivirft. Yii-a ist für Dozy der Hauptgrund anzunehmen, dass beide Orteta
der gleichen Stelle lagen. Um das Jahr 1010 wanderten die Bewobur
von Medina nach Granada aus. Um das Jahr 1364 war MediD&Dcr
noch ein Dorf. — Dozy hat später indirekt sich selbst widerlegt Er
wusste, wie wir, dass Gregor (c. ob9 — 392) Bischof von Elvira wir.
Wenn nun der Bischof Recesmund von Elvira im Jahre 961 (in semea
von Dozy herausgegebenen Festkalender) den Bischof Grregor oicb
Bischof von Elvira, sondern von Granada nennt (s. oben II, 2, S. 451),
so wird Dozy nicht leugnen können, dass Elvira and Granada in
Jahre 961 eine und dieselbe Stadt war^).
In der Lage R. Dozffu befindet sich auch Fr. X »Smon«f. Er
hat im Jahre 1860 sich der Ansicht zugeneigt, dass Elvira anf d«E
Hügel Albaicin lag; doch schloss er mit den Worten: Nos rem inme^^
relinquimus'). Im Jahre 1871 gab er (ein Jahr vor Dozy) den Ealender
des Bischofs Recesmund vom Jahre 9(51 heraus, und musste dane
ersehen, dass dieser Bischof Illiberris und Granada als eine ood die-
selbe Stadt erklärte; er dürfte heute an der Identität von EHvira qdc
Granada kaum mehr zweifeln.
Iva. Herbste 1 860 weilte Emil Hübner in Granada« Seine Bericb'ie
erschienen in den Verhandinngen der Berliner Akademie der YOssea-
Schäften — 1861, in denen er nicht zugeben wollte, dass lUiberris ooC
Granada dieselbe Stadt sei. Acht Jahre später leistete er Widend
Er gesteht seinen Irrthum ein^). Aber während er mich and de
Spanier Vic» de La Fuente in einer ganz untergeordneten Sache, 6*
mit der Hauptfrage in keiner Verbindung steht, tadelt, hat er es ver-
schwiegen , dass ich viele Jahre vor ihm die Identität von Elvira ^
Granada bewiesen habe.
Im Jahre 1878 wusste ich noch nicht genau, auf welcher Seh"
Aureliano Femandez Querra mit seiner gewichtigen Auctorität zar Ze£
stehe. Aus einer Zuschrift desselben aber sehe ich, dass er Elvira ddc
Granada für dieselbe Stadt halte. Er tadelt mich wegen meiner aogcbDii
gegentheiligen Meinung, und verweist mich auf Hübnerj p. 286. Offeohs:
dachte er nicht daran, dass Hilbner auf eine Nebensache Gewicbt 1^*
zu der Hauptsache aber schweige.
'*) Dozy, Becherches etc., 2. 6dit.; Leyde, 1660, t. I, p. 328-334 (Dn»
Granada).
*) DescripcioD del reine de Granada, Madr. 1860, p. 28 — II.
'; Hübner^ Inscriptlonea Uiapaniae latlnae, p. 28n, Berl. 1^69.
cerft.
Der hl. EophrasiaB in IlHtnrgis ; Esitins in Cazorla. Die Zeit von 100->'XO n. Chr. 479
Aas all' dem aber gebt bervor, dass die von mir im Jahre 1862
vertheidigte Ansicbt, damals in der Minorität, beute die Ueberzeugnng
der grossen Majorität geworden, nnd icb zum Retractircn keinen
Grand habe.^)
Der secbste Apostelscbüler, Eupbrasius, lenkte seine Schritte nacb i^orbet-
Uliturgis am Baetis, wo er starb. Zeugniss für seine Verehrung ist, pbruinä
dass man im Anfange des siebenten Jahrhunderts eine Earche seines ^^ ^^'
Namens daselbst baute. Die Stadt und das Bisthum Jaen verehrt ihn ^'^ *'
als seinen Patron.
Der siebente Apostelsch&ler, Esitius, wohnte zulezt und ,,ruhet^ i><^r hei-
in Cazorla (Gai'cesa oder Carcera) westlich von Illiturgis und Castulo. g^j^.
Er wurde, soweit die Erinnerung zurückreicht, als Beschüzer dieser >" ^^'
Stadt verehrt. Keine andere Stadt, besonders nicht das frühe zerfal-
lene Carteja an der Meerenge, rühmen sich, Bischofssiz des heiligen
Bsitius zu sein. Cazorla wurde oder blieb zwar kein Bisthum, aber
SS hatte von jeher innerhalb des Erzbisthums Toledo eine ganz exemte
Stellung (etwa wie die gefürstete Propstei Ellwangen im Bisthum
Augsburg oder wie das Generalvicariat Feldkirch (Vorarlberg) im Bis-
bum Brixen).
Ueber die apostolischen Siebenmänner ist mir keine Literatur
>ekannt. Florez hat das Kapitel nicht erschöpfend behandelt« Im Jahre
864 erschien von einem Priester im Bisthum Segorve eine Schrift:
^Lfos siete Apostolicos'' (die sieben Apostelschüler). Begierig griff
zh nach der Schrift. Aber vonc. 147 Druckseiten handeln nicht 22 Zeilen
her die Siebenmänner. Fic. de La Fuenie kennt die Schrift im Jahre
87«) noch nicht So vermuthe ich denn, dass ich im Jahre 1862 zum
rstenmale diese wichtige Frage behandelt habe. Sie ist im Grunde
eine Streitfrage, sondern ausserhalb und in Spanien ist sie bis jezt
3ch nicht näher beachtet worden. Man hat erst angefangen, den histo-
schcn Gehalt und Inhalt der alten Liturgieen für die Geschichtschreibung
I benüzen und zu verwerthen.
§. 3.
Das dritte Buch handelt von der Kirche Spanien's in der Zeit Der hei-
)n c. 100 bis 300. Irenaeus und Terttdlian bezeugen die Verbreitung "p*|^^^
^8 Christenthums in Spanien zu ihrer Zeit — Der Brief Cyprian's ^^d dm
n Oarthago an die Gemeinden von Astorga-Leon und Emerita, ge- ,^ gp*.
Iiricben c. 254, beweist: 1) dass es damals Bischöfe in Saragossa, nien,
0. 264«
') Man, Oongora^ seitdem leider gestorben , sagte mir auch, dass das heu-
> Gruadix genau an der Stelle des alten Acci gelegen, aber etwas kleiner ge«
en sei, als Guadiz heate ist.
I
480 Becapitalation des ganzen Werkes. Erstes finpitel. Etsf er Bsnd, 1862.
Astorga, Emerita, wohl auch in Hispalis gab. Ein Bischof toh Tir-
raco ist sonst bekannt Entgegen der* Erklärnng des Flortz und der
übrigen Spanier habe ich nachweisen wollen, daas der apostasirteBiscliof
Basilides und sein Nachfolger Sabinns Bischöfe von Emerita, da» d^r
abgesezte Bischof Martialis nnd sein Nachfolger Felix Bischöfe von
Astorga und des damit verbundenen Leon waren, wahrend FlartztA
die Spanier den Basilides in Astorga, den Martialis in Emerita SQcbn
und fanden; ebenso habe ich zeigen wollen, dass „ein anderer Fdix*
Bischof von Saragossa gewesen. Meine Auseinandersezong hat Dr. JK«!-
2{e& in Breslau — im Jahre 1863, gebilligt^); ^r.Hefde aber giebtis
Jahre 1863^) nur Kenntniss von meiner von Mores abweichenden Ab-
Derh«!-gicht. Ausführlich hat Joh. Peters im Jahre 1877 dieselbe Streitfnge
^^,^q' behandelt^). Er sagt, dass es nach meiner Darstellung unzweifelhätt
o. spa- sei, dass Basilides und Sabiuus Bischöfe von Merida, Martialis and
Felix Bischöfe von Astorga gewesen, ich sodann nicht mit Uarectt
vermuthe, dass Astorga Bischofssiz gewesen, und Lieon damals ak
Pfarrei zu Astorga gehört habe. Noch handle ich in diesem Bodt
von dem Martyrbischofe Fructuosus von Tarragona im Jahre 2oO, res
der Zerstörung Tarraco's . durch die „Barbaren '', dem Bischöfe Ger-
ontius von Italica^ von den Martyrinen Justa und Rnfina von Senlli
Das vierte Buch behandelt die Märtyrer Spanien's znr Zeit dfr
Marty- Verfolgung des Diocletian. Ein längeres Kapitel über die heilige EoUü
7Ln ^^^ Barcelona, deren Identität mit der heiligen Eulalia von Emeriü
804 — noch von Vielen ohne Grund behauptet wird, wurde von meinem jöc-
gern Freunde Eugenio Martin, ßer leider vor Kurzem als Generalria'
von Falentia starb, übersezt, und erschien in einer Zeitschrift za Bar-
celona. Ferner hat Dr. Fr. X. Kraus die beiden Kapitel: „Die bei-
lige Eulalia von Emerita^, und „der Lievite nnd Märtyrer Wncn-
tius'^ in den Nachträgen zu seiner Kirchengeschichte, — 1875 -
mitgetheilt. Das 15. Kapitel dieses Buches lautet: „Die Inschriften -
keine Quelle für die Geschichte der ersten Jahrhunderte der Kini:
Spanien's.'' Es ist eine sehr gewagte Sache, aus sogenannten inofn
Gründen der Kritik die Unächtheit einer grossen, von Andern ab kl'
angenommenen Zahl von Inschriften nachweisen zu wollen. Aber a
diesem Falle bin ich völlig gerechtfertigt worden, durch den j^Deatscbefl'
Emil Hühner^ der als Auhang seiner Sammlung der ächten spanisches
FftiMihe Inschriften die unächten sogenannten Inschriften mitgetheilt bat, &
'"'^'"sich auf die Kirche, das Christenthum und die Christenverfolgaog«
in Spanien beziehen.
') Oeslerr. Vierteljahrschr. 18G3.
') Und ähnlich im Jahre 1873.
*) In: Der beilige Cyprian von Carlbago, Kegensb. 1877, S. 48i*^r9).
0
Zeit der Synode. 481
Wenn ich auf den Inhalt der vier Bücher dieses ersten Bandes
zarückblicke, so kann ich mit dem Ergebnisse und den Schicksalen
meiner historischen Untersnchungen wohl zufrieden sein. Ist die Dar-
stellong vielfach zu breit geworden, so habe ich durch Zusammen-
ziehong des Inhalts dieser Eirchengeschichte von fünf in drei massige
Bände das mir Mögliche, „das Möglichste^ zur Abstellung dieses Miss-
standes geleistet').
Zweites Kapitel
Zweiter Band, 1864.
§• 1-
Das fünfte Buch handelt (S. 1—136) von der Synode von Elvirai>«« «y
(306). Unter den 19 Bisthümern, deren Bischöfe in Elvira erschienen, Eivira*
bietet nur der Name „Fibularia" Schwierigkeiten dar. Die Lesart — ^^'
^Salaria^ ist durch nichts beglaubigt; Salaria kommt sonst so wenig
als Bisthum vor, als Fibularia. Calagurris Fibularia war aber ein be-
deutender Ort, den Plinius von Calagurris Nassica unterscheidet, dem
heutigen Calahorra. Im Mittelalter hiess Fibularia, beim Wegfalle
der zwei ersten Silben (oben III, 418), „Lahorra"; daraus ist das heu-
tige „Loarre^^ entstanden. Das Bisthum Jacca ist eine Fortsezung des >
alten „Fibularia.'^ Es waren also im Jahre 306 zu Elvira erschienen: ^'* ^''
die Bischöfe von Acci, EUvira, Urci, Basti, Corduba, Sevilla, Castulo, dMeibat.
Egabra, Tucci, Mentesa, Emerita, Ossonoba, Evora, Eliocroca, Malaga,
Toledo, Leon, Saragossa, Fibularia.
Von den 24 Pfarreien der in Elvira erschienenen Priester glaube ^^^ ^
Prl6it6r
ich 23, sämmtliche im Süden, gefunden zu haben. Nur Drona oderdMoiiMt.
Brana war nicht zu entdecken. Die Pfarreien sind: Cartagena, Epora-
kfontoro, Urso-Ossuna, lUiturgi, Carula, Astigi-Ecija, Ateva-Teba,
icinippo, Eliocroca-Lorca, Laurum-Alora, Barbe bei Tucci, Egabro-
jabra, Ajnne-Arjona, Municipinm- Elvira, Segalvinia-Selambina, Ulia-
ilontemayor, Urci, Gemella-Tucci, Castulo, Baria-Vera, Solia-Lucar
a Mayor, Ossigi-Mengibar, Corduba.
Als die Zeit der Abhaltung der Synode habe ich den Mai des ix« ^j-
fahres 306 angenommen, so dass dieselbe etwa vom 1. bis 15. Mai'^i^fJ^
gedauert hätte. Die Verfolgung hatte kurz zuvor stattgefunden. Der^mJ^iure
iischof Valerias von Saragossa war aber schon aus der Verbannung
loriickgekehrt. Es liegt kein Grund vor, das Jahr 307 oder irgend
0 HtfeU, T. Theol. Qoartalschrift, 1863, S. 625 und 630.
Chtm», «pftD. Kirch«. III. t. ' 3 1
482 Recapitulation des ganzen Werkes. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1SG4.
ein späteres anzunehmen. Dr. HefeU hat sich schon im Jahre 1855
sei es für den Herbst 305, oder das Jahr 306, im Jahre 1858 bestimmt
für das Jahr 306 ausgesprochen. — In der zweiten Auflage seiner
Concilien- Geschichte — 1873 — sagt er einerseits: „Garns entscheidet
sich dafür, dass die Synode im Mai 306 stattgefunden habe (S. li<)i
sagt aber sowohl in dem voranstehenden InhaltSTerzeichnisse, slsis
dem Contexte: „Synode von Elvira im Jahre 30(»." (S. 148—110«.
Andere sind seinem, vielleicht auch meinem Beispiele gefolgt, d. a.
Ant. Linsenmayrj Entwicklung der kirchlichen Fastendisciplin bis zqd
Jahre 32ö, München, 1877, p. 70. So dürfte das Jahr 306 wenigstöL*
auf katholischer Seite allmälig als das der Synode angenommen werden
die jedenfalls im Monat Mai gehalten wurde.
Bei der Erklärung der drei ersten Canones und der Beantwortong
der Frage, was mau unter Verweigerung der Communion auf dem Tod-
betto verstehe, habe ich darunter die „Wegzehrung der Sterbenden"
verstanden. Ich habe ferner historisch nachgewiesen, dass in SpaoicE
bis auf die Zeit des Papstes Pius V., in Frankreich durch das gaiuf
Mittelalter hindurch, in Constanz bis zum Jahre 1435, in Strassbur:
bis zum Jahre c. 1506 den zum Tode Verurtheilten die heilige Coa
munion nicht gereicht wurde.
Dfover- Aber Benedikt XIV. bestrachtet diese Unsitte noch zu semer Zeil
rung*der ^^^ fortbestehend in Spanien und Frankreich. Er stellt die mildm
hefiifCQa Praxis der Deutschen und Italiener der strengern der Spanier noi
ixion°Bm Gallier entgegen und fügt sehr bescheiden (noch als Prosper Lamber-
Ende d. tini) liinzu: „Wir sind die Gewohnheit dieser Königreiche weder r.
billigen, noch zu widerlegen gesonnen." — Als Kapital - Verbrechec.
welche von dem Empfange der lezten heiligen Communion aosschIiesäe&
bezeichnet die Synode das Opfern der Christen in den Tempeln der
Heiden, besonders, wenn getaufte frühere „Flamines" der Heiden der
Gözen opferten, und an den blutigen unzüchtigen Spielen der Heida
sich betheiligten.
Nach mir hat Fr, Frank in: „Die Bussdisciplin der alten Kird:?
von den Apostelzeiten bis zum siebenten Jahrhunderte'', Mainz, IN^'
dieselbe f'rage untersucht. Er kommt, ohne Kenntnissnahme von meiot^^
Untersuchungen, zu dem gleichen Resultate: dass zwischen sacrsmefi-
taler Absolution, canonischer Absolution von den Busswerken odc
Empfang des heiligen Abendmals zu unterscheiden sei. Die ersterr
wurde Niemand verweigert, und schon vor der zweiten ertheilt. Unsere
Synode verbiete die Ertheilung der heiligen Communion; „coumonio**
bedeute in sämmtliqhen (?) Canones der Synode von Elvira nor dx
heilige Eucharistie^;. Dr. Hefde ist im Jahre 1873 seiner (und dso^'
') Frank, p. 739, 745, 887-8if9, 896—903, 939.
» I
Synode von Elvira — 306, 483
Aach meiner) Ausfübrang beigetreten. In der Erklärung des Canon 2 ^^' ^^'
— was anter: homicidinm nnd moecbia der frübern ,,Flamine8'^ zu
verstehen sei, habe ich die Ansicht vertbeidigt, dass sieb diese Ver-
brechen auf die blutigen Gladiatorenspiele und die unzüchtigen sce-
nischen Spiele bezieben, welchen kein Christ anwohnen durfte, (wenn
sie auch später, als es nur noch „Cbristen^^ im römischen Reiche gab,
denselben in hellen Haufen nachliefen), — „Flamines'' aber, welche
aaf ihre Kosten dem Volke Spiele gaben, opferten erstens den Gozen,
verschuldeten zweitens den Mord der Gladiatoren und Stierkämpfer,
begiengen und machten Unzucht begeben; das Geben und Veranlassen
scenischer Spiele in jener Zeit war unnatürliche Wollust Canon 15^®'^*'
missbilligt zwar die Ehe christlicher Mädchen mit Heiden, aber ver-
bietet sie nicht. Denn — nach meiner Erklärung hätte dieses Verbot
den christlichen Mädchen überhaupt das Heirathen unmöglich gemacht,
weil es wenige Christen, und sehr viele Christinen gab. Meine Er-
klärung bat auch Dr. Hefde angenommen.
Canon M verbietet das Anzünden von Kerzen (am Tage) auf
den Gottesäckern, „weil die Geister der Heiligen nicht beunruhigt
werden sollen.'^ Ich habe diess Verbot so erklärt, dass die Christen,
und theilweise selbst die Bischöfe von der allgemeinen Meinung be-
fangen waren, es sei den Menschen möglich, die Todten hervorzurufen,
sie wenigstens zu beunruhigen. Canon 36 verbietet, dass Bilder in ^naer
den Kirchen angebracht werden. Dr. Hefde erklärt nach Roasi^ der Kir.
Eintritt der Heiden in die Kirchen der Christen hätte den Spott oder '^**«°-
die Verfolgung derselben hervorgerufen. Ich beharre bei der frühern
Erklärung, dass es im Jahre 3Ö6 überhaupt in Spanien noch keine
cbristlicbe Kunst und christliche Künstler gab (wohl aber schon im
Jahre 380), dass also alle Bilder Carrikaturen und Frazen waren.
Zu Canon 59, dass Gläubige nicht in das Capitolium hinauf- ^'p'^"-
steigen sollen, habe ich nachzuweisen gesucht, dass jede bedeutende gpi^i^i.
Stadt Spanien's ihr Capitolium hatte; denn Spanien war das am meisten ^^'
romanisirte Land im Reiche.
Im Allgemeinen glaube ich nicht veranlasst zu sein, eine meiner
Erklärungen der 81 Canones zu retractiren. Linsenmayr hat mir irgendwo
nachgewiesen, dass ich einComma bei einer Stelle Tertullian's an den
unrechten Ort gesezt habe ; er dürfte wohl Recht «haben *).
0 Aber darin kann er nicht wohl Recht haben, dass er in seinem erwähnten
Buche >- S. 21 — zweimal schreibt: Origlnes, auf S. 42 — Origenes, und wieder
auf S. 43 zweimal: Origines. Dagegen S. 56 and später schreibt er richtig: Origenes.
31
484 Recapitalation des ganzen Werkes. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1864.
§. 2.
Das sechste Buch handelt von Hosiaa von Corduba yom Jahre
325 bis 357. Ich habe nachzuweisen gesucht, dass Hosiaa zu Niaa
wirklich im Namen des Papstes Sylvester den Vorsiz (ohrte.
In dem Kapitel: ,,Hosias, und die Griindung der kirchlichen Hier-
archie in Spanien^ habe ich den Beweis versacht, dass die spaniadwa
Bischöfe zu Elvira im Jahre 306, zu Arles im Jahre 314, za Sardib
im Jahre 343—344 nicht nach dem Alter ihrer Ordination, senden
nach dem Alter ihrer Bisthumer unterzeichnet, und dass ans diesem
i>«r Grunde Felix von Acci im Jahre 306 nicht so fast den Vorsii ge-
anrden ^^^hrt, als zucrst Unterschrieben habe. Einem Widerprache gegen diese
■pan{- Ansicht bin ich nirgends begegnet «7. Friedrieh ist in seiner Schrift:
cond- yj^^^i uuedirte Goncilicn aus der Merovingerzeit** Bamb. 1868 —
lien Ton geneigt, meiner Ansicht beizutreten. Aber ich konnte mir nicht Te^
hehlen, dass ich mich mit n^iner Ansicht in einer sehr precSren Lage
SSO.
befinde, so lange diese Weise, zu unterschreiben, nicht durch Concük
anderer Lander nachgewiesen und verbürgt wäre« Eine Bestatigiuj
meiner Ansicht ;habe ich endlich in dem Werke des P. Leop. U
nauschek: „Origines Gistercienses, Wien, 1877, gefunden (p. XIII der
Die ci> j^iq]^^. Die Aebte des ganzen Ordens der Gistercienser, welche jedes
enaar. Jahr im Generalkapitel zu Glairvaux versammelt waren, sassen nicht
nach der Zeit ihrer eigenen Wahl oder Benediction, sondern nach der
Zeit der Stiftung ihrer Kloster. Im Fortgange der 2ieit, and bei der
Zunahme der Zahl der Klöster war es nothwendig, dass Verzeichiiisse
angelegt wurden, in welchen die einzelnen Kloster mit Angabe der
Zeit ihrer Gründung aufgeführt wurden. In dem achten Statut des
Generalkapitels des Jahres 1218 wurde allen Aebten befohlen, dasi sie
die Namen und die Gründungszeit ihrer Kloster mittheilen sollten. In
den Jahren 12.^9 und 1270 wurde diese Verordnung erneuert. — Diese
Generalkapitel können fuglich auch Concilien genannt werden, und ^
habe ich für meine Annahme wenigstens eine Analogie gefunden. Wss
die Gistercienser im zwölften und dreizehnten Jahrhundert thaten, dis
können auch die Spanier im vierten Jahrhundert gethan haben. Aof
der Synode zu Toledo im Jahre 400 war diese Sitte schon aa%q[ebaL
§. 3.
Hoiioa Hosius hat femer das Verdienst, die Metropolitan -Verfasstoi^
"^Meti^^ in der Kirche von Spanien eingeführt zu haben. Im Jahre 306 findet
poiitMi wir noch keine Spur von einer solchen Verfassung, es gab daos^
*°niSr ^^^ Bischöfe, keinen Erzbischof. Da die Synode von Antiochien ▼•
Jahre 341 die Gmndsäze für eine Metropolitan- Verfassung der Kireke
Sechs Metropoliten in Spanien. 485
aossprach (oder vielmehr erklärt, was hierin ältere Praxis war), so
darf man sich nicht wandern, wenn die Spuren einer solchen Ver-
fassung in der Kirche Spanien's zum ersten Male im Jahre 343 — 344
hervortraten. Hosius kam mit fünf spanischen Bischöfen nach Sar-
dika. Damals hatte Spanien sechs Provinzen^ Tarraconensis, Cartha-
giniensis, Baetika, Lusitania, Galicia und Mauritania Tingitana in
Afrika. Dazu kamen unter Theodosius dem Grossen die Balearen als
siebente Provinz, die wohl schon unter Constantin in ähnlicher Weise
in einzelnen Zweigen der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit getrennt
von Tarraconensis, gleichsam eine werdende oder eine theilweise Pro-
vinz waren, wie es. Galicien schon im zweiten und im -dritten Jahr-
hundert gewesen war. In Tingitana gab es noch keine Bisthümer.
Aber die Metropoliten der übrigen fünf (sechs) Provinzen erschienen ^^^
in Sardika. Der Metropolit der Provinz Baetika war Hosius selbst, Metro-
Corduba blieb Hauptort der Provinz, wenn auch der Vicarius von p^wten
ganz Spanien in Hispalis seinen Siz hatte. Emerita war Hauptstadt nien.
von Lusitania. Der Metropolit Flörentius von Lusitania (= Merida)
begleitete darum den Hosius nach Sardika. Die Stadt Asturica war
lamals noch (bis zu ihrer Zerstörung im Juhre 457) die Hauptstadt
1er Provinz Asturica oder Galicia. Darum begleitete der Bischof
Domitianns von Astorga den Hosius als Metropolit dieser Provinz.
Elauptstadt der Provinz Carthaginensis war auch im Jahre 343 Car-
agena. Aber wer kann beweisen, dass Cartagena damals überhaupt
ichon einen Bischof hatte? Hatte es aber keinen, wie ich glaube, so
Giusste eben der Bischof einer andern Stadt als provisorischer Metro-
olit in Sardika erscheinen. Dafür eignete sich der Bischof von Ca-
;ulo vorzüglich; denn Castulo war eines der ältesten Bisthümer der
rovinz, nnd eine der bedeutendsten Städte derselben. Darum nahm
[osius den Bischof Anianus von Castulo mit sich nach Sardika.
Hanptort der Provinz Tarraconensis war an sich Tarraco. Aber
arraco lag in Trümmern. Es hatte zwar am Ende des vierten Jahr- Tarraco
inderts wieder einen Erzbischof. Aber im Anfange des fünften °
ihrhunderts noch sagt Orosius: Auf den Trümmern grosser Städte
{Stehen noch kleine und arme Wohnsize, welche noch die frühern
amen tragen, wie unser Tarraco in Spanien. — In den Jahren 269
8 385 begegnen wir überhaupt keinen Bischofen von Tarraco, und
ist nicht zu beweisen, dass es in den Jahren 343 — 344 einen solchen
•geben habe. So war denn der Bischof Castus von Saragossa im
hre 343 bis 344 der provisorische Metropolit der Provinz. Endlich
gleitete Bischof Praetextatus von Barcelona als praesumtiver Metro-
nt der Balearen den Hosius nach Sardika.
luern.
486 RecapitolatioD des ganzen Werkes. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 18M.
§. 4.
Ueber den ,^Fall^^ des Hostas und die Zeit seines Todes batf
ich in den Jahren 1860, 1864, 1865 nnd 1867 gehandelt Meine zok
im Jahre 1867 ausgesprochene Ansicht ist: Hosins war zwei Jahrr
nach Sirmium verbannt, 355 — 357. Zulezt kam der Kaiser Constanth«
selbst im Juli 357 dorthin, und weilte im Juli und August „incognito'^'i
in Sirmium, um auf Hosius einen „Druck^^ auszuüben. Die Anaorr
Ursacius, Valens und Germinius wollten ihn zur Unterschrift ihrer lo-
genannten zweiten sirmischen Formel zwingen, die Hilarius mit Kecb:
eine „Blasphemie'^ nennt. Hilarius wenigstens glaubte, auf die Ais-
sage der ihn umgebenden Semiarianer, er habe sie (mit) verfasst Aber
die Unterschrift des Hosius findet sich nicht unter der Formel. Nor
Potamius von Lissabon acceptirte die Formel, nnd versendete dieselbe
später mit einer kauderwelschen Vorrede. Er war Gegner des HosioK
und Arianer aus Angst. Dass Hosius unterschrieben habe, sagt nick
Athanasius, nicht Phoebadius von Agen, oder Eusebios von Yerodi
nicht der „feurige^ Hilarius, nicht die spätem Epiphanias, HieronTOoi.
Augustinus, Sulpicius Severus. Erst ein ganzes Jahrhundert spata
sagen es Socrates, Sozomenus nnd Philostorgius, welche die psn
Geschichte dieser Zeit in die grösste Verwirrung gebracht, und o. a.
daran schuld sind, dass man bis zur jüngsten Zeit das Jahr 347 st^
das der Synode von Sardika angenommen hat.
Anklar. Athauasius verdient doch mehr Glauben, als nächster ZeitgenosM
Ho. des Hosius. Er war zwar Freund des Hosius; aber er konate dx
gen ge
gen
biaa Wahrheit wissen und sagte sie. Er sagte aber nicht: „Hosins hat ooter-
schrieben, er stimäite ihnen bei, er ist gefallen^% sondern: „er vicb
ihnen einen Augenblick, so jedoch, dass er zwar mit Valens und Ur-
sacius Gemeinschaft eingieng, aber nicht unterschrieb gegen Atbaos-
sius, d. i. von dessen Gemeinschaft sich nicht trennte.* Daraus folft
dass die Art der Gemeinschaft, die er mit den Arianem eingieog, keiv
Verleugnung des Glaubens, kein FaU und kein Abfall war. ,41^
auch so, sagt Athanasius, nahm der Greis die Sache nicht leicht ui:
denn als es mit ihm zum Sterben kam, erklärte er in Form eines
Testaments die ihm angethane Gewalt, er sprach gegen die Anw:
das Anathema aus, und er befahl, dass Niemand sie annehmen sclk'
(histor. Arian. op. 4ö).
Worin aber die Gemeinschaft mit den Arianem bestand, erfJu^
wir von ihm nicht, ich denke, weil er es im Jahre 357 — 358 sdte
') D. h. die von Sirroinm erlassenen Verordnangen tragen swir das DdB
der Zeit, aber nicht des Ortes, aas dem sie erlassen worden.
HosioB im Jahre 357. Tod deBselben. 487
(noch) nicht wasste. Eine Andeutung aber giebt Epipbanius, wenn er
sagt, dass die Arianer meinten, die Kirche selbst zu verdammen durch
die Briefe, welche sie dem ehrwürdigen Hosius mit List abjagten
(Sg i&if^cav noQa jov aJStaifAov 'Ociov^ haeres. 73.). Was war der In-
halt dieser Briefe? Die zweite sirmische Formel spricht aus: „Man
darf des Wortes: ,,Homousios^ keine Erwähnung thun^', d. i. der Sohn
Gottes ist nicht Gott, und nicht gleichen Wesens mit dem Vater. Der
Schluss aber lautet: „Diess ist der Kern und Schlussgedanke und die
Besiegelung des ganzen Glaubens, dass die Dreieinigkeit aufrecht zu
erhalten ist, wie wir in dem Evangelium lesen: „Gehet und taufet
alle Völker im Namen des Vaters, und des Sohnes und des heiligen
Geistes.^^ Unversehrt, vollkommen ist die Zahl der Dreieinigkeit/' Diese
Worte für sich genommen^ sind Ausdruck des katholischen Glaubens.
Nach diesem Erklärungsversuche bestand des Hosius Gemein-
schaft mit den Arianern darin, dass er sein Symbol dem ihrigen ent-
gegensezte. Sie hatten ihren Glauben ausgesprochen, und er sprach
den scinigen aus. Aber sei es überlistet oder im heiligen Zorne, sprach
er denselben ihnen gegenüber schriftlich aus, er gab ihnen etwas Ge-
schriebenes von seiner Hand; schlau und schleunig nüzteii sie es aus,
und verkündigten: Wir haben einen Brief der Gemeinschaft von Hosius,
er ist der Unsrige. Ob er auch protestirte, sie behielten Recht in den
Augen der Welt. — So würden sich die Worte des Epiphanius er-
klären, dass die Arianer mit List dem Hosius einen Brief abgejagt
haben. ' Selbst Hilarius hätte dem Wortlaute nach Recht, dass die
zweite airmische Formel von Potamius und von Hosius geschrieben
worden. Denn Potamius hat sie abgeschrieben und mit seinen Glossen
versendet, Hosius aber hätte einen widerlegenden Zusnz beigefügt.
§. 5.
Dafür, dass Hosius in Spanien (um das Jahr OÖ9 — 361 gestorben,
dafür stehen nur die beiden verlogenen Luciferianer Faustin und Mui-
cellin. Wenn man ihnen glaubt, muss man ihnen auch glauben, dass
in Gegenwart ihres „heiligsten Lucifer's von Cagliari^^ der Bischof Ja-
nuarius von Neapel seine Zunge wie ein Ochs habe heraushängen
lassen, und dass sie in diesem hängenden Zustande geblieben sei.
Dass aber Hosius am 27. August 357 in Sirmium in der Ver-
bannung, lOl Jahr alt, gestorben, dafür hat Florez schon vor 126 Jahren
(1753) zwei schwerwiegende Beweise geführt. Athanasius erzählt in
seiner „Geschichte der Arianer'^, die noch im Jahre 358 erschien^ die
nähern Umstände des Todes des Hosius. Es kann also Hosius nicht
erst 359 — 361 gestorben sein, wie man bis heute annimmt. AthanasiiLS
aber hätte, bei der mangelnden Verbindung^ die nähern Umstände seines
488 Becapitniation des ganzen Werkes. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1861.
Todes Qrst Jahre lang später, oder gar nicht erfahren. Das griedusele
Menologiam (die Menaeen, Heiligenlegende) feierte den Tod des Eom
zum 27. August mit den Worten:
An demselben Tage (27. August) das Gedächtniss unseres bel-
ügen Vaters, des Bisehofs Hosius von Corduba:
Schon wenn ich deinen Namen aassprecbe, o Heiliger —
Bringe ich dir, dem Todten, daa gebfihrende Lob.
Hotfiiuf Dieser wurde in die Verbannung geschickt, und nachdem erneles
3^7°^* Harte in derselben erduldet hatte, fand er in deradben das Ende tarn
Lebens (iv i^oQfa ncLQtnififd^t^f xtA iv avj^ jov ßhv xatikveev). Das Jabt
ist nicht genau angegeben; aber sein Tod kann nicht wohl nach des
Jahre 357 erfolgt sein. Einen dritten Beweis, vielmehr Wahrscbeis-
lichkeitsgnmd für den am 27. August zu Sirmium erfolgten Tod d«
Hosius fand ich in folgender Thatsache. Kaiser Constantius weilte is.
August 367 in Sirmium. Am 28. August 3Ö7 sandte er an den Coo-
sularis von Baetika, der in Corduba seinen Siz hatte, einen Erlast.
' ein wahres Kaubgesez, das einzige Gesez, das während seiner gssm
Regierung nach Spanien gesandt wurde, das im Januar 358 auf de
ganze Reich ausgedehnt wurde, aber wegen seiner Harte von Valah
tinian. I. aufgehoben wurde. Es war allgemeine Sitte der Spanier, ^
die Leichname der im Auslande Gestorbenen nach Spanien zamk-
gebracht wurden. Die Begleiter oder Verwandten des Hosius babei
wohl dasselbe gethan. Kaiser Constantius hatte ein „brennendes'* Iß-
teresse daran, diess nicht nur zu gestatten, sondern den Hosias or
kaiserlichem Aufwände zurückbringen und beisezen zu lassen, nm dei
Schein der Apostasie auf ihn zu werfen. Das Gesez vom 28. Ao^
357 gieng mit der Leiche des Hosius nach Spanien, und es trog des
Kaiser so viel Geld ein, dass er aus dessen Einnahmen sich für h&
Auslagen schadlos halten konnte. — Constantius Hess überhaopt df
Leichname der in der Verbannung gestorbenen katholischen Biscbo^
auf seine Kosten einbalsamiren und mit Ehrengeleiten zurückfuhren, o^
den Schein zu erwecken, als seien sie als Arianer gestorben. Erbe
fahl, dass von den 400 zu Rimini im Jahre 359 versammelten Bischöb
keiner hingerichtet, und nicht mehr als zehn verbannt wurden. Deimoek
brachte er es dahin ^ dass zulezt keiner mehr vnderstand, dass alt
nachgaben. Von Gregor von Elvira bezweifeln es die Spanier; si
bringen aber den sehr schwachen Grund, dass bei der grossen 2^
der Bischöfe sein Widerstand oder Widerspruch dem Kaiser ^
seinen Agenten entgangen sein konnte. Dann miisste sein ^deispni^
sehr kleinlaut gewesen sein.
Unter den zu Rimini Weilenden war ein Bischof Hj/ginut. Seff
Bisthum wird nicht genannt. Aber mit Ausnahme des Papstes Hygioo«
im zweiten Jahrhunderte, und des Rhetors Hyginos zur Zeit dtf
HosiuB als Heiliger. 489
Augustus, der gleichfalls ein Spanier war, kommt der Name Ilyginus
überhaupt gar nicht mehr vor. Es ist kaum ein Zweifel, dass der
Uyginus des Jahres 359 identisch sei mit dem vielgenannten Bischöfe ^7^«°*
Hyginns von Corduba, der den Priscillianisten zuerst widersprach, dob«,
und ihnen dann zufiel. Darnach musste Hosius früher gestorben sein, '^^-
als man gewohnlich annimmt, wenigstens im Jahre 358.
§.6.
Die Bollandisten messen nicht mit gleichem Maasse, wenn sie von Hodua
Hosius zum 27. August sagen, dass er gegen Athanasius unterschrieben ^^„^j!
habe, troz des ausdrücklichen Zeugnisses des Athanasius selbst, und distfii.
wenn sie sodann zum 23. September den Papst Liberius unter die
Heiligen sezen, und leugnen, dass er gegen Athanasius unterschrieben,
da doch Athanasius sagt, er sei gescheitert (tSxXaai) und habe gegen
ihn unterschrieben; dass sie sodann das Zeugniss der Menaeen an-
nehmen, die ihn am 27. August nach Hosius als „Heiligen^ angeführt
haben, während sie dasselbe Zeugniss für Hosius nicht gelten lassen.
Bei Usuard und Ado von Vienne kommt Liberius auch nicht beim
23. September als Heiliger vor. BaroniuS hat ihn nicht in das rö-
mische Hartyrologinm aufgenommen; Liberius hat aber seinen »Fall^
durch erneuerte Standhaftigkeit gesühnt. Sobald man sich überzeugt
haben wird, dass Hosius nicht gefallen, den Fehler aber, den er ge-
macht, vor seinem Tode gesühnt hat, sobald man sich allgemein über-
zeugt, dass Faustin und Marcellin keine Katholiken, sondern Luci-
fe rianer waren, so bald wird man geneigt sein, dem Beispiele der
Griechen zu folgen und den Hosius als Heiligen zu verehren. Elin
Anfang ist schon gemacht. Das verdienstvolle Heiligenlezicon von
Stcidler und GUnal führt den Hosius unter den Heiligen der römischen
Kirche auf. Als ich im Februar 1865 in Sevilla war^ hat mir der
Redakteur der Zeitschrift ,,]a Cruz'', ein Laie, und stammend aus einer
niozarabischen Pfarrei in Toledo, gesagt, er sei entschlossen, die Frage
der Heiligsprechung des Hosius fortan als stehendes Thema in seiner
Zeitschrifl zu behandeln. (Ob es geschehen ist, konnte ich nicht er-
fahren.) Die spanischen Bischöfe und der Hof müssten wohl hier
sich an die Spize stellen, wie es König Philipp II. ohne Mühe erwirkt
hat, dass Hermenegild ein Jahrtausend nach seinem Tode canonisirt
i?rurdc. Warum könnte Hosius nicht 15 Jahrhunderte nach seinem
Pode heilig gesprochen werden?
488 Recapitnlation des ganzen Werkea. Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1861.
Todes ^rst Jabre lang später, oder gar nicht er&hren. Das griediiedie
Menologium (die Menaeen, Heiligenlegende) feierte den Tod des Hon»
zam 27. August mit den Worten:
An demselben Tage (27. August) das Gedächtniss unseres kd-
ligen Vaters, des Bisebofs Hosius von Corduba:
Schon wenn ich deinen Namen aasapreche, o Heiliger —
Bringe ich dir, dem Todten, das gebührende Lob.
Hortiiut Dieser wurde in die Verbannung geschickt, und nachdem er ndts
2^7°^* Harte in derselben erduldet hatte, faiid er in derselben doM EndetdfUi
Lebens (ßv i^oQfa naQinifAy>&tj, xoH iv avig tov ßlov xatiXvmv). Das Jahr
ist nicht genau angegeben; aber sein Tod kann nicht wohl nach des
Jahre 357 erfolgt sein. Einen dritten Beweis, vielmehr Wahrscbeio-
lichkeitsgrnnd für den am 27. August zu Sirmium erfolgten Tod de«
Hosius fand ich in folgender Thatsache. Kaiser Constantins weilte isi
August 357 in Sirmium. Am 28. August 357 sandte er an den Coo-
sularis von Baetika, der in Corduba seinen Siz hatte, einen Erlass.
' ein wahres Kaubgesez, das einzige Gesez, das während seiner gaoza
Regierung nach Spanien gesandt wurde, das im Januar 358 auf in
ganze Reich ausgedehnt wurde, aber wegen seiner Harte von Vales-
tinian. I. aufgehoben wurde. Es war allgemeine Sitte der Spanier, iut
die Leichname der im Auslande Gestorbenen nach Spanien zurück-
gebracht wurden. Die Begleiter oder Verwandten des Hosins bbco
wohl dasselbe gethan. Kaiser Constantius hatte ein „brennendes^' Id*
teresse daran, diess nicht nur zu gestatten, sondern den Hosios mit
kaiserlichem Aufwände zurückbringen und beisezen zu lassen, um des
Schein der Apostasie auf ihn zu werfen. Das Gesez vom 28. Aognst
357 gieng mit der Leiche des Hosius nach Spanien, und es trog des
Kaiser so viel Geld ein, dass er aus dessen Einnahmen sich for seioe
Auslagen schadlos halten konnte. — Constantius liess überhaupt dk
Leichname der in der Verbannung gestorbenen katholischen Biscböfr
auf seine Kosten einbalsamiren und mit Ehrengeleiten zorackföhren, w
den Schein zu erwecken, als seien sie als Arianer gestorben. Er be
fahl, dass von den 400 zu Rimini im Jahre 359 versammelten Biscböfo
keiner hingerichtet, und nicht mehr als zehn verbannt würden. Doiooci
brachte er es dahin^ dass zulezt keiner mehr widerstand, dass alk
nachgaben. Von Gregor von Elvira bezweifeln es die Spanier; sie
bringen aber den sehr schwachen Grund, dass bei der grossen Zahl
der Bischöfe sein Widerstand oder Widerspruch dem Kaiser ood
seinen Agenten entgangen sein konnte. Dann müsste sein Widersproci
sehr kleinlaut gewesen sein.
Unter den zu Rimini Weilenden war ein Bischof J^gimiu. Sev
Bisthum wird nicht genannt. Aber mit Ausnahme des Papstes Hygioss
im zweiten Jahrhunderte, und des Rhetors Hyginns znr Zeit dtf
Sara-
gOMft.
Der Dichter Prudentius Clcmcng. Die Priscillianisten. 491
Guimaraeus im Erzbisihame Bracara. Es folgt Theodosiua der Grosse,
der Spanier, und Dexter, Sohn des Pacian. Dessen ^omnimoda bi-
storia^, von der Hieronyrmis berichtet, hat dieser nicht, und vielleicht
gar Niemand gelesen; ich glaube, dass sie überhaupt nicht erschien,
„nicht unter das Volk ausgieng'', darum auch nicht verloren gieng.
Es folgt das Kapitel von Aurdius Prudentius Clemens, nach Vieler ^^'
und nach meiner Ansicht dem grössten christlichen Dichter aller Zeiten, meoa t.
Ich habe die Ansicht vertheidigt, 'dass er aus Saragossa stammte, und
dort wohnte, dass, wenn er von „unserm^ Calagurris redet, er dasselbe
von dem gallischen Calagurris des Vigilantius unterscheidet (wenn er
von unserm „Tarraco" redet, er an die Provinz Tarraconensis denkt,
in welcher Tarraco, Saragossa und Calahorra lagen).
Nach mir haben über Prudentius geschrieben: Cleni. Brockhnua,
in: „Aurel. Prud. Clemens in seiner Bedeutung für die Kirche seiner
Zeit^'; Leipzig, 1872, p.p. SM. Er spricht nur in einer kurzen An-
merkung von des Dichters Heimath (p. 15) und sagt: „Man muss sich
bescheiden, seinen Geburtsorts nicht zu kennen.'^ Diess scheint mir
allzu bescheiden. Im Jahre 1872 handelte auch Joh. Christ. Fd. Bahr
von der Heimath des Prudentius. Er sagt: „geboren 348 zu Sara-
gossa oder zu Calahorra, cjbwohl im Ganzen mehr Gründe für den
erstem Ort sprechen dürften, und: „Auch Oams möchte sich für Sa-
ragossa aussprechen." Wohl habe ich früher geschrieben: ,,Er stammte
sehr wahrscheinlich aus Saragossa"^ heute aber sage ich: „er stammte
ohne Zweifel aus Saragossa"*). — Im Jahre 1874 handelte Ad. Ebert
über unsern Dichter und läset ihn „wahrscheinlich in Saragossa ge-
boren" werden. Im Jahre 1875 nennt W. 8. Tißuffd den Prudentius
„den bedeutendsten christlichen Dichter, und lässt ihn „wahrscheinlich
in Calagurris" das Licht der Welt erblicken. — Endlich sagt Alzog
im Jahre 1876 — „Prudentius war 348 zu Saragossa geboren, doch
macht auch Calahorra auf die Ehre Anspruch, seine Geburtsstätte
zu sein!"')
§. 8.
Von dem Kapitel über den lieblichen Dichter Prudentius giengen
und gehen wir zu dem unlieblichen Kapitel über die IViscillianisten in
Spanien über. Im Unterschiede von den frühern Forschern über diese
') Geschichte der rOmischen Literatur, 4. Bd. I, die christlichen Dichter und
Geschichtschreiber, 11. Aufl., Carlsruhe, 1872, S. 6J— 65. — Ad. Ebert, Gesch. der
chriBtlich-latein. Literatur von ihren Anfängen bis zum Zeitalter Kari's d. Grossen,
Leipz., 1874, S. 213—244. — W. S. Teuffei, Geschichte der römischen Literator
3. Aufl., Lcipz. 1875, 8. 1028 (§• 436).
') Alzog, Handb. der Patrologie, 3. Aufl., Freib. 1876, S. 533.
492 Recapitnlation des ganzen Werkea. Zweites KupiteL Zweitef Band, 1864.
^^® Häresie habe ich theils wahrscheinlich zu machen, theils za beweiseo
uanf. gesucht, dass der Priscillianismus reiner Manichaeismus, dass derselbe
■tenifnd geiiQQ yQ^ dem Jahre 343 und noch viel früher in Spanien rcrbreitfi
Msni. worden, dass Hosius von Corduba vor dem Jahre 344 gegen des
ehaeer. Mauichäer Marcus gekämpft, den die Arianer einen Mann des „seiig-
sten Andenkens^ im Jahre 344 nennen; nachgewiesen, dass der spa-
nische Bischof Oiympius, der im Jahre 314 blühte, ein Bocfa gegen
die Manichäer (in Spanien) geschrieben. Ich habe zu zeigen gesucht
dass die Haeresie in Baetika zum Ausbruche kam, von da nach Losi-
tanien und nach Avila in dieser Provinz sich verbreitete, und zulezi
ganz Galicien ergriff'). Es scheint eine ganz ungeheuerliche Bebaoptong
zu sein, das eine Zeit lang alle Bischöfe von Galicien in die Kez«
dieser Haeresie verstrickt waren. Aber die Akten der ersten uns be*
kannten Synode von Toledo und andere Thatsachen beweisen es. Poli-
tische Motive scheinen mitgewirkt zu haben. Der Usurpator Maximo«.
der den Priscillian hinrichten Hess, hatte sich gegen Theodosius empCnt
und es konnte scheinen, als hätte er in Priscillian und den Seiniga
den Galicier Theodosius treffen wollen. Bumpp hat gefunden, iasi
meinem Auseinandersezungen nähere Beachtung und weiteres Stndioffl is
Anspruch nehmen'').
Auf der Synode von Toledo im Jahre 400 waren 19 Bischöfe
versammelt; aber nur von 4 sind uns die Size genau bekannt Ifi
Gegensaze gegen die Synpde von Elvira verordnet diese Synode, da&s
die schwersten Sünder auf dem Todbette die heilige Wegzehnm;
empfangen sollen. Nur etwa 4 von den 20 Canones beziehen
sich auf die Priscillianisten. Aber nach dem Concil fanden Verneh-
mungen und Untersuchungen in Betreff der Priscillianisten statt Die
Bischöfe Symphosius und sein Sohn Dictinius von Astorga, and der
Priester Comasius schwuren in tiefster Demuth die Irrlehre des Pri^
ciUian ab. Auch Bischof Paternus von Bracara schwur ab, sovie
andere Bischöfe, deren Size nicht genannt werden. Andere Wider-
strebende wurden abgesezt.
*) Eben, beim DarchblSttem des Werkes: ^^von den beilihmton Misaen'
des Itidor von Sevilla finde ich eine Stelle, darch deren Inhalt meine Venuiteff
an Wahrscheinlichkeit gewinnt Itidor (o. 15.) erzählt: ItaduM^ Bischof ta Spt-
nien (d. i. von Ossonoba), mit Zunamen und nach seiner Beredtsaskeit «Oirai'.
schrieb ein Bach gegen Priscillian, worin er seigt, dass ein gewisser MuevM*
Memphis, sehr erfahren in der Knnst der Magie, Sehfller des Manes md v^^^
des Priscillian*' gewesen sei. Wenn er Lehrer des Priscillian war, so iit sa »
wahrscheinlicher, dass er in Spanien liingere Zeit geweilt Leider hat «eh ^
.Apologeticos* des Itojdus nicht erl^ten; es scheint aber, dass IMof die Sdrf
gekannt habe.
*) Literarischer Handweiser von 1865, nr. 27.
OrosioB Ton Braeara. 493
§. 9.
CATA.
Wir liehen za dem Kapitel fiber Orosius über. Dass derselbe oroiiui
Paulos geheissen, ist unwahr. Padan, Dexter, Hosius, (Priscillian), ^°°^'*"
Olympins, Damasus, Theodosius, viele andere — begnügten sich mit
einem Namen. Warum will man dem Orosius den Namen Paulus
geben, den er sich selbst, und den ihm seine Zeitgenossen nicht ge-
geben? — So lange man noch nicht wusste, oder wissen wollte, dass
er aus Braeara stamme, mochte es einigen Sinn haben, ihn ans „un-
serm Tarraco'^ stammen zu lassen. Jezt aber kann nur Braeara in
Frage kommen. Der Ausweg, den Teuffel vorgeschlagen, er sei zu
Tarraco geboren, in Braeara Presbyter geworden, empfiehlt sich durch
keinen Grund (§. 455, p. 1073). Ebert hat das Richtige über ihn ge-
sagt (1. c. S. 323). Alzog nennt ihn noch „Paultts'% und, mit Recht,
Priester von Braga (S. 417, §. 77).
lieber die kleinem Schriftsteller, die beiden Ävitua von Braeara,
Severus von Minorca, Baehiariiu — habe ich Neues nicht vorgebracht.
§. 10.
Die noch übrigen Ejtpitel des siebenten Buches handeln von den
fünf Kirchenprovinzen Spanien's in der Zeit von 357 bis 589, zuerst
von der Provinz Baetika. Weil Hispalis Hauptstadt des romischen
Spanicn's war, so ernannten die Päpste mehrere dortige Metropoliten
zu ihren Vicarien in Spanien. Diese Einrichtung aber vermochte keine
Festen Wurzeln zu fassen, weil die Gothen Spanien eroberten, und
Barcelona, später aber Toledo zu ihrer Hauptstadt auswählten. In
Betreff der Eirchenprovmz von Toledo habe .ich nachgewiesen, dass
iie Bischöfe von Toledo sich als Metropoliten nur die Anerkennung
1er Bischöfe von Carpetanien erwarben, während die östlich und süd-
östlich wohnenden Bischöfe als ihren Metropoliten den Bischof von
Z/arthagena erklärten. — Von Bischof Turibius von Astorga habe ich
>ehanptet, dass sich Papst Leo I. wegen der Manichaeer, sonst Pris-
^illianisten genannt, an ihn nicht gewendet, weil er „Notar des Papstes^^
gewesen, wie Martin von Braga 120 Jahre später sagt, sondern weil
\r Metropolit von Galicien gewesen; ferner daraus, dass der Papst
hn za Abhaltung von Synoden in ganz Spanien auffordert, folge nicht,
vie man gewöhnlich annimmt, dass solche Synoden in den Jahren
[47 — 448 wirklich stattgefunden haben. Der Chronist Idatius, der
onst ganz Unbedeutendes berichtet, hätte darüber nicht geschwiegen,
md die Akten der Synoden wären so wenig verloren gegangen, wie
iie der andern Synoden.
^91 Recapitulation des ganzen Werkes. Dritics Kapitel. Der diiite Band.
Drittes Kapitel.
Der dritte Band
V
erschien im Jahre 1874, zehn Jahre nach dem zweiten, besonders wä
in der Zwischenzeit das Werk: ^^Series episcoporum ecciesiae catbo>
licae^' von mir geschrieben wurde, das ich in Spanien begann. Dieser
Band umfasst die Zeit von 589 bis 1085. Der Anfang des Baada
S. 1 — 101, wurde gedruckt vor dem Antritte meiner Reise nad Spa-
nien im September 1864* In Spanien selbst habe ich viele Anr^Df.
aber weniger Ausbeute für meine Arbeit gefunden. Ich kann im Ganzes
nur sagen, dass ich in den bisherigen Ansichten über einzelne Strei:-
fragen der spanischen Eirchengeschichte bestärkt wurde, z. B. m der
Frage von der Lage von Acci-Guadix, Elvira-Granada. Den Einänx-k.
den ich über Land und Leute gewonnen, darzulegen, ist hier mik
der Ort. Ich hatte nie im Sinne, eine Schrift herauszugeben, di«*-
nähernd ein Reisebericht über Spanien wäre. Das haben hi»^
Andere vor mir gethan.
Die sechs ersten Kapitel des achten Buches geben mir keifiei
Anlass zu Bemerkungen. Das siebente Kapitel handelt ober Isiiirr
von Sevilla, und „PauP' von Emerita. Ueber jenen spreche ich ibf
eine Vermuthung aus, die ich schon im Jahre 1864 hatte. Er sagt r
seiner erwähnten Schrift (cap. 5.): (Hosius) verfasste auch ein anden»
Werk „über die Erklärung der priesterlichen Gewänder im Alten Test>
mente, ausgearbeitet mit herrlichem Sinne und Verständnisse (egrecw
quidem sensu et ingenio elaboratum). Dieses, sowie das andere Wen
des Osius aber das Lob der Jungfräulichkeit, gilt allgemein als r?-
loren. Es kommt aber vielleicht eine Zeit, wo man alle die Qor
nannten Quellen, aus denen laidor von Sevilla seine verschiedatf
Schriften zusammengesezt hat, ohne die Auetoren mit ihren NauMo c
citiren, die „Reminiscenzen an seine frühere Lectüre'^^ auffindet, oo^
da mag man darunter auch eines oder beide der verlorenen Werke dtf
Hosius entdecken.
Einen Schriftsteller Paul von Emerita hat es nachweisbar nie ge-
geben. Daraus folgt aber keineswegs, dass die Schrift: „VitaePatnxi
Emeritensium^^ eine unächte Schrift sei. Nur die diei ersten KifiB'
sind unächt, und zeichnen sich durch ausserordentliche Abgeachnic^
heit des Inhaltes aus. Dass der Abt Unctus aus Afrika zu B«^
Das sieboDte Jahrhandort 493
gestürzt Bei, wenn ihn etwa das Auge eines Weibes erblickt habe,
halten wir far ein Märchen. Denn welchen Zweck hätte ein solches
Wunder? Das Kapitel von dem „gefrässigen Mönche in Cauliana'^,
dessen Leichnam nach Jahren unversehrt gefunden worden, ist erdichtet
von einem patriotischen Lusitanier, der, nachdem man den Brief des
Mönches Tarra von Cauliana an itönig Reccared aufgefunden, der wegen
Unsittlichkeit aus seinem Kloster Verstössen worden, nun aus einem
Unsittlichen (nur) in einen grossen Esser und Trinker umgewandelt
wird, der sich aber nachher derart besserte, dass sein Leib unver-
wesen aufgefunden wurde.
Es bestand ein Werk von einem unbekannten Verfasser, mit dem
Titel: ,,Leben der Väter von Emerita", welches mit dem vierten »•^'«
Kapitel der Schrift des angeblichen Patd von Emerita begann. — lii v. KmV
der Ausgabe des „Bivar", vielmehr in dem Codex^ den er entdeckte, '*'•"•
fehlten gleichfalls die drei erten Kapitel. Die Schrift kam von Emerita
auch nach Asturien; König Alfons III. von Leon schrieb über den
Inhalt derselben im Jahre 9()G an den Klerus und das Volk von Touhs :
,,Wir besizen das Leben, die Tugenden und die Wunder vieler her-
vorragender Männer, wie z. B. der von Emerita, in guter und klarer
Weise geschrieben, welche in euren Archiven sich nicht befinden,
und welche wir, so es euch dienen wird, gerne an euch senden werden.^^
§. 2.
Das achte Kapitel des achten Buches: „Fünfte bis eilfte Synode
von Toledo, Synode von Emerita. Die Könige Chintila, Chindaswinth
und Keceswinth. Eugen II. und lldefons von Toledo^ bieten zu Be-
merkungen keinen Anlass. Ich bleibe aber, mit Florez gegen Vic. de
La FuentSy bei der Behauptung stehen, dass König Receswiuth in den ^^°''
spätem Jahren seines Lebens wurde, wie König Salomo in seinen alten J^^
Tagen, als er mit fremden Frauen sich umgab, und von der Weisheit
seiner Jugend abfiel, und dass das gänzliche Aufhören der Concilien
von Toledo in seiner spätem Zeit darin seinen Grund hatte. Es zeigte
sich hier zum erstenmale jene bedenkliche Abhängigkeit der Kirche
von dem Staate in Spanien '), die später so oft schmerzlich hervortrat.
Die Bischöfe fühlten das Drückende ihrer Lage, konnten aber das
Joch nicht abschütteln, das auf ihnen lag. Vom Jahre 656 bis zum
Jahre 67ö wurde kein Concil von Toledo gehalten.
Das neunte Kapitel behandelt die Bischöfe: Braulio und Tajo
von Saragossa; S. Aemilian von Cogolla und Fructnosus von Braga,
so wie den Abt Valerius, bei welchem Hermenegild zum erstenmal
*) Der sich auch der beilige lldephons von Toledo nicht entziehen konnte,
496 ll«capitalation des ganzen Werkes. Drittes Kapitel Der dritle Band.
„Heiliger^ genannt wird, während die Frühem ihn mit wenig schmeicbel-
haften Titeln, wie „Tyrann — and RebelP^ bezeichnen. & batte
eben sich in die Arme der Griechen geworfen, und bei seiner firheboog
gegen seinen Vater sich anf sie gestuzt.
Das zehnte Kapitel behandelt „dip Konige Wamba, Brwig, Egia
Witi^a. Die Synoden von 675 — 701. Julianns Ton Toledo^. Was kk
über leztern gesagt habe, mag ich hier nicht j^recapituliren^. Wenn ibs
Kardinal Xim^ies za seiner Zeit fand, dass die VerehmDg des Jofiia
ganz aufgehört, und er darnm sein Fest wieder einfahrte, so mösstt
Torher doch bewieson werden, dass er zn irgend einer Zeit eine knrck-
liehe Verehmng genoss. Wenn er im 19. Jahrhunderte eine dg«
Festmesse hätte, so müsste diese und sein „Officium^^ doch in des
,,Proprium Sanctorum Hispanorum^' zu finden sein^). Da hat der ba-
iige Julian von Cuenca ein Officium mit einer Octave« Bei dem
8. März (an welchem Tage im romischen Martyrologium und in dec
Acta Sanctorum Julian's Namen steht) kommt kein Heüiger in dem Pro-
prium der „Heiligen Spanien's" vor. — Das zu Rom am 10. Aogv:
1865 zulezt, nach den frühem Ausgaben, revidirte Proprium entU:
den Julian von Toledo nicht, dagegen zum 15. November den Ektge^ai
(von Toledo).
§. 3.
Ueber die altspanische Liturgie habe ich in allen fünf Binda
dieses Werkes gehandelt, u. a. im dritten Bande, S. 186 — 209. Die«
^^® ^ Liturgie, wie sie uns vorliegt, ist die der Kirche von Toledo, wdckf
Ton To- durch Julian von Toledo ihre dermalige lezte Gestalt erhielt, sie unterb;
^^' vom Anfange an bis etwa zum Jahre 690 vielfisichen Verändeniiigex
nach dem Jahre 690, und seit dem Ende der Gothenherrsohaft Uieb
sie unverändert, und blieb die Liturgie der spanischen Kirche bis so!
die Zeiten Gregor's VII. Vor Julian hatten besonders Eugen IL nd
Udepbons theils.die Form der Liturgie verändert, theils neue Offidfl
und Messen verfasst. An dem Canon der Messe, oder der sogaiannt^s
apostolischen Messe wurde nichts verändert Die Litui^ wnrde ibh
dem Jahre 400 abgeschlossen. Später lebende Heilige, wie Angustia.
Hieronymus, Gregor der Grosse, mussten sich mit dem Coniinane Coo-
fessorum begnügen, keiner, nicht einer, erhielt ein eigenes QfBcimiu
Der lezte Heilige der mittlem Zeit, der in das Calendarium der mozi-
rabischen Liturgie kam, war Thomas von Aquin (f 1274). 68 Ftsu
haben eigene Ofißcien, davon sind 16 Heilige Spanier, die fibrigee
Nicht-Spanier, 7 Römer, 3 Afrikaner, 3 Gallier, 5 Orientalen. Kar
*J Kiitisb 1863— 186 >, Pustet
Die alte Liturgie. Tarraoo and Toledo. 497
die heilige Leocadia von Toledo hat ein Fest mit sechs Mitren, die
übrigen theils mit vier Mitren, theils sind es Feste von neun Lectionen,
ein weiterer Beweis, dass die Litargie aus Toledo stammt. Diejenigen ^<® ^^-
aber, welche die Existenz Eugen's I. von Toledo, des angeblichen gtammt
Schülers des Dionysius von Paris, vertheidigen, inüssen sich doch ver- ^^ '^^•
wundert fragen, warum derselbe kein eigenes Officium in Toledo hatte?
(gefeiert wurde er, aber nur de Communi Martyrum, am 15. Nov.)
Die Festmessen und Officien, welche die Kirche von Toledo aus
dem Festkreise anderer spanischen Kirchen au&ahm, blieben ganz un-
verändert, so die Festmesse der apostolischen Siebenmänner, deren
Präfation nur für Acci passt, die Festmesse des heiligen Fructuosus
von Tarraco, worin es u. a. heisst: „Dieser Ort und dieses Volk (von
Tarraco) ist auf ganz besondere Weise durch die Gegenwart (ihrer)
ehrwürdigen Reliquien geweiht. ** In der Festmesse der heiligen Eulalia
von Barcelona heisst es: „Es ist da jenes hehre Fest der heiligen
Eulalia, welches wir jährlich zu feiern entschlossen sind, da diese Hei-
lige Bürgerin und Bewohnerin dieser Stadt, den Boden ihrer Vater-
stadt auch' durch die Ehre des Begräbnisses verherrlichte. Lasst uns
verehren in unserer Hingebung die Mitbürgerin.** — In der Festmesse
des heiligen Felix weisen die Worte auf Gerona hin: Felix war ein
eifriger Kaufmann in dieser Stadt. Das Officium des heiligen Vin-
centias weist auf Saragossa.
Da die Festmessen der Heiligen der Provinzen Baetica und Lusi-
taoien sichere örtliche Hinweisungen nicht enthalten, so sind sie viel-
leicht alle in Toledo entstanden, zu welcher Ansicht auch der Cardinal
Liorenzana hinneigt.
§. 4.
Der erste Bischof von Toledo erscheint im Jahre S06. Wo ein
Bischof ist, da pflegt eine kirchliche Liturgie zu sein. Wer hatte das
Recht, den Melantius zu weihen? Woher erhielt Toledo das Christen- Toledo
tfaum? Es gehörte zur Provinz Tarraco. Im Jahre 2ö8 gab es Bischöfe ^*'^*^
von Tarraco, Saragossa und Astorga-Leon. Gegen den Süden war raco «.
Toledo durch Gebirge mehr abgeschlossen. Von Tarraco, nahm ich ^^^'
an, kam das Christenthum und die kirchliche Hierarchie und Liturgie
snt^weder direkt, oder über Saragossa, nach Toledo. Tarraco aber
erhielt die Liturgie, wie das Christenthum von Rom, vielleicht im
zweiten christlichen Jahrhundert. In dieser Zeit wurde der Gottes-
iienst in Rom noch in griechischer Sprache gehalten. In Tarraco
nusste die Liturgie übersezt werden, was einige Abänderungen zur
roJge hatte. Die „Präfation'^ der Messe, im Gallischen „Conte-
tatio^^ genannt, heisst im Spanischen: „Inlatio oder IHatio^^, was eine
QmmB, mp»n. Kirehe. III. S. 32
498 Reoapitulaöon des ganzen WerkeB. Drittes lUplteL Der dritte BmkL
genaue Uebersezung des griechischen iya^oad ist Dieser anwot«
Liturgie bediente sich der Martyrbischof Fructoosus. Aus der En^
nerong an dieselbe sprach er am 21. Januar 2o9 zu d«» Cbmte.
Felix der ihn um seine Fürbitte ansprach: .Ich muss dcrkaAob^
Kirche emgedenk sein, welche vom Morgenknde bis zum Abendl«de
ausgebreitet ist« Er sprach: In msrOe me habere »ee«M «^aeefa«.
caZlicam ab Oriente usque ad Occid^tem diffusam. ^J^^
altspanischen Messe heisst es aber nach dem ^""^'-^^Ffr^Z
ri catholicara in orationibus in mmte habe<mu.- Wie ich, erijrt
Tl2i diese Stelle als Beweis, dass diese Liturgie schon im JJ«
T«r«o 259 j„ Tarraco in Uebung gewesen.
"• "^"^ In der Commemoration der Lebendigen heiset es : Es bnng«
dar das Opfer Gott dem Herrn unsere Bischöfe (sacerdotes) , d« ro-
^TschrPapst (Papa Romensis), mid die übrigen - für sich und d«
Z Klerus u s w. - Der Primat des römischen Papstes «t o.
CaWoX ausgesprochen. Er ist der erste Bischof der Kirche, «
w'dvoT allen und dlein genamit. In Rom kann der Celebr«ism^
Tagenres opfert der römische Papst - sondern höchstens u«er ?^
unserBTschof. Aber auch das Wort: Papa - dürfte » Si«meo.
ZLuirgie gekommen sein, da bis zum sechsten Jahrhund^t dx
. Bfs6hÄ nidlichen Spanien, besonders der Metropobt von Tsm«
_ den Ehrennamen „Papa« - „Vater« - führten.
Das Wort: „Romensis- für „Romanus« stemmt nicht aus Bm
nicht aus Gallien, nicht aus Africa, nicht aus S^^s^^o^rwt'
saete man: Papa romanus, ecclesia romana. Das abnorme Wo...
Somenris - kommt nur vor in der Provinz: Tarrwonens«. D^
--WoSong konnte nur derjenige anheimfallen, -/essen 0^^
mhehe " , * . koatondiff klauK, uur der, bei welchem die Prom.
la». Endung: ensis - beste^dig klang, ^^ ^^^^^ jy^^
gie in lg a\q Stadt, in welcher er leoie, uieac *-• e j m -^^
",:S,r bei den Städtin: Barcino, Uerda, Girona, Leon Astorga mid Tan^
- zu So ist es erklärlich, wie der Uebersezer d^ Litui^e (und ««
kann an Fructuosus selbst denken) den „Papa Romensis«, und n^
Tmanus« in dieselbe brachte. Der „Papa Romensis« blieb .ach o
ÄoT der Liturgie, weü man an dem Canon der Me^«^ «J
änderte. Ein Uebersezer in Toledo - em „Toletanus« hatte «d«
"^Tüere:s"er Liturgie aus der griechischen Sp«a« d.^
einige Ausdrücke an. Unser „Sanctus" heisst: „agios («)-«)• ^-^
Kyrie eleison« ist eine der lezten Erinnerungen d«s auch d«^
mSe Liturgie urspriinglich in der griechischen SpnuAe gehJ«
würde Die Ibgestorbenen heissen in der spanischen Litnnpe:^
Z^ Spiritus ptusantium«; das ist d- üeWsezung d« ^ec^
■^^m., oder: navauf^ym. Entsprechend dem Zeitwort hat «r
Die litorgie Ton Tftrraco -Toledo. Isidor ttber die Liturgie. 499
üebersezer das Wort: „pansatio^ — „Rlibe im Tode oder im Grabe" fo'"««
gebildet. In der Festmesse der heiligen Ealalia am 10. December Abge-
wird gebetet für die Todten nm: (et defanctis) eterne paosationis so- "^o'^a-
nen.
latiam. In der Messe des Papstes Clemens (I.) bitten sie: J^ro spi-
ritibas fidelium requiem defnnetorum^; in der Messe der Erscneinung
Christi beten sie: „refrigerinm quietis defanctis accnmula^. In der
Messe der Siebenmänner wird gebetet: „pro defanctis omnibns"; ebenso
in den zwei Messen der heiligen Justa und Rufina. In der „aposto-
lischen'^ Messe heissen die Todten „pausantes^, im Jahre 306: „Sancti'',
spater gewöhnlich „defuncti''. — Die tägliche Messe heisst: „Missa
cotidiana Romensis^, d. i. der Canon der Messe, der von Rom kam. —
Die Diaconen heissen in der Liturgie „diaconi'', ebenso auf der Synode
zu £lvira — 306; im Jahre 400 und später heissen sie diacones (aber
die beiden Diaconen des heiligen Fructuoisus heissen auch schon
diacones).
Die Liturgie der drei nordlichen Provinzen leite ich von Tarraco
her, wohin sie vor dem Jahre 259 aus Rom gekommen, aber in Spa-
nien war ubersezt worden. Es ist aber wahrscheinlich, dass dieselbe
Liturgie aus Rom schon früher nach Südspanien gekommen^ weil hier ^*^g^^^f
das Christenthum schon im ersten Jahrhundert in den obengenannten spanieo.
Städten, und wohl auch in Sevilla und Cordova eingeführt warde.
Die Liturgie der Provinz Baetica ist uns aber nicht bekannt, hidor
von Sevilla sagt in seiner Schrift: „über die kirchlichen OiBcien", dass
die Responsorien aus Italien stammen, dass das „AUeluja^ in Spa-
nien, ausgenommen die Fastenzeit, das ganze Jahr hindurch gesungen
werde, „nach der alten spanischen Ueberlieferung^. „Die Ordnung
der Messe aber und der Orationen, durch welche das Gott darge-
brachte Opfer consecrirt wird, ist zuerst von dem heiligen Petrtu ein-
geführt worden, deren Feier zu einer und derselben Zeit der ganze
Brdkreis begeht.^ Die apostolische Messe hat also auch Spanien aus
Rom erhalten. Ihre Beschreibung bei Isidor weist einige Verschieden- ^^^^^^ ^-
heiten von der nordspanischen auf. Sieben Orationen zählt Isidor^
sieben hatte auch Toledo, die Beschreibung im Einzelnen passt aber
dicht ganz. Auf eine nähere Beschreibung der heiligen Messe geht
Tsidar nicht ein. Ueberhaupt enthält sein Werk wenig, was nicht
inderwärts bekannt wäre. — Leander von Sevilla hat nach dem Zeug-
lisse Jsidor^s fast die ganze Liturgie neu bearbeitet. Braulio zählt
Jle ihm bekannten Werke Isidor^s auf; die Meinung aber, dass Isidor
lie gothische Liturgie bearbeitet habe, kam im späten Mittelalter auf.
Der zweite Canon der vierten Synode von Toledo verordnet: In canonii
ranz Spanien und Gallien (soweit es zu Spanien gehörte), soll eine und ^ '^^°^^^*
[ie gleiche Art des Psallirens, ein Ritus bei der Messfeier, der Vesper und ▼. Jahre
datutin beobachtet werden. Dieser Canon bedeutet nicht die Einführung ^'*
32»
500 Becapitalation des ganzen Werkes. Drittes Kapitel Der dritte Basd.
einer neuen Liturgie, sondern, * dass namentlich Galicien (vieUacht atufa
Gallien) den Ritus der übrigen Kirchen annehme. Auch Dr. Etjdt
tritt dieser Ansicht bei (Concil. Gesch., 2. Aufl., 3. Bd., 1877, S. bU.),
indem er sagt: ,, Garns bestreitet die Meinung, dass durch diesen Canoi;
die molkrabische Liturgie in Spanien entstanden sei. Der Canon tct-
ordnet ja nicht die Einfuhrung einer neuen Liturgie, sondern will, dass
die in dem grossten Theil des Westgothenreichs bestehende litorgk
auch in den übrigen Theilen durchgeführt werde.^
Meine Ansicht über den Ausgang der „mozarabischen Messe*
aus Toledo theilt auch Herr Eng. Stern, (protestantischer) Pfarrer ia
Bischweiler, da er mir am 6. Januar 1878 u. a. schrieb: „Ich habt
die vier erschienenen Bände (der spanischen fijrchengeschichte) nicht blos«
durchgelesen, sondern durchgearbeitet, und ich stehe nicht an — * a.s.v.
„Es ist Set. Pauli Reise nach Spanien, und ihr Verhiltniss m
mozarabischen Messe , das mir besonders schwierig war. Diese mot-
arabische Messe ist, wie ich völlig mit ihnen übereinstimme, die Mess«
der Stadt Toledo; sie hat sich im Lauf von sechs Jahrhunderten n
der Gestalt ausgebildet, in der wir sie gegenwärtig haben. Sie ist (b
wichtigste Document für das kirchliche und religiöse Leben Spaniens
in ihrer (seiner?) ersten Entwicklung: — sie enthält wichtigere alten.
ja ganz alte Bestandtheile — diess Alles halte auch ich für völlig be-
gründet.^ Und später:
„Darf ich vielleicht das Bedauern ausdrücken, dass Sie sich:
in allen Stücken mit der Frei)ieit des Geistes und Loslösung tod gr-
heiligten historischen Traditionen vorangegangen sind, welche ich iU
noch andere in Ihrem Urtheil über Eugenius von Toledo, und besoL-
ders über Set. Jacobus bewunderten.^ (Es folgen weitere Lobspröcbe.
— In einem spätem Briefe kommt Herr Pfarrer Stern auf dasselbe
Thema zurück, und sagt, dass man keinen sichern historischen fiodt£
unter den Füssen habe, bevor nicht alle Codices der altspaniscikc
Codices Liturgie zur Einsicht uns vorliegen. Das meine ich, und meinte auii
^mrie ^* Burid im vorigen Jahrhundert. Aber ich furchte, dass wir c»
„an. Herausgabe dieser Codices nicht erleben werden, weil der ^paniscik
edfrt". }^igj.Qg seine alten Einkünfte verloren hat, und weil auch der fiegierm^
die Ausgaben für dieses Werk zu gross sein dürften. Ich gesteix
gerne ein, dass ich den überzeugenden Beweis nicht gefuhrt habe, dist
die römische Liturgie vor dem Jahre 259 nach Tarraco kam, und doT.
in das Lateinische übersezt wurde. Sicherer scheint mir zu seio, da»
die Liturgie von Tarraco nach Toledo kam.
'ohlT"* ^^^^ ™^^° jüngerer Freund Joh. PUtz^ zur Zeit Kaplan in Vdbaj
pttt«.* (ß- Eichstädt), früher beschäftigt mit Studien über den Ursprung deril»
kölnischen Liturgie, hat meine ^Studien^ über die altspanisohe litap
mit grossem Interesse verfolgt, und wurde u. a. von dem Saze
Die
alten
Alte Liturgie. Toledo und Rom. 501
dass man in der alten spanischen Liturgie vielleicht noch Bestandtheile
der ältesten romischen Liturgie finde.
§. 5.
Im Jahre 1862 habe ich auch die Frage von dem Ursprünge der
sogenannten Yetus Itala, oder lateinischen Bibel überseznng vor der
„Vulgata^ behandelt. Seitdem ist über diese Frage eine kleine Literatur
erwachsen. Damals befand sich die Ansicht, die „Itala^ sei in Italien,
uicbt in Afrika^ entstanden, in grosser Minderheit. Heute befinden sich
die Vertheidiger des afrikanischen Ursprunges der ,,Itala^^ theils in der
Defensive, theils auf dem Rückzüge. Die „Itala^^ ist in Italien ent-
standen. Die Zeit, wann? — wusste auch Augustinus nicht. Ihre
Heimath -ist sehr wahrscheinlich — Rom; da aber diess noch nicht
bewiesen ist, Augustinus es auch nicht wusste, so begnügen wir uns zu
sagen: sie entstand in Italien, und neben ihr gab es zahlreiche andere
Uebersezungen; ihr aber gibt Augustinus vor allen andern den Vorzug^).
§. 6.
Von der spanischen Liturgie bin ich zu dem wenig erquicklichen nie
Kapitel 12 des achten Buches übergegangen: Die Kirche von Toledo J^j^' ^j,*
und die Kirche von Spanien, S. 210 — 222. Die Kirche von Spanien ledo
und die Kirche von Rom, S. 222—238. Ich habe nächgewiesen, dass ^^^^
der Primat über alle Bisthümer Spanien's, den Julian im Jahre 681 ▼. spa-
durchfiihrte, eine durch nichts gerechtfertigte Neuerung war. Weder '*'®°"
in Spanien, noch in andern Ländern hatte man bis jezt einen solchen „^^^ j^.
Primat gekannt, der alle kirchliche Gewalt in allen Bisthümern des ><^*>
Reichs in die Hand eines einzigen Mannes legt. Dieser Primat trug im ^^
Keime sowohl die Losreissung von Rom, als- auch die Erhebung gegen
0 Ans Anlasa meiner Abhandlang hat ein 0. behauptet, ich habe meine
Foraohungen über diese Frage aus dem Lexikon von £7o^z i^herausgeforscht'' 0. wird
einer der grOssten Forscher aller Jahrhunderte sein, sobald er aus obigem Lexikon
«heraasgeforsoht'' haben wird, dass der lateinische Iren&us, der lateinische Hirte
des Hermas, das sogenannte Fragment des Muratori, die Väter von Elvira, und dass
Tertollian, mit welchem ich obige Schriften verglichen habe, um zu zeigen, dass
ihr Latein ebenso „afrikaniach** geförbt sei , wie das des Tertullian, dass, sage ich»
diese Schriften dem Verfasser obigen Lexikons als Quellen gedient haben. Aus
einem andern Oronde bin ich aber 0. nicht wenig dankbar. Ich habe meiner Feder
die „kühnen* Worte entflfessen lassen: „Ich könnte ein Bach schreiben" (über die
Itala). So oft mein Auge auf diese Worte 6el, ärgerte ich mich an ihnen. 0. hat
sich gleichfalls an ihnen mit Recht gestossen. Ich widerrufe nan feierlich die
Worte: „Ich könnte ein Bach schreiben*; und ich rufe ebenso feierlich: „loh könnte
kein Buch schreiben.*
502 BecapitaUttion des ganzen Werkes. Drittes Kapitel. Der dritte Baal
das KoDigthnm in sich« Schon Sisbertos, der nächste Nachfolger de«
Julian (f 690)^ war nicht zufrieden mit der Gewalt eines UniTenai-
bischofes von Spanien. Er wollte den Konig Egica, dem er seme Er-
hebung verdankte, stürzen, nicht bloss so, wie Erwig, der den Joliu
seinen ^,Primat" durchfuhren liess, den Wamba gesiorzt hatte. Er
wollte den König, die Königin^ die Sohne und die Tochter des Eöaigi
durch Mord aus dem Wege räumen. Die Synode vom Jahre 693 wÜ
ihm „superbia^^ und „peijurium'^ vor. Sein Plan wurde entdeckt, er
selbst abgesezt und verbannt. Sein späteres Schicksal liegt im Dnnkd
Dass aber schon der zweite Primas ein so schreckliches Ende nakm,
spricht nicht för die Güte dieses Primats.
Engen 1. Schou Eugcu I. vou Toledo^ Erzbischof seit Januar oder Febnar
Toledo 636, schrieb zum Antritte seines Amts an Isidor, und sprach seioe
Bedenken gegen den romischen Primat aus. Ihm antwortete Isidor km
vor seinem Tode: „Obgleich die Würde seiner (Christi) Gewalt laf
alle katholischen Bischöfe übergegangen ist, so bleibt sie doch darcb m
besonderes Privilegium dem romischen Oberhirten, als dem Haupte, im
erhabener ist, als die übrigen Glieder, bis zum Ende der Zeiten a
ausgezeichnetem Grade. Wer ihm also nicht in Ehrfurcht den wü-
digen Gehorsam leistet, der trennt sich von dem Haupte, steuert de&
Schisma der Akephaler zu^ und ihn treffen die Worte in dem Symbol
des Athanasius: „Wer dieses nicht treu und fest glaobt, der km
nicht selig werden.^'
Wenn Isidor noch im Jahre 638 gelebt hätte, so hatte Braolic
von Saragossa sicher nicht jenen zomglühenden Brief an Papst Hooo-
rius I. geschrieben, den wir S. 224 — 227 mitgetheilt haben. ^ Ebe
juiian't ,^gar wenig höfliche Sprache^^ des „Primas^^ Julian, kaum dass er
seinen Primat im Jahre 681 „för die ganze Ewigkeit der Zeiten^' fest-
gestellt hatte, gegen die Päpste geführt, haben wir auf S. 233—^
erzählt.
§. 7.
Wie die spanische Liturgie nur zunächst die Liturgie der Exi^
von Toledo war, so war, nach meiner Ueberzeugung, die ,Gcile(V
Canonum Hispana^ in Toledo, zum Zwecke einer historischen 6e
gründung der Machtansprüche Toledo's angelegt. Die Sammlung selbs
bestand schon um das Jahr 632, sonst hätte Isidor von Sevilla vink
ein Kapitel aus derselben in seine „Etymologieen^ aufnehmen kooB&
die im Jahre 632 schon vollendet waren. Ich kann aber die Aig^'
mente für meine Ansicht nicht wiederholen. Bisher hat Niemand lal
nur wahrscheinlich gemacht, dass Isidor irgend einen Antfaeil an dr
Sammlung gehabt. Ich habe mich für Toledo als den Ort ihrer E^
stehung ausgesprochen, und dafür spricht u. a., dass diese Sanuate
Spra-
che.
r
Toledo und Spanien. Felix Dahn Aber interpoHrte Akten der Sammlang. 503
die Synode von Emerita vom Jahre 666 nicht enthält, welche zu einer
Zeit gehalten wurde, wo man in Toledo nicht den Muth fand , den
„Unmuth* des Königs Receswinth in seiner spätem schlimmen Zeit zu
ertragen^). Ich habe femer meine Ansicht dahin ausgesprochen, dass
Bischof Aurasius von Toledo im Jahre 6lO — 611, und der Primas
Julian die Urheber dieser Sammlung seien.
Auch Fdix Dahn hat (thcils vor theils nach mir) seine Ueber-
zeugung ausgesprochen, dass einige Bestandtheile der CoUectio Ca-
Die alte
OoUe-
noonm.
uonum interpolirt oder unterschoben seien ^). Er halt die Akten deretio ca-
Synode von Toledo vom Jahre 610 für entschieden falsch; 1) weil die
Sprache entschieden abweiche von den ächten Schriftstücken der Zeit
vom Jahre 610. 2) Zwei Absäze des Textes seien so geschrieben, wie
man dazumal nach Allem, was wir wissen, in Spanien nicht schreiben
konnte. Die Akten werden verdächtig durch das entschieden falsche An-
hängsel der drei Bittschriften, welche in übrigens viel schlechterm Latein
verfasst seien. Jedenfalls sei der hier genannte Aemilianus unvereinbar
mit dem in den Akten der Synode aufgeführten Jacobus von Mentcsa.
Auch die Gründe für die Unechtheit des sogenannten decretum
Gundemari scheinen dem Fdix Dahn „überwiegend''. Verdächtig sei,
dass sich Gundemar das sonst unerhörte Praedicat „majestas nostra^'
beilege ; niemals begegnet sonst dieses Prädikat bei den Gothenkonigen.
Auffallend sei die historische Gelehrsamkeit des „Decrets'^ Die Unter-
schrift des Isidor von Sevilla sehe ganz nach der Absicht aus, mit der
Auktorität dieses Namens zu wirken. Endlich fällt am meisten auf,
dass gleichzeitig mit den 15 Bischofen der (Provinz) Carthaginiensis
noch 4 Metropolitane und 22 Bischöfe aus dem ganzen Reich, also
fast der ganze spanische Episcopat vollzählig, am Hoflager sich be-
funden haben sollen, während doch feststeht, dass ein Reichsconcil
unter diesem Konig „nicht gehalten wurde".
Wenn nun Fdix Dahn Recht hat, wenn der lezte Sammler der
CoUectio, welcher unbestreitbar Julian von Toledo war, falsche oder
interpolirte Schriflstücke in die Sammlung au&ahm, offenbar nicht,
um den Vorrang Toledo's herabzudrücken, so habe ich auch nichts
sonderbar Ehrenrühriges gegen ihn oder seine Mithelfer gesagt, wenn
ich behauptete, dass der oder die Sammler das Wort : Johannes, Bischof
▼on Tarraco absichtlich in: Johannes, Bischof von Ilici (lUicitanae eccle-
siae), vor AUem aber, dass der oder die Sammler den Brief des Papstes
Innozenz I. vom Jahre 404 absichtlich oder tendenziös verstümmelt
0 Quia Don erat adanandomm pontificum oUa praeceptio (f. e. regia). Weil
Secesivinth nicht befahl, es aollten Concilien gehalten werden, so wnrden auch '
t8 Jahre) keine gehalten, aus Furcht, ihm zu miasfallen.
«) Könige der Weatgothen, 1870, S. 176, VI. (i40.)
504 Recapitulation des ganzen Werkes. Drittes Ki^itel. Der dritte Baad.
habe. Nur den ersten Theil der Einleitung theilt der Sammler, mid
diesen willkürlich verändert, mit Sodann lasst er das ganze ente
^*°' Kapitel mit vier Abschnitten, sowie das zweite Kapitel ganz ing.
sei und Trozdem bat er, um glauben zu machen, dass er die ganze Decretik
Ansiag- mitgetheilt , auch seinen Auszug in sechs Abschnitte getheilt, wie sie
darin. ^^^ ächte Dccrctale enthielt. Es ist lächerlich zu sagen, er habe oor
das Unwichtige ausgelassen. Haben denn die übrigen 103 Stucke d«f
Sammlung lauter Wichtiges enthalten, weil er dieselben unveraoden
mittheilt, und nur diese Decretale unwichtigen Ballast? — AberBisdiot
Hilarius, der in Jahren 400-— 404 in Rom Klage führte über die tnra-
rige Lage der Kirche in Spanien, war sehr wahrscheinlich Metropdit
der Provinz Carthaginiensis, und jedenfalls nicht Bischof von Toledo
(dieser war vielmehr Asturius, der neunte Bischof von Toledo), ond
es sollte vergessen werden, dass es eine Zeit gegeben habe, in der
Toledo nicht Metropole gewesen.
§. 8.
Die Ml- Jq (}em Kapitel über die Kezerei der Migetianer habe ich geMfw
ner. 68 schcinc mir wahrscheinlich, dass das dem Elipandus zugesdiriebese
„opusculum^ gegen sie eine Arbeit des Orientalen, „des Binders Ut-
litOj oder Milita^ sei, und dass von Elipandus nur die kräftigen SchiDpf-
Worte herstammen, in deren Handhabung er eine ausgezeichnete Tir-
tuosität erlangt hatte.
In dem Kapitel „Die Adoptianer^, neuntes Buch, drittes Kapitel
EUpan« (261 — 298), habe ich zweierlei beweisen wollen. Erstens die „Bräder*
dua der y^jj Cordova , d. i. die dort mit den Arabern eingewanderten K«to-
uaneru. nt^nei* haben den Elipandus zu ihrer Irrlehre gebracht und verfahrt,
Bruder qjj(] f^^ ^hrc Zwccke die mozarabische Liturme ausircbeotet, in der
Hilltft o o '
sie einzelne missverstandliche Stellen für ihre Häresie fanden. P«r
Adoptianismus ist demnach reiner Nestorianismus« Eigentlicher IV
heber desselben ist der Priester ^^Müiia^^y der dem EUipandus wiedff-
holt „vier Quaternionen^^ Schriftstücke zusandte. Derselbe ist Ver-
fasser der Chronik, die den Namen des j^Melito^^ ti%t, und sehr wikr-
schcinlich auch Verfasser jener Chronik^ die bis zum Jahre 758 reicfa.
bis zur Herrschaft der Ommajaden in Spanien, und den fiJschen Nubo
des Isidor von Face trägt, der nachweisbar niemals existirt hat D*^
diese Chronik nur in Cordova geschrieben sein konnte, hat tncli
22. Dozy nachgewiesen. Es hat aber dem Bruder ^jAfelüo^* gebllo.
die Chronik nicht über das Jahr 758 fortzusezen, weil er etneneio
die Behandlung der Christen unter den Chalifen nicht loben konott
aber auch nicht tadeln wollte, weil er unter ihrem Schnze leben mnsst^
Ein liebliches Kapitel ist das über: „Die Bekenner ond c>
Die Jacobns* Frage. Heilige Leiber verloren und wieder gefunden. 505
Märtyrer von Cordnba" (839—864), S. 299—338; aber ich virusete in ^^\
demselben niclits Neaes vorzubringen. Gleichzeitig mit mir hat Graf rer von
Wolf. Wäh. Baudi$8in erscheinen lassen : „Enlogins nnd Alvar. Ein cordub*
Abschnitt spanischer Eirchengeschichte ans der Zeit der Maurenherr- 864).
scbaft/^ 213 S.S., Leipzig, 1873. Pas Buch ist mit Wärme geschrieben.
Aber auch hier habe ich nichts gefunden, was nicht aus Florez schon
bekannt war. — Es folgt (5. Kapitel :) Das Reich Astnrien (Leon) und
die spanische Mark im neunten Jahrhundert (S. 339 — 360, wo der im
Jahre 790 — 82jährige Elipandus und der vielleicht auch 82jährige
Brnder „Milita" noch einmal neben einander erscheinen.
£s folgt das zehnte Buch. Jacobus, der Apostel und Patron von
Spanten. Von Compostella nach Toledo (Jahr 900 — 108;")), und als
erstes Kapitel: Jacobus der Aeltere, S. 361 — 396. — Es ist mir keine
Beartheilung der von mir aufgestellten Hypothese zu Gesichte ge-
kommen. Ich sagte aber, von der Zeit von 521 n. Chr. bis 756 ist
meine Behandlung der Frage Theorie oder Hypothese, vom Jahre 756
an aber ist sie beglaubigte Geschichte. Dass der Leib des heiligen ^^' ^^^
Jacobos in den Jahren 521 — 525 in das Kloster Raithu von Jerusalem in
in ähnlicher Weise gebracht wurde, wie der Leib der heiligen Catha- ^'^'^^^ '
rina von Alexandrien nach Sinai gebracht wurde (wofür man den
Alexandrinern zur Beschwichtigung ihres Unwillens den Leib des hei-
ligen Antonius aus der Thebais zuführte), ist meine Vermuthung, die
ich nicht beweisen kann. Die Spanier sagten, der Leib des Heiligen
sei in einer halben Stunde „per ratem^^, mittelst eines Kahnes vom
Hafen Joppe nach Iria- Compostella sogleich nach dessen Tod im
Jahre 41 gekommen. Ich glaube, „ratis^, der Kahn, ist ein Missver-
ständniss, das aus „Rathensis'^ entstand. Die drei Mönche: Athana-
sius, Theodor nnd Petrus „Rathensis'' (eigentlich sollte es heissen
Uaithuensis, oder auf alle drei bezogen, Raithuenses) brachten den Leib
des heiligen Jacobus aus Kloster Kaithu zuerst nach Saragossa, wo er
in der unterirdischen Kapelle der Kirche „del Pilar** ruhte und ver-
ehrt wurde, bis er zur Maurenzeit nach Galicien gebracht wurde.
Im Jahre 1874 hatte ich keine Meinung über die Richtung des
Weges, ob zur See oder zu Lande, die sie eingeschlagen haben, und
habe auch im Jahre 1879 keine Vermuthung. Im Jahre 1874 hatte
ich eine Vermuthung über die Zeit der Uebertragung, dass sie nämlich
in den Jahren 700 — 711 geschehen sei, habe aber diese Vermuthung
nicht ausgesprochen.
Jezt aber spreche ich sie aus, da man im Februar 1879 nach
tagelangem oder wochenlangem Suchen den Leib des heiligen Jacobus
in der Kirche von Compostella gefunden hat, und neben demselben
die Gebeine oder doch Gräber seiner beiden Jünger, d. i. nach meiner
Ansicht der beiden Mouche Theodor und Athanasius aus Raithu,
606 Beeapitulation des ganzen Werke«. Drittes Kapitel. Der dritte Baal
Petrus Batliensis kann vorher gestorben, oder anch nach Braga sich
begeben haben. Die Bracarenser hielten oder halten ihn fior ilira
ersten Bischof, wie man den Athanasins und Theodor für die ersten
Bischöfe von Saragossa gebalten hat.
Im Allgemeinen ist die jüngst erfolgte Wiederanffindnng der Gt>
beine des heiligen Jacobns eine Bestätigung der Ton mir aofgesteOtea
in Sara- Theoric. Wenigstens zweimal hatte man aber das Grab des heiligen
compo- Jacobus vergessen und verloren, nämlich in der Zeit von 756 bis 829,
•teil«, und dann wieder in neuerer Zeit. Ein solches Vergessen und Verlier» der
Gräber der Heiligen kommt in allen Jahrhunderten und kommt sehrhäofig
vor. Man denke an den Leib des heiligen Augustinus in Pavia, an die
Leiber der heiligen Protasius und Gervasius, der Märtyrer von Mailand,
deren Leiber der heilige Ambrosius wieder au%efunden, und bei denen
er begraben werden wollte. Noch nicht hundert Jahre waren sdt den
Martyrtode der heiligen Justus und Pastor verflossen, und erst nach
langem mühevollen Suchen fand der Bischof Asturius von Toledo
(c. 388) ihre Gräber, und begrub dort Panlinus von Nola — um 391—38
— seinen Sohn Celsus. — Erst nach langem Suchen konnte der LA
des heiligen Marcus, den sich die Venetianer eigentlich auf Schleid)-
wegen erworben hatten, in der Marcuskirche wieder aufgefunden
werden.
Die Gebeine des heiligen Franciscus von Assisi waren im Jahre 1230
in der Kathedrale beigesezt worden, seitdem aber nicht mehr gesdien
Der worden. Nach einer Arbeit von vielen Tagen wurde der steinen»
heiugcn'Sarg aufgefunden, in welchem der Leib des Heüigen ruhte. Aa
Fran». 5. September 1820 erliess Papst Pius VII. ein Breve, durch welch«
amui. ^^ entschied, dass die Identität des Leibes für hergestellt zu erachten
sei*). — Man fühlt sich zu der Behauptung versucht, dass im Laofe
der Zeiten die Grrabstätte der Mehrzahl der Leiber der Hciligeo Ter-
gessen wurde. In keinem Falle wäre der Schluss ein berechtigter,
dass der Leib des heiligen Jacobus desswegen nicht in Compoetelb
ruhe, weil der Ort seines Grabes seit so langer Zeit vergessen w-
Der in unsem Zeitungen ohne Datum, aber wohl im Februar I8^
erschienene Hirtenbrief des Erzbischofs Paya y Rico theilt mit, disi
man nach langem Nachgraben in einem Gewölbe unter der Sacitftei
das Grab des Heiligen und seiner zwei Gefährten gefunden, dass ki
dem Auffinden einer der Arbeiter gerufen habe: Ich sehe nichts mdir.
und zeitweiliger Betäubung verfallen sei. Spatere Nachrichtes vd
mir nicht zu Gesichte gekommen.
') Das Breve steht bei CappelUtH, le Chieae d'Italia, t. V., 1846, p. IV^^
Wd in Ballarii Romani Continoatio von (1758-1884), t XV., Born. 1853, p,l21-*
Verloreoe und wieder gefundeoe heilige Leiben Sinai and Baitlin, o. 700. &07
Icli bin aber darch die Thatsache der Auffindung, an der ich
nicht zweifle, in einer Yermuthung über die Zeit der Uebertragung
aus Raitbu nach Saragossa bestärkt worden, die ich jezt erst ausspreche.
Nach den Annalen des Patriarchen Eutychius von Alexandrien ^) baute
Kaiser Justinian den Mönchen am Sinai eine Kirche zu Eolzum (Suez),
ein Kloster zu Bayeh (nach Kitter Baithu)^ und ein Erlöster auf Sinai,
so fest, dass kein Kloster in der Welt fester wäre«
Justinian's Legat baute in Kolzum die Kirche des heiligen Atha«
nasius, und das Kloster Rayeh. Das Kloster auf dem Sinai baute er
bei dem Dombusch (des Moses). Zweihundert Sklaven mit Weibern
und Kindern sandte er eben dahin zum Schuze und zum Dienste der
Mönche. Der Ort, wo die Sklaven wohnten, hiess noch 956 Deir-el-
Abid (Kloster der Sklaven). — Diese Sklaven mehrten sich sehr; unter
ihnen verbreitete sich der Islam — um 700 unter dem Chalifen Merwan;
sie fielen über einander her, und todteten sich. Viele wurden er-
schlagen, viele flohen, andere bekannten sich zum Islam. Ihre Nach-
kommen waren noch um 950 Muhamedaner und hiessen „Knechte des
Klosters".«)
In dieser Zeit der allgemeinen Verwirrung und Auflösung nun,
vermuthe ich, nahmen die drei mehrerwähnten Mouche (genannt Ra-
thenses, von Raithu) den Leib des heiligen Jacobus und brachten ihn
nach Saragossa, wo er in der Kapelle del Pilar nur wenige Jahre
ruhte. Man erwäge, dass spanische Pilger stets nach Palästina und
auch zu dem Sinai wallfahrteten, dass die Rückreise über Aegypten
gieng u. s. w., und dass also die drei Mönche sichere Wegweiser hatten.
Im Jahre 714 wurde Saragossa von den Mauren erobert, der
Leib des heiligen Jacobus, * wie fast alle Reliquien, nach Asturien in
Sicherheit gebracht. Dahin brachten ihn zwei seiner „Gefährten^,
d. h. die Mouche Theodor und Athanasius. Sie wurden an dem Orte,
der später Compostella heisst, neben dem heiligen Jacobus begraben,
der wenigstens bis zum Jahre 756 allgemeine Verehrung genoss, und
zu dessen Ehre Kirchen in Galicien gebaut wurden. —
Die spätem Ereignisse bieten mir keinen weitem Stoff zu Nach-
trägen. (Ich kabe nirgends eine Beurtheilung meines Versuches der
Losung der Jacobus*Frage gelesen).
') Eatychii annales, bis 956 — ed. Pocodfce, Oxford, 1658, t. II, 160-168.—
Migne, Patr. graeca, t 111, Paris, 1863 (p. 161, p. 1071—1073).
*) Carl Ritter, Geogr. Bd. Vi II. Die Sinai-Halbinsel, Berl. 1818, p. 15--25.
508 Uecapitulation des ganzen Werkes. Drittes Kapitel. Der dritte
§. 9.
oaieo. ^Q^ Schlüsse des dritten Bandes habe ich das nenentdedLte foi
der doa
Bisoh. Simonet im Jahre 1871, von R. Doty im Jahre 1873 Teroffentliche
Reces- Qalendariom'^ des Bischofs Recesmnnd von Elvira-Granada. sreDami
j. 961. „Calender von Cordova vom Jahre 961^^ mitgetheilt, ans dem wir er-
DJ0UO. sehen, welche Feste die mozarabischen Christen unter der Herrschaft
laraber der Maaren im Jahre 961 begiengen, and in welchen Kirchen diese
™9fii. ° Feste vorzugsweise begangen wurden. Zugleich sieht man mit Vergnüg«
aus diesem Calender, dass sich die Christen der ungestörten Aasäbnng
ihres Glaubens erfreuten, und dass die Kirche von Cordova Uöhtt,
wie sie hundert Jahre vorher . geblüht hatte. Wir ersehen aus dem
Calender, dass die Christen im zehnten Jahrhundert die ,,apostoli5chen
Siebenmänner'' wenigstens ebebso verehrten, wie die Spanier der alt»
Zeit Sie feierten ihnen zu Ehren eine ununterbrochene Fesfocure
vom 27. April bis 3. Mai. Den 27. April nannten die Christen ^die
sieben Apostelschuler''; zum 1. Mai heisst es: Fest des Torquatns xeA
seiner Geflibrten; sie sind die sieben Boten. Seine Festlichkeit is
(besonders) im Kloster Gerisset und dem Ort Kebnriene (vor J^m
sicher in Guadix). 3. Mai: Diess ist der lezte Tag, weichen <fie
Christen die „sieben Boten^^ nennen. — Man hat gesagt, da die Tlut-
sache von den Siebenmännem nur auf die Liturgie sich stüze, so sei
diese einzige Stüze doch zu schwach.
Genauer betrachtet stüzt sich dieselbe auf eine siebenfache Loca)-
Tradition. Die Nachricht, dass Secundus in Abula, Indaletias in Crd
Ctesiphon in Verginm, Caecilius in £lvira, Euphrasios in Illitorgi,
Hesychius in Cazorla gestorben seien, stammt nicht ans Guadix cod
nicht ans der Liturgie. Nach Guadix vielmehr gelangte die Nach-
richt aus den obengenannten sechs Orten. Sechs Bäche bildeten n
Guadix einen Fluss; von Guadix aber gelangte der Bericht in dif
viele a Liturgie von Toledo. Es lässt sich historisch nachweisen , dass ii
seiiMi fünf dieser Orte die Tradition fortdauerte und bis heute fortdaa«f .
Nwb> ^Q,. jj^ Abula ^ dem kleinen Orte, haben sich keine Erinnerungen er-
ttber die halten. Vielleicht ist' dort das Christenthum zur Manrenzeit to1£;
1^ verschwunden. lUitwrgi ist gleichfidls untergegangen; wir wissen aber,
aiB. dass dort im A»fi>"g des siebenten Jahrhunderts eine Kirche so £3utB
"*'*' des heiligen Enphrasius gebaut wurde.
Zweitens die Nachricht von den Siebenmännem steht in des
ältesten romischen Martyrologium. Wer kann beweisen, dass sie sbs
der spanischen Liturgie dorthin gekommen sei? Das Martyrologias
kann ebenso aus einer andern Quelle geschöpft haben* — Dritietf.
dem Gregor von Tours war der Bericht über die Siebenmänner bekaA
Die Siebenmfinner. 509
denn er wollte seiDem ,,6allien'^ auch apostolische Siebenmänner vin-
diciren. Was die feigen Gothen, die nach ihrer Gewohnheit (vor) den
tapfern Galliern den Rücken wandten und flohen , erhielten, warum
sollten es nicht auch die tapfern Franken erhalten haben, die ein Jahr-
hundert früher Katholiken waren? Man kann aber nicht beweisen, dass
Gregor seine Nachricht aus der spanischen Liturgie schöpfte.
Zu obigen sind nun aus der Zeit von 1862—1879 — vier weitere
Anhaltspunkte für den Beweis gekommen. Erstens die Lage von Elvira-
Granada ist endgiltig festgestellt. Daraus geht u. a. hervor, dass die
Kirche von Granada apostolischen Ursprungs ist, und dass, wenn die
erste uns bekannte spanische Synode im Jahre 306 dort gehalten
wurde, die spanischen Bischöfe einer apostolischen Kirche eben den
Vorzag gaben. Zweitens ich habe sehr wahrscheinlich gemacht, dass
der Bischof Fdix von Acci im Jahre 306 zu Elvira desswegen präsi-
dirte, weil er Bischof des der Zeit nach ältesten Bisthums in Spanien
war. So lange der von mir versuchte Be^^eis nicht widerlegt ist, halte
ich denselben aufrecht, und folgere, dass die Bischöfe Spanien's im
Jahre 306 über die apostolischen Siebenmänner dasselbe glaubten und
festhielten, was die alte Liturgie berichtet. Drittens — man hat im
Jahre 1872 die wahre Lage von Ürci-Pechina entdeckt. Urci lag da,
wo man im Jahre 1085 den Leib des heiligen Indaletius suchte und
fand. Also war hier eine von c. lOO bis I08ö fortlaufende gleiche
Tradition; also behält die Kirche von Almeria Recht, deren Bischöfe
von jeher in dem nahen Pechina Besiz von ihrem Bisthume ergreifen*
Hier also reicht eine gleichmässige Tradition vom Anfange an bis zur
Gegenwart. Viertens die Auffindung und Herausgabe des Festcalenders
des Bischofs Recesmund vom Jahre 961 zeigt die ununterbrochene Verehr-
ung der Siebenmänner in ganz Südspanien. Dass diese Verehrung nur
oder vorzugsweise aus der Liturgie der Gothen (d. i. von Toledo) ent-
sprungen sei, ist mehr als nur unwahrscheinlich. Diese Verehrung ist
älter, als die Liturgie. Sie kam< aus dem kirchlichen Leben, aus der
von An£EUig an bestehenden kirchlichen Festfeier in die kirchliche
Liturgie. Die sieben apostolischen Kirchen in Spanien feierten ihre
Siebenmänner, bevor es eine (gesammelte und abgeschlossene) Liturgie
gab. Vom ersten Jahrhundert bis zum Jahre 961 flieset der breite Strom
der Verehrung der Siebenmänn&r durch das ganze südliche Spanien.
Angesichts dieser Thatsachen dürfte es nicht mehr richtig sein, dass
die alte spanische Liturgie die einzige Quelle sei, aus welcher der
Bericht über die Siebenmänner fliesse. (Niemand aber hat in der alten
Zeit oder in) Mittelalter eine Kirchengeschichte von Spanien geschrieben.)
5 1 0 Beeapitniation d. ganzen Weikea. Tiertes Kapitel ' Der vierte a. fltarfte Bad.
Viertes Kapitel
Der vierte und fOnfte Band — 1876—1879.
§. 1-
Der vierte Band bietet mir zn wenigen Bemerkongen Anlass.
DerPri- j)ef zweite Toletanische Primat vom Jahre 1088 bis zam Jahre 1851?
mutvoin
Jahre hat mit dem ersten nichts als den Namen gemein. Mehrere römische
1068. Papste mühten sich vergebens ab, dem zweiten Primat die Anerken-
nung zu verschaffen. Es gieng nicht; denn Compostella hatte etcb
emancipirt, und wollte den Primat von Toledo nicht anerkennen« Brag»
aber war Metropole von Portugal, wie Tarragona Metropole Ton An-
gonien-Catalonien war. Das Kirchliche war vom Politischen nicht n
trennen. Drei getrennte Königreiche giengen nicht unter einen Htf.
Die grossten Päpste, Alezander IIL und Innozenz III. sahen (Le
Fruchtlosigkeit eines weitem Mühens ein. Sie überliessen es den Pri-
maten von Toledo, und den Konigen von Castilien, ihren Primat selbft
durchzuführen. Diess wäre aber ohne blutige Kriege nicht möglich
gewesen« So wurde der Primat von Toledo mehr und mehr ein leerer
Titel, etwa wie der Primat Salzburgs in und über Deutschland. Aus
dem Concordate des Jahres 1851 ist jede Spur der alten Prinuttie
verschwunden. Toledo wird nicht einmal mehr vor den übrigen Me
tropolen genannt; zuerst wird) nach der Ordnung des Alphabet«,
Burgos genannt, zulezt das neue Erzbisthum Valladolid, ')
iioda- Der berühmte Primas Roderich Ximenes wohnto der viertea
'Synode im Lateran bei, im November und December 1215, and that
manea
II. aoin alles Denkbare (ur die Anerkennung seines Primats. Weil er in einer
°^ Vorversammlung am 8. October 121 5 die personliche Predigt des faet-
ligen Jacobus in Spanien leugnete, während er, wie wir, zugab, da«
sein Leib in Compostella ruhe, haben sich die Spanier alle Mohe ge-
geben, sein „Alibi" nachzuweisen. Elr kann damals nicht in Booi
gewesen sein, weil er zn viel Geschäfte in Spanien hatte. Non wissa
wir aber aus romischen Documenten, von den Spaniern (and Porto-
giesen) selbst mitgetheilt, dass er lange vor dem 30. Januar 1216 'm
Rom war; dass er in den Jahren 1216 und 1217 noch dort weilte, um
«seinen Primat durchzusezen, und dass er zulezt, da er absolut niditt
0 Pii IX. P. M. Acta, tom. 1. (ohne Jahrsahl), reicht von IM«; bis 18M»
^«—314.
Einzahl der Einwohner Spanien's. Die Inquisition. 511
ansrichtete, von Papst Honorias III. ein Breve an seine Domherren
ausgestellt erhielt, dass er das ^Menschenmögliche" für seinen „Primat^
geleistet habe. Wenn er in den Jahren 1216 nnd 1217 von Spanien
abwesend sein konnte, so konnte er auch im October, November und
December 1216 von Spanien abwesend sein. Zu der Synode im Lateran
war er aber von Papst Innozenz III. berufen, „befohlen^ worden ').
In einem Ezcurse zum vierten Bande suchte ich nachzuweisen,
dass die Bevölkerung Spanien's in der alten Zeit und zur Zeit der
Mauren nicht halb so gross gewesen sei, wie man behauptet. Nach
der Berechnung von Wietersheim hatte Spanien und Portugal zur Romer-
zeit höchstens neun Millionen Einwohner. Im ganzen Mittelalter und bis
zum Jahre 1713 betrug die Bevölkerung ungeiähr sieben Millionen, wäh«
rend Portugal eine Million Einwohner hatte. Heute hat Spanien 1 6 '/g,
Portugal 4 Millionen Einwohner. Spanien ist ein dürres, steiniges Ge-
birgsland , niit vielen fruchtbaren ' Oasen. Ware es überall gleich-
massig fruchtbar, so konnte es auch 30 Millionen Einwohner nähren;
80 aber nur die Hälfte.
Ein zweiter Ezcurs handelt von einigen bis jezt weniger be-
kannten romischen Strassen in Spanien, besonders von der unbekannten
Strasse von Laminium nach Saragossa.
Ich gehe über zum lezten Bande. Die erste Abhandlung des-nietpa-
selben „Die spanische Staatsinquisition'^ ist auch als Separatabdruck im ^'^^^
Jahre 1878 erschienen. Ich habe eine vollständige Biographie des heiligen tion.
Petrus Arbues gegeben^ und gezeigt, dass er wegen seines heiligen Lebens
und seines Todes, nicht aber, weil er Inquisitor gewesen, canonisirt
worden sei. Ich habe nachgewiesen, dass besonders Papst Alexander VI-
durch seine maasslosen und endlosen Concessionen an den nimmer-
satten ^katholischen^ Ferdinand V. gar sehr zur „Verstaatlichung'^
der Inquisition beigetragen, und dass alle Bemühungen der spätem
Päpste hierin* nichts mehr ändern konnten. Diese Mühen alle wurden
vereitelt durch die consequente Energie der spanischen Machthaber^
die Inquisition als Staatsinstitut festzuhalten. Man Hess dem Papste^'* '"*
die Ehre, den jeweiligen General -Inquisitor zu bestätigen. Einsezen tioa und
durfte er ihn nicht; und kein Papst hat es verhindert, dass ein solcher '^^
Inquisitor abgesezt wurde. Nur ein einziger Inquisitor, Valdte, wurde
von dem heiligen Papste Pius V. abgesezt. Nur vor seiner Drohung
wich Philipp IL, Spanien sammt dem Eonige mit dem Interdikte zn
belegen.
*) Ich bin belehrt worden, dass der Ansdrack Saliga: (IV, S..435) in der
Sprache der Moralisten die sieben Todsünden bedeute.
512 Rooapitulation des ganzen Werkes. Viertes Ki^iteL DerTierteiLftBfteBsBd.
Der Druckbogen 32 -war schon gesezt, als mir das neueste drei-
bändige Werk von Fr. X. Rodrigo: Historia verdadera de la Inqui-
sition, Madr. t. I, 1876, t. II— III — 1877, p.p. 1559, sowie die Be-
sprechung dieses Werkes, der Schrift von Orti y Lara, und meiner
Schrift über die Inquisition von F. Orisar in der Zeitschrift für kadu-
lische Theologie, IIL Jahrg., Heft 3, Innsbr., 1879, S. 548—574 n-
gieng. P. Orisar tadelt an allen drei Schriften Verschiedenes, und
anerkennt Verschiedenes. £r möchte mit den beiden Spaniern den kircb-
liehen Charakter der dortigen Inquisition wahren, giebt aber zo, disi
Dr. Hergenröther anderer Meinung sei, und dass die Inquisition im
vorigen Jahrhunderte unter jansenistischem Drucke gestanden. Ako
war sie wenigstens damals nicht mehr kirchlich, und es steht in Frage,
wann sie angefangen habe , ein Institut der jeweiligen Begierong zu
sein? — Ich habe isie als ein Staatsinstitut erklärt, hatte aber, glaube
ich, besser daran gethan, diese Ansicht nicht schon aaf dem Titd
kundzugeben. Ebenso finden sich auf Seite 5 — 12 mdner Schnli
einige Säze, die dahin miss verstanden werden konnten, als bitte dj«
einzige wahre Religion nicht das ausschliessliche Recht der Herrscbfi
in einem Lande. Die Aeusserungen femer auf S. 95 — 96 gegen Ord
y Lara sind zu scharf ausgefallen. Er hatte die Herren Gr. Btffk <mi
Alzog unter die Kezer, ,,die liberalen Katholiken", verwiesen, weil sie
den ausschliesslich kirchlichen Charakter der spanischen Inquisition
leugneten, ich aber ihm erwiedert, es fechte mich nicht an, wenn er
mich auch zu denselben zähle. Diess hätte ich nicht drucken lassen
Collen. Denn es kann einem katholischen Schriftsteller nicht gieicb-
giltig sein, dass er von einem katholischen Schriftsteller den Keseic
zugezählt vdrd').
Phi- Ueber die Regierung der Konige Carl I. (V.) ond Philipp IL
anTdie^&be ich kaum viel des Neuen oder Unbekannten gebracht. Philipp U.
Kirche, iq Schuz nehmen oder vertheidigen zu wollen, lag mir dorchaus feni'
Die Sache der katholischen Kirche und Philipp's IL stehen in keinen
Zusammenhange. So wenig die katholische Kirche und die Liegitiniisui
in Frankreich in einer innern Verbindung stehen (wer hat die Eirck
denn mehr verfolgt, oder verfolgen lassen, als diese Boorboneo, die
heute die Fahne der Legitimität in die Höhe halten?), so wenig hiogcfi
die Interessen der katholischen Kirche mit den Interessen und Be-
strebungen Philipp's n. zusammen. In seinen eigenen Reichen war er
Papst-König, und Hess den Papst nichts gelten. Dennoch sollte der
Papst ihm in Allem zu Diensten sein, und seine diktatorischen Batk-
schläge befolgen, weil er es ja so gut mit dem Papste und der Kirdte
') In meiner Abhandlang corrigire man ferner den Namen Ferd* Zin^
in: Eberh. Zimgiebl, S. V. 30, 75.
Die Kirche vom Staate verschlungen. Philipp II. o. Pias IV. (1659--1565)« 513
meine. Er war von der fixen Idee beherrscht, dass kein Papst, kein
Bischof pnd kein Cardinal die Interessen der Kirche so gut verstehe
und wahre, wie er«
§• 3.
Enrze Zeit nach dem Tode Pins' IX. (f 8. Febr. 1878) las ich
in einer Zicitong, Philipp II. habe nach dem Tode des Papstes Pins V.
sieben Cardinälen die Exdnsive gegeben. Er hat wahrlich noch Schlim->
meres gethan. Weil ich aber damals die Quellen noch nicht gesam-
melt, wollte ich diese Frage in einem Anhange behandeln. Inzwischen
hat Phäippaon dieselbe Frage in zwei von eingehenden Studien zeugenden
Artikeln in Sybd's „historischer 2ieit8chrifik*' (1878) behandelt. Gern .
gestehe ich, von ihm viel gelernt zu haben, und ich folge im Ganzen
seiner Darstellung*).
In Spanien blickte der Klerns zum Konige als dem Spender
aller Gnaden, dem Verleiher von Würden und Einkünften auf. Man
kennt kein Beispiel, dass der Papst von seinem Rechte der Bestätigung
(der kirchlichen Würdenträger) einen negativen Gebrauch gemacht. —
Der königliche Rath von Castilien hatte die unbedingte Gerichtsbar-
keit auch über den Klerus; er war faktisch die lezte Instanz.
Alle Geistlichen nahmen zu den ,^Recur8os. de fnerza'^ (appellatio
ab abusu der geistlichen Gewalt) ihre Zuflucht, mit Ausnahme der
Kirche von Toledo und der Jesuiten. — Die demüthige und beschei-
dene Form, mit welcher die spanische Regierung gegen päpstliche
Entscheidungen sich verwahrte, war reine Heuchelei. Unter der Wah-
rung respectvoUer Formen gegen den Papst lief das Verfahren „der
einstweiligen Retencion" der päpstlichen Bullen einfach darauf hinaus, ^^'^"^
dass die Räthe und Senate von Castilien, Aragon, Mailand^, Palermo, saikn.
Neapel, das volle Recht der Prüfung und der Verwerfung päpstlicher
Bullen und Breven beanspruchten und ausübten.
Das Verfiihren der ,,Retencion'^ der Bullen wurde allmälig auf
das Speciellste geordnet. In dem Geseze CarFs V. vom Jahre 1543
wurde in sechs Fällen die Retencion der Bullen ein für allemal an-
geordnet (Nueva Recapil. I, 3. 2o. 28). Keine Excommunication u. s. w.
'sollte Giltigkeit haben. Der Geistliche, der dieses Gesez verlezt, ist
ipso facto seiner Naturalisation als Spanier beraubt. Die „Zurück-
haltung^^ päpstlicher Bullen war eine „alltägliche Sache". — Ebenso
wurden die Entscheidungen der päpstlichen Rota ;,zarückgehalten'^.
') Martin Philipps m, Philipp iL von Spanien and das Pap&tthom, 1^78,
Bd. aö, S. 26a-315; 419— 4f)7.
aaoM, ipAii, Kirch«. lil. S. 33
514 Becapltulation des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte o. f&nfte BauL
Die spanischen Jaristen sachten Gelegenheiten^ mit der Bota, ja mit
der Curie selbst anzubinden.
Die ,,Bulle de la Cruzada^^ war ganz in königlichen Hioden. Ei
war diess ein Ablasshandel zu Gunsten der katholischen Könige. In
Jahre 1558 wurde der Ertrag auf 350.000 Ducaten gerehnet, ia
Jahre 1598 auf 800.000 Goldthaler (1.030.000 Ducaten). „Die ludh
frage nach der Crnzada hatte sich also nach 40 Jahr^i rerdreiSidiL'*
Der königliche ßath machte es sich zam besondera Vergnügen,
die Entscheidungen gerade des Nuntiatnrgerichtshofes (oder der rö-
mischen Rota in Madrid) auf dem Wege des Recnrsefl aa&ohebeiL
§. 4.
Das Conclave des Jahres 1559 dauerte yier Monate. Philipp U.
widersprach von vornherein der Wahl eines Caraffa (Paul IV. mr
ein Caraffa gewesen) aufs Heftigste. Der König von Frankreich rac
der Kaiser erklärten sich gleichfalls gegen gewisse Cardinäle. Hiens*
leiten einige Schriftsteller die Exciusive ab, welche sich von di ii
jene drei Monarchen bei Papstwahlen zuschrieben '). An diesen !fr
ciellen Fall des Widerstrebeus Philipp's II. gegen die Caraffii kfiöf*
sich die ,,Exclusive'^ Eine frühere Ausübung derselben ist nicht er-
wiesen. — Angelo Medici, ein Unterthan und Günstling der spaoisc^Ka
Wahl Regierung, wurde am 24. December 1659 als Pins IV, gewihh.
^^'^^'Bald schien es, als sei Pius IV. nur ein Werkzeug in der Bsfifl
1559.) Philipp's II. Ein Venetianer sagte von Lezterem: Ipse dixit, et £ru
sunt (a Papa). Von Madrid aus behandelte man den heiligen Ya:r'
mit einer gebieterischen Geringschäzung , mit einer übermöthi^
Sicherheit, als sei er immer noch der Mailänder Dnterthan. Es vi*
das Ziel von Philipp's II. Kirchenpolitik, der Kirche za dienen, ibe:
indem er die Kirche seinen eigenen Zwecken, „den politischen hiter-
essen Spanien's dienstbar machte.^ — Der Nuntius und die übrigfi
Agenten Rom's wurden in Madrid mit einer Geringschaznng behiD'
delt, als wären sie Abgesandte eines Untergebenen der spanischen Krooc'^
Flu IV. Pias IV. bewilligte zum ersten Male eine direkte Steuer des fp
g^n- nischen Klerus an Philipp II., das sogenannte „snbsidio^. Es war^
kom- immer auf fiinf Jahre vom Papste zugestanden, dann aber enie«r.^
^^^ Zuerst betrug es 420.000 Goldthaler, Da Pius IV. auoh die ^Cr^
^^' zada" wieder bewilligte, so bezog Philipp IL aus kirchlichen Qneiia
"'*^"' jährlich 760,000 Ducaten»).
*) Ottok. Lorenz, Papstwahl und Kalserthom, p. 291.
*) Belazioni di Paolo Tiepolo (1563), di Girolamo Soranso (156o), di G»-
vanni Soranzo (1565) bei Alberi (der ganze lltel, s. oben S. 101.) I, r>, 47, ti3&.
II, 6, 107 flg.
•) Alberi, I, 6, 47; 6, 188, 382.
Pitts IV. nnd Philipp II. (1560-1565). * 515
In diese 2^it fallt die VerhaftuDg Carranza's von Toledo. Der
jresandte (Cardinal) Pacheco schrieb am 19, Jannar 1560 aas Rom:
,Wenn die Bomer erst anfangen, die Hand in die Angelegenheiten
inserer Inquisition zu stecken, so gebe ich Alles für verloren, beson-
iers in diesen Zeiten, Der Konig sei verpflichtet, jede romische Ein-
nischang ferne za halten, nicht bloss aus Sorge für die Religion, son-
lem auch für die Erhaltung seiner Reiche^^ ^).
Troz aller Mahnungen des Papstes wurde Carranza in harter
langer Hafl gehalten. Durch diese lange Haft schreckte Philipp II.
ftlle Bischöfe, so dass sie sich bedingungslos ihm unterwarfen. Er
«wählte auch nur Bischöfe aus gemeinem Stande. Die Adeligen hielt
er ohnedem hart, und hielt sie fem von sich; und Bischöfe aus dem
Adel wollte er nicht haben. Die einzige Sicherung vor der Inquisition
(meint Philippson) war das Bckenntniss zu regalistischen Anschauungen,
die Betonung einer streng königlichen und nationalen Gesinnung,
heftiger Widerstand gegen die ultramontanen Bestrebungen, giengen
bie auch unmittelbar von dem heiligen Vater aus. Die durchaus rega-
listische Stimmung des höhern katholischen Klerus in den zwei fol-
genden Jahrhunderten ist nicht am wenigsten diesem „Drucke^ zu-
zuschreiben. — Philipp gab sich die grösste Mühe, zu verhindern,
dass auf der Synode von Trient etwas gegen seine Inquisition geschehe').
Wenn Pins IV. einmal widersprach, so höhnte ihn Vargas, meinte u. a.,
er wundere sich über die Ausflüchte, die der heilige Vater gebrauche.
Er möge sich die Sache noch einmal ruhiger überlegen. Mündliche
Zusagen würden Philipp II. nicht beruhigen. Man müsse (zu Trient)
Alles schriftlich und durch feierlichen Synodalbeschluss nach den
Wünschen des Königs abändern.
Aach Pius IV. gieng zulezt die Geduld aus. Die Spanier sagten,
ihr König brauche sich weder um Papst noch um Cardinäle zu be-
kümmern; diese seien doch immer auf Spanien zum Schuze des Glau-
bens angewiesen. Schon im Mai 1562 rief Pius IV. vor Cardinälen
und zahlreichen Andern dem Vargas zu : Es bleibe nur noch
übrig, dass Philipp IL die Waffen ergreife und den heiligen Stuhl
bekriege. Er wolle den Papst ganz beherrschen, und al^e seine Hand- Pfaa iv.
langer schulmeistern. Aber Gott werde jene (Spanier) dafür strafen. ^^*J*"
Fortwährend habe der heilige Stuhl dem katholischen Könige Wohl-
taten erwiesen, aber der König erwidere dieselben in keiner Weise.
Nach dem Berichte des Vargas waren alle Anwesenden ausser sich
') D'oUinger, Beiträge, I. (259), 329.
*} Brief Philipp's an seinen Gesandten Vargas in Rom vom 15. Deo. 1562.
33^
5 ! 8 EecapHulation des ganzen Werkes. Viertes Kapif el. Der vierte n. fQnfte Basd.
Nuntius io Neapel wieder Iregelmässig bei jeder Verfügung am das Exe-
quatur bewarb. Wer dagegen handelte, wurde mit GefangniM oder
mit strengen Ahndungen bestraft. Troz allen Widerstrebens sah sieb
Plus V. hier zum völligen Nachgeben gezwungen*). Ebenso wen^
Erfolg hatte er in seinen Bemühungen gegen die sogenaDote „sicilia-
nisclie Monarchie'^, nach welcher die Konige in allen Instanzen über
rill- die Geistlichen zu Gerichte sassen. Philipp II. berief sich hier vA
^^Tm" ^'® Urkunden der päpstlichen Concessionen. Die Vicekonige befreitcB
Rtroite ohne Weiteres die Gefangenen der Bischöfe aus dem Kerker. Der
j,j"^"y König war hier Papst. Der Vicekönig Graf Olivares liess im Jahre 1596
durch seinen geistlichen Gerichtshof den Bischof von Catania abseza.
und sperrte ihn bis zu seinem Tode ein*).
Auch der heilige Carl Borromäns in Mailand kam mit der spa-
nischen Inquisition in Conflicte^). Pius V. weigerte sich, dem Kön^
die ,)Cruzada" und das „Subsidio^^ femer zu bewilligen, nameotlich
wegen des schmählichen Schachers, der mit der „Crazada^^ getriebei
wurde. Er fürchtete, dass dieser Schacher in Spanien einmal ahnlid»
Folgen haben könnte, wie einst der Ablasshandel in Deutschland. Et
verweigerte es auch, dass die Einkünfte des Erzbisthnms Toledo m
den Bau des Escorial verwendet wurden, und drang darauf, dass dti
Process des Bartholomäus Carranza in Rom veihandelt werde*).
Im Jahre 1566 weilte Petr.Camajanij Bischof von Ascoli (1566 — 1579),
als ausserordentlicher Nuntius in Spanien. Er sollte den Konig za
der Reise nach den Niederlanden antreiben, die Sache des Barth<Jo-
mäus Carranza betreiben, und wegen der spanischen Angriffe geg<efl
die Kirche in Neapel und Mailand Klage fuhren. Philipp IL wv
phi- aber über die fortgesezte Verweigerung der Cmzada sehr „ergrimmt'*
'*^ «V' Er liess dem Papste die härtesten Vorwurfe „über das Unpassende
pioi V. seines Benehmens^' machen. Der Papst möge zunächst dafür sorgo,
^ dass die Kirche in andern Ländern gleiche Rechte, wie in Spanio^
') Gianone, 1 c., p. 157—173—178. — Histoire eccl^ (Coni. de Fiemry\ t S-
FAris 1737, 'p. 84 sq.
*) Wenn dieas Vincens Gatelli war, ao lautet der Bericht fiber iha waAa
w&rts ganz andere: Darnach wurde er nach Born berafen, hielt dort seine Recte
standhaft aufrecht und wurde im Jahre 1587 seiner Würde beraabt. In Bo« ib*^
er, im Geruch der Heiligkeit, am 28. Juni 1597. — Gf. OappeOeUi, le Chiese äTttMSt,
Venez., 18!0, t 21, p. 640. Nach Vic ^Arino (Oeani storiei — über die B»
thfimer beider Sicilicn, Neapel, 1848, p. 181) hitte der Papst aar seine Banfcaam
angenommen. PhüippMon bemft sich auf Oius, Buonfiglio OmCowbo, Httfiarb
SicUiana, Venezia, 1601, p. 665 sq., 673.
■) FUury, U 3i, p. 652 sq.
*) Luis Cabrera de Cördova, Bist, dl Filipe segundo. Neoe Ausgabe , i^
drid, 1876, t I. p. 513—520 (libro VII, cap. 12).
Piu8 V. nud Philipp II. 519
geniesee. Dagegen versprach er in unwilligen Ausdrücken seine Beise
nach den Niederlsgaden (die er nie ernstlich im Sinne hatte), und die
Auslieferung Carranza's ^).
Pias V. bewilligte fiir die Niederlande eine neue, dritte geistliche
Abgabe, den „Excusado^^ — 4. Juni 1567, welche in jeder Pfarrei
ein Haus nach der Wahl des Königs entrichten musste, in der Höhe
des Zehnten, den es sonst zu zahlen hatte, und von dem es dadurch
befreit (excusado) wurde.
Pbilipp's Politik war: Reich soll der Klerus sein, aber dem König
unterworfen; reich, damit er ihn zur rechten Zeit zu Gunsten der Krone
ausplündern könne. Er beantragte die ^Reformation der Klöster^ in
seinem Lande. Aber nur Spanier sollten die Erlöster „reformiren^.
Wehe den Mönchen, die es wagen würden, in Rom^ selbst Reform-
massregeln für ihre Orden zu betreiben. Bei ihrer Rückkehr wurden
sie sofort im Hafen ergriffen, und lebenslänglich in Haft gebracht').
Am 2. März 1568 überreichte der Nuntius Julius Acquaviva dem ^'
Könige eine Denkschrift, welche die Unterdrückung der kirchlichen den
Freiheit in Spanien mit lebhaften Farben schilderte. Man könne nicht ^^^'J*
* ... ilberPU-
leugnen, dass die strenge Prüfung der apostolischen Bullen, wie sie iippn.
täglich geschehe, die Hindernisse, die man in aller Weise den Pro-
visionen und Executionen, welche von Rom kommen, in den Weg
lege, die Einmischung in die kirchlichen Processe auf verschiedenen
Wegen und unter dem Vorwande der Gerechtigkeit, die steten Befehle
an die Prälaten, Richter und Geistliche, dass sie excommuniciren und
freisprechen je nach dem Wunsche des Rathes und der Kanzleien, das
zahlreiche Erscheinen von Welt- und Klostergeistlichen vor den welt-
lichen Gerichtshöfen, so viele Usurpationen der geistlichen Gerichts-
barkeit, die in diesen „Königreichen^ geschehen, zweifellos nichts
Anderes bedeuten, als dass man unter einer gewissen Schönfärberei
und mit einer gewissen Geschicklichkeit allmälig dem Könige ond
seinen Ministern alle kirchliche Gewalt verschaffe, so die Jurisdiktionen
vermische, und die von Gott gesezte Ordnung verwirre, da solche Los-
lösnng der Nationalkirchen von dem Papste, solche Eingriffe in die
Freiheiten der Kleriker (sagte der Nuntius) die Anfange zu allen
Kezereien gewesen wären *)•
') M, Qachard, Don Carlos et Philippe IL, Bmx. 1863, t. n, p. 372 sq.
^ Luis de Cabrera, VII, cap. IL Cqando volvian, en los paertos de Espafia
no fsJtaba quien las metia in prision y entragaba & su mayor, qua los ponia donde
porgaban su culpa y pagaban su atrevimiento hasia morir (ihre Verwegenheit bis
za ihrem Tode bilasten), como se hizo con un Gartoxo — de Goadix, I, p. 51 L
*) Die Denkschrift vom 2. März 1568 steht bei H. Lämmer — Meletematam
Houanorum Mantissa, Ratisb. 1875, p. 220—225.
520 Rccapitnlat:on des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte o. fftnfte Banl
Aebniicbe Vorstellungen machte am 9. Februar 1569 der Noo-
tius J. B. Gastagna, Erzbischof von Rossano, gegen das königliche
Exequatur in Neapel. Aber Alles war vergebens. Vielmehr hrsciite
jedes Jahr neue Ausdehnungen der königlichen Gewalt. Der Kontios
litt peinlich darunter. Philipp II. nahm eine wahre Schuzherrlicbkeh
über die Kirche selbst in Anspruch, sich stüzend auf das TridentinuiB.
Eine Pragmatik vom 20. Nov. 1569 hielt ausdrucklich an dem Redite
des Placet, der ,,Retencion* der Bullen fest. — Um so harter (oUte
^^i« sich Philipp II. getroffen, als Pius V. im Juli 1568 die alte Bolle »h
* ,in cocna Domini^ mit neuen Verschärfnngeh veröffentlichte. Den Abdnick
coooa jg,. Bulle in Spanien hatte schon Carl V. im Jahre' 1551 anter schwem
Do- ,
mini'*. Strafen verboten. Spanien und Venedig protestirten auf das Lebhafteste.
Philipp 11. erklärte dem Nuntius in Madrid mit Nachdrack, er werde
nicht dulden, dass seine Majestät und seine Prärogativen beeintrieb-
tigt würden^).
Mehrere Bischöfe, namentlich in Italien, wurden, als sie dennodi
die Bulle verkündigten, in den Kerker geworfen, oder mit dem Verhst
ihrer Temporalien und persönlichen Güter bestraft*). Der spaniscbe
Gesandte in Rom hatte desshalb sehr lebhafte Händel mit Kos Y.,
der fest auf seinem Entschlüsse beharrte, und Spanien und Venedig
sogar mit dem Interdikte bedrohte').
DieTUr. Philipp II. gab in geringeren Dingen nach. Die Türkengefibr
fahr aber zwang den Papst, gerade mit Spanien und Venedig ein Bändoies
bringt 2u suchen, das im Jahre 1571 geschlossen wurde, und zu derScbhcbt
von Lepanto — 7. October 1571 — führte. Pius V. konnte oidit
som
NMh- ^oh] anders, als dem einzigen Monarchen, der sich ihm zor Verfugoog
stellte, sich gefällig erweisen. Im Beginne des Jahres 1571 emeaerte
er sowohl die Cruzada, als auch das ^Snbsidio^ des spanischen Kiens
auf fünf Jahre. Philipp IL versprach, stets 60 Galeeren zu onter.
halten. Bald aber wurden diese Einkünfte auch zu andern Zwecken
verwendet. Herr Nuntius, sagte der Bischof von Cnenca, Philipp's IL
Beichtvater, zu dem Erzbischofe von Rossano: Es ist Sr. Heiligkeit
so ergangen, wie die Castilianer im Sprich worte sagen, dass die Hart-
leibigen schliesslich am Durchfall sterben*).
Der Papst zeigte sich jezt auch in principiellen Streitfragen oacb-
giebig. Im Jahre 1570 anerkannte er die Clauseln, onter deoa
') Depesche des Erabtschofs v. Bossano vom S8. JqH 1568. — Oadutrdf ki
bibliothöqaes do Madrid et de rEscnrial; BroBsel, 1875, p. 114.
*) CHanone, p. 100. — Em. Friedberg, die Qreiizeii zwiaohen Staat ■. Kiltk^
1873, p. 545.
*) Continaation de FUury, t. 34, 548.
*) Belazione di Leon Donato, p. 380.
PiuB y. und Philipp II. 521
•
Philipp II. das Tridentinum verkündigt; er erklärte in einem „Motu
proprio^, bei allen apostolischen Privilegien, die dem Trienter Concil
zuwiderliefen, seien, wenn sie nnr vom frühem Papste eigenbändig
unterzeichnet seien, weder eine besondere, noch allgemeine Dero-
gation des Concils zn ihrer ferneren Giltigkeit nothwendig ')• Im
Jahre 1571 billigte er dnrch ein Breve das allerdings milde Verfahren
der „Recnrsos de faerza'% wie es in den Ländern der Krone Aragon
üblich war. — Fast eine Million Dacaten zog jezt der König jährlich
au8 kirchlichen Quellen.
Philipp II. hatte den spanischen Kleras so vollständig von Rom
gelöst, dass er nur noch durch das Band des Glaubens, nicht aber
durch das der Organisation und Disciplin mit dem Papste verknüpft
war. „Niemals hat in neuem Zeiten der Staat wieder vermocht, so
weitgehende Rechte und Befugnisse über den katholischen Klerus zu
erlangen* •)•
§. 6.
Als der Erzbischof von Rossano im August 1571 eine Instruction
für seinen Nachfolger als Nuntius schrieb, wagte er nur leise von den
Ilindemissen seiner Thätigkeit zu reden*, die er dem Consejo de Ca-
stilla, und nicht dem Könige zuschrieb'). „Der König aber ist ein
sehr grosser Christ'^*). Mit Schmerzen trug Pins V. das ihm aufge-
ladene Joch« Im Herbst 1570 Hess er durch Vinzenz Justiniani, den
General der Dominikaner, dem König mit beweglichen Worten die
„missbräuchliche Gestaltung^' der „Monarchia Siciliana^' und des „Exe-
quatur^' vorstellen. Nach dem 1. October 1571 gab sein Nuntius?
Cardinal von Alexandrien, eine dringende Denkschrift über diese Dinge
ein^). Aber Justiniani wurde kurzer Hand ohne Bescheid abgefertigt,
der ( kardinal -Nepote zwar ehrenvoll aufgenommen, aber doch mit
nichtssagenden Worten „heimgeschickt^. — Die Catalonier schickten
wegen der Ausdehnung der Inquisition in das ausserkirchliche Gebiet
Gesandte an Pius Y. Eine alte Bulle habe die Inquisition auf Ver-
brechen gegen die Religion beschränkt, in zweifelhaften Fällen dem
0 Salgado, 2, 1, 63, p. 144.
^ Friedberg, S. f>60, not 6.
*) Phüippson, bei 8ybü; 1878, S. 419—457.
*) Die ganze Stelle, 8. oben, 2f, 2, S. 2. — die Schlasse aber, die ich im
Jahre 1864 aas dieser Stelle gezogen, ziehe ich nicht mehr aus ihr; der Nnntins
hat sich getauscht, oder wollte nicht die ganze Wahrheit sagen.
*} Sie steht bei Lämmer: Mantlssa, p; 226-227. — Oianom, Ausgabe vom
Jahre 1823, X, 130, 205.
Bftrc«-
lona.
522 Rccapitnlation des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der Tlerte o. fUnfte Bnd.
Papste die Entscheidung überlassen; sie verlangten, dass die Inqaisi-
Die In. iJqj^ Jq Barcelona bei jedem Processe öffentlich darlegen solle, da»
tion in der Verhaftete wegen Kezerei in Qaft sei. Diesen Klagen zeigte sich
Pius V. im Ganzen günstig. Er erliess ein Breve, das eine Appella-
tion von der spanischen Inquisition an den Papst fiir erlanbt erkKrIe.
Aber der königliche Rath erklärte das Breve in der berkömmlidiea
Form der „Supplicatio ad Sanctissimum^ für unverbindlich. Einige
Opponenten in Barcelona wurden eingekerkert, weil sie schlechte Katho-
liken seien; denn sie opponirten dem heiligen „Officium". Philipp IL
erklärte Pius V., er möge nicht die Rechte der spanischen Krone an-
tasten, und nicht „die katholische Majestät entehren.^
Pius V., gelähmt wegen der Türkenkriege, erlangte nicbta, als
die Freilassung der Eingekerkerten. Diese wollten aber nicht frei
werden, bevor die Inquisition erklären würde, sie seien im Rechte,
und nicht wegen Kezerei in Haft gewesen. — Die Catalaneo hauttea
mehr als 100.000 Goldthaler auf die Unterhandlungen in Rom verwendet ').
Der König legte ferner Verwahrung gegen die Bulle „in coeoa
Domini" in Rom ein, und verbot jedes ihr entsprechende Verfahren')
(157;^). Die spanischen Juristen bewiesen, daas es nicht der Zkirnck-
Weisung der Bulle bedurft hätte, vielmehr die darin enthaltenen Stntr
androhungen sich nicht auf das in Spanien gebräuchliche V^&hreo
der „Retencion^ und der „Recurse^ beziehe. Die Bulle ist bia aof
den heutigen Tag nicht in Spanien recipirt worden. Vergeblich schlug
der Cardinal Alessandrino vor, statt welüicher Gerichtshöfe zur Präfang
der „Recursos de la Fuerza' „Roten (Rotas)^ zu sezen, deren Richler
von Philipp II. selbst zu ernennen seien, und die endgiltig über die
Recurse zu entscheiden hätten. Er kehrte unverrichteter Dinge nach
Rom zurück, als Pius V. schon gestorben war (6. Mai 1Ö72).
§.7.
Am 13. Mai wurde Hugo Buoncompagni — Papst Gregor XIIL
— gewählt. Seine Gewandtheit und Milde als Legat in Spanien wnrd<
p. ore- gerühmt Er war gegen Philipp II. durchaus nachgiebig. Er erweilcfte
gorxiii.^^j^ «Excusado* dahin, dass er immer das reichste Hans in jede-
liehPbi- Pfarrei treffen sollte, auch dort, wo der Zehent an weltliche Peraooco
uppii. abgetreten war«). Am 15. März 1573 gewahrte er die von Philipp IL
') Relaz. dl Leon. DoruUo, p. 366 sq. — Scdgado. de supplie. ad
2, 3 ^ 137—138 (p. 332).
*) Fic. de Im Famtej V, p. 818-319 (.Protestas contra las adicMNiea
San Pio V. en la Bula de la cena). ^ Salgado, 1, 2, 162 sq. (p. 36.)
•) ha FuenU, V, p. 323.
Gregor XIII. nnd Philipp II. 523
gegen die erwähnte Balle Pius' V. aber die zu wiederholende Prüfung
der zum Beichthören ermächtigten Priester eingelegte Verwahrung,
nnd „reformirte^ die Bulle *)• Philipp IL versäumte nicht , des
Papstes Milde gegen ihn im reichsten Maasse auszunüzen. Schon
am 27. October 1573 erliess sein JLoniglicher Kath ein Decret,
das ein für allemal päpstliche Breven , die in kirchlichen Processen ^^^*'
. • • j »Ionen
Spanien's Spanier vor ausländische (also auch römische) Richter laden, in nuue
für ungültig erklärte. Damit war Rom aus Spanien ausgeschlossen. ^ ^"^
— Die Conseryatoren der Orden^ Universitäten, frommen Stiftungen
durften nur Spanier sein. Diese Grundsäze wurden ' (auch in Portugal)
strenge ausgeführt^). Kein spanischer Bischof oder Priester, aber
auch der Papst nicht wagte zu widersprechen, oder auch nur leise zu
murren. Jacob Buoncompagni, der Sohn des Papstes, erhielt von
Philipp II. stattliche Einkünfte, die Grosscomthurei von Calatrava,
die jährlich 12.000 Goldthaler abwarf, das Generalat der Gensdarmen
in Mailand mit 6000, nnd eine Compagnie spanisscher Gensdarmen
mit 1000 Goldthalern, und vieles andere mehr, — Der Cardinal Philipp
Buoncompagni, Neffe des Papstes, erhielt eine Pension von 3000 Scudi*
An Gegendiensten Hess es der Papst nicht fehlen. Durch verschie-
dene (Üoncessionen steigerte der Papst die Einkaufte Philipps IL aus
kirchlichen Quellen bis zum Jahre 1575 um eine Million Ducaten, so
dass sie sich auf 2Vg Millionen jährlich beliefen.
Am 18. Juli 1579 gewährte der Papst dem Könige den Gennss
der Zehnten nnd Erstlingsfrüchte von gewissen Novsdien in Spanien
und den Canarias, mit einigen weitern finanziellen Wohlthaten. Auf
des Papstes öftere dringende Einladung sandte er den Marques de la
Nava und den Juristen Franc, de Vera nach Rom, um an der ^grund**
säzlichen und endgültigen Beilegung^ der zahlreichen Zwiste zwischen
der geistlichen und weltlichen Gewalt in den italienischen Besizungen
Spanien's zu arbeiten').
Aber Philipp II. war unersättlich und erzürnt, weil man in Rom
nicht Alles that, was er wollte. Er beklagte sich über Papst und
Cardinäle; er geizte mit Pensionen und anderen Wohlthaten an die
Cardinäle. Seine Hauptklage war, dass troz der unvergleichlichen piü-
Verdienste, die er sich um Rom erworben, Rom doch Frankreich, "J^^^*
das halb kezerische, unzuverlässige, mehr, als ihn begünstige. Gregor XIII. uagt.
weigerte sich, mit ihm ein Schuzbündniss in Betreff Italiens gegen
') Bullar. magD. ed. Lugdun ,11, p. Ö70 sq. — Scdffado, 1 , 2, 161; 4, 40
(p. 36, 67).
*} Salgado, 2, 11, 95—100 (p. J9J— 15)4).
») Heinz, di Ixyr. Priuli (iri70); Mat. Zane (1584); Paolo Tiepolo (Rom 1576).
(AJJbm, 1, p. 5, 264, 369; 11, 4, 229 sq. — Hergenröiher, p. 21.)
524 Recapitulation des gnnzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte iLfilnfle Band.
«
etwaige Angriffe der Hagenotten zu schliessen. Als weltlicher Forst
mns^te sich der Papst auf die Seite Frankreichs neigen, da er ton
Spanien ganz umsponnen war. Die Bündnisse, sagte er Philipp IL,
dürfen nur gegen die Ungläubigen im Allgemeinen, nicht aber wider
eine besondere Nation abgeschlossen werden, um unter diesem Vor«
wände die Franzosen von Italien ferne zu halten. Es ist Pflicht des
heiligen Vaters, für die Erhaltung des Friedens Sorge zu tragen, nicht
bloss in Italien, sondern in der ganzen Christenheit, and za diesem
Zwecke ziemt es ihm, neutral zu bleiben').
Dl« In. Yfie über seinen Augapfel wachte Philipp 11. über die Inqni«-
So^r. tton. In den Jahren 1Ö82— 1683 hintertrieb er wiederholt AppeUa-
^^^' tionen nach Rom; er schrieb „sehr dringend und nachdrucklich' an
gehttiei. den Papst, er dürfe keine von der Inquisition verhängte Strafe durch
Dispens oder Nachlass aufheben oder verringern*).
Er verharrte überall auf seinem alten starren Standpunkt. Deno
er war unfehlbar, der Papst aber fehlbar. Als Gregor XIII. dordi
Bulle vom 4. April 1583 über alle Eezer, sowie alle, welche den
Bestimn^ungen der Bulle : „In coena Domini^ entgegenhandeln würdes.
die Excommunication aussprach^), erneuerte Philipp II. sofort den Ai»-
schluss dieser Bulle aus allen Ländern seines Reiches*). — £rst in
der lezten Zeit Gregor's XIII. trat eine theilweise Annäherang zwisdien
ihm und Philipp II. ein, wegen des spanischen Unternehmens gegen
England^).
•Am 20. October 1584 gab der Papst ziemlich ausgedehnte, von
Philipp II. bald willkührlich ausgedehnte Facultäten zur Beilegoog
der Streitigkeiten der kirchlichen Behörden in Spanien nntereinaoder.
Damals wurde die Bedeutung der Nuntien sehr zu Gunsten des Konig*
thums vermindert*).
§. 8-
Am 10. April 1585 starb Gregor XIIl., am 34. April wurde
Siztus y. zum Papste gewählt. Philipp II. und er liebten einander
nicht Siztus V. hatte unerfreuliche Eindrucke von seiner Reise nach
Spanien zurückgebracht. Zuerst gab es kleinere Conflikte mit Mailand
und Neapel. — Im October 1586 erschien in Madrid ,die Pragmatik
■) Mat. Zone, p. 367 aq.
*) Salgado, 2, 83, 138— HO (p. 332).
»; ßiillsir. Uoman. ed. Cocqadinus, t IV, P. IV, Rom. 1748, p. 27—31.
*) Vic. de La Fuente, V, p. 318.
*) Hübner, Sixt. V, I. p. 374. Depeaohe Vinc. Gradeaigoa ▼. 92. Febr. VSBk
•) Hergenr^iher, 10, 30.
Sixtua V. und Philipp II. (1585-1590.) 526
der Titel^y nnd es fragte sich, ob man den Nuntius »Monsignor^ oder
„Honsignor reverendissimo^ nennen solle. Der Papst verbot bei Strafe
der Excommunication, sich dieser l^tel-Pragmatik zu unterwerfen*
Dafür verbot Philipp IL verschiedene Bullen Sixtus* V.; er verbot dem
Inquisitor in Sardinien, sich nach Rom citiren zu lassen ')• — Wegen
des Feldzugs gegen England aber trat die Missstimmung zurück. Für
diesen Zweck gab Sixtus V. (im Jahre 1687) jährlich 800.000 Gold-
tbaler, und suchte die „heillose spanische Langsamkeit^ in ein schnel-
leres Tempo umzusezen. Dem Könige bewilligte er zudem ein ^Sub-
sidio ecclesiastico^ von jährlichen 420.(XX) Ducaten*). — Im Jahre 1587
schenkte er dem Konige auch das Hochmeisterthum des Ordens von
Montesa^. Als aber der Feldzug misslang, wurde Sixtus V. zornig sutuv.
auf Philipp II. Er weigerte sich, die Million Goldthaler nach Spanien "^^'^
za senden (Sept. 1588); er leugnete, die Absendung der „Armada'' an- giMh.
gerathen zu haben. Die spanischen Gesandten Olivares und Herzog
von Sessa waren mit Hass gegen Sixtus V. erfüllt Olivares schlug
dem Konige ein „Schisma'* vor; ein spanisches Nationalconcil sollte
über den Papst zu Gerichte sizen. Im Juni 1589 sagte Philipp II. zum
päpstlichen Nuntius, er werde ihn nur noch im Nothfalle empfangen. —
Je mehr Heinrich IV. von Frankreich sich zu Sixtus V. hinneigte, um
80 mehr wendete dieser sich ihm zu. In Madrid sah man mit Arg-
wohn, wie Sixtus V. sich eine Kriegsmacht schuf und fürchtete An-
griffe auf Neapel^). Endlich trieb Philipp U. zur Entscheidung. Hübner
„gefällt sich hier'' Philipp II. in Schuz zu nehmen. Olivares sollte den
Papst nöthigen, 1) zur Entfernung des franzosischen Gesandten Luxen-
borg; 2) zur Excommunication aller französischen Prälaten, die auf
Seite des „Prinzen von Bearn" ständen; 3) zur Erklärung^ diesen als
rückfälligen Kezer nie in den Schoos der Kirche aufzunehmen.
Olivares war einer der wüthendsten Spanier, die je einmal Ge-
sandte in Rom waren. Er griff den Papst persönlich an, und wollte
vor ihm einen feierlichen Protest im Namen des Königs erheben.
Sixtus y. aber nannte den Grafen j^einen Verbrecher, Stein des An-
stosses, und Ursache aller Uebel", und drohte ihn aus Rom zu ver-
treiben^). Der Papst beschwerte sich bei Philipp II. Dieser aber
schrieb an den Papst, sein Brief sei eine „Ungereimtheit", worin er
*) Saigado, 2, 33, 141 (p. 332).
*) Mod. Lafuente, VII, p. 530.
'} Belas. di Franc. Soranzo bei Bar. et BerehenraÜi, 1, 1, 48.
') Tomas Contarini 1593 bei Alberi, I, 5, 439.
*) Depesche Olivares bei dem französischen H'übner III, p. 379, v. 3. März
1590. (Von Hübnefs Sixtus V. erschien gleichzeitig eine französische und deatsche
Ausgabe.)
52G Hecapitalation des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte n. /^fte Baad»
bezweifle y dass Philipp IL den „Protest^ seines Gesandten befoUea
habe^). Im Mai 1690 sandte er den Herzog von Sessa nach Born,
gi«btzo- am {)ei Sixtus Y. mildere Saiten aufzuziehen. Auch Sessa 'gieog bald
m^h. zu Drohungen und zu Zwang über; und nicht ohne Erfolg. Lneo-
bnrg wurde vom Papste nicht mehr empfangen. Rom versprach, dtts
es nie Jemand als König Frankreichs anerkennen wurde, der Philipp's IL
Billigung nicht empfangen. Mitte Juli 1590 wurde ein Offensiybundniifl
zwischen dem Papste und dem spanischen Gesandten anfgesezt
Sixtus V. aber starb am 27. August 1590, welche Nachricht in Spa-
nien erfreute.
Am lö. September 1590 wurde der Cardinal Castagna (Roesano)
^'' Papst als Urban VI., ein lauter Bewunderer Philipp's II., der ihn einen
(1590 — ,,grossen Christen^^ genannt. Ihn hoffte man völlig als Geschöpf Sps-
1&90), nien's ausniizen zu können, so wie etwa seiner Zeit Carl V« Ober seinai
darer Erzieher Adrian V. gesagt hatte: „leb verfuge über ihn wie über einen
^<- in meinem Hause Erzogenen^ ^). Allein schon nach 13 Tagen stsH»
^^^ 'der Papst. Lange dauerte das neue Conclave').
Montalto, Neffe Sixtus' V., stand auf der antispanischen Seite; ia
spanische Cardinal Mendoza verfugte aber über mehr als ein Drittel der
^^^' Stimmen. Philipp II. erfrechte sich, eine eigentliche „Inclosive'' eis-
•ehreitet fuhren ZU woUcu, nachdem er früher das Recht der ,^Exclasive* sieb
^Exda-*^ ^^^^i^^°' Er bezeichnete den Wählern ganz positiv diejenigen Car-
iwe" dinäle, aus denen allein er einen Papst anerkennen würde. & tng
'^^jj°*kein Bedenken, dem heiligen Geist in die Arme zu fallen und der
fort. Kirche den Nachfolger des Apostelfursten diciatorisch bestimmen za
wollen. Sieben durchaus spanisch gesinnte Cardinäle nannte er, unter
ihnen möge Montalto selbst wählen. Dieser gab endlich nach iiod
Papst wählte den spanischen Candidaten Cardinal Sfondrato — Gregor XIV^
ffo?xiv ^* I^cccQ^bc'' 1590. Philipp's Unterthan, stammte er aus einem stets
1590— spanisch gesinnten Hause. Sein Bruder Ercole war Diplomat Philipp^;»!!
^^01* Von den Staatssachen verst<ind er nichts. Der spanischen Leitosg
ergab er sich völlig. Alle Katholiken forderte er unter schwerefl
Kirchenstrafen zum Abfalle von Heinrich IV. auf, unterstüzte <Üt
Ligue durch seine Legaten, durch Sendungen von Geld und MaoB-
schaften, es leerten sich die von Sixtus V. gesammelten Schaze*).
Aber selbst ihm Hessen die spanischen Juristen nichta hingeheo.
Als er am 9. Juli 1591 eine Bulle erliess, welche das Aaylrecht der
') Depesche v. San Lorenzo vom 12. Jani 1590 (Hühner, III, p. 451).
*i Tom, Oontarini, 438.
^ Ueber die WM Gregorys XIV. s. Qinddy, Papstwahlen in den Sisugi-
beriebten der Wiener Akademie der Wiasenschaiten, 38 (1861), S.
*) Tonu Contarini.
„Die Indasive Philipp'a IL* Clemens VIII. und Philipp iL (1592—1598). 627
Elirchen wahrte , wurde ihm von Spanien der Gehorsam versagt Er
starb aber am 15. October 1591, und schon am 29« October wurde
Fachinetti zum Papst gewählt ^). Innocenz IX. war ein eifriger Anhänger i^^o-
der Ligue, doch war er den Spaniern nicht ganz so angenehm, wieco°'i^**>
der vorige. Auch er starb schon am 30. December 1591. Am 30. Ja-
nuar 1592 wurde Hippolyt Aldobrandini — Clemens VIII. — gewählt,
mit gutem Verständniss für die Staatsgeschäfte begabt^). Mit seiner
Wahl war Philipp II. keineswegs einverstanden. Sofort richtete der
Papst einen freundschaftlichen Brief an Philipp U.; allmälig bekam
man von ihm eine bessere Meinung in Madrid*).
Fast drei Jahre lang wandelte Clemens VIII. in den Bahnen
seiner beiden Vorgänger, wenn auch mit minderer Hize. ' Er gestand
Crnzada, Excusado und Subsidio zu, so dass Philipp IL nur aus
kirchlichen Quellen zwei Millionen Ducaten zog. Clemens VIII. er-
schien jezt als „ganz spanisch.^^
Gerade diess Bündniss gab Philipp II. die „Unverfrorenheit", ^"'pp'
mit einer Schäi-fe die Unabhängigkeit der spanischen Kirche zu be- acbämt*
treiben, wie sie wohl nie schroflfer durch einen ..Qallicaner'^ hervor- *****
gehoben worden. Auf eine Petition der Cortes vom Jahre iö93 er- mn der
klärte er: Da sich die Nuntien auf Artikel 16 der Bulle: „In coena ^^^
Domini^^ berufen, da das Heilmittel der „Recursos de la fuerza^^ das
wichtigste und nothigste ist, was es zum Wohle, zur Ruhe, und zur
guten Regierung (dieser Reiche) geben kann, ohne welches das ganze
Gemeinwesen in Verwirrung gerathen wurde: so befehlen Wir unserem
Käthe und unseren Appellböfen, dass sie grosse Sorgfalt darauf ver-
wenden^ den Parteien, die bei ihnen durch Anrufung „de fuerza^^ Ab-
hilfe suchen, ihr Recht zukommen zu lassen, in Uebereinstimmung mit
dem Rechte, und unvordenklichen Herkommen, den Gesezen und Ver-
ordnungen dieser Reiche, und dass sie in Gemässheit dieser alle Ueber-
treter strenge bestrafen"*).
Wieder wurde verboten, dass ein kirchlicher Pröcess, der noch
in erster Instanz schwebe, an die Rota in Rom gebracht werde, ent-
gegen der Praxis, welche die Rota längst befolgte. Die Bulle Cle-
mens VIII. vom 19« Juni 1594 über die Geschenke von und an Kfoster-
leute, ganz harmlosen Inhalts, wurde in Spanien ebenso wenig an-
genommen, wie manche Anordnungen der päpstlichen Kanzlei. Rota
und ;,Consejo" lagen erbitterter als je im Streite. Der „Consejo" bestrafte
») Tom. Ctmtarini, S. 438 flg.
*) Tom, Coniarini, S. 439.
•) Ossat an Villeroy vom 17. Jan. 1596: — Ich glaube, dass der Papst mehr
Zuneigung zu Frankreich, als zu Spanien hat. — Lettres d' Ossat, 2, 27.
*) Nuevä Rccopilacion, lib. 2., t. 5. 1. 80,
528 Recapitulation des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte iLf&afteBinl
die an die ^,Rota^' Appellirenden mit Gfitereinziehang, and oft mit
Verbannung *)•
In Rom wollten sich die Cardinale nicht mehr Toa Philipp II.
commandiren lassen. Anf ihr Betreiben trat eine Commission von Tlieo-
logen zusammen, die, sich stüzend anf eine scharfe BoUe Paulis IV^
und eine andere Pius' IV. , das Verfahren Philipp's U. germdeza ib
•yipso facto'^ der Excommnnication unterworfen bezeichnete. Sie Ter*
dämmte besonders den direkten Zwange den Philipp durch die ,,Iii-
clusive^ auf einen grossen Theil der Cardinale ausübe, den Aussdiloii
oft der trefflichsten und geeignetsten Männer durch die Ezdniife
Card. (Cardinal Baronius wurde zweimal durch die Spanier „excIudirtU) aos-
ni^ übe, die formliche Simonie, deren sich der Konig durch die BezaUimg
von Cardinälen mit Rücksicht auf die Papstwahl schuldig madie*).
Der Herzog von Sessa wollte diese Anklagen nicht auf sich sim
lassen. Im Februar 1594 versammelte er in Rom alle apaniscbeB
Theologen, die ihn und seinen König „rein wuschen'^ Im Jahre 159^
wurde ihr Spruch von einer theologischen Junta in Madrid bestitigl
Die Cardinale aber blieben fest, und seitdem war es mit der jx/lbt-
dingten Herrschaft Spanien's über das Conclave vorbei *)•
Heinrich IV. war 1593 Katholik geworden; er meinte, dass «
so schönes Königreich, wie Frankreich, doch auch einer Mease wotk
sei. „Heiliger Vater^ sagte der Präsident der Bota, Serafin, CI^
mens VIL hat England verloren, weil er sich zu sehr beeilte, Bein-
rich VUL zu excommuniciren, und Clemens VIIL wird Frankreich
verlieren, weil er zu sehr zögert, Heinrich IV. zu „abaolviren". Aa
17. September 1595 fand die Absolvirung und Anerkennung Heinrich'sIV.
iu Rom statte während Philipp II. ihn immer noch als Prinzen ▼«
Beam, als rückfälligen und heillosen Kezer betrachtete, mit dem er
seit Januar 1595 im erklärten Kriege sich befand. Aber troz aller
Bitten Heinrich's IV. weigerte sich Clemens Vlil. beharrlich, des
Serafin zum Cardinal zu ernennen. Am 1. August 1595 und 10. Ji*
nur 1596 sezte er die Vorrechte der spanischen Inquisition im weitestes
Umfange fest, und erklärte den Generalinquisitor als einzige und aoi^
schliessliche Appell -Instanz von den Urtheilen und Verfugungen der
Inquisitionsgerichte ^). Diess half dem Papste nichts. Philipp IL vir
tödtlich beleidigt. „Obwohl (sagt Vendramm) die Absolution oad
Rebenediction „Navarra's^^ (Heinrich's IV.} das G^nüth des Köiiigi
•) Salgadoy I, 2, 138, 142; 2, 20, 1. 4. 6-7. 10. 12. 14, 33. 87 (p.&
240-242).
') Lorenz, Papatwahl und Raisertham, S. 133 flg.
') Oindely, S. :^58 flg.
*) Belaz. di Franc. Yendramin — 1595 ap. Älberif 1, 5, 466 iq.
Clemens VllL nnd Philipp tt. 52d
ansserordentlich bewegt und erschüttert hat^ so lässt er sich dennoch ^^'
von dieser Kränkung nichts merken, wie es auch andrerseits S. Heilig- mIu- b«-
keit thnt in Betreff der Beeinträchtigungen, welche die Anspriiche der "^'^^
Kirche in Spanien erleiden, wo nicht nur Ihre Anordnungen und Ver-
fugungen vom königlichen Rathe der Censur unterzogen und abge-
schwächt, sondern auch ganz verworfen werden. Darüber hat sich
freilich S. Heiligkeit oft bei den spanischen Botschaftern beschwert,
jedoch völlig fruchtlos. Im CardinalcoUegium hat jezt der Konig nicht
mehr viel Auctorität wegen seines herrschsüchtigen Vorgehens, und
wird er in Zukunft noch weniger haben, da die franzosische Partei zu
ziemlicher Grosse gelangt ist, so dass sie demnächst der spanischen
kräftiger wird entgegenwirken können«^
Philipp n. fühlte es; nach so vielem Andern hatte er auch die
Gewalt in Rom verloren. Kein Wunder, wenn Clemens VIII. auf den
Tod Philipp's wartete. Denn sein Nachfolger galt für (und war) un-
bedeutend, dabei mild und versöhnlich. Philipp's Plane hatten Schiff-
brach gelitten. Er wollte die spanische Kirche unter da^ Joch seines
gleichförmigen Absolutismus beugen, und diess gelang ihm fast völlig.
Er wollte seinen Absolutismus auch auf weltlichem Gebiete durch kirch-
liche Mittel fordern; er wollte aber auch der Lenker und Leiter der
ganzen Earche sein — und diess misslang ihm. Die Interessen des
Glaubens und Spanien's waren ihm identisch. Aas der heiligen ro-
mischen Kirche wollte er eine heilige spanische (oder Philipp'she)
Kirche machen. Er verlangte mit aller Schärfe, dass, wie Spanien der
Kirche und dem Papstthume, so diese unbedingt Spanien dienten.
S. katholische Majestät betrachtete sich als das weltliche Haupt der
Kirche, mit dem das geistliche, der Papst, stets Hand in Hand
gehen müsste.
„In dieser für die Kirche so gefahrlichen Zeit, schreibt er an
seinen Gesandten in Rom, hat S. Heiligkeit viele Gründe und Ursachen,
mir zu glauben und meine Erinnerungen und Rathschläge mit ebenso
grosser Zuvorkommenheit und Bereitwilligkeit aufzunehmen, wie seine
Vorgänger in derselben Hinsicht gezeigt haben.'' Die eifrigen Katho-
liken ausserhalb Spanien's waren den Ansprüchen Philipp's II. nicht pu-
abgeneigt Heinrich von Guise sagt: „Ich halte S« katholische Majestät ^^ ]^
für den gemeinsamen Vater sowohl aller Katholiken, als auch meiner letn die
im Besondern"»). ^^^^
„Was S. Majestät thut, geschieht für den Dienst Gottes, und zum
allgemeinen Besten der Christenheit und des katholischen Glaubens.
') PhOipp IL an den Herzog von Sessa, vom 15. Juli 1590. Hubner^ 3, 449
(leider sind in der deatschen Ausgabe die Docnmente nicht gedruckt).
Qämtf tpan« Kirche. III. Z, J)4
530 Recapitnlation des ganzen Werkes. Viertes EapiteL Der vierten, fünfte Bui
Das ist notorisch. Die katholischen Fürsten brauchen bloss aofrichtig
sich ihm anzuschliessen und sie sind sicher, sich anf dem gnten Wege
zu befinden***).
Würde ein Papst sich von Philipp II. emancipiren, es wäre du»
kein Zweifel, dass er aus ,,verwerflichen personlichen Beweggrandeo"
handelte, dass er eine Art von Kezer wäre. Denn Philipp II. wv
„katholischer als selbst der Papst'*; er allein war unfehlbar. Ein«
solchen Papst bezeichneten die spanischen Minister nnd der König
selbst als „vernunftlos**, „verhärtet**, ^9 voll schädlicher Rathschlage'^
„mit dem schlechtesten Herzen von der Welt**, „ohne Verstäadnisi
far die Staatsangelegenheiten**, „unzuverlässig**, „Ursache des Aerger-
nisses**; er wurde beschuldigt, , Jahrelang nicht gebeichtet zu haben*^.
Philipp n. schrieb dem Papste, „dass er der Kirche in ihren giQssUc
Gefahren vergesse**^). Zahlreiche andere Stellen finden sich in seineo
Depeschen. Philipp U. wollte keinen Papst aus fürstlichem Geschlecht«,
weil dieser mit seinem ganzen Hause über seine Bestechungskonst«
erhaben, und nicht so leicht einzuschüchtern gewesen wäre^ -
Philipp II. glaubte steif und standhaft an seinen und Spanien's Beci
zu herrschen zur Erhaltung des Glaubens, zum Dienste Gottes. Er
war der Riese, der Atlas war er, der die ganze Welt anf seine Scbol-
tern nahm, und sie tragen wollte. Kein Wunder, dass er immer
keuchte und jammerte, den Beleidigten und den Trübseligen spieltr,
und jegliche tiefe und wahre Herzensfreude ihn floh. Wenn ein am-
seliges Geschöpf Gott alle seine Lasten abnehmen und sie allein Inga
will, so muss er ein — Kitter von der traurigen Gestalt werden.
§. 8.
Durch falsche Berichte irre gefuhrt, habe ich S. 250 gesagt, d«
Historiker Luis Cabrera de Cordova hat den zweiten Band seiner Ge-
schichte Philipp's II. fertiggestellt; das Werk wird anf Staatsko^
gedruckt. Es musste heissen: Das Werk von Cabrera: Phelipe ^
gundo, rey de Espana, das im Jahre 1619 in 2 vol., reichend bis vs
Jahre 1583, gedruckt worden, ist jezt auf Staatskosten neu erschieo^
Der dritte Band (Madr., 1877, kl. fol.) reicht bis c. 1591; ich m?
bis circa — . Denn man kann nicht leicht ein geschichtliches Werl
*) Gnise an Mendoza am 12. Juni 1587 — ap. Oose, les Gaises, kt Vilc-'
et Philippe II. Paris, 1866, II, p. 291. — Sessa an Tdiaqnez — am 1. Aag. I^ci^
Hübner, II, p. 22.
') Döllinger, Beiträge, I, p. 503, 629. (Hubnery ni, p. 232, 241, 259,55^
») Gioü. Soranzo 1565, I, p. 5, 96. — Giral. Soranzo 1602, bei Äir.»i
Berchenrothf I, p. 1, 169 sq.
531
finden, das so sehr aller chronologischen Angaben entbehrte, wie dieses
im schwerfalligen Dithyramben- Stile geschriebene Werk. Man weiss
nie, in welchem Jahrzehent man sich befindet. Die Ausstattang zwar
ist sehr splendid. Aber der oder die Heraasgeber hätten wenigstens
die Herausgeber der alten Chroniken, Cerda j Kico und Eugen Uaguno
(5, 418, 420) nachahmen, und oben auf jeder Seite das Jahr angeben
können, in dem der Leser und der Auetor sich befindet.
§. 9.
Ein neues Werk: „Philippe U. et Don Carlos devant Thistoire''
par Josi Guell y Rente (£z-Deputirter der constituirenden Cortes vom
Jahre 1864), ist zu Paris 1878 erschienen, pp. 353. Der Verfasser
nimmt Don Carlos gegen Philipp H. in Schuz. Am Schlüsse seines
Werkes giebt er eine Blumenlese der — verwerfenden — ürtheile einer
grossen Anzahl von Schriilstellem über Philipp II. Vergleicht man
damit das, was ich über Philipp U. gesagt, so sind meine Ausdrücke
über ihn — gelinde und milde.
§. 10.
Den spanischen und nichtspanischen Schriftstellern nachfolgend
habe ich (S. 298) gesagt, dass Papst Innocenz XII. im Jahre 1700
dem Eonig Carl II. gerathen habe, den Philipp (V.) von Anjou (Or-
leans) testamentarisch als seinen Nachfolger einzusezen. Vor Kurzem
hat Onno Klopp nachzuweisen versucht, dass der Papst gar keinen
Ausspruch in dieser Sache gethan. Der Cardinal Portocarrero habe
deni schwachen und todtkranken Carl II. fast Gewalt angethan, sich
für die Bourbon's und gegen Oesterreich zu entscheiden^). — Das
Schreiben CarFs IL war vom 13.. Juni 1700, die Antwort des Papstes
vom 6. Juli 1700 (in: Avönement desBourbons autröned'Espagne, t.II,
p. 227 suiv. n. Hipptau — , der an die Aechtheit der Briefe glaubt.
Dagegen findet sich bei M. Capeßgue^ Louis XIV., son gouvernement
et sa politique exterieure, Paris 1835, 6 vol. (t. IV, p. 160) der ächte
Brief Carl's IL) Der Inquisitor Mendoza, Torres, der Beichtvater Carl's IL,
und die Konigin Maria Anna mussten aus Madrid — 1700 entfernt werden;
denn ihnen hatte Carl II. gesagt, es sei ihm bei Anfertigung des Testa-
ments Gewalt angethan worden. (Theatrum Europaeum, XVI, 399;
*) Hat der Papst Innocenz XII. im Jahre 1700 dem König Carl IL von Spa-
nien gerathen, durch ein Testament den Herzog von Anjou zum Erben der spa-
nischen Monarchie zu ernennen? Historisch-polit. Blätter, t. 83 (1879), p. 35—46,
125—150.
34*
532 Becapitalation des ganzen Werkes. Viertes Kapitel. Der vierte iLffinfteBiBi
Memoires de Lambertyj I, p. 420 sq.) Papst Clemens XI. wurde, In»
des Yeto's CarFs II., am 23. November 1700 zam Papste geiriUt Er
war von Anfang an nicht franzosisch gesinnt; aber ans Forckt tot
Frankreich erschien er französisch. Er erklärte dem Kaiser Leopold L,
dass weder die Frage Carl's II., noch die Antwort Innocenz^s XIL so
gelautet, wie ausgesprengt worden sei. (Relazione del CJonte di bj&-
berg, fol. 156 — di qaello, che si narra del passato pontificatoTi
e qualche piccola cosa di vero, ma vi b moltissimo di fidso, esesi
potesse palesare quello che vi 6 di vero, non potrebbe riprendersi m
conto alcuno la memoria di quel santo Pontefice, V onore pero e b
conscienza obligano a tacere, e basta dire con veritä che ne risUm
di Carlo 11, ne la risposta d'Innozenzio XII furono tali quali si diooDO
nel foglio (des französischen Cardinais Forbin Jansen). Qaesta es-
pressione del Papa e qai rapportata senza variazione ne pure di nna parok)
Fendon kannte die Sage noch nicht. Aber bei St. Simm findet
sich die ^^Tradition'^ abgerundet (Mömoires, t II, p. 123) und ebenso
bei Voltaire, si^cle de Louis XIV ^ p. 191. Diese zwei haben dis
Märchen in die Welt gesezt. Der Cardinal Forbin- Jansen ^ in Boa
und Neapel entlarvt, sandte Abschriften der fingirten zwei Briefe i»ci
Paris und an Philipp Y. Er suchte der Luge eine Basis für spätm
Zeiten zu verschaffen. „Der Erfolg in der gesammten europüscbea
Geschichtsliteratur beweist, dass dem Cardinal Forbin - Jcmson diesi
gelungen ist (s. Ranke, Französ. Gesch., IV, 146). „Wir werden
anzuerkennen haben, dass an den eigenen Worten des Papstes ClemeDsXI'
die Fiktion des Cardinais Forbin-Janson zerschellL^^
REGISTEI^.
Eb. bedeutet EnMsehof, Enblithnm; B. bedeutet Biaebof, Bisthmn; P. Pftpat.
A.
Abad, und Lasierra, Mannel, 0. S. B.,
£b., 111. 2, S. 412—413.
Abdera (Adra), B.? I, S. 156, 166, 169;
II. 2, S. 15, 22; JH. 2, S. 477.
Abderrahman elDakhel, der Ommijade,
erster Chalife von Cordova (756—788),
II. 2, S. 244—245, 251.
Abderrahman II. (821—852), nnter
ihm erblüht Cordova, II, 2, S. 301 ; seine
Nachfolger, S. 307, 309, 319, 324—325.
Abderrahman III. (912 — 961), II. 2,
S. 441, duldet die Christen, S. 443, 448
bis 449.
Aberglauben, II. 2, S. 18.
Abla (Abnhi, Alba), Bischofssiz des hei-
ligen Secundas, I, S. 150—158. Abnla
ist die Villa Abla bei Acci, S. 154—157.
Abnla in der neuem Kirchengeschichte,
S. 157-158; III. 2, S. 475—476, 508.
Ablässe, seien nicht zu zahlreich, III. 1,
S. 383.
Acci (Guadix), die „apostolische Kirche";
der Weg von Basti nach Acci, I, S. 120
bis 123. Das alte Acci, S. 130—131.
Der heilige Torquatns von Acci, der
erste beglaubigte B. Spanien's, S. 138
bis 149. Das B. Acci, das erste in Spa-
nien, S. 142. Acci, sein Strassennez,
S. 208-209. Die Centrallage der Stadt
Acci, S. 205—214. Bischöfe, II. 2, S. 20
bis 2 1 ; seine Grenze gegen Elvira, S. 21 ;
will nicht unter Toledo stehen, S. 73
(199). B.Fredoar um 720,8.243. B.Qui-
ricus, 839, S. 312-313. Guadix erobert
und wieder Bisthum, 1490, III. 1, S. 443 ;
III. 2, S. 474-475.
Acinippo, Pfarrei 306, II. 1, S. 16-17;
111. 2, S. 481.
Acisclus, und Victoria(?), Märtyrer von
Cordnba, I, S. 356—360; IL 2, S, 454.
Acta Sanctorum, s. Bollandisten.
Adelelmus (Lesmes), hl., und seine
Hospitäler (f c. 1097), lU, 1, S. 171—172.
Ein anderer Adelelmus (f o. 1218), III. 1,
S. 175.
Ado, V. Vienne, s. Martyrologium c. 870,
I, S. 32, 46, 72-73, 78—80, 146—149,
222-227, 312—318; III. 2, S. 475.
Adoptianer, Haeresie der, II. 2, S. 259
bis 298. Nestorianer und Adoptianer
(sind identisch), S. 261—266. Elipandus,
Eb. von Toledo um 782—783; die Ne-
storianer wandern aus Syrien in Spa-
nien und Corduba ein, S. 264—265,
und bringen u. a. die Werke Ephrem's
des Syrers mit, S. 265. Elipand ist
Schüler der „Brilder« in Corduba, S.266.
Mönche kommen aus dem Orient nach
Spanien, S. 266—267. Der «CatholicuB*
531
Register.
in Corduba, S. 267. Quellen des Ado-
ptianismns, S. 267—269. Lehre der
Adoptiancr, S. 269—272. Die Ado-
ptianer und die spanische Liturgie,
S. 272. Anhänger des Elipand : Felix von
Urgel, S. 273, und Ascaricns von Merida?
S. 273. Abt Fidelis, S. 273 bis 274, 277.
Gegner: Beatns und Etherius von Osma,
S. 274. Theudula,Ba8inBCU8,Vincentins,
S. 275. Beatus, S. 275—277 gegen Eli-
pandus. Synode v. Narbonne, v« J. 788,
S. 281 . Synode v.Regensburg, v. J. 792,
S. 281. Die Falschheiten des Felix,
S. 282. Elipandus an Carl Gr. und
die fränkischen Bischöfe, S. 284, gegen
Beatns, S. 285. Synode v. Frankfurt
V. J.794, S. 287— '291. Synoden v.J. 799,
S. 292— 294. Synode V.Aachen, v.J. 799.
Alcuin disputhi mit Felix, S. 292 bis
293. Felix bekehrt sich, S. 293. Lezte
Mühen des Elipandus, S. 294. „Bruder"
Milita, S. 291. Elipandus sucht den
Felix „zurfickzuerobem'*, S. 296. Eli-
pandus an Alcuin, S. 296-^297. Eli-
pandus «hüllt sich in Dunkel ein** (seit
c. 800), leugnet den Primat Petri, S. 298;
Ilf. 2, S. 504—505.
Aera, spanische Zeitrechnung, abge-
Bchi^ III. 1, S. 208.
Agde, B., Synode v. J. 506, II. 1, S. 485;
Synode v. J. 907, II. 2, S. 424—425.
Aguirre, SaSnz, Cardinal (f 1699), siehe
seine Sammlung der spanischen Con-
cilien, I., S. 214, 253; III. 2, S. 301.
Alaba, B. von kurzer Dauer, geht 1088
in Calahorra auf, II. 2, S. 414.
Alba, I., S. 156.
Albeldense (Aemilianense) chronicon,
c. 881, U. 2, S. 343—845, s. Dulcidius.
Alberoni, Jul., geb.1664, am spanischen
Hof, III. 2, S. 317. Hohe Pläne der
Königin Elisabeth und Alb., S. 818.
Alb., Cardmal 1717, S. 318—319. Er
kehrt die rauhe Seite gegen Born her-
vor, S. 319; entlassen December 1719,
S. 319—320. Sein Proeess in Born,
S.320. AIb.,B. V.Malaga? S.321. Grosse
Stiftungen in Piacenza; Alb., Legat in
Bavenna, S. 821—322. Alb. f 88 Jahre
alt, 26. Juni 1752; seine grossen Tugen-
den und grossen Fehler, S. 322,
Albornoz, Aegid., der grosse Cardiaal,
£b. von Toledo, III. 1, S. 3Si;ieiBe Sy-
noden, 384—385, erobert den Kireha-
staat wieder 1353—1361, f 23. Äigvt
1367, S. 890 (lies: «Beisezrag*); m
Begriibniss, IL 1, S. 290.
Aloala (Complntnm), B., L, S. 33(>-3ji
Das B. 16. Febmar 1156 beständig nh
Toledo nnirt, III. 1, S. 27. Synodt
gegen Petrus von Osma 1479; III. 1,
S. 434 — 437. Universität, von Ximeoes
gestiftet, eröffnet 1508; HI. 2, S. 1»
bis 132.
Alcantara, Ritterorden, IIL 1,8.55-56.
Alcoba^a, Kloster 0. S. Bern, in Por-
tugal, III. 1, S. 58, 324, 329.
A»lcnin, im Kampfe mit den Ädoptii*
nem, IL 2, S. 186, 264, 281-282-383»
292-294; gegenFellx vonürgel, S.»<;
gegen Elipand, 8. 297.
Alezander IIL P. (1159-1181), &it
den zweiten Primat von Toledo uf
sich beruhen, III. 1, S. 27—28, 55, 5^
60, 108. AI. und Tarraeo, S. 199, 9ffi.
Alexander VL (1492— 1503), seine Bel-
len in Betreff America's 149.1, in. t,
S. 95— 96-97. ALnodlsabelUdieKA^
tholische, III. 2, S. 122. AI. imd dv
Placet, IIL 2, S. 141. AI. nnd die Jodes
in Rom, IIL 2, S. 50. AI. und die v^
nische Inquisition, S. 50—52, 511.
Alfons L, König von Astoiien (t e. 75>))
nnd die Benedictiner, II. 2, S. 276, ^,
Alfons IL nnd der heilige Jaoobos C^,
ir. 2, S. 366, 367— 36H, 369.
Alfons IIL (t 20. Dec. 918), IL 2,8.35»
374—375, 376—377, 397-398, 39S.
406, 411.
Alfons IV., König von Leon (9i5-^i
IL 2, S. 399—401.
Alfons V., König von Leon (999-MS?^
II. 2, S. 3^, 400-401, 407, 409.
Alfons VL, König von Leon und O
stilien (1076—1085), IL 2, & 407, 4lP,
417, 422, 457-460, und P. Gregor VIU
S. 461—462; IIL 1, S. 2, 3, 10. l^
19; erobert Toledo 10^*5, III. 1, S.<C';
h< Ordnung aufrecht, S. 40; W
Brücken, S. 40; 1 30. Juni 1109, 79 J«»»
alt, S. 42; IIL 1, S. 171.
Register.
535
Alfons VII., III. 1, S. 17, 21-22, 29,
31, 33 (Kaiser), S. 34, 35, 38, 41, 42,
1126 zu Leon gekrönt, S. 43, 44. Kriege.
1135 in Leon als „Kaiser^ gekrOnt,
S. 44, nimmt Jnni 1142 Coria; S. 45,
48, 101, 10"^. Alf. VII. gegen die AI-
mohaden, S. 49; s. „Chronik^ bis 1147,
S. 49—50, 50—51; t 21. Augnst 1157,
S. 51—52, 66-67.
Alfons VIII., IIL 1, S. 38, 39, 53; 1166
»eibständig, S. 58—59, 60-61, 62— 6o ;
geschlagen bei Alarcon 1 195 (geb. 1 155) ;
regiert 55 Jahre (die Castros u. Laras),
III. 1, S. 111—114, 116-118; und der
Krieg V. 1212, S. 120—128 (t 6. October
1214), S. 129, 172-174).
Alfons IX.y.Leon,geb.ll71 (1188),III.l,
S. 55—56, 60—62; seine Ehe getrennt,
S. 63, 112, 128, 130, 155-156 4t 1230).
Alfons X., ,el Sabio" (1252—1284), vpn
GastiUen, IIL 1, S. 167, 352 bis 353;
deatscher Beichscandidat, S. 323, 353
(seine Gesezeesammlong, S. 354), can-
didirt 1256 neben Bichard von Corn-
wallis, S. 357. Stellung der Päpste in
dieser Streitfrage, S. 357—358; der P.
soll ihm das Diadem geben, S. 358
(Bichard f 2. AprU 1272). P. Gregor X.
(1271—1275) weist mit Becht Alfons X.
ab . Bndolf v. Habsburg 29. September
1273 zum Kaiser gewählt, S. 360; Alfons
weicht nicht, 1279, und will, wie Peter
von Luna, nicht verzichten, S.362. Krieg
mit den Maaren 1275—1278, S. 363
bis 3G4. Eingriffe in die kirchlichen
Bechte,S.364— 365. Conflikte mit Frank-
reich, 1278-1279, S. 36Ö— 367. Kriege
mit den Maaren, 1280—1281, S. 366.
Alfons ruft die Mauren, dann den P.
zu Hilfe gegen seinen Sohn Sancho
1282, S. 367, t 4. April 1284 (S. 368)
zu Sevilla. Seine Schriften, S. 369; Tu-
genden und Fehler.
Alfons XL (1312, 1 1350), IIL 1, S. 381);
Biegt am Salgado 1340, S. 381—382
gegen die Maaren; nimmt 1344 Alge-
fiiras; seioe Schriften, S. 3^2.
Alfons Xn. König von Spanien (1875),
III. 2, S. 470.
Alfons I , Herzog von Portugal (1172),
IIL 1, S. 57.
'Alfons IL, König von Portugal (1211),
III. I, S. 58.
Alfons III. (1245—1279), s. Portugal,
III. 1, S. 317.
Alfons I., König von Aragonien (1104),
JII. 1, S. 41, 178; nimmt 1118 Sara-
gossa (t 1134), S. 180-181.
Alfons II., der Keusche 1161 (f 1196),
III. 1, S. 51, 63, 202, 210.
Alfons III. (1285-1291), III. I, S. 254
bis 255.
Alfons IV. (1336-1387), III. 1, S. 286.
Alfons V., König von Aragonien (1416
bis 1458), ni. 1, S. 299-300, wiU stets
Greld von der Kirche.
Alhakem H., Ghalif 961, H. 2, S. 448.
Almansor c. 986,11. 2, S. 456, grosser Bo-
sieger der Christen, wird besiegt und
stirbt 1. -Juli 1002, S. 457. Die Chalifen
sterben ans 1037, S. 457.
Almeria, B. des heiligen Indaletius,
I., S. 120, 126, 147, 154, 159, 161 bis
164. Andenken des heiligen bidaletius
in Alm., S. 165. Alm. 1147 vorüber-
gehend wieder erobert, III. 1, S. 43,
200; wird wieder B. 1490, III. 1,
S. 443.
AI mohaden, Herrscher in Spanien,
nehmen Cordova 1148, III. 1, S. 43,
45; nach 1145 fliehen die Bischöfe
vor ihrem Angesichte, S. 47—49, wovon
drei in Toledo starben, S. 63, 92, 123,
130.
Almoraviden, seit 1086 in Spanien,
III. 1, S. 42, besiegt von den Almo-
haden c. 1157, HI. 1, S. 45, 180.
Alonso, Kirchenfeind, IIL 2, S. 453 bis
454, 457-453.
Alora, Pfarrei306, II. 1, S.18; IIL2,S.481.
Alvarus von Corduba, c. 950, II. 2,
S. 265, 274-275, 301, 306—307. Alvar
und Eleazar, S. 316-318, 324, 334;
Leben und Schriften, S. 336—338;
Alvar. ein „zweiter Tertullian*', S. 337;
gegen B. Sanlus.
Alvaro de Lnna, Condestable, III. 1,
S. 423—424.
Amador de los Bios, f 17. Februar 1878,
II. 2, S. 250.
Amalrich, König der Westgothen, 527,
II, 1, S. 447-448, 486—487.
536
Register.
Amat, 8. Torres.
AmbrosiaB, hl., L, S. 247; IL 1, S. 383
bis 383 (8. Pri8cilliaiii8ten).
America, entdeckt 1492, b. Colambiw,
III. 2, S. 94—121. Erste Bischöfe Amer.,
S. 119. Neue (bessere) Geseze v.J. 1542,
III. 2, S. 172—174. Die Commeoden
oder nRepartimientos*' sollen aufhören.
Die Kirche im spanischen America vom
Jahre 1542 bis c. 1600, 8. 202—220.
Patriarchen ▼. Westindien s. 1524, S. 202.
S. Domingo, £b. 1543 (1547); Mexiko
£b. 1534; B. Puebla 1525, S. 20:).
B. Mechoacan 1536; B. Anteqnera 1535;
B. Goadalaxara 1548; B. Merida 1562;
drei Gondlien in Mexiko, S. 204. B. Da-
rango 1620 errichtet; B. linares 1777;
B. Sonora 1787; B. Goatemala 1534,
8. 206, £b. 1742. Chlapa 1538, Hon-
duras 1539, Nicaragna 1534; £b. Bo-
gota 1562-1564, Panama 1534, 8.206
bis 207. Gartagena 1534, 8. 207;
Santa Marta 1535; Popajan 1546, Ve-
nezuela 1532, Eb. 1803; Charcas 1552,
£b. 1609; La Paz 1608; Cordova 1570;
S. Cruz de la Sierra 1605; Paraguay
1547, S. 207—208. Buenos Ayros 1620,
Eb. 1866; Lima 1539—1516, S.208. Fünf
Condlien, Cuzco 1538, S. 206—209.
Arequipa 1611, S. 209. TruxiUo 1609;
Quito 1546, Eb. 1837; Guamanga 1609;
Santiago de Chile 1561, Eb. 1840;
Concepdon de Chile, 1563, S. 209—210
(s. Turibius hl.). Dominikaner undFran-
ciscaner in America, 8.215. DieBischöfe
aus verschiedenen Orden, S. 217—218.
Wieder schlimmere ZustSnde seit c 1 600
S. 218—220. America reisst sich v. Spa-
nien los 1821—1827, III. 2, S. 441—443.
Americo Vespucd, und America, in.2,
S. 102—103.
Ammianns Marcellinus, l., S. 95, 98;
II. 1, S. 288.
Anaolet, Gegenpapst, sucht mitDidaous
Gelmirez anzubinden, III. 1, 8. 102
bis 101
Anathema Maranatha, IL 1, 8. 316;
IL 2, S. 9, 101, 277; UI. 1, S. 199.
Andujar, L, S. 187-188, 191.
Antonin, Eb. von Emerita, II. 1, S. 220
bis 222, 47&
Antonio, NIcolans (1617, f 1684), i. Bi-
bliotheca vetus et nora, in.2,8. 301 \m
302; 8. ZweizangIgkeit« S. 903-3Q3L
Apostelschfller, die Seiidin; osd
Th£tigkeit d. sieben Apoeteladt tiS^
nien, L, S. 76. Die Martyrokfia
über die Siebenmanner, S. 76-8a Die
alte spanische Liturgie, erste Qsele
Aber sie, S. 81—85. Ihr Offidon wl
Ihre Festmesse, 8. 103—117. DieStihe
(Abla, Urci, Berja, Ehriim, mitnpi,
Cazorla) der apott SiebeimiSiiBer nd
die Centimllage der Stadt Aed, & »6
bis 214. Die Siebeniniiuier aut üua
sieben StSdten und die Stadt Boa,
S. 205—208. Der ZosammeBhaag der
Beise des Apostels Paoliii mit ds
Sendung der deben AposlelsehSkr
8. 218—221. Ihre Feetfeier; UueMe
im 10. Jahrhundert, aie haben mm
Octave, IL 2, S. 451. NadiWKg« aid
neue Entdeckungen , IIL 2, a 474 b«
479. Nicht eine, aondem viele Qudki
bezeugen die Wahrheit der TMitioB,
S. 508-.509.
Apringins von Ptee, Schriftsteller c531,
II. 1, 8. 425; IL 2, S. 148.
Aragon, Teatro edesiastico de Iss Igfe-
Sias de — 9 t, IIL 2, S. 410.
Aragon, K5nlgrdch s. 1035, 0. 2, S. 416
bis422. KOnigBamiroL 1035— c 10^:
Sancho Itamirez nimmt Barbastro 10(7,
t 1094; Pedro L 1094—1104, 8. 417
bis 418. B. Jaeca, Hnesea, Ar^os,
S. 418.
Aragonion, die Bdche A. und Csti-
lonien (1085—1248), lU. I,S. 174-2»;
Don Pedro I., S. 174—182. BaoiroIL
«derMOnch"* 1134, S.182. A.mitCdskh
nien vereinigt 1137, S. 186, dmdi Btj-
mund n.von Barcelona, der 1148Toito8i
erobert, S. 200; nimmt 1149 Lerida md
Fraga, S. 208. Ramon IV. Bemgtr,
t 1161, 8. 202. AlfoDS n., sdn Sda
S. 202; seine Mutter PetnmOla Re
gentin (f 1178), S.202. AlfonsKdng
B. 1163 (t 1196), S. 211. Pedro lU
1204 in Rom (8. 211) gekfdat, kSft
1212 die Mauren besiegen, S. 212; fiOt
13. September 1213. Kteig Jajae I.
(1213-1276), S.213; bekriegt Majom
Register.
537
S. 314—215. Don Jayme, und „die
Töchter EvaV, 8.22^-224, ?33; Don
Jayme als Zangenabschneider , S. 233,
nnd als BOsser, S. 234, erobert die
Balearen und das Königreich Valencia,
S. 214—217—220. Ar. von der Erobe-
rung Valcncia*s bis zn seiner Verbin-
dung mit der Krone von CastiHen
(1248—1479), in. 1, S. 236-816. Don
Jayme I., S. 236—237. Als Begent
vergleichbar Ferdinand III. von Casti-
Hen, in seinem Privatleben aber sehr
bemaekelt, S. 241 ; soll 2—5000 Kirchen
hergestellt haben, S. 242; seine Ehen,
S. 242 (Qemahlinen) ; theilt seine Staaten,
Bund mit Navarra, S. 243; seine Söhne,
S.243— 24 1 ; theilt wieder im Jahre 1 262 ;
gegen die Mauren in Murcia 1265 bis
1266, S. 244; sein geplanter Kreuzzng,
S. 244—245; ist 1274 auf dem Concil
zn Lyon, S. 244—245; legt das Gewand
0. S. Bern, an 1275, S. 245 — 246;
1 25. JuH 1276, S. 245. König Pedro UI.
1276, S. 249; will Navarra erobern,
S. 250; nimmt Sidlien, 1282, S. 251.
P. Martin IV. der „Franzose**, gegen
ihn, S. 251—252; sezt ihn als König
von Aragonien ab 1283 (Carl von Anjou,
t 1285), S. 253. P. Martin, 1 28. März
1285. Krieg mit Frankreich 1285, S. 253.
König Pedro III., f 10. November 1285,
S. 253, »der Grosse". Alfons III. (1285
bis 1291), S. 254—255. P. Honorius IV.
gegen ihn, dann für ihn. Don Jayme II.
(1291—1327), S. 255; 1297 in Rom.
P. Bonifaz VIII., S. 255, er wird von ihm
mit Sardinien und Corsika belehnt; sein
Bruder Friedrich, König von Sicilien,
S. 256. Don Jayme II. erklart sein
Reich als nntheilbar; erobert Sar-
dinien c. 1322; gegen die Pisaner,
S. 281; Don Jayme anerkannt 1324,
13:^6, t 2. November 1327, S. 282.
König Alfons IV. (1327-1336), S. 282.
Pedro IV. (1336—1387), S. 286; seme
Chronik, S. 286; erobert die Balearen
1343, S.2i57 ; Kriege mit Castilien, S. 289
bis 290; 1378 fallt Sicilien an Aragonien
zurfick, S. 290; 1 5. Januar 1387, S. 290;
König Don Juan I. (1387), S. 292.
für Clemens VII. von Avignon, f 19. Mai
1395, S. 293. König Don Martin (1395),
S. 293, ganz für Peter von Luna, S. 294;
t 31. Mai 1410, S. 296; mit ihm stirbt
der Mannsstamm der Grafen von Bar-
celona ans. Congress von Caspe; die
Königswahl, S. 296. Ferdinand I. von
Castilien gewählt, 8. 296—297; Ara-
gonien und das Concil von Constanz
1414, S. 297; Ferdinand für Peter von
Luna, S.297; Ferdinand I., t 2. April
1416, S. 299. König Alfons V. (1416
bis 1458) will immer Geld vom Klerus
haben, 8. 300-801, 304; zerfallt mit
P. Martin V. wegen Neapel, S. 302 bis
303. Der Legat Cardinal von Foix ver-
handelt mitAlfons V. in Valencia, S. 305
bis 306. Aegid Mufioz (Clemens VIII.)
fallen gelassen, S. 307. Mufioz ent-
sagt feierlich, S. 807. PefiiscoUi nicht
mehr schismatisch, S. 307—308. Alfons
giebt 1429 den Forderungen der Kurche
nach, S. 309. Reformen Alfons V.; seit
1443 in Neapel, S. 313; belehnt von
P. Eugen IV. mit Neapel (t 1458). JuanD.,
König von Navarra (1458-1479). In-
quisition in A. seit dem 13. Jahrhun-
derte, III. 2, S. 12—14. Nene Inqui-
sition 1484-1485, ni. 2, S. 23—24.
Aranda, 1766 Präsident von Castilien,
III. 2, S. 357—359; vertreibt die Je-
suiten, am 31. März 1767, S. 359 bis
360; Gesandter in Paris, S. 372, 374,
376; 1794 gestürzt vonGodoy, 8.877,
t 1799.
Arbuös, Pedro hl., geb. c.1442, studirt
in Huesca und Bologna; Chorherr in
Saragossa 1474, III. 2, S. 25—26, wird
Inquisitor 1481, S. 26—28; seine Thätig-
keit als solcher, S. 27—32; die «neuen
Christen** beschliessen seinen Tod, S. 33
bis 34; stirbt als Märtyrer 17. September
1485, S. 34-35. Folgen seines Todes;
seine beständige Verehrung; Heilig-
sprechung, Biographieen, S. 35--43«
Arevalo, Faustin, S. J., II. 1, S. 343
bis 344 über Dracontins; edirt den
Isidor V. Sevüla, IL 2, S. 113; edirt die
chrisüichen Dichter 1791; II. 1, S. 135;
t in Madrid 7. Januar 1824, 111. 2,
S. 438-439.
Argentea, hl. Martyrin von Cordova,
538
Register.
II. 2, S. 441-442 und der GaUier VdI-
fura (t 13. Mai 931).
Arjona, 306 Pfarrei, II. 1, S. 18—19;
III. 2, S. 481.
Arnobius, der Rhetor, I., S. 90, 94,
95, 98, 280.
Arule, Kirche v., 1157 geweiht, III. 1,
S. 201—202.
Asidona, B, I., S. 64; als B. genannt
zuerst im Jahre 619; II. 1, S. 418;
IL 2, S. 83, 89; besteht im Jahre 862,
U. 2, S. 321; hört nach 1144 auf,
HI. 1, S. 47; Bischöfe sind nachweisbar
von 619 bis 1145.
Astigi(8), Ecija, B., I., S. 56, 65, 69,
71, 142, 362—363; s. Crispinns, Paulas;
besteht als B. im 6. Jahrb., II. 1, S. 418,
B. Pegasius, 570, U. 2, S. 19 — 20;
vor ihm Gaudentius, S. 19—20; die
Bischöfe Marcian. und Habentius 630 bis
638, II. 2, S.121, 123; B. Leobesindus
839, II. 2, S. 312, 321; im Jahre 1240
wieder erobert, III. l, S. 48. (II. 2,
S. 449; III. 2, S. 472-481).
Astur ica (Astorga), B. vor dem Jahre
254, I., S. 57, 147, 236, 242—251. Das
Verhaltniss der beiden Bisthflmer A.
und Leon, S. 256—260. Bedeutung und
Grösse von A., 8. 256—257. A. und
Palentia, IL 1, S. 449—450; Metropole
bis 457, II. 1, S. 456-467. Eb. Do-
mitian im Jahre 343. Eb. Symposius
weiht seinen Sohn Dictinius als B.,
456; dessen Traotate, 459. Eb. Turibi^is
446, II. 1, S. 456, 458, war Eb., und nicht
Notar P. Leo*s I. A. erscheint 572 als
B., S. 462, 468. Bischöfe: Dictinius
(IL 1, S. 478), Turibius c. 444, S. 475
bis 479; seine Briefe. A. zerstört von
den Westgothen 457, zwei Bischöfe
gefangen 483, auch Palentia zerstört
Synode c. 842—850, IL 2, S. 350,
Bischöfe, S. 351, 353. Synode v. J.
946, S. 401 (406.)
Asturien, seit Pelajo c. 719 König-
reich; sein Sohn Favila, Alfons I.,
IL 2, S. 244, der Katholische. Fruela L,
Don Aurelio, sein Sohn Bermudo IL,
. Alfons IL 792, IL 2, S. 244—246. A. im
9. Jahrhundert, S. 339—353. König AI-
fonsIL, d.Keu8che, S.339— 340. Oviedo
Residenz; König Ramiro (842-65(0.
gegen die Normannen, S. 340. Ordoöol.
I (850—866.) Albailda, 8. 340. Die Hör-
mannen, S. 340—341. Alfons HL m.
Lange und glQckliche Regierang; last
sich in Leon nieder, S. 344. Edsig-
reich Leon; Bnrgos; der ChroniitSe.
bastian von Salamanca nach 880, S. ^
bis 313. (Chronik Alfont IIL) tw
Wamba bis 866. Pelagins (Chnmie.
Albeldense, Aemilianense). König Or-
dofio I., S. 344. Condlien zttO?iedo{?)
S. 347—349. Logo war Eb. nnd MA
Oviedo, S. 348—349. Bischöfe A m
Jahre 881—883, S. 351 ; viele reaigmrte
Bischöfe, S. 351 ; das Reich A. 900 i^,,
S. 397; Bischöfe in und um Oriede
i. part. Inf., S. ;i98— 099; Könige bis
910, s. Leon.
Asturius, B. von Toledo c. 3^8-400
L, S. 330—332; IIL 2, S. 504. '
Asylrecht, IL 2, 8.401; IIL 2, S.339.
Ateva, Pfarrei 306, IL I, S. 16; IIL!,
S. 481.
Athanasius, hl., s. Hosios.
A thanasi US, Mönch vom Kloster Bsiänf
IL 2, S. 364; III. 2, 8. 505.
Augurius, Märtyrer 259, 1^8.265-969;
HI. 2, S. 499.
August in, hL, gegen d. PriscillianisteB,
IL 1, S. 401—403, B. CcHisentioa, Ork
sius.
A ugustu s, Eintheilung Spanien's in dro
Provinzen unter ihm, IL I, 8. 170— 17L
Aurasius (B. von Toledo c. 603-615).
IL 2, 8. 474—475; UL 2, & 503.
Ausonius und Hispalis, I^ S. 390 bii
392; A. und Paulinua von Nola, ü. l
S. 324 (289).
Autodaf 6'8, die, III. 2, S. €0; flii i-
vom Jahre 1784 su Madrid, 8. eCMl
66; A. zu VaUadoIid 1569, S. 186; n
Sevilla 1559—1560, 8. 199*
Avienus, Sextus-Rufus, L, 8. 53; 64»
163, 197; IIL 1, 8. 449-451.
Avila, B. vor dem Jahre 382, I^ 9l 150
bis 153 (345 sq. s. Vlnoent); 0. J.
S. 372-373 ; IL 2, S. 16, 250; DL l
S. 397, 475—476.
Avila, Juan de, der ehrwürdige, Apoatel
Andalusiens (f 1569), IIL 3, S. 159-1^
Register.
639
Aviflorden inPortagal, III. 1, S. 57—58.
Avitns, zwei Priester dieses Namens,
von Bracara, II. 1^ S. 404*-405y 465.
Aymerich , Mic, Inquisitor, IIL 1, 8. 2^9
bis 292; III. 2, S. 13—14.
B.
BacftQden (Bagauden), I., S. 278; IL 1,
S. 468, 482.
Bacch iari as, der Mönch, seine Schriften,
II. 1, S. 411—413.
Badajoz (I., S. 391), B. seit 1255, IIL 1,
S. 60; III. 2, S. 323—324.
Barte, verboten, III. 1, S. 379.
Baeza (Beatia), vonCastnlo das B. hie-
her verlegt im 7. Jahrhundert; wieder
erobert 1147 und B., HL 1, S. 48—49,
145; c. 1236 nach JaSn verlegt
Balearen , die Bischöfe aaf den B. schei-
nen im 4.-5. Jahrhundert den B. von
Barcelona als ihren Metropoliten aner-
kannt zn haben, II. 1, S. 187—189;
IL 2, S. 33-34, 439; sie werden er-
obert von Jayme L von Aragonien 1229,
III, 1, S. 214—215; and im Jahre 1236
das B. Palma errichtet, S. 215—216;
die Balearen hatten eigene Könige von
1236—1343, fallen aber dann an Ara-
gonien, III. 1, S. 286—287.
Balmes, Jayme (1810, f 9. Joli 1848),
IIL 2, S. 451.
Barbastro, das B. von Roda nach B.
fibertragen, geht aber 1149 aaf Lerida
Aber, IL 2, S. 425: UL 1, S. 195, 200;
wieder B. von 1571—1851, HL 2, S. 468
bis 469.
Barbe, 306 Pfarrei, IL 1, S. 15; IIL 2,
8. 481.
Barcelona, B., L, 8. 254, 260, 273 bis
274, 279. Caonfat von B., 303—305;
s. Ealalia. Erster bekannter B. (£b.)
Praetextatos 343, IL 1, S. 187-189;
B. Pacian. (s. d.); Nnndinarios c. 460,
II. 1 , S. 430; Irenaens 460, von Tar-
rassa, S. 432; Synode c. 540, S. 437
bis 438; Nebridias o. 540, 411, IL 2,
S. 200; B. und die Balearen, IL 2,
S. 439; zweite Synode v. J. 599, U. 2,
S. 26—27, mit 13 Bischöfen and 4 Ga-
nones; erlangt 1058 das (erneuerte?)
Privilegiam über die Balearen, S. 439;
Eb.B. ? 579—586 «Heerlager* d. Gothen,
S. 60-61. £b. der Gothen? B. Se-
Veras c. 614-633, S. 79; IL 2, S. 179.
Qoiricus, Idalius, B. der «dvitatnla*,
S. 179. B. erobert von den Franken
801, 8. 354. Nach 693 bis 858 keine
Bischöfe bekannt; c. 906 (907) Synode,
S. 424. NeueKathedrale geweiht 18. No-
vember 1058. Gemischte Synode 1C09,
S. 432; 40 Canoniker, S. 438. — Die
Grafen von B., II. 2, S. 354. Erblidie
Grafen: Ramon Berengar (1017—1076),
S. 423; Bamon Berengar IIL, IIL 1,
S. 186 (t 1131); Ramon Berengar IV.,
König von Aragonien 1187. B. Uni-
versität 1507, III. 2, S. 137. Revolu-
tion 1835; Greuelscenen, III. 2, S. 446
bis 447.
Baria (Vera), IL 1, S. 21; IIL 2, S.481.
Baronius, Card, (f 1607); Annalen, L,
S. 6, 70, 387—389; s. Martyrologium,
L, S. 70, 77-78, 871; IL 2, S. 527;
er wurd „excludirt* wegen seiner ,Mo-
narchia Sionla".
Basel, Spanier (bes. Aragonier) auf dem
Concil von B., lU. 1, S. 406—407.
Basilianer, seit 1540 io Spanien, DI. 2,
S. 171.
Basllides, B. von Emerita? o. 250,
L, S. 236, 239-241, 242 flg., 246 bis
251, 262—264; lU. 2, S. 480.
Baskische Provinzen, kommen an Ca-
stttien, IIL 1, S. 185.
Basti (Baza),s. Acci:B.306,L,S.120— 123,
207; IL 1, S. 10; H. 2, S. 447; 1489
Baza wieder erobert, aber nicht mehr
B., IIL 1, S. 442-443.
Baudissin, Graf, Eulogius und Alvar
1872, m. 2, S. 505.
Bayer, Franz Perez (f 1794)« IIL 2,
S. 413-415.
Bayonne, IIL 1, S. 480.
Beatus, Gegner des Elipandus, II. 2,
S. 268; B. Adoptianer.
Beguioen, IIL 1, S. 277.
Belluga y Moncada, Lud., geb. 1662,
Card. 1719, IIL 2, 8. 329-330, 331
bis 334, 339-340 (f 22. Febr. 1743).
Beitran, Phüipp, Schriftsteller, lU. 2,
8. 415.
Benedict U., P. (681-685), und Julian
640
Register.
von Toledo, IL 2, S. 176; an die Spa-
nier, S. 230—231 ; Julian gegen ihn,
S. 234-236.
Benedict XIII. (Peter von Lnna) von
Avignon und sein Schisma, III. 1,
• S, 294-307, 394—398 (t in Peniscola
23. Mai 1423).
Benedict XIV., L, S. 78—79; III. 2,
S. 340, 344—346.
Benefioiarii, I., S. 265-266.
Benedictiner (and Glaniacenser), II. 2,
S. 276, 403—404,405, 413-415 v.Clugny,
418-419, 428, 440, 459—460; III. 1,
S. 170— 171 (Congr.v.VaUadolid),S.376.
Benifazar, Abtei 0. S. Bern., III. 1,
S. 234.
Berbern, die — in Spanien, II. 2, S.56.
Berja (Vergiam) bei Adra, I., S. 166;
das y. des hl. Otesiphon, S. 167 bis
170; Verehrung des hl. Ct. in B.,
S. 170-171, III. 2, S. 477.
Berengaria, Kaiserin (1128), III. 1,
S. 4% 50—51, 60 (t Febr. 1149).
Berengaria, Tochter Alfons VUI., Ill.l,
S. 59; Königin von Leon, S. 118, 127
bis 130, 151.
Bermudo L, 789—792, II. 2, S. 245.
Bermudo II., 952, II. 2, S. 400, 409.
Bermudo III., 1028, IL 2, S. 388, 400.
B er n al dez , Andr., Chronist, IIL 2, S. 15.
Bernard, 0. S. B., Abt von Sahagun,
1086 Eb. von Toledo, IIL I, 8. 3, 4;
Primas 1088; päpstlicher Legat, S. 12
bis 15,50; 15-17 wieder Legat, S. 18
bis 19 nimmt Mönche 0. S.B. aus Gal-
lien mit sich, f 2. April 112(6?), IIL 1,
8, 187.
Besalü, Synode v. J. 1077, IL 2, S. 439
bis 440.
Besessene, IL 2, S. 164.
BibelQberseznng, die vetusitala vor
Hieronymus stammt nicht aus Africa,
sondern aus Italien, I., S. 86—101;
IIL 2, S. 501.
Bigamie und Inquisition, IIL 2, S. 62.
Bilbilis (Catatayud), L, S. 133, 167, 204.
Bischöfe, als Aufseher der Beamten,
IL 2, S. 13; was sie an Leistungen
verlangen dürfen, S. 13; IL 2, S. 23
bis 21; Bischofswahlen, IL 2, S. 26.
Bischofeweihen, Erfordern, dazu. lUi-
terati als Bischöfe, S. 54; Biaefaois-
wahlen durch die Könige, S. K);
Bischöfe vor den Priestern
haben, S. 86—87; Bisehöfe ttata
sehr gern in den Hanpietadten, S. 1S6;
ihre Eigenschaften, S. 415-416. AB-
mSlige „Provision' der Bischöfe, ULI,
S. 264. Bischöfe, die, in dem Zeit-
räum 1760-1808, in. 2, S. 3^-«8.
Die spanischen Bisthamer 1833—1817
verwaist, IIL 2, S. 448-46^. Spi-
nische Bisthfimer nach dem Ooocor-
dato von 1851, IIL 2, S. 468—469.
Bivar, Frz., Geschicfatsialaeher, I^
S. 253.
Bobadilla, Frz., lässt den Colombss
in Ketten legen, III. 2, 8. 103—104;
s. Schiffbruch.
Bocanegra, Frz., Schriftsteller, IIL 2;
S. 415.
Boil, Bern., 0. S. B., Miamonar in Amt-
rica, 1493; lll. 2, S. 96—100.
BoUandisten (Acta Sanefiomm), L
S. 70—71, 168—169, 360. Die ft eise
Zeit lang in Spanien (wegen der Cv*
meliten) verboten, III, 2, S. 325-327.
Bonifacius, hl., IL 2, 8. 240.
Bonifacius VIIL; s. Aragonien.
Bourbon, Cardinal (mit acht Jahrea),
IIL 2, S. 334-435; resignirt 1755 und
heirathet, S. 366-367, f 1786.
Bourbon, Luis IL, Sohn des ObigCB,
Cardinal 1800, 111.2, S. 389-390-391,
t 19. M&rz 1823, S. 483; 395—38«;
legt sich allemnterthinigat NapoleoD L
zu Fassen, S. 428.
Bracara, Eb. seit c. 457. R Paten«
0. 380-400, IL 1, S. 46«. K Bilco-
nius c. 415, 8. 458. Eb. Profutunis na
538-544 und P. Vigüius, S. 459-460.
Eb. LucretiuB 563; erstes Condl 56L
IL 1,8. 444, 456, 461, 472. Eb. Martm,
vor ihm nur 4 Bischöfe bekannt; MirtiB
vorher B. v. Dnminm; a. (20 Synode
V. J. 572; eifert auf Astorga; drittelnd
lezte Synode v. J. 675, S. 4«2-464i
IL 2, 8. 165-166. — Bracara 1071
restitulrt, IL 2, 8. 407; Im 9.-ia
Jahrhundert Bischöfe i. p. lafideL,
S. aM; IL 2, 8. 251-252. Bncsn
und Petrus Bathensis, IL 2, S. 364.
Begister.
541
Eraga will den Primat von Toledo nicht
anerkennen, IlL 1, S. 21—22, 26;
Erzbisehöfe 1095 — 1228, UI. 1, S. 77
bia 79; Eb. im 14. Jahrhondert, III. 1,
S. 336; Eb. 1372—1467, S. 343; Eb.
1467-1505, 8. 351 , III. 2, S. 605—506.
Braulio, B. von Saragossa (630 bis
0. 651), fiber die berühmten Mähner
von Galicien, II. 1, S. 471; Br. und
Isidor von Sevilla; Br. an König Chin-
daswinth, IL 2, S. 126, 132-134, 138;
Leben und Schriften, S. 145—149;
44 Briefe von ihm, S. 146; Br. nnd
seine grosse .Hitze*'; Fructnosns an
ihn, IL 2, S. 156, 164—166, 169, 187.
Bnlgaranns, der Graf, IL 2, S. 68;
seine Briefe.
Bullas, las, L, S. 153—154.
BurgoB, Concil in — nimmt die rö-
mische Liturgie an, IL 2, S. 460—461 ;
B. Simon ;BurgoB-Oca seit 1075, IIL 1,
S. 10; 1096 exempt von Toledo, S. 10;
wieder exempt 1163, S. 28; Concil
in B. 1136, S. 32 — 34; das Kloster
Cisterc. las Huelgas, S. 128—129; Ka-
thedrale gebaut von B. Mauritius, S. 142
bis 143; lU. 1, S. 171.
Bnriel, Andr. Marc«, S. J., Schriften,
IIL 2, S. 415-416.
Basse (Kirchenbusse), IL 2, S. 12, 27,
32, 98—99, 122, 124; IIL 1, S. 404;
8. Elvira.
c.
Caballero, Bern. Fr., Eb. von Saragossa
(t 1843), UI. 2, S. 445—446.
Cabra (Egabra), B., IL 1, S. 11; IIL 2,
S. 481.
Cadix, Kloster, IL 2, S. 154; Cad. B.
1267, III. 1, S. 352, ist wohl das wie-
derhergestellte B. Asidona.
Caesar ins, Abt von Montserrat, läset
sich in Compostella zum Erzbischofe
von Tarraco weihen, wird aber nicht
anerkannt (945 bis c. 971); IL 2,
S. 382-387, 427—428, exemter Abt;
nennt sich noch 978 Eb. (L p. infid.),
(t 980 oder später.)
Calahorra, B., 1045 wieder erobert,
IL 2, S. 413; neues Bisthum, S. 414;
Nagera und Alava gehen in Cal. auf,
S. 414, s. Fibttlaria.
Calatraya, Ritterorden von, HL 1, S. 38,
54—55, 122, 173—174. Cal. und Mon-
tesa, S. 279—280.
Caliabria, B. von kurzer Dauer, IL 2,
S. 142.
Calixt IL, P. (1119-1124), IIL 1, S. 16;
C. und seine Sorge um Spanien, IIL 2,
S. 191; s. Didacus G.
Campoman es, Fiscal, sein Leben und
Streben, IL 2, S. 358, 369, 373.
Canarias, Christenthum und Bisthum,
III., 1, S. 169.
Cano, Alphons, B. und Schriftsteller
(t 1780), IIL 2, S. 416-417.
Canoniker, die, IL 2, S. 404; in Cata-
lonien, S 426, 432—33; C. nnd die
„Canonica'', S. 432—434, 438; C. in
Oerona, S. 436; in Dertosa 1158, 111, 1,
S. 189, 201, s. Arbu6s, Tarraco etc.
Capmany, Ant. (t 1813), IIL 1, S.168;
III. 2, S. 417-418, seine Schriften.
Capuziner, in Spaniens. 1578, III, 2,
S. 171.
Caracciolo, Frz., nnd die „mindern
Briider«, IIL 2, S. 292.
Cartesa, s. Cazorla und Carteja.
Carl V. (L), in Spanien, gb. 1500; kommt
1517 nach Spanien, IIL 2, S. 149; ver-
lässt es 1520, S. 152; kehrt 1522 zu-
rück, hält 1523 Cortes zu Valladolid,
will Geld und immer Geld, S. 156;
C. nach dem Aufstande der Comuneros,
seine Ehe mit Elisabeth v. Portugal 1526,
wohnt in Granada, verhandelt gegen
die Moriscos» S. 158; nähert sich 1527
dem P. Clemens YH., S. 161—162; Carl
und die Nuntiatur in Madrid, S. 162 bis
164; wählt Bischöfe zu den höchsten
Staatsämtem, S. 164; „die Königliche
Kammer"* seit 1518, S. 164—165; Ver-
trag von Barcelona von 1529 mit Cle-
mens VIL, S. 165—166; 1530, 22. Febr.
(an seinem Geburtstage), zu Bologna
von Clemens VIL gekrönt, S. 166;
drängt „Administratoren" in die Bis-
thfimer ein, S. 166—167; C. in be-
ständiger cieldnoth, presst die Kirche,
S. 168—169; verkauft die Gfiter der
Ritterorden, S. 169; .rächt sich an Adel
und Clerus 1538, S. 170; driickt das
ganze Land mit seinen Abgaben, S. 170;
642
Register.
iBchOzt die Indianer, S. 116—117; seine
grossen Verdienste am America, S. 172
bis 173; dankt ab 1555—1656, S. 179
bis 180; geht nach S. Yost, f 20. Sept
1558. Melanchton und Andere Aber ihn,
S. leo— 183; wird erst sehr spSt in
Spanien popnlXr, S. 183; G. and die
Inqaisition, IIL 2, S. 54.
Carl IL, der lezte Habsbarger (1665 bis
1700), m. 2, S. 287—303; geb. 1661;
Königin Mariana, Reichsyerweserin; der
Jesait Eberh. Nithard, ihr Beichtvater;
C. IL zwei Ehen kinderlosi; C. IL be-
hext? S. 294—297; C. II. ohne Erben,
S. 298; der P. soll Aber die „Erben*"
entscheiden, S. 298—299 (hat es aber
nicht gethan, S. 531—532); C. wird
gezwangen, sein Land den Boarbons
zu vermachen, S. 299—300; f 1. No-
vember 1700.
Carl UL and IV. (1759—1808), «die gros-
sen Königlichen aSger«*, IIL 2, S. 348
bis 426; C. IIL, König von Neapel
1735—1759, S. 348; 1759—1788 von
Spanien; seine gaten Eigenschaften,
S. 348—349; die er aUmählig verliert,
S. 350; würd ein exdasiver Jäger,
S. 349—350; seine Jagdpartieen, Thier-
and Menschenqafilereien, S. 350—353;
Brader Sebastian vom Kinde Jesu,
S. 353-354; C.'s italienische Minister
Grimaldi (S. 857) and Sqailace, S. 354
bis 355; Aaf stand vom 26. März 1766
zanächst gegen Squilace, S. 355—356;
C. IL durch den Aufstsnd verbittert,
8. 357; Aranda, General-Capitän und
Präsident, S. 357; Vertreibung der Je-
suiten, S. 357—358; Roda und Aranda
verbunden, S. 358; C. III. wird Feind
der Jesuiten, S. 359—360; deren Ver-
treibung 31. März 1767; weitere Schick-
sale der Jesuiten, S. 361—363; bis
1821; C. IIL gegängelt und getrieben
von den Kirchenfeinden, S. 363; C.'s
einzige Gemahlin, S. 367; und seine
Kinder, S. 367; C. Wittwer von 1760
bis 1788; Wirren wegen der Verbau-
nnng der Jesuiten, S. 867; die Nonnen,
S. 86S— 369; C.'s Freude Aber die Auf-
hebung der Jesuiten, S. 370; die spa-
nischen Bischöfe in dieser Affaire, 8. 370
bis 371 ; C. IIL and die «iinbdieckta
Empf ängniss Mariens,« S. 372; Anocü-
sation des Kirchengntes, S. 373; Ob!
t 14. Dec 1788, 8. 875.
Carl IV. (1788-1806). S. 376-383; km
theure und schleppende BoadRiK»
S. 380—388; entthront 1806, 8. 8».-
Blfithe der Literatur mter a UL nd
C. IV.; allmähliger Ver&ll, 8. m I»
423; seine Ctoldnoth, In der ihm Ron
allzeit helfen soll, 8. 433-425; a jiTs
bis ihm Ni^leon L sn Bayonne m
Land und Volk abjagt (1808), S. ifi
bis 428; er taucht in der Gesdücbe
unter nnd taucht nicht mehr aaf; t ^^'
hissen zu Neapel 19. Jan. 1819.
Carlos, Don, unglficklicher Soim Fli-
lipps IL, UL 2, S. 221—223; füH
1568, S.531.
Carmeliter, s. Bollandiaten, Johanans
Kreuz, Theresia.
Carranza, BarthoL, £b. von Tuki
III. 2, S. 199—200.
Carrillo, Alfons, Cardinal (f 1434), DLL
8. 409.
Carrillo, Alfons (Aenfia de), Eb-vca
Toledo (1446—1482), ein turfoolater
Kirchenf&rst, UL 1, S. 428; seine Coe-
cilien; Gegner Isabella's IL, S. 433ba
434; muss zurückgezogen leben, S.4^;
schreitet im Auftrage P. Siitos IV.
gegen Petras Martinez de Osmt ä,
S. 433-437; f 1482, UL 2, S. 2a
Carrion, Kloster 0. S. B., Coacflia
Jahre 1130, UL 1, S. 31— ^12; dmB<
schöfe daselbst abgesezt.
Cartaginiensis, Kirehenproviu t«
c. 343—610, IL 1, S. 442-456; Cr
thago nova 425 zerstört; die 23 Bis-
thümer der Provinz sehr getresat.
S. 442; Eb. Hilarios? o. 400, S. 443 bi
444; U. 2, S. 471—472; Mctropo»
Heotor (516), II. 1, S 444-445 (!«:;
H. 2, S. 371 ; Celsinos, MetropoUt (5k;
IL 1, S. 452—457; Cart Uetn^
C 600, IL 2, S. 58-54, 70-71; Ctii
(Mnitsia), Bisthom 1255, III. 1, & S^;
Adminiatratoren desselben, lü. 2, S. l*^
bis 167, 603—501.
Carteja, kein Btsehofeitz, I., 193-U^
Carterins, B., seine zweite £he, H 1)
Eegifiter.
543
S. 870; ein anderer besserer Carterins,
S. 471.
Carthansen, in Spanien, Ilf. 1, S. 225.
Carnla, Pfarrei 806, II. 1, 8. 15; III. 2,
& 481.
Carvajal, y Lancaster, B. von Cuenca,
im Conflict mit der Beg^erung Carrs III.,
III. 2, S. 369—370.
Casas las, III. 2, S. 95; nnd die Skla-
verei, S. 98; kommt 1502 nach Amerika;
sein Leben nnd Wirken, S. 112; C. L.
nnd die Negersklaven, S. 113; wird
1522 Dominikaner, S. 116; B. von
Ghiapa, S. 118; C. L. nnd Verapaz,
S. 119; Wirken von 1539 an, S. 172;
1544— 1550 Bischof von Ghiapa, S. 174
(t 1566, 92 J. alt).
Casiri, Mich., Mar., I., S.175; III.2,S.4l8,
Caspe, s. Aragonien.
Cassianns, Märtyrer von Tingis, I.,
S. 291—292; C. nnd die Gassianiten,
11. 2, S. 313—315.
Castilien, die Beiche Gastilien nnd
Leon im 12. Jahrh. (Castilien fangt
eigentlich mit 1085 oder der Erobemng
von Toledo an), III. 1, S. 40—63,
8. Alfons, Dofia Urraca, Alfons Vll.^
Sancho III., Alfons VlII., Ferdinand III.
Das Reich Castilien von 1218—1492;
Ferdinand III. nimmt 1250 Xeres nnd
Cadix; er f 30. Mai 1252; Alfons X.
(1252—1284), S. 358—369; Sancho IV.
(1284—1295), S. 376; Ferdinand IV.
(1295-1312), S. 281; Alfons XL (1312
bis 1350), S. 382; Pedro der Gransame
(1350-1369), S. 386—389, „der Tiger
von Castilien*. Heinrich von Trasta-
mara (1369-1379), 8. 38^ 390—391.
König Jnan I. (1379—1390), S. 392;
seine Stellung in dem abendländischen
Schisma; verwirft 1381 ürban's VI.
Wahl als Papst, S. 393-395; Enri-
qne 111.(1390), S.395, nnd das Schisma;
kehrt zu der Obedienz Benedicts XIII.
zurück 1102, S. 396, und hat wieder
Conflikte mit ihm, S. 396 (f 1406),
S. 402. König Juan II. (1406), S. 402,
steht unter Alvaro de Luna (f 1454),
S. 425. Okinz- und Schattenseiten
des Episcopats im 15. Jahrhunderte,
S. 421—123. König Juan II. f 20. Juli
1451 (nicht 1554, wie es S. 425 heisst).
König Enrlqüo IV. (1454—1474), S. 425.
Krieg zwischen Isabella nnd Johanna
la Beltraneja, S. 481; Krieg mit Por-
tugal, S. 432. Eb. Carillo gegen Isa-
bella, S. 432; Krieg mit den Portugiesen
1474—1479, S. 433—434. Krieg Fer-
dinand*s V. nnd IsabelU's gegen die
Mauren von Oranada seit 1481, S. 439.
Malaga erobert 1487, S. 441 ;Baza 1489;
Oranada 2. Jan. 1492, S. 444-456.
Castro, Jos. Bodriquez, spanische Bi-
bliothek, III. 2, S. 418.
Castromorel, Concil 1157, III. 1,S. 201.
Castulo, eines der ältesten Bisthttmer
in Spanien, I., S. 53, 56-57, 66, 119,
128, 188—189, 200—203; G. 343 Eb.?
II. 1, S. (10) 187.
Catalonien, s. Barcelona u. Aragonien,
Gatharina, die hl., von Alexandrien
und (seit 521—525) vom Berge Sinai,
II. 2, S. 888-390; III. 2, S. 605.
Gatharina, Infantin, III. 2, S. 124.
Cazorla, I., S. 195; hat am meisten Wahr-
scheinlichkeit für sich, das Carcesa d. hl.
Esitius zu sein,S. 198-201; IlL 1, S. 144.
Gerda y Rico, Frz., Herausg. von Chro-
niken, III. 2, S. 418.
Geretius, gallischer B.?; hl. Augustin
an ihn, II. 1, S. 403.
Genta, B. 1421—1851, III. 1, S. 1C9,
342; III. 2, S. 468.
Chelidonius; s. Emeterius.
Chindaswinth, König, Eindringling,
II. 2, S. 124, J. 642 (t 652), 8. 127, 133
bis 131, 139.
Chintila, König (636 f 640), II. 2, S. 119,
121.
Chrisma, II. 1, S. 461; s. Montanus,
S. 463; III. 1, S. 377, 383.
Christina, Maria, Regentin(tl878),III. 2,
S. 443, 451—452, 461.
Campeador, III, 1, S. 19—20.
Cienfuegos, Cardinal (f 1847), III. 2,
S. 448-449.
Cistercienser, III. 1, S.45— 55, 57 bis
58, 173, 177, 216, 234.
Giudad Bodrigo, B. 1175-1851, III. 1,
S. 60; III. 2, S. 468.
Gixila, Eb. von Toledo, Leben des
hl. Ildefons, I|. 2, S. 166, 246—247, 251.
544
Register.
.Glemens III. (1187—1191), asäTarraco,
III. 1, S. 199.
Clemens V., s. Templer.
Clemens VII., s. Aragonien and Casti-
lien.
Clemens XIII. (1758—1769) und KOnig
Carl III., III. 2, 362, 364—365, 375.
Cle m ens XIV. (1769—1774), und Carl III.,
III. 2, S. 360— S66 ; viele Concessionen
an Carl III., S. 371; die Nontiatnr ganz
„spanisch" (1773), S. 371—372.
Coelibat, II. 2, S. 11-12, 20, 25-26,
96-98, 127, 163—164, 166; III. 1, S. 144.
Coimbra, als B. bekannt seit 561, II. 1,
S. 425; seit c. 1064 restituirt, II. 2,
S. 408; Univera. III. 1, S. 326.
Colleotio eanonnm £ccl. Hispanae, H* 2,
S. 463—477, nicht von Lridor von Se-
villa; vor ihr bestehen andere Samm-
lungen; entstand vor 631, S. 464.
Maassen*s «Möglichkeiten*, S. 466,
sind keine Wirklichkeiten, S.468; die
Sammlung entstanden in Toledo um
610 — 612, S. 468—469. Innocenz I.
Brief an die Spanier (c. 404) ist in
unserer Sammlung verstümmelt, S. 470;
gegen Maassen^ S. 471 ; der Sammler
degradirt den Metropoliten Johannes
von Tarraoo 514—523 zum Bischof von
Elche, S. 471—472; Elche war 517
erweislich noch kein Bisthum, S. 472;
Felix Dahn über die Streitfhige der
Synode v. J. 610, und das «Decretum
Gnndemari", S. 473; die «Excerpta
Canonum" sind eine Art Uebersicht der
Sammlung, um 688 verfasst, wohl von
Julian von Toledo, S. 474; Maassen
«schweigt", S. 475; hat nichts bewiesen.
Die Handschriften der «CoUectio",
S. 476; Literatur, S. 477; III. 2, S. 502
bis 504; Felix Dahn gegen dieAecht-
heit der Synode v. J. 610.
Colnmbien, III. 2, S. 101.
Colnmbns (Colon), Christoph, entdeckt
America 1492, III. 2, S. 94; erste Fahrt
1492—1493, S.94— 95; Colon in Barce-
lona, S.95; zweite Fahrt 1493, S.96— 97,
99—100; hat viele Gegner (1494—1496),
S. 100; seine schweren Missgriffe, S. 100
bis 101; verliert alle Fassung, S. 101;
dritte Seise 1498, S. 101 ; Verschwörung
der Spanler gegen ihn, 8. 101; die
„Bepartimientos* oder «EMomicidia*
eingefUhrt, S. 102; veriEanft die Isdii-
ner als Sklaven 1500, S. 103;
Schreckensheirsehafty S. 104;
In Ketten nach Spanien snritek; vierte
Fahrt 1502, S. 104; 1504 oeae Ea-
pOmng gegen ihn, 8. 105; kebta-
rück; sein gottergebener Tod 17. Ma
1506, S. 105; seine Verdienste osd
Fehler, S. 105—106; seine zwei Brtäer
und zwei SOhne, S. 106—107; daiG6
schlecht eriisoht 1576«
Communion, die, a. g. peregriaa, 11.1,
S. 240; Com. mit dem hl. Bbite, n. ?,
S. 164.
Complutum, B., L, S. 330—337; BLsodi
c. 854, II. 2, S. 356. ComphitsMer
Polyglotte, III. 2, 8. 137—138; i. AI-
cahi; Justus.
Compostella, II. 2, S. 366; v«kr
Iria, S. 351-358; Gnibde8U.JaM^
S. 362; Eirchweihe 899, 8. 366-XI;
Bischöfe von Iria and Gompoitefiik
S. 368; was bedentet ComporteBi?
S. 368—370, 375. Synode v. J. 106«,
II. 2, 8. 404-405; B. Didacu Pdiä
gefangen, III. 1, 8. 5; Comp, excnt
1095, III. 1, 8. 6-9; B. DahaitiBa,
III. 1, 8. 9; Htstoria ComposteQita,
S. 13-14, sq.; Condl v. J. 1114, S. 15:
£b. V. J. 1140 an, S 109—110 (bis 126^,
Eb. 1266—1305, III. 1 , 8. 372; Ek,
S. 382—384; Eb. v. 1367 aa. III.;
8. 395, 405 (15. Jahrh.). Coee. ds
k. Provinz 1565—1566 zu SahuBsso.
III. 2, 8. 187; III. 2, 8. 507.
Comuneros, Anfttandder, l.'UO— 1521,
III. 2, 8. 154; blutige Rache an ikscB,
8. 156—157.
Co e na, Bulla in C. Domini, zoent 1. Hin
1519 von Leo X. erlassen gegea &
^Administratoren* Croy von ToM»
und M. Lang von Morcia, ItL %
8.153.
Conantius, B. von Palentia, iL % &63.
72—74, 101, 120, 123.
Concilien, die Zahl nnd Zeit, fl. 2.
S. 13; allmähliges EriOadien der, f«
1582 an, lü. 2, 8. 190—191.
Conde, seine phantasiereidieCteschicte
RegiBten
546
der Mauren in Spanien (1820), III, 1.
S. 42—43.
Consentins, Schriftsteller, wohl auf den
Balearen, Angoatin an ihn, 11. 1, S. 898,
401—403.
Conatantins, Kaiser, I., S. 397, 399;
politische Eintheilong Spanien*s unter
ihm, II. 1, 8. 185, s. Hosios.
Constantinas, Chloras, sein Vater, I.,
S. 297—299, 874.
Constantias, Kaiser, der Arianer, I.,
S. 399; s. Hosius,
CoD stanz, apanische und portogiesische
Bischöfe auf dem Concil, lil. 1, S. 401
bis 402; die Spanier seit 1416 als fünfte
Nation; die Castilianer treten 18. Juni
1417 ein, S. 408; 11. Nov. P. Martin V.
gew&hlt, S. 404.
Cordnba, Bedeutung d. Stadt, I., S. 65
bis 66, 206, 232, ist reich an Märtyrern,
S.351. Die Märtyrer Faustus, Januarius
und Martialis, S. 351—355. Acisclus
und Victoria, S. 356—360. Zoylus und
seine. Gelahrten, S. 360—362. Bischöfe
Hosius, Hyg^nus, Stephanus, J. 504.
B. Agapius, II. 2, S. 86—87. Cord, und
die Adoptianer, II. 2, S. 264—265. —
„Die Bekenner und die Märtyrer von
Corduba«, 839—864, S. 299-338. Cord.,
kirchliche Hauptstadt des maurischen
Spanien's, S. 299—300. Lage der Mo-
zaraber, S. 800. Die „Comites** (Conden)
der Christen, S. 300. Die Kirchen, S. 301
u. Feste, die Glocken, S. 302. Einzelne
Kirchen in Cord., S.d02 (Samson, S.302}.
Kirchen u. KlOster in der Nähe, S. 303
bis 304. Kloster Tabanos, zerstört 853.
Schulen der Christen, S. 304. Klerikale
Tracht, S. 30i Der Klerus bartlos,
8. 304. Geseze u. Sitten der Christen,
S.304— 3a5. Tribute der Christen, S.305.
Fortbestehen der BisthQmer, S. 306.
Die Simonie, S. 306. Die Bischöfe Re-
cafred u.Saulus von Corduba, 306—307.
B. Valentins c. 860—863, S. 307. B. Ni-
fridins und Samuel von Elvira, S. 308.
Hostegeais von Malaga c. 845—865,
S. 30S-309. £b. v. Sevilla, Johannes
839, Recafred c. 850—852, S. 309—310.
Wistremir, £b. v. Toledo, 839 u. 849,
ein „herrlicher Mann% S, 310-811. Sy-
CHuM, ipMi. Klrclie« III, 2,
noden u. Haeresieen in den J. 839— 8G4.
Synode von Corduba v, J. 839, S. 311.
Ariulf, £b. von Emerita, 839-862.
B. Quiricus von Acoi 839. Concil ge-
gen die Akephaler, S. 813. Zu Epagro
die Casianer; acht Bischöfe, darunter
drei Metropoliten; Recafred, S. 315 bis
316, Wistremir, S. 815, EgiU? 815.
Casianer und Migetianer 816. Der
Apostat Bodo c. 839 — in Spanien — 840
(Eleazar), Briefe zwischen ihm u. Alvar,
S. 316—318. Die Antropomorphiten,
S. 318. Concil zu Corduba v. J. 852,
S. 318—319. Concil v. J. 862, S. 319
bis 320. Samson n. Hostegesis. BisohOfe
von Uroi, Basti, Astigis, Beatia, Asido,
Egabra und Elche im J. 862; B. Va-
lentins V. Corduba, S. 320—321. Ste-
phanus intrusus c. 864, S. 321. Die
Märtyrer von Corduba, geschrieben von
Enlogius. P. Perfecins 850, S. 321 bis
322. Joannes Confessor, S. 322—323.
Erzpriester Cyprian, S. 323. Märtyrer
Isaac, S. 323 (851). Viele andere Mär-
tyrer, S. 324—326. B. Recafred, S. 325.
Eulogius, Märtyrer 859, S. 826—330.
Abt Speraindeo, S. 330. Eb. Cyprian,
S. 830-331. Abt Samson, S. 331—333;
s, „Apologeticns*, S. 331. S. und Ho-
stegesis, S. 332—334; Priester Leovi-
gild, S. 334—336. Dsuard und Aymo
in Corduba, S. 334—336. B. Saulus,
S. 335—337. Alvarus, S. 336-338.
Bischöfe im 10. Jahrhundert, S. 442 bis
443. Kirchen und Feste im J. 961,
S. 449, mehr als zwanzig Kirchen
in und bei Corduba, S. 449—450.
Corduba .wieder erobert 1236, III. 1,
S. 157. Bischöfe von 1236 an, S. 157
bis 158.
Coria, 1142 erobert und wieder Bisthum,
III. 1, S. 44—45.
Cort es, die, kommen herab unter Carl V.
und Philipp II., III. 2, S. 170.
Coyanza, Concil v.J. 1030, II. 2, S.402
bis 404.
Crispinus, I, S. 65, 144; Märtyrer von
Astigis, S. 362— 3'>3.
Ctesiphon, hl., vonVergium, I., S. 166
bis 170; III. 2, S. 477.
Cuba, entdeckt v, Colnmbus 1492. Col
35
546
Register.
Ifisst seine Leute beschworen, dass sie
Festland sei, IIL 2, S. 94, 98-.99.
Gucafat, Märtyrer von Barcelona, I.,
8. 303-305.
Gnenca, erobert 1177, Bisthnm 1183,
hl. Julian, III. 1, S. 59; lil, 2, S. 498.
Gyprian, von Garthago, und die Kirche
Spanien's in den Jahren 2^^0—258, |.,
S. 236-264. Sein Brief an die Gemein^
den Astorga-Leon und Emerita, S. 236
bis 241; III. 2, S. 479—480, s. Gorduba.
D.
Daoian, konunt nach Spanien 304, I.,
S. 298—300; Dacian nicht in Evora,
S. 346—50; cf. 315—316, S. 325, 330
bis 331, 376 flg., 392.
Dahn, Felix, über toletanische Ffilschun-
gen, II. 2, S. 473; III. 2, S. 503— 504i
s. Gollectio.
Damasus, hl., Papst 866-384, II. 1,
S. 326—331 ; (426), wohl von GuimaraSs
bei Braga, s. Gedichte, II. 2, S. 192, 205.
Decius, Verfolgung unter, I., S. 216,
229, 407.
Dertosa, B., I., S. 57, 69; hl. Paulus
in Dertosa? S. 71—75, 204; IIJ. 2,
S. 472, s. Aragonien.
Despuig y Dameto, Anton., Cardinal
1803 (t 1813), ni. 2, 8. 390, 394-395.
D ext er, Sohn des Pacian, s. omnimoda
historia, wohl nie erschienen, II. 1,
S. 334—336, aber von den span. Ge-
schichtsbaumeistem fingirt
Deza, Didac, 0. S. D., zweiter General-
inquisitor, III. 2, S. 50, 56, und sein
Gehilfe Lucero, S. 57; 1506 Bevolte
zu Gorduba gegen ihn, S. 58; Deza
muss 1507 resigniren, S. 65. Eb. von
Sevilla (1505-1523), s. Synode daselbst
V. J. 1512, S. 58-69.
Diaoonen und Subdiaconen, II. 1, S.460;
II. 2, S. 97.
Dictinius, Eb.? von Astorga, U. 1,
S. 392—94; 11. 2, S. 156.
Dldacus Gelmirez, erster £b. v. Gom-
postella, III. 1, S. 9; darf 1104 das
Pallium tragen, S. 12—15; 1120 Eb.
und Legat, S. 16 — 17; zu Palentia
1129, S. 28—30; D. 1130 in Leon und
Carrion, S. 30-31, 33-34; D. allzeit
„pompOs*, S. 41 ; D. and Dofis Unaa.
S. 42, 65; D. und die Ktrahe des kl
Jacobus, 111.1,8.81—110; (1099-111^
B.; 1118 bis c 1139 Eb.; 1114 CoacO
zu Santiago, S. 81—86). P. Cafixt n.
giebt ihm das Eb. von Emerita 1120;
wird auch Legat des Papstes über dk
Kirchenprovinzen von Bracara lad
Santiago; Synode an Compoatafia v. J
1121; Concil v. J. 1122, S. 9i; Ceaa;
V. J. 1121, S. 95; »Gotteafriede«, S. SS;
Synode v. J. 1125, S. 9& D. ia Born
verklagt, 8. 100; sein Veikelir wt da
Pftpsten seiner Zeit, die er i**^»«*b
unterstOzt, um von ihnen in aeiaca
Planen uaterstOst an werden; Yeikek
mit P. Innocenz IL (1136—114^ S. 101
bis 103; D. nnd Pelagin von Braga»
S. 101—103; die Hiatoria Conpoüri-
lana (i. e, des Didacoa) reieiit bis Ili8,
S. 105 — 110; ihre Anlage und Ikr
Charakter von drei Verfiiaaeni, woroa
zwei «Cardinile* vonCompoetieOavanB
(Munio, Hugo und Gerardoa). Des D.
Verdienste, S. 105-106; f&hrt 72 C^
nuniker ein, 8. 106; die neue Ga<iicdjale,
8. 106; D. t nach dem 17. April IIS.
Dinia, s. Portogal, lil. 1, 8. 424— 43L
Diocletian, Spanien während der gros-
Ben Verfolgung unter D. und if«'gi»tM
I., 8. 289 flg. Anfang der DiocL T«-
folgnng, 8. 296—298. Die GifUide da
Christenverfolgung unter D., 8. ädS
bis 409. Ansbmeh der Yeildlgia;.
8. 396-397. Die vier Ediete; a Vi-
cennaUen in Bom, Nov., Dec. 908; ante
Martyrien; erkrankt wal der ffBiiiiia
nach Antiochten, dankt ab 1. Hai 305.
Dionysins Areopagita and D. vobFm,
1., S. 61; 216-217; H. 2, 8. 131
Dominicaner, in Afrika, HL 1, S. 16S;
176—177, 234, 289, 246-247; D. in P^
tugal, 8. 321-322; D. als iDqviaiioftB,
1II.2, 8. 12; ihr segeaareichea Wickaa (k
die Indianer In Amerloa a. 1510, IIL t
S. 109-112, 173—174; vide D. ab 6i>
schOfe daselbst, 8. 215— 2I& D. im
Spanien reformirt durch P. Pias T^
8. 196—197.
Dominicus hl., V. Siloa (tS0.Dee.l07J)^
II. 2, 8. 422 (und S. I>omingo).
Hegister.
547
Dominions, von CaJsadaCf 1109), III. ],
S. 172—173.
Dominicas, Oiizman, III, 1, S. 177.
Domitianas, I., S. 145.; D. £b.? von
Astorga, IL 1, S. 183 flg.
DonatuB, Abt von Servitaniun, 571,
II. 2, S. 55—57.
Dozy, R., I., S. 175; Ober Isidor von
Pace, II. 2, S. 241; Aber B. Beces-
mand, S. 448, 455; III. 1, S. 19 (Aber
Cid Campeador); S. 41 — 42 gegen
Conde; Hl, 2, S« 478 (fiber Elvira).
Dracontins, der Dichter, von Eugen II.
Qberarbeitet, II. 2, S. 183—135.
Dominm, Kloster und B., II. 1, S. 472.
E.
Egabra (Cabra), Bisthum vor 306; B. Sy-
nagios 306, il. 1, S. 11, 176; HischOfe von
589 an, II. 2, S. 15; Grenzstreit mit
dem B. Malaga, S. 85—86; hatBiscbOfe
862, S. 321.
Egara (Tarrasa), bei Barcelona, Bisthnm;
B. ireiaena c. 465, H. 1, S. 430-431;
Nebridins 516, S. 441; 448; 11. 2, S. 15;
Synode v. J. 614, S. 62—63.
Egica, KOnig (687—702), II. 2, 8. 175
bis 176, 180-181, 183; £. und Witiza,
S. 184—185; Wit. artet aus, 8. 184
(t 710, al. 711), S. 185, 8. „Defensa''.
Egila, Begionarbischof am Ende des
8. Jahrhunderts, II. 2, 8. 252—251, 258
bis 259, Schüler des Migetins?
Ehen zwischen nahen Verwandten, II. 2,
S. 438—440.
Elche (Uici) kurzdauerndes B., hat Bi-
schöfe 633 und 862, II. 2, S. 74, 321,
8. GoUectio.
Elepla, B., seit 589 bekannt, II. 1, 8. 418
bis 419; II. 2, S. 89; das.B. hört nach
1 1 44 auf, III. 1, 8. 47.
Elipandus, £b. von Toledo (c. 782 bis
600?), 8. Adoptianer, II. 2, 8. 186 bis
187; 860.
Elisabeth hl, Königin von Portugal
(t 4. Juli 1336), Ilf. 1, S. 331-333,
(275).
Elisabeth, von Farnese, zweite Ge-
malin Königs PhiUpp V. (f 1766), III. 2,
8. 365—366.
Elna, B, (spftter Perpigoan), II. 2, S. 434;
Cathedrale der heiligen Eulalia lOf.8,
8. 439.
Elotana, B. von kurzer Daner, II. 2, 8. 7.
Elvira, das heutige Granada, liegt an
der Stelle des alten lliberris, I., 8. 172
bis 178. Der heilige Caecilius in El-
vira, 8. 178—183; II. 1, 8.8—9; iden-
tisch mit Granada, III. 2, 8. 477—479.
Synode von Elv. I., 8. 2, 64, ^9, 118,
142, 162, 213, 248, 256, 267, 276, 279
bis 280, 286, 309. Die Synode v. Elv.
(Mai 306), II. 1,8. 1-134; III. 2, 8.4^1 bis
483. Elv., die dort erschienenen 19 Bi-
schöfe, IL, 1, S. 10—13; die dort erschie-
nenen 24 Pfarrer, 8. 14—21 . Die Er-
öffnung d. Synode, 8. 21 —22; Erklärung
d.81 Canones, 8. 23—136. Nativola bei
Elv., II. 2, S. 21—22; B. Egila v. Elv.?
8. 252; s. Mozaraber, Corduba, Beces-
mnnd, Gregor, Granada etc.
Emer ita (Merida), Eb., I., 8. 23G, 242 flg.
hat Bischöfe vor 254, S.251; 256— 2 '>7.
Bischöfe Basilides und Sabinus. Seine
(grosse) Bevölkerung, a 272—273. Die
heilige Eulalia von Emerita, 8. 364
bis 371. Falsche Alterthamer, 8. 391 bis
892. Eb. LiberiuB 314, Florentius 343
— 344, II. 1, 8. 314 — 315; Idatius
(Glarus?) 380, S. 395; Patruinus 400;
Gregorius c. 404; Antoninus c, 445, II. 1,
8. 420—121. Die Kirchenprovinz von
Emerita (Lusitanien), von 314.-589,
II. 1, S. 420—425. Eb. Antoninus c. 445
— 448 gegen die Manichäer. Eb. Paulus
c. 530—560; Grieche und „Arzt'<, 8. 421
bis 422; Fidelis, sein Neffe und Nach-
folger, S. 421— 421. Emerita, die reichste
Kirche in Spanien, 8.423; die Kirchen
in Em., 8. 423—424; Eb. Masona 571
bis 606, 8. 424—425; seine Verdienste
u. frommen Stiftungen; Kirchenprovinz,
II. 2, S. 16; 28. Synode v. J. 666,
II. 2, 8. 138—143, mit 12 Bischöfen
und 23 Cunones, über Gottesdienst,
Kirchenzucht und Kirchenregierung;
Eb. Proficius 666; unter ihm 11 Suf-
ft-agane; Eb. Ascaricus? c. 790, s. Ado-
ptianer. Der lezte uns bekannte Eb.
war Ariulf aus den Jahren 839 n. 862.
Das Eb. muss vor dem Jahre 1120 auf-
gehört habeO| weil es in diesem Jabr^
86«
548
Register.
nach Compostella übertragen wurde;
8. DidacoB Oelm.
Emeterias und Chelidonins, Krieger,
Hart3rrer von Galagurris, f. ), S. 59,
293--295; H. 2, S. 2ü0— 201.
Emmanuel, Kg. von Portugal (1495 bis
1525), IH. 1, S. 349-35!.
En Gratis, Martyrin von Saragossa, I.,
S. 308-309, 322, 329.
England, u. Spanien 1554—1559, III. 2,
B. 178; s. Philipp II.
Ephrem, der Syrer, nach Spanien seit
0. 780 wohl durch die Nestorianer ge-
bracht, II. 2, S. 256, 333, 338.
Epiphanins, von Salamis, I., S. 40 bis
41; fiber Hosius, II. 1, S. 259; III. 2,
S. 487.
Ermengol, hl., B. von Urgel (1010 bis
1035), Nachfolger seines Oheims SalU,
II. 2, S. 433-435; schon 1044 als Hei-
liger verehrt
Erwig, beseitigt den Kg. Wamba 680,
II. 2, S. 107-170; Erw. auf der Synode
von 683, S. 172—173, 174—175; (f 15.
— 24. Nov. 6S7), S. 167—177, 229
bis 230, 231-232.
Escalona, Romuald, Gesch. v. Sahagun,
0. S. B., III. 1, S. 17, 38, 60; III. 2,
S. 412.
Espafia, sagr., s. Florez.
Espartero, Baldemero (f Jan. 1878),
III. 2, S. 452; „Regent** (1840— lJ^43)i
muBS 1843 fliehen, S. 460.
Estella, erbaut, III. 1,S. 170; Synagoge
der Juden, S. 183.
Eugen 1., angeblich gesendet von Dio-
nysius Areopagita, II. 2, S. 194—195,
199, III. 1, S. 35-37, III. 2, S. 497.
Eugen I., von Toledo (636— G47), 11. 2,
S. 132, 138, 231, hat Zweifel an dem
römischen Primafc.
Eugen II. (647), s. Schriften, II. 2, S. 132,
188, 146, 149, 247.
Eulalia, die hl., von Emerita, Martyrin
10. Dec. 304?, I., S. 146; ihr Martyrium,
364-371, S. 281, 309,339, 111.2, S.480,
11. 1, S. 414—415, 429; ihre Haupt-
kirche, S. 428-424, IL 2, 455, III. 2,
S. 479, 499.
Eulalia, hl., Martyrin von Barcelona
12. Febr. 305?, I., 8. 306—319; Wider-
legung der Zweifel an ihrem XartyriiB,
8. 306—310; positive Beweise ftr die
hl. £. von Bare^ S. 311-314; die Pwi»
der hl. E., S. 315-317; ihre Yenirns^
in Bare, S. 317—319; ihre FesteNM.
IL 2, S. 200; ihr Grab gefimdeD ^:,
S. 359; Kirche in Corduba, 450, HL 1,
S. 237, III. 2, S. 480« s. Eloa.
Eulogius, Maotyrer 259, I.,S.S65I;.
Eulogius, Märtyrer von Cordobt, {.
S. 189, 297, 300, 314, 355, 358-461.
368—369, 383, II. 2, & 301-303; t
und die Metrik, S. 304 ; 306, 310-311.
318—819; Leben, Leiden mid Sehzif
ten, S. 826; Markier, 11. Min 8».
S. 328; Schriften, 8. 329, 887-3S;
in und über Navarra, 8. 364-355, tU
bis 358, 860.
Euphrasius, hL, von imtaigi, mm
Verehrung, I., 8. 186—192. Mane tm
Bischofen, S. 190—191, II. 2, a S?.
III. 2, 8. 479.
Eutropius, Abt von M. Serrilaiii
584, II. 2, S. 8; B. y. Valencia, S.6;
bis 59, 74, 153.
Evora, Bistbum 306, IL I, S. 10, li
Bischöfe, II. 1, 8. 425.
Eximino, Ant, S. J., ilL 8, S. 4I&
F.
Falschmflnaer, III. 1, 8. 30.
FaustinuB und MaroeUinns, dieUfCt^
schmiede, I., S. 69, IL 1, 8. 25$, S75.
310-317, III. 2, 8. 487.
Felicitas und Perpetua, I., 8. SS-ST-
Felix, B. von Saragoasa (e. 850-i^).
I., 8. 239, 248, 853—266.
Felix, B.von Astorga (e.261), US.^
239, 243 flg.; das Biathnni da F,
8. 246—250.
Felix, Presbyter von Leon, I., S. S36-
Felix, Märtyrer von Cterona (304— 3(^".
I., 8. 300-302, II. 2, 8. 200, III. 2. 8. «^
Felix, Ck)nfe8Sor, u. die hl. EoliliiTi«
Barcelona, L, S. 316—317.
Felix, B. von Acci 306, I., 8. 142,25:.
n. 1, 8. 10, 176—178, III. 2, S. iH
Felix, von ürgel, II. 2, 8. 264-«b5.
268, s. Adoptianer.
Ferdinand I., Kg. von Leon lud Ca-
stUien 1037 (f 27. Deoeadier 10$v
Register.
549
ir. 2, S. 400 — 402, 407, 422; III. 1.
S, 8.
Ferdinand IL, Kg. von Leon (1157),
Iir. I, S. 37, 52—53, 60 (t 28. Jan.
117S), S. 61, 108—109.
Ferdinand in., d. Heilige (geb. 1 199, Kg.
J216, t 30. Mai 1252), III. 1, S. 63,
110, 130, 155—162, 176, 352.
Ferdinand, Infant (f 14. Oct. 1211),
111. 1, S. 116-118.
Ferdinand I., von Aragonien, Ilf. 1,
S. 296—297.
Ferdinand IV., von Caatilien (f 1312),
in. 1, S. 370, 381.
Ferdinand V., 1469 Gemahl der Isabella,
«der Katholische^ JH. 1, S. 314, 430,
432. Krieg gegen Granada 439— 446,
B. Inquisition, fll. 2, S. 23—24, America,
Oolumbos, Ximenes. F. zweite Ehe 1505,
III. 2, S. 126; F. 1607 wieder in Ga-
stilien, S. 127 »Regent«; droht 1508
sich von Rom loszureiesen, S. 128;
1506—1511 gespannt mit P. Julius II.,
S. 140-141 ; 151 1 imBunde mit JulinsIL
gegen Ludwig XII. von Frankreich,
S. 142—143; erobert Navarra, S. 143;
(t 1516) zu Madrilejos, S. 143; sein
Charakter, S. 144.
Ferdinand Vi., Kg. von Spanien (1746,
t 10. Aug. 1759), lll. 2, S. 343-347;
Verhandlungen mit Rom 1749—1753,
S. 341; Concordat vom 11. Jan. 1753
mit P. Benedikt XIV., S. 345-346;
F. Tod und Charakter, 8. 317.
Ferdinand VlI., Kg. von Spanien, geb.
1784, Kg. 1814, in. 2, S. 381—383, 396;
F. in der Zeit von 1808-1814, 8. 427
bis 429; zieht 14. Mai 1811 in Madrid
ein; Revolution vom 1. Jan. 1820, sie
ist sehr kirchenfeindlich, S. 429—430.
1821 Confllkt mit Rom, 8. 431; Klöster
aufgehoben; F., von den Franzosen be-
freit 1823-24, S. 433; „Regentschaft«
(1823), S. 433; F. heirathet Marie Chri-
stine 1«29, III. 2, S. 443 (t 29. Sept.
1H33).
Ferdinand I., von Portugal, 1367, lll. 1,
S. 339.
Ferdinand, „der standhafte Prinz«, Ge*
fangener in Afrika (f Juni 1443), III. 1,
S. 345-346.
Ferdinand, von Oesterreich, geb. 1503,
III. 2, 8. 125, 176—177.
Ferrer, Vinzenz hl., III. 1, S. 296; und
die Juden in Spanien, III. 2, S. 13—15.
Ferreras, Juan de (1652, f 8. Juni 1735),
seine Geschichte von Spanien, III. 2,
S. 327—328; und andere Werke.
Feuer, das griechische, 11. 2, 8. 240.
Feyioö, B. H., 0. 8. B., der scharfe
Critiker (t 1764), III. 2, 8. 411-412. •
Fibularia, Calagurris, Bisthum 306,
II. 1, 8. 12—13, II. 2, 8. 418, III. 2,
8. 481.
Florentina, hL, Schwester Leander^s u.
Isidor's von Sevilla, II. 2, 8. 34-46,
105-106.
Florez, Heinrich, 0. 8. A. (t 1773), u.
die Espafia sagrada, 1747—1865, 50
Bände, wovon 29 von Fl. selbst, 1747
bis 1774; Bd. 30-42 von Bisco; t.43
bis 44 von Merino und Canal; t. 45—46
von Canal; t. 47—48 von Baranda;
t. 49—50 von Vioente De La Fuente,
I., 8. 262; Fl. über Montanus von To-
ledo, II. 1, S. 450—451 ; über Idatius,
8. 470—471; edirt neue Werke Mar-
tinas von Braga, S. 474; Fl. über das
Pallium, II. 2, 8. 39; Analyse der 50 t.
des „heiligen Spanien", lll. 2, 8. 404
bis 410; des Fl. übrige Schriften, II. 2,
S. 162, III. 2, 8. 407-408.
Florida-Bianca, vorh. Monino, III. 2,
8.369-370; Minister 1777-1788, S. 372;
unbeschränkt in der Gewalt, 8. 372,
376; gestürzt 1792 (t 1809); Fl.-BL
über die Bischöfe seiner Zeit, 8. 385
bis 386, 392—393.
Folter, und Inquisition, III. 2, 8. 64.
Fonseca, Juan, B. u. Colonial-Minister
(t 1524), III. 2, 8. 115.
Fontana, Synode v.J. 947?II. 2, S. 425.
Formosus, P. (891—896), II. 2, 8. 358.
Franciscaner, in Marokko, III. 1, 8. 162
bis 169; in Spanien, 8. 177, 260; dritter
Orden, 8. 277; F. in Westindien, III. 2,
S. 109—113; reformirt in Spanien 1569,
8. 196-197.
Freigelassene, II. 2, 8. 11—12; der
Kirche, 8. 19-20; 87, 100, 123, 180,
141, 171, 173, 180.
550
Register.
Freimaurer, in Spanien, UU 2, S. 343
bis 314«
FructuoBns, bl«, Märtyrer von Tarraco
an Jan. 259, U, S« 59, 26*>— 272, 274
bis 276, If. 2, S. 199-200; und die
Liturgie, S. 203; seine Kirche, IJI. 1,
S. 199.
Fructuosns, hl., £b. von Bracara C56,
L, 8. 281—282, 314, 332, 370, 374,
IL 2, 8. 132, 152—157; Eb., S. 154,
178, 198—199; F. als Reisender, Kloster-
stifter, Schriftsteller.
Fuen-Cubierta, Synode v. J. 911, II. 2,
8. 424—425.
G.
Gildes (Cadix), I, S. 1-?, 1>-15, 53
bis 57, 63— (y5; die Gaditancr im Alter-
thum, 8. 196-197, 374—375, s. Cadix.
Galerius, Kaiser, Christenyerfolger, I.,
8. 296, 303, 395—397, 407-409.
Galicien, die Kirchenprovinz von 357
bis 5^9, II. 1, S. 450-464. Die Gali-
cier, 8. 465-4(^6.
Gallien, angebliche Sendung von sieben
Bischöfen aus Rom, I., S. 215— 2! 7.
Gardinge, die, I(. 2, S. 172.
Gelasius I., P. (492-196), |., S. 43 bis
44, 46-47.
Gelasius II., P. (1118—1119), und Eb.
Bernhard von Toledo, IM. 1, S. K»;
Gel. und Tarraco 1118, III. 1, 8. 190.
Gennadins, von Marseille, If. 1, 8. 415,
4G6.
Gennadius, hl., B. von Astorga 899
(t c. 936), II. 2, 8. 406, 409.
Gentilis, Valentin, als Kezer in Bern
hingerichtet, Hl. 2, 8. 79— HO.
Gerontius, B. von Sevilla? (Italica),
r., 8. 59, 144—145, 168; der Bischof G.
von Italica, 8. 280-283.
Gerunda, und der heilige Felix von, I.,
8. 300—302. Concil v. J. 517, II. 1,
8. 434-436; Concil v. J. 546, S. 440,
II. 2, 8. 200; das B. nicht unterbrochen
zur Maurenzeit, 8. 351; B., 8. 358 bis
359, 430; Kirche des hl. Felix und
Narcissus seit 1002, 8. 430; Cathedrale
eingeweiht 103H, S. 4.J6; Concil 1078,
8. 440; Concil 1143, III. 1, 8. 1V5;
Concil 1197, 8. 220.
G frörer, Fricdr. (f C. Juli 1861), III 1,
8. 43; überschSzt d. Hiator. J. A. Cosdf,
und die Zahl der Einwohner des bii-
rischcn Spanien's, S. 464—467.
Giudice, Franc, Cardinal lf;90(tl0.0ct
1725), General-Inquisitor, 111. 2, S.^.
314—315.
Godoi (oy), Manuel, „der Friedeiwftrr',
sein Leben und Treiben (hemdit n-
beschr&nkt von 17I»4 — 1808), III.!,
S. 377-383; wegen Bigamie rerkligt,
8. 390.
Gongora, Manuel, ArchSolog, f ta Gn-
nada c. 1869, III. 2, S. 477—479.
Gonzalez Perez, Primas von Toledo
1182 (t 30. August 11^% 111. 1, 8.99.
Gottesfriede, 1027 in der spanisches
Mark, II. 2, 8.431; 1054 »iNarboDfie.
S. 438, 439, J. 1065— \ 06«, a. Didac Gela.
Gözendienst* in der christlicfaea Zeit,
II. 2, 8. 13, s. Braga, Martin v., \l%
8. 18, 171, l'^l.
Guadeloupe, Kloster, und Insel, li&3
entdeckt, III. 2, 8. 97.
Granada, seine Lage an der Stelle 4«
alten Elvira, I., S. 171— 178; dcrsim»
monte von Gr. und seine HCUüen, S. IT"
bis 183; die Verehrung des hl Caeei^
liuB in Gr., 8. 183- l«r», s. Bnn.
Gr. wieder erobert 2. Januar 1192 t
Eb. 1492, I I. 1, 8. 4U— 115. CniTer
sität unter Carl V., III. 2, 8. 132; En
bischöfe im 16. Jahrhundert, S. l")'.
Schule und UniveniitSt daselbst, S. 169;
Concil des Eb. Guerrero 1565, S. IST
Gregor ins, Baeticus oder von Elnn
c. 359—392, I., 8. 178; Haupt d.Ud-
ferianer nach dem Tode Oiler d«c
RQcktritte des Lncifer von CsfliAr;
859 in Rimini, „fiUU^ zu Nicca ib:
Ifisst sich von Ensebius tob Vereelb
beloben; betet den Hosins so Tod^.
und wird allein unter allen Bekeasen
nicht gestraft, weil jeder Beamte vor
dem gewaltigen Beter zittert, [l. I-
8. 256-260, 310-317; II. 2, S. ^T.
451; III. 2, 8. 478.
Gregor, von Tours, s. Gallien; ttl«
die Kriege der Franken u. WestgotitcL
ir. 1, 8.485-488; g^gexk Hermeoegfl^
II. 2, S. 4.
Register.
5Ö1
Gregor I., P. (590—604), über Herme-
negild, IL 2, S. 8—5; im Verkehre
mit Spanien; seine Legaten daselbst,
S. 29—34; Gr. an Leander, S. 29—30;
seine Moralia über Job, S. 29—30, a.
seine „Hirtcnregel**, S. 31 ; sendet dem
Leander das Pallinm, S. 31 ; an Reccared,
S. 31; seine Dialoge, S. 116. 6r. and
Tajo, S. 150-155, 227—228.
Gregor VIL (1073—1085), I., S. 83, 143,
Gr. im Verkehr mit Spanien, li. 2,
S. 457 — 462; Gr. nnd die rOmische
Liturgie, S. 457—458; sendet Legaten,
S. 459. Der Mönch Robert ans Clngny,
ein StOrefried, S. 460; Abt Richard
von Marseille, s. Legat Das Dnell
(wegen der Liturgie), S. 461 ; f 25. Mai
10S5, am Tage des Einzuges der Spa-
nier in Toledo, S. 462, Hl. 1, S. 3.
Gregor IX. (1227—1241), nnd Don Ro-
drigo Ximenes, III. 1, S. 145—146; n.
Raymund von Pennaforte, S. 246.
Gregor X., P. (1271 — 1276), und Por-
togal, lil. 1, S. 321 -322; gegen AlfonsX.
von Castilien, den dentscben Kronprä-
tendenten und fQr Rudolph von Habs-
bnrg, S. 3.S4, 360—363.
Gregor XIII. n. XIV., s. Philipp II.
Gregor XVi. (1831—1846), gegen die
Sklaverei, 1839, Ifl. 2, S. 120-121;
seine zwei Allocntionen ttber die Noth
der Kirche in Spanien, III. 2, S. 447
bis 448; seine Encyclica vom 28 Fe-
bruar 1842, S. 454—457; bessere Zeiten
von 1843 an, S. 461; der Gesandte
Castillo y Ayensa in Rom, S. 461—463.
Gnadix, apostolisches B.; das Wunder
bei G., I., S. 118—137. Das Thal von
G.; die Lage der Stadt, und das Ge-
birge Ober ihr, S. 123—124. DerFIuss
von G., und die Lage der Stadt an
ihm. Die beiden Nebenflitsschen Rio
de Gor nnd Fardea, S. 124—126. Die
Einzelnheiten des Vorgangs, S. 127 bis
129. Bemerkenswerthe Analogien aus
der neuesten Zeit, S. 129-130. Das
heidnische Fest in der Stadt, S. 130
bis 135. Der Einsturz der Brücke. Das
Wunder und die Natur, S. 135 >- 137.
Gnadix, erneuertes B. seit 149^, S. 142,
147; III. 1, S. 442. Der hl. Torqnatus
in G. verehrt, I.,S. 145— 149,157, s. Acci,
Aposttilschttler.
Gundemar, König (610—612); Edict
für Toledo v. J. 010, II. 2, S. 67-68;
469-470; lil. 2, S. 503— 504.
Gunthar, König der Vandalen, II. 2,
S. 135.
H.
Hadrian I«, P« (772— 795), an und gegen
Bischof Egila (von Elvira?), II. 2, S«252
bis 254; gegen Migetfus, S. 258, 259;
H* gegen Elipandus, S« 281—282, 288
bis 291 ; H. u« die Synode von Frank-
furt v^ J. 794, S* 287—288.
Hadrian (V.), Cardinal, Carl's V. Ver-
weser in Spanien, III» 2, S* 154; Jan. 1522
P. Hadrian y.,S* 155; macht GarU V. die
grössten Concessionen, ohne ihn zufrie-
den zu stellen, S. 155—156; Gott er-
löst ihn durch den Tod (f 14. Sept«
1523) von Conflikten.mit Carl V., S, 156»
Hayti, 1492 entdeckt, HI. 2, S. 94«
Hefele, Carl Jos», der Cardinal Ximenes
1851, III. 2, S« 130—132; H. über die
Inquisition, III« 2, S. 90« Concil-Gesch.,
Bd»l— 7, reicht bis zum J. 1449; pas-
sim, 2. Aufl», Bd. 1—4, 1873—1879.
Helfferich, Ad«, der westgothische
Arianismus 1860, I., S. 86 etc., II. 1,
8. 455 über B. Justinian, II. 2, S. 137;
über Bulgaram; Westgothenrecht 1858,
II. 1, S. 485; II. Ä, S. 12, 162«
Hennemann, Aegidius, 0. S. B., lil. 1,
S. 278.
Henri que (Heinrich) I., Kg. v. Castilien
1214, (t 16. Juli 1216), III. 1, S. 129.
Henrique II., deutscher Kaiser, IL 2,
S. 167.
Henrique Trastamara II., Kg. von Ca-
stilien 1369 (t 1379), IIIJ, S. 890-391.
Henrique III. 1 390, wechselnde Stellung
im p&pstlichen Schisma, IH. 1, S. 395
bis 397 (t 1406), S. 402.
Henrique IV. (1454-1474), III. l,S.42ö
bis 426, 481.
Hermandad, santa, IIL 1, S. 433.
Hermenegild, hl., Sohn Königs Leo-
vigild, II. 1, S. 489; wird zu Sevilla
katholisch; verbindet sich mit den
Griechen gegen Leo vigild; wurde Mar-
552
Register.
tyrer zn Tarraco 13. Apr« 5^5, S«491;
zuerst als Rebell betrachtet, warde er
ein Jahrtausend nach seinem Tode ca-
nonisirt, IK 2, S. 8—5« P« Gregor I«
über ihn, II« 2, 8. 3 ; 168«
UesychiuB (Esitins, Iscins); der hU H.
von Carcesa, L, S. 193~20i; sein Siz
ist nicht Garteja an der Meerenge,
S. 193—197; nicht das unbekannte Gar-
teja derOIkaden, S. 197—198; sondern
wahrscheinlich Cazorla, S. 198— 203«
Hexen in Deutschland, und Kezer in
Spanien, III« 2, S. 76»
Hidalgo, Dionys. (f 1866), Diccionario
de Bibliografia Espafiola, t. 1—5, Ma-
drid 1862-1873, III. 2, S. 408, 459.
Hierocles, Statthalter, Christenfeind, I.^
S. 404-408«
Hieronymi ten, in Gastüien, III« 1,
S. 390; in Westindien, III.2, S« 113— 115.
Higuera, Roman, Geschichtsbaumeister,
II. 2, S« 447-448«
Hilarius, von Poitiers, u. Theodor von
Mopsveste, U. 2, S« 49—51. 52, 88,
s. Hosius.
Hilarius, von unbekanntem Size, Me-
tropolit der Provinz Carthaginensis 400,
II. 1, S. 443—444, s« CoUectio«
Hispalis, s. Sevilla«
Honorius I„ P. (625— 638), II. 2, S.145
148; Braulio*s hiziger Brief an ihn
S« 224—228; 230.
Ho;norius II.. P. (1216— 1227); Bullen
von ihm, III« 1, S« 113; H« und der
Primat von Toledo, S« 135 ; 137, 140, 143.
Hormisdas, P. (514—523), macht 2. Apr«
517 den Bischof Johannes von Tarraco
zn seinem Vicarius in Spanien, II« 1,
S« 436, und schreibt durch ihn an die
Bischöfe Spanien's, II. 2, 8« 471—172;
war Eb. v. Tarraco, nicht B. v. Elche«
Hosius, von Corduba, geb. o« 256, B«
0« 296 (t in Sirminm 27« Aug« 357);
H« vor und auf der Synode von Elvira,
IL 1, S. 2—4; H. von der Synode v«
Elvira bis zu der Synode von Nicüa
V« J* 306—325, S« 137-143; H« und
die Synode von Nic&i, S. 145-118;
H. Vorslzender daselbst, S. 148—159;
im Namen des Papstes Sylvester, S« 159
— 163; Stillschweigen ttber ihn 32)
bis 343, S« 163—165. Er oiguniit &
khrdilidie Hierarchie ia SpsaieB, S« 1(6
bis 184; f&hrt die MeCropofitHM eil.
S« 185—191« H. auf der Syvode voa
Sardica ▼. J. 343—344, S« 199-210;
H.v. J.344— 355; YeriniiniingiLSraBni
355, S. 211-218; H« in Sirmiini äK
bis 357, S« 219— 24a Worin bcalMd
sein Fall, II. 1, 8. 242—267. Sra «•
thodoxer Znsaz zn der zweiten bibI-
sehen Formel wird ihm als Coannnaio
mit den Arianem angereehneC Er atst»
zn Sirminm 27. Asg. 357, S. 968—281
In welchem Sinne er na^ S|»anien la-
rfickgekehrt sei? 8. 285—399« H. der
aGrosse' und der „Heilige*, S. 300 biß
302, 306-309; H. 1, S. 414; IL %
S. 202. Becapitulation der ginien K-
Streitfrage, IlL 2, S. 48 i— 489.
Hospitäler, in Spanien, redaeirt and
«reformirt*, lü. 2, 8. 192—193.
Haber, Vict. A., Aber die spen. laqai'
siUon, III. 2, 8. 82—85.
Huebner, Emil, Inseriptionea Eiapaiiiie
christianae 1871, II. S. 8. 250, 478bii
480; etwa 200 Inschrifiten, meist an
der Zeit von 465—782; III. 1, & 46;
H. Inseriptiones Hispaniae latiüe 1869;
H. giebt mir nicht Recht, aber ist ge-
zwungen, mich zu reehtfertigea, lil. 2,
S. 478-480.
Huesoa, Concil v. J. 598, iL 2; S. i6;
III. 1, S. 259; Concil v. J. 1303; üb-
versität, ill. 2, 8. 137; wieder erobot
1096. II. 2, S. 417— 418; Bi8dlQ^^ U.%
8. 420—421 (Jaeca).
Hnslllos, Concil v. J. 10' 8, III. 1,8.7.
Hyginus, B. von Cordnba 35:1 — e. 38^;
al8£b.382— 883, II. 1,8.273—^75; d6f
bis 865; III. 2, S« 488-489.
I.
Jacca, Bisthum, im Mittelaller Jacca-
Aragon, II. 2, 8. 418; Synode t J.
1063, S. 420-421; Eirchwtthe 1063,
8. 421, 458; wieder Bisthum 1571.
Jacobus, der Aeltere, «der Apoelel n.
Patron von Spanien*, II. 2. 8. 189 bit
190, 197, 361—396 (f 12. April 41 ii
Jerusalem, 8. 363); Kirchen unter sei-
nem Namen in Galieien adMMi an 75S
Register.
553
gebaut, IL 3, S.251. Die Klöster Sinai
und Raithu 521—525 gebaut; die Klo-
stersklaTen werden Mabamedaner, 8.363
bifl 361. Catbarina von Alezandrien
urird Catbarina vom Berge Sinai, 8. 363
bis 364. Der Leib des bl. Jac. Icommt
in die Kirche del Pilar in Saragossa
um 700, S. 364. Tbcodor, Atbanasins
und Petrns «Ratbensis* sind MOncbe
ans dem Kloster Baitba, die seinen bl.
L.eib nach Spanien bracbten, S. 361.
Naeb dem Einfalle der Manren wird
dieser Leib geflQcbtet nack dem (spä-
tem) Ort Gompostella, S. 365—366, dem
Heiligen aber scbon vor 757 Kirchen
g^eweibt Sein Grab wird zwischen 757
bis 829 vergessen, S. 366. Die Historia
Compostellana, S. 367 (weiss gar nichts
hierQber). B. Theodemir von Iria c.
829, 8. 368. Samiro I. und die „an-
gebliche" Schlacht von Glavigo c 844,
S. 369^-374. Kg. Ordofio I. (854),
S. 374—376. Kg. Alfons IIL baut die
neue Kirche des hl. Jac., S. 376—377,
geweiht 6. Mai 899. B. Sisenand, 8. 378.
Geschenke Alfons' UL an Compostella,
S. 377—378; schreibt 906 nach Tours
über den hl. Jac., ohne damit „die
JacobuS'Frage" zu lösen, 8. 378-380.
Nene Geschenke, 8. 380— :i81. Kg. Or-
dofio IL, S. 381. Die Besizungen v. Iria
restituirt, 8. 38t. Jac. der „Patrun**,
S. 381-382. Ordofio HI. 954, 8. 382.
Abt Cäsarius, S. 382—387, erlangt zu
Compostella denSiz vonTarraco, aber
Dur in part. infid., und schreibt um
Hilfe an P. Joannes XII., 8. 383, c. 963.
Kg. Vcremand II., 8. 387. Alfons V.,
Bermudo III , 8. 388. Die Scbuzengel
der Völker, 8. 388 ; hl. Catbarina von
Sinai, 8. 388-389; ihre Kirche in der
Normandie, 8. 389. Jac. der Aeltere
in der span. Liturgie, 8. 390. Isidor?
über Jac, 8. 393-395. Jac. in SUd-
spanien nicht gefeiert, 8. 453. Bd. 4,
S. 116, Z. 18 von oben lies Jacobus
statt Paulus. Streit ttber sein Patronat
Ober Spanien; soll sich mit der hl.
Theresia in dieses Patronat theilen,
III. 2, 8.268—271; Recapitulalion der
Jaoobus-Frage, 8. 505— 507 ; dessen Grab
in der Cathedrale von Compostella wie-
der gefanden o. Febr. 1879. Santjago
vom Schwerte, Ritterorden 1161, III. 1,
8. 56, in Ucles; 8. 109.
Jagn, 1216 erobert und B., III. 1, 8. 160.
Jaf f e, Phil., Regesta P. Rom., III. 1, 8. 13.
Jayme I., Kg. von Aragonien (1213 bis
1276), lil. 1, 8. 213.
Jayme II. (1291-1327), III. 1, 8. 255;
s. Aragonien.
Idatins, der Chronist, I., 8. 55, 151,
218, 350, 369. Id., sein Chronicon, II. 1,
8. 456-458, 465—471. Id., B. vonLa-
mego, 8. 46H; seine Chronik reicht von
876— 469;sein Geburtsort Limia? 8.468;
B. von Chaves? (AquaeFlaviae); Aus-
gaben der Chronik, 8. 469—470. Fast!
Idatiani, 8 470; Turibius an ihn Ober
die Prisoillianisten, 8. 476-479.
Ildefons, £b. von Toledo, I., S. 341
bis 342; sein Werk „von denbertthm-
ten M&nnem", über Asturius, II. 1,
8. 445-446; über Montanus, 8. 451
bis 452; II. 2, 8. 160. lld., hl., geb. c.
607, S. 135-138; Eb. 657 (f 23. Jan.
667). Schriften, 8. 136-138; 152, 177
bis 178; II. 2, 8. 209. CixUa über ihn
und die hl. Leocadia, 8. 247-249, 250.
lld. und die „Etymologieen*' Isidor's,
g. 467--468; sein Fest eingeschärft
1302, IIL 1, 8. 371.
I lli turgi ;s\ die Lage der Stadt, I., S. 186
bis 189, 8. Euphrasiüs; III. 2, S. 479.
Indaletius, hl, der bl. Indaletius von
ürci, I., 8. 159-160. Der Leib des hl.
Ind. in Pasqaena (Pechina), seit 1084
in 8. Juan de la Pefia, 8^ 162—164.
Sein Andenken in Almeria, 8. 165. Seit
1872 weiss man, dass Urci an der Stelle
des heutigen Pechina (oder Almeria)
lag, III. 2, 8. 476-477, 508—509.
Indier (Westindier), erste, getauft 1493,
III. 2, 8. 96—97; warum sie nicht
Christen werden wollten, 8. 100. An-
fange ihrer Sklaverei, 8. 102—103; ihr
schnelles Aossterben, S. 107; erbalten
und mehren sich auf dem Festlande,
8. 1C8; ihre Sklaverei, besonders in
Mexico, aufgehoben, 8. 117—118. Das
Festland, bessere Lage seit 1512, 8. 172
bis 173.
564
B6gi8t6r.
Inguanzo, Primas von Toledo (1824 bis
1836), [II. 2, S. 439.
Ifiigo, hl., von Ofia, II. 2, S. 422.
Innozenz 7.(402— 417), I.,S. 43; an die
zu Toledo im J. 400 versammelt ge-
wesenen Bischöfe, IL 1, S. 420; II. 2,
S. 470>-47d, 8. Collectio, Hilarius«
Innozenz II. (1130—1143), s. Didacos
Gelm.
Innozenz III. (1198—1216), und Don
Rodrigo Ximenes, III. 1, S. 114—116;
Kreiizzog in Spanien, 8. 122; fiber die
Klosterfrauen von las Huelgaa, S. 128
bis 129. Inn. III. und der Primat von
Toledo, S. 135. Inn. III. und Portugal,
III. 1, S. 75; und Navarra, 8. 184.
Innozenz VIII (1484—1492), und die
span. Inquisition, III. 2, S. 22 --28.
Inquisition, in Aragonien, III. 1. S.229,
262, 270; ihr kirehlioher Charakter,
III. 2, 8. 12-13.
Inquisition, die spanische 1480, III. 2,
S. 5-93. Ein National-Institut, 8. 8.
Spanische Eigenart, 8. 8, 9; auch die
Juden in Spanien «exclusiv^, S.9— 10;
sind Proselytenmacher, 8. lO—U; die
Spanier. Vermengnng des Kirchlichen
und Staatlichen, S. 12. Vinz. Ferrer u.
die Juden, 8. 13—14; Disputation in
Tortosa, 8. 14—15. „Alte und neue
Christen*, S. 15-16. Revolte In Cor-
dova 1473, 8. 16-17. Feindschaft der
Christen und Juden, 8. 17. Die Inq.
gegründet 1178—1480. Die Inq. 1481,
S. 19; die Inq. als Staatsanstalt von
P. Siztus IV. bek&mpft, 8. 20-21 ; die
AppelUtionen nach Rom, 8. 21; Tho-
mas Torqnemada, 0. 8. D., erster 6e*
neraMnquisitor, 8. 21—22. P. Inno-
zenz Vlll. und die Inq., 8.22—23. Die
(neue) Inq. in Aragonien 1484, S. 21.
. Die „neuen Christen" in Saragossa, s.
P. Arbu^s. Versammlung d. Inquisitoren
zu Sevilla 1484, 8.43 und Statuten der
Inq., 8. Jnden, Mauren, Moriscos. P.
Alexander VI. nachgiebig, 8. 51; er
und Torquemada, S. 51. Ausdehnung
der Inq. auf verschiedene Verbrechen,
S. 52. Die Päpste und die Inq., 8. 53
bis 54; die Staatainq., 8. 54. Der Ge-
sandte Garcilaso de la Vega in Rom,
S.55. Dexa, zweiter General-Inqniaitw,
S. 56. Der Inquisitor Loeero, S. 57.
Deza 1507 abgesetzt, 8. 58; XimoNi,
dritter General-Inquisitor 1507—1511.
S. 58. Die Autodaf4ft*8, 8. 6&-63. Drr
Sanbenito, S. 63. Die Gnadenlnst, S.^
bis 6t. Die Zeugen; die Folter, S. 64.
Die (^efiUignisse, 8. 64-6.5. DieQaali-
ficatoren, 8. 65—66. Falsche Zeogeo
bestraft. Art des Verfidirens. FiHoag
der (Jrtheile. Abkfirxang derProceM,
S. 66—67. Zahl der Opfer der laq^
etwa 200a von 1481—1504 und ciia
ähnliche Zahl? in der ganzen spiten
Zeit, S. 68—72. A. Llorente „boiio
mendax,** S. 73—74. Zurita und Panao
aber die Inq., S. 74-^6. Hexcagiiabe
in Deutschland, S. 76—77 tmd Gegner
der Hexenprocesse, 8. 78—79. Die ,Be
formatoren* lassen die „Keier* nr-
brennen und „köpfen* (Genf, BenV
Val. Gentilis, 8. 8a BIfitfae der spiai-
schen Literatur tros der loq., 8.80—82:
die Spanier für dieselbe, 8. 88. Def
Protestant V. A. Haber ftr ae, S. SS
bis 84. Llorente und Paramo, Aatipo-
den, 8. 84—85; Paramo leitet die toq.
ans dem Paradieae ab; Gott der Vater
war der erste Inquisitor, S. 85. BcAe
der GeneraMnquisitoreD, S. 86—89. D»
Italiener weisen die spaaisdie laq. u-
rück, S. es -90. Llorente oad Hefele
8. 90. Die Inq. in Portugal, & W;
Schriften über sie, 8. 90—83. Naektnf«
nnd Berichtigungen, IU.2, 8.511—511
(Zur Literatur: Fnunisea HerBsades
nnd Fnl Fransisoo Ortis. Aiifti«e R-
format Bewegung unter Carl V. tos
Ed. Böhmer, Leipng, 1865.)
Inschriften, verdiehtige, f., & S47liii
850; angebliche Inschrift in Spiaies
fiber die Neronische ChristenveffotgvD^
8. 387—389; angebliche fiber dieD»-
cletianisehe Verfolgmig, & 889>9i>;
393r-89l.
Johannes, von Bidaro, Chroiiist» IL 1.
8. 489— J90; II. 2, S. S— .% 8,241; B.
von Gemnda, 8. 27, 59—62, seiie
Chronik.
Johannes, von 8aragoaa(c6l9— föl).
II. 2, 8. 65.
Register.
555
Jobannes, Mönch von Gorze^in Spanien,
953-955, 957-960, II. 2, 8. 303,
443—146; seine Audienz bei Abderr-
human, nach einer Gedoldsprobe von
3 Jahren.
Johannes, Primas v . Toledo (t 29. Sept.
H66), III. 1, S. 36—38, 54.
Johannes, a S.Facnndo (f 1479), UM,
S. 438.
Johannes, Carvajal, Cardin, (t H69),
IH. 1, S. 414-415.
Johannes, Cervantes, Cardin, (t 1453),
III. 1, S. 417-418.
Johannes, de Mella, Cardin, (f 1467),
III. 1, S. 419, 432-433.
Johannes, y. Segovia, Ps. Card. ^c. 1449),
III. 1, S. 412-413.
Johannes, von Turrecremata, Cardin,
(t 1468), Hl. 1, S.415— 117. Dr. Lederer,
der span. Card. Johann v. Torquemada
e. Leben and s. Schriften, Freib. 1879.
Johann, hl., von Gott (1495—1550), III. 2,
S. 192-194, und seine Hospitäler.
Johann, hl., vom Krenz (1542—1591);
III. 2, S. 271—272.
Johanniter, in Portngal, III. 1, S. 57.
Jovellanos, Casp. Melch. (1741—1811),
lil. 2, S. 374—375, 378.
Irenaeus, hl., von Lyon, bezeugt den
Bestand des Christenthums in Spanien,
I., S. 228—232.
Isabella, die Katholische, Königin
(1474—1492), IIL 1, S. 431—446; siehe
America, Inquisition. Is. (1492—1504),
III. 2, S. 122—126. Tod fast aller ihrer
Kinder (Infant Don Juan, f 1197,
S. l'^3). Ib. von Portngal (f 1498).
Is. schmückt die Kirchen, S. 123; fern
von allem Luxus; liebt und übt die
Wissenschaften, S. 123—124; ist gute
Lateinerin, 8. 124; schüzt die Buch-
drucker, S. 124; Gelehrte aus Italien;
erkrankt 1504, S. V^b (t 26. Nov. 1504);
ihr unsterblicher Ruhm.
Isabella, Gemahlin Kaiser Carl's V.
(152C, t iß39), 111. 2, S. 175.
Isabella IL, unter Vormundschaft ihrer
Mutter (1833-1815), III. 2, S. 443;
muss Spanien verlassen an dorn Tage
und zu der Stunde, in der ihr Vater
35 Jahre vorher gestorben war, lII, 2,
S. 443, 470.
Isidor, von Sevilla, über die Sueven,
II. 1, S. 457; über Idatius, S. 469;
über Hermenegild, II, 2, 8. 3 --5, (76),
146—1475 Leben, Schriften und deren
Ausgaben. II. 2, S. 102; Eb. 599
(t 4. April 636); seine Busse. Schriften:
differentiar. I. 2, S. 101. Allegoriae
quaedam s. Scripturae, S. 104. De fide
catholica contra Judaeos, S. 105; Sen-
tentiarum, S. 106. Kirchliche Officien,
1. 2, S. 107, seinem Bruder Fulgentius
gewidmet; 13 Briefe, S. 108—109; von
der „Ordnung der Creaturen", S. 109;
über die „Natur der Dinge", an König
Sisebut, S. 109-110; sein Chronicon,
S. HO; von den „Königen der CJothen**,
S. 110; „von den berühmten Mannem'V-
S. 11 1 (47, darunter 15 Spanier). Braulio —
über seine Schrift«n, S. lU; aeine
Etymologieen, S.112; Ausgaben seiner
Werke, S. 113, II. 2, S. 152, 165, l>^\
s. Collectio. Wann er die „Etymo-
logieen" vollendet, und was Braulio
an ihnen verändert hat, S. 466 bis^
467.
Isidor, von Pace, der Chronist, dem
Spätere diesen Namen gaben, lebte in
Corduba, IL 2, S. 150, 159-160, 176,
181, 236-237; seine Chronik, S. 240 bis
241, 345 — 317, und ist wohl der Ne-
storianer Melito oder Milita.
Isla, Franz de, S. J., Satyriker, III. 2,
S. 418-420.
Itala, vetus, entstanden in Italien, nicht
in Afrika, I., S. 86-101 ; III. 2, S. 501.
Italica, B., I., S. 282-284; II. 1, S. 419.
Juan I., s. Castilien.
Juan II., Isabella's Vater, der Schön-
geist (t 1454), III. 1, S. 402; HL 2,
S. 123.
D*Juan d*Auslria, CarFs V. Sohn, im
Kriege gegen die Moriscos Sieger;
Sieger bei Lepanto; hohe PUne, III. 2,
S. 23i; 1576 in den Niederlanden,
S. 235; t bei Namur 1. October 1578,
S. 235—236.
Juan d'Ausfria (lU, Sohn Philipp's IV.
(t 1679^ S. 288-293.
Juden, in Spanien, I., S. 2-3, 58, 63;
566
Register.
Jaden wollen die Früchte (der Chri-
sten) segnen, H. 1, S. 107—109; \U 2,
S. 12, 17. König Sisebut nnd die J.,
S. 78, S9— 100; 122, 127—128, 130;
handeln mit Christensklaven, S. 131;
168, 170—171; J. nnd Araber, S. 175;
177, 180, 403; J. in Toledo, III. 1, S. 3;
J., getaufte, III. 1, S. 377; J. als Blut-
egel der Christen, HI. 1, S. 387—388;
J. in Spanien arge Froselytenmacher,
III. 2, S. 10; aber auch die Christen
wollen sie mit Gewalt sChristiaDisiren^,
S. 11; J. aus Spanien vertrieben, 1493,
ni. 2, S. 44-49, etwa c. 160.000 J.?
Jnlian, hl, von Cuenca (1196—1208),
III. 1, S. 174—175.
Julian, von Toledo, II. 2, S. 136, seit
Jan. 680 £b. (f 690), S. 167; eine ener-
gische Herrsohematur, S. 167, 177;
selbstgeschaffener Primas, S. 175; hat
.unwissende Nebenbuhler" in Born,
S. 176; Jul. Leben u. Schriften, S. 176
bis 178; Jul. und sein Kirchenrecht,
S. 474; Jul. nnd die Liturgie, S. 177, 178
bis 179; Streit mit P. Benedict II.;
seine Decretalerlasse, S. 233—234; er
lAirt drei Substanzen in Christus, S. 235;
will nach eigenen Heften lesen, S. 235.
Wie die Spätem sieh diesen Streit zu-
rechtlegen, S. 236—238. Verdienste
um die gof hische Liturgie; s. Schriften.
Justa und Rufina, Ifartyrer von Sevilla,
I., S. 284-288.
Jnstinian,B.v. Valencia, 546, als Schrift-
steller, II. 1, S. 455, vielleicht bei 11-
defons erhalten, S. 455; II. 2, S. 137.
Jus tu s, die Märtyrer J. nnd Pastor v.
Complutum, I.,S. 330—334; II. 2, S. 201.
Justus, B., IL 2, S. 82—83.
Juvencus, Dichter im vierten Jahrhun-
dert, II. 1, S. 326-330.
K.
Klöster, als POniteuzanstalten , II. 2,
S. 17; 31, 8(5, 98, 122-125. Klöster
in Baetica, S. 87. Frauenklöster, S. 88.
Klöster und Bischöfe, S. 98; II. 2,
S. 180 (Gäste).
Kronen (Votiv?), ans der Zeit der
Westgothen, ll. 2, S. 250.
Kreuzzüge, nach Spanien, III. 1,S. 191.
Lactaniius, sein Baeb: «de moitiba
persecutorum**, I., S. 393, 397, 404; sein
Bericht über die Anf&oge der Christea-
verfolgung, S. 404— 406; fiberHieroclei.
S. 408.
Lamininm, nnd Campus Lamlpitawa,
I., S. 57, 66—68.
Lamplllas,FraDzXav^8. J., in.2,&420.
Leander, £b. von SevilU (f 599), is
Constantinopel, IL 1, S. 289; L. und
Hermenegiid, IL 2, S. 4; in Toledo,
589, S. 10, 14, 16; L. lud Gregor L
II. 2, S. 29—31 ; L. von SevOl«, Lebn
nnd Schriften, S. 37—43; L. nnd die
Liturgie, II. 2, S. 208; lU. 2, S. 499.
Lebrija, Ael. Ant. v., IIL 2, & 124.
Lectoren, II. 1, S. 446, 4G0-46L
Leibeigene, der Kirche, II. 2, S. 20.
Leichenbegängnisse, Missbrftaehedar
bei verboten, II. ^, S. 14.
Leo L, P. (440—461), iL Spaniea, II. 1,
S. 456, 458. L. I. and Eb. Turibies,
' Aber die Priscilliattisten, S. 476-479.
Leo IL, F. (682—683), und die Moao-
theleten, II. 2, S. 22a
Leo III., P. (795—816), g^gen die Ado-
ptianer, IL 2, S. 282; das Concfl sa
Born 799 gegen sie, S. 292.
Leo X., P. (1513—1521), und die laqni-
sition, IIL 2, S. 52—53, 66. L. md
Cardinal Ximenes, S. 145. L. n. Cari 1.
S. 149; erkl&rt ihn «als kathoKerfcni
König* ; L. im Conflikt mit Gui V^
8. 152—154.
Leocadia, hl., von Toledo, L, S. 144,
189, 230, 298, 312—313. Die heflige
Leocadia von Toledo, & 335— 343;
Kirche der hl. L., io ihr fiodeB die
meisten Conoilien von Toledo eUlt
II. 2, S. 25—26; ihr Fest in T^ & I9fr;
L. und hl. Ildephons, 8. 247—248, 25U
IIL 1, S. 36. Ihre BaaiUea 1162 wieder
hergestellt, IIL 1, S. 38; ihr Fe^
IIL 2, 8. 497.
Leon, B., L, 8. 234—236, 242. Dm
Verhältniss d. beiden BisthamerAetorgs
und Leon, S. 256—260; GrttMlBBg»
S. 256, 293; war ein B. 306, IL L
S. 7, 10; erscheint aber als solebes
Befi^ister.
557
ent wieder um 792, II. 2, S. aöl, 363.
Bischöfe bis 900. Synode v. J. 1020,
IL 2,8. 401-402;B]8chdfe: Cyprian 1010
bis 1057, 8. 40e— 407; Alvitns, 8. 407,
allzeit „ezempt", bis znm Goncordat
des Jahres 1851, VI. 2, 8. 469.
JLeon, das Königreich, seit 910, II. 2,
S. 899; König GarcU (911—914); Or-
dofio (914, t 924). Fraela (924, f 925).
Alfons IV. (925--928). Bamiro II. (931
bis 950) , stiftet Kirchen nnd Klöster.
Ordofio III. (950 — 957). 8ancho I.
(957—966), 8. 400. Ramiro lll. (966 bis
962). Bermndo IL (982—999) Alfons V.
(999—1028) ; Bermndo IlL (1028—1037) ;
Ferdinand L, II. 2, 8. 400, König von
CastiUen und Leon (1037, f 1065).
S]>Ster wieder von Gastilien getrennt.
Lepanto, Schlacht bei — 1571, HL 2,
8. 231.
Lerida, Concil v. J. 517, IT. 1, 8. 487;
Concil y. J. 524 (al. 546), 8. 438-^439,
454. Bischöfe, IL 2, 8. 360 (Bischöfe
in Pallas, 8. 360); L.*zarackerobert
1149, III. 1, 8. 200; 1173 Concil zu L ,
S. 205—207; Concil 1190, 8. 208-209.
Berühmte Reformsynode v. J. 1229.
S. 221—223. Concil y. J. 1246, 8. 233
bis 234. ConcU y. J. 1293 und 129i,
S. 258. Concil y. J. 1418, 111, 2, 8. 300
bis 301. Landtag y. J. 1267, 111. 1,
S. 240. L., Universität, IlL 2, 8. 137.
Liberins, P., s. Hosins.
Libisosa (Leznza) und der hl. Apostel
Paulus,L, 8.57,66-71 ; 111.2,8.472-473.
Licinian, v. Carthagena c. 590, IL 2,
S. 49—55; seine Schriften; ist Metro-
polit, 8. 74.
Lissabon, Eb. 1394, IlL 1, 8. 343;
£b. bis 1452; Eb. von 1152—1500,
S. 350—351.
Liturgie, die spanische, L, 8. 47, 77,
81-85, 101—117, 143—145, 210-215,
270—275, 294, 300, 311—312, 349,
351, 854, 357-358, 362, 368,373,411;
IL 1, 8. 390—391, 397, 427, 433-436,
453, 459, 463; 11. 2, 8. 11, 17, 65, 91
bis 93, 133, 136 — ist die Liturgie der
Kirche von Toledo, 8. 186—198. Kein
Heiliger nach dem Jahre 400 erhält
ein eigenes Officinmi 8, 187. DasBre-
viarium und Missale, 8. 188. Die Vesper,
Matutin, die Landes; Proprium de tem-
pore; Advent, 8. 188—189. Die sechs
Woltalter, 8. 189. Proprium Sanctomm,
8. 189. Fasten -Officien, 8. 190—191.
Epiphania Domini, 8. 190; Fasten- und
Fleischspeisen, 8. 191 ; Palmen und Pal-
mensonntag, 8. 191 ; Charwoche, 8. 191 ;
Ostern, 8. 191; Himmelfahrt, 8. 191;
Pfingsten, 8.191— 192. Das Psalterium,
8. 192; Cantica, 8. 192 ; Hymnen, Spa-
nien, das Land d. Hjrmnen (d. Bienen u.d.
Kerzen), 8. 192. Die „canon. Stunden*',
8. 192—193; Complet, 8. 193. Todten-
Officien, 8. 193. Commune de tem-
pore, 8. 193. Die „Mitren'', 8. 193. Das
„Sanctorale", 8. 193. DasMissale, 8. 19 {
bis 194. Kirchenjahr des Missale. Die
apostolische Messe, 8. 194. Fronleich-
nam, 8. 195. Die einzelnen Heiligen,
8. 195—198; (es ist zu lesen : Jan. 28.:
Thyrsus, Märtyrer unt Decius) ; 68 Feste,
8. 197—198, und 16 von Spaniern;
Heilige nach dem Jahre 400, die keino
eigenen [Officien haben, 8. 198—199.
Festmessen entstanden an einzelne]i
Orten in Spanien, 8. 199—202. Prä
fation, 8. 201 - 20i>. Toledo erhielt
die Liturgie von Tarraco, S. 202—204.
„Uhitio'', 8. 203. Die römische Li-
turgie fibersezt in Tarraco?, 8. 203,
vor dem Jahre 2o9. Der ^Papa Ro-
mensis% 8. 204—205; Tarraco, 8. 205.
Die Taufe an Epiphanie, 8. 2o5. Die
Liturgie aus dem Griechischen fiber-
sezt, 8. 205. Commemoration d. Todten,
8. 206 (8. 206 lies: Melantins). Dio
,,Pausantes*S S. 206—207. Die „tag-
liche Messe'S 8. 207. Die „Missa Ro-
menbis'S 8. 207. Diaconi und Diacones,
8. 207. Isidor Hisp. leitet die Liturgie
von dem hl. Petrus her, 8. 208. L., mo-
zarabische, 111. 1, 8. 170. Recapitu-
lation, IlL 2, 8. 49Ü-501.
Lintprand,v.CremoQa, IL 2,8. 447—418.
LI o reute, Ant, u. d. Inquisition, IlL 2,
8. 21 ; entstellt ihre Geschichte, 8.84, 90.
Llaguno, Eugen, IIL 2, 8. 420.
Loperraez, Geschichte desB. v. Osma,
IlL 1, 8. 10.
Lopez, de Pisuerga, Martin,, Prima«
558
Register.
(1194, 1 28. Augast 1208), erster Gross-
kanzler y. Gastilien, III. I, S. 39.
Lorca (Eliocrooa), B. 306 von kurzer
Dauer, I., S. 119-121, 159, 161; II. 1,
S. 10, 17—18; 111. 2, S. 480-481.
Lorenzaua, Frz., Card., f., S. 62, 84,
101—102, 168, 269, 304, 308, 326, 348,
414. Lor. fiber seinen Vorgfinger Mon-
tanas, II. 1, S. 450—452; Patrum
Tolet. quotquot eztant opera; Ober
Eugen's II. Werke, IF. 2, S. 133-137;
F^178; ed. Julian*s Werke, S. 202;
li. 2, S. 237; lil. 1, 8. 35—36; über
Eugen I. von Toledo, S. 37; fiber
America, III. 2, 8. 220. Lor., gelobt
vom Minister Florida-Bianca, S. 385
bis 386; Leben und Wirken, S. 387,
(II. 2, S. 138, 178.) Cardinal 1789, S. 388;
nach Born verbannt 1797, S. 389, 391
(t 17. Apr. 1804).
Lorenz ana, Thom., B. v.Gerona, III. 2,
S. 402-403.
Lucas, vonTayCTadensis, 1 1249), Chro-
nist, 111. 1, 8. 151—153.
Luoiferianer, die, in Spanien, c. 359
bis 400, II. 1, S. 310—317. Ihr Führer
Gregor von Elvira.
Ludwig, von Granada, 0. S. D. (1504
— 1588), HI. 2, S. 197.
Lugo (nicht Lagos), B., I., S. 190-191,
234 ; J. 569 keine Synode daselbst, IL 1,
8. 461—464. L., Metropole vor 572,
8. 462, 467. B. Agrestius, 8. 466, 472,
die Metropole schon 675 verschwunden,
IL 2, 8. 166; erscheint aber wieder
im 8.-10. Jahrb., £b. von Lugo 859
und im 10. Jahih., IL 2, 8. 850. Eb.
(oder Bischol?) Odoarius (c. 740—786),
S. 351 , 365 ; erbaut Lugo wieder,
8. 365-366, f als Eb.; 8. 399. Me-
tropoliten bis 0. 1085.
Luparia, von Acci, erste uns sicher
bekannte Christin in Spanien, c. 65,
I., 8. 112, 133.
Macanaz, Melchior, famoser Regalist,
III. 2, 8. 313-814.
Madrid, B. 1851, 1651—1879 unbesezt,
H. 1, 8. 71; IIL 1, 8.2, 113, 116.
Mahomed,ChaUfv.Cord.852JI.2,8.251.
Majorat, Eb. v. Valeoda, UL S; «.389
bis 400.
Majorka, von KOnig jAyma L erohot
1229, lU. 1, 8. 214—215; das aeoe B.
1238, 8. 215-216, ezemt
M al aga , B. Jannarius v., niid P. Gregor U
IL 2, 8. 82—33. Die Biach<^ Jausia
von M. ond Stephanna im Gebteto der
Griechen, 8. 82—36. Die Greuoi des
B. Im Jahre 619 fest- und wiedeiicr-
gesteUt, 8. a5-86; c 1100-1118B. Ji-
lian, IlI, 1, 8. 4&-.4e. KlMor m te
Nihe J. 982.
Maranos, IIL 2, ß. 15.
Marcellns, Märtyrer in TEagia; seia
Martyrium, L, 8. 2*«^ ^291; ▼.
8. 2S5, 396.
Marcia, Gemahlin d. Kaiser« C<MBBHidBL
L, S. 140.
Marcian, B. von Arlea, I., 8.216—217,
263—264.
Marcianns, B. v. Astigis e. 63a-<38,
n. 2, 8. 121 ; B. Habentills.
Mariana, J.*(t 1623), seine Gesdoefato
von Spanien, L, 8. 62, 193, 139, S41
bis 34^. Ausgaben seiner Ges^icftle,
II. 2, 8. 68; gemassregelt natar Phi-
lipp IIL, in. 2, 8. 861-262.
Maria Anna, von Oesterrdcli, Begcstk
für Cari IL (t 1696), IIL 2, 8. 287— SM.
Marienfeste, in Spanien, IL 2, 8. ISO,
194, 196-196, 248.
Marinaeus,Lacius-Steala8, IlLS; &Til.
Mark, die spanische (801), IL 2, S. SM
bis 360, und Barcelona.
Marmol, fiber den Maorenkriecr» HL %
8. 228, 280.
Marokko (vergebl.) Versnche der ES»-
(fihmng des Christenthams in — ^ IIL I,
8. 162- 167; B. Lope L p. inideL;
B. jBlancus 1266, 8. 167, von Geste
1269; B. Roderich, 8. 167—168.
Martialis, der Dichter, L, S. 53, $4.
66, 133, 167, 231—232; IL 1, S. 3»
(Pmdentins und Mart.).
Martialis, B. von Astorgm, L, S. SV.
239-263, 260-264.
Martinns, von Tours; seine BeUqsJR
in Braga, II. J, 8. 472; IL 2, 8. 209.
Martinus, von Braga, IL 1, & 471
bis 475, ans Panaoalso, & 472, m«
Begister.
559
im Orient; Isidor üb«r ihn, S. 472;
seine Schriften, 8. 473. M. nnd Seneca,
S. 473; seine 84 Csnones, S. 473;
Aasgaben seiner Schriften, S. 473—474.
Martin, von Leon (c. 1200), III. 1,
8. 153—154.
Martin IV, P. (1281-1285), and Ara-
gonien, III. 1, S. 299.
Martyrologiam, Romanam (parram),
L, S. 32-84, 72, 79-80, 222-227;
U. Rom., and das ^sechste Alter der
Welt«, II. 2, S. 189.
M asdea, J. Fr. (1744-1817) , Historiker.
Historia (hjrper-) critica de Espafia,
Madr. 1783—1800, 20 t. (onvoUendet),
III. 1, S. 43; III. 2, S. 421-422.
Masona, £b. von Emerita c. 571 (t 606),
IL, 1, S. 489; IL 2, S. 14, 28, 114;
III. 2, S. 9.
Mazimas, B. v. Saragossa (c. 592—614),
IL 2, S. 27, 63 — 65; seine Chronik
verloren.
Hayans y Sisear, Greg. (1699-1781),
lU. 2, S. 421.
Medina, del Campo, (1380—1381) Ver-
sammlang wegen des Schisma, III. 1,
S. 392; s. Salamanca.
Mendez, Franz, 0. S. A., Biograph n.
Mitarbeiter des H. Florez, III. 2, S. 408.
Mendoza, Petras Gonzalez de, Cardinal
von Spanien, III. 1, S. 432—433; Eb.
von Sevilla, IIL 2, S. 18; Primas von
Toledo (t 1495).
Mendoza, Didacns Hartado de, fiber
den Krieg gegen die Moriscos 1568,
IIL 2, S. 228-230.
Henorca, 1229 erobert, HL 1, 8. 215;
B. Severos.
Mentesa, B., vielleicht zwei Biathümer
d. N., L, S. 189; IL 1, S. 10, 12, 174,
177; II. 2, S. 77.
Mercedarier, gestiftet von Petras No-
lascQs and Baymnnd von Pennaforte,
Haaptsiz in Barcelona, IIL 1. S. 168
bis 169, 236—239. (Wirken in Afrika.)
Merino, J. Anton Diaz, 0. S. D.; seine
Schriften; B. von Menorca (t 16. Apr.
1844), IIL 2, S. 438—439, 448-449.
Mexico, erste B. das., IIL 2, S. 117;
s. America, Indien,
Michaöl, hl., Orden in Portngal, llf. 1,
S. 58.
Mlchaöl, a S. Josefo, B. von Goadix,
IIL 2, S. 399.
Higetiader, die (nea entdeckte) Hae-
resie in Andalnsien zar Zeit des Eli-
pandas von Toledo, II. 2, S. 254—261.
Migetins n. Egila, S. 254— 255. Schauer-
lieber Brief Elipand's an Migetias, S. 255*
Elipand widerlegt den Migetins, S. 256
bis 258. Elipand and die „Hispali-
taner**, S. 258.
Migne, Patrol. lat, III. 1, S. 13.
Mil(l)an, S., de la Cogoila (f 564), H. 2,
S.146— 146, 156,187, 413—414; Kloster,
UL 1, S. 172-173.
Milito (Melita), nach meiner Meinang
Nestorianer in Cordaba, Urheber des
Adoptianismas, and Verfiisserd« Chronik
des s. g. Isidor von Pace, II. 2, S. 294
bis 295; inspirirt and instroirt den
Elipandas and Felix von Urgel; Eli-
pandas ist sein Sprachrohr, S. 296.
Miraflores, Carthaase v., liL 1, S. 428.
Mohedano, Brfider, IIL 2, S..421.
Molina, B. von Malaga, IIL 2, S. 398
bis 899.
Mondofiedo, B., IL 2, S. 351; IIL 1,
S. 13—14.
Monotheleten, 11,2, S.228, 232—233,
Monte, de Piedad, III. 2, S. 884—385.
Montesa, Bitterorden, errichtet 1317
von Don Jayme IL, IIL 1, S. 279 bis
280; erhfilt die Güter der Templer,
S. 280.
Moriscos, die, in Spanien, unbekehrbar;
IIL 2, S. 157; Krieg gegen die M.
von Granada, S. 223—228. Die M.
nnd die Inquisition, III. 2, S. 49—60;
s. Philipp. UL
Moscoso, Eb. V. Granada, III. 2, S. 399.
Mozaraber, Moz. Litargie, L, S. 47,
77. Ihre Schicksale, S. 81—85; ihre
verschiedenen Namen; ihr liegt die
vetns Itala zu Grande, S, 84—86 flg.;
stammt aus Rom, S. ^6. Ausgaben
von Ximenes-Ortiz 1500—1502; Lesley
1755; Fr. Lorenzana 1770, 1775, 1804;
Migne 1850, S. 101-102, 114. Ueber
die mozarabische Messe. Das Officinm
und die Messe d, sieben Apostelschfller»
560
Register.
S. 103—117, 143, 310-212, 215. Die
stufenweiae Entwicklung, S. 270, 272,
275. Die mozarabische Messfeier im
Domeza Toledo, S. 340-341. Kapelle
der Mozaraber in Toledo, III. 2, S. 391.
Mozaraber, IL 2, 8. 188, 194—195. Die
Christen nnter den Maaren (900—1085),
II. 2, S. 411 — 457. Bischöfe v. Cor-
duba im 10. Jahrhundert, 111. 1, S. 179
bis 180; Bischöfe y. J. 988 und vorher,
II. 2, S. 445—447. B. Recesmund von
Elvira, S. 447, und Lintprand von
Gremona 956, S. 447; Galendarium der
M. V. J. 961, S. 449; ihre Feste i. J.
961, S. 449-457. Neue Feste der M.,
S. 449; sie sind von 864 bis 961 nicht
zurückgesunlcen, S. 455—456. M. In
Toledo, III. 1, S. 24.
Mnhamedaner, von Spanien nach Gal-
lien, II. 2, S. 239-240.
Muratori, das s.g. Fragment des N.T.,
I., S. 17-24, 26-28; lU. 2, S. 471.
Murcia, an Castilien 1243, 111. 1, S. 158
bis 159.
Muzquiz, £b. v. Compostella (t 1821),
III. 2, S. 396—397.
N.
Nagera, B. von kurzer Dauer, II. 2,
S. 412—413.
Narbonne, 1., S. 52, 54, 223. Metro-
pole, II. 2, S. 359; GoncU v. J. 589,
II. 2, S. 16—19, mit 7 Bischöfen und
15Ganones. Metropole der spanischen
Mark bis 971, II. 2, S. 424, und dann
wieder bis o. 1118. Synode von Fuen-
Gubierta bei Narb. 911, II, 2, S. 424
bis 425; 428, 431, 4^4, 439—440; III. 1,
S. 121—122, 123, 126—127; Synode
V. J. 1127—1128, III. 1, S. 193.
Narcissus, sein Name ist seit c. 1000
bekannt in Gerona, und wahrscheinlich
durch Gerbert von Rheims bekannt
geworden, I. S. 302; II. 2, S. 438.
Navarra, Königreich, II. 2, S. a54.
Lage d. Kirche c. 848, S. 354—355. Klö-
ster, S. 35 4— 357. Kloster Leyre, S. 355 ;
Kloster des heiligen Zacharias, S. 356;
Leyre ist Kathedrale v. J. 868 bis
e. 1023, S. 857. 72 Klöster stehen
unter Leyre, S. 357, das 57 Villas hat.
Glnniacenser Reform. Königr.; Garet
(1037), IL 2, & 40a Bflieh Ifafina
(900— 1085), S. 411— 416. SnehoG»-
eias erster König (905, f 925X grtadct
924 Albelda. König GmrciM (985 U»
970). Sancho el Mi^ (970^ f lOK).
zerstückelt aeio Reich, 8. 411— itt;
Kloster Leyre, 8. 412; Sysode-lOiS,
S. 413. N. bis 1134 mit Aragon uirt;
dann wieder Königreicii unter Oaita
Bamirez, IIL 1, S. 183 (f 1L10)l Saa
Sohn Sancho Garoös el Sabio (t IM\
S.184. SanchoVlLelFaerte(ll94-l2Mi
S. 184 lies Sancho VIL statt AHbaa Vü.;
Könige von 1253 an, S. 243. Könige
von N., 1305—1479, S. 314—316. N.
schliesfit sich an Frankreich an, 111 1,
8. 250.
Navas las, de Toloaa, SeUaeht sa
16. Juli 1212, IIL 1, 8.120—126. Die
„Ultramontanea" verlaufen aieiL
Nestorianer, bei den Arabern Tid ftr-
mögend, II. 2, 8. 261—268. Die ?«-
dienste der nCJhaldler' um die WiMca-
Schäften, S. 262— 263. NeaUmaaer siaä
flberall, wo die Araber sind, S. 263—264.
Nithard, Eberh., der deutaebe Jesait
und die Regentin Mariaana, III, 2.
S. 287; wird General-Iaqoiaitor, S.2»«
bis 290, 29 ) (f 1681); Cardinal 167SL
Nunctus, Abt, IL, 2, 8. 117—118.
Nuntiatur, römische, in Madrid, IIL 2,
S. 163-161 (J. 1528); aoU
nisches Staatsinsdtat werden.
0.
Oceanus, inRom,Galieier? IL1,S.471.
Odilo, von Clugny, IL 2, S. 419L
Odoarius, B. (Eb.?) von Logo (t 7»:).
II. 2, S. 251-262.
Oldegar, hl., B. von Barcelona (11151,
erster (neuerer) Eb. v. Tanaoo (1 116 bis
1118), 8. 1^9, Legat P. Calizt's U. ( I 123)l
Robert, Grafv.Tarraeo(112^8. 192 bis
194 (t 1136(37)); seine Schiiftea, 19&
Oliva, Petrus, B. von Yicb, and Abt
von RipoU und Cnza (1018— lOH^X
IL 2, S. 435—438 (f sa Cnxa 3a OtL
1016); seine Schriften, S. 137-438.
Olympius, B. eines nicht
Begister.
561
3iz66, II. 1, S. 368-864 (gegen die
Priscilliaiiisten).
Ofia, San Salvador, Doppel-Kloater, IL 2,
S. 419, 422.
Ofiate, Univeraität, UI. 2, S. 182.
O p p a B , Eb. von Hiapalis, Verräther, II . 2,
S. 242—243.
Orenae, B., II. 2, S. 352; 1071 reati-
tuirt, S. 407-408.
Orosias (nicht Paulus), aua Bracara
(und nicht ans Tarraco), I., S. 257,
278, 885—386. 0., von Bracara, Leben
nnd Schriften, U. 1, S. 398-411; IL 2,
S. 156, 189; III. 2, S. 493.
Osma, B. 1088 re^titairt; B. hL Petma,
lU. 1, S. 7, 19—20.
OsBonoba, B. Vincentioa 306; Idatina
885; Petma 589; IL 1, 8. 425. 0. in
Sylvea restituirt 1189, IIL 1, S. 74.
Otto L, and d. Ghalife Abderrhaman IIL,
IL 2, S. 441—447.
Oviedo, Hauptstadt von Astarien, seit
dem 8. Jahrb., IL 2, S. 244. Bisthum
c. 802—814, S. 244. Synode?, IL 2,
S. 350. Bischöfe im 9. — 10. Jahrb.,
S. 851; war nie ein £b., IL 2, S. 398;
aber .ezemt«", III. 1, S. 12 (J. 1105).
Univeiaitfit, III. 2, B. 183.
P.
Paoe, B., II. 2, S. 142.
Pacianas, B. von Barcelona, Leben
und Schriften, IL 1, S. 318—324.
Palafoz, B. von Cuenca (f 1802), III, 2,
S. 400.
Palatino, IL 2, S. 172, 173.
Palentia, B., IL 1, S. 449, streitig
zwischen Toledo and (Aatorga? Braga?)
1035 reatitoirt, IL 2, S. 413. Montanas
von Toledo an die Palentiner, IL 1,
S. 449—450. Die Universität von P.,
in. 1, S. 112; Concil 1114, IIL 1,
S. 14; Concil 1129, S. 28—30; Ver-
aammlang der Gortea 114S, HL 1, S. 35;
Concil von 1388, S. 394«
Pallas, B. von kurzer Dauer, IL 2,
S. 424—425.
Pallium, das, an Leander von Sevilla»
IL 2, S. 37—40, und das römische
„Vicariftt«, IL 2, S. 473—474; Pall.
Qam>, tpaa. Klrcha. III. S.
im Jahro 1088, IIL 1, S. 4-5, 11
bis 12.
Pamplona, in der Hand der Christen,
IL 2, S. 354, 856, 357; kurze Zeit
maurisch, 1023 restituirt, S.413; wieder
B. 102J, S. 414. Synode v. J. 1023,
S. 415-416. B. Sancho (1023) stellt
(stattLeyre) P. Wieder her, durch Sancho
el Major, S. 415. Die Bischöfe sollen
aber aua den Mönchen von Leyre ge-
nommen werden. If 1. 1, S. 27—28, 184.
P., Hauptstadt von Navarra, IIL 1,
S. 183.
Paraguay, im 18. Jahrb. kein „Para-
dies'« mehr, Ifl. 2, S. 219—220.
Paramo, Lud., Ober die Inquisition,
III. 2, S* 84-86, 89—90.
Paredes, Maria Anna a Jeau, die „Se-
Uge", IIL 2, S. 215.
Paschalis IL, P. (1099-1118), und der
Primat von Toledo; und Santiago, III. 1,
S. 11, 14.
Paschalis, hl., Petrus, III. 1, S. 426-427.
Paator, B. u. SchriftsteUer, IL 1, S. 466
bis 467.
Patern US, Abt von San Juan de la
Pefia; c 1040 B. von Saragossa und
noch 1063. IL 2, S. 418-420, 421.
Paulinua, von Nola, Priester in Barce-
lona, U. 1, S. 324 (Vigihintius, S. 324).
Paulin US, von Aquileja, in Frankfurt
791, IL 2, S. 288; s. libell sacrosyllab.
gegen Elipandus, S. 288-289, 291.
Paulus a S. Maria, getauft 1390, 40 J.
alt, B. von Burgos 1415 (f 1435), III. 1,
S. 407 — 408. Schriften; seine zwei
Söhne als Bischöfe, S. 408 (Alfons und
Gonzalo).
Paulus, V. Emerita; die Schrift: Vitae
patrum Emeritensium ist vom vierten
Kapitel an ficht, der Name des Ver
faasers aber unbekannt, IL 1, S. 421
bis 425; ist gegen Hermenegild, II. 2,
S. 4; 113—118; Abt Nunctns, S. US
bis 114. Die Schrift war bekannt und
geschfizt L J. 906, S. 118.
Paulus, hl., der Apostel P. in Spanien,
L, S. 1 — 75. Sein Entschluss, nach
Spanien zu gehen, S. 1—4. Das Zeugniss
des Clemens von Koro für seine Heise,
S. 5—16; die Zeit seiner spanischen
36
562
Eeglster.
Beiße, S. 50; ging nach seiner Frei-
lassang im Jahre 63 zuerst nach Spa-
nien, S. 51-52; hat wohl den Seeweg
eingeschlagen, S. 52-54. Wirksam-
keit des Apostels in Spanien, S. 55—75.
P. des Lateinischen nicht mächtig?
S. 52, 58—59, 66; er gründete Gemein-
den? S. 63; P. in Astigi? S. 65; in
Libisosa? S. 66-71 (IIF. 2, S. 472
bis 473); in Dertosa? S.71— 75 (IH. 2,
S. 472—473); in Tarragona? III. 2,
S. 473. Der Zusammenhang der Reise
des Apostels P. nach Spanien mit der
Sendung der sieben Apostelschüler, I.,
8. 218—221. Recapitulation und neue
Entdeckungen, III. 2,471-473; ob der
hl. Paulus durch den Süden von Gal-
lien (Narbonne, Arles, Vienne) in den
Orient und nach Rom zurückgekehrt
sei? S. 473—474.
Paulus ni., P. (1534—1549) verbietet
die Sklaverei der Indianer 1537, III. 2,
S. 119—120; ebenso spätere Päpste,
S. .120-121.
Pechina (Paquefia), I., S. 162-165; seit
1872 weiss man, dass Peohina an der
Stelle des alten B. Urci liegt, III. 2, ,
S. 476-477.
Pedro I., König von Aragon (1094 bis
1104), II. 2, S. 418; III. 1, S. 178.
Pedro II., König von Aragonien (1196
bis 1213), regiert seit 1196, III. 1, S.211;
1212 in Toledo und der Schlacht von
Las Navas de Tolosa, S. 121, 123, re-
giert bis 13. Sept. 1215 ; der .Katho-
lische% S. 212.
Pedro, der Grausame, «der Tiger von
Castilien« (1350—1369), ermordet, III. 1,
S. 386-389.
Pelagius, Cardinal 1206, III. 1, S. 112.
Pelagius, Alvar, B. von SiWes, III. 1,
S. 334—336; seine Schriften (t 25. Jan.
1352 zu Sevilla).
Pelayo,Don, erster Herrscher von Astu-
rien c. 720, II, 2, S. 244.
Pelayo, B. von Oviedo, Chronist, II, 2,
S.409--410, III. 1, S. 40-41 (984-1 109),
452.
Pelayo (Pelagius), Märtyrer in Corduba
923, II, 2, S. 408, 409, 452.
Peüa, San Juan, Kloster O. S. &, 0.2,
S. 415, 418—419 unter Abt PatemoB,
gebildet in Clugny, gegründet vor l OK;
Synode? v. J. 1062, S. 420, 422 (lö-
mische Liturgie).
Pefiafiel, Synode v. J. 1302, III, 1,
S. 371.
Perpignan, Pseudo-Synode daa^ 14<^
bis 1409, III. 1, S. 294—295.
Peru, III. 2, S. 118, 173 (Bttrgerkiieg;.
Petrus, von Lerida, II. 2, S. 188, 209.
Petrus, ürseolua (t 997), IL 2, S. 436.
Petrus, Cerebruu, Primas, III. I, S. U
(t 12. Mai 1180).
Petrus, Nolascus, stiftet die Mereadaiwr
(t 26. Dec. 1256), lU. 1, S. 236—2».
Petrus, RegalatUB, 0. S. Fr., and die
strengste Observanz (t 1456), Ilf, 1,
S. 401.
Petrus, HarlTT v. Anghiera, fiber la-
bella I., ni. 2, S. 126; aeü 1437 n
Spanien, S. 124,
Petrus, von Osma, und seine IiTthQnwf,
verdammt an AlcaU 1479, IIL 1, & 451
bis 437.
Petrus, hl., von Aleantars, 1499—1563,
III. 2, S. 195—196.
Philipp I., der SchOne, Gemnld Jojan'a^
III. 2, S. 125; liebt nicht in Spaniea
zu leben; gegen Ferdinand V., 8. 125;
kommt 1506 nach Caatillen, S. Ii6
(t 25. Sept. 1506), S. 127.
Philipp II., Kg. V. Spanien, SCaatsomsi-
potenzler, III. 2, S. 2—3; ttset Henneee-
gild 12. Febr. 1585 canontairen, H. 2, S.5.
Philipp, geb. 1527, mnsa firlUie regiei«i.
in. 2, S. 174-175; 1543—1548 Regest
in Spanien, S. 175; 1543 erste Ehe rat
Maria von Portugal (t 1545); 1548 ia
Belgien, S. 175—176. Ein «ezdnaiTer*
Spanier, S. 176; soll rOmieelNr Kflotg
(Kaiser) 1550 werden; Carl V. ftb»-
schfizt ihn, *. 176—177; Phil, kehrt
1551 nach Spanien heim, S. 177; mosi
IfaHa, «die Katholisehe« , heirattai,
S. 178, seine Qrosstante, 1554; kefcrt
1555 nach Belgien sorfiek, S. 179. M
seiner Regierung v. 1556—1568, 8. IM
bis 201 ; sein Krieg mit P. Paol IV. (1555
bis 1559), S. 185; Friede mltFrmnkrefck
Register.
563
1559, S. 186—186. Philipp*8 dritte Ehe
mit Elisabeth von Valois, S. 186; kehrt
1559 fElr alle Zeit nach Spanien zu-
rfick, S. 186; er beeinfloBst nnd mass-
regelt die Goncilien, S. 188; Phil, und
das Concil von Trient, S. 188-189;
schickt aberall hin seine Commissare,
S. 188—189; seine stetigen Conflikte
mit den Päpsten, S. 192. — Die Re-
gierung Phil. II. in ihrem Niedergange
(1668—1598), 111, 2, S. 221— 251. Don
Carlos, S. 221 — 223. Die Morlscos,
S. 223—228 (Krieg von Granada). Kö-
nigin Elisabeth (f 3. Oct. 1568), S. 231.
Anna von Oesterreich, Phil, vierte Ge-
mahlin, Butter Phil. III., S. 232. Anna
(t 26. October 1580). Philipp 11. geht
„partoQt" nicht nach den Niederlanden,
S. 233—234. Don Juan 1576 in den
Niederlanden, S. 234. Escobedo und
Anton. Perez. Die Fürstin Eboli, S. 2a5.
Escobedo durch Perez beseitigt, S. 235
bis 236, März 1678. Phil. IL seit 1578
im Kampfe mit seinem Günstling Ant.
Perez, S. 236. Perez uud die Eboli
1581 arretirt, S. 236. Perez entflieht
1591 nach Frankreich, S. 238—239; er
wird 7. Sept. 1592 von der Inquisition
verurtheilt. Perez t zu Paris 3. Nov.
1611, S. 2;>9. Sein Ruf nnd Name 1615
rjohabilitirt, S. 24ü. Charakter d. Perez,
S. 240—241. Phil. 11. annexirt Por-
tugal, S. 241. König Sebastian 1568;
Feldzug nach Afrika, S. 242; fällt 1578,
4. Aug. König Enrique I. (f 31. Jan.
1580) ohne Erben. Alba erobert Por-
tugal, S. 243. „Prior" Antonio. Phil,
empfängt 19. April 1582 die Huldigung
der Cortes. Die falschen Sebastiane,
5. 214—246. Die Portugiesen höchst
unzufrieden, S. 245-246. Phil, ver-
unglückter Feldzug gegen Elisabeth
von England. Pius V. und Phil. IL,
111. 2, S. 233 (Niederiande); England
1587, S 247. Phil Stern erbleicht,
S. 248. Sabau über ihn, S. 250, und
Vic. de La Fuente, S. 251 (Josö Guell
y Rentö 1878 über ihn, S. 529—530).
PhiL IL erklärt sich 1596 für bankerott,
S. 251. Er 1 13. September 1698, und
lässt sein Reich in der änssersten
Erschöpfung zurück, in den Händen
eines Nachfolgers, der ebenso wenig
zu regieren anfangen wollte, als sein
Vatlr zu regieren aufhören wollte. Phi-
lipp iL ist meistens auf gespanntem
Fusse mit den Päpsten seiner Zeit;
denn er will mittelst der Päpste die
Kirche Gotfes auf Erden regieren, S. 513
bis 529. Retencion der Bullen, S. 5 3.
Conclave von 1559, S. 514. P. Pius IV.
(1559 — 1565) entgegenkommend gegen
Phil. IL, S, 514—515. Garranza in
harter Haft, S. 515. Pius IV. sehr ent-
täuscht, S. 515—516. Phil. II. über
ihn ergrimmt, S. 516; das Concil von
Trient in Spanien gefälscht, S. 517;
Pius IV. t 9. December 1565. Pius V.
(1566-1572) in Conflikt mit Phil. IL,
welcher dem Papste Verweise ertheilt,
S. 518 — 519. Beschwerden Pius' V
über Phil. IL, S. 519—520. Die Bulle
„In coena Domini", S. 520. Die Tür-
kengefahr bringt Pius V. zum Nachgeben,
S. .520—521 ; er trägt aber mit Schmerzen
das span. Joch, S. 521—522 (f 1. Mai
1572). P. Gregor Xlll. (1572—1585);
Goncessionen in Hülle und Fülle an
Phil. IL, S. 523, und dennoch, PhiL IL
„webeklagt*'. Die Inquisition v. Phil. IL
gehütet. Gregor XIII. f 10. Apr. 1585.
Sixtus V. zuerst energisch geg. Phil. IL,
S. .525; giebt zulezt nach, S. 526.
ürban VL (1590 — 1590), Bewunderer
PhiL IL, S. 526. Nach seinem Tode
schreitet Phil. IL von der „Exclusive*'
zur „Inclusive*' ; er bezeichnet dem
Conclave 7 Cardinäle, aus denen der
Papst zu wählen sei. P. Gregor XIV.
(1590-1591) war einer dieser Sieben,
S. 526. P. Innocenz IX. (1591). P. Cle-
mens VIII. (1592). Phil. IL „Unver-
frorenheit" wächst mit den Jahren.
Cardinal Baronius zweimal „exdudirt".
Heinrich IV. von Frankreich 1595 vom
Papste anerkannt, wodurch sich PhiL IL
tOdrlich beleidigt fühlt Die Cardinäle
emancipiren sich von dem spanischen
Drucke. Der ohnmächtige Phil. IL wird
von allen Seiten verlassen.
Philipp IIL; seine Zeiten (159»— 1G2I),
III. 2, S. 252; sein Premier- Minister
36 •
564
Register.
Lerma, S. 253; seine Gremahlin Mar-
garetha von Habsbnrg, S. 253; Ans-
treibong d.Morisco's IfiOd— 1613, S.254;
Jnan de Rivera, Eb. von Valencia
dafür, S. 254-255— 256. Die Morisco's
aus Valencia, S. 255— 2r 6; die v. Anda-
lusien (80.000), S. 256—257; die v. Marcia,
S. 257; aus Aragonien (an 74.000 See-
len) and Catalonlen (c. 50.000), S. 257
(J. 1610). Die M. ans Castilien ver-
bannt, S. 258 (über 100.000). Janer
über diese Massregeln, S. 269 — 260.
Lerma und die Morisco*s, S. 260. Juan
Mariana gemassregelt, 8. 261. Lerma
wird Cardinal 1618, S. 262, und ge-
stürzt; wird Priester. Phil III. 1619
in Portugal, S. 262-264; Minister
Uceda, Lerma*s Sohn, S. 262—263;
Phil. III. (t 31. März 1621), S. 263.
Fr. Quevedo über ihn, S. 263—264.
V. Lafnente über ihn, S. 264; seine
Kinder, S. 265.
Philipp IV. (1621-1665), III. 2, S. 265
bis 2S6; regiert, 16 Jahre alt, S. 265;
Streit über das Patronat der Heiligen,
S. 266—271. Weitere Patronate der
Heiligen, S. 272; Quevedo für Santiago,
S. 272-273. Patronat des hl. Michaöl,
S. 273; 1678 des hl. Joseph; 1702 des
hl. Jannarius; 1760 „der unbefleckten
EmpfängniBS^ S. 274. Phil. IV. „re-
giert nicht und verwaltet nicht", S. 274,
vielmehr der Graf Herzog Olivares von
1621 an. Phil, kostbare Liebhabereien
S. 275-277, 27«, 279. Nothstand des
Landes, S. 277. 1640 Revolution in
Catalonien, S. 277-278. 1. Deo. 1640
Revolution in Portugal, S. 278. Jo-
hann IV. von Braganza. Olivares er-
liegt, S. 279, entlassen am 17. Jan.
1643 (t 21. Juli 1645). Phil. IV. will
selbst regieren, doch regierte znlezt
Luis de Haro. Phil. IV. wird fromm.
Portugal und Spanien bekriegen sich
in Rom, S. 280. Portugal in Rom nicht
anerkannt, 1642. Die Spanier dominiren
und terrorisiren in Rom, S. 281. Alle
Bisthümer Portugals seit 1658 er-
ledigt, S. 281. Aber auch Portugal
giebt nicht nach, S. 281 — 282. Phfl.
zwei Gemahlinen und Kinder, S. 282
bis 283. Der PyrenSenMede 1659 nk
Frankreich, S. 283. Loi8Haro(t96.N«T.
1661, doch auch ein gafer lÜBiitcr)
Die Spanier erliegen auTs Neoe vor
den Portugiesen, 1663—1665, 8. 281
Phil. IV. t 17. Sept 1665, S. %L
13. Febr. 1668 Friede mit PoriagiL
Im Jahre 1672 wieder Biaehöfe ftr
Portugal, S. 2a5, 286. Cardinal Ha-
zarin und König Lndwig" XIV. düxiW
die Hauptschuld an der Venraiea^
der Kirche in Portugal treffen, Su 266.
Philipp V., von Orleana, KBmg voa
Spanien (1700-1746), HL 2, 8. 304 b«
312. Die Königin Marie LcMiiae Qa-
briele, S. 306. Der ^Nutiaehe Erbfelge-
krieg 1704 — 1712, S. 300— d07. Der
Card. Portocarrero a. d. Fttratm UnoK
S. 307. S. 311 oorrigire 1707 — 1708
statt 1807; Conflikt mit Rom liO»
(wegen angebl. Hinneigong P. Qe>
mens XI. zu Carl von Ocotcrreiefc),
8. 312. Melch. Macanas, S. 313—315.
Friede von Utrecht und Baden (17U
und 1714), 8. 315. Phil. V. aoerkaoit,
8. 315—316. Die Spanier oüflaeo a»
Italien weichen, 8. 316. Königin Eli-
sabeth Famese von Parma, 8. 316,
stürzt die Fürstin Ursini 1714, 8. 316.
Card« Jul. Alberoni herrscht nacli ihr
in Spanien, 8. 317 flg. PhiL will <&»
Kirche reformiren, 8. 330. Nene Con-
flikte mit Rom 1734—1737, 8. a:>3 b«
335, Der Streit am das allgeineiBe
Patronatarecht, S 335, 336-^^^38; das
Asylrecht beschrinkt, S. 339. Daa Cos-
cordat von 1161, S. 335—838. Krieg
in ItaUen 1742, 8. 340. PhiL V. f 9.
1746; sein Charakter, 8. 341—342.
Philippinen, die, entdeckt and
1564, ni. 2, S. 194—195.
Pins, hl., V. (1566—1572), ond die ßpi-
tfiler in Spanien, III, 2, 8. 193; ver-
bietet die Stierkämpfe 1567, lü. 8.
S. 197 ; s. Inquisition, Philipp iL
Placentia, B. 1186, IIL 1, S. 59.
Pole, fieginald, Card., lU. 2, 8. 178;
in Engknd 155i.
Po nee, de Leon, Luia; aan Frocem,
IIL 2, S. 200—201; seine Schriften.
Ponz, Ant; seine Reisen, HL 2, SL 42ri.
Register.
565
Portocarrero, Card, (t 1709), Ilf. 2,
S. 307 sq.
Po rtucale (Oporto), B., II, 2, S. 853, 408.
Portugal, KOoigreich, III. 1, 8. 64-80,
Oraf Heinrich (f 12. April 1112). Re-
geDtin Theresia (1 1 14— 1130) ; seit 1 115
„Königin«, 8. 65—66 (f 1. Nov. 1130);
1128-1137 Alonso I. „Infant«, 1187
„Fürst"; 1139 Schlacht von Ouriqne,
aus welcher Portugal entstand. Alfons
König; die Cortes von Lamego 1143,
S. 67—68. Alfons sucht „Fühlung«
mit Rom; nimmt Santarem 1H7, 8. 70;
Lissabon 1147, 1162 Beja, S. 71;
Evora 1166 (t 6. Dec. 1185, S. 72—73);
Chronicum Lusitanum 311— 1184, 8. 73.
König Sancho I. (f 1211), S. 175.
Alfons II. (t 25. März 1223), 8. 75—77.
Sancho II. erobert Algarve, resignirt
1245, S. 77 (Chronicon, II. 2, 8. 410).
Portugal, Geschichte von 1245—1500,
III. 1, 8. 317—351. König Alfons III.
erobert den Rest von Algarve, S. 318;
wegen Doppelehe im Banne, 8. 319 bis
320; seine Angriffe gegen die Kirche,
S. 321, trozt ohne Endo (f 16. Febr.
1279), 8. 324. Diniz, vortreffl. König
(1280— 13-25), 8. 324. Die hl. Elisabeth
seit 1282 seine Gemahlin, S. 325; seine
Seefahrten; Ausgleich mit den Bischöfen
1289, 8. 325. 40 Artikel. 1309 die
vierte „Concordia«, 8. 326. Die Klö-
ster, 8. 326—327. Orden von Santiago,
getrennt von dem in Castilien, 8. 327,
(1288-1320). 60 Commenden. Die
Tempelherrn, 8. 327, — aufgehoben,
S. 328. Der „Christusorden« 1319; sein
Hauptsiz in Thomar, 8. 329 — sind
die alten Templer, 8. 330. Krieg zwi-
schen Diniz und seinem Sohne, 8. 330.
Die hl. Elisabeth stiftet wiederholt
Frieden, 8. 380-331; herriiches Ende
des Königs Diniz, S. 331. König Di-
niz (t 7. Jan. 1325), 8. 831. Die
hl. Elisabeth, 8. 332; „die Friedens-
etifterin« (t 4. Juli 1836), S. 332—333.
König Alfons IV. (1325—1357), 8. 336
bis 337, und die Cortes von Lamego;
1340 grosser Einfall d. Mauren; Schlacht
am Salado, 8. 837. König Pedro II.
(1857—1367). Cortes zu Elvas 1361.
König Ferdinand 1367, der „Verschwen-
der«, trachtet nach Castilien, 8. 339.
Friede von 1371 (t 1383), 8. 340, Unter
ihm kommen die Engländer in*s Land,
8. 341. Die „Union** mit Castilien im
Blute erstickt, 8. 341. Der Pöbel von
Lissabon und von Evora 1383. Jo&o I.
der „Defensor«, 8. 341; 1384 schliessen
die Castilianer Lissabon ein, 8. 341,
und müssen abziehen. Der „Denfensor''
König (1385— 1433), 8. 342; 1431 Friede
mit (}astilien, Jofio I. im Frieden mit
der Kirche, 8. 343—344; seit 1422 die
Christi. Zeitrechnung, 8. 344 (f 14. Aug.
1433). König Duarte(1433—1438),8.344.
Der „Infant'* Ferdinand, ein Märtyrer
1438 in Fez (f Juni 1443), S. 346.
Duarte (f 1438). Don Pedro 10 Jahre
Regent. Alfons V. (1448—1481), „der
Afrikaner«, 8. 347. Entdeckungen in
Afrika zur See. Henrique, „der See-
fahrer (t 1460); 1471 Feldzug nach
Afrika, S. 348. Tanger Bisthum. Al-
fons V. will wieder Castilien erobern
1475, 8. 349; geschlagen 1476; Friede
von 1479. Alfonso (f 1481). Jofio If.
(1481—1495); Emmanuel der Grosse,
8. 349—351 ; 1497 das Vorgebirge der
guten Hoffhung umfahren. Emmanuel
1498 Thronerbe von Castilien, 8. 849
bis 350, und von Aragonien.
Potamius, B. von Lissabon, Angst-
Arianer, IL 1, 8. 314—317.
Primat; s, Julian u. Bernhard v. Toledo.
Priscillianisten, die, in Spanien, ILl,
8. 359—394. Literatur über sie, 8. 359
bis 361. Ihr Ursprung zur Zeit d. Hosius»
8. 361—366; IIL 2, 8. 492. Ihre Häupter
(Marcus, Agape, Elpidius, Instantius,
Salvian, Prisoillian), 8. 366—367. Lusi-
tanien ihr erster Siz, 8. 367—368. Sy-
node von Saragossa (380) gegen sie,
8. 869—372. Ihre Schicksale in d. J.
381—385, S. 372. Synode v. Bordeaux
c. 384, 8. 375 (Idacius, Ithacins), 8. 372
bis 378 (die Bischöfe Rufus u. lüignus) ;
Schicksale d. Priscillianisten v. 885 bis
400. Martinus, Ambrosius u. P. Siridus
über und gegen sie, 8. 379—383. Ganz
Galicien flUlt ihnen zu, S. 383^388.
Ende des Ursurpators Maximus. Hie-
566
Register.
ronymnB im Verkehre mit SjNinien.
Synode von Toledo 400, S. 389—394
(II. 1, S. 449), II. ], S. 458— 461, 463,
466-467, 475-479. TaribiuB fiber uDd
gegen sie; IL 2, S. 156.
Prudentias, Anrel. Pr. GlemenS) IL 1,
8 337—358; wohl der grOaste Christ-
liehe Dichter; aas Saragossa, nicht
ans Calahorra, S. 337—342; sein Leben,
B. 342—344; seine Schriften, S. 344
bis 354 ; Aasgaben, S. 356—358, II. 2,
S. 188, 189-190, 192; lU. 2, S. 491.
0.
Qoevedo, Frans, IIL 2, S. 65.
Qnevedo, Card., B. von Orense, liL 2,
S. 897—398.
QQiricns, B. von Barcelona (t B79),
n. 8, S. 150, 160, 167, 188, 200, 212
bis 813, 231.
QoiricQS, £b. von Toledo (seit 667),
n. 2, 8. 162, J.675, S. 165, 213, 229
bis 230.
R.
Ramiro L, König von Aragonien (1035
bis 1067), IL 2, S. 4IG-417.
Ramiro II. (1134), König von Arago-
nien, flL 1, S 182-183.
Raymond, 0. S. B., „Primas" von To-
ledo, IIL 1, S. 20-21, 23—24; mOht
sich nm seinen .Primat* vergebens
ab(112S-1151), m.l,S.28; OoncUien
miter ihm, S. 29, 35; will so S. Denys
den Leib Eogen's I. entdeckt haben,
S, 35-36-37 (t 1150-1154) S. 44;
kzöot König Attons VIL; S. lOL
Raymond, Cistere. Abt von Fitero,
rt n63\ IIL 1, S. 54. 173-174.
Raymand, hl., Nonnatns, ond die Her-
ccdarier, IIL 1, S i3^; Cardinal ^der
dritte ^Musdie (t 31. Aog. 1240).
Raymond, hL, von Ptainaforte, IIL 1,
S. )!29, 2j7; sein Leben, S. 246—247;
geb. c. 1177; 1223 0. S. D.; seine
«Decfetalen,* S. 246 (f 6. Jan. 1275).
Baymoadna, LoUos, III. 1, S. 287 bis
2S9; a. Schriften; a 292 a. Irtthümer.
Recesmood, B. von Granada e. 956,
Oenndter an Otto L, U. 2, S. 444;
SL Litnrgie, Monnber.
Receswinth, seit 649 MHngeBt, \l :
S. 126, 134, 138, 140-144 (t ^^
149—150; ist er wirkliA darefa tt
Juden oder die Jftdinen aehHsmer ^^
worden? a 159—160. Seine Krocrc:
Rec. und die .mit dem Porper p:
schmfiekte Bohlerin* ? IL 8» 8. Hl !»
162; i>48..
Reformatoren, o. die Keacr, I1L2,S.>
Reliquien, ihre Flocht
IL 2, S. 219-251.
Repartimientos, die,
Amerika, lU. 8, S. 1 10.
RipoU, Kketer, IL 8, 8. 429, 431-4 ..
vierte Einweihnng 1038, S. 4)5; i^*
Ritterorden, geistL, oDmiL voc der
Krone absorbiit, UI. 1, S. 433-434
Roda, B. 957, IL 2, S. 4^ i3L
Rodrigo, König (709), IL 8, S. !64Ni
185; onterliegt gegen die Anber
S. 184—185, 26. Joli 71 L
Rodrigo, el Gerratenoe, IL 2, S. 2^
Rodrigo (Roderich) Ximenea, Uxr u
Abschaffung der Toletaniadiea Uts:^
IL 2, S. 460-461; IIL 1. S. S, :*,
39, 47, 51—53. Der Eb. Don lu^lr
Ximenes von Toledo nod seiBe Ui
IIL 1, S. 111—120^ 128—150; Rm
Osma 120^ S. 113; 1806 Eb. vucT-
ledo, S. 114; Prioua 1. Min If*
S. 115; bemttht sieh oa den K^csz:^
gegen die Maaren, S. 116 — 18QL ^^
i. J. 1216 in Rom. S. 130; vieflci:
schon 8. Oct 1215; lengoet J««
Ankunft (an d« Lebaeitao) in S^
a 132. Er streiiet in Rom bb iri
Primat, S. 134; ist vor dem II Ja
1216 in Rom, a 137. Im Jahre i t
sein Primatialstreit gegen iha, ■&<!
die Braearenaer entaebiedeo, &
gewinnt d. Amt »Casorla,* l^L S
beginnt 1826 den B«a aoiBsr u
drale, S. 141 — 148; öO «Rmmt*!
in Toledo, S. 148, ond 40 Cana.£
DonRodr.n. P. 6re^. IX. 12H
c 1235 dritte Romreiae, S. li'
1840 vierte?, ond wieder vcifc^'-
Primatial-Mtthen, S. 146 (t \^
la Jnni 1247); seine Nadiiw^^vr '''
1847 an, S« 146—147; seine Sek««'-
S. 82t(, Rodr. und Turaoo.
—*
Register.
567
Rodrigo, Ciadad de, B. 1176, III. 1,
[ S. 108-109.
So m, die Tradition der römisclieii Kirche
über den Apostel Paulus, I., S. 29—39.
Centralstellnng d. römischen Gemeinde,
S. 205-208, 231—232. Rom,Lockerung
der Verbindung mit Rom seit 636,
II. 2, S. 222—238; latentes Schisma.
Eugen I. und der rOmiscbe Primat,
S. 223; Isidor weist ihn surecht, S. 224.
Braulio'8 hiziger Brief an P. Honorius I.
638, S. 224 — 227. Erstfirmung und
Plflndernng von Rom, Mai 1527, III. 2,
S. 161.
Romanus, P. (897), II. 2, S. 358.
Rosa, hL, von Lima, III. 2, S. 214—215.
Rnbicon, B. 1404, ÜI. 1, S. 169.
Radesindus, hl., gründet Celanova^
Abt das., IL 2, 351, 405; Verweser
von Compostella, S. 406 (t L März
977).
Ruf US, von Dertosa? L, S. 71—75, 226.
8.
Sahagun, 0. S. B., IIL 1, S. 38; 8.Esca-
lona.
Salamancs, Goncil v. J. 1154, III. 1,
S. 37—38; Condl v. J. 1175, UI. 1,
S. 60; Concü v. J. 1192, S. 61—62;
Condl v. J. 1310, S. 373-^74; Condl
V. J. 1335, in. 1, S. 382-^83; Concil
V. J. 1381, S. 393. Synode v. J. 1410,
S. 397. Condl v. J. 1565, UI. 2, S. 187.
UniverntSt c. 1212 ; 1255 bestätigt, HL 1,
S. 112; 374-375, 405; ihr Einkommen;
CoUegien daselbst, lU. 2, S. 124—125,
S. 134—136.
Sales, Asensio, B. v. Barcelona, IIL 2,
401—402.
Sampiro, B. von Astorga (10^5— 1040),
Chronik der Jahre 866 — 982, IL 2,
S. 406—410; Aber die KOnige von Leon,
m. 1, S. 41.
Samson, Abt, v. Cordova, IL 2, S. 807
bis 308, 318, 319-321, 330—331, 331
bis 333, Leben und Schriften; S. 334
bis 335.
Sancho Ramirez, König von Aragonien
(1067—1094), IL 2, S. 417—418, 42L
Gregor VII. an ihn, S. 459.
Sancho Major, König von Navarra
(1024), U. 2, S. 403.
Sancho IIL, König v. Castilien, ÜI. 1,
S. 52-54 (t 31. August 1158); sein
hohes Lob.
Sancho IV., König von Castilien (1284
bis 1295), in. 1, S. 370.
Saragossa, Concil v. J. 380, s. Pris-
cillian.; zweites Concil v. J. 592, IL 2,
S. 22—23; drittes Condl v. J.691; S. 180.
B. Senior (858), 11,2, S. 311, 336, 355
bis 356; 359—360. B. von Saragossa
(c. 1040 — 1063) Paternus; Synode?
V. J. 1058, S. 420. S. zurflckerobert
1118; neues B. c. 1118, IIL 1, S. U.
Cathedrale San Salvador, S. 179. £b.
1318; Concil v. J. 1318, III. 1, S. 278
bis 279. Erzbischöfe von 1318—1520,
m. 1, S. 311-312. Concil v. J. 1565
bis 1566, IIL 2, S. 187.
S.armiento, Martin, 0. S. B., IIL 2
S. 412.
Sebastian, v. Salamanca, IL 2, S. 174
bis 175 (Chronist).
Seonndus, hl., von Abula, L, S. 150 bis
158; UI. 2, S. 475-476.
Segovia, zeitweilig beim B. Palentia,
IL 1, S. 450; 1123 restitnirt, IIL 1,
S. 17.
Seneca, und Martin von Braga, IL 1,
S. 472-476.
Sepulveda, über Carl V., m. 2, S. 183.
Servandus und Germanus, Krieger und
Märtyrer, I., S. 872-375.
Servede, Michaöl, als Kezer in Genf
verbrannt, III. 2, S. 79.
Severus, B. von Menoroa, und die
Juden, U. 1, S. 406-407.
Severus, B. von Malaga, Schriftsteller
vor 589, IL 1, S. 419; IL 2, S. 53.
Sevilla (Hispalis), L, S« 56, 65, 248,
. 283. Verehrung der heil. Justa und
Rufina, S. 287—288. Hauptstadt im
4.-5. Jahrb., S. 390—391. Die Kirchen-
provinz von 357—589, IL 1, S. 414 bis
419. Eb.Marcellus 400, S. 414. Sabinus
j. 440^.441,461. Epiphanius nintrusus*'
441, S. 415. Orontins (c. 462-472).
Zeno (472—486), „Vicarius" d. Papstes
Simplicius und Felix III. über Spa-
nien, S. 415 — 416. Sallustius, Vicar
568
Register.
des P. Hormifldas (614—523), S. 416
biB 418 Ober Baetica iL Lnsitanien. IL, 9,
S. 299; m. 1, S. 47. CodcU v. J. 590,
IL 2, S. 19—32; 2. Goncil y. J. 619,
S. 85—90, ein Werk Isidors; S. 9a
c. 937 £b. Jalian, IL 2, S. 447. Eb.
Clemens flieht nach 1144, and stirbt in
Talavera, U. 2, 8. 299; lU. 1, S. 47.
Sevilla 1248 wieder erobert, IIL 1,
8. 160—162. Nene Cathedrale; Gathe-
drale 1401 beschlossen, 1403 begonnen,
gebaut bis 1511 und 1519, HL 1, 8. 899
bis 401. Ooncil v. J. 1352, S. 885;
Erzbisehöfe von 1249 — 1352, 8. 385;
Goncil V. J. 1412, 8. 398; Eb. von 1360
bis 1412; Eb. bis 1482, 8. 433; Eb.
im 15. Jahrhundert, lU. 1, 8. 404—405.
Autodafes, 1559 — 1560, IIL 2, 8. 199.
Sevilla, die Junta von 1810, IIL 2,
8. 428—429.
8c hack, Jul., fiber die deutschen Hexen
und die spanische Inquisition, III. 2,
8. 57; 77, 81.
Siebenmfinner, II. 2, 8. 199, 451—452
(bei den Mozarabern hochverelirt) ; siehe
apostolische 8.
Siguenza, B., IL 2, 8. 856.
Siliquen, Münzen, IL 2, 8. 22—24.
Silos, Kloster, XL 2, 8. 422.
Silves, B., IIL 1, 8. 319-320.
Simancas, B. von kurzer Dauer, II, 2,
8. 850.
Simonet, Xav., II. 2, S. 187, 448 (Re-
cesmund), III. 2, 8. 478.
Sinai, Reliquien der hl. Catharina und
des hl. Jaoobus? daselbst, IL 2, 8. 388
bis 390; IIL 2, 8. 505—507.
Sindered, Eb. von Toledo (711—714),
flieht nach Rom, war dort 721, XL 2,
S. 242.
3isbert, IL 2, 8. 180, 221.
Sisebut, König (612— 621), und Schrift-
steiler, IL 2, 8. 77— 78; 8 Briefe von
und an ihn; Strafbrief an Eb. Euse-
bins, 8. 79—80; Sis. nnd die liOngo-
barden, S. 80; 99.
Sisenand, König (631—636), 11.2,8.81
bis 82, 101.
8 ixt US ly.; s. Inquisition.
Sixtus V.; s. Hermenegild, Philipp IL
Sobrarbe, kleines Königr., II. 2, 8. 417.
Sodomie, und Inquisition^ IIL 2, 8. 51
bis 52.
Solidns, Mftnze, IL 2, 8. 24.
Sonntagsfeier, IL 2, 8. 17.
Sotomayor, Ant, III. 2, 8. 422.
Spanien, das Ende des Abendlandes
bei den Alten, L, 8. 6—16; die Ejrche
in, von 400—429, IL 1, 8. 395—397.
Stand der Bevölkerung 8p. in den ver-
schiedenen Zeitaltem, III. I, S. 447 bis
470; IIL 2, S. 511.
Speraindeo, Abt in Oordnba, U. 2,
8. 330.
Strassen, d. (bis Jezt weniger bekaiiBteD)
römischen in Sp., III. 1, S. 471 — 482.
Sueven, Reich der, von 441— 587, ILl,
8. 456-457. König Garrarieh wird
katholisch (c. 550— 559). König Ariamir,
König Mir. 570, 8. 461, von Martin
V. Braga bekehrt, 8. 472—473 (nach
Isidor, II, 2, 8. 110).
Swintila, König (621—631), herrscht,
der erste, Aber die ganze pyreo. Halb-
insel, IL 2, 8. 81 ; abgesezt 631.
Syagrius, B. und Schriftsteller, U. 1,
8. 466-467.
TaJ 0, B. von Saragossa (653—606), II. 2,
8. 147—151; Schriften. T$io in Born,
8. 185, 227, 228.
Talavera, erster Eb. v. GhraiuuU (1432,
t 1507), IIL 2, 8. 49, 127— 12a
Tfinze, lascive, in Spanien, II. 2, S. 14,
52—58, 157.
Tarra, Mönch, aus Cauliana? U. 2,8. 117.
Tarraco; s. Fructuosus. £b. Ifimerios
385, II. 1, 8. 426; Tarr. und Born,
8. 426; P. Siridus 385 an ihn, in
15 Kapiteln, S. 426-429; P. Inno-
cenz 1. 40L Die Kirchenprovnia v. J.
357-589), II. 1, 8. 426—441; ftber
Bischöfe dieser Provinz, 8. 429— 43a
Die Tarr. Bischöfe an P. Hilariua c. 465,
8. 430 — 431. Eb. Aseaniua e. 465,
S. 431. P. HilariuB an ihn, S. 481 bis
432. Eb. Johannes und P. Honnisdas.
516 Ck>ncil zu Tarr., 8.432-434. So^
gins, Eb. (539-540). Tarr, reagirt
gegen den Primat von Toledo, IIL 1,
8. 23—25. Tarr. u. die Uturgie, U. %
Register.
669
8. 202—204; Tarr. and Rom, S. 203,
Tarraco-Ansona, IL 2, S. 426. Das
£b. provisorisch wiederhergestellt 1091,
als Aasona, als und in Tarraco 1116
bis 111^; s. Oldegar. Tarr. seit 1163
frei vom Primat von Toledo, Ilf* 1,
S. 186-187. Neuere ErzbischOfe: Ol-
degar, Gregor (f 1146), Bemard Torts
(1146—1163), JH. 1, S. 196—197; seit
1146 viele Concilien; erhält 1154 eilf
Safiragane. DieGanonikerl]540.S.A.,
S. 198—199, 203. Eb. Hugo de Cer-
velho, ermordet April 1171, S. 203 bis
204; Wilhelm v. Torroya, Eb. 1172,
11 r. 1, S. 205—208 (t 1174). Berengar
V. Villamur; Concil zuTarr. 1180, 8*208;
ermordet v. s. Verwandten 1194, S. 209;
dessen Busse, 209-210; 1194 Eb. Rai-
mund von Castelltersol , S. 210; Eb.
von 1200 an, 111. 1, 8. 220—221; Gondl
V. J. 12J0, S. 224. Eb. Petrus de Al-
balat hält 8 Concilien 1239—1248;
Concil V. J. 1239 zu Tarr., S. 226—227;
1242 Concil gegen die Eatharer .und
Waldenser, S. 229 flg., 217—249; Bau
der Cathedrale vollendet, S. 2ö6— 259;
Eb. im 14. Jahrb., 8. '^83—293; Eb.
im 15. Jahrh. bis 1529, S. 295—313;
Eb. der neuem Zeit, 111. 2, 8. 401.
Taufen, III. 1, 8. 189; keine Gebühren
daf., II. 1, 8. 463; H. 2, 8. 140, 164.
Tavira, B. v. Salamanca, III. 2, 8. 398.
Tello, B. von Palencia, in. 1, 8. 175.
Teiada, y Ramiro (f c. 1863) Colecdon
de Concilios, t Vll., edic. 185^—1862,
I., 8. 285; III. 2, 8. 469.
Telmo, Petrus Gonzalez, III. 1, 8 175
bis 176 (t 1240).
Tempelherrn, die Aufhebung der (zu-
nächst in Aragonien), III. 1, 8. 260 bis
279. Quellen, S. 260—261. KOnig
Philipp IV. an König D. Jayme II.
Jayme an P. Gemens V. 1307, 8. 261,
and dieser an Jayme, 8. 261 — 262.
Die Templer eingesperrt, 8. 262. Ja-
nuar la08 Concil zu Tarragona, S. 263.
Clemens und D. Jayme Jl. 1308, 8. 264.
Die belagerten Templer, 8. 265-266;
sie appelliren an den Papst. Das Jahr
1309, 8. 266. Das Jahr 1310, 8. 267.
Condl von Vienne auf 1. Oct 1310
Oavom, ipui. Klrobe. III. 8.
berufen, 8. 267—268. Die Templer ver-
wahrt. Oct. 1310 Concil v. Tarr., 8. 268 ;
Differenzen fiber die Gttter der Templer,
8. 269—270. Jaymell. lässt die Templer
foltern. Concil von Vienne v. 16. Oct.
1311, 8. 271; Philipp der SchOne fibt
mit seiner Armee „einen Druck** auf
den Papst aus, 2. März 1312, 8. 271.
22. März — 3. April die Templer auf-
gehoben. Bulle vom 22. März, 8. 272.
Die Aufhebungsbulle verloren u. wieder
gefunden 1806, 1865—1866, 8. 272 bis
273; „Vox in ezcelso^. Die Güter der
Templer zumeist an die Johanniter,
2« Mai 1312. Concil fQr die Templer
zu Tarragona März und 18. Oct. 1312,
8. 271. Am 4. Nov. werden sie von
aller Schuld losgesprochen, 8« 271,
275. Seit 1331 durften sie in andere
Orden eintreten, S. 276. — Templer, die,
in Castilien aufgehoben, 1308, IIU 1,
8. 373 — 374; fUr unschuldig erklärt
und freigesprochen in Salamanca 1810.
Templer, ill. 1, S. 51; in Portugal,
8. 57; in Aragonien, 8. 182, 186, 195;
ihre Aufhebung; s. Aragonien, Casti-
lien, Portugal.
Thecla , hl., Patronin und Cathedrale
der hl. Th. in Tarraco, III. 1, 8. 189;
Neubau der Cathedrale, III. 1, 8. 194,
199; ihr Fest, S. 226; der Bau voll-
endet, 8. 256; III. 2, 8. 473. «
Theodosius, -Gr., Kaiser (f 395), aus
Cauea in Galicien, II. 1, S. 332—334.
Theresia, Dofia, 1190 Königin v. Leon,
Iir. 1, 8.61, 62; Cistercienserin in Lor-
vaon (t 17. Juni 1250).
Theresia, hl. (1515, f 4. Oct. 1582);
Leben, Schriften; ihr Patronat fiber
Spanien, III. 2, S. 266—271.
Toledo, vordem nicht Metropolis, II. 1,
S. 445; Eb. Montanus; B. Melantiua,
II. 1, S. 445; Schriftsteller Audentius
8. 445; Asturius 400, 8. 445; (Eugenl.?),
8. 445; Asturius war neunter B. in
Toledo, erster v. Complutum, S. 445,
446 (8. Justus u. Pastor, I., 8. 330—332);
Celsus c 508 — 522; Eb. Montanus 522
bis 531; seine Synode v. J. 527, II. 1,
8. 446—448, mit nur vier Bischöfen aus
d. „Provinz"; „praktische Beschlttsse'* ,
37
570
Register.
S, 449; die zwei Briefe des Montanns
„sehr erregt" geschrieben, S. 449 bis
452. Dritte Toletanische Synode v. J.
589, H. 2, S. 6—16; mit 62 Bischöfen
und in 23 Kapiteln, S. 11 — 14; das
Concil voD Toi. v. J. 597, S. 25-26;
B. Enphemius (587 u. 589), S. 68, 75,
Erzbischof von Garpetanien; Adel-
phins 597, S. 69—70; Aorasius c. 603
bis 615, S. 75, 76; als Metropolit v.
Carthaginensls; (angezweifelte) Synode
unter KOnig Gundemar 610, S. 71 bis
74; Decret des Gundemar, S. 74 — 77;
Eb. hl. Helladins (615-.633), S. 82;
vorher Abt von Agli, als „Heiliger",
S. 83; Eb. Jnstus (633—636), S. 84,
182; vierte Synode v. 5. Dec 633,
S. 90—101; nach Canon 2 soll nur
eine Liturgie bestehen, S. 91,92; am
18. Mai sei jährlich die Synode, S. 93,
Ordnung des Concils, 9. 93; Char-
freitag, S. 94; Kirchenhymnen, S. 94;
Canon 2—18 über die Liturgie; Canon
19 — 48 über die Bischöfe und den
Klerus; Wahl und Weihe der Bischöfe,
S. 95—96; Pfarrer, S. 96; Canon 57
bis 66 über die Juden. Es ist diess
die grosse Mustersynode, S. 101 ; 69 Un-
terschriften. 5. Synode v. Toi v. J. 636,
S. 119—120; 9 Canones der Synode,
„sehr königlich'' (Kg. Chintila). 6. Sy-
node V. J.6cf8 mit 52 Bischöfen u. 19 Ca-
nones, S. 121 — 123. 7. Synode 640;
6 Canones, S. 124—126, ganz poli-
tisch, vielmehr „Chintilaisch"; 6 De-
crete und 41 Unterschriften. 8. Sy-
node V. J. 653, S. 126—128; 12 Canones.
9. Synode v. J. 555, S. 128. 10. Synode
V. J. 556, S. 131—132; Unterbrechung v.
19 Jahren zur Zeit der „purpurata
meretrix«. 11. Synode v. J. 675, S. 161
bis 165. 12. Synode v. J. 681, S. 168
bis 171. 13. Synode v. J. 683 mit 12 Ka^
piteln, S. 172-173. Concil v. J. 684,
S. 174. 15. (National-) Synode v. J. 688,
S. 175— 17H; s. Julian von Toi., Eb.
Sisbert (690 bis c. 693), Verräther,
S. 180, 182, 183. - Toi. wiedererobert
1085, s. Primas; Toi, Concü v. J. 1138,
III. 1, S. 35 (30Canoniker); Erzbischöfe
von 1250 an, 8. 354—556; Eb. lufant
Sancho If. 1266, S. 356, SSS;
21.0ct. 1275, S. 364 ; EnbiaefaOfe ▼. ITn
bis 1802, S. 370—372; EnbiM^fe in
14. Jahrb., S. 384; ErsbiachOie toi
1310 an, S.378, 379; Eb. tob H»aa,
Johannes von Aragon, S. 37S— 381.
Toi. Universität, lü. 2, S. 136; 14
nicht mehr Primaüe von 1851 an; ne^
Bourbon, Portocarrero, Lorramna, Ib-
guanzo etc.
Torquemada, Thomas, erster Geaenl-
Inquisitor (f 1498), III. 2, S. «2, M.
56, 65, 67.
Torres, Felix Amat, Eb. von Pateyn.
(geb. 1750, t 28. Sept. 1884); mat
Schriften, III. 2, S. 463—464; Fdix
Amat y Torres, deasen Neffe, B. vot
Astorga(geb. 1772, t 29. Dee. 184?.
S. 463-464.
Tortosa, B. (Dertosa), I., S. &4, 5s
69; Paulus in T.? S. 71—75; 204;
III. 2, S. 478. T. wiedererobert II48,
III. 1, S. 180; B. 1151, S. «OO-»)!:
Cathedrale das. 1178 vollendet, & 20»:
grosse Einigungssynode 1429, S. »
und Beformen das., gehalten tob Cv-
dinallegaten Foix; Reformen der Sitka,
S. 309.
TostatuB, Alph., B. v. Avüa (t 14».
fruchtbarster Schriftsteller, J., S. IT;
III. 1, S, 420-421.
Trini tarier in Afrika, 10. 1, S. 168,
169; in Spanien, S. 177.
Tulga, König (640), II. 2, S. 124, be-
seitigt»
Turiasso (Taraaona); B. Iäo 4ä
Concil, UI. 1, S. 223.
Turibins, hL, Eb. von Aitoiga» «
Verkehr mit P. Leo L, U. 1, & ^^
bis 479.
Tnribius, hL, von Uebaoa; Montatfi
an ihn, 11. 1, S. 449—452-
Turibius, hl., (Mogrovwo), Eb. t«
Lima; seine Synoden, aoae BAT
keit, III. 2, S. 210-213.
Tuy (Tude), B., III. 1, S. 176.
u.
ülphilaö (t 398), U. 1, S. 480; s. Wi^
gothen, III. 1, S. S— 9.
Register.
671
Universitäten; Zeit ihrer ErrichtaDg,
HI. 2, S. 130—138. Der Klems auf
den Universit&ten, III. I, S. 377, 384.
Urban IL, P», and der Primat von To-
ledo, in. 1, S. 4—5 (ezimirt Compo-
Stella 1095), 8. 10, 11. ürban 11. und
Catalonien, III. 1, S. 186—188.
Urgel, B. Jnstns, If. 1, S. 440, 441,
448; seine Schrift über das hohe Lied;
seine Brüder, die Bischöfe Nebridins,
Jnstittianns o. Elpidins, S. 441 . B. Urgel
nie unterbrochen, II. 2, S. 361; B.
PaUas, S. 424, 4*25, 429; Synode v. J.
991 , S. 429'— 430; Felix von Urgel,
s. Adoptianer.
Urraca, Königin v. Gastilien und Leon
(1109), III. 1, S. 41 (regiert nicht glück-
lich, t 11. März llSf«), S. 65, 178, 180.
Usnardns und sein Martyrologium um
875, I., 8. 46, 72-73, 78, 195, 210,
313, 360-361, 371 ; II. 2, 8. 334—336.
V.
Valdes, Generalinquisitor, abgesezt v.
Pias V., III. 2, 8. 198.
Valencia, B.; Concil das. i. J. 546,
II. 1, 8. 452—454 mit 6 B. n. 6 Canones;
B. Jostinian, 8. 452, 453; Schriftsteller,
S. 455. Eb. 1458; Synode v. J. 1565,
III, 2, 8. 187; 1102 den Christen wie-
der entrissen, 111. 1, 8. 19; das Kgr. V.
erobert von Don Jsyme 1237—1238,
S. 217; neues B. 1240, 8. 218; Uni-
versitSt, 8. 235.
Valerius, Abt 695, IL 2, 8. 115; Leben
und Schriften, 8. 157, 158 (f c. 696),
S. 166; n, 2, 8. 4-5.
Valero, Franz, y Llosa, Eb. v. Toledo,
III. 2, 8. 323, 324.
Valenznela, Fernando da, „Grande'*,
in. 2, 8. 290, 292.
Valladolid, Universitfit und B., 11. 2,
S. 350; Concil das., 1137, III. 1, 8. 34;
Concil v.J. 1155, 8.38. Concil v.J. 1228,
8. 143 ; Concil v. J. 1322, 8. 375 bis
378, mit 28 Kapiteln. Autodafös, III, 2,
S. loo.
Valle, Thomas de, III. 2, 8. 398.
Valpairaiso, Kloster 1137, III. 1, 8.34.
Vas Conen, wilde Völker, U. 2 8. 150.
Vega , Garcilaso de la, Gesandter in Born
1498, III. 2, 8. 55.
Velez, Raphael,Eb. v. Santiago (f 1850),
III. 2, 8. 439—440.
Veremundns, hl., Abt von Hieraohe
(t 1092), III. 1, 8. 169, 170.
Verus, B. von Rhodez 625, II. 2, 8. 68.
Vieh, B. (Ausona); Bischöfe das., IL 2,
8. 359; B. wiederhergestellt, 8. 424;
provisorische Metropole, 8. 425, 426,
d. Johann. XIII. 965—972), Eb. Ado
(971), 8. 426, 427; zwei Bischöfe das.,
8. 430, 431; Congress, s. Oliva 1002,
8. 431; Cathedrale 1038 geweiht, 8. 436.
Vigilien, abgeschafft, III. I, 8. 377.
Vigilius, P. (537—555), IL 2, 8. 94.
Villanueva, Joaq. Lorenz, Gesandter
für Rom 1822, III. 2, 8. 432.
Villanueva', Jaime, m. 2, 8. 434;
dessen Viage literario 22 t, 1803 bis
1852 erschien., III. 2, 8. 484-437.
Villanufio, Matth., IIL 2, S. 422—423.
Vinco nz, M. mit Sabina und Christeta
V. Abula, L, 8. 344—350.
Vincenz, der Levite und M. (f 22. Ja-
nuar 305), L, 8. 376 — 382; IL 2,
8. 198, 200.
Vincenz von Leon und Ramirus, hL,
IL 1, 8. 490.
Vincenz, B. v. Ebuss, II. 2, 8. 52, 55.
Visen, B., II. 2, 8. 353, seit c 1144 re-
stituhrt, S. 408.
Vittoria, B. 1851, IL 2, 8. 71.
w.
Waldenser, IIL 1, S. 220.
Wallfahrten nach Palästina vor den
Kreuzzügen, IL 2, 8. 432—436.
Wamba, König 672, entfernt 680, IL 2,
8. 159—160, 167, 214—215.
Westgothen, die, IL 1, S. 480—491.
Die MOso-Gk>then, Katholiken, 8. 481 ;
Märtyrer unter ihnen. Die Westgothen,
als Arianer, 8. 481—482. König Ala-
rich in Italien, 481 (f in Cosenza 411),
8. 482. König Ataulf in (Milien 412,
414 in Spanien (f 415 in Barcelona),
S. 482. König Wallia 418, und das
Reich von Tolosa; König Theodorich
(t 451). König Theodorich IL, 8. 482
37*
572
Register.
bis 483, feindseliger Arianer seit 464,
S. 483. König Earich (466-484); das
grosse Gothenreich 483 omfasst Spa-
nien und den grOssten Theil von Gal-
lien. Enrich verfolgt die Katholiken,
S. 484. KOnig Alarich H. (484-507)
gestattet wieder Wahlen der Bischöfe,
S. 486; sein „Breyiarium", S. 485.
J. 506 Goncil in Agde, S. 485; er
fäUt 507 bei Poitiers, S. 486. Die Ka-
tholiken sind den Gothen treu, S. 486.
Theodorich, der Osfgothe, hilft den
Westgothen, S« 486; regiert 15 Jahre
als Vormund Aber Spanien (511^526);
König Gesalich (507-511), S. 486 bis
487. König AmaUich (526) über Spa-
nien und Septimanien, S. 186 — 1^7;
verfolgt seine katholische Gemahlin
Clotilde. Er wird bei Narbonne von
den Franken geschlagen 531. Es folgen
Wahlkönige; Theudes, der Ostgothe
(531—544), S. 487. Hauptstadt ist Bar-
celona, dann Toledo. König Agila,
549, ermordet von den Gothen 554, und
Athanagild, S. 488. Athanagild ruft
die Griechen zu Hilfe, S. 488. Er re-
giert 14 Jahre (552-566). König Liuva
(567 — 573). König Leovigild, sein
Bruder, regiert in Spanien, f&hrt glfick-
liche Kriege und ist Herr von ganz
Spanien, S. 488, 491 (f 586.) Sein Sohn
Reocared wird katholisch, S. 491.
Westgothen und Spanier vereinigt;
IL 2, S. 2. König Beccared als Ka-
tholik, S. 5. König Reccared und die
Synode v. J. 589, ^ 6—8, 14 (mit
62 Bischöfen). Die Gothen treten über
589, S. 8—11, unter ihnen acht aria-
nische Bischöfe, u. a. Ugnas, £b.? von
Barcelona. König Reccared (586—601),
S. 46—48. König Liuva IL (601-603),
S. 66 ; König Witterich (603—610),
S. 66—67; König Gundemar (610 bis
612)', S. 67 — 68; König Sisebut (612
bis 621) , S. 77 — 80. König Swintila
(621—631), S. 81. König Sisenand
(631, t 636), S. 81—82; König Chln- |
tUa (636, t 640), S. 119, 124; KA^
Tnlga (640—642), beaeitigt von Qixs.
daswinth 642 (f 652), S. 124, ITt
133—134. Raoeswinth Mitregw seit
649 (t 672). Die erste benere and
die zweite bösere Zeit scioer Re-
gierung, S. 126, 142 — 144. Eaaig
Wamba d. Grosse 672, S. 159—160, ItT«;
gestürzt von Erwig 680; Verlkll und
Fall des Gothenreiehs 680—711 ; Enh^
der Thronr&uber, S. 167; 174—175,
regiert bis 687. König Egica, sein
Schwiegersohn (687), S. 175, 1«4; 69b
Witiza, sein Sohn, Mitregeat. ^iet
t 702. Witiza (710), S. 184. Kfioig
Roderich (Rodrigo) fUlt ge^eo die
Araber, Juli 711, S. 185. Finis Vi»-
Gothorum, S. 239.
Ximenez, Franc, Card, (f 1517), m. 2,
S. 49; über Isabella, S. 126; Ckrd. 1507,
S. 127; 1495 £b. von Toledo; Groas-
Inquisitor 1507; hebt die Inquaitioa
ohne Hinrichtung. S. 137; bekehrt die
Mauren zu hizig, S. 128; nimnC
Oran 1509, S. 129; stiftet die Dnlrer-
sitfit AlcaU, S. 130; seine Refomea,
S. 189, 140; Reichsregent mit 80 Jahren
1616, S. 144, t 8. Nov. 1517, S. 145,
146; seine Biographen, S. 146, 147;
seine Briefe, S. 147, 14P.
Y.
Yepes, Anton de, Goronica der Beie-
dictiner, II. 2, S. 153—155; über die
Klöster in Navarra» S. 356—357.
z.
Zepedano (f April 1878); GeaeUeto
von Gompostella, III. 1, S. 107.
Zoylus, M. (., S. 360—362.
Zurita, Hier., für die Inquisitioiiy ÜLi,
S. 55, 74.
Errata.
lit« 5 Z«ll« S Ton
ob«! Um: PhiUpp V.
■tatt;
; PhlUpp II.
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n (1700-1750)
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(1700—1797.)
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(1789—1806.)
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(3onita&t|iia,
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3m Serlage Don ®. 3. SRang in SRegendSurg tft erfc^tenen imb bm^
aQe Suc^^anblnngen ju bejie^en:
P. R B. Oams 0. S. B.,
Episcoporum Ecdesiae CathoUcae,
quotquot innotuerant a beato Petro apostolo. A multis aiyatns edid.
4. maj. 26 M. 40 Pfl
Gtne 3ufammenflellung ber Stf^Bfe bei gangen ((rißlt^eii $9e(t in einem einiigea
8anbe Brfa§ hit\)tx bte Streratur no4 ni(^t, unb aüt ^erfud^e, eine fodfie ^eqifiellei,
tt)e(((e fett na^rjn (^nnbert Sauren gemacht »urben, fd^eitenen an ber iMit be« einen
ungemein grogen (tterarifc^en ilpparatd unb ungrn>9(nli(^e Jhrafcanßiengnng eiferberabcn
Unternehmen«. Unb abermald gefc^ab e«, bag bat, toai ber (Sinielne ffir ff<^ ntc^c »ermag,
nnnme(ir bnrcb beretnte JhrSfte ermBglt^t tt>uTbe. (Sine ans bem Orben bes ^iltgen sBenc*
bift ^en)orgegangene Arbeit liegt nun Dor, bur^b tt>e(cbe ber lang geb*gte Qnnfd^ no^
einem folgen 8tf(b9fe>8eT,ut(bni6 erfflflt xft. P. $tu« «ontfa} &am9, SRitgtieb tn 9tK*
bitttneiabtei gn @t. Oontfag in äRfinc^en, DoHenbete foeben bat IBerf, an wel(ttm hntöB
feit lh6i^ gebrucft mürbe, unter obigem ZittU — 9uf XXiV nnb 96^ Onortleiten |bib
bie Steigen unb 9lamtn f5mmtlt(b?r t^ifc^öfe ber r9mif4«tatboItf(ben Sett an<gef4iete8
na(t tbren ^istbümern, mit Ingabe bed 3a^re9 unb Saget tbrer föabl, Srneniran^
Serfe^ung unb beS Xobed, fo mett biefe Angaben immer nur gn erm5glt(^tt »arag
colnmnenmeife angefil(irt unter 9ugabe ber OueUcn, bie ficb am ^^luffe fflr jebef 6U«
tbnm t>ergetcbnet finben. — 8etta4tet man ben Sn^alt beS CBerlei mit (tjlprtfi^m fbige,
fo gie^t tcxxtiiöf bie gange CBelt« nnb S3tfergef(bi(bte, bie ®ef(btc(te eingebier S^att^oei,
bie (9efcbi(bte fleiner ^anbest^Ie an felbem oorfiber, bon iener ^th an, mo ba§ ij^tfli^
yrinctf) bie 3eit bnrcbbrang. «tflor. po(tt. ^U 62 t^b. 3. ^eft.
€^oflen mir unfer Clnburt^etl auifpre^en, fo gebt e« ba^in, bag bnr4 bie 8er«
Bffentlicbung biefei SBerteS ftöf P. $tu0 Öam« ein b(etbenbe€ nnb e^^renoelle« 2>eiiBel
für alle Ja^rbunberte gefegt iat
9lm ©(bluffe bemerten mir, bag ber 2aben|)reis tei 8n<beS 15 fL tfl, dn ^reti,
totlättx bei bem mfl^boQen 2)ru(f be« Serie« gegen Serfe anberer 9lrt als ein ungemein
billiger erfibeint, ba nnfeim (Srmeffen nacb ber 2)rncf aUein fi^erti^ einen Snfmanb tsen
fl. 6000 erforbert Jaben bürfte. «. ^it. 3eiig. 1873, «c 29.
Dr. E. Frantt,
Fra Bartolommeo della Porta.
Studie über die Renaissance, gr. 8. 3 M. 50 Pf.
In einer Besprechung Aber dieses Werk heisat es n. A.: «Wir freaen uns, daas
der grosse Dominicaner an Herrn Frantz, Priester der DiOoese Breskny einen ooape-
tenten Biographen gefunden, der nicht blos theolo^sch und historisch, sondem andi
artistisch geschnlt. mehrere Jahre lang die Bibliotheken und Knnstschätse Italiens
snm Gegenstand der gründlichsten Studien machen konnte. Sein Werk ist eine bedei-
tende wissenschaftliche Leistung, die in der literarischen Welt Aufsehen erregen
wird, eine nach Inhalt und Form yorzügliche Monographie Aber ein Zeitalter, welehsi
dem Perikleischen analog das tiefste moralische nnd politische und Wissenschaft lidw
Elend unter dem Singen der Dichter und dem Philosophiren der Gelehrten verfaftlHe, m-
imitten des Auflösungsprocesses der socialen Ordnung, die im Mittelalter dnreh das
Papstthum cur Einheit und GrOsse herangereift war.* H. U
X It. (Bfrörer, _«,
Ufaiift <^reaoritt$ VIL
ntib fein ^
7 9be. mt Staxitn. «c. 8. 74 iDt
SoOftfinbiged iRamen* unb Sac^regifter ^ieju bon Dr« Q. ^. Offen l^ctf»
gr. a 3 ÜR, 60 %
2)ie SertagS^anbrnng glaubt ^ jeber 9[n|>reifnng btefeS fBnfeS entgolten gn foOcn.
ihritifcn ber i»erf4teben9en färben (aben basfetbe bereits a(S eine ber grognrttgften Qx*
fd^eiunngen ber legten |met 3a^r(nnberte begrfigt.
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